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299 Bibliotheken, 5 Leser, 6 Gruppen, 18 Rezensionen

klassiker, lewis carroll, wunderland, alice, kinderbuch

Alice im Wunderland

Lewis Carroll ,
Fester Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Anaconda Verlag, 31.08.2011
ISBN 9783866476943
Genre: Kinderbuch

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17 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

gesichter, hyde, mord, zauber, jekyll

Dr. Jekyll und Mr. Hyde

Robert L. Stevenson
Fester Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Ueberreuter, 01.01.2011
ISBN 9783800056224
Genre: Kinderbuch

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6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde

Robert Louis Stevenson , Klaus Nägelen
Audio CD
Erschienen bei Der Audio Verlag, 23.09.2016
ISBN 9783862318599
Genre: Klassiker

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88 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 54 Rezensionen

kochen, rezepte, roman, usa, familie

Die Geheimnisse der Küche des Mittleren Westens

J. Ryan Stradal , Anna-Nina Kroll
Fester Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 24.08.2016
ISBN 9783257069754
Genre: Romane

Rezension:

Eva Thorvald reift zu einer meisterhaften Köchin heran, deren Geschmackssinn ohnegleichen ist. Köstlichkeiten wie nicht von dieser Welt bereitet sie zu, die so anschaulich beschrieben werden, dass man sie fast schmecken kann. Aber eben nur fast, denn man meint, solche leckeren Dinge gäbe es in der Realität kaum zu finden.

Ich muss zugeben, dass ich diesen Roman nicht ganz vorurteilsfrei zu lesen begonnen habe: Mir war von Anfang an klar, dass er mir gefallen würde. Ich bin bestechlich, wenn es um Essen geht. Dass „Die Geheimnisse der Küche des Mittleren Westens“ nun aber eines meiner Lieblingsbücher geworden ist, hat nicht nur mit Rezepten, einem ausnehmend schönen Cover und kulinarischen Beschreibungen zu tun.

Wir lernen Eva Thorvald oder auch die Welt um sie herum aus unterschiedlichen Perspektiven kennen. Dadurch wirkt die Geschichte dynamisch und abwechslungsreich; man meint, Eva von allen Seiten zu beleuchten. Ihre Karriere, ihr Charakter erscheinen somit glorreicher, als sie es aus ihrer eigenen Sicht könnten. Selbst, wenn man durch die Augen jener blickt, die Eva nicht einmal leiden können. Keine falsche Bescheidenheit!

Im Grunde werden in dieser Lebensgeschichte einer Frau vielmehr die kleinen (essentiellen) Momente ihrer Bekanntschaften zusammengefasst, die so unterschiedlich wie möglich gestaltet sind. Der Klappentext kann hier irreführend sein: Bisweilen vermisst man den Bezug zur hauptsächlichen Story, aber ich finde, am Ende läuft doch alles zu einem stimmigen Ganzen zusammen. Sogar die Rezepte, die zunächst wie zufällig eingestreut wirken, sind womöglich bedeutungsvolle Leitmotive. Diese Technik schließt Ausschweifungen gelegentlich ein, die sicherlich nicht jedermanns Sache sind. Meine schon.

Der Schreibstil ist flüssig und unverschnörkelt, die Handlung setzt meistens eher auf Tragik als auf Komik, verliert dabei aber kaum an Leichtigkeit. Die Charaktere lernt man so weit kennen, dass man einen groben Eindruck erhält, dann werden sie einem aus den Händen gerissen und machen anderen Figuren Platz. Man gewöhnt sich daran, bis zum Schluss nicht ganz vertraut mit ihnen zu sein, selbst mit der vermeintlichen Hauptperson nicht. Zumindest wird einem so nicht langweilig. Vielmehr bleiben Lücken, die der Leser mit seinen eigenen Ideen füllen kann.

Alles in allem eine klare Empfehlung für alle, die sich nicht allzu sehr auf die Erwartungen versteifen, die der Klappentext hervorbringt. Für alle, die Ausschweifungen verzeihen und Perspektivwechsel wie frische Brisen aus entgegengesetzten Richtungen genießen.

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Tags: backen, familie, kochen, rezepte, tragik   (5)
 

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159 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 91 Rezensionen

fußball, schweden, freundschaft, neuanfang, humor

Britt-Marie war hier

Fredrik Backman , Stefanie Werner
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei FISCHER Krüger, 23.06.2016
ISBN 9783810524119
Genre: Romane

Rezension:

Britt-Marie ist – und hat es – nicht einfach. Als sie sich für die Trennung von ihrem Mann entscheidet, beschließt, ihren ersten richtigen Job anzunehmen und außerdem in eine fremde Gegend zieht, muss sie einige verstörende Erfahrungen machen. Dass manche Leute ihre Besteckschublade nicht ordentlich zu halten wissen. Und, schlimmer noch: Dass manchmal selbst Natron nichts mehr retten kann.

Obwohl das Cover thematisch perfekt passt, erzählt es (dem vorurteilsbehafteten Leser) doch sehr von einer simplen, beinahe trivialen Komödie schnarchnasigen Humors – aus diesem Grund habe ich die vorigen Romane von Fredrik Backman nicht gelesen. Deren überschäumende Beliebtheit (vor allem Oves) machte mich dann doch neugierig auf Britt-Marie. 

Eines (das wohl Wichtigste) sei vorweg klar gestellt: Sie ist weder simpel noch schnarchnasig. Im Gegenteil! Es war wundervoll, eine so komplexe, interessante und einzigartige Romanfigur zu erleben. Eine glaubwürdige, unglaubliche Frau, die man zunächst nicht ausstehen kann, um sie schließlich in sein Herz zu schließen: neurotisch, nervig, liebevoll, sensibel, mutig. Und wie von einem anderen Planeten.

Backman räumt in seiner Danksagung ein, ein Anfänger zu sein, der viel zu lernen habe. Pustekuchen. Zumindest, was seine Protagonisten angeht, beherrscht er sein Handwerk offensichtlich meisterhaft. Sie durchleben einen Prozess – oder anders: Ein Prozess rüttelt und schüttelt sie durch. Äußerlich mag die Handlung nur wenig actionreich und eher alltäglich erscheinen (bis auf Höhe- beziehungsweise Tiefpunkte); die eigentliche Handlung spielt sich im Geist der Figuren ab.

Zu Beginn des eben erwähnten Prozesses sah ich bereits meine Hoffnungen schwinden. Britt-Marie war mir doch sehr unsympathisch und selbst Dialoge schienen zäh, das war nun einmal ihr besonderes Talent: dem Gegenüber ein Gefühl des Unbehagens zu bereiten. Die Komik dieser Szenen empfand ich eher als frustrierend. Wenn man jedoch geduldig bleibt, wird man relativ schnell damit belohnt, dass diese langweiligeren Stellen bald wirklich komischen, herzzerreißenden, intensiv emotionalen Stellen Platz machen.

Dazu trägt der ironische, gewissermaßen eigenartige (weil womöglich für den Autor charakteristische) Schreibstil bei. Er schafft es, vollkommen unkompliziert und flüssig zu bleiben, obwohl man doch manchmal, eben wegen der omnipräsenten Ironie, etwas mehr nachgrübeln muss. Wenn man, so wie ich, zwischendurch grundlos nicht begreift, wann eine Aussage gegenteilig oder ernsthaft gemeint ist. Lediglich beim Fußball hätte ich mir etwas mehr Zurückhaltung gewünscht: Der Autor scheint ein wirklicher Fan zu sein, meinetwegen.
Fußball bildet hier den Hintergrund, die Bühne der Handlung sozusagen, wie eine Leitung, über die Menschen global miteinander kommunizieren können. Mit der Wahl der Lieblingsmannschaft stellt man seinen Platz in der Welt und vielmehr seine Persönlichkeit klar. Das finde ich absolut in Ordnung. Fußball finde ich an sich auch okay, aber ich bin überhaupt kein „Fan“, weil ich allgemein schon das „Fansein“ (vor allem beim Fußball) nicht leiden kann. Deshalb erscheinen mir bisweilen wiederholte Liebesbekundungen an diesen Sport etwas übertrieben.

Wahrscheinlich war es für die Entwicklung Britt-Maries wichtig, sie zunächst möglichst unsympathisch darzustellen. So wird dem Leser vor Augen geführt, inwiefern er einem Menschen negative Stempel aufdrückt, noch bevor er hinter die Geschichte seines merkwürdigen Benehmens kommt.
Ich glaube ja ohnehin, dass man so gut wie jede Person mögen kann, wenn man erst weiß, weshalb sie sich wie verhält. Dazu muss man sich nicht gleich deren Kindheitstraumata vor Augen führen, es reicht auch, offen und tolerant zu sein und auch schon die bloße Bereitschaft, zuzuhören, wenn jemand den sehnlichen Wunsch hat, zu erzählen. Im Fall von Britt-Marie hat es sich für mich gelohnt.

Ganz ehrlich, der Titel passt so perfekt: Sie war hier. Nicht nur in Borg, sondern besonders in meinem Kopf und irgendwie auch in meinem Herzen (denn ich habe geflennt wie ein Baby), wo sie (vor allem im Kopf) einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Und mich dazu angeregt, auch die anderen Romane von Backman zu lesen. 

