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5 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

hörbuch

Ein wenig Leben

Hanya Yanagihara , Stephan Kleiner , Torben Kessler
Audio CD
Erschienen bei Hörbuch Hamburg, 01.02.2017
ISBN 9783957130778
Genre: Romane

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10 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

spaziergänge, flanieren, stadtspaziergänge;, adressen für lokale und einkaufsmöglichkeiten, abseits der bekannten sehenswürdigkeiten

Paris abseits der Pfade

Georg Renöckl
Flexibler Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Braumüller Verlag, 04.11.2016
ISBN 9783991001867
Genre: Sonstiges

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145 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 94 Rezensionen

mata hari, spionin, roman, spionage, 1. weltkrieg

Die Spionin

Paulo Coelho , Maralde Meyer-Minnemann
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 23.11.2016
ISBN 9783257069778
Genre: Romane

Rezension:

Ihre Intelligenz wurde ihr zum Verhängnis, ihre Beziehungen zu Männern zur Gefahr, ihre Amoralität und ihr Wissen um die weibliche Verführungskunst zur Waffe gegen sie, dabei bestand ihr einziges Verbrechen darin frei und unabhängig zu sein.


Die Rede ist von Mata Hari, was so viel bedeutet wie „Auge des Tages“. Sie war eine exotische Nackttänzerin, exzentrische Künstlerin, Geliebte zahlreicher einflussreicher Männer und mutmaßliche Doppelagentin. Am 25. Juli 1917 wurde sie wegen Hochverrats von einem französischen Militärgericht zum Tode verurteilt.


Mata Haris abenteuerliches Leben und ihr tragisches Ende stehen bis heute im Mittelpunkt zahlreicher Romane und Filme. 2017 jährt sich ihr Todestag zum 100-sten Male.


Mit „Die Spionin“ hat Paolo Coelho dieser geheimnisumwobenen Frau ein weiteres literarisches Denkmal gesetzt.


Coelhos Geschichte beginnt mit ihrem Ende: Am 15. Oktober 1917 wurde Mata Hari in den frühen Morgenstunden in Vincennes Paris hingerichtet. „Mata Hari wurden weder die Auge verbunden, noch wurde sie gefesselt.“ (S. 15) Mutig sah sie ihrem Tod entgegen. Auf eigenen Wunsch wohlgemerkt. Doch wer war diese Frau, die hier in den  frühen Morgenstunden den Tod fand? Wer war die Frau hinter der Fassade der Weltberühmten Schleiertänzerin, Edeldirne und mutmaßlichen Doppelagentin H21? Nur wenig ist über sie tatsächlich bekannt.


Die unklare Quellenlage ist zum einen sicherlich auf sie selbst zurückzuführen, auf die von ihr zahlreich erfundenen Geschichten, mit denen sie Fakten ihres Lebens zu verändern suchte, zu beschönigen und ihre Person interessanter zu machen und zum anderen auf ihre zahlreichen Biographen, die umstrittene Anekdoten, Geschichten, Legenden als Tatsachen verkauften und so sicherlich zur Verschleierung ihrer wahren Geschichte wesentlich mit beitrugen. Ergebnis: Der Mythos Mata Hari. Ihre wahre Geschichte wird wohl für alle Zeiten im Dunkeln bleiben.


Sicherlich eine schwierige Sache über eine solch berühmte Frau zu schreiben, über die dennoch so wenig bekannt ist, andererseits dürfte dies für einen Schriftsteller auch gerade den Reiz darstellen, eröffnet doch gerade der Mangel an Fakten Raum für Interpretationen. Und so nähert sich denn auch Coelho seiner Version der Mata Hari unmittelbar, lässt sie selbst in einem einzigen langen Brief an ihren Verteidiger ihre Geschichte erzählen. Noch hofft seine Mata Hari in ihrer Zelle auf Begnadigung, nur wir die Leser wissen, dass diese Hoffnung vergebens sein wird und so schreibt sie, offen, ehrlich, direkt, immer noch in der Annahme, dass der Brief der nur im Falle ihres Todes den Adressaten erreichen wird nie ausgehändigt werden muss und lässt dabei die selbstgewählte Maske fallen, Hülle für Hülle, Schleier für Schleier, bis sie schließlich vor uns steht Coelhos Mata Hari.


Selbstbewusst ist sie. Zielstrebig. Eigensinnig. Sie liebte die Abwechslung, das Drama, den großen Auftritt und das Abenteuer.
Schnell wird einem klar, was Coelho so an dieser Frauengestalt fasziniert: Sind doch auch seine fiktiven Protagonistinnen stets mutig und kämpferisch. Und auch Mata Hari führt einen lebenslangen Kampf, um einen Platz in einer von Männern dominierten Welt. Einen Kampf, den sie am Ende verlieren wird. Eine Frau, auf der Suche nach der wahren Lebensfreude, dem Sinn des Lebens - „La vraie vie“.Eine Frau, gefangen in den engen Maschen gesellschaftlicher Normen, Konventionen, Regeln. Eine Frau, die sich mit ihren ganzen Lügen selbst das Netz baute, in dem sie am Ende hängen bleibt. Eine Frau, die sich weigert sich zu verlieben und am Ende dennoch für die Liebe stirbt. Ähnlich wie Oscar Wildes Salomé.


„Aber die Liebe gehorcht niemanden und verrät jene, die ihr Geheimnis aufdecken wollen.“ (S. 165)


Mit „Die Spionin“ ging es Coelho sicherlich nicht darum, eine weitere Biographie Mata Haris zu schreiben. Ihm ging es um die Frau an sich, die Person hinter dem Mythos. Und so rafft er an so mancher Stelle ihre Geschichte, legt gezielt sein Augenmerk auf wenige entscheidende Momente ihres Lebens. Natürlich hält er sich an die wenigen bekannten Fakten und füllt die Lücken mit Fiktion, dennoch möchte und kann der Roman eines nicht sein, ein Lebensbericht. Zu wenig weiß man über die wahre Mata Hari, zu wenig verlässliche Quellen existieren und mit der Wahl der Briefformen setzt sich der Autor selbst enge Grenzen. Grenzen, die er jedoch gekonnt zu öffnen weiß, indem er den Verteidiger seinerseits im Anschluss einen Brief an Mata Hari schreiben lässt, datiert einen Tag vor ihrem Tod. Geschickt verpackt er darin die wenigen Tatsachen, die aus den Akten bekannt sind und ermöglicht uns so die Person Mata Hari aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten.


Entstanden ist ein intimes „Porträt einer klugen, verführerischen Frau, die den männlichen Moralvorstellungen zum Trotz ihr selbstbestimmtes Lebe führte – bis zuletzt.“ Wie es auf der Umschlaginnenseite so treffend heißt.


Ein fesselndes Buch, absolut süffig zu lesen. Seit längerem wieder ein Coelho, der mich so richtig zu überzeugen vermochte.

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71 Bibliotheken, 8 Leser, 1 Gruppe, 5 Rezensionen

china, historisch, automatenbauer, kaiser, kaiserlicher hof

Cox

Christoph Ransmayr
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei S. FISCHER, 27.10.2016
ISBN 9783100829511
Genre: Romane

Rezension:

Mal fließt sie langsam und gemächlich dahin, mal vergeht sie rasend schnell. Mal scheint sie sich unendlich auszudehnen, dann zieht sie sich wieder aufs äußerste zusammen. Mit fortschreitendem Lebensalter scheint sie immer schneller zu vergehen. Die Rede ist von der Zeit. Niemand vermag sie anzuhalten, keiner zu beeinflussen, keiner zu stoppen. Sie fließt dahin, vergeht unbarmherzig. Zeit – ein Phänomen, das die Menschen schon seit jeher bewegt.


Wer hat ihn nicht schon einmal geträumt, diesen unsäglichen Traum von der Ewigkeit. Doch unaufhaltsam rinnt sie dahin, unsere Lebenszeit. Und wenn es eine Gewissheit gibt im Leben und auf Erden, so ist es unsere eigene Endlichkeit. Eine unumstößliche Tatsache, für manchen schwer zu akzeptieren, erst recht, wenn man der Kaiser von China, der vermeintlich mächtigste Mann der Welt ist, dem Titel nach alleiniger Herr über die Zeit.
Und so lädt Qiánlóng, der vierte Kaiser der Qīng-Dynastie, „Herr der zehntausend Jahre“, den englischen Automatenbauer und Uhrmacher Alister Cox an seinen Hof ein.


