Lizzy_Curse

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104 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 36 Rezensionen

fantasy, märchen, fluch, krieg, gift

The Sleeping Prince - Tödlicher Fluch

Melinda Salisbury , A. M. Grünewald
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei bloomoon, 15.02.2017
ISBN 9783845817941
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Errin ist Herbalistin und hütet das Geheimnis ihrer Mutter. Sie schlägt sich mit dem Verkauf von Tränken durch und versucht, die Krankheit, die ihre Mutter zu einer Bestie werden lässt, im Zaun zu halten. Doch der schlafende Prinz ist erwacht und das Dörfchen, in dem sie wohnt wird evakuiert. Doch da ist auch noch Silas, ein Kunde, der sein Gesicht immer vor ihr verbirgt...

Nachdem ich den ersten Band der Reihe zwar interessant, jedoch durchaus ausbaufähig fand, war ich natürlich umso gespannter auf die 2. Auskopplung der Reihe. Hat die Autorin es diesmal geschafft, der Geschichte die nötige Würze zu verleihen um mich zu bannen?

Zunächst einmal war ich äußerst überrascht, als ich die erste Seite der Handlung aufschlug und Errin gegenübertrat, dem Mädchen, über das der geneigte Leser schon im ersten Band das ein oder andere Mal gestolpert ist und das er aus Leifs Erzählungen als seine Schwester kennt, die leidlich gut mit Kräutern umzugehen weiß. Die Autorin schlägt also ein neues Kapitel auf und strickt die Geschichte (jedenfalls nicht ansatzlos) weiter - was ich sehr begrüßte, da frischer Wind der Geschichte meiner Ansicht nach gut tun könnte.
Errin lernen wir als begabte Herbalistin und eine starke junge Frau kennen, die sich nach einigen Schicksalsschlägen durchs Leben schlägt. Zudem erfahren wir fast nebenbei viel über den Alltag ihres Handwerkes und das Brauen der Tränke. Der Input, den wir dadurch erhielten, brachte mir jedenfalls die Welt ein Stück näher. Das hatte der erste Band beispielsweise nicht geschafft, da er sehr auf Twylla zentriert war. Dieses buch hat mir das Gefühl gegeben, mehr über die Welt herauszufinden. Auch hat es mir viel Freude bereitet, Silas Charakter Schicht für Schicht zu entblättern. Ihn fand ich beinahe noch interessanter als Errin.
Hauptsächlich dreht sich das Buch um Errin, ihre Geschichte und ihren Kampf um das Heilmittel und um Sicherheit für ihre Mutter, was ich eine gute und ehrliche Motivation für ihr Handeln halte. Erst im letzten Drittel trifft der geneigte Leser auf alte Bekannte, die er vielleicht schon etwas früher erwartet hätte.
Und doch bin ich über einige Sachen gestolpert, vor allen Dingen über die lange Einführung in Errins Welt. Auf der einen Seite kann ich die Entscheidung der Autorin nachvollziehen, der Erläuterung von Errins Lebenswelt so viel Raum einzuräumen, da sie für den Leser ja auch greif- und erlebbar gemacht werden muss. Aber andererseits empfand ich es über weite Strecken recht langatmig und nach dem ersten Band hatte ich auf eine schnellere Entwicklung des Plots gehofft. Ihr erkennt folglich meinen Zwiespalt, oder?
Außerdem hat es bei mir an kleinen Stellen gewackelt, zum Beispiel daran, dass Silas sein Äußeres verbergen muss, und im Umhang mit tief ins Gesicht gezogener Kapuze unterwegs ist. Aber dass er dadurch nur noch mehr auffällt wie ein Kakadu in der Antarktis ist ihm gleich. Solche Dinge sind mir sauer aufgestoßen.
Im letzten Drittel gewinnt das Buch jedoch wirklich an Spannung und ich ertappte mich dabei, wie ich nicht mehr aufhören konnte zu lesen.