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Tags: fußball, leben, veränderung, wünsche   (4)
 

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95 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 43 Rezensionen

alligator, roadtrip, usa, reise, florida

Albert muss nach Hause

Homer Hickam , Wibke Kuhn
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 07.06.2016
ISBN 9783959670227
Genre: Romane

Rezension:

Die Ehe zwischen Homer und Elsie wurde von einer Größe arrangiert, die Kismet genannt wird - oder Schicksal. Ganz zufrieden sind sie jedoch beide nicht mit dieser Situation: Elsie sehnt sich nach einem glänzenderen Leben als in Coalwood, der Bergbaustadt. Außerdem ist sie sich ihrer Gefühle zu Homer nicht sicher, der sie wiederum über alles liebt, aber sich partout nicht mit Albert anfreunden kann – dem Hochzeitsgeschenk einer alten Flamme seiner Frau. Albert ist ein Alligator.

„Albert muss nach Hause“ ist eine irgendwie wahre und sicherlich sehr erfundene Geschichte vom Zueinanderfinden, Träumen und sich selbst Verwirklichen. Sie soll den Eltern des Autors widerfahren sein, der sie nun also in Form dieses optisch sehr ansprechenden Romans zu verewigen versucht.

Die beiden Hauptfiguren sind, vermutlich gerade weil es sich um Hickams Eltern handelt, verherrlicht wie Paare in alten Liebesfilmen. Zwar weisen sie hier und da geringe (menschliche) Schwächen auf, sind jedoch wohl die schönsten Menschen der Welt und symbolisieren jeweils (auf den ersten Blick) gegensätzlich scheinende Charaktereigenschaften: Homer die Freundlichkeit, Zufrieden- und Bescheidenheit, Aufrichtigkeit und so weiter, ein ganzer Held eben. Auf der anderen Seite haben wir Elsie, die ehrgeizig nach Höherem strebt, Abenteuerlust verkörpert und sich die typischen Zwänge der Frauen ihrer Zeit keineswegs gefallen lässt. Eine sehr liebevolle Figurengestaltung.

Ich muss offen gestehen, dass ich noch immer nicht ganz verstanden habe, was nun der Wahrheit entspricht und was nicht. Außerdem bin ich mir nicht sicher, ob ich die Metaphern, von denen der Roman überquellt, insgesamt überhaupt erkannt habe – der Hahn, der immer wieder auftaucht und sich auf Homers Schulter wie zu Hause fühlt, scheint mir beinahe für gar nichts zu stehen. Wie ein blinkendes Verkehrsschild, welches uns lediglich darauf aufmerksam machen soll, dass es zwischen den Zeilen Tiefgründigeres zu entdecken gibt. Wahrscheinlich wäre es sinnvoll, Albert noch einmal zu lesen, oder gleich mehrmals, um sich ganz dieser Schatzsuche zu widmen.

Der Schreibstil ist flüssig und angenehm, sodass man auch an den wenigen Längen des Romans keineswegs hängen bleibt. Auf einfach wirkende Art wird mal wohlige, mal schaurige und auch tieftraurige bis dramatische Atmosphäre erzeugt – was hier simpel erscheint, ist umso schwieriger zu bewerkstelligen und doch mit Bravour gelöst. Wie wenn man zig künstlerische Tricks und einen dicken Batzen Schminke anwendet, um möglichst ungeschminkt auszusehen (damit kenne ich mich bestens aus). Natural Look.
Manche Szenen wirken wie übergangslos aneinandergereiht, weil sie stets folgendem Muster unterliegen: Das Paar fährt, kommt irgendwo an, wo etwas stattfindet, was womöglich ihr Leben verändert, es aber höchstwahrscheinlich doch nicht tut. Und weiter geht die Fahrt.
Trotzdem wartet die eine oder andere Überraschung auf den Leser.

Zusammenfassend sei gesagt, dass es sich bei Albert muss nach Hause um einen der liebevollsten Romane handelt, die ich in letzter Zeit (je) gelesen habe. Eine klare Empfehlung für jeden, der etwas seelischen Urlaub braucht und sich in einem engen Buick (weil man den Rücksitz mit einem riesigen Reptil teilen muss) wohlfühlen möchte. Ein richtiger Inssofakuschelroman.

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Tags: alligator, haustier, liebe, reise, roadtrip   (5)
 

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5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Der Club Dumas

Arturo Pérez-Reverte , Claudia Schmitt
Flexibler Einband: 460 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 06.02.2017
ISBN 9783458362494
Genre: Romane

Rezension:  
Tags:  
 

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267 Bibliotheken, 5 Leser, 2 Gruppen, 112 Rezensionen

amnesie, thriller, entführung, baby, mord

Remember Mia

Alexandra Burt , Susanne Goga-Klinkenberg
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 22.04.2016
ISBN 9783423261012
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Wer Estelle mit ihrem Baby begegnet, widersteht selten dem Drang, die Augen zu verdrehen und sich die Ohren zuzuhalten. Mia schreit und schreit, ungehindert, ein beinahe dämonisches Kreischen, wenn man so will. Schnell kommt man zu dem Schluss, das Paradebeispiel einer schlechten Mutter vor sich zu haben. Wenn das Baby nun spurlos verschwindet und Estelle, scheinbar ohne jegliche Erinnerung, es der Polizei nicht gemeldet, sondern die Beweismittel beseitigt hat? Wenn man ihr das Irre schon an den Augen ablesen kann und sie in einer Schlucht gefunden wird, offensichtlich, weil sie sich das Leben nehmen wollte? Wer hielte sie dann nicht für die kaltblütige Mörderin ihres eigenen Kindes – zumal sie sich selbst nicht ganz sicher ist...

Was ist mit Mia passiert? Vordergründig beschäftigt sich die Geschichte mit der Klärung dieser Frage. Aber vielmehr noch geht es um den Prozess des Erinnerns. Und ganz besonders darum, dass eine Mutter lernt, die eigene Verantwortung nicht in Form von grenzenloser Schuld auf den Schultern mit sich herumzutragen. Um Vertrauen in sich selbst und Vertrauen in andere. Letztlich auch darum, Probleme und Anliegen anderer mit der nötigen Anerkennung und einem selbstverständlichen Respekt gegenüberzutreten: so verrückt sie auch scheinen.

Spannung wird hier sehr allmählich aufgebaut, mit so viel Vor- und Nachbereitung, dass der Weg zum Maximum und wieder hinunter etwas zäh ist. Man stelle sich jedoch den Mount Everest vor, da ist es ja genau dasselbe. Der Blick von ganz oben ist es, weshalb man erst raufgestiegen ist. Seinetwegen lohnt sich die Mühe. Der Berg Remember Mia ist allerdings nicht ganz so hoch (das wäre wohl allzu gigantisch).

Deshalb bin ich erleichtert, dass –
obwohl es noch möglich gewesen wäre – nicht weitere Hintergründe,
ein Epilog, Perspektivwechsel, hinzugekommen sind. Das hätte die
Handlung wirklich trüb werden lassen und meinen persönlichen
Vorstellungen von einem Thriller nicht mehr entsprochen.

Die Figuren sind schlüssig und mehr oder weniger detailliert ausgearbeitet, je nach Relevanz der Person für die Geschichte. Man verliert nie ganz das Misstrauen gegenüber Estelle, ebenso wenig wie sie selbst, was ich genial finde. Das liegt daran, dass man sie nie allzu genau kennenlernt. Wer weiß, vielleicht verbirgt sich doch ein Psychokiller hinter der hilflosen Fassade einer überforderten Frau? Ein Gedanke, den die Autorin geschickt aufrechtzuerhalten weiß.

Die Sprache ist einfach und schnörkellos. So überlässt sie größtenteils der Handlung das Feld, wenn es um Tiefe und Interpretationen geht. Vor jedem der vier Teile, in die der Text grob gegliedert ist, werden jedoch Zitate von Lewis Carroll aufgeführt; aus den Werken Alice im Wunderland und Durch den Spiegel. So bleibt der Phantasie zumindest ein kleiner Spielraum, metaphorische Parallelen zu finden, oder sich mit der Erinnerung, Verrücktheit, Vorstellungskraft an sich auseinanderzusetzen.

Die grausige Darstellung von Mias Geschrei wirkte zunächst wie eine Aufforderung, sich niemals Kinder anzuschaffen (wobei mein Wortlaut wirkt, als spräche ich von einem Hund oder einer Kommode). Es wird aber zügig klar, dass genau das Gegenteil angestrebt worden ist: Eine Hommage an das Muttersein, an die grenzenlose Liebe, die nur Mütter empfinden können.

Insgesamt ein wirklich gelungener Thriller, wobei der Höhepunkt der Spannung der Vorbereitung und dem Abflauen derselben nicht hundertprozentig gerecht geworden ist. Da kann man es wohl keinem gerecht machen, denn während ich mir möglichst viel Interpretationsspielraum wünsche, bevorzugen andere es, jedes Detail, jeden Werdegang so zu erfahren, wie es sich die Autorin (oder der Autor, allgemeiner formuliert) selbst vorstellt. Insofern wurde ein solides Mittelding gefunden.

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Tags: anstalt, entführung, erinnerung, kind, mord, mutter, therapie   (7)
 

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36 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 26 Rezensionen

dystopie, schweden, zukunft, jugendbuch, familie

Sturmland - Die Kämpferin

Mats Wahl , Gesa Kunter
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 01.02.2016
ISBN 9783446250918
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Womöglich steht Schweden in 50 Jahren kurz vor einem Regierungswechsel, noch tobt erbarmungsloser Krieg. Tod und Manipulation machen auch vor Elins Familie nicht Halt, die um ein weiteres Mitglied gewachsen ist: Elins Tochter. Die Protagonistin steht nun vor gänzlich neuen Aufgaben, deren Erfüllung die jüngsten Ereignisse deutlich erschweren. Sie steht vor einer Kette grausamer und lebensverändernder Erfahrungen.

