LilaLeseecke

LilaLeseeckes Bibliothek

86 Bücher, 18 Rezensionen

Zu LilaLeseeckes Profil Zur Autorenseite
Filtern nach
86 Ergebnisse
Wähle einen Buchstaben, um nur die Titel anzuzeigen, die mit diesem beginnen.



LOVELYBOOKS-Statistik

(8)

14 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

griechische mythologie

Percy Jackson - Die Schlacht um das Labyrinth

Rick Riordan
E-Buch Text: 440 Seiten
Erschienen bei Carlsen Verlag GmbH, 12.01.2011
ISBN B0050MM7H2
Genre: Sonstiges

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(8)

19 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

olymp, götter, titan, percy jackson

Percy Jackson - Der Fluch des Titanen

Rick Riordan
E-Buch Text: 376 Seiten
Erschienen bei Carlsen Verlag GmbH, 18.01.2010
ISBN B004Z5X5YO
Genre: Sonstiges

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(971)

1.572 Bibliotheken, 19 Leser, 7 Gruppen, 73 Rezensionen

götter, percy jackson, fantasy, griechische mythologie, rick riordan

Percy Jackson - Im Bann des Zyklopen

Rick Riordan , Gabriele Haefs
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 25.08.2011
ISBN 9783551310590
Genre: Jugendbuch

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1.751)

2.497 Bibliotheken, 41 Leser, 9 Gruppen, 113 Rezensionen

götter, fantasy, griechische mythologie, percy jackson, olymp

Percy Jackson - Diebe im Olymp

Rick Riordan , Gabriele Haefs
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 25.08.2011
ISBN 9783551310583
Genre: Jugendbuch

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(122)

226 Bibliotheken, 6 Leser, 4 Gruppen, 12 Rezensionen

fantasy, magie, oksa pollock, kinderbuch, oksa

Oksa Pollock - Die Unverhoffte

Anne Plichota , Cendrine Wolf , Bettina Bach , Lisa-Maria Rust
Buch: 592 Seiten
Erschienen bei Oetinger Taschenbuch, 01.08.2012
ISBN 9783841501288
Genre: Kinderbuch

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(4)

11 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

köhler, geheimnis, zauberer, zirkus, magie

Finsterherz

Jeremy de Quidt , Jeremy de Quidt , Ursula Höfker
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Random House UK, 10.08.2010
ISBN 9783473353286
Genre: Kinderbuch

Rezension:


Story und Charaktere:

Mathias lebt mit seinem bekannten Zauberergroßvater zusammen beim Zirkus und ist dort „Mädchen für alles“. Die Tricks seines Großvaters kann er nicht nachahmen und schon gar nicht selbst ausführen. Was er allerdings genau weiß ist, dass sein Großvater, der immer nur mit weiß geschminkten Gesicht herumläuft, ein großes Geheimnis hütet, das er ihm nicht anvertrauen will.
Als sein Großvater stirbt, scheint plötzlich jeder hinter genau diesem Geheimnis her zu sein. Dummerweise vermutet es jeder bei Mathias, der allerdings nur ein Stück eines alten Zettels von seinem Großvater hat, auf dem nicht eine Zeile steht.
Doktor Häller und sein Diener Walter kaufen Mathias dem Zirkusdirektor ab und versuchen anschließend das Geheimnis aus ihm herauszupressen. Als dies nicht gelingt, lassen sie Mathias in einem Gasthaus einfach aus dem Fenster fallen. Die Bedienstete Katta bekommt dies mit und rettet den schwerverletzten Mathias vor dem sicheren Tod. Da Häller aber nicht aufgeben will, das Geheimnis aus dem noch lebenden Mathias herauszuholen, schickt er seinen furchterregenden Diener hinter ihnen her, der mehr als gewalttätig ist. Gott sei Dank werden die zwei von einem Reiter namens König gerettet. Als er von dem Geheimnis erfährt, macht er sich mit Katta und Mathias daran, dieses zu lüften. Dabei sind die beiden Kinder so etwas wie seine Geiseln, die er nicht aus Nächstenliebe mit sich nimmt.

Mathias ist ein Junge, der bisher nicht gerade die besten Erfahrungen des Lebens gemacht hat. Er lebt mit seinem Großvater in einem Zirkus, wo er herumgeschubst und nie für voll genommen wird. Als Kind hat sein Großvater ihn an ein Seil gebunden, damit er nicht zu weit weglaufen kann und auch sonst sind seine Kindheitserinnerungen nicht gerade erquicklich.
Als sein Großvater stirbt, weiß Mathias plötzlich nicht mehr wo ihm der Kopf steht. In einem Moment gehört er noch zum Zirkus, im nächsten hängt er an der Kehle gepackt über dem Abgrund einer Fensterbank. Da er das Geheimnis seines Großvaters nicht gekannt hat, ist er keine große Hilfe, Informationen nach dessen Verbleib zu geben und muss während des ganzen Buches immer wieder einstecken. Ab dem Moment, in dem er in Hällers Fänge gerät, schleppt er sich schwer verletzt durch die Seiten. Gebrochene Rippen, Loch im Kopf, Schürfwunden blaue Flecke, innere Verletzungen usw. Viel Zeit verbringt er ohnmächtig in den Betten verschiedener Behausungen, stöhnend auf dem Pferd von König oder in Gesellschaft diverser Personen, die ihn immer übler zurichten. Dass eine Person das alles tatsächlich so wegsteckt wie Mathias ohne an all diesen Verletzungen zu sterben, sich sogar noch in Kämpfe einmischen kann usw. halte ich allerdings doch für sehr übertrieben, wodurch mir die Darstellung dieser Figur mehr als unglaubwürdig erschien.

Katta ist etwa in Mathias Alter und Bedienstete in einem Gasthof. Sie ist ein sehr mutiger Charakter, der allerdings auch überaus impulsiv handelt. Als sie mitbekommt, dass Mathias von Häller aus dem Fenster geworfen wird, kümmert sie sich um ihn und weicht ab jetzt nicht mehr von seiner Seite.
Auffällig an ihr ist eine Kappe, die sie ständig tragen muss. Durch einen Unfall hat sie ein Loch im Kopf, weshalb sie zwischendurch immer wieder Anfälle bekommt, die ich als epileptisch bezeichnen würde. Als sie dem Verursacher dieses Loches begegnet und Rache an ihm üben will, indem sie ihn blendet, dann aber durch Mathias Einschreiten abrutscht und den Jungen nicht blendet, sondern das Messer quer durch sein Gesicht zieht, schreckt sie vor ihrer eigenen Kaltblütigkeit zurück. Katta versucht die Dinge immer sachlich zu betrachten, hat eine gute Beobachtungsgabe und sucht ständig nach Lösungen für all die Probleme, die ihr und den anderen unterwegs unterkommen. Sie ist definitiv der Charakter, den ich im Buch am besten gelungen finde.

König ist die Leitperson des Abenteuers. Er hält Mathias und Katta zusammen, macht ihr Vorankommen möglich und scheint sogar ganz wohlhabend zu sein. Er ist ein sehr guter Kämpfer, überaus selbstbewusst und hat einen Humor, der sicher nicht jedermanns Sache ist. Obwohl er Katta und Mathias nicht aus Nächstenliebe mit sich nimmt, sondern selbst hinter das Geheimnis des Zauberers kommen will, kümmert er sich außerordentlich gut um die beiden.

Häller und sein Diener Walter sind die beiden stärksten Widersacher der beiden Hauptprotagonisten. Sie schrecken vor keiner Grausamkeit zurück, um sich Mathias und das Geheimnis zu holen. Walter ist ein grausamer Diener, der sich einen Spaß daraus macht, Menschen zu jagen und anschließend möglichst qualvoll sterben zu lassen. Er kennt jede Menge Folterspielchen, die er gerne spielt und es kann ihm gar nicht gewalttätig genug zugehen.

Obwohl das Buch diese und noch viele weitere Charaktere bereithält, ist mir eigentlich nur die Gewalt in Erinnerung geblieben, die in diesem Buch einen überaus großen Platz einnimmt und das vorherrschende Element zu sein scheint, mit dem der Autor hier arbeiten wollte. Es wirkt auf mich, als wären die Charaktere um dieses Element einfach drumherumgestrickt worden, ohne ihnen wirklich eigenständige Tiefe zu geben und in meinem Kopf zu realen Personen werden zu lassen.

Was mir besonders gefallen hat: 

Es ist schwierig diesem Buch mit seiner sehr dunklen Seite etwas Positives abzugewinnen. Einen Punkt jedoch gibt es, der mich doch sehr erstaunt hat. Anfangs hätte ich das Buch am liebsten gleich wieder aus der Hand gelegt, doch etwa ab Seite 80 scheint der Autor endlich in einen Schreibfluss gekommen zu sein, der die Geschichte ab diesem Punkt wirklich interessant und spannend werden lässt. Ab hier liest es sich, als hätte man den Autor ausgewechselt oder als wäre er endlich an dem Punkt angekommen, an dem er eine Geschichte wirklich erzählen will. Das ist mir in anderen Büchern bisher noch nie so stark aufgefallen wie hier. Kennt man es zwar, dass ein Autor sich von einem Band zum anderen steigert, war diese Erfahrung neu für mich und ist durchaus ein Punkt, dem ich gerne meine besondere Aufmerksamkeit schenke.

Was mir nicht so gut gefallen hat: 

Leider ist der anfänglich doch sehr flache Schreibstil und der Einstieg in die Geschichte überhaupt nicht mein Ding gewesen. Nach Seite 74 war ich mir schon nicht mehr sicher, ob ich das Buch überhaupt noch zuende lesen wollen würde. Ich konnte mich weder mit den Figuren identifizieren, noch fand ich die Story ansprechend. Was die Geschichte betrifft, kann ich leider nur noch einmal wiederholen, was ich bereits angesprochen habe. Das Buch ist ziemlich brutal, ausgeübte Gewalt nimmt einen riesigen Raum ein und ich finde einfach, dass das in diesem Ausmaß in einem Jugendbuch absolut nichts zu suchen hat. Meiner Meinung nach wäre das Abenteuer viel spannender und besser gewesen, hätte der Autor eine andere Lösung als fließendes Blut, extreme Prügeleien etc. gefunden. Einem Kind von 12 Jahren würde ich dieses Buch auf jeden Fall nicht ruhigen Gewissens in die Hand drücken.

Was mir ebenfalls fehlt ist der Bezug zum Titel des Buches, sowie zu dessen Gestaltung. Ich kann mir leider überhaupt nicht vorstellen, warum dieser Titel gewählt wurde. Das ganze Buch dreht sich einzig und allein um die Lüftung des Geheimnisses des Zauberers, dessen Auflösung mich ebenfalls doch stutzig zurückließ. Ein Gesamtpaket, das mich leider nicht überzeugen konnte.

Gestaltung: 

Rote Schrift, die wie geritzt wirkt und sich vom Untergrund abhebt, schwebt über einem sich aufbäumenden Pferd, auf dem ein Reiter thront der ein Gewehr triumphierend in die Luft hält. Eingerahmt wird die Szene von seltsamen Verästelungen, dessen Enden sich oben am finster dreinblickenden Gesicht einer spitzohrigen Person treffen. Selbiges Randmotiv findet sich auf der Rückseite. Ich kann leider nicht sagen, dass diese Art der Gestaltung den Kern der Sache trifft. Bis auf den Reiter weiß ich nichts mit dem Gesamtbild anzufangen, was den Titel mit einschließt.

Wertung: 

Dieses Buch hat einen viel zu großen Raum für Gewalt, eine Geschichte, die mich nicht überzeugen konnte und leider auch Charaktere, die, bis auf Katta, keinen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen konnten. Zu Gute halte ich dem Autor, dass er innerhalb der Geschichte seinen Schreibstil, seine Art Spannung aufzubauen und das Tempo sehr schön gesteigert hat und man als Leser praktisch merken konnte, wie er an der Geschichte gewachsen ist. Da der Gesamteindruck aber am Ende zählt, kann ich Finsterherz leider nur 2 Lila-Lesesterne geben.

  (4)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(23)

41 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

fantasy, n. d. wilson, sommerferien, welten, pforten

Das Geheimnis der 100 Pforten

N. D. Wilson , Dorothee Haentjes
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei cbj, 18.04.2011
ISBN 9783570222300
Genre: Kinderbuch

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(6)

16 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

endor, familie, welten, rätsel, kinder

Der Fluch der 100 Pforten

N. D. Wilson , Dorothee Haentjes
Flexibler Einband: 510 Seiten
Erschienen bei cbj, 09.02.2012
ISBN 9783570222881
Genre: Kinderbuch

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(13)

23 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

de, völker, stadt, 1. band, regenfresse

Chroniken der Weltensucher: Die Stadt der Regenfresser

Thomas Thiemeyer
E-Buch Text: 447 Seiten
Erschienen bei Loewe Verlag, 01.06.2013
ISBN 9783732000463
Genre: Jugendbuch

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(86)

158 Bibliotheken, 3 Leser, 2 Gruppen, 58 Rezensionen

zeitreise, abenteuer, vergangenheit, zeitreisen, freundschaft

Jake Djones und die Hüter der Zeit

Damian Dibben , Michael Pfingstl
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Penhaligon, 24.09.2012
ISBN 9783764530938
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Story und Charaktere:

Der 14jährige Jake führt eigentlich ein ganz normales Leben. Seine Eltern betreiben einen kleinen Laden für Sanitärgegenstände, von dem Jake nicht wirklich versteht, wie sie sich damit über Wasser halten können. Ab und an kommt es vor, dass sie auch mal eine Messe für eben diese Gegenstände besuchen, die sicherlich nicht sehr aufregend ist. Das ist auch jetzt wieder der Fall. Ziemlich plötzlich müssen seine Eltern los und Jake ist für ein paar Tage auf sich gestellt - nur seine Tante kümmert sich um ihn.
Aus Jake unbekannten Gründen wird der Aufenthalt seiner Eltern länger als geplant, wollten sie doch eigentlich nur übers Wochenende verreisen. An dieser Stelle beginnt das Abenteuer.
Jake wird plötzlich am helllichten Tag entführt. Nicht aber, wie man meinen könnte, von Erpressern oder fiesen Ganoven – nein, von einer Geheimgesellschaft. Nicht, dass Jake sofort alles glauben würde, was ihm innerhalb kürzester Zeit um die Ohren rasselt, doch kann er sich den Fremden, die ihn mitgenommen haben, nicht erwehren, als sie ihm klar machen, dass er nicht abhauen kann, da er sonst seine Eltern nie wiedersehen würde. Sie stecken in einer anderen Zeit in großen Schwierigkeiten. Eine Information, die für Jake nur schwer zu glauben ist.
Die Geheimgesellschaft, in die Jake da hineingeraten ist, sind die „Geschichtshüter“. Eine kleine Gruppe von Menschen, die durch die Zeit reisen kann und in der Geschichte eingreift, wenn es brenzlig wird. Jake gehört zu den „Diamanten“ - den besonders hoch gestellten Geschichtshütern.
Noch bevor Jake all diese Informationen verdaut hat, geht es auch schon los. Er bekommt eine Tinktur, die nach ausgelaufener Batteriesäure schmeckt, und landet kurze Zeit später im Frankreich des Jahres 1820. Hier sollen seine Eltern festgehalten werden.