„Der Kaiser wollte, daß Cox ihm für die fliegenden, kriechenden oder erstarrten Zeiten eines menschlichen Lebens Uhren baute, Maschinen, die gemäß dem Zeitempfinden eines Liebenden, eines Kindes, eines Verurteilten und anderer, an den Abgründen oder in den Käfigen ihrer Existenz gefangenen oder über den Wolken ihres Glücks schwebenden Menschen den Stunden- oder Tageskreis anzeigen sollten – das wechselnde Tempo der Zeit.“ (S. 83)


Was zunächst für Cox und seine Gefährten kein größeres Problem darzustellen scheint, lediglich eine neuerliche Herausforderung, entwickelt sich schnell zu einem riskanten Unterfangen. Denn der Kaiser wird immer maßloser in seinen Wünschen und so fordert er eines Tages den Bau eines ganz besonderen Zeitmessers:


„Eine Uhr für die Ewigkeit. Die Uhr aller Uhren. Perpetuum mobile…“ (S. 217)


Und auch wenn Cox um die Unmöglichkeit eines solchen Wunsches weiß, macht er sich ans Werk, denn einem Kaiser widerspricht man nicht.


Mit „Cox oder Der Lauf der Zeit“ führt uns Christoph Ransmayr tief hinein in die Welt des alten Chinas, hinein in die verbotene Stadt und an den Hof eines allmächtigen Despoten. Ein Ort, an dem man nur allzu schnell seinen Kopf verliert, an dem man niemanden trauen kann. Ein Ort, absoluter Schönheit und zur Schau getragenen Reichtums, aber auch unsäglicher Ängste, Schmerzen und Qualen. Ein Ort strenger Regeln, Riten, Sitten und Bräuche, über die sich nicht einmal ein Kaiser so einfach hinwegsetzen kann, ohne dabei Misstrauen und Unmut zu erzeugen.


Ein meisterliches Spiel mit der Zeit, der Geschichte, historischen Fakten und Figuren, über das wir bei aller Begeisterung nicht vergessen dürfen, dass es sich nur um einen Roman handelt, um reine Fiktion. So hat der wahre, der historische Uhrenbauer James Cox, der für die Figur des Alister Cox als Vorbild diente, chinesischen Boden nie betreten. Der Kaiser und er sind sich nie begegnet, auch wenn zahlreiche seiner Werke noch heute in den Pavillons der Verbotenen Stadt zu sehen sind. Allein die Liebe und Leidenschaft zur Kunst der Zeitmessung verband die beiden über Kontinente hinweg.


Mit „Cox oder Der Lauf der Zeit“ hat einmal mehr einer der großen Fabulierer unserer Tage sein Können unter Beweis gestellt. Ein Buch, das zum Nachdenken anregt, über uns, das Leben, den Gang der Dinge und den Lauf der Zeit. Denn unerbittlich schlägt er, der Takt der Zeit, gibt uns täglich unseren Rhythmus vor. Mal schneller und mal langsamer. Und wer weiß, vielleicht sind es am Ende nur unsere Worte und Taten, die die Zeit zu überdauern wissen, wenn überhaupt.

 
„…selbst wenn ein Mensch sich im Glauben wiegt, Herr über die Zeit zu sein, beginnt sie doch mit jedem verstrichenen Jahr seines Lebens, während so vieles an ihm träger und langsamer wird, rascher zu fließen. Kaum hat er seine Liebsten um sich versammelt, um mit ihnen einen Festtag zu begehen, ist ein weiteres Jahr verflogen, und er beginnt allmählich, dem Verurteilten ähnlicher zu werden, der den Tag seiner Hinrichtung erwartet.“ (S. 80 f)


Und wenn wir das nächste Mal einer Schnecke begegnen, dann sollten wir immer daran denken, dass sie in China als Zeichen für Reichtum und Glück steht.

 „Denn nur wer den Luxus der Langsamkeit genießen konnte, durfte sich in dem Traum wiegen, das kostbarste aller menschenmöglichen Güter zu besitzen. Zeit.“ (S. 270)


(Bei diesen Worten fühlte ich mich an meine Kindheitstage und an die Geschichte von „Momo“ von Michael Ende erinnert, nur waren es hier die Schildkröten.)

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196 Bibliotheken, 15 Leser, 2 Gruppen, 44 Rezensionen

usa, geister, nathan hill, chicago, familie

Geister

Nathan Hill , Werner Löcher-Lawrence , Katrin Behringer
Fester Einband: 864 Seiten
Erschienen bei Piper, 04.10.2016
ISBN 9783492057370
Genre: Romane

Rezension:

952 Gramm ist er schwer, 864 Seiten umfasst er, über 10 Jahre hat sein Autor daran geschrieben. Ein literarisches Schwergewicht in mehr als nur einer Hinsicht.
Die Rede ist von „Geister“, dem druckfrischen Roman des amerikanischen Literaturprofessors und Autors Nathan Hill. Sprachlich ausgefeilt (was auch der hervorragenden Übersetzung durch Werner Löcher-Lawrence und Katrin Behringer geschuldet sein dürfte), stilistisch ein Feuerwerk an Ideen und inhaltlich direkt am Puls der Zeit. Dieser Roman weiß zu überzeugen.


Samuel Anderson ist 11 Jahre alt, als seine Mutter von einem Tag auf den anderen die Familie verlässt. 20 Jahre später, Samuel ist mittlerweile Literaturprofessor an einem kleinen College in Chicago, erhält er einen Anruf der Anwaltskanzlei Rogers & Rogers, der sein Leben mit einem Schlag verändert. Er soll für seine jahrelang verschwundene Mutter bürgen: Diese befindet sich, nach einem tätlichen Angriff auf einen republikanischen Präsidentschaftskandidaten in Haft. Samuel soll nun ihre Integrität bezeugen. Ein Gedanke, der ihm zunächst völlig abwegig erscheint. Doch Samuel will auch endlich begreifen, was damals wirklich geschehen ist.


„Die Dinge, die du am meisten liebst…werden dich eines Tages am schlimmsten verletzten.“ (S. 143)


Der 1976 geborene Nathan Hill versteht es geschickt, einen beinahe ein halbes Jahrhundert amerikanische Gegenwartgeschichte umfassenden Gesellschaftsroman mit einer spannungsgeladenen Mutter-Sohn-Geschichte, voller Zweifel, Missverständnisse und verpasster Chancen zu verbinden. Ein Buch, welches einmal mehr sehr anschaulich macht, wie wichtig es ist, dass die Menschen miteinander reden. Jetzt, heute, hier und in Zukunft. Sprache war schon immer das verbindende Element.


„Manchmal sind wir so sehr in unserer eigenen Geschichte verfangen, dass wir unsere Rolle in der Geschichte eines anderen nicht sehen.“ (S. 856)


Mit „Geister“ hält Hill der Gesellschaft den Spiegel vor und ganz besonders der amerikanischen, mit ihrer tiefen inneren Zerrissenheit und dem nach außen hin künstlich Aufrecht erhaltenen Bild einer scheinbar ach so perfekten Gesellschaftsordnung. Amerika, ein Land in dem es schon sehr lange kriselt, mit seinen ganzen falschen Idealen. Ein Land, indem der Starke gewinnt und der Schwächere gnadenlos untergeht. Vom Tellerwäscher zum Millionär, dieser Traum scheint lange schon ausgeträumt. Es ist nicht mehr der Traum selbst der zählt, es geht nur noch um seine Präsentation.


„…Es ist das Einzige, worin Amerika noch gut ist. Es sind nicht die Snacks selbst, unsere Spezialität ist das Erfinden neuer Möglichkeiten, wie wir die Snacks sehen können.“ (S. 822)


Ja, er übt ganz schön Kritik dieser Nathan Hill, er tut dies aber mit einer ganz ordentlichen Portion Humor und Zynismus, was der Lektüre, trotz der schwere ihrer Themen eine gewisse Leichtigkeit verleiht. Eine Leichtigkeit, die diesen Roman, im Gegensatz zu anderen Büchern dieser Gattung, dennoch zu einem wahren Pageturner macht. Nathan Hill versteht es, mit Sinn für feine, raffinierte Pointen Bilanz zu ziehen und ein absolut treffendes Bild der Zeit in der wir leben zu zeichnen, das durch  den Ausgang der us-amerikanischen Wahl noch mehr an Brisanz gewonnen hat.