Wie erhofft verdichtet sich die Handlung, jedoch sehr gemächlich; Elin wächst, wegen des Mutterseins und der Tragödien, die sie erlebt, über ihr kindisches Wesen des ersten Bandes hinaus. Auch die anderen Figuren, die schon bekannt waren, erfahren eine realistische Veränderung. Sie wachsen einem beinahe ans Herz, besonders die kleine Schwester Lisa und Gunnar, der Vater.
Eine weitere Intensivierung der Charaktere und Beziehungen ist somit für die Folgebände zu erwarten.
Obwohl die Figur Elin erwachsener geworden ist, hat sie jedoch bisher kaum an Tiefe gewonnen. Es mag an dem Schreibstil liegen, der uns ihre innersten Gedanken nicht mitteilt – ihr Charakter ist noch immer flach und man hat das Gefühl, die Handlung spiele sich weniger mit ihr als um sie herum ab.
Wann immer ein Problem auftaucht, welches ein Eingreifen erfordert: Elin zeichnet sich nicht gerade dadurch aus, auf besonders intelligente oder kreative Weise improvisieren zu können.
Ich frage mich immer wieder, ob solchen – auf dem ersten Blick negativen – Effekten des Erzählens nicht immer auch eine volle Absicht vorangegangen ist. Davon gehe ich einfach aus, weil ich es dem Autor grundsätzlich zutraue.

An Spannung hat die Geschichte an sich bereits zugelegt. Trotz wiederkehrender, langweiliger Situationen wie Verhöre, Stillen des Kindes und weitere, wird es besonders interessant, mehr über den Hintergrund der Geschehnisse zu erfahren. Mit der Zeit erhält man doch den Eindruck, dass auf einen besonderen Nervenkitzel hingearbeitet wird. Jedenfalls entspricht das meinen Hoffnungen.

Die Emotionen, die der Erzählweise gänzlich fehlen, werden nun sekundär über Elins Tochter Gerda vermittelt. Wenn sie schreit, herrscht im Allgemeinen eine gespannte Stimmung, wenn das Kind gluckst, weiß der Leser: alles ist in Ordnung. Mir persönlich missfällt die Präsenz eines ständig schreienden und nach Muttermilch verlangenden Kindes, sowohl in der Realität, als auch in der Lektüre. Es ist wie ein ständiges dröhnendes Rauschen in den Ohren.
Die Handlung schreitet dadurch nur sehr langsam voran, der Fokus wird immer wieder zurück auf Gerda gelegt. Andererseits gibt Elin als Teenie-Mutter immerhin ein ungewöhnliches Bild ab.

Geschickt eingefädelt! Obwohl nicht hundertprozentig zufrieden mit den ersten beiden Bänden, dominiert zumindest bei mir der Wille, zu erfahren, ob die Hoffnungen und Erwartungen und Wünsche im nächsten Buch vielleicht doch noch erfüllt werden könnten. Klugerweise wurde das ganze Potential der originellen und faszinierenden Grundidee noch längst nicht ausgeschöpft.

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Tags: dystopie, schweden, teen-mom, zukunft   (4)
 

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70 Bibliotheken, 2 Leser, 2 Gruppen, 30 Rezensionen

dystopie, schweden, zukunft, jugendbuch, familie

Sturmland - Die Reiter

Mats Wahl , Gesa Kunter
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 01.02.2016
ISBN 9783446249363
Genre: Jugendbuch

Rezension:

In fünfzig Jahren sieht das Leben in Schweden nicht sehr rosig aus: radioaktive Wildschweine machen Jagd auf Menschen, ein Bürgerkrieg ist ausgebrochen, die derzeitige Regierung überwacht ihre Bürger mit Drohnen und allerlei technischem Krimskrams. Schon im Kindesalter werden Schwedinnen und Schweden mit pädagogischen Beruhigungsmitteln gezähmt. Das Furchtbarste: es scheint, als könne man niemandem vertrauen; von zahlreichen Naturkatastrophen mal abgesehen.

Der erste Band der Reihe beschreibt das Leben des jungen Mädchens Elin, mit besonderem Augenmerk darauf, wie Gewalt, Gefahr, Angst, aber auch tief empfundene Liebe sie auf besondere Weise erwachsen werden lassen.

Mats Wahl, einer der bekanntesten Jugendbuchautoren Skandinaviens, hat eine sich mit der Zeit immer dichter und glaubwürdiger verstrickende Schreckensvision niedergeschrieben. Dabei lässt er den Leser die Welt selbst erfahren und versteift sich nicht auf allzu erklärende Beschreibungen.

Trotzdem empfinde ich gerade diese, also Beschreibungen, beziehungsweise alles, was nicht Dialog ist, als sehr fad.

Der Autor verzichtet ganz und gar auf innere Monologe, Gedanken, Emotionen. Der Schreibstil ist nicht einfach neutral, er ist gewissermaßen steril. Vermutlich soll auf diese Weise Objektivität gewahrt und die Dramatik und Trostlosigkeit des Lebens verdeutlicht werden. Bei vielen dystopischen Klassikern findet sich diese Methode wieder.
Hier schafft es die Handlung an sich allerdings kaum, durch situationsabhängige Spannung zu überzeugen. Elin wird häufig von Polizisten oder Soldaten abgefangen oder aufgesucht und verhört. Nach einer Weile kann das ziemlich langweilen.
Außerdem wird auch, was natürlich an der Übersetzung liegen kann, kaum mit der Sprache gespielt; stattdessen ist diese mit ständigen Wiederholungen und kaum abwechslungsreichem Erzählen gespickt.

Zum Glück sind die Dialoge dafür umso dynamischer und frischer. So gekonnt umgesetzt, dass sie alles andere beinahe zur Gänze wiedergutmachen. Ich wünschte fast, Wahl hätte ein Theaterstück anstelle einer Romanreihe verfasst.

Die Figuren sind liebenswert, widersprüchlich und dadurch realistisch gestaltet. Dazu passt deren Alltag, den fortschrittliche Technologien ebenso prägen wie vorsintflutlich erscheinende Kämpfe zwischen Nachbarn, Tauschgeschäfte, Isolation von der Außenwelt. Ein wirklich interessantes Zusammenspiel von Gegensätzen.

Ich bin mir sicher, dass die Reihe, je weiter sie fortschreitet, an Dichte und Komplexität gewinnen kann. In jedem Fall sind die Weichen für eine faszinierende Gesamtgeschichte gestellt, auch wenn der erste Teil nicht unbedingt durch Hochspannung oder federleichter Lesbarkeit überzeugen konnte.

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Tags: dystopie, erwachsenwerden, familie, schweden, zukunft   (5)
 

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stoffwechsel, kochbuch, gesunde ernährung, abnehmen, diät

Dr. Libby´s Stoffwechsel-Kick

Libby Weaver
Flexibler Einband: 176 Seiten
Erschienen bei TRIAS, 13.01.2016
ISBN 9783432100180
Genre: Sachbücher

Rezension:

In unserer Zeit sind Lebensmittel stark verarbeitet, von diversen Fertigprodukten gar nicht erst anzufangen. Was das langfristig für unseren Körper bedeutet, mag Dr. Libby Weaver, Ernährungswissenschaftlerin und Biochemikerin, sich kaum ausmalen. Da kommt die Evolution kaum hinterher, unseren Stoffwechsel den sich rapide verändernden Gewohnheiten anzupassen.


Darum setzt Weaver auf möglichst naturbelassene Lebensmittel, wenig Weizen- und Milchprodukte, dafür auf für manche von uns zunächst exotische Zutaten – es sei denn, man hat schon die eine oder andere (Paleo-)Diät ausprobiert oder sich vegan ernährt.

In diesem Rezeptbuch geben sie und Cynthia Louise (unter anderem Chefköchin und Ernährungsberaterin), parallel zu Dr. Libbys Ratgeber „Stoffwechsel-Geheimnis“, konkrete Vorschläge zur Umsetzung der dort gepredigten Lebensweise. Nicht nur „zum Abnehmen“, sondern bei unterschiedlichsten Beschwerden, deren mögliche Ursachen im genannten Ratgeber detailliert erläutert werden. Auch, wenn man diesen nicht gelesen hat, findet man sich dank kurzer Zusammenfassung der wichtigsten Theorien sehr gut zurecht. Den therapeutischen Ansatz kann „Stoffwechsel-Kick“ jedoch kaum ersetzen.

Gut finde ich, dass sich schnell herauskristallisiert, wie man seine Nahrungszufuhr selber gestalten kann. Man findet hier einiges, was man so auch übernehmen kann, aber es bleibt eine Menge Raum, anhand erlernter Prinzipien eigene Gerichte zu kreieren. Dazu dient auch der Teil „ Speisekammer-Grundausstattung“, was selbsterklärend ist und ein Stück Ordnung ins Ganze bringt.

