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156 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 77 Rezensionen

dschinn, nalia, dtv verlag, heather demetrios, nalia tochter der elemente

Nalia, Tochter der Elemente - Der Jadedolch

Heather Demetrios , Gabriele Burkhardt
Flexibler Einband: 496 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 13.10.2017
ISBN 9783423717472
Genre: Fantasy

Rezension:



"Durch die Romane, die Malek ihr gegeben hatte, lernte sie die menschliche Natur kennen, die Sehnsüchte, die tief in den Herzen derjenigen verborgen waren, denen sie ihre Wünsche erfüllte; diese Menschenbücher waren in Buchstaben gegossene Illusionen, ebenso mächtig wie die, die Nalia aus dem Nichts manifestieren konnte. 
Versunken in die Magie der Geschichten, hatte Nalia almälchlich begriffen was es hieß, ein Mensch zu sein und nur ein Zehntel der Lebensspanne eines Dschinn zu besitzen."


["Nalia - Tochter der Elemente - Der Jadedolch" | Heather Demetrios | S. 108]

***

Erwartungen sind etwas Tückisches. Ein orientalisch angehauchtes Cover, im Klappentext vorkommende Worte wie "Hollywood", "Dschinn", "Rebellenführer", eine begeisterte Lesestimme von niemand Geringerem als Sarah J. Maas - das allein genügte und ich war überzeugt, dieses Buch in die Finger kriegen zu müssen. Meine Erwartungen bezüglich "Nalia - Tochter der Elemente" waren hoch. Das Setting klang aufregend und ungewöhnlich (Dschinns, die den Reichen Hollywoods Wünsche erfüllen), der im Klappentext angedeutete Plot interessant und vielversprechend. Nach den ersten hundert gelesenen Seiten stand für mich allerdings bedauerlicherweise fest: Irgendwie werden die Dschinn und ich nicht warm miteinander.

Was nicht heißen soll, dass ich "Nalia - Tochter der Elemente" durchweg schlecht fand. Heather Demetrios' Schreibstil ist sehr angenehm zu lesen. Nicht zu verspielt, nicht zu nüchtern und dementsprechend auf perfektem Niveau in einem Jugendbuch. Sämtliche Dialoge zwischen den Charakteren empfand ich als sehr gelungen - sie wirkten nicht konstruiert, sondern sehr lebendig und trugen somit zu einem angenehmen Lesefluss bei.

Es war durchaus interessant, nach und nach einen Überblick über die Welt der Dschinn und darüber, wie es ihnen auf der Erde und inmitten der Menschen ergeht, zu erhalten. Die kurzen, leider nicht zahlreichen Informationen über Ardjinna, die Heimat der Dschinn, empfand ich als äußerst spannend. Gerne hätte ich mehr über diesen geheimnisvollen Ort erfahren, aber ich vermute, Heather Demetrios wollte sich dies für die Folgebände aufsparen. Auch die Idee der verschiedenen Kasten unter den Dschinn, die nicht nur kennzeichnend für die Stellung, sondern auch für das jeweilige Element sind, aus dem die Dschinn ihre Macht beziehen, war faszinierend. 

Während es also am "Grundgerüst" meinerseits nicht zu bemängeln gab, haperte es leider, leider meines Erachtens in der Umsetzung - genauer gesagt in puncto Charaktere und Plot.
Unsere Protagonistin, Nalia, war mir einfach zu glatt, zu perfekt und - damit einhergehend - zu langweilig. Als Ghan Aisouri ist sie die mächtigste Dschinn überhaupt, sieht blendend aus (klar), zieht bei jeder Gelegenheit alle Blick auf sich (klar) und gewinnt Männerherzen in Windeseile für sich (klar). 

Wo wir, nebenbei bemerkt, bei einem weiteren Minuspunkt angelangt wären: Ich kann Insta-Lovestories einfach nichts abgewinnen. Liebesbeziehungen, die von einem Augenblick auf den nächsten existieren, ja sogar aus einer anfänglichen Feindseligkeit plötzlich geboren werden, ohne dass sie mit entsprechenden tiefergehenden Dialogen oder sonstigen gemeinsamen Szenen der betroffenen Charaktere genährt werden, sind meiner Meinung nach einfach nur flach und berühren mich überhaupt nicht. Ich konnte die Liebesbeziehung bis zum Schluss nicht verstehen und war dementsprechend in emotionaler Hinsicht kaum mitgerissen.

Einzig und allein Malek, der bereits im Klappentext als Bösewicht angekündigte Herr über Nalias Flasche, war faszinierend und meiner Meinung nach der bestgezeichnetste Charakter des gesamten Buches. Ohne Malek wäre "Nalia - Tochter der Elemente" um einiges langweiliger und einfallsloser. Er war in meinen Augen der einzige Charakter, der nicht zu glatt, perfekt, aufopferungsvoll, durchweg gut oder durchweg böse dargestellt wurde. In diesem Zuge hat er den - leider ein paar Längen aufweisenden Plot -aufgelockert.

Das Ende - und dies muss ich Heather Demetrios zugute halten - war für mich völlig unvorhersehbar. Zwar empfand ich die Schlussszene eine für ein Ende etwas untypische Wahl, aber die gegen Schluss aufgezeigten Entwicklungen machen tatsächlich neugierig auf die Fortsetzung und lassen mich dementsprechend im Zwiespalt zurück. 


FAZIT:
"Nalia - Tochter der Elemente - Der Jadedolch" bringt tolle, ungewöhnliche Ideen mit - konnte mich in puncto Charakterzeichnung, Charakterbeziehung und Plot allerdings leider nicht vollends überzeugen. Wer jedoch Lust auf ein außergewöhnliches Setting (Hollywood), allerlei Wünsche, Flaschen, Magie und Dschinn hat und keine allzu große Abneigung gegen sich schnell entwickelnde Liebesgeschichten hegt, sollte sich "Nalia" näher anschauen. 

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366 Bibliotheken, 28 Leser, 0 Gruppen, 52 Rezensionen

illuminae, jay kristoff, amie kaufman, liebe, science fiction

Illuminae

Amie Kaufman , Jay Kristoff , Gerald Jung , Katharina Orgaß
Fester Einband: 608 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 13.10.2017
ISBN 9783423761833
Genre: Jugendbuch

Rezension:


"Alles, woran er inmitten dieses lieblosen Tanzes denkt, alles, worum er sich hier am Rande des Nichts sorgt, ist sie. Er will nicht sterben. Nicht, weil er sich davor fürchtet, sondern allein deshalb, weil er den Gedanken nicht ertragen kann, sie zurückzulassen, und in diesem Sekundenbruchteil beneide ich ihn."


["Illuminae - Die Illuminae Akten_01" | Amie Kaufman, Jay Kistroff | S. 276]

***

Ich muss gleich vorweg gestehen: Meine Erwartungen an dieses Buch waren immens, ja von galaktischer Größenordnung. Und wie konnte ich auch anders? Schließlich wird jeder, der die englischsprachige Buchbloggerszene verfolgt, zugeben müssen, über dieses ungewöhnliche Cover, das den Titel "Illuminae" ziert, gefühlte tausende Male gestolpert zu sein. Lobeshymnen und Herzchenaugen in den Gesichtern von Buchbloggern und -youtubern - das waren meine Assoziationen zu "Illuminae", die meine Erwartungen immer weiter in die Höhe trieben.

Ich gestehe also, dass ich es "Illuminae" alles andere als leicht gemacht habe. Von Vornherein stand für mich fest, dass ich mich mit einem mittelprächtigen, soliden Plot oder gewöhnlichen, ordentlich ausgearbeiteten Charakteren nicht zufriedengeben würde. Nein, dieses Buch müsste mich regelrecht umhauen, um meine Erwartungen erfüllen zu können und dem riesigen Hype gerecht werden zu können. Und, meine Güte... das hat es getan! In vollem Maße! Noch immer scheint es mir unmöglich, dieses Buch in Worte zu fassen und wahrscheinlich ist es tatsächlich vergebens, denn DIESES. BUCH. IST. UNFASSBAR. GENIAL.

Und noch dazu anders als alles, was ich bisher gelesen habe. Ich wage zu behaupten, dass es auch euch, die ihr dieses Buch erwägt zu lesen, ebenso gehen wird. Amie Kaufmann und Jay Kristoff müssen Genies sein, anders lässt es sich nicht erklären. Wie sonst sollte es möglich sein, dass mich eine lose Ansammlung von Protokollen, Kameraaufzeichnungen, Tagebucheinträgen, Auszügen aus Interviews o. Ä. derart mit den dort vorkommenden Charakteren mitfiebern und -leiden ließen? Denn daraus besteht "Illuminae": Kein gewöhnlicher Erzähltext, keine gewöhnlichen Dialoge, sondern Aufzeichnungen und Unterlagen, die aus den Raumschiffen und damit den Orten des Geschehens stammen.
Was zu Anfang etwas ungewöhnlich erscheint, entfaltet im Nu eine große Sogwirkung. Diese Art des Erzählens, diese für den Leser neue Art des Erkundens und Erlebens ist komplett anders, außergewöhnlich und einfach nur genial. Ich hatte das Gefühl, mit an Bord derAlexander/Hypatia zu sein, mit Ezra und Kady, den beiden Hauptcharakteren, den Geheimnissen rund um AIDAN und Co. auf die Schliche zu kommen. Amie Kaufmann und Jay Kristoff beweisen mit "Illuminae", dass keine schnulzigen Dialoge notwendig sind, um eine Liebesgeschichte zu Leben zu erwecken, dass langatmige Beschreibungen von Umgebungen oder dem Innenleben der Charaktere auch über ganz andere Wege zum Leser transportiert werden können.

"Illuminae" ist definitiv nichts für schwache Nerven. Ich hatte so gut wie durchgehend Herzklopfen und eine Anspannung in mir, konnte es einerseits kaum erwarten, zu erfahren, was als Nächstes passiert, und hatte dennoch gleichzeitig Angst davor, was auf der nächsten Seite stehen mag. "Illuminae" steckt voller unvorhersehbarer Wendungen und atemraubenden, rasanten Plotentwicklungen. Als wäre das nicht schon aufwühlend genug, sind mir die Charaktere der Raumschiffe so unfassbar ans Herz gewachsen, dass so manche Entwicklungen noch tiefer geschmerzt haben oder mich bibbern ließen.

Am liebsten würde ich "Illuminae" jedem Autor dieser Welt unter die Nase halten, denn dieses Buch statuiert ein wahres Exempel in Sachen Charakterentwicklung. Ob Kady, Ezra, Kadys Mutter oder jedes andere noch so unbedeutende, kurz vorkommende Figürchen in dieser Geschichte - alle erscheinen so unfassbar echt, authentisch und verdammt menschlich. Sie machen Fehler, sie sind egoistisch, sie haben Angst und sind manchmal alles andere als mutig, sie begreifen zu spät und sind im nächsten Moment furchtlos und aufopferungsvoll. Kurzum: Sie wirken alle unglaublich echt und schleichen sich deshalb in jedes Leserherz, um sich dort erbarmungslos festzukrallen.



Als wäre das nicht schon genug, um "Illuminae" auf der Liste der potenziellen Jahreshighlights 2017 nach oben zu katapultieren, gab es in meinen Augen noch einen weiteren, riesiggroßen Pluspunkt: AIDAN. Meine Güte - wie haben das Amie Kaufmann und Jay Kristoff nur angestellt? Sie haben der künstlichen Intelligenz der Raumschiffe eine dermaßen deutliche Stimme verliehen und damit aus einer KI einen unheimlich faszinierenden Charakter geschaffen. Ich hätte stundenlang aus Sichtweise der AIDAN lesen können. Es war unglaublich faszinierend und fesselnd, die Geschehnisse auf dem Raumschiff mit den Augen der KI zu entdecken. 

Und in noch einem Punkt ist dieses außergewöhnliche Buch beispielhaft: Das Ende. Dieses Ende! Fulminant, mitreißend, aufwühlend, Herzrasen-bereitend. Ich brauche Band 2 dringend! Sofort! 
Over. 
***"Ich kann ihre Funktionsweise immer noch nicht ergründen. Mein Hirn ist so groß wie eine ganze Stadt, und doch ist sie mir überlegen. Sie sind mir überlegen.
Die Menschen.Mit ihren kurzen Leben und ihren kleinen Träumen und ihren Hoffnungen, die so zerbrechlich wie Glas erscheinen, bis man sie bei Sternenlicht betrachtet."
["Illuminae - Die Illuminae Akten_01" | Amie Kaufman, Jay Kistroff | S. 549]





FAZIT:


Ich glaube, "Illuminae" ist eines dieser Bücher, an das man sich wagen sollte, ohne vorher allzu viel über den Inhalt zu wissen. Nur so viel: Es ist Liebesgeschichte, Abenteuerroman und Science Fiction in Einem. Es wird euch faszinieren, überraschen, bibbern lassen und euch Herzklopfen bereiten. Es ist  aufgrund einer außergewöhnlichen und genialen Aufmachung sowie des begnadeten Schreibstils zweier unfassbar talentierter Autoren anders als alles, was ihr zuvor gelesen habt. Kurzum: "Illuminae" wird in Lichtgeschwindigkeit euer Leserherz erobern. 

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dystopie, fantasy, tod, neal shusterman, utopie

Scythe – Die Hüter des Todes

Neal Shusterman , Pauline Kurbasik , Kristian Lutze
Fester Einband: 528 Seiten
Erschienen bei FISCHER Sauerländer, 21.09.2017
ISBN 9783737355063
Genre: Jugendbuch

Rezension:


">>
Du schaust hinter die Fassade der Welt, Citra Terranova. 
Du würdest eine gute Scythe abgeben.<< 
Citra wich entsetzt zurück.
>>Das würde ich nie sein wollen.<<>>Das.<<,  sagte er, >>ist die wichtigste Voraussetzung.<<
Dann ging er, um ihre Nachbarin zu töten."

["Scythe - Die Hüter des Todes" | Neal Shusterman | S. 21]
***



Es gibt diese Geschichten, die sich erschreckend echt und realitätsnah anfühlen. Geschichten, die eine Zukunftsversion projizieren wie es sie scheinbar wirklich einmal geben könnte - und die mir genau deshalb einen eiskalten Schauer über den Rücken jagen.

Neal Shusterman führt dem Leser mir mit seiner Idee von einer überbevölkerten Erde, die sich mit eigens zum Töten ausgebildeten Scythen zu helfen weiß, auf erschreckend nüchterne und abgebrühte Weise die Schattenseite einer Welt vor Augen, in der Krankheit und Tod - scheinbar - besiegt wurden. Was für eine furchteinflößende und gleichzeitig faszinierende Grundidee!


Mit viel Raffinesse lernt man als Leser nach und nach die Gesetze, Vorgehensweisen und Gedanken kennen, die hinter dem sogenannten "Scythetum" stecken - und ertappt sich erschreckenderweise immer wieder dabei, allmählich nachvollziehen zu können, warum es die Menschen in dieser Geschichte für nötig erachteten, den professionelle Mörder als Beruf einzuführen. 

Ich für meinen Teil war von der ersten Seite an fasziniert und abgeschreckt zugleich. Neal Shusterman schafft es, seine Leser in einen erbarmungslosen inneren Zwiespalt zu schmeißen. Ständig war ich hin- und hergerissen und wusste irgendwann überhaupt nicht mehr, was ich vom Scythetum nun halten sollte. 
Gleichzeitig entwickelt diese Geschichte eine dermaßen große Sogwirkung, dass es mir schwer fiel, mich von den Seiten loszureißen. Es war einfach viel zu interessant, die Scythe dabei zu beobachten, mit welcher Einstellung, welchen Intentionen sie diesem morbiden Beruf nachgehen und auf welche Art und Weise sie ihre Lizenz zum Töten gebrauchen. Ist im Grunde gar nicht Schlimmes daran, "nachzulesen"? Kam es nur auf die Art und Weise und darauf an, ob man das "nachlesen" genießt? 
Fragen wie diese werden unweigerlich im Kopf des Lesers aufgerufen und halten einen bis zum Schluss gefangen. Hinter jeder Seite steckte neues Potenzial für einen erneuten Gewissenskonflikt, in jedem Kapitel eine neue, unvorhergesehene Wendung, die den Puls beschleunigte. 

Hinzu kommt, dass Neal Shustermans Schreibstil grandios ist. War ich zu Anfang noch irritiert von seiner nüchternen, sachlichen, ja teilweise abgebrüht neutralen Art zu schreiben, so musste ich im Nachgang feststellen, dass es eben dieser schlichte, geradezu bescheiden wirkende Schreibstil war, der genau zu dieser Geschichte gepasst hat. 
Ohne den moralischen Zeigefinger zu heben, ohne die Gedanken und Urteile des Lesers in die ein oder andere Richtung steuern zu wollen, zwingt Neal Shusterman den Leser geradezu dazu, sich ohne Beeinflussung sein eigenes Urteil bilden zu müssen - was wahrlich nicht einfach ist.

Die Perspektivwechsel empfand ich als äußerst gelungen. Citra und Rowan dabei zu beobachten, wie unterschiedlich eine Ausbildung als Scythe ablaufen und welch dramatische Auswirkungen dies haben kann, war unheimlich spannend. Beide - so unterschiedlich und fehlerhaft sie auch sein mögen - sind mir während des Lesens ans Herz gewachsen. Einzig und allein die Liebesgeschichte war mir ein wenig zu kindlich, zu unausgearbeitet - zumal sie bereits im Klappentext angedeutet wird. 
Tatsächlich jedoch hält sich diese eher im Hintergrund. Ich hätte mir mehr Dialoge, mehr gemeinsame Szenen zwischen den beiden gewünscht, die die Liebesgeschichte nachvollzieh- und greifbarer gemacht hätten.

Über dieses kleine Manko konnte ich mich jedoch dank des genialen, großartigen Endes, das ich definitiv so nicht erwartet hätte, hinwegtrösten. Ich konnte gar nicht glauben, die letzte Seite erreicht zu haben - schließlich konnte die Geschichte doch unmöglich ausgerechnet an dieser Stelle enden? Nun, sie konnte. Scheinbar finden Autoren besonders grausamen Gefallen daran, ihre Leser an einer emotionalen Klippe stehen zu lassen. Das heißt dann nun wohl warten auf den nächsten, hoffentlich ebenso spannungsgeladenen und ideenreichen zweiten Band.





FAZIT:

"Scythe - Die Hüter des Todes" ist eine ideenreiche, spannungsgeladene, geniale Geschichte, die es versteht, ihre Leser in einen moralischen Gewissenskonflikt und in das reinste Gefühlschaos zu stürzen. Faszinierende Handlungsstränge und unvorhergesehene Wendungen machen "Scythe" zu einem wahren Pageturner. 
Einzig die meiner Meinung nach nicht allzu gut ausgearbeitete Liebesgeschichte trübt meine Begeisterung für dieses ansonsten grandiose Buch. Wem jedoch der Sinn nach etwas völlig Neuem und nach einer Geschichte steht, die sich vom üblichen Einheitsbrei abhebt, sollte zu "Scythe" greifen und sich auf eine  ebenso erschreckende wie faszinierende Zukunftswelt gefasst machen.



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779 Bibliotheken, 44 Leser, 0 Gruppen, 117 Rezensionen

fae, rhysand, fantasy, das reich der sieben höfe, feyre

Das Reich der Sieben Höfe – Flammen und Finsternis

Sarah J. Maas , Alexandra Ernst
Fester Einband: 720 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 04.08.2017
ISBN 9783423761826
Genre: Jugendbuch

Rezension:

- Zweiter Teil einer Trilogie: SPOILER Gefahr - 

">>Es gibt verschiedene Arten von Dunkelheit<<, sagte Rhys. Ich hielt meine Augen geschlossen. >>Da ist die Dunkelheit, die Angst macht, die Dunkelheit, die tröstet, und die Dunkelheit, die Frieden bringt.<<
Ich stellte mir vor, was er da beschrieb. 
>>Da ist die Dunkelheit der Liebenden und die Dunkelheit der Mörder. Sie wird zu dem, wozu der Schöpfer sie macht, was er von ihr braucht.
Die Dunkelheit selbst ist nie gut oder schlecht.<<"
["Das Reich der sieben Höfe (2) - Flammen und Finsternis" | Sarah J. Maas | S. 345]
****




Ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal dem Erscheinen einer Fortsetzung dermaßen entgegengefiebert habe. Dick und in Grellrot habe ich mir das Erscheinungsdatum von "Das Reich der Sieben Höfe (2) - Flammen und Finsternis" im Kalender markiert. Mein Herz machte Saltos, als ich es dann endlich - endlich - in Händen hielt und wieder in das Reich der sieben Höfe, nach Prythian, zurückkehren durfte, wo bereits allerlei Irrungen und Wirrungen, Gefühlsabgründe und Herzklopfen, Intrigen und Offenbarungen auf mich warteten.

