Lienzs Bibliothek

113 Bücher, 100 Rezensionen

Zu Lienzs Profil
Filtern nach
113 Ergebnisse
Wähle einen Buchstaben, um nur die Titel anzuzeigen, die mit diesem beginnen.



LOVELYBOOKS-Statistik

(19)

22 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 18 Rezensionen

graz, köln, krimi, willa stark, spannend

Anton zaubert wieder

Isabella Archan
Flexibler Einband: 300 Seiten
Erschienen bei CONTE-VERLAG, 30.09.2016
ISBN 9783956020933
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(20)

37 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 15 Rezensionen

frankfurt, thriller, krimi, asphaltseele, kosovo

Asphaltseele

Gregor Weber , Heiko Arntz
Flexibler Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Heyne, 12.09.2016
ISBN 9783453270206
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

»Mein Name ist Ruben Rubeck. Ich bin siebenundvierzig, sehe aus wie siebenundfünfzig und fühle mich manchmal wie siebenundachtzig. Geschieden, kinderlos und Kriminalkommissar, was in meinem Alter ein lächerlich niedriger Dienstgrad ist, aber das geht mir am Arsch vorbei. Ich komme zurecht. Das Frankfurter Bahnhofsviertel ist mein Revier. Viele denken, ich würde da wohnen, weil es bei mir für mehr nicht reicht, weil ich mich im Dreck wohlfühle und mit meinem Gesicht sowieso nirgends sonst in Frankfurt eine Wohnung bekäme, aber das stimmt nicht. Ich hab’s einfach gerne nah zur Arbeit.«
(Verlag)

Der Autor (und SB-Tatortdarsteller) Gregor Weber ist kein Unbekannter (obwohl ich ihn zuvor nicht kannte):
Geboren 1968 in Saarbrücken, floh Gregor Weber nach dem Abitur zur Marine. Danach Studium an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Frankfurt. Es folgten zwanzig Jahre als Schauspieler, unter anderem im saarländischen »Tatort«. Zudem war Weber Feldwebel der Reserve in Afghanistan und absolvierte eine Ausbildung zum Koch. Über den zweiten Beruf fand er im dritten seine Berufung: Sein Sachbuch »Kochen ist Krieg!« gab den Anstoß zu einer neuen Laufbahn als Autor. (Verlag)

„Sie müssen diesen Bullen nicht mögen – aber Ruben Rubeck ist einer von den Guten!“
Sagt der Buchrücken. Nein, man muss ihn nicht mögen. Man tut es aber. Ruben Rubeck – Zitat „Mein Vater war’n bisschen komisch“ – säuft wirklich viel, reihert sich danach die Seele ausm Leib und raucht filterlos die Stärksten, die es legal noch gibt. Und schön ist er auch nicht. Wenn sein Hormonlevel nach Normalisierung schreit, geht er zu einer Nutte. Aber immer zur gleichen, die er richtig gernhat (sie ihn auch) und mit der sein Verhältnis aus ihm selbst unerfindlichen Grund bei Freier-Hure geblieben ist. Ruben Rubeck lässt fünfe gerade sein und ist über die Schmerzgrenze raus ehrlich, vor allem zu sich selbst. Er ist geraderaus und unverblümt. Wobei – er ist gar nicht der Quasseltyp. Nur so im Kopf, quasi mit sich selbst. Und man spürt einfach sein Herz aus Gold. Außerdem hat Ruben Rubeck Humor, einen sauguten Humor!
Mit Ruben Rubeck ist Gregor Weber eine wunderbare Figur gelungen, der er als Tüpferl aufm i auch noch eine wunderbar eigene Erzählstimme gibt. Ruben spricht den Leser nicht direkt an, lässt ihn aber Mäuschen bei seinen Selbstgesprächen spielen. Allein das gelingt Gregor Weber ganz fantastisch.
Der Thriller ist auf zwei Ebenen und an zwei Orten aufgebaut, die letztlich in zweierlei Hinsicht miteinander in Verbindung stehen: 1999 vor und während des KFOR-Einsatzes im Kosovo und aktuell in Frankfurt am Main, wo Rubeck irgendwie saublöd in diese fiese Geschichte reinrutscht. Alles beginnt im wahrsten Sinne des Wortes mit einem Doppelknall und zwei Murmeln, mäandert dann ein wenig – aber immer interessant – wie ein Fluss Richtung Wasserfall, um immer schneller und actionreicher zu werden. Ruben Rubeck erzählt die Gegenwart in der Ich-Form und in wechselnden, fein aufeinander abgestimmten Zeitebenen. Die Handlung in der Vergangenheit wird mit Außensicht erzählt, auch hier wieder präzise – wie beim Kochen – aufeinander abgestimmt. Saubere Dramaturgie!
Auch sprachlich hat es mir der Thriller sehr angetan. Richtig gut gefallen hat mir die lautmalerische Umgangssprache gepaart mit Ruben Rubecks Art zu reden. Ich wage zu sagen, dass Gregor Weber seinem Ruben Rubeck eine wahrlich einprägsame Erzählstimme gegeben hat. Top!
Zwar weiß ich nicht, ob von Ruben Rubeck mehr kommen wird, ich würde es allerdings sehr begrüßen. Ganz persönlich: Ich hatte Heyne Hardcore nach drei mauen Versuchen schon abgeschrieben. Bis ich Ruben Rubeck getroffen habe.
Unbedingte Leseempfehlung für alle, die’s handfest wollen statt einem Blümchen-Thriller.
Top-Thriller! Kantig-einmalig!

Lieblingsstellen:
S. 18: Ich bin kein besonders guter Bulle. Bin nicht übermäßig fit. Aber ich kann echt gut schießen.
S. 215: Sie umarmte mich. Lange. Und dann bekam ich einen Kuss. Einen sehr besonderen Kuss. So einen hatte ich zuletzt von meiner Frau bekommen. Als sie meine Ex-Frau wurde.
S. 217/218: … Schon gut. Würdest du für mich auch machen. Oder? – Für dich? Nein. Wieso? – Kurz danach kam eine SMS. Würdste doch, Alter. Wenn ich der Typ wäre, der heult, dann wäre es jetzt zu weit.

  (34)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(14)

23 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

berlin, flüchtlingsschlepper, erpressung, flüchtlinge, waffenhandel

Berlin Gangstas

Stefan Schweizer.
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Schwarzkopf & Schwarzkopf, 01.08.2016
ISBN 9783862655915
Genre: Romane

Rezension:

Kolja und Kemal sind original Berliner Gangstas und schleusen Flüchtlinge nach Deutschland, um Menschen zu retten. Ihr Traum vom geläuterten Gutmenschentum zerbricht, als sie von Hardcoregangstern und korrupten Staatsdienern brutal in die Zange genommen werden, da diesen der Profit nicht hoch genug ist. (Verlag)

Persönlicher Eindruck:
Schleuser, das sind Kemal und Kolja. Aber zwei ganz besondere. Sie wollen nämlich zwei Dinge verbinden, die miteinander unvereinbar sind: Gemeinnutz und Gewinnmaximierung. G&G sozusagen. Damit ist der Ärger vorprogrammiert – perfekter Aufhänger für einen Roman! Überhaupt ist das G wichtig in Berlin Gangstas. Ganz besonders dann, als es um den korrupten Polizisten und seinen kokain-stimulierten G-Punkt geht.
Stefan Schweizer zerrt die dunkle Seite der Gesellschaft ins helle Licht, ungeschönt, brutal und überschreitet bewusst jede Ekelgrenze. Das sitzt und schreckt auf!
Bei mir kommt der Roman als bitterböse Satire an, bei der es mir immer wieder graust. Erzählt wird die Geschichte scheibchenweise mit teilweise langen Flashbacks. Den Gangsta-Sprech kann ich nicht beurteilen, da ich auf dem Gebiet gar und gar nicht zuhause bin.
Die Eigenwilligkeit der gewählten Sprache an sich ist eine gute Idee. Thea Dorn hat es vorgemacht. Das Überschreiten der Ekelgrenze haben E. Jelinek und nach ihr „Feuchtgebiete“ bereits erfolgreich zelebriert.
Die krass dargestellte, auch sexuelle, Gewalt – wie verlagsseitig schon gesagt – tritt in Tarantinos Fußstapfen. Warnhinsweis: Nicht so arg wie das Blog del Narco, aber dennoch nix für weiche Seelen.
Die eigenwillige Chronologie hat was und hebt das Buch von anderen ab. Sie polarisiert.
Eines allerdings hat mein Lesevergnügen gestört: das unterirdische Lektorat, das weder Grammatikfehler, Tippfehler, verkehrte Kommas noch Ausrutscher in der Lexik zu erkennen vermochte.
Ich möchte das Buch gern mit einer Katze vergleichen: Man hasst es oder man liebt es. Ich mag Katzen sehr.
Daher rate ich allen, deren Interesse jetzt geweckt ist: Unbedingt lesen und eigenen Meinung bilden!

  (34)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(18)

23 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 17 Rezensionen

mord, ostsee, vergewaltigung, gier, feigheit

Küstenbrut

Anja Behn
Flexibler Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Emons Verlag, 18.08.2016
ISBN 9783954519576
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

An der Ostseeküste wird eine Galeristin ermordet aufgefunden. In ihrem Kalender taucht die Visitenkarte von Kunsthistoriker Richard Gruben auf. Obwohl die Nachricht darauf sehr persönlich ist, kann Gruben sich nicht an die Tote erinnern. Als Polizist Mulsow ihn bittet, sich in der Galerie des Mordopfers umzusehen, folgt er der Einladung – und gerät in einen vernichtenden Sog aus Gier, Schuld und Sühne … (Verlag)

Mit Richard Gruben hat Anja Behn eine sympathische Ermittlerfigur geschaffen. Attraktiv, dem schönen Geschlecht zugetan und gegen die eigenen kleinen und größeren Schwächen kämpfend, rutscht er nun bereits ein zweites Mal in einen Mordfall. Der uniformierte Polizist Mulsow unterstützt die Kripo in dem Fall und trägt Gruben allerhand Informationen zu, die dieser gar nicht haben sollte. Gruben wiederum gebraucht seinen messerscharfen Verstand und deckt nach und nach Geheimnisse und eine sehr, sehr böse Intrige auf. Trotz allen Einsatzes jedoch schlägt der Mörder wieder zu.
Der zweite Band um den ungewollten Ermittler Richard Gruben verbindet erneut ein Gemälde eines sehr bekannten und hochpreisigen fiktiven Malers mit einem gewaltsamen Tod eines scheinbar Unbeteiligten. Zudem versteht es Anja Behn, die besondere Stimmung an der Ostsee (die ich in echt schon genossen habe) in dem Roman einzufangen.
So ist ein runder Krimi entstanden, der um einiges dunkler als der erste Fall daherkommt. Auch sind einige sehr harsche Szenen dabei, die dem Krimi gut tun und ihn eindringlich auf den Leser wirken lassen. Eindeutig sind die Perspektiven, aus denen der Leser jeweils mit der Handlung mitgeht. Die Personen, insbesondere die pubertierende Lena, sind so überzeugend gezeichnet, dass ich das Mädchen an mancher Stelle schütteln möchte! Wer aufmerksam der Handlung folgt, wird Verdachtsmomente hegen und dann die tiefe Zufriedenheit erfahren, wenn er merkt, dass sein Gespür ihn nicht getrogen hat. Anja Behn streut kleine Hinweise ein und lässt den Logikstrang nicht reißen. Das ist sehr befriedigend für jeden Krimileser und besonders für den, der gerne miträtselt.
Gerade noch ein Cozy, der aber gewaltig Zähne zeigt.
Dieser zweite Band – der erste heißt „Stumme Wasser“ – lässt sich eigenständig und ohne Vorkenntnisse lesen. Nur, man natürlich mehr Spaß, wenn man Richard Gruben schon im ersten Band kennen gelernt hat.
Auf jeden Fall bleibe ich bei Richard Gruben und freue mich auf seinen dritten Fall.