Ansonsten sind die Rezepte übersichtlich in Frühstück, Smoothies und Drinks, Mittagessen, Snacks, Abendessen, Dressings und Würzsaucen und zuletzt Desserts gegliedert; außerdem gibt es ein ausführliches Glossar. Hier hätte ich mir für noch mehr Übersichtlichkeit eine weitere Unterscheidungshilfe gewünscht: zum Beispiel, wie man es in einigen Wörterbüchern hat, außen an den Seiten noch eine Markierung für den jeweiligen Bereich, oder eben verschiedene Schriftfarben (nicht nur rot). Das hätte einem das Finden beim Blättern erleichtert, aber natürlich kann man auch Klebezettel verwenden. Das ist Meckern auf relativ hohem Niveau.

Das Buch enthält zahlreiche Fotos, nicht nur zu jedem Rezept. Jedes Bild ist phantastisch und regt dank intensiver Farben den Appetit zweifelsohne an – mir haben es besonders die Desserts angetan!
Wie man ohne raffinierten Zucker und mit so wenig Mehl solche Torten backen kann, war mir zu Anfang ein Rätsel, aber nun weiß ich: man kann. Sehr gut sogar.

Jedes Rezept ist entweder vegan und/oder glutenfrei, oder es werden Anmerkungen zu veganen/glutenfreien Alternativen gegeben. So passt sich das Buch, obwohl die Originalausgabe schon 2012 in Neuseeland erschienen ist, perfekt den aktuellen Food-Trends an.

Die Umsetzung der meisten Rezepte ist nicht kompliziert, man muss sich nur gegebenenfalls an die Tasse als Maßeinheit gewöhnen. Da ich keine Küchenwaage besitze und generell eher nach Augenmaß gehe, war das für mich persönlich kein großes Problem – nach wenigem Herumprobieren. Nicht zu wiegen ist ohnehin sinnvoll: Laut Weaver soll man, abgesehen von reichlichem Grüngemüse, höchstens etwa zweimal das Volumen seines leeren Magens zu sich nehmen, was ungefähr den beiden geballten Fäusten entspricht. Damit dürfte jeder zurechtkommen, wenn es auch dürftig scheint.

Leider sind viele Zutaten, vor allem die exotischsten, nicht gerade günstig und auch nicht in jedem Supermarkt zu finden. Teilweise wächst so der Wocheneinkauf auf die Größe einer Schatzsuche heran. Manche Komponenten jedoch lassen sich im Drogeriemarkt oder in Biomärkten, oft auch in einigen Asiamärkten aufstöbern.

Letztlich stufe ich den Aufwand, den dieser Lebensstil mit sich bringt, wenn man Suchen, Preise, Zeitmangel und teilweise auch Verzicht zusammennimmt, sehr hoch ein. Besonders zu Beginn der Umstellung. Wenn man den Dreh raus und seine Speisekammer entsprechend vorrätig gefüllt hat, fällt ein Teil der anfänglichen Schwierigkeiten selbstverständlich weg.

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Tags: diät, energie, kochen, paleo, rezept, stoffwechsel   (6)
 

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1.254 Bibliotheken, 34 Leser, 0 Gruppen, 249 Rezensionen

erotik, geneva lee, liebe, royal passion, royal

Royal Passion

Geneva Lee , Andrea Brandl
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 18.01.2016
ISBN 9783734102837
Genre: Erotische Literatur

Rezension:  
Tags:  
 

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40 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 29 Rezensionen

abnehmen, stoffwechsel, sachbuch, ratgeber, ernährung

Stoffwechsel-Geheimnis: 9 magische Bausteine zum schlank werden & bleiben

Libby Weaver
Flexibler Einband: 184 Seiten
Erschienen bei TRIAS, 13.01.2016
ISBN 9783432100210
Genre: Sachbücher

Rezension:

Dr. Libby Weaver hat schon unterschiedlichsten Menschen geholfen, die zwar alles Erdenkliche getan hatten, um Abzunehmen, bei denen sich jedoch nichts tat, oder schlimmer noch: die immer mehr zunahmen. Mit diesem Werk kann man sich ein wenig so fühlen, als sei man selbst einer ihrer zahlreichen Klienten.

Eines der Hauptziele dieses Buches ist eindeutig, den Körper als lebendes System anzuerkennen, dessen Signale wahrzunehmen sind, weil es ständig kommuniziert. Es warnt uns, wenn wir ihm Unrecht tun. Wenn wir auf unsere Körper hören und ihre Botschaften richtig deuten, führen wir ein weitgehend gesundes Leben – jedenfalls insofern, dass wir zumindest nicht jeden Schrott in uns hineinstopfen.

Problematisch ist ja nun: Woher soll ich wissen, was ich meinem Körper zuführen darf und was nicht, wenn ich nicht weiß, wie ich dessen Signale zu interpretieren habe? Und, schlimmer noch: Was, wenn ich deutlich spüre, wie er um Hilfe ruft und sich sträubt, meine Gefühle und Gedanken jedoch mächtiger sind? Oft ist ja nicht das Wissen um gesunde Ernährung und Lebensweise unser Problem, sondern das Abwägen und das Sich-letztlich-für-das-Falsche-entscheiden-weil-man-nicht-anders-kann.
Symptome sind ja nichts anderes als Hilferufe des Körpers. Treffenderweise hilft die Autorin direkt zu Anfang, sich an ihnen zu orientieren: Die unterschiedlichen Bausteine, bzw. Baustellen des Stoffwechsels, sind aufgelistet und mit ihnen typische Symptome. Je mehr auf einen zutreffen, desto sinnvoller ist eine intensive Beschäftigung mit dem jeweiligen Thema. Hierzu findet sich im Anhang des Buches eine Tortengrafik, die der Leser diesbezüglich so für sich ausfüllen soll, dass ein optimal übersichtliches „Stoffwechsel-Krankheitsbild“ entsteht. Wo liegen meine Schwächen? In welchen Bereichen bemerke ich schon Verbesserungen? Diese Idee und auch die Umsetzung halte ich für besonders gelungen.
Natürlich kann man Symptome immer sehr unterschiedlich deuten, manche sind sogar so schwammig, dass jeder sie bei sich wiederfinden könnte – aber das ist vollkommen normal. Es kann ja nicht schaden, sich um sich selbst zu kümmern, egal in welcher Hinsicht.
Trotzdem: Betont wird, wie wichtig es sei, Stress zu vermeiden. Wenn man aber, so wie ich, ein kleiner Panikbolzen ist, was mögliche Worst-Case-Ursachen zu vergleichbar banalen Symptomen angeht, verursacht gerade das einen ziemlichen Adrenalinschub. „Ich könnte vielleicht das haben, und das, und das...“
Das kennt im Grunde jeder, wenn man bei einem Muskelkater anfängt, zu googlen und sich am Ende fragt, warum man überhaupt noch Gehen kann. Ich übertreibe hier allerdings ein wenig.

Man hat, während man sich mit dem Stoffwechsel-Geheimnis beschäftigt, grundsätzlich das Gefühl, von jemandem beraten zu werden, der wirklich möchte, dass es einem besser geht. Nicht nur, dass man bestimmte Produkte kauft und spezielle Programme bezahlt und irgendwelchen besonderen Trends hinterherläuft. Es werden unterschiedlichste Möglichkeiten zu Diagnosen und Therapien erwähnt, sodass meistens relativ objektiv breite Spektren erfasst werden und der Leser weitgehend autonom bleibt. Es werden auch konkrete Verbesserungsvorschläge gegeben, man wird nicht mit einer Diagnose alleingelassen. Vor allem, weil sogar ein dazu passendes Kochbuch der Autorin zeigt, welche Umsetzungsmöglichkeiten sich einem bieten.

Die Vorgänge des menschlichen Stoffwechsels werden stets in möglichst einfachen Worten, je nach Komplexität sehr gut verständlich und meistens so logisch beschrieben, dass man Zusammenhänge nach und nach versteht und es einem teilweise „wie Schuppen von den Augen fällt“.

Dr. Weaver versucht offenbar, die Diversität der Problemgeschichten unterschiedlichster Klienten einigermaßen in ihrem Buch abzudecken. Klar, dass man sich nicht immer angesprochen fühlt, wenn von bestimmten Sehnsüchten die Rede ist: ständig wird das Thema Kaffee angesprochen, auf (gefühlt) fast jeder Seite. Selbst, wenn man kein koffeinliebender Typ ist oder Alkohol im Übermaß trinkt, kommt es einem irgendwann so vor, als ob diese die Hauptübeltäter – auch im eigenen Leben – sein müssten.
Man möchte also gerne den einen oder anderen Abschnitt überspringen; dann wiederum wird zu Anfang darauf hingewiesen, wie sehr alles aufeinander aufbauend erklärt würde und wie wichtig es sei, auch wirklich von vorne bis hinten alles zu lesen. Nach Beenden der Lektüre halte ich das allerdings für nicht wirklich bedeutend, wenn auch nachvollziehbar.

Ich fürchte, dass es nicht zu vermeiden war, wenn gelegentlich Ausführungen fader wirkten als andere, denn sie waren dann von chemischem und theoretischem Inhalt, den man nicht immer allein mit Worten schmackhaft, oder besser: einprägsam machen kann. Hier wären einige grafische Verbildlichung manchmal vielleicht nicht schlecht gewesen.
Ich finde aber, dass das dem Ganzen noch eine stärkere Glaubhaftigkeit verliehen hat. Die Frau weiß eben genau, wovon sie redet, denn sie kann fachbuchartig schreiben. An anderen Stellen zeigt sie die unterhaltsame Seite ihres Schreibstils, wenn sie von eigenen Erfahrungen mit Klienten spricht. Man hat den Eindruck, ihr vertrauen und seine Gesundheit quasi in ihre Hände geben zu können.

