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66 Bibliotheken, 7 Leser, 1 Gruppe, 32 Rezensionen

bruder-schwester beziehung, drei frauen, ex-ehefrau, psychospielchen, stalkerin

The Wife Between Us

Greer Hendricks , Sarah Pekkanen , Alice Jakubeit
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 15.05.2018
ISBN 9783499291173
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Zunächst beginnt die Story ganz spannend. Vanessa, verlassene Ehefrau von Richard, verkraftet die Trennung nicht. Sie, die mit Richard ein Luxusleben führte, muss nun als Verkäuferin in einem Laden für Nobelklamotten arbeiten und bei einer Tante wohnen, weil sie sich keine eigene Wohnung leisten kann. Als sie bei der Arbeit eine Frau aus ihrem früheren Bekanntenkreis aus der Zeit während ihrer Ehe mit Richard trifft und diese ihr erzählt, dass Richard seine neue Freundin heiraten will, bricht sie zusammen. Sie beginnt, der neuen Freundin nachzustellen und will die Hochzeit um jeden Preis verhindern.

Nellie kann ihr Glück kaum fassen. Der attraktive, reiche und charmante Richard will ausgerechnet sie zur Frau! Die Erzieherin, die in einer WG lebt und nicht gerade im Geld schwimmt, wird von heute auf morgen in einer Villa im Grünen wohnen und sich alles leisten können. Die Bemerkung ihrer besten Freundin und Mitbewohnerin Sam, Richard sei zu gut um wahr zu sein, ignoriert sie ebenso wie die warnende Stimme in ihrem Inneren. Dass Richard Entscheidungen über ihren Kopf hinweg trifft und über jeden ihrer Schritte Bescheid zu wissen scheint, zum Beispiel. Sie fühlt sich beobachtet und erhält anonyme Telefonanrufe. Steckt womöglich ihre Vorgängerin dahinter, über die Richard nicht reden will? Überhaupt weiß sie herzlich wenig über ihren Verlobten und dessen Vergangenheit, doch es scheint sie nicht zu stören.

Obwohl die Zutaten zu diesem Krimi stimmen, empfand ich das Buch bis etwa zur Mitte als ziemlich zäh. Dann bekommt die Geschichte allerdings eine unerwartete Wendung und endet mit einer Überraschung.

Für mich war es ein eher mittelmäßiges Buch. Gestört haben mich neben den langatmigen Beschreibungen auch inhaltliche Unstimmigkeiten. So kauft Nellie eines Tages rosa, weiße und gelbe Geranien – gibt es gelbe Geranien? – und in einem Aquarium schwimmen Clownfische und Neonsalmler nebeneinander, also Salz- und Süßwasserfische.
Bei der Szene, in der Nellie die ihr bis dahin völlig unbekannte Schwester Richards umarmt und ihr im ersten Satz mitteilt, sie habe das Gefühl, sie werden wie Schwestern sein, konnte ich nur den Kopf schütteln. Vorsicht, Schleimspur!
Und dass Richard seiner Ex aus heiterem Himmel einen Blankoscheck überreicht, obwohl sie seine geplante Ehe mit allen Mitteln torpediert, fand ich auch nicht sehr glaubhaft. Weshalb sollte er das tun? Es ergibt absolut keinen Sinn.
Das überraschende Ende hat mich ein bisschen mit dem Rest versöhnt, aber den vielen sehr guten Bewertungen kann ich mich nicht anschließen.

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(85)

154 Bibliotheken, 15 Leser, 1 Gruppe, 71 Rezensionen

familie, roman, adoption, feuer, shaker heights

Kleine Feuer überall

Celeste Ng , Brigitte Jakobeit
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 20.04.2018
ISBN 9783423281560
Genre: Romane

Rezension:

Die Geschichte handelt von zwei Familien: der gutsituierten Familie Richardson mit ihren vier Kindern und ihren Mietern, der alleinerziehenden Mia Warren und ihrer Tochter Pearl.
Das Leben dieser beiden Parteien könnte unterschiedlicher nicht sein. Familie Richardson lebt seit jeher ein bürgerliches Leben in der Mustergemeinde Shaker Heights, in der alles und jedes geregelt ist, sogar die Farbe, in der die Häuser gestrichen sein dürfen, während die unkonventionelle Künstlerin Mia von Gelegenheitsjobs lebt und mit ihrer Tochter ein Nomadenleben führt. Sobald Mia eines ihrer Kunstprojekte zu Ende gebracht hat, ziehen sie weiter. Dieses Mal soll es anders werden, sie wollen sich in Shaker Heights niederlassen, doch die äußeren Umstände lassen dies nicht zu.

Gleich zu Beginn brennt das Haus der Richardsons ab. Offensichtlich handelt es sich um Brandstiftung. Der Verdacht drängt sich auf, dass die jüngste Tochter der Richardsons, Izzy, dafür verantwortlich ist.
Wie es dazu kam, wird dem Leser nach und nach klar. Während es Pearl sehr zu den Richardsons zieht, ist Izzy fasziniert von Mia und ihrer Kunst. Mia, die zunächst nicht viel mit dem Rest der Richardsons zu tun hat, beginnt auf Bitte von Mrs. Richardson, die glaubt, ihr damit einen Gefallen zu tun, als Haushaltshilfe stundenweise bei ihren Vermietern zu arbeiten und bekommt so einen guten Einblick in deren Leben. Gleichzeitig beginnt Caroline Richardson, die als Journalistin für eine Lokalzeitung arbeitet, in Mias Leben herumzuschnüffeln. Sie ahnt, dass Mia ein Geheimnis hat, das sie unbedingt aufdecken will...
Die Leseprobe von „Kleine Feuer überall“ sprach mich nicht sonderlich an, aber ich muss sagen, der erste Eindruck hat getrogen, denn es ist ein wundervolles vielschichtiges und fesselndes Buch, das mich nicht losließ.

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(47)

51 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 48 Rezensionen

krimi, flüchtlinge, london, flüchtling, dänemark

Das Meer löscht alle Spuren

Lone Theils , Ulrike Brauns
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 24.04.2018
ISBN 9783499273155
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Auch der zweite Band der Reihe um die Journalistin Nora Sand spielt abwechselnd in Dänemark und London. Der berühmte iranische Schriftsteller und Nobelpreisträger Manash Ishmail, der nach seiner Flucht aus dem Iran in einem dänischen Auffanglager gelandet ist, verlangt, Nora Sand zu sprechen. Nur ihr will er ein Interview geben. Als Gegenleistung soll Nora ihm dabei helfen, seine Frau Amina, die bei der Flucht von ihm getrennt wurde, zu finden. Da die beiden fortan in London leben wollten und dort einen Journalisten als Ansprechpartner haben, ist Manash auf den Namen der Auslandskorrespondentin Nora Sand gestoßen.
Da in Noras Privatleben gerade alles drunter und drüber geht, ist sie froh, sich in ein neues Projekt stürzen zu können. Bald merkt sie jedoch, dass es nicht einfach ist, etwas über Amina in Erfahrung zu bringen. Amina ist zwar in London angekommen, doch dann wurde sie in einer Nacht- und Nebelaktion abgeholt. Möglicherweise eine Verwechslung? In der privaten Flüchtlingseinrichtung, in der sie vermutlich untergebracht wurde, stößt Nora auf eine Mauer des Schweigens. Eine Krankenschwester lässt ihr eine kurze Information zukommen. Die Frau hat offensichtlich Angst, zu Recht, wie sich kurz darauf herausstellt.
Zeitgleich zu ihren Recherchen über Aminas Verbleib soll Nora Sand für ihre dänische Zeitung ein Portrait des bekannten Pharmaunternehmers Erik Biehl schreiben, dessen Firma in Kürze ein bahnbrechendes neues Medikament zur Gewichtsreduktion auf den Markt bringen will. Nora findet heraus, dass es Verbindungen zwischen der Pharmafirma und der Londoner Flüchtlingseinrichtung gibt. Je mehr sie sich mit dem Fall beschäftigt, desto gefährlicher wird die Lage für Nora. Als dann auch noch mehrere wichtige E-mails wie von Geisterhand von ihrem Server verschwinden, merkt Nora, dass sie einer großen Sache auf der Spur ist...
„Das Meer löscht alle Spuren“ ist ein spannender und gut durchdachter Krimi, der mir noch besser gefallen hat als der erste Band der Reihe. Einige Fragen blieben für mich allerdings offen, beispielsweise welche Rolle der dänische Geheimdienst PET in dem Ganzen spielte und wieso ein gewisser Kritiker des Unternehmens nicht einfach klammheimlich aus dem Weg geschafft, sondern ein vermeintlicher Selbstmord inszeniert wurde. Außerdem erscheint es mir seltsam, dass ein Unternehmen bereits ein Medikament auf den Markt bringen will, mit dem es offensichtlich noch große Probleme gibt. Trotzdem kann ich den Krimi voll und ganz empfehlen. Ich habe ihn in Rekordzeit gelesen und freue mich schon darauf, noch mehr von Lone Theils zu lesen.

