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11 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 3 Rezensionen

wien, 1. weltkrieg, familien-saga, liebe, österreich

In Zeiten der Liebe und des Krieges

Michael Wallner
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Pendo Verlag, 01.02.2018
ISBN 9783866124387
Genre: Historische Romane

Rezension:

Nach Wien verschlägt es uns bei dieser Lektüre, in den Sommer von 1912, in dem die Stadt vom Autor als geradezu paradiesisch beschrieben wir. Nun, paradiesisch zumindest für die Oberschicht, in der wir uns während des kompletten Romans bewegen. Wir sind zu Gast bei der reichen Industriellenfamilie Korff, die sowohl über eine Sommerresidenz direkt am Ufer der Donau als auch über ein Palais in der Stadt verfügt. Man gibt gerne Feste und Gesellschaften, geht in die Oper und ist überhaupt ein Bewunderer der schönen Künste. Für Außenstehende scheint in dieser Familie die reinste Harmonie zu herrschen. - Hinter der Fassade bröckelt es jedoch gewaltig...

 

Das erste Viertel des Romans habe ich wirklich genossen, denn nachdem ich mich einmal an die bisweilen gestelzte wienerische Ausdrucksweise gewöhnt hatte, nahm der Autor mich mit in den Sommer an der Donau. Fand ich zunächst die Geheimnisse, kriminellen Machenschaften und außerehelichen Liebeleien der Familie noch sehr kurzweilig, flachte das Niveau der Geschichte für mich dann allerdings doch leider in Richtung "Groschenroman" ab.

 

Es gibt wohl in jedem Buch Protagonisten, die man mag und solche, die man von Anfang an gefressen hat. Die Protagonisten dieser Geschichte hingegen blieben für mich die ganzen 400 Seiten hindurch dermaßen oberflächlich, dass sie mich immer mehr gelangweilt haben: Das Familienoberhaupt, das ohne das Geld seiner Frau niemals dahin gekommen wäre wo es jetzt ist und zudem der Hausdame nachstellt, die Ehegattin, die unglücklich ist und im goldenen Käfig lebt, der Bruder, der ein verkappter Künstler ist und dementsprechend - wie es sich gehört - schwermütig und melancholisch, die Freundin, die ein Verhältnis mit einem verheirateten Mann hat, ungewollte Schwangerschaften, verbotene Teenagerlieben, usw. Die reinste Sammlung an Klischees, die zudem immer und immer wieder aufs Tablett gelegt wird.

 

1912 war sicherlich eine interessante Zeit - bei der Geschichte um die Familie Korff hatte ich jedoch das Gefühl, mich vor lauter Abendgesellschaften, Opernbesuchen, Sommerpartys und Smalltalk permanent im Kreis zu drehen.

 

Der Roman beginnt mit dem Mord an einem Leutnant, der eigentlich am nächsten Morgen zum Duell gegen ein Mitglied der Familie Korff antreten soll. Nun liegt der Verdacht natürlich nahe, dass der Mord in Auftrag gegeben wurde, um sicherzugehen, dass der Leutnant das Duell nicht gewinnt. Man könnte also meinen, dass sich dieser Mord und die Aufklärung desselben nun wie ein roter Faden durch die Geschichte zieht. - Irrtum! Nicht nur, dass dieses Geschehen eher nebenbei hier und dort nochmal erwähnt wird und der Autor uns Lesern am Ende eine Aufklärung schuldig bleibt, ist zudem überhaupt kein roter Faden in der Geschichte auszumachen.

 

Um die Liebe geht es ständig und durch die Bank bei sämtlichen Familienmitgliedern. Um neue Liebe, um alte Liebe, um verbotene Liebe, um verschmähte Liebe, um austauschbare Liebe, kurz - um alle Nuancen der Liebe. Das ist mir persönlich jedoch einfach zu wenig.

 

Als der erste Weltkrieg ausbricht und schließlich auch Männer aus reichem Hause an die Front müssen, kommt ein wenig Wind in die Geschichte, reißt das Gesamtpaket allerdings auch nicht mehr heraus. Denn wäre der Krieg nicht in die Geschichte eingebunden, könnte das Buch seine Handlung in jeder x-beliebigen Zeit und an jedem x-beliebigen Ort und vor allem mit austauschbaren Charakteren aus jeder Gesellschaftsschicht haben.

 

MEIN FAZIT: Der Geschichte um die Familie Korff fehlt etwas ganz Wichtiges: Würze. So kommt sie einfach nur fad daher und bekommt von mir keine Leseempfehlung und 2/5 STERNEN.

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Tags: liebe, österreich, wien   (3)
 

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österreich, bergwelt., frauenschicksale, historisch, gabe

Wintertöchter

Mignon Kleinbek
Flexibler Einband: 355 Seiten
Erschienen bei Pinguletta Verlag, 20.11.2017
ISBN 9783981767858
Genre: Romane

Rezension:

Wenn man schon ganz zu Beginn eines Buches zusammen mit der Hauptprotagonistin einen Tee trinken möchte (obwohl man ja eigentlich Kaffeetrinkerin ist), um sich dann in Ruhe ihre Lebensgeschichte anzuhören - dann spricht alles dafür, dass man genau zum richtigen Buch gegriffen hat.

 

"Wintertöchter - Die Gabe" von Mignon Kleinbek entführt uns in die karge und kalte Bergwelt der österreichischen Tauern, in ein kleines Örtchen, in dem das Leben einfach ist und von der allgegenwärtigen Arbeit, vor allem jedoch von den Jahreszeiten bestimmt wird. Anna wird hier geboren und erzogen und Anna ist es auch, die uns als alte Frau ihre bewegte, dramatische und erstaunliche Lebensgeschichte erzählt.

 

1940 hat das kleine, abgeschiedene Dorf vom Krieg noch nicht viel mitbekommen - die Menschen arbeiten und leben weiterhin im Einklang mit den Jahreszeiten und scheren sich nicht groß um die Weltpolitik. In einer klirrend kalten Winternacht wird unter großen Strapazen Anna geboren. Das Mädchen, das mit einer besonderen Gabe bedacht ist und das seinen Vater, der sich aufgemacht hat, um Hilfe für seine gebährende Frau zu holen, niemals kennenlernt.

 

Annas Mutter Marie ist eine stolze und schöne Frau, der jedoch auch sehr viel Schwermut anheftet und die sich ihr Leben lang um Anna sorgt, nachdem sie feststellt, dass ihr Kind mit genau der selben Gabe gesegnet ist, wie Maries Schwester Barbara. Barbara ist das genaue Gegenteil von Marie: Laut, fröhlich und zupackend. Ihre Gabe, von der kein Außenstehender etwas wissen darf, macht sie sich für ihren Beruf als Hebamme und Heilerin zunutze.

 

Von welcher Gabe hier die Rede ist, verrate ich nicht, denn das solltet Ihr selber herausfinden. Nur soviel dazu: Ich kann mich überhaupt nicht mit dem Genre der Fantasy anfreunden und dachte zu Anfang kurz, dass es sich um genau so einen Hokuspokus handeln würde. Dem ist aber nicht so. Diese Gabe, die Barbara positiv nutzt und die von Marie verflucht wird, ist tatsächlich gar nicht so weit hergeholt.

 

Um Anna zu schützen, zieht Marie mit ihr auf den Julianenhof, den sie von ihren Eltern geerbt hat und der sehr abgeschieden oberhalb des Dorfes steht. Hier wähnt sie Anna in Sicherheit vor Fremden und auch vor den Dorfbewohnern und die beiden führen ein ruhiges Leben mit ihren Tieren und der täglichen Arbeit auf der Alm. 

 

Irgendwann kommt jedoch der Zeitpunkt, an dem Anna zur Schule gehen muss, in die Pubertät kommt ... und sich zum ersten Mal verliebt. Immer unterstützt von ihrer rational denkenden Tante, immer ausgebremst von ihrer überängstlichen Mutter, ist Anna hin und her gerissen und flüchtet sich bisweilen in ihre Gabe, obwohl die ihr schon das ein oder andere Mal zum Verhängnis wurde.

 

Mignon Kleinbek fesselt den Leser an die Seiten mit dieser sehr atmosphärischen Geschichte. Sie versetzt uns mit allen Sinnen in die österreichischen Berge, lässt uns den Schnee unter den Fußsohlen knirschen hören, lässt uns beim Almauftrieb die Kuhglocken läuten hören, lässt uns die behagliche Wärme des Kaminfeuers im Julianenhof spüren und lässt uns mit den Charakteren bangen und zittern, als Marie sich noch einmal vermählt und ihr Mann nach der Hochzeit sein wahres Gesicht zeigt.

 

MEIN FAZIT: Drei Frauenschicksale, drei harte und entbehrungsreiche Lebenswege, ein kleines Dorf in den Bergen, traditionelle und abergläubische Einwohner, eine Gabe, die geheim gehalten werden muss und ein Ende, das mich auf eine Fortsetzung hoffen lässt. Diese Geschichte will mit einem Heißgetränk vor dem Kamin genossen werden und wird Euch an die Seiten fesseln.

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Tags: bergwelt., drama, lebensgeschichte, österreich   (4)
 

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sauerland, krimi, spieluhr, journalisten, mord

Das Lied der toten Mädchen

Linus Geschke
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 12.01.2018
ISBN 9783548289311
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Mit dem Lied der toten Mädchen präsentiert uns der Autor Linus Geschke den dritten Fall des Journalistenteams Jan Römer und Stefanie Schneider. Ja, richtig gelesen: Bei den Protagonisten handelt es sich nicht um Ermittler der offiziellen Behörden, sondern um Journalisten eines Magazins, die neben anderen Reportagen auch an einer Reihe über ungelöste Mordfälle schreiben.

 

Und genau die Tatsache, dass es diesmal eben keine stereotypen Ermittler sind, die Probleme in ihrem Privatleben haben und im Allgemeinen eher düstere Charaktere sind, hat mich neugierig auf das Buch gemacht. Leider wurde ich hier enttäuscht, denn abgesehen davon, dass die Journalisten natürlich nicht dieselben Möglichkeiten haben wie Ermittler, haben sie trotzdem dieselben Charakterzüge.

 

Jan Römer erscheint mir in der Geschichte trotz seiner 40 Jahre recht unreif und schnell beleidigt: Seine Frau hat sich von ihm getrennt und will nun mit dem gemeinsamen 11jährigen Sohn nach Bayern ziehen. Zu ihrem neuen Freund. Natürlich ist das keine einfache Situation und natürlich gibt es darüber Streit zwischen Jan und seiner Ex. Dass Jan jedoch nicht einmal ein klärendes Gespräch unter vier Augen mit seinem Sohn führt und ihn nach seiner Meinung zu der Situation befragt, finde ich schon bemerkenswert schade. Weder mit seiner Figur noch mit der Stefanies, die aufgrund der Tatsache, dass sie immer irgendeine Kopfbedeckung trägt, Mütze genannt wird, bin ich warm geworden. Mütze ist Single und - na klar - bildhübsch. Mehr habe ich über ihre Lebensumstände nicht erfahren. Das macht sie für mich nicht greifbar, bringt sie mir als Charakter nicht nahe. Nun muss ich dazu sagen, dass es bereits zwei vorherige Bände um Jan und Mütze gibt, "Das Lied der toten Mädchen" aber auch gelesen werden kann, wenn man - wie ich - die Vorgänger nicht kennt. Heißt es. Mir persönlich kamen jedoch leider viel zu wenig Informationen über die Protagonisten rüber.

 

Komisch fand ich zudem die Arbeitsweise von Jan und Mütze, denn dabei könnte man immer wieder vergessen, dass sie eben keine Ermittler sondern Journalisten sind, da die Arbeitsweisen sich nicht großartig voneinander unterscheiden. Unbegreiflich ist mir ebenfalls, dass die zu befragenden Leute ihnen so bereitwillig (manche früher, manche später) Rede und Antwort stehen. 

 

Worum es nun in diesem Krimi geht? - Vor 20 Jahren wurde auf dem Wilzenberg im Sauerland spätabends die damals 19jährige Sonja mit einem einzigen Stich ins Herz umgebracht. Bei der Leiche fand man eine Spieluhr, die "Hush little baby" spielte. Der Täter konnte nie ermittelt werden und die ganze Sache geriet in Vergessenheit.- Bis Jan und Mütze der Meinung sind, dass dieser Fall sich hervorragend in ihrer Reihe der ungelösten Kriminalfälle machen würde und beginnen, das Ganze erneut von allen Seiten zu beleuchten.

 

Dass sie in ein Wespennest stechen und schlafende Hunde wecken, dürfte jedem klar sein. Dass jedoch die RAF und der Verfassungsschutz mit dieser scheinbaren Beziehungstat zu tun haben, erstaunt dann doch. 

 

Im Großen und Ganzen ist "Das Lied der toten Mädchen" eine spannende Geschichte mit einigen Überraschungen, die sich flüssig lesen lässt. Dennoch konnte das Buch mich nicht überzeugen, da es mir zu konstruiert, zu klischeehaft, zu unglaubwürdig erscheint. Es gibt Cliffhanger, die der Autor ins Leere laufen lässt, Aussagen, die mir unlogisch erscheinen und am Ende eine Passage, mit der ich als Nichtkennerin der vorherigen Romane gar nichts anfangen kann. Dazu kommen noch - wie oben bereits erwähnt - Protagonisten, die für mich als Leserin sehr nebulös und undurchsichtig bleiben. 