  (32)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(20)

38 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 17 Rezensionen

krimi, thriller, düsseldorf, würgemale, unfall

Wer nicht das Dunkel kennt

Sabine Klewe
Flexibler Einband: 350 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 15.08.2016
ISBN 9783442482399
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Kriminalhauptkommissarin Lydia Louis steht unter Schock: Das Unfallopfer, das sie befragen soll, ist der Rechtsanwalt Gregor Kepler – ein Mann, den sie aus der Vergangenheit kennt und dessen Gesicht sie in ihren schlimmsten Albträumen heimsucht ... Unauffällig gibt Lydia den Fall an einen jungen Kollegen ab. Kurz darauf werden sie und ihr Partner Chris Salomon an einen Tatort gerufen: In einem Teich wurde die entstellte Leiche einer Frau gefunden. Ihre Handtasche samt Handy liegt am Ufer. Ihr Name: Silvia Kastinzky. Ihr letzter Anrufer: Gregor Kepler. Diesmal muss Lydia den Fall übernehmen – und riskiert damit nicht nur ihren Job, sondern auch ihr Leben ...(Verlag)

Sabine Klewe, Jahrgang 1966, arbeitet als Schriftstellerin, Übersetzerin und Dozentin in Düsseldorf und hat zahlreiche erfolgreiche Kriminalromane veröffentlicht. Ihre spannungsgeladenen Geschichten um das Düsseldorfer Ermittlerduo Lydia Louis und Christopher Salomon begeistern Leser wie Kritiker gleichermaßen.

Lydia und Chris, sie sind Ermittlungspartner beim Düsseldorfer K11, verbindet ein fragiles Gleichgewicht von Vertrauen und ehrlicher Zuneigung, das aber sehr leicht kippen kann. Denn Lydia ist unberechenbar und Chris plagt ein Schuldkomplex. Der neue Fall, offenbar ein Serienmörder, verlangt ihnen alles ab, und von Lydia noch ein bisschen mehr. Denn er bringt den Dämon aus ihrer Vergangenheit ans Licht.
Zwei große Stärken der Autorin machen diesen Thriller – der dritte einer Reihe – aus: Sie spielt hochdosiert mit Emotionen, aber niemals zu viel. Und sie streut gezielte Hinweise, die einen herrlichen Lesesog erzeugen.
Ebenso hat mir sehr gefallen, wie im Polizeiteam untereinander intrigiert und manipuliert wird. Nichts ist so weit hergeholt, dass es nicht der Realität entspräche. Wenn einem jemand übel will und ein Gerücht in die Welt setzt, ist es ganz erschreckend, wie sich eben dieses verselbstständigt und die gröbsten Blüten treibt, bis es an den Ohren der Vorgesetzten ankommt. Sabine Klewe gönnt ihren Charakteren keine Pause, sie gibt ihnen kaum Gnade. Und das macht den Krimi so schwarz und gut.
Vielleicht sind die Verwicklungen an mancher Stelle gar ein wenig dicht gestrickt. Doch das macht nichts. Denn alle Charaktere piksen den Leser genau an den Eigenschaften und Schwächen, die er bei sich selbst gern wegradieren würde. Psychologisch ist das äußerst gekonnt und wirkungsvoll.
Das Zitat nach dem Klappentext ist keine Übertreibung: „Sabine Klewe versteht ihr Handwerk.“
Das düstere Cover und der Klappentext üben – wenigstens für mich – eine so starke Anziehungskraft aus, dass ich, nun ja, den Thriller lesen musste. Und ihn höchstzufrieden zugeklappt habe. Denn ich habe ja noch die ersten beiden Bände der Reihe vor mir, bis der vierte erscheint.
5 Sterne und unbedingte Leseempfehlung!

  (20)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(9)

19 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

wikinger, pikten, schottland, kämpfe, prophezeiung

Das Blut der Pikten

Bastian Zach , Matthias Bauer
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Heyne, 08.08.2016
ISBN 9783453419391
Genre: Historische Romane

Rezension:

Grönland, 937 A. D.: Das Volk der Pikten ist nahezu ausgelöscht worden. Die wenigen Überlebenden hat es nach Grönland verschlagen, wo sie unter härtesten Naturbedingungen ihr Dasein fristen. Als die Gemeinschaft eines Tages von Nordmännern angegriffen wird, begibt sich eine Schar kampferprobter Pikten unter dem Krieger Kineth auf die große Queste ins Reich ihrer Vorfahren, um eine alte Prophezeiung zu erfüllen. Auf ihrer gefahrvollen Reise geraten die Unerschrockenen zwischen britannische Heeresführer und marodierende Wikinger … (Verlag)

Das Autorenduo:
Bastian Zach wurde 1973 in Leoben geboren. Er arbeitete für verschiedene Werbe- & Multimedia-Agenturen und ist seit 1999 in Wien selbstständig. Matthias Bauer wurde 1973 in Lienz geboren, arbeitete nach dem Studium der Geschichte im Verlagsbereich und ist in der Tiroler Erwachsenenbildung tätig. Zusammen schreiben sie als Zach/Bauer Romane (unter anderem die Bestsellertrilogie "Morbus Dei") und Drehbücher, zuletzt zum Wikinger-Hit "Northmen – A Viking Saga". (Verlag)

Leseeindruck:
Geschichte interessiert mich, daher lese ich gern mal zwischendurch einen historischen Roman. Je ferner die Zeit – Das Blut der Pikten spielt vor mehr als 1000 Jahren – desto mehr Möglichkeit der künstlerischen Freiheit für den bzw. die Autoren. Und desto mehr eigene Fantasie beim Leser. Deswegen habe ich zugegriffen.
Und ich wurde belohnt. Schnell tauche ich ein in diese dunkle Zeit, finde mich in Grönland und bin Teil des kargen Lebens dort, ehe ich mit der ausgewählten Schar die gefährliche Reise antrete und zurück in Europa in dessen Norden die blutige Auseinandersetzungen und eine gefährliche Suche miterlebe.
Die einzelnen Charaktere sind genau gezeichnet, sodass sie sich trotz ihrer Vielzahl schnell einprägen und der Leser jeden einzeln zu kennen glaubt.
Die Suche nach dem Grab des letzten Königs ist der zentrale Aufhänger dieses Romans. Um diesen Dreh- und Angelpunkt herum erlebt der Leser das Geschehen aus der Perspektive der Pikten in Grönland, der jungen Frauen und Männer, die sich von dort nach Schottland aufmachen, und auch aus der Sicht der in Schottland Ansässigen. Dieser Perspektivenwechsel erzeugt eine besondere Lesespannung und macht das Buch trotz seiner Länge von über 550 Seiten sehr kurzweilig.
Zwei Dinge haben mir tatsächlich nicht so sehr gut gefallen: Zum einen geht die schriftstellerische Freiheit für meinen Geschmack ein bisschen zu weit und erinnert an einen Fantasy-Roman. Zum anderen ist die Sprache recht einfach und in der Lexik manchmal unbeholfen (Beispiel: S. 359 [Sie …] tasteten sich den schmalen, unmerklichen Pfad entlang …).
Dessen ungeachtet hat mir der Roman gut unterhalten. Ich empfehle ihn jedem Leser, der eintauchen möchte in eine längst vergangene Welt, in der das Recht des Stärkeren herrschte und die Natur völlig wild und ungezähmt war.

  (19)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(15)

27 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

rotlichtmilieu, wien, humor

Brennerova

Wolf Haas
Flexibler Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Heyne, 08.02.2016
ISBN 9783453438392
Genre: Romane

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(8)

13 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

mord, in frankreich, paris, 2016, serientäter

Ungesühnt

Dominique Sylvain , Monika Buchgeister
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.04.2016
ISBN 9783492307864
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Rezept (Thriller)
Zutaten:
1 psychisch gestörte/r Täter/in
1-3, je nach Geschmack auch viele, Protagonisten & Perspektiven
ca. 2 Pseudotäter (= rote Heringe - Vorsicht: sehr stark im Geschmack!)
1-3, jedenfalls der Anzahl der Protagonisten entsprechene Handlungsstränge
1 Esslöffel Bibelzitate
Zubereitung:
Thermo .... Multifunktionsküchenmaschine
Serviervorschlag:
Nach dem Mixen Bestandteile nach Farben trennen und verwirbelt anrichten.

Fazit: Unübersichtliches Werk mit einer Vielzahl von Personen und Handlungsenden. Düster.
Lichtblick: Noir mit echt bösem Ende.
Überraschung: Autorin hat Preise erhalten.
Lob an die Übersetzerin, der das Werk sicher auch so viel Spaß wie ein langer SPA (sales purchase agreement) gemacht haben wird.
Ganz persönlich: War eine Erfahrung, die einmal reicht.
Dennoch 2 Sterne, denn die Autorin hat alles eingebaut, was ein Thriller verlangt.

