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leben, sachbuch

NICHT SCHULDIG!

Jens Söring , Ulrike Strerath-Bolz
Fester Einband: 399 Seiten
Erschienen bei Droemer, 01.03.2012
ISBN 9783426275795
Genre: Biografien

Rezension:

Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht ...
Kaum einer wüsste besser als Jens Söring, wie wahr dieser abgedroschen wirkende Spruch ist. Seit über zwanzig Jahren sitzt der Deutsche in US-Gefängnissen ein, verurteilt zu zweimal lebenslanger Haft für ein furchtbares Verbrechen, von dem er beteuert, es nicht begangen zu haben.
Wäre er doch bloß nie auf die Idee gekommen, die wahre Täterin durch ein falsches Geständnis vor dem Tod auf dem elektrischen Stuhl retten zu wollen!

Jens Söring, der als deutscher Diplomatensohn mit seiner Familie in den USA lebt, hat eine glänzende Zukunft vor sich: Der Hochbegabte erhält ein Stipendium für die University of Virginia, genießt die Freiheit fern des Elternhauses und lernt seine erste große Liebe kennen, die zwei Jahre ältere Elisabeth Haysom, eine faszinierend-schillernde, aber leider auch schwer gestörte Persönlichkeit - Letzteres ist ihm zu dieser Zeit allerdings nicht bewusst. Elisabeth Haysom erbaut die schönsten Luftschlösser für ein gemeinsames Leben, doch diese zerplatzen wie Seifenblasen, als sie im März 1985 völlig aufgelöst nachts bei Jens Söring erscheint und ihm gesteht, sie habe ihre Eltern ermordet.
Die Vorstellung, dass seine Liz für diese Tat auf dem elektrischen Stuhl "gegrillt" werden soll, ist dem jungen Mann so unerträglich, dass er beschließt, im Falle einer Verhaftung die Schuld auf sich zu nehmen - in der irrigen Annahme, durch den Status seines Vaters eine teilweise diplomatische Immunität zu genießen. Er malt sich aus, nach Deutschland überstellt und zu einer Jugendstrafe verurteilt zu werden, doch wieder einmal sieht die Realität anders aus. Nachdem er ohne anwaltlichen Beistand vor der Polizei ein grob fehlerhaftes Geständnis ablegt, wird er in den USA vor Gericht gestellt. Obwohl er sein Geständnis widerruft, am Tatort keinerlei Spuren von ihm gefunden werden und es keine Zeugen gibt, wird er in einem äußerst fragwürdigen Prozess für schuldig befunden und zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt - und in den Vereinigten Staaten bedeutet lebenslänglich tatsächlich bis zum Tode.
Söring gibt jedoch nicht auf; er beginnt vielmehr einen bis heute andauernden unermüdlichen Kampf um seine Freiheit. Nach jedem Rückschlag - und davon gibt es unzählige - schöpft er neue Hoffnung und beginnt wieder von vorn ...

Das wäre ein guter Stoff für einen spannenden Roman, doch "Nicht schuldig!" ist eine Biografie - und das verleiht dieser "Story" einen ausgesprochen bitteren Geschmack. Jens Söring beschreibt seine verhängnisvolle Beziehung zu seiner damaligen Freundin, schildert das - sein - Leben in diversen Haftanstalten, berichtet von (durch einsehbare Quellen belegten!) Ermittlungs- und Verfahrensfehlern und der Unmöglichkeit, neu erbrachte entlastende Beweise juristisch geltend machen zu können.
Einmal zur Hand genommen, lässt sich "Nicht schuldig!" nicht so leicht wieder aus der Hand legen - und lässt seine Leser auch danach nicht los. Ergreifend, erschütternd: Dieses Buch geht unter die Haut!

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geheimnis, thriller, krimi, tod, deutschland

Schattengesicht

Antje Wagner
Buch: 192 Seiten
Erschienen bei Querverlag, 01.09.2010
ISBN 9783896561800
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ein vom Querverlag herausgegebener Kriminalroman. Diese Stichworte rufen bestimmte Erwartungen hervor: Schwule oder lesbische ProtagonistInnen und, wie Wikipedia es formuliert, „ein Verbrechen und seine Verfolgung und Aufklärung durch die Polizei, einen Detektiv oder eine Privatperson“. Wenn kaum eine dieser Erwartungen erfüllt wird, ist das zwar überraschend, aber nicht zwingend enttäuschend...

„Irgendwas stimmt hier nicht!“ Ein Satz, mitten aus Antje Wagners „Schattengesicht“ herausgegriffen. Ein Satz, der sehr treffend den Eindruck beschreibt, der sich neben einem unerklärlichen Unbehagen und zahlreichen Fragezeichen schnell beim Lesen einstellt.
Dabei fing alles scheinbar klar und eindeutig an: Mit Milenas „Einzug“ ins Gefängnis: „Ich hab jemanden umgebracht.“ Die nun folgenden Rückblenden verhelfen nur bedingt zu mehr Transparenz; zwar bringen sie „wie es sich gehört“ hier und da Licht in die Dunkelheit, aber dieses Licht wirft selbst auch wieder seine Schatten und sorgt so für weitere Düsternis...
Und auch ich muss mich in dieser Rezension nebulös bedeckt halten, wenn ich nicht spielverderbend vorgreifen will. So viel kann und darf ich aber noch verraten: Seit der „Sache mit Vincent“, seit eineinhalb Jahren, ist Milena zusammen mit Polly auf der Flucht, ständig um Unauffälligkeit bemüht, immer auf der Hut, nie lange an einem Ort. Was war denn das für eine Sache? Wer ist dieser Vincent? Und was verbindet eigentlich Milena und Polly miteinander? Sind sie ein Paar? Oder nur befreundet? Milena arbeitet als Zimmermädchen in einem Hotel – trägt Polly eigentlich gar nichts zum Lebensunterhalt bei? Und warum reagieren andere Menschen so irritiert, bisweilen sogar verstört auf sie?
Selbst mit des Rätsels Lösung hat es in diesem Roman eine besondere Bewandtnis...

Was für ein Buch...! Ja, was für eins ist das denn nun eigentlich? Ein Lesbenroman? Wohl kaum. Ein Krimi? Sicher kein typischer. Mit Bestimmtheit würde ich nur sagen, dass „Schattengesicht“ eigentlich gar nicht mit einem Etikett be- oder verklebt werden sollte, es sei denn, es handelt sich dabei um ein Gütesiegel. Dieses Buch ist einfach anders. Besonders. Eigen- und einzigartig zugleich, befremdend-faszinierend. Atmosphärisch unglaublich dicht, spür- aber nicht greifbar. Und es lässt so schnell nicht wieder los – weder während noch nach der Lektüre...

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