 

Ich bin hier mit großen Erwartungen herangegangen, die leider nicht erfüllt wurden. Daher lautet MEIN FAZIT: 2,5/5 STERNEN

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Tags: krimi, mord, raf, sauerland, verfassungsschutz   (5)
 

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urban explorer, thriller, hotel, geister, grusel

Schattentour

Jessica Swiecik
Buch: 263 Seiten
Erschienen bei MainBook, 08.10.2015
ISBN 9783944124841
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die Autorin Jessica Swiecik und ich haben ein gemeinsames Hobby: Urban Exploring. Darunter versteht man das Erforschen und Fotografieren von Gebäuden, die einst von Menschenhand erbaut und dann irgendwann einfach verlassen, sich selbst überlassen wurden. Als Lost Places sind solche Orte bekannt und nicht selten kommt es vor, dass auch nach zwanzig Jahren noch ein Teil der Einrichtung vorhanden ist. Gezeichnet von Vandalismus und dem unaufhaltsamen Zurückerobern durch die Natur haben diese Gebäude ihren ganz besonderen Charme. Vor allem aber erzählen sie Geschichten. Geschichten aus lange vergangenen Zeiten, die meistens einen traurig-tragischen Beigeschmack haben.

 

Während ich über meine Urbex-Touren auf meinem Zweitblog berichte, wurde Jessica Swiecik dazu inspiriert, einen Thriller zu schreiben. Einen Thriller mit gruseligen Elementen - und glaubt mir: Gruselig ist es in Lost Places in der Tat!

 

In "Schattentour" lässt die Autorin zwei verschiedene Teams das einstige fiktive Luxushotel "Unus" in der Nähe Frankfurts erforschen: Das Urbex-Team besteht aus der toughen Halbamerikanerin Shannon, dem Püppchen Lara, dem Schönling Malte, der eigentlich viel zu feige ist, zudem verknallt in Shannon und dummerweise auch noch der Angebetete von Lara, und dem Punk Adam, der alles nicht so ernst nimmt und seinen Kollegen in den dunklen Gemäuern gerne mal den ein oder anderen Streich spielt. - Hier muss ich ganz klar kritisieren, dass mir die Liebeleien und das "Sie liebt ihn aber er liebt eine andere" ein wenig zuviel des Guten war.

 

Das zweite Team, das die Autorin auf das "Unus" loslässt, besteht aus den Geisterjägern Elin, Carly und Fynn. Elin hat sich in den Kopf gesetzt, die Existenz von Geistern zu beweisen, um so irgendwie über den Tod ihrer geliebten Großmutter hinwegzukommen und ist seit geraumer Zeit jedes Wochenende mit ihren Teamkollegen irgendwo unterwegs - bisher ohne nennenswerte Erfolge. Carly ist eine eher fröhliche Person, deren Launen sich jedoch schlagartig ändern können und über den extrem introvertierten Fynn wissen die Mädels überhaupt gar nichts. Noch nicht mal den Nachnamen.

 

Beide Teams schickt die Autorin nachts los, was bei den Geisterjägern sicherlich Sinn macht, als Urban Explorer würde ich jedoch niemals nachts in irgendwelchen Gebäuden herumstromern, da dies viel zu gefährlich ist: Durchbrechende Böden, Löcher in selbigen, herausstehende Nägel, nicht vorhandene Treppengeländer usw. Und selbstverständlich gibt es auch keinen Strom und somit kein Licht. Ganz zu schweigen davon, dass man im Dunkeln eher schlecht vernünftige Fotos schießen kann.

 

Bei beiden Teams gibt es zumindest eine Person, die spätestens beim Anblick des "Unus" ein ganz übles Bauchgefühl bekommt und die Tour am liebsten sofort abbrechen würde, das Geisterteam wird sogar ganz offen von einem Bekannten vor diesem Gebäude gewarnt.

 

Aber natürlich werden die Touren trotzdem unternommen und natürlich geschieht an diesem Ort so einiges Unerklärliches. Die Teams und auch der Leser tauchen tiefer in die Geschichte des Hotels ein und die mysteriösen Vorfälle häufen sich. Bald kann keiner mehr dem anderen trauen und selbst der Leser weiß nicht mehr, wer gut und böse ist.

 

Die Auflösung der Geschichte, die Fäden, die irgendwann alle zusammenlaufen, hat die Autorin sehr gut konzipiert und umgesetzt, an Spannung lässt dieses Buch ebenfalls nicht zu wünschen übrig. Da immer im Wechsel aus der Sicht des Urbexer- und des Geisterjäger-Teams berichtet wird und jedes Kapitel mit einem Cliffhanger endet, ist "Schattentour" der reinste Pageturner und hat mich wunderbar unterhalten.

 

Dennoch habe ich einige Kritikpunkte: Die Liebeleien untereinander waren - wie schon oben erwähnt - ein wenig zuviel. Die Geschehnisse in Zimmer 202, auf die ich hier nicht weiter eingehe, waren mir zu kurz angerissen. Hier hätte ich mir mehr Erklärungen gewünscht, da ja anscheinend auch noch andere Zimmer "betroffen" waren. Ganz extrem auffällig ist, dass die Autorin ständig einen aus den Teams allein losschickt - obwohl man sich immer wieder schwört, auf jeden Fall zusammen zu bleiben - und der Rest des Teams dann damit beschäftigt ist, diese einzelne Person zu suchen. Klar driften irgendwann im Zuge der unerklärlichen Ereignisse alle auseinander und sind auf sich selbst gestellt, dennoch ist das ewige "Wo ist Lara/Malte/Shannon/Adam?", "Hast Du Elin/Carly/Fynn gefunden?" irgendwann ein wenig nervtötend.

 

Die Beschreibung des Gebäudes ist der Autorin hingegen absolut wunderbar gelungen und ich hatte die ganze Zeit einen bestimmten Lost Place vor dem inneren Auge, ein ehemaliges Sanatorium, das danach zum Hotel wurde - riesengroß und verwinkelt und nicht weniger gruselig. 

 

MEIN FAZIT: Trotz einiger Schwachpunkte bin ich durch die Geschichte geflogen und habe richtig Lust auf die nächste Urbex-Tour bekommen. Der Schreibstil der Autorin ist klar und mitreissend, so dass dies mit Sicherheit nicht mein letztes Buch von ihr war. Ich spreche hier eine Leseempfehlung aus und vergebe 4/5 STERNEN.

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bretagne, liebe, berlin, claudia winter, frankreich

Die Wolkenfischerin

Claudia Winter
Flexibler Einband: 420 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 18.12.2017
ISBN 9783442485734
Genre: Liebesromane

Rezension:

Immer wieder höre ich von Freunden und Bekannten, die ebenso gerne reisen wie ich "Ihr müsst unbedingt einmal in die Bretagne fahren." ...und da wir sowieso Frankreich-Fans sind, haben wir nun auch genau diesen Teil des Landes für unseren nächsten Sommerurlaub eingeplant. Jetzt ist die Sache aber die: Ich war in den letzten Tagen bereits in der Bretagne! 

 

Claudia Winters neuester Roman "Die Wolkenfischerin" spielt zum größten Teil dort und macht meines Erachtens diesen Landstrich zur heimlichen Hauptprotagonistin der Geschichte. Dank der Erzählkunst der Autorin wird der Leser geradezu ins "Schottland Frankreichs" gebeamt, wähnt sich an den Stränden und Steilküsten des schroffen Atlantiks und in den kleinen Fischerörtchen, in denen die Zeit stehengeblieben ist, in denen Traditionen und Dorfklatsch aufrecht erhalten werden. 

 

Wer den ersten bei Goldmann erschienenen Roman der Autorin "Aprikosenküsse" kennt, wird sich hier außerdem über ein Wiedersehen mit der ein wenig exzentrischen Pariserin Claire freuen. Claire, deren Familiengeschichte einen eigenen Roman braucht: "Die Wolkenfischerin".

 

In zwei Zeitebenen erzählt uns Claudia Winter nun von der 15jährigen Gwenaelle, die im Sommer 1998 mit ihrer Mutter und ihrer gehörlosen Schwester Maelys zur Tante nach Paris kommt, um dort die Ferien zu verbringen. Der Vater, ein Fischer, ist kurz vorher gestorben - grausam ertrunken im Atlantik - und Gwenaelle und der Rest ihrer Familie betäubt von Trauer. Dennoch lernt die bisweilen bockige 15jährige immer mehr die Pariser Lebensart zu schätzen und setzt schlußendlich ihren Dickkopf durch: Sie bleibt in Paris, in der Stadt der Liebe und der schönen Künste, geht dort zur Schule und lauscht in der Uni als Gasthörerin jedem Vortrag über Kunstgeschichte.

 

Im Berlin der heutigen Zeit treffen wir auf Claire, die den Kunst- und Kulturteil der Zeitschrift Genusto, einem Schlemmermagazin, leitet, und nun kurz vor der Beförderung zur Chefredakteurin eines eigenen Kulturmagazins steht. Claire, die schicke Pariserin mit einem Diplom der Kunsthochschule, sieht sich ganz in ihrem Element und genau dort wo sie immer hinwollte....wenn nur nicht ausgerechnet jetzt ein Hilferuf aus der Heimat kommen würde. Ihre Mutter liegt im Krankenhaus und beordert Claire zwecks Betreuung der hilfebedürftigen Schwester zurück ins heimatliche Moguériec, welches - Ihr ahnt es schon - kein Stadtteil von Paris ist sondern ein verschlafenes kleines Fischerörtchen im Finistère, am Ende der Welt, oder genauer: In der Bretagne. 

 

Denn Claires Leben ist eine einzige Lüge, deren Ausmaße sie nun als Knüppel zwischen die Beine geworfen bekommt: Nicht nur, dass sie auf ihr bereits bestehendes Lügengerüst noch ein neues draufbauen muss, das bei jeder Kleinigkeit droht, einzustürzen, wird sie von ihrer Schwester in Moguériec auch noch äußerst frostig empfangen. Und als dann auch noch ausgerechnet Claires Chef in ihrem Heimatort Urlaub macht, bricht das Chaos, verursacht von Claire, über das kleine Fischerdorf herein.

 

Claudia Winters Romane sind normalerweise voller Wortwitz und Romantik, dieser hier ist jedoch anders. Leiser und ernster begleiten wir eine Protagonistin, die es im Leben nicht einfach gehabt hat, deren Fröhlichkeit dem Leser den Schwermut, der tief in ihr schlummert, nicht verbergen kann und die ihre Wurzeln verleugnet - obwohl sie sich immer und überall nach ihnen sehnt.

 

Das Thema "Gehörlosigkeit" wird von der Autorin, die selber mit zwei gehörlosen Elternteilen aufgewachsen ist, thematisiert aber nicht überdosiert. Im Gegenteil! Die taube Maelys ist eine sehr starke Persönlichkeit und längst nicht so hilfebedürftig wie alle denken. 

 

Die Bretagne wird dem Leser in diesem Roman sehr nahe gebracht, Leute, Landschaft und Traditionen so bildlich beschrieben, dass ich mich nun umso mehr auf den Urlaub "am Ende der Welt" freue. 

 

Claudias Romane beinhalten jedoch immer auch kulinarische Genüsse. In den Geschichten wird viel und gerne gegessen und mehr als einmal ist mir das Wasser im Mund zusammengelaufen. Wie üblich gibt es im Anhang einige landestypische Gerichte, so dass der Leser im Anschluss oder während der Lektüre Tarte au citron, Galettes bretonnes, Crème de caramel au beurre salè, Gateau Breton oder Cotriade bretonne kochen bzw. backen bzw. genießen kann.

 

MEIN FAZIT: Ein Roman, der einem die bretonische Lebensart nahebringt, bisweilen herzzerreißend, manchmal lustig und natürlich gespickt von Romantik. Von mir gibt es hierfür 4/5 STERNEN

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thriller, berlin, alanna, henry frei, kreuzigung

Böses Kind

Martin Krist
Flexibler Einband: 324 Seiten
Erschienen bei epubli, 26.10.2017
ISBN 9783745035292
Genre: Romane

Rezension:

Nur wenige Autoren haben die Gabe, ihre Geschichten so zu erzählen, ihre Charaktere so lebendig werden zu lassen, dass ich mich beim Lesen fühle, als würde ich gute alte Freunde wiedertreffen. Martin Krist gehört spätestens seit diesem Buch zu jenen Autoren, denn der Thrillerautor, der dem Leser sonst kaum Zeit zum Atmen lässt, hat nun ganz andere Wege eingeschlagen und mit "Böses Kind" sein meiner Meinung nach bisher bestes Buch geschrieben.

"Jede Lüge hat ihren Preis. Diese wird dich töten." - So beginnt der Klappentext des Thrillers.
Und eins kann ich Euch versichern: Sobald man dieses Werk  durchgelesen hat, wird einem erst richtig die Tragweite dessen, was die anfänglichen zwei kurzen Sätze aussagen, bewusst. Denn plötzlich weiß man, dass da noch einiges auf die Leserschaft zukommen wird. Düsteres. Nervenaufreibendes. Brutales. Und vor allem Spannung von der ersten bis zur letzten Seite.

Warum da noch etwas folgen wird? - Nun, mit "Böses Kind" hat Martin Krist vollkommen neue Wege betreten, denn dieses Buch ist nicht nur selbst verlegt, sondern auch noch der erste Thriller einer fünfteiligen Reihe, die den Obertitel "Alanna" hat.

Mit "Böses Kind" präsentiert uns der Autor einen absolut gelungenen Auftakt einer Reihe, die uns in die Welt des Mordermittlers Henry und seiner Kollegin Louisa einlädt, die zusammen in der Hauptstadt arbeiten. Wie schon weiter oben erwähnt, ist diese Geschichte nun ganz anders als die Thriller, die wir sonst vom Autor gewohnt sind. Spannung ist wie immer von der ersten bis zur letzten Seite vorhanden und auch an Cliffhangern, die die Geschichte zum Pageturner machen, hat Herr Krist nicht gespart. Und dennoch lässt er sich und dem Leser Zeit. Zeit, die Charaktere kennenzulernen, Zeit, um in das Geschehen hineinzufinden.

