Leserrezension_2009

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6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

frankreich, leben, kochen, kochkunst, weltküche

Das große Wörterbuch der Kochkunst

Alexandre Dumas , Veronika Baiculescu
Fester Einband: 478 Seiten
Erschienen bei Mandelbaum, 01.09.2006
ISBN 9783854761969
Genre: Sachbücher

Rezension:

Eingereicht von ChiefC.
Eine Unverschämtheit! Wie kann man den Namen Alexandre Dumas', des Schöpfers der unsterblichen drei Musketiere und des Grafen von Monte Christo, einfach für ein neues Kochbuch missbrauchen! Eine ältere Dame kochte vor Wut, als sie bei der Frankfurter Buchmesse 2002 am Stand des Wiener Mandelbaum Verlags den vermeintlichen Frevel entdeckte. Verlagschef Michael Baiculescu versuchte, die Frau zu beruhigen: Aber Dumas hat das Buch geschrieben", erklärte er. Das kann nicht sein, er ist tot", zürnte die Besucherin und stapfte wütend davon.
Tatsächlich brachte den großen Romancier in Deutschland, anders als in Frankreich, bis vor wenigen Jahren kaum jemand mit Kochkunst in Verbindung. Dass sich das mittlerweile geändert hat, ist dem Verleger-Ehepaar Veronika und Michael Baiculescu zu verdanken. Vor vier Jahren brachten sie Dumas' kulinarisches Vermächtnis in einer dreibändigen Ausgabe erstmals in deutscher Sprache heraus. Sein großes Wörterbuch der Kochkunst" erschien 2002 zum 200. Geburtstag Dumas. Er war einer der schillerndsten und phantasievollsten Fabulierer, die die Welt je gekannt hat. Der Autor Michael Kleeberg nennt ihn gar einen der größten Glücksbringer in der Geschichte der Literatur."
Und, in der Tat, haben nicht fast jedem von uns die edlen Streiter d'Artagnan, Athos, Porthos und Aramis zumindest für ein paar Stunden zur Flucht aus dem grauen Alltag verholfen?
Aber die berühmen Musketiere sind nur vier von rund 37 000 Romanfiguren, die Dumas im Laufe seines Lebens erschuf, die Zahl seiner Werke ist Legion. Im Vorwort seines Wörterbuchs schreibt er sich selbst vierhundert bis fünfhundert Bände zu. Michael Baiculescu hat sogar eine Liste von 646 Büchern zusammen getragen.
Der Grand dictionnaire de cuisine" sollte Dumas' letztes Werk sein, bevor er 1870 starb.
Als nach seinem Tod die Habseligkeiten des Dichters zum Verkauf standen, lästerte ein Spötter angesichts der großen Anzahl an Kochbüchern: Es müsse sich wohl um die Bibliothek von Dumas` Köchin und nicht um seine eigene handeln.
Weit gefehlt, denn der Dichter aß nicht nur gerne, was man ihm im Laufe seines Leben immer mehr ansah, er kochte auch mit Leidenschaft. Und am Ende seines Lebens beschloss er, von A bis Z, eine Geschichte der Weltküche zu verfassen.
Dichter und Intellektuelle, die Kochbücher schreiben?
Anders als in Deutschland, verwundert das in Frankreich niemanden. Dort sind die meisten Kochbuch-Klassiker nicht etwa von Köchen geschrieben worden. Brillat-Savarin, bis heute Gott aller Gourmets, war von Beruf Jurist. In Frankreich gehören Essen und Trinken einfach zur Kultur. Wohl jeder kennt das Bonmot: In Deutschland isst man, um zu leben. In Frankreich lebt man, um zu essen. Ganz egal, womit Monsieur und Madame ihre Brötchen verdienen.
Die deutsche Küche erntet denn auch in Dumas' Kompendium nicht allzu viele Lorbeeren. Um ehrlich zu sein: Sie kommt gar nicht groß vor. Zwar findet man Kalbshirn à l'allemande, maskiert mit einer Sauce à l'allemande. Deren Hauptbestandteile sind Butter und, man staune, Champignons, die doch so französisch klingen. Und natürlich tischt Dumas unter dem Stichwort Sauerkraut" auch die bis heute weltweit verbreitete Ansicht auf, dies sei das Gericht schlechthin für die Deutschen, die davon nicht genug haben können."
Doch nicht nur die deutsche, auch die Küchen anderer Länder bekommen von Dumas ihr Fett ab: So beklagt er unter dem Stichwort Kasserol(l)e", dass nur die Franzosen dieses wunderbare Kochutensil richtig zu würdigen wüssten. Denn, so Dumas: Man weiß ja, dass sich die Spanier nur von Schokolade, Garbansos und ranzigem Speck ernähren, die Italiener von Makkaroni, die Engländer von Roastbeef und Pudding, die Holländer von im Ofen gebratenem Fleisch, Kartoffeln und Käse, die Deutschen von Sauerkraut und geräuchertem Speck." - Und von Kalbshirn, muss man hinzufügen.
Man sieht: Obwohl Dumas weit gereist war und als Reiseschriftsteller ebenfalls große Erfolge feierte: In Sachen Küche blieb er Chauvinist, trotz seines Anspruchs, ein universales Küchenlexikon zu verfassen.
Diesem Ziel wurde er vielleicht nicht ganz gerecht, aber wer könnte das denn? Dennoch ist Dumas Wörterbuch, das im Original 1200 Seiten umfasst, ein Füllhorn an Kulturgeschichte, an Anekdoten und natürlich an Rezepten. Und wo unsereins zu Nahrungsmitteln, die mit K anfangen, vielleicht gerade mal Kartoffeln, Kohl oder Kotelett einfallen, da schwärmt der wortmächtige Dichter von Kaninchenrouladen mit Pistazien, da schwelgt er in Kapaun mit Trüffeln, da schwadroniert er von seinen heiß geliebten Kasserolle-Gerichten. Und selbst Kängurus, Kiebitze und Kletten verwertet er kulinarisch.
Rund 1300 seiner Rezepte sind in dem Wörterbuch" abgedruckt, das der Mandelbaum Verlag seit 2006 in neuer Ausstattung heraus gibt und zwar als einbändigen Prachtband mit wunderschönen Illustrationen.
Rund 80 Prozent der Rezepte kann man laut Michael Baiculescu sehr wohl nachkochen." Das gilt allerdings nicht unbedingt für sein opulentes Lieblingsrezept Hecht à la Chambord". Dafür benötigen Sie unter anderem elsässische Krebse, Karpfenzungen und Hahnenkämme.
Und oft stellte das Französisch des 19. Jahrhunderts Übersetzerin Veronika Baiculescu, die Ehefrau des Verlegers, auf harte Proben. Denn Dumas' Sprache ist teilweise ebenso veraltet wie diverse Küchenutensilien und -techniken. Und manche Wörter sind fast genauso ausgestorben wie die Zutaten, die sie bezeichnen.
Der von Dumas beschriebene Wiener Gugelhupf hat allerdings den Praxistest in der heimischen Küche der Baiculescus bravourös bestanden. Er gelang köstlich, obwohl Michael Baiculescu vorab wegen der vielen von Dumas geforderten Eier um die Konsistenz des Backwerks gefürchtet hatte. Doch schon Dumas lobte bei der Beschreibung des Rezepts die Geschicklichkeit der Wiener Bäckerinnen und die Wiener Küche, die er ansonsten für minderwertig hielt.
Trotz dieser Vorurteile und der teils schwer nachvollziehbaren Rezepte - die sich in beiden Fällen aber durchweg amüsant lesen: Dieser Prachtband sorgt für Gaumen- und Geisteskitzel. Bon appétit!

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47 Bibliotheken, 1 Leser, 3 Gruppen, 17 Rezensionen

caravaggio, maler, italien, malerei, rom

Caravaggios Geheimnis

Tilman Röhrig
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Pendo, 01.09.2009
ISBN 9783866122437
Genre: Historische Romane

Rezension:

Eingereicht von Silke R.-R.:
Das Buch beschreibt in erzählender Weise das Leben einer umstrittenen Künstlerfigur im Italien des späten 16. bzw. frühen 17. Jahrhunderts. Den Rahmen der Handlung bildet die Gegenwart. In malerischer Weise, im wahrsten Sinne des Wortes, lässt der Autor den Leser anschließend in eine fremde Epoche eintauchen und beschreibt einerseits mit feinsinniger Poesie und andererseits mit schonungsloser Offenheit die Zustände im frühbarocken Italien. Dabei lässt er auch gesellschaftliche Kritik an den Verhältnissen zu.
Röhlig arbeitet sehr präzise die Charaktere in ihrer Ambivalenz vor passendem historischen Hintergrund heraus. Wortwahl des Erzählers respektive Dialoge entsprechen unserem Verständnis der Epoche und lassen die Lektüre außerordentlich authentisch wirken. Das Werk ist gut strukturiert und auf Grund einer Reihe fesselnder Ereignisse mit deutlichem Spannungsbogen versehen. Der Autor versteht es, durch wechselnde Satzstellungen und Bezüge unter reichlicher Verwendung ergänzender Ausführungen einen flüssigen Stil zu erzeugen, der den Stoff leicht erschließbar werden und keine Langeweile aufkommen lässt. Das Buch darf als Bereicherung und gelungenes Werk historischer Prosa gewürdigt werden und ist auf jeden Fall sehr zu empfehlen.

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49 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 4 Rezensionen

coco chanel, frankreich, mode, biographie, biografie

Die Kunst, Chanel zu sein

Coco Chanel , Paul Morand , Paul Morand
Fester Einband: 279 Seiten
Erschienen bei Schirmer Graf, 22.07.2009
ISBN 9783865550682
Genre: Biografien

Rezension:

Eingereicht von Heike H.:
Kein Werkstattbericht, keine Stilberatung und wer wissen möchte, wie es gehen kann, dass aus dem Mädchen vom Lande, Gabrielle Chanel, eine der bedeutendsten Modeschöpferinnen des 20. Jahrhunderts wurde, sollte eine der zahlreichen Biographien über Coco Chanel lesen.