Sarah J. Maas hat geschafft, was leider einigen Autoren meiner Meinung nach häufig misslingt: Eine Fortsetzung zu schreiben, die dem ersten Teil einer Buchreihe in nichts nachsteht - ja diesen vielleicht sogar übertrifft.
Nach den ersten gelesenen Seiten ist es, als hätte man Prythian nie verlassen - ohne jegliches Vorgeplänkel katapultiert Sarah J. Maas ihre Leser zurück in diese aufregende, magische Welt, die wir mit Freyres Augen erleben dürfen. Zurück am Frühlingshof erwarten den Leser gleich zu Beginn so einige Begebenheiten, die ich nicht vorhergesehen hätte. 
Wo wir auch gleich beim Thema wären: Ich habe mich tatsächlich keine Sekunde während des Lesens dieses Wälzers (und diesen Titel verdient dieses Buch dank seiner 700-seitigen-Pracht definitiv) gelangweilt. Selbst wenn zwischendurch nicht eine erschreckende, unvorhergesehene Wendung die nächste jagte, sondern während ruhigeren Zwischenstrecken Charaktere oder Orte dem Leser näher gebracht wurden, so führte dies niemals zur Langatmigkeit. 


Dies ist sicherlich zum Teil Sarah J. Maas' grandiosem Schreibstil geschuldet: Mein Gott, wie viel Detailliebe, Gefühle und Treffsicherheit in ihren Beschreibungen doch stecken. Dank dieses Talents verlieren Orte wie Velaris, der Hof der Albträume oder gar Hybern ihre Bedeutungslosigkeit und werden zu pulsierenden Orten, die voller Leben stecken und sich während des Lesens unheimlich real anfühlen. Ebenso verhält es sich mit Feyres Gefühlswelt, die - ohne zuviel verraten zu wollen - eine riesige Bandbreite an unterschiedlichsten Emotionen in diesem Band zu bieten hatte. Dank Sarah Maas Talent zum Schreiben haben mich Feyres Gefühle mitten ins Herz getroffen - egal, ob es sich dabei um allesverzehrende Traurigkeit oder himmelhochjauchzende Freude handelte.

Worauf ich mich mitunter nach Beenden des ersten Bandes am meisten gefreut hatte, war in Band zwei den Hof der Nacht, Rhysands Zuhause, kennenzulernen. Dank der in Band 1 getroffenen Vereinbarung war dies schließlich unvermeidlich und, wenn ich ehrlich bin, so ziemlich das Einzige, was ich bezüglich der Geschehnisse in Band 2 vorhersehen konnte. Denn mit dem, was sich hinter dem Hof der Nacht, hinter dem geheimnisvollen Rhysand wirklich verbirgt, hatte ich definitiv nicht gerechnet. Meine kühnsten Erwartungen wurden übertroffen und ich hätte nichts dagegen, wenn diesem Buch noch weitere 700 Seiten hinzugefügt worden wären, um weitere Einblicke in dieses Reich bekommen zu können, um durch Velaris' Straßen unter einem strahlenden Sternenhimmel zu streifen.


Doch was diese grandiose Fortsetzung so großartig, so besonders macht, dass mein Herz nach Beenden der letzten Seite blutete (und immer noch blutet), sind die Charaktere. Meine Güte, wie tief sie sich doch in mein Herz eingeschlichen haben, allesamt. Allen voran Feyre, die eine dermaßen gewaltige Charakterentwicklung durchlebt, sich in diesem Band einerseits zerbrochen und verletzlich zeigt und mich dennoch so einige Male mit ihrer Stärke zutiefst beeindrucken konnte. Doch dies ist nur ein Beispiel von vielen: Ganz gleich, ob Tamlin, Lucien, Rhysand, der innere Kreis, Feyres Schwestern oder sonstige, noch so nebensächlich erscheinende Nebenfiguren - all diese Charaktere sind unheimlich faszinierend, facettenreich und vielschichtig. Und Rhysand? Über ihn verliere ich besser nicht zu viele Worte, denn wenn ich anfangen würde, so würde diese Rezension in einem Epos enden. Nur so viel sei gesagt: Er hat definitiv das Potenzial zum Lieblingscharakter aller Zeiten. 

Wer diesen Band gelesen hat, kann gar nicht anders, als zu verstehen, warum sich alles, was aus Sarah J. Maas' Feder stammt, einer so großen Popularität erfreut. Ihre Charaktere werden für den Leser zu treuen Verbündeten und zu gehassten Feinden. Sämtliche Handlungsstränge verursachen wildes Herzklopfen, bangende Verzweiflung und aufkeimende Hoffnung. Und als wären die 700 Seiten dieser Fortsetzung nicht schon aufregend genug, greift Sarah J. Maas mit ihrem Ende (ähnlich wie bei Band 1 auch) mit ihrer Hand direkt nach dem Herz ihrer Leser und drückt mit einem ebenso überwältigenden wie auch erbarmungslosen unvorhergesehenen Ende zu.


***
">>Auf diejenigen, die zu den Sternen schauen und sich etwas wünschen, Rhys.<< Er nahm sein Glas und schaute mich so durchdringend an, dass ich mich fragte, wie ich je unter Tarquins Blick erröten konnte. Rhys stieß mit seine Glas leicht gegen meins.
>>Auf die Sterne, die zuhören - und auf die Träume, die wahr werden.<<"
["Das Reich der sieben Höfe (2) - Flammen und Finsternis" | Sarah J. Maas | S. 388]



FAZIT:

"Wie soll ich nur die Zeit bis zum Erscheinen des dritten Bandes überstehen?", ist der Gedanke, der mich seit Beenden von "Das Reich der Sieben Höfe (2) - Flammen und Finsternis" quält. Fest steht, dass diese Fortsetzung dem ersten Band in nichts nachsteht, ja meine hohen Erwartungen sogar übertroffen hat. Ich kann euch nur wärmstens ans Herz legen, euch von dieser Trilogie in das Reich der Sieben Höfe, nach Prythian, entführen zu lassen. 
Macht euch auf rasante Handlungsstränge, faszinierende Charaktere und viel, viel Herzklopfen bereit - ach ja, und auf ein blutendes Herz, das ihr definitiv haben werdet, sobald ihr die letzte Seite dieses großartigen Buches gelesen habt und Prythian (vorerst) wieder verlassen müsst. 

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fantasy, nemesis, liebe, romantasy, anna banks

Nemesis - Geliebter Feind

Anna Banks , Michaela Link
Flexibler Einband: 450 Seiten
Erschienen bei cbt, 13.06.2017
ISBN 9783570311424
Genre: Jugendbuch

Rezension:

">>Im Krieg gibt es keine Sieger, Sepora. 
Es gibt nur Königreiche mit weniger Opfern.<<"
["Nemesis - Geliebter Feind" | Anna Banks | S. 205]
***



"Nemesis - Geliebter Feind" klang exakt nach der Art von Geschichte, der ich im Normalfall hoffnungslos verfallen bin: Ein Hauch Fantasy, eine Prise Romantik, royale Hauptfiguren und jede Menge Gefühlswirrwarr. Die Zutaten stimmten - doch an der Umsetzung haperte es ein wenig.

Der Einstieg des Buches ist sanft und gemächlich. In ruhigem Tempo begleitet man als Leser Sepora auf ihrer Flucht vor ihrem Vater, auf in das verfeindete Königreich Theoria, wo einige Hindernisse auf sie warten. Dachte ich zu Anfang noch, dass auf den gemächlichen Einstieg bald eine rasanter werdende Handlung folgen würde, so wurde ich leider enttäuscht. 

Die Handlung plätschert das gesamte Buch über vor sich hin. Das Tragische dabei ist: Dieses Buch hätte so viel Potenzial! Immer wenn ich nach irgendeiner Enthüllung dachte "Oh, jetzt könnte es interessant werden...", ist diese Wendung im Sand verlaufen und die Handlung verfiel wieder in ein trabendes, statt in ein galoppierendes Tempo. Sehr schade, zumal viele gute, originelle Ideen in "Nemesis" stecken. Wie gern hätte ich mehr über die rätselhafte Substanz "Spektorium" erfahren, um die sich das gesamte Buch zu drehen scheint und die dennoch nie wirklich näher erklärt wird.


Der ständige Perspektivwechsel zwischen Seporas und Tariks Sicht hat meiner Meinung nach leider zur Langatmigkeit beigetragen. Ich liebe Perspektivwechsel, aber nur, wenn sie sinnvoll umgesetzt werden. Doch wo liegt der Reiz in einem Perspektivwechsel, wenn durch das Kapitel in der Sicht von Protagonist A ein Geheimnis, das Protagonist B im nächsten Kapitel enthüllt, bereits vorweggenommen wird? Überraschungsmomente waren dementsprechend sehr selten.

Auch die Charaktere, in denen so viel Potenzial hätte stecken können, waren für mich eher enttäuschend. Sepora war mir zu perfekt, Tarik zu langweilig, die Nebencharaktere (von denen es nicht allzu viele gab) zu flach und der Bösewicht der Geschichte einfach nur... böse. Schon lange bin ich der Schwarz-Weiß-Malerei, die man leider zu oft in Jugendbüchern antrifft, müde. Warum gibt es in kaum einem Jugendbuch einen interessanten Antagonisten, einen zerrissenen Bösewicht, der nicht einfach nur von Natur aus abgrundtief böse, machthungrig und besessen ist? Warum machen es sich die Autoren in dieser Hinsicht immer so einfach? Ich werde es wohl nie verstehen.

Die auf dem Klappentext angepriesene Liebesgeschichte hat mich emotional leider überhaupt nicht berührt. Ich konnte die beidseitige Anziehung nicht nachvollziehen und auch die wenigen Liebesszenen des Buches waren weder romantisch, noch berührend oder niedlich. Die traurige Wahrheit ist: Tariks und Seporas Gefühle zueinander konnten in mir leider null Gefühlsregung auslösen.

Auch wenn die oben genannten bemängelten Punkte den Anschein erwecken mögen, dass dieses Buch von vorne bis hinten eine Enttäuschung für mich war, ist dem nicht so. Wie bereits zu Anfang erwähnt, steckt eine Vielzahl an originellen Ideen in "Nemesis", die mir in anderen Jugendbüchern so bisher noch nicht untergekommen sind. Auch das Ende, an dem endlich einmal etwas Spannung und Geschwindigkeit aufkam, empfand ich als überaus gelungen. Wie man neugierigmachende Cliffhanger schreibt, scheint Anna Banks zu verstehen. Trotzdem bin ich noch unschlüssig, ob ich Band 2 eine Chance geben werde. 



***


FAZIT:

"Nemesis - Geliebter Feind" hätte für mich Lieblingsbuch-Potenzial gehabt. Leider wird dieses Potenzial meiner Meinung nach nicht vollends ausgeschöpft: Interessante Aspekte bleiben unerklärt, die Handlung verläuft in gemächlichem Tempo und die Charaktere folgen einem eintönigen Schwarz-Weiß-Muster. "Nemesis" ist wohl ein typisches "Buch für Zwischendurch". Doch wer eine romantische Liebesgeschichte, spannende Handlungsstränge und Gefühlsachterbahnen erwartet, wird eher enttäuscht werden. 

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liebe, liebesroman, buchladen, annie darling, der kleine laden der einsamen herzen

Der kleine Laden der einsamen Herzen

Annie Darling , Andrea Brandl
Flexibler Einband
Erschienen bei Penguin, 09.05.2017
ISBN 9783328100980
Genre: Liebesromane

Rezension:



"Man macht immer kaputt, was man liebt.
Diesen Satz hatte Posy irgendwo einmal gelesen, und er stimmte. Indem sie versucht hatte, Bookends zu etwas anderem zu machen, als es gewesen war, hatte sie nicht nur seine Seele zerstört, sondern auch diese ganz eigene Atmosphäre, die Posy das Gefühl gegeben hatte, zu Hause zu sein, sobald sie durch die Tür getreten war."


["Der kleine Laden der einsamen Herzen" | Annie Darling | S. 310]
***




"Der kleine Laden der einsamen Herzen": Allein dieser Buchtitel klingt einfach nur niedlich, gemütlich und nach einer Lektüre mit Wohlfühlfaktor - schließlich geht es in diesem Roman um eine Buchhandlung! Wie könnte man sich als Leseratte zwischen den Seiten eines solchen Buches nicht wohlfühlen? Und das habe ich allein dank des Settings auch, definitiv und unbestreitbar. Dennoch wollte der Funke zwischen diesem Buch mit dem zuckersüßen Cover und mir nicht ganz überspringen.

"Der kleine Laden der einsamen Herzen" steckt voller Liebe zum geschriebenen Wort und zu Buchhandlungen, einer quirligen, schlagfertigen Protagonistin namens Posy und einer unheimlich sympathischen, lebensechten Buchhandlungs-Belegschaft (wie gerne würde ich diese chaotische Crew mal kennenlernen!) - ach ja, und Sebastian Thorndye, der "unverschämteste Kerl Londons", welcher zusammen mit Posy wohl für eine gehörige Portion Romantik in diesem Roman sorgen sollte. Leider scheine ich dem typischen Bad Boy-Typen, den wir so oft in Jugendbüchern wiederfinden, noch immer nicht verfallen zu sein. 

So auch bei Sebastian, welcher mit seiner arroganten Art Posy und ihren Kollegen das Leben und den Versuch, die geerbte Buchhandlung in neuem Stil zu eröffnen, erschwert. Inzwischen finde ich es einfach nur noch ermüdend, von Typen zu lesen, die sich etwa drei Viertel eines Buches beleidigend, hochmütig und rechthaberisch verhalten, zwischendurch einen weichen Kern durch holde, gnädige Wohltaten aufblitzen lassen, um zum Schluss doch endgültig zum schmachtenden, charmanten und liebestrunkenen Kerl zu werden, der sich anscheinend die ganze Zeit über hinter der harten Schale verborgen hat. Kommt euch bekannt vor? Mir auch, leider. Deshalb konnte ich mit Sebastian und der sich steigernden Liebesgeschichte nicht wirklich viel anfangen, so leid es mir auch tut, denn die restlichen Charaktere konnten sich einen Platz in meinem Leseherz dagegen sehr wohl erobern.

Allen voran Posy, die man mit ihrem Dickschädel, ihrer tollpatschigen Art und ihrer bewundernswerten Entschlossenheit, dem Erbe einer verstorbenen Freundin gerecht zu werden und die vor dem Abgrund stehende Buchhandlung in neuem Glanz erstrahlen zu lassen, einfach nur mögen muss. Ihre Kollegen sind mit ihren Eigenheiten, Ecken und Kanten nicht weniger sympathisch - in solch einem Haufen kann Arbeiten doch nur Spaß machen! Gerne wäre ich während des Lebens selbst in "Bookends" aka "Happy Ends" reinspaziert, um nicht nur durch die Buchregale zu streifen, sondern auch diese witzige Crew zu beobachten. Was diese nämlich betrifft, ist Annie Darling die Charakterzeichnung und -ausarbeitung fabelhaft gelungen.

Auch an Anne Darlings Schreibstil ist nichts auszusetzen. Ihre flüssige, locker-leichte Art zu schreiben lässt einen geradezu durch die Seiten fliegen und ans Ende dieser kurzweiligen, gemütlichen, durchaus niedlichen Geschichte gelangen.

FAZIT:
"Der kleine Laden der einsamen Herzen" hält, was allein der Titel verspricht: Eine niedliche, kurzweilige, gemütliche Geschichte rund um die Liebe zu Büchern und die wunderbaren Orte, die diese beherbergen: Buchhandlungen. Eine quirlige, schlagfertige Protagonistin sowie authentische Nebencharaktere ließen mich so manches Mal schmunzeln. 
Einzig und allein der in meinen Augen flache Sebastian Thorndyke, der "unverschämteste Kerl Londons", hat dieses Buch in meinen Augen vermasselt und der Portion Romantik, die dieses Buch zum Liebesschmöker hätte machen können, einen Strich durch die Rechnung gemacht. Solide drei Sterne für dieses Buch - eine Geschichte für zwischendurch, mehr jedoch leider nicht.

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634 Bibliotheken, 30 Leser, 0 Gruppen, 195 Rezensionen

magie, spiel, caraval, fantasy, liebe

Caraval

Stephanie Garber , Diana Bürgel
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Piper, 20.03.2017
ISBN 9783492704168
Genre: Jugendbuch

Rezension:

" >>Willkommen, willkommen in Caraval! 
Dies ist die großartigste Vorstellung an Land und auf dem Meer. Ihr werdet Wunder erleben, wie sie vielen Menschen ihr Leben lang nicht begegnen. 
Ihr könnt Magie aus einer Tasse trinken und Träume in Flaschen kaufen.
Doch bevor ihr ganz und gar in unsere Welt eintaucht, erinnert euch daran, dass alles nur ein Spiel ist [...] Wir wollen euch davontragen, doch gebt acht, dass ihr nicht zu weit davongetragen werdet. Wahr gewordene Träume können wunderschön sein, aber sie können auch zu Albträumen werden, aus denen man nicht mehr erwachen kann.<< "
["Caraval" | Stephanie Garber | S. 80]

*****Bevor ich "Caraval" zu lesen begann, war diese Geschichte ein großes, dunkles, geheimnisvolles Fragezeichen für mich. Die englischen Buchblogger schienen geradezu vor Begeisterung zu sprühen, doch der Klappentext wollte mir dennoch keine konkrete Vorstellung davon vermitteln, was mich erwarten würde.

Völlig unvoreingenommen und entsprechend erwartunglos stürzte ich mich also in die mysteriöse Welt von Caraval - einer Vorstellung, die komplett anders zu sein versprach. Und tatsächlich: Schon nach wenigen Seiten war es um mich geschehen. Die Welt von Caraval hatte mich regelrecht eingesaugt und ich habe es unheimlich genossen, zusammen mit der Protagonistin Scarlett durch die Gassen von Caraval zu laufen, Geschäfte zu besuchen, in denen mit Wünschen gefeilscht wird, von Kleidern zu lesen, die sich je nach Stimmung in puncto Farbe und Schnitt verändern, sowie das Rätsel um den Aufenthaltsort ihrer Schwester Tella zu lösen. 

Scarlett habe ich dabei als überaus angenehme Protagonistin empfunden - sie ist ein typischer Kopfmensch (was mir bekannt vorkam), versucht als solcher ihre Handlungen genau zu durchdenken und ihr Leben penibel akkurat vorauszuplanen. So sehr sie sich auch nach Sicherheit sehnt, wird man als Leser schon bald Zeuge davon, wie die sonderbare Welt um die Caravalvorstellung ihr eine Lektion diesbezüglich erteilt.

Dank unzähliger, wunderbarer Kuriositäten, die an jeder Ecke von Caraval lauern, habe ich mich zu keinem Zeitpunkt gelangweilt. Und auch wenn der Plot anfangs recht simpel und einfach gestrickt zu sein scheint, wird man spätestens im letzten Drittel des Buches eines Besseren belehrt. 
Ich muss zugeben, dass ich von der Handlung während der ersten zwei Drittel etwas enttäuscht war - der zu Anfang so geheimnisvolle und faszinierende Master Legend hatte an Glanz verloren, Tella schien blass und naiv und die aufkeimende Romantik zwischen Scarlett und dem männlichen Gegenpart war mir etwas zu plötzlich und unglaubwürdig... Und dann kam alles Schlag auf Schlag. War ich mir im einen Moment noch so sicher, das Geheimnis gelüftet und das Rätsel durchschaut zu haben, wurden meine Vermutungen auf der nächsten Seite wieder umgeschmissen. 