  (53)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(12)

14 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 12 Rezensionen

insel, liebe, jule vesterlund, ostsee, liebesgeschichte

Wolkenblau - Eine Liebe auf Hiddensee: Roman

Jule Vesterlund
E-Buch Text: 154 Seiten
Erschienen bei Feelings, 20.07.2016
ISBN 9783426442258
Genre: Sonstiges

Rezension:

Liebesromane gibt es in so vielen Schattierungen, dass ich immer wieder gern zugreife. „Wolkenblau“ hält, was der Name verspricht: Fluffig-leicht wie die Himmelsgebilde im endlosen Blau, die aber durchaus dunkel werden und Ungemach bringen können. Paula, liiert mit einem verheirateten Mann, zieht es den Boden unter den Füßen weg. Auf Hiddensee, gerade als die Saison eröffnet, sucht sie Einkehr und findet einen nahezu in sich geschlossenen Kosmos, der sie zu Entscheidungen zwingt.
Liebe ist ein mächtiges Gefühl, das Glück ebenso wie inneren Tumult zu schaffen vermag. Und zwar auch beim Leser, wenn vom Autor entsprechend zubereitet.
Das ist Anja Behn, die hier unter dem Pseudonym Jule Vesterlund schreibt, wunderschön gelungen. An vier Höhenpunkten entlang führt sie – diesbezüglich Nicholas Sparks nicht unähnlich – durch die Handlung. Romantische Gefühle peppt sie auf mit mehr als einer Prise Humor und ganz viel Chili, sprich Spannung. Mir gefällt, wie sich Letztere aus den Figuren und deren Verhalten heraus entwickelt. Mehr als einmal habe ich beim Lesen genickt oder ist mir ein ungewolltes „Oh nein!“ entschlüpft.
Als ich den Roman gekauft habe, war mein Wunsch, darin einzutauchen, die Stimmung an der Ostsee wiederzubeleben – nachdem ich dort einmal im Urlaub war – und dem Alltagstrott auf leichten Füßen ein wenig zu entwischen. All diese Wünsche hat mir „Wolkenblau“ erfüllt. Romane wie dieser zuckern das Leben ganz ohne negative Folgen für Taille und Kleidergrößen.

  (54)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(52)

75 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 44 Rezensionen

krimi, oslo, widerstandskämpfer, norwegen, 2. weltkrieg

Der letzte Pilger

Gard Sveen , Günther Frauenlob
Flexibler Einband: 544 Seiten
Erschienen bei List Verlag, 26.02.2016
ISBN 9783471351161
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Norwegischer Noir mit einem besonderen Ermittler, der die Fußstapfen des legendären Harry Hole auszufüllen vermag; von Günther Frauenlob großartig übersetzt

Es ist Frühling in Oslo, als ein grausames Verbrechen geschieht: Der ehemalige Widerstandskämpfer Carl Oscar Krogh wird brutal ermordet. Er war eine Institution in Norwegen und stand während des Krieges immer auf der richtigen Seite. Wer bringt einen Mann um, den alle bewundern? Kurz zuvor findet man in der Nordmarka drei Leichen. Unter ihnen ein kleines Mädchen. Kommissar Tommy Bergmann ist scharfsinnig, klug und eingefleischter Selbsthasser voller innerer Abgründe. Er sieht einen Zusammenhang: Alle Toten haben eine Verbindung zu Agnes Gerner, einer Agentin des norwegischen Widerstandes gegen die deutsche Besatzung. Schon bald begreift Bergmann, wie nah Liebe und Hass beieinander liegen. (Verlag)

Gard Sveen, geboren 1969, ist Staatswissenschaftler und arbeitet als Seniorberater im norwegischen Verteidigungsministerium. DER LETZTE PILGER ist sein Debüt in der Serie um Tommy Bergmann und wurde mit dem Rivertonpreis 2013 und dem Glass Key Award 2014 ausgezeichnet, dem wichtigsten skandinavischen Krimipreis. Gard Sveen lebt in Ytre Enebakk, einem kleinen Ort in der Nähe von Oslo. (Verlag)

Der Krimi hat mich rundum überzeugt: Auf zwei Zeitebenen aufgebaut, fesseln die beiden Handlungsstränge durch die jeweiligen Protagonisten und deren Beweggründe. Ein Handlungsstrang spielt 1945 bzw. 1942 und erzählt gekonnt mit mehrfach durchbrochener Chronologie. Der zweite Handlungsstrang spielt 2003. Die Handlung im und am Ende des Zweiten Weltkriegs vermittelt ein mir authentisch erscheinendes Bild, was damals in Norwegen unter deutscher Besatzung passiert sein könnte. Der Leser schlüpft in Agnes Gerners Haut und sieht das Grauen durch ihre Augen. Demgegenüber hat der moderne Handlungsstrang im Jahr 2003 mit Tommy Bergmann einen Protagonisten, der ein würdiger Nachfolger des von mir sehr geliebten Harry Hole werden kann.
Die beiden Protagonisten sind deswegen ganz besonders, weil ihr Innenleben so echt erscheint, weil der Leser sich mit beiden völlig identifizieren kann.
Zwar ist die Handlung sehr komplex, und das eine oder andere wird dem Leser serviert, weil er es sich andernfalls nicht erschließen könnte. Doch erscheint alles ausnahmslos logisch. Die starken Charaktere wiegen die Komplexität der Handlung auf, sodass der Fokus beim Lesen auf Agnes und Tommy liegt, anstatt rein auf den Sachverhalt beschränkt zu sein. Alles, was erzählt wird, könnte so gewesen sein. Auch das ist ein großer Pluspunkt. Gleichzeitig ist die äußerst komplexe Handlung ein kleines Minus, weil man schon mal für die Zusammenhänge zurückblättern muss. Aber dies beeinträchtigt das Lesevergnügen, den Spannungssog überhaupt nicht.
Perfekt durchdacht ist auch, wie die beiden Handlungsstränge nach einem Zeitbogen von 60 Jahren zueinander finden. Zudem scheint mir, dass Gard Sveen profundes Geschichtswissen besitzt und außerdem die Gabe, dies erzählerisch unwiderstehlich zu präsentieren.
Die deutsche Übersetzung des Krimis mit dem Originaltitel Den siste pilegrimen verdankt ihre hervorragende Qualität dem Übersetzer Günther Frauenlob. Da ich selber vom Fach bin, kann ich nicht umhin, diese großartige Leistung des Kollegen wieder und wieder zu betonen und zu bewundern. Niemals schimmert durch, dass die deutsche Fassung eine Übersetzung ist. Übersetzer mit seinem Können sind sehr, sehr, sehr rar und machen den norwegischen Krimi zu einem hervorragenden deutschen Buch.
DER LETZTE PILGER ist der Anfang einer Reihe, die ich ganz sicher weiter lesen werde.

  (51)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(16)

22 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 16 Rezensionen

liebe, afrika, malawi, sehnsucht, trauer

Bevor der Regen kam: Eine Liebe in Malawi

Stefanie Schankat
E-Buch Text: 197 Seiten
Erschienen bei Forever, 15.04.2016
ISBN 9783958180871
Genre: Sonstiges

Rezension:

Eine junge Deutsche in Malawi, irgendwann in den 1980er Jahren. Ein junger Amerikaner, der ziellos durchs Leben zu mäandern scheint. Eine Begegnung, die die Welt für immer anders in die Angeln setzt.

Stefanie Schankat erzählt die Geschichte einer Liebe, deren Essenz alles erhellend für immer strahlt.
Die junge Julia ist an die deutsche Botschaft nach Malawi gekommen. Schon nach kurzer Zeit hat sie sich in ihr neues Leben eingelebt, saugt alle Eindrücke wissbegierig in sich auf. Als sie auf Richard trifft, ist es um sie geschehen. Der gut aussehende und charmante Amerikaner ist zu Besuch bei der Leiterin der Botschaft. Sofort spüren beide das Knistern, die intensive Anziehung zueinander, die sie verbindet. Bei einem Ausflug an den See verbringen sie eine leidenschaftliche Nacht miteinander, auf die noch weitere folgen. Doch beide wissen, dass ihre gemeinsame Zeit begrenzt ist. Richard muss nach Europa, wo er in der Normandie lebt. Und Julia kann ihn nicht vergessen. Monate später: Julia verbringt ein paar Tage in Paris. Plötzlich sieht sie Richard an einer Straßenkreuzung stehen. Das muss Schicksal sein. Wird ihre Liebe eine Chance haben? Stefanie Schankat erzählt in einfühlsamer, klarer Prosa die Geschichte einer wahren Liebe. (Verlag)

Es ist die Sprache dieses biografischen Romans, die mir besonders gefallen hat. Aus der Ich-Perspektive entwickelt Stefanie Schankat eine unverkennbare, eindringliche und fesselnde Erzählstimme. Sie nimmt die Leserin mit auf den geheimnisvollen schwarzen Kontinent, der die Wiege der Menschheit ist. Afrika entfaltet schon allein deswegen seinen besonderen Zauber.
Der Roman berührt mit der Geschichte der Protagonistin, weil sie den Kern jeder Existenz offenlegt: Bist du jung, lebst du dein Leben sprühend wie ein frischer Gebirgsbach mit unerwarteten Wasserfällen. Je mehr Zeit vergeht, desto breiter wächst er und wird ruhiger, bis daraus – wenigstens oberflächlich – ein ruhiger Fluss entstanden ist. Unter der Oberfläche jedoch bleibt eines für immer: der sprühende Übermut der Jugend.
Leserinnen, die Geschmack finden an starken Liebesszenen, wird der Roman ebenso gefallen wie denen, die eine philosophisch-tiefgehende Erzählweise lieben. Lediglich wer einen mit Action und Herz-Schmerz beladenen Liebeskracher erwartet, wird sich nicht begeistern können.
Ein kleiner Kritikpunkt ist der, dass offenbar das Lektorat sehr stark in gewisse Teile des Romans eingegriffen und damit die Erzählstimme verwischt hat.
4,5 Sterne

  (23)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(3)

10 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

Vermisst

Michael Katz Krefeld , Knut Krüger
Flexibler Einband: 410 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 18.07.2016
ISBN 9783442482207
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Vermisst ist der zweite Fall für den suspendierten Kopenhagener Polizisten Thomas Ravensholdt, bekannt als „Ravn“. Seit er seine Freundin erschlagen aufgefunden hat, ist sein Leben aus dem Tritt, Freund Alkohol hält ihn stattdessen in der Hand. Er lebt auf einem Hausboot, seine Freunde sind ein Südamerikaner namens Eduardo und eine dicke Bulldogge namens Møffe, deren stieren Blick sich Ravn abgekupfert hat. Diese Details machen den etwas kauzigen Ravn ziemlich sympathisch und würzen mit einer Prise Humor.
Verlag: Nachdem der dänische Finanzmanager Mogens Slotsholm Gelder veruntreut hat, flüchtet er von Kopenhagen nach Berlin. Doch dort verliert sich seine Spur: Niemand weiß mehr, wo Mogens steckt. Seine Schwester kontaktiert in ihrer Verzweiflung den Ermittler Ravn, der noch immer unter dem tragischen Tod seiner Freundin leidet. Um sich abzulenken, stürzt er sich in die Suche nach Mogens. Dabei erfährt er, dass kürzlich weitere Männer in Berlin verschwunden sind – sie fielen einem Serienmörder zum Opfer, der offenbar von einer düsteren Faszination für Wasser getrieben wird. Droht Mogens das gleiche schreckliche Schicksal? Um das herauszufinden, muss Ravn tief in der Vergangenheit Berlins graben ...