Den Geschichtshütern gegenüber steht der fiese Prinz Zeldt, der einen unglaublichen Plan ausgeheckt hat, um sich die Welt zu unterwerfen und zu einem dunklen Ort zu machen. Er ist es auch, der Schuld daran ist, dass Jakes Eltern nicht von der Messe zurückgekehrt sind. Sie sind ebenfalls Zeitreisende, die von Zeldt im Venedig einer anderen Zeit von ihm gefangen genommen worden sind. Mittels eines Spions in den Reihen der Geschichtshüter schafft er es, alle außer Jake und Topaz in seine Gewalt zu bringen, als sie versuchen, die Djones zu retten.

Doch Jake und Topaz geben nicht auf. Mittels List und Tücke schleichen sie sich in das Schloss von Zeldt und erfahren dort noch etwas viel Schlimmeres: Das Zeitalter der Renaissance soll verhindert werden. 

Jake Djones hat es wohl vor allem seiner großen Neugierde zu verdanken, dass er auf dieses rasante Abenteuer mitgenommen wird. Während jeder andere Mensch um sich geschlagen und um Hilfe geschrien hätte, lässt Jake sich entführen, um zu sehen, was passiert. Er reagiert zwar verwirrt, als die Informationen über die Geschichtshüter, Zeitreisen und seine Rolle dabei auf ihn einprasseln, findet sich aber sehr schnell damit ab und sieht dem Abenteuer mit Spannung entgegen. Seine Handlungen scheinen meist dem naiven Geist eines 14jährigen Jungen zu entspringen, während man hin und wieder das Gefühl hat, es mit einem  abgebrühten Erwachsenen zu tun zu haben. Sein Mut scheint unerschöpflich zu sein, nur selten bekommt Jake es mit der Angst zu tun. Ratten zum Beispiel bringen ihn völlig aus der Fassung.

Begleitet wird Jake von einer bunt zusammengewürfelten Gruppe, die unterschiedlicher nicht sein könnte. Wir haben die unnahbar kühle Schöne, den egozentrischen Humoristen und auch den weinerlichen Niemand, der einem manchmal ganz schön auf die Nerven gehen kann. So sind die Charaktere jedoch klar voneinander abgegrenzt, was sie zu einem sympathischen Haufen macht, den man gerne auf seinem Abenteuer begleitet. Ein bisschen mehr Tiefe hätte dem ein oder anderen Charakter mit Sicherheit nicht geschadet, stehen wir hier aber doch noch am Anfang einer Reihe, die dies in den Folgebänden sicherlich wettmachen wird. In diesem Band steht eindeutig Jake im Vordergrund, über den wir mehr als genug erfahren.

Die Gegenspieler der Geschichtshüter scheinen mir nicht ganz so rund zu sein. Sie tauchen immer wieder auf, es wird viel über sie gesprochen, aber agieren sie doch selten selbst. Erst am Ende wird dem Leser bewusst, mit welch dunklen Gestalten man es die ganze Zeit zu tun hatte. Da hätte ruhig etwas mehr kommen können, um das Problem, das es zu lösen gilt, noch angemessener darzustellen.

Was mir besonders gut gefallen hat: 

Es gibt keinen großen Vorlauf der Geschichte, sodass man schon nach ein paar Seiten mitten im Geschehen steckt. Sofort beginnt ein rasantes Abenteuer, dass es kaum zulässt ordentlich Luft zu holen. Es gibt kaum Abschnitte in denen die Geschichtshüter mal zur Ruhe kommen – sie stehen ständig unter Strom, bleibt das Abenteuer doch nicht einen Moment stehen. Diese Spannung hält bis zur letzten Seite durch. Definitiv etwas, was nicht jeder Autor schafft und was man einfach hervorheben muss.

Dabei ist das Abenteuer von gefährlichen Situationen, ungeheuerlichen Kämpfen und immer wieder neuen Geheimnissen nur so durchdrungen. Schön ist der Aufbau, der uns immer wieder auch mal von Jake weg und zu seinen entführten Freunden hinführt, sodass die Geradlinigkeit einer einzelnen Figur unterbrochen wird und man einen Gesamteindruck des Abenteuers erhält. Das kommt der Spannung zu Gute, die in diesem Buch mit Sicherheit nicht fehlt.

Besonders positiv finde ich, dass diese Zeitreiseerzählung ohne geschichtliche Figuren auskommt. Reist man doch meist in eine Zeit, in denen bekannte Figuren aus der Geschichte auftauchen. Hier steht tatsächlich das Geschehen rund um Jake und seine Freunde im Vordergrund, ohne, dass noch endlose geschichtliche Nähte geknüpft und Erklärungen gegeben werden müssen, um dem Leser die Zeit, in der sie gelandet sind, näherbringen zu können.

Was mir nicht so gut gefallen hat:

Nach Reihen wie der Edelstein-Trilogie und Zeitenzauber halte ich nun ein Buch in der Hand, dessen Handlung mich zwar überzeugt, nicht aber die Art und Weise wie Zeitreisen hier vonstatten gehen. Es hat sich mir nicht ganz erschlossen, wie auf der einen Seite nur eine kleine Auswahl von Menschen damit gesegnet ist, Zeitreisen durchführen zu können, wenn sie ein bestimmtes Gemisch zu sich nehmen, auf der anderen Seite aber ein ganzes Schiff samt Besatzung auf Seiten der Bösen in ein Hauptquartier, das etwa 2000 Jahre in der Vergangenheit liegt, springen kann. Hinzu kommt, dass so große Zeitsprünge sogar den Tod mit sich bringen können, wenn man nicht genug Menschen mit der „Diamant-Begabung“ dabei hat, was hier natürlich nicht passiert. Auch Haustiere scheinen übrigens kein Problem mit Zeitsprüngen zu haben. Die Idee schien mir nicht ganz ausgereift.

Einige Passagen wurden zwar sehr gut beschrieben, widersetzten sich aber meiner Logik. Wenn plötzlich jemand, während er mit der Peitsche malträtiert wird, sein eigenes Halstuch zu einem Lasso binden kann, um es demjenigen mit der Peitsche dann um den Hals zu werfen, stellt sich mir unweigerlich die Frage, was für ein riesiges Halstuch derjenige wohl mit sich trägt. Wenn derjenige, der das Halstuch dann um den Hals geworfen bekommt, daran auch noch eine Weile an einer Kutsche herunter über dem Abgrund baumelt, ist mir das Ganze dann doch zu viel. Solche Szenen gibt es immer mal wieder, die das Abenteuer hier und da dann doch etwas unrealistisch erscheinen ließen.

Gestaltung: 

Die Hauptfarbe des Covers ist schwarz, wodurch sich die goldene Sanduhr, die von zwei goldenen Planeten auf einer goldenen Scheibe flankiert wird, besonders schön abhebt. Ein Symbol, das im Buch eine sehr große Rolle spielt. Am unteren Teil der Sanduhr sehen wir die Silhouette eines Jungen, der wohl Jake Djones sein dürfte. Unter dem Mittelpunkt der Betrachtung finden wir noch ein schwarz-graues Bild einer Burg oder eines Schlosses. Wer das Buch gelesen hat, weiß, worum es sich dabei genau handelt. Ein sehr ansprechendes Cover, das nicht wenig dazu beigetragen hat, dass ich dieses Buch gekauft habe.

Wertung: 

Story und Charaktere haben mir sehr gut gefallen, auch die Umsetzung der Geschichte und die darin enthaltene Spannung lassen kaum zu wünschen übrig. Da ich aber wenig von der Darstellung der Zeitreise überzeugt bin, die sicher auch Geschmackssache ist und deshalb nur einen halben Punkt Abzug bekommt, aber immer wieder auch Passagen dabei waren, die mich den Kopf schütteln ließen, die das Buch einen Punkt kosten, gebe ich „Jake Djones“ 3 ½ Lila-Leseterne.

  (4)
Tags: 19. jahrhundert, frankreic, hüter, jake djones, zei, zeitreis, zeitsprung   (7)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(8)

19 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

lustig, märchenhaft, kinderbuc, jugendbuch, fantasy

Das Unkrautland, Band 2: Das Geheimnis der Schwarzen Hütte

Stefan Seitz
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 21.02.2014
ISBN 9783551312679
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Story und Charaktere: 

Im zweiten Band der Unkrautreihe begleiten wir Primus und die Hexe Plim auf der nächsten Etappe ihres großen Abenteuers. Dieses Mal verschlägt es die beiden in die Westlichen Sümpfe, wo sie sich auf die Suche nach der „Schwarzen Hütte“ begeben. Das ist natürlich kein Zufall. Erst belauscht Primus eine alte Frau, die einigen Kindern ein Schauermärchen über diese Gegend erzählt, und dann gibt ihnen die Rätselrübe auch noch ein passendes Rätsel rund um ein geheimnisvolles Buch auf. Da ist die Neugierde, was sich in den Sümpfen verbirgt, natürlich groß. Immer noch auf der Suche nach der Nebelfee, können Primus und Plim es deshalb nicht lassen, das Märchen zu überprüfen und das Rätsel der Rübe zu lösen. Dass auch noch jemand anderes, der furchterregende Bergteufel, ebenfalls auf der Suche nach dem Buch ist, wissen sie zu dem Zeitpunkt noch nicht. Als sie es herausfinden, wird alles nur noch rätselhafter.

Primus und Plim bleiben ihren Charakteren mehr als treu. Man fühlt sich schon bald, als hätte es gar keinen Bruch zwischen dem ersten und zweiten Band gegeben, sodass man schnell wieder mit den beiden zurück ins Abenteuer eintaucht. Plim ist dabei zickig, widerspenstig , manchmal kleptomanisch und überaus verrückt wie schon im ersten Band, sodass man immer wieder schmunzeln muss.
Haben wir als Nebencharaktere im ersten Band noch den dicken Kürbis Snigg auf einem seiner Abenteuer begleitet, welches ihn am Ende zum Helden machte, begleiten wir dieses Mal den geschwätzigen Vogel Bucklewhee, der eigentlich in Primus Uhr lebt.
Ein witziges kleines Kerlchen, das das ungeahnte Talent besitzt, alles besser zu wissen und einem manchmal mächtig auf die Nerven zu gehen. Trotz allem schließt man ihn schnell ins Herz, wenn er ganz alleine durch die stockdunklen Postrohre läuft und einfach keine Möglichkeit findet, wieder ans Tageslicht zu gelangen. 
Primus leibt und lebt, wie wir ihn kennen. In Fledermausgestalt stibitzt er den Dorfbewohnern leckeren Kuchen, das Geheimnis um die Nebelfee lässt ihn nicht los und so begleiten wir ihn ins nächste Abenteuer, rund um die Westlichen Sümpfe. Er ist es, der meistens wieder den kühleren Kopf behält, das Ganze leitet und Plim immer mal wieder zum Grummeln bringt, weil er einfach nichts isst. Aber so ist das wohl, wenn man schon ein paar hundert Jahre auf dem Buckel hat. Durch seine witzigen Einfälle, wenn er beispielsweise den Bergteufel zum Narren hält, hat man auch hier immer wieder etwas zu lachen.

Der Bergteufel ist eine sehr imposante Erscheinung, der man lieber nicht über den Weg laufen möchte. So lange sie können, scheuen auch Primus und Plim davor zurück, sich mit ihm auseinanderzusetzen. Als sie es aber schließlich doch tun müssen, hält er einige Überraschungen für sie bereit.

Alles in allem wieder wunderbare Charaktere, die den Leser auf ein Abenteuer mitnehmen, das schon allzu bald zu Ende ist. Wie gut, dass es noch einen dritten Band gibt.

Was mir besonders gefallen hat: 

Obwohl der zweite Band praktisch nahtlos an den ersten ansetzt und die Fortsetzung des Abenteuers um die Nebelfee bildet, ist es doch eine in sich abgeschlossene Handlung, sodass auch diejenigen, die den ersten Band nicht gelesen haben, sehr schnell ins Geschehen eintauchen können. Stefan Seitz hat dafür gesorgt, alle wichtigen Punkte aus dem ersten Band im zweiten noch einmal aufzugreifen, sodass man sich schnell zurechtfindet.

An Spannung, die durch humorvolle Szenen immer wieder aufgelockert wird, fehlt es auch dieses Mal in diesem kurzweiligen Abenteuer nicht.

Die Sprache ist, wie auch im ersten Band, sehr einfach gehalten. Die Sätze sind zumeist kurz, sodass auch jüngeren Lesern der Spaß am Lesen erhalten bleibt. Hier macht auch das Vorlesen eine Menge Spaß.

Gestaltung:

Leider verstehe ich auch nach dem Lesen des Buches nicht, warum für diesen Teil dieses Cover gewählt worden ist. Primus schaut, mit dem Rücken zum Leser, einen leeren Fleck an der Wand an, während er in einem Raum voller seltsamer Gegenstände steht. Er lässt die Schultern hängen und wirkt ziemlich leblos. Ein für mich sehr nichtssagendes Cover, das wesentlich besser hätte gewählt werden können. Vor allem bei einer so lebhaften Geschichte.

Wertung: 

Die Charaktere und die Geschichte haben mich wieder voll überzeugt. Der zweite Band steht dem ersten in nichts nach. Nur das eher langweilige, nichtssagende, wenn auch farblich schön gestaltete Cover, hält mich davon ab, volle 5 Sterne zu vergeben. Primus und Plim erhalten für ihr zweites Abenteuer wieder 4 ½ Lila-Lesesterne in der Gesamtwertung.