Stephanie Garber hat es tatsächlich bis zur allerletzten Seite geschafft, mich atemlos zu halten und immer wieder überrascht die Augenbrauen hochziehen zu lassen. 
Die letzten Seiten sind wirklich meisterhaft gut gelungen und werden den Lobeshymnen, die an dieses Buch gerichtet werden, mehr als gerecht. 

War ich zu Anfang noch etwas enttäuscht, steckte in den hinteren Kapitel genau das, was ich mir von einem Buch, das voller Illusionen und Täuschungen spricht, erhofft hatte: Hinters Licht geführt zu werden, nicht mehr zu wissen, was ich nun glauben kann und was nicht, wer Bösewicht und wer Held ist. Könnte ich kurz nach Caraval reisen, würde ich dem sonderbaren Uhrenladen einen Besuch abstatten und mal eben die Zeit vordrehen, um Band zwei in Händen halten zu können. 

FAZIT:

Eine Welt voller sonderbarer Kuriositäten und geheimnisvoller Illusionen: "Caraval" ist definitiv anders, aufregend und ein durch und durch magisches Leseerlebnis. Einzig die im Hintergrund gehaltene Liebesgeschichte konnte mich mangels nachvollziehbarer Entwicklung nicht überzeugen. Dieses Manko wird jedoch dank zahlreicher unvorhersehbarer Wendungen und einer sympathischen Protagonistin mehr als wett gemacht. Ich kann es kaum erwarten, wieder in die Welt von Caraval einzutauchen und an der Nase herumgeführt zu werden!

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64 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 7 Rezensionen

afrika, frühstück mit elefanten, reise, gesa neitzel, neuanfang

Frühstück mit Elefanten

Gesa Neitzel
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Ullstein extra, 09.09.2016
ISBN 9783864930300
Genre: Biografien

Rezension:

"Die Begegnung mit meiner ersten Löwin bleibt mir unvergesslich.
Wer einmal diesem durchdringenden Blick standgehalten hat, der kann nicht anders,
der wird für immer verändert. 
Ein Stück von ihrer Wildheit geht in diesem Moment auf dich selbst über und du willst fortan mehr, willst es noch einmal hautnah erleben, 
willst dich noch einmal daran erinnern, woraus du gemacht bist, 
und voller Ehrfurcht der Natur ins Auge blicken."
["Frühstück mit Elefanten" | Gesa Neitzel | S. 87]

Ein Buch zuschlagen, gedankenverloren die Wand anstarren und trotz der traurigen Tatsache, dass die letzte Seite bereits umgeblättert und das letzte Wort gelesen ist, mit Kopf und Herz noch in der Geschichte hängen - wie sehr hatte ich das vermisst! 

Denn eigentlich bin ich gedanklich noch immer auf einem Buschmarsch irgendwo zwischen Südafrika und Simbabwe unterwegs, beobachte Elefanten beim Baden am Flussufer, lerne die Singstimmen der unterschiedlichsten Vogelarten zu unterscheiden und lausche bei einem nächtlichen Lagerfeuer den verschiedensten Geschichten. 
Kurzum: Ich stecke noch immer in der Gedanken- und Gefühlswelt von Fernsehredakteurin/Weltenbummlerin/Rangerin Gesa Neitzel, welche das Unmögliche gewagt und sämtliche Brücken hinter sich abgebrochen hat, um blindlings in ein Abenteuer zu marschieren, das ebenso aufregend wie irrwitzig klingt: In Afrika eine Ausbildung als Rangerin antreten. 

Und dank Gesa Neitzels detaillierten Berichts in Form eines Buches mit dem wundervollen Titel "Frühstück mit Elefanten", hat der Leser dieses Werkes die unfassbar große Freude, Gesa Neitzel auf ihrem afrikanischen Abenteuer zu begleiten. 
Dies kann übrigens wortwörtlich verstanden werden, denn ich habe tatsächlich das Gefühl, mit dabeigewesen zu sein. Auch ich habe den Atem angehalten, als Gesa Neitzel das erste Mal einem Leoparden begegnet ist, habe ehrfurchtsvoll innegehalten, als sie den Atem eines Elefanten auf ihrem Gesicht gespürt hat oder wollte mit ihr die Welt umarmen, als sie ihre erste Prüfung während ihrer Ausbildung als Rangerin bestanden hatte. 

Gesa Neitzel hat eine grandiose Art zu schreiben - ihre Worte treffen mitten in das Herz eines jeden Weltenbummlers und Naturliebhabers und lassen Bilder vor dem inneren Auge entstehen, die jede Afrikadokumentation in den Schatten stellt. 
Vermutlich auch deshalb, weil sie es auf charmante Art versteht, ihre Schwächen und Ängste ungeniert zuzugeben, ihre Zweifel - wenn es zum Beispiel um die Benutzung eines Gewehrs in der Wildnis oder das Eindringen des Menschen in die Lebensräume der Tiere geht - laut auszusprechen oder sich selbst zu hinterfragen. M ehr als einmal muss sie von sich selbst oder auch von anderen dazu ermahnt werden, ihre - und somit auch sicherlich unsere - typisch deutsche Angewohnheit, alles planen und vorausdenken zu wollen, endlich abzulegen und sich stattdessen auf den Bauch zu verlassen, der schon wissen wird, wo er mit einem hin will. Denn seien wir einmal ehrlich: Wie oft lässt sich die Wirklichkeit dazu überreden, unseren Plänen zu folgen? 

Ihr seht also: "Frühstück mit Elefanten" ist so viel mehr, als ein Erfahrungsbericht darüber, wie aus einer Fernsehredakteurin eine Rangerin wurde, die ihr Herz an Südafrika und die dort beheimateten Tiere verschenkte. Es ist Hommage, Liebeserklärung und Gedankenanstoß in Einem. Inspiration und Mutmacher für all jene, die gerne etwas ähnliches wagen würden und schließlich ein Stück Abenteuer für diejenigen, die gerne auf heimatlichen Boden bleiben und dennoch nicht gänzlich auf eine solches Erlebnis verzichten möchten, das nur erahnen lässt, welcher Wunder dieses Land noch so bereithält. 



"Ich frage mich oft, warum wir uns das Leben so kompliziert machen, warum wir so viele Dinge in unser Leben lassen, die wir im Grunde doch gar nicht brauchen.
Natürlich ist das Leben auch hier draußen in der Wildnis nicht immer einfach [...]
Aber allein die Tatsache, dass wir hier von morgens bis abends an der frischen Luft sind, 
dass wir die tägliche Dosis Wildnis inhalieren und uns am Lagerfeuer Geschichten erzählen, 
dass wir Frühstück mit Elefanten haben und in der Nacht Leoparden knurren hören - all das macht es leichter, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen."
["Frühstück mit Elefanten" | Gesa Neitzel | S. 344]



***********************************************

FAZIT

Gesa  Neitzel hat ihr Herz an Afrika verschenkt und dafür gesorgt, dass auch meines nun in den Fängen dieses aufregenden Landes ist.  "Frühstück mit Elefanten" nimmt den Leser mit auf ein Abenteuer, das den deutschen Alltag noch trister erscheinen lässt als ohnehin schon. Es macht Lust, die Koffer zu packen und in das eigene Abenteuer aufzubrechen, Elefanten und Büffel zu begegnen, Spuren zu lesen und barfuß durch die Savanne zu laufen. 
Es ist eine Liebeserklärung an Afrika, wie sie schöner nicht hätte geschrieben werden können, und damit ein Buch für alle, die ab und an von Fernweh geplagt werden und der Meinung sind, von dieser wundersamen Welt noch viel zu wenig gesehen zu haben. 

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fantasy, young elites, marie lu, jugendbuch, die gemeinschaft der dolche

Young Elites - Die Gemeinschaft der Dolche

Marie Lu , Sandra Knuffinke , Jessika Komina
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Loewe, 16.01.2017
ISBN 9783785583531
Genre: Jugendbuch

Rezension:



">>Ich bin bereit<<, entgegne ich stürmisch. 
Zu meinem Missfallen ist mein Gesicht noch immer nass von Tränen. [...]
Einen Moment lang sind unsere Blicke ineinander verschränkt. 
Schließlich hebt Enzo die Hand und wischt mir sanft die Tränen aus dem Gesicht. >>Weine nicht<<, sagt er streng.  >>Dafür bist du zu stark.<<"
["Young Elites" | Marie Lu | S. 215]


Der Hype um Marie Lus "Legend"-Reihe zog damals an mir wirkungslos vorbei - die Geschichte hatte mich einfach nie genug gereizt, um mich zu dem Buch greifen zu lassen. 
Ganz anders verhielt es sich mit dem neuen Werk aus Miss Lus Feder: "X-Men" trifft auf "Die Rote Königin" und dies auch noch in einem venezianischen Setting? Das klang aufregend, anders, gewagt. Und so machte ich mich voller Vorfreude an das Lesen dieses außergewöhnlich klingenden Werks.

Was sofort auffällt: Marie Lu scheint kein Freund der schnörkeligen, deskriptiv ausgeschmückten Sprache zu sein. Ihr Schreibstil ist leicht, verständlich, flüssig und somit im typischen Jugendbuch-Manier gehalten. Dieser schlichte Erzählstil passt meiner Meinung nach zweifellos zu unserer Protagonistin Adelina, denn auch Adelina ist kein Mensch der großen Worte, sondern definitiv der Taten. Sie ist forsch und trotz der schrecklichen Erfahrungen, die sie aufgrund ihres Andersseins in der Kindheit durchleben musste, stellenweise sehr selbstbewusst und ehrgeizig. 

Was nicht heißen mag, dass sie sich im Laufe der Geschichte nicht ab und an von ihrer verletzlichen Seite zeigt: Einige Male ist sie hin- und hergerissen zwischen Selbsthass und der (zugegebenermaßen meist berechtigten) abgrundtiefen Wut auf alles und jeden. Und da haben wir auch schon den springenden Punkt, den Marie Lu meiner Meinung nach grandios umgesetzt hat: Sie hat eine Protagonistin geschaffen, die von außen betrachtet oft sehr egoistisch und rücksichtslos handelt, ja stellenweise sogar als boshafter Charakter erscheint. 
Dank Adelinas Gedankengänge verschwimmt die Linie zwischen Gut und Böse und dieses Mädchen, das solch dunkle Abgründe in sich hat, will einem einfach gar nicht so böse erscheinen. Chapeau, Miss Lu!

Auch die anderen Charaktere wurden interessant gestaltet und vor allen Dingen undurchschaubar gehalten. So kann man sich bis zum Schluss (und darüber hinaus) nicht sicher sein, ob der anfangs noch so sympathisch scheinende Gefährte nicht doch etwas Hinterhältiges im Schilde führt oder der wahnsinnige Bösewicht am Ende nicht vielleicht doch einen weichen Kern in sich trägt? 
Ich hoffe jedenfalls sehr, dass Marie Lu diese Undurchschaubarkeit in den Folgebänden beibehalten bzw. noch einige Überraschungen parat hat, so dass die Grenzen zwischen Gut und Böse noch oft verschoben werden.

Einzig und allein mit der (im Hintergrund gehaltenen) Liebesgeschichte konnte ich mich nicht wirklich anfreunden. Sie ging mir zu plötzlich von statten, gab es doch meiner Meinung nach zu wenig Szenen zwischen den betroffenen beiden Charakteren, die es mir möglich gemacht hätten, die für einander entwickelten Gefühle nachzuvollziehen. Meiner Meinung nach hätte Frau Lu getrost auf die Romantik verzichten können.

Ein aufregendes Ende, das ich auf diese Weise definitiv nicht vorausgesehen hatte, lässt mich nun dem zweiten Band neugierig entgegenfiebern.


FAZIT:


Ein an Venedig erinnerndes Setting, Gondelfahrten, Masken und Umhänge, Kurtisanen, eine geheimnisvolle Elite, deren Mitglieder außergewöhnliche Gaben besitzen, sowie eine boshafte und doch liebenswürdige Protagonistin... Klingt interessant? Das ist es auch!
Trotz kleiner Schwächen (Liebesgeschichte) freue ich mich, zusammen mit der Elite hoffentlich bald im Folgeband durch Kenettra zu streifen.  

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23 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

roadtrip, jenniferbrown, perfectescape, freundschaft, zwangsneurosen

Perfect Escape

Jennifer Brown
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Little Brown & Co, 16.04.2013
ISBN 9780316185585
Genre: Jugendbuch

Rezension:

">>Glimmer hat glatte Bruchkanten. Wenn man so einen Stein zerbricht und die beiden Teile aneinanderhält, dann passen sie perfekt zusammen.<<>>So ähnlich wie wir<<, flüsterte ich, ohne richtig zu merken, dass ich den Gedanken laut aussprach. Meine Schulter berührte die von meinem Bruder.>>Zerbrochen und ziemlich kaputt, aber nicht zerstört.<<"
["Perfect Escape" | Jennifer Brown | S. 359]***************


Spätestens als ich damals die letzte Seite von "Bitter Love"  zuschlug und sowohl atem- als auch fassungslos und mit einem Gefühlswirrwarr im Herzen da saß, war klar: Auch der nächste Jennifer Brown würde wieder in meinem Buchregal landen müssen! Denn was Jennifer Brown mit Sprache, Bildern und Charakteren anstellte, wühlt auf, beeindruckt zutiefst und bleibt lange Zeit im Gedächtnis hängen, so viel stand damals bereits fest. Insofern war es nicht weiter verwunderlich und lediglich eine Frage der Zeit, bis ich mich mit der wohl schönsten Freude überhaupt - der Vorfreude - an ihr neustes Werk "Perfect Escape" wagen würde.

Das Erste, was auffällt: Jennifer Browns Schreibstil ist so geblieben, wie er mir von "Bitter Love" in Erinnerung gewesen ist. Schlicht, ungekünstelt, natürlich. Einfache Sätze, die zur jugendlichen Protagonistin und Ich-Erzählerin Kendra passen und dennoch ab und zu den Vorschlaghammer herausholen und einmal kräftig und mitten auf das Leserherz schlagen. Ohnehin durfte ich wieder einmal feststellen, dass in Jennifer Browns Werken stets eine Brise Melancholie in der Luft liegt - eine, die zwar nicht auf die Tränendrüse drückt, mich jedoch schwer aufseufzen lässt. Diese beschwerliche Grundstimmung, zu der sicherlich auch die Zwangsneurose von Kendras Bruder Grayson seinen Teil beiträgt, ist gespickt von unheimlich vielen aufbrausenden, hellen Momenten der Freude, die Kendra und Grayson auf ihrem Roadtrip erleben und die Gefühlswelt des Lesers in eine chaosgleiche Achterbahnfahrt versetzen. 

Es scheint ganz so, als würde sich Jennifer Browns Stimme über die Seiten hinweg an ihre Leser richten und sagen: "Das ist ein kleiner Splitter und Bruchteil dessen, wie sich die Probleme auf unserer Welt auf jeden Einzelnen von uns auswirken können. Das ist das Leben - voller Ungerechtigkeit, Sorgen und Ängste, vor denen zu fliehen kein Roadtrip der Welt - und wenn er noch so lange sein mag - möglich machen kann. Flucht ist kein Ventil für Angst und das Leben wird ungerecht und schwierig bleiben, auch wenn du es durch die Frontscheibe deines Autos erlebst und in den entferntesten Bundeststaat reist. Aber, hey - es ist okay! Auch in schwierigen Situationen, unter schwierigen Umständen und Verhältnissen finden sich kostbare Lichtmomente."

Was ich an der Art und Weise, wie Jennifer Brown eben genannte Botschaft transportiert, in besonderem Maße interessant fand, war, dass über die Seiten von "Perfect Escape" hinweg klar wird, dass nicht nur Kendras Bruder Grayson derjenige mit den Problemen ist. Auch Kendras Charakter birgt seine Schattenseiten, auch sie hat Makel, die sich zwar nicht physisch dank einer Zwangsneurose wie bei ihrem Bruder äußern, sondern anderweitig zu Tage treten. Zwar verspürt sie nicht bei dem leisesten Anflug von Angstzuständen oder unangenehmen Situationen das Bedürfnis, bis in die Unendlichkeit vor sich hin zu zählen, loszuschreien oder Steine in Steinbrüchen zu studieren (wie das bei Grayson der Fall ist), jedoch muss auch sie mit ihren ganz eigenen, persönlichen Ängsten und Schwächen kämpfen. Und wahrscheinlich war und ist es ganu das, was Kendra zu dem machte, was ihr Bruder Grayson von Anfang an in meinen Augen war: Authentisch, menschlich und - ja! - manches Mal armselig, beschämend und vielleicht mitleiderregend, aber dadurch umso glaubhafter und ebenso fehlerhaft wie auch wir es sind. 

Dabei rückt die gesamte Zeit über entgegen meiner Erwartung - und trotz der Tatsache, dass dies im Klappentext angedeutet wird - weder das Thema Liebe noch Freundschaft in den Vordergrund. Im Gegenteil, Kendras ehemals beste Freundin, die vor Jahren in den entfernten Bundesstaat Kalifornien wegzog, spielt eine sehr geringfügige Rolle. Im Nachhinein erscheint es mir fast so, als wäre es Jennifer Brown gekonnt gelungen, mich bis zum letzten Drittel des Buches gekonnt an der Nase herumzuführen, denn ich hatte eine völlig andere Richtung erwartet, als diejenige, die das Buch letztendlich einschlägt. Zugegeben, mit spannungsgeladenen Ereignissen, die sich geradezu überschlagen und einem den Atem rauben, kann "Perfect Escape" nicht punkten. Vielmehr schlägt es ruhige, zarte Töne an, beherbergt einige Längen und hat nichts Spektakuläres zu bieten - aber erwärmt ab und an das Herz, bedrückt, lässt auflächeln und schenkt den Glauben daran, dass jene Bande zwischen Geschwistern zu den wertvollsten und stärksten überhaupt zählen können.
****************"Manchmal muss man gar nicht laut aussprechen, dass man jemanden lieb hat.Manchmal genügt es, im Schatten dieses Menschen zu stehen und nichts dabei zu finden."
["Perfect Escape | Jennifer Brown | S. 360]
FAZIT:

Eine ruhige Geschichte, die in leisen Tönen von einer Reise erzählt, bei der nicht das Ziel entscheidend ist, sondern der Weg selbst sich als wertvoll und lehrreich erweist. Wer sich die Schilderung eines spektakulären und spannenden Roadtrips erhofft, ist hier wohl an der falschen Adresse. Alle anderen können sich auf eine zarte Geschichte mit einigen wenigen Längen freuen, die von Identität, Ängsten und Zweifeln erzählt, vor allem aber eine Hommage an die kostbaren Banden zwischen Geschwistern zu sein scheint. 

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1.595 Bibliotheken, 17 Leser, 4 Gruppen, 200 Rezensionen

märchen, cyborg, cinderella, cinder, dystopie

Die Luna-Chroniken - Wie Monde so silbern

Marissa Meyer , Astrid Becker
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 20.12.2013
ISBN 9783551582867
Genre: Jugendbuch

Rezension:

">>Aber es gibt ungefähr zweihunderttausend Mädchen in dieser Stadt, die sich ein Bein ausreißen würden, dich zu begleiten.<<[...] Sie sah ihn an. Als sie die Verletzlichkeit in seinen braunen Augen bemerkte, brach ihre Verteidigungsmauer zusammen.[...]>>Zweihunderttausend Mädchen<<, sagte er. >>Und was ist mit dir?<< "
["Wie Monde so silbern | Marissa Meyer | Seite 221f.]


Mein Märchenherz schlug höher, als ich "Wie Monde so silbern" endlich in Händen halten konnte. Auch wenn es nichts gänzlich Ungewöhnliches ist, wenn Autoren zu den Stoffen alter Sagen und Märchen greifen, um eine eigene Geschichte zu erzählen, hatte ich dennoch die - zwar von leichter Skepsis durchtränkte - Hoffnung und Ahnung, es hier mit viel mehr als einer bloßen Rezeption des Cinderella-Märchens zu tun zu bekommen. Glücklicherweise behielt ich damit recht.