Chanel erzählt in diesem Buch nicht ihr Leben, insofern ist der Titel schon einmal trügerisch. (Diese Irreführung liegt wieder einmal in der Übersetzung. Im französischen Original heißt das Buch L’allure de Chanel und der Untertitel fehlt völlig. Paul Morand hat 1946 Gespräche mit Coco Chanel aufgezeichnet und später herausgegeben.) Madame erzählt also nicht etwa ihr Leben, sie erzählt aus ihrem Leben und betrachtet anscheinend eine Autobiographie als eine Gelegenheit hübsche Märchen zu erzählen: Ihre Kindheit hat sie nicht, wie geschildert, bei zwei lieblosen Tanten verbracht, denen sie es zu verdanken habe, dass etwas aus ihr geworden sei. „Böse Tanten wecken Eroberungsinstinkte“.

Erobert hat Chanel dann auch so einiges, Männer und die Karriereleiter, die sie nach eigenen Angaben ganz allein erklommen hat. Wie sie das getan hat, bleibt leider vage. Eines scheint ihr wichtig zu sein: Dass sie jede Gelegenheit beim Schopfe gepackt hat, von anderen wird ihr das durchaus als Berechnung ausgelegt. Liebkind will sich Chanel mit ihren Erzählungen sicher nicht machen. Warmherzige Erinnerungen an Freunde und Liebhaber sehen anders aus, Chanel beschreibt Menschen gnadenlos, bisweilen kalt und man bekommt das Gefühl, dass sie Menschen manchmal nur sehr schwer ertragen hat. Paul Morand nennt sie in seinem Nachwort Belle dame sans mercy, wohl eine treffende Bezeichnung. Gleichzeitig ist das gerade die Faszination, die dieses Buch hat. Weichgespültes liegt Chanel nicht, sie ist da eher für Leidenschaft, bezeichnet sich als den einzigen „noch nicht erloschenen Vulkankrater der Auvergne“.

Zwischen den erfundenen oder verdrehten Tatsachen fallen besonders die Lücken in Chanels Erzählungen auf. Kein Wort davon, dass sie 1944 in Paris verhaftet wurde, weil man sie für eine Kollaborateurin hielt, kein Wort von Jahren der Erfolglosigkeit. Dafür erhält man Einblicke in den Charakter einer großen Frau, die das Buch mit einer Art Bestandsaufnahme beschließt. Hier wird dann teilweise bitter und mit Bedauern auf das Leben zurückgeblickt, aber auch mit Stolz und einem Lebenshunger, der wohl viel eher als die „bösen Tanten“ für die Lebensgeschichte der Chanel verantwortlich ist.

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4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Dämonensilber

Marc Strauch , Thorsten Kirsch , Karl H Haas
Buch
Erschienen bei Strauch, Marc, 15.05.2009
ISBN 9783000275661
Genre: Fantasy

Rezension:

Eingereicht von Oenothera:
Wir befinden uns auf einer fremden Welt, auf der uns ein Barde mit seiner Erzählung in die Vergangenheit entführt …:
Zwei Reiche, die „Vierfürstentümer“ und das „Drakanische Imperium“, führen seit Jahrhunderten einen mal offenen, mal kalten Krieg gegeneinander. Spione und Geheimbünde beschatten sich gegenseitig und erfahren so gleichzeitig von einem geheimen Laboratorium tief in den Wäldern im Süden des Landes. Dieses Labor gehörte dem einst mächtigsten Hexers des gesamten Kontinents und wer dessen Geheimnisse zu lüften vermag, wird sein Land zum Sieg führen. Expeditionsgruppen beider Seiten, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, werden in die Wildnis geschickt, um in einem Wettlauf auf Leben und Tod das Laboratorium zu erreichen. Als sich eine der Gruppen schon als Sieger wähnt, stellt sie fest, dass sie sich durch ausgeklügelte Fallen und gemeine Hexereien kämpfen muss. Zum Ende des Buches wird klar, dass die Geheimnisse des Labors die Protagonisten in noch viel größere Mysterien und Probleme hineinziehen werden.
Man kann das Buch nicht mehr aus der Hand legen bis man plötzlich die letzte Seite umgeblättert hat, auf den Rückumschlag starrt und hofft, dass der Autor schnell den zweiten Teil herausbringt. An diesem Buch stimmt einfach alles: der Autor präsentiert eine komplett neue Welt, ohne sich in langatmigen Darstellungen zu verlieren, die Charaktere sind stimmig und schön beschrieben. Es fällt leicht, sich alles bildlich vorzustellen. Neben der wirklich spannenden Handlung baut der Autor immer wieder philosophische Inhalte ein und über die Charaktere und ihre Unterhaltungen erfährt man vieles über Religion, die Weltanschauung der Personen (und des Autors?) und über Konflikte zwischen den verschiedenen politischen Systemen. Obwohl die beiden Reiche sehr unterschiedlich sind, existiert nicht einfach nur „Gut“ und „Böse“ sondern man erfährt jeweils Hintergründe zu den Ideologien und lernt die Menschen beider Seiten kennen. Endlich mal wieder ein faszinierendes und zugleich intelligentes Buch, dass zum mitdenken, mitfühlen und mitfiebern anregt und einfach Spaß macht.
Die tolle Geschichte wird noch von einem liebevoll gestalteten Umschlag, der sich von den üblichen Fantasybüchern abhebt, abgerundet. Wenn man dann noch erfährt, dass alles vom Autor im Selbstverlag produziert wurde, kann man nur noch sagen: Hut ab, eine herausragende Leistung!

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3.696 Bibliotheken, 34 Leser, 25 Gruppen, 315 Rezensionen

liebe, vampire, bella, edward, fantasy

Bis(s) zum Ende der Nacht

Stephenie Meyer , Sylke Hachmeister (Übersetz.)
Fester Einband: 800 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 17.02.2009
ISBN 9783551581990
Genre: Fantasy

Rezension:

Eingereicht von Leseja:
Bella und Edward heiraten - endlich! Nun wäre es an der Zeit, dass Edward seine Bella zur Vampirin macht, jedoch findet Bella plötzlich doch noch Gefallen am Menschsein und als sie schwanger wird, ist es mit den Gedanken an eine Wandlung vorerst vorbei. Erst die Geburt ihres halb menschlichen, halb vampirischen Kindes verlangt dann doch noch den entscheidenden Schritt. Als die Volturi von diesem Kind erfahren, machen sie sich auf den Weg, denn dieses Kind darf es ihrer Meinung nach nicht geben.

Der erste Teil der Reihe hat mich fasziniert und begeistert, der zweite Teil ernüchtert, der dritte Teil hat mir wiederum gut gefallen, aber dieser Abschluss ist wirklich zum Heulen. Traurig, was aus so einer tollen Idee werden kann. Meiner Meinung nach ist der letzte Teil mit Abstand der Schlechteste, an Kitsch kaum zu überbieten. Nicht nur, dass Bella auf gar nichts verzichten muss (Sex, Ehe, Kind, keine Probleme mit der Wandlung, keine Trennung vom Vater) auch Jacob kommt noch zu seinem Glück, der Prägung sei Dank. Dem ersten vermeintlichen Höhepunkt (Geburt des Kindes, Wandlung Bellas) wird jegliche Brisanz genommen, da allles problemlos verläuft und Friede, Freude, Eierkuchen einkehrt. Danach steuert alles auf einen großen Endkampf zwischen den Volturi und den "guten" Vampiren zu, nur findet dieser nicht statt und alle leben glücklich bis an ihr Ende.

Stephenie Meyer geht in ihrem Buch jeglichen Konflikten aus dem Weg, es wird das Bild der perfekten Familie gezeichnet und irgendwie passt die gesamte Vampirthematik überhaupt nicht mehr in die Geschichte, sondern dient nur noch als Rahmen. Edward ist nur noch als Randfigur wahrnehmbar, es wird zwar immer noch versichert, wie atemberaubend er ist, aber wesentlich interessanter und dynamischer ist die Beziehung zu Jacob. Wäre nicht der Teil aus seiner Sicht gewesen, wäre das Buch fast unerträglich gewesen.

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736 Bibliotheken, 18 Leser, 7 Gruppen, 127 Rezensionen

genie, computer, hacker, weltherrschaft, australien

Teuflisches Genie

Catherine Jinks
Flexibler Einband: 556 Seiten
Erschienen bei Droemer Knaur, 01.05.2008
ISBN 9783426500415
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Eingereicht von Leseja:
Hochbegabte Genies, misstrauische Giftmischerinnen, geschickte Fälscher, durchgeknallte Mediziner auf der Suche nach der Formel für Vampirismus, Computerfreaks und machtgierige Möchtegerndiktatoren sowie jede Menge Intrigen ergeben die Mischung, aus der dieses Buch gemacht ist.

Cadel Piggott ist ein Genie der Sonderklasse. Bereits als Kind interessiert er sich für Systeme und wie er sie manipulieren kann. Mit 14 Jahren hat er den Schulabschluss in der Tasche und beginnt ein Studium am eigens zur Erlangung der Weltherrschaft gegründeten AXIS-Institut. Hier werden Menschen mit besonderen Begabungen ausgebildet und nach einer Weile beginnt Cadel zu ahnen, auf welchens Spiel er sich eingelassen hat und dass nicht nur er zu manipulieren versucht.

Im ersten Teil des Buches, während Cadel von Schulklasse zu Schulklasse springt, lernt Systeme auszuspionieren und zu manipulieren, ist man doch geneigt, das Buch zur Seite zu legen. Doch als er das AXIS-Institut kennenlernt, steigt die Spannung, und es ist recht amüsant, die verschiedenen Studenten und Lehrer kennenzulernen. Bevor die Geschichte Gefahr läuft, wiederum langatmig zu versanden, entdeckt Cadel (endlich) die Hintergründe und beginnt in einer spannenden Verfolgungsjagd sein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Für einen Jungen von einer derartigen Intelligenz braucht er meiner Meinung nach viel zu lange, um zu erkennen, dass sein Leben von langer Hand geplant und er Zeit seines Lebens manipuliert worden ist. Kaum zu glauben ist auch, dass er so gutgläubig ist, die kriminellen Machenschaften und Vorhaben seiner "Vertrauenspersonen" nicht zu durchschauen, da diese immerhin keinen Hehl daraus machen.
Dennoch bin ich nun doch gespannt, wie es weiter geht.