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(9)

26 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 3 Rezensionen

rätsel, zauberei, abenteue, stuart horten, rätse

Stuart Horten - Sieben Rätsel und ein magischer Stern

Lissa Evans , Temujin Doran
Fester Einband: 369 Seiten
Erschienen bei mixtvision, 01.04.2013
ISBN 9783939435747
Genre: Kinderbuch

Rezension:


Story und Charaktere:

Nachdem der für sein Alter sehr kleine, 10 Jahre alte Stuart Horten im ersten Band das Rätsel um den Standort der Magierwerkstatt seines Großonkels Kenny gelöst hat, muss er sich in Band 2 mit den Geheimnissen der Illusionen auseinandersetzen, die in eben dieser Werkstatt versteckt waren.
Mit Hilfe eines siebenzackigen Sterns, den er zufällig bei der Erkundung der Illusionen findet, macht er sich daran, zusammen mit seiner Freundin April herauszufinden, was sich hinter den sieben Stücken verbirgt, die jetzt im Museum der Stadt Beeton vorübergehend gelagert werden.
Das Abenteuer, das sich im ersten Band zum Ende hin als wirklich magisch erwies, geht jetzt in die zweite magische Runde. Ab jetzt ist nichts mehr, wie es zu sein scheint. Ein Rätsel jagt das nächste – und das ist nicht immer ganz ungefährlich. Doch wenn Stuart beweisen will, dass ihm die Stücke wirklich gehören, muss er sich den Aufgaben stellen, die ihn erwarten, denn nur dann ist er in der Lage, das Testament seines Großonkels zu finden und allen zu zeigen, dass er von Anfang an Recht hatte.

Der erste Band der Reihe hat uns ein realistisch anmutendes Abenteuer rund um Stuart Horten und seinen Großonkel Kenny präsentiert, das ein magisches Finale hatte, von dem ich nicht ganz überzeugt war. Hätte ich allerdings vorher gewusst, das aus diesem ersten Abenteuer ein zweites, absolut magisches Abenteuer hervorgeht, hätte ich das mit Sicherheit nicht am ersten Band kritisiert. In Band 2 sehen wir uns einem noch rasanteren und kniffligeren Abenteuer gegenüber als in Band 1. Ich muss sagen, dass sich die Autorin, die einen wirklich tollen ersten Band geliefert hat, in Band 2 sogar noch gesteigert hat.

Wer Band 2 liest, hat sicherlich auch Band 1 gelesen, sodass ich nicht allzu viel zu den Charakteren sagen muss. Sehr gut gefallen hat mir, dass der immer in langen Fremdwörtern sprechende Vater in diesem Band eine echte Aufgabe bekommen hat und sogar Teil des Abenteuers wurde, das sein Sohn mit April zusammen erlebt. Ganz entgegen seiner sonstigen Art der Kommunikation ist er gezwungen, plötzlich in einfachen Sätzen zu sprechen. Gar nicht so leicht wie sich herausstellen soll. Obwohl sich Stuart vor dieser Sache gewünscht hätte, dass sein Vater in eben solchen Sätzen spricht, möchte er danach gar nichts mehr an seinem Vater ändern und ist froh, als die langen Wörter wieder Verwendung in der Sprache seines Vaters finden. Eine witzige, humorvolle Art eine Nachricht an den Leser zu vermitteln, der sich mit Sicherheit auch manchmal wünscht, dass jemand in seiner Umgebung doch eigentlich ganz anders sein könnte. Diese Stelle liest sich mit einem Augenzwinkern, das mir mehr als ein Schmunzeln entlockt hat.

Stuart und April bleiben sich selbst treu. Sie sind in Band 2 klar wiedererkennbar und wurden weiter ausgearbeitet. Die Rolle die April im Trio der Drillinge spielt, wird beispielsweise sehr schön herausgearbeitet, sodass auch die Nebenfiguren May und June aus Band 1, eine klarere Charakterkontur erhalten. Es geht dem Leser im Grunde genommen wie Stuart – es fällt immer leichter, die Drillinge auseinanderzuhalten.
Auch Clifford, der in Band 1 noch der naive Anhänger der Bürgermeisterin war, die auf wundersame Weise verschwand, erhält im zweiten Band seinen eigenen Raum, sodass er als sympathischer Nebencharakter plötzlich viel präsenter ist. Er durchlebt einen Wandel seiner selbst, der ihn in eine Richtung bringt, die auch den Kindern sehr gut gefällt.

Selbstverständlich werden auch ein paar neue Figuren eingeführt, doch wer das ist, das möchte ich hier nicht vorwegnehmen.

Was mir besonders gut gefallen hat:

Auch in diesem Band orientiert sich die Autorin am Alter ihrer Leser, wodurch ihr Schreibstil durch kurze und vor allem einfache Sätze besticht. Die Kapitel wurden, wie in Band 1, ebenfalls wieder kurz gehalten, sodass ohne Probleme eine Leseunterbrechung nach einigen Seiten eingelegt werden kann, ohne mitten im Kapitel stoppen zu müssen.
Besonders gefällt mir, dass Band 2 praktisch nahtlos an Band 1 anknüpft und man sich nicht erst neu zurechtfinden muss. Die Autorin ist ihren Charakteren treu geblieben, verändert sie nicht und schafft es dadurch den Eindruck zu erwecken, als hätte man Band 1 nie aus der Hand gelegt.
Klar erkennbar ist, dass die Autorin am ersten Band gewachsen ist. Sie spielt noch besser mit spannungsvollen Szenen, verknüpft die einzelnen Charaktere noch effizienter und scheint ein noch besseres Gefühl für den Verlauf einer rasanten Geschichte entwickelt zu haben. Ich jedenfalls finde, dass sie sich gegenüber Band 1 schreibtechnisch gesteigert hat.

Gestaltung:

Band 1 war in den Farben Creme und Schwarz gehalten. Dieses Mal finden die Farben Blau und Schwarz Verwendung. Die beiden Kinder, die vor einem dreieckigen Etwas zwischen einigen Ranken und über einem ausgebreiteten Fächer mit Stern in der oberen Mitte stehen, unter dem sich wiederum ein Stuhl befindet, aus dem die Ranken herauszuwachsen scheinen, machen im Gesamtbild erst wieder wirklich Sinn, wenn man das Buch gelesen hat. Eigentlich puzzelt sich das Coververständnis während des Lesens von selbst zusammen. Das ist auch das, was das erste Cover bereits ausgemacht hat.

Wertung:

Da mir auch hier einfach alles am Buch zugesagt hat und ich es zum Teil sogar noch besser fand als Band 1, vergebe ich wie an seinen Vorgänger gerne wieder 5 Lila-Lesesterne und eine klare Leseempfehlung.

  (1)
Tags: abenteue, magisc, rätse, spannung   (4)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(37)

110 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 15 Rezensionen

zauberei, werkstatt, rätsel, magie, suche

Stuart Horten - Acht Münzen und eine magische Werkstatt

Lissa Evans , Temujin Doran ,
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei mixtvision, 01.09.2012
ISBN 9783939435532
Genre: Kinderbuch

Rezension:


Story und Charaktere:

Der 10jährige für sein Alter viel zu kleine Stuart Horten hat es nicht leicht. Gerade beginnen die Sommerferien und seine Eltern stellen ihn vor vollendete Tatsachen - sie werden umziehen. Da seine Mutter einen Job angeboten bekommen hat, der über 100 Kilometer entfernt liegt und der Weg somit zu weit wäre, um ihn jeden Tag zu fahren, wird beschlossen, in die alte Heimatstadt seines Vaters zu ziehen, die zufällig in der Nähe des Krankenhauses liegt, in dem Stuarts Mutter anfangen kann zu arbeiten. Klar, dass Stuart das so gar nicht gefällt.
Als sie jedoch dort ankommen, entwickelt sich sein Aufenthalt dort schnell zu einem Abenteuer. Stuart besucht mit seinem Vater zusammen das alte Haus, in dem sein Großonkel Kenny damals gewohnt hat. Es ist alt und vermodert und eigentlich hat Stuart auch noch nie wirklich etwas über seinen Onkel erfahren. Das ändert sich nun. Stuart erfährt, dass sein Großonkel ein Magier war, was ihn selbst mehr als begeistert. Damit fängt das Abenteuer an. In einer alten Geldschatulle, die einen geheimen Mechanismus hat, findet Stuart eine Nachricht, sowie acht Threepenny-Stücke, die ihn auf eine spannende Reise durch Beeton schicken. Stuart soll mit diesen acht Münzen die alte Werkstatt seines Großonkels finden – ein Auftrag, der eigentlich an seinen Kreuzworträtsel schreibenden Vater gerichtet war, der sich aber nicht für Geheimnisse interessiert. Dummerweise muss Stuart bald feststellen, dass die Aufgabe gar nicht so einfach ist. Da ist nämlich noch jemand, der diese Räume unbedingt finden will. Wie soll er das alles bloß alleine schaffen?

Stuart Horten ist 10 Jahre alt, gerade nach Beeton gezogen und ein sehr mutiger kleiner Mann, der allen Wahrscheinlichkeiten zum Trotz das Unmögliche möglich machen will. Obwohl die alten Gebäude der Stadt zum Teil nicht mehr stehen und einige Hinweise somit nicht mehr an Ort und Stelle zu finden sind, gibt er nicht auf, das Rätsel zu lösen, das ihm sein Großonkel Kenny hinterlassen hat. Während Stuart durch die kleine Stadt streift, hier und da in Schwierigkeiten gerät, gegenüber seinen Eltern, besonders gegenüber seinem Vater, immer wieder Notlügen erfinden muss und auch noch die drei neugierigen Nachbarsdrillinge am Hals hat, fiebert man die ganze Zeit mit ihm mit. Dass Stuart 10 Jahre alt ist, nimmt man ihm ohne weiteres ab. Obwohl er oft sehr durchdacht wirkt, ist er doch auch überaus naiv, sodass seine Handlungen eben nicht wie die eines jungen Erwachsenen oder Erwachsenen anmuten, sondern wie die eines Jungen, der ein fantastisches Ziel verfolgt. Stuart ist auch der Charakter, der am besten ausgearbeitet wurde. Selbst seine Eltern scheinen eher als Nebencharaktere zu fungieren, während sein verschwundener Großonkel weiter im Vordergrund auftaucht, ohne selbst zu agieren. Doch sind es seine Hinweise denen wir folgen, was erklärt, warum dies von Lissa Evans so gehandhabt wurde.

Natürlich bleibt Stuart bei seinem Abenteuer nicht alleine. Er erhält auf der einen Seite Unterstützung, hat aber auf der anderen Seite auch Widersacher, die ihm ständig dazwischenfunken wollen. Gerade bei einer der „Helferfiguren“, ich möchte nicht zu viel verraten und behalte deshalb den Namen für mich, ist ein toller Charakterwandel zu erkennen, den ich mir anfangs beim besten Willen nicht hätte vorstellen können. Ein gelungener Schachzug der Autorin, der mir sehr gefallen hat und der eine tolle Botschaft transportiert.

Stuarts Widersacher, werden ziemlich einfach umrissen, doch geht aus dem, was wir erfahren, ganz klar hervor, mit welcher Art von Charakteren wir es hier zu tun haben. Die gerissene, machthungrige Jeannie, die schon die klingelnde Kasse vor ihrem geistigen Auge sieht und der dümmliche Clifford, dem ständig eine weiße Taube über dem Kopf kreist, sind mit wenigen, aber effizienten Eigenschaften ausgestattet worden, die es dem jungen Leser sehr einfach machen, diese einzuschätzen.

Stuarts Eltern sind zwei lockere Charaktere, die ein bisschen in ihrer eigenen Welt leben. Stuarts Mutter ist den ganzen Tag auf der Arbeit, sodass Stuart mit seinem Vater alleine zuhause bleibt. Dieser schreibt von Berufs wegen Kreuzworträtsel und spricht meistens in sehr konfus anmutenden Sätzen, die dem jungen Leser sicherlich Fragezeichen über die Köpfe zaubern wird. Aber das ist hier auch so gewollt, geht es Stuart doch ganz genauso, wenn er mit seinem Vater spricht. Stuarts Vater ist in Gedanken immer so sehr mit neuen Wörtern für die Rätsel beschäftigt, dass er nichts dagegen hat, wenn Stuart sich den ganzen Tag draußen herumtreibt. So hat Stuart freie Hand und kann die Sommerferien in Beeton nun doch in vollen und vor allem aufregenden Zügen genießen.

Was mir besonders gefallen hat:

Die 31 Kapitel im Buch sind jeweils recht kurz gehalten und in einer einfachen Sprache mit kurzen Sätzen verfasst worden. Die Schrift ist relativ groß und somit genau richtig für das empfohlene Lesealter von 10 Jahren. Zusammen mit der Charaktergestaltung wurden hier ideale Lesevoraussetzungen für dieses Alter geschaffen. Da der Hauptprotagonist männlich ist, ist es vor allem für Jungs in diesem Altersbereich sehr interessant. Das soll natürlich nicht heißen, dass Mädchen nicht ebenfalls ihren Spaß daran hätten. Schließlich gibt es da die nicht ganz unwichtigen und vor allem aufdringlichen Drillinge von nebenan und die sind weiblich.

Stuart, der sich auf Grund seiner Größe scheinbar immer wieder mit dem Spitznamen „Shorty“ herumärgern muss, beweist in diesem Buch, dass Größe wirklich nicht alles ist und das vor allem die Kleinen ganz groß sein können. Auf ganz einfache Art, werden hier Themen wie Vertrauen, Freundschaft und die Kraft von kleinen Dingen mit großer Wirkung eingewoben, die der Leser wohl jeder auf seine Art und Weise aus dem Text mitnehmen wird. Was mir besonders gefällt ist, dass wir es hier mit einem Buch zu tun haben, das es tatsächlich schafft, ein gewaltfreies, wenn auch trotzdem nicht ungefährliches Abenteuer zu schaffen, das man seinem Kind getrost in die Hand geben kann, ohne sich Sorgen machen zu müssen, mit welchen Bildern es nachts ins Bett geht. Es ist wirklich einfach ein tolles, auf das Lesealter abgestimmtes Abenteuer, das ich für sehr empfehlenswert halte.

Was mir nicht so gut gefallen hat:

Nachdem das Buch über so viele Kapitel hinweg auf ganz realistische Art und Weise ein magisches Abenteuer geliefert hat, muss ich wieder einmal das Ende als Kritikpunkt erwähnen, da es für mich als Auflösung des Ganzen nicht ganz passend schien. Da ich keinen Spoiler setzen möchte, nur so viel: es ist ein magisches Ende in einer realistisch anmutenden Geschichte. Wieder eine Sache, die ich nicht mit in die Wertung einbeziehen werde, da dies für mich unter "Geschmackssache" fällt.