Ohne Rücksicht auf mögliche Verständnis- oder Eingewöhnungsschwierigkeiten schmeißt Marissa Meyer ihre Leser regelrecht in Ort und Zeit des Geschehens hinein. Obwohl es nicht lange dauerte, bis ich mitbekam, dass diese in unbekannter Zukunft spielende Welt, in der im Übrigen sogar von einem vergangenem vierten Weltkrieg gesprochen wird, sich wohl maßgeblich von der unserer entscheidet, hingen zugegebenermaßen dennoch zu Anfang kleine, imaginäre Fragezeichen über meinem Kopf. Begriffe wie  "Cyborg", "Netscreen", "Portscreen", "Androiden" und viele mehr sind Standardbegriffe, mit denen der Leser von der ersten Seite an konfrontiert wird. Doch wider Erwartens wurde ich nicht gezwungen, die ersten und darauffolgenden Seiten mit einem verständnislosen Stirnrunzeln lesen zu müssen: Raffiniert und äußerst geschickt fühlt man sich dieser Welt, die einem zu Beginn noch völlig fremd erschien, in Windeseile vertraut. Die Bedeutung hinter Begriffe, die noch zu Anfang den Lesefluss störten, werden bald immer klarer und schließlich gewöhnlich. 


Begleiter in dieses neue Zeitalter ist ein durchweg angenehmer, einem Jugendbuch gerechten Schreibstil, der sowohl emotionalere, als auch sachliche Töne anschlägt. Dennoch ist Marissa Meyers Schreibstil eher als "schlicht" zu bewerten - nicht ihre Wortwahl, sondern der Inhalt, die kleinen, meist erschreckenden Schlusspointen eines jeden Kapitels veranlassten mich, mitzufiebern.Wo wir auch schon das richtige Stichwort hätten: "Mitfiebern". 

Obwohl die Grundzüge der Geschichte - vor allem zu Anfang - leicht bekannt sind und immer wieder offensichtliche, gewollte Parallelen zum Aschenputtel-Märchen auftauchen, verpasst Marissa Meyer mit ihrer neuzeitlichen, Cinderella-ähnlichen Geschichte diesem uralten Märchen die Tiefe, die vielen Märchen oftmals fehlt. Zwar entlockten Stiefschwester Pearl und Stiefmutter Adri mir ab und an dieselben Hassgefühle, die auch Cinder ihnen die meiste Zeit entgegenbringt, jedoch steckt hinter den Rollen dieser beiden viel mehr, als nur die üblichen Märchen-Bösewichte. Pearl und Adri sind und bleiben zwar hauptsächlich die bösen Gegenspieler, jedoch lässt Marissa Meyer versteckt und andeutungsweise Charakterzüge in ihnen aufblitzen, die von gewisser Menschlichkeit zeugen und Stiefschwester und -mutter somit ebenfalls realistische Konturen verleihen, die sich nicht nur auf die übliche Schwarzweißmalerei beschränken.


Die zu erwartende Liebesgeschichte ist überraschend zurückhaltend, keinesfalls märchenhaft-kitschig oder übereilt. Im Mittelpunkt stehen vielmehr Cinder und Kais Ängste und Hoffnungen, die dem Leser mithilfe abwechselnder personaler Erzähler näher gebracht werden. Dennoch überwiegen die Kapitel, in denen man als imaginärer Begleiter Cinder als Hauptprotagonistin auf ihren Erlebnissen begleitet.Cinder, die im einen Moment unheimlich feinfühlig, im anderen bereits wieder mutig, stark und standhaft erscheint, die sich nicht in die Reihe der liebestrunkenen, eitlen Mädchen, die auf einen kurzen Blick des Prinzes hoffen, einreiht, ist eine durchweg sympathische Protagonistin, deren Handlungen und Gefühlsregungen für mich stets nachvollziehbar waren. Auch mit ihr hat Marissa Meyer bewiesen, dass hinter den meist flachen, eintönigen Märchenprinzessinnen mehr stecken kann: Cinder ist nicht nur das fleißige, von der Stiefmutter verschmähte Aschenputtel, das von einem Tanz mit dem Prinzen träumt, sondern eine willensstarke, mutige und bewundernswerte Protagonisten, die ihre Macken aufweist und dennoch das Herz am richtigen Fleck trägt.


Während "Wie Monde so silbern" demnach bereits mit seinen Charakteren das allseits bekannte Märchen übertrifft, ist es die Handlung, mit der es sich ähnlich verhält: Vor allem gegen Ende hin überschlagen sich die Ereignisse, die mich teilweise unvorbereitet, teilweise meine Ahnung bestätigend trafen und die diese Geschichte zu mehr als einer bloßen Rezeption werden lassen. "Wie Monde so silbern" schlägt gegen Ende hin eine völlig fremde Richtung ein und ließ mich mit gespanntem Fingerkribbeln, das sofort nach dem nächsten Band lechzte, nach einem Ende zurück, das sich maßgeblich vom üblichen Aschenputtel-Friede-Freude-Eierkuchen-Ende unterscheidet.


FAZIT:"Wie Monde so silbern" ist so viel mehr als eine bloße Rezeption eines aus Kindertagen bekannten, uralten Märchens: Charaktere, die mehr Tiefe und Menschlichkeit aufweisen, ein Setting, das Realitätsnähe erzeugt, eine Handlung, die das Märchen an Spannungsgeladenheit übertrifft und eine Liebesgeschichte, die glaubwürdiger erscheint und - zumindest im ersten Band - nicht mit einem langweiligen "Und wenn sie nicht gestorben sind..." endet - all das macht dieses Buch zu einem mitreißenden, emotional strapazierenden Erlebnis, das ich unbedingt auf der Stelle mit dem zweiten Band "Wie Blut so rot" wiederholen möchte!

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liebe, freundschaft, sommer, krebs, familie

Vergiss den Sommer nicht

Morgan Matson , Franka Reinhart
Flexibler Einband: 350 Seiten
Erschienen bei cbj, 13.05.2013
ISBN 9783570401811
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Aber im Grunde meines Herzens wusste ich, dass es gut so war - dass ich nach so vielen Jahren, in denen ich vor allem weggelaufen war, jetzt endlich auf etwas zuging."
["Vergiss den Sommer nicht"|Morgan Matson|S.469]

*****

"Amy on the summer road" zu lesen war ein phänomenales Erlebnis, das ich auf keinen Fall missen möchte. Schließlich gehört Amy und Rogers Geschichte rund um ihren Roadtrip quer durch die USA zu meinen ganz persönlichen Herzensbüchern und mit ihr wurde unwillkürlich vor einiger Zeit auch Morgan Matson kurzerhand zu meiner unangefochtenen Lieblingsautorin gekürt. Sie schaffte etwas, was mir nicht oft passiert: Um Worte ringend, stammelnd, aber mit leuchtenden Augen von einer Geschichte zu erzählen, die mich umhauen konnte, bei der mich tragischerweise jedoch das Gefühl nicht loswird, dass ich keine Worte finden werde, um meinem wunderbaren Leseerlebnis gerecht zu werden. Wieder einmal sitze ich nun sprachlos hier und starte den mühevollen Versuch, passende Worte zu Morgan Matsons unzähligen Worten zu finden, die mich berührt zurücklassen konnten.

Morgan Matsons Schreibstil bewirkte sofort, dass ich mich pudelwohl und in die wundervolle Lesezeit von "Amy on the summer road" zurückversetzt fühlte. Da war sie wieder, diese ungezwungene Leichtigkeit, diese spezielle Morgan-Matson-Note, die während des Lesens "in der Luft liegt" und die einem zu sagen scheint, nun wirklich aufmerksam lauschen zu müssen, da wir es hier mit jemandem zu tun haben, der eine Geschichte zu erzählen hat, die interessant werden könnte. Miss Matson scheint dabei immer die richtigen Worte zu treffen, die - wie zuvor auch schon in "Amy on the summer road" - perfekt zum Alter und Typ der Ich-Erzählerin und Protagonistin Taylor passen. Leicht umgangssprachliche Elemente stören hier kein bisschen, sondern verleihen der gesamten Erzählweise noch mehr Authentizität, die einem von jeder Seite ohnehin schon entgegen springt.

An dieser Stelle sollte ich wohl Folgendes festhalten: Wer wirklich auf der Suche nach einer authentischen Geschichte ist, deren Charaktere so lebensecht dargestellt werden, dass man schon beinahe befürchtet, bei einer Reise nach Amerika ihnen auf der Straße begegnen zu können, wer von Schicksalen lesen möchten, wie sie schon morgen dich, mich oder den Nachbarn betreffen könnten, wer von Liebe lesen möchten, die sich nicht nur in einer Partnerschaft abspielt, sondern endlich gerechterweise in all ihren wunderbar vielseitigen Facetten dargestellt wird und wer nicht davor zurückschreckt, Tränen um imaginäre Personen namens Charaktere zu vergießen - der sollte schleunigst zu Morgan Matson greifen. All die genannten Punkte, die ich auch schon bei Morgan Matsons Erstlingswerk abhaken konnte, kann ich nun auch bei "Vergiss den Sommer nicht" getrost und ohne schlechtes Gewissen unterschreiben.

Vor allem was die Charaktere betrifft, stehen die unzähligen Figuren aus "Vergiss den Sommer nicht" denen aus "Amy on the summer road" in nichts nach. Auch hier habe ich das Gefühl, mich wiederholen zu müssen, aber ich hatte ebenso wie zuvor bei Amy und Rogers Geschichte den Eindruck, dass hinter jeder noch so unbedeutenden Nebenfigur eine eigene, persönliche, noch unerzählte Geschichte steckt und sich Miss Matson spontan Taylors ausgesucht hat - die spezielle, unheimlich sympathische Taylor, die allen unangenehmen Situationen sofort aus dem Weg geht. Die Taylor, die ebenso wie alle anderen Charaktere ihre Fehler aufweisen kann, uns auch ihre egoistische Seite zeigt, ihre Schwächen zunächst verleugnet, jedoch ähnlich wie bereits Amy in Morgan Matsons besagtem anderen Werk während des Buches einen berührenden Charakter-Wandel durchläuft, ihre Schwächen erkennt und versucht diese zu besiegen.

Überraschenderweise war es nicht die Liebesgeschichte - welche man allein des Covers wegen erahnt und erwartet - , die mich so sehr für sich gewinnen konnte. Wie bereits erwähnt, stellt Morgan Matson das so große, undefinierbare Wort Liebe, dem sich bereits unendlich viele Autoren in ihren Werken verschrieben haben, in unterschiedlichsten Facetten dar und scheint als eine der wenigen Schriftstellern diesem auch gerecht zu werden. In "Vergiss dein Sommer nicht" greift Morgan Matson nicht nur zu dem schwierigen Thema Trauer, sondern ermöglicht es ihren Lesern dabei auch noch, eine Familie während der wohl schwersten Zeit ihres Lebens durch den Alltag zu begleiten.

Dabei lernte ich so viele Macken, Ecken und Kanten der Mitglieder aus Taylors Familie kennen, dass es einfach unmöglich war, sie nicht ins Herz zu schließen, ihre Trauer nicht zu teilen und mich ebenfalls so zu fühlen, als wäre ich gerade drauf und dran, viel zu frühen Abschied von einem geliebten Menschen nehmen zu müssen. Auch wenn dieser Alltag, der in dem Ferienort Lake Phoenix abspielt und durch der Leser Taylor und ihre Familie begleitet, seine Längen besitzt und die Handlung als ruhig und dahingleitend bezeichnet werden kann, ist es genau das, was das Adjektiv "authentisch" auf diese Geschichte wieder einmal wie maßgeschneidert wirken lässt: Wer Action, weit hergeholte schicksalhaften Liebe-auf-den-ersten-Blick-Begegnungen oder Friede-Freude-Eierkuchen-Trauerbewältigung in "Vergiss den Sommer nicht" erwartet, liegt falsch. Auch im echten Leben widerfährt uns doch selten Actionreiches oder Spannungsgeladenes, weshalb die Geschichte in "Vergiss den Sommer nicht" mit seinem berührenden Ende, das harmonisch den Rahmen schließt, wie aus dem Leben gegriffen scheint. - Und wahrscheinlich ist es genau das, was dieses Buch so schön und traurig zugleich macht.

FAZIT:
Morgan Matson vollbrachte, was sie bereits mit "Amy on the summer road" vollbracht hatte: Es ist mir unmöglich, ein einzelnes Kapitel zu nennen, das besonders toll, gelungen oder berührend war, eine Stelle zu benennen, die mich besonders umgehauen hat oder ein Zitat anzuführen, das den Nagel auf den Kopf getroffen hat - vielmehr fügen sich diese unzähligen kleinen Szenen, diese vielen Alltagsmomente, die man mit Taylor und ihrer Familie während ihres Sommers in Lake Phoenix verbringt, zu einem harmonischen Ganzem, das mich dann letztendlich begeistert und berührt. In "Vergiss den Sommer nicht" ist mit anderen Worten der Weg das Ziel: Nämlich die Zeit, die man mit diesen wunderbaren Charakteren verbringen darf, ihre Macken, die sie dem Leser immer mal wieder offenbaren und die Erkenntnis, sie immer mehr ins Herz zu schließen. Morgan Matson gibt einem das Gefühl, dass es dort draußen viele Taylors geben könnte, deren Geschichten uns Mut, Hoffnung und ein Lächeln abringen kann.

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(1.439)

2.402 Bibliotheken, 25 Leser, 3 Gruppen, 178 Rezensionen

liebe, travis, abby, college, jamie mcguire

Beautiful Disaster

Jamie McGuire , Henriette Zeltner
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Piper, 16.04.2013
ISBN 9783492303347
Genre: Liebesromane

Rezension:

 "Seit wir uns begegnet waren, hatte sich in jedem von uns etwas verändert. Und was immer das sein mochte, es bewirkte, dass wir einander brauchten. Aus mir unbekannten Gründen war ich seine Ausnahme, und sosehr ich auch gegen meine Gefühle angekämpft hatte, er war meine."
["Beautiful Disaster"|Jamie McGuire|S.230]

*****

Wie sehr ich mich doch davor gefürchtet hatte, meine schlimmsten Befürchtungen bezüglich dieses Romans könnten sich bewahrheiten: Auch wenn ich es nicht direkt erwartete, als ich die erste Seite aufschlug, fürchtete ich mich doch vor über 400 Seiten Oberflächlichkeiten und nichtssagendes Liebesgeplänkel.

Jamie McGuires Schreibstil war für diese unheilvollen Befürchtungen geradezu ein gefundenes Fressen. Tatsächlich trug ihr für meinen Geschmack etwas abgehackter, liebloser und geradezu spartanischer Schreibstil nicht gerade dazu bei, diese Erwartungen über Bord zu werfen. An so manchen Stellen hätte ich mir detailliertere Be- und Umschreibungen der Situationen, Mimiken, Gestiken und Reaktionen der Charaktere gewünscht, die ihren Sätzen ein wenig Leben einhauchen hätten können. Leider führten die stellenweise lückenhaften und mangelnden Beschreibungen dazu, dass kein reibungsloser Film vor meinem inneren Auge ablaufen konnte. Vor allem zu Anfang hatte ich große Mühe, mich mit diesem eher schmucklosem Schreibstil anzufreunden. Glücklicherweise gewöhnte ich mich nach den ersten 100 Seiten an diese spartanische Erzählweise und von da an war es um mich geschehen und die Seiten flogen nur so dahin.

Denn Eines kann man "Beautiful Disaster" garantiert nicht nachsagen: Kein Pageturner-Dasein zu genießen. Denn ein Pageturner ist dieser Roman definitiv. Kein Wunder, schließlich kann man auf der Liste der Pageturner-Voraussetzungen einen entscheidenden Punkt zu Gunsten von "Beautiful Disaster" abhaken - Unvorhersehbarkeit.
Ich wurde geradezu durch die Handlung geschmissen, geschubst und gerüttelt. Eine wahre Berg- und Talfahrt, die einer Achterbahnfahrt ähnelt, durchlebt der Leser mit den dahinfliegenden Seiten, denn auf keiner darauffolgenden Seite trifft man auf das, was man erwartet. Im Gegenteil: An jeder Ecke lauert eine neue Überraschung, die den Leser in ein wahres Gefühls-Desaster zu stürzen vermag, denn Ich-Erzählerin und Protagonistin Abby Abernathy versteht es, ihre Gefühle und Stimmungen ins Herz und die Magengegend des Leser zu implantieren. Raffiniert schaffte sie es, dass ich auch mein Herz an diesen mysteriösen und dunklen Travis Maddox verlor, ihn ebenso aus seinem bisherigen Vergangenheitschaos und seinem bisherigen Lebenswandel retten wollte, ihn hätte schütteln und ohrfeigen können - nur, um ihm auf der darauffolgenden Seite erneut um den Hals fallen zu wollen. Fest steht jedenfalls: Travis Maddox becircte nicht nur Protagonistin Abby, sondern wickelte irgendwann zwischen Seite 100 und 200 auch mich um den Finger.

Zugegebenermaßen konnte ich mich auf den ersten 100 Seiten mit Mr. Maddox nicht wirklich anfreunden. Die ganze Zeit über erschien er mir wie eine blasse, sehr viel schlechter umgesetzte Version des alleseits geliebten Elyas Schwarz aus Carina Bartschs "Kirschroter Sommer", mit dem Unterschied, es hier mit einer oberflächlichen Variante zu tun zu haben. Doch glücklicherweise gewährt uns Jamie McGuire auf den anderen über 300 Seiten nicht nur tiefere Blicke in sein Inneres, sondern zeigt uns noch andere Seiten des klischeehaften Bad Boys, die einfach zum Schmachten zwingen.
Andere Charaktere hingegen erschienen mir vom ersten Moment an wie aus dem Leben gegriffen, denn jede noch so nebenbei auftauchende Nebenfigur wirkt authentisch und lebensnah. Besonders Abbys Freundin America erwies sich als eine herzallerliebste Figur, die ich sofort in mein Herz schloss. Merke: Die Welt braucht eindeutig mehr beste Freundinnen der America-Sorte.

Auch "Beautiful Disaster" stellte mal wieder unter Beweis, dass es keiner Fantasy- oder Dystopiewelten bedarf, um den Leser mit Spannungsgeladenheit durchgehend zu fesseln, denn Langeweile kam bei mir zu keinem Zeitpunkt auf. Rasant schubst Ich-Erzählerin Abby den Leser von einer Gefühlskatastrophe in die nächste, bis man schließlich erschöpft, atemlos und aufgewühlt am Ende ankommt und nach noch mehr Adrenalin und Gefühlsachterbahn giert.

FAZIT:
Mit "Beautiful Disaster" verhält es sich ein wenig wie mit Achterbahnen: Sie verschütteln, rütteln und stoßen dich durch die Gegend, entlocken dir Schreie und Lachen, Hochgefühl, Kribbeln in der Magengegend und Angst vor dem nächsten Absturz - Kurzum: Sie machen einen unheimlichen Spaß, auch wenn man nicht wirklich festmachen kann, warum eigentlich genau.
Auch "Beautiful Disaster" stürzt den Leser in ein wahres Gefühls-Desaster und hält über 400 Seiten bereit, die man entweder gierig umblättern möchte oder aber einen zum Zögern veranlassen, weil sie eine nächste zerstörerische Katastrophe für die bis dahin friedliche Situation bereithalten könnten. Amüsante Dialoge, Herschmerz und -klopfen garantiert, eines jedoch sicher nicht: Langeweile! Versprochen.

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fantasy, dystopie, gefängnis, science fiction, schlüssel

Incarceron - Fliehen heißt sterben

Catherine Fisher , Marianne Schmidt
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Penhaligon, 18.03.2013
ISBN 9783764530808
Genre: Fantasy

Rezension:

">>Incarceron hat mit en Schultern gezuckt<<, hatte Gildas grimmig bemerkt. Das war das erste Mal, dass Finn das Gefängnis hatte lachen hören. [...] Die Haare auf Finns Haut hatten sich vor Entsetzen aufgestellt. Das Gefängnis war am Leben.

Es war grausam und gleichgültig, und er selbst war in seinem Innern."