Gerade die Figuren der Ermittler Henry und Luisa sind wunderbar herausgearbeitet und machen einfach Spaß, denn sie sind authentisch und haben Sorgen und Probleme wie du und ich. Hier wird nicht das beziehungsunfähige, kettenrauchende, zuviel Alkohol trinkende Klischee bedient sondern man trifft auf zwei Personen, die man auch im richtigen Leben sympathisch finden würde. Henrys Tick, überall zwanghaft für Ordnung sorgen zu müssen, hat mich häufig schmunzeln lassen und die junge Mutter Luisa, die schon kurz nach der Geburt wieder arbeiten muss, da der erfolglose Schriftsteller-Ehemann (Hoffentlich kein böses Omen ;-)) kein Geld nach Hause bringt, möchte man einfach nur in den Arm nehmen. Sie ist permanent übermüdet und döst auch schon mal bei Einsätzen weg. Menschlich und nur allzu verständlich.

Henry und Luisa ergänzen sich wunderbar, was in ihrer Zusammenarbeit und vor allem in ihren Dialogen perfekt zum Ausdruck kommt.

Wie man es von Martin Krist, dem Meister der verschiedenen Handlungsebenen, kennt und mag, gibt es auch hier Handlungsstränge, die scheinbar in völlig verschiedene Richtungen laufen, die überhaupt nicht zusammenpassen können: Eine Leiche in einem Hotel, ein getöteter Hund und die alleinerziehende und völlig überforderte Suse,  die es knüppeldick von allen Seiten bekommt. Gehasst von der neuen Freundin ihres Exmannes, getrietzt vom Chef in ihrem Halbtagsjob, gesegnet mit einer besserwisserischen Mutter und einem alkoholkranken Vater, gestalkt von einem scheinbaren Verehrer, muss nun auch noch das Verschwinden ihrer 14jährigen Tochter ertragen. Suse kommt mit dem permanenten Stress in ihrem Leben nicht mehr klar und lässt ihren Frust oft an ihrem mittleren Sohn aus, der einem regelrecht leidtut. Jedoch auch hier zeichnet der Autor ein authentisches Bild einer Alleinerziehenden, wie es wohl leider nur allzu oft der Fall ist.

Martin Krist wäre allerdings nicht Martin Krist, wenn er nicht immer wieder überraschende Wendungen in seinen Thriller einbauen würde, wenn ein Handlungsstrang, der völlig klar zu sein scheint, plötzlich doch ganz anders ist. Logisch und nachvollziehbar und dennoch völlig unerwartet.

Und Alanna, die Namensgeberin der Reihe? "Böses Kind" stellt die Weichen für die Geschichte um Alanna und lässt jetzt schon in Abgründe blicken, lässt den Leser spekulieren und konstruieren ....und warten. Warten auf Mai 2018, in dem der zweite Teil mit dem Titel "Stille Schwester" erscheinen wird.

MEIN FAZIT: Ein großartiger Auftakt zu einer Thriller-Reihe, authentische Charaktere und eine spannende Handlung voller unerwarteter Wendungen und mit einem gewaltigen Cliffhanger am Ende. Meiner Meinung nach das bisher beste Buch des Autors. 

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70 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 62 Rezensionen

pastor, meredith winter, blutpsalm, ladythriller, liebe

Blutpsalm

Meredith Winter
Flexibler Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Sommerburg Verlag, 01.09.2017
ISBN 9783981872217
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die Hure und der Heilige - zunächst könnte man als Leser der Meinung sein, dass genau diese fünf Wörter das Buch sehr treffend beschreiben. Taucht man jedoch tiefer und tiefer ein in die Geschichte von Meredith Winter, merkt man schon bald, dass nichts in dem kleinen, norddeutschen 800-Seelen-Kaff so ist, wie es nach außen hin erscheint. Hier sind die wenigsten Einwohner so gottesfürchtig, wie sie es ihren Nachbarn vorspielen, Gesetze werden missachtet, Lügen und Tratsch werden mit Begeisterung verbreitet. Das alles geschieht selbstverständlich hinter verschlossenen Türen, denn für alle Außenstehenden ist Sommerburg einfach nur ein idyllisches, kleines Örtchen. Und so soll es auch bleiben. Dummerweise haben da einige Leute allerdings die Rechnung ohne den Wirt gemacht.....und dann geschieht der erste Mord...

 

Die Geschichte beginnt damit, dass der junge Pastor Jonathan einen Computernotdienst herbeibeordert, da seine Predigt in den Weiten der Technik bzw. in den Weiten seiner Festplatte unauffindbar ist. Was allerdings anstatt des Computernotdienstes in sein Haus schneit, ist Marlene.....eine Edelprostituierte. Irgendein wohlmeinendes Gemeindemitglied hatte dem Pastor offenbar Marlenes gut getarnte Visitenkarte zugesteckt, denn natürlich hat diese, obwohl in der nächsten Kreisstadt zuhause, auch im kleinen Sommerburg ihren Kundenstamm.

 

Als Jonathan klar wird, dass Marlene sich mit ganz anderen Dingen als mit Computern auskennt, ist der so prüde und schüchtern wirkende Pastor gelinde gesagt schockiert. Und doch hat diese Frau eine solche Wirkung auf ihn, dass er sie am nächsten Tag zu einem (bezahlten) Gespräch zu sich bittet. Auch bei Marlene sind plötzlich ganz leise Schmetterlinge in Bauch, obwohl sie diesen Pastor mit seiner Verklemmtheit und seiner Aufsparung bis zur Ehe (Gott bewahre!) doch eher amüsant als attraktiv findet. Oder?

 

Bevor sich die beiden über ihre Gefühle füreinander klar werden können, geschieht der erste Mord. Damit nicht genug, steckt dem Opfer ein Messer im Herz, an dem zudem Marlenes Visitenkarte aufgespiesst ist. Natürlich war das Opfer ein Kunde der Prostituierten und die Dinge kommen nun unweigerlich ist Rollen....

 

Dieses Buch gehört zum Genre "Ladythriller", was für mich völliges Neuland war, denn normalerweise liebe ich blutige Psychothriller - aber auch dieser sanfteren Variante konnte ich einiges abgewinnen. Es wird gemordet und gemetzelt, gelogen und betrogen...und es wird sich wieder versöhnt. In sehr bildlich und erotisch beschriebenen Szenen, in denen die Autorin jedoch niemals die Grenze zur Vulgarität überschreitet.

 

Die Geschichte selber kommt gut in Fahrt und lässt sich dank des angenehmen Schreibstils der Autorin flüssig und in einem Rutsch weglesen. Immer mehr Details wirft Meredith Winter dem Leser hin, immer mehr Lügen werden aufgedeckt, denn nicht nur Marlene sondern auch Jonathan hat so einige Leichen im Keller. Das Dorfleben, das gehässige Miteinander, bei dem die Eine der Anderen liebend gerne die Augen auskratzen würde, bei dem jeder alles über jeden weiß und bei dem vor allem keiner dem anderen was gönnt und jeder über jeden urteilt, ist in der Geschichte sehr schön aufgegriffen worden und tut sein übriges zur stimmigen Atmosphäre.

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57 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 28 Rezensionen

england, freundschaft, party, roman, buecherseele79

Die Party

Elizabeth Day , Klaus Timmermann , Ulrike Wasel
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 19.09.2017
ISBN 9783832198671
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

"Wie gut kennst du deinen besten Freund?" - So lautet der Untertitel dieses Thrillers und lässt schon ein wenig erahnen, wohin die Geschichte uns führen wird. Denn seien wir doch mal ehrlich: Im wahren Leben kann man den Leuten nicht in den Kopf schauen, warum sollten es die Charaktere in unseren Büchern da einfacher haben? Man verstellt sich, manipuliert und ist nur auf den eigenen Vorteil bedacht - DAS allerdings ist in Romanen natürlich immer eine Spur aufgebauschter und spektakulärer beschrieben, als es in der Realität vielleicht oder ganz sicher der Fall wäre, was allerdings dann auch wieder mit dem angeborenen Voyeurismus der Menschen unserer Zeit zu tun hat. Wir sind nunmal schadenfroh und hämisch, das ist unsere Natur. Deshalb lieben wir es, etwas über das Unglück anderer, möglichst fiktiver Leute zu lesen und sind nachher froh, dass wir nicht in solch einem Schlamassel sitzen sondern gemütlich auf der Couch.

Lange Rede, kurzer Sinn: Dieses Buch steuert auf ein böses Ende zu. Könnte man meinen...

 

Aber fangen wir doch einfach von vorne an: Die Autorin Elizabeth Day hat hier zwei Charaktere erschaffen, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Martin ist der kleine Mitläufer, eher durchschnittlich in seiner Gestalt, seinem Aussehen und seinen Aktivitäten. Ben hingegen ist der wahnsinnig gutaussehende, sportliche, überall beliebte und die Mädels natürlich reihenweise vernaschende Sonnenschein. Die beiden lernen sich in jungen Jahren auf der Schule kennen, was für Ben nichts weiter als eine flüchtige Begegnung ist und in Martin von der ersten Minute an einen Plan entstehen lässt. Einen Plan für seine und Bens Zukunft.

 

Ben hilft Martin aus einer Situation heraus, in der er von anderen Mitschülern bedroht wird - für Ben ist das nichts, worüber er anschließend weiter nachdenkt, für Martin ist er jedoch fortan der Held und er will, er MUSS es schaffen, sein Freund zu werden.

 

Was zunächst mit dem Auskundschaften von Bens Vorlieben in Sachen Filme und Musik beginnt, nimmt schon bald merkwürdige Züge an, denn Martin verstellt sich komplett, nur um Ben zu gefallen, gibt vor, die selbe Musik zu mögen (die er in Wahrheit nicht ausstehen kann) und rein zufällig die selben Hobbies zu haben (von denen er keine Ahnung hat). Er hängt nicht nur mit einer hündischen Ergebenheit an Ben, er ist regelrecht besessen von ihm. Nur Ben scheint das gar nicht aufzufallen, was ich sehr merkwürdig fand.

 

Und dann kommt diese eine Nacht. Diese Nacht, die Martin perfekt in die Karten spielt, in der er sich scheinbar opfert, in Wirklichkeit jedoch voller Berechnung handelt und fortan fast ein Mitglied von Bens Familie ist und vor allem von deren immensen Reichtum profitiert.

 

Die Jahre gehen ins Land, die Jungs heiraten und man könnte meinen, das nun alles seinen Weg geht. Ganz entspannt.

Irrtum! Ben ist immer noch der wichtigste Mensch in Martins Leben und selbst ihm ist mittlerweile aufgefallen, dass diese Freundschaft keine normale ist. Deshalb will er Martin loswerden. Auf jener Party....

 

Der Leser bekommt häppchenweise serviert, was in jener ominösen Nacht damals geschah und wird ebenso nach und nach mit dem ganzen Ausmaß von Martins krankhafter Besessenheit konfrontiert. Die Autorin versteht es, Spannung aufzubauen und den Leser bei den Seiten zu halten, denn Ihr erinnert Euch? - Unsere Sensationsgier will unbedingt wissen, wie die Party endet....

 

Doch das Ende ist noch längst nicht das Ende. Das Ende zeigt uns, dass dieser Roman nicht nur ein spannender Thriller sondern auch noch eine Gesellschaftsstudie ist. Eine Gesellschaftsstudie, deren Ende mich mehr als wütend macht. Weil sie der Wahrheit, der heutigen Realität entspricht.

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Tags: besessenheit, gesellschaftsstudie, party, thriller   (4)
 

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24 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 22 Rezensionen

liebe, butterbrot, berlin, frankreich, chick lit

Butterbrot und Liebe

Susanne Friedrich ,
Fester Einband: 296 Seiten
Erschienen bei tredition, 11.07.2017
ISBN 9783743941892
Genre: Romane

Rezension:

Es heißt ja immer, man soll nicht einkaufen gehen, wenn man hungrig ist. Aus gutem Grund, denn in diesem Fall landen meist weitaus mehr Dinge im Einkaufswagen, als ursprünglich geplant. Nun, dieses Buch sollte man ebenfalls nicht lesen, wenn man hungrig ist, denn Appetit macht es sowieso schon.

 

Die Autorin hat nämlich einem ihrer Protagonisten ein Start-Up Unternehmen auf den Leib geschrieben, das ich mir auch in der Realität wünschen würde: Einen Butterbrot- und Kuchenservice! Nein, keine 08/15-Stullen, die jeder zuhause selber fabrizieren kann, sondern die ausgefallensten Kreationen, die - wir gehen gedanklich zurück zum Anfang des Textes - absolut Appetit machen. Und Lust, selber mal in dieser Hinsicht experimentierfreudiger zu werden.

 

Christoph heißt er also, der fröhliche Schnittchenschmierer, den mir die Autorin allerdings etwas zu sehr übertrieben hat: Immer gut gelaunt, immer am Scherzen, immer freundlich, immer....zuviel des Guten. Man bekommt den Eindruck, dass Christophs Figur nur eine Richtung kennt, was sie für mich schnell langweilig werden lässt. Gesegnet ist Christoph zudem mit einer fürchterlichen Mutter, die ihren Sohn, der die 30 bereits überschritten hat, in aller Öffentlichkeit "Putzipu" nennt - und Christoph bleibt dabei stets freundlich, fröhlich, gelassen, usw.