Alles in allem empfand ich persönlich den Band interessanter und besser als den letzten, was wohl an meiner Sympathie zu Errin und Silas lag und an den wechselnden Schauplätzen. Trotzdem stehen die vier Sterne, die ich hierfür vergebe, auf wackligen Beinen.

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170 Bibliotheken, 68 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

barcelona, carlos ruiz zafón, zafón, friedhof der vergessenen bücher, spanien

Das Labyrinth der Lichter

Carlos Ruiz Zafón , Peter Schwaar
Fester Einband: 944 Seiten
Erschienen bei S. FISCHER, 16.03.2017
ISBN 9783100022837
Genre: Romane

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16 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

pferde, bisexualität, gay romance, liebe, fehmarn

Die stille Seite der Musik

Svea Lundberg
E-Buch Text
Erschienen bei Traumtänzer-Verlag Lysander Schretzlmeier, 29.01.2017
ISBN 9783947031016
Genre: Sonstiges

Rezension:

Valentins Karriere als Pianist findet ein jähes Ende als beim einem Autounfall seine Hand zertrümmert wird. Mit der Diagnose, die ihm gestellt wird, kann er kaum Leben. Und eines steht fest. An ein Pianistenleben ist überhaupt nicht mehr zu denken. An der Ostsee, auf dem Reithof seiner Tante, will er sich von der strapaziösen Reha erholen und wieder einen klaren Kopf bekommen. Doch er hat die Rechnung ohne Flo gemacht.

Als ich den Klappentext dieses Buches las, musste ich das Buch einfach ganz lesen. Obwohl mich das Cover nicht sehr anspricht (insbesondere die obere Hälfte, da diese mir mit einem großen Schild mit der Aufschrift „Klischee“ entgegen springt), war ich guten Mutes, dass „Die Stille Seite der Musik“ in mein Beuteschema fällt. Ich hatte schon Zitate des Buches gelesen, und diese machten mich neugierig.

Alles beginnt (oder endet?) mit dem besagten Unfall. Eine Tür schließt sich, und für Tino öffnet sich zunächst keine neue, wie das Sprichwort so schön sagt. Er fällt in ein Loch und beschließt an die Ostsee zu fahren. Vielleicht können ihn die Pferde seiner Tante wieder auf andere Gedanken bringen? Vielleicht öffnet sich dort endlich eine Tür für ihn? Diese Frage, mit der er sich auseinandersetzen muss, finde ich persönlich ziemlich interessant und über die bloße, sich anbahnende Liebesgeschichte hinausgehend. Gut so, ich mag ein Pairing, um das auch eine Geschichte gestrickt ist, die nicht nur dazu dient, die Charaktere bei der ersten Gelegenheit unter die Laken schlüpfen zu lassen. Der Plot wurde hier konsequent verfolgt, wurde zum Ende hin sogar noch mal richtig spannend, aber das würde an dieser Stelle spoilern. Ich sage nur soviel, dass die Spannungsmomente eine tolle Abwechslung zum langsamen Kennenlernen der beiden Protagonisten war.
Tino weiß zu Beginn nicht wirklich wie er dem gehörlosen Flo begegnen soll, der auf dem Reiterhof arbeitet. Vorsichtig tastet er sich vor. Und gerade dieses langsame Vortasten, diese ersten Gehversuche auf neuem, stillem Terrain hat mich besonders fasziniert. Die Autorin hat sich wirklich in die Lebenswelten eines Gehörlosen hineinversetzt. Ich fand insbesondere die Zeichensprache höchst informativ und anschaulich beschrieben. Und je näher Flo und Tino sich kommen, desto mehr lernt Tino auch sein Handicap zu akzeptieren. Das ging mir persönlich schon ein bisschen nahe.

Gegen Ende hin war mir persönlich die Handlung ein wenig zu eingedampft, zu zusammengepresst. Von meiner Seite aus hätten es ruhig noch einige Seiten mehr sein können.