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138 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 16 Rezensionen

auschwitz, nationalsozialismus, konzentrationslager, kz, juden

Der Tod ist mein Beruf

Robert Merle , Curt Noch
Flexibler Einband: 316 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB
ISBN 9783746612126
Genre: Romane

Rezension:

Eingereicht von jed:
Kann jemand, der jeden Abend als liebevoller Familienvater zu den Seinen zurückkehrt, tagsüber am Mord von tausenden von Menschen beteiligt sein?
Der Lagerkommandant von Auschwitz, Rudolph Höß (der in diesem Buch Rudolf Lang heißt), konnte es. Der Leser folgt ihm in "Der Tod ist mein Beruf" von Robert Merle - von der Darstellung seiner Kindheit bis ins Vernichtungslager mit jeder Seite, die er umblättert. Wenn auch nur auf dem Wege der Buchstaben, nicht auf dem Wege des Begreifens.

Meine Meinung:
Es ist eigentlich fast unmöglich, eine Rezension über ein Buch zu schreiben, dass sich derart realitätsnah mit dem wohl dunkelsten Kapitel unserer Geschichte beschäftigt: der Ermordung der Juden während des Nationalsozialismus.
Man kann nicht sagen: Unglaubliche Geschichte, erscheint mir alles ein bisschen sehr überzogen - denn das, was Robert Merle hier akribisch aufarbeitet, beruht auf den Erinnerungen des wahren Auschwitz-Kommandanten Rudolf Höß (die übrigens auch im DTV-Verlag erschienen sind) sowie auf den Protokollen des Psychologen, der sich im Gefängnis mit ihm auseinandergesetzt hat.
Wovon macht man den Eindruck, den das Buch hinterlässt, dann abhängig? Ich für meinen Teil auf jeden Fall davon, dass ich es in mittlerweile 20 Jahren immer wieder gelesen habe, immer Neues darin entdecke und immer wieder sprachlos bin vor der Grausamkeit, die sich mir hier, angesichts der Taten der Nazis, auftut.
Merle beschönigt nichts, entschuldigt nichts. Er zeichnet vielmehr nüchtern den Lebensweg eines Menschen nach, der von Kindheit an nichts anderes kennengelernt hat als autoritäre Strukturen und der sich dann am sichersten fühlt, wenn er einfach ausführt, was man ihm sagt. Und sei es, Millionen von Menschen in den Tod zu schicken.
Dass er mit dieser Einstellung aufsteigt im System der Nazi-Diktatur, dass dies aber auch eine immer stärkere Verrohung bedeutet, hilft dem Leser vielleicht die Frage zu beantworten, wie es zu all dem kommen konnte.
Und genau aus diesem Grund empfehle ich jedem dieses Buch, der wissen möchte, warum nur einige widersprochen haben während der Nazi-Zeit und andere einfach getan haben, was man ihnen sagte - selbst wenn es jeder Menschlichkeit widersprach.

FAZIT:
Ein MUSS für jeden Bücherschrank!

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12 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

spanien, krimi, new york, spanische literatur, barcelona

Im Namen des Schweins

Pablo Tusset , Ralph Amann
Fester Einband: 565 Seiten
Erschienen bei Frankfurter Verlagsanstalt, 01.02.2008
ISBN 9783627001483
Genre: Romane

Rezension:

Eingereicht von hom:
Das Böse à la Catalana. Ein Schlachtfest zwischen Himmel und Hölle.
Vorbemerkt sei: Die Vorbemerkung auf dem Buchdeckel: „…der Krimi, der es nicht ist“ - entliehen einer früheren Rezension - weist in die richtige Richtung. Wenngleich Kommissar Pujol und sein Ziehsohn T als Protagonisten vordergründig Jagd auf einen perversen Verbrecher machen, der übergewichtige Hausfrauen in industriellen Schlachthäusern nach
allen Regeln des Ritus zur Schlachtbank führt, handelt es sich bei Pablo Tussets zweitem großen Roman „Im Namen des Schweins“ keinesfalls um einen Vertreter des Genre Klassischer Kriminalroman. Sondern …

Gegensätzlich wie grotesk führen uns drei zentrale Handlungsstränge letztlich weg vom initiierenden, plakativen Großgemetzel: Zum einen die Geschichte des ältlichen Kommissars Pujol; in der Hauptsache befasst mit der Aufklärung des Falls in einem abgelegenen Bergdorf; zudem aktiv im Aufpeppen seines bislang müden Privatlebens. Dies alles findet statt „In der Welt“, namentlich in der lebenswerten Mischung aus einem quirligen Szene- Barcelona, einem beschaulichen Suburb-Barcelona und einem Wochenendwohnsitz-
Ambiente für Betuchte vor den Toren Barcelonas. Daneben die Episode seines Ziehsohns Tomas, „T“. Jungkommissar, im richtigen Leben Kollege Pujols in Barcelona, sportlich, attraktiv - und ausgebrannt. „T“ nimmt eine Auszeit in New York, „Im Paradies“.
Die zweiteMetropole des Werkes kommt im Vergleich zur katalonischen allerdings bedrohlich und kalt - als Kulisse für „T“s psychotische Wandlungen - daher. Denn „T“ changiert hier peripher mühelos zwischen eiskaltem Gelegenheitsmörder und heiß-romantischem Latin Lover, der sich in Suzanne verliebt, um deren Schicksal wir daher ab sofort zittern müssen. Es ist demnach auch weniger „T“, als vielmehr die Leserschaft, die im Rahmen der New Yorker Love Story ein wachsendes „Paradise Lost“-Gefühl entwickelt.

Nach seiner schwarzen Romanze in New York, und das ergibt den dritten Strang, wird „T“ zu „P“ und zum Undercover-Agenten in eben jenem Bergdorf, das Schauplatz des Schlachthausmordes war. Er ist „In der Hölle“ gelandet. Tusset inszeniert hier ein surreales Dorfleben - strikt im Gegensatz zum naheliegenden und doch unerreichbaren Barcelona.
Die Bewohner sind skurril und - beinahe inzestuös - auf sich selbst fixiert. Ein spannendes wie unterhaltsames Umfeld, in dem „P“ (ehemals „T“) nun ermittelt und nebenbei weiter mordet.

Auf der intellektuellen Überholspur zitiert Tusset im Handlungsverlauf Dante Alighieri, Hieronymus Bosch, Quentin Tarantino und jeden. Peu a peu baut sich ein doppelter Boden an Essenzen und Bedeutsamkeiten auf. So heißt das Bergdorf bei Barcelona „San Juan del Horla“, und falls wir nicht adhoc Maupassants Klassiker „Der Horla“ assoziieren, dürfen wir erfahren, dass Maupassant hier verrückt geworden sei. Letzteres - sei notiert - ohne jede realistische Grundlage und vielmehr um der hochkarätigen Unterhaltung Willen. In gleicher Weise deutet ein vielzitierter „rechter Flügel“ des Triptychons „Garten der Lüste“ von Bosch auf eine Gruppe aus drei Personen, inklusive einem Schwein als Nonne, und metaphorisch auf die Drei-Gliederung der Handlung rund um das Schwein. Und zwar deutet er auf genau dieses. Und nicht etwa auf mehr, wie sich aufgrund des bedeutungsschweren Zitats ja auch vermuten ließe.

Von Referenzen in diesem Stile wimmelt es nur so im Roman: Sie alle zeigen Pablo Tussets Begeisterung, uns Rätsel - vom Typus „Um die Ecke gedacht“ - aufzugeben; und zwar nicht etwas zur Handlungslenkung, sondern, um sich mit uns Lesern augenzwinkernd zu verbünden: „Wir denken an das Gleiche, oder?“

Womit spätestens aus dem Kriminalroman ein klassischer Fantasy-Roman geworden wäre. Einer, der sich gegen Interpretationen sträubt, aber auf höchstem Niveau unterhält und amüsiert. Unterhält, weil er ein hohes Identifikationspotenzial besitzt, und wir uns unweigerlich die Frage stellen, in wie viel Hölle wir selbst unmerklich leben. Eine Frage übrigens, die Kommissar Pujol zu einem guten Teil aufgrund seines ebenso plötzlichen - wie
gemäldeartig inszenierten - Ablebens erspart blieb. Und amüsant, weil er selbstironisch mindestens drei gute Geschichten dekonstruiert und die Splitter zu einem höchst unterhaltsamen, größeren Ganzen wieder zusammenfügt.

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148 Bibliotheken, 2 Leser, 9 Gruppen, 34 Rezensionen

neuseeland, liebe, auswandern, flugrennen, schicksal

Brautflug

Marieke van der Pol , Kristina Kreuzer
Fester Einband: 508 Seiten
Erschienen bei Krüger Verlag, 06.02.2009
ISBN 9783810515803
Genre: Romane

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100 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

arktis, nordwestpassage, horror, inuit, expedition

Terror

Dan Simmons , Friedrich Mader (Übers.)
Fester Einband: 990 Seiten
Erschienen bei Heyne HC, 01.10.2007
ISBN 9783453029057
Genre: Krimi und Thriller

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127 Bibliotheken, 2 Leser, 2 Gruppen, 31 Rezensionen

amoklauf, usa, familie, gefängnis, trauma

Die Stunde, in der ich zu glauben begann

Wally Lamb , Charlotte Breuer , Norbert Möllemann
Fester Einband: 749 Seiten
Erschienen bei Pendo Verlag, 01.03.2009
ISBN 9783866122062
Genre: Romane

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113 Bibliotheken, 2 Leser, 9 Gruppen, 16 Rezensionen

märchen, liebe, abenteuer, prinzessin, fantasy

Die Brautprinzessin

William Goldman ,
Fester Einband: 426 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 01.06.2010
ISBN 9783608938715
Genre: Fantasy

Rezension:

Eingereicht von Daniela M.:
Ein pinkes Cover springt einem förmlich ins Auge, von Prinzessinnen oder gar Bräuten ist die Rede? Das löst sicher nicht nur bei vielen Männern einen spontanen Fluchtreflex aus! Alle die bis hierher gelesen haben beglückwünsche ich und ermutige sie, auch weiter zu lesen. Es ist nicht so wie Sie denken! Dieses Buch ist kein typisches Frauenbuch (obwohl die Frauen es lieben werden) - es ist ein grandioses Abenteuer.