("Incarceron- Fliehen heißt sterben"| Catherine Fisher | S. 36)


*******

Unheimlich neugierig, relativ unvoreingenommen und dennoch mit großen Hoffnungen auf eine überwältigende und spannende Geschichte à la James Dashners Labyrinth-/Maze Runner- Reihe schlug ich die erste Seite von "Incarceron- Fliehen heißt sterben" auf. Nachdem ich relativ schnell registriert hatte, dass der Leser bei "Incarceron" mit einem personalen Erzähler zu tun hat, der hauptsächlich aus der Gedankenwelt der beiden Protagonisten Finn und Claudia erzählt, folgte ziemlich schnell die große Verwirrung: Sowohl im Gefängnis Incarceron, in welchem der Leser Seite an Seite mit Finn den Grausamkeiten dieses besonderen Gefängnisses ins Auge blickt, als auch im Außerhalb, wo es mit Claudia Bekanntschaft zu schließen gilt, wird mit Begriffen um sich geworfen, die bei mir immer wieder große Fragezeichen aufriefen: Comitatus? Sapient? Maestra? Käfer, Das Protokoll, Havaarna? Bitte?

Das sind nur ein paar wenige Beispiele der zahlreichen Begriffe, die von den Charakteren mit leichtfertiger Selbstverständlichkeit benutzt werden. Doch wer nun glaubt, dass der große mit Fragezeichen bestickte Schleier der Unverständlichkeit, der über diesen Begriffen hängt, im Laufe der Geschichte gelüftet wurde, liegt leider falsch - Erklärungen darf man bei "Incarceron" in der Tat nicht erwarten. Stattdessen war ich mit wachsender Seitenzahl dazu gezwungen, mir einen Reim auf die mysteriösen und suspekten Dinge, die anscheinend von relativ großer Bedeutung waren, zu machen. Während mir das bei den meisten von ihnen gelang, blieben bis zur letzten Seite so manche erwähnten Dinge nach wie vor ein rätselhaftes Mysterium in einer wohl dystopischen Welt, die ich leider nicht ganz durchblicken konnte.

Dementsprechend groß war meine Frustration. Zu gerne hätte ich die zukünftige Welt, in der Claudia und auch Finn leben, mit etwas klarerer Sicht betrachtet. Geheimnisvolles und Ungewisses mag ja schön und gut, ja manchmal sogar spannend sein, aber dermaßen viele Fragezeichen, die sich zu beinahe keinem Zeitpunkt auf den knapp 470 Seiten zu Aha-Effekten auflösen, waren nach einer gewissen Zeit einfach nur nervig.

Mit dadurch gedämpfter Lesestimmung wurde ich leider auch mit den Charakteren nicht richtig warm. Vor allem Finn erschien mir einfach zu flach, zumal man als Leser aus seinen Gedanken und Handlungen wenig auf seinen Charakter schließen kann. So kam es, dass ich mich die meiste Zeit eher auf die Textpassagen freute, die sich in Claudias Welt abspielen. Im Gegensatz zu Finn besitzt sie ihre Ecken und Kanten, die sie mir sympathisch und in meinen Augen greifbarer werden ließen.
Eine Einschätzung der anderen Charaktere stellte sich als ziemlich schwierig heraus - bei manchen habe ich noch immer das Gefühl, dass sie sich in Band 2 als Bösewichte herausstellen könnten- Und ich bin mir noch immer nicht ganz sicher, ob dieser Punkt bezüglich der Undurchschaubarkeit für oder gegen diese Geschichte spricht...

Was mich in dieser Einöde der Enttäuschung ein wenig aufmunterte, war Catherine Fishers Schreibstil, welcher es versteht, Atmosphären, Gedanken- und Gefühlsregungen treffend und malerisch zu beschreiben. Doch das konnte über den größten Punkt der Enttäuschung nicht hinwegtrösten: Incarceron, das Gefängnis. Dabei war es doch eigentlich genau das, was mich am meisten zum Lesen dieses Buches veranlasste. Ein lebendes Gefängnis, das im Laufe der Jahre eigene Intelligenz entwickelt hatte, seine Insassen beobachtet und ein grausames Spiel mit ihnen treibt? Perfekt, unheimlich spannend und nervenaufreibed - dachte ich. Aber leider waren Finns Erfahrungen im Gefängnis alles andere als spannend, was - wie bereits erwähnt - dazu führte, dass ich mir des Öfteren die Passagen herbeiwünschte, die von Außerhalb und Claudias Erfahrungen berichten. Außerdem gab es leider für meinen Geschmack viel zu wenig über dieses Gefängnis, was man in Erfahrung bringen durfte. Erst im letzten Drittel des Buches wurden kleine Details gelüftet, die mich allerdings allesamt nicht "vom Hocker reißen" konnten, zumal leider auch was Incarceron selbst betrifft, so einige Fragezeichen bei mir offen blieben.

FAZIT:
Hatte ich bei "Incarceron" eine große Portion Schaudern, Nervenaufreiben und von Spannung bedingtes, polterndes Herzklopfen erwartet, wurde ich leider enttäuscht. Weder die teilweise flachen, teilweise undurchschaubaren Charaktere noch der Komplex um Incarceron, das mysteriöse lebende Gefängnis selbst, konnten mich in ihren Bann ziehen. Schuld daran waren höchstwahrscheinlich vor allem mangelnde Erklärungen und nicht vorhandene Aha-Effekte - oder aber ich bin, auch wenn mir bisher zu diesem Roman nicht viel zu Ohren gekommen ist, mit schlicht und einfach zu hohen Erwartungen an diese Geschichte herangegangen.

Wie auch immer: Auch das zufriedenstellende Ende, das zugegebenermaßen ein wenig neugierig auf Band 2 macht, schafft es wohl eher nicht, mich zum Lesen besagten Nachfolgers zu bewegen.

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liebe, kelsey, ren, fluch, indien

Fluch des Tigers - Eine unsterbliche Liebe

Colleen Houck , Beate Brammertz
Fester Einband
Erschienen bei Heyne HC, 04.03.2013
ISBN 9783453267756
Genre: Jugendbuch

Rezension:

! ACHTUNG - Band 3 einer Reihe, Spoiler enthalten !

" Dann nahm er meine Hand und verschränkte seine Finger mit meinen. >>Du vergisst etwas, Iadala. Liebe ist keine Entscheidung. Liebe kann man sich nicht aussuchen. Liebe ist ein unstillbarer Durst - ein Verlangen, so lebensnotwendig für die Seele wie Wasser für den Körper. [...]

Beraube mich dieses Schlucks Liebe, und ich werde zu Staub zerfallen."


("Fluch des Tigers"| Colleen Houck | Seite 440f.)

***************

Ich kann gar nicht ausdrücken, mit welcher Sehnsucht ich diesen Band erwartet und mit welcher Freude ich mich, als endlich Zeit dazu war, auf ihn gestürzt habe. Sowohl Band 1 als auch Band 2 konnten mich vollends überzeugen und auf eine herzergreifende Reise in den Orient mitnehmen, was unweigerlich dazu führte, dass ich mit enorm hohen Erwartungen meine dritte "Reise" begann.

Das Schöne an dieser Reihe: Man findet sich in das Geschehen sofort wieder ein, zumindest ergeht es mir jedes Mal (Nun gut, nun das 2. Mal) aufs Neue so. Kleine Gedächtnislücken bezüglich bestimmter Geschehnisse aus den vorherigen Bänden sind nicht weiter tragisch, da jeder Band eine neue Herausforderung bzw. Prüfung beinhaltet, die Kelsey und ihre zwei Tiger auf ihrem Weg, den Bann zu brechen, bestehen müssen. Lediglich die Namen und der Nutzen der in den vorherigen Bänden erstandenen Gaben, wie die Chakram oder die Gada beispielsweise, musste ich mir erneut erschließen und zurück ins Gedächtnis rufen.

Was den Schreibstil anbelangt, konnte ich nur erneut feststellen, was bereits in den Vorgängerbänden der Fall war - schlicht, einfach und dennoch ab und an bildhaft genug, um mein kleines Metaphern-Herz höher schlagen lassen zu können. Mrs. Houck versteht es auch in diesem Band, fabelhaft mit ihrer klaren und einfachen Erzählweise zu spielen und mir die - zugegebenermaßen ab und an nervige - Ich-Erzählerin Kelsey dennoch sympathisch und authentisch erscheinen zu lassen.
Ich fühlte mich daher ein drittes Mal an Kelseys Seite pudelwohl und schloss die altbekannten, geliebten Gesichter sofort in meine imaginären Arme... Das heißt: Das hatte ich zumindest vor.

Bei fast allen von ihnen gelang mir dies, doch bei einer ganz bestimmten Person zu meinem absoluten Leidwesen nicht: Ren. Der Ren, der ja bereits am Ende von Band 2 sein Gedächtnis verloren zu haben schien und den ich dennoch gerne weiterhin gemocht hätte. Aber Fehlanzeige, denn stattdessen blieb mir der "vergessliche" Ren durchweg unsympathisch und völlig fremd.
Die meiste Zeit über empfand ich ihn sogar als ein wenig kindisch, naiv und egoistisch - Kurzum könnte man sagen, er hatte überhaupt nichts mit dem Ren gemein, an den ich zusammen mit Kelsey in den beiden Bänden zuvor mein Herz verschenkt hatte. Gott sei Dank konnte er sich - nach einem ganz bestimmten Ereignis, das aus Spoilergründen wohl eher nicht genannt werden sollte - auf meiner persönlichen Sympathie-Leiter schon bald wieder weit nach oben angeln und sich vielleicht sogar bis zur obersten Sprosse durchkämpfen. Die Betonung liegt jedoch auf "vielleicht", denn wie bereits in Band zwei schaffte es die wohlbekannte Dreiecksbeziehung dieser Saga erneut, nicht nur Kelseys, sondern auch meine Sympathien und Lesergefühle in Verwirrung zu bringen - was ich als absoluten Pluspunkt anerkennen muss.

Auch wenn Kishan in diesem Band leider ein klein wenig seinen beschwingten Humor und seine amüsante Arroganz aus dem vorangegangenem Band verloren zu haben scheint, muss ich erfreulicherweise erneut eingestehen, dass er Gott sei Dank kein billiger Abklatsch des eigentlichen männlichen Gegenparts zu Kelsey (Ren) darstellt, sondern vielmehr durch seine ruhige, unschuldige und bescheidenere Art Pluspunkte sammelt. Obwohl ich, wie bereits erwähnt, diese Dreiecksbeziehung in dieser Serie sehr gelungen und alles andere als nervend empfinde, störte es mich doch ein klein wenig, dass wohl ständig unter Beweis gestellt werden muss, wie stark Kelsey von allen Seiten begehrt zu werden scheint. Ich meine - Reicht es nicht, dass bereits zwei absolut tolle Tigerbrüder ihr zu Füßen liegen? Musste nach den ganzen Kerlen aus Band 2 jetzt noch ein dritter folgen? Dennoch war ich froh, dass genannter Dritter wie bereits in Band 2 wenig Bedeutung fand und lediglich am Rande auftauchte. So trübte dieses Minuspünktchen nur minimal mein ansonsten durchweg positives Bild dieses Bandes.

Schließlich gibt es an der Handlung für mich wirklich ein gar nichts auszusetzen. Mal wieder war es aufregend und schön zugleich, als stiller Begleiter die Drei bei ihren Prüfungen zu beobachten, in dieser Welt voller indischer Mythologie und orientalischer Schönheit abzutauchen und dabei niemals von Langweile erfasst zu werden. Colleen Houck trifft auch in diesem Band die perfekte Mischung aus ruhiger Romantik, emotionalem Chaos und nervenaufreibenden Spannungswellen, die am Ende in einem aufregendem Strudel enden und den Leser - wie wir das ja bereits aus den beiden anderen Bänden kennen - mit schockiertem Herzpochen und unbändiger Neugierde zurücklassen.

FAZIT:
Auch Band 3 dieser wunderbaren Saga entführt in eine märchenhafte Welt voller indischer Mythologie, Herzensverwirrungen und fabelhafter Unterhaltung dank toller Charaktere. Auch wenn mir zugegebenermaßen die Vorgängerbände einen kleinen Tick besser gefallen haben, war es auch für den dritten Band der Tiger-Sage lediglich ein Katzensprung - oder eher "Tigersprung" - zu meinem Herzen.

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liebe, überleben, selbstmord, flugzeugabsturz, schnee

Survive - Wenn der Schnee mein Herz berührt

Alex Morel , Michaela Link
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei INK, 10.01.2013
ISBN 9783863960476
Genre: Jugendbuch

Rezension:

" >>Meinst du, sie halten uns für tot?<<>>Keine Ahnung. Aber ich glaube, meine Mutter würde sich darüber freuen, dass ich endlich einen Jungen kennengelernt habe.<>Du hast einen Jungen für dich gefunden, Solis? Schön zu wissen.<<"("Survive"|Alex Morel|Seite 150)
Nichts. Das ist es, woran ich denke, während ich verzweifelt versuche, nach den passenden Worten und Beschreibungen für dieses Buch zu suchen - Einfach nichts. Mir möchte nichts einfallen, was ich zu dieser Geschichte zu sagen hätte, denn fest steht: Mir fehlen die Worte für eine Geschichte, die an Langatmigkeit, Unglaubwürdigkeit und lächerlichen Handlungsbeschreibungen kaum zu überbieten ist. Mit abgehackten Sätzen beginnt die Ich-Erzählerin Jane, welche - wie bereits im Klappentext angepriesen - ihren Suizid geplant hat, ihre nichtssagende Geschichte zu erzählen. Während ich anfangs noch relativ unvoreingenommen und neugierig ihren Worten "lauschte", begann sie mich nach wenigen Seiten bereits zu nerven: Mit scheinbarer Coolness plant sie ihren baldigen Selbstmord und wirft dem Leser dabei immer wieder Bröckchen ihrer Vergangenheit vor die Füße, welche eine Rechtfertigung für ihre Pläne darstellen sollen. Eben diese Coolness, die Jane dabei an den Tag zu legen scheint, trifft es im Wortursprung bereits auf den exakten Punkt: Kalt. Janes Geschichte und Emotionen (Wobei: Welche Emotionen?) ließen mich von Anfang bis Ende kalt. Nichts von dem, was durch ihre Familiengeschichte und Vergangenheit in ihr anscheinend angerichtet wurde, konnte mich berühren oder geschweige denn überzeugen. Stattdessen folgten immer wieder lahme Aussagen über ihren Vater, der sich bereits ebenfalls das Leben genommen habe, und dem sie nun nachfolgen müsste.  Doch ich schien nicht die Einzige zu sein, die das Ganze kein bisschen mitnahm - Auch Jane legte die genannte Coolness an den Tag, welche fern von Emotionen, Verzweiflung und Hilflosigkeit war. Selbst ohne diese Gefühle, die ich bei einer solchen Art von Protagonistin erwartet hätte, kam diese Coolness auch nicht einer logischen inneren Leere gleich - Einer Leere, die davon zeugen würde, dass sie innerlich bereits mit sich und ihrem Leben abgeschlossen hatte, quasi innerlich bereits einen Tod hinter sich gehabt hätte. Nein, vielmehr schien sie mir die ganze Zeit über nichts anderes als emotionslos, konstruiert und schlicht und einfach unecht.  Nicht nur ihre Beweggründe und gesamte Person konnte ich ihr abkaufen - Auch ihre Therapiestunden erschienen einfach nur unglaubwürdig, die Therapeuten und Betreuer geradezu dümmlich und Paul, dessen Bekanntschaft sie nach ihrem gescheiterten Selbstmordversuch macht, einfach nur flach. Ebenso wie Jane konnte ich diesem Typen nichts abgewinnen. Gemeinsame Dialoge wirkten auf mich stets gezwungen amüsant oder einfach nur nichtssagend. In dieses Muster reihte sich auch die vorhersehbare heranwachsende Beziehung zwischen Jane und Paul ein, die bei mir überhaupt keine Emotionen auslöste oder gar nachvollziehbar war.  Zugegeben: der bereits zu Anfang erwähnte abgehackte, emotionslose Schreibstil im Berichterstattungs-Stil passte recht gut zur eigentlichen Handlung... Denn die gab es meiner Meinung nach überhaupt nicht. Stattdessen bekam ich eine bloße Abfolge von langatmigen Tätigkeiten vorgesetzt. Beschreibungen wie die, wann, wo und wie viel eines Schokoriegels die beiden unter sich aufteilten, welchen Fußmarsch sie sich vornahmen, welche Gegenstände sie im Schnee an der Stelle des abgestürzten Flugzeuges fanden usw. machten die gesamte Geschichte zu einer Zerreißprobe für mich, die ich ohnehin langatmige Stellen nur sehr selten etwas abgewinnen kann. Doch hier hatte ich es nicht nur mit "Stellen" zu tun, denn das gesamte Buch über langweilte ich mich und versank immer tiefer in meiner Enttäuschung darüber, dass ich so sehr auf einen - eigentlich verlockenden - Klappentext hereingefallen war und mich von einem schönen Cover habe blenden lassen. 
FAZIT:Die bittere Wahrheit über "Survive" und mich ist, dass wir nichts miteinander anfangen können. Weder die Protagonistin noch andere Charaktere konnten mich überzeugen, die Handlung langweilte mich ungemein und ein emotionsloser Schreibstil rundete dieses enttäuschende Bild geradezu perfekt ab. Was ich mir als eine nahegehende und eher tiefgründige Geschichte, die vom Verlust und Wiedererlernen der Lebensfreude erzählen würde, erhofft hatte, stellte sich als ein - in meinen Augen - Reinfall heraus. Schade, denn dabei hätte diese Idee so viel Potenzial in sich bürgen können...

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preßwitz, stausee, hohenwarte

Ein kleines Stück vom Leben nur

Birgit Rieger
Flexibler Einband
Erschienen bei Wagner Verlag, 08.01.2013
ISBN 9783862796861
Genre: Romane

Rezension:

"Schöner kann es auch kein Drehbuchautor schreiben, wie es manchmal im wahren Leben zugeht."

("Ein kleines Stück vom Leben nur"| Birgit Rieger | Seite 296f.)

***

Es kommt wahrlich nicht oft vor, dass ich mit einer gehörigen Portion Skepsis und einer solch großen Unvoreingenommenheit an ein Buch herangehe, wie es bei diesem Titel der Fall war. Als mir Birgit Riegers Erstlingswerk jedoch angeboten wurde, entschied ich mich kurzerhand, dieser Geschichte - worüber auch immer sie auf welche Weise auch immer erzählen mochte - eine Chance zu geben. So kam es, dass ich völlig erwartungslos und ohne jegliche Vorstellung davon, wohin mich diese Geschichte entführen würde, "Ein kleines Stück vom Leben nur" aufschlug.

Der erste Eindruck ist ja bekanntlich der gewichtigste. Das, was diesen ersten Eindruck meiner Meinung nach bei einem Roman am maßgeblichsten beeinflusst, kann nur eines sein: Der Schreibstil. Charaktere, in deren Umgebung oder Gedankenwelt man urplötzlich geworfen wird, sind für den Leser zu Anfang fremd, unberechenbar und ein kleines Mysterium, das es während den kommenden Seiten zu erkunden gibt. Von der Handlung ganz zu schweigen, die ohnehin zumeist erst nach einigen gelesenen Seiten beurteilt werden kann. Aus diesem Grund lässt sich mein erster, subjektiver Eindruck auf Birgit Riegers Schreibstil zurückführen, welcher als ziemlich schlicht, einfach, schmucklos und - zu meinem Leidwesen - an einigen Stellen auch als etwas zu umgangssprachlich und salopp beschrieben werden könnte.

Ich bin kein Feind von lockeren Erzählweisen, vor allem nicht, sofern diese zum Alter und Charakter des Ich-Erzählers passen. Doch nicht nur die Tatsache, dass man es in diesem Werk hingegen mit einem personalen Erzähler zutun hat, sondern auch mein Empfinden, dass Worte wie "tut" vor dem eigentlichen Verb oder "total" in einem Roman eher unpassend sind, führten dazu, dass mich der Schreibstil gleich zu Beginn nicht wirklich gefangen nehmen konnte. Glücklicherweise handelt es sich bei genannten Beispielen jedoch nur um Ausnahmen, die mich demnach nicht allzu oft das Gesicht verziehen ließen.