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(42)

49 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 41 Rezensionen

pharmaindustrie, thriller, krisenmanagement, indien, berlin

Riskante Manöver

Birand Bingül
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei btb, 10.04.2018
ISBN 9783442716388
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Das neue, speziell für Kinder entwickelte Medikament „Validolor“ der Firma Wenner steht im Verdacht, für den Tod eines Kindes verantwortlich zu sein. Mats Holm, seines Zeichens PR-Agent, wird gemeinsam mit seiner Partnerin Laura May angeheuert, um die Firma gegenüber den Medien zu vertreten und den Skandal so gut wie möglich in Grenzen zu halten. Mats nimmt den Auftrag unter einer Bedingung an: dass Wenner ihm die Wahrheit sagt. Von Anfang an ist klar, dass es für Holm nicht damit getan ist, ein paar Pressemitteilungen zu schreiben. Mats und Laura stellen auf eigene Faust Recherchen an.
Eine Mitarbeiterin von Wenner Pharma ist verschwunden. Hat sie einem amerikanischen Konkurrenzunternehmen Informationen zugespielt und sich abgesetzt? Oder ist ihr etwas zugestoßen? Dann verschwindet ein zweiter Mitarbeiter und wird kurz darauf ermordet aufgefunden. Da der Mann den Ruf hatte, nichts anbrennen zu lassen und sich außerdem entsprechende Spuren am Tatort finden, wird schnell die Ehefrau des Ermordeten als Täterin ausgemacht. Doch ein Indiz passt nicht. Vielleicht war es auch ein eifersüchtiger Ehemann oder womöglich Wenner Pharma?
Als ob Mats Holm nicht schon genug mit diesen Fällen zu tun hätte, teilt ihm seine 17jährige Tochter auch noch mit, dass sie schwanger ist. Bei einem Gespräch mit ihrem Vater stellt sie ihm einige Fragen im Zusammenhang mit dem Selbstmord ihrer Mutter vor vielen Jahren. Doch Mats erzählt ihr nicht alles, und auch der Leser erfährt nicht, welche Informationen er zurückhält.
Am Ende löst sich der Fall, doch anders als es zunächst den Anschein hatte. „Riskante Manöver“ ist ein spannender Krimi mit gut durchdachtem Plot und glaubhaften Personen. Allerdings hatte ich teilweise Probleme, die vielen Namen auseinanderzuhalten.
Was mir gut gefallen hat, war der unerwartete Schluss. Da nicht alle Fragen beantwortet wurden, gehe ich davon aus, dass es bald eine Folgeband geben wird, in dem Mats Holm und Laura May einen neuen Fall zu lösen haben.

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(23)

27 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 22 Rezensionen

portugal, leander lost, algarve, angola, autismus

Lost in Fuseta

Gil Ribeiro , Andreas Pietschmann
Audio CD
Erschienen bei Argon, 12.04.2018
ISBN 9783839816240
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Um es vorweg zu nehmen: Lost in Fuseta – Spur der Schatten gefällt mir noch besser als der erste Band um den ungewöhnlichen Ermittler Leander Lost, der selbst in der Hitze Portugals grundsätzlich im schwarzen Anzug auftritt.
Der Asperger-Autist Lost, der im Rahmen eines Austauschprogramms in Portugal gelandet ist, hat sich inzwischen in Fuseta an der Algarve gut eingelebt. Von seinen Kollegen wird er geschätzt, mehr als dies je auf seiner alten Dienststelle in Hamburg der Fall war. Er pflegt sogar private Kontakte mit seinen Kollegen, die sich an seine Eigenheiten gewöhnt haben. Beispielsweise nimmt Leander alles wortwörtlich und es ist ihm unmöglich zu lügen. Dies führt zu mancher komischen Situation.
Als eine Polizistin verschwindet, machen sich Leander und seine Kollegen Graciana und Carlos auf die Suche nach ihr. Bald stellt sich heraus, dass sie ermordet wurde und es sich um einen sehr viel komplizierteren Fall handelt als zunächst angenommen. Die Spuren reichen bis zu der ehemaligen portugiesischen Kolonie Angola.
Der eigentliche Kriminalfall tritt zuweilen ziemlich in den Hintergrund. Das Buch lebt von den eigenwilligen Charakteren und der Beschreibung der portugiesischen Lebensart. Es wird hervorragend gelesen von Andreas Pietschmann, es ist wirklich ein großes Vergnügen, ihm zuzuhören!
Auch wenn einige der Personen für meinen Geschmack doch etwas überzeichnet sind, beispielsweise der ewig hungrige und an Essen denkende Carlos Estevez, hat mir dieses Hörbuch ein paar kurzweilige Stunden beschert und ich freue mich schon auf die Fortsetzung der Fuseta-Reihe.

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(99)

138 Bibliotheken, 7 Leser, 1 Gruppe, 91 Rezensionen

kopenhagen, mord, thriller, krimi, manuskript

Krokodilwächter

Katrine Engberg , Ulrich Sonnenberg
Fester Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 28.03.2018
ISBN 9783257070286
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ein junges Mädchen ist bestialisch ermordet worden. Ausgerechnet Gregers Hermansen, ein alter Herr, der im selben Haus wohnt, findet die Leiche und erleidet prompt einen Schock. Die beiden Ermittler, Jeppe Kørner und Anette Werner, untersuchen zunächst das Umfeld der Toten. Wer könnte ein Motiv haben? Etwa die Vermieterin des Mädchens, die pensionierte Universitätsdozentin Esther de Laurenti? Immerhin versucht sie sich als Krimiautorin und ihr Manuskript scheint die Vorlage zu dem Mord geliefert zu haben. Andererseits hatte sie das Manuskript ins Internet gestellt, zwar auf die Seite einer geschlossenen Benutzergruppe, aber jemand könnte sich Zugang verschafft haben. Oder hat Kristoffer etwas mit dem Mord zu tun, der junge Mann, der offensichtlich in das Mädchen verliebt war und mit dem sie am Tatabend zusammen war? Auch die Familie des Mädchens wird unter die Lupe genommen, zumal sich die Eltern zur Tatzeit in Kopenhagen aufhielten.
Als Informationen über die Vergangenheit des Mordopfers bekannt werden, bekommt der Fall eine neue Wendung...
Die beiden Ermittler sind mir sympathisch. Anette bleibt zwar relativ blass, doch von Jeppe erfährt der Leser jede Menge Persönliches. Zum Beispiel, dass er von seiner Frau verlassen wurde und immer noch sehr darunter leidet. Doch im Laufe der Ermittlungen lernt er eine attraktive Zeugin kennen, die ihn, zumindest zeitweise, von seinem Kummer ablenkt.
Der Roman ist teilweise sehr humorvoll geschrieben. Der Stil gefällt mir sehr. Ich würde ihn allerdings nicht als Thriller bezeichnen, auch wenn es manchmal sehr blutig zugeht. Am wenigsten hat mir das Ende und die Auflösung des Falls gefallen, das erschien mir dann doch sehr konstruiert und an den Haaren herbeigezogen. Einen logischen Fehler meine ich auch entdeckt zu haben: Gregers erinnert sich an einen Mann, der aber erst im Haus war, als Gregers bereits ins Krankenhaus eingeliefert worden war.
Mein Fazit: Ein starker Krimi mit einem schwachen Schluss. Nichtsdestotrotz werde ich die Fortsetzung der Serie mit Sicherheit ebenfalls lesen.