Autor:
Michael Katz Krefeld, 1966 geboren, lebt und arbeitet in Kopenhagen. Er hat bereits mehrere Drehbücher für namhafte dänische TV-Serien und erfolgreiche Spannungsromane geschrieben. 2012 wurde er als bester dänischer Thrillerautor ausgezeichnet. Seine neue Serie um den Ermittler Ravn wurde in 18 Länder verkauft.
Übersetzer:
Knut Krüger, geboren 1966, arbeitete nach seinem Germanistik-Studium im Buchhandel und Verlagswesen. Er ist heute freier Autor, Lektor und Übersetzer für englische und skandinavische Literatur. Lebt mit seiner Frau und seinen drei Kindern in München.

Reflektionen:
Nachdem ich den Thriller recht rasch gelesen habe, fällt mir auf, dass der Klappentext nicht so recht mit dem Inhalt des Buchs harmonieren will. Der gewichtig als Finanzmanager Betitelte ist ein Buchhalter. Solche Wortaufblähungen lassen mich sehr viel genauer und vor allem kritischer hinsehen. Und: Erst nach 373 von 476 Seiten gräbt Ravn ein wenig in der Vergangenheit Berlins. Tatsächlich spielt die Handlungsstrang etwas zur Hälfte kurz vor der deutschen Wiedervereinigung. Insgesamt wird auf drei Zeitebenen erzählt: 1989, 2013 und 2014. Am Ende werden die Handlungsstränge zusammengeführt. Im Einzelnen: Der Handlungsstrang 1989 hat mich stark an den Oscar prämierten Film von Florian Henckel von Donnersmarck erinnert. Er konnte mich aufgrund der eindimensionalen Darstellung des bösen Mannes nicht fesseln, daher habe ich ihn sehr schnell quer gelesen. Der Verknüpfung mit den beiden anderen Handlungssträngen am Ende erscheint im Wesentlichen nachvollziehbar.
Typische Thriller-Elemente wie Beschreibung naturgemäß beklemmender Situationen sind vorhanden. Ein Spannungssog ergibt sich daraus nicht.
Der für mich größte Kritikpunkt ist – wie stets bei einer schwachen Handlung – die sprachliche Umsetzung. Ihr fehlt jede Raffinesse: Sie ist korrektes Schriftdeutsch und kommt entsprechend emotionsarm beim Leser an. Dahinter mag Kalkül stecken, z.B. die im Westen angenommene Gefühlskälte aller Stasi-Offiziere. Hinzu kommen sonderbare Ungenauigkeiten. Ein Beispiel von S. 69: »Louise Slotsholm Nielsen«, stellte sie sich vor, zog einen ihrer Handschuhe mit dem langen Schaft aus und streckte ihm ihre Hand entgegen. – Tja … mit welcher Hand begrüßt man sich üblicherweise? Derartige Nachlässigkeit kommt beim aufmerksamen Leser schlichtweg nicht gut an.
Das für mich größte Plus des Thrillers ist Thomas Ravensholdt – Ravn. Ich mag den Mann mit seinen amourösen Nöten und der bösen Entdeckung in seinem privaten Umfeld. Ich mag seinen Hund Møffe! Ich mag, wie er auf dem Hausboot lebt und manchmal ganz schön verknittert aussieht. Mit ihm ist Michael Katz Krefeld eine wirklich ansprechende Figur gelungen!
Ravn und Møffe haben dafür gesorgt, dass der Thriller insgesamt ein gewisses Lesevergnügen war.

  (23)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(17)

38 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 15 Rezensionen

krimi, bayern, kriminalroman, 2. weltkrieg, der dunkle grund des sees

Der dunkle Grund des Sees

Stefanie Kasper
Flexibler Einband: 389 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 18.07.2016
ISBN 9783442483938
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Isabel leidet, seit ihre große Liebe sie anscheinend grundlos verlassen hat. Ihre soziale Phobie hat sie derart verstümmelt, dass sie es nicht fertigbringt, ihrer sterbenden Adoptivmutter Elisa zur Seite zu stehen. Erst mit einer Therapie und motiviert durch Elisas ungewöhnliche Bitte kommt sie langsam auf die Beine. Jedoch nur, um in den schier unermesslichen Abgrund der Familientragödie zu stürzen. Alles einschließlich ihres nackten Lebens steht auf dem Spiel.
„Der Tod und das Leben schmiedeten eine Allianz, um sein dunkles Geheimnis zu offenbaren.“ (S. 10)

Der Kriminalroman beginnt mit einem Faustschlag in den Magen und weckt im Leser so den gewaltigen Hunger, alles bis zur letzten Silbe zu erfahren. Stefanie Kasper erzählt die Geschichte eines lang zurückliegenden, niemals gesühnten Verbrechens auf zwei Zeitebenen: In der Gegenwart kämpft Isabel gegen ihren innerer Konflikt und um die Wahrheit. Immer wieder wird sie in die Knie gezwungen. Aus der Vergangenheit kommend, hält sie jedoch Elisas letzter Wunsch nach Aufklärung auf den Beinen und lässt sie allen Widerständen zum Trotz ihrem Ziel entgegenstreben.

„Der dunkle Grund des Sees“ ist kein herkömmlicher Kriminalroman, obwohl die Hauptfigur Isabel das ein Menschenleben zurückliegende Verbrechen aufzuklären vermag. Der Krimi ist die Reise des Lesers in die Vergangenheit zum Geheimnis am Seegrund und von dort zurück zur Oberfläche des Hier und Jetzt. Das macht ihn zu etwas sehr Besonderem. Die Erzählung auf den unterschiedlichen Zeitebenen hätte schief gehen können. Stefanie Kasper jedoch erzählt mit einer Eindringlichkeit, die den Leser gebannt „lauschen“ lässt. Am Ende stehen Erleichterung, aber auch eine kleine Traurigkeit: Es ist immer schade, wenn ein gutes Buch zu Ende ist …

Vielleicht, könnte man sagen, ist die sich akut herauskristallisierende Gefahr für Isabels Leben im Gegensatz zur aufgedeckten ungeheuerlichen Wahrheit etwas blass dargestellt. Vielleicht.
Der Krimi ist in meinen Augen eine schriftstellerische Glanzleistung. Zum Einen schöpft Stefanie Kasper alle Möglichkeiten der deutschen Sprache in einer Brillanz aus, die ihresgleichen nicht ohne weiteres finden wird.

Die Sprache ist lebendiges Süddeutsch – nahezu durchgängig lässt rein die Lexik dies erkennen, ohne dass Mundart ins Spiel käme. Dies verleiht der Sprache eine besondere Eleganz und bleibt weit, weit weg von der spröden Schriftsprache.
Kostprobe? Hier ein kleiner Dialog:
„Alles in Ordnung?“
„Schon.“ (S. 22)

Stefanie Kasper findet Sprachbilder, die den Leser umgarnen und ihn mit der Handlung zu einer Einheit verweben. Nur ein Beispiel: „…, um mit rotverquollenen Augen und vor Kummer aufgedunsenem Herzen unter der Bettdecke zu verschwinden.“ (S. 227)

Seite an Seite mit der sprachlichen Bravourleistung stellt sich das „handwerkliche“ Schreibkönnen der jungen Autorin. Es fehlt nichts, aber auch wirklich nichts, was einen packenden Roman ausmacht. Die Protagonistin überrascht den Leser, erwischt ihn eiskalt. Sie fasziniert und geht unter die Haut. Die literarische Leistung gipfelt darin, dass das Ende des Romans den Kreis zum Anfang schließt und den Leser erschöpft ob der Spannung und zufriedengestellt ob der immanenten Logik das Buch schließen lässt. Selbst die leise Traurigkeit darüber, dass das Buch zu Ende ist, hinterlässt besondere Leserzufriedenheit.

Nein, abstreiten kann ich es nicht: Dieser Krimi ist für mich das bisherige Lesehighlight 2016. Absolut.

Was ich mir wünsche: Dass „Der dunkle Grund des Sees“ von Stefanie Kasper sämtliche Bestsellerlisten stürmt, zumindest auf der Shortlist des Friedrich-Glauser-Preises und/oder des Deutschen Krimipreises landet und in weitere Sprachen übersetzt wird (selbst wenn dabei die süddeutsche Lexik verloren geht), damit möglichst viele Besucher der Königsschlösser mehr als nur königliche Erinnerungen mit nach Hause nehmen können.

Fünf Sterne, gern auch mehr.

  (24)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(22)

26 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 20 Rezensionen

wien, ausgrabungen, exorzismus, ermittlungen, krimi

Der Teufel im Glas

Natalie Mesensky
Flexibler Einband: 280 Seiten
Erschienen bei Gmeiner-Verlag, 06.07.2016
ISBN 9783839219157
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der Teufel verfügt über Macht, die der Mensch sich nicht vorzustellen mag – das muss die Archäologin Anna Grass schmerzlich erkennen. Und der Teufel hat viele Gesichter...

Jeder hat einen Dämon, der ihn peinigt. Und dieser Dämon breitet seine schwarzen Schwingen über dem auserkorenen Opfer aus, lässt sich auf ihm nieder und vereinnahmt es vollkommen. Ihm kann sich trotzdem jeder entgegenstellen, denn in jedem steckt mit der Annahme seines Glaubens ein – Exorzist!
Nach einem sehr kuriosen und widerlichen Leichenfund bei archäologischen Grabungsarbeiten findet sich Anna Grass mit der Thematik des Exorzismus konfrontiert. Zur falschen Zeit, denn sie erholt sich noch von ihrem letzten Fall, der sie fast das Leben kostete. Trotzdem bittet Major Paul Kandler sie als Gutachterin zu seinem neuen Fall, der aber alsbald aufgeklärt erscheint. Da wird Annas guter Freund Pater Michael getötet. Er ist derjenige, mit dem sie den Leichnam fand. Urplötzlich wird aus Annas persönlichem Trauma eine Familienaffäre, die Kräfte in Bewegung setzt, die niemand – und sie am allerwenigsten – vermutet hätte. Immer weitere Kreise schlägt Pater Michaels Tod, bis es zu weiterem Blutvergießen kommt. Major Kandlers Ermittlungen bringen ihn an den Rand seiner Kräfte.