Alles in allem hat mich die Geschichte rund um Tino und Valentin wirklich berührt und mitgenommen. Sue zeigt auf, dass sich immer eine Tür öffnet, ganz gleich wie unerwartet sie erscheinen mag. Dafür gibt es von mir vier tolle Sterne.

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42 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 14 Rezensionen

jugendroma, fantasyroma

Henriette und der Traumdieb

Akram El-Bahay , Maximilian Meinzold
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Ueberreuter Verlag , 17.02.2017
ISBN 9783764151126
Genre: Kinderbuch

Rezension:

In diesem Jugendbuch stellt sich die Frage, ob ihr euch an jeden einzelnen eurer Träume erinnern könnt. Na, könnt ihr? Wenn nicht steckt vielleicht ein Traumdieb in eurem Kopf und stiehlt allnächtlich die schönsten Träume?
So ergeht es Henriette, die sich sonst detailliert an jeden ihrer Träume erinnern kann! Gemeinsam mit ihrem Zwillingsbruder Nick begibt sie sich auf die Suche nach Antworten und nach der diebischen Gestalt in ihren Träumen und begegnen dabei einer wunderlichen Gestalt nach der anderen.

Akram El-Bahay kenne und schätze ich von seiner Fantasytrilogie „Flammenwüste“, wo er auf eindrucksvolle Art bewiesen hat, dass er geschickt mit fantastischen Elementen umgehen kann. Aus diesem Grund war ich sehr gespannt auf seinen ersten Roman für Kinder und Jugendliche.
Ich fand leicht in die Welt der Zwillinge hinein. Sie verbringen ihre Ferien bei ihrer Großmutter und werden Zeuge eines Todesfalls. Das bannt natürlich die Aufmerksamkeit des Lesers erst mal auf die Seite und ehe ich es mich versah, war ich mitten drin in der Geschichte. Henriette und Nick könnten verschiedener nicht sein, und das wird schon auf den ersten Seiten deutlich spürbar. Ich fand die Streitereien der beiden klasse, da eben zwischen Geschwistern auch mal die Fetzen fliegen.
Der Haupthandlungsort sind Henriettes Träume, die ihr gestohlen werden. Akram hat diese sehr fantasievoll gestaltet, immer wieder verschiedene Handlungsorte verwoben, aber auch wiederkehrende Figuren auftauchen lassen, die allesamt liebenswert und erinnerungswürdig sind. Und, was für mich wichtig ist, die ganzen Träume zu einer Einheit, einer Welt verbunden haben, in denen Henriette, Nick und ihre Freunde ihre Abenteuer erleben, Freud und Leid erleben, durch den düsteren Nachtschattenwald wandern müssen und gegen Ungeheuer und Hexen bestehen müssen.
Henriettes Traumwelt mutet manchmal etwas skurril an, aber durch Akrams Schreibstil wurde selbst das abstrakte vor meinen Augen lebendig. Er beweist einmal mehr, dass er einen sehr bildhaften und einprägsamen Schreibstil besitzt. Ich lebte mit den Zwillingen in ihren Träumen, was mir persönlich großen Spaß bereitete.
Ein weiterer wichtiger Handlungsort stellte die Buchhandlung von Herrn Anobium dar, in die Henriette immer wieder zurückkehrte und somit ging auch der Bezug zur Realität nicht verloren. Für mich war es genau das richtige Maß zwischen Realität (die wichtig ist) und den Träumen (die fantastisch sind!), da ich durch die gelegentlichen Abstecher in die Buchhandlung, in die Zimmer der Geschwister oder zur wenig gemochten Tante, schätzte ich die Träume noch mehr.
Diese waren spannend und trieben die Handlung voran, bis ich das Buch auf den letzten Seiten kaum mehr aus der Hand legen konnte.
Das einzige, das ich zu bemängeln hätte, wäre die Identität des Traumdiebes, hinter die man recht schnell steigt. Da hätte ich ruhig ein bisschen länger rätseln wollen.

