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23 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 4 Rezensionen

neuanfang, demütigung, jüdin, vergangenheit, familie

Geheimnisse

Joyce Carol Oates , Silvia Morawetz
Fester Einband: 670 Seiten
Erschienen bei Fischer, S, 07.04.2010
ISBN 9783100540089
Genre: Romane

Rezension:

A201 Geheimnisse von Joyce Carol Oates Kategorie: Allgemein

"Geschichte existiert nicht. Es existieren nur Individuen und von denen nur einzelne Momente, einer so vom anderen gelöst wie zertrümmerte Rückenwirbel."

Wir befinden uns im Jahr 1959 im Staat New York.

Der Roman beginnt mit einem Tag im Leben der jungen Rebecca, Fabrikarbeiterin und Mutter eines kleinen Kindes.
Ein mysteriöser Zwischenfall - dessen Bedeutung erst am Ende aufgeklärt wird -, den Rebecca auf dem Heimweg erlebt, öffnet eine Rückblende ins Jahr 1936 und in eine Vergangenheit voller Feindseligkeit, Düsternis und Depression.
Rebecca, ihre Eltern und zwei Brüder sind jüdische Einwanderer aus München, die vor dem Zweiten Weltkrieg aus Deutschland geflohen sind. In Amerika erhoffen sie sich ein gutes, neues Leben. Doch das Schicksal meint es nicht gut mit den Schwarts. Der Vater arbeitet als Totengräber, die Familie lebt in Armut in einem kleinen, alten und muffigen Steinhaus, am Rande des Friedhofs. Ein Brunnen mit dunklem, übel riechendem Wasser befindet sich neben dem Steinhaus, welches kaum Platz für die fünfköpfige Familie bietet.

Eine Kindheit voller Scham, wenig Liebe und Geborgenheit; mit Eltern, deren Wunden des Entwurzelt seins und der Heimatlosigkeit nie verheilen, deren Depressivität sich beim Vater in Wahnsinn wandelt und die Mutter verstummen lässt.

Auch bei dem Mann, mit dem Rebecca später zusammen ist, erfährt sie nur Demütigung.

Rebecca jedoch findet einen Ausweg aus ihrer unerträglichen Situation und erfindet sich selbst und ihr Leben neu.

Dieser wunderbare Roman lebt in erhöhtem Maße von seiner Atmosphäre, von der oftmals bis ins kleinste Detail geschilderten Gedanken-, Gefühls- und Seelenwelt sowie der Umgebung und der Menschen.
Dies geschieht mittels einer kühlen, sehr distanzierten Erzählweise. Betroffenheit oder Mitleid schwingen in keiner Zeile mit und dennoch - oder gerade deswegen - wird der Leser zu einem faszinierten Beobachter, zu einem Zeugen.
Es ist erstaunlich, dass ich selbst die bösen Figuren trotz der sachlichen Kühle der Erzählweise am liebsten hätte trösten wollen. Es ist so viel an Dramatik und Tragik im Leben dieser entwurzelten Menschen, soviel Trostlosigkeit, die mir so manches Mal einen Kloß im Hals bescherte. Ja, die Traurigkeit ist sehr präsent. Niemand entkommt ihr, weder die Figuren noch der Leser. Und dennoch gelingt es Oates sehr gut, Hoffnung in den traurigen Stoff zu weben, immer wieder und immer mehr, so dass der Leser am Ende das Buch getröstet zuklappt, nicht ohne berührt und gewärmt zu sein. Den eigenen Gedanken nachhängend.

Der Roman ist sehr düster, geheimnisvoll und aufwühlend, wenn man sich vom Schicksal Rebecca Schwarts einnehmen lässt.
Der Titel ist wunderbar gewählt, wie ich finde. Er passt so gut und gibt wider, worum es im Roman und gleichsam im Leben der Protagonisten geht. Geheimnisse sind der rote Faden, der die Geschichte beisammen hält.
Der englische Titel lautet: "Gravedigger's Daughter"; ein Titel, der eindimensional ist, der die nackte Tatsache darstellt, mehr nicht.
Wie viel spannender und treffender klingt da: "Geheimnisse".

Die Zeit von 1936 bis in die frühen 1970er Jahre in Amerika lebt auf, die besondere Atmosphäre hat mich verzaubert.
Die Sprache Oates ist beeindruckend, sezierend, aufmischend und dennoch entbehrt sie
nicht einer erzählerischen Wärme, trotz aller Distanziertheit. Grandios!

Ich kann diesen düsteren, dunklen, geheimnisvollen und spannenden Roman all jenen empfehlen, die das Besondere lesen mögen, die sich jedoch nicht scheuen, einer wirklichen Trostlosigkeit zu begegnen. Ja, ich denke, ein Faible für ausführliche und kleinste Details beschreibende Romane sollte ein Leser mitbringen, um an diesem Meisterwerk sprachlicher und psychologischer Raffinesse Gefallen zu finden. Und man sollte auch keine Scheu vor verschachtelten Sätzen haben!

Und eines verspreche ich: Über diesen Roman und dessen vielschichtige Themen lässt sich wunderbar nachdenken; in jeder erzwungenermaßen lesefreien Zeit habe ich ununterbrochen über Rebecca und ihre Welt nachgedacht! Jede Leseminute habe ich herbeigesehnt und bin dann in den Roman eingetaucht, um mich von Joyce Carol Oates und ihrer einmaligen Sprache davontragen zu lassen.

"Ein Mann will wissen. Ein Liebender will wissen. Will dir schier das Mark aus den Knochen saugen vor Wissen wollen.

Ein Mann hat ein Recht darauf. Ein Liebender hat ein Recht darauf. Sobald er auf diese Weise in deinen Körper eingedrungen ist, hat er das Recht.

Ihm das sagen, was sich nicht sagen lässt. Ein Liebender will wissen, was sich nicht sagen lässt. Aber irgendein Geheimnis muss ihm angetragen werden. Es war Zeit, es war höchste Zeit."

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18 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

lynley, london, krimi, havers, hampshire

This Body of Death

Elizabeth George
Fester Einband: 596 Seiten
Erschienen bei Hodder & Stoughton General Division, 15.04.2010
ISBN 9780340922996
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

A200 This Body of Death von Elizabeth George Kategorie: Allgemein

Sie sind zurück...
...sowohl Inspector Lynley als auch Elizabeth George - "Wer dem Tode geweiht" ist wieder einer ihrer Romane, die in Stil und Spannung an ihre ersten Werke anknüpfen. Hatte man inbesondere bei "Denn die Sünde ist scharlachrot" noch das Gefühl, vor lauter Handlungssträngen und Personenfülle komplett den Überblick zu verlieren, findet man hier eine wunderbar stringente, in sich logische Handlung.

Auf einem Friedhof wird eine ermordete junge Frau gefunden, die vor Monaten fluchtartig ihre Heimat in Hampshire verließ. Für die Ermittlungen holt sich AC Hillier Verstärkung: Acting Superintendent Isabelle Ardery, die bereits in einem der früheren Bände auftauchte, kommt nach London, um mit diesem Fall ihr Können und ihre Eignung als Malcolm Webberlys Nachfolgerin zu beweisen. Sie sucht den nach wie vor pausierenden Lynley auf, um sich dessen Unterstützung zu sichern und ihn ins Team zurückzuholen - in der weisen Voraussicht, dass er ihr, inbesondere in Bezug auf ihr Durchsetzungsvermögen bei Havers und Co., nützlich sein kann. Obwohl er sie völlig durchschaut, lässt er sich vor ihren Karren spannen und kehrt zurück, muss sich nun aber ihren Anweisungen unterordnen.

Die Entwicklung der Geschichte selbst ist äußerst gelungen. Vor dem Hintergrund einer Jahre zurückliegenden Geschichte spielt die Autorin wieder mit psychologischen Abrgünden, fordert den Leser heraus und präsentiert ihm endlich wieder die so lange vermisste Teamdynamik - mit einer spöttischen, widerspenstigen Havers, einem besonnen Winston, der dieses Mal zuschlagen darf und natürlich Lynley, der in jeder Hinsicht zurückkehrt. Der große Wermutstropfen dieser Geschichte liegt für mich in der Entwicklung der Geschichte zwischen Ardery und Lynley; erstere ist auch die einzige Figur, die relativ schwach beleuchtet wird und trotz einer wirklich unglaublich schlechten Ermittlungsleistung beim Yard bleiben darf. Dies liegt möglicherweise daran, dass George den Charakter von Isabelle Ardery im nächsten Buch weiter ausbauen will und sich hier auf das Offensichtliche (ehrgeizige Mutter, die nicht nur gegen den Alkohol, sondern auch den Exmann kämpft) beschränkte. Am Ende ist man sich nicht einmal sicher, ob die Person sympathisch ist oder nicht. Aber schließlich braucht man ja auch keinen kleinen Köder für das nächste Buch ;)

Sternstunden hat in diesem Roman eindeutig wieder Barbara - schon allein die von Ardery verordnete Shoppingtour mit ihrer kleinen Nachbarin Hadiyyah ist wunderbar, ihre Ermittlungen mit Winston Nkata sind vom üblichen "Barb - Winnie"-Geplänkel geprägt und in jede Richtung wird dieses Mal ihre Eifersucht gefordert. Natürlich macht sie auch sonst wieder, was sie will - und bügelt damit am Ende die schlechte Arbeit ihrer Vorgesetzten aus.
Ein gelungenes Buch, das wirklich empfehlenswert ist - nicht nur für eingefleischte Fans.

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28 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

sibirien, ehrbare kriminelle, transnistrien, roman, gewalt

Sibirische Erziehung

Nicolai Lilin , Peter Klöss
Flexibler Einband: 453 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 19.04.2010
ISBN 9783518461624
Genre: Romane

Rezension:

A Sibirische Erziehung von Nicolai Lilin Kategorie: Allgemein

Rezension zu Sibirische Erziehung" von Nicolai Lilin

Auwei, da hab ich mir ja eine Aufgabe ausgesucht: Ich hoffe, ich kann mit meiner Rezension diesem gewaltigen Buch gerecht werden.
Nicolai Lilin wurde 1980 in Bender in Transnistrien geboren. Ich musste alles nachlesen, denn ich hatte bisher keine Ahnung, dass es ein solches Land gibt. Transnistrien steht für Gewalt, für die Existenz "Ehrbarer Kriminelle", die aus Sibirien stammen und von Rußland ins Exil geschickt wurden. Es sammeln sich da auch "Nicht-Ehrbare Kriminelle" aus Georgien, der Ukraine, Moldawien etc.. Und es ist ein Fluchtpunkt für viele Familien geworden, die mit ihren behinderten Kindern in Rußland nicht leben können und dürfen. Viele dieser Kinder sind behindert, weil sie durch die Russische Polizei missbraucht, zu Krüppeln geschlagen und auch als Kleinkind mitansehen mussten, wie die Eltern vor ihren Augen abgeschlachtet wurden.
So, ich denke spätestens hier werdet Ihr verstehen, warum es mir schwerfällt, über dieses Buch zu schreiben. Das Lesen ist nicht schwer, 2x musste ich das Buch allerdings aus der Hand legen, weil mir schlecht wurde, der Autor, inzwischen 30 Jahre alt und in Italien lebend, versucht uns unparteiisch und auch vielfach mit Humor seine Erfahrung und Kindheit zu erzählen, in der es um alte sibirische Regeln und Moral geht: Kinder, Frauen, Alte, Behinderte und Tiere werden verehrt, Geld ist dreckig, das lehnt man ab. Geld wird benötigt, um Waffen zu kaufen und Ikonen, das ist wichtiger als Nahrung und Kleidung. Wird eine Regel verstossen, gibt es festgelegte Strafen. Man wehrt sich der Unterwerfung der Russen und rächt Ungerechtigkeit.
Schnell wird man in den Bann gezogen, und oft war ich völlig entsetzt, denn es handelt sich nicht um Beschreibungen aus dem 1. oder 2. Weltkrieg, sondern es geht um eine Zeit, in der ich einige tausend Kilometer entfernt eine behütete und sorglose Kindheit verbrachte, während der Autor fast täglich blutige Strassenkämpfe überleben musste, selbst Menschen gefährlich verletzten musste, nur um selbst zu überleben.
Man sitzt wirklich völlig ratlos und ensetzt und versteht, warum Robert Saviano (Autor von "Gomorrha", enthusiastischer Empfehler dieses Romans) schreibt: "Wer dieses Buch lesen will, muss die Kategorien von Gut und Böse, wie wir sie kennen, vergessen...."
Vor allem, was bleibt Kindern denn übrig, wenn sie in einer solchen Gesellschaft aufwachsen, nichts anderes kennen, keine Möglichkeit haben sich anders zu entscheiden.
In Transnistrien hat jeder 12 jährige Junge wenigstens einen Mordversuch, wenn nicht mehrere Morde hinter sich. Als Kinder landen sie im Gefängnis, wo sie von den russischen Wärtern vergewaltigt und anschliessend in der blutigen Pfütze liegengelassen werden.
Ich mag nicht weiter nacherzählen: Ihr sollt es möglichst zahlreich selbst lesen!!! Denn nur so kann aufgeklärt werden.
Sehr informativ übrigens die Kapitel über Tätowierungen, woher sie kommen, was sie bedeuten, welchen Zweck sie erfüllten. Sollte jeden interessieren, der mit Tätowierungen seinen Körper bedeckt!
Der Autor erkennt nach einem schlimmen Vorfall, dass Gewalt nichts ändert, ist im jugendlichen Alter ausgebrannt und völlig orientierungslos, sein "Großvater" kommentiert dies mit den Worten, er sei zu menschlich, um unter den Menschen zu leben...
Aber mit Achtzehn pocht Russland auf sein Recht den volljährigen Lilin als Eigentum der russischen Regierung in Anspruch zu nehmen: Das Buch endet... und beginnt.