"Die Brautprinzessin" strotzt nur so vor Humor, Spannung und Action, doch natürlich kommen auch Gefühle (Ja klar - Gefühle und trotzdem nicht schnulzig, das geht!) nicht zu kurz. Also trauen Sie sich, denn dieses Buch ist jedes Wagnis wert. Wenn Sie das Lesen nicht mal wagen, dann können Sie sowieso nicht mit den Figuren mithalten. (Ich weiß, ich bin streng!)

Es handelt sich hierbei um eine Geschichte in der Geschichte. William Goldman erzählt zunächst von sich selbst und seiner Familie.0AAls Kind bekam er von seinem Vater "Die Brautprinzessin" von S. Morgenstern vorgelesen. Er liebt dieses Buch über alles und auch sein Sohn soll es lesen. Dieser ist jedoch gelangweilt und sein Vater stellt fest, dass das Buch wirklich langweilig ist. Tatsächlich wurde ihm selbst eine gekürzte Fassung vorgelesen.

So verfasst auch er eine gekürzte Geschichte für seinen Sohn. Diese erzählt von der wunderschönen Butterblume und ihrer großen Liebe Westley, von Entführungen, Folter, großer Freundschaft und Kämpfen. Man ist bei Prinzen und Königen zu Gast, wandert durch unwegsames Gelände, lernt die außergewöhnlichsten Menschen kennen... nun: Man ist einfach dabei!

Das Besondere an diesem Buch ist, dass nicht immer nur alles fein säuberlich in Gut und - das ach so grausame - Böse unterteilt ist. Der Autor treibt ganz bewusst ein Verwirrspiel mit dem Leser und lenkt nicht mit künstlichen Ach-wir-sind-alle-so-glücklich-Szenen und ähnlichem Trallalla vom Thema ab. Jetzt höre ich mich sicher furchtbar fies an.... ach lesen Sie besser erstmal das Buch und bilden sich dann ein Urteil.

Jedenfalls habe ich mich köstlich amüsiert, denn das Buch steckt voller Überraschungen und Wendungen, die sich von jeglichem Einheitsbrei distanzieren. Ich würde jetzt einfach mal behaupten, dass0Aich noch nie ein originelleres Buch gelesen habe. Unterstützt wird das Ganze durch eine passende Typografie. Unterschiedliche Schriftfarben, das blitzgescheite Nutzen von Klammern und auch die Anpassung von Wörtern an ihren Klang bzw. ihre Bedeutung ließen mich noch mehr in dieser Geschichte versinken.

Ein Genuss für jeden Freund von humorvollen Texten sind sicher die Zwischentexte, die William Goldman immer mal einfügt. Da redet er sich so einiges von der Seele und nimmt kein Blatt vor den Mund. Ach, was habe ich gelacht! (Nun sagen Sie nicht, Sie lachen nicht gern?!)

s
..c
.....h
.........a
.............d
..................e

Es ist wirklich vorbei! Wie gut, dass mich nichts daran hindert, dieses Buch wieder und wieder zu lesen.

Machen Sie sich auf etwas gefasst! Das wohl eigensinnigste (natürlich im positiven Sinne) und eigenständigste Buch, das ich kenne, befindet sich gerade in Ihrem unmittelbaren Blickfeld! Sie müssten nur noch... Muss ich wirklich noch mehr dazu sagen?

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30 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

autobiographie, grass, fotografie, günter grass, deutschland

Die Box

Günter Grass , Günter Grass
Fester Einband: 215 Seiten
Erschienen bei Steidl, 01.09.2008
ISBN 9783865217714
Genre: Romane

Rezension:

Eingereicht von Ingrid R.:
Als zweiter Teil seiner Autobiographie wird Günter Grass neuer Roman „Die Box“ gehandelt, der seinem Werk „Beim Häuten der Zwiebel“ folgt, jenes Buch, in dem er seine Zugehörigkeit zur Waffen-SS zu erklären versucht.
In seinem neuen Roman „Die Box“ lässt uns der Autor teilhaben an einem Familienleben, einem Kuddelmuddel, wie er es in seinem Buch nennt, indem er die Kinder, acht an der Zahl und von verschiedenen Frauen, mal alle zu-sammen, mal auch vereinzelt, über den Vater erzählen lässt, wobei es völlig gleichgültig scheint, ob der Roman autobiographisch ist oder nicht.

Im Mittelpunkt dieser Gespräche stehen der zuhörende Vater und Marie, von der man nicht weiß, ob sie Geliebte, Freundin oder Haushälterin ist. Marie, einst mit einem Fotografen verheiratet, fotografiert mit einer alten, über alle Schrecken des vergangenen Krieges hinweg geretteten Agfa - Box genannt- Bilder, auf denen sich nach dem Entwickeln von ihr in der unkelkammer auf eigenartige Weise mal Vergangenes, mal Zukunftsvisionen mit abbilden. Die Box spielt verrückt, meint Marie. So sind zwei Söhne, von Maries Box als Kinder auf einem verlassenen Bunker an der See spielend aufgenommen, nach dem Entwickeln als junge Männer in Uniform, sprich als Soldaten, zu sehen, und die kleine Tochter, ebenfalls von Marie mit der Box fotografiert, sieht sich auf dem Bild plötzlich als Besitzerin eines Hundes, den sie erst Jahre später tatsächlich bekommt. Während Maries Box für die Kinder die „Wünsch-dir-was-Box“, ist, nützt der Vater die scheinbar hellseherischen Fä!
higkeiten „sei-ner“ Marie, ihrer Box und ihrer Dunkelkammer, um all den Dingen auf den Grund zu gehen, die er, wie er es nennt, noch abarbeiten muss. „Knips Mariechen“ ist seine stete Aufforderung.

Günter Grass lässt die Kinder erzählen, über den Vater, über ihn, den Autor, rechtfertigt sich hin und wieder, ergänzt die Dialoge der Kinder und schafft es auf diese Weise, ganz nah Familiäres, Zeitgeschichtliches und Politisches spannend und unterhaltsam zu präsentieren.

Vielleicht mag den einen oder anderen Leser stören, dass der Autor seine politische Meinung so eindeutig benennt, vielleicht mag auch manchen stö-ren, dass die gesprochenen Sätze nur halbe sind, plötzlich abgebrochen werden, den heute erwachsenen Töchtern und Söhnen eine kindliche Spra-che in den Mund gelegt wird, doch gerade dadurch mag sich auch mancher Leser mittendrin fühlen, als Gast, am Tisch, wenn die Kinder über ihn, ihren Vater und seine Geschichte, erzählen.

„Die Box“ ist ein lesenswertes Buch, es ist spannend und interessant, erzählt Geschichte und viel Persönliches und nachdem ich während des Lesens glaubte, dass diese Marie hellseherische Fähigkeiten hatte ist mir letztendlich klar geworden, dass sie mit ihrer Box wohl jedem Leser Bilder präsentieren könnte, die „abzuarbeiten“ wären.

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1521, tenochtitlan, azteken, goldraub, kunstsprache

Die dritte Kugel

Leo Perutz , Hans-Harald Müller
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.07.2007
ISBN 9783423135795
Genre: Klassiker

Rezension:

Eingereicht von Wilhelm 83:
Wenn man seine Bücher heute liest, hat man beinahe das Gefühl, es mit einem Zeitgenossen zu tun zu haben. Seine Themen sind aktueller denn je und sein bevorzugtes Genre, der historische Roman, erlebt momentan eine gigantische Popularität. Stapelweise kann man die Geschichtsabenteuer liegen sehen, wenn man in das nächste Buchgeschäft geht. Freilich hält vieles davon nicht, was es verspricht. Die nötige Tiefe, die so große Geschichten über historisch wichtige Zeiten bräuchten, ist nicht immer gegeben. Immerhin war aber auch einer der Kritikerlieblinge der letzten Jahre ein historischer Roman: Daniel Kehlmanns „Vermessung der Welt“. Wie dort aus historischem Material und freier Fantasie eine intelligente Geschichte gezimmert wird, faszinierte ein breiteres Publikum und machte den Autor berühmt. So ist es in den 1920er Jahren auch Leo Perutz geschehen, als er mit seinen
fantasievollen Werken an die Öffentlichkeit trat. Der Versicherungsangestellte konnte sein Hobby schon bald zum Beruf machen. Seine Bücher waren Bestseller und wurden von berühmten Kollegen, wie Tucholsky und Torberg, gelobt. Erst mit dem Aufstieg des Nationalsozialismus und dem Anschluss Österreichs an das Dritte Reich
war es vorbei mit seinem Erfolg. Der Jude Perutz musste flüchten und seine Werke wurden verbrannt. Nach dem Krieg hatten sich die literarischen Trends gewandelt und das geplante Comeback gelang ihm nicht mehr. Erst in letzter Zeit ist sein Name wieder einem breiteren Kreis bekannt. Seine Renaissance im 21. Jahrhundert ist sicherlich kein Zufall.
Perutz Bücher lesen sich auch heute noch gut. Man merkt ihnen ihr Alter kaum an. Der klare schnörkellose Stil treibt die Spannung voran, wie es sich der moderne Thrillerfan wünscht und bietet doch genügend Platz für interessante Details, die selbst den abgebrühtesten Kenner zu überraschen vermögen. Perutz Romane sind eine Welt voller geheimer Türen und doppelter Böden, doch gerade darin liegt der Reiz für den
Leser. Bei aller hintergründiger Komplexität bleiben sie doch vor allem lustvolles Spiel mit dem Geheimnisvollen. In ihnen steckt der romantische Geist und erschafft wundersame Figuren und Ereignisse, wie man sie sonst höchstens von absoluten Größen wie E.T.A. Hoffmann kennt. Das geschickte Spiel mit dem Märchenhaften macht Perutz zum Joker der Zwischenkriegsliteratur. Stets spielt das Fantastische bei ihm eine Rolle, aber der Leser bekommt auch immer eine raffinierte psychologische
Erklärung für den ganzen Spuk geliefert. Wo aber soll man seine Reise durch den perutzschen Wunderkosmos am besten beginnen? Mehr als zehn Romane umfasst sein Werk. Sicherlich nicht die schlechteste Wahl ist jenes Buch, das auch der Startpunkt des Autors ins eigene Werk
war: Sein erster Roman, „Die dritte Kugel“. Für diesen Prototyp seines Schaffens hat der junge Perutz über vier Jahre gebraucht und tatsächlich sind in dem reichhaltigen Werk schon alle wichtigen Elemente
enthalten, die ihn später zu einem richtigen Star des alten Wiens machen sollten. „Die dritte Kugel“ ist ein Roman über den Kampf des Menschen mit seinen Schattenseiten. Gier, Rachsucht und Gewalttätigkeit, Laster von denen die Hauptfiguren trotz aller guter Ratschläge nicht lassen können, treiben die Handlung voran. Als Hintergrund für diesen Kampf mit dem inneren Dämonen hat Perutz den Feldzug des spanischen
Generals Cortez gegen die Azteken im 16. Jahrhundert gewählt. Wer allerdings bisher unter Indianern und Amerika in der Literatur nur Karl May verstanden hat, wird von Perutz in Lichtjahre entfernte Dimensionen katapultiert werden. Bei ihm gibt es keine strahlenden Helden, die alles richtig machen. Selbst die Guten in diesem Roman sind von ihren vielen Schwächen schwer gezeichnet. Auf der einen Seite ist da Cortez und seine großartige spanische Armee, die sich bei näherem Hinsehen allerdings als nichtsnutziger Haufen entpuppt. Aufgebrochen nach
Amerika um die Zivilisation dorthin zu bringen, halten sie sich selber kein bisschen an die so schön klingenden Predigten ihrer geliebten katholischen Kirche. Die Spanier werden von viel egoistischeren Interessen angetrieben. Ihre hervorstechendste Eigenschaft ist die Goldgier, die alle höheren Gefühle mühelos zum Verschwinden
bringt. Es geht allein darum den eigenen Beutel möglichst voll zu bekommen. Ein spanischer Hauptmann schickt zwei seiner besten Kameraden in den sicheren Tod, um noch mehr gestohlenes Indianergold auf sein Boot laden zu können! Die Verhandlungen des Cortez mit den Azteken dienen nur scheinbar zum Aufbau freundschaftlicher Beziehungen, eigentlich aber nur zur Beschaffung von Gold für die
spanische Krone. Inmitten dieser Wirren gibt es noch einen kleinen, standhaften Trupp deutscher Soldaten, die schon lange vor den Spaniern im Land waren. Ihr Anführer, Graf Grumbach, ist mit den katholischen Spaniern bis aufs Blut verfeindet. Er selber hat sich gegen die Kirche aufgelehnt, die zu jener Zeit ebenso goldgierig wie die Krone
war und ihre ärmsten Untertanen gnadenlos zur Kassa bat. Deshalb musste er aus seinem geliebten Heimatland fliehen und sich in der neuen Welt vor seinen Feinden verstecken. Bei den vielen Gefechten hat Grumbach viele Kameraden und auch sein linkes Auge verloren. Seitdem muss er sein Antlitz immer zur Hälfte verdecken, um seine Mitmenschen mit seinem schrecklichen Aussehen nicht zu erschrecken. Für all das will er seinen Widersachern die Rechnung präsentieren. Als Grumbach die Spanier in das Aztekenreich eindringen sieht, machen er und seine Männer gemeinsame Sache mit den Indianern, um die Zerstörung des Paradieses aufzuhalten und sich endlich an der verhassten Kirche und den Spaniern zu rächen. Das größte Problem dabei: Die Deutschen besitzen keine Feuerwaffen mehr. Als Graf Grumbach in Gefangenschaft des Cortez gerät, lässt er sich in seiner Verzweiflung zu einer verhängnisvollen Tat hinreißen. Sein Gesicht hinter einer Kapuze versteckt, macht er ein Geschäft mit dem Teufel. Für nur eine Pistole verspricht er ihm sein linkes Auge. Der Teufel verschafft ihm die Pistole, doch muss feststellen, dass er schändlich betrogen worden ist, als Krumbach lachend seine Kapuze lüftet und ihm zeigt, dass er sein Auge schon vor langer Zeit im Kampf verloren hat. Doch der Teufel schwört bittere Rache. Er verwickelt die Deutschen in dunkle Machenschaften. Derartig verführt, werden auch sie von ihren eigenen
Schwächen überwältigt. Grumbach sieht untätig zu, als ein Unschuldiger seinetwegen gehängt wird und zieht einen bösen Fluch auf sich. Nur drei Kugeln hat er für seine Feuerwaffe auftreiben können. Mit diesen drei Schuss will er die gesamte spanische Armee auflösen, indem er ihre wichtigsten Mitglieder tötet. Die ersten beiden treffen nicht die gewünschten Ziele. Wird die dritte Kugel ihm doch noch zum Erfolg
führen? Bei dieser abenteuerlichen Mantel und Degengeschichte, die entfernt an den „Freischütz“ erinnert, verliert Perutz dennoch nie das Gespür für die Feinheiten. Ist Grumbach wirklich der Teufel erschienen, oder ist dieser nur Opfer seiner eigenen Rachsucht? Immer lässt sich Perutz ein Hintertürchen offen. Der vermeintliche Teufel könnte auch einfach nur der zwielichtige Henker der Spanier sein, der ohnehin jedem
im Lager verdächtig ist. Auch ist nicht immer ganz klar ob der Verstand des viel geschundenen Grumbach nicht schon längst kaputt gegangen ist und sich die ganze Szene nur ausgedacht hat. Das Auftauchen der Pistole könnte schließlich auch nur ein glücklicher Zufall sein. Unmissverständlich klar wird jedoch, dass der Teufel auch in den Menschen selber schlummert. Grumbach, Cortez und all die anderen Figuren sind mit all ihren Schwächen selber die Architekten ihres Unglücks. Ihre egoistischen Triebe machen sie blind für alles andere.
In den berührendsten Momenten erinnern sich Grumbach und seine Kameraden an ihre Jugend und längst gestorbenen Freunde und fragen sich vergeblich, wozu all der Wahnsinn des ewigen Tötens gut sein soll. Auch Wehmut und Zweifel machen den Menschen aus und lassen ihn einhalten in seinem eitlen Tun. Die Protagonisten von „Die dritte Kugel“ sind keine eindimensionalen Figuren. Sie haben eine Seele und schaffen es so den Leser Mitleid empfinden zu lassen. Perutz liest sich wie ein Zeitgenosse. Die Sinnlosigkeit von Gewalt und Goldgier waren ihm schon lange vor dem Zweiten Weltkrieg und der Krise des Kapitalismus
bekannt. Sie stehen im Zentrum seines ersten Romans. Am Ende zeigt uns „Die dritte Kugel“ wie schnell man seine eigenen Prinzipien verlieren kann und sich letztlich in nichts mehr unterscheidet von den so verhassten Feinden. Grumbach wird immer mehr zu einem Geisteskranken, dem es nur noch um die eigene Rache geht. Er ist nicht weniger selbstsüchtig als die Spanier, die er bekämpfen wollte. Nur eine letzte Chance hat er vielleicht doch noch... Indem wir Leser dem Werk des genialen Leo Perutz zu einer Renaissance verhelfen, erinnern wir uns auch daran, dass der Mensch schon immer seine Fehler hatte und es gilt, ihnen auch weiterhin standhaft zu begegnen. Goldgier und Rachsucht hat es immer schon gegeben. Will man nicht ebenso von ihnen überwältigt werden, wie die Figuren in „Die dritte Kugel“, muss man sich auf anderes besinnen.

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2.075 Bibliotheken, 19 Leser, 6 Gruppen, 63 Rezensionen

selbstmord, freundschaft, suizid, london, england

A Long Way Down

Nick Hornby , Clara Drechsler , Harald Hellmann
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 19.12.2013
ISBN 9783426615362
Genre: Romane

Rezension:

Eingereicht von Luisa Katharina D.:
Selbst beim Selbstmord kommt einem was dazwischen…

Was verbindet den gescheiterten Frühstücksfernsehmoderator Martin, die aufmüpfige 18-jährige Ministertochter Jess, die gläubige und verklemmte Maureen und den Musiker mit Identitätskrise, JJ? Auf den ersten Blick nur eins: Das Dach des Topper’s House.

Am Anfang der Story ist Martin noch alleine, ganz oben über den Dächern von London, (fast) fest entschlossen zu springen. Doch er zögert, denkt nach, zögert wieder, will springen,..und bekommt schließlich Gesellschaft von Maureen, die ihn von hinten anstupst und auch springen will. Außerdem rennt noch die verrückte Jess auf den Abgrund zu, wird aber von den beiden anderen aufgehalten. Sie versteht nicht, warum sie kein Recht auf Selbstmord hat, nur weil sie jung ist. Martin versucht es ihr zu erklären, sie will aber nicht hören und trotzdem springen. Als dann noch JJ mit einer Pizza auf dem Dach auftaucht, ist natürlich das Chaos perfekt. Und da man sich letztendlich keinen Rat weiß, nichts Besseres zu tun hat, der Moment zum Springen versaut ist und Jess keine Ruhe gibt, macht man sich eben an einem Silvesterabend auf die Suche nach einem Ex-Freund, der Schluss gemacht hat.