Vor der Kulisse der beschaulichen Hauptstadt Wien, hinter deren glatter Fassade guten Bürgertums Böses wuchert, entführt Nathalie Mesensky den Leser in die Abgründe österreichischer Religiosität und neuerer Geschichte.

Der Krimi besticht durch seine fein ziselierten Charaktere: Anna Grass, das schwarze Schaf einer gutbürgerlichen Wiener Familie; Major Paul Kandler, den seine Frau fast schon entmannt hat; der junge Dr. Bauer, der Anna über alle Maßen verehrt; Ines Zeller, Annas beste Freundin, mit ihrem etwas zwielichtigen Freund Milan, dem Journalisten. Die Figuren sind so menschlich und lebensnah, dass ich mich beim Lesen dabei ertappt habe, wie ich mit ihnen kommunizierte. Kurz: Sie sind echte Begleiter geworden.
Die Sprache gefällt mir sehr, weil sie die Unterschiede und Feinheiten innerhalb des österreichischen Deutsch so gekonnt einsetzt und damit die einzigartige Atmosphäre schafft. Wortwitz und der bekannte Wiener Schmäh geben dazu das besondere Etwas.

Die Handlung ist in sich logisch und nachvollziehbar, wenngleich nicht übermäßig wahrscheinlich.
Dank der starken Charaktere entwickelt sie dennoch einen solchen Lesesog, dass man einfach wissen muss, wohin sie die Figuren treibt. Ein Krimi, den man zu Ende lesen wird.

Fazit: Kraftvolle Charaktere mit allen erdenklichen menschlichen Schwächen und Stärken sind die Seele von „Der Teufel im Glas“.

Ich freue mich schon jetzt auf Anna Grass‘ nächsten Fall! 4,5 Sterne

  (21)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(32)

51 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 6 Rezensionen

wien, krimi, österreich, mord, patient

Lemmings Himmelfahrt

Stefan Slupetzky , any.way , Barbara Hanke , Cordula Schmidt
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 01.03.2005
ISBN 9783499238826
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der Lemming ist wieder in Schwierigkeiten. Gerade hat ihn seine Freundin hinausgeworfen, und kurz danach schießt ein Verrückter auf ihn. Zum Glück trifft es zwar einen anderen, der tot zusammenbricht, doch jetzt sucht die Polizei den Lemming als Mörder. Da hilft es nur, den wirklichen Täter zu finden - und der Lemming ist mal wieder in einen Fall verwickelt, der ihn völlig überfordert ...
(Verlag)

Der Kurier sagt „Ein Buch, das man nicht weglegen kann. Bis zur letzten Seite“ (Verlag), und er übertreibt nicht.

Wien muss man gernhaben, und die Sprache muss man auch kennen. Dazu die Leute. Schon ist man dem Lemming verfallen. Weil Stefan Slupetzky an Wortwitz, Skurrilität und Grausen eigentlich nicht zu überbieten ist. Der einzigartigen Erzählstimme des Lemming kann sich keiner entziehen, der selber auf der Seite des schwarzen Humors gepaart mit echter Herzenswärme steht.
Einmal mehr habe ich den Lemming aus Slupetzkys Feder genossen und versucht, ihn nicht zu verschlingen. Letzteres war schwierig, weil die Spannung mächtig hoch ist.
Zimperlich darf man nicht sein. Und schon gar nicht politische Korrektheit verlangen. Dann geht’s in die Binsen – oder Hosen … Aber, mal ganz ehrlich, dem Volk auf’s Maul geschaut, das offenbart keine geschliffene Halbwahrheit, sondern eben die ganze Wahrheit. Nackt und ungeschönt. Ohne policital correctness.
Gleichzeitig – und darin liegt die Stärke Slupetzkys – durchzieht den Roman eine Liebenswürdigkeit den Ausgegrenzten und Schwächeren gegenüber. Was zudem gelingt, ist eine Überraschung am Ende des Romans. Ein Krimi wie mein liebster St. Laurent: vollmundig, rund und stets anders als die Masse guten Genusses.
Der dritte Lemming liegt griffbereit …

  (20)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(31)

48 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 29 Rezensionen

hamburg, kriseninterventionsteam, krimi, feuerwehr, mord

Denn es wird kein Morgen geben

Angélique Mundt
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei btb, 09.03.2015
ISBN 9783442746316
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Als der beliebte Feuerwehrmann Martin König verschwindet, wird Psychotherapeutin Tessa Ravens vom Kriseninterventionsteam gebeten, sich um die Frau des Vermissten zu kümmern. Schnell findet Tessa heraus, dass dahinter Explosives steckt: König verschwand nach einem heftigen Streit mit seiner Frau. Die hatte auf seinem PC Fotos der gemeinsamen Tochter gefunden. Fotos, die ein Vater nie von seiner Tochter machen sollte. Dann wird Martin König tot aufgefunden. Hauptkommissar Koster übernimmt die Ermittlungen, ohne zu wissen, dass auch Tessa in den Fall involviert ist. Seit ihrer kurzen Affäre vor über einem Jahr herrscht Funkstille zwischen den beiden. Nun müssen sie sich zusammenraufen, in einem Fall, der beide bis an ihre Grenzen bringt.
(Verlag)

Wie gut kennt man seinen Partner? Seine Freunde? Sich selbst? Kann eine Therapeutin einen Menschen vor seinem Untergang bewahren?
Mit „Denn es wird kein Morgen geben“ greift Angélique Mundt ein Thema auf, das sich im letzten Vierteljahrhundert als Schrecklichstes aller zwischenmenschlichen Dramen herauskristallisiert: Pädophilie. Einmal losgebrochen, zerstört sie alles Leben, vernichtet jedes Opfer. Ausgerechnet ein Lebensretter, ein Held, der sein eigenes Leben aufs Spiel setzt, für den die Kameradschaft und der Ehrenkodex mehr als der Tod bedeuten – dieser Mann entpuppt sich anscheinend als „Kinderschänder“. Doch was ist Schein, was die Wahrheit? Die zerstörerische Dynamik nach einer furchtbaren Entdeckung reißt das Leben aller auch nur in der Näher Befindlichen wie eine Lawine in einen bodenlosen Abgrund.

Reflexion
Der Krimi besticht schon durch das heiße Eisen, das er anpackt. Und er ist gut geschrieben:
Erstens: Die Charaktere sind realistisch gezeichnet, ihr Handeln, ihre Gedanken, ihre Motive leuchten ein und sind sogar beim Bösen logisch nachvollziehbar. Genau das wühlt den Leser in seinem Innersten auf. Eine solch feine Differenzierung in einem Krimi mit Worten zu ziehen, das mache Angélique Mundt erst einmal jemand nach.
Zweitens: Psychologischer Feinsinn bewirkt eine ganz besondere Nähe zu Leser und gibt dem Krimi seine auffallende Tiefe.
Drittens: Die Sprache ist authentisch und zum jeweiligen sozialen Umfeld perfekt passend.
Viertens: Das Krimihandwerk stimmt zu 100 Prozent. Angélique Mundt streut mit nur einem Wort einen sog. Roten Hering ein, der sich gewaschen hat. Chapeau! Fast bis zum Ende habe ich mich daran geklammert, weil diese Fährte derart überzeugt.
Und nochmals das Krimihandwerk: Spannung, wie ich sie selten erlebt habe, einen Lesesog, der mich die Nacht faktisch durchmachen ließ, auch das hat Es wird kein Morgen geben geschafft.
So viel Licht und Lob auf einmal … Natürlich habe ich nach dem kleinen Schatten gesucht. Und mein seziermesserscharfer Übersetzerblick hat ihn auch gefunden: Zu schnell und etwas zu viel ist von „Mord“ die Rede. Weil der Krimi in Deutschland und nicht in Österreich spielt, wo diese Terminologie passen würde.

Zitat
„… kaute sie zum hundertsten Mal das gestrige Gespräch mit Torben durch. Jedes Wort hatte sie analysiert, interpretiert und bis zur Unkenntlichkeit seziert. Geholfen hatte es nichts.“

Die Autorin Angélique Mundt wurde 1966 in Hamburg geboren. Nach ihrem Studium der Psychologie arbeitete sie lange in der Psychiatrie, bevor sie sich 2005 als Psychotherapeutin mit einer eigenen Praxis selbstständig machte. Sie arbeitet ehrenamtlich im Kriseninterventionsteam des Deutschen Roten Kreuz, das Menschen bei potentiell traumatisierenden Ereignissen "Erste Hilfe für die Seele" leistet. Über diese Aufgabe sagt sie: "An der Situation kann ich nichts ändern. Aber ich kann den Menschen helfen sie zu überstehen."
Denn es wird kein Morgen geben ist nach Nacht ohne Angst ihr zweiter Roman in der Serie um die Psychotherapeutin Tessa Ravens und Hauptkommissar Torben Koster. Angélique Mundt lebt in Hamburg.
(Verlag)

Fazit
Ein Krimi, der alle Sinne kitzelt, weckt, lockt und zufriedenstellt. Dazu authentisch schöne Sprache, das heißt auch durchaus deftig harte Worte. Zum Abschluss ein rundes Ende ohne Happy-Kitsch. Absolute Leseempfehlung.