 

Christophs Gegenstück ist die Karrierefrau Hannah, die sich wie ein Pitbull in ihrem Unternehmen festbeisst, ergeizig, bisweilen zickig und unhöflich jedoch immer gerecht ist, und Männer allenfalls für einen One Night Stand in ihr Leben lässt. Hannah hat mehrere schwere Schicksalsschläge zu verbuchen, die sie zu dem Menschen gemacht haben, der sie nun ist. Gefühlskalt und eher gleichgültig kommt sie rüber und zeigt ihre weiche Seite nur, wenn sie ihren Vater in der Lüneburger Heide besucht - ihren persönlichen Ort der Ruhe und des Friedens.

 

Als Christoph eines Tages Butterbrote in Hannahs Firma liefert, ist es vom ersten Moment an um ihn geschehen: Er verliebt sich Hals über Kopf in Hannah. Sie findet ihn auch nicht komplett indiskutabel und verbringt daher eine nette Nacht mit ihm, nur um ihm anschließend mitzuteilen "Das mit uns wird nichts". - Allerdings hat sie da die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Und ohne Christophs Mutter, die sich penetrant in alles einmischt.

 

Die Autorin präsentiert hier im Großen und Ganzen eine recht lockere und witzige Geschichte. Natürlich ist der Verlauf ziemlich vorhersehbar, aber das ist ja bei Romanen dieser Art die Norm. Sprachlich ist mir manchmal ein wenig zuviel nerviges "Teenie-Sprech" im Text enthalten, vor allem, wenn Christoph sich mit seinem Freund und Geschäftspartner Attila unterhält. Das wirkt auf mich schlicht und ergreifend ziemlich albern und nicht zeitgemäß.

 

Zusammenfassend empfinde ich "Butterbrot und Liebe" als entspannende, nicht sehr anspruchsvolle Urlaubslektüre, die sich schnell wegschmökern lässt, aber weder zum Nachdenken anregt, noch in irgendeiner Form nachhallt. MEIN FAZIT lautet hier: 2,5/5 STERNEN

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Tags: chick lit, hamburg, liebesgeschichte   (3)
 

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108 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 32 Rezensionen

koma, liebe, leben, drama, familie

Das Traumbuch

Nina George
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Knaur, 17.03.2016
ISBN 9783426653852
Genre: Romane

Rezension:

Dies ist eines jener Bücher, die zum richtigen Zeitpunkt kommen müssen, auf die man sich richtig einlassen muss. Denn anders als ein spannender Thriller oder ein witziger Unterhaltungsroman, die man ja eigentlich jederzeit so weglesen kann, muss man für dieses Buch wirklich in Stimmung sein. Und vor allem braucht man Ruhe um sich herum, um es zu lesen und zu verstehen.

"Das Traumbuch" ist ein sehr leises Buch, melancholisch und zu Herzen gehend. Und genau damit hatte ich zu Anfang meine Probleme.

Die Geschichte dieses Romans handelt von Henri, einem ehemaligen Kriegsreporter, der im Koma liegt, von seinem hypersensiblen Teenager-Sohn Sam,  der ihn bisher nicht kennt und von Henris Ex-Freundin Eddie. Jeder der drei hat sein Päckchen zu tragen, jeder hat Probleme, mit dem Leben klarzukommen und von Frohnaturen kann hier überhaupt nicht die Rede sein. Und genau das machte es für mich sehr schwierig, dieses Buch zu mögen. Denn ich liebe Protagonisten, die richtig fies und hinterhältig sind - diese drei hingegen sind passiv und schleichen geradezu auf Zehenspitzen durch den Roman.

 

- "Sam hat sich in den Stuhl gekrallt, während Dr. Saul sein gesamtes akademisches Fachwissen auf uns regnen lässt. Samuel nutzt das Wissen nicht. Er will etwas anderes. Vielleicht Hoffnung. Und Hoffnung ist nicht aus Wissen gemacht." - Zitat Seite 88

Die Handlung spielt größtenteils auf der Intensivstation,  auf der Henri nach einem Unfall im Koma liegt. Und hier fängt die Autorin nun an, zu spekulieren: Was passiert mit einem Koma-Patienten? Wie viel von dem, was um ihn herum geschieht, bekommt er mit? Träumt er? Hat er Nahtod-Erfahrungen? Ist er geistig anwesend und kann sich nur nicht mitteilen?

Eddie, die Henri nach einem Streit vor einigen Jahren aus dem Haus jagte, besucht ihn jeden Tag im Krankenhaus und man fragt sich, warum? Warum übernimmt sie für ihren Ex, der sie nicht genug liebte, um sein Leben mit ihr zu teilen, so viel Verantwortung, dass sie im Notfall über Leben oder Tod entscheiden muss? Und das, obwohl sie längst einen neuen Lebenspartner hat? Warum schrieb Henri einst Eddies Namen in die Patientenverfügung, obwohl er ihr vor den Kopf geknallt hatte, dass er sie nicht liebt und zu dem Zeitpunkt schon von ihr getrennt war? Was bringt einen blitzgescheiten und hochsensiblen Teenager dazu, die Schule zu schwänzen und wichtige Prüfungen zu versäumen, um seinen Vater, den er überhaupt nicht kennt, der nie da war, tagtäglich im Krankenhaus zu besuchen?

Dieses Buch ging für mich persönlich erst nach der Hälfte, nämlich nach etwa 200 Seiten, richtig los. Ich muss gestehen, dass ich es mehrmals abbrechen wollte, im Endeffekt aber nun doch froh bin, dass ich durchgehalten habe. Denn die Geschichte entwickelt sich und mit ihr entwickeln sich die Protagonisten, wachsen zusammen und über sich hinaus.

 

- "...das ist die Magie der Literatur. Wir lesen eine Geschichte, und danach ist etwas anders. Was, das wissen wir nicht, oder warum, durch welchen Satz, das wissen wir auch nicht. Und dennoch hat sich die Welt verwandelt und wird nie mehr dieselbe sein wie vorher. Manchmal merken wir es erst Jahre später, dass ein Buch der Riss in unserer Realität war, durch den wir, nichtsahnend, entkommen sind aus Kleinigkeit und Mutlosigkeit." - Zitat Seite 111

 

Sprachlich ist "Das Traumbuch" größtenteils sehr poetisch und blumig geschrieben - für mich persönlich definitiv zuviel des Guten, denn mir gefällt ein klarer Stil, der Tacheles redet weitaus besser.

Bis kurz vorm Ende ist noch alles völlig offen, dann aber herrscht Taschentuchalarm, bzw. dann wird es extrem rührselig. Da ich die erste Hälfte vom "Traumbuch" nicht mochte, die zweite Hälfte dann aber doch recht gern gelesen habe, lautet MEIN FAZIT hier: 2,5/5 STERNEN

 

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Tags: das traumbuch, drama, erste liebe, knaur verlag, koma, krankenhaus, nina george   (7)
 

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108 Bibliotheken, 2 Leser, 2 Gruppen, 32 Rezensionen

flucht, wilhelm gustloff, 2. weltkrieg, ruta sepetys, zweiter weltkrieg

Salz für die See

Ruta Sepetys , Henning Ahrens
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 29.09.2016
ISBN 9783551560230
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Seit langer Zeit, genauer gesagt seit 105 Jahren, sind die Menschen gleichermaßen entsetzt und fasziniert vom Untergang der "Titanic". Jedem ist dieser Name ein Begriff und man denkt unweigerlich sofort an Eisberge und an das Drama, als dieses Schiff bei seiner Jungfernfahrt sank und tausende Menschen in den Tod riss. Als bekanntestes und vermeintlich größtes Schiffsunglück aller Zeiten überschattet es jedoch eines, das weitaus mehr Menschenleben forderte: Der Untergang der "Wilhelm Gustloff".

 

Zugegeben: Auch ich war bisher immer davon ausgegangen, dass die "Titanic" die Spitze aller Schiffsunglücke anführt und der Name "Wilhelm Gustloff" war mir zwar ein Begriff, ich wusste jedoch nicht, dass es sich hierbei um ein Kreuzfahrtschiff der nationalsozialistischen Organisation "Kraft durch Freude" handelte, das im zweiten Weltkrieg als Flüchtlings- und Lazarettschiff zweckentfremdet wurde und von Torpedos getroffen sank. -  Mit etwa 10.000 Menschen an Bord und somit gut 8000 mehr als ursprünglich vorgesehen.

 

Und genau davon handelt diese Geschichte....

 

"Salz für die See" ist ein Jugendbuch, welches ich jedoch eher in die Sparte All Age einordnen würde, denn ich persönlich würde es jeder Altersgruppe empfehlen. Die Autorin beschreibt in einer klaren und eingängigen Sprache die Grauen des Krieges - ohne jedoch zu sehr ins grausame Detail zu gehen. Die Angst der Menschen, die Angst davor, entdeckt, getötet oder verschleppt zu werden, der allgegenwärtige Hunger und die Kälte, die in diesem letzten Kriegswinter 1945 herrscht - die beschreibt Ruta Sepetys allerdings so bildlich, dass man als Leser ins Buch kriecht und an den vielen vielen Schicksalen hautnah teilnimmt.

 

Drei Schicksale sind es jedoch, die den Leser bis zur letzten Seite gefangennehmen und mitfiebern lassen. Drei Menschen, die zu normalen Zeiten nie etwas miteinander zu tun gehabt hätten und nun im Krieg notgedrungen eine Zweckgemeinschaft bilden müssen. Denn alle haben etwas zu verbergen, alle haben Geheimnisse, die sie das Leben kosten könnten. Und alle erhoffen sich ein gewisses Maß an Schutz durch eben diese Zweckgemeinschaft:

Der junge Deutsche Florian ist ein Deserteur, gibt sich aber als Soldat mit Spezialauftrag von höchster Stelle aus. Denn er trägt etwas von unschätzbarem Wert mit sich, etwas dessen Geheimnis bis heute nicht geklärt ist...

Emilia ist als Polin auf der ständigen Flucht, da sie sowohl für die Rote Armee, die von Osten her anrückt, als auch für die Deutschen eine Feindin ist. Um nicht aufzufallen gibt sie sich als taubstumm aus. Zudem ist sie schwanger....

Joana, die Krankenschwester aus Litauen, hat ein Helfersyndrom...und gleichzeitig allen Grund, niemandem mehr trauen zu können...

 

Diese drei Personen treffen sich im eiskalten Winter 1945, als tausende Menschen auf der Flucht vor den Russen nach Westen fliehen, auf dem gefährlichen Weg über das zugefrorene Frische Haff mit dem Ziel Gotenhafen. Immer in Alarmbereitschaft, immer müde, hungrig, frierend und am Ende aller Kräfte.

 

Am Ziel jedoch, so sagt man ihnen, wartet die Wilhelm Gustloff auf sie, jenes Schiff, das die Flüchtlinge nach Kiel in einen sicheren Hafen bringen soll...

 

Fiktion und Realität werden in diesem Buch sehr gekonnt miteinander vermischt und man saugt als Leser die geschichtlichen Fakten in sich auf, vergisst dabei aber auch nicht, dass es tausende verschiedener Schicksale in dieser Zeit gab, von denen vielleicht einige ähnlich denen der Protagonisten waren.

 

Ja, dieses Buch ist traurig und macht sehr betroffen. Es regt jedoch auch zum Nachdenken über eine vergangene Zeit an und es ist vor allem spannend, dramatisch und mitreissend von der ersten bis zur letzten Seite. MEIN FAZIT lautet hier 5/5 STERNEN, denn "Salz für die See" gehört definitiv zu meinen Bücherhighlights 2017.

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Tags: 1945, gotenhafen, jugendbuch, kriegsdrama, kriegswinter, wilhelm gustloff   (6)
 

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südtirol, thriller, dolomiten, krimi, winter

Der Tod so kalt

Luca D'Andrea , Verena Koskull
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei DVA, 06.03.2017
ISBN 9783421047595
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ungewöhnlich ist nicht nur der komplette Aufbau dieses Thrillers, sondern auch sein Handlungsort. Denn die meisten Spannungsromane spielen ja entweder im Moloch einer Großstadt oder in düsteren, nebligen Gegenden. "Der Tod so kalt" hingegen entführt den Leser nach Südtirol. Südtirol, das man doch immer irgendwie mit Sonne und Bergen und Wandern und niedlichen Murmeltierchen und einem kühlen Radler auf der Almhütte verbindet. Dieses Südtirol ist keineswegs dunkel oder beängstigend - dennoch schlummert hier etwas, vor dem sich die Menschen fürchten.

 

Der Dokumentarfilmer Salinger wird eher notgedrungen in ein kleines Örtchen in Südtirol versetzt: Bei einem seiner Filmeinsätze ging etwas ganz gewaltig schief, so schief, dass es mehrere Tote gab und ihm als Überlebenden ein gewisser Teil der Schuld zugesprochen wurde. Sowas zerrt an den Nerven und macht psychisch krank, daher beschliesst Salingers Frau Anneliese, mit ihm und der kleinen Tochter Clara auf unbestimmte Zeit in Annelieses Tiroler Heimatdorf zu ziehen.

 

Und zunächst scheint Annelieses Plan auch aufzugehen, denn Salinger entspannt sich mehr und mehr in dem Bergpanorama, versteht sich blendend mit seinem Schwiegervater und unternimmt Ausflüge mit Clara.

 

Bis zu jenem verhängnisvollen Tag, als er mit Clara eine Wanderung in der Bletterbachschlucht unternimmt .... und nachher nichts mehr ist wie es war.