Das Buch bekommt 5 Punkte, weil es heutzutage wichtig ist, dass Zeitzeugen berichten, den Mut haben den Mund zu öffnen und aufzuklären. Dieses Buch wird alle, die es lesen zum Nachdenken anregen, auch die Leute, die glauben, Religion verstanden zu haben, Moral beurteilen zu können. Ich möchte schliessen mit dem Zitat von Roberto Saviano: "Einfach nichts tun: nur lesen!"

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8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

einstein, psychiatrie, amnesie, berlin, burghölzli

Das Einstein-Mädchen (6 CDs)

Philip Sington , Torben Kessler
Audio CD
Erschienen bei Der Audio Verlag, 24.07.2010
ISBN 9783898139489
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

H29 Das Einstein-Mädchen von Philip Sington Kategorie: Hörbuch

Ein Psychiater der Berliner Charité, Dr. Martin Kirsch, ist verschwunden. Seine Verlobte Alma sucht ihn beharrlich und vermutet, dass einer seiner Fälle für das Verschwinden verantwortlich ist: Das "Einstein-Mädchen", das sich selbst Maria nennt. Diese junge Frau wurde bewusstlos und mit einer Amnesie in der Nähe des Einstein-Turms bei Caputh aufgefunden und Kirsch schien sich um diesen Fall hartnäckiger zu kümmern als um andere. In Rückblicken erzählt Sington, wie sich Kirsch und Maria begegnen und wie er versucht, sie in ihre Welt zurück zu holen - während Einstein die Physik auf den Kopf stellt und die Nazis die Regierung übernehmen.

Sington erzählt eine anspruchsvolle und sehr atmosphärische Geschichte, in der er zahlreiche Aspekte verknüpft. Kirsch steht der zeitgenössischen Psychiatrie kritisch gegenüber und bemüht sich um neue Denk- und Therapieansätze. Maria bekommt zum Beispiel keine Medikamente, sondern soll behutsam ihre Erinnerung zurück erlangen. Parallel dazu gibt Sington aber auch einen Einblick in die zeitgenössische medikamentöse Behandlung, in der qualvolle Insulin-Schock-Therapien der letzte Schrei waren. Mit seinem Wunsch nach neuen Ideen stößt Kirsch bei den Nazis auf offene Ohren. Ohne dass Kirsch zunächst begreift warum, wendet sich ein kritischer Vorfall an der Charité zu seinen Gunsten und er bekommt ein lukratives Angebot, um seine Kritik an der aktuellen Symptomatik von psychisch Kranken mit einer ausreichenden Zahl an Probanden zu bearbeiten. Erst spät wird Kirsch klar, dass er in ein Programm für Zwangssterilisation und Euthanasie geraten ist.

Zugleich steht die wissenschaftliche Welt Kopf, weil Einstein revolutionäre Theorien aufstellt, zum Beispiel über den Welle-Teilchen-Dualismus, und die klassischen physikalischen Konzepte umwirft. Viele Details dieses damals unfassbaren Postulats werden beschrieben und Kirsch begegnet Max von Laue, von dem er sich Hilfe bei seinem Fall erhofft: Maria schien einen Einstein'schen Vortrag besucht zu haben und ihrem Notizbuch voller Formeln nach zu urteilen kann sie den Gedankengängen Einsteins hervorragend folgen. Daher setzt sich Kirsch auch auf Einsteins Fährte, lernt im Zürcher Burghölzli Einsteins schizophrenen Sohn Eduard kennen und versucht, Einstein Maria zuliebe zu einem Treffen zu bekommen.

Die historische Atmosphäre finde ich gut eingefangen. Eher beiläufig bemerkt man, dass Kirsch Zeuge von Bücherverbrennungen wird, die Inflation behindert Kirschs Familie bei der Errichtung eines Mahnmals und an der Charité wird in der Mittagspause das Kabinett unter Reichskanzler Schleicher diskutiert.
Kirsch private Sorgen betreffen seine Syphilis, mit der er sich als Arzt im Krieg bei einem Patienten infiziert hat; er leidet an Fieberschüben und weiß manchmal nicht, ob er sich an Begebenheiten richtig erinnert.

Selbst Einstein wird im Lauf des Buchs von der fernen Lichtgestalt zum aktiven Teilnehmer an der Handlung. Das gefeierte Genie wird zum Menschen mit zahlreichen Ecken und Kanten. Da ich auf Grund der für meine Begriffe gut recherchierten wissenschaftlichen und historischen Fakten davon ausgehe, dass auch die Person Einstein gut recherchiert wurde, muss ich sagen: Ich bin froh, dass ich bloß mit den Theorien, nicht aber mit dem Menschen Einstein zu tun hatte.

Alle diese Komponenten zusammen ergeben einen verflochtenen Erzählstrang, bei dem man am Ende immer noch nicht weiß, was Wirklichkeit ist und was nicht. So, wie Materie Welle sein kann oder Teilchen, kann die eine Interpretation stimmen oder die andere. Genau dieses Geheimnisvolle, das sich aus Einsteins Theorien ableitet, zieht sich nach meinem Empfinden als Motiv durch den ganzen Roman und genau das hat mich daran so fasziniert. Diese Spielerei mit dem Dualismus ist auch der Grund, warum das Etikett "Thriller" meiner Meinung nach überhaupt nicht passt.

Ein klarer Kritikpunkt ist, dass im Buch offensichtlich ein Nachwort existiert, das im Hörbuch fehlt. Ich habe durch Internet-Recherchen herausgefunden, dass darin zum Beispiel der Arzt erwähnt wird, der Kirsch das lukrative Angebot macht. Den Herrn gab es wirklich und er hat entscheidend an den Gentheorien der Nazis mitgearbeitet. Solche Informationen hätte man auch im Hörbuch unterbringen können.

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16 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

alter, liebe, überfall, erinnerungen, ehe

Verlorene Stunden

Anne Tyler , Simone Jakob
Fester Einband: 302 Seiten
Erschienen bei Kein & Aber, 01.07.2010
ISBN 9783036955711
Genre: Romane

Rezension:

A198 Verlorene Stunden von Anne Taylor Kategorie: Allgemein

Die Geschichte von Liam, dem Protagonisten aus Anne Tylors Roman „Verlorene Stunden“ ist schnell erzählt: Liam verliert seine Anstellung als Lehrkraft an der örtlichen Schule und nutzt diese Gelegenheit, die letzte Phase seines Lebens zu beginnen: den Ruhestand. Er verkauft einen Großteil seiner Sachen und sucht sich eine kleine Wohnung. Sein Plan ist ein beschauliches Leben, das ihm Zeit lässt seinen Gedanken im Schaukelstuhl nachzuhängen ohne weitere Verpflichtungen zu haben. Voller Euphorie und Tatendrang macht er sich an den Umzug. Doch schon in der ersten Nacht wird er überfallen, wacht im Krankenhaus wieder auf – ohne jegliche Erinnerungen daran, was sich in der Nacht tatsächlich ereignet hat. Bei dem Versuch, sich die Ereignisse der Nacht irgendwie wieder ins Gedächtnis zu rufen, legt er seine ganze Hoffnung in Eugine, die Erinnerungshilfe eines alternden Unternehmers. Doch sie hat nicht die hellseherischen Fähigkeiten, die er ihr in seiner Verzweiflung zuschreiben wollte. Aber sie hat etwas anderes, was ihm mehr hilft, als die Erinnerung. Sie zeigt ihm, was ihm wirklich fehlt im Leben. Durch sie erkennt er, dass es nicht die Erinnerungen an wenige Stunden in jener Nacht sind, die ihm fehlen, sondern ganz andere längst vergessene Erinnerungen. Und der Ruhestand scheint plötzlich nicht mehr das, wonach Liam eigentlich strebt.

„Verlorene Stunden“ ist ein Roman mit einer recht einfachen Handlung, der es dennoch nicht an Spannungsbögen fehlt. Viel wichtiger als eine spannende Erzählung ist für mein Empfinden aber die Aussage des Buches, das was die Geschichte eigentlich mitteilen will. Im Laufe des Romans werden aus verlorenen Stunden, verlorene Tage, Monate, Jahre. Bis sich der Protagonist mit der Frage auseinandersetzen muss, ob nicht sein ganzes Leben verloren ist. Hat er die ganze Zeit nur an seinem eigenen Leben vorbei gelebt? War er nur Statist in seinem eigenen Leben? Was genau macht ihn als Menschen aus? Er muss sich diesen Fragen stellen, ebenso der Frage, ob er seiner Frau, seinen Töchtern ein guter Ehemann und Vater gewesen ist. Seine erste Frau starb, seine zweite Frau hat ihn verlassen. Das Verhältnis zu seinen Töchtern ist kühl und abgeklärt, auch sein Enkel ist nur eine Randfigur in seinem Leben. Die Entwicklung, die der Protagonist im Laufe des Romans macht, ist erstaunlich. Zumal er in der Zeit nach dem Unfall, in der er eigentlich nur die Erinnerung daran wieder gewinnen möchte, Momente seines Lebens wieder vor sich sieht und diese aus einem ganz neuen Blickwinkel betrachtet.

Das Buch zeigt, wie sehr man Herr seines eigenen Schicksales ist und dass die Beziehungen zu anderen Menschen, zu Partner und Kindern einer lebenslangen Pflege und Aufmerksamkeit bedürfen. Aber auch, dass es harte Arbeit ist, sich über seine eigenen Gefühle und Bedürfnisse im Klaren zu sein und diese vor sich selbst ehrlich zu akzeptieren.

„Verlorene Stunden“ hat mir sehr gut gefallen, weil es mich zum Nachdenken bringen konnte. Wie werde ich wohl mein Leben als 60jährige reflektieren?

Der Schreibstil ist einfach gehalten, man kann das Buch sehr gut lesen und auch die Personen und Schauplätze waren gut ausgearbeitet, so dass man leicht in dem Buch versinken kann. Besonders der ständige Wechsel zwischen Resignation und Hoffnung, Traurigkeit und Lebensfreude, Liebe und Hass machen den Roman zu einem realistischen Spiegelbild der Gefühlslage eines Menschen am Wendepunkt seines Lebens.

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797 Bibliotheken, 7 Leser, 21 Gruppen, 137 Rezensionen

tod, fenestra, fantasy, liebe, meridian

Meridian - Dunkle Umarmung

Amber Kizer , Karin Dufner
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei PAN, 05.10.2009
ISBN 9783426283011
Genre: Jugendbuch

Rezension:

K95 Meridian von Amber Kizer Kategorie: Kinder- und Jugendbuch

"Meridian - Dunkle Umarmung" - Amber Kizer

Wenn man das Buch in den Händen hält, strahlt es eine sehr mystische und phantastische Wirkung auf den Leser aus. Leicht schimmernd und in dunklen Farben gehalten ist das Cover eine wahrer Augenschmaus und macht dem Leser den Einstieg in diese dunkle, phantasievolle Geschichte leicht.
Ähnlich wie das Cover ist auch die ganze Geschichte um Meridian, das Mädchen mit dem klangvollen Namen und der magischen Anziehungskraft auf Tiere düster und magisch. Meridian ist schon ihre ganze Kindheit lang etwas ganz besonderes: ständig zieht sie tote Tiere an. Noch dazu fühlt sie sich ständig schwach und ausgelaugt. Als an ihrem 16. Geburtstag ein schrecklicher Unfall nach der Schule passiert, packt sie ihr Vater ins Auto und schickt sie auf die Reise zu ihrer Großtante Merry, mit der Information, dass diese ihr Weiteres erzählt und Meridian ihre Familie für lange Zeit nicht wiedersehen wird.
Völlig durcheinander und fertig von der Reise kommt sie bei ihrer Großtante Merry und ihrem „Haushälter“ Tens an. Von ihnen erfährt Meridian das sie zu den Fenestrae gehört, die die ganz besondere Gabe haben, die Seelen der Menschen in den Himmel zu lotsen. Doch nicht jeder hat diese guten Absichten und so bekommen es die drei bald mit ihren ärgsten Feinden zu tun, den Aternocti, und ein nervenaufreibender Kampf beginnt, der viele Verletzte und Tote fordert.
Die ganze Geschichte fand ich sehr spannend geschrieben, aber auch die Gefühle der Figuren kamen nicht zu kurz. Sehr sensibel beschreibt die Autorin Amber Kizer das Gefühlschaos und die Ängste von Meridian, so dass ich mich sehr gut in sie hineinversetzen konnte und das Buch kaum mehr aus der Hand legen wollte.
Toll finde ich auch viele tiefgreifende und herzliche Aussagen der Großtante Merry, die die Sicht auf den Tod ein wenig verändert und dem Leser die Angst davor nimmt. Das finde ich an dem Buch besonders gelungen.
Wirklich ein magisches Buch mit einer sehr fantasievollen Idee zum Umgang mit dem Tod, dass streckenweise zum