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78 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 63 Rezensionen

irland, krimi, ira, todesengel, emma vaughan

Schweigegelübde

Barbara Bierach
Flexibler Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 09.03.2018
ISBN 9783548290232
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die Polizei in Sligo ist einem Todesengel auf der Spur. Im Krankenhaus sterben immer wieder Patienten, die auf dem Weg der Besserung waren. Deshalb nehmen die Kommissarin Emma Vaughan und ihre Kollegen die Belegschaft und Besucher unter die Lupe. Cui bono, fragen sie sich. Wer profitiert von den Toden?
Kommissare in Romanen müssen sich durch irgendeine Eigenschaft aus der Masse hervorheben, das scheint ein ehernes Gesetz zu sein. Geschieden sind sie fast alle, die meisten trinken zu viel, und in diesem Roman ist die Ermittlerin Emma tablettensüchtig. Statt zu frühstücken, wirft sie Oxycodin ein. Ihre Sucht geht so weit, dass sie sich sogar an den Vorräten in der Asservatenkammer bedient.
Auch was ihre Ermittlungsmethoden anbelangt, nimmt es Emma nicht so genau. So stiftet sie zum Beispiel die Freundin ihres Sohnes dazu an, Emailkonten zu hacken. Dass die Jugendlichen dabei an vertrauliche (und in einem Fall ziemlich peinliche) Informationen gelangen, scheint sie nicht weiter zu stören.
Da ich den ersten Roman um Emma Vaughan nicht gelesen habe, haben mich die vielen Verweise auf dieses Buch gestört. „Die Frau mit dem dicken roten Zopf“, die immer wieder vor Emmas geistigem Auge erscheint, mag Lesern des ersten Bands etwas sagen, mich hat die ständige Wiederholung dieser Vision einfach nur genervt.
Emma selbst ist mir ziemlich unsympathisch. Sie scheint über den Gesetzen zu stehen und in ihrer Dienststelle alle anderen für Trottel zu halten. Einzige Ausnahme ist ihr Partner James, dem sie es allerdings übel nimmt, dass er sich mehr für die attraktive Aoife als für sie interessiert.
Die Leseprobe des Romans hatte mir gut gefallen. Ich versprach mir einen spannenden Krimi vor der malerischen Kulisse Irlands. Leider sucht man Spannung in diesem Roman vergebens. Die Geschichte plätschert so vor sich hin, es werden einige falsche Fährten gelegt, manche davon verlaufen einfach im Sand ohne jemals aufgelöst zu werden. Alles in allem eine eher enttäuschende Lektüre.

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(124)

203 Bibliotheken, 3 Leser, 2 Gruppen, 93 Rezensionen

indien, frauen, schicksal, italien, kanada

Der Zopf

Laetitia Colombani , Claudia Marquardt
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei S. FISCHER, 21.03.2018
ISBN 9783103973518
Genre: Romane

Rezension:

Das Buch führt uns in drei verschiedene Länder und erzählt die Schicksale dreier Frauen: Giulia aus Sizilien, Smita aus Indien und Sarah, die in Montreal, Kanada, lebt. Alle stehen an einem Scheidepunkt in ihrem Leben. Die Herausforderungen, die sich ihnen stellen, sind völlig unterschiedlich, doch alle drei beschließen, sich nicht einfach in ihr Schicksal zu fügen, sondern zu kämpfen.
Zunächst dachte ich, das Buch ist zu kitschig für meinen Geschmack, denn ich habe schon nach der Leseprobe geahnt, wie sich die Geschichten miteinander verknüpfen. Aber ich habe mich getäuscht: „Der Zopf“ ist ein wunderschöner und berührender Roman, den man nicht aus der Hand legen kann.
Was mir besonders naheging, ist die Schilderung der Dalits, der „Unberührbaren“ Indiens. Es ist kaum vorstellbar, unter welchen Bedingungen diese Menschen selbst heute noch leben. Auch die Vergewaltigungen und die allgemeine Frauenfeindlichkeit, die in Indien herrscht und von denen die Medien immer wieder berichten, sind ein Thema, das zur Sprache kommt. Doch die Dalit Smita will sich nicht mit ihrer Rolle abfinden, und vor allem soll ihre Tochter einmal ein besseres Leben führen als sie. Dafür nimmt sie ihren ganzen Mut zusammen und ihr Schicksal in die Hand.
Sarah, Anwältin und Karrierefrau, mangelt es nicht an Geld und Prestige, doch sie wird krank, und ihr Leben verändert sich von heute auf morgen grundlegend.
Giulia wiederum muss als 20jährige den traditionsreichen Familienbetrieb übernehmen. Auch sie steht vor einer große Entscheidung und muss sich gegen erhebliche Widerstände behaupten.
Alle drei Frauen haben eines gemeinsam: Sie sind Einzelkämpferinnen und geben nicht auf.
„Der Zopf“ ist ein beachtlicher Debütroman, den ich an einem Abend gelesen habe und wirklich empfehlen kann. 

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(54)

65 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 55 Rezensionen

arktis, spitzbergen, umweltschutz, gletscher, eis

Das Eis

Laline Paull , Dorothee Merkel
Fester Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Tropen, 31.03.2018
ISBN 9783608503524
Genre: Romane

Rezension:

Da ich noch nie ein Buch gelesen hatte, das in der Arktis spielt, war ich sehr gespannt auf „Das Eis“. Die Leseprobe hatte mir sehr gut gefallen, doch als ich dann das Buch las, fiel es mir zunächst schwer, in das Geschehen hineinzukommen. Ich wusste zuerst nicht, wer wer ist, und die Zeitsprünge, die oft nicht einmal als solche gekennzeichnet sind, waren ebenfalls sehr verwirrend. Doch nach diesem etwas mühsamen Einstieg hat mich das Buch gefesselt.
Zu Beginn erleben wir eine Gruppe wohlhabender Kreuzfahrttouristen in der Arktis, die unbedingt einen vom Werbeprospekt versprochenen Eisbären in natura sehen möchte. Mittels Drohne wird ein Eisbär ausgemacht und, quasi als Zugabe, erlebt die Gruppe noch die Kalbung eines Eisbergs, bei der die Leiche eines vor Jahren verunglückten und verschollenen Umweltaktivisten freigelegt wird.
Das Buch beleuchtet die Hintergründe seines Todes, aber auch die diversen politischen und wirtschaftlichen Interessen in der Arktis. War Tom Hardings Tod in einer zusammenstürzenden Eishöhle durch die Klimaerwärmung und das dadurch in die Höhle eindringende Wasser bedingt? Oder handelt es sich um ein Verbrechen, um zu verhindern, dass Harding Informationen öffentlich macht, die eine Gruppe von Investoren mit aller Macht geheim halten möchte?
Einer der Investoren ist Sean Cawson, ein langjähriger Freund Hardings, dem es gelungen war, Harding von seinem Projekt, einer mit der Natur im Einklang stehenden Luxus-Lounge mitten in der Arktis, zu überzeugen. In den Jahren davor hatten die Freunde sich aus den Augen verloren bzw. waren sich aus dem Weg gegangen. Was war zwischen ihnen passiert?
Eine Gerichtsverhandlung, in der die Umstände von Hardings Tod geklärt werden sollen, gibt letztendlich Aufschluss über die Geschehnisse und die erschreckenden und skrupellosen Machenschaften gewisser Investoren. Obwohl die Geschichte fiktiv ist, werden genügend Fakten genannt, die – ohne erhobenen Zeigefinger – dem Leser bewusst machen, wie fragil und gefährdet das Ökosystem der Arktis ist. Ein spannendes und informatives Buch, absolut lesenswert.