So nehmen die Dinge ihren Lauf. Was anfangs ganz ruhig mit der Entscheidung zum Suizid begonnen hat, wird schnell zum hektischen Leben, das eigentlich keiner der vier noch weiterleben wollte. Aber so ist das eben, wenn einem jemand beim Selbstmord dazwischenfunkt. Man will das alleine machen und nicht jemandem am Rand vom Dach stehen haben, der einem beim Weg nach unten zusieht. Und so lebt man eben noch ein bisschen weiter bis sich die nächste Gelegenheit ergibt. Und die wäre am Valentinstag. Denn das ist der perfekte Tag um seinem Leben ein Ende zu setzten. Aber wie das so ist, kommt den Vier wieder etwas dazwischen...

„A Long Way Down“ wird in einem Hin und Her aus der Sicht von Martin, Jess, Maureen und JJ erzählt. Es ist, als wären aus einem Autor mit seinen Gedanken auf einmal vier geworden. Doch Nick Hornby gibt jedem von ihnen einen eigenen Stil. Und von jedem erfährt man nach und nach einen Teil seiner Lebensgeschichte.

Zudem ist das Buch von viel Ironie und Sarkasmus gespickt, das einem das Thema Selbstmord näher bringt, es aber nicht ins Lächerliche zieht.

Und obwohl die Charaktere so grundverschieden sind, merkt man im Laufe des Buches, dass sie doch alle irgendwie zusammengehören. Denn sie sind eigentlich keine Außenseiter, auch wenn sie sich anfangs so fühlen.

„A long way down“ sagt viel aus, was das Leben an sich angent und ist daher eine Pflichtlektüre, die ich auch den Nicht-Selbstmördern empfehle.

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paris, frankreich, politik, nachkriegszeit, sartre

Die Mandarins von Paris

Simone de Beauvoir , Ruth Ücker-Lutz , Fritz Montfort ,
Flexibler Einband: 1.040 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 01.08.1965
ISBN 9783499107610
Genre: Romane

Rezension:

Eingereicht von Kristina L.:
“Simone de Beauvoir? Das sagt mir doch irgendwas… War das nicht die Frau von Sartre?”
Möglicherweise geht es vielen so, die den Namen irgendwo lesen und auch ich wusste bis vor wenigen Jahren nicht mehr über die Schriftstellerin, als dass sie mit Sartre zusammen war. Doch nach zwei Romanen von ihr hat sie für mich einen weitaus höheren Stellenwert bekommen, als bloß den der Frau eines berühmten Philosophen und Schriftstellers. Um einen dieser besagten Romane geht es in dieser Rezension. Es handelt sich um “Die Mandarins von Paris”.

Die Handlung
Ende der 40er Jahre geht ein Aufatmen durch den Kreis der französischen Intellektuellen:
Die Nazis sind besiegt und einer politischen Neuordnung scheinen alle Türen offen zu stehen. Während Robert Dubreuilh eine linke Bewegung unabhängig von der KP gründet, genießt Henri Perron zunächst die neu gewonnene Freiheit und widmet sich dem Reisen. Nadine (Dubreuilhs Tochter) möchte etwas erleben und sucht ihr Glück in Bars und an der Seite von Männern, während ihre Mutter Anne sich fragt, ob es jemals wieder so werden kann, wie vor dem Krieg. Ein Zustand, der immer mehr zur fernen Erinnerung wird, wodurch sich der Freundeskreis in verschiedene Lager spaltet. Einzig und allein Paule, die langjährige Freundin von Henri, scheint vor dem Neuen die Augen zu verschließen und will nicht wahrhaben, dass Henri schon lange nicht mehr die Liebe für sie empfindet, die vor zehn Jahren einmal da war.
Jeder der Protagonisten sucht sein Glück, jeder von ihnen strebt nach Veränderung, wobei sich Politik und Liebesgeschichten vermischen und letztlich nichts mehr so ist, wie es einmal war…

Die Autorin und ihr Werk
Simone de Beauvoir wurde 1908 in Paris geboren und starb in derselben Stadt im Jahr 1986.
Sie studierte Literatur, Mathematik und Philosophie und lernte während ihres Studiums Jean-Paul Sartre kennen, mit dem sie eine langjährige Beziehung führte. Diese Beziehung basierte jedoch größtenteils auf geistiger Verbundenheit, weshalb zahlreiche Affären und Liebschaften ihrer Liebe zueinander scheinbar nichts anhaben konnten.
Neben der Philosophie war der Feminismus ein großes Thema im Leben der Schriftstellerin, wodurch sie sich u.a. auch politisch engagierte.
Viele dieser Themen (u.a. der Existenzialismus, die Rolle der Frau, die Resistance und der Kommunismus) lassen sich in ihrem Roman “Die Mandarins von Paris” wiederfinden, was nicht zuletzt auch daran liegt, dass er autobiographische Züge hat.
Die etwas reservierte Anne Dubreuilh kann man als de Beauvoirs Alter Ego verstehen. Annes Mann Robert hat Züge von Sartre.
Die Figur Henri Perron verkörpert Albert Camus, mit dem Sartre lange Zeit befreundet war, bevor sich die beiden - ähnlich wie in dem Roman - zerstritten.
Ebenso gibt es Parallelen zwischen der Figur Lewis Brogan (Annes Geliebter aus Amerika) und dem amerikanischen Schriftsteller Nelson Algren, mit dem de Beauvoir eine Affäre hatte. Algren passte es nicht, dass de Beauvoir ihre Liebschaft in allen Einzelheiten in dem Roman zur Schau stellte, woraufhin er sich von ihr distanzierte.
Wie man sieht, handelt es sich bei den „Mandarins“ also nicht bloß um erfundene Romanfiguren, sondern auch um ein Stück Zeitgeschichte, das eng mit de Beauvoirs Leben und den darin vorkommenden Persönlichkeiten verbunden ist.

Ein politischer Roman - Nein danke?
Zuerst hatte ich die Befürchtung, dass ich - sozusagen eine politische Null - wahrscheinlich schon nach 100 Seiten nichts mehr verstehen würde oder das Thema viel zu trocken sein könnte. Viele Wochen stand das Buch im Regal und staubte vor sich hin, bis ich mich schließlich überwand und mit viel Zeit im Gepäck daran machte, auf die Reise in den Kreis der Intellektuellen von Paris zu gehen. Zugegeben, die ersten Seiten sind wirklich etwas trocken: Seiten voll von politisch-philosophischen Diskussionen, von denen ich nur die Hälfte verstand. Doch nach und nach mischten sich allzu vertraute Beziehungsgeflechte in das Geschehen. Es ging nicht bloß um Politik, auch wenn diese einen hohen Stellenwert in dem Buch hat, sondern auch um die Beziehungen zwischen den Protagonisten.
Frauen, die alles für ihre Liebe aufgeben, Männer, die unabhängig sein wollen, Jugendliche, die sich in Bars betrinken und zahlreiche Affären, die niemals vulgär, aber immer mit Stil und einem Hauch Erotik beschrieben werden. Wer nun an einen historischen Groschenroman denkt, liegt weit daneben.
“Die Mandarins von Paris” ist eine angenehme Mischung aus Anspruch und Leichtigkeit, aus Politik, Philosophie und Liebe. Durch den regelmäßigen Wechsel bekommt man immer ein wenig Zeit zum Durchatmen und selbst die politischen Passagen können für Laien interessant sein, denn auch, wenn man politisch nicht so bewandt ist, kann man die Zusammenhänge größtenteils erschließen und nachvollziehen. Allerdings sollte man ein gewisses geschichtliches Vorwissen haben, bevor man das Buch zur Hand nimmt. Es geht um das Ende des zweiten Weltkriegs, die Rolle Amerikas und der Sowjetunion, um Hiroshima usw. Namen sind dabei unwichtig, jedoch sollte man die Zusammenhänge kennen, um nicht vollkommen im Walde zu stehen. Hat man sich einmal in die Materie eingefunden, kann man gar nicht mehr aufhören zu lesen, sodass man schon mal 100 Seiten am Stück liest.
Die einzigen Voraussetzungen: Offenheit für das Thema, historisches Interesse und Zeit. Ist alles davon vorhanden, kann man sich auf anspruchsvolle, aber niemals zu schwere Unterhaltung freuen.

Wie liest es sich?
Wie bereits gesagt, kann der Einstieg etwas schwierig sein.
Die ersten Seiten empfand ich persönlich weniger als Vergnügen, allerdings lohnt es sich dran zu bleiben, denn wenn man erstmal einen Überblick über die Geschehnisse und deren zeitliche Einordnung bekommen hat, fliegen die Seiten nur so am (inneren) Auge vorbei. Die Sätze sind leicht verständlich konstruiert und man findet kaum Fremdwörter, die man nicht erschließen kann. Was ich damit sagen will: Der Schreibstil ist weit weniger kompliziert, als man es von einer de Beauvoir annehmen könnte.
Die Erzählperspektive teilt sich in zwei Ebenen: Zum einen wird das Geschehen in der dritten Person geschildert, wobei der Leser vorwiegend den Schriftsteller Henri Perron durch seinen Alltag begleitet. Diese Passagen gehören meist zu den leichteren, allerdings nimmt die Politik hier einen größeren Stellenwert ein, da sich Perron und seine Freunde nun mal auf dem Gebiet engagieren.
Die andere Perspektive ist die von Anne Dubreuilh, die als Ich-Erzählerin fungiert. In diesen Passagen findet man meist philosophische Ansätze, die sich hin und wieder etwas in die Länge ziehen können, aber auch zum Nachdenken anregen und dem Leser die Figur der Anne und deren Beziehungen näher bringen.
Beide Perspektiven wechseln sich in Form von Kapiteln ab.
Schön daran finde ich, dass man durch diese Form des Erzählens auch einen Einblick in die Auffassungen der verschiedenen Geschlechter bekommen kann. Ein Lebemann wie Henri Perron sieht die Geschehnisse wieder ganz anders als eine Frau wie Anne, die eher zurückhaltend, aber doch charmant sein kann. Und genau das ist es, was auch den Schreibstil ausmacht: Eine Mischung aus Rebellion, behutsamer Reserviertheit und einer Portion Charme.
Ein weiterer Punkt, der mich persönlich immer wieder fasziniert, wenn ich ein Buch von de Beauvoir lese: Irgendwie schafft sie es durch ihre Wortwahl und die Darlegung der Charaktere und ihrer Beziehungen, dass in meinem Kopf auch alles ein bisschen klarer wird und ich so wieder einen Überblick über meine eigenen Beziehungen bekomme. Natürlich kann das von Leser zu Leser unterschiedlich sein, aber vielleicht liegt es daran, dass man während des Lesens automatisch über die Figuren und auch sein eigenes Leben reflektiert und dadurch die Probleme vor Augen geführt bekommt und so zu bestimmten Schlüssen gelangen kann.
Des Weiteren fasziniert es mich, wie eine Schriftstellerin es schafft, sehr trockene Themen so gut in das Geschehen einzuordnen, dass einem selten der Kopf raucht, sondern man eher das Gefühl hat, auf anspruchsvolle Weise unterhalten zu werden. In meinen Augen ist das kein leichtes Unterfangen, aber ein Handwerk, von dem die de Beauvoir etwas versteht.