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28 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 5 Rezensionen

abnehmen, dünn, diät, dick, fortsetzung

Und ewig grüßt das Moppel-Ich

Susanne Fröhlich
Flexibler Einband: 255 Seiten
Erschienen bei Krüger Verlag, 05.03.2010
ISBN 9783810506795
Genre: Sachbücher

Rezension:

A197 Und ewig grüßt das Moppelich von Susanne Fröhliche Kategorie: Allgemein

Im Folgebuch zu ihrem Bestseller "Moppel-Ich" schreibt Susanne Fröhlich
diesmal über die Vorteile des "korpulent" seins und wie sie sich mit ihrer Figur abgefunden hat. Frau Fröhlich möchte nie mehr hungern oder auf was verzichten müssen und beschreibt so ihren neuen Alltag ohne Diäten und Verzicht. Was ich zunächst eine sehr gute Sache finde. Allerdings kam es mir während der Lektüre oft mal so vor, als verteidige sie sich die ganze Zeit und sucht Begründungen, warum sie wieder alles zugenommen hat, was sie doch vormals für das Buch "Moppel-Ich" abgenommen hat. Das hat mich etwas genervt, denn entweder sie steht dazu und macht nicht so ein Gewese oder eben nicht.
Zuviel fand ich auch die wissenschaftlichen Beläge, die sie in jedem Kapitel bringt. Ständig zitiert sie irgendwelche Leute oder Studien und ganz besonders oft kommen Zitate aus dem Buch "Dick, doof und arm" von Friedrich Schorb vor. Aber vieles weiß man auch schon, so dass man schnell gelangweilt ist. Auch kommt es mir so vor, als zieht sie in diesem Buch auch einfach mal hemmungslos über die Dünnen her.
"Und ewig grüßt das Moppelich" ist im Gegensatz zum belletristischen "Moppelich" eher ein Sachbuch. Zuviele Fakten und zu wenig Textfluss ist gegeben.
Allerdings fand ich den Schreibstil von Frau Fröhlich wieder sehr gelungen. Sie versteht es, mit Wortspielen und bildlichen Beschreibungen umzugehen und meist die komische Seite daran hervorzuheben.Das hat mich, bei aller Langeweile die manchmal auftrat, doch schmunzeln und das Buch immer weiter lesen lassen. Auch nimmt sie sich oft selbst auf die Schippe.
Zum Schluss hin wird das Buch noch mal durch Interviews mit verschiedenen "Moppeln" aufgelockert, was mir wirklich gut gefallen hat. Dabei interviewt sie beispielsweise Rainer Calmund, den Fußballmanager, Anna Scholz, eine Designer für Plus-Size-Mode, Sabrina Fox, die selbst früher rundlich war, Lea Linster, eine angesagte Sterneköchin aus Luxemburg sowie Bettina Ziegler, die erfolgreiche Filmproduzentin. Die Interviews sind sehr gut geschrieben und wirklich aufschlussreich.
Letzten Ende würde ich wieder ein Buch von Susanne Fröhlich lesen, denn ihr Schreibstil gefällt mir wirklich gut. Allerdings sollte sie nun wirklich das Thema "Moppel-Ich" endgültig zu den Akten legen, auch wenn sie sich vielleicht in zehn Jahren mal wieder dafür entscheiden sollte abzunehmen.

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48 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

israel, freundschaft, freunde, tod, ehe

Als unser Leben begann

Eshkol Nevo ,
Flexibler Einband: 440 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.05.2010
ISBN 9783423247900
Genre: Romane

Rezension:

A196 Wir haben noch das ganze Leben von Eshkol Nevo Kategorie: Allgemein

Eshkol Nevo schreibt über eine Freundschaft von vier jungen Männern im modernen Israel. Diese Freundschaft könnte jedoch vor jedem beliebigen Hintergrund stattfinden. Vier sehr unterschiedliche Charaktere beschließen beim Fußball-WM Endspiel 1998, ihre drei Herzenswünsche auf einen Zettel zu schreiben und erst beim nächsten Endspiel nachzusehen was daraus geworden ist. Lediglich ein Wunsch wird von jedem der vier Protagonisten an die offene Runde verraten.
Nunmehr wird in Rückblenden erläutert wie lange und wie tief die Freundschaft der vier Männer zueinander bereits besteht und welche Herausforderungen bereits gemeinsam gemeistert wurden. Als Erzähler der Geschichte tritt einer der vier Freunde – Juval auf. Er beschreibt den Charakter und die Erlebnisse aus seiner Sicht.
Er schreibt über Amichai, der sich vornimmt endlich seinen Job als Verkäufer von Abonnements für Herzerkrankungen aufzugeben und eine Shiatsu-Ausbildung abzuschließen um eine Naturheilpraxis eröffnen zu können. Amichai, der schon als Kind seinen Vater im Libanonkrieg verlor, denkt jedoch vornehmlich an seine Familie, die aus Ilana (von den Freunden heimlich Ilana die Elegische genannt) und den Zwillingen besteht. Er liebt seine Frau und beweist von den vier Männern das wohl meiste Verantwortungsbewusstsein.
Ofir, der bei seiner Mutter aufwuchs und sein gesamtes Jugendleben damit verbrachte seinem Vater zu imponieren zu wollen, fristet sein Dasein als Werbetexter. Er ist darin sogar sehr erfolgreich und erlebt eine Beförderung nach der Anderen. Er jedoch würde lieber ein Buch veröffentlichen. Er findet jedoch keine Zeit seine Ideen aufs Papier zu bringen.
Churchill ist der heimliche Anführer der Gruppe. Er hat das meiste Selbstvertrauen und bestimmt meist, was gemacht wird. Er ist angehender Jurist und träumt davon als Staatsanwalt einen Fall zu lösen der die Gesellschaft zum Positiven verändert.
Juval schließlich, ist der „Zug der im Bahnhof steht und die anderen anfahren sieht um zu glauben er fährt selber.“ Er wünscht sich 1998 nichts mehr als mit seiner gerade erst eroberten Liebe seines Lebens, Jaara zusammen zu bleiben. Ansonsten weiß er eigentlich nicht so genau wo das Leben ihn hinführen soll.
Die Erzählung nimmt seinen Lauf und seltsamerweise übernimmt ein jeder Freund gleichsam einen Wunsch des anderen. Freundinnen werden abgeworben, Menschen sterben, große Dinge werden vollbracht, Reisen werden unternommen und Veränderungen vorgenommen.
Bemerkenswert ist, die Kunst von Eshkol Nevo, die Gefühlslage vor allem des Protagonisten so zu herausarbeiten, dass man beinahe schon denkt man kennt Juval und die anderen als reale Personen. Man fühlt mit Juval, als seine Freundschaft zu Churchill einer brutalen Probe unterzogen wird. Die Zwiespältigkeit seiner Gedanken ist sehr menschlich, wie die gesamte Erzählung. Man liest von Projekten die im Geist ersonnen werden und nie durchgeführt, von Marotten und Macken, von Schuldgefühlen und Liebesbezeugungen und fühlt es warm ums Herz werden ob so viel „guter alter Freundschaft“.
Als Zugabe erfährt man noch so einiges über das Leben in Israel, über die Intifada die das Leben zunehmend düsterer zeichnet, über den brutalen Wehrdienst den jeder absolvieren muss, über die klaffende Diskrepanz zwischen dem Lebensstil der orthodoxen und der liberalen Juden und über die liebenswerte „Herkunftsvielfalt“ in der zweiten oder dritten Generation. So schafft es die deutsche Übersetzung eine Brücke zu schlagen nach Deutschland oder sonst wohin. Wenn es um Freundschaft geht, sind eigentlich alle Völker gleich.

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Roppongi

Josef Winkler
Flexibler Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 07.12.2009
ISBN 9783518461402
Genre: Romane

Rezension:

A195 Roppongi von Josef Winkler Kategorie: Allgemein

Sind wir mal ehrlich. Denken wir an Literatur, dann nehmen wir dieses Wort, packen es in einen kleinen fiktiven Briefumschlag, werfen ihn in einen kleinen Kasten in unserem Kopf und schicken ihn auf die Reise zum Gehirn. Dort wird der Umschlag geöffnet, das Wörtchen Literatur herausgeholt, von allen Seiten betrachtet und in ein Regal gesetzt, über dem in blinkenden Lettern das Wort Unterhaltung geschrieben steht. Da ist nun dieses Wort, Literatur, inmitten von Filmen, Popmusik und Videospielen. Und plötzlich weint es bittere Tränen. Denn es sieht, einmal quer durch den Raum blickend, ein anderes Regal. Ein Regal, in dem noch Platz ist. Ein Regal, in dem das Wort Literatur so gerne sitzen würde. Über dem, leicht verstaubt, das Wort Kunst geschrieben steht. Roppongi – Requiem für einen Vater von Josef Winkler ist mehr als bloße Unterhaltung. Es ist Kunst in Worten.

Es ist schwierig dieses Büchlein in eine Gattung zu ordnen. Vielleicht ist es eine Novelle. Vielleicht ist es ein kurzer Ausschnitt einer Autobiografie Winklers. Vielleicht ist es auch eine Art Dokumentation. Alles dreht sich um das Sterben von Winklers Vater. Im Alter von 99 Jahren endete dessen Leben auf seinem Hof in Kärtnen, den er nur für die Kriegsjahre verlassen hat, während sein Sohn in Japan auf Lesereise war. Und genau der erinnert sich an seinen Vater, an den Tod seiner Großeltern mit allen für das kleine Alpendorf üblichen Riten. Blumen, die in den offenen Sarg gesteckt wurden, immer und immer wieder. Während der oder die Tote tagelang aufgebahrt in der Stube lag, sollten frische Blüten den Verwesungsduft übertynchen.

Doch die Geschehnisse in der Familie und im Heimatdorf Kamering sind nur ein Schauplatz in Roppongi. Den Titel selbst gibt der Stadtteil von Tokio, in dem Winkler vom Tod seines Vaters erfährt. Winkler sitzt in der Hotelbar, die als Kulisse des Films Lost in Translation diente, der auf den Fernsehern unter der Decke rund um die Uhr läuft. Er denkt an seine Geschwister und deren Frauen, er zitiert Scarlett Johansson und Bill Murray und er nimmt Abschied.

Die nächste und letzte Etappe seiner Reise ist Varanasi in Indien, die heilige Stadt der Hindus. Er sitzt an einem der Verbrennungsplätze am Ganges, beobachtet die Zeremonien, notiert sie punktgenau in seine kleinen, roten Notizbücher. Morbide wie einst Gottfried Benn beschreibt er das Kochen der Augen und Knacken der Knochen. Doch, so sagt er selbst, nur, damit ihn diese Bilder nicht bis in die Träume verfolgen. Er schreibt über den Tod und sich so dessen Anblick und die Trauer von der Seele.

Die Kunst des Textes liegt in der detailverliebten Art, wie Winkler Dinge beschreibt. Ob nun die Zeremonien in Kärnten oder Indien, ob hinten und vorne verstärkte, schwarze Socken oder gelbe, duftende Gladiolen. Er malt Bilder mit seinen Worten. Er verbindet die schwierige Beziehung zu seinem Vater und dem österreichischen Dorfmief mit der Weltstadt Tokio, in der er nur schwer eine Kerze findet um trauern zu können und der faszinierenden Beschreibung der hinduistischen Rituale, um mit dem Filmtod Winnetous zu schließen. Roppongi ist keine leichte, keine seichte Abendlektüre zwischen Daily Soap und Mario Barth. Dabei handelt es, wie diese beiden Unterhaltungsformen, vom Leben. Und etwas, das dazu gehört, dem Sterben.

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157 Bibliotheken, 0 Leser, 4 Gruppen, 16 Rezensionen

krieg, fantasy, elben, dardamen, liebe

DARDAMEN - Gefährten der Finsternis

Chiara Strazzulla , Katharina Schmidt , Barbara Neeb
Fester Einband: 795 Seiten
Erschienen bei cbj, 04.11.2009
ISBN 9783570137413
Genre: Jugendbuch

Rezension:

K94 Dardamen von Chiara Strazzulla Kategorie: Kinder- und Jugenbuch

DARDAMEN
- Gefährten der Finsternis

von Chiara Strazzulla

Verlag: CBJ

Seiten: 797

Preis: 19,95 Euro

ISBN: 978-3-570-13741-3

Ich weiß, wir sind nicht mehr dieselben wie früher. Und doch mag auch ich nicht an das Geschwätz glauben, die Zeit der Helden sei vorbei. Wenn Frieden herrscht, findet man schwerlich heraus, ob und wo es sie gibt. Doch sobald ein Kampf ansteht, kommen die Helden hervor. Ich bezweifle, dass auch nur einer Eurer Generäle Held genannt wurde, ehe er dem Feind gegenübergestanden hat. Und so wird es ganz sicher auch irgendwo unter uns Helden geben, nur wissen wir noch nicht, wer sie sind.