Trotzdem rate ich, die Regeln beziehungsweise Tipps zur gesünderen Lebensweise nicht einfach zu befolgen, sondern selbst entsprechend weiter zu recherchieren, denn selbst dieser Ratgeber ist womöglich nicht mehr auf dem allerneusten Stand. Im Internet finden sich zu einzelnen Themen zahlreiche Diskussionen, beispielsweise inwiefern das Trinken von Wasser den pH-Wert im Magen beeinflusst.
Was diesen Punkt jedoch wieder wettmacht, ist folgender Hinweis im Anhang: Es wurde eine (englischsprachige) Website erstellt, die sicherstellen soll, dass Leser, die sich übrigens kostenlos registrieren lassen dürfen, immer auf dem neuesten Stand der Forschung bleiben (www.accidentallyoverweight.com). Eine exzellente Idee!

Letztlich handelt es sich hierbei um eine Lektüre, die den empathischen Charakter ihrer Autorin widerspiegelt und trotzdem professionell, logisch und auch sehr inspirierend bleibt.
Ich persönlich habe die eine oder andere Erkenntnis verinnerlicht und setze den einen oder anderen Ratschlag um, weil ich davon überzeugt bin, meinem Körper gegenüber fair und fürsorglich zu handeln.
Schon allein diese Überzeugung gibt Kraft, seine Lebens- und Ernährungsweise zu verbessern, selbst wenn man nicht besonders über- oder untergewichtig sein mag.
Nicht ausschließlich zum Schlankwerden und -bleiben.

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Tags: abnehmen, biochemie, ernährung, gesund, lebensweise, lifestyle, stoffwechsel, verdauung, vorsätze   (9)
 

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125 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 0 Rezensionen

tagebuch, bridget jones, roman, liebesgeschichte, frauen

Bridget Jones - Am Rande des Wahnsinns

Helen Fielding
Flexibler Einband
Erschienen bei Goldmann, 01.01.2012
ISBN B0013T1GH8
Genre: Liebesromane

Rezension:  
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156 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 32 Rezensionen

rachel joyce, sterben, harold fry, hospiz, tod

Der nie abgeschickte Liebesbrief an Harold Fry

Rachel Joyce , Maria Andreas-Hoole
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei FISCHER Krüger, 07.10.2014
ISBN 9783810521989
Genre: Romane

Rezension:

Dies ist keine Fortsetzung des Romans  Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry, es ist dieselbe Geschichte, aus einer anderen Perspektive - somit wieder etwas ganz anderes. Man meint zwar, wenn man mit jemandem eine Art inniger Seelenverwandtschaft teilt, wenn man eine Person fest verankert im Leben einer anderen sieht, dann existiere so etwas wie eine gemeinsame Zeit. Dies hier ist jedoch das alleinige Gedankengut Queenie Hennessys, voll von Geheimnissen, voll von vermeintlicher Schuld und Erinnerungen und Leben.

Die Handlung des vorherigen Harold Frys ist also für die Nachvollziehbarkeit des vorliegenden Romans nicht notwendig, auch mir fehlt sie gänzlich, ohne, dass ich sie vermisse. So ist auch Harolds Persönlichkeit eine Nebensache, denn gewissermaßen verarbeitet Queenie durch die einseitige, schriftliche Kommunikation mit ihrer großen Liebe um Grunde ihr eigenes Sein - eigentlich kommuniziert sie mit sich selbst (könnte man meinen).


Erinnerungswürdig finde ich persönlich,  wie mit Antagonisten umgegangen wirdSo ist das Leben, heißt es an irgendeiner Stelle im Roman, und so zeigt dieser sich auch: wie das echte Leben (wenn man von gewissen Bewusstseinsfähigkeiten ablässt, die erstaunlich und unerklärbar, zugleich frustrierend sind, aber trotzdem möglich scheinen - ich weiß, das ist für jemanden, der das Buch nicht gelesen hat, vollkommen sinnfrei).

So zeigt sich an keiner Stelle auch nur der geringste Argwohn gegenüber Menschen, selbst, wenn ihnen eigentlich die Rolle der Bösewichte zugeschrieben wird. Man stellt sich häufig vor, und erlebt auch bisweilen, wie gutmütig Menschen werden, die im Begriff sind, mehr oder weniger vorbereitet zu sterben. Ihnen wird eine Weisheit zuteil, die jungen Leuten fremd sein muss. Weil gewissermaßen sowohl Bedeutsamkeit als auch Nichtigkeit des Lebens im Gleichgewicht sein müssen, bei einer Betrachtung aus der Metaebene. Oder so. Ich kann mich ja jetzt nicht aufspielen, mir fehlt da jegliche Erfahrung.


Obwohl es darum geht, zu zerfallen, zu Staub quasi, ist dieses Werk doch voll von zartem Humor. Sterben heißt nicht immer zu verlieren, zu jeder Zeit des Lebens kann man gewinnen, wenn man sich dem Leben öffnet. Auch im Sterben liegt nicht nur Verlust. 

Und doch ist Sterben manchmal ein langwieriger Prozess, besonders dann, wenn er ein bewusster ist. Genauso langwierig erschien mir die Lektüre bisweilen. Wenn man als Leser Queenie schon längst verziehen hat, sie jedoch noch lange nicht bereit dazu ist und sich im Kreise zu drehen scheint, ist das nicht wirklich förderlich für eine unterhaltsame Zeit. Man fühlt dann auch nicht mehr so  mit, wodurch Emotionen in Gähnen verwandelt werden. 

Trotzdem halte ich das Werk im Großen und Ganzen für gelungen. Es ist eines dieser Bücher, deren Zauber noch viel besser wirkt, wenn sie  vorgelesen werden. So wirkt die schlichte Sprache noch natürlicher, kurzweiliger.

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Tags: krebs, liebe, sterben   (3)
 

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154 Bibliotheken, 5 Leser, 2 Gruppen, 14 Rezensionen

männer, frauen, beziehungen, kurzgeschichten, japan

Von Männern, die keine Frauen haben

Haruki Murakami , Ursula Gräfe
Fester Einband: 200 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 04.10.2014
ISBN 9783832197810
Genre: Romane

Rezension:

Murakami, von einer ganz anderen und doch der altbewährten Seite.


Letztens habe ich in diesem Buch gelesen, während einer Vorlesung, und mir die Frage gestellt: Was für Probleme müssen Männer haben, die frauenlos sind?

Mein Blick wanderte über die vorderen Reihen, von Hinterkopf zu Hinterkopf. Viele maskuline Hinterköpfe beginnen bereits, licht zu werden. Fast schon richtige Glatzen, finde ich, ohne, dass die Kopfbesitzer es auch nur erahnen. Sie haben ja keine Frau, die sie von hinten sehen und darauf aufmerksam machen können. Aber ist das ein Problem, oder ein Umstand, von dem man möglichst lange nichts wissen möchte?


In wenigen Tagen wird Murakami der  "Welt"-Literaturpreis 2014 verliehen, nicht nur dafür, dass er ebenso über Haarlosigkeit philosophieren kann, wie ich. Er kann, was man als guter Autor können  mussWelten erschaffen. Das macht er dann auf eine Weise, als sei er der literarische Salvador Dalí unserer Zeit.
Von Männern, die keine Frauen haben: Das klingt ja eher real, weniger surreal.  Alltäglich sogar. Das sind beinahe die meisten der Geschichten. Sie handeln von Männern, die es so höchstwahrscheinlich auch gibt. Man liest, dann schaut man sich den Nachbarn an, der sein Bier stets einsam trinkt und nur zu duschen scheint, wenn es unbedingt nötig ist. Egal, wann oder wobei man ihn sieht. Dieser Mensch ist plötzlich ein Spiegel in eine andere Welt. Murakami macht's möglich, aber ich entschuldige mich hiermit bei all den Männern, die auch frauenlos wunderbar funktionieren. Metaphern leben nun einmal von Klischees. 

Jede Geschichte ist  geheimnisvoll. Man munkelt und will wissen, wie viel von dem beliebten Autor in den Figuren stecken mag, und, wenn überhaupt, welch seltsame, teils erschreckende Erfahrungen der arme Kerl schon gemacht haben muss. Immerhin, umso besser für den Interessantheitsgrad der Handlungen.
 Der für ihn typische,  düstere Surrealismus ist präsent, sodass ein geübter Murakami-Gernleser nicht von diesem Werk enttäuscht sein kann. Dass die deutsche Version noch vor der englischen publiziert wurde, passt jedoch zu dem einzig negativen Punkt, der mich allerdings nur zu Beginn störte. Die Übersetzung wirkt gewissermaßen gehetzt, es wurde zunächst wenig auf einen abwechslungsreichen Wortschatz geachtet, viele Worte wiederholen sich. So, dass man ein Trinkspiel daraus machen könnte. Das gibt sich jedoch, man muss sich nicht einmal sonderlich dran gewöhnen.  (Betrunken ist man dann trotzdem schon. Oder fühlt sich Murakamis Schreibstil wie Betrunkenheit an? Wenn ich so darüber nachdenke, ja.)