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(43)

70 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 40 Rezensionen

ddr, familie, geheimnisse, geheimnis, mauer

Kranichland

Anja Baumheier
Fester Einband: 432 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Wunderlich, 13.03.2018
ISBN 9783805200219
Genre: Romane

Rezension:

In „Kranichland“ begleiten wir eine Familie über mehrere Generationen hinweg von 1936 bis heute.
Elisabeth und Johannes lernen sich in den Wirren des zweiten Weltkriegs kennen und lieben. Sie gründen eine Familie und bekommen zunächst zwei Mädchen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Charlotte, die Ältere, ist angepasst und begeistert sich für die Ideen des Sozialismus, was Johannes, der aktiv im DDR Regime mitarbeitet, gut gefällt. Die Jüngere, Marlene, ist ein Freigeist und interessiert sich eher für Kunst. Als sie sich in den Pfarrerssohn Wieland verliebt, beschließen die beiden die Flucht in den Westen. Doch sie werden verraten und landen im Gefängnis.
Für Marlene nimmt damit das Schicksal seinen Lauf. Sie wird zwar von der BRD freigekauft, doch findet sie sich im Westen nicht zurecht, ist entwurzelt und hat psychische Probleme und Wahnvorstellungen.
Ihre Eltern haben mittlerweile noch einen Nachzügler, Theresa, bekommen. Theresa hat Marlene nie kennengelernt und war der Meinung, dass diese schon vor ihrer Geburt gestorben ist. Als sie einen Brief vom Notar bekommt und erfährt, dass Marlene ihr ein Haus vererbt hat, versteht sie gar nichts mehr. Und wer ist dieser Tom, der andere Erbe?
Eine spannende Spurensuche beginnt, in der der Leser viel über die jüngere deutsche Geschichte und die tragischen Auswirkungen des Mauerbaus erfährt. Am Schluss fallen die Puzzlestücke der Familiengeschichte an Ort und Stelle.
Ich konnte so manche Entscheidung im Buch nicht nachvollziehen, aber vielleicht liegt das daran, dass ich nicht in der DDR aufgewachsen bin und nie solchen Zwängen unterlegen war. Das Ende mag ein wenig konstruiert sein, aber alles in allem war es ein schönes und lesenswertes Buch und ein wirklich toller Debütroman.

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115 Bibliotheken, 4 Leser, 2 Gruppen, 57 Rezensionen

krimi, england, whodunnit, mord, detektiv

Die Morde von Pye Hall

Anthony Horowitz , Lutz-W. Wolff
Fester Einband: 600 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 11.03.2018
ISBN 9783458177388
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Alan Conway, der Bestsellerautor der Atticus Pünd Detektivreihe, ist tot. Da er einen Brief hinterlässt, in dem er von seiner unheilbaren Krankheit berichtet, scheint der Fall klar: er hat Selbstmord begangen. Doch Susan Ryleland, seine langjährige Lektorin bei Cloverleaf Books, will sich damit nicht zufrieden geben und versucht, mehr über Conways letzten Tage und sein Leben zu erfahren. Außerdem fehlen die letzten zwei Kapitel in Conways achtem und letzten Buch, ohne die das Buch natürlich nicht veröffentlicht werden kann, was einen herben finanziellen Verlust für Cloverleaf bedeuten würde. Susan macht sich also auf die Suche nach den verschwundenen Seiten und fördert dabei so manche Überraschung zutage...

Das Buch ist sehr ungewöhnlich aufgebaut, es handelt sich sozusagen um einen Roman im Roman. Da ist zunächst Susans Erzählung der Ereignisse und eine Beschreibung ihrer Lebensumstände. Dann folgt das unvollständige Manuskript der Morde von Pye Hall. Hier treffen wir so manchen skurrilen Zeitgenossen, der durchaus Grund gehabt hätte, dem Gutsbesitzer von Pye Hall nach dem Leben zu trachten. Natürlich gab es zuvor schon einen weiteren ungeklärten Todesfall, denn Mary Blakiston, die Haushälterin von Pye Hall, wurde mit gebrochenem Hals im Gutshaus aufgefunden. Hatte sie ebenfalls Feinde oder war es tatsächlich ein Unfall? Und was ist mit dem Einbruch im Gutshaus? Wie hängt er mit den Todesfällen zusammen oder haben die Ereignisse womöglich gar nichts miteinander zu tun? Detektiv Atticus Pünd und sein Assistent Fraser ermitteln.

Zum Schluss kommt dann noch einmal Susan Ryeland zu Wort, deren Leben sich aufgrund der Ereignisse vollkommen verändert hat.

„Die Morde von Pye Hall“ sind ein ungewöhnliches und größtenteils kurzweiliges Buch, allerdings wurde für meinen Geschmack im „Atticus Pünd“ Teil mancher Hinweis zu oft wiederholt, um den Leser durch falsche Spuren in die Irre zu führen.

Nichtsdestotrotz hat mir dieser Roman vergnügliche Lesestunden beschert.

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(53)

62 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 48 Rezensionen

russland, freundschaft, liebe, modeln, shanghai

Fliegende Hunde

Wlada Kolosowa
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Ullstein fünf, 09.03.2018
ISBN 9783961010066
Genre: Romane

Rezension:

Oksana und Lena, zwei russische Teenager aus einer Vorstadt von St. Petersburg, kennen sich schon so lange sie denken können. Sie sind beste Freundinnen und teilen alles. Dann erhält Lena die Chance, als Model nach Shanghai zu gehen und Oksana bleibt allein zurück. Sie fühlt sich von ihrer Freundin im Stich gelassen. In ihrer Vorstellung lebt Lena in China ein Leben in Glanz und Glamour. Um ebenfalls Chancen auf eine Modelkarriere zu haben, beginnt Oksana mit einer radikalen Diät, die an Zynismus nicht zu überbieten ist. Sie registriert sich auf einer Website für Abnehmwillige und Magersüchtige, deren Diät darin besteht, nur das zu essen, was die Menschen im Krieg während der Belagerung von St. Petersburg zur Verfügung hatten.
Lena lebt derweil in einer beengten Wohngemeinschaft mit anderen Models in einem tristen Vorort von Shanghai. Bei Eiseskälte muss sie halbnackt posieren, um einen der wenigen begehrten Jobs zu ergattern und die Kosten abzuarbeiten, die der Agentur bisher durch sie entstanden sind. Bald erfährt sie, dass bei den sogenannten „After Work Partys“ von ihr mehr als Posing erwartet wird.
Als sie nach drei Monaten die Chance bekommt, für eine Weile nach Hause zu fliegen, lässt sie ihre Familie und Oksana in dem Glauben, dass alles in bester Ordnung ist. Doch Lena und Oksana haben sich verändert und nach der anfänglichen Euphorie über das Wiedersehen ist nichts mehr wie früher.
„Fliegende Hunde“ ist ein sehr eindringliches Buch, das unter die Haut geht. Es sollte Pflichtlektüre für Möchtegern-Models und Magersüchtige sein. Man bekommt Einblicke in eine erschreckende und menschenverachtende Welt.
Die Beschreibungen der Zustände während der Belagerung St. Petersburgs durch die deutschen Truppen gingen mir sehr nahe. Welch ein schrecklicher Gedanke, dass unsere Vorfahren ein solches Verbrechen verschuldet haben!
Ich habe dieses Buch auf einen Rutsch durchgelesen, ich konnte es nicht aus der Hand legen.

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(65)

77 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 64 Rezensionen

thriller, brutal, callmeabookaholic, düster, böseschwester

Böse Schwestern

Mikaela Bley , Katrin Frey
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 09.02.2018
ISBN 9783548288611
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ellen Tamm ist 35 und Kriminalreporterin für einen schwedischen Fernsehsender. Schwer traumatisiert nach dem Mord an einem kleinen Mädchen war sie einige Monate unfähig zu arbeiten. Weil sie immer noch nicht allein leben kann, kehrt sie jetzt in ihr Elternhaus zurück, obwohl sie kein gutes Verhältnis zu ihrer Mutter hat. Vor 27 Jahren ist dort ihre Zwillingsschwester Elsa im Alter von 8 Jahren ertrunken. Elsas Tod bestimmt nach wie vor ihr Leben, zumal bis heute nicht klar ist, was damals wirklich passiert ist.
Auf der Fahrt nach Hause erfährt Ellen zufällig, dass ganz in der Nähe ihres Heimatortes eine junge Frau ermordet wurde. Sie fängt an, Informationen zu sammeln. Wer war die Tote? Was hatte sie in Stentuna zu suchen? Warum musste sie sterben?

Zu Beginn ist das Buch sehr verwirrend. Man weiß nicht, was es mit den einzelnen Handlungssträngen auf sich hat und wie sie zusammenhängen. Bis man dann endlich erfährt, was Hanna und Alexandra verbindet, zieht sich die Geschichte wie Kaugummi. Es scheint, dass ganz Schweden von bösen und gewalttätigen oder zumindest gestörten Personen bevölkert ist. Ein Polizist, der übelst frauenfeindliche Bemerkungen macht, eine brutale Jugendgang, die untere anderem ein junges Mädchen fast in den Selbstmord treibt (wobei dies einfach nur ohne weitere Erklärungen in den Raum gestellt wird), eine bösartige Schwiegermutter, eine Mutter, die vor ihrer eigenen Tochter Angst hat, seltsame Familienkonstellationen, gewalttätige und außereheliche Beziehungen, vernachlässigte Kinder, die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Und dann ist da natürlich Ellen selbst, die ein ziemlich gestörtes Verhältnis zu Männern hat und immer wenn sie eine Panickattacke nahen fühlt, ihr Mantra „der Tod, der Tod, der Tod“ aufsagt...