„Manchmal glaubt ein Land, es hat verdient, dass man ihm den Hintern versohlt, manchmal will es umarmt werden“, lässt Hill eine seiner Personen im Buch so trefflich feststellen. „Wenn es umarmt werden will, wählt es demokratisch. Ich setze im Moment darauf, dass die Leute bestraft werden wollen.“ (S. 687)


Wenn man bedenkt, dass das Buch noch vor Ende der Wahl erschienen ist, muten diese Sätze beinahe schon prophetisch an.


„Geister“ von Nathan Hill, erschienen im Piper-Verlag 2016.

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Tags: familienroman, gesellschaftskritisch, gesellschaftsroman, mutter-sohn-konflikt   (4)
 

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4 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Im Zoo

Howard Jacobson , Friedhelm Rathjen
Fester Einband: 420 Seiten
Erschienen bei DVA, 29.09.2014
ISBN 9783421045645
Genre: Romane

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28 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 4 Rezensionen

poetisch, 4 sterne, hinterfragen, überdenken;, wahrheiten

Worüber wir sprechen, wenn wir über Bücher sprechen

Tim Parks , Ulrike Becker , Ruth Keen
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Kunstmann, A, 24.08.2016
ISBN 9783956141300
Genre: Sachbücher

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51 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

wien, buchhandlung, kindermädchen, arthur schnitzler, liebe

Ein Winter in Wien

Petra Hartlieb
Fester Einband: 176 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Kindler, 21.09.2016
ISBN 9783463400860
Genre: Romane

Rezension:

Liebe ist ja auch immer so ein Thema im Winter. Wenn man sich an dunklen Tagen schön in seine wohlige warme Decke auf dem Sofa kuschelt fehlt nur noch ein gutes Stück Literatur, am besten fürs Herz. Und da kommt "Ein Winter in Wien" von Petra Hartlieb gerade zur rechten Zeit. Konnte die Autorin mich bereits mit ihrem Buch "Meine wundervolle Buchhandlung", in dem es um ihre eigene Geschichte und die ihrer Buchhandlung in Wien geht, überzeugen, so bin ich von diesem schmalen, wunderschönen Büchlein absolut begeistert.


Eine Buchhandlung,
Ein berühmter Dichter
Und ein verschneiter Wiener Winter.


Mehr braucht es nicht für die Liebesgeschichte zwischen dem Kindermädchen Marie und dem Buchhändler Oskar. Für mich eine der schönsten romantischen Geschichten dieser Buchsaison. Gerade einmal 176 Seiten umfasst dieses liebevoll, nach allen Regeln der Buchkunst angefertigte kleine Büchlein.


Am besten zunächst sich selber schenken und dann anderen.


Und wenn es bei uns auch gerade mit der Winterstimmung schlecht aussieht im Buch schneit es garantiert und das vor der herrlichen Kulisse des alten Wien.

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13 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Die Muse

Jonathan Galassi , Uljana Wolf
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei S. FISCHER, 25.08.2016
ISBN 9783100022943
Genre: Romane

Rezension:

Die Frankfurter Buchmesse steht vor der Tür. Zeit einmal einen Blick hinter die Kulissen des Literaturbetriebs zu werfen, auch literarisch. Und wie könnte man dies besser als an der Seite eines Mannes, der weiß von was er spricht.

Jonathan Galassi, selbst Verleger beim renommierten New Yorker Verlag Farrar, Straus and Giroux und als Lektor Entdecker von so namhaften Autoren und literarischen Schwergewichten wie Jonathan Franzen und Jeffrey Eugenides, hat  mit „Die Muse“ seinen ersten Roman vorgelegt.
Ein Mann, der weiß über was er schreibt, wenn er einen Roman über den Literaturbetrieb, Verlage, Lektoren, Autoren, Kritiker, den Buchhandel und die Liebe zu den Büchern schreibt. Ein Mann, der den ganzen Zirkus rund um die schönste Sache der Welt, das Lesen, kennt. Von innen und von außen. Als leidenschaftlicher Leser, Autor, Lektor und Verlegeger.
Kenntnisreich, mit spitzer Feder und feiner Lyrik durchwebt, nimmt er uns mit auf eine Zeitreise quer durch die Welt der Literatur und des Verlagswesens, vom Ende des 2. Weltkrieges bis in die heutige Zeit, und zeigt uns anhand der fiktiven Biographie der Lyrikerin Ida Perkins das ganze Spektrum, die Höhen und Tiefen dieser ganze eigenen Welt auf. Angefangen bei der endlosen Suche der Lektoren nach dem vielversprechenden Debüt, über den Kampf um Rechte und Autoren bis hin zum „quirligen“  alljährlichen „Mekka der Frankfurter Buchmesse.“


„Frankfurt war im Grunde alles außer gesellig, es war Raubtierkunst vom Feinsten, mit vornehm europäischem Gesicht. Die schicken Kleider, die Partys, die Zigarren, die übertriebenen Preise in Hotels und Restaurants, das enttäuschend schlechte Essen, alles gehörte dazu. Es war anstrengend, langweilig und deprimierend – aber niemand aus der Verlagswelt mit einem Funken Stil und Verstand hätte es verpassen wollen.“ (S. 138)


Ein Buch das mit einer Liebeserklärung an die Buchliebhaber dieser Welt von gestern und heute beginnt, denn:


„Dies ist eine Liebesgeschichte. Über die guten alten Zeiten, als Männer noch Männer, Frauen noch Frauen und Bücher noch Bücher waren, mit Klebebindung oder besser Fadenheftung, mit Leinen- oder Papiereinband, mit hübschen oder weniger hübschen Umschlägen und diesem modrig-staubigen Geruch: als Bücher unzählige Räume füllten und ihr Innenleben – magische Worte, Prosa und Poesie – ihren Liebhabern wie Wein war, wie Parfüm und Sex und Ruhm…..“ (S. 7)


Dies ist die Geschichte von einigen dieser Liebhaber und von einem ganz besonderes, Paul Dukach. Cheflektor bei P&S, immer auf der Suche nach dem nächsten Meisterwerk, dem absolut vollkommenen Stück Literatur auf der Spur …


„Paul hatte mit der Zeit verstanden, dass die meisten Verleger gerade von den Büchern heimgesucht wurden, die ihnen entwischt waren…“ (S. 69)


Dies sollte ihm nicht passieren. Er will das perfekte „Trüffelschwein“ sein. Privat ist er glühender Verehrer der Lichtgestalt und ebenso mondänen wie geheimnisvollen Diva und Dichterin Ida Perkins.


„Es war Liebe aufs erste Gedicht.“ (S.29)


Für ihn der Inbegriff von Perfektion. Und so verschlingt er über die Jahre hinweg Buch um Buch und wird so zu einem Kenner ihres Lebens und Gesamtwerkes wie kein Zweiter.
Als sich ihm nach vielen Jahren jedoch die Chance bietet, sein in Schönheit gealtertes Idol persönlich zu treffen, muss er erkennen, dass der Mensch hinter dem Mythos, hinter der berühmten Dichterin, ein ganz anderer ist und manches in Büchern manchmal anderes scheint, als es tatsächlich ist.


Ein Buch, das aufs meisterhafte Realität und Fiktion zu mischen versteht und bei dem man nicht den Lesespaß durch sinnlose Internetrecherchen unterbrechen oder gar sich verderben lassen sollte. Viele Personen, Verlage des Buches existieren in der Realität tatsächlich, andere nicht. Manche werden namentlich genannt, andere nicht. Aber im Grunde ist dies für die Handlung an sich irrelevant, denn um was es hier eigentlich geht, ist die ganz besondere Liebe zum geschriebenen Wort, diese ganz besondere Faszination, die Bücher auf ihre Leser ausüben….bis heute!!!!


Ein Buch, ideal zum Einstimmen auf die anstehende Buchmesse in Frankfurt.