  (30)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(38)

44 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 33 Rezensionen

krimi, regionalkrimi, heimatkrimi, mord, spannend

Teufelstritt

Ursula Hahnenberg
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 20.06.2016
ISBN 9783442484157
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Als Julia Sommer die Stelle der Försterin im Ebersberger Forst bei München antritt, hofft sie auf einen beruflichen und privaten Neuanfang. Doch Julias Chef, der Waldbesitzer Ludwig Voss, ist ein unsympathischer Macho, der der jungen Frau mehr als einmal zu nahe tritt. Dann zerreißen eines Morgens zwei Schüsse die Stille des Waldes – und anstelle eines gewilderten Hirsches [sic!] findet Julia Ludwigs Leiche ... Trotz aller Unschuldsbeteuerungen wird sie schnell zur Hauptverdächtigen, vor allem für die verschworene Dorfgemeinschaft. Also stellt Julia selbst Nachforschungen an. Doch der eigentliche Täter liegt schon wieder auf der Lauer – und die Försterin steht zwischen ihm und seinem nächsten Opfer ... Eine junge Försterin auf Mörderjagd – der erste Fall für Julia Sommer (Klappentext)

Ein kleines Dorf vor den Toren Münchens, ein Waldbesitzer, der der beste Freund des Pfarrers ist, und nun auf einmal tot! Während Julia auf einen Rehbock ansaß und ihn auch schoss. Wirklich nur den Rehbock? Die Erdinger Polizei ist da nicht so sicher… Denn Julia ist die geschiedene alleinerziehende Mutter, der Fremdkörper in dem erzkatholischen Dorfumfeld. Ohne beschützende Familie, weil die Eltern bei einem mysteriösen Unfall starben, als Julia noch ganz klein war. Auch ihre Oma war und ist selbst im Dorf geächtet, sie wird auf ewig „das Dirndl mit dem Bankert“ bleiben, ein unerhörtes Frauenzimmer, das unverheiratet schwanger wurde. Für die Dorfbewohner scheint Julia ein böser Schatten aus der Vergangenheit zu sein. Etwa gar eine Teufelin? Viele denken dies, denn immerhin prangt vor der Kirche ein Teufelstritt, der seine eigene Geschichte birgt.

Dieses Krimidebüt von Ursula Hahnenberg könnte keine bessere Kulisse haben: verschworene Dorfgemeinschaft, Rückkehr einer Verstoßenen, Vorurteile, Angst, eine gefährliche Freundschaft und ein von seinem Gewissen zerfressener Pfarrer. All dem muss sich Julia Sommer stellen, dabei ihren Sohn beschützen und jeden Mordverdacht von sich weisen. Da schlägt des Krimilesers Herz gleich schneller! Jeder kann sie sich vorstellen, die dörfliche Scheinidylle, unter deren Teppich alles darunter Gekehrte unbedingt bleiben soll.

Ursula Hahnenberg greift viele Fäden auf: Julias familiärer, an das Dorf geknüpfter Hintergrund. Die Drohkulisse der Dorfbewohner, die sonderbare Freundschaft und das Wissen des seltsamen Pfarrers. Über allem schwebt die essentielle Frage: Wem kann Julia trauen? Wer will ihr Böses und warum? Im Hintergrund entfaltet sich eine zweite Geschichte, sie hebt sich durch Kursivdruck ab, und der Leser versteht sofort, dass in ihr der Schlüssel liegt zum Tod des Gutsbesitzers und zu Julias großer Not.

All das verweist auf einen sehr komplexen Krimi mit einer erfrischend neuen „Ermittlerin“: der jungen Försterin, die aus schierer Not in die Rolle der Nachforschenden gezwungen wird. Leider wird es in allem etwas zu viel: zu viele Verbrechen, zu unreifes Verhalten der Protagonistin, lose Enden. Als Leser erlebt man tatsächlich Ermittlungen, die weit weg sind von Polizeiarbeit, privater Detektei und desgleichen. Was im Grunde erfrischend anders ist. Die packende Parallelgeschichte – was genau sie ist, sei an dieser Stelle nicht verraten –kommt subtil und schlüssig ins Bild, das gefällt mir.
Die Haupthandlung strebt einem logischen Ende zu, das der Leser nachvollziehen kann. Gefallen hat mir dabei besonders, dass sich das Ende, die Auflösung, bei sehr genauem Lesen bereits im Subtext durchscheint.
Eines jedoch hat mir weniger gefallen: Das Beiwerk, die Nebenhandlung der Kriminalgeschichte, ist zu komplex und zerfranst letztendlich. Das markanteste Beispiel will ich herausgreifen: Julias Verhalten gegenüber und Verhältnis zu einer wichtigen Nebenfigur ist in sich ein Logikbruch. Was auf S. 175 zwischen Julia und dieser wichtigen Nebenfigur geschieht, passt nicht dazu, wie sich die beiden auf S. 235 zueinander verhalten. Vielleicht hat die Autorin da tatsächlich zu viel von sich verlangt in ihrem Krimidebüt.

Fazit:
Eine auffallend andere Ermittlerin, ein Krimi, der sozial-psychologisches Verhalten thematisiert. Ein Dorf vor den Toren Münchens, das jedoch überall in Deutschland liegen könnte. Ein Debüt, das zum Nachdenken anregt, uns den Spiegel vorhält, sich erschreckend nah an der Realität bewegt. Ein ausgezeichnetes Setting, dem man den Erstling dennoch recht stark ansieht.

3-4 Sterne

  (44)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(58)

97 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 35 Rezensionen

lissabon, portugal, krimi, erbe, mord

Portugiesisches Erbe

Luis Sellano
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Heyne, 13.06.2016
ISBN 9783453419445
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ein besonderer Mentor für einen liebenswerten Ermittler

Henrik Falkner weiß kaum, wie ihm geschieht, als er die malerischen Altstadtgassen von Lissabon betritt. Der ehemalige Polizist soll ein geheimnisvolles Erbe antreten: Sein Onkel hat ihm ein Haus samt Antiquitätengeschäft vermacht. Während Henrik mehr und mehr in den Bann der pulsierenden Stadt am Tejo gerät, entdeckt er, dass sein Onkel offenbar über Jahre hinweg Gegenstände gesammelt hat, die mit ungelösten Verbrechen in Verbindung stehen. Und kaum hat Henrik seine ersten [sic!] Pastéis de Nata genossen, versucht man, ihn umzubringen. Henrik stürzt sich in einen Fall, der sein Leben verändern wird. (Klappentext)

Die deutsche Sehnsucht nach dem „Savoir-Vivre“ im warmen Südeuropa scheint sich für Henrik Falkner zu erfüllen: Er erbt das Haus seines Onkels in der Altstadt Lissabons, der Perle am Tejo. Dabei hat er seinen Onkel kaum gekannt. Außerdem war der Onkel das schwarze Schaf der Familie. Henrik bricht dementsprechend nicht in einem Freudentaumel auf, um das Erbe anzunehmen. Er ist zudem allein, der viel zu frühe Tod seiner Frau hat sein Herz verschlossen.

Vor diesem Hintergrund reist Hendrik in die Stadt voller Charme und prallen Lebens, aber auch voller dunkler Gassen und düsterer Geheimnisse. Ein, wie ich finde, sehr gutes Setting, das mit Sicherheit Leserinnen sehr anspricht: Auch auf mich hat der Mann mit dem durch die Trauer gebrochenen Herzen sofort gewirkt.

Besonders gut gefallen hat mir, wie Luis Sellano die malerische Kulisse der sonnigen Stadt mit einem sehr dunklen Verbrechen zu einem Bild voller schnellen Wechsels zwischen Licht und Schatten verwoben hat. Der Geruch der Wasser des Tejo steigt mir ebenso in die Nase wie der starke (gewöhnungsbedürftige) Duft von Bacalhau. Fast meine ich, den Mazagran auf der Zunge prickeln zu spüren. Und ich fühle Hendriks Angst, Unsicherheit, Zweifel, seine Sehnsüchte, aber auch sein Fremdsein in der Touristen willkommen heißenden Stadt. Nur – Hendrik ist kein Tourist und daher keineswegs stets willkommen. Im Gegenteil. Diese Bedrohung beschreibt Luis Sellano dreidimensional greifbar – sehr schön!

Nun ist der Autor kein Neuling beim Schreiben, auch wenn dies sein Krimidebüt ist. Von dieser Schreiberfahrung profitiert der Krimi. Denn Luis Sellano bindet Portugals jüngste Vergangenheit bis 1974, die Diktatur, überzeugend und spannend mit ein in den Plot. Das ist besonders für den deutschen Leser ein wunderbarer Kontrast und bietet neben der Krimispannung auch Wissenserweiterung.

Auf mich hat der Krimi gewirkt wie meine heimatliche Adria zwischen Bora und Sonnenuntergang: stürmisch, wild und furchteinflößend auf der einen Seite, und zum Atemholen romantisch prickelnde Stellen.
Manchmal jedoch erschien mir die Handlung ein bisschen konstruiert. Das mag daran liegen, dass die meisten Erkenntnisse in langen inneren Monologen Hendriks erfolgen, die dem Leser das, was geschehen war, präsentieren und ihn etwas überfahren. Ich denke zudem, dass dies für mich auch aufgrund sprachlich unrunder Stellen eine Rolle spielt: grammatische Stolpersteine (vgl. Klappentext) und Unstimmigkeiten bei Redewendungen und bildhafter Sprache (u.a. S. 126, S. 174/175).
Alles in allem ist die Sprache eher einfach und leicht verständlich gehalten, was sicherlich nicht schadet.

Abschließend sei eine ganz besondere Köstlichkeit von Luis Sellanos Krimi genannt: Hendrik Falkner hat bereits auf S. 47 mein Herz gewonnen, als er das Band zu seinem verstorbenen Onkel knüpft, indem er dessem Lieblingsbuch findet, das auch meines ist!
Ach, was muss man oft von bösen/Kindern hören oder lesen!
An späterer Stelle, S. 260, als die Spannung sehr hoch ist, kommt das zweite Zitat daraus: Unterdessen auf dem Dache/ist man tätig bei der Sache.
Welch grandiose Idee, dem liebenswerten Protagonisten Hendrik unseren berühmten Wilhelm Busch mit seinem Scharfsinn und Humor als „Mentor“ an die Seite zu stellen!

Fazit:
Portugiesisches Erbe habe ich gerne gelesen, mit hochgelegten Beinen, mal schmunzelnd, mal die Stirne runzelnd und stets mit Hendrik Falkner fühlend. Ich empfehle das Buch allen Lissabonbesuchern, jedem, der die Stadt noch kennen lernen will, und sowieso dem, der den grauen Alltag mit den bunten Bildern aus dem Krimi vertreiben will. Gute 4 Sterne.