Alles in allem ein Buch für Kinder, Jugendliche und Junggebliebene, die das nächste traumhafte Abenteuer kaum noch erwarten können. 4,5 Sterne für den wundervollen Roman. Ich freue mich, wenn der Autor mich das nächste mal mitnimmt.

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5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

shades of magic, victoria schwab, fantasy

A Conjuring of Light (A Darker Shade of Magic)

V.E. Schwab
E-Buch Text: 624 Seiten
Erschienen bei Titan Books, 21.02.2017
ISBN 9781785652455
Genre: Sonstiges

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226 Bibliotheken, 16 Leser, 1 Gruppe, 88 Rezensionen

alexander der große, fantasy, magie, makedonien, jugendbuch

Schattenkrone - Royal Blood

Eleanor Herman , Christine Strüh , Anna Julia Strüh
Fester Einband: 592 Seiten
Erschienen bei FISCHER FJB, 23.02.2017
ISBN 9783841422309
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Von Historisch brillanten Details und hölzernen Charakteren

Alexander der Große ist ein Name, der wohl jedem etwas sagt. Über die Schlachten und Feldzüge aus seinen Jahren als Herrscher ist hinreichend bekannt, jedoch aus seiner Jugend nur wenig überliefert. Wer war der Eroberer in seiner Jugend? Eleanor Herman hat darauf eine Antwort in der Fantastik gesucht. Der Leser kann sich auf wahre Helden mit magischem Anklang, und mit einer großen Portion Romantik gefasst machen.
Alex und Heph sind beste Freunde, Jakob und Kat reisen gemeinsam zum Blutturnier und Cyn und Zo haben ihre ganz eigenen Pläne.

Ich habe mich für dieses Buch entschieden, da es einen tollen und interessanten historischen Hintergrund hat und der Klappentext für mich sehr interessant klang. Dementsprechend habe ich auch mit hohen Erwartungen die erste Seite aufgeschlagen. Was mich gleich in den Bann gezogen hat, war die eindringliche Einführung der ersten Hauptperson: Kat - Ich glaube, so dynamisch beginnt ein Buch selten. Das hat mich positiv gestimmt, obwohl mir die Zeitform nicht recht zusagen wollte. Die Geschichte wird konsequent im Präsens erzählt und in der 3. Person, was man mögen muss. Ich konnte mich auch im Verlauf des Buches nicht mit dieser Form der Erzählung anfreunden, aber das ist Geschmackssache.
Über den gesamten Roman hinweg , spürte ich, dass die Autorin wirklich tief in die Materie eingedrungen ist. Sie hat bei der Recherche ganze Arbeit geleistet, sodass die vielen kleinen Details authentisch daher kamen. Sie hatte Ahnung von Kultur, den Essgewohnheiten, der Kleidung und den Trickreichen Schlachten der Antike. Das konnte ich auf vielen Seiten spüren - und das verlieh dem Buch auch einen Großteil seines Charmes.
Die Protagonisten konnten mich leider nicht wirklich überzeugen. Sie wirkten allesamt hölzern und flach, ihre Handlungen waren zum größten Teil unüberlegt. Die einzige, die ihren Kopf einsetzte, war Cyn, die ihre Intrigen spann wie eine emsige Spinne im Netz. Alex, Kat, Heph und Jakob waren in der ersten Hälfte des Buches viel zu sehr damit beschäftigt, Eifersucht aufeinander zu empfinden, als das sie wirklich agieren konnten. Außerdem waren in meinen Augen einige Handlungen einfach zu irrrational. Selbst wenn das Buch für Jugendliche geschrieben wurde, können die Charaktere doch einen Funken Rationalität behalten, trotz dessen das alle bis über beide Ohren verliebt sind, oder? Das ist mir in der ersten Hälfte sauer aufgestoßen. In der zweiten zog dann der Plot an und der Fokus rückte ein wenig in eine andere Richtung, was mir auch wieder mehr Freude bereitete.
Richtig Mitfiebern mit Alex und seinen Freunden konnte ich persönlich trotzdem nicht.
Den zweiten großen Kritikpunkt stellt in meinen Augen der Schreibstil dar. Auf der einen Seite hatte das Buch einen sehr ernsten Hintergrund. Herrschen, Intrigen! Brutalität und Mord schien an der Tagesordnung zu sein. Trotzdem hatte ich das Gefühl, vor allen Dingen wenn das Auge auf die Emotionen der Protagonisten gelenkt wurde, dass sich das Buch an ein jüngeres Publikum richtete. Nur vom Stil her, nicht vom Inhalt. Eleanor Herman schreibt für meinen Geschmack manchmal zu direkt und ich musste das ein oder andere Mal wirklich dem Holzhammer ausweichen. Schade!