Lyannen wird von seinem Volk, den Ewigen, verachtet, weil er ein Halbsterblicher ist. Sein Vater ist der Hauptmann Dardamens und einer der ersten Ewigen, aber seine Mutter ist eine geborene Sterbliche und im Gegensatz zu seinen Geschwistern sieht man Lyannen diese Wurzeln an. Doch trotz dieser sozialen Ächtung führt er ein angenehmes Leben in Dardamen, der Hauptstadt des Ewigen Königreichs. Seine Freizeit verbringt er mit seinen besten Freunden Validen, Elfhall und Drymn, doch von ihnen wird er bald getrennt sein. Im Gegensatz zu Lyannen wurden sie alle im Heer der Ewigen aufgenommen, um gegen einen mächtigen Feind zu kämpfen. Nur Lyannen wurde abgelehnt, was für ihn schlimmer ist als jede Beleidigung und jede Ignoranz.

Doch dies ist längst nicht das größte Problem, mit dem Lyannen zu kämpfen hat. Er hat sich in Eileen verliebt. Eine junge und tragische Liebe, die auf verlorenem Boden kämpft, denn Eileen ist die Prinzessin des Ewigen Königreiches, die ihrem zukünftigen Ehemann, den Königstitel in die Ehe mitbringt. Nie würden die Ewigen Lyannen, einem Halbsterblichen erlauben König zu werden. Aber als sich ein großer Schatten über Dardamen ausbreitet, kann Lyannen beweisen wie viel er wert ist. Der Herr der Finsternis, der Führer des dunklen Heeres das gegen Dardamen marschiert, ist ein schrecklicher Gegenschlag gelungen. Er hat Eileen entführt. Der Stern der Ewigen muss gerettet werden und so macht sich Lyannen mit seinen Freunden auf die Frau zu retten, die er über alles liebt.

Gleichzeitig, viele Meilen von Dardamen entfernt, überquert der junge Sylman die Grenze zu den Unbekannten Ländern, die noch nie ein Ewiger betreten hat. Er begleitet einen alten Ewigen, den alle nur den Einsamen nennen. Denn er hat alles verloren, was ihm einst was bedeutete und so zog er sich in die Wildnis zurück, um sein einstiges Leben zu vergessen. Seitdem führt er ein Leben im Verborgenen und wurde selbst zur Legende. Doch vor dreihundert Jahren vertraute ihm das Schicksal den jungen Sylman an, um den er sich fortan kümmerte. Für Sylman ist der Einsame wie ein Vater, Freund und Mentor zugleich und nie würde er von seiner Seite weichen. Doch dann offenbart ihm der Ewige sein Schicksal und Sylman muss den Weg gehen, der ihm vorbestimmt wurde. Denn ohne ihn ist das Reich der Ewigen vielleicht dem Untergang geweiht.

„Dardamen“ ist ein High Fantasy Spektakel der Extraklasse. Der Leser findet sich in einer Welt wieder, die ihm vollkommen neu ist und erfährt nach und nach mehr über seine Bewohner, seine Vergangenheit und das Leben in dieser fremden Umgebung. „Dardamen“ bietet ganz große Unterhaltung und schafft es seinen Leser für viele Stunden zu fesseln. Jeder der High Fantasy liebt wird von der Geschichte um die Ewigen begeistert sein, allerdings dürfte es Unerfahrenen einige Schwierigkeiten bereitet, da das Buch einiges von seinem Leser fordert und volle Aufmerksamkeit nötig ist um den vielen Handlungssträngen zu folgen. Die Idee hinter „Dardamen“ mag nichts Neues sein, aber ist trotzdem genial und lässt das Herz höher schlagen: Eine spannende, fantasiereiche und abenteuerliche Quest junger und alter Helden, bei der nichts weniger auf dem Spiel steht, als das Leben der freien Völker und das Schicksal der Welt.

An der Handlung ist nicht viel auszusetzen, wenngleich leichte Kritikpunkte durchaus auffallen. Die Idee selbst ist nicht zu bemängeln, da sie mich vollkommen begeistern konnte. Ich liebe es in fremde Welten abzutauchen und kam in dieser Geschichte voll auf meine Kosten. Allerdings scheitert die Autorin an ihrem Bösewicht, von dem ich wirklich enttäuscht war. ‚Die Finsternis’ war mir persönlich zu langweilig, da hätte ich mir einen tiefgründigeren und interessanteren Feind gewünscht und nicht einfach jemand bzw. etwas, das einfach nur böse ist, ohne irgendwelche Grautöne. Jedoch konnte ich diesen kleinen Kritikpunkt schnell vergessen, was an dem großen Ideenreichtum von Chiara Strazzulla liegt. Sie hat eine vollkommen neue Welt entworfen, mit vielen facettenreichen Völkern und einer detailreichen Vergangenheit.

Die Handlung wird aus den Perspektiven von vielen verschiedenen Charakteren erzählt. Dem stehe ich noch immer recht zwiespältig entgegen. Selbstverständlich wird ein großer Teil der Geschichte aus der Sicht von Lyannen und Slyman erzählt. Jedoch kommt fast jeder weitere wichtige Charakter ebenfalls irgendwann einmal an die Reihe. So gibt es Abschnitte aus der Sicht von Vandriyan, Ventel, Tyke, Eileen, Scrubb, dem Einsamen und so weiter. Auf der einen Seite verstehe ich durchaus den Gedanken dahinter. Durch die vielen verschiedenen Sichtweise konnte der Leser einen besseren Überblick über die Geschichte erlangen und konnte die Handlung aus jeder Sicht verfolgen, die dann erst am Ende zusammengeführt wurden. Jedoch denke ich, dass es gerade für einen Neuling in dem Bereich Fantasy eine Tortur sein dürfte.

Mir hat ihre Erzählweise gut gefallen, aber ich befürchte, dass sie auch viele Gegner findet. Wirklich bewundernswert finde ich, dass man anfangs das Gefühl nicht los wird, dass die Autorin ihre Handlungsstränge selbst nicht unter Kontrolle hat und sie wohl nie zusammen führen kann. Aber genau dies tut sie und man kann das Ergebnis nur gelungen nennen. Ich hatte viel Spaß die Handlung aus so vielen Sichten mitzuerleben und sehe es persönlich daher auch als großen Pluspunkt an. Ohne die vielen verschiedenen Perspektiven wäre der Geschichte sicher einiges verloren gegangen.

Durch die vielen verschiedenen Sichtweise lässt sich nur schwer sagen, wer als Haupt- und Nebencharakter anzusehen, da die Grenzen oft verschwimmen. Was die Protagonisten angeht habe ich leider einige Kritikpunkte. Chiara Strazzulla bombardiert ihre Leser mit einer Unmenge an verschiedenen Charakteren. Jeder noch so unwichtige Nebencharakter erhält seinen Namen und gerade am Anfang musste man sich erstmal darauf einstellen immer mehr Namen geliefert zu bekommen, die man sich merken muss. Nicht gerade erleichtert hat dies die Tatsache, dass einige Namen kaum vom anderen zu unterscheiden waren. So hatte selbst ich teilweise Momente, in denen ich erstmal nachdenken musste, wer jetzt eigentlich an der Handlung beteiligt ist.

Nicht zuletzt durch den Klappentext und die etwas häufigere Sichtweise, sticht Lyannen als Hauptcharakter durch. Und hier gab es ebenfalls ein kleines Phänomen zu melden, mit dem ich selten zu kämpfen habe und das mir einiges abverlangt hat. Ich konnte mich mit dem Hauptcharakter einfach nicht anfreunden. Lyannen ist verzogen, selbstsüchtig, bemitleidet sich selbst und nervt teilweise gewaltig. Ich weiß nicht, ob dies wirklich von der Autorin beabsichtig war, da sich wohl niemand gerne mit einem unsympathischen Helden quält.

Doch wenngleich Lyannen und ich sicherlich nie Freunde werden, konnte Chiara Strazzulla mich durch ihre anderen Charaktere mehr als besänftigen. Die restlichen Protagonisten konnten nämlich umso mehr glänzen. Sylman und der Einsame waren für mich ein echtes Highlight und auch Tyke habe ich sofort ins Herz geschlossen. Der heimliche Star war für mich Rabba Nix, der mich immer wieder zum lachen gebracht hat. Er war urkomisch und unglaublich liebenswert. Scrubb fand ich ebenfalls sehr faszinierend und habe mich immer gefreut, wenn wieder ein Abschnitt aus seiner Sicht kam. Und ohne zuviel verraten zu wollen…wie es für ihn am Ende ausgeht, hach, da hat Chiara Strazzulla mich noch mal dazu gebracht ihr Lyannen zu verzeihen. Die Protagonisten sind liebenswert und einzigartig, sie sind mir ans Herz gewachsen und das hätte ich mir auch bei Lyannen gewünscht.

Ein wichtiger Teil ist die Sprache, der ich mich als nächstes zuwenden möchte. Ich war anfangs etwas schockiert, weil ich das Gefühl hatte, dass Chiara Strazzulla schamlos versucht Tolkiens wunderbare Schreibweise zu imitieren, woran jeder Autor nur scheitern kann. Das Gefühl wurde ich auf den ersten Seiten nicht los, aber glücklicherweise hat sich dies nach einiger Zeit gebessert und irgendwie schien sie mehr und mehr zu ihrem eigenen Stil zu finden. „Dardamen“ lässt sich, wenn man erstmal drin ist, sehr angenehm lesen. Es fesselt und an bestimmten Punkten kann man nicht mehr aufhören zu lesen. Man muss jedoch Durchhaltevermögen zeigen, weil es wirklich seine Zeit dauert, bis man im Roman drin ist.

Alles in einem, dürfte auffallen, dass ich durchaus zu den meisten Punkten kleine Kritikpunkte hatte. Allerdings möchte ich trotzdem eine Empfehlung für „Dardamen“ aussprechen. Schlichtweg, weil Chiara Strazzulla es trotz dieser negativen Aspekte geschafft hat, mir „Dardamen“ nahe zu bringen. Es hat mir Spaß gemacht das Buch zu lesen und ich werde es eines Tages gerne ein weiteres Mal in die Hand nehmen um in die Welt der Ewigen zurückzukehren. Ich habe mit den Charakteren mitgefiebert und war gespannt wie es weitergeht. Die Umsetzung mag nicht perfekt sein, aber dies konnte durch die vielen guten Seiten dieses Romanes wieder ausgeglichen werden, sodass ich schlussendlich nur sagen kann, dass „Dardamen“ auf jeden lesenswert ist.

Der Roman ist jedoch, wie erwähnt, der High Fantasy zuzuordnen. Wer solch Romane liebt, dem kann ich nur raten, sich „Dardamen“ augenblicklich zu kaufen. Man muss anfangs etwas Durchhaltevermögen zeigen, aber man wird wirklich belohnt. Einige Charaktere sind wahre Highlights und die Story sprüht nur so vor Ideenreichtum. Wer mit Fantasy allgemein nicht viel anfangen kann, sollte um „Dardamen“ einen großen Bogen machen. Gleiches gilt auch für Leser, die sich in dem Genre noch nicht auskennen oder schnell überfordert sind, wenn einem mehrere fremde Namen begegnen. Fantasy Liebhaber werden aber sicherlich nicht enttäuscht. Daher also eine zweigeteilte Empfehlung. Dieses Buch ist wirklich nur etwas für Leser, die dieses Genre lieben und bereits Erfahrungen gesammelt haben.

Als möchte ich noch kurz auf das Cover zu sprechen kommen. Es ist ein absoluter Blickfang, da wird mir bestimmt keiner widersprechen. Dem Cover ist es auch zu verdanken, dass ich dieses Buch sehr schnell in den Händen hielt, als ich es zum erste Mal sah. Ich habe einigen Kritiken entnommen, dass sie dieses Cover als unpassend empfinden. Dem möchte ich nun absolut widersprechen. Das Cover ist wirklich genial und absolut passend. Um den Zusammenhang zwischen dem Cover und dem Buch zu verstehen, muss man das Buch jedoch wirklich zu Ende gelesen haben…dann ergibt alles ein Sinn. Ich war von der Wahl des Covers sehr begeistert und schließe daher meine Rezension auch mit einem Zitat aus dem Buch ab, welches sich auf die Person bezieht, die auf dem Cover zu sehen ist.

Er kannte diese Flamme, obwohl er ihr niemals einen Namen hatte geben können. In gewisser Weise hatte sie, wenn auch im Verborgenen, schon immer in seiner Brust gelodert, schon seit seiner Geburt. Ohne es zu wissen, spürte er, dass sie da war. Er konnte mit allen Flammen der Welt dort draußen spielen, weil er wusste, dass in ihm eine innere Flamme brannte, die seine Seele verzehren konnte. Und das war die Flamme, deren Name er trug.

Er wusste es noch nicht, doch diese Flamme war Rebellion.