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52 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

liebe, freundschaft, alltag, charakterstudie, verlag: hanser

Das Leben ist gut

Alex Capus
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 22.08.2016
ISBN 9783446252677
Genre: Romane

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(142)

304 Bibliotheken, 9 Leser, 1 Gruppe, 89 Rezensionen

liebe, roman, tod, charlotte lucas, sinn des lebens

Dein perfektes Jahr

Charlotte Lucas
Fester Einband: 575 Seiten
Erschienen bei Ehrenwirth, 09.09.2016
ISBN 9783431039610
Genre: Liebesromane

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(29)

69 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 15 Rezensionen

sylvia plath, ted hughes, roman, suizid, beziehungsdrama

Du sagst es

Connie Palmen , Hanni Ehlers
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 24.08.2016
ISBN 9783257069747
Genre: Romane

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(1.194)

1.742 Bibliotheken, 31 Leser, 7 Gruppen, 112 Rezensionen

freundschaft, roadtrip, abenteuer, jugend, tschick

Tschick

Wolfgang Herrndorf , , ,
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 01.03.2012
ISBN 9783499256356
Genre: Romane

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(60)

80 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 52 Rezensionen

england, glaube, andrew michael hurley, fanatismus, roman

Loney

Andrew Michael Hurley , Yasemin Dincer
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 09.09.2016
ISBN 9783550081378
Genre: Romane

Rezension:

Selten hat mich ein Buch so enttäuscht zurückgelassen wie „Loney“ von Andrew Michael Hurley. Dabei hat sich die Leseprobe so vielversprechend gelesen und auf ein spannendes und unheimliches Leseabenteuer hoffe lassen:
Ein Erdrutsch auf Coldbarrow und die Babyleiche, die dabei freigelegt wird. 30 Jahre zuvor: Eine tief gläubige Familie auf Wallfahrt, in der Hoffnung so ihrem kranken Sohn zu Heilung zu verhelfen, seltsame religiöse Rituale, dunkle Gestalten und ein Landstrich, der so unwirtlich erscheint, dass man am liebsten dort angekommen schreiend davon laufen will.

The Loney – „dieses seltsame Nirgendwo zwischen den Flüssen Wyre und Lune.“S. 10

„….die Grausamkeit von The Loney schien so unvermeidlich, dass diese Seelen sich meist unbeachtet zu zahlreichen anderen gesellten, die im Laufe der Jahrhunderte bei dem Versuch, den Ort zu zähmen, ums Leben gekommen waren.“ S. 10/11


Dies alles liest sich wie die perfekten Zutaten für einen Hitchock-Film und ließ mich an die Meister des literarischen Schauerromans alter Schule denken, wie z.B. Edgar Allen Poe, Daphne DuMaurier,…


Die Sunday Times versprach gar:
„Eine meisterhafte Exkursion ins Grauen.“


Doch die Ernüchterung folgt schnell beim Lesen. Dem Autor gelingt es zwar anfangs, eine unheimliche Stimmung aufkommen zu lassen, so ein leichtes Prickeln unheilvoller Erwartungen in einem hervorzurufen, doch dann geschieht einfach -NICHTS.


Und wenn ich nichts schreibe, dann meine ich auch nichts. In diesem Buch wird auf 384 Seiten unglaublich viel gebetet, wir dürfen Menschen erleben, die sich allein durch ihren Glauben definieren, Menschen, die teilweise an ihrem Gauben zweifeln, ihn gar verlieren und so auch ihren Halt im Leben. Aber dabei geschieht kaum etwas wirklich spannendes, ja, hier und da wird eine kleine unheimlich anmutende Begebenheit eingestreut, die Hoffnung im Leser auf mehr aufkommen lässt, doch diese wird leider immer wieder im Keim erstickt. Was es mit der Babyleiche auf sich hat erfährt man nie wirklich und der Autor versteht sich ganz hervorragend darauf, den Leser mit endlos wiederkehrenden Landschaftsbeschreibungen und Glaubensdiskussionen zu ermüden.


Was am Ende bleibt ist eine „meisterhafte Exkursion“ der Langeweile.

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161 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 75 Rezensionen

literatur, fiktion, identität, frankreich, wahrheit

Nach einer wahren Geschichte

Delphine de Vigan , Doris Heinemann
Fester Einband: 350 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 24.08.2016
ISBN 9783832198305
Genre: Romane

Rezension:

2013 erschien Delphine de Vigans Buch „Das Lächeln meiner Mutter“. Ein autofiktionaler Roman, indem sich die Autorin mit dem Freitod der eigenen, Zeit ihres Lebens an Depressionen leidenden, Mutter auseinandersetzte. Ein sehr persönliches Buch, welches in Frankreich und auch in Deutschland zu einem Riesenerfolg wurde. Und wie ja allgemein bekannt sein dürfte zieht ein solcher Erfolg natürlich ein enormes mediales Echo nach sich. Eine Pressekonferenz jagt die andere, Buchmessen, Lesungen, Signierstunden, Radio- und Fernseheinladungen. Doch was kommt nach dem Erfolg? Wenn sich so langsam alles wieder etwas beruhigt? Das nächste Buch, ist man versucht so ganz locker zu sagen. Nach dem Roman ist vor dem Roman, oder so ähnlich. Doch was, wenn man dem Erwartungsdruck nicht standhalten kann? Nicht dem eigenen und schon gar nicht dem der Leser? Wenn man sich selbst mit der Frage konfrontiert sieht, was nach einem solch intimen Buch, nach so viel Wahrheit, überhaupt noch folgen kann? Noch mehr Wahrheit, die reine Wahrheit oder kann man einfach so wieder zur reinen Fiktion übergehen?


Eine Frage, die Delphine in diesem Buch auch von der mysteriösen L. gestellt wird. L., die sie eines Tages auf einer Party kennenlernt. L., die scheinbar die „echten, die wichtigen Fragen“ stellt und mit diesen, bei der bereits an sich zweifelnden Delphine, auf fruchtbaren Boden stößt. L., die für Delphine und ihre Bücher ein „tiefes und immer neues Interesse“ zeigt. L., die so viel über sie zu wissen scheint und sie versteht wie keine andere. L., die sich so mir nichts dir nichts in ihr Leben schleicht, davon Besitz ergreift, sich darin einrichtet, ihr Schreiben beeinflusst, ihr die Energie raubt, bis hin zur absoluten Schreibblockade. Delphine bemerkt es zwar, doch lässt es geschehen, denn auf seltsame Weise ist ihr diese Frau nah, ja schon fast unheimlich vertraut.
Doch wer ist diese Frau, die sich scheinbar unaufhaltsam in Delphins Denken, Leben und Handeln festschweißt? Und was ist dieses Buch Wahrheit oder Fiktion? Frei erfunden oder „Nach einer wahren Geschichte?
Und schon wären wir bei einem der zentralen Themen angelangt:


Wieviel Wahrheit steckt in diesem Buch bzw. wieviel Wahrheit braucht ein Buch?


Wer kennt sie nicht diese Fragen von Lesern, Kritikern und Moderatoren: Wieviel Autor steckt in diesem Buch? Inwieweit wurde der Roman von persönlichen Erlebnissen des Autors und realen Begebenheiten beeinflusst? Und erwischt man sich nicht selber immer wieder dabei, wie man sich nach einer bestimmten Lektüre in Versuchung sieht zu googeln, nachzuforschen, bei einer Lesung, einem Interview nach dem Wahrheitsgehalt zu fragen…?
Genau mit dieser Grundneugier des Lesers spielt dieses Buch. Faszinierenderweise existieren bis auf L. alle im Roman vorkommenden Personen im wahren Leben tatsächlich (ja, ich gestehe, schuldig, ich habe gegoogelt). Zudem setzt die Handlung des Romans genau an der Stelle ein, an der wir Delphine bei ihrem letzten Buch verlassen haben, einige Monate nach dem Erscheinen ebendieses Buches.  Doch gleichfalls stellt das,  Eingangs des ersten Teils „Verführung“ aufgeführte, Stephen King Zitat unweigerlich klar, dass hier Wahrheit und Fiktion aufs meisterlichste vermischt werden, dass hier nicht alles so ist wie es zu Anfang scheint:

„ –als wäre er eine Person in einem Buch
oder einem Theaterstück,
eine Person, deren Erinnerung nicht wie
Geschichte wiedergegeben,
sondern wie Literatur erfunden wurde.“
Stephen King

Ein Zitat aus „Sie“ (manchen auch besser bekannt als „Misery“). Ein Zitat, das im Leser schon eine gewisse Vorahnung auf das Kommende aufkeimen lässt. Nicht zufällig scheint das Kürzel L. (im französischen „Elle“ ausgesprochen, wie das französische Wörtchen für „Sie“) gewählt. Und schon ist sie da, diese unglaubliche Spannung, die es braucht, um den Leser von Seite zu Seite zu ziehen. Diese aufkeimenden Fragen, auf die man unbedingt eine Antwort will. Wo führt uns dieses Buch am Ende hin? Wer ist diese L.? Wie weit wird L. gehen? Wie weit wird diese verhängnisvolle Freundschaft im Ungleichgewicht am Ende gehen? Gibt/gab es L. wirklich? Oder ist sie am Ende gar nur eine Projektion des eigenen Alter Ego der Autorin auf eine Romanfigur? Stellt sie am Ende ihrem eigenen „Ich“ eine fiktionale Person gegenüber, die all das ausspricht, sie mit all dem konfrontiert, was sie selbst in ihrem tiefsten Inneren beschäftigt? Spricht L. am Ende nur das aus, was Delphine de Vigan sich selbst nicht zu fragen traut? Und wer hat dieses Buch geschrieben L. (die am Ende eines jeden Buches das Wörtchen „Ende“ mit einem Sternchen versieht) oder Delphine? Handelt es sich bei den Frauen gar nur um zwei Seiten ein und derselben Person?