Gestaltung:

Obwohl farblich in cremefarben und schwarz gehalten, hat mich das Cover des Buches dazu gebracht, es in die Hand zu nehmen. Der kleine Junge, der vor einem Vorhang steht, auf eine Münze blickt und man als Betrachter die Uhr mit den Zahnrädern sehen kann – das hat mich sofort in den Bann gezogen. Auch hier kann ich nach dem Buch wieder sagen: Es ist tatsächlich perfekt auf die Geschichte abgestimmt. Wer das Buch gelesen hat und anschließend noch einmal einen Blick aufs Cover wirft, das einen vielleicht vorerst fragend zurücklässt, da man es mit dem Klappentext nicht ganz in Einklang bringen kann, wird einen Aha-Moment erleben. Das hat mir außerordentlich gut gefallen.

Wertung:

Da mich die Art und Weise, wie die einzelnen Charaktere dargestellt werden, Form und Ausführung des Textes, sowie die Gestaltung rundum zufrieden gemacht haben, gebe ich für diesen ersten Band der Reihe sehr gerne 5 Lila-Lesesterne und eine klare Leseempfehlung.

  (3)
Tags: abenteuer, freundschaf, magisc, stuart horten   (4)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(105)

239 Bibliotheken, 3 Leser, 5 Gruppen, 65 Rezensionen

buchland, bücher, herr plana, markus walther, tod

Buchland

Markus Walther
Flexibler Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Acabus Verlag, 18.03.2013
ISBN 9783862821860
Genre: Fantasy

Rezension:


Story und Charaktere:

Als Bea im Antiquariat von Herrn Plana die Stelle annimmt, weiß sie noch nicht, dass sie das tut, weil sie eine Mission zu erfüllen hat. Schon bald ändert sich das jedoch und sie erfährt, dass sie ein Buch schreiben muss, um das Buchland zu retten.
Um allerdings dieses Buch schreiben zu können, muss sie sich zunächst ihren eigenen Dämonen stellen. Sie muss den Tod ihrer kleinen Tochter verarbeiten und mit ihrem alkoholabhängigen Mann ins Reine kommen. Sie muss zu sich selbst finden und ihrer Liebe zum geschriebenen Wort freien Lauf lassen.
Auf ihrem Weg trifft sie auf Kunden, die seltsamerweise die Namen großer, bekannter Schriftsteller tragen und deren Zeit entsprechend gekleidet sind, sie dringt tief in die Geheimnisse des Buchlandes ein, gelangt an Orte, die direkt ihrer Fantasie entsprungen zu sein scheinen und erfährt Dinge, die unglaublicher nicht sein könnten.

Markus Walther hat eine Geschichte um zwei Charaktere gesponnen, die den Leser auf eine Reise entführen, die er nicht so schnell vergessen wird, aus der er während des Lesens nur schwer auftauchen kann und die so unglaublich ist, dass sie nicht mehr loslässt.

Wir bewegen uns mit Herrn Plana und Bea in rasender Geschwindigkeit durch das Buchland. Mal sind es enge Gänge, die wir beschreiten, mal große Hallen die wir betreten. Es geht weit hinauf und tief hinunter, an Orte, an denen es wunderschön ist, in Ecken, die gefährlich sind und nie ist etwas so, wie es auf den ersten Blick zu sein scheint. Genau das macht diese Geschichte so spannend und zu einem berauschenden Abenteuer der besonderen Art.

Mit Herrn Plana und Bea, hat sich Markus Walther zwei besondere Charaktere erdacht, die sehr unterschiedlich sind. Herr Plana ist ein alter Mann, der immer wieder von starken Schmerzen heimgesucht wird, für die es nur eine Linderung gibt – das geschriebene Wort. Wenn Bea ihm vorliest, lassen die Schmerzen nach und er kann sie weiter auf ihrem Weg begleiten. Herr Plana ist auch nicht irgendein Antiquar, sondern, wie er Bea bald schon erklärt, ein Auktoral. Laut Definition der Notizen des Auktorals am Ende des Buches, bedeutet das folgendes:

„Auktoral ist ein Kunstwort abgeleitet von dem lat. auctor (Autor). Ein auktorialer Erzähler steht über der Geschichte und ist somit allwissend. Im direkten Gegensatz dazu steht der Ich-Erzähler, der die Identität eines Darstellers annimmt und aus dessen Perspektive die Geschichte erzählt. Es zeugt von Genius oder Wahnsinn, wenn ein Schriftsteller beides in einen Topf wirft. Wer würde dergleichen Paradoxes tun?“ 

Was das für dieses Buch, das aus der Ich-Perspektive von Herrn Plana geschrieben ist, bedeutet, muss der Leser für sich selbst herausfinden. Mich hat diese Herangehensweise an eine Geschichte überrascht und absolut fasziniert.

Bea ist ein eher wankelmütiger Charakter. Während Herr Plana einen Plan verfolgt, dessen Ziel er selbst noch nicht kennt, macht Bea ein paar Schritte nach vorn und dann wieder einige zurück. In einem Moment strotzt sie vor Selbstbewusstsein, im anderen haben wir es mit einem Häufchen Elend zu tun. Mal ist sie stark, mal ist sie schwach. Sie zeigt uns das Gesamtpaket der Emotionsleiter, die ein Mensch durchlebt, der nicht weiß, wo er gerade steht, manchmal keinen Ausweg sieht, aber dann doch zielstrebig sein möchte. Man hat automatisch eine Menge Verständnis für sie, will sie aber hier und da auch gerne einmal anschreien. Gut, dass es in solchen Momenten Herrn Plana und seine Bücher gibt, die hier und da eingreifen, wenn man als Leser schon das Gefühl hat, dass jetzt gleich alles den Bach runtergeht.

Was mir besonders gefallen hat:

Dieses Buch, das für mich eine einzige Liebeserklärung an die Literatur darstellt, mit eigenen Worten zu beurteilen, fällt mir sehr schwer. Obwohl „Buchland“ nur 232 Seiten hat, ist es inhaltlich so voll, wie ein 1000seitiger Wälzer. Hier wurde ein „Zwischenzeiler“ geschrieben, der jedem, der Bücher liebt, das Herz aufgehen lässt. Es gibt so viele kleine Andeutungen und Hinweise auf klassische Werke, so viel Humor zwischen den Zeilen, so viele Denkanstöße, die umrissen, aber nicht ausgesprochen werden, dass der Kopf beim Lesen so beschäftigt ist, wie bei keinem zweiten Buch. Markus Walther spinnt hier ein Netz aus Fantastischem und Wirklichkeit, schafft die Gratwanderung, so viel wegzulassen, aber doch genug zu sagen, dass im Kopf des Lesers eine wahrhafte Explosion eigener Kreativität und Gestaltungsmöglichkeit des Buchlandes stattfindet und  man so unweigerlich von seinen Worten gefangen wird. „Die hohe Kunst des Weglassens“ ist nicht nur ein Kapitel im Buch, sondern sie wurde hier auch meisterhaft umgesetzt.

Wir begegnen in diesem Buch den ungeschriebenen Büchern und den entbehrlichen Büchern, geflügelten Worten kann man fast die Hand reichen. Persönlich und in Worten, treffen wir auf einige der großen Schriftsteller, die unsere Literatur über lange Zeit hinweg geprägt haben. Edgar Allan Poe oder auch Goethe haben hier ihren Auftritt. Wir sehen uns Pegasos und Kalliope gegenüber, hören von Platon und Sokrates, Mark Twain, Jean de la Fontaine, Michael Ende aber auch Karl May. Wir begegnen dem personifizierten Tod, wie wir es doch ähnlich auch von einem weiteren großen Autor kennen, einem blinden Buchbinder und sogar einem Richard Doe. Das Auftauchen von Richard Doe, ist einer der Momente, in der dem Leser, der sich der Bezeichnung dieses namens (hoffentlich) bewusst ist, mehr als einmal ein Schmunzeln entlockt wird. Mit eben dieser Szene, sowie einigen weiteren, nimmt Markus Walther Kritik in seinen Text auf, die so subtil eingebracht wird, dass ich mehrmals den Kopf schütteln musste, als sich ein Lächeln auf meine Lippen stahl.
„Subtil“ - ich glaube, dieses Wort ist genau das richtige, für all das Unterschwellige aus all den verschiedenen Lebensbereichen, das in diesem Buch seinen Platz findet.

Was mir nicht so gut gefallen hat:

Das Buch hat zwei Momente, die mich etwas irritiert haben, weil ich sie so überzogen fand. Zum Einen fühlte ich mich plötzlich an den gläsernen Fahrstuhl aus Charlies Schokoladenfabrik erinnert, der etwa 2 Stunden lang bis in die Wolken fährt und zum Anderen war mir der Ritt auf Pegasos einfach zu dick aufgetragen. Das ist allerdings aber wohl eher Geschmackssache.
Etwas seltsam fand ich auch die Darstellung von Herrn Plana, der trotz starker Schmerzen, die ihn manchmal regelrecht umhauen, beispielsweise 16 km Weg unter anderem auf den Oberseiten von Bücherregalen zurücklegt. Das schien mir nicht ganz durchdacht.

Zusatz: Altersempfehlung und Zielgruppe

Ich denke, dass sich dieses Buch nicht für jeden Leser eignet, der hinter dem Titel und dem Klappentext eine fantastische Geschichte erwartet. Der Text ist so vielschichtig und durchtränkt mit Anspielungen, Andeutungen, Unausgesprochenem und Nichtgesagtem, dass jemand, der sich schwer damit tut, zwischen den Zeilen zu lesen, in diesem Buch vielleicht eine Enttäuschung erleben wird. Klassische Literatur sollte kein Fremdwort für jemanden sein, der das Buch in die Hand nimmt und die Erwartung sollte sich nicht an einen kurzweilig, einfachen Text lehnen.
Meine persönliche Altersempfehlung wäre etwa ab 15 Jahren, wenn der/diejenige recht belesen ist und Spaß an diesem Buch entwickeln kann. Sonst sehe ich es eher in den Händen von Erwachsenen.

Gestaltung:

Eine schwarze Frauensilhouette vor einem beige-braunfarbenem Hintergrund, der verschiedene Figuren der Weltliteratur zeigt, trifft ganz genau den Kern des Buches. Wer nicht schon beim ersten Draufschauen vom Cover gefesselt ist, wird beim zweiten Hinsehen, nach dem Lesen erkennen, dass dieses Buch gar keine andere Gestaltung zulässt. Sie ist rundum gelungen.

Wertung:

Der Inhalt dieses Buches hat mich absolut begeistert. Die Liebe zum geschriebenen Wort, die hier vom Autor im Herzen des Lesers noch einmal ganz neu entfesselt wird, reicht bis in den hintersten Winkel des Herzens, zündet ein Lichtlein an und schenkt dir innere Wärme. Dieses Buch ist ein klares „Ja“ an die Literatur. Ein Buch, das ich allen, die Bücher lieben, nur empfehlen kann und deshalb mit 5 Lila-Lesesternen bewerte. 

  (2)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(169)

303 Bibliotheken, 0 Leser, 6 Gruppen, 55 Rezensionen

geister, ritter, internat, freundschaft, salisbury

Geisterritter

Cornelia Funke , Friedrich Hechelmann
Fester Einband: 252 Seiten
Erschienen bei Dressler, 01.08.2011
ISBN 9783791504797
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Story und Charaktere:

Der elfjährige Jon Whitcroft hat es nicht leicht. Sein Vater ist gestorben, als er vier war, danach hatte er seine Familie für sich, war der Mann im Haus und musste seine Mutter mit niemandem außer seinen Schwestern teilen. Seit allerdings der Vollbart da ist, ist alles anders. Plötzlich verbringt seine Mutter alle Zeit, die sie hat, mit ihm und nicht mehr mit ihrem Sohn und nun schlägt es auch noch dem Fass den Boden aus – sie schicken Jon auf ein Internat in Salisbury.
Miesgelaunt und mit dem Kopf voll bösartiger Gedanken an den Verlobten seiner Mutter, macht er sich auf den Weg zu seiner neuen Schule, die eine Stunde und neun Minuten weit weg liegt. Hier vergräbt er sich zunächst im Heimweh, lehnt seine beiden neuen Zimmerkameraden ab und will nichts mit Salisbury zu tun haben. Dann jedoch, in der sechsten Nacht, passiert etwas folgenschweres. Etwas, das Jon verändern wird. Vor dem Fenster seines Zimmers tauchen plötzlich drei Geisterreiter auf, die zu ihm hinauf starren und ihn in den nächsten Tagen jagen werden. Jon ist völlig von der Rolle, findet aber sehr bald eine Verbündete in Ella – dem Mädchen, dessen Großmutter die Geistertouren in der Kathedrale gibt. Sie glaubt an Jons Geistererscheinungen und klärt zusammen mit ihrer Großmutter bald auf, wer Jon da verfolgt. Ein alter Familienfluch lastet auf Jon, welcher den ruhelosen Geist Stourtons hinter allen Hartgills herjagt, um diese zu töten. Ella und ihre Großmutter suchen zusammen ein Mittel gegen diesen Spuk – einen weiteren Geist. Longspee war seinerzeit ein Ritter, dessen unruhiger Geist durch einen Eid an das Diesseits gebunden ist. Er hat geschworen, keinen Frieden zu finden, bis seine Seele reingewaschen ist von all seinen schandhaften Taten. Dies will er erreichen, indem er den Unschuldigen gegen die Grausamen beisteht und den Schwachen gegen die Starken. In ihm findet Jon einen starken Beschützer. Um sich erkenntlich zu zeigen, fragt er Longspee, was er für ihn tun kann. Mit dieser Frage entspinnt sich ein Netz um lang vergangene Zeiten, Intrigen und eine tragische Liebesgeschichte, die zwei Herzen im Tode trennt. Ein Abenteuer, das so manche Überraschung bereithält, entbrennt und lässt den Leser erst auf den letzten Seiten wieder los.

Jon, dessen Nerven im Buch ganz schön überstrapaziert werden, baut innerhalb kürzester Zeit eine Bindung zu seiner Freundin Ella und den Geist Longspee auf. Er ist ein sehr emotionaler Mensch, der aus dem Gefühl heraus handelt. Da die Geschichte in der Ich-Form als Erinnerung an eine damalige Zeit aus dem Erwachsenenalter heraus geschildert wird, halte ich es der Autorin zu Gute, dass man hier und da das Gefühl hat, es mit einem älteren Jungen zu tun zu haben. Ich habe mich hier und da sehr schwer getan, zu glauben, dass Jon doch noch so jung ist.