FAZIT

High Fantasy der Extraklasse! Der Roman glänzt vor lauter Ideenreichtum, behandelt das allzeit beliebte Thema gut gegen böse und überzeugt dabei durch sehr interessante und liebenswerte Charaktere. Trotz einiger Kritikpunkte kann „Dardamen“ letztendlich doch überzeugen. Lesenwert und absolut zu empfehlen, aber nur für Leser, die dieses Genre wirklich lieben, da dieser Roman hohe Ansprüche an seine Leser stellt.

NOTE

8,5 / 9 Punkten

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4.966 Bibliotheken, 51 Leser, 36 Gruppen, 426 Rezensionen

liebe, panem, katniss, peeta, hungerspiele

Die Tribute von Panem - Gefährliche Liebe

Suzanne Collins , Sylke Hachmeister , Peter Klöss , Hanna Hörl
Fester Einband: 430 Seiten
Erschienen bei Oetinger, 01.01.2010
ISBN 9783789132193
Genre: Jugendbuch

Rezension:

K75 Gefährliche Liebe von Suzanne Collins Kategorie: Kinder- und Jugendbuch

Trotz ihrer glücklichen Rückkehr in ihre Heimat ist für Katniss und Peeta nichts mehr, wie es einmal war. Denn seitdem sie lieber zusammen in den Tod gegangen wären, als sich dem Willen des Kapitols zu beugen, haben sich die beiden den Zorn der Regierung zugezogen. Nicht nur sie selbst, sondern auch ihre Familien schweben in großer Gefahr, dadurch dass Katniss dem Kapitol in aller Öffentlichkeit die Stirn geboten hat. Für viele in Panem ist sie dafür allerdings auch zu einer Heldin geworden, die für den Widerstand steht, und in einzelnen Distrikten kommt es bereits zu Aufständen. Doch Katniss' Sorge gilt vor allem denen, die sie liebt. Und dazu zählt für sie ganz sicher auch Gale. Doch als das Kapitol sie und Peeta tatsächlich wieder in die Arena schickt, gibt es für Katniss nur ein Ziel: Peetas Leben zu retten. Auch wenn es ihr eigenes kosten sollte...

Auch der zweite Band hat mich wieder vollkommen gefesselt und ich konnte ohne das Buch nicht mal auf die Toilette gehen...
Die Geschichte um die Dreiecksbeziehung und die Politik Panems entwickelt sich weiter und die Lage spitzt sich dramatisch zu. Nun bin ich fast ein wenig verärgert, dass ich auf den dritten Band wohl noch ein wenig warten muss. Jammer...!

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8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

feindschaft, jugendbuch, thriller, freundschaft

Beautiful Malice

Rebecca James
Flexibler Einband: 353 Seiten
Erschienen bei Faber & Faber, London, 02.07.2010
ISBN 9780571259816
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

A194 Beautiful Malice von Rebecca James Kategorie: Allgemein

Beautiful Malice - schöne Tücke: Das ist die Geschichte von Katherine und Alice. Alles beginnt wie in einer typischen Teenie Story. Katherine: Geheimnisvoll, still und neu in der Stadt. Alice: Beliebt, offen und Everybody's Darling. Zwischen beiden entspinnt sich eine Freundschaft, die zweierlei ist: Belebend und leicht, kalt und berechnend. Denn Alice hat zwei Gesichter, eines, das Katherine um jeden Preis für sich gewinnen will, und eines, das dunkel ist. Als Alice es schließlich zu weit treibt, bricht Katherine den Kontakt ab - doch Alice lässt sich nicht einfach abschütteln und macht ihr das Leben fortan zur Hölle. Und das aus einem Grund, der sich erst auf den letzten Seiten erschließt und für eine überraschende Wende sorgt. Als Leser habe ich Alice geliebt und gehasst, wie Katherine. Ich habe mitgefiebert, gelitten und gehofft.
Beautiful Malice ist kein Jugendbuch, aber auch kein richtiger Thriller. Es ist vielmehr eine Mischung aus der Lebensrealität von Teenagern und einem eindringlichen Schreibstil, der verzaubert. Dazu tragen natürlich auch die Charaktere sowie die Struktur des Romans bei. Er ist in drei Zeitstränge unterteilt, die sich über die 353 Seiten wie ein Puzzle spannungssteigernd zusammenfügen.
Fazit: Es ist nicht die Idee, die die Geschichte besonders macht, sondern dass sie so geschehen sein könnte. Deshalb unbedingt lesen, Gänsehautfeeling garantiert.

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(27)

35 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 15 Rezensionen

evernight, liebe, vampire, vampir, vampir-jäger

Evernight

Claudia Gray ,
Audio CD: 5 Seiten
Erschienen bei Der Audio Verlag, 16.01.2010
ISBN 9783898139427
Genre: Jugendbuch

Rezension:

H28 Evernight von Claudia Gray Kategorie: hörbuch

Hallo, ich bin Bianca, ich bin die Hauptprotagonistin des Hörbuches „Evernight“. Ich wohne seit kurzem mit meinen Eltern an der Evernight Akademie. Sie sind jetzt Lehrer hier. Ich will nicht hier sein. Wenn ich aus dem Fenster schaue starrt mich eine „wasserspeiende Fratze“ vom Turm aus an, als wüsste er genau was ich jetzt vorhabe. Zum Glück kann diese alte verwitterte Statue nicht wissen das ich mich jetzt aus dem Staub mache! Meine Eltern müssen einfach begreifen das ich nicht hier sein will. Hört endlich zu: „Ich finde es schrecklich, was ihr gerade mit mir macht!“. Aber Sie schlafen noch tief und fest. Mein Weg führt in den Wald, weit, weit weg von meinen Eltern. Passt auf euch auf meine Hörer, denn Evernight steht mitten in der Pampa. Verlauft euch nicht, wenn ich euch, meine Hörer, jetzt mit nehme. Ich möchte euch mitnehmen, in eine Geschichte, deren Anfang ist wie das Leben manchmal Spielt, gaaaaaaaaanz langsam. Eine Geschichte die an einer vollkommen unerwarteten, unpassenden Stelle eine Wendung nimmt. Eine Wendung, welche sich nicht zurücknehmen lässt, eine Wendung, die aus diesem netten langsamen Jugendbuch eine völlig andere Geschichte macht, eine Wendung, die euch sagen lässt: „Das Buch ist gut!“
„Put, put, put, kommt schon, folgt mir in den Wald. Hört Ihr mich noch?“
Endlich im Wald, ich bin froh über jeden Zentimeter den ich von diesem alten Gemäuer weg komme. He, was ist das? Irgendein Schatten hinter mir, Hilfe, wie schnell kann ich rennen?
Ächz, so schwer hat sich noch niemand auf mich fallen lassen. Was will er nur von mir? Mit der Stimme, die mir Nana Spier (deutsche Stimme von „Buffy“) leiht, die wunderbar zu meiner Person passt, frage ich ihn das. Da ich euch entführe hat er keine Stimme für euch. Aber keine Sorge, ich übersetzte euch was er sagt. „Ich bin Lucas. Du bist gerannt als würdest du verfolgt, da wollte ich dich beschützen.“ meint er. Eigentlich ist mir egal was er meint. Seine Augen, seine wundervoll geschwungenen Lippen, seufz. Lasst es euch ein für alle mal gesagt sein, meine stillen Beobachter: „Er gehört mir!“
Ich werde jetzt mit Lucas wieder zur Schule gehen, hoffen dass meine Eltern noch nicht wach sind, meinen kleinen Ausflug noch nicht mitbekommen haben. Ich werde hier zur Schule gehen und ihr dürft mich begleiten. Nana Spiers Stimme und eine kleine Einkürzung seitens des Audio Verlags, wird euch den Anfang leichter machen. Lasst es zu, dass wir euch die Geschichte einflüstern, das ist einfacher als es selbst zu lesen. Ihr könnt meine Geschichte auf CD in keinem Laden verfehlen, das Cover sieht aus wie das vom Buch.
„Begleitet Ihr mich jetzt, oder gibt’s noch Fragen?“

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7.541 Bibliotheken, 63 Leser, 34 Gruppen, 471 Rezensionen

liebe, zeitreise, zeitreisen, london, fantasy

Saphirblau

Kerstin Gier
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Arena, 01.01.2010
ISBN 9783401063478
Genre: Jugendbuch

Rezension:

K92 Saphirblau von Kerstin Gier Kategorie: Kinder- und Jugendbuch

Der zweite Band der Edelsteintriologie von Kerstin Gier, Nachfolger von Rubinrot, beginnt mit der Schlussszene des ersten Bandes. Gwendolyn und Gideon küssen sich in dem Beichtstuhl einer Kirche, während sie zurück in ihre Zeit springen. Gwen wird von einer Stimme aufgeschreckt, die das Geschehen kommentiert und erblickt einen Dämongeist, der in der Kirche spukt. Xemerius - so dessen Name- sieht aus wie eine Katze mit Hörnern,Flügeln und Schwanz und ist hocherfreut, als er bemerkt, dass Gwendolyn ihn sehen und hören kann. Trotz ihres Versuchs ihn loszuwerden verfolgt der liebenswerte Geist sie daraufhin auf Schritt und Tritt. Gwen ist entnervt, denn das ist nicht ihr einziges Problem. Neben ihrer Liebe zu Gideon, der sich reichlich gefühlsschwankend zeigt, vertraut ihr noch immer der Rat des Geheimbundes nicht und ihre Cousine Charlotte und deren Mutter Glenda, die mit ihr unter einem Dach wohnen, sind weiterhin sauer auf Gwen und ihre Mutter. Das sie auch noch mit Charlotte und einem schnöseligen Lehrer für das 18.Jahrhundert tanzen und Geschichte lernen muss macht es nicht leichter. Doch sie muss ja auch noch mit Gideon in die Vergangenheit, um das Blut aller fehlenden Zeitreisenden in den Chronografen einzulesen und so die Welt zu retten. Das sagt zumindest der geheimnisvolle Graf, doch was will dieser wirklich? Und warum haben Lucy und Paul damals den fast vollen Chronografen gestohlen und wollen unbedingt verhindern, dass der zweite Chronograf voll wird. Wem soll Gwendolyn glauben? Zum Glück steht ihr weiterhin ihre beste Freundin Leslie zur Seite.

Der zweite Band dieser großartigen Reihe gefällt mir fast besser wie der erste Teil. Die Geschichte liest sich flüssig und fesselte mich von der ersten Seite. Wunderbar liebenswerte Charaktere wie Xemerius oder Leslie sind mir richtig ans Herz gewachsen und auch Glenda und Charlotte erfüllen die Ansprüche, die ich mir von ihnen erhofft habe. Der natürliche Humor, den Kerstin Gier in ihren Büchern verarbeitet, hat mich mehr als einmal zum Lachen gebracht und auch die Romantik zwischen Gwen und Gideon war fühlbar. Die Reihe ist eine meiner absoluten Lieblingsbuchreihen, besonders weil ich unglaublich schnell in der Geschichte bin, es unmöglich ist, nicht mit den Figuren mitzufühlen und die Spannung andauernd ist. Zweifelslos ein Edelstein, sowohl durch die wunderschöne Gestaltung, als auch durch das Thema und die Umsetzung, der Jugendliteratur. Seit ich das Buch zur Seite gelegt habe, warte ich voller Spannung und Vorfreude auf den Abschluss der Reihe. Absolut lesenswert!