Allerdings passt dieses Buch perfekt in unsere Zeit. So wie sich der Fernsehzuschauer angesichts Kakerlaken verzehrender und in den intimsten Momenten gefilmter D-Promis gemütlich im Fernsehsessel zurücklehnen kann, so kann sich der Leser hier angesichts dieses Sodom und Gomorrha seiner voyeuristischen Neigung hingeben und sich seines durch und durch normalen Lebens erfreuen.

„Böse Schwestern“ wird als Psychothriller beworben, doch von einem Thriller erwartet man, dass er spannend ist, und das kann man von diesem Buch wahrhaftig nicht behaupten. Es hat Passagen, die interessant zu lesen sind, aber alles in allem ist die Geschichte total konstruiert und an den Haaren herbeigezogen. Auch dass Ellen sich nach fast 30 Jahren nun plötzlich erinnert, was damals mit ihrer Schwester geschah, ist wenig glaubhaft. Den ersten Band der Reihe, „Glücksmädchen“, fand ich noch einigermaßen spannend, aber dieses Buch ist ein Ärgernis und reine Zeitverschwendung.

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(61)

74 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 58 Rezensionen

münchen, roman, krimi, kriminalroman, gesellschaftskritik

Kühn hat Ärger

Jan Weiler
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.03.2018
ISBN 9783492057578
Genre: Romane

Rezension:

Kühn, ein Kommissar Mitte 40, kommt nach einem Burnout zurück in den Job, um sich sogleich mit einem scheußlichen Mordfall befassen zu müssen.
Seine Ermittlungen führen ihn zu der wohlhabenden Familie van Hauten, die in einer der besten Wohngegenden Münchens lebt. Kühn ist ganz geblendet von dieser Bilderbuchfamilie, in der alle lieb zueinander sind und einfach alles zu stimmen scheint. Doch, wie könnte es anders sein, bei näherem Hinsehen bekommt die Fassade Kratzer.

In Kühns Privatleben liegt so manches im Argen. Mit seiner Ehe steht es nicht zum Besten und das in einem Randbezirk der Stadt gekaufte Häuschen steht auf toxisch belastetem Grund und ist somit wertlos geworden. Gesundheitliche Probleme ignoriert er nach bester Vogel Strauß Manier. Als er dann noch seine Frau Susanne verdächtigt, eine Affäre mit einem ihm verhassten Nachbarn zu haben, brennen sämtliche Sicherungen bei ihm durch.

Obwohl es in „Kühn hat Ärger“ um einen Kriminalfall geht, steht dieser nicht im Vordergrund. Jan Weiler bietet unter anderem Einblicke in das Leben der Münchner Schickeria, in Bezirke, in denen vorrangig sozial schwache Leute mit Migrationshintergrund mehr schlecht als recht leben und in die Gegenden des mittelständischen „Pendlerprekariats“, wie sich Staatsanwalt Globke ausdrückt.

Was mir an dem Buch besonders gut gefallen hat, ist Jan Weilers Umgang mit der Sprache. Er schreibt flüssig und mit viel Sprachwitz. Zu keiner Zeit empfand ich beim Lesen Langeweile. Die Überschrift zu meiner Rezension ist übrigens nicht auf meinem Mist gewachsen, sondern ist ebenfalls ein Zitat des wortgewandten Staatsanwalts. Wenn ich jetzt noch wüsste, was Schnippikäse ist, wäre ich rundherum zufrieden.

Mir hat dieses Buch ein paar vergnügliche Lesestunden bereitet und ich hoffe auf eine baldige Fortsetzung der Reihe.

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147 Bibliotheken, 6 Leser, 1 Gruppe, 85 Rezensionen

kunst, london, andalusien, spanien, liebe

Das Geheimnis der Muse

Jessie Burton , Peter Knecht
Flexibler Einband: 461 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 11.03.2018
ISBN 9783458363293
Genre: Romane

Rezension:

„Das Geheimnis der Muse“ spielt auf zwei verschiedenen Zeitebenen. Da ist zunächst die Geschichte, die in Spanien im Jahr 1936 spielt. Die deutsch/englische Familie Schloss ist von London nach Andalusien gezogen, um den politischen Wirren der Zeit zu entkommen, ein Plan, der natürlich nicht aufgeht. Der Vater, Harald, ist Kunsthändler und viel unterwegs, die Mutter, Sarah, depressiv und tablettensüchtig und darüber hinaus völlig auf sich selbst bezogen.
Harald und Sarah haben weder Zeit noch Interesse an ihrer Tochter Olive, einer begabten jungen Malerin. Jeder lebt sein eigenes Leben und hat Geheimnisse. Dies geht so weit, dass die Eltern nicht einmal mitbekommen, dass ihre Tochter malt. Diesen Teil der Geschichte fand ich wenig glaubhaft, denn selbst das Hausmädchen Teresa sieht, dass Olive Farbe an den Fingern hat. Zuhause in London hatte Olive ihrem Vater ein Portrait gezeigt, das sie von ihrer Mutter angefertigt hatte, doch er erkennt nicht ihr Talent, was etwas seltsam anmutet für einen Kunsthändler.
Die zweite Geschichte spielt im London des Jahres 1967. Hauptperson dieser Zeitebene ist Odelle, die ursprünglich aus der Karibik stammt. Auf einer Party lernt sie Lawrie kennen, der von seiner verstorbenen Mutter ein wunderschönes ausdrucksstarkes Gemälde geerbt hat. Wie es in ihren Besitz gelangt ist, weiß er nicht. Als er das Bild dem Leiter eines Museums zeigt, ist dieser begeistert. Weniger Begeisterung zeigt seine Mitarbeiterin, Marjorie Quick, deren Rolle lange Zeit unklar ist. Odelle, die ebenfalls im Museum arbeitet und von Marjorie unter die Fittiche genommen wird, findet bei einem Besuch in Marjories Haus Lawries Adresse. Was verbindet Marjorie mit Lawries Familie?
Dieser Teil der Geschichte ist ziemlich in die Länge gezogen. Auch im spanischen Teil der Erzählung passiert über lange Strecken wenig, was das Lesen sehr mühsam macht. Was mir die Lektüre zusätzlich erschwert hat, ist die Tatsache, dass ich für die Personen wenig oder gar keine Empathie empfinden konnte. Olive, die zunächst noch die sympathischste Person ist, verhält sich auf eine Art und Weise, die ich nicht nachempfinden kann. Sie will auf keinen Fall als Künstlerin bekannt werden, lieber gibt sie ihre Gemälde als Werke eines anderen aus. Der Grund, den sie dafür nennt, ist unter anderem, dass Frauen in der Kunstszene nicht die gleiche Wertschätzung erfahren wie Männer. Diese Argumentation finde ich für das Jahr 1936 doch sehr seltsam.
Die Auflösung und das Ende des Romans haben mir ganz gut gefallen, zumal vieles anders ist, als ich erwartet hatte. Allerdings bleiben einige Fragen offen.
Alles in allem ein Buch, das nicht schlecht ist und mir, wenn es 100 Seiten kürzer wäre, wahrscheinlich richtig gut gefallen hätte.