 

Denn in der Bletterbachschlucht ereignete sich vor etwa 30 Jahren ein brutaler Mehrfachmord, der bis dato ungeklärt ist. Salinger wäre nicht Dokumentarfilmer, wenn er sich nicht sofort festbeissen würde in die paar Bröckchen an Informationen, die er aufschnappt. Er beginnt zu forschen und plötzlich dreht sich sein beschauliches Leben in Südtirol um 180 Grad.

 

Wo vorher Freundschaft war, schlägt ihm nun Feindseligkeit entgegen, er ist nicht mehr willkommen und wird offen bedroht und schlimmer. Seine Ehe droht zu zerbrechen, denn Anneliese fleht ihn mehr als einmal an, sich aus der Sache herauszuhalten, die Geister der Vergangenheit nicht zu wecken.

 

Stückchenweise erfahren sowohl der Leser als auch Salinger, was damals in der Bletterbachschlucht passierte - und doch kann sich (noch) niemand einen Reim darauf machen.

 

Dieser Thriller baut eine subtile und stetige Spannung auf, denn einerseits bringt der Autor das heutige, moderne Leben in den Bergen sehr gut herüber, beschreibt andererseits jedoch auch sehr bildlich Traditionen und altes Brauchtum, das trotz unserer technologisierten Welt am Leben gehalten wird. Er malt ein spannendes Bild der Dorfbewohner, die zunächst abwartend und höflich sind, dann aber, als sie Gefahr im Verzug sehen, ihr wahres Gesicht zeigen.

 

Der Leser lernt einige der Dorfbewohner kennen und fragt sich fast bis zum Schluss bei einigen "Was weiss er/sie über die Morde?", "Hatte er/sie etwas damit zu tun?".

 

...und dann ist da noch dieses "Etwas" das seit ewigen Zeiten in der Bletterbachschlucht lebt, wie viele der Dorfbewohner glauben. Dieses "Etwas", das gefährlich ist, weshalb man die Schlucht meiden sollte. - Wer nun denkt, dass der Autor hier ein wenig HokusPokus und Übersinnliches eingebaut hat, der irrt....

 

Für mich war "Der Tod so kalt" eine durch und durch stimmige und spannende Geschichte, noch dazu in einem sehr eingängigen Stil geschrieben.

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Tags: bergwelt, bletterbachschlucht, der tod so kalt, luca d`andrea, mehrfachmord, südtirol, thriller   (7)
 

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77 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 38 Rezensionen

katie jay adams, liebe, ein sommer fürs leben, kalifornien, sommer

Ein Sommer fürs Leben

Katie Jay Adams
E-Buch Text
Erschienen bei CreateSpace Independent Publishing Platform, 24.07.2017
ISBN B0747Z238J
Genre: Liebesromane

Rezension:

- "Du selbst zu sein, in einer Welt, die dich ständig anders haben will, ist die größte Errungenschaft." -

                              (Ralph Waldo Emerson)

 

 

Mit ihrem Debütroman "Sommer ins Glück" liess die Autorin Katie Jay Adams uns letztes Jahr wissen, dass wir in Zukunft mit ihr rechnen müssten. - Dieses Jahr hat sie mit "Ein Sommer fürs Leben" nachgelegt und zumindest bei mir ihre Position als eine der AutorenInnen, bei denen man gespannt auf eine Neuerscheinung wartet, gefestigt.

 

Mit oben stehendem Zitat, welches wohl in jede Zeitepoche und zu jedem Menschen passt, beginnt Katie ihren zweiten Roman und lässt damit schon eine leise Ahnung aufkommen, in welche Richtung diese Geschichte steuern wird.

Wenn man das Cover von "Ein Sommer fürs Leben" betrachtet, könnte man meinen, dass es sich hier um eine kunterbunte, lustig-leichte Chick Lit-Geschichte handelt. Doch genauso wie bei ihrem Erstling zeigt uns die Autorin bereits nach den ersten Seiten, dass sie viel tiefer zu gehen vermag ....und dem Leser trotzdem eine unbeschwerte Leichtigkeit für die Zeit der Lektüre mit auf den Weg gibt.

Angesiedelt im sonnigen Kalifornien, in den Weinbergen des Napa Valley und in der Großstadt San Francisco bekommen wir eine spannende Geschichte über Verlust, Familienbande, Existenzangst, Geheimnisse, Zusammenhalt und natürlich über die Macht der Liebe präsentiert:

 

Emilys Leben liegt in Scherben, denn das glamouröse Auftreten in New Yorks besten Kreisen ist vorbei, seit ihr Mann in Untersuchungshaft sitzt und sie von der High Society gemieden wird. Kleinlaut bleibt ihr nichts anderes übrig, als zurück nach Hause zu kehren. Zurück in das heruntergekommene Häuschen im Napa Valley, zu ihrem hypochondrischen Vater, der nicht mehr lebt sondern nur noch existiert, und zu ihrer jüngeren Schwester Kim, die seit einem Unfall im Rollstuhl sitzt und trotzdem der Sonnenschein der Geschichte ist, da sie immer nur das Positive im Leben sieht.

Emily ist pleite, sämtliche Bank- und Kreditkarten sind gesperrt - also bleibt ihr nichts anderes übrig, als sich schnellstmöglich einen Job zu suchen.

 

Den findet sie dank ihrer Qualifikationen recht schnell, allerdings hat die Sache einen riesengroßen Haken: Um sich zu beweisen wird von ihr zunächst verlangt, sich bei der Konkurrenz einzuschleusen und zu schnüffeln. Dumm nur, dass das Konkurrenzunternehmen, ein Weingut namens Black Dragonfly, ausgerechnet Emilys altem Schulfreund Chris gehört, der anfangs der Unsympath der Geschichte ist: Mürrisch, verschlossen, unverschämt.

 

Dieser Roman ist schlecht einem Genre zuzuordnen, denn als Chick Lit oder Liebesroman würde ich ihn nicht sehen, dazu hat er zu viele Komponenten. Die Existenzängste der Protagonisten sind es, die diese Geschichte ausmachen, das Hinfallen und immer wieder Aufstehen, obwohl man bereits mit dem Rücken vor der Wand steht. Mehr als einmal habe ich Katies Charaktere bewundert, wenn sie in noch so ausweglosen Situationen abwägen und niemals aufgeben und jedesmal habe ich mich gefragt, ob ich genauso stark wäre?

 

Hier hat jeder sein Päckchen zu tragen und jeder trägt es auf seine Weise. Man beginnt, die Protagonisten zu verstehen, auch wenn man sie vielleicht nicht mag oder wenn man selbst ganz anders an die Sache herangegangen wäre.

 

Trotz aller Probleme schafft die Autorin es dennoch, in der Geschichte und zwischen den Zeilen die Leichtigkeit des Sommers, die Unbeschwertheit eines Strandtages und die wärmenden Strahlen der Sonne zu transportieren. Man fängt an zu lesen....und bleibt dran und wird kurzfristig mit allen Sinnen ins sonnige Kalifornien versetzt. Das ist es, was ein gutes Buch für mich ausmacht: Mich zu packen und zu einem Kurzurlaub einzuladen.

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Tags: familiengeheimnisse, kalifornien, rotwein, sommer   (4)
 

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199 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 45 Rezensionen

london, sophie kinsella, liebe, frag nicht nach sonnenschein, landleben

Frag nicht nach Sonnenschein

Sophie Kinsella , Jörn Ingwersen
Flexibler Einband: 600 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 15.05.2017
ISBN 9783442485505
Genre: Liebesromane

Rezension:

 

Eine gescheiterte und frustrierte Möchtegern-Londonerin übernimmt einen Glamping-Platz. - Ob das gutgehen kann?

 

Als alter Fan der Shopaholic-Reihe von Sophie Kinsella war ich sehr begeistert darüber, dass kurz vor meinem Korsika-Urlaub ein neuer Roman der Autorin erschien. In "Frag nicht nach Sonnenschein" geht es unter anderem ums Glamping, was eine etwas luxuriösere Art des guten, alten Campings ist. Wie passend, denn da ich selber mit Wohnwagen hintendran auf die französische Insel fuhr, war das Buch ja wie für den Urlaub gemacht.

Und so fing ich in Mailand an zu lesen über Katie, die aus dem ländlichen Somerset stammt und so gerne wie eine echte Londonerin sein möchte: Mondän, selbstbewusst und vielleicht ein kleines wenig exzentrisch. Die sich fortan Cat nennt und auf ihrem Instagram-Account aller Welt ein tolles Leben vorheuchelt. Die Realität sieht allerdings bitter aus für Katie/Cat: Eine fast unbezahlbares Zimmer, das nicht größer als ein Schuhkarton und 1,5 Stunden von ihrer Arbeitsstelle entfernt liegt, zu wenig Geld und eine Chefin, vor der alle zittern.

Nun gut, an und für sich ist dieser Beginn einer Geschichte nichts Besonderes, könnte aber durch die Autorin dazu gemacht werden. Leider aber hapert es an der Umsetzung, denn den Wortwitz von Frau Kinsella, durch den sie mich die Shopaholic-Reihe hindurch Tränen lachen liess, konnte ich hier leider nicht finden.

Der Anfang zog sich dahin wie Kaugummi und es wurde und wurde nicht besser. Im Nachhinein kann ich sagen, dass man diese 544-Seiten-Geschichte auch auf 300 hätte stutzen können und trotzdem nichts verloren gegangen wäre. Denn durch besonders viel Charme glänzt das Ganze nicht. Die Protagonisten sind eher stereotyp, die Handlung ist völlig vorhersehbar und der Wortwitz einer Sophie Kinsella wie schon erwähnt gänzlich verschwunden.

...und so dauerte es dann auch mehrere Tage, bis ich mich durch das Buch "gearbeitet" hatte. In Savona fand ich es tatsächlich interessanter, meine Campingnachbarn zu beobachten, als zu lesen, wie Katies Vater seine neueste Schnapsidee von einem Glamping-Platz auf der heimatlichen Farm umsetzt. In Bastia auf Korsika las ich eher lustlos, wie Katie, frisch gefeuert, sich des Glamping-Platzes annimmt und ihn zu einer Goldgrube macht.
Etwas Aufwind bekam die Geschichte, als ausgerechnet Katies Ex-Chefin auftaucht und Katie sich heimlich für jedes erlittene Unrecht rächt.

Neun Tage habe ich gebraucht, um diese 540 Seiten schließlich über der Bucht von Calvi zu beenden - und das spricht absolut nicht für das Buch! Sophie Kinsella hat in der Vergangenheit bewiesen, dass sie es besser kann. Viel besser! Von dieser Geschichte hier würde ich jedem Kinsella-Fan abraten.

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Tags: chick lit, frag nicht nach sonnenschein, sophie kinsella   (3)
 

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66 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 36 Rezensionen

familie, bretagne, tod, frankreich, trauer

Ein geschenkter Anfang

Lorraine Fouchet , Sina de Malafosse
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Atlantik Verlag, 17.03.2017
ISBN 9783455600568
Genre: Romane

Rezension:

Als Geschichte "voller Leben, Gefühl und Zuversicht" bezeichnet der französische Autor Antoine Laurain diesen Roman. Und obwohl ich zu Anfang ein wenig brauchte, um in diese Familiengeschichte einzutauchen, muss ich ihm schlussendlich Recht geben, denn "Ein geschenkter Anfang" ist dramatisch, traurig, lustig, ärgerlich spannend und vor allem eins: Mitreissend.

 

Die eine Hauptprotagonistin dieser Geschichte ist die kleine Insel Groix in der Bretagne, auf die der Leser entführt wird, um dort mit allen Sinnen an der bretonischen Lebensart teilzunehmen. Die andere Hauptprotagonistin ist Lou. Und Lou ist tot. Lou, die immer sagte, dass sie kein Wort mehr mit demjenigen reden würde, der bei ihrer Beerdigung weinen würde. Lou, die von allen bewundert und verehrt wurde. Lou, die ihre scheinbar intakte Familie zusammenhielt. Lou, die sah, wofür andere blind waren.

 

Lous Familie trauert schrecklich um sie ... und entfernt sich dabei immer weiter voneinander. Da ist ihr Mann Jo, der seine beste Freundin und Seelenverwandte verlor und es Lou sehr übel nimmt, dass sie sich enfach davon gemacht hat, wie er es nennt. Er redet ständig in Gedanken mit ihr und droht an seinem Kummer zu zerbrechen. Auch die erwachsenen Kinder Cyrian und Sarah vermissen ihre Mutter schmerzlich. Cyrian, dessen Ehe kurz vor dem Aus steht, der eine Affäre hat, sich weder um seine eheliche noch um seine uneheliche Tochter kümmert und der von einer ständigen Rastlosigkeit und von einem großen Hass auf seinen Vater getrieben ist. Und Sarah, die einst von ihrem Verlobten quasi vor`m Altar stehengelassen wurde und seitdem niemandem mehr vertraut, jegliche Gefühle unterdrückt und dabei sich selbst am meisten schadet. Pomme, die uneheliche Tochter, ist mit ihren 11 Jahren viel zu erwachsen und vor allem eins: Einsam. Charlotte, die eheliche Tochter lebt in einem goldenen Käfig, den ihre eigene Mutter ihr gebaut hat.

 

Und so hat Lou, die wusste, dass ihre Familie nach ihrem Tod vollständig auseinanderbrechen würde, vorgesorgt: In ihrem Testament gibt sie Jo die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass ihre Kinder endlich glücklich werden. Und Jo ist gezwungen, näher hinzusehen.

 

Die Kinder sind erwachsen und können tun und lassen, was sie wollen. Da sollten sie doch glücklich sein. Oder etwa nicht? Jo, der bisher immer nur das kannte, was an der Oberfläche schwamm, taucht tiefer in die Familiengefüge ein....und beginnt zu handeln...