Fazit
“Die Mandarins von Paris” ist sicherlich ein Roman, der auf viele im ersten Moment abschreckend wirken kann. Die Themen Politik und Philosophie scheinen ein wenig zu trocken zu sein und das Ganze auch noch auf fast 800 Seiten verteilt kann doch nur allzu theoretisch dargelegt werden. Aber dem ist nicht so. Simone de Beauvoir versteht es, die Nachkriegszeit und damit verbundenen politischen Diskussionen unterhaltsam in die Beziehungsgeschichten der Protagonisten einzubetten, wodurch man immer wieder Zeit zum Durchatmen hat und einem selten der Kopf raucht. Auch für Laien lassen sich die politischen Themen durchschauen, da sie in sich schlüssig sind, allerdings halte ich es für erforderlich, dass man gewisse geschichtliche Vorkenntnisse hat, bevor man das Buch zur Hand nimmt.
Der Schreibstil ist flüssig und leicht zu lesen, jedoch sollte man sich darauf einstellen, dass sich der Einstieg etwas zäh gestalten kann. Hat man die ersten Seiten jedoch überwunden, kann man gar nicht mehr aufhören.

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101 Bibliotheken, 3 Leser, 5 Gruppen, 18 Rezensionen

meer, schweden, leuchtturm, thriller, schären

Menschenhafen

John Ajvide Lindqvist , Paul Berf
Flexibler Einband: 555 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 07.05.2009
ISBN 9783785760062
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Eingereicht von Kavai:
"Dante wankte, fiel auf die Seite und legte sich platt auf den Steg. Als Simon bei ihm war, lag der Kater regungslos neben dem äußersten Poller. Das Ding, mit dem er gespielt hatte, war kein Seil, denn es bewegte sich. Es war eine Art Insekt, ein wurmartiges Insekt. Simon ignorierte es und ging neben dem Kater in die Hocke.
"Dante, mein Guter, was ist mit dir?"
Die Augen des Katers waren weit aufgerissen, sein Körper schüttelte sich einige Male wie von Schluchzern.Es lief etwas aus seinem Maul. Simon hob den Kopf des Katers an und sah, dass es Wasser war. Ein Strom aus Wasser ergoss sich aus dem Maul des Katers. Dante hustete, Wasser spritzte heraus. Dann lag er still. Seine Augen starrten leer."
Dante ist und war Simons Kater. Simon ist und war Zauberer. Simon ist alt. Er liebt Anna-Greta. Diese (ganz wunderbar beschriebene) Liebe ist der Kern, um den sich die Geschichte herumwindet wie ein Apfel.
Anders ist Anna-Gretas Enkel. Seine Liebe ist seine Tochter. Diese Liebe ist das Fleisch des Apfels, um den sich die Schale schält.
Seine Tochter Maja ist vier. Zusammen mit ihren Eltern macht sie einen Ausflug auf eine kleine Insel, die den Namen Gavasten trägt. Es ist Winter.
Auf dieser Insel steht ein Leuchtturm. Sie gehen hinein und schauen sich den Reflektor an. Maja, die immer voller Unruhe ist, stürmt als erste hinaus. Kurz danach kommen ihre Eltern. Maja ist nicht zu sehen. Sie suchen. Die Insel ist klein. Das Meer ist mit Eis bedeckt. Das Eis mit Schnee. Sie hat einen roten Schneeanzug an. Sie müßten sie sehen, wenn sie da wäre.
Doch sie ist und bleibt verschwunden.
Ein paar Jahre später kehrt Anders in das Haus zurück, in dem die Familie damals gewohnt hat. Seine Ehe ist zerbrochen. Er trinkt. Er zieht in ein windschiefes Haus, das Smäcket heißt. Dort hat er damals mit seiner Frau und seiner Tochter gelebt. Notdürftig und seelengepeint richtet er sich ein.
Eines Nachts schreibt ihm seine Tochter eine Nachricht: "Frag mich."
War es seine Tochter?
So wie Dante, der Dichter, uns in die Abgründe der Erde führte, so führt uns Dante, der Kater, in die Abgründe des Wassers. Der Schlüssel ist ein Insekt, das den Namen Spiritus trägt.
Welch gruselige Tiefen und Kräfte das Wasser hat, das sich in der See(le) breitmacht, dies zeigt John Ajvide Lindqvist auf beängstigend überzeugende Weise. Er schwächelt nie. Keinen Moment. Es ist so verrückt, was er schreibt, aber so raffiniert ist dies eingebunden in die machtvolle und ganz und gar wirklichkeitsgetreue Wiedergabe seiner Charaktere. Durch diesen Kontrast wird das Übersinnliche sinnlich und berührt die Haut und das pochende Herz wie ein Gespenst, das ganz unwahrscheinlich, aber doch ganz wirklich, eines nachts, vielleicht im Traum, meine Hand packt.
Zwei Gespenster sind das Böse in diesem Buch. Teenagergespenster auf einem Lastenmoped. Ich weiß nicht, wie ein Lastenmoped aussieht. Aber dies Bild von den beiden auf ihrem Fahrzeug, hat sich mir eingebrannt. Sie kommen in der Nacht. Und bringen Angst und Schrecken...Elin! Elin!
Wird durch Anders alles anders?
"Frag mich", sagt das Buch.
"Trag mich - aus dem Laden, aus der Bibliothek, nimm mich mit zu Dir.
Was weißt Du vom Wasser. Es gibt weit mehr Dinge im Wasser, als die Schulweisheit sich träumen läßt. Buuh, ich werd Dich erschrecken. Ich bin bei Dir, wenn Anders Nachts allein in seinem Haus sitzt. Dann verlaß ich Dich und Du bist mit ihm allein. Im nächsten Augenblick zersplittert eine der Scheiben im Wohnzimmer und Anders schreit auf...
Laß mich nicht fallen! Krampfhaft hälst Du mich fest. So ist es gut. Lies mich weiter. Nicht zittern! Du mußt keine Angst haben. Alles ist gut! Ich bin ja nur ein Buch."

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kurzgeschichten

Angst & Desaster

Niclas Quinten
Flexibler Einband: 212 Seiten
Erschienen bei Books on Demand, 24.03.2009
ISBN 9783837082784
Genre: Romane

Rezension:

Eingereicht von Peter K.:
Die Kurzgeschichten von Niclas Quinten erzählen von Melancholie und Hoffnung, von den kleinen Schrecknissen und glücklichen Momenten des Alltags. Er zeichnet und beschreibt die handelnden Personen ironisch und nicht ohne Sympathie. Hier versteht sich einer auf das Erzählen von Geschichten. Reine Fabulierfreude mit genauer Beobachtung gepaart.

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7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

daniel kohlmann, gespräch, sebastian kleinschmidt

Requiem für einen Hund

Daniel Kehlmann , Sebastian Kleinschmidt
Flexibler Einband: 129 Seiten
Erschienen bei Matthes & Seitz Berlin, 01.02.2009
ISBN 9783882217353
Genre: Romane

Rezension:

Eingereicht von Peter K..
Ja, hier er erklärt Kehlmman ein Stück seiner Arbeitsweise. Beindruckend ist die Gesprächsführung und die angerissenen Themen. Nach der Lektüre dieses schmalen Bändchens habe ich "Ruhm" nochmal anders gelesen. Um Kehlmann als Autor zu verstehen, ist dieses Buch sehr hilfreich. Kehlmann ist bei allen anderen Eigenschaften auch ein Literaturtheoretiker auf hohem Niveau. Bin gespannt wann ihm eine Poetikvorlesung angeboten wird.

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5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Warum ist nicht alles schon verschwunden?

Jean Baudrillard , Markus Sedlaczek
Flexibler Einband: 57 Seiten
Erschienen bei Matthes & Seitz Berlin, 31.03.2008
ISBN 9783882217209
Genre: Sachbücher

Rezension:

Eingereicht von Peter K.:
Verschwindet der Mensch durch den Menschen. Verwchwindet er, weil er und die durch ihn geschaffenen Maschinen alles bis zum Ende auslotet. Was bleibt, wenn es keine Subjekte mehr gibt. Baudrillard in seiner letzten Schrift. Er wirft die Fragen der Existenz und des Verschwindens neu auf und wirft uns im Denken auf uns selbt zurück. Sehr empfehlenswert und man wünscht dem kleinen Buch viele Leser.