Anscheinend wurde die Gelegenheit genutzt, mal eben auch der Literatur, dem Schreiben an sich und Vorbildern zu huldigen. Der Titel bezieht sich auf Hemingways  Men Without Women.

Bemerkenswert ist diesbezüglich auch die Geschichte
 Samsa in Love, eine Umkehrung der berühmten Kafka-Erzählung Die Verwandlung: Hier verwandelt sich nicht Gregor Samsa in einen Käfer, sondern ein Käfer in Samsa. Wie würde sich ein Insekt fühlen, wenn es plötzlich mit den schrägen sexuellen Instinkten eines menschlichen Mannes konfrontiert würde? Liebe ist eine seltsame Angelegenheit, soll das heißen. Hinter all dem Alltäglichen, dem Gewohnten der Gefühle und des Körperlichen steckt stets etwas, das Lächerlich ist oder zumindest unbegreiflich. Immer neu. Vor allem kann der Schlag einen auch treffen, wenn die Welt um einen herum zusammenbricht (oder gerade dann). Die wahren Probleme und Interessen der Menschheit sind geschlechtlichen Ursprungs, könnte man meinen. Gleichzeitig ist es möglich, dass es sich hierbei einfach um eine faszinierende Geschichte der Faszination willen handelt. Die Interpretationen gefallen mir trotzdem.


[Seite 30] „Der zwischenmenschliche Umfang, besonders der zwischen Mann und Frau ist - wie soll ich sagen? - zu komplex. Verschwommen, selbstsüchtig, schmerzhaft.“

Dieses Buch ist Futter, wie ein nicht sättigendes, eher Lust auf mehr machendes Menü aus sieben Gängen. Ein bisschen Liebe zur Literatur, ein bisschen Liebe zu Frauen, ein bisschen Liebe zum Seltsamen, ein bisschen Liebe zur Liebe.


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Tags: affären, beziehungen, einsamkeit, frauen, fremdgehen, männer, surrealismus, tod   (8)
 

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32 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Schloss Gripsholm

Kurt Tucholsky
Flexibler Einband: 147 Seiten
Erschienen bei Rowohlt, 01.01.1964
ISBN B0000BOPFS
Genre: Sonstiges

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Schloss Gripsholm

Kurt Tucholsky , Manfred Zapatka
Audio CD
Erschienen bei Argon, 27.03.2014
ISBN 9783839891933
Genre: Romane

Rezension:  
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heimkind, schweden, freunde, sommer, 1930er jahre

Schloß Gripsholm / Rheinsberg

Kurt Tucholsky
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 15.05.2012
ISBN 9783596512331
Genre: Klassiker

Rezension:  
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hape kerkeling, kindheit, krankheit, der junge muss an die frische luft, biografie

Der Junge muss an die frische Luft

Hape Kerkeling
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Piper, 06.10.2014
ISBN 9783492057004
Genre: Biografien

Rezension:

Eine Persönlichkeit, das ist nicht gleich eine Person. Das sind alle Personen und alle Orte und jede Luft, die man im Leben jemals aufgesogen hat.  Hape Kerkeling würden viele Leute als die Persönlichkeit schlechthin bezeichnet. In seinem neuen Buch erklärt der Entertainer, aus welchem Holz er wirklich geschnitzt ist.

Nach dem riesigen und berechtigten Erfolg des - man könnte es folgendermaßen nennen - Pilgertagebuches  Ich bin dann mal weg, welches nicht zuletzt auch in mir den dringenden Wunsch nach Jakobsmuscheln weckte, handelt es sich bei dem neuesten Werk um ein noch persönlicheres, um ein noch bewegenderes.
Die Reise nach Santiago de Compostela hinterließ Sympathie und Wohlwollen von allen Seiten, die vorliegende Schilderung intimster Anekdoten und Tragödien hingegen verdient zudem größten Respekt. Ich will im Grunde nicht allzu sehr in Bildern sprechen, aber man kann in der Tat behaupten: Dermaßen nackt hat man Hape Kerkeling noch nie gesehen.

Die literarische Qualität halte ich für vollkommen angemessen.
Kerkeling ist kein hauptberuflicher Autor, er ist vor allem Entertainer. Nach der Lektüre will ich sogar behaupten, dass er schlicht und ergreifend auf menschlicher, weniger auf literarischer  Mission ist. Dazu kann eine eigene Erfahrung kaum literarisch sein, denn literarisch, das heißt manchmal  unecht.
Somit handelt es sich hier nicht um nobelpreisverdächtige Kunst im Sinne der Wissenschaft. Es finden sich tatsächlich einige durchaus poetisch anmutende Stellen, die mir glockenhell, aber keineswegs tinnitusartig in den Ohren klangen. Dann aber wiederholen sich Phrasen hier und da, manch ein Dialog hätte noch weiter ausgebaut werden können (aber auch, weil ein Kind, dem Schokolade angeboten wird, nicht mit einem einzigen Riegel zufrieden ist). Insgesamt eine ausgeglichene Leistung. 
Geschrieben wird einfach, wie der Schreiber  ist, und das macht das Geschriebene umso sympathischer.

Außerdem würde einer Geschichte, die der Untermalung willen ausgeschmückt wurde, Maßgebliches fehlen: Authentizität; jene, die ich besonders an  dem Jungen, der an die frische Luft muss, bewundere. Sie zeichnet auch jede einzelne Figur aus, die einem hier mehr oder weniger über den Weg laufen. Häufig meint man, bekannte Gesichter aus seiner Familie in ihnen zu erkennen; spezielle Rollen in der Verwandtschaft gibt es, die werden stets von derselben Art Familienmitglied besetzt, obwohl es niemandem zu gleichen scheint.
Als herausragende Eigenschaft veranschaulicht eine unverblümte Ehrlichkeit dem Leser, dass der Publikumsliebling zwar für ebendieses (das Publikum) geschrieben hat; sei es,  um ihm Mut zu machen, Verständnis zu erzeugen, auch zur Unterstützung Kranker und als Hommage an die Menschen, die ihn geprägt haben - jedoch vermute ich auch, dass er das Buch zu keinem geringen Anteil ebenso für sich selbst geschrieben hat. Ein von-der-Seele-Schreiben, ein sich-selbst-Verdeutlichen. Gewissermaßen ein sein-Leben-vor-sich-Ausbreiten. 

Lustig sein ist eine seelische Bereicherung (und das sage ich, obwohl ich gar nicht lustig bin). Auf bemerkenswerte Art bekräftigt der Autor seine innige Liebe zum menschlichen Humor, die beim Lesen regelrecht Lebenslust verbreitet und glücklich macht. 

Nicht zu missachten ist auch folgende Botschaft an den Leser, etwas, das zumindest ich gelernt habe: dass ein Mensch, der zur öffentlichen Person gemacht wird, noch immer ein  Mensch ist. Mit einer einzigartigen Geschichte, die nur eben  diesem Menschen gehört. Jedermanns Geschichte kann erzählt werden und bleibt doch Eigentum dessen, der sie erlebt hat.

Direkt zu Anfang lachte ich, bis meine Sitznachbarn in der Bahn am liebsten den Platz gewechselt hätten. Nicht lang darauf weinte ich, als klebten frische Zwiebelscheiben zwischen den Buchseiten.
 Das ist es doch, worum es beim Lesen geht. Geschüttelt werden, und gerührt. Das schafft nicht einmal jeder fiktive Roman, gar nicht erst von Sachbüchern anzufangen, von arroganten Autobiographien selbsternannter Gandalfs. 
Mit diesem Buch beschenkt Hape Kerkeling sich selbst und die Welt.

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Tags: entertainer, kindheit, komiker, memoiren, rampenlicht, rückzug   (6)
 

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124 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 35 Rezensionen

klon, klone, adolf hitler, marilyn monroe, dolfi und marilyn

Dolfi und Marilyn

François Saintonge , Olaf Roth
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei carl's books, 08.09.2014
ISBN 9783570585375
Genre: Romane

Rezension:

Wir befinden uns im Frankreich des Jahres 2060. Tycho Mercier ist - zumindest sagt er das von sich selbst - angesehener Geschichtsprofessor; in gewisser Weise tröstet ihn diese Tatsache darüber hinweg, dass seine Frau Phoebé sich von ihm getrennt hat und er allein für die Erziehung des Sohnes Bruno verantwortlich ist. Zum Glück scheint dieser ebenso wissbegierig zu sein wie sein Vater. Gerade das dunkle Kapitel deutscher Geschichte fasziniert ihn - so strahlt der Junge übers ganze Gesicht, als ihm die Ehre zuteil wird, mit einem echten Klon (dem sechsten) Adolf Hitlers Kriegsspiele auf dem Computer spielen zu dürfen.

Herrlich, oder?

Jedoch handelt es sich um einen verbotenen Klon. Oh, nein! Was machen wir nun?, fragt sich Tycho, und fragt sich. Und fragt sich. Fast ist er in der Lage, sich seine Frage zu beantworten, da taucht ein Abbild Marilyn Monroes auf, was zu weiteren Verkomplizierungen führt. Man darf sagen: der Professor ist restlos überfordert. Dies ist das Buch seiner sich stets um sich selbst drehenden Gedanken.


Ein Überraschungserfolg, der bei der deutschen Leserschaft nicht recht ankommen will. 


Dem Autor fehlt jegliches Talent des Kürzens, habe ich den Verdacht. Das ist beinahe das, was mich am meisten an diesem Roman stört. Dazu kommen die hohen Erwartungen, die der witzige Titel, die verrückte Idee und das ungewöhnliche Cover setzen.