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64 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 12 Rezensionen

tod, liebe, ehe, novelle, doro

Jenseitsnovelle

Matthias Politycki
Buch: 125 Seiten
Erschienen bei Hoffmann und Campe, 01.09.2009
ISBN 9783455401943
Genre: Romane

Rezension:

A193 Jenseitsnovelle von Matthias Politycki Kategorie: Allgemein

Was leben wir in einer unruhigen, zersetzten Welt. Wenn ich mir die
Bestsellerlisten anschaue springen mir Titel wie "Leichenblässe",
"Verdamnis" und "Zerstörung" entgegen, werden Menschen umgebracht und
ein Auge entfernt, weil man diese sammelt.
Menschen zerstückelt, zersetzt, gefoltert gequält, dafür gebenn viele Mitmenschen viel Geld aus.
Das Buch "Jenseitsnovelle" springt mir ins Auge, wieder ein Titel mit dem Tod? Warum Novelle...doch dazu gleich mehr.
Von einem meiner Lieblingsrezententen gelesen (Mr.Rail) und gleich versinke
ich in seine Beschreibung; Hmmm das ist etwas Anderes.
Gleich auf der ersten Seite bemerkt Hinrich Schepp das "Andere", Ungewohnte. Es wird Schepp im Leben von Hinrich.
Der Leser ahnt was passiert ist, Hinrich muss sich erst orientieren; sind seine Augen nicht gut?
Seine Frau ist tot.
Sie sitzt am Schreibtisch und hat noch ein vergessenes Manuskript von ihm
bearbeitet. Er liest die letzten Zeilen, kann es nicht glauben, versinkt
in Schmerz ob ihres Todes und bettet sie auf die Chaiselongue.
Hier erinnert er sich an die ersten Tage, mit ihr. Er lernte sie kennen, sie
hat Angst vor dem Tod. Das Jenseits ist für sie nur eine Novelle, nach
dem Tod kommt man an einen See, den man überqueren muss.
In der Mitte des Sees hat man keine Kraft mehr und ertrinkt, stirbt zum weiten Mal.
Im Jenseits gibt es einen Zwischenbereich - eine Novelle.
Er nahm sie an der Hand, das erste Mal, daß er jemanden an die Hand nahm, hielt
sie fest und es gab dann ein Versprechen, daß Einer am See auf den
anderen wartet um gemeinsam herüber zu schwimmen.
Er schwimmt in die Gegenwart zurück und fängt an diese zu begreifen, er fängt er an zu
denken, zu lesen was seine große Liebe mit der er 2 Kinder hat und mit
der er 29 Jahre gelebt, gedämmert hat, hinterlassen hat.
Er ist entsetzt, sie hat sein Stück "Marek der Säufer" kommentiert, er beginnt zu lesen, er verspricht es ihr.
Dieses Buch im Buch ist stilistisch ganz anders als die Novelle als ob jemand anders dieses beschriebene Leben gelebt hat.
Nach und nach findet er heraus, daß Doro alles gewusst hat, was er im Verborgenen dachte.
Er tobt will einen Dialog anfangen - mit einer Toten.
Die Ehe fault in der Geschwindigkeit, wie der Körper zersetzt wird.
Ich will nicht allzuviel verraten, ich bin in dem Buch geschwommen der
Erzählstil ist unheimlich dicht, ich versinke, doch ist es luftig genug
um meine Gedanken zu entfalten, ich leide mit Hinrich, fühle meine
Mannsein angegriffen - dann kommt das Ende und ich bin versöhnt.
Ein Buch über die Wirrungen der Liebe, die nicht immer heiter ist und ein
atemloses, stilsicheres Dokument über Abschied nehmen - von der Liebe,
dem Leben was ich gelebt habe, von mir.

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34 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 9 Rezensionen

paris, frankreich, mord, obsession, wände

Das Geheimnis der Wände

Tatiana de Rosnay , Gaby Wurster , Tatiana de Rosnay
Flexibler Einband: 144 Seiten
Erschienen bei Berlin Verlag Taschenbuch, 05.12.2009
ISBN 9783833306259
Genre: Romane

Rezension:

A192 Das geheimnis der Wände von Tatiana de Rosny Kategorie: Allgemein

"Die Wände erinnern sich immer"

Pascaline Malon ist vierzig und hat gerade eine Scheidung hinter sich, die für sie sehr schmerzhaft ist, denn sie liebt Frédéric noch immer, doch der hat eine neue Frau, die auch schwanger von ihm ist. Ein Kind, das Pascaline nie wieder mit Frédéric haben wird. Doch nun soll alles anders werden. Pascaline zieht in eine kleine, aber hübsche Altbauwohnung und hat sich vorgenommen, sich ein völlig neues Leben aufzubauen: neue Kleider, neue Bücher, neue Freunde. Doch bereits am ersten Tag in ihrer neuen Wohnung überkommt sie ein schreckliches Gefühl und sie bricht fast darunter zusammen. Kurze Zeit später erfährt sie von einer Nachbarin, dass in ihrem Schlafzimmer zehn Jahre zuvor ein 18jähriges Mädchen ermordet wurde, von einem Serienmörder. Nun ist es aus mit Pascaline und ihrer neuen Wohnung. Sie kann keine ruhige Minute mehr finden in dieser Wohnung und an Schlaf ist gar nicht zu denken. Sie fühlt das Verbrechen und dessen dunklen Schatten förmlich. Daher flüchtet sie in ein Hotel, doch entkommt sie der Geschichte ihrer Wohnung nicht. Und schon bald wächst sich ihre Beschäftigung mit dem Verbrechen zu einer Besessenheit aus.

Ich bin einige Zeit um dieses Buch herumgeschlichen, da ich kurzen Büchern gegenüber skeptisch bin. Immer wieder habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Geschichte vorbei war, bevor ich wirklich richtig drin war. Von de Rosnay habe ich allerdings schon ein Buch ("Sarahs Schlüssel") gelesen und geliebt und so siegte schlußendlich doch die Neugier. Und ich habe es nicht bereut.
Tatiana de Rosnay hat einen wunderschönen Schreibstil. Auf mich wirkt ihre Sprache immer poetisch und gleichzeitig leicht zu lesen, aber eben nicht trivial oder anspruchslos. Auch mit "Das Geheimnis der Wände" konnte sie mich fesseln und ermöglichte es mir, mich in Pascaline einzufühlen, wenn mir ihr Verhalten doch trotzdem hin und wieder befremdlich schien. Die Autorin konnte das Abgleiten in die Obsession auch auf diesen wenigen Seiten als schleichend beschreiben und doch verfängt sich Pascaline schließlich unrettbar darin. Das Ende ist so nicht vorhersehbar, aber doch verständlich.
Bereits im Vorwort, aber auch später in der Geschichte, wird deutlich, dass dieses Buch den Anstoß für "Sarahs Schlüssel" gegeben hat. Das mag in dem Moment etwas aufgesetzt und vielleicht auch nervig sein, wenn man jenes Buch schon kennt, jedoch hat de Rosnay "Das Geheimnis der Wände" vorher geschrieben. Es ist eben jetzt erst - durch den Erfolg von "Sarahs Schlüssel"? - ins Deutsche übersetzt worden. Das umfangreiche Vorwort machte mir jedoch deutlich, dass die Autorin viel von eigenen Erlebnissen und Erfahrungen verarbeitet und das macht die Geschichte noch authentischer. Zudem regte es mich sehr zum Nachdeken an, denn sie schreibt einen sehr prägnanten Gedanken nieder: überall sind schon Menschen gestorben. Doch wie lange steht mein Haus schon? Welche Tragödien hat es schon erlebt? Ist hier wirklich jeder eines natürlichen Todes gestorben? Das wissen nur die Wände, es ist das Gedächtnis der Wände.

Ich bin froh, dieses Buch gelesen zu haben, weil ich es sehr gut fand, es mir nahe ging und auf jeden Fall erinnerungswürdig ist. Auch die Idee ist sehr originell. Und ich liebe einfach den Schreibstil der Autorin. Dieses Buch hat in meinen Augen die Reputation von dünnen Büchern wieder aufgewertet. Und ich freue mich schon sehr auf das dritte Buch der Autorin, das soeben auf deutsch erschienen ist.

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kinder- / jugendbuch, bruno, grün, waschen, seife

Bruno oder Der Junge mit den grünen Haaren

Ben Becker
Flexibler Einband: 48 Seiten
Erschienen bei Rowohlt Taschenbuch, 01.10.2009
ISBN 9783499215032
Genre: Kinderbuch

Rezension:

K91 Bruno oder der Junge mit den grünen Haaren von Ben Becker Kategorie: Kinder- und Jugendbuch

Du „Schimmelpilz“

Du „Klobürste“

So wird der 8jährige Bruno bis weilen in der schule genannt. Warum?
Ganz Klar, er ist wie Struwwelpeter und wäscht sich nicht die Haare. Genau wie bei Struwwelpeter lässt sich Bruno nicht überreden. Er geht dreckig wie er ist zur Schule.

Gar nicht wie bei Struwwelpeter fällt eines Tages sein Blick auf ein „riesiges, giftgrünes, wunderschönes Stück Seife,…Der absolute Wahnsinn lag da vor ihm auf dem Waschbecken: grün wie ein Frosch und durchsichtig wie die schönste Murmel…“
Daraufhin schließt sich Bruno im Badezimmer ein. Was er da macht?
Etwas das gar nicht ist wie bei Struwwelpeter, er wäscht sich die Haare. Wie die Haare dann aussehen?
Gar nicht wie bei Struwwelpeter, sie sind dann ziemlich GRÜN. Was seine Mutter macht?

Lest es doch einfach selbst, oder ihr wartet „… bis Gras über die Sache gewachsen ist.“

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346 Bibliotheken, 3 Leser, 6 Gruppen, 85 Rezensionen

thriller, serienmörder, ohio, amisch, kate burkholder

Die Zahlen der Toten

Linda Castillo , Helga Augustin
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 01.09.2010
ISBN 9783596184408
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

A191 Die Zahlen der Toten von Linda Castillo Kategorie: Allgemein

Eine 20-jährige Frau wird von einem Unbekannten gefangen gehalten,
brutal gequält, vergewaltigt und schließlich ermordet. Der Officer
T.J. Banks findet kurze Zeit danach einen Frauenschuh auf der Wiese
eines Farmers in Painters Mill, Ohio, der zu einer Blutspur und
schließlich zu der Leiche dieser Frau führt. Nachdem Kate Burkholder,
Chief of Police der Kleinstadt in Ohio, und der Gerichtsmediziner die
Leiche noch vor Ort untersuchen und eine römische Ziffer, die in den
Bauch der Leich geritzt wurde, entdecken, kommen Erinnerung an einen
alten Mordfall wieder ans Tageslicht.
Vor 16 Jahren machte ein Serienmörder im Ort Painters Mill
Schlagzeilen. Er vergewaltigte seine ausschließlich weiblichen Opfer,
folterte sie, schlachtete sie schließlich bestialisch und markierte
die Leiche mit einer römischen Zahl.
Kann es sein, dass der ‘Schlachter’ tatsächlich nach so langer Zeit
wieder sein Unwesen in der amerikanischen Kleinstadt treibt?
Kate Burkholder nimmt die Ermittlungen mit ihrem Team wieder auf und
wird während ihrer Untersuchungen von ihrer traumatischen
Vergangenheit eingeholt.

Bereits das erste Kapitel des Thrillers von Linda Castillo vermittelt
eine düstere und spannende Atmosphäre, die sich durch die gesamte
Geschichte zieht. Der Leser findet sich in der Gefangenschaft der
20-jährigen Amanda wieder, die von einem Unbekannten entführt und
seitdem gefoltert wurde. Dabei erfährt der Leser nicht nur Details der
Umgebung, sondern vielmehr auch etwas über die Gefühle des Opfers kurz
vor ihrer Ermordung und über die Vorgehensweise des Mörders.
Kate Burkholder ist die verantwortliche Ermittlerin in ‘Die Zahlen der
Toten’. Sie wird nicht nur durch ihre zugleich starke, als auch
emotionale Persönlichkeit zu einer sympathischen Protagonistin. Auch
ihre Schwächen und Ängste, die durch Erzählungen aus ihrer
erschütternden Vergangenheit beschrieben werden, machen sie zu einem
überaus authentischen Charakter. Besonderes interessant zu lesen sind
die Einblicke in das amische Leben, das Kate bis zu ihrem 18.
Lebensjahr führte. Diese Thematik verbunden mit einer
Kriminalgeschichte ist nur ein Aspekt, der ‘Die Zahlen der Toten’ zu
einem besonderen Leseerlebnis macht.
Linda Castillo bringt in ihren Roman eine Vielfalt an
Charaktereigenschaften ein, die jede einzelne Figur hervorstechen
lässt. Sei es Kate, die wie bereits erwähnt selbstbewusst, stark und
trotzdem sensibel ist, oder der BCI-Agent John Tomasetti, der durch
ein traumatisches Ereignis ein selbstzerstörerisches Leben führt und
niemanden an sich heran lassen will.
Außerdem hervorzuheben ist der Schreibstil der Autorin. Durch
detaillierte Beschreibungen der Ermittlungen, die teils nichts für
schwache Nerven sind, und Rückblenden in die Vergangenheit der
Protagonisten entsteht ebenso nervenaufreibende wie auch
angsteinflößende Geschichte.

Fazit: Linda Castillos Thriller verursacht Gänsehaut, geht an die
Nerven und ist absolut fesselnd.

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473 Bibliotheken, 8 Leser, 9 Gruppen, 76 Rezensionen

thriller, internet, entführung, usa, mädchenfänger

Mädchenfänger

Jilliane Hoffman , Sophie Zeitz ,
Fester Einband: 464 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Wunderlich, 16.07.2010
ISBN 9783805208925
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

A190 Mädchenfänger von Jilliane Hoffman Kategorie: Allgemein

erschienen im Wunderlich-Verlag

Das Internet (oder auch World Wide Web) ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken! Viele von uns sehen es als selbstverständlich an, auf Oberflächen wie z. B. Facebook oder MySpace ein Profil zu erstellen, um Leute kennenzulernen oder sich - in einigen, wenigen Fällen - auch zu verabreden.

So ergeht es auch einem Teenager in den Vereinigten Staaten von Amerika. Genauer gesagt, findet das Mädchen Lainey Emerson aus Miami Gefallen an einem etwas älteren Jungen, welchen sie in einem Chatroom aufstöberte.

Was sich daraufhin abspielt, ist ein gelungener und packender Thriller für alle Leseratten und zugleich ein Albtraum für alle Eltern!

Hauptprotagonist dieses packenden Thrillers ist Bobby Dees, ein Polizist einer Spezialabteilung, welche sich mit vermissten Kindern in den U.S.A. auseinandersetzt und durch ein ganz persönliches und erschütterndes Erlebnis diesen Fall unbedingt lösen will - und muss!