Überraschenderweise hatte ich sogar das Gefühl, dass ich mich mit dem Schreibstil von Seite zu Seite besser anfreunden konnte, was meiner Meinung nach nicht nur daran lag, dass ich mich an ihn gewöhnte - Ich hatte tatsächlich das Gefühl, dass sich dieser gegen Ende des Buches hin verbesserte, mich mit schöneren Umschreibungen in die Situation hineinversetzte oder greifbarere Bilder vor mein inneres Leserauge malen konnte.
Hanna, die 45-jährige Protagonistin dieses Romans, war mir nicht von Anfang an sympathisch. Es dauerte, bis ich mich einigermaßen in sie einfühlen, ihre Beweggründe verstehen und mich mit ihrer Art anfreunden konnte. Leider blieb sie bis zum Schluss ein wenig unnahbar für mich - sie und auch die anderen Charaktere schienen mir oftmals etwas flach und ohne die menschlichen Ecken und Kanten, die nötig sind, um Charaktere als authentisch zu empfinden. Egal, ob Hannas Mann, ihr Sohn, ihre Freundin Claudia oder sämtliche andere Charaktere - Irgendetwas hinderte mich daran, sie als authentisch zu empfinden und ins Herz zu schließen.

Je mehr ich jedoch über Hanna und ihre Vergangenheit in Erfahrung bringen konnte, desto greifbarer wurde sie. Ich hätte zwar gerne mehr über ihre Lebensgeschichte, die wohl auch sehr viele Schattenseiten und Zeiten der Unruhe aufweist, erfahren, jedoch eignete sich ihre persönliche schwierige Vergangenheit gut, um sie mir ein wenig menschlicher und fehlerhaft erscheinen zu lassen. Mit den zwei wichtigen älteren Damen, Alice und Louisa, deren vergangenen Geheimnisse Hanna während des gesamten Buches über versucht, zu lüften, konnte ich schon mehr anfangen. Sowohl die altersdemente Louisa als auch die unberechenbare, vor menschlichen Schwächen geradezu strotzende Alice wurden mir immer sympathischer. Umso erfreulicher war es, bald schon herauszufinden, dass es sich bei den beiden um wichtige Schlüsselfiguren der Geschichte handelt.

Insgesamt lässt sich die Handlung als sehr ruhig einstufen. Es gibt keine großen Spannungsmomente, die ich allerdings bei dieser Art von Geschichte auch nicht erwartet hätte. Vielmehr begleitet der Leser Hanna auf ihrem Weg, der mit ihrem harmlosen Wunsch, eine Hütte am Stausee, die sie schon jahrelang bewundert, zu besitzen, beginnt und in der vergangenen Geschichte eines vergessenen Örtchens namens Preßwitz, welches Wassermassen zum Wohle der Allgemeinheit weichen musste, mündet. Inmitten dieses Vergangenheitsrätsels, das Hanna durch Recherchen immer weiter zu lüften versucht, wird sie auch mit zwischenmenschlichen Geschichten konfrontiert und ihr Herz von der Geschichte der beiden Freundinnen Louisa und Alice mitgenommen. Mithilfe von Internetartikeln, die Hanna zur Geschichte des Stausees recherchiert, Tagebucheinträgen oder Aussagen von Zeitgenossen erfährt der Leser immer mehr über die wahre Geschichte des einstigen Preßwitz und seiner Bewohner. Im Mittelpunkt, welcher auch im Ende des Buches erfreulicherweise herausgestellt wird, steht jedoch die Lebensgeschichte der Preßwitzer und die Lehre, die Hanna aus ihr zieht und mitnimmt.

FAZIT:
In ruhigen Tönen erzählt "Ein kleines Stück vom Leben nur" nicht nur die wahre Geschichte eines verschwundenen Ortes, sondern parallel auch die Lebensgeschichten einiger Betroffenen, die zeigen, welche Auswirkungen frühere Handlungsweise und Fehler auf die Gegenwart haben können. Zwischen all diesen Themen eingeflochten findet der Leser eine Geschichte, die von Träumen, Freundschaft, Überwindung und - vor allem - Verzeihung erzählt. Was sehr vielversprechend klingt, hätte meiner Meinung nach noch Potenzial gehabt, denn teilweise ungreifbare Charaktere und einige Längen in der Handlung ließen diese Geschichte für mich zu einem durchschnittlichen Leseerlebnis werden.

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liebe, berlin, elyas, freundschaft, carina bartsch

Türkisgrüner Winter

Carina Bartsch , ,
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 25.01.2013
ISBN 9783499227912
Genre: Liebesromane

Rezension:

"Was war das nur zwischen uns? Und weshalb war es immer mit so viel Leid verbunden, obwohl wir uns doch eigentlich gern hatten?

Wenn zwei Menschen Liebe gleichermaßen erwiderten, müssten sie sich doch im Paradies befinden.

Doch wenn ich mich umblickte, fand ich mich von der Hölle umgeben."

("Türkisgrüner Winter" | Carina Bartsch | S. 368)


************************

Es ist doch immer wieder verblüffend: Kaum sonst im Leben verspürt man diese ganz besondere, exotische Mischung aus euphorischer, benebelnder Vorfreude und beklemmender Bedrückung, die die Euphorie einerseits dämpft und gleichzeitig zu etwas Bittersüßem werden lässt. Kaum sonst verspüre ich dieses vorfreudige und dennoch unangenehme Gefühl in der Magengegend als zu dem Zeitpunkt, an dem ich den Abschluss einer geliebten Reihe aufschlage. Und selten zuvor war dieses bittersüße Gefühl so intensiv wie dies beim zweiten Teil der Dilogie von Carina Bartsch rund um Emely und Elays der Fall war - schließlich stand ich nicht nur vor dem Anfang eines vielversprechenden und herzerheiternden zweiten Bandes, sondern auch gleichzeitig vor dem Ende einer liebgewonnenen Geschichte...

Das Erste, das mich positiv überraschte: "Türkisgrüner Winter" beginnt beinahe unmittelbar da, wo "Kirschroter Sommer" endete, sprich: Neugierige Fragezeichen seitens des Lesers bezüglich der verpassten Zeit oder eine Einführungsphase, in welcher der Leser zunächst zusehen muss, wie er an nützliche Informationen gelangt, um der vorangeschrittenen Geschichte folgen zu können, sind alles andere als nötig.
Vielmehr fühlt man sich ebenso pudelwohl wie das am Ende von "Kirschroter Sommer" der Fall war, ja beinahe erscheint es so, als hätte man nie aufgehört zu lesen. Carina Bartsch meint es in diesem Punkt sehr human mit ihren Lesern, die freudig sowohl die dickköpfige Emely als auch den anziehenden Elyas sowie die anderen Charaktere in altbekannten und geliebten Zügen begrüßen dürfen. Dabei scheint Carina Bartsch zum perfekten Maß zwischen grundlegenden Charaktereigenschaften, welche die Charaktere einfach nicht abschütteln können, und neue Züge, die durch einen Wandel bedingt oder gar aufgedeckt wurden, gegriffen zu haben. Kurzum: Ich war den Personen aus "Türkisgrüner Winter" sofort verfallen und verliebte mich ein zweites Mal in Emely und Elyas wunderbare Geschichte.

Hierbei beeindruckte mich besonders, wie ihre Geschichte zwar zunehmend ernstere Züge annimmt und ich einige Male öfter schlucken musste, sie jedoch dennoch ihre beschwingte Leichtigkeit und humorvolle Brise nicht verliert. Emely und Elyas sind zwar dieselben Sturköpfe wie bereits im Vorgängerband, dagegen aber zunehmend bereit, Eingeständnisse zu machen und ihre verletzliche Seite mehr nach Außen zu kehren. Langsam aber sicher kann man als Leser Seiten an Emely und Elyas entdecken, die man während des ersten Bandes ohnehin bereits erahnte.

Man lernt vor allem immer besser den Mensch hinter Elyas Maske kennen, ohne dass dies unrealistisch und nach dem Motto "weicher Kern hinter einer harten - oder in diesem Falle einer arroganten - Schale" abläuft. Nein, Elyas bleibt Gott sei Dank trotz einer wachsenden Demaskierung und dem Bröckeln seiner coolen Fassade der Alte, welcher ebenso wie alle anderen Charaktere auch seine dunklen Schattengründe im Charakter und Abgründe in der Seele trägt. Perfektion wird hier niemandem vorgegaukelt - weder dem Leser noch Emely, die dies trotz ihrer rosaroten Brille immer mehr zu begreifen scheint.

Ein starker Bezug zu Geschehnissen aus dem ersten Band werden aufgegriffen, rücken immer mehr in klareres Licht und bestätigen mögliche Vorahnungen, die während des ersten Bandes aufgekommen waren. Trotz dieser partiellen Vorhersehbarkeit hält auch Band zwei einige Überraschungen bereit, die nicht nur Emelys und Elyas Geschichte betreffen - denn auch in "Türkisgrüner Winter" schafft es Carina Bartsch wieder einmal, dem Leser Begegnungen und ein näheres Kennenlernen mit unzählig vielen Charakteren zu bescheren, was die Geschichte noch - sofern dies überhaupt möglich ist - um einen Grad authentischer macht.

Tatsächlich ist es genau das, was mich an diesen beiden Bänden wohl so fesselt: Diese Authentizität und damit verbundene Vielschichtigkeit. Carina Bartsch verpackt in einem einfachen Schreibstil und auf simple Weise so viele Facetten des Menschendaseins in eine Geschichte, die ganz ohne seit jeher so beliebte Fantasyelemente oder dystopische Seiten auskommt. Vielmehr schafft sie es, eine Geschichte auf zusammen rund 900 Seiten zu zaubern, in denen weder Weltuntergangssezenen, noch Vampirzähne oder Engelsflügel vorkommen, sondern schlicht und einfach von der Chemie zwischen Menschen handelt, die manchmal so viel komplizierter sein kann, als man das wohl vorstellen kann oder gar eigentlich beabsichtigt.

Die Handlung besitzt ihre Höhen und Tiefen; mal plätschert sie vor sich hin, mal poltert und erschüttert sie. Letztendlich bescherte sie mir dieselbe Achterbahnfahrt der Gefühle, die mir bereits "Kirschroter Sommer" beschert hatte und endet auf eine Weise, die mich mit mehr als nur positiven Erinnerungen auf diese wunderbare Dilogie zurückblicken lässt.

FAZIT:
"Türkisgrüner Winter" beendet, was "Kirschroter Sommer" bereits begonnen hat: Eine Geschichte, die ein Wechselbad der Gefühle garantiert, die zum Schmunzeln, Auflachen, Schmachten, Fingernägelkauen und erleichtert Aufatmen veranlasst. Wer sein Herz an die authentischen Charaktere und den Humor aus Band 1 bereits verlieren konnte, wird sich auch bei Band 2 ein zweites Mal in diese Geschichte verlieben.

Und wer beiden Büchern bisher noch keine Aufmerksamkeit geschenkt hat, dem kann ich nur raten dies schleunigst zu tun.

Denn diese Dilogie erzählt nicht nur eine einfache Liebesgeschichte, wie wir sie zu genüge in allen Buchhandlungen der Welt finden können - Sie erzählt vom Facettenreichtum des Menschen, von Gegenspielern der Liebe sowie Stolz und innere Zweifel, die eigentlich als Abwehrmechanismus und Beschützer des Herzens dienen sollten, jedoch leider oftmals eben dieses mehr schädigen als es das gefürchtete Risiko hätte tun können.

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seuche, dystopie, araby, liebe, tod

Die Stadt des roten Todes - Das Mädchen mit der Maske

Bethany Griffin , Andrea Brandl
Flexibler Einband: 380 Seiten
Erschienen bei Goldmann Verlag, 19.11.2012
ISBN 9783442478194
Genre: Fantasy

Rezension:

"Ich werde nicht weinen. Wenn die Last der Schuld so gewaltig ist, kann man nicht weinen. Sie legt sich kalt über einen. Für immer.Trauer fühlt sich warm an, Schuld hingegen ist von eisiger Kälte."("Die Stadt des roten Todes"| Bethany Griffin | Seite 223)
Erster Eindruck: Ein weniger innovatives, aber wirklich schönes Cover. Zweite Überlegung: Interessanter Titel, jedoch ein viel zu nichtssagender Untertitel. Dritter Gedanke: Thematisch nichts vollkommen Unbekanntes, klingt jedoch nach einer trotz allem vielversprechenden Dystopie im Zeitalter-Setting der Kutschen und Maskenbälle. Abschließender Gedankengang: Das könnte etwas werden mit uns beiden!Könnte, hätte - Der Konjunktiv hat an hierbei eine berechtigte Stellung, dennoch leider konnten Bethany Griffins erster Teil der "Red Death"-Serie und ich keine Sympathie füreinander aufbauen.
Und dies leider von Anfang an nicht. Mit  abgehackten, schmucklosen und kurz angebunden Sätzen wirft Bethany Griffin die Besucher ihrer Phantasie lieblos ins Geschehen hinein: In eine von dem "Roten Tod" verseuchte Stadt, die kein Leben in sich tragen würde, könnten sich nicht zumindest die Oberschicht der Stadt das Tragen von sauerstoffreinigenden und lebensrettenden Masken leisten. An diese grobe Informationen, die teilweise bereits im Klappentext angedeutet werden, gelangt der Leser ziemlich schnell durch die ziemlich spartanisch erklärende Gedankengänge der Ich-Erzählerin und Protagonistin Araby, die mich mit ihren eintönigen, sich meist immer wieder um dasselbe drehenden Gedanken in Windeseile zu langweilen begann.Nicht einmal ihr Erzählstil konnte den Inhalt ihrer platten Gedanken wett machen, denn dieser war ebenso platt und lieblos - Wobei von einem Erzählstil eigentlich überhaupt nicht die Rede sein kann. Anders ausgedrückt: Eine Ansammlung an Worten ohne jegliche erkennbare individuelle Note. Dabei muss man jedoch zugute halten, dass wohl genau diese Erzählweise Arabys Charakter auf den Punkt trifft: Langweilig. Flach. Oberflächlich.
Schließlich waren mir auch ihre Handlungen die meiste Zeit über suspekt. Mit einer geradezu dümmlichen Naivität, Leichtgläubigkeit und Gedankenlosigkeit läuft sie durch die Gegend, erfüllt - natürlich risikohafte und lebensgefährliche - Aufträge eines Mannes, den sie eben erst als Eindringling in ihrem Garten kennengelernt hat, obwohl dieser ihr nicht einmal seine genauen Pläne erläutert. Vielmehr scheint es ihr zu reichen, wenn sich jemand als selbsternannter Held und Retter der Stadt oder heimtückischer Revolutionär zu sehen und zu betiteln scheint. Auch die Sorgen, die sie sich um ihre angeblich beste Freundin zu macht, scheinen in den Hintergrund zu rücken, sobald einer der beiden bereits im Klappentext genannten männlichen Hauptpersonen im Umkreis von zehn Metern ist.

Selbst was die Schuldgefühle betrifft, die bereits in der Kurzbeschreibung erwähnt werden, kamen bei mir wohl nicht die gewollten Emotionen an, denn auch diese konnte ich Araby nicht abkaufen. Sie wirkte viel zu eindimensional, während sie die meiste Zeit, sobald etwas Verwunderliches, Fragwürdiges auftauchte oder passierte, ihr Wundern und ihre fragenden Gedanken, die die Geschichte womöglich hätten vorantreiben können, sofort wieder beiseiteschob und sich Belangloserem widmete. 
Sie blieb für mich einfach unantastbar, denn ich konnte mich zu keinem Zeitpunkt wirklich in sie hineinfühlen. Würde ich ihr Verhalten, ihre Gedanken und ihren Charakter der ersten Seiten mit denen der letzten vergleichen, würde ich keine erwähnenswerten Entwicklungsmerkmale finden.So oder so ähnlich verhält es sich auch mit den anderen Charakteren, die im Übrigen nicht gerade reich an Zahl sind. Einzig und allein Elliott ließ ab und an Anzeichen von Etwas aufblitzen, das man vielleicht eine Stufe höher als "flach" und "langweilig" einstufen könnte.
Insgesamt erfährt man jedoch durch die Augen von Araby sehr, sehr wenig über diese Stadt, der sogar ein Teil des Titels gewidmet wurde, oder über die Seuche, um die es zwar irgendwie die meiste Zeit zu gehen scheint, von der der Leser jedoch außer ihrem Titel und ihrer todbringenden Wirkung nicht sehr viel erfährt.Handlungsstränge ziehen sich, drehen sich im Kreis oder verharren auf der Stelle, sodass von Spannung oder Geschwindigkeit überhaupt nicht die Rede sein kann. Und auch, was vermutlich als Neugierde provozierender Cliffhanger dienen sollte, rief bei mir letztendlich nichts als Erleichterung, dieses Buch beendet zu haben, hervor. FAZIT:"Die Stadt des roten Todes" ist traurigerweise ein Beispiel dafür, dass ein schönes Cover leider nicht über einen enttäuschenden Inhalt hinwegtrösten kann. Was im Klappentext noch nach "könnte interessant werden" klang, wurde im Laufe der Seiten mangels tiefgründiger Charaktere oder einer ausgearbeiteten Handlung von nichts als Langeweile ernüchtert. Vor dem Einschlafen vielleicht ganz nett, aber wer Spannung oder ein wenig Tiefgang zu finden hofft, ist hier wohl eher an der falschen Adresse.

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(482)

1.051 Bibliotheken, 17 Leser, 6 Gruppen, 133 Rezensionen

pferde, wasserpferde, insel, liebe, fantasy

Rot wie das Meer

Maggie Stiefvater , Sandra Knuffinke , Jessika Komina
Fester Einband: 430 Seiten
Erschienen bei script5, 12.11.2012
ISBN 9783839001479
Genre: Fantasy

Rezension:

"Das Rennen ist eine Schlacht. Ein Gewirr aus Pferden und Männern und Blut. [...] Gischt in deinem Gesicht, die tödliche Magie des Novembers auf deiner Haut, Skorpio-Trommeln anstelle deines Herzschlags [...] Es ist das Leben und der Tod oder beides auf einmal und nichts ist damit vergleichbar."

["Rot wie das Meer"|Maggie Stiefvater|Seite 381]


****
... und nichts ist damit vergleichbar. Das triff es wohl exakt auf den Punkt. "Rot wie das Meer" entführte mich an einen Ort, der so skurril wie besonders, schaurig wie schön zugleich ist. Ein Ort, der sich mit rein gar nichts zu vergleichen lassen scheint.

An eben diesen Ort, Thisby genannt, lockt Maggie Stiefvater vom Beginn des ersten Satzes an ihren Leser mit geradezu betörend schönen Worten: Als wahre Künstlerin und Meisterin spielt sie mit Worten mit einer so scheinbar großen Leichtigkeit, als wäre es ein Kinderspiel, lebendige und sprühende Bilder vor das innere Auge des Lesers zu zaubern. Ihr Schreibstil strotzt in einem Moment regelrecht vor ungehaltener, sprudelnder Lebendigkeit, nur um im nächsten in eine stille, ruhevolle Melancholie zu verfallen. Es scheint fast so, als hätte Maggie Stiefvater ihren Schreibstil der Unberechenbarkeit des Meeres angepasst: Aufbrausende, brechende Wellen folgen auf gleitende, ruhegrtränkte Wogen.

Doch nicht nur das - Die von ihr geschaffene Geschichte wirkte mit einem ebenso meeresähnlichem Sog auf mich ein. So vieles trifft in "Rot wie das Meer" zusammen und kreiert ein wundervolles, farbenfrohes Meer voller verschiedenfarbiger Nuancen: Bestialische, tödliche Wasserpferde, eine kleine, bescheidene und altertümliche Insel, Leben in Tradition, Leben mit Konventionen, Heimatliebe, Abschied, jegliche Art von Verlust, Trauer, Eifersucht, Loyalität, Misstrauen und Hass und Liebe in all ihren nur erdenklichen Schattierungen.