Ella ist ein sehr aufgewecktes Mädchen, mit ungeheuer viel Selbstbewusstsein. Sie lässt sich niemals den Mund verbieten, aber auch nicht in die Karten schauen. Sich Ausreden und Pläne aus dem Handgelenk zu schütteln, gehört genauso zu ihrem Wesen, wie das Finden von Lösungen, wenn Jon nicht weiß, was er tun soll. Sie kann dabei sehr forsch sein und erreicht immer das, was sie will.

Ellas Großmutter Zelda ist eine etwas verschrobene, seltsam anmutende Figur. Sie geht an Krücken und ist deshalb zur Zeit nicht im Geistertourdienst. So kann sie ihre Enkelin und ihren neuen Freund unterstützen, was sie auch nach Kräften tut. Geister sind nun einmal ihre Spezialität.

Die beiden Nebencharaktere Angus und Stu, die zusammen mit Jon ein Zimmer im Internat bewohnen, machen die ganze Sache rund um die Schule plastischer. Angus singt im Chor, worüber Jon sich immer wieder wundern muss, denn eigentlich ist Angus äußerlich überhaupt nicht der Typ dafür. Groß und breitschultrig könnte man ihn sich wohl eher als Footballspieler vorstellen, als als Sängerknabe. Zusammen mit Stu schließt er Wetten ab, von denen eine Jon betrifft. Eine Wette, dessen Ausgang den beiden die Augen für völlig neue Dinge dieser Welt öffnet.

Der Vollbart, wie Jon den Verlobten seiner Mutter nennt, hat ebenfalls keine unbedeutende Rolle. Er lehrt Jon Akzeptanz – auf sehr subtile Weise. Seine Figur zeigt dem Leser, wie wichtig es ist, seine Vorurteile erst auf die Probe zu stellen, bevor man sie zu seinem Lebensinhalt macht.

Die auftauchenden Geister werden sehr glaubhaft dargestellt. Während man die einen zur Hölle wünscht, fühlt man mit dem anderen mit. Man hegt Argwohn, spürt Erleichterung, drückt die Daumen, hält den Atem an.

Bis auf das Verhalten der Kinder, die für mich einfach nicht in die Rolle von Elfjährigen passen wollen, sind die Charaktere sehr schön ausgearbeitet worden. Die eher unwichtigen Nebencharaktere bleiben blass, bekommen aber dennoch genug Raum, um entsprechend ihrer Rolle zu agieren. So sorgt Cornelia Funke dafür, dass jeder Charakter seinen passenden Platz erhält.

Was mir besonders gefallen hat:

Bücher, die für Kurzweil sorgen, legen immer ein Tempo vor, das mich gebannt im Buch hängenbleiben lässt. Nachdem ich mich mit dem Anfang etwas schwer tat, der sich vor allem mit dem Einführen der Charaktere beschäftigt, hat Cornelia Funke mich mit der Geschichte um die verschiedenen Geister dann aber doch gepackt. Die Charaktere wurden immer greifbarer und  bekamen immer mehr Form. Das Abenteuer, dass sich entspinnt, beschränkt sich nicht nur auf einen linearen Ablauf, sondern lässt den roten Faden ein wenig nach links und rechts schlängeln. Das bringt Abwechslung in den Text und sorgt für immer neue Überraschungen.
Der Schreibstil in diesem Buch ist recht einfach gehalten. Bis auf die englischen Namen, sollten Kinder im angegebenen Lesealter keine Probleme haben, das Buch zu lesen.

Zusatz: Altersempfehlung

An diesem Punkt muss ich auch noch einmal genau darauf eingehen –  auf das empfohlene Lesealter. Da das Buch zum Teil doch ganz gruselig und die Geschichte durch die tragische Liebesgeschichte, die Eide und den Fluch eben nicht so einfach ist wie ein für mich typisches Kinderbuch, würde ich selbst das Buch eher ab 12 Jahren empfehlen und weniger ab 10.

Was mir nicht so gut gefallen hat:

Es gibt einen Punkt an diesem Buch, den ich  nicht verstehe. Cornelia Funke hat für die Geschichte von Jon die Ich-Perspektive gewählt, die die Erzählung aus der Gegenwart in der Vergangenheit reflektiert. Trotzdem hat sie bei einigen Gedankengängen immer wieder Teile der Erzählung in Klammern gesetzt. Das hat mich beim Lesen ehrlich gesagt gestört. Diese Einwände in Klammern, hätten dem Fließtext keinen Abbruch getan, da er, wie gesagt, in der Ich-Form geschrieben wurde. Klammern haben in Geschichten meiner Meinung nach nichts zu suchen, unterbrechen sie doch fortlaufend den Lesefluss.

Gestaltung:

Das Buch wartet nicht nur mit einem tollen Cover auf, auch mit der Gestaltung des Inneren wurde sich viel Mühe gegeben. Der Text ist auf reinweißen Seiten gedruckt, sodass die Illustrationen besonders gut zur Geltung kommen. Jeder Kapitelüberschrift  ist ein Ausschnitt aus den ganzseitigen, teils doppelseitigen Illustrationen von Friedrich Hechelmann beigefügt, dessen Gesamtwerk sich beim Lesen offenbart. Während mir der traditionell wirkende Zeichenstil hier und da eher nicht gefiel, muss ich dennoch ein Lob für die Zeichnungen aussprechen, die sich um das „Geisterhafte“ im Buch drehen. Diese finde ich, entgegen den „normalen Szenen“ sehr stimmungsvoll umgesetzt.
Mit diesen Illustrationen, dem hochwertigen Druck und dem festen reinweißen Papier rechtfertigt sich auch der Preis von 16,95 Euro für 238 Seiten.

Wertung:

Die Lesefluss beeinflussenden Klammern berücksichtigend, sowie den Fakt, dass ich Jon seine elf Jahre nicht ganz abnehmen kann, aber die Geschichte wirklich spannend und die Charaktere toll fand, sich so viel Mühe mit der Gestaltung gegeben wurde und die Qualität des Buches einfach überzeugend ist, vergebe ich 4 Lila-Lesesterne an die „Geisterritter“.

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(65)

79 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 23 Rezensionen

hexen, magnolia steel, magie, hexe, hexerei

Magnolia Steel - Hexenflüstern

Sabine Städing
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Boje, 15.02.2013
ISBN 9783414823533
Genre: Kinderbuch

Rezension:


Story und Charaktere:

„Hexenflüstern“ ist der Nachfolgeband des Buches „Hexendämmerung“ aus der Feder von Sabine Städing. Nachdem Magnolia Steel, die Hauptprotagonisten des Buches, im ersten Band erfahren hat, dass Hexenblut durch ihre Adern fließt, geht es für sie, ihre Freundin Jörna, ihre Tante Linette, bei der sie lebt, und Runa, die Freundin ihrer Tante, von Rauschewald aus in die USA. Dort sollen Magnolia und Jörna am Hexenkongress teilnehmen,der unter dem Motte „Wo die Liebe hinfällt“ stattfindet.
Aus diesem Anlass sind auch jede Menge andere magische Wesen anwesend, wie etwa Vampire und Elfen. Der Halbelf Leander hat es Magnolia schon im ersten Band angetan und das hält auch hier weiter an. Während Tante Linette und Runa im Dornröschenschloss wohnen, müssen sich Magnolia und Jörna ein Zelt mit vier weiteren Hexen teilen. Drei von ihnen stammen aus Kalifornien, eine aus dem weit entfernten China. Dabei haben alle ihre Eigenarten: die drei kalifornischen Hexen sind völlig überdreht und denken an nichts anders als Make-up, Styling und Jungs, während die Hexe aus China am liebsten in einem Kühlschrank steht.
Während sich die Junghexen im Camp vergnügen, verfolgen Tante Linette und Runa eine geheime Mission, bei der von Anfang an alles schief läuft.
Eigentlich wollten sie nur den Beryll, eine magische Brille, von den Klabautern abholen, um ihn sicher mit nach Hause zu nehmen. In den falschen Händen kann diese Brille nämlich großen Schaden anrichten. Natürlich tauchen nun einige dieser falschen Hände in Form von Gorgonen auf, die denjenigen, der ihnen in die Augen schaut, mit ihrem Blick versteinern können. Damit beginnt ein Abenteuer, aus dem sich auch die Junghexen bald nicht mehr heraushalten können.

Nachdem mir der erste Band um die Junghexe Magnolia bereits sehr gut gefallen hatte, war klar, dass auch der zweite Band bei mir einziehen musste. Sabine Städing hat mit „Hexenflüstern“ einen meiner Meinung nach würdigen Nachfolger geliefert, der wunderbar an den ersten Teil anknüpft.
Die verschiedenen Charaktere wurden gut umrissen, sodass man von jedem ein klares Bild vor Augen hat und keiner der Charaktere blass bleibt. Wunderbar hervorgehoben und integriert sind die verschiedenen Eigenschaften der magischen Wesen. Präzises Bogenschießen der Elfen erhält einen genauso großen Platz, wie die Fähigkeiten einer Wetterhexe. Es macht Spaß beim Lesen herauszufinden warum Kelpies so gefährlich sind oder man besser nicht an die Haustür einer Baba-Jaga klopft. Das Wesen eines jeden Charakters wird wunderbar dargestellt, sodass man zu jeder Figur einen Bezug entwickeln kann.
Vor allem die Hauptcharaktere sind sehr gut gelungen. Magnolia und Jörna unterscheiden sich in vielen Dingen, die daraus resultieren, dass Jörna in einer magischen Familie aufgewachsen ist und demnach auch einiges an magischem Wissen hat, während Jörna erst vor kurzem erfahren hat, dass es Hexen wirklich gibt und sie zufällig Hexenblut in den Adern hat. Dies wird von der Autorin hervorragend genutzt, denn dadurch fällt Jörna immer in die Rolle derjenigen, die dem Leser erklärt, welche Eigenschaften die jeweiligen Wesen haben. Dabei richtet sich das Wort natürlich an Magnolia, die jedes Mal wieder darüber staunt, wie vielfältig die magische Welt ist. Das macht sie allerdings auch ein bisschen naiv und leichtsinnig, da sie durch ihre Unwissenheit gerne mal die Situation unterschätzt und sich Hals über Kopf in Probleme stürzen würde, wenn ihr Jörna nicht zur Seite stände.
Tante Linette gehört definitiv zu meinen Lieblingscharakteren. Sie ist ein wenig verrückt, total verschroben und hat mich immer wieder zum Schmunzeln, sogar richtig zum Lachen gebracht. Sie ist bereits ein paar Jahre älter, wie auch ihre Freundin Runa, und wenn die beiden losziehen um ihr Abenteuer zu bestehen, ist nichts und niemand mehr sicher. In diesem Buch haben wir Charaktere, die mir einfach rundherum gefallen.

Einziger persönlicher Kritikpunkt an der Geschichte ist der Schluss, der sich nach dem Kongress abspielt und mir zu langatmig erschien. Dadurch, dass hier ein zweiter Abenteuerhöhepunkt inszeniert wird, muss man als Leser noch einmal Anlauf nehmen, um ans Ende zu gelangen. Diese Art von Schluss sagt mir persönlich nicht zu, aber das ist Meckern auf höchstem Niveau.

Was mir besonders gefallen hat:

Die Sprache des Buches ist einfach gehalten, was den Text auch für jüngere Leser attraktiv macht. Neben den toll beschriebenen und verwendeten Charakteren gefällt mir besonders, dass die Geschichte zwischen den Zeilen Werte wie Freundschaft, Toleranz und Zusammenhalt übermittelt, die jeder Leser mitnehmen wird. Witzig untergebracht sind verschiedene Stereotypisierungen, die beispielsweise durch die drei kalifornischen Hexen verdeutlicht werden. Sie lassen den Leser mehr als einmal schmunzeln und scheinen das Bild, das man über kalifornische Mädels hat, zu bestätigen.

Gestaltung:

Neben der spannenden und auch mal lustigen Geschichte, an der sich hoffentlich noch viele Kinder bzw. Jugendliche erfreuen werden, muss ich zu guter Letzt auch noch die schöne Aufmachung des Buches erwähnen. Die äußere Gestaltung wird durch die kleine Maus und die kleine Katze neben den Seitenzahlen, sowie der einfachen, aber kreativen Aufmachung der einzelnen Kapitel, komplett gemacht und unterstützt. Mich hat der Gesamteindruck auch beim zweiten Band überzeugt.

Wertung:


Sabine Städing hat es zum zweiten Mal geschafft mich sowohl mit ihrer Geschichte, wie auch mit ihren Charakteren zu überzeugen und mir eine vergnügliche Lesezeit zu bereiten, die viel zu schnell vorbei war. Ich hoffe natürlich auf einen dritten Band um die Junghexe Magnolia, ihre verrückte Tante und all die liebenswerten Wesen, die in den einzelnen Büchern auftauchen. Auch die Gestaltung gefällt mir außerordentlich gut, obwohl sie so einfach gehalten wurde.
Da ich außer meinem persönlichen Kritikpunkt nichts zu meckern habe und dieses Buch nach dem ersten Band uneingeschränkt weiterempfehle, gibt es von mir 5 Lila-Lesesterne.  

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(107)

171 Bibliotheken, 10 Leser, 1 Gruppe, 26 Rezensionen

hexen, zwerge, jugendbuch, fantasy, kobolde

Magnolia Steel - Hexendämmerung

Sabine Städing
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Boje, 17.02.2012
ISBN 9783414823267
Genre: Kinderbuch

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(72)

130 Bibliotheken, 0 Leser, 3 Gruppen, 40 Rezensionen

flügel, fantasy, engel, kinderbuch, wings

Wings

Jason Lethcoe , Scott Altmann
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Ars Edition, 20.07.2010
ISBN 9783760753232
Genre: Fantasy

Rezension:


Story und Charaktere:

Der 14jährige Edward MacLeod hat es nicht leicht. Nach dem Tod seiner Mutter wurde er von seiner Tante in die Berufsschule „Gießerei“ abgeschoben, wo er seit zwei Jahren sein Dasein fristet. Er ist etwa zwei Meter groß, dazu von schmächtiger Statur und zu allem Überfluss stottert er auch noch. Nicht gerade gute Voraussetzungen um sich bei seinen Mitschülern beliebt zu machen. So bleibt er einsam und alleine, liest viel und baut Kartenhäuser um zur Ruhe zu kommen.
Seit einiger Zeit juckt sein Rücken so sehr, dass es ihn manchmal wahnsinnig macht. Es ist ausgerechnet die Stelle zwischen den Schulterblättern, an die man selbst so schlecht heranreicht.
Dieses Jucken artet zu einem brennenden Schmerz aus, als er „Whiplash Peitschenhieb“ kennen lernt, nachdem er sich mit einem Mitschüler geprügelt hat. Was Edward nicht weiß ist, dass Whiplash zu den Gefallenen gehört, der ihm seine Flügel abnehmen will, sobald diese gewachsen sind, was nicht lange auf sich warten lässt. Zur Hilfe kommen will ihm dabei der mysteriöse Mr. Spines, dem Edward anfangs allerdings so gar nicht vertraut. Doch wie es nun einmal so ist, ändern sich die Dinge, als Edward erfährt, dass seine Mutter nicht tot ist, sondern vom Schakal gefangen gehalten wird. Jetzt ist Edward nur noch eines wichtig: Die Rettung seiner Mutter!