Alles in allem fand ich die Idee wirklich toll. Ich habe gespürt, dass die Autorin wirklich viel Wert auf historische Genauigkeit gelegt hat, aber Probleme hatte, den Charakteren Leben einzuhauchen, was einerseits am Schreibstil, andererseits wahrscheinlich daran lag, dass sie so viele Perspektivstränge auf relativ wenig Seiten versucht hat, unterzubringen Deshalb vergebe ich drei Sterne.

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19 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

parallelwelten, englische literatur, magie, v.e. schwab, victoria schwab

A Gathering of Shadows

Victoria Schwab
Fester Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Tor Books, 23.02.2016
ISBN 9780765376473
Genre: Sonstiges

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25 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

fantasy, magie, london, magic, ya

A Darker Shade of Magic

V.E. Schwab
Flexibler Einband: 513 Seiten
Erschienen bei Titan Books, 27.02.2015
ISBN B011T7AAT8
Genre: Fantasy

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4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Der den Sturm stillt

Titus Müller
Fester Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Gerth Medien, 23.02.2015
ISBN 9783957340412
Genre: Historische Romane

Rezension:


Bibelerzählungen gibt es viele. Vom Standardwerk angefangen, über verschiedene Sekundärliteratur bis hin zu Kinderbibeln und Geschichten über das Verständnis des Glaubens, der unsere moderne Welt heute noch prägt, ist alles vertreten. Titus Müllers Werk verspricht eine andere, unterhaltsame und narrative Sichtweise auf die Erzählungen, die uns allen bekannt sind.

Gerade dieses „andere“ hat mich persönlich sehr interessiert. Ich, die ich nicht gläubig bin und mein Wissen aus historischen Romanen und der Schule gewonnen habe. Die Bibel habe ich nie gelesen, mich bisweilen nur für die historischen Hintergründe dieses Werkes interessiert. Da kam mir „Begegnungen mit Jesus“ gerade recht. Es erweckte mein Interesse, gerade weil es sich mit den Erzählungen aus der Bibel auseinandersetzt.

Auf den ersten Seiten merkte ich schon, dass Titus Müller eine schöne Sprache hat, die sich gut lesen lässt. Man kommt richtig in den Fluss, wird doch in den kurzen Geschichten eine Bibelstelle thematisiert (z.B. Jesu Geburt), und diese aus der Sicht von anderen beschrieben (z.B. Bel - Assar, der sich mit zwei anderen Suchenden aufmacht, um das Kind auf Erden zu begrüßen). Die Geschichten vermochten mich zu interessieren, vermitteln sie doch Sichtweisen auf Jesus, die man so noch nicht kennt, mit den typischen Darstellungsmitteln von Kurzgeschichten erzählt.
Für mich waren die Geschichten jedoch zu kurz und nicht zusammenhängend genug. Die Intention des Autors, bestimmte Stellen aus der Bibel aufzugreifen und herauszustellen, kann man da zwar eindeutig heraus lesen, aber auf die Dauer ging mein Interesse leider verloren. Mir fehlte der Zusammenhang und der Spannungsbogen, den ich sonst von Romanen gewohnt bin.