Auf knapp 430 Seiten lässt Maggie Stiefvater einen absolut unbekannten Mythos aufleben, packt sämtliche zwischenmenschliche Beziehungen hinein und erzählt hingebungsvoll vom Leben und (Nicht-) Leben -lassen auf der beschaulichen kleinen Insel Thisby. Beim ersten "Betreten" dieser Insel erscheint Thisby mit all seinen seltsamen Bewohnern noch ziemlich befremdlich. Eigenartig erscheinen diese ungewöhnlichen Kreaturen, die Capaill Uisce (ausgesprochen: Kappl Ischke) genannt werden, und jedem außer dem Leser selbst ein Begriff zu sein scheinen.

Auch nach dem zweiten Schritt auf Thisbys Boden ist man nicht sicher, was man von dieser durch und durch absonderlichen Insel halten soll, bis... Es um einen geschieht. Bis Maggie Stiefvater dem Leser ihre literarische Hand reicht, in die Ställe des Malvern Hofes, an Thisbys Strand und in das kleine Café von Dory Maud entführt. Bis man den ersten Ritt auf einem Capaill Uisce erlebt, die Abenteuerlust einen gefangen hat und man mit Bangen, Hoffen und Zagen zugleich dem bevorstehendem Skorpio-Rennen entgegenblickt. Bis man dieser Geschichte und seinem Sog mit Haut und Haaren verfallen ist.

Mich holte an keiner - wirklich an überhaupt keiner - Stelle die Langeweile oder eine Vorstufe der Langeweile ein. Trotzdem werden auch ruhigere Töne angeschlagen, wobei sich Situationen oder Beziehungen niemals überstürzt oder unnachvollziehbar schnell entwickeln. Noch dazu zagt Stiefvater nicht mit ausführlichen, bildhaften Umschreibungen, die mich dazu veranlassten, ununterbrochen das Gefühl zu haben, ebenfalls eine Besucherin auf Thisby zu sein und aufmerksam mit gespitzten Ohren Pucks und Seans Geschichte zu lauschen, in deren Rollen Maggie Stiefvater mittels der Ich-Perspektive abwechselnd schlüpft.

Dabei werden nicht nur erwähnte beiden Protagonisten authentisch dargestellt - auch die nervigsten, boshaftesten, unnahbarsten und eigenartigsten Bewohner dieser Insel erscheinen allesamt so lebensecht, als gäbe es alle der Thisby Bewohner tatsächlich, sodass es mich schon beinahe schmerzte, von diesen am Ende des Buches Abschied nehmen zu müssen. Glücklicherweise geschieht dies jedoch nicht mit einer schlagenden Wucht, der Leser wird nicht unsaft aus dem Geschehen dieses abgeschlossenen Einzelbandes herauskatapultiert - Vielmehr endete "Rot wie das Meer" relativ offengehalten mit einem sanftem Wellenschlag, bevor ich Thisby lächelnd und weinend und bedauernd zugleich verließ.

**************************

FAZIT:
Von knapp 430 Seiten brauchte es höchstens 150, um mich in diese Geschichte mit all seinen Schrecklichkeiten und vor Schönheit strotzenden Abenteuern zugleich verliebt zu machen. Jeder, der mit pochendem Herzen den Strand Thisbys erkunden, Novemberkuchen essen und das Schlagen der Hufen eines Capaill Uisce hören möchte, sollte sich schleunigst auf den Weg nach Thisby machen, eine unvergleichliche Insel voller lebensechter Charaktere und sowohl schaurigen als auch ungeheuer schönen Absonderlichkeiten zugleich.

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(186)

390 Bibliotheken, 9 Leser, 3 Gruppen, 61 Rezensionen

unsterblichkeit, liebe, dschungel, jessica khoury, wissenschaft

Die Einzige

Jessica Khoury , Ursula Höfker
Fester Einband: 440 Seiten
Erschienen bei Arena, 02.01.2013
ISBN 9783401068695
Genre: Jugendbuch

Rezension:

"Liebe ist doch nichts anderes als ein chemischer Vorgang mit erhöhten Dopamin- und Noradrenalinwerten. Aber so wie Onkel Antonios Gesicht beim Tazen strahlt... Ich frage mich, wie sich das wohl anfühlt.
Sich für kurze Zeit von den Romantik-Chemikalien leiten zu lassen."
("Die Einzige- In deinen Augen die Unendlichkeit | Jessica Khoury | Seite 66)
******
Mit einem überaus interessantem, aus der Masse stechendem Cover und einem neugierig machendem Klappentext, der zwar nicht sofort den Blitzgedanken "Das-muss-ich-lesen!" hervorruft, jedoch einen kleinen Hoffnungsschimmer auf einen guten Plot samt toller Idee wachweckt, hatte mich "Die Einzige- In deinen Augen die Unsterblichkeit" becirct. Eben genannter Hoffnungsschimmer blieb auch während des Lesens. Blieb, und blieb... und nicht erfüllt. Leider.
*
Zunächst wäre da Jessica Khourys Schreibstil, der sich wunderbar in die Kategorien "knapp", "schlicht" und "angenehm" einstufen lässt - An sich nichts Besonderes oder vom Hocker Reißendes, jedoch angnehm zu lesen und alles andere als für den Lesefluss störend. Ab und an wird man sogar von schönen, malerischen Umschreibungen überrascht, die die Gefühle der Protagonistin und Ich-Erzählerin Pia perfekt und treffend auf den Punkt bringen. Wären da nicht diese ständigen Wiederholungen und langatmigen Ausführungen von Pias Gedankengängen: Ständig wird ihr Gefühlschaos, ihre Hin- und Hergerissenheit zwischen Vernunft und Herz, Wissenschaft und Gefühle beschrieben. Ständig wechselt ihr Gemütszustand zwischen abgrundtiefen Zweifel und wilder Entschlossenheit- was ja okay wäre, wenn dies nicht so oft und immer und immer wieder der Fall sein würde.
*
Dies ließ die Seiten für mich nicht nur zäh wie ein Kaugummi erscheinen, sondern auch Hauptfigur Pia in meinen Augen nicht unbedingt in ein besseres Licht rücken. Von Anfang an erschien sie mir ein wenig flach und konturlos, aber "was noch nicht ist, kann ja noch werden", dachte ich und wurde beinahe bis zum Ende enttäuscht. Nicht nur Protagonistin Pia, sondern auch ihr Angeschmachteter Eio oder sonstige Nebencharaktere erschienen mir bis zum Ende hin nichts als blass. Blass und uninteressant, denn schon bald war ich an einem Punkt, an dem mich der Werdegang der Charaktere überhaupt nicht mehr interessierte oder reizte.
*
Selbst die bereits im Klappentext angekündigte Liebesgeschichte konnte mich alles andere als überzeugen, ich würde sie sogar als wohl das größte Manko an Jessica Khourys Debüt bezeichnen: Unrealistisch, voreilig und überhaupt nicht nachvollziehbar entwickelt sich diese aus heiterem Himmel und mag zwar mit ab und an romantischen Dialogen verlocken, wirkte aber bis zum Ende hin für mich einfach nicht echt oder gar nahegehend.
Abgesehen davon, dass sich dem Leser ziemlich schnell Vermutungen aufdrängen, wer denn nun hier der wahre Bösewicht ist und der Rest sich nur darum dreht, dass auch Pia dies endlich herausfindet und versteht, sind selbst diese Bösewichte in meinen Augen nicht gut ausgearbeitet, ohne nachvollziehbare Motive und schwarz-weiß gemalt.
Einzig und allein wenige, eher unbedeutendere Nebencharaktere schafften es, mich von sich und ihren Handlungen zu überzeugen.
*
Auch wenn ich mich oft aufraffen musste, um Seite um Seite weiterzublättern, einige Passagen als zu uninteressant oder langatmig empfand, um wirklich gebannt an den Seiten zu kleben und ich die Handlung - oder vielmehr die Idee an sich - als recht einfach gestrickt bezeichnen würde, weiß es Jessica Khoury dennoch, ihre Geschichte und Grundidee gut in Szene zu setzen, das muss man ihr lassen. Denn das Mysterium um Pias Unsterblichkeit und um Elysia weiß sehr wohl den Leser zu fesseln und - im Gegensatz zu den Charakteren - neugierig zu machen. Da es sich um einen Einzelband handelt, werden alle Geheimnisse nach und nach gelüftet und auch wenn mich diese nicht wirklich schockieren oder atemlos zurücklassen konnten, war ich überaus überrascht von dem gut gelöstem, alles andere als vorhersehbarem Ende, das Jessica Khoury eingefädelt hatte und mit dem sie mich in der Tat wirklich überzeugen konnte. Zu Ende hin schlägt die Geschichte ganz andere Töne und und vor allem den Epilog empfand ich als gelungen und überraschend glaubhaft und schlüssig.

*******
FAZIT:

Eine einfach gestrickte Grundidee, die Jessica Khoury weiß, in Szene zu setzen und bis auf Langatmigkeiten weitgehend überzeugt. Flache und blasse Charaktere und eine weniger überzeugende Liebesgeschichte sorgen jedoch dafür, dass ich ungerne zurück in Pias Dschungel und das Wissenschaftler Camp Little Cam reisen würde. Ein gelunges, schlüssiges und abgerundetes Ende dieses Einzelbandes kann mich dennoch über die vielen Schwächen nicht hinwegtrösten, verhilft diesem Werk jedoch zu knappen 3 Sternen. 

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(618)

1.002 Bibliotheken, 16 Leser, 10 Gruppen, 149 Rezensionen

dystopie, liebe, fraktionen, tris, ferox

Die Bestimmung - Tödliche Wahrheit

Veronica Roth , Petra Koob-Pawis
Fester Einband: 450 Seiten
Erschienen bei cbt, 10.12.2012
ISBN 9783570161562
Genre: Jugendbuch

Rezension:

"Ich beschließe, das T-Shirt zu behalten, damit es mich daran erinnert, wieso ich mich für die Ferox entschieden habe.
Nicht, weil sie perfekt sind, sondern weil sie so voller Leben sind. Weil sie frei sind."
("Die Bestimmung-Tödliche Wahrheit"|Veronica Roth|Seite 274)

***

Es lässt sich kaum in Worte fassen, mit welch unfassbar großen Freude ich dem Erscheinen dieses zweiten Bandes entgegengeblickt habe: So sehr habe ich mich auf ein Wiedersehen mit der unwahrscheinlich authentischen, fehlerbehafteten Tris, ihrem Bruder Caleb, dem undurchschaubarem Four und mit allen anderen möglicherweise noch so unwichtigen Nebencharakteren gefreut, habe über weitere Handlungsläufe spekuliert und jenem Erscheinungstag im Dezember entgegengefiebert. Schließlich konnte die Fortsetzung eines solch gelungenen, atemberaubenden ersten Bandes doch nur auf ebenbürtige Weise überzeugen, oder? ... Eigentlich.
*
Denn, um es vorweg zu nehmen: Ich war während und bin nun nach dem Lesen zugegebenermaßen ein wenig enttäuscht. Viele Dinge führten dazu, dass "Die Bestimmung 02" im starken Gegensatz zu seinem Vorgänger für mich zu keinem Pageturner wurde. Alles andere als das, nicht selten musste ich mich im übertragenen Sinne selbst anstupsen und dazu aufraffen, die Seiten zu umblättern.
*
Dabei fing alles noch so vielversprechend an und zumindest in einem Punkt konnte mich diese Fortsetzung ebenfalls auf voller Linie überzeugen: Die Charaktere. Egal ob Tris, Tobias, Marcus, Peter oder sonstige aus Band 1 bekannte Gesichter - Sie scheinen allesamt noch dieselben geblieben zu sein, überzeugen durch ihre Ecken und Kanten, durch Fehler und Egoismus, durch Handlungen, für die man sie ohrfeigen und Worte, für die man ihnen um den Hals fallen könnte. Einzige Ausnahme bildet Tobias, der für mich jedoch bereits in Band 1 ein wenig unnahbar und undurchschaubar blieb. Dies hat sich auch nach Beenden dieses zweiten Bandes nicht geändert, er ist mir noch immer ein wenig suspekt, sodass ich stets mit einem etwas skeptischen Blick auf ihn schaue - was natürlich zwingend nichts Schlechtes bedeuten muss, denn undurchschaubare Charaktere sind gleichzusetzen mit interessanten Charakteren, doch in diesem Falle ist und bleibt Tobias nicht gerade die Person mit den meisten Sympathiepunkten meinerseits.
Tatsächlich scheint Veronica Roth es meiner Meinung nach im Großen und Ganzen jedoch erneut bewiesen zu haben, dass sie ihre Charaktere bis ins kleinste Detail kennt, ausgestattet und geschliffen hat. Das Produkt ihrer - höchstwahrscheinlich - langen Ausfeilarbeit kann ihre Leserschaft nun auch in Band 2 bestaunen: Vor Authentizität strotzende, greifbare Charaktere, die den Lesern Sympathie, Mitleid, Wut, Herzklopfen bis hin zu Hassgefühlen entlocken. Folglich führte zumindest dieser riesengroße Pluspunkt, den ich bereits an Band 1 hochgelobt habe, zu einem emotional mitreißendem Leseerlebnis.
*

Auch Veronica Roth' Schreibstil scheint ganz der Alte geblieben zu sein: Einfach, beinahe spartanisch, aber dennoch treffend und zur Ich-Erzählerin, Tris, durchaus passend. Ein Schreibstil, bei dem sich der Leser pudelwohl fühlt, gleichzeitig jedoch nicht von bildmalerischen Ausdrücken umgehauen wird.
Doch bei dem negativer Aspekt, welcher dazu fürht, dass Band 2 in meinen Augen auf der Wettstrecke mit Band 1 stark zurückgeworfen wird, handelt es sich um die Handlung an sich, die in meinen Augen ein wenig in dramatischen Kampfszenen verpackt in Wirklichkeit einfach nur vor sich hinplätschert. Von dem geradezu furiosem Spannungsreichtum, den ich von "Die Bestimmung 01" gewohnt war, war keine Spur. Stattdessen erschien mir alles einfach nur ein andauerndes Hin- und Her, welches vor allem von Tris' Unentschlossenheit, wem oder was sie sich nun anschließen sollte, herrührte. Auch wenn ich nicht die Erste bin, die bei Büchern stets nach Spannung und Action schreit und mich auch gerne von einer ruhigeren Handlung überzeugen lasse, empfand ich den Handlungsverlauf als vergleichsweise lasch, wobei ich zugeben muss, dass es mir wiederum sehr gut gefiel, wie Veronica Roth in diesem Band mehr Wert auf Tris Innenleben, insbesondere ihre innere Zerrissenheit, die vor allem von einer Unmenge von Schuldgefühlen herrührt, Wert legt.
*
Allerdings darf dies auf keinen Fall falsch verstanden werden: Auch Band 2 hält seine spannenden, mitreißenden Szenen bereit, die auch mich atemlos zurückließen. Doch mit dem geradezu phänomenalem Vorgänger im Hinterkopf erreicht diese Fortsetzung in meinen Augen lediglich einen Daumen hoch ohne überschwänglichen Applaus. - Darüber kann ein zugegebenermaßen noch so packendes Ende leider nicht hinwegtrösten.
***
FAZIT:

Band 2 der "Bestimmung"-Reihe konnte für mich leider keinen Nachbarplatz auf dem Podest neben seinem Vorgänger ergattern. Während die Fortsetzung mit nach wie vor authentischen Charakteren, die es schaffen, sowohl Liebe als auch Wut beim Leser zu provozieren, überzeugt, enttäuscht sie durch eine eher schwächere Handlung und gesunkenen Spannungsgehalt.
Wer seine Erwartungen nach dem phänomenalem Auftakt der Reihe jedoch ein klein wenig zurückschraubt, kann sich dennoch auf ein lohnenswertes Leseerlebnis freuen, das Lust auf Band 3 macht.

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(983)

2.030 Bibliotheken, 29 Leser, 11 Gruppen, 198 Rezensionen

dystopie, verrat, zukunft, ursula poznanski, jugendbuch

Die Verratenen

Ursula Poznanski
Fester Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Loewe, 09.10.2012
ISBN 9783785575468
Genre: Jugendbuch

Rezension:

"Er hat mich nicht aufgegeben. Er bittet mich zu kämpfen, mit den Waffen, die er für mich geschärft hat: meinen Worten."
["Die Verratenen"|Ursula Poznanski|Seite 129]

***


"Die Verratenen" sollte mein erster Roman aus der Feder von Ursula Poznanski werden. Der Klappentext versprach eine spannende Dystopie, obgleich er nicht viele Einzelheiten verriet und auf den ersten Blick von einer zwar interessanten, jedoch nicht völlig neuartigen Idee sprach. So kam es, dass ich mich zwar neugierig und hoffnungsvoll, jedoch ein wenig erwartungslos an die ersten Seite dieses Romans machte und schon bald mein blaues Wunder erleben sollte.
*
Ursula Poznanski wirft ihren Leser schonungslos und ohne Umschweife ab der ersten Seite mitten ins Geschehen, mitten in eine dem Leser völlig unbekannte, futuristische Welt, durch welche er mit der Protagonistin und Ich-Erzählerin Ria schreitet. Eine Welt, in der es künstlich erzeugtes Leben, Technik und allerlei Regeln en masse gibt. Ein Leben unter einer Kuppel, die sogenannten Sphären bilden, nach deren Regierung und Vorschriften alle Studenten der Akademie und so auch Ria ihr Leben, ihre Aufgabe und Bestimmung in der Hoffnung richten, später einmal eine Veränderung herbeiführen zu können, denn diese zukünftige Welt birgt ihre Schattenseiten: Nicht alle Menschen genießen den Schutz der Sphären, es gibt auch sogenannte Außenbewohner, die um ihr Leben zu kämpfen haben.
*
Mit ausschweifenden Erklärungen, die es dem Leser einfach machen würden, einen besseren Einstieg in diese ihm unbekannte zukünftige Welt und das ihm alles andere als vertraute System zu finden, wird mehr als nur gespart. Stattdessen scheint Frau Poznanski vielmehr darauf bedacht, den Leser ihr aufgestelltes Zukunftsszenario eigenständig entdecken, erkunden und ohne Vorkauerei verstehen zu lassen, indem Ich-Erzählerin Ria nur ab und zu bruchstückhafte Erklärungen fallen lässt und für so manche Aha-Effekte sorgt.
*
Was schwierig und anstrengend klingen mag, entpuppte sich für mich schon bald als erstaunlich gelungen und wirkungsvoll - Denn tatsächlich schafft es die Autorin, den Leser gekonnt in eine Welt zu schmeißen, aus der dieser durch Verhaltensweisen oder Bemerkungen mancher Charaktere und durch Beobachtungen von Seite zu Seite etwas schlauer wird, wobei bis zur letzten Seite Fragen über vergangene Gründe für das Entstehen dieses Systems offen oder Bedeutungen bestimmter für die Charaktere scheinbar selbstverständliche Begriffe unklar bleiben.
*
Diese leichte Rätselhaftigkeit schlägt sich nach und nach auch auf die Charaktere nieder. Gekonnt werden Rias Vermutungen und Gedankengänge oder bestimmte Ereignisse so in Szene gerückt, dass man sich als Leser nie sicher ist, wer denn nun hier der fiese Bösewicht ist. Handelt sich alles nur um eine Intrige? Führt dieser Charakter in Wirklichkeit womöglich etwas ganz anderes im Schilde? Oder wir diese Intrige von denjenigen nur gesponnen, weil die Intrige möglicherweise gleichzeitig ebenfalls eine Intrige ist...? Nicht lange und ich war völlig ahnungslos, hatte tatsächlich keinen blassen Schimmer mehr, wer denn nun hier die Fäden in der Hand hält.
Ständig wirft der Leser zuvor gebildete Meinungen über bestimmte Charakter über Bord und wird zu einer pausenlosen Neueinschätzung gezwungen, doch natürlich ist dies von der Autorin alles beabsichtigt: Ebenso wie Ria findet man sich als Leser schon bald in einer völlig orientierungslosen Ahnungslosigkeit vor, die einen dazu bringt, alles und jedes Lächeln eines Charakters anzuzweifeln oder anders zu deuten.
*
Dies hinderte mich jedoch nicht daran, Sympathien für bestimmte Charaktere zu entwickeln. Allen voran für Protagonistin Ria, die sehr authentisch wirkt und anders als viele anderen Protagonisten anderer Bücher ab und an auch weniger tugendhafte, jedoch menschliche Seiten ihres Charakters durchscheinen lässt. Auch die anderen Charaktere werden durch ihre individuellen Fähigkeiten und Ausbildungen, die sie an ihrer Akademie erhalten oder ihre bereits erwähnte Undurchschaubarkeit, die das Ganze nur noch spannender machte, sehr interessant.
*
Auch wenn dieses von der Autorin konstruierte zukünftige System, welches hier und da vage an andere Bruchstücke aus anderen Dystopien erinnern mag - jedoch so manche bisher ungelesene, unbekanntere Ideen bereithält -, nichts Neues sein mag, wurde von ihr hier eine Geschichte geschaffen, die an Spannungsgehalt wohl kaum zu übertreffen ist.
Eine solch packende, mitreißende und bis zur letzten Seite spannungsgeladene Handlung kenne ich eigentlich bisher nur von - in meinen Augen - dem Meister der Spannung, James Dashner. Schon bald war es bei dieser Geschichte um mich genauso geschehen: Ein regelrechter Drang, der einen zwingt, Seite um Seite zu umblättern und die Leseraugen förmlich auf dem Papier kleben lassen, befiel mich schon bald und ehe ich mich's versah war dieses wunderbare, atemlos machende Werk bereits mit vielen offengelassenen Rätseln beendet, die hoffentlich schon bald in den beiden Folgebänder der geplanten Trilogie gelöst werden können.
*********

FAZIT:
Auch wenn "Die Verratenen" in einigen Punkten keine völlig neuen, unbekannten Töne anschlägt, überrascht es in vielen Details mit Ideenreichtum und überzeugt durch eine enorm mitreißende Spannungsgeladenheiten, die ich nur selten zu lesen bekommen habe und diesen Roman zu einem fabelhaften Pageturner voller undurchschaubaren Charaktere und Rätsel machen. Definitiv ein Roman mit Jahreshighlight-Potenzial! Lesen, lesen, lesen! Unbedingt.