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1.314 Bibliotheken, 5 Leser, 11 Gruppen, 197 Rezensionen

liebe, e-mail, internet, e-mails, freundschaft

Gut gegen Nordwind

Daniel Glattauer
Fester Einband: 219 Seiten
Erschienen bei Zsolnay, Paul, 05.08.2006
ISBN 9783552060418
Genre: Liebesromane

Rezension:

Eingereicht von Binea:
Heute schon im Spam-Filter nachgesehen?
Sollten Sie tun, denn evtl. kündigt gerade jemand ein Zeitungsabo und hat sich bei dem Namen des Empfängers verschrieben.
Genau das ist Emma Rothner, auch Emmi genannt, passiert. Das Zeitungsabo „Like“ hat ausgedient und Emmi kündigt dieses kurzerhand. Durch ihren berühmt berüchtigten I-Tippfehler landet ihre Email nicht beim eigentlichen Adressat, sondern bei Leo Leike. Als Emmi keine Kündigungsbestätigung erhält, schreibt sie erneut eine Email. Diesmal erhält sie Antwort, jedoch von einem Mann, der ihr bis dahin unbekannt ist. Dies ändert sich schlagartig, denn beiden hegen durch dieses ungewöhnliche Aufeinandertreffen schnell Symphatie für einander. Ein ungewöhnlich rasanter Schriftverkehr setzt ein und schnell merken beide, dass ein leeres Postfach depressiv macht und außerdem eine Lücke in den Alltag reißt. Die Neugier auf den jeweils anderen ist geweckt und gern würde man mehr über das unbekannte Ich hinter dem Monitor auf der anderen Seite erfahren. Einem Treffen dürfte eigentlich nichts mehr im Weg stehen. Doch was ist, wenn die bisher ausgemalten Bilder Emmis und Leos bei einem Gegenüberstehen zerplatzen wie eine Seifenblase? Die erste Begegnung wird zeigen, ob die bisherigen Empfindungen bestätigt werden können oder nicht.

Daniel Glattauer ist mit „Gut gegen Nordwind“ einfach nicht zu übertreffen und für alle Fans von Emmi und Leo sei gesagt, nach diesem Buch ist nicht Schluss. Ein Lesen, ohne gleich das Folgebuch „Alle sieben Wellen“ zu besitzen, ist fast unmöglich, denn die Neugier ist einfach zu groß. Aber schon allein dieser Roman ist ein Meisterwerk. Aus lauter Emails bestehend schildert der Autor seine beiden Protagonisten und deren Gedanken bis aufs kleinste Detail. Emmi und Leo sind mit allen Wassern gewaschen und lassen keine Gefühlslage aus. Ein Mitfiebern ist bei diesen abwechslungsreichen Liebesdialogen mehr als nur erwünscht und wird auch nicht ausbleiben. Nach kurzer Zeit schon tief verbunden und mit vielen Schmetterlingen im Bauch schweben nicht nur die Protagonisten himmelhoch jauchzend auf Wolken. Auch bei einem selbst ist das Herzklopfen nicht zu überhören. Und immer wenn es am schönsten ist, kann man durch wenige Worte viel zerstören und einen Zustand von zu Tode betrübt erzeugen, der meist eisige Funkstille folgen lässt.
Nach einem knapp zweistündigen Verschlingen sind die sprühend lebendigen Formulierungen der beiden nicht vergessen, denn wundervolle Sätze wie „Schreiben ist wie küssen, nur ohne Lippen. Schreiben ist küssen mit dem Kopf.“, kann man nicht vergessen.
Keine Emails zu schreiben ist fast für jeden undenkbar und darum macht es nach diesem Buch gleich doppelt soviel Spaß. Um es mal in der Aufzählungsweise von den beiden zu sagen: 1.lesen, lesen, lesen 2. die Fortsetzung lesen 3. Emails abrufen und vor allem immer beantworten!!!

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Der Weltmaschinenroman

Klaus Ferentschik , Horst Hussel
Fester Einband: 157 Seiten
Erschienen bei Matthes & Seitz Berlin, 01.09.2008
ISBN 9783882217292
Genre: Biografien

Rezension:

Eingereicht von Peter K.:
Gsellmann baut eine Maschine um ihrer selbst willen. Um sich zu schützen sagt er immer wieder: Bald wird sie produzieren. Die Maschine ist sich und dem Schöpfer selbst genug. In einer Welt in der es um Produktivität und ausgefeilte Produkte geht, ein Außenseiter. Ein Außenseiter, den man lieb gewinnen muss und man wünscht sich, daß es mehr davon gäbe. Ein sehr, sehr zu empfehlendes Buch. Glückwunsch dem Autor, der fein und subtil den obsessiven Lebensweg Gsellmanns und seiner Maschine nachzeichnet.

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8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Buchhandhabung und andere gute Ratschläge

Flann O'Brien
Fester Einband: 88 Seiten
Erschienen bei Kein & Aber, 29.08.2008
ISBN 9783036952543
Genre: Sonstiges

Rezension:

Eingereicht von Peter K.:
Wieviele Bücher stehen ungelesen in den Regalen, vielleicht wurden sie mal durchgeblättert. Sie führen ein unberührtes Dasein. Schamhaft reagiert man auf die Frage eines Besuchers: Haben sie das alles gelesen? Flann O'Brien eröffnet mit seinen Ratschlägen ein neues Berufsfeld: Den Buchhandhaber. Köstlich witzige und hintergründige Geschichten (ursprünglich Kolumnen in der Irish Times) sind in diesem schmalen Bändchen versammelt. Hingewiesen sei noch auf die Figur des Theaterbegleiters ... aber entdecken sie selbst! Auch dieses Buch von O'Brien wieder fulminant übersetzt von Harry Rowohlt.

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35 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

adoption, korea, suche, biografie, familie

Seidentochter

Gerd Schinkel , Anneli Schinkel
Fester Einband: 250 Seiten
Erschienen bei Ehrenwirth, 11.09.2007
ISBN 9783431037364
Genre: Biografien

Rezension:

Eingereicht von Eva H.:
Zuallererst muss die Gestaltung dieses Buches gelobt werden, das die eindrückliche Geschichte einer jungen Frau enthält, die ihre leibliche Mutter in Korea findet. Passend zum Titel „Seidentochter“ schimmert der feste Einband in seidigem Weiß. Sowohl auf dem vorderen, als auch auf dem hinteren Vorsatzblatt befindet sich eine Karte von Nord- und Südkorea. Dafür wurde auf ein Lesebändchen verzichtet.

Diese wahre Geschichte wurde von Anneli Schinkel geschrieben, die 1982 in Korea geboren, von Martina und Gerd Schinkel adoptiert wurde. Bei ihnen findet sie ein liebevolles Zuhause und eine neue Heimat. Heimatliche Gefühle verbindet sie deshalb nur mit Deutschland. Das Interesse an Korea und an der Suche nach möglichst vielen Strängen ihrer Wurzeln ist im Laufe der Jahre so weit gereift, dass Annelie zusammen mit ihrem ebenfalls aus Korea stammenden Adoptivbruder Jannik, eine Einladung des Staates Korea annimmt, ihr Geburtsland für die Dauer eines mehrtätigen Seminars näher kennen zu lernen.

So manches, das sie während des Seminars erlebt, wirkt doch sehr befremdlich auf Annelie. Die Nationalhymne wird eingeübt und die Teilnehmer werden angehalten sich so zu verhalten, dass der koreanische Staat stolz auf sie sein kann. Und sie sollen stolz darauf sein, dass Korea ihr Geburtsland ist. Auch Taekwondo mit Grundschulkindern oder Geschichten tanzen fällt Annelie nicht leicht. Viel lieber würde sie mehr Zeit darauf verwenden sich mit den anderen Adoptierten auszutauschen. Welche Erfahrungen haben sie damit gemacht, dass sie fremd aussehen, es aber nicht sind? Welche Geschichte über die Suche nach den leiblichen Eltern haben sie zu erzählen?

Annelies Suche nach ihrer leiblichen Mutter und das Finden einer ganzen Familie ist jedenfalls erzählenswert. Auf eine höchst sympathische Art berichtet die junge Frau davon, wie sie trotz der mehr als dürftigen Anhaltspunkte über ihre Herkunft, mit Hilfe einer koreanischen Fernsehsendung, ihre leiblichen Eltern und Geschwister findet. Kleinigkeiten wie die Angst vor der Blutabnahme, die nötig ist um mittels DNA-Analyse die Familienzugehörigkeit zweifelsfrei festzustellen und große, wichtige Dinge wie die Annäherung an die leibliche Mutter, das Gefühl ihre Hand zu spüren, beschreibt Annelie Schinkel auf eine Weise, die sehr erwachsen und trotz großer Gefühle nie kitschig wirkt.

Die Frage, wie viel in einem Menschen Erbanlage und wie viel Sozialisation ist, stellt sich angesichts der großen Unterschiede zwischen der westlichen Annelie und ihrer östlichen Verwandtschaft. Hätte sie auch das Bedürfnis nach solch engem körperlichen Kontakt, wenn sie bei „ihren Koreanern“ aufgewachsen wäre? Wie angepasst an die streng reglementierte Welt Koreas wäre sie?

Das Thema Auslandsadoption wirft wohl noch mehr Fragen auf, als Adoptionen innerhalb eines Landes es ohnehin tun. Ist es richtig Kinder in einem Land aufwachsen zu lassen, in dem sie ein Leben lang immer wieder mit Fragen und Problemen aufgrund von Äußerlichkeiten konfrontiert werden? Wie schwer ist es für diese Adoptierten ihre Wurzeln zu finden? Kulturell und familiär. Und wenn leibliche Verwandte tatsächlich gefunden werden besteht meist eine nicht unerhebliche Sprachbarriere.

Antworten auf diese Fragen kann so eine Geschichte nicht geben. Dazu sind sie zu individuell. Aber Einblicke kann sie geben. In ein höchst interessantes Thema und in das ebenso interessante Land Korea.

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dänische literatur

Brummstein

Peter Adolphsen , Peter Adolphsen
Fester Einband: 96 Seiten
Erschienen bei Nagel & Kimche, 01.01.2005
ISBN 9783312003624
Genre: Romane

Rezension:

Eingereicht von Peter K.:
Die Geschichte von Peter Adolphsen könnte man Überschreiben mit: Ein Stein macht sich auf den Weg. Anhand des Weges schildert der Autor Personen und Ereignisse in einer ungewöhnlichen Dichte und voller Poesie. Der Stein verknüpft in einzigartiger Weise Lebensgeschichten. Kürzlich ist von Adolphsen: Das Herz des Urpferds erschienen. Beide Bücher sind sehr empfehenswert. Ich hoffe auf mehr Geschichten von diesem Autoren.

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