Ich muss zugeben, dass ich das Buch als ein Experiment für mich selbst gesehen habe. Kann ich mit solchen Büchern etwas anfangen? Kann Titus Müller, dessen tollen Schreibstil ich noch einmal betonen möchte, mich auch mit solch einer Thematik fesseln? Ich war selbst sehr neugierig. Aber ich bin leider zu dem Schluss gekommen, dass mich „Der den Sturm stillt“ nicht wirklich begeistern konnte. Es waren kleine Geschichten über die Sicht auf Jesus, aus verschiedenen Perspektiven erzählt.
Nicht mehr und nicht weniger, und das reicht für mich nicht aus, um bei mir Stürme der Begeisterung auszulösen.

Deshalb vergebe ich als persönliche Meinung 3,5 Sterne.

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596 Bibliotheken, 30 Leser, 2 Gruppen, 148 Rezensionen

prinz, prinzessin, fantasy, attentäter, flucht

Die Chroniken der Verbliebenen - Der Kuss der Lüge

Mary E. Pearson
Fester Einband: 560 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 16.02.2017
ISBN 9783846600368
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Von Mordgedanken und einer eigentlich guten Geschichte, die sich dezent zurückgehalten hat

Die Prinzessin von Morrighan flieht gemeinsam mit ihrer Zofe Pauline vor einer erzwungenen Eheschließung. Sie will nur eins. Frei sein und ihren eigenen Weg gehen, ihre eigene Liebe finden. In einem Gasthaus fangen die beiden als Schankmädchen an. Als eines Tages zwei junge, gutaussehende Burschen Interesse an Lia zeigen, ahnt die Prinzessin nicht, dass der eine ihr versprochen war und der andere ihren Kopf will.

Ich war gespannt auf dieses Buch, und begeistert von den ersten paar Seiten. Um das Vorweg zu nehmen, die Autorin hat ein Händchen für bildhafte Beschreibungen und greifbare Szenen. Ich konnte mir jedenfalls jede einzelne Szene (insbesondere im Gasthaus) ziemlich gut vorstellen. Da ging Mary E. Pearson wirklich liebevoll zu Werke. Genauso viel Liebe und Genauigkeit hat sie wohl auch in die Welt gesteckt. Im Buch sind viele Hinweise auf den Glauben, auf die Kultur und auf die Zustände und Beziehungen zwischen den Königreichen versteckt, was ich sehr begrüße. Man hat wirklich das Gefühl, dass die Autorin ihre Welt kannte, bevor sie den ersten Satz geschrieben hat. Außerdem finde ich die Karte im Buch wunderschön. Karten werten ein Fantasy-Buch noch einmal auf, besonders wenn die Protagonisten so viel unterwegs sind, wie in diesem Buch. Also war die Karte für mch ein eindeutiger Pluspunkt.