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193 Bibliotheken, 5 Leser, 2 Gruppen, 118 Rezensionen

pfadfinder, männer, freundschaft, amerika, generationen

Die Herzen der Männer

Nickolas Butler , Dorothee Merkel
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 11.02.2018
ISBN 9783608983135
Genre: Romane

Rezension:

Der 13jährige Nelson hat keine Freunde. Weder im Pfadfinder-Feriencamp, noch zuhause in Eau Claire, Wisconsin. Vielleicht könnte man den 15jährigen Jonathan als Freund bezeichnen, allerdings verhält er sich nicht immer so loyal, wie man es von einem Freund erwarten sollte. Nelsons Vater, der den Jungen ins Camp begleitet, ist ein mit dem Leben und seiner Ehe unzufriedener Sadist, der ihn gerne verprügelt und auch die Mutter, zu der er ein gutes Verhältnis hat, kann Nelson nicht vor ihm beschützen.
Die Geschichte beginnt im Jahr 1962. Nelson ist das, was man einen guten Jungen nennt, was ihn aber in den Augen der Gleichaltrigen zum Gespött macht. So lassen sich die anderen Jungs im Feriencamp alle möglichen Gemeinheiten einfallen, um ihn zu demütigen. Nur einer sieht, was in ihm steckt: der Leiter des Feriencamps, Pfadfinderführer Wilbur, dem Nelson eine Menge verdankt, nachdem sein Vater endgültig das Weite gesucht hat.
Die zweite Zeitebene spielt im Jahr 1996. Nelson und Jonathan sind inzwischen erwachsene Männer, Jonathan ist verheiratet und fährt mit seinem Sohn Trevor in das Pfadfinderlager seiner Jugend, wo Nelson inzwischen die Stelle des Pfadfinderführers bekleidet. Zuvor will er dem Teenager jedoch ein paar Fakten des Lebens näherbringen und ihm seine romantische Vorstellung von Liebe austreiben.
Diesen Teil des Buchs fand ich sehr grausam. Dem Vater ist viel daran gelegen, dass Trevor seine Freundin Rachel betrügt, allerdings will er damit lediglich die Tatsache rechtfertigen, dass auch er seit Jahren fremdgeht.
Der dritte Handlungsstrang spielt im Sommer des Jahres 2019. Wir wissen inzwischen viel über Nelson und Jonathan und wie es ihnen im Leben ergangen ist. Im Jahr 2019 begleiten wir Rachel, Trevors Frau, und ihren Sohn Thomas ins Pfadfinderlager. Thomas hat eigentlich gar keine Lust darauf, denn Pfadfinder sind mittlerweile ein Auslaufmodell. Die anderen Jungs im Lager werden von ihren Vätern begleitet, die nicht begeistert davon sind, eine weibliche Begleitperson in ihrer Mitte zu haben. Ein besonders unangenehmer Zeitgenosse ist der eingebildete Dr. Platz, der sogar versucht, Rachel durch Bestechung loszuwerden. Als dies nicht gelingt, ersinnt er einen perfiden Plan...

Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen. Ich mag Geschichten, in denen man die Entwicklung der Hauptpersonen über einen längeren Zeitraum mitverfolgt. Nickolas Butler ist es sehr gut gelungen, den Leser zu fesseln und an den Ängsten und Sorgen, Hoffnungen und Freuden seiner Charaktere teilhaben zu lassen.

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689 Bibliotheken, 26 Leser, 3 Gruppen, 164 Rezensionen

john green, schlaft gut, ihr fiesen gedanken, freundschaft, jugendbuch, johngreen

Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken

John Green , Sophie Zeitz
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 10.11.2017
ISBN 9783446259034
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Die 16jährige Aza ist nicht wie andere Teenager. Um sich zu vergewissern, dass sie wirklich existiert, öffnet sie seit Jahren mehrmals am Tag eine Wunde am Finger, presst Blut heraus, desinfiziert das Ganze und klebt ein neues Pflaster drauf. Dazu kommt ihre Angst vor Mikroben und lebensbedrohlichen Infektionen. Die Gedanken daran, was alles passieren könnte, sind allgegenwärtig und lassen sich nicht vertreiben. Daher der deutsche Titel, den ich trotzdem unpassend finde, denn der Autor hat sich ja etwas dabei gedacht, wenn er sein Buch im Original „Turtles all the way down“ genannt hat.

Aza lebt allein mit ihrer Mutter, der Vater ist seit vielen Jahren tot. In einem Sommercamp, in dem trauernde Kinder über den Verlust eines Elternteils hinwegkommen sollen, lernte Aza damals Davis, den Sohn des Millionärs Russell Pickett, kennen. Jetzt ist der Millionär verschwunden und für Hinweise zu seiner Ergreifung ist eine Belohnung von 100.000 Dollar ausgesetzt. Azas Freundin Daisy kommt auf die Idee, die alte Bekanntschaft wieder aufleben zu lassen, um auf diese Weise den Aufenthaltsort von Davis’ Vater herauszufinden. Zunächst scheint der Plan auch zu funktionieren, doch dass Aza und Davis sich ineinander verlieben, war so nicht geplant, zumal Aza sicher ist, sich beim Küssen tödlich infiziert zu haben...

Es ist einerseits interessant, andererseits aber auch äußerst anstrengend, Azas verworrenen Gedankengängen und Phobien zu folgen. Was ich in dem Buch gelernt habe, ist, dass amerikanische High Schools offensichtlich mit Metalldetektoren ausgestattet sind und es möglich ist, dass ein 13jähriger und ein 16jähriger allein in einer Villa leben, ohne dass sich irgendeine staatliche Stelle um ihr seelisches Wohlergehen kümmert.

Der Roman spricht viele Probleme an, bleibt aber weitgehend an der Oberfläche. Als Aza feststellt, dass eine Person in Daisys Fan Fiction Blog nach ihrem Vorbild gestaltet ist, fühlt sie sich von ihrer besten Freundin hintergangen und bloßgestellt. Azas Autounfall kann als direkte Auswirkung dessen gesehen werden. Dieser Teil der Geschichte wird nicht wirklich aufgearbeitet.

Die Auflösung, was mit Russell Pickett geschehen ist, finde ich auch ziemlich grenzwertig. Alles in allem ist es ein Buch, das okay ist, an die früheren Bücher des Autors aber nicht herankommt.

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134 Bibliotheken, 4 Leser, 2 Gruppen, 90 Rezensionen

irland, familiengeschichte, adoption, amerika, kloster

All die Jahre

J. Courtney Sullivan , Henriette Heise
Fester Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Zsolnay, Paul, 29.01.2018
ISBN 9783552063662
Genre: Romane

Rezension:

In den 1950er Jahren wandern die Schwestern Nora und Theresa Flynn von Irland nach Amerika aus. Nora wird dort ihren zukünftigen Ehemann, den früheren Nachbarsjungen Charlie, wiedertreffen, während die begabte Theresa sich zur Lehrerin ausbilden lassen soll.
Doch das Leben meint es anders mit ihnen. Im Jahr 2009, Nora ist mittlerweile Witwe, Theresa Nonne in einem Kloster in Vermont, verunglückt Noras ältester Sohn Patrick. Nora, die seit Jahren keinen Kontakt mehr zu ihrer Schwester hat - zu viele Dinge sind in der Vergangenheit geschehen, die sie ihr nicht verzeihen kann –, ruft im Kloster an, um Theresa über Patricks Tod zu informieren. Was sie nie für möglich gehalten hätte: Theresa kommt zur Beerdigung. Eine Chance für die beiden Schwestern, sich auszusprechen. Doch werden sie sie auch nutzen?
Die ganze Familie Flynn versammelt sich für die Beerdigung. John, Patricks jüngerer Bruder, den alle für steinreich halten, der jedoch über seine Verhältnisse lebt, die Schwester Bridget, die mit ihrer langjährigen Lebensgefährtin Natalie erscheint, doch das Thema Homosexualität ist kein Thema, das in der Familie Flynn offen angesprochen wird, sowie der Jüngste, Brian, der Patrick am Nächsten stand und für den mit dessen Tod eine Welt zusammenbricht.
Alle haben sie ihre Geheimnisse voreinander, doch das größte Geheimnis von allen verbindet Nora und Theresa...
„All die Jahre“ ist ein berührender, jedoch nicht kitschiger Familienroman. Er beleuchtet die Situation im Irland der 1950er Jahre und die Lebensumstände der Einwanderer an der Ostküste der USA zu dieser Zeit. Mit viel Feingefühl werden die einzelnen Familienmitglieder der Familie Flynn geschildert. Ich habe den Roman verschlungen, lediglich die Beschreibungen, in denen es um Baseball geht, haben mich gründlich gelangweilt, aber natürlich ist das Buch in erster Linie für ein amerikanisches Publikum geschrieben, das mit Baseball mehr anzufangen weiß als ich. 