Nachdem ich das Buch nach dem Cliffhanger auf Seite 193 beendet hatte, blieb ich ziemlich unzufrieden zurück. Der Anfang des Buches ist vielversprechend – bis hin zu der Stelle, an der Edward die Flügel wachsen. Bis dahin nimmt Jason Lethcoe sich Zeit die einzelnen Charaktere vorzustellen und ihnen Leben einzuhauchen, die Umgebung zu beschreiben und das Kopfkino laufen zu lassen. Ab dem Moment allerdings, in dem die Jagd auf Edward losgeht, das Abenteuer um ihn und seine Herkunft beginnt, steht nur noch die Geschichte im Vordergrund. Die Charaktere verblassen, sind nur noch handelnde Personen über die man nicht viel sagen kann. Sie sind meiner Meinung nach völlig austauschbar. Als erster Teil einer Trilogie hat das Buch auch gar nicht allzu viel Handlung, sodass ich mir gewünscht hätte, mehr von den Charakteren zu erfahren, um eine Lesebeziehung zu ihnen aufbauen zu können, die mich in die Folgebände trägt.

Um die Figuren wirklich zu verstehen und sie näher kennenzulernen, muss man das am Ende angehängte Glossar lesen, das dann lieber am Anfang hätte stehen sollen, da einem die Informationen am Ende nicht mehr viel nützen, wenn man das Buch unzufrieden aus der Hand legt.

Die Geschichte selbst ist im Detail recht kompliziert. Nachdem Edward seine Flügel bekommen hat, wird der Leser mit Informationen überhäuft, von denen jede zweite noch Ausnahmen aufzeigt, die man sich merken soll, um zu verstehen, warum der ein oder andere Charakter entgegen dessen, was er eigentlich tun kann und darf, handelt. Es gibt mehrere Handlungsstränge, die immer nebeneinander herlaufen und sich teilweise kreuzen. Dies ist allerdings gut gelöst, denn so verliert man den Überblick über die einzelnen Charaktere nicht.

Was mich wirklich fragend zurückgelassen hat, ist die Darstellung von Edwards Verhalten. Obwohl der Autor immer wieder betont, dass Edward seine Flügel irgendwie Angst machen und er sich dafür schämt, er aber nicht einmal ausrastet, als sie plötzlich da sind oder das Ganze gar hinterfragt, orientiert sich Edwards Verhalten an dem eines normalen Jungen. Wären diese Einwürfe nicht zwischenzeitlich da, wüsste man gar nicht, dass Edward riesige Flügel auf dem Rücken hat. Eigentlich finden sie nur am Anfang Erwähnung, als er sie bekommt und am Ende, als er sie ohne Übung einzusetzen vermag. Eine Sache, die nach Aussage des mysteriösen Mr. Spines ganz und gar unmöglich ist. Hier fehlte mir der Bezug zum Zweck des Buches völlig. Ob mit oder ohne Flügel, der Text hätte kaum einen Unterschied gemacht.

Was mir besonders gefallen hat:

An diesem Buch gibt es nur eine Sache, die mir besonders gefallen hat und das sind die kurzen Kapitel. Dadurch, dass wir mehrere Handlungsstränge verfolgen, bieten sich diese kurzen Kapitel an, um den Faden nicht zu verlieren. Die Handlungsstränge laufen gleichzeitig zu den anderen Kapiteln ab. Man verweilt nie zu lange bei einem Charakter, sodass einem beim Lesen der Anschluss an den weiteren Verlauf der Geschichte nicht fehlt oder gar schwerfällt.

Gestaltung:

Eine silberne, mystische Schrift lädt den Betrachter dazu ein, das Buch mit dem recht dunklen Cover und dem Jungen mit den ebenholzfarbenen Flügeln, der auf einem Ast sitzt und Karten zu Boden gleiten lässt, in die Hand zu nehmen.
Die Schrift, die wir auf dem Cover finden, findet sich auch als Kapitelüberschrift im Buch wieder. Leider sieht diese Schrift keine Großbuchstaben vor, sodass alle Kapitelüberschriften klein geschrieben wurden. Es sieht seltsam aus, wenn Worte wie „die rettung“ falsch geschrieben wurden und mir ist nicht ganz klar, warum man das so gewählt hat. Der Druck der Überschriften im Buch fällt außerdem ziemlich blass aus, sodass sie mir nicht wirklich gefällt. Durch die kleingeschriebenen Buchstaben, die hier scheinbar als Stilmittel eingesetzt werden, habe ich immer das Gefühl von falscher Rechtschreibung, was sie ja letztlich auch ist, denn Nomen werden jetzt und immer nun einmal groß geschrieben.

Wertung:

Leider ist es Jason Lethcoe nicht gelungen, mich nach Seite 72 bei der Stange zu halten. Während die Geschichte weiter ihren Lauf nimmt, baut man keinen Bezug zu den einzelnen Figuren auf, die sehr eindimensional sind und ohne Glossar auch bleiben. Die Story ist durch die miteinander verschachtelten „Wenns“ und „Abers“ recht kompliziert und auch hier schafft wieder nur das Glossar Abhilfe, um die Informationen zu bekommen, die während des Textes fehlen. Jason Lethcoe hätte seiner Geschichte und seinen Charakteren viel mehr Raum geben müssen, um sie glaubhaft wirken zu lassen und den Leser wirklich auf eine Reise in das Buch mitzunehmen.
„Wings“ ist der erste Band einer dreiteiligen Reihe, deren weitere Bücher ich mir, trotz Cliffhanger, eher nicht zulegen werde.

Da mich das Buch leider weder von der Story noch von der Ausführung oder den Charakteren überzeugen konnte, erhält es von mir leider nur 3 Lila-Lesesterne.

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(578)

1.138 Bibliotheken, 15 Leser, 10 Gruppen, 146 Rezensionen

venedig, zeitreise, liebe, zeitreisen, fantasy

Zeitenzauber - Die magische Gondel

Eva Völler , Tina Dreher
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Baumhaus Verlag, 19.08.2011
ISBN 9783833900266
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Story und Charaktere:

Die 17jährige Anna ist ein ganz normaler Teenager, der eigentlich keine Lust hat, mit seinen Eltern den Urlaub im langweiligen Venedig zu verbringen. Ihr Vater, ein angesehener Archäologe, hat dort jedoch zu tun. Zu dumm, dass Anna so gar kein Interesse an dem hat, was ihr Vater ihr erzählt. Das wäre in nächster Zeit eventuell sehr hilfreich gewesen, denn von einem zum anderen Moment landet Anna, während der großen, bekannten Bootsparade, plötzlich splitterfasernackt im Jahre 1499. Nach dem ersten Schock und neuen, der Zeit angemessenen Klamotten, bringt ein junger Mann, den sie Bart nennt, sie zu einer Kräuterhandlung, wo sie auf Sebastiano warten soll, der sie zurück in ihre Zeit bringen soll. Sebastiano ist ein gutaussender junger Mann, etwas älter als Anna, den sie überraschenderweise bereits aus ihrer Zeit kennt. Dummerweise läuft nicht alles so, wie Anna es erwartet hat und für die nächste Zeit und ein riesiges Abenteuer lang, sitzt sie im Venedig des 15. Jahrhunderts fest. Dass sie nicht „einfach so“ dort gelandet ist, wird ihr schon bald klar. Doch kann sie die Aufgabe erfüllen, die man ihr übertragen hat?

Anna ist die Hauptprotagonistin des Buches, die die Geschichte in der Ich-Form erzählt. Bei Büchern aus dieser Perspektive bin ich immer skeptisch, doch hier ist es die genau richtige Variante. So können wir hautnah mitverfolgen, wie es ihr geht, was sie denkt, was sie fühlt und wie ihr die Sperre dauernd in die Quere kommt. Die sogenannte „Sperre“ verhindert, dass Anna Dinge über die Zukunft erzählen kann, moderne Wörter wie „IPod“ oder „Kumpel“ in ihre Sprache integriert oder sonst irgendwie sprachlich auffällig ist. Wie gut, dass es da zusätzlich den automatischen Translator gibt, der einfach andere Wörter aus ihrem Mund kommen und sie sogar eine andere Sprache sprechen lässt.
Auf der Suche nach Antworten auf das „Warum?“, lässt sie in keiner Sekunde locker. Sie will verstehen, was mit ihr passiert ist und passieren wird, ist sehr neugierig und bringt sich dadurch immer wieder selbst in Schwierigkeiten.

Sich in der neuen Zeit zurechtzufinden wird ihr durch die ebenfalls in der Kräuterhandlung lebenden Clarissa erleichtert, die ebenfalls durch einen Zeitsprung im 15. Jahrhundert gelandet ist. Sie ist allerdings schon seit 5 Jahren dort und hat ihre Chance in ihre Zeit zurückzukehren verpatzt, da sie ihre Aufgabe nicht ernst genommen hat. Glücklich ist sie mit der derzeitigen Situation nicht, hätte es aber wesentlich schlechter treffen können.

Sebastiano ist zunächst ein sehr nebulöser, mystischer Charakter, dessen Rolle man schwer deuten kann. Er ist es, der die Fragezeichen um das ganze Abenteuer entstehen lässt und den Leser auf diese Art drängt, weiterzulesen, um endlich die Geheimnisse um den Zeitsprung von Anna zu lüften. Im Verlauf des Buches nimmt er jedoch immer mehr an Gestalt an, sodass man auch von ihm am Ende ein gutes Bild hat.

Auf der anderen Seite gibt es noch die Gegenspieler der Zeitreisenden. Sie sind überhaupt Schuld daran, dass beispielsweise Anna in dieser Zeit gelandet ist. Zu viel möchte ich über diese Seite der Charaktere nicht verraten, doch seid versichert – sympathisch sind sie nicht.

Die auftauchenden Nebencharaktere wie die Kurtisane Marietta, die Witwe Dorothea oder die Familie Tasselhoff geben der Geschichte die nötige Tiefe, um aus der einseitigen Ich-Erzählung eine fantastische All-round-Geschichte zu machen. Jeder Charakter steht für sich selbst, hat seine eigenen Eigenschaften und ist meistens schwer einzuschätzen. Man wundert sich, wie oft man am Ende mit seiner Einschätzung doch danebenliegt. Doch wie sollte es auch anders sein? In einem Zeitreiseroman ist eben nie etwas genau so, wie es anfangs zu sein scheint.

Was mir besonders gut gefallen hat:

Besonders gefallen hat mir, dass trotz Ich-Erzählung eine runde Geschichte vorliegt, die beim Lesen überhaupt nicht einseitig oder langweilig wird. Nach dem Zeitsprung von Anna wird die Spannung durchgängig gehalten und animiert den Leser dazu, sich in Anna hineinzuversetzen und sich selbst all die Fragen zu stellen, die Anna an ihr Abenteuer hat. Dadurch, dass man keine Zusatzinformationen erhält, steht man immer auf demselben Wissenstand wie die Protagonistin. So fällt es schwer, das Buch aus der Hand zu legen, denn natürlich möchte man wissen, warum alles so passiert, wie es passiert.

Ganz nebenbei erfährt man auch noch so einiges über das Venedig des 15. Jahrhunderts, lernt Gepflogenheiten dieser Zeit kennen und erhält einen kleinen Einblick in das damalige Leben – gesellschaftlich, wie politisch. Da im Text auch zu der Zeit gängiges Vokabular verwendet wird, sowie diverse Titel für verschiedene Positionen, bekommt man außerdem eine kleine Einführung in sprachliche Elemente dieser Zeit. Um sie besser zu verstehen, ist jedes uns eventuell nicht geläufige Wort mit einem Sternchen gekennzeichnet, dessen Erklärung sich am unteren Seitenrand findet.

Der Sprachstil des Buches ist sehr einfach. Da Anna aus ihrer Sicht erzählt, verwendet sie das ganz normale aus unserer Zeit stammende Vokabular, um ihre Geschichte zu erzählen. So braucht man sich also nicht davon abschrecken lassen, dass die Geschichte im Jahre 1499 spielt.
Neben dem einfachen Sprachstil, besticht die Geschichte dadurch, dass sie sehr flott erzählt wird und keine unnötigen Längen entstehen. Bei einer Geschichte, in der so viele Informationen untergebracht werden müssen, wie in dieser, keine Selbstverständlichkeit.

Neben der Geschichte und den Einblicken in das Venedig des 15. Jahrhunderts hält das Buch aber auch noch etwas anderes für den Leser bereit. Es führt uns vor Augen, wie gut wir es in der heutigen Zeit haben, welchen Luxus wir genießen, weil beispielsweise warmes Wasser aus der Leitung kommt und Shampoo, Spülung sowie Duschgel zum Alltag gehören. Man lernt beim Lesen eine Seite des Lebens kennen, die uns völlig fremd ist und die wir uns für uns selbst sicherlich nicht vorstellen können. Nach dem Lesen weiß man die ein oder andere Kleinigkeit unseres Lebens sicher gleich wieder zu schätzen – ist doch vieles heute selbstverständlich.

Was mir nicht so gut gefallen hat:

Leider gibt es im Buch keine Einteilung in Kapitel. Das Buch teilt sich einfach in vier Teile auf, zwischen denen es keine Einzelkapitel, sondern nur durch eine kleine Sonne angedeutete Absätze gibt. Das fand ich sehr schade, da man so immer irgendwie mitten in der Geschichte abbrechen musste, ohne das Gefühl zu haben, an einem abgeschlossenen Punkt, wie es bei in sich geschlossenen Kapiteln der Fall ist, eine Lesepause einzulegen. Nicht sehr lesefreundlich, wie ich finde.