 

Dieser Roman kommt sehr sanft und leise daher, in einer wunderschönen Sprache und mit vielen sowohl schönen als auch traurigen Momenten. Und dennoch legt die Autorin hier eine rasante Familiengeschichte vor, die den Leser an die Seiten fesselt.

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19 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

island, schafzüchter, elfenhügel, liebe, mission

Inselgelb

Stina Jensen , Alice Golding
E-Buch Text: 280 Seiten
Erschienen bei Sótano, 15.03.2017
ISBN B01MYDQOJJ
Genre: Liebesromane

Rezension:

"Inselgelb" ist der bereits dritte Teil der Inselroman-Reihe von Stina Jensen und kann auch unabhängig von den beiden Vorgängern gelesen werden. Und eins gleich vorweg: Lasst Euch nicht vom Titelbild täuschen! Denn wir befinden uns hier mitnichten unter Zitronenbäumen, zwischen Mandelbäumchen und weißen Sandstränden im sonnigen Süden, sondern in einem Rapsfeld ....auf Island.

 

Ja, Island ist der Handlungsort dieser Geschichte und verzaubert uns mit seinen atemberaubenden Naturbeschreibungen. Und auch wenn ich anfangs ein wenig brauchte, um in die Geschichte hineinzufinden, mir alles etwas zu düster und melancholisch war, hat es die Autorin doch verstanden, meine Neugier von der ersten Seite an zu schüren, denn es gab da etwas, das ich unbedingt wissen wollte...

 

Was das war? - Nun, Claire, die Hauptprotagonistin dieses Romans, reist nach Island, um eine Mission zu erfüllen. Eine Mission für ihren Ex-Freund, der jeglichen Kontakt mit ihr abblockt seit jenem gemeinsamen Abend, an dem etwas Schreckliches geschah. Dieser Abend wird dem Leser im Laufe des Buches häppchenweise serviert und so bekommt man nach und nach ein Gefühl für das komplette Ausmaß der Katastrophe.

 

Claire ist nicht gerade eine Frohnatur und eher verschlossen, was es mir zunächst schwermachte, einen Zugang zu ihr zu finden. Als sie dann jedoch in Island quasi völlig hilflos strandet und ihr nichts anderes übrig bleibt, als über ihren Schatten zu springen, taut sie langsam auf und entwickelt sich im Laufe der Geschichte ganz enorm.

 

Und natürlich ist da auch noch die gute alte Liebe. In diesem Fall sogar zwei Lieben: An ihrem Ex-Freund Josh hängt Claire wie Pattex, der Isländer Kristjan - Physiotherapeut, Schafzüchter und Fußballnationalspieler - den Claire in einer Notsituation kennenlernt, schleicht sich jedoch auch ständig in ihre Tagträume....

 

Die Naturbeschreibungen und die komplette Mannschaft der Protagonisten sind es jedoch, was diesen Roman für mich ausmacht. Stina Jensen präsentiert uns hier so vielseitige Charaktere, dass man bald schon seine persönlichen Lieblinge gefunden hat. Vom Sonnenschein bis zum Ekelpaket ist alles dabei, jedoch ohne dass die Geschichte überladen wirkt.

 

MEIN FAZIT: Ich war nicht immer mit der Handlungs- und Denkweise der einzelnen Charaktere einverstanden und konnte das ein oder andere auch nicht nachvollziehen. Trotzdem habe ich "Inselgelb" sehr gerne gelesen und empfehle es jedem weiter, der ein paar gemütliche Stunden (gedanklich) auf Island verbringen möchte.

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104 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 22 Rezensionen

thriller, nachtängste, england, dreiecksbeziehung, fremdgehen

Sie weiß von dir

Sarah Pinborough , Ulrike Thiesmeyer
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 20.01.2017
ISBN 9783499272653
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

"Dieses Ende dürfen Sie niemandem verraten." steht auf der Rückseite des Thrillers. Mal abgesehen davon, dass ich das sowieso niemals tun würde, habe ich mich allerdings schon gefragt, warum es hier extra erwähnt wird? Nun ist es ja so, dass es gute Enden gibt, weniger gute, überraschende, haarsträubende und völlig idiotische. Aber das sollte der Leser eben erst am Ende der Lektüre herausfinden. Wenn man den Schluss schon vorher kennt, macht das ganze Buch ja keinen Spaß mehr.

 

Und Spaß gemacht hat das Lesen dieser "ménage à trois", die dem Leser gleich zu Beginn serviert wird, zunächst auf jeden Fall. Obwohl absolut klischeebehaftet, unterhält uns die Autorin anfangs sehr gut mit ihrer Geschichte um Louise, Adele und David: Die alleinerziehende Louise (die auf dem Klappentext übrigens Louisa heißt) lernt in einer Bar David kennen. Man ist sich sympathisch, man ist betrunken - man knutscht ein wenig herum. Mehr nicht. Ein paar Tage später stellt sich heraus, dass David Louises neuer Chef ist. Beide sind zunächst peinlich berührt, gehen dann aber sehr souverän mit der Situation um. Denn natürlich ist David verheiratet und natürlich ist seine Frau Adele geradezu überirdisch schön und natürlich würde er sie niemals verlassen.

 

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht von Adele und Louise erzählt. Zudem gibt es immer wieder kleine Einsprengsel mit der Überschrift "Damals". In "Damals" geht es ausschließlich um Adele, die mir das ganze Buch über völlig suspekt und unsympathisch blieb. Damals ist etwas Schlimmes passiert, das Adele in eine psychiatrische Einrichtung brachte. Damals weigerte sie sich zu schlafen. Damals wurde sie von David gerettet.

 

Heute hat Louise ebenfalls Schlafprobleme, denn immer wiederkehrende Alpträume und Schlafwandeln sind alles andere als erholsam und lassen sie langsam aber sicher verzweifeln. Hilfe bekommt sie von Adele, die sie "zufällig" kennenlernt und die ihre beste Freundin wird. Ohne dass David davon weiß. Schon im Klappentext erfährt der Leser, dass das Treffen der beiden Frauen keinesfalls zufällig geschieht und dass etwas viel Schlimmeres als Eifersucht dahintersteckt.

 

So weit, so gut. Obwohl voller Klischees, lässt sich das Buch sehr angenehm lesen und ist auch wirklich spannend. Zudem hat es mir ein interessantes Thema offenbart, von dem ich vorher nie gehört hatte. Das Problem ist nur, dass dieses Thema ab dem letzten Drittel zu weit ausgeschmückt und ausgereizt wurde. Die Handlung des Thrillers verliert sich irgendwann aufgrund dieses Themas, aufgrund der Tatsache, dass die Autorin mehr weiß als der Leser. Es wird verworren und man findet mehrere Textstellen, die völlig unlogisch sind, sich dann aber durch das Ende aufklären.

 

Die große Schwachstelle des Buches ist allerdings genau das, was man niemandem verraten soll: Das Ende. Völlig an den Haaren herbeigezogen liess es bei mir wirklich die Frage aufkommen, ob die Autorin ihre Leserschaft eigentlich verar***en will? Da hat der Hinweis im Klappentext, dass man das Ende niemandem verraten soll, wirklich seine Berechtigung, denn hätte ich vorher gewusst, auf was das Ganze zusteuert, hätte ich das Buch nicht gelesen.

 

MEIN FAZIT lautet hier: Obwohl das letzte Drittel mich sehr enttäuscht hat und ich mit dem Ende überhaupt nicht einverstanden bin, liess sich das Buch bis dahin sehr angenehm lesen. Spannung war vorhanden und am Schreibstil der Autorin ist nichts auszusetzen.

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Tags: dreiecksbeziehung, fremdgehen, hokuspokus, schlafprobleme, thriller   (5)
 

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64 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 43 Rezensionen

thriller, berlin, david gross, brandstiftung, martin krist

Brandstifter

Martin Krist
Flexibler Einband: 473 Seiten
Erschienen bei Independently published, 19.02.2017
ISBN 9781520648682
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

In meiner nun schon ein paar Jahre währenden Zeit als Thriller-Liebhaberin habe ich die Erfahrung gemacht, dass es Autoren gibt, mit deren Schreibstil ich absolut nicht warm werde und von deren Büchern ich nach dem ersten Versuch nie wieder etwas lese - und dass es Autoren gibt, bei denen ich überhaupt nicht wissen muss, worum es im nächsten Buch geht. Weil nämlich schon der Autorenname ein Garant für allerbeste Unterhaltung ist. Martin Krist ist einer dieser Autoren, denn er versteht es perfekt, den Leser an die Seiten zu fesseln mit seinen verschiedenen Erzählsträngen, kurzen Kapiteln, häufigen Szenenwechseln und Cliffhangern. Dieser Autor sorgt regelmäßig für viel zu wenig Schlaf, weil man nur eben noch das nächste Kapitel lesen will. Und das danach. Und dann noch eins. Und noch eins. Und noch eins....

 

So auch im aktuellen Thriller "Brandstifter": Fängt diese Geschichte auch für Herrn Krists Verhältnisse fast schon brav an (eine Leiche gibt es trotzdem), bekommt man schon gleich am Anfang ein Gefühl dafür, dass es auf diesen 412 Seiten noch hoch hergehen wird: Eine brutale Hinrichtung in allerbesten Kreisen, ein kleiner Alkoholiker mit Geldproblemen, eine Mutter, die um ihre Kinder kämpft. Aber wie passt das alles zusammen?

 

Schon bald erscheint auch ein (manchen altbekannter) Charakter auf der Bildfläche: David Gross, der ehemalige Polizist und heutige Privatdetektiv und "Problemlöser", der mit der Suche nach einem Wissenschaftler beauftragt ist, der allerdings mit der Suche nach seiner verschwundenen Ex-Frau und mit der Sorge um seinen Sohn eigentlich mehr als genug um die Ohren hat. Hier hätte ich mir zwischendurch ein paar mehr Randinformationen über David Gross gewünscht, denn er ist ein interessanter Protagonist, der in vorherigen Bänden schon ein sehr bewegtes Leben hatte. Man kann "Brandstifter" jedoch auch lesen, wenn man die vorangegangenen David Gross - Bände nicht kennt.

 

Martin Krist webt in diesem Thriller ein Netz, das zunächst aus einzelnen Teilen zu bestehen scheint, die nichts miteinander zu tun haben. Das mit seinen ständigen Perspektivwechseln den Leser fordert und außer Atem bringt. Das Stück für Stück zusammengefügt wird, zum Ende hin immer enger wird - bis schlussendlich alles zusammenpasst. Alles? Nun ja, ein paar Fragen bleiben schon noch offen, was wiederum nach einer Fortsetzung über David Gross schreit.

 

Aber Vorsicht! Als Urlaubslektüre für zwischendurch sollte man "Brandstifter" auf gar keinen Fall einplanen! Nicht nur die verschiedenen Erzählperspektiven fordern die Aufmerksamkeit des Lesers, sondern auch die Tatsache, dass man bald schon bemerkt, dass die Geschichte sich in verschiedenen Zeitzonen bewegt. Hier ist Konzentration gefordert, was allerdings aufgrund des stetig steigenden Spannungslevels nicht schwer ist.

 

MEIN FAZIT lautet hier: Mal wieder ein Thriller-Highlight. Unbedingt lesenswert!

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Tags: berlin, brandstifter, privatermittler, thriller   (4)
 

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6 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

berlin, galiani berlin, truggestalten, rudolph herzog, vergangenheit

Truggestalten

Rudolph Herzog
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Galiani Berlin ein Imprint von Kiepenheuer & Witsch, 16.02.2017
ISBN 9783869711485
Genre: Romane

Rezension:

Es gab einmal eine Zeit, in der das Genre der Schauergeschichten groß in Mode war. Zu Zeiten der englischen Autorin Jane Austen etwa, also zu Beginn des 19. Jahrhunderts las man mit Vorliebe Bücher dieses Inhalts. Heimlich und im stillen Kämmerlein, um die Contenance zu wahren, aber ja, man las sie. Mit dem größten Vergnügen.

Der Buchmarkt wuchs und wuchs und viele neuartige Genres kamen mit der Zeit dazu: Psychothriller, Chick Lit, Fantasy oder Dystopie beispielsweise. Die Schauergeschichten gerieten somit in Vergessenheit. Vermutlich waren sie einfach zu seicht - die Leser wollten, dass ihnen bei der Lektüre die Haare zu Berge standen, denn mit einem leichten, gruseligen Erschaudern gab man sich nicht mehr zufrieden.

Der Autor Rudolph Herzog hat nun mit seinen "Truggestalten" das Genre der Schauergeschichten wiederbelebt. Allerdings mitnichten im alten England, welches ja wie gemacht für Grusel jeglicher Art ist, sondern im heutigen Berlin. In der Metropole an der Spree, dieser multikulturellen und modernen Stadt voller Baustellen. Und voller Geschichte.

Ja, die Geschichte Berlins war nicht immer schön. Im Gegenteil. Hier setzt der Autor an und zeichnet in seinen sieben ineinander übergreifenden Geschichten ein sehr trübes Bild von Berlin. Melancholisch und traurig kommt die Stadt daher. Grau und verbittert, mit einer teils schrecklichen Vergangenheit, die nicht zur Ruhe kommt.

Leuten wie du und ich widerfährt in diesen Geschichten Unerklärliches. Geräusche, wo keine sein dürften, Spuren, die plötzlich auftauchen, Menschen, die von jetzt auf gleich verschwinden. Alles zusammen ist dicht mit der Vergangenheit  Berlins verwoben. Mit den Geistern der Vergangenheit, mit Menschen, denen Unrecht angetan wurde und deren Seelen dazu verdammt sind, umherzuwandern..