 Spannung ist im Grunde nie vorhanden, sicherlich interessante Szenen zwar, aber auf seltsame Weise ungenutzt. Vielleicht soll hierdurch bekräftigt werden, dass Merciers Leben trist und seine Abenteuerlust stark beschränkt ist? Aber wieso schreibt man einen Roman, der die Leser absichtlich langweilt? Nein, der Unterhaltungsversuch ist eindeutig vorhanden - in Form von Adolf Hitler. Zieht ja vermutlich immer, hat nur hier nicht funktioniert, höchstens provokativ, trotzdem effektlos.


Saintonge, das Pseudonym eines angeblich bereits renommierten französischen Autors, konzentriert sich hier auf die Erschaffung eines ganz und gar nervtötenden, leicht beirrbaren und erwürgenswerten Protagonisten. Tycho Mercier steht ständig auf dem Schlauch, auch wenn der Leser bereits Schlussfolgerungen ziehen kann. Das mag ein lustiges Konzept sein, kann einen allerdings auch zur Weißglut treiben.

Man könnte meinen, dass er die instabilen Persönlichkeiten des deutschen Volkes widerspiegeln soll, die es Hitler damals erst recht möglich gemacht haben, als Idealfigur an die Macht zu gelangen. In Dolfi und Marilyn wird die Macht der geschickt manipulierten Atmosphäre thematisiert, die sogar fest verankerte Ideale umkehren kann. Das aber nur am Rande - man muss bis zum Ende durchhalten, um so weit zwischen den Zeilen lesen zu können. Dazu kommt, dass dieses Thema nicht einmal anschaulich, eher langatmig umgesetzt wird.


Kritisiert wird an der Lektüre unter anderem, dass die Zukunftsversion wenig Futuristisches an sich hätte, dem muss ich jedoch widersprechen. Es werden keine Printbücher mehr produziert, ein Teil Deutschlands ist unabhängig geworden, die durchschnittliche Lebenserwartung ist stark gestiegen, und so weiter, abgesehen vom Klonen. Nichtsdestotrotz handelt es sich um Details, die jedem hätten einfallen können, nicht wirklich originell, nicht wirklich überraschend. Insgesamt kann man sich nur sehr schwer ein Bild vom Leben außerhalb des Professorenhirns machen.

Wie sollen auch die Farben einer Landschaft für deren Schönheit sprechen, wenn einem der Kopf in einer Tüte steckt? Saintonge setzt dem Menschen ungefragt eine Tüte auf, kann man ihn dafür vielleicht anklagen?


Zusammenfassend kein überzeugendes Werk. Ideen sind reichlich vorhanden, man kann sogar einigen Tiefsinn entdecken. Es fehlt jedoch die Würze. Der Humor ist als solcher kaum erkennbar, denn das hieße ja, der Professor sei witzig, oder man könne wenigstens über ihn lachen. Zwar spielt der Autor mit Metaphern und Ironie, die Sprache wird dadurch aber nicht weniger trüb. Tatsächlich ist es eine Qual, Merciers Gedankengänge verfolgen zu müssen, man lacht nur, wenn man das Buch zum letzten Mal zuschlagen darf: vor Erleichterung. 




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Tags: biotechnologie, klonen, langweilig, zukunft   (4)
 

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832 Bibliotheken, 4 Leser, 3 Gruppen, 34 Rezensionen

tagebuch, liebe, humor, single, frauen

Bridget Jones - Schokolade zum Frühstück

Helen Fielding , Ariane Böckler (Übers.9
Flexibler Einband: 343 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 01.08.2001
ISBN 9783442450602
Genre: Liebesromane

Rezension:  
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43 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

buchpreis, literatur, englische literatur, literaturpreis, humor

Der beste Roman des Jahres

Edward St Aubyn , Nikolaus Hansen
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.09.2014
ISBN 9783492054355
Genre: Romane

Rezension:


Den diesjährigen Gewinner des Elysia-Preises, der normalerweise für Literatur vergeben wird, ernennt die wohl kompetenteste Jury überhaupt. Warum nur häufen sich die Probleme? Intrigen und Skandale, Beziehungen und Bindungen, Familiengeschichten und seltsame Zufälle erschweren die Wahl. Befinden wir uns hier in der Literaturbranche oder drehen wir Hollywood-Filme?
 Jeder Autor ist überzeugt von seinem Werk, bis auf Lakshmi Badanpur, deren Kochbuch es durch ein Missverständnis auf die Longlist geschafft hat. Und wessen Werk einfach unbeachtet blieb, der hat mit noch viel größeren Schwierigkeiten zu kämpfen: dem Ego eines jeden Künstlers und dem tödlichen Strudel der romantischen Liebe.

Auf den ersten Blick kommt  Der beste Roman des Jahres daher wie die mit Abstand eleganteste Schachtel Zigaretten weit und breit. Auch sein Inhalt gleicht einem der schädlichen Zylinder, nur eben, dass er im Grunde vollkommen gesundheitsneutral ist, es sei denn, man vergisst das Essen und Trinken oder gar Atmen beim Verzehr der süchtig machenden Lektüre. 

Es handelt sich hierbei um eine  unterhaltsame Satire, die mit überraschenden Wendungen, realitätsnaher und glaubhafter Ko mik, immer aktueller Thematik und zuletzt sogar mit einer gewissen (kriminellen) Spannung aufwartet. Dem Leser drängt sich angenehmerweise eine unbändige Lust auf, zu schreiben  - so hielt auch ich selbst mitten in der nächtlichen Atmosphäre stets einen Notizblock bereit, um eventuell die Lektüre zu unterbrechen, weil mir eigene, verrückte Ideen gekommen waren. Verschiedenste Facetten des Leser- und Schreiberdaseins werden beleuchtet, teilweise liest man Texte mit den Protagonisten mit, die (bezieht sich auf Texte und Charaktere zugleich) unterschiedlicher nicht sein können - eine genüsslichere Inspiration kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. 

Beinahe paradox ist die Liebe zum Detail, die raffinierte Handwerkskunst einer wie mit der Pinzette zurecht gerückten Geschichte, wenn man deren komprimierte Form bedenkt. Angemessene Längen, aber auch beabsichtigte Dynamik hängen gänzlich von der jeweiligen Figur ab, aus deren Perspektive der Leser die Welt gerade beobachtet. In dieser Hinsicht erinnert die spezielle Schreibweise fast Koeppens  Tauben im Gras, nur in einer sofort verständlichen und bescheideneren Form, jedoch auch mit dem Fokus der Handlung auf ein öffentliches Event, welches außerdem durch die Anwesenheit aller bekannten Personen ein gewisses Chaos beherbergt. Soll heißen, dass an dieser Stelle die Tendenz zur Überforderung gegeben ist.

Der Autor beschäftigt sich mit der Frage nach dem Wesen der Literatur. Ist sie nicht schlicht und ergreifend  Kunst? Sind nicht alle wirklich guten Romane  Kunstwerke und somit aufgrund ihrer Einzigartigkeit unvergleichbar? Vielmehr spielt scheinbar bei der Erstellung einer Longlist alles andere eine Rolle: Politik, Geld, Macht, Sex, menschliches Versagen, Missverständnisse und nach einer äquatorlangen Kette auch irgendwann, beinahe unbedeutend: der ganz und gar eigene Geschmack. 

Über dieses Werk enthusiastisch zu behaupten, es sei der beste Roman des Jahres, käme einer Beleidigung gleich, die dreister nicht ausfallen könnte. Wer solch eine Lektüre für irgendeinen Buchpreis nominieren würde, wäre entweder bodenlos frech, oder aber hätte ihre hauptsächlichen Thesen nicht annähernd verstanden. 

Ich wage jedoch zu behaupten, dass ich für mich persönlich feststellen darf, in diesem Jahr nur wenig Vergleichbares gelesen zu haben. 

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Tags: buchpreis, humor, intrigen, kochbuch, literaturpreis, satire   (6)
 

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17 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 11 Rezensionen

flucht, münchen, roman, deutsch, jugendleben

Lisa heißt jetzt Lola und lebt in der Stadt

Romy Hausmann
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Heyne, W, 11.08.2014
ISBN 9783453417670
Genre: Romane

Rezension:

Lisa würde lieber Lola heißen. Das ist ganz normal. Ich wollte früher auch lieber Bibi Blocksberg sein. Und  Lisa klingt nun wirklich langweilig. Abgesehen davon hat die Protagonistin dieses Romans ganz andere Probleme: Seit ihre Mutter Suizid begangen hat, lebt sie bei ihrer Oma und ihrem psychisch labilen Vater. Das macht auch ohne Taschenrechner 0,0% pädagogisches Talent. Dazu noch in diesem Kaff, wo sich Karrierechancen auf den Titel einer Wurstfachverkäuferin beschränken. Kein Wunder, dass das Mädel eines Tages ausreißt - ohne Plan; ohne die Fähigkeit, Ansätze eines Planes zu entwickeln. Hat das Dorfleben jeden Funken Liebe in Lisas Leben verschluckt? Kann wenigstens eine Großstadt wie München ihr ein ordentliches Bild rosaroter Träume zeichnen? 