Es ist ein Thriller, der sich auf der Höhe der Zeit abspielt und einem buchstäblich den Atem nimmt.

Jilliane Hoffman schafft hier ein beängstigendes Bild, allerdings ohne das Internet auf irgendeine Art und Weise zu "verteufeln". Die zu erzählende Geschichte steht hier im Fokus und fesselt den Leser von der ersten bis zur letzten Seite - mit einem packenden Finale!

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114 Bibliotheken, 0 Leser, 3 Gruppen, 30 Rezensionen

zwillinge, psychodrama, hamburg, tod, selbstmord

Allerliebste Schwester

Wiebke Lorenz
Fester Einband: 237 Seiten
Erschienen bei Blessing, Karl, 15.03.2010
ISBN 9783896674104
Genre: Romane

Rezension:

A189 Allerliebste Schwester von Wiebke Lorenz Kategorie: Allgemein

Nach dem plötzlichen Tod ihrer Zwillingsschwester Marlene beschließt Eva, das Leben ihrer Schwester für diese weiterzuleben und schlüpft kurzerhand einfach in Marlenes Rolle: Sie übernimmt Marlenes Job in einer kleinen Buchhandlung. Und heiratet Marlenes Mann Tobias!
Nach anfänglichem Entsetzen haben sich drei Jahre später alle mit der neuen Situation abgefunden und Eva und Tobias scheinen glücklich. Doch dann verliert Eva ihr Kind und plötzlich bricht alles um sie herum zusammen…

Mit »Allerliebste Schwester« hat Wiebke Lorenz, die als Teil des Autorenduos Anne Hertz eigentlich für ihre romantischen Komödien bekannt ist, ein Psychodrama geschrieben, das den Leser gnadenlos hineinzieht in einen Strudel aus verstörenden Emotionen und menschlicher Abgründe.
So abwegig die Ausgangssituation auf den ersten Blick auch anmutet, mit jeder weiteren Seite erfährt man mehr über Evas Charakter und ihre Beweggründe. Auch wenn man ihr Handeln vielleicht nicht befürwortet, so kann man doch nachvollziehen, was sie zu dieser Heirat veranlasste.
Mit ihrer Hauptfigur ist der Autorin ein Glanzstück an Charakterzeichnung gelungen. Man spürt förmlich, wie zerrissen Eva ist. Mal ist sie die starke Frau, die sich nimmt, was sie will. Mal ist sie völlig am Boden. Rückblenden in eine Kindheit voller Ungerechtigkeit und Gewalt beleuchten nicht nur das Verhältnis zu ihrer Schwester, sondern tragen noch zu der ohnehin sehr beklemmenden Atmosphäre der Geschichte bei, die mich beim Lesen hin und wieder zu Pausen zwang. So eindringlich erzählt die Autorin und lässt ihre Leser mit Eva leiden - und fürchten, worauf sie da so zielstrebig zusteuert.

Leider ist es Wiebke Lorenz aber nicht gelungen, das hohe Niveau bis zum Ende zu halten. Das letzte Drittel enttäuscht durch eine abrupte Verlangsamung des Erzähltempos, die fast schon wie ein Bruch in der Geschichte wirkt. Zudem ist das Ende in einem Punkt nur wenig überraschend und riecht in einem anderen viel zu sehr nach Hollywood, was so gar nicht zu der ansonsten großartigen Geschichte passt.
Darüber hinaus habe ich mich besonders zum Schluss hin an den Gesprächen Evas mit Marlene gestört, denn während diese zunächst noch als Wahnvorstellungen interpretiert werden können, enthalten sie mit der Zeit immer mehr Informationen, über die eigentlich nur Marlene selbst verfügen kann. Das kann man zwar als dichterische Freiheit abtun, aber ich persönlich habe mich leider sehr daran gestört.

FAZIT: Eine Frau auf der Suche nach ihrer Identität. Über 2/3 hinweg nahezu brillant, am Ende leider enttäuschend.

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136 Bibliotheken, 3 Leser, 10 Gruppen, 38 Rezensionen

überwachung, san francisco, überwachungsstaat, hacker, terror

Little Brother

Cory Doctorow , Uwe-Michael Gutzschhahn , ,
Flexibler Einband: 496 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 01.03.2010
ISBN 9783499215506
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

K49 Little Brother von Cory Doctorow Kategorie: Kinder- und Jugendbuch

„Die Freiheit der Person ist unverletzlich“- So oder so ähnlich lautet sowohl bei uns in Deutschland wie auch in Amerika eines der wichtigsten Grundrechte. Auch Marcus alias „w1n5t0n“ ist der Meinung, dass dieses Recht jedem Bürger zusteht, doch als er und seine drei Freunde zur falschen Zeit am falschen Ort sind und von der DHS, der Heimatschutzbehörde, in Gewahrsam genommen werden, verliert er das Vertrauen in seine Regierung: Die Jugendlichen werden behandelt wie Schwerverbrecher und für die Verantwortlichen der Sprengung der Oakland Bay Bridge gehalten. Nach tagelangen Befragungen und Demütigungen wird ein Teil der Gruppe freigelassen, doch Darryl, Marcus besten Freund, sehen sie nicht wieder.

Als sie zurück in ihre Stadt kommen, ist allerdings auch dort nichts mehr so wie es war. Nach dem Terroranschlag auf die Brücke und dem Tod vieler Menschen übernimmt die Heimatschutzbehörde die Führung und lässt die Bürger auf jedem nur erdenklichen Weg überwachen. Der Aufenthaltsort aller wird mit Hilfe von U-Bahn-Karten und Sendern aufgezeichnet und jeder, dessen Aufzeichnungen ein Verbrechen auch nur vermuten lassen, wird verhört und schlimmstenfalls sogar eingesperrt.

Als begeisterter Gamer und Computerfreak sagt Marcus der Regierung den Kampf an und sabotiert gemeinsam mit seinen Freunden die Überwachungsmedien der Regierung. Nach dem Motto „Nicht die Attentäter terrorisieren dieses Land, die Heimatschutzbehörde tut es!" beginnen Jugendliche aus allen Schichten für ihre Freiheit und die Menschenrechte zu kämpfen.

Als kanadischer Blogger und Journalist setzt sich der Autor des Buches, Cory Doctorow, für den Datenschutz ein und hat auch mit diesem Buch ein großartiges Beispiel für die Bedeutung unserer Grundrechte geschaffen. Der Roman zeigt zudem, dass auch Jugendliche ihre Rechte verteidigen sollen und das durchaus schaffen können. Vielleicht nicht unbedingt, indem sie sich durch die Systeme der Regierung hacken, aber es gibt sicher genügend andere Wege, die die Bürger vor einem reinen „Überwachungsstaat“ bewahren können.

Diesen „Überwachungsstaat“ beschreibt der Autor sehr glaubwürdig, was an manchen Stellen schon einmal Angst auslösen kann, das das auch bei uns passieren könnte. Auch die Hauptperson Marcus und seine Freunde werden sehr glaubhaft geschildert, da keiner von ihnen als richtiger Held gesehen wird, sie alle sind nur ganz normale Jugendliche, die etwas bewegen wollen.

Ingesamt ist das Buch wirklich zu empfehlen. Computerfreaks, Politikinteressierte, Jugendliche, die etwas bewegen wollen oder einfach nur Lesebegeisterte: Für alle ein toller Schmöker, in den vielleicht sogar der eine oder andere Erwachsenen gerne hineinliest.

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22 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

afrika, frankreich, liebe, marie ndiaye, prix goncourt

Drei starke Frauen

Marie NDiaye , Claudia Kalscheuer
Fester Einband: 342 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 21.06.2010
ISBN 9783518421659
Genre: Romane

Rezension:

A188 Drei starke Frauen von Marie NDiaye Kategorie: Allgemein

Suhrkamp Verlag, erste Auflage 2010

Nein, es ist kein freundliches Buch.. Ich habe es gelesen, weil es den Prix Goncourt erhalten hat und bei der einschlägig bekannten Literaturkritik gut angekommen ist. Nun kann man sich auf diese Kritiker manchmal verlassen...manchmal aber auch nicht. Dies wollte ich mit der Lektüre von „Drei starke Frauen“ selbst herausfinden.

den ersten Teil habe ich grad gelesen....weiss noch nicht....mhhmmm erstmal den Rest lesen... flirrig geschrieben....wollen wir mal nachschauen, wie ein Flammenbaum aussieht...aha:

Je weiter ich im Buch vorankomme, desto mehr muss ich mich quälen, durchzuhalten. Die Geschichten finde ich nicht weiter interessant, die Sprache durchaus, aber was nützen die schönsten Sätze, wenn der Inhalt derartig spröde ist? Ich kann mir einfach überhaupt nicht vorstellen, dass jemand so seltsame Gedanken hat. Wie kommt man auf sowas? Ich finde alles eigenartig konstruiert, die Geschichten, die Gedanken, die endlose Hitze. Wieso muss "richtige" Literatur so durchweg frei von Humor sein?
Die mittlere Geschichte ist derartig quälend, dass ich diesen seltsamen Ehemann am liebsten von seinem Elend erlösen möchte. Wenn mich jemand in nächster Zeit fragen sollte, ob das Buch unbedingt gelesen werden möchte, würde ich sagen: Ich kann es nicht empfehlen, würde lieber etwas anderes zur Hand nehmen, aber ich werde Dich nicht abhalten....

Sehr kurze Inhaltsangabe der drei Geschichten:
Juristin, die sich alles selbst erarbeitet hat, wird vom Vater gebeten, Ihren Bruder juristisch zu vertreten, der die Frau des Vaters umgebracht haben soll. Was in dieser Geschichte wahr ist und was nicht, ist schwierig zu entscheiden und man hat das Gefühl, dass die Frau immer mehr durchdreht und am Ende selbst nicht mehr weiss, was Wahrheit ist.
Mann sinniert über seine Frau, sein Kind, seine Arbeit, seine Kindheit, seine Vergangenheit, seine Mutter, eben über die Stationen in seinem Leben. Auch erscheint nicht zu wissen, wie und was ihm so geschieht. Dies ist der längste und zugleich mühsamste Teil.
Eine Frau in Afrika lebt mehr schlecht als recht bei der Familie des Ehemannes, der nach kurzer Ehe verstorben ist. Die Familie schickt sie irgendwann mit ein bisschen Geld weg, mit dem Auftrag nach Frankreich zu flüchten. Die Flucht gelingt nicht, sie verletzt sich, das Geld kommt ihr auch bald abhanden und sie „verdient“ neues Geld als Prostituierte. Die Flucht endet tödlich.
Keiner der Personen in diesem Buch scheint irgendeinen Plan zu haben, alles ist von Zufälligkeiten durchdrungen.

Hier könnte meine Beurteilung zu Ende sein...doch halt stop....ich habe das Buch nun ausgelesen und habe mich gefragt: Was für Gefühle hat es bei mir ausgelöst? Was für Fragen sind bei mir entstanden? Zum Beispiel: Bei der ersten Geschichte: Warum sagt die Tochter Ihrem Vater, der ein echter Widerling zu sein scheint, nicht mal die Meinung? In der zweiten Geschichte, macht mich dieser Mann aggressiv, der nichts auf die Reihe bekommt und die dritte Geschichte macht mich wütend, weil dieser Frau so übel mitgespielt wird und sie sich in Ihr Schicksal ergibt, ohne ein einziges Mal aufzubegehren.. Das Buch berührt mich insofern, dass es Gefühle der Wut bei mir auslöst. Wie halten diese Frauen das aus? Soll das Ihre Stärke sein? Sie kampflos dem Schicksal ergeben? Man kann Kunst intellektuell analysieren oder es weckt Emotionen irgendeiner Art. Das Buch hat mich auf seltsame Weise berührt und nach der Lektüre habe ich also wieder neue Fragen..
Insofern ist für mich das Buch gelungen, ob die Autorin es auch so gemeint hat...mir egal. Ich finde das Buch eigenartig, deswegen mag ich es.

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125 Bibliotheken, 7 Leser, 8 Gruppen, 23 Rezensionen

australien, familie, familiengeschichte, vater, drama

Vatermord und andere Familienvergnügen

Steve Toltz , Clara Drechsler , Harald Hellmann
Fester Einband: 789 Seiten
Erschienen bei DVA, 16.03.2010
ISBN 9783421043894
Genre: Romane

Rezension:

A140 Vatermord und andere Familienvergnügen Kategorie: Allgemein

Beschreibung:

Jasper Dean sitzt in seiner Heimat Australien im Gefägnis und beginnt
die Geschichte seines Vaters Martin Dean zu erzählen. Martin wuchs
zusammen mit seinem Bruder Terry Dean auf, der durch seine Verbrechen
nach seinem Tod als Volksheld in die Geschichte Australiens einging. Im
Schatten seines Bruders großgeworden setzt Martin Dean alles daran als
Wohltäter und Visionär seinen toten Bruder Terry zu übertrumpfen. Doch
Jasper wird im Laufe seines Lebens Zeuge des Scheiterns von seinem
Vater.