An der Geschichte selbst blieben die ein oder andere Frage offen, die durch die unerwartete Lösung des Problems entsteht, mit dem Anna sich herumschlägt. Das Ende hatte für mich eine ziemliche Logiklücke, die ich mir nach wie vor nicht erklären kann und die ich einfach so hinnehmen musste. Schade, denn ohne diesen Punkt wäre die Geschichte für sich eine runde Sache für mich gewesen.

Gestaltung:

Der petrolfarbene Hintergrund mit einem hellen vollen Mond hinter einer roten Gondel mit ebenfalls petrolfarbener Insassin lenkt die Blicke auf sich. Gerahmt wird die Hauptszene von einem Tierkreiszeichen. Im unteren Bereich finden sich im Halbkreis angeordnete römische Ziffern. Sämtliche Abbildungen stehen in Verbindung zum Inhalt des Buches, wie der Leser schnell herausfinden wird.
Das Cover überzeugt schon durch seine Farbgebung mit der Verwendung von Komplementärfarben und vermittelt bereits beim ersten Anblick einen magischen Eindruck.
Wenn man es aufklappt, wird man von einem Sternenhimmel empfangen, der aus stilisierten Sternen besteht und sofort Lust aufs Lesen macht.

Die Unterteilung in 4 Abschnitte wird jedes Mal von einer kleinen Illustration begleitet, die bereits einen kleinen Hinweis auf das gibt, was im Folgenden eine Rolle spielen wird. Jede Seitenzahl wird umrahmt von einem kleinen muschelartigen Element.

Ein Gesamteindruck, der mich vollkommen überzeugt hat.

Wertung:

Bis auf die entstandene Logiklücke am Ende konnte mich „Zeitenzauber“ fesseln, begeistern und trotz Ich-Erzählung so sehr bei der Stange halten, dass ich direkt zum zweiten Band greifen muss. Die Gestaltung hat mich mehr als überzeugt, wurde sich hier doch innen wie außen wirklich viel Mühe gegeben der Geschichte den passenden Rahmen zu geben. Ich vergebe, nach Abzug der Logiklücke und der fehlenden Kapiteleinteilung gerne 4 Lila-Lesesterne an den ersten Band von „Zeitenzauber“.

  (1)
Tags: 15.jahrhundert, abenteuer, liebe, spannung, venedig, zeitreise   (6)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(11)

24 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

zeitreisen, zeitsprun, abenteuer, liebe, zeitreise

Zeitenzauber - Die goldene Brücke

Eva Völler
E-Buch Text: 320 Seiten
Erschienen bei Lübbe Digital, 14.03.2013
ISBN 9783838726625
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Story und Charaktere:

Als Anna einen Anruf von Josè erhält, der sie sofort nach Paris beordert um dort einen neuen Auftrag als Zeitreisende zu erledigen, ahnt sie noch nichts von ihrem bevorstehenden Abenteuer. Mit den Gedanken ist sie nur bei einem Menschen – Sebastiano, mit dem sie seit mittlerweile über einem Jahr zusammen ist und der irgendwo in der Vergangenheit in Schwierigkeiten steckt. Das scheint zunächst nicht ungewöhnlich, haben Aufträge in einer anderen Zeit dies doch meistens so an sich. Bei seiner derzeitigen Reise scheint jedoch etwas total schiefgegangen zu sein. Sebastiano hat die Erinnerungen an sein Leben aus der heutigen Zeit nicht mit ins Paris 1625 genommen. Kann Anna ihm helfen, diese zurückzuerlangen, um mit ihm in die Gegenwart zurückzukehren? Können sie den Auftrag erledigen, der sie beide in diese Zeit katapultiert hat? Zusammen mit in der Vergangenheit lebenden Personen gibt Anna ihr Bestes.

Gegenüber dem ersten Band hat Anna noch mehr an Selbstbewusstsein und Mut hinzugewonnen, gleichzeitig aber ihre manchmal sehr naive Art zu denken beibehalten, was sie auch bei diesem Abenteuer immer wieder in Schwierigkeiten bringt. Während Anna ihrem Charakter aus dem ersten Band weitestgehend treu bleibt und sich weiterentwickelt, haben wir es mit einem völlig anderen Sebastiano zu tun. Da seine Erinnerungen beim Sprung durch die Zeit durch Erinnerungen an ein völlig anderes Leben ausgetauscht werden, erkennt man nur wenig von der Person in ihm, die man im ersten Band kennen gelernt hat. Er arbeitet jetzt für den Kardinal Richelieu und nimmt seinen Job in der Leibgarde sehr ernst. Da er sich auch an Anna nicht erinnern kann, muss diese unendlichen Herzschmerz durchleben, während sie ein zweites Mal versucht, sein Herz für sich zu gewinnen. Dass Sebastiano sie allerdings für weit unter seiner Würde hält, macht die Sache nicht gerade einfacher.

Neben den beiden bekannten Hauptprotagonisten tauchen viele weitere Personen auf, die Lesern von „Die drei Musketiere“ bekannt vorkommen sollten. Ein Buch, auf das auch in der Geschichte immer wieder verwiesen wird – hat das Abenteuer doch eine gewisse Ähnlichkeit damit.
Zu viel möchte ich über die einzelnen Personen nicht verraten, deshalb sei nur gesagt, dass Eva Völler es auch in diesem zweiten Band wieder geschafft hat, allen Charakteren ihren eigenen Stellenwert zu geben, ihnen Leben einzuhauchen und zu greifbaren Personen werden zu lassen.

Was mir besonders gefallen hat:

Das, was mir am ersten Band nicht gefallen hat, wurde hier behoben. In Band 2 ist das Buch nicht nur in vier Teile geteilt, sondern hat auch endlich Unterteilungen in so etwas wie Kapitel. Dieses Buch kann man nach diesen „Kapiteln“ sehr gut aus der Hand legen, ohne sich mittendrin aus der Geschichte zu reißen, wie es noch im ersten Band der Fall gewesen ist.

Der Schreibstil ist sehr flüssig, die Story schreitet zügig voran. Die Spannung bleibt zu jeder Zeit erhalten, bekommen wir als Leser, wie in Band 1durch die Ich-Erzählung doch wieder keine Zusatzinformationen und sind immer auf dem Wissensstand von Anna. Das hat mir in Band 1 sehr gut gefallen und ist auch hier wieder sehr schön verwendet worden.

Was mir nicht so gut gefallen hat:

Dieses Mal befinden wir uns in Paris, das uns hier und da wieder mit Worten begegnet, die man als Laie nicht kennt. Leider wurde in diesem Band darauf verzichtet kurze Erläuterungen an den unteren Buchrand zu schreiben, was mir in Band eins mit den Fachwörtern aus Venedig sehr gut gefallen hatte. Das fehlt mir in diesem Band ein wenig.

Leider konnte mich auch die Story des zweiten Bandes nicht mehr so sehr packen, wie die erste. Zu sehr haben wir es hier mit einer Liebesgeschichte zu tun, in der Anna verzweifelt versucht Sebastianos Liebe zurückzugewinnen. Dadurch wirkt die wirkliche Aufgabe, die die beiden haben, in den Hintergrund gestellt, obwohl genau die es ist, die die beiden wieder zusammenbringen kann. Lügen und Intrigen zwischen Anna und Sebastiano haben einen ebenso großen Platz, wie die Lügen und Intrigen zwischen anderen Personen des Buches. Es ist mir tatsächlich zu beziehungslastig.

Schade auch, dass der geschichtliche Teil so kurz ausfällt. Haben wir in Band 1 noch sehr viel über die Zeit erfahren, in der sie gelandet sind, lernen wir über die Gepflogenheiten in Paris vor allem nur etwas über die Mode dieser Zeit. Aus Band 1 konnte man noch mitnehmen, wie gut wir es heute haben, aus Band 2 nehme ich mit, wie schade es ist, dass wir heute nicht mehr so tolle Kleider und Frisuren tragen. Ich glaube nicht, dass das die Intention der Autorin gewesen ist. Wie schwer das Leben im 17. Jahrhundert in Paris tatsächlich noch war, bleibt uns verborgen. Sehr schade, stehen wir im Text doch meistens auf der glamourösen Seite dieser Zeit.

Was mir ebenfalls wieder fehlt ist die Füllung der Logiklücke, die sich schon in Band 1 gezeigt hat. Die Nutzung der Katzenmaske und deren Funktionsweise ist und bleibt ein Rätsel, obwohl immer wieder betont wird, dass man sich mit ihr nur an einen bestimmten Ort wünschen muss. Wenn dem so wäre, frage ich mich, wieso das nicht schon im ersten Band geklappt hat, als Anna nichts als zurück in ihre Zeit wollte. Scheinbar muss man die Maske nicht einmal in der Hand halten, um zu reisen. Sie spürt einfach von selbst, wenn man woanders hin möchte. Das passt in beiden Teilen für mich nicht zusammen. Da sie in diesem Buch noch öfters zum Einsatz kommt, hier noch weniger als in Band 1.

Gestaltung:

Das Cover ist wieder sehr schön gelungen. Ersetzt wurde nur der Mittelteil. Statt einer Gondel auf der eine Frau steht, ist dieses Mal eine Brücke zu sehen, auf der zwei Personen in unterschiedliche Richtungen agieren. Sonst wurde nur die Farbe von petrol auf grün geändert. Wieder sehr schön gelungen und vor allem passend zu Reihe und Inhalt.

Wertung:

Da beim zweiten Band leider die Punkte überwiegen, die mir nicht so gut gefallen haben, ziehe ich 2 Punkte für Story, Zeitdarstellung, Logiklücke und fehlende Erklärungen ab. Damit erhält der zweite Band dieser Reihe 3 Lila-Lesesterne von mir.

  (1)
Tags: abenteuer, liebe, magisch, zeitreise, zeitsprun   (5)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(6)

18 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

das geheimnis der 100 pforten, der fluch der 100 pforten, ab 10 jahre, n.d. wilson

Der Fluch der 100 Pforten

N. D. Wilson , Dorothee Haentjes
Fester Einband: 520 Seiten
Erschienen bei cbj, 21.04.2010
ISBN 9783570135099
Genre: Kinderbuch

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(29)

64 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

fantasy, pforten, geheimnis, jugendbuch, abenteuer

Das Geheimnis der 100 Pforten

N. D. Wilson , Dorothee Haentjes
Fester Einband: 347 Seiten
Erschienen bei cbj, 06.04.2009
ISBN 9783570137505
Genre: Fantasy

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(12)

26 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 6 Rezensionen

abenteue, fantasie, freundschaft, spannung

Das Unkrautland - Teil 3

Stefan Seitz
Fester Einband: 303 Seiten
Erschienen bei CLEON Studios, 01.11.2011
ISBN 9783981317152
Genre: Kinderbuch

Rezension:


Story und Charaktere:

Dies ist bereits der dritte Band, rund um das Abenteuer von Primus und Plim, die nach wie vor auf den Spuren der Nebelfee wandeln und diese zu finden versuchen. Mit „Die Gipfel der Schwefelzinnen“ sind wir am Höhepunkt der Geschichte angekommen.
Zusammen mit Plim macht Primus sich auf den Weg, die sagenumwobenen Schwefelzinnen zu besteigen. Das ist gar nicht so leicht, stellen sich ihnen doch immer wieder neue Hindernisse in den Weg. Auch ihr alter Widersacher – Rabenstein – taucht wieder auf und liefert sich ein Wettrennen mit den beiden, ohne, dass sie etwas davon ahnen.
Primus und Plim müssen es mit Nebelgeistern aufnehmen, Trollen, eine Nacht im seltsamen Dorf Elderley verbringen und so manchen Klippensturz abwenden. Ob sie am Ende ihr Ziel erreichen und ob sie tatsächlich die Nebelfee finden – das findet selbst heraus.

Viel muss ich an dieser Stelle zu den Charakteren nicht mehr sagen. Primus und Plim sind auch in diesem Band wieder die beiden Hauptcharaktere, die man schon über die ersten beiden Bände sehr gut kennen gelernt hat. Primus verwandelt sich in diesem Abenteuer besonders häufig in eine Fledermaus, um die Gegend auszukundschaften, während Plim zeternd alleine an der Felswand zurückbleibt. Meckern, motzen und maulen gehört auch hier wieder in jedem Gespräch zum guten Ton.

Da wir es dieses Mal wieder mit einem Gegenüber zu tun haben, den wir aus dem ersten Band bereits kennen, brauche ich auch hier nicht viel hinzuzufügen. Rabenstein ist rasend wütend und das merkt man ihm auch an. Während er sich durch den Stollen arbeitet, steigt seine Wut ins Unermessliche. Als er schließlich auf Primus trifft, kann er nicht einmal mehr klar denken, so sehr wird er von der Wut beherrscht. Ein wirklich dunkler Geselle, mit dem wir es hier wieder zu tun bekommen.

Als Nebencharaktere werden dieses Mal nicht so sehr die Mitbewohner von Primus und Plim in den Vordergrund gestellt, sondern andere Figuren, denen die beiden auf ihrem Weg begegnen. Snigg und Bucklewhee werden eher zu Randfiguren, die zwar hin und wieder ihren kleinen Auftritt haben, aber dieses Mal ziemlich im Hintergrund verschwinden.

Was mir besonders gefallen hat: 

Besonders gefällt mir an dieser Reihe, dass die drei Geschichten eigentlich ein einziges wunderbares Abenteuer wiedergeben. Natürlich funktioniert auch hier der Text wieder für sich genommen, ist aber mit Sicherheit noch schöner zu lesen, wenn man die Vorgängerbände kennt, um den dritten Teil als Höhepunkt dieser Reihe verstehen zu können.
Stefan Seitz nimmt hier und da immer wieder Bezug zu den vorangegangenen Bänden, um eventuelle Wissenslücken zu füllen, was aber nie störend oder aufgesetzt wirkt, sondern ganz natürlich integriert wurde.
Da die Sprache auch hier wieder sehr einfach gehalten wurde, haben auch am dritten Abenteuer jüngere Leser oder Zuhörer von Vorlesemamas und -papas sicher jede Menge Spaß.