  (44)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(139)

264 Bibliotheken, 5 Leser, 2 Gruppen, 51 Rezensionen

thriller, wien, skorpion, leipzig, mord

Racheherbst

Andreas Gruber
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 14.09.2015
ISBN 9783442482412
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(22)

31 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 22 Rezensionen

entführung, köln, kindheit, graz, krimi

Marie spiegelt sich

Isabella Archan
Flexibler Einband: 280 Seiten
Erschienen bei CONTE-VERLAG, 24.09.2015
ISBN 9783956020742
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Menschen lügen. Naturgemäß. Weil die Realität peinlich ist. Dieser Krimi legt den Finger in die blutige Wahrheit:

Winter in Köln: Marie ist dreizehn, Marie liebt ihren Stoffbären und Marie schreibt gern. Sie erwacht in einem kalten Raum, dessen einziges Fenster zugemauert ist. Ihr Aufbäumen, ihr Widerstand, ihre Fluchtversuche scheitern und schließlich bleiben nur Durst und Kälte und Angst. Maries Schule in Köln-Brück ist der letzte Ort, an dem sie gesehen wurde. Die Kripo Köln sucht fieberhaft, die Mutter verzweifelt und Willa Stark muss tief graben, um die Hoffnung am Leben zu halten. Doch auch die Zeit der jungen Grazer Polizistin läuft ab, und als die Suche nach Marie scheitert, sich alte wie neue Spuren im Schnee verlieren, helfen nur noch Mut und Waghalsigkeit. (LovelyBooks)

Der Leser fühlt, bevor er sieht. Schmerz. Selbsthass. Verbrannte Liebe. Und vor allem: ANGST. Er rutscht unversehens in Abgründe, die auch seine sein könnten. Ohne Tabu seziert Isabella Archan, was den Menschen in seinem Innern zu quälen vermag. Sie nimmt die Seele auseinander und entblößt die sonst so geheimen Gefühle und Gedanken gnadenlos wie Neonlicht.

Eigentlich ist dieser Krimi ein Whodunnit: Wer hat Marie entführt? Hat er, sie oder es schon vor fünf Jahren zugeschlagen, als ein Mädchen, das Marie verblüffend ähnlich sieht, einen anscheinen natürlichen Herztod starb? Das Besondere ist die Innensicht der verschiedenen Perspektiven, aus denen der Roman an den Leser herantritt und ihn für sich gewinnt.
Genau daraus schöpft sich die Spannung, denn der Leser weiß immer ein Quäntchen mehr als die handelnden Personen. Trotzdem – er kann nicht eingreifen, die Handlung nicht bestimmen. Sondern muss zusehen, wie die verschiedenen Personen ihre Fehler machen und tiefer in den Strudel aus Verzweiflung, Angst und unmittelbarer Gefahr gezogen werden.

Die Idee besticht durch ihre rücksichtslose Menschlichkeit – nichts ist zu beschämend, zu intim, alles wird beim Namen genannt. Dabei beweist Isabella Archan großes Geschick mit Worten, vor allem, wenn es um die einzige Person geht, die den Täter gesehen hat. Eine ganz außergewöhnliche Figur: Sie hat Trisomie 21 und ist entsprechend „anders“, so dass die „Normalen“ sie nicht verstehen. Dabei wär das doch so wichtig!

In zwei Punkten verlieren sich jedoch bei der Sprache Maß und Ziel. Bei aller Ehrlichkeit müssen bestimmte mächtig ordinäre Worte, werden sie im realen Leben auch noch so oft im Zorn ausgespien, des Lesers Auge nicht so oft treffen, wie sie es hier tun.
Und dann der Punkt mit dem steirischen Dialekt: Hier ist es des Guten schlicht zu viel. Nicht, dass mich die steirischen Dialektbegriffe störten – und dem Deutschen hilft eh ein Glossar auf die Sprünge. Nein, es geht vielmehr darum, dass die junge Grazer Polizistin, die in Köln ermitteln, dadurch in einem unrunden Licht erscheint: Dass ihr ein, zweimal die muttersprachlichen Kraft- und sonstigen Ausdrücke über die Lippen rutschen, macht sie sympathisch. Hier jedoch wirkt es schlussendlich aufgrund der stetigen Wiederkehr und dem Vergleich zum Binnendeutschen fast schon aufgesetzt. Der Ösi-Witz wird schlichtweg überstrapaziert.

Zurück zu dem, was mir an dem Buch noch sehr gut gefällt: Marie spiegelt sich für mich beinahe hard-boiled, und das finde ich klasse!

Jeder, der einen schonungslosen Krimi lesen will, bei dem das Blut aber nicht die Wände hinauf läuft – zugreifen! Lohnt sich sehr!

  (38)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(302)

518 Bibliotheken, 7 Leser, 3 Gruppen, 79 Rezensionen

thriller, wien, bka, wiesbaden, profiler

Todesurteil

Andreas Gruber
Flexibler Einband: 544 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 16.02.2015
ISBN 9783442480258
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ein Fallanalytiker, wie wir ihn noch nicht gesehen haben: Der Niederländer Maarten S. Sneijder – bitte das „S.“ nicht vergessen – arbeitet für das BKA, ist bleicher als der Tod, kifft seinen Clusterkopfschmerz weg und geht keiner Frau auf den Leim. Dieser schräge Vogel ist ein Muss für jeden Thriller-Fan. Ganz besonders mit seinem Sidekick, der jungen taffen Sabine Nemez aus München.

Inhalt:
In Wien verschwindet die zehnjährige Clara. Ein Jahr später taucht sie völlig verstört am nahen Waldrand wieder auf. Ihr gesamter Rücken ist mit Motiven aus Dantes "Inferno" tätowiert – und sie spricht kein Wort. Indessen nimmt der niederländische Profiler Maarten S. Sneijder an der Akademie des BKA für hochbegabten Nachwuchs mit seinen Studenten ungelöste Mordfälle durch. Seine beste Schülerin Sabine Nemez entdeckt einen Zusammenhang zwischen mehreren Fällen – aber das Werk des raffinierten Killers ist noch lange nicht beendet. Seine Spur führt nach Wien – wo Clara die einzige ist, die den Mörder je zu Gesicht bekommen hat … (Verlag)

Leseeindruck:
Andreas Grubers neuestes Werk (und gleichzeitig meine erste Gruber-Erfahrung) gefällt durch präzise Handarbeit. Mit Todesurteil ist aus seiner Feder ein sehr komplexer Roman geflossen, bei dem selbst der flüchtige Leser niemals den Überblick verliert. Die Jagd nach einem (oder sind es mehrere?) Serienkiller(n) gliedert sich in Prolog, die Teile I-IX mit 69 Kapiteln und dem Epilog. Dem aufmerksamen Leser öffnet der Roman sich wie ein Füllhorn an Thrilleraction. Mit etlichen kleinen Kunstgriffen wie raffiniertem Subtext erhöht Andreas Gruber den Lesegenuss. An dieser Stelle seien zur Appetitanregung nur ein Kniff genannt: Zwischen den einzelnen Kapiteln finden sich immer wieder Auszüge aus der Vernehmung des anscheinend da bereits gefassten Täters, die einem die Haare zu Berge stehen lassen. Wenn dem Leser schließlich das Licht aufgeht, was diese Textabschnitte bedeuten, erfüllt ihn schrecklich-schönes Grausen.
Die Handlung bewegt sich an zwei Orten auf das infernale Ende zu, nämlich in Wiesbaden und Wien, und wird jeweils von zwei Frauen vorangetrieben: Sabine Nemez in Wiesbaden und der Staatsanwältin Melanie Dietz in Wien/Neusiedl. Andreas Gruber schreibt so, dass der Leser diesen beiden Frauen gerne folgt und zusieht, wie die grausamen Tötungsdelikte den gefühlten Normalzustand des Berufsalltags der beiden Frauen zu einer Horrormasse komprimieren.

Das hat mir besonders gefallen:
Sechs der neun Teile ist ein Zitat einer bekannten Persönlichkeit vorangestellt, drei Zitate stammen von fiktiven, dem Leser aber wohlbekannten Personen. Diese Zitate sind im Nachgang umso reizvoller, als sie die Perfidie der Handlung nochmals mit einem grellen Schlaglicht erhellen. Sozusagen Gänsehaut im Nachschlag!
Immer wieder blitzt Humor, auch durchaus schwarzer (Gruber ist ja Österreicher), zwischen den Zeilen durch. Zitate: „Er hatte den irren Blick eines tollwütigen Kaninchens“ (S. 312) oder „Stört es Sie, wenn ich rauche?“ – „Mich stört es nicht mal, wenn Sie brennen!“ (S. 349).
Der rechtlich nicht unbedarfte Leser kann, wenn er will, dank dieses Thrillers außerdem was dazulernen. Nein, nicht das Morden, sondern Wissen über österreichische Gerichtsverfahren. Gleichzeitig ist dem Autor eben in diesem rechtlichen Bereich ein erstaunlicher Lapsus passiert – dazu unten.

Mein persönliches Highlight:
Mein Verdacht, der im ersten Viertel des Buchs aufkeimt, wird im letzten Viertel bestätigt. Oh – da glüht meine Spürnase voller Stolz!

Kleiner Störfaktor:
Wo Licht ist, da gibt’s auch Schatten – in Form kleinerer Unstimmigkeiten (niemand ist ein Übermensch). So ist im zweiten Viertel (S.212) ein Dialog entgleist, vielleicht beim Druck passiert und in der Druckfahne übersehen worden. Es gibt auch einen kleinen Info-Dump (S. 363), als die Perspektive zum ersten Mal auf Sneijder wechselt. An der Stelle wird mir der inzwischen sehr liebgewonnene Maarten fast etwas entzaubert.
Manchmal trifft die Sprache nicht das richtige Register, wenn aus dem Mund von Polizisten der Begriff „Verhör“ erscheint oder Sabine Nemez bedauert, dem Verdächtigen schwer etwas „anhängen“ zu können.
Einen rechtlichen, wie ich finde vermeidbaren Lapsus gibt es auch: Mord (Deutschland) ist nicht gleich Mord (Österreich). Mit anderen Worten, das Vierbuchstaben-Wort hat in Deutschland eine vollkommen andere Bedeutung als in Österreich. Aus dem Grund ist es sachlich nicht richtig, dass der Autor die deutsche Ermittlerin Sabine Nemez von „vorsätzlichem Mord“ (S. 254) sprechen lässt. Zumal es den in beiden Rechtsordnungen nicht gibt.
Diese Punkte verunzieren das ansonsten schöne Werk ein wenig, und ich wage zu behaupten, dass Andreas Gruber schlicht nicht daran gedacht hat, an den besagten Stellen genauer hinzusehen.
Ach ja, witzig finde ich seine beiden eindeutigen Lieblingswörter: sogleich und soeben. Sie begleiten den Leser fröhlich durch den Text.