Habe ich die ersten beiden Geschichten in "Truggestalten" noch sehr gern gelesen, flachte das Buch mit der dritten leider schon ab und dümpelte dann weiter vor sich hin. Manche Geschichten schienen mir künstlich in die Länge gezogen und bei anderen wollte sich mir der Sinn, der dahinter steht, einfach nicht erschließen.

Rudolph Herzog hat mit Sicherheit einen angenehmen Erzählstil und "Truggestalten" liess sich auch mit seinen 256 Seiten schnell weglesen, einen bleibenden Eindruck hat es jedoch bei mir nicht hinterlassen.

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Tags: berlin, geister, vergangenheit   (3)
 

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ostpreußen, familiensaga, gutsleben, familie, pferdezucht

Das Lied der Störche

Ulrike Renk
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 19.01.2017
ISBN 9783746632469
Genre: Historische Romane

Rezension:

Romane, die auf wahren Tatsachen beruhen, ziehen mich immer magisch an. Historische Romane ebenso. Und obwohl ich das Mittelalter eigentlich viel lieber mag als die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen, war "Das Lied der Störche" für mich ein unbedingtes Muss. Denn die Handlung trägt sich in den 20er Jahren auf einem Gut in Ostpreußen zu und einige der Protagonisten haben wirklich gelebt.

 

Kann sein, dass ich ein wenig romantisch verklärt bin, was Ostpreußen angeht, aber ich verbinde mit diesem Wort immer herrschaftliche Gutshäuser, Pferde und ganz viel unberührte Natur. Und richtig, all das trägt seinen Teil zu diesem Roman bei. Aber da ist noch viel viel mehr...

 

Der Leser begleitet in "Das Lied der Störche" die junge Frederike von Weidenfels durch ihre Kindheit und Jugend, die zunächst vom Verlust des Vaters und anschließend des Stiefvaters geprägt ist und schließlich mit dem dritten Ehemann der Mutter auf dessen Gut Fennhusen bei Graudenz zur Ruhe kommt.

 

Frederike und ihre beiden Halbgeschwister Fritz und Gerta sind zunächst wenig begeistert, in die tiefste Provinz ziehen zu müssen und dort von einem verhassten Hauslehrer unterrichtet zu werden. Die nächste Stadt, ja sogar der nächste Nachbar, sind weit entfernt und die Kinder wissen anfangs nicht viel in dieser Einöde anzufangen.

 

Ihr Stiefvater Erik von Fennhusen ist jedoch ein sowohl gütiger als auch kluger Mann: Er lässt die Kinder Kinder sein, verlangt von ihnen allerdings auch Einsatz bei Arbeiten auf dem Gut. Sie sollen lernen, dass solch ein großes Anwesen sich nicht von selbst führt, dass sie als die "Herrschaften" nichts sind ohne die vielen Angestellten, die tagein, tagaus ihrer Arbeit nachgehen. Eriks Plan geht auf, denn die Kinder fühlen sich schon bald heimisch und sehen Gut Fennhusen als ihr geliebtes Zuhause an.

 

Frederike ist mit ihren anfangs 11 Jahren das älteste und vernünftigste der Kinder. Manchmal durchaus etwas zu altklug und erwachsen wirkend, allerdings war die Erziehung von 1920 ja auch meilenweit von der heutigen entfernt. Frederike umschwebt jedoch auch immer ein Hauch von Melancholie, denn sie hat guten Grund, um ihre Zukunft zu fürchten. Während Fritz und Gerta die Kinder von Erik von Fennhusens Bruder sind, der im Krieg starb, und somit gebürtige von Fennhusens, hat Frederike als gebürtige von Weidenfels das Nachsehen. Ihr steht weder ein Erbe noch eine Mitgift zu - und das ist schon der 11jährigen klar.

 

1920 war es noch nicht üblich, dass Frauen für sich selbst sorgten und so kommen für Frederike nur drei Optionen in Frage: Eine gute Partie machen und einen reichen Gutsbesitzer heiraten. Als Mamsell (was soviel wie "Hausdame" bedeutet) eine Anstellung auf einem anderen Gut finden. Oder auf die Gunst ihrer Geschwister hoffen und als alte Jungfer ihr Leben lang bei ihnen wohnen.

 

....und so hält die Mutter schon früh Ausschau nach geeigneten Kandidaten, um ihre älteste Tochter gut zu verheiraten. Stefanie von Fennhusen gibt gerne und oft Gesellschaften und richtet Feste und Jagden aus und hat schon bald ein Auge auf einen bestimmten Kandidaten geworfen: Ax von Stieglitz bewohnt das nächstgelegene Gut Sobotka und ist sehr wohlhabend. Allerdings ist er auch erheblich älter als Frederike und hat ein düsteres Geheimnis. Stefanie weiss davon...und lässt ihre Tochter ins offene Messer laufen.

 

Dominiert wird dieser Roman von den Beschreibungen des alltäglichen Gutslebens, von den jahreszeitlich bedingt anfallenden Arbeiten, von den Gästen, von den Aktivitäten in der Natur, von den Tieren auf dem Gut und davon, dass es viele ineinandergreifende Rädchen braucht, um dieses große Anwesen am Laufen zu halten. Man reitet mit Frederike zunächst auf ihrem Pony Dubs, dann auf ihrem Hengst Lorbass durch die wunderbare Natur Ostpreußens, man trauert mit ihr, als ihr Hund Hector stirbt, man sitzt bei der Köchin Schneider in der Küche und hört sich den neuesten Klatsch und Tratsch an, man geht im nahegelegenen See schwimmen, man versteckt sich zusammen mit Frederike hinter dem großen Sessel in der Halle, um die Gespräche des Stiefvaters im Arbeitszimmer zu belauschen. Kurz: Man ist als Leser auf Fennhusen und nimmt am Gutsleben teil. Und man nimmt gerne teil, denn obwohl der zweite Weltkrieg naht, ist es ein friedlicher Ort, an dem man sehr gerne verweilt.

 

MEIN FAZIT: Mit ihrer wunderbaren Art zu erzählen hat Ulrike Renk mich in eine komplett andere Welt entführt. In eine Welt, in der ich mich sehr wohl gefühlt habe.

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Tags: familiensaga, gutsleben, mitgift, natur, ostpreußen, tiere   (6)
 

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stars, insel, prominente, elvis presley, butler

Kokostee

Oliver Geissen
Flexibler Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Atlantik Verlag, 14.10.2016
ISBN 9783455651386
Genre: Romane

Rezension:

Oliver Geissen? DER Oliver Geissen?? Der Talkshow-Moderator, den man jahrelang um Hilfe bat, wenn man nicht so ganz sicher war, wer denn nun der Vater des Nachwuchses ist? Der Oliver Geissen aus der Casting-Show "Deutschland sucht den Superstar"? Der hat nun auch noch einen Roman geschrieben? Hmm....

 

...so in etwa waren meine ersten Gedanken, als ich im Vorschau-Katalog vom Atlantik Verlag auf "Kokostee" aufmerksam wurde. Ob ich das nun gut oder schlecht finden sollte? Im Grunde genommen hatte ich gar keine Meinung dazu, denn ich gehöre nicht zu den großen Fernsehguckern und stehe somit auch dem Autor/Moderator sehr neutral gegenüber. Die Geschichte von "Kokostee" versprach jedoch sowohl spannend als auch sehr skurril zu sein - klar, dass ich da nicht wiederstehen konnte.

 

Die Geschichte des Romans ist schnell erzählt: Einige berühmte Stars haben dem Rummel um ihre Person den Rücken gekehrt und wohnen nun zusammen auf einer Insel im Indischen Ozean. Das Besondere dabei ist jedoch, dass es sich hier ausnahmslos um Stars handelt, die für die Öffentlichkeit tot sind. Michael Jackson, Marylin Monroe, Kurt Cobain, Amy Winehouse, Bob Marley und sogar Elvis haben die Hilfe einer geheimen Organisation gesucht, haben Drogen, Alkohol und Berühmtsein hinter sich gelassen und leben nun völlig entspannt und zufrieden und vor allem unerkannt unter Palmen.

 

Aber was wäre das Leben, wenn nicht mindestens einer aus der Reihe tanzen würde? Elvis hat zwar Spaß an den vielen gemeinsamen Aktivitäten, muss sich aber sogar bei der Poolgymnastik in den Vordergrund drängen. Er ist derjenige, der bewundert werden will, der es vermisst, nicht mehr von der Frauenwelt angeschmachtet zu werden,....der einen Plan schmiedet, um auf`s Festland zu kommen und sich unter die Menschen zu mischen. Der dort sogar an einem Elvis-Doppelgänger-Wettbewerb teilnehmen will.

 

Nun könnte man meinen, dass dieses Buch von vorne bis hinten voller Klamauk ist. Adschei sei dank ist es aber ein eher ruhiger und stellenweise nachdenklicher Roman. Adschei? Wer ist das? - Adschei ist der Diener der Stars, ein sehr stiller und weiser Inder, der nicht aus der Ruhe zu bringen ist, jeden Morgen seine Yogaübungen macht und für jedes Problem eine Lösung hat.

 

Adschei erzählt uns diese Geschichte in seiner ganz eigenen, ruhigen Art. Nicht mit erhobenem Zeigefinger, trotzdem kommt man als Leser ins Grübeln: Warum ist man heutzutage so konsumorientiert? Warum passt man sich dieser hektischen Zeit an und wird selber genauso hektisch? Warum gibt man sich nicht einfach mit viel weniger zufrieden? Warum nimmt man sich viel zu selten bis gar nicht die Zeit, einfach mal einen Sonnenuntergang zu betrachten?

 

Die Stars machen es uns vor, denn sie kommen nach einem Leben in Saus und Braus mit wenig aus und sind glücklich damit. Sie haben zu einer inneren Gelassenheit und Harmonie gefunden, die sie vorher nicht kannten.

 

Und auch wenn das Geheimnis der Insel durch einen hochmotivierten Wissenschaftler droht, aufzufliegen, lässt sich hier niemand mehr aus der Ruhe bringen...

 

MEIN FAZIT: Obwohl ich nicht viel erwartet hatte, wurde ich angenehm überrascht und habe dieses Buch sehr gerne gelesen. 3,5/5 Sternen

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Tags: elvis, indischer ozean, insel, lebensweisheiten, stars   (5)
 

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dystopie, maschine, kurzgeschichte, abhängigkeit, science fiction

Die Maschine steht still

E. M. Forster , Gregor Runge
Fester Einband: 80 Seiten
Erschienen bei Hoffmann und Campe, 14.10.2016
ISBN 9783455405712
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Diese leider nur 80 Seiten starke Dystopie von E. M. Forster hat es geschafft, mich stark zu beeindrucken und mich zum Nachdenken zu bringen. Denn hier wird mehr oder weniger der Umgang mit dem Internet beschrieben. Mit dem Internet, wie wir es heute kennen und lieben, manchmal vielleicht verfluchen und in der Regel viel zu oft nutzen und das reale Leben in dieser Zeit ausblenden. An und für sich ist das natürlich nichts Neues - in diesem Falle ist es jedoch fast schon gruselig, denn "Die Maschine steht still" wurde zum ersten Mal 1909 veröffentlicht! Vor über 100 Jahren hat E. M. Forster also eine fiktive Welt erschaffen, die es teilweise ähnlich heute tatsächlich gibt.

Der Autor hat seiner Geschichte keine Jahreszahl gegeben, hat die Zukunft der Menschen jedoch sehr düster beschrieben: In wabenähnlichen Zimmern wohnen sie isoliert und jeder für sich unter der Erde ... und sind völlig zufrieden. Denn die MASCHINE sorgt für sie, erfüllt ihnen auf Knopfdruck alle Wünsche und vernetzt sie mit sämtlichen Menschen weltweit. Man muss sein Zimmer nicht mehr verlassen, denn man ist rundum versorgt, hat genügend virtuelle Kontakte und Zerstreuung. Die einzige Aufgabe, die die Menschen noch haben, ist es, Ideen zu liefern. Sie leben in ihren paar Quadratmetern Zimmerchen und haben alles, was sie brauchen: Auf Knopfdruck baut sich ein Bett auf, wird Essen geliefert, kommt Frischluft, kann man mit anderen Menschen kommunizieren, und und und. Die MASCHINE sorgt für alles und wird daher auch angebetet wie ein Gott. Ein einziges Buch gibt es noch in dieser dystopischen Welt: Das Handbuch der Maschine hat in etwa den Status einer Bibel.

- "Die komplizierte öffentliche Versammlungspraxis gehörte der Vergangenheit an, weder Vashti noch die Zuhörer verließen ihre Zimmer. Sie dozierte vom Sessel aus und konnte - vom Sessel aus - recht gut gehört und gesehen werden." - Zitat Seite 13

Was dem Autor da irgendwann zu Anfang des 20. Jahrhunderts durch den Kopf gegangen ist, beschreibt meiner Meinung nach recht gut die Videoplatform YouTube. Außerdem gibt es in "Die Maschine steht still" Videotelefonie und eine Art Facebook. Und das finde ich schon sehr bemerkenswert!

Nun mag der geneigte Leser sich fragen, was sich denn wohl in Forsters Zukunft an der Erdoberfläche abspielt? - Die Antwort ist traurig, denn der Mensch hat es geschafft, den Planeten so zugrundezurichten, dass ein Leben im Freien nicht mehr möglich ist, dass Atmen im Freien nicht mehr möglich ist. Diese Tatsache macht man sich in der Geschichte zunutze, indem man Menschen, die sich nicht an die Regeln halten, mit "Heimatlosigkeit" bestraft, was nichts anderes bedeutet als eine Verbannung an die Oberfläche und somit den sicheren Tod.