Was mir nicht so gut gefallen hat:

In diesem Band fehlte mir das Abenteuer der Nebencharaktere. Während wir in Band 1 Snigg und in Band 2 Bucklewhee auf einem Streifzug begleiten, der unweigerlich auch immer etwas mit dem Abenteuer von Primus und Plim zu tun hat, hatte ich gehofft, dieses Mal vielleicht der Vogelscheuche Chuck folgen zu dürfen, wenn er durch das Unkrautland streift.
Zwar hat Stefan Seitz versucht, die Charaktere wieder zu integrieren, indem er erzählt, was sie zuhause so machen, während Primus und Plim unterwegs sind, aber das war einfach nicht dasselbe. Der Charme dieser kleinen Nebengeschichten hat mir hier wirklich gefehlt.

Gestaltung: 

Primus steht auf einer Brücke, mitten in einem Gebirge und sieht nicht sonderlich belustigt aus. Kein Wunder, ist es dort oben doch auch total gefährlich, wie wir aus den vorangegangen Bänden bereits wissen. Dieses Mal finde ich das Cover sehr schön gelungen und auch passend zum Inhalt. Es transportiert die Atmosphäre der Geschichte schon, bevor man das Buch überhaupt aufgeschlagen hat.

Neu in diesem Buch ist die Innengestaltung. In einigen Kapiteln finden sich Bilder von Primus und Plim, die mir zwar sehr gut gefallen haben, aber doch etwas spät kamen. Dadurch, dass ich mir beim Lesen der ersten beiden Bände vor allem von Plim bereits ein eigenes Bild gemacht hatte (Primus war ja auf allen Covern abgebildet), wirkten die Bilder nun störend auf mich, passt Plim doch überhaupt nicht in das Bild, das in meinem Kopf entstanden ist.
Außerdem finde ich die Anzahl der Bilder (5, wenn ich mich recht erinnere), nicht zum Umfang von 303 Seiten passend. Zwei Bände ohne und ein Band mit Bildern – das liegt mir nicht.

Wertung: 

Ein sehr schönes Finale, das uns hier in diesem Band geliefert wurde. Da ich allerdings wirklich die charmante Nebenerzählung der Nebencharaktere vermisse, ich nicht weiß, warum es im dritten Band plötzlich Bilder gibt und diese nicht mit meiner Vorstellung zusammenpassen wollen, gebe ich Stefan Seitz für den dritten Band um das Unkrautland 4 Lila-Lesesterne.

  (1)
Tags: abenteue, fantasie, freundschaft, spannung   (4)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(18)

32 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 3 Rezensionen

unkrautland, primus, hexe, plim, schwarze hütte

Das Unkrautland - Teil 2

Stefan Seitz
Fester Einband: 303 Seiten
Erschienen bei CLEON Studios, 01.10.2009
ISBN 9783981317121
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Story und Charaktere: 

Im zweiten Band der Unkrautreihe begleiten wir Primus und die Hexe Plim auf der nächsten Etappe ihres großen Abenteuers. Dieses Mal verschlägt es die beiden in die Westlichen Sümpfe, wo sie sich auf die Suche nach der „Schwarzen Hütte“ begeben. Das ist natürlich kein Zufall. Erst belauscht Primus eine alte Frau, die einigen Kindern ein Schauermärchen über diese Gegend erzählt, und dann gibt ihnen die Rätselrübe auch noch ein passendes Rätsel rund um ein geheimnisvolles Buch auf. Da ist die Neugierde, was sich in den Sümpfen verbirgt, natürlich groß. Immer noch auf der Suche nach der Nebelfee, können Primus und Plim es deshalb nicht lassen, das Märchen zu überprüfen und das Rätsel der Rübe zu lösen. Dass auch noch jemand anderes, der furchterregende Bergteufel, ebenfalls auf der Suche nach dem Buch ist, wissen sie zu dem Zeitpunkt noch nicht. Als sie es herausfinden, wird alles nur noch rätselhafter.

Primus und Plim bleiben ihren Charakteren mehr als treu. Man fühlt sich schon bald, als hätte es gar keinen Bruch zwischen dem ersten und zweiten Band gegeben, sodass man schnell wieder mit den beiden zurück ins Abenteuer eintaucht. Plim ist dabei zickig, widerspenstig , manchmal kleptomanisch und überaus verrückt wie schon im ersten Band, sodass man immer wieder schmunzeln muss.
Haben wir als Nebencharaktere im ersten Band noch den dicken Kürbis Snigg auf einem seiner Abenteuer begleitet, welches ihn am Ende zum Helden machte, begleiten wir dieses Mal den geschwätzigen Vogel Bucklewhee, der eigentlich in Primus Uhr lebt.
Ein witziges kleines Kerlchen, das das ungeahnte Talent besitzt, alles besser zu wissen und einem manchmal mächtig auf die Nerven zu gehen. Trotz allem schließt man ihn schnell ins Herz, wenn er ganz alleine durch die stockdunklen Postrohre läuft und einfach keine Möglichkeit findet, wieder ans Tageslicht zu gelangen. 
Primus leibt und lebt, wie wir ihn kennen. In Fledermausgestalt stibitzt er den Dorfbewohnern leckeren Kuchen, das Geheimnis um die Nebelfee lässt ihn nicht los und so begleiten wir ihn ins nächste Abenteuer, rund um die Westlichen Sümpfe. Er ist es, der meistens wieder den kühleren Kopf behält, das Ganze leitet und Plim immer mal wieder zum Grummeln bringt, weil er einfach nichts isst. Aber so ist das wohl, wenn man schon ein paar hundert Jahre auf dem Buckel hat. Durch seine witzigen Einfälle, wenn er beispielsweise den Bergteufel zum Narren hält, hat man auch hier immer wieder etwas zu lachen.

Der Bergteufel ist eine sehr imposante Erscheinung, der man lieber nicht über den Weg laufen möchte. So lange sie können, scheuen auch Primus und Plim davor zurück, sich mit ihm auseinanderzusetzen. Als sie es aber schließlich doch tun müssen, hält er einige Überraschungen für sie bereit.

Alles in allem wieder wunderbare Charaktere, die den Leser auf ein Abenteuer mitnehmen, das schon allzu bald zu Ende ist. Wie gut, dass es noch einen dritten Band gibt.

Was mir besonders gefallen hat: 

Obwohl der zweite Band praktisch nahtlos an den ersten ansetzt und die Fortsetzung des Abenteuers um die Nebelfee bildet, ist es doch eine in sich abgeschlossene Handlung, sodass auch diejenigen, die den ersten Band nicht gelesen haben, sehr schnell ins Geschehen eintauchen können. Stefan Seitz hat dafür gesorgt, alle wichtigen Punkte aus dem ersten Band im zweiten noch einmal aufzugreifen, sodass man sich schnell zurechtfindet.

An Spannung, die durch humorvolle Szenen immer wieder aufgelockert wird, fehlt es auch dieses Mal in diesem kurzweiligen Abenteuer nicht.

Die Sprache ist, wie auch im ersten Band, sehr einfach gehalten. Die Sätze sind zumeist kurz, sodass auch jüngeren Lesern der Spaß am Lesen erhalten bleibt. Hier macht auch das Vorlesen eine Menge Spaß.

Gestaltung:

Leider verstehe ich auch nach dem Lesen des Buches nicht, warum für diesen Teil dieses Cover gewählt worden ist. Primus schaut, mit dem Rücken zum Leser, einen leeren Fleck an der Wand an, während er in einem Raum voller seltsamer Gegenstände steht. Er lässt die Schultern hängen und wirkt ziemlich leblos. Ein für mich sehr nichtssagendes Cover, das wesentlich besser hätte gewählt werden können. Vor allem bei einer so lebhaften Geschichte.

Wertung: 

Die Charaktere und die Geschichte haben mich wieder voll überzeugt. Der zweite Band steht dem ersten in nichts nach. Nur das eher langweilige, nichtssagende, wenn auch farblich schön gestaltete Cover, hält mich davon ab, volle 5 Sterne zu vergeben. Primus und Plim erhalten für ihr zweites Abenteuer wieder 4 ½ Lila-Lesesterne in der Gesamtwertung.

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(33)

61 Bibliotheken, 2 Leser, 2 Gruppen, 11 Rezensionen

fantasy, unkrautland, jugendbuch, märchenhaft, schulkinder

Das Unkrautland, Band 1: Auf den Spuren der Nebelfee

Stefan Seitz
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 22.02.2013
ISBN 9783551311504
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Story und Charaktere:

Primus, der sich nach Belieben in eine Fledermaus verwandeln kann, fliegt nachts ganz gerne in die Stadt, um für sich und seine Freunde ein paar Torten- und Kuchenstücke zu klauen. Bei den Bewohnern ist er so gefürchtet, dass sie eine Geheimwaffe gegen ihn erfunden haben, die sie erfolglos einsetzen.
Er führt in seinem schiefen Haus mit dem großen Turm, das außerhalb der Stadt steht, ein ziemlich sorgenfreies Leben. Dabei ist er natürlich nicht ganz alleine. In seiner Uhr wohnt der knöchrige Bucklewhee und auf seinem Kompost der dicke Kürbis Snigg. Zwei liebenswerte, wenn auch eigenwillige Charaktere, die man während des Lesens einfach ins Herz schließen muss.
Bis Primus auf die Hexe Plim trifft und sich nach einigen „Startschwierigkeiten“ mit ihr anfreundet, um dann eines seiner größten und rätselhaftesten Abenteuer zu bestehen, ist es ruhig bei ihm zuhause. Die heißen Tage verbringt er im kühlen Keller, die Nächte an der frischen Luft und ab und zu hält er auch ein Schwätzchen mit seinen beiden Freunden.
Über Primus erfährt der Leser im Laufe des Buches nicht nur so einiges zu seinem aktuelles Leben, sondern auch über seine Vergangenheit, von der er aus einem für ihn unerfindlichen Grund selbst nichts weiß. Auf der Reise zu den Bruchstücken seiner Vergangenheit begleitet ihn die Hexe Plim – ein etwas überdrehter, aber sehr sympathischer Charakter, in dem sich die ein oder andere Frau mit Sicherheit hier und da augenzwinkernd selbst wiedererkennt.
Plims größtes Problem ist die Schönheit – sie selbst glaubt nämlich, dank ihres fiesen Spiegels, unglaublich hässlich zu sein. So braut sie fröhlich und auch mal fluchend ihre Schönheitstränke zusammen, von denen aber keiner eine Wirkung zu zeigen scheint. Da kommt ihr die Sache mit der Mondsichel und dem Abenteuer mit Primus gerade recht.

Die zwei  Hauptcharaktere sind sehr schön von Stefan Seitz ausgearbeitet worden. Sie haben beide ihre völlig eigene Geschichte, ihre eigenen Macken und Eigenschaften, ihre liebenswerten Seiten und auch solche, die den Leser die Augen rollen lassen. Eigentlich passen sie überhaupt nicht zusammen, doch gerade das macht die beiden zu einem tollen Team.
Dennoch, mein Lieblingscharakter ist der dicke Kürbis Snigg, der am liebsten Fallobst isst und eigentlich nie wirklich satt ist. So ist er ständig auf der Suche nach etwas zu essen, was ihn zum Einen in Schwierigkeiten bringt, ihn aber an anderer Stelle zum Held macht. Sein witziges Rumhopsen um sich fortzubewegen und seine einfache Art zu denken und zu handeln, machen ihn unheimlich symphatisch.

Neben den ganzen „guten“ Charakteren, die ich hier natürlich nicht alle aufzählen will, fehlt hier selbstverständlich auch der „böse“ Charakter nicht. Der Gegenspieler der beiden Hauptprotagonisten heißt Ruven Rabenstein und dieser hat sein eigenes Interesse an der Mondsichelsache.
Obwohl er nicht oft im Buch auftaucht oder Erwähnung findet, gelingt es Stefan Seitz auch hier, mit wenigen Informationen ein fertiges Charakterbild zu schaffen.
Die witzigen Nebencharaktere, wie etwa die Vogelscheuche Chuck, bleiben ebenfalls nicht einfach eindimensional. Wirklich jeder Charakter bekommt den nötigen Raum und die schriftstellerische Aufmerksamkeit, die ihm gebührt.

Was mir besonders gefallen hat:

Was mir besonders an diesem Buch gefällt, ist, dass es so wunderbar kurzweilig ist. Dadurch unterhält es von Anfang bis Ende, ohne unnötige Längen oder übertriebene Spannungsbögen. Auch verzichtet Stefan Seitz auf zu viele Beschreibungen. Er gibt dem Leser genau das, was er braucht, um sich den Rest selbst denken zu können. So unterstützt er das Kino im Kopf, ohne dem Leser den Platz für seine eigenen Fantasien zu nehmen.
Das Ganze bekommt dann noch eine gesunde Prise Humor, die den Leser mehr als einmal schmunzeln lässt.
Durch den einfachen Schreibstil eignet sich das Buch auch für jüngere Leser oder gar Zuhörer mit Vorlesemamas und – papas. Hier kommt jedes Familienmitglied auf seine Kosten.

Gestaltung und Kritik:

Zu guter Letzt noch ein Wort zur Gestaltung des Buches. Titel und Schrift finde ich sehr gut gewählt und auch das cartoonige Haus im Mondlicht gefällt mir außerordentlich gut. Was mich allerdings am Gesamtbild ein wenig stört, ist die Art und Weise, wie der Hauptprotagonist auf dem Cover dargestellt ist. Auf mich wirkt er, als wäre er nachträglich platziert worden. Während der Hintergrund sehr dynamisch ist, ist seine Figur sehr steif. Außerdem kommt das Licht eigentlich von hinten, während er als einziges Objekt von vorne beleuchtet ist. Sicherlich wollte der Covergestalter den Fokus auf das Gesicht des Protagonisten lenken, was so aber ungünstig gelöst wurde. Auch die Größenverhältnisse zueinander irritieren. Dies ist allerdings auch der einzige Punkt, den ich am gesamten Werk bemängele. Ich freue mich bereits sehr auf das Lesen des zweiten Bandes, der für mich nun zum Pflichtkauf gehört.

Wertung:

Da mir die Geschichte, dessen Ausführung, die einzelnen Charaktere, der Schreibstil und der Humor an diesem Buch sehr gut gefallen haben, mir in keinem Moment langweilig wurde und ich immer wieder etwas zu lachen hatte, es keine unnötigen Längen gab und ich als Leser dazu angehalten wurde meiner Fantasie freien Lauf zu lassen vergebe ich, aufgrund des Kritikpunktes am Cover, an dieses Buch 4 1/2 Lila-Lesesterne (die hier als 4 Sterne angezeigt werden), was eine klare Leseempfehlung meinerseits bedeutet.

  (1)
Tags:  
 
86 Ergebnisse