 Mein Papa weigert sich, folgende Wahrheit zu akzeptieren: Wenn meine Freunde langhaarig sind, heißt das nicht gleich, dass sie kiffen.
Und wenn der Titel eines Buches auf dem Cover schnörkelig ist, dann heißt das nicht gleich, dass es hinter der Fassade auch flauschig und lieb zugeht. So. Der Meister der Weisheiten hat gesprochen.

Die junge Autorin zeigt in diesem Werk viele (hoffentlich nicht alle) Facetten ihres Könnens.  Dynamische Assoziationsketten, zeitgenössischen Wortwitz, durchdachte Charaktere. Was den Stil des Romans am meisten ausmacht, ist der  bitterböse Humor, der es schafft, niveauvoll unter die Gürtellinie zu gehen. Was  ich jedoch niveauvoll finde, muss es nicht unbedingt auch  sein.
 Wenn ich derartige Witze in einer Menschentraube mache, schauen mich erst alle Leute  erschrocken, dann angewidert an. Und irgendwie werde ich dann aus der Traube hinausbefördert. Als ob die Frucht Stuhlgang hätte - ich in der Rolle des Exkrements. Meistens merke ich das erst im Nachhinein, weil ich in der Regel viel zu sehr mit Lachen beschäftigt bin. Doch plötzlich stehe ich allein da (leises Klaviergeklimper  an).  Traurig. Über mir die einzige, winzige Regenwolke des warmen Sommertages. Und Tränen auf meiner Wange.  Viele Tränen. Wer das liest, muss sich ein abgrundtiefes Seufzen vorstellen, und jetzt (!) vergessen, was er gelesen hat.
         (denn das war ja offensichtlich übertrieben ... echt! Ach ja: Klaviergeklimper  aus)

 „Eigentlich - wenn ich das mal so formulieren darf - scheiße ich auf meinen Job. Natürlich nur im übertragenen Sinne, denn obwohl ich nicht viel darüber weiß, über meinen Job, meine ich, bin ich mir ziemlich sicher, dass man nicht auf die Wurstauslage kacken sollte.“  [S. 5]
Tja. Jetzt ist Festhalten und Anschnallen angesagt, denn: Ich finde den Roman ganz und gar nicht witzig. Nicht, dass ich nicht gekichert hätte. Ich habe sogar sehr viel gekichert, aber irgendwie gehört es sich einfach nicht, über Lisas Schicksal zu lachen. Sie ist emotional gestört und davon überzeugt, dass sie niemals jemand lieben wird. Jäh aufkeimende Hoffnungen werden zerdeppert, bevor sie erst richtig aufkeimen können. Dann dieser nervtötende Charakterzug: Das Schwarzsehen. Nie die Initiative zu ergreifen, und wenn doch, dann jämmerlich scheitern - warum? Weil Lisa klammert. Dieser Mix aus Klammern und Wegwerfen ist bisweilen zu viel für einen armen, psychologisch ungeschulten Leser. Und auch meine geliebten Assoziationsketten  und Perspektivwechsel, diese ganzen rhetorischen Spielereien können einen überrennen wie eine Horde Ochsen. Was der eine originell findet, kann den anderen schnell erdrücken wie Großtantes üppiger Busen. Oder umhauen wie ihr miefiger Atem. Da hätte man sich tatsächlich ein wenig zurückhalten  können. Nicht müssen.

Mich hinterließ dieses Buch jedenfalls fasziniert, deprimiert, frustriert. Erleichtert und bemitleidend. Einerseits mit einem blinkenden Fragezeichen über dem Kopf, andererseits ... Nein, das kann ich so nicht weiterführen. Ich meine, wer hat schon ein Semikolon oder einen Doppelpunkt ... 
Die Charaktere sind zum Verrücktwerden. So, wie echte Menschen. 
Die Geschichte trägt einen starken Sarkasmus, oft auch schon Zynismus auf der Oberfläche, wie es mit manchen Personen ist, die im Inneren tieftraurig sind. 

Ich merke schon, dass die Stimmung an irgendeiner Stelle eingefroren sein muss. Zum Schluss also ein paar tröstende Worte an Lisa höchstpersönlich:

  Lisa. Kopf hoch! Lola klingt wirklich besser. Aber du heißt nun einmal Lisa, bis du deinen Namen offiziell geändert hast. Aber das macht gar nichts. Ich bleibe auch ich. Nicht, weil ich nicht Bibi Blocksberg sein könnte, sondern, weil ihre Stimme so nervig ist (in beiden Varianten). Außerdem findet sich immer wer, der auf Großtantes üppigen Busen steht. Großonkel, zum Beispiel. Und es gibt Leute, die lassen sich von Ochsen nicht so einfach umrennen. Die schwingen sich auf deren Rücken und  reiten sie. So. Der Meister der Weisheiten hat gesprochen - und  verschwindet in einer türkisen Rauchwolke, mit einem omnipräsenten, zarten, magischen Plöppen.

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Tags: extrem, komisch, krass, schräg, seltsam, traurig   (6)
 

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34 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 16 Rezensionen

horror, zombies, zombie, endzeit, berlin

Totes Land - Ausnahmezustand

M.H. Steinmetz
Buch: 600 Seiten
Erschienen bei Mantikore-Verlag, 24.07.2014
ISBN 9783939212560
Genre: Fantasy

Rezension:

Die Apokalypse, dargestellt in Deutschland. Was von Hobbyüberlebenden normalerweise (mehr oder minder) professionell simuliert wird, überschreitet die Grenze zur Realität. Infizierte, die andere Menschen angreifen. Ein unbekanntes Virus mit ekelerregenden Folgen. Markus weiß sofort, dass die Lage ernst ist, also flieht er. Sein einziges Ziel ist Sicherheit: Anette, seine Freundin, kilometerweit entfernt von ihm, befindet sich höchstwahrscheinlich in Gefahr. Und das Böse nimmt bereits die Fährte auf, den Geruch gesunden Fleisches in seiner Nase.  Noch gesunden Fleisches.

Ein simples Gleichnis fasst im Grunde genommen alle störenden Aspekte des Romans zusammen:
Wenn man sich ein Omelett bestellt, erwartet man nicht, ein rohes Ei serviert zu bekommen.
Das Huhn, welches mit aller Liebe und Müh jenes Ei gelegt hat, sein geliebtes Kind, kann eigentlich gar nichts dafür, dass es nicht weiter bearbeitet worden ist. In dem Fall handelt es sich bei dem Huhn um den Autor. Das soll natürlich keine Beleidigung sein, eher ein Kompliment. Wobei es dem Huhn egal ist, ob man sein Kind roh verspeist oder erst, nachdem es in der Pfanne gelegen hat - dann wiederum steckt ja kein echtes Kind drin, wenn das Ei unbefruchtet war und überhaupt, das war ein blödes Gleichnis (bin ja auch nicht Jesus).

Man findet sich einer  Idee mit recht großem Potenzial entgegengestellt. Hier und da hätten Szenen ausgearbeitet werden können, vielleicht auch sollen - im Gegenzug gibt es sicherlich auch Längen, die eine Kürzung gut vertragen hätten. Ein ganz und gar unvollkommenes Werk, ein vermutlich durchschnittliches Maß an Arbeit für das Lektorat. Was sich zwischen den hübschen Buchdeckeln befindet, scheint jedoch eher ein Manuskript zu sein,  Rechtschreibfehler, unbeholfene Dialoge häufen sich, Probleme, die nach wenigem Korrigieren behoben sein müssten. Ich stelle mir das jedenfalls so vor; schließlich habe ich noch niemals in einem Verlag gearbeitet. Aber mal im Ernst: das hätte sogar  ich geschafft, und ich bin auch nicht gerade ein Duden mit Haaren auf dem Kopf. Sogar kostenlos!

Die Charaktere sind mehr oder weniger realistisch dargestellt; Markus, der Hauptcharakter, gewinnt Sympathien durch seine Eigenheiten und Charakterfehler. Und Antipathien. Je nach Geschmack.
 Ich persönlich wurde nicht damit warm, welchen Stellenwert eine feste Beziehung für ihn zu haben scheint. Mir obliegt es nicht, hier zu viel zu verraten, jedoch wage ich zu hoffen, dass meine Abneigung Positives über mein eigenes Beziehungsverhalten aussagt, immerhin. Ob die Figuren logisch handeln, kann ich kaum beurteilen. Was ist schon Logik, wenn man dem Weltuntergang ins Auge sieht? Andererseits hat, wenn ich meinen Gedankengang verfolge, also gar nichts eine Bedeutung, im Grunde sind alle Regeln aufgehoben und der Roman kann sein, wie er will. Auch grammatikalisch. Das geht ja nun wieder nicht.

Die Handlung an sich klettert ab dem letzten Drittel die Spannungskurve blitzschnell hinauf, wo sie plötzlich stoppt:  ein Ende, das viel verspricht und selbst den zunächst abgeneigtesten Leser auf den zweiten Teil neugierig macht. Viele offene Fragen, die Präsenz des Bösen, eine beinahe selbstständige Dynamik - Zutaten, die sogar viele förmliche Schwierigkeiten verzeihen lassen. Wenn man vorher keine Salmonellen bekommen hat, wenn man bis hierhin durchgehalten hat, will man mehr: Zu hoffen gibt auch die Ankündigung eines neuen Lektors für die folgenden Bände. Hoffentlich ist das jemand, der versteht, aus Eiern ein Omelett zu machen. Oder vegan: Aus einem Salatblatt ... ein Salatblatt. Eines, das schmeckt.

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