Fragen über Fragen….


….die dieses spannende Stück Gegenwartsliteratur aufwirft, welches so gekonnt mit Dichtung und Wahrheit und der feinen Grenze dazwischen zu spielen versteht. Fragen die am Ende immer wieder in der einen einzigen, häufig gestellten und die Gesetze des Literaturbetriebs bestimmenden allgegenwärtigen Frage enden:


Wie wichtig ist der Wahrheitsgehalt eines Romans für den Leser wirklich?


Eine Frage, deren Antwort sich jeder nur für sich selbst geben kann. Ich persönlich verfüge natürlich, wie jeder Mensch, über eine ganz gehörige Portion Neugier und dennoch: Möchte ich wirklich am Ende alles über ein Buch, seinen Autor und die Hintergründe seiner Existenz bis ins kleinste Detail wissen? Birgt nicht jede Fiktion auch ein gewisses Maß an Realität? Speist sich nicht gerade die Fantasie eines Autors von seinen ganz persönlichen Erlebnissen und Erfahrungen? Und liest nicht jeder ein Buch anders, interpretiert es nach seiner höchsteigenen Lebens- und Leserealität? Liegt nicht gerade im Nichtwissen die Faszination, nicht nur dieses Buches im Besonderen, sondern jeglicher Literatur? Und zerstört nicht ein Zuviel an Wissen diesen ganz besonderen Zauber der einer jeden Geschichte innewohnt? Ich zumindest glaube fest an die Kraft der Fiktion.
Um es mit Goethes Theaterdichter aus „Faust“ zu sagen:


„Ich hatte nichts und doch genug: Den Drang nach Wahrheit und die Lust am Trug.“


Und so bleibt doch zum Schluss nur eine entscheidende Frage zu beantworten….


Würde ich dieses Buch weiterempfehlen?


Und da sage ich: UNBEDINGT! „Nach einer wahren Geschichte“ ist nicht nur ein gekonntes Verwirrspiel um Fiktion und Wahrheit, sondern allem voran, ein spannend zu lesendes, absolut klug konstruiertes, wundervolles Stück Literatur - irgendwo zwischen Roman, Krimi und Thriller - und schon jetzt eines meiner Lesehighlights 2016.
Und wer weiß, vielleicht ist ja gerade dieses Buch in seiner ganzen Unklarheit und Uneindeutigkeit besonders ehrlich…..;-)


                                          ENDE*

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81 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 16 Rezensionen

italien, familie, gastarbeiter, deutschland, liebe

Bella Germania

Daniel Speck
Flexibler Einband: 624 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 28.07.2016
ISBN 9783596295968
Genre: Romane

Rezension:

Dass der gebürtige Münchner Daniel Speck Drehbücher schreiben kann, das wissen wir spätestens seit er 2007 den Grimme-Preis für sein Drehbuch zu „Meine verrückte türkische Hochzeit“ erhielt. Dass er sich aber auch literarisch auf durchaus sicherem Terrain bewegt, beweist er uns nun mit seinem Debüt-Roman „Bella Germania“ auf eindrucksvolle Art und Weise.
Ursprünglich als ZDF-Dreiteiler kon

zipiert, erzählt uns Speck hier eine deutsch-italienische Einwanderungsgeschichte über 3 Generationen hinweg.


Alles nimmt seinen Anfang im Jahre 2014 in Mailand auf einer Modenschau. Urplötzlich sieht sich die junge aufstrebende Münchner Modedesignerin Julia einem fremden Mann gegenüber, der behauptet ihr Großvater zu sein. Und nicht nur das, er behauptet auch, ihr längst tot geglaubter Vater würde noch leben. Sie beginnt nachzuforschen und findet sich plötzlich in einem Strudel von Ereignissen wieder, die alle ihren Ausgangspunkt 1954 nahmen, als der junge Vincent aus München über den Brenner nach Mailand fuhr, um dort nicht nur die Isetta für BMW zu finden, sondern auch die Liebe seines Lebens. Eine schicksalhafte Begegnung.


„Wenn wir einer großen Liebe begegnen, dann werden wir für einen kurzen Moment lang der Gefangenschaft durch Raum und Zeit enthoben. Wir begegnen nicht nur einem Menschen, sondern etwas, das durch ihn hindurchscheint, einer Ahnung, dass uns wider Erwarten das Glück zuteilwerden könnte, die ungebrochene Fülle unserer Kindheit wiederzufinden, als die Welt ein ewiger Sommer war.“ (S. 49)


Doch keine Angst, dieses Buch handelt nicht nur von der großen „Amore“, denn es ist angesiedelt vor dem Hintergrund der deutsch-italienischen Geschichte der letzten Jahrzehnte. Einer bewegten Geschichte, die ihren Ausgangspunkt nach dem Krieg nahm, zu Zeiten des deutschen Wirtschaftswunders, „il miracolo economico“, als Deutschland händeringend nach billigen ausländischen Arbeitskräften suchte. Als „Gastarbeiter“ bezeichnet, doch nur selten als Gäste behandelt, strömten die Italiener zu Tausenden über die Grenze nach Deutschland.


„Jeder trug seinen Koffer in der Hand, seine Träume in Kopf, Angst im Herzen und eine Medaille in der Tasche.“ (S. 150)


Damals wie heute kamen Fremde zu uns und damals wie heute begegneten die Deutschen ihnen mit großer Skepsis. Einer Skepsis, die auf Unwissen gründet(e) und mit Vorurteilen ausgefüllt wurde/wird. Und so trifft dieses Buch absolut den Nerv der Zeit.


Gekonnt bedient Daniel Speck dabei mit Ironie Klischees, um dann im nächsten Moment wieder einen eher nachdenklich stimmenden, traurigen Ton anzuschlagen und es auch nicht zu versäumen uns gnadenlos hier und da den Spiegel der eigenen Geschichte vorzuhalten. Dass hierdurch entstehende Spannungsfeld der Emotionen, die wundervoll charakterisierten Personen und nicht zuletzt die bildliche Sprache, sind es, die die knapp 600 Seiten von „Bella Germania“ nur so dahinfliegen lassen.


Mit „Bella Germania“ hält man nicht nur eine packend geschriebenen deutsch-italienische Familiengeschichte in Händen, sondern ganz, ganz viel deutsche Geschichte.


„Ein Mensch ist so lange ein Fremder, bis du seine Geschichte gehört hast.“ (S. 453)

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15 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Am Fenster

Julian Barnes , Gertraude Krueger , Thomas Bodmer , Alexander Brock
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 07.01.2016
ISBN 9783462048643
Genre: Romane

Rezension:  
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153 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 105 Rezensionen

schweiz, freundschaft, homosexualität, liebe, juden

Und damit fing es an

Rose Tremain , Christel Dormagen
Fester Einband: 333 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 08.08.2016
ISBN 9783458176848
Genre: Romane

Rezension:

...,diesen Rat gab Rose Tremain einst einer Gruppe angehender Autoren. Eine mutige Vorgehensweise, doch für sie scheint dieser Rat aufzugehen.


Schickte sie ihre Leser mit „Zeit der Sinnlichkeit“, der unter dem Titel „Restoration“ mit Robert Downey Jr. Verfilmt wurde, und „Adieu, Sir Merivel“ an den Hof Charles II von England. Beschäftigte sie sich mit „Die Verwandlung der Mary Ward“ mit Transsexualität in den frühen 1950- er und 60-er. So versetzt sie ihre Leser mit ihrem neuesten Buch in die Schweiz vor dem Hintergrund der Geschehnisse des zweiten Weltkriegs.


Wir schreiben das Jahr 1947, als sich Gustav Perle und Anton Zwiebel das erste Mal begegnen. Gustav, ein Junge aus ärmlichen Verhältnissen, der Vater Tod, die Mutter Emilie verdient ihr kärgliches Brot in einer Käserei im Ort. Reichtum sieht anders aus. Anton hingegen entstammt aus gutem, kultiviertem Hause, der Vater Bankier, die Mutter Hausfrau. Durch ihn lernt Gustav erstmals die schönen Seiten des Lebens kennen. Klavierspielen, Schlittschuhlaufen, Reisen. Eine Begegnung aus der eine lebenslange Freundschaft erwachsen soll. Eine Freundschaft, an deren Ende die bittere Erkenntnis steht, dass manchmal das Gute so nahe liegt und das Glück nur einen Steinwurf weit entfernt ist. Ein Glück, das in dem einen Menschen begründet liegt, den man zum Leben braucht. Doch bis dahin liegt vor Gustav und Anton noch ein weiter Weg.