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226 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 120 Rezensionen

thriller, dänemark, mord, geheimbund, geheimdienst

Oxen - Das erste Opfer

Jens Henrik Jensen , Friederike Buchinger
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 08.09.2017
ISBN 9783423261586
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Niels Oxen, hochdekorierter Kriegsheld und Träger der Tapferkeitsmedaille Dänemarks, lebt mit seinem Hund Mr. White zurückgezogen in den Wäldern Nörrlands, als ganz in der Nähe seines Aufenthaltsorts ein Mord geschieht. Der Tote ist Exbotschafter Corfitzen. Da Oxen sich auf Corfitzens Anwesen umgeschaut hatte, findet die Polizei seine Fußabdrücke sowie Hundehaare, und Oxen gerät ins Visier der Ermittler.
Weitere Morde werden ebenfalls mit Oxen in Verbindung gebracht, denn nach Ansicht der Polizei hatte er in jedem Fall ein Motiv. Dann wendet sich das Blatt und der Chef des dänischen Geheimdienstes PET, Axel Mossmann, bietet Oxen viel Geld, wenn er gemeinsam mit der PET Mitarbeiterin Margrethe Franck ein Sonderermittlungsteam zur Aufklärung der Morde bildet. Da beide traumatisierte Kriegsheimkehrer sind, haben sie Verständnis für einander, das sich mit der Zeit in Vertrauen umwandelt.
Bald erkennen die beiden, was wirklich hinter den Morden steht. Gleichzeitig müssen sie um ihr eigenes Leben fürchten, denn sie entdecken eine Verschwörung, die bis in die höchsten politischen Kreise Dänemarks reicht...
Oxen ist ein vielschichtiger und ungemein spannender Thriller. Da das Ende offen ist, hoffe ich auf eine Fortsetzung um den ehemaligen Elitesoldaten Oxen, möglicherweise sogar mit Margrethe Franck an seiner Seite!

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115 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 93 Rezensionen

berlin, krimi, profiler, havelland, strichermilieu

Dunkel Land

Roxann Hill
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 13.11.2017
ISBN 9783959671385
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Verena Hofer ist pleite. Deshalb beschließt sie, von Nürnberg ins Havelland zu fahren, wo sie sich während des Sommers um den Neffen der Gutsbesitzerin von Wuthenow kümmern soll. Das vermeintliche Kind stellt sich als erwachsener Mann heraus, der bei einem Attentat verletzt wurde und deshalb sein Kurzzeitgedächtnis verloren hat. Carl von Wuthenow ist von Beruf Profiler. Kaum ist Vera auf dem Gut angekommen, wird Carl von der Staatsanwaltschaft in Berlin als Experte angefordert und Vera muss ihn begleiten.
Bei dem neuen Fall handelt es sich um einen grausamen Mord an einem jungen Stricher. Obwohl Vera die ihnen gezeigten Tatortbilder zutiefst schockieren, findet sie sich bald gut in ihrer neuen Rolle als Carls „Beraterin“ zurecht, denn als solche stellt er sie bei Polizei und Staatsanwaltschaft vor. Nachdem weitere Leichen gefunden werden, arbeiten sie gemeinsam mit der Polizei unter Hochdruck daran, den Täter zu finden. Dabei dringen sie tief ein in die Berliner Unterwelt und stellen fest, dass vieles sich ganz anders verhält, als es zunächst scheint...
Der Roman ist sehr spannend geschrieben, allerdings nichts für Zartbesaitete. Die Personen sind sympathisch, meine anfängliche Angst, das Ganze könnte ins Kitschige abgleiten (als Vera Carls veilchenblaue Augen und seinem athletischen Körperbau beschreibt), hat sich glücklicherweise nicht bewahrheitet. Das offene Ende deutet möglicherweise auf eine Fortsetzung der Reihe um Verena Hofer und Carl von Wuthenow hin.

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207 Bibliotheken, 6 Leser, 1 Gruppe, 101 Rezensionen

euthanasie, verbrechen, mord, inge löhnig, zweiter weltkrieg

Die Vergessenen

Ellen Sandberg
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Penguin, 27.12.2017
ISBN 9783328100898
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die Journalistin Vera Mändler arbeitet als Redakteurin bei einer Frauenzeitschrift und würde liebend gern das Ressort wechseln. Als sie durch Zufall einer Geschichte auf die Spur kommt, bei der es um Euthanasie im Dritten Reich geht, setzt sie alles auf eine Karte und kündigt trotz einer in Aussicht gestellten Beförderung ihren Job. Ihre Tante, die mit Schlaganfall im Krankenhaus liegt, war Krankenschwester in einer Einrichtung, in der während des 2. Weltkriegs Behinderte und für den Arbeitsmarkt wertlose Menschen „aus dem Volkskörper ausgeschieden“ wurden. Vera macht sich auf die Suche nach einem Dossier, mit dem die damals Verantwortlichen vor Gericht gebracht werden könnten und begibt sich dabei selbst in höchste Gefahr.
Manolis Lefteris ist ein Problemlöser, der für seine Arbeitgeber Kunden einschüchtert oder Schlimmeres. Er wird beauftragt, Vera zu beschatten und, falls sie die Unterlagen finden sollte, ihr diese abzunehmen. Er fragt nicht nach, wer ihn beauftragt hat, doch in diesem Fall verliert er die professionelle Distanz, handelt es sich doch um die Aufklärung von Verbrechen, die während der Nazizeit begangen wurden. Da die gesamte Familie seines Vaters einem von deutschen Soldaten in Griechenland begangenen Massaker zum Opfer fielen - der damals sechsjährige Vater war der einzige Überlebende und für den Rest seines Lebens schwer traumatisiert - geht es Manolis gegen den Strich, dass er einem Naziverbrecher dabei helfen soll, ungeschoren davonzukommen.
Die Geschichte ist sehr spannend erzählt, wobei jeweils zwei Handlungsstränge in der Vergangenheit und in der Gegenwart spielen. Die Autorin, die erstmalig unter dem Pseudonym Ellen Sandberg veröffentlicht, ist leicht zu erkennen, wird im Buch doch an einer Stelle auf „Kommissar Dühnfort“ Bezug genommen. Das 500 Seiten starke Buch fesselt von der ersten bis zur letzten Seite und, was ich besonders schätze, auch die Auflösung ist schlüssig. Für mich einer der besten Krimis seit langem!

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192 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 108 Rezensionen

schweden, krimi, fjällbacka, kriminalroman, band 10

Die Eishexe

Camilla Läckberg , Katrin Frey
Fester Einband: 752 Seiten
Erschienen bei List Verlag, 02.01.2018
ISBN 9783471351079
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Schriftstellerin Erica Falck recherchiert für ihren neuen Roman in einem alten Mordfall. Vor dreißig Jahren wurde die 4jährige Stella ermordet. Zur Tat bekannt haben sich damals die beiden 13jährigen Babysitterinnen Marie und Helen, allerdings nahmen sie ihr Geständnis zurück und ein anderer Täter wurde nie ermittelt.
Jetzt geschieht erneut ein Mord. Opfer ist wieder eine Vierjährige, die ausgerechnet von dem Hof verschwand, wo auch das erste Opfer lebte. Waren wieder Helen und Marie die Täterinnen? Doch welches Motiv sollten sie haben?
Seltsam ist, dass die Tat ausgerechnet zu dem Zeitpunkt geschah, als Marie, die mittlerweile Karriere als Schauspielerin gemacht hat, nach Fjällbacka zurückgekehrt ist...
Ein dritter Erzählstrang beschäftigt sich mit dem Schicksal der Witwe Elin im Jahr 1672, einer Zeit, in der Hexenverbrennungen an der Tagesordnung waren. Erst gegen Ende des Buchs erfährt der Leser, was diesen Teil der Geschichte mit den anderen verbindet.
„Die Eishexe“ war mein erstes Buch von Camilla Läckberg und so waren mir die Personen nicht vertraut. Ab und zu wird im Buch Bezug genommen auf frühere Geschehnisse und Fälle, doch auch ohne dieses Wissen war das Buch interessant zu lesen.
Was in dem Buch auch zur Sprache kommt, ist die Situation von Flüchtlingen in Schweden, ihre Akzeptanz oder auch Ablehnung durch die einheimische Bevölkerung. Die „Freunde Schwedens“ erinnern stark an eine Partei in der deutschen Parteienlandschaft.
Das Buch hat mir spannende Lesestunden beschert, nur am Schluss war ich enttäuscht von der Auflösung. Eine Nachbarin, die den ganzen Tag am Fenster sitzt und die Geschehnisse vor ihrem Fenster protokolliert? Wie praktisch. Anscheinend macht sie sich nie zwischendurch eine Tasse Kaffee oder geht aufs Clo, so wichtig wurden ihre Notizen genommen. Und die Motive hinter den Mordfällen und deren Vertuschung sind so konstruiert und an den Haaren herbeigezogen, dass es ein sehr schales Gefühl bei mir hinterlässt.