Doch rasch zurück zum überaus guten Gesamteindruck. Und dazu, warum ich jedem Fan cleverer Thriller Todesurteil sehr empfehle:
Andreas Gruber gebraucht nur einen einzigen klassischen Cliffhanger auf 573 Seiten. Seine Spannung ergibt sich von selbst aus den Figuren und ihren Handlungen heraus. Niemals plump, stets raffiniert fesselt er den Leser an das Buch.
Der Buchrücken zitiert Fitzek: „Grubers Stil ist rasant, komplex und sorgt immer wieder für überraschende Wendungen.“ Dem möchte ich hinzufügen, dass die Wendungen nicht so sehr überraschend, als hervorragend vom Autor vorbereitet sind und so dem Leser neben Nervenkitzel auch ein Gefühl tiefer Befriedigung gegeben. Weil – irgendwie hat man’s durch ein diffuses Gefühl kommen sehen. Nur, dass der Autor dieses diffuse Lesergefühl bewusst und gekonnt provoziert hat. Chapeau! Das ist Schreibkunst!

Und das Ende?
Oh ja, ich verrate es, und zwar mit einem fett-zufriedenen Lächeln auf meinem Gesicht.
Die Auflösung gleicht einer Bombe, deren Lunte der Leser brennen sieht und nicht löschen kann! BOOM!

Fazit:
Wer Thriller liebt und Todesurteil nicht liest, der ist, mit Verlaub, selber schuld. Leseempfehlung!

  (36)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(289)

510 Bibliotheken, 13 Leser, 5 Gruppen, 51 Rezensionen

liebe, frankreich, provence, bücher, bücherschiff

Das Lavendelzimmer

Nina George
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.04.2014
ISBN 9783426509777
Genre: Romane

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(87)

143 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 20 Rezensionen

liebe, frankreich, bretagne, juli 2014, suche

Die Mondspielerin

Nina George
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 07.07.2011
ISBN 9783426501351
Genre: Romane

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(20)

38 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 18 Rezensionen

ostsee, krimi, kunsthistoriker, mord, kunst

Stumme Wasser

Anja Behn
Flexibler Einband: 176 Seiten
Erschienen bei Emons Verlag, 15.10.2015
ISBN 9783954517107
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Inhalt:
Überraschend erreicht Kunsthistoriker Richard Gruben der Hilferuf eines Freundes. Obwohl der Maler nur vage Andeutungen über ein mysteriöses Bild macht, reist Gruben ins winterliche Fahrenende. Doch als er dort eintrifft, findet er den Freund tot – erschlagen. Gemeinsam mit dessen Enkeltochter begibt er sich auf die Suche nach dem geheimnisvollen Bild. Während sich ein heftiger Schneesturm über dem Ostsee-Dorf zusammenbraut, kommt Gruben einem alten Geheimnis auf die Spur... (Verlagsseite)

Die Autorin:
Anja Behn, geboren 1972 in Rostock, studierte Bauingenieurwesen und arbeitet in einer Rostocker Baufirma. Sie lebt mit ihrer Familie in einem kleinen Dorf in Mecklenburg. Im Emons Verlag sind bisher »Stumme Wasser« und »Küstenbrut« erschienen. (Verlagsseite)

Leseeindruck:
Im Handumdrehen bin ich mitten in der Handlung und kann die Ostsee riechen, sehe ein landschaftstypisches Dorf vor meinem inneren Auge. Auch das Wetter, den kalten Sturm, und die vordergründige Behaglichkeit in den Häusern sehe ich ebenso wie die verzweifelte Lage der Werft auf dem Abstellgleich. Anja Behn setzt die Handlung griffig in Szene.
Richard Gruben, der unfreiwillige Ermittler, ist ein Fremder in der Gegend, ein Westdeutscher in der ostdeutschen Provinz. Die Warmherzigkeit der Menschen dort wärmt ihn, führt ihn aber auch bei dem einen oder anderen hinters Licht. Und – er verliebt sich. Diesen Handlungsstrang fand ich sehr schön, weil er wirklich aus dem Leben gegriffen ist. Völlig ohne Kitsch.
Die Handlung wird aus mehreren Perspektiven geschildert, und manchmal kommt als extra Würze die Frage beim Leser auf, ob denn nicht gerade der Täter seine Gedanken mit ihm teilt.
Ja – es gibt ihn, den kleinen roten Hering! Immer wieder kann es der Leser nicht lassen, seinen eigenen Verdacht zu hegen.
Jedoch hatte ich ein kleines Problem beim Lesen, nämlich eine nicht immer klar zu fassende Perspektive, sodass ich manchmal nicht genau wusste, durch wessen Augen ich der Handlung folge.

Fazit:
Ein erfrischender Erstling, der mich gut unterhalten hat. Leseempfehlung! Und der richtig Appetit macht auf den Nachfolger. Kommt im August dieses Jahres (2016). Freu mich drauf!

  (54)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(6)

16 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

krimi, tabor süden

Der einsame Engel

Friedrich Ani
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Droemer, 01.02.2016
ISBN 9783426281475
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Inhalt:
„Denn“, sagte ich zu Patrizia, „das Glück, das haben wir doch gelernt, es existiert.“ Nach dem Brandanschlag auf die Detektei Liebergesell ist deren Zukunft ungewiss. Dennoch nimmt Tabor Süden den Auftrag an, einen Geschäftsmann zu suchen. Aus Sorge, so seine Mitarbeiterin, habe sie sein Verschwinden gemeldet. Bei seinen Ermittlungen stößt Süden schließlich auf eine Wahrheit, die jedes Glück unmöglich macht. (Klappentext)

Leseerlebnis:
Im sehr besonderen Stadtcafé in München prallt der Leser unversehens auf Tabor Süden. Besonders, wer ihn (wie ich) noch nicht kennt, erhält auf der Stelle einen starken Eindruck. Zitat Seite 7:
„Wie war dein Wochenende“, fragte sie, und obwohl sie keine Antwort erwartete, schaute sie mich an wie jemand, der am Wortetropf hing. Ich sagte: „Ich war monumental bebiert.“
Oha, was ist das denn für einer, formt sich der Leserin Gedanke. Das kommst du nicht umhin und liest weiter. Unbedingt.
Der ehemalige Kriminalbeamte Tabor Süden, nun Privatdetektiv, versteht die Kunst des Fragens, in die Leute zu dringen und sie zum Reden zu bringen. Ob diese dabei die Wahrheit sagen, das steht auf einem anderen Blatt. Die Kraft der Gespräche findet sich in treffsicher gesetzten Worten, in der Macht Tabor Südens unbarmherzigen Schweigens den Gesprächspartnerinnen gegenüber. Was diese wiederum zum Weiterplappern animiert, sodass sie sich tiefer in seinen Lügen verstricken. Tabor Süden ist ein Zuhörer, dem nichts entgeht, auch nicht der leiseste Zwischenton.
Der Roman ist in der Ich-Form erzählt, weshalb die Figur des Tabor Süden den Roman zu hundert Prozent trägt. Süden ist ein sehr viriler Typ mit harter Schale und einer weichen Seele, mit vielen Gefühlen. Die er lieber mit Bier zukippt, als sie zu zeigen. Die Gefühle aber wollen raus – sie finden einen Weg. In „Der Einsame Engel“ zeigt sich Südens weiche Seele durch Einwirkung einer Frau. Zurück zum Fall: Wort um Wort geht er erlogenen Wahrheiten auf den Grund und greift, als es nottut, ungeniert zur List.
Auch politische Münchener Wahrheiten fließen in die Gespräche und Tabor Südens Gedanken ein. Der Krimi ist damit ein starker München-Roman, ein Soziogramm der Stadt.

Lieblingspassage: Heißer Kräutertee
Tabor Süden im Gespräch mit der Frau Kargus an einem Stehtisch am Hauptbahnhof. So viel Wärme so ur-münchnerisch zu vermitteln, das kann, glaube ich, nur ein Friedrich Ani.
Zitat Seite 66: … Darf ich Sie was fragen? Wie heißen Sie? Sie müssen nicht antworten.“ – „Tabor Süden.“ – „Wie?“ – „Tabor Süden.“ – „Ist das ein Wort?“ – „Tabor ist der Vorname.“ – „Und Süden der Nachname?“ – „Ja.“ – „Sie schwindeln mich an.“ – „Ich schwindele Sie doch nicht an.“ – „Doch.“ – „Ich heiße so.“ – „So heißt niemand.“…
Nicht nur ist dieser Dialog mein Highlight, auch die Wärme, mit der Tabor Süden der Frau Kargus begegnet, ist einzigartig.

Whodunnit der subtilen Art:
Diesen Krimi tragen die handelnden Figuren, nicht eine von Cliffhanger zu Cliffhanger rasende Handlung. Womit sich ein an Letzteres gewöhnte Leser anfreunden wollen muss. Obwohl sich im Roman selbst keiner umbringt, erschießt, gefoltert und so weiter wird, lässt der Text nicht los. Faszination und Sog entstehen durch die Kraft der Dialoge, mit denen sich die Figuren in ihren falschen Wahrheiten verheddern. Bis bloßliegt, wer’s war und warum.

Zwei Dinge haben mich an diesem Roman ein wenig gestört: An manchen Stellen wird die Figur Tabor Süden zu groß und vergisst die Mündigkeit des Lesers. Das führt zum zweiten kleinen Störfaktor, der sachlich nicht korrekten juristischen Einschätzung der begangenen Tat. Das hätte getrost unterbleiben können und erinnert an so manchen schalen deutschen Fernsehkrimi.

Der Autor:
Friedrich Ani wurde 1959 in Kochel am See geboren. Er schreibt Romane, Kinderbücher, Gedichte, Hörspiele, Drehbücher und Kurzgeschichten. Seine Bücher wurden in mehrere Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet: Als bisher einziger Autor erhielt Ani den Deutschen Krimipreis in einem Jahr für drei Süden-Titel gleichzeitig. 2010 folgte der Adolf-Grimme-Preis für das Drehbuch nach seinem Roman "Süden und der Luftgitarrist". 2011 wurde der Roman "Süden" mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet, ebenso wie 2014 sein Roman "M", der wochenlang auf der KrimiZEIT-Bestenliste stand. Friedrich Ani ist Mitglied des Internationalen PEN-Clubs und lebt in München. (von der Website des Droemer Knaur Verlags)

Gesamtbewertung:
4,5 Sterne von 5
Friedrich Anis Tabor-Süden-Romane sind allein wegen der Sprache und Figuren etwas Besonderes. Einen sollte man zumindest gelesen haben. (Ich selbst habe nach dem neuesten jetzt den erstenTabor-Süden-Krimi begonnen).

  (46)
Tags:  
 
113 Ergebnisse

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach!

Hol dir mehr von LovelyBooks