„Es gibt da diese Straße Gustav. Das weißt du doch. Und genau diese Straße müssen wir nehmen. Wir müssen die Menschen werden, die wir schon immer hätten sein sollen.“ (S. 327)


Eine Straße gegliedert in 3 Sätze, wie eine Sonate. Beginnend mit einer heiteren Grundstimmung und dem Kennenlernen der beiden, führt uns der zweite Satz tief hinein in die Vergangenheit der Eltern Gustavs um dann im dritten Satz nach kurzem Zwischenspiel in Largo (langsam) zu einem fulminanten „Allegro vivace“ zu führen. Und ebenso wie ein Komponist sein Publikum mit sicherer Hand, Note für Note, durch sein Musikstück führt, so führt uns Rose Tremain als versierte Erzählerin Seite für Seite durch diese Geschichte. Scheinbar leicht gleiten die Sätze dahin, doch die Themen sind schwer. Denn die ungleiche Freundschaft von Anton und Gustav bildet nur die Basis für diese zutiefst berührende Geschichte, in der es auch um unerfüllte Liebe, die Suche nach einem kleinen Stückchen Glückseligkeit in unruhigen Zeiten und um Menschen geht, die verzweifelt versuchen sich selbst treue zu bleiben, auch wenn es Zeiten gibt in denen dies sicherlich nicht ganz einfach ist. Denn über dem ganzen Buch schweben, wie Damoklesschwerter, stetig und andauernd der Schatten des zweiten Weltkrieges und die eine zentrale Frage:


Was macht es mit einer einzelnen Person, einem ganze Volk, ja, gar einem ganzen Land, wenn das Leid und die Not eines ganzen Kontinents an seine Türen und Tore klopft und über die Grenzen schwappt, während es nichts anderes versucht als verzweifelt seine selbstauferlegte Neutralität und seine Selbstbestimmtheit zu verteidigen.


Schwere Themen in leichte Worte verpackt, gelungene, nachdenklich stimmende Dialoge und absolut starke Charakterzeichnungen, dies sind eindeutig Tremains Stärken. Diese spielt sie hier auch wieder voll aus.


Mutet sie dem Leser mit dieser Geschichte zu viel auf einmal zu? Nein, ich denke nicht. Man muss sich einfach Zeit nehmen für diese wundervoll durchkomponierte Geschichte, deren Grundton zwar eine heller leichter zu sein scheint, doch in deren Hintergrund immer ein dunkler schwerer Ton mitschwingt.

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10 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

My Life on the Road

Gloria Steinem , Eva Bonné
Flexibler Einband
Erschienen bei btb, 11.07.2016
ISBN 9783442757039
Genre: Biografien

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143 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 98 Rezensionen

krimi, max broll, totengräber, bernhard aichner, österreich

Interview mit einem Mörder

Bernhard Aichner
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Haymon Verlag, 13.09.2016
ISBN 9783709971338
Genre: Krimi und Thriller

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60 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 43 Rezensionen

neuseeland, irland, neuseeland-saga, walfang, roman

Tausend Wellen fern 1

Rebecca Maly
E-Buch Text: 86 Seiten
Erschienen bei Edel Elements, 08.07.2016
ISBN 9783955308131
Genre: Historische Romane

Rezension:

Eine bewusst leichte Lektüre


Ich finde Literatur muss nicht immer nur hoch anspruchsvoll sein, sie darf auch gerne einmal durchaus leicht und beschwingt daherkommen. Einfach nur gut unterhalten! Und wenn man dabei noch etwas lernt, umso besser! Die Abwechslung ist ja gerade das Schöne an Büchern, die Vielzahl der Themen und die unterschiedlichen Herangehensweisen.


Um eine solch beschwingt leichte Lektüre handelt es sich bei der Neuseeland-Saga „Tausend Wellen fern“ von Rebecca Maly. Sie entführt uns in der in kurzen 4 Teilen angelegten Saga in das Land der Maori - Neuseeland.

Land der Träume, Land der Sehnsucht


Wir schreiben das Jahr 1872, als sich die junge Kaylee Heagan und ihre Mutter Erin plötzlich vor dem gesellschaftlichen Aus befinden. Kaylees Vater hat seine Familie für eine Jünger verlassen, zwingt die Mutter gar zur Annullierung der Ehe. Ein No-go in der damaligen erzkatholischen Gesellschaft von Dublin. Um dem Skandal und der damit verbundenen Schande zu entgehen beschließen die beiden nach Neuseeland auszuwandern. Neuseeland, das wie kein anderes Land für Neubeginn und Hoffnung steht. Ein noch junges Land voller Verheißungen. Doch der Weg dorthin ist lang und beschwerlich und nicht jedes Schiff erreicht den sicheren Hafen…


Klingt wie jeder andere historische Auswanderergeschichte auch? Ja, stimmt. Rebecca Maly bedient mit ihrem neuen Roman das Genre sehr gut. Der Schreibstil ist angenehm, die Autorin verzichtet bewusst auf ausschweifende Beschreibungen, man kommt sehr schnell in der Geschichte an und fühlt sich gut unterhalten. Interessant ist die Kulisse die Maly für ihre Geschichte wählt.


AOTEAROA – Neuseeland, das „Land der langen weißen Wolke“


Sattgrüne Wälder, mächtige Gletscher, zerklüftete Fjordlandschaften, erloschene Vulkane, sprühende Geysire, heiße Quellen. Vor solch atemberaubender Landschaft siedelt Maly ihre Geschichte an. Eine Landschaft, die nicht nur die Macher der „Herr der Ringe“-Filme beeindruckte, sondern auch das Herz der jungen Apothekertochter Kaylee höher schlagen lässt. Sind doch die saftig grünen Wälder Speisekammer und Apotheke zugleich.


Wo Menschen, Land und Geschichten eins werden


He aha te mea nui o te ao? He tangata! He tangata! He tangata!
Was ist das Wichtigste auf der Welt? Menschen! Menschen! Menschen! 
                                                                                                                  (Māori Sprichwort)

Und was wäre dieses Land ohne seine Ureinwohner, die Maoris. Und so gewährt uns die Autorin Einblicke (, die gerne auch noch etwas tiefer hätten gehen können) in die Mythologie und die einzigartige Kultur dieses Volkes, das von seinem unbändigen Reichtum an Geschichten und Legenden lebt. So begegnen wir an einer Stelle dem Meeresgott Tangaroa. Herr über Wind, Wasser und alles was im Meer lebt. So auch über die Wale, die in einer Geschichte über Neuseeland nicht fehlen dürfen. Ja, hier schreibt jemand, der sich mit diesem Land auskennt, als studierte Archäologin viel mit Neuseeland und seiner Kultur beschäftigt hat. Eine absolute Stärke des Buches.

Literarisches Fastfood?


Ja, aber eines das gut geschrieben ist, der Seele schmeichelt und ein wohlige warmes Bauchgefühl hinterlässt. Was am Ende bleibt, ist nicht die bewegende und abenteuerliche Lebens- und Liebesgeschichte der jungen Kaylee, sondern die süße Erinnerung an ein Land, das ich nur allzu gerne einmal selbst besuchen würde, seine Ureinwohner, ihre Sitten, Gebräuche und Rituale und natürlich ganz, ganz viel Fernweh. Ka kite ano! Auf Wiedersehen in Neuseeland.

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292 Bibliotheken, 10 Leser, 2 Gruppen, 111 Rezensionen

sekte, 1969, mord, kalifornien, roman

The Girls

Emma Cline , Nikolaus Stingl
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 25.07.2016
ISBN 9783446252684
Genre: Romane

Rezension:

Emma Cline erzählt uns in ihrem Erstlingswerk die Geschichte der Evie Boyd. Evie steht in der Mitte ihres Lebens, als wir ihr das erste Mal begegnen. Sie ist alleinstehend, abgebrannt, schlägt sich mit Gelegenheitsjobs durchs Leben und wohnt zurückgezogen in dem Haus eines Freundes. Als dessen Sohn Julian und seine Freundin Sasha in ihre Einsamkeit einbrechen fühlt sie sich erinnert an ihre eigene Jugend. An jenen Sommer vor so vielen Jahren der ihr Leben für immer verändern sollte.