Meine Meinung:

Steve Toltz Bestseller "Vatermord und andere Familienvergnügen", der
bereits in 20 Sprachen übersetzt wurde und es 2008 auf die Booker Price
Shortlist und die Shortlist des Guardian First Book Award geschaff hat
ist ein ganz besonderes Werk.

Der knapp 800 seiten dicke Wälzer ist in sieben Teile unterteilt, wobie
in jedem Teil eine gewisse Lebensituation im Vordergrund steht. Im
ersten Teil bekommt der Leser einen kurzen Einblick darauf, dass Jasper
Dean im Gefängnis sitzt und die Geschichte seines Vaters erzählen
möchte, was dann in den folgenden sechs Teilen auch ausgiebig gemacht
wird. Jasper beginnt bei der kuriosen und von Krankheit gezeichneten
Kindheit seines Vaters Martin Dean. Sehr deutlich kommt zum Tragen wie
schwer Jaspers Vater darunter leidet von seinem Bruder Terry, durch
dessen Verbrechen, in den Schatten gestellt zu werden. Als Terry
schließlich stirbt und zu so einer Art Volksheld aufsteigt ist es
völlig um Martys Seelenheil geschehen.

Nun stürzt der Leser auch schon in den zweiten Teil der Story in dem die
letzte Zeit die Martin bei seinem Vater und seiner sterbenden Mutter
verbringt eine große Rolle spielen. Außerdem beginnt er nun einen neuen
Lebensabschnitt in dem er sich vom Elternhaus trennt, eine Frau findet
und mit ihr Japser bekommt. Auch der Verlust den Martin empfindet als
Japsers Mutter Selbstmord begeht bekommt eine tragende Rolle
zugewiesen.

Im dritten Abschnitt des Romans durchlebt der Leser die Jugend Jaspers
und einige für den Handlungsverlauf wichtige Persönlichkeiten bekommen
ihren Auftritt. Der vierte Teil berichtet weiteres aus dem Leben von
Jasper mit seinem Vater und dessen neustem Projekt.

Teil fünf von "Vatermord und andere Familienvergnügen" besteht aus einem
Abschnitt in dem man einen Einblick darauf bekommt wie Jaspers Vater
selbst sein Leben Revue passieren lässt um dann im sechsten Abschnitt
in die spannenste Szene, die Flucht aus Australien und ein
überraschendes Widersehen, einzutauchen. Der letzte Teil ist sozuagen
das Ende in dem die letzten Verknüpfungen zueinander finden.

Nun habe ich viel über den Aufbau von Steve Toltz Werk erzählt und
möchte jetzt auf die Sprache sowie die Charaktere eingehen. Der Autor
hat eine angenehme und fesselnde Art und Weise die den Leser in den
Bann ziehen. Allerdings wird teilweise in "Vatermord und andere
Familienvergnügen" soviel philosophiert dass ab und an der rote Faden
vor meinen Augen verschwindet und ich mich erst wieder neu orientieren
muss. Da ich persönlich liebe Geschichten lese in denen es rasant
vorwärtsgeht und man sich nicht im Kreise dreht, habe ich ziemlich
lange gebraucht um diese schwere Lesekost zu verdauen.

Die Charaktere sind sehr Facettenreich gestaltet und weisen soviele
kleine Details auf die bei mir einen ganz besondern Eindruck
hinterlassen haben. Da die meiste Zeit aus Martin Deans oder Jaspers
Sicht erzählt wird und Philosophische Knotenpunkte im Mittelpunkt
stehen, konnte ich mich leider nicht ganz in die Charaktere
hineinversetzten und deshalb nicht so wie bei anderen Romanen
mitfühlen. Wahrscheinlich liegt es auch daran, dass diese beiden
herausstechenden Figuren ziemlich negative bis depressive Gedanken
hegen die manchesmal knapp an Wahnsinn grenzen und ich selbst eher ein
fröhliches und optimistischen Gemüt habe.

Steve Toltz "Vatermord und andere Familienvergnügen" ist ohne Frage ein
wahres Meisterwerk mit einer sprachlichen Hochleistung, allerdings
hinterlässt dieses Werk bei mir ein eher nachdenkliches fast schon
negatives Gefühl. Deshalb gibt es von mir nur 3,5 von 5 Sternen.

Mein Fazit:

Steve Toltz zeichnet in seinem Meisterwerk ein ganz besonderes Bild der
Gesellschaft. Seine Figuren sind geprägt von Einsamkeit, Traurigkeit,
und einem philosophischen Pessimismus.

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304 Bibliotheken, 6 Leser, 8 Gruppen, 44 Rezensionen

paris, totenreich, vampir, liebe, freundschaft

Puerta Oscura - Totenreise

David Lozano Garbala , Susanna Mende
Fester Einband: 607 Seiten
Erschienen bei Loewe, 01.06.2010
ISBN 9783785568637
Genre: Jugendbuch

Rezension:

K89 puerta Oscura von David Lozano Garbala Kategorie: Kinder- und Jugendbuch

Puerta oscura (Jugendbuch):
+++ SPOILER +++ SPOILER +++ SPOILER +++
Die
Geschichte klingt gut: Pascal, 15jähriger Schüler findet zufällig den
Eingang ins Totenreich. Wegen des kosmischen Gleichgewichts kommt im
gleichen Augenblick ein Vampir aus der Hölle in unsere Welt. Dessen Ziel
ist es, sein Bleiben hier zu sichern. Da Pascal - der "Wanderer" - der
einzige ist, der ihn wirklich aufhalten kann, muss er vernichtet werden.
Hierzu entführt der Vampir Pascals noch nicht ganz Freundin in das
Totenreich um ihn zu zwingen sie zu retten. Der Vampir will während
dieser Zeit die Pforte verschließen und so alle Fliegen mit einer Klappe
schlagen.
Das erste Manko des Buches ist, dass die Figuren
schrecklich platt sind. Wirklich sämtliche Personen lassen sich mit
einigen wenigen Schlagworten beschreiben. Solche Archetypik mag für
Sagen und Legenden angehen, in einem modernen Fantasy-Jugendbuch ist sie
aber völlig fehl am Platz. Ein paar Beispiele: Pascal ist intelligent,
schüchtern aber dann doch mutig. Sein Freund Dominique ist der arme
Rollstuhlfahrer, der seine Behinderung mit Witz und Charme überwindet.
Jules, auf dessen Gothic-Party die Pforte in einer Truhe entdeckt wurde,
ist der coole Schönling. Michelle, Pascals fast Freundin, ist schlicht
hinreißend, deswegen ist auch jeder in sie vernknallt. Außer Mathieu,
der ist nämlich schwul und außerdem ein Geschichte/Mythologie-Freak. Die
Kommissarin ist dick und unermüdlich und ziemlich nervig. Und der
Gerichtsmediziner ist geheimnisvoll und rein zufällig der Wächter der
Pforte...
Genauso platt wie die menschlichen Figuren sind auch die
Gefahren im Totenreich. Ghule wollen einen fressen, Skelette wollen
einen fressen, schleimige Riesenwürmer wollen einen fressen und schwarze
Wolken....richtig. Auch im Kampf kommt keine Spannung auf, da Pascal
ein Zauberschwert hat, das alles für ihn erledigt. So kommt er nie
wirklich in Gefahr.
Das zweite Manko ist die Tatsache, dass der Autor
sich offenbar nicht entscheiden konnte, was für eine Geschichte er
schreiben will. Charon, Styx und Zerberus sind aus der griechischen
Mythologie. Himmel, Hölle und Zwischenreich sind christlich, ebenso wie
die Vertreibung des Vampirs mit Weihwasser. Vampire und Ghule sind
Volksmärchen...und im Kronosfelsen finden Zeitreisen statt, womit wir
das Genre nun ganz verlassen.
Drittes Manko sind die unlogischen
Wendungen. Vieles wird nicht erklärt oder niemand denkt über meines
Erachtens naheliegende Alternativen nach. zB: der Eingang ist in einer
Truhe. Warum kommt niemand auf die Idee, diese tagsüber, wenn der Vampir
schläft zu transportieren? Binnen eines Tages könnte man schon in Polen
sein..warum muss die Truhe überhaupt bewacht werden? Ohne ausdrückliche
Einladung kann der Vampir nicht das Haus betreten! Woher haben die
Toten im Zwischenreich das genaue Wissen über das Reich des Bösen, aus
dem doch niemand jemals wieder zurück kehrt? Woher hat die Kommissarin
am Schluss so schnell die Silberkugeln für ihre Waffe? Sowas hat man
weder in der Schublade noch dürfte der Ladnen um die Ecke sie
führen..Warum kontaktieren die Freunde um Wissen über historische
Epochen zu erlangen (wichtig wegen der Zeitreisen) Mathieu übers Handy,
wobei sie ihm etwas über einen Quiz im Internet erzählen, um die Fragen
glaubwürdig zu machen, statt einen von ihnen mit dem Handy vor Wikipedia
zu setzen? Und warum kommt Mathieu nicht auf die Idee, dass bei einem
Quiz im INTERNET seine Mithilfe überflüssig ist, da man ja offenbar
INTERNETzugang hat...
Schließlich ist der Stil schlicht schlecht.
Eine der einfachsten Regeln der Erzählkunst ist es, Charaktere und
Umstände durch Entwicklung und Geschehen zu zeigen, statt sie schlicht
zu erzählen ("show, don't tell"). Hier wird nicht nur dem Leser alles
erzählt, sondern sogar Pascal selbst bekommt die Infos über vor ihm
liegende Gefahren erzählt, anstatt sie zu erleben. Im Leser wird so die
Erwartung geweckt, es müsse etwas geschehen, das über das bereits durch
die Ratschläge bekannte hinausgeht. Tatsächlich sind diese Ratschläge
spektakulärer als das, was nachher wirklich geschieht.
Ich könnte noch mehr schreiben, aber ich belasse es dabei und sage: ich bin froh, das Buch nicht gekauft zu haben.

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101 Bibliotheken, 0 Leser, 6 Gruppen, 29 Rezensionen

ehe, liebe, tod, krebs, abschied

Glückliche Ehe

Rafael Yglesias , Cornelia Holfeder-von der Tann
Fester Einband: 426 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 01.06.2010
ISBN 9783608937077
Genre: Romane

Rezension:

A103 Glückliche Ehe von Rafael Yglesias Kategorie: Allgemein

Jetzt nach der Lektüre von "Glückliche(r) Ehe" stellt sich mich unweigerlich die Frage was es mit dem Titel des Buches auf sich hat. Empfand Rafael Yglesias diese Ehe tatsächlich als "glücklich" oder ist es reiner Zynismus?
Dass, das Buch autobiografisch ist, habe ich bereits vor der Lektüre geahnt. Später durch Recherche mehrere Artikel dazu in New York Times und anderen Online Plattformen gefunden, die mein Gefühl bestätigen. Zu viele wichtige Details scheinen sich zu überlappen. Aber erst der Inhalt:
Das Buch beginnt mit dem Sterben. Eine Frau mittleren Alters hat Krebst und keine Chance auf Heilung. Detailliert beschreibt Yglesias die Therapie, die einem schon beim Zuhören schmerzt. Wir erfahren etwas über ihre Familie, ihren Mann Enrique und die beiden Söhne.
Das zweite Kapitel ist eine Reise in die Vergangenheit. Das Jahr 1976, in dem Margret - die nun im Sterben liegt - Enrique den jungen Autor kennenlernt.
So welchselt sich die Gegenwart mit der Vergangenheit Kapitel zu Kapitel ab. Einmal haben wir den Leidensweg dieser Frau und im nächsten Kapitel die wichtigsten Ereignisse dieser Ehe, die mir um ehrlich zu sein nicht als sehr glücklich erscheint.
Am Anfang empfindet man Margret als zu rechthaberisch, zu hart und einfach nur unsympatisch. Die ganze Zeit hat man mit dem Pantoffelhelden Enrique ein wenig Mitleid. Nicht nur, dass er ein paar Jahre jünger ist als sie, er scheint auch noch völlig unsicher. Je weiter man jedoch liest, desto mehr stellt sich die Frage: Wer von beiden ist denn ein Opfer? Vielleicht sogar beide? Oder doch keiner?
Letztendlich bringt einen der Roman völlig zum Zweifeln. Lohnt sich eine Ehe überhaupt? Denn das was Enrique durchmacht - leider erfahren wir nur seine Sicht der Dinge - kann für einen außenstehenden nicht wirklich als "gut" und "angenehm" wahrgenommen werden. Es gibt so viel Schmerz in dem Roman, dass man tatsächlich nur auf Zynismus kommt wenn man den Titel des Buches betrachtet.
Ist eine Ehe der Verlust des eigenen Ichs ? Heißt "heiraten" alles aufgeben was einem lieb ist und nur noch von Kompromissen leben?
Dieser Roman ist ein Meisterwerk, nicht zuletzt weil es sehr autobiografisch ist und nur dadurch so authentisch und ehrlich erzählt, was eine Ehe eigentlich ausmacht. Es ist kein 08/15 Roman über die Liebe gefolgt von einem Happy End. Es ist ein Beispiel aus dem Leben wie es jeden treffen kann und deswegen ist dieses Buch so erschreckend.

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