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104 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 70 Rezensionen

liebe, schottland, wale, isabel morland, hebriden

Die Rückkehr der Wale

Isabel Morland
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 02.11.2017
ISBN 9783426521809
Genre: Liebesromane

Rezension:

„Die Rückkehr der Wale“ ist ein klassisches Beispiel dafür, dass ich ein Buch aufgrund des schönen Covers gekauft habe, doch, um es vorweg zu nehmen, das Cover ist auch das Beste am ganzen Buch. Auch der Titel klang verheißungsvoll, allerdings ist mir nicht klar, warum die Autorin gerade diesen Titel gewählt hat, geht es doch nur ganz am Rande um Wale.
Die Protagonistin, Kayla, lebt mit ihrem Mann Dalziel auf einer Hebrideninsel im äußersten Norden Schottlands. Sie bewirtschaften eine Croft, ein Inselgehöft. Immer wieder wird darauf hingewiesen, dass Kayla eine Croftersfrau ist, doch scheint sich die Arbeit von selbst zu erledigen, denn nie verrichtet Kayla irgendwelche körperlichen Arbeiten, und wenn von Dalziel die Rede ist, wird meistens auf seinen exzessiven Alkoholkonsum hingewiesen, auch er scheint nicht viel zu arbeiten.
Das Hauptthema des Buchs ist Kaylas unglückliche Ehe. Dalziel ist ein durch und durch unsympathischer Mann, der seine Frau ständig kritisiert und vor anderen lächerlich macht, doch Kayla fühlt sich durch ihr Ehegelübde verpflichtet, bei ihm zu bleiben.
Als Brannan, ein gutaussehender und sympathischer junger Mann, auf die Insel kommt, ist es sofort um Kayla geschehen. Langsam entspinnt sich zwischen den beiden eine Liebesgeschichte. Sie schwören sich gegenseitig ewige Liebe, doch gibt Brannan ihr von Anfang an zu verstehen, dass er nicht bleiben kann. Der Grund, den er dafür angibt, ist nicht sehr glaubhaft. Überhaupt konnte mich die Liebesgeschichte absolut nicht fesseln.
Die erste Hälfte des Buchs ist unglaublich langweilig und ich war mehr als einmal versucht, es einfach wegzulegen.
Was mich unglaublich genervt hat, waren die vielen gaelischen Sätze, die grundsätzlich in einer Unterhaltung dem deutschen Satz vorangestellt waren. Was soll das? Wie viele Leserinnen sind der gaelischen Sprache mächtig? Wahrscheinlich nicht eine. Es ist ja vollkommen in Ordnung, den einen oder anderen gaelischen Begriff einzuflechten, um ein wenig Lokalkolorit in die Beschreibungen zu bringen, aber einen gaelischen Sprachkurs hätte ich nicht gebraucht.
Die Schilderungen der kargen Insellandschaft und die Hoffnung, dass gegen Schluss noch etwas passiert, was mich für die enervierende Lektüre entschädigt, waren der Grund, weshalb ich es zu Ende gelesen habe. Aber das offene Ende ist genauso frustrierend wie der Rest des Buchs. Alles in allem ist es eine Lektüre, die man wahrhaftig nicht gelesen haben muss.

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178 Bibliotheken, 7 Leser, 2 Gruppen, 92 Rezensionen

fantasy, his dark materials, abenteuer, england, jugendbuch

Über den wilden Fluss

Philip Pullman , Antoinette Gittinger
Fester Einband: 560 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 17.11.2017
ISBN 9783551583932
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Der elfjährige Malcolm lebt mit seinen Eltern in einem kleinen Ort in der Nähe von Oxford. Die Eltern besitzen ein Gasthaus und Malcolm hilft ihnen beim Bedienen. Dort schnappt der wissbegierige Junge allerlei interessante Informationen auf. Fast täglich besucht er außerdem die Nonnen in einem nahegelegenen Kloster und hilft auch dort in der Küche und bei handwerklichen Tätigkeiten.
Eines Tages findet er eine kleine hölzerne Eichel, die eine Geheimbotschaft enthält. Eine Wissenschaftlerin nimmt Kontakt zu ihm auf, zwischen den beiden entwickelt sich eine Freundschaft.
Dieser erste Teil des Buchs ist sehr spannend und schön geschrieben. Es macht Spaß, über Malcolm und seinen treuen Dämon, der ihm ständig zur Seite steht und je nach Situation die Gestalt wechselt, zu lesen.
Im Land hat sich eine Geheimorganisation gebildet, die alle bespitzelt. Es geht soweit, dass sogar an der Schule kleine Spitzel angeworben werden. Aus irgendeinem Grund will diese Geheimorganisation ein kleines Mädchen in seine Gewalt bringen, das die Nonnen bei sich aufgenommen haben. Malcolm liebt die kleine Lyra und besucht sie so oft es nur geht. Als eine Jahrhundertflut Teile des Klosters zum Einstürzen bringt, beschließt Malcolm, zusammen mit dem Küchenmädchen Alice die kleine Lyra zu ihrem Vater nach London zu bringen. Einzige Transportmöglichkeit ist Malcolms Kanu.
Hier beginnt die Geschichte nun sehr unglaubwürdig zu werden. Der kleine Malcolm ist mit seinen elf Jahren das reinste Wunderkind. In reißenden Fluten schafft er es, das Kanu sicher zu steuern und seine Verfolger abzuschütteln. Als Lyra entführt wird, ist es ihm möglich, sie wieder zu befreien und trotz widrigster Umstände gelingt ihm die gefährliche Reise nach London. Lyra wiederum ist das zufriedenste und bravste Baby, das je zur Welt kam. Obwohl sie kaum zu essen bekommt, stundenlang in vollen Windeln liegt und es kalt und nass ist, gluckst sie die meiste Zeit zufrieden vor sich hin oder schläft.
Leider ist der zweite Teil des Buchs längst nicht mehr so spannend wie der Anfang. Teile der Geschichte waren für meine Begriffe ziemlich überflüssig.
Am Anfang war ich von dem Buch begeistert, am Schluss war ich froh, als die Gruppe ihr Ziel endlich erreicht hat.

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115 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 64 Rezensionen

frankreich, schuld, mord, roman, beklemmend

Drei Tage und ein Leben

Pierre Lemaitre , Tobias Scheffel
Fester Einband: 270 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 20.12.2017
ISBN 9783608981063
Genre: Romane

Rezension:

Nicht der Flügelschlag eines Schmetterlings löst hier eine Katastrophe aus, sondern ein Hund, der angefahren und anschließend anstatt von seinem Besitzer zum Tierarzt gebracht von diesem erschossen wird. Den 12jährigen Antoine stürzt dies in ein schreckliches Gefühlschaos, war der Hund doch sein treuer Begleiter und bester Freund. Außer sich vor Trauer schlägt Antoine um sich und erschlägt dabei den 4jährigen Nachbarsjungen Rémy mit einem Ast. Um seine Tat zu vertuschen, versteckt er die Leiche des Jungen. Eine großangelegte Suchaktion beginnt. Antoine ist sich sicher, dass er bald als Täter entlarvt wird und erleidet Höllenqualen. Er erwägt zu fliehen oder sich umzubringen.
Sturm Lothar, der im Dezember des Jahres 1999 über Westeuropa fegt, kommt ihm zu Hilfe, denn er verwüstet Antoine und Rémys Heimatort und verwischt Spuren. Der Mord ist auch Jahre später noch unaufgeklärt, doch die Angst vor der Entdeckung hängt wie ein Damoklesschwert über Antoines Leben.
Antoine hat mittlerweile Medizin studiert und eine Frau getroffen, die er heiraten möchte, da führt ihn das Schicksal zurück in seinen Heimatort und er erkennt, dass die Tat von damals sein Leben immer noch grundlegend beeinflusst...
Drei Tage und ein Leben ist ein außergewöhnliches Buch, wortgewaltig und intensiv. Von mir eine klare Leseempfehlung.

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