Kalifornien 1969. Evie ist gerade einmal 14 Jahre alt. Ein Mädchen, an der Grenze zum Erwachsenwerden. Verunsichert, verschüchtert, auf der Suche nach Orientierung. Ihre Eltern sind frisch geschieden, mit ihrer einzigen Freundin hat sie Streit. Sie fühlt sich alleingelassen, unverstanden, ungesehen. Als sie an einem heißen Sommertag der unkonventionellen Suzanne und ihren Freundinnen begegnet ist sie augenblicklich fasziniert.


„Sie bewegten sich in einem unbehaglichen Grenzbereich zwischen Schönheit und Hässlichkeit, und ein Schauer gesteigerter Aufmerksamkeit folgte ihnen durch den Park. Mütter schauten sich nach ihren Kindern um, bewogen von einem Gefühl, das sie nicht benennen konnten. Frauen griffen nach der Hand ihres Freundes. Die Sonne stach durch die Bäume wie immer  - verschlafene Weiden, der über die Picknickdecken fahrende, heiße Wind -, aber die Vertrautheit des Tages wurde gestört von der Bahn, die die Mädchen durch die normale Welt zogen. Geschmeidig und gedankenlos wie durch das Wasser gleitende Haie.“ (S. 8)


Junge Frauen, scheinbar losgelöst von jeder Konvention. Mädchen, die absolut frei zu sein scheinen, tun und lassen was sie wollen und vor allem sie nehmen Evie wahr. Und so folgt sie ihnen auf eine verwahrloste Ranch, fernab jeder Normalität, hinein in eine ganz eigene Welt, die Welt des charismatischen Russell – eine Figur angelehnt an den berüchtigten Charles Manson. Sie erlebt einen Sommer wie im Rausch – Drogen, Sex, wilde Partys, erliegt der Illusion grenzenloser Liebe und Freiheit. Dabei verschließt sie ihre Augen vor jeder Realität, um am Ende in einem tödlichen Alptraum zu erwachen.
Mit „The Girls“ versetzt uns Emma Cline zurück in die Tage der Hippie-Kultur. Unverkennbar der Einfluss der Manson Geschichte auf das Geschehen.

Die Geschichte hinter dem Buch
Auch wenn die Autorin immer wieder betont, die Geschichte der Manson-Family sei nur der Ausgangspunkt ihrer Geschichte, so kann man sich dieser doch nicht ganz verschließen. Zu eng ist Evies Schicksal an die Geschehnisse im Spätsommer 1969 angelehnt, die schließlich zum Ende der Hippie-Ära führen sollten.
Damals schickte der ebenso charismatische wie auch geistig verwirrte Möchtegernpopstar und selbsterklärte Untergangsprophet Charles Manson eine Truppe bestehend aus 3 blutjungen Mädchen und einem Mann aus, um in seinem Auftrag 5 bestialische Morde zu begehen (einen Tag später sollten sie noch einmal 2 Menschen umbringen). Unter den Opfern auch die hochschwanger Sharon Tate, Schauspielerin und Ehefrau von Roman Polanski. Die Grausamkeit der Ausführung erschütterte damals die ganze Welt und versetzte Kalifornien Monatelang in Angst und Schrecken. Es sollte Jahr dauern, bis man die Mörder überführte. Bis heute gibt es keine abschließende Antwort auf die Frage nach dem „Warum“, richtet man den Blick voller Unglauben auf die Bilder dieser so unschuldig aussehenden Mädchen, die für Charles Manson zu Mörderinnen wurden und kann doch nicht verstehen…
Eine Geschichte, die in Amerika jedes Kind kennt, die so prägend für dieses Land war, wie der Mord an JFK.


Ob sich Emma Cline aber mit der Geschichte des Charles Manson im Hintergrund einen Gefallen getan hat ist die Frage. Eine solche Geschichte im Gepäck weckt immer Erwartungen, so auch bei mir und die widersprüchlichen Aussagen der Autorin selbst tragen ihr Übriges zu meiner Verwirrung bei. In einem Interview mit „Penguin-Books“ danach befragt, ob sie ein Buch über die wahren Verbrechen der Manson-Family schreiben wollte verneint sie dies, distanziert sich von den wahren Ereignissen, sagte sie wolle frei sein im Schreiben und hätte die damaligen Ereignisse nur als „Jumping-off-point“ – spricht Ausgangspunkt – gewählt. In einem weiteren Interview mit dem Online-Magazin „inter/VIEW“ wiederum bestreitet sie nicht einmal im Ansatz den Manson-Hintergrund ihrer Geschichte. Ja, darauf angesprochen, dass ihr Buch „nicht in erster Linie von Manson, sondern von den jungen Frauen, die seine Anhängerinnen wurden“ handelt, antwortet sie gar:


„Die Mädchen schienen mir immer komplexer. Es hat mich gestört, dass sie wie eine Art Fußnote zu Manson behandelt wurden, der die Morde ja nicht einmal selbst begangen hat. Er war ein Feigling, der selber nicht tat, wozu er andere drängte.“


Einerseits wollte sie keinen reinen Manson-Roman schreiben, die Geschichte nur als Ausgangspunkt nehmen, andererseits wollte sie die damaligen Geschehnisse aus Sicht der jungen Frauen, der eigentlichen Täterinnen, näher beleuchten. Ja was denn nun, Manson ja oder nein, Aufarbeitung oder nur Denkanstoß – ich bin ehrlich gesagt verwirrt.


…und so bleibe ich am Ende der Lektüre etwas zwiegespalten zurück!


Für eine Aufarbeitung greift das Buch zu kurz, lässt Cline die Figuren der eigentlichen Täterinnen, allen voran Suzanne, eindeutig angelehnt an Susan Atkins, und den auf der Figur des Charles Manson basierenden Russel, zu blass neben der rein fiktiven Evie erscheinen. Zu wenig geht sie auf deren Motivation ein, zu oberflächlich werden die eigentlichen Zustände in der Kommune beschrieben, zu wenig charismatisch erscheint ihr Russel, zu einseitig ihre Suzanne.
Für einen reinen Denkanstoß wiederum ist die Geschichte zu nahe an der realen Geschichte dran. So funktioniert die Geschichte weder mit Manson noch ohne. In der Schule hätte man vielleicht gesagt Thema verfehlt, so bleibe ich als Leserin nur seltsam zwiegespalten zurück. Gespalten deshalb, weil Emma Cline mit „The Girls“ einerseits einen absolut gelungenen Entwicklungsroman über eine Frau vorgelegt hat, die in ihrer jugendlichen Verwirrtheit mit gerade einmal 14 Jahren an eine kriminelle Sekte gerät und die sie später, um Jahre gereift, Teils mit aufrichtigem Bedauern, teils mit schmerzlichen Vermissen auf die Ereignisse zurückblicken lässt.

"Ich sagte ihm nicht, dass ich wünschte, ich hätte Suzanne nie
kennengelernt. Dass ich wünschte, ich wäre wohlbehalten in meinem
Zimmer in den trockenen Hügeln bei Petaluma geblieben,
wo sich die Goldfolienrücken meiner Lieblingskinderbücher auf
den Regalen drängten. Und das wünschte ich ja auch wirklich. Aber
manchmal konnte ich nachts nicht schlafen und schälte an der Spüle
langsam einen Apfel, ließ den Kringel unter dem Schimmer des
Messers länger werden. Das Haus um mich herum dunkel. Manchmal
fühlte es sich nicht wie Bedauern an. Sondern wie Vermissen." (S. 23)

Hervorragend beschreibt sie dabei in Rückblicken sowohl, die Denk- und Gefühlswelt der jungen Evie, die jugendliche Verwirrtheit, das Chaos im Kopf einer Halbwüchsigen, als auch in der Gegenwart die Gefühle der gereiften die Vergangenheit reflektierenden Evie. Einer Frau, in der Mitte ihres Lebens angekommen, tief gezeichnet durch die damaligen Ereignisse. Einer Frau, die nie mehr ganz ins alltägliche Leben zurückgefunden zu haben scheint. Das ist genial gemacht und macht für mich den eigentlichen Reiz der Geschichte, die eigentliche Stärke des gesamten Buches aus.