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276 Bibliotheken, 5 Leser, 4 Gruppen, 73 Rezensionen

alaska, märchen, schnee, liebe, winter

Das Schneemädchen

Eowyn Ivey , Margarete Längsfeld , Claudia Arlinghaus , Martina Tichy
Fester Einband: 464 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Kindler, 21.09.2012
ISBN 9783463406213
Genre: Romane

Rezension:

"Dieses Mal wollte sie in ihrer Liebe nicht nachlassen, nicht einen Moment lang.

Sie wollte wachsam bleiben und wünschen und glauben. Bitte, Kind. Bitte, Kind.

Bitte, verlass uns nicht."

["Das Schneemädchen"|Eowyn Ivey|Seite 188]

***
Allein der Titel lässt Wundervolles vermuten und sämtliche märchenhafte Vorstellungen vor dem inneren Leseauge aufkeimen: Eine märchengleiche, jedoch modernisierte und in den Kälten Alaskas angesiedelte Erzählung, die früheres Märchenmaterial in neuem Kontext in frostig schöner Winteratmosphäre verpackt. Kurz gesagt, versprach ich mir ein herzerwärmendes und dennoch glaubhaftes Märchenabenteuer, das es zustande bringt, die geheimnisvolle Stimmung des Winters ein wenig einzufangen.
*
Einmal in "Das Schneemädchen" versunken, wird schnell klar, dass Eowyn Ivey kein regenbogen-malerisches Märchen erschaffen hat, in dem jedem Tag die Sonne scheint und für jedes Problem ein Wunder herbeigezaubert wird: Nein, Eowyn Ivey, in der Rolle des personalen Erzählers, stellt den Leser an die Seite von Jack und Mabel, ein Ehepaar mittleren Alters, das sich in die schneeverhangenen, kräfteaufreibenden Tiefen Alaskas zurückgezogen hat und aufgrund ihres unerfüllten Kinderwunsches von aufzehrender Einsamkeit heimgesucht werden und jeden Tag mehr oder minder in den Kälten ums nackte Überleben zu kämpfen haben.
*
Nach und nach ist es einem erlaubt, in Mabels und Jacks Eigenheiten, Wünsche, Träume und Ängste nähere Einblicke zu erhaschen. Mit steigender Seitenanzahl lernt man nicht nur die verträumte, ruhige und fleißige Mabel kennen, die jedoch innerlich von dem alleseinnehmendem Wunsch nach einem Kind brennt, sondern beginnt auch Gründe für Jacks manchmal auftretende scheinbare Verschwiegenheit oder Unsensibilität zu verstehen.
*
Während der Leser die beiden auf ihrem Alltag auf dem einsamen Hof mitten in Alaska begleitet, sie bei ihren täglichen Arbeiten und bei ihrem verstecktem Kampf ums Überleben beobachtet, lernt man beide dieses grundverschiedenen Ehepaars nicht nur besser kennen, sondern auch allmählich lieben: Ob Mabels Ehrlichkeit, Jacks versteckte Gutmütigkeit oder ihr alleseinnehmbender Wunsch nach einem Kind, das ihrer Einsamkeit ein Ende bereitet - Beide Charaktere werden über die Seiten hinweg zunehmend greifbarer, zeigen nicht selten Makel oder Fehler, die von ihrer unvollkommenen Menschlichkeit zeugen und sie einfach unheimlich sympathisch werden lassen.
*
Auch als das geheimnisvolle Schneemädchen, das bereits im Klappentext erwähnt wird, erstmals auftaucht, zeigen die beiden immer mehr beeindruckend menschliche und vielfältige Facetten, die es ermöglichen, dass die beiden dem Leser in Windeseile ans Herz wachsen und dieser gemeinsam mit Mabel und Jack versucht, hinter das Geheimnis des mysteriösen Schneemädchens zu gleangen, das in den Wäldern um Jack und Mabels Hof plötzlich in Begleitung eines Fuchses umherwandert.
*
Schon bald mischen sich neben Mabel und Jack andere Charaktere ins Gesamtbild, die zwar nicht reich an Zahl, jedoch dafür an Charakterstärke sind. Zweifelsohne beweist Eowyn Ivey auf jeder einzelnen Seite von "Das Schneemädchen", dass ihre herausragende und besondere Stärke eindeutig in der Charakterzeichnung liegt. Tatsächlich schaffen es Mabel, Jack und die anderen Charaktere - , welche zu bedeutsam sind ich zu lieb gewonnen habe, um sie als "Nebencharaktere" bezeichnen zu können- die meisten Figuren anderer Bücher schamlos in den Schatten zu stellen.
Ich hege den leisen Verdacht, dass meine Kritik an anderen Charakteren zukünftiger Bücher nach Jack, Mabel und Co. härter ausfallen wird, denn eins steht mit ziemlich großer Sicherheit fest: Wer "Das Schneemädchen" liest, wird sich ziemlich schnell Hals über Kopf in seine Charaktere verlieben.
*
Hinzu kommt Eowyn Iveys wunderbarer, tatsächlich märchengleicher Schreibstil, der es mir ermöglichte, jedes Wort, jeden umschriebenen Gedanken oder jedes Gefühl sofort abzuverkaufen und aufnehmen zu können. Dabei schafft sie es, Situationen so treffend und dennoch mit wenigen, jedoch wirkungsvollen Worten einzufangen, dass ich mir am liebsten mindestens alle 5 Seiten ein Notizbuch geschnappt und ein wunderschön treffendes Zitat herausgeschrieben hätte.
*
Diese Tatsache vermischt mit der bereits erwähnten unübertrefflichen Charakterzeichnung sollte in der Gleichung eigentlich die volle Punktzahl inklusive vieler imaginärer Herzchen ergeben. Jedoch gab es für mich vor allem zu Anfang und vordere Mitte des Buches einen kleinen Kritikpunkt: Besonders zu erwähnten Zeitpunkten zog sich die Handlung für meinen Geschmack etwas zu sehr in die Länge. Viele unwichtigere Handlungsstränge wurden detailreich beschrieben, das Mysterium um das Schneemädchen blieb lange Zeit ein undurschaubares, schwarzes Rätsel.
Erst zur Mitte hin gewann die Hanldung schlagartig an Fahrt, behielt jedoch ihren märchengleichen - ein Pluspunkt- Charakter bei. Auch wenn mir die Idee des Endes nicht ganz zusagen konnte, empfand ich die Gestaltung und das, was Eowyn Ivey daraus zauberte, dafür umso gelungener, sodass es Mrs. Ivey letztendlich in meinen Augen und für mich schaffte, ihre wundersame Geschichte in einem emotionalem, bittersüßen Ende mit herzschmerzbereitendem, melancholischem Ende ausklingen zu lassen.
***
"Doch man musste Wunder nicht verstehen, um an sie glauben zu können, und mittlerweile hegte Mabel den Verdacht, dass es sich damit gerade umgekehrt verhielt.

Wer glauben wollte, musste vielleicht aufhören, nach Erklärungen zu suchen, und stattdessen das kleine Etwas in Händen halten, solange es ging, bis es zwische den Fingern zu Wasser zerrann."

["Das Schneemädchen"|Eowyn Ivey|Seite 247]
***************
FAZIT:
"Das Schneemädchen" von Eowyn Ivey ist eine Geschichte, die ihre Stärken in einer wunderbaren Charakterzeichnung und einem atmosphärischem Schreibstil findet - Eine Geschichte, welche es trotz kleiner Schwächen schafft, den Leser in die Kälten Alaskas zu entführen, ihn frösteln zu lassen und gleichzeitig sein Herz zu erwärmen. Ein bittersüßes Märchen, das man nur empfehlen kann.

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98 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 22 Rezensionen

iran, liebe, zwangsehe, teheran, gefühle

Halva, meine Süße

Ellen Alpsten , Tina Kraus
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Coppenrath, F, 01.08.2012
ISBN 9783649605980
Genre: Jugendbuch

Rezension:

" >>Weißt du, was, Mudi? Wir haben verdammtes Glück<<, sagte sie plötzlich.
>>Warum?<<
Mudi kramte in seinem Geldbeutel nach seiner Monatskarte.
>>Weil wir zwei Welten angehören dürfen. Ich konnte mir lange nicht vorstellen, dass das geht.<< "
("Halva, meine Süße"/Ellen Alpsten/Seite77)

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Ein heftiger Aufprall zweier weltverschiedenen Kulturen, die Frage nach der eigenen Identität und mittendrin eine Liebe, die vergeblich versucht, die steinige, jahrhundertealte Kluft von Tradition, Glauben und Ehrgefühl zu überwinden. Genau das waren meine zugegebenermaßen hohen Erwartungen an "Halva, meine Süße", dessen Titel schon auf zweideutige Weise Wunderbares erahnen und aufgrund des Klappentext eine indirekte Reise in die familiären Weltanschauungen und Verhältnisse des Irans vermuten lässt.
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Ellen Alpsten führt ihre Leser mit einem schleichten, ungeschmücktem und Jugendbuch-gerechtem Schreibstil in Halvas und Kais Alltagsleben ein. Komplizierte Satzgefüge oder aufwendig gestaltete, mit Stilmitteln behaftete Verzierungen werden hier vergeblich gesucht, was für mich kein Störfaktor darstellte, sondern vielmehr auf angebrachte Weise das Alter der beiden Protagonisten untermalte. Während mir dieser eigentlich ungezwungen und natürlich wirkende Schreibstil zunächst noch zusagte, machte er auf den ersten 20 Seiten zunehmend einen etwas abgehackten, staccato ähnlichen Eindruck auf mich. So mancher Satz schien etwas lieblos und unbedacht gesetzt, die Erzählstruktur etwas zu schlicht und ungeschmückt, was mir den Anstieg in die Geschichte um einiges erschwerte.
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Jedoch änderte sich dies mit der wachsenden Anzahl der umgeblätterten Seiten und nach und nach konnte mich Ellen Alpsten mit dieser ungezwungenen und natürlichen Erzählweise, die sehr gut zu den Protagonisten Kai und Halva, aus deren Perspektiven in der Gestalt eines personalen Erzählers abwechselnd berichtet wird, passte, nicht nur überzeugen, sondern überraschte mich hin und wieder sogar mit wunderschön gewählten, teilweise malerischen Be- und Umschreibungen, die Kais oder Halvas Gedanken- und Gefühlsregungen bis in mein Leserherz transportieren konnten. Dieser realistische und schlichte Schreibstil gepaart mit gefühlvollen Ausführungen lässt einen ungehinderten Lesefluss entstehen, der sich nach einem holprigen Anfang durch das gesamte Buch hinweg durchzieht.
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Gleich zu Beginn wird der Leser in eine Art Zeitrückblende geworfen und bekommt nicht nur einen erstmaligen, eindrucksvollen Einblick in die Atmosphäre des Irans, sondern bringt als stiller Beobachter auch Dinge in Erfahrung, die den Protagonisten zunächst selbst während des Handlungsverlaufes lange verborgen bleiben. Die Tatsache, dass der Leser zunächst sowohl Halva als auch Kai in dieser Hinsicht um einiges voraus ist, ist für den Spannungsbogen - wie man möglicherweise vermuten würde - nicht von Nachteil. Im Gegenteil, mit dieser schrecklichen Vorahnung, von der man von den ersten Seiten an geplagt ist, ist man als Leser dazu gezwungen, zu beobachten, wie die zunächst noch ahnungslosen Protagonisten aus zwei völlig andersartigen, abweichenden Kulturen mit einem Lächeln auf dem Gesicht und Schmetterlingen im Bauch geradewegs auf ihr hoffnungsloses und zwiegespaltenes Unglück zusteuern.
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Dennoch bleibt auch dem Leser im Laufe der Handlung so einiges verborgen, sodass dieser erst nach und nach Geheimnisse der Familie Mansouri lüftet, Spekulationen und Vermutungen verwerfen muss, Intrigen aufdeckt und schließlich die Fassade eines so manchen Nebencharakters durchblickt, um somit sein Bild von "Gut" und "Böse" völlig neu zu ordnen- Wobei das nicht ganz stimmt, denn Ellen Alpsten vollbringt in "Halva, meine Süße" etwas, was nur sehr wenige Autoren von sich behaupten können, von denen ich jedoch wünschte, sie wären reicher an Zahl: Denn "gute" und "böse" Charaktere gibt es in "Halva, meine Süße" schlicht und einfach nicht.
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Ellen Alpsten hat keine Charaktere geschaffen, in die in Schwarz-Weiß-Konturen gehalten sind, konstruiert und gesteuert wirken. Ganz im Gegenteil, vielmehr trifft man als Leser dieses Werkes auf Charaktere, die aufgrund ihres bisherigen Lebensweges, der sich dem Lesenden nach und nach ein klein wenig offenbaren mag, und ihren Erfahrungen in ihrer Lebenseinstellung, ihren Anschauungen und Gefühlen geprägt und teilweise sogar gebrandmarkt wurden. Charaktere, die ihre Handlungen nicht aufgrund eines von dem Schrifsteller angehefteten Titels "Bösewicht" oder sonstigen Typisierungen vollziehen, sondern ebenso menschlich, nachvollziehbar, fehlerhaft, naiv und böse handeln wie wir selbst. Kurzum: Charaktere mit vielen, vielen Schattierungen und Facetten, die Dinge tun, für die man sich als mitleidenden Leser kurzerhand verwünschen und doch ein wenig verstehen könnte, gleichgültig ob Halvas Tante Miryam, Raya, Cyrus, Mudi, Kais Vater oder wer auch immer. Allesamt konnten sie mich in ihrer Ausarbeitung, Darstellung und Handlungsweise vollends überzeugen.
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Einzig und allein eine Tatsachte verursachte meinem durchweg positiven Bild der Charaktere gleich zu Anfang einen Bruch. Noch dazu dies in einem für mich bei einem liebesgetränktem Jugendbuch elementaren Punkt: Die Liebesgeschichte zwischen Kai und Halva, oder vielmehr: Ihr Beginn. Halvas und Kais Gefühle entwickelten sich für meinen Geschmack einfach in einem rasendem, viel zu eiligem Tempo. Nicht nur, dass es sich bei ihrem Kennenlernen auf eine sofortige gegenseitige Faszination beschränkte, nein, denn der Aspekt "Liebe auf den ersten Blick" wird hier definitiv zu stark für mich verfolgt. Ein wenig Zurückhaltung und Zügelung hätte es meiner Ansicht nach bedurft, um damit meine ansonsten rein positive Meinung zu der Liebesgeschichte zwischen den beiden zu perfektionieren, denn ansonsten lässt sich Halvas und Kais Beziehung nur so beschreiben: Mitreißend, herzschmerz-quälend, sehnsuchtsvoll, intensiv und hoffnungslos.
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Eben diese Gefühlsregungen, die beim Leser im Laufe der knapp 350 Seiten ausgelöst werden und ständig zwischen Hoffnungslosigkeit, Sehnsucht, Schmetterlingsflattern und Herzklopfen schwanken, setzen sich bis zum Ende hin zu einer Art atmosphärisch begleitenden Grundstimmung durch. Während man als Leser Kai und Halvas innerlichen Kämpfe, ihrer Gefühlsunterdrückung in dem zerreißendem Zwiespalt, in dem sich vor allem Halva befindet, beobachtet, entwischt einem als Leser immer wieder ein mitfühlendes Seufzen.
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Trotz dessen aber schafft es Ellen Alpsten durch die zuvor bereits erwähnte Charakterzeichnung, dass man als Leser zwar über jedes Hindernis, das Halvas und Kais Liebe in den Weg gelegt wird, gequält seufzt, jedoch weder Kais voruteilenden Vater, Halvas Eltern, ihren Bruder Mudi, noch die fest in Halvas Familie haftenden, grundverschiedenen Traditionen oder das Ehrgefühl der Familie gegenüber iherer Heimat, dem Iran, in dem noch immer ihre Herzen zu wohnen scheinen, zu verurteilt. In einem Strudel aus Verantwortungsgefühl, Ehre und Liebe verstricken sich die Protagonisten in einem Gewirr, das ebenso hoffnungslos erscheint, wie es die Grundstimmung des Buches von vornherein ausdrück, sodass man als stiller, hilfloser Beobachter die Charaktere auf eine innere Achterbahnfahrt der Gefühle begleitet, die ihn zwar emotional mitnimmt, aber dennoch dazu drängt, Seite um Seite umzublättern und sich erneut der schwindelerregenden Achterbahnfahrt zu stellen.
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Mit mitfühlendem, bedauerndem Gesichtsausdruck beobachtet man schließlich als Leser die ganze Zeit hindurch Halvas und Kais Kampf um eine Liebe, die unaufhörlich eine noch größere Distanz als die zwischen Halvas und Kais Heimatländern zu überwinden versucht, und von der man bis zur letzten Seite hofft, dass sie als Sieger das Feld verlassen wird.
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"Unwillkürlich musste Halva an ihre Großmutter denken, die bei ihrem Abschied all ihre Gefühle in die Halva gelegt hatte.
Lakritz: So schwart wie meine Stimmung, wenn ich daran denke, dass ihr geht, aber so glänzend wie deine Zukunft in dem fremden Land. So bitter wie meine Tränen bei unserem Abschied, aber süß wie meine Hoffnung für dich."

("Halva, meine Süße"/Ellen Alpsten/Seite107)
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FAZIT:
"Halva, meine Süße" konnte meine hoch angesetzten Erwartungen bis in den letzten Winkel erfüllen und mich trotz kleiner Anfangsschwierigkeiten auf eine intensive, wechselhafte Gefühlsreise mitnehmen, die von Verantwortungsgefühl, Ehre, Familie, Freundschaft, Liebe und Tradition erzählt, und mich nach der letzten Seite mit einem sehnsuchtsvollem Seufzen, der Hoffnung auf das baldige Erscheinen einer (hoffentlich geplanten) Fortsetzung und dem Appetit darauf, das iranische Süßgebäck namens Halva unbedingt einmal auszuprobieren, zurücklassen.
(Wertung: 4.5/5 Sternen)

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