 

Doch natürlich gibt es auch diejenigen in der Geschichte, die das ganze System hinterfragen, die neugierig auf die Welt da draussen sind, die nicht glauben wollen, dass es dort kein Leben mehr gibt, die ausbrechen......und Erstaunliches herausfinden.

 

Der Titel des Buches verrät schon, dass jede Maschine irgendwann einmal kaputt gehen kann. Was bedeutet das aber in diesem Fall, in dem die Menschheit völlig von einem mechanischen Ding abhängig ist? - Findet es heraus!

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Tags: abhängigkeit, dystopie, maschine, menschheit, zukunft   (5)
 

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ungeliebt, männer, drama, drogen

Die Punkte nach dem Schlussstrich

Laura Lackmann , Laura Tonke
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei List Verlag, 17.06.2016
ISBN 9783471351208
Genre: Romane

Rezension:

- "Wahrscheinlich sind alle Frauen überhaupt nur mit Männern zusammen, weil sie einem Trend folgen, den irgendeine mal angefangen hat und der sich hartnäckig hält wie der Bikini." - Zitat Seite 38/39

Man kann wirklich nicht behaupten, dass unsere Romanheldin Luzy besonders up to date ist, denn sonst hätte sie vermutlich irgendwann einmal das Wort "Emanzipation" aufgeschnappt. Eventuell sogar samt der dazugehörigen Bedeutung. Das ist anscheinend nicht der Fall, denn Luzy ordnet sich jedem Mann bedingungslos unter, was diesen Roman zum reinsten Verkehrsunfall werden lässt: Tragisch, aber man muss einfach hinsehen bzw. weiterlesen.

- "Der Übergang von dem Hobby Apollo zum Beruf war schleichend. Schon bald hatte ich alles, was ich zu bieten hatte, vorgeführt, und falls etwas fehlte, erfand ich es einfach. Apollo kannte nach einiger Zeit sehr viel von mir oder zumindest alles das, was ich für ihn sein wollte." - Zitat Seite 43/44

Die Zitate lassen schon darauf schliessen, dass Luzy nichts von der Liebe versteht aber alles dafür gibt. Obwohl man als Leser ständig den Eindruck hat, dass sie selber die Männer auch nicht liebt, dass sie nur nicht allein sein kann. Und so reibt sie sich erst für Apollo auf und übernimmt dessen sämtliche Hobbys, landet dann im fliegenden Wechsel beim 20 Jahre älteren Peter und wird für ihn so, wie er sie haben will, lässt sich belügen und betrügen, nur um nicht allein dazustehen. Und reisst schließlich Jonas auf, ohne den sie auch nicht mehr leben kann. Glaubt sie.

- "Ich kiffe eigentlich schon lange nicht mehr, seit Apollo nicht. Peter hat lieber gekokst und Jonas gesoffen.
Ich habe - wen überrascht es - meinen Drogenkonsum immer nach meinem aktuellen Freund gerichtet, denn ich hab ja nix Eigenes." - Zitat Seite 64

Luzy ist völlig gestört und das weiss sie auch. Sie sagt sich selber sogar immer und immer wieder, dass ihr Verhalten nicht normal ist, handelt dann aber doch jedesmal wie im Zwang, hängt mit einer hündischen Ergebenheit an den Männern und verrät dabei sich selber. 

Aus einer reichen aber kaputten Familie kommend, hat sie so viel Geld, dass sie nicht arbeiten muss, was dazu führt, dass sie es auch nicht macht und somit zu viel Zeit hat. Zeit, in denen die Gedanken sich nur um die aktuelle Hauptperson - den Mann - in ihrem Leben drehen. Zeit, die sie damit verbringt, auf Abruf bereit zu stehen und sich zum Affen zu machen.

Ja, das Thema dieses Romans ist ziemlich traurig und schockierend und man fragt sich mehrmals, warum keiner der Protagonisten Luzy in ihrem Männerwahn stoppt? Warum sie gerade durch ihre Mutter, den ehemaligen Pornostar, auch noch in ihrem kranken Verhalten unterstützt wird?

Ein heikles Thema, aber in einer solchen Menge Wortwitz verpackt, dass man geradezu durch die Seiten fliegt. Man kann Luzy nicht leiden und bemitleidet geradezu ihren jeweils aktuellen Freund, der sich rund um die Uhr betüdeln lassen muss, aber die Autorin hat es geschafft, den Leser zu packen und Luzys Geschichte mit einem gewissen Voyeurismus verfolgen zu lassen.

....bis zum letzten Drittel. Hier ist plötzlich Schluss mit dem Zynismus und der Schnodderigkeit und man bekommt das Gefühl, dass Frau Lackmann die Luft ausgegangen ist. Ab hier zieht sich der Roman, dreht sich im Kreis, wiederholt sich und präsentiert dann ein absolut offenes Ende.

Dachte ich in der Mitte von "Die Punkte nach dem Schlussstrich" noch, dass gleich das erste Buch im neuen Jahr ein Volltreffer wäre, wurde ich nun leider in meiner Euphorie ausgebremst. Sehr schade, denn die Autorin hat ja zu Anfang bewiesen, dass sie es kann.

MEIN FAZIT lautet hier: Starker Anfang mit einem leider sehr schwachen Ende.

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Tags: drama, drogen, männer, ungeliebt   (4)
 

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berlin, gefühlschaos, traurigkeit, planlos, erwachsenwerden

Realitätsgewitter

Julia Zange
Fester Einband: 157 Seiten
Erschienen bei Aufbau Verlag, 14.11.2016
ISBN 9783351036584
Genre: Romane

Rezension:

Die Autorin präsentiert uns in "Realitätsgewitter" eine Protagonistin, die es so oder so ähnlich vermutlich tausendmal auf der Welt gibt, die Anfang 20 ist und keine Perspektive im Leben hat. Deren Tage und vor allem Nächte aus Feiern, Saufen, Drogen konsumieren und Social Networking bestehen. Die einen riesengroßen virtuellen Freundeskreis hat, im wahren Leben jedoch einsam ist. Die diese Einsamkeit zu überwinden versucht, indem sie mit fast jedem Typen in die Kiste hüpft. Die selbstverständlich nicht arbeitet, sich überall durchschnorrt und sich wahnsinnig hip und trendy vorkommt.

 

Marla heißt unsere Anti-Heldin und sie hat mich von der ersten bis zur letzten Seite regelrecht -sorry- angekotzt.

 

Aus der Provinz kommend zieht es Marla zum Studium ins angesagte Berlin. Denn hier wohnen die tollsten und wichtigsten Leute, hier gibt es die besten Szene-Locations und überhaupt ist Berlin total cool. Unnötig zu erwähnen, dass das geplante Studium bald schon zugunsten unzähliger durchgefeierter Nächte auf der Strecke bleibt. Was aber nicht schlimm ist, denn die monatlichen elterlichen Zahlungen treffen ja pünktlich ein, damit kann man es sich also gutgehen lassen. Und wenn die Kohle doch knapp wird, weil am Ende des Geldes noch soviel Monat übrig ist, tja, dann ist man sich auch nicht zu schade, sich bei sämtlichen Bekannten durchzuschnorren.

 

Die Bekannten....das ist auch so ein Thema für sich. Man kennt sich, jedoch allenfalls flüchtig. Wichtig ist es scheinbar für diese Generation nur, mit möglichst vielen Leuten auf Facebook, Instagram, Twitter und Co. vernetzt zu sein. Und so wird auch bei jeder Gelegenheit ein gemeinsames Selfie geknipst und zusammen mit den wichtigsten Hashtags online gestellt. Im ganzen Roman wird jedoch nicht ein vernünftiges Gespräch geführt und nicht einer dieser sogenannten "Freunde" weiss, wie es dem anderen geht.

 

Ist das unsere heutige Zeit? Muss man von Event zu Event, von angesagter Location zu angesagter Location rasen, um dabei gewesen zu sein, um Fotos ins Netz stellen zu können, um "in" zu sein? Wer soll da noch hinterherkommen?

 

Marla jedenfalls kommt nicht mehr hinterher, ist jedoch zu dumm, um das zu begreifen. Sie ist alles andere als glücklich, denkt darüber aber gar nicht nach, denn hey, sie wohnt in Berlin. Dann ist doch alles super! Oder?

 

Nichts ist super. Denn wenn man schon so verzweifelt versucht, seine Einsamkeit zu vertuschen, indem man sich den Männern geradezu aufnötigt - tja, dann muss wohl einiges schiefgelaufen sein im Leben. Und zwar gewaltig.

 

Was das sein könnte, davon bekommt der Leser eine böse Ahnung, als der elterliche Geldstrom versiegt ("Du bist alt genug, um arbeiten zu gehen.") und Marla wohl oder übel für ein klärendes Gespräch die Heimreise in die Provinz antreten muss. Hier ticken die Uhren anders und den Leser umgibt eine fast schon angenehme Ruhe .... bis Marlas Eltern auf den Plan treten. Und plötzlich weiß man, warum Marla so ist, warum sie so ziellos durch ihr Leben driftet. Denn solche Eltern wünscht man wirklich keinem.

 

Und trotzdem möchte man Marla am liebsten packen und durchschütteln, damit sie endlich aufwacht, ihrer Mischpoke in den Allerwertesten tritt und ihr Leben in die Hand nimmt. ....und vielleicht tut sie das am Ende ja auch.....

 

Vermutlich denkt Ihr jetzt, ich fand diesen Roman fürchterlich? - Irrtum! Ich fand ihn großartig! Er ist in einem so mitreissenden und packenden Stil verfasst, mit englischen Einsprengseln, die das multikulturelle Leben in Berlin perfekt wiedergeben, mit einem solchen Zynismus, der die "Generation Smartphone" übertrieben aber sehr bildlich darstellt, dass man diese leider nur 157 Seiten in einem Rutsch durchliest.

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Tags: alkohol, berlin, drogen, keine perspektive, party, planlos, pleite, sex, smartphone   (9)
 

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29 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

champagner, freundschaft, paris, autorin, saufkumpan

Die Kunst, Champagner zu trinken

Amélie Nothomb , Brigitte Große
Fester Einband
Erschienen bei Diogenes, 24.02.2016
ISBN 9783257069617
Genre: Romane

Rezension:

Die Romane von Amélie Nothomb sind sicherlich nicht jedermans Sache - entweder man liebt sie oder man kann so gar nichts damit anfangen. Ich selber habe lange gezögert bis ich ein Buch der Autorin gelesen habe. Reality-Show hat mich sehr nachdenklich zurückgelassen, mich schockiert ...und mich zum Fan von Frau Nothomb werden lassen. Denn sie redet nicht lange um den heißen Brei herum sondern klatscht dem Leser ohne Rücksicht auf Verluste die Wahrheit um die Ohren und hält ihm den Spiegel vor.

 

Kurz, klar, schnörkellos. Das ist ihr Stil und mit Sicherheit auch der Grund, warum ihre Bücher kaum die Anzahl von 200 Seiten erreichen. Sie beschränkt sich, bisweilen schwarzhumorig und sehr bissig, aufs Wesentliche - und doch ist am Ende alles gesagt. So auch in "Die Kunst, Champagner zu trinken".

 

Dieser Roman weist biographische Züge auf, denn die Autorin schreibt ganz offensichtlich über sich selber in der Ich-Form. Über ihre immer größer werdende Bekanntheit und den Ruhm, der zwangsläufig darauf folgt. Und über ihre Einsamkeit. Darüber, keine Freundin zu haben, mit der sie - so befremdlich es zunächst klingt - Alkohol konsumieren kann. Denn Amélie Nothomb ist sowohl im Buch als auch im wahren Leben eine begeisterte Champagner-Geniesserin. Wobei der Champagner hier tatsächlich als Genuß- und nicht als Suchtmittel zu verstehen ist.

 

...und so macht sie sich in dieser Geschichte nun also auf, eine Saufkumpanin (O-Ton Frau Nothomb) zu suchen, die ein gutes Tröpfchen genauso zu schätzen weiss wie sie. In der angehenden Schriftstellerin Pétronille Fanto (...ja, ich habe sie gegoogelt - aber nicht gefunden) wird sie schließlich fündig.

 

Obwohl die Autorin nun also hat, was sie wollte, macht sie auf mich die ganze Zeit einen irgendwie "unrunden" Eindruck. Sie wollte jemanden, mit dem sie Champagner trinken und darüber reden kann. So weit, so gut. Pétronille hingegen geht ein wenig extrovertierter an die Sache heran, will vertraulicher werden und sich "auskotzen" können, was Amélie sich immer mehr zurückziehen lässt, bis Pétronille es schließlich auch aufgibt.

 

Beide Charaktere sind auf ihre Art sehr überzogen und exzentrisch dargestellt, was für mich den Reiz des Romans ausmacht. Die Autorin liebt es, zu übertreiben....und vermittelt uns mit dieser Geschichte doch auch die bittere Wahrheit: Freundschaft lässt sich nicht erzwingen und  beinhaltet Ehrlichkeit zueinander und kein permanentes sich-verstellen. Neid und Arroganz haben in einer Freundschaft nichts zu suchen. Und vor allem: Wenn man sich nicht auf Augenhöhe begegnen kann, dann sollte man es besser gleich sein lassen.

 

Das ziemlich krasse Ende dieser Geschichte regt - typisch Amélie Nothomb - zum Nachdenken an und lässt das Buch einige Zeit nachhallen.

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Tags: autorin, champagner, freundschaft, missgunst, neid, paris, saufkumpan, überforderung   (8)
 
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