Wäre die Geschichte auch ohne Manson denkbar?
Ohne Manson hätte sicherlich in den USA kein Hahn nach diesem Buch gekräht, ohne Manson kein Hype und kein Millionendeal für die Autorin. Phasenweise stritten sich 12 namhafte Verlage um das Manuskript, bis Random House das Rennen machte, von einem 2-Millionen-Dollar- und 3-Bücher-Deal ist gar die Rede. Ohne Manson hätten wir mit „The Girls“ einfach nur einen hervorragend geschriebenen Coming-of-Age-Roman eines vielversprechenden jungen Talents vorliegen. Mir als Leser hätte dies genügt und mich als Rezensentin nicht in solch einen Zwiespalt gestürzt. Denn das Buch an sich, jenseits des medialen Aufruhrs ist gut, keine Frage und die Autorin vielversprechend.

Bleibt nur zu hoffen…
…., dass die Autorin dem ganzen medialen Druck gewachsen bleibt, denn wenn Emma Cline eines ist, dann talentiert, doch zu viel Erwartungsdruck hat schon ganz andere zu Fall gebracht und immerhin hat sie noch 2 Bücher zu schreiben. 2 Bücher für die sie bereits Geld erhalten hat, zwei Bücher, von denen bisher nicht einmal die Manuskripte bestehen, zwei Bücher an die hohe Erwartungen geknüpft sind. Einem solchen Druck kann nicht jeder standhalten und hat schon zu so mancher Schreibblockade geführt. Bleibt zu hoffen, dass hier keine junge Autorin den Wölfen zum Fraß vorgeworfen wird oder anders formuliert im Vorfeld bereits verheizt wird. Denn wenn Talent eines braucht, dann Raum um sich zu entfalten und Ruhe, um neue Ideen sprießen zu lassen. Von beidem scheint sie momentan leider zu wenig zu haben.

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104 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 53 Rezensionen

frankreich, liebe, sommer, strand, le touquet

Die vier Jahreszeiten des Sommers

Grégoire Delacourt , Claudia Steinitz
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Atlantik Verlag, 16.07.2016
ISBN 9783455600414
Genre: Romane

Rezension:

Zu Grégoire Delacourts Romanen greife ich ja hier und da mal recht gerne. Versprechen sie doch zuverlässig ein sinnliches, intensives und wundervoll poetisches Lesevergnügen. Auch wenn die jeweiligen Cover teilweise über den Inhalt etwas hinwegtäuschen. So auch in diesem Fall. Denn das Cover, obwohl unzweifelhaft sehr schön gestaltet und sehr passend zu Titel und Handlungsort, kann doch den unvorbelastet zu Delacourt greifenden Leser etwas in die Irre führen und ihn fälschlicherweise eine locker, leichte und spritzige Sommerlektüre erwarten lassen. Doch dies, locker und leicht, sind die Bücher, des 1960 in Valenciennes, im Norden Frankreichs, geborenen Autor, gerade nicht. Vielmehr stimmen seine Texte zutiefst nachdenklich und berühren den Leser in ihrer sprachlichen Schönheit, die sich zugegeben manchmal gefährlich dem Randes des Kitsches nähert, aber eben nur nähert.

Ja, die poetische Sprache des Autors, für die ihn seine Fans so lieben, ist schon manches Mal beinahe etwas zu dick aufgetragen, etwas zu pathetisch, etwas zu melancholisch und doch liebe ich Delacourts Romane, genieße die Bücher, jedes einzelne (zuletzt "Alle meine Wünsche"). Denn da sind diese Brüche, da geht aus Melancholie und Verträumtheit plötzlich eine überraschende Schamlosigkeit hervor, eine, insbesondere an diesen Stellen, unerwartete Direktheit. Da werden aus herzerwärmenden Liebesbekenntnissen, kein Blatt vor den Mund nehmende sexuelle Eingeständnisse. Ein emotionsgeladenes Spannungsfeld, das die Lektüre zu einem Lesegenuss macht, wenn auch zu keinem leichten, dazu sind die Themen viel zu ernst. So auch in seinem neuesten Buch, in dem es um Liebe und Einsamkeit geht. Um die Grundangst jedes Menschen, der Angst vor dem Alleinsein.

In seinem neuesten Buch „Die vier Jahreszeiten des Sommers“ entführt uns der Autor an die wunderschöne Atlantikküste. Genauer gesagt nach Le Touquet. Es ist Sommer. Wir schreiben den 14. Juli 1999. Es ist der französische Nationalfeiertag, noch dazu der letzte des ausgehenden Jahrhunderts. Doch während die Menschen ausgelassen feiern, treffen am Strand vor wunderschöner Kulisse 4 Paare aufeinander, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Da sind Louis und Victoria, die ihre erste junge und zarte Liebe durchleiden, die 35-jährige Isabell, die einer Jugendliebe nachtrauert und eine neue sucht, die 55-jährige Monique, Hausfrau und Mutter, die ihrem Leben und er Liebe zu neuem Schwung verhelfen will (natürlich bleiben die beiden Damen nicht lange alleine) und Rose und Pierre, die sich seit mehr als 50-zig Jahren jeden Tag aufs Neue begegnen und nun an diesen Strand kommen, um ein altes Versprechen einzulösen. Vier Paare, vier Schicksale, vier Geschichten. Erzählt in vier kunstvoll miteinander verwobenen Episoden. Vier unterschiedliche Begegnungen mit der Liebe, dies sich zwar kreuzen, aber niemals richtig berühren. Eine jede schöner und bewegender als die andere. Mal traurig melancholisch, mal verwirrend und überraschend.
Und wir, die Leser, dürfen ihnen dabei zusehen, als stiller Beobachter im Hintergrund. Wie ein Vogel aus großer Höhe…


„In jenem Sommer sang Francis Cabrel Hors Saison, und alle sangen Cabrel.“      BUCHZITAT


So der erste Satz des Buches und mit diesem gibt uns der Autor die Grundmelodie des Buches an die Hand, den Takt der Handlung vor. Dieses Lied soll uns auch bis zum Ende des Buches hin begleiten. Die Melodie eines ganzen Sommers, die sich wie ein roter Faden sanft durch das gesamte Buch zieht, wie eine laue Brise am Strand, erfrischend und abkühlend zugleich. Und wie der Refrain des Liedtextes, so wiederholen sich auch bestimmte Motive des Buches ganz gezielt wieder, lassen sich in den einzelnen Episoden wiederfinden und schaffen somit eine Verbindung zwischen den einzelnen Figuren, den einzelnen Handlungensträngen, runden den Roman ab.


Und wer nun meint, dieses Buch muss ja unglaublich dick sein, der irrt sich. Die gesamte Handlung spielt sich auf knapp 180 Seiten ab. Delacourts Bücher sind nie dick, aber gehaltvoll. Und so steht auch am Ende dieses kleinen Büchleins eine große Erkenntnis:


„Es ist immer die gleiche Geschichte, in Krieg- wie in Friedenszeiten, sommers wie winters, alles dreht sich um das übergroße Bedürfnis, nicht allein zu sein.“     BUCHZITAT


Hier noch eine kleine Anekdote zum Schluss: Delacourt hat eine spezielle Angewohnheit. Wie vielleicht so manch anderer Autor auch, sieht er seine Figuren vor sich, verleiht ihnen die Gesichter von real, existierenden Menschen, von Schauspielern genauer gesagt. Der Unterschied zu den anderen seiner Zunft: Er benennt sie auch im Buch beim Namen, zieht Vergleiche, ja, manches Mal geht er sogar soweit, sie in die Handlung miteinzubeziehen. Dies wurde ihm schon bei „Im ersten Augenblick“ zum Verhängnis. Damals verklagte ihn Scarlett Johansson (wen der Fall interessiert, hier ein Link). Und auch in „Die vier Jahreszeiten des Sommers“ zieht er wieder seine Vergleiche. Doch dieses Mal scheint er vorsichtiger geworden zu sein, so hat er nur Namen von längst verstorbenen Schauspielern ausgewählt, doch man weiß ja nie, auch Tote haben schließlich Verwandte….

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Tags: einsamkeit, frankreich, liebe, poesie, sommer   (5)
 

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57 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

dystopie, genetisch defekt, die bestimmung, mehrklassengesellschaft, reinheitskriege

Die Bestimmung - Letzte Entscheidung

Veronica Roth
E-Buch Text: 513 Seiten
Erschienen bei cbt, 24.03.2014
ISBN 9783641091378
Genre: Sonstiges

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68 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

freundschaft, gesellschaftskritisch, camp, lebenslauf, loyalität;

Die Interessanten

Meg Wolitzer ,
Flexibler Einband: 608 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 26.07.2016
ISBN 9783832163396
Genre: Romane

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