Trotzdem hatte ich mit „Kuss der Lüge“ eine sehr schwere Zeit. Und das lag zum größten Teil an der Protagonistin. Lia, die Prinzessin von Morrighan, flieht aus ihrem Reich, flieht vor einer erzwungen Ehe, und sich im klaren darüber, dass sie sich verstecken muss, da ihr Vater ihr sicher seine Spürhunde hinterherschicken wird. Das Gasthaus dient als Zuflucht und Tarnung. Gut und schön, soweit konnte ich noch mitgehen. Aber, als die zwei jungen fremden Männer auftauchen und ihr schöne Augen machen, hätte ich doch zumindest ein klein wenig Misstrauen ihrerseits erwartet. Auf keinen Fall die (für meine Begriffe) naive Flirterei und die vielen einsamen Momente, die es zwischen ihr, Rafe und Kaden gab. So hat mich Lia in der ersten Hälfte des Buches beinahe zur Weißglut getrieben. Ein oder zwei Portionen gesunden Misstrauens hätten ihr sicherlich nicht geschadet und die Geschichte für mich persönlich glaubwürdiger gemacht. Außerdem waren einige Entscheidungen von ihr sehr zweifelhaft, insbesondere da sie den Gedankengang später selbst durchlebt, ohne noch einmal an ihre Entscheidung zu denken (mehr kann ich an dieser Stelle nicht schreiben, ohne zu spoilern).
Rafe und Kaden sind ein Kapitel für sich. Ich kann die Intention der Autorin nachvollziehen, die Identität der beiden zu verschleiern (ob nun Kaden oder Rafe der Attentäter ist oder nicht), um die Gasthaushälfte interessanter und spannender zu gestalten. Leider stand für mich schon von Anfang an fest, wessen Identität sich nun hinter welchem Gesicht verbirgt. So viel auch dieser Spannungsbogen für mich eher wie ein Hügelchen aus.
Ich mochte aber Pauline und Lias Bruder gerne. Auch mit der Wirtin des Gasthauses konnte man wirklich Pferde stehlen.

In der zweiten Hälfte des Buches zog die Story merklich an und wurde auch für mich spannender und nachvollziehbarer. Immer, wenn der Plot vorangetrieben wurde, las ich aufmerksam. Doch sobald Lia wieder mit ihren Lovern konfrontiert wurde, begann ich die Augen zu verdrehen. Dieser Teil der Geschichte hatte mich in der ersten Hälfte abgeworfen wie ein bockendes Pferd. Und ich war nicht bereit, es wieder einzufangen.
Das Buch hat mich leider verloren und gar nicht vermocht mich zu begeistern. Das, was mich in der zweiten Hälfte eigentlich berühren hätte sollen, stupste mich nur leicht an. Die Liebesgeschichte hat bei mir gar nichts ausgelöst außer Frustration aufgrund Lias Naivität.

Ich vergebe knappe 3 Sterne - für einen Plot, der ausbaufähig ist, für liebevolle Nebencharaktere und für eine Welt, die durchaus noch interessant werden kann.

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(87)

250 Bibliotheken, 7 Leser, 0 Gruppen, 74 Rezensionen

fantasy, liebe, jugendbuch, märche, märchen

Königreich der Schatten: Die wahre Königin

Sophie Jordan , Barbara Imgrund
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 06.03.2017
ISBN 9783959670708
Genre: Science-Fiction

Rezension:


Luna kennt nichts anderes als die tiefe Finsternis, die seit 17 Jahren über dem Reich Relhok liegt, und die dicken Mauern ihres Turmes, in denen sie sich gemeinsam mit ihrer Amme und dem Soldaten Sivo, die mit ihr aus dem Schloss flohen, als sie noch ein Baby war. Als sie aus dem Turm fliehen muss, steht ihr der Waldläufer Fowler zur Seite, zu dem sie sich bald hingezogen fühlt. Doch noch darf sie ihr größtes Geheimnis nicht offenbaren. Denn sie ist die wahre Königin von Relhok.

Als ich auf dieses Buch stieß, hatte ich schon einige lobende Worte über die Autorin des Romans gehört. Sie soll ein Händchen haben, Dinge zu beschreiben. Und der Klappentext selbst klang wie für mich gemacht, so als würde mir das Buch passen wie ein Handschuh. Aus diesem Grund war ich sehr neugierig auf den Roman.
„Die wahre Königin“ wird aus zwei wechselnden Perspektiven erzählt, jeweils aus der „Ich-Perspektive“. So folgt man den Gedanken der zwei Protagonisten und kann sich gut in sie hinein versetzten. In Folge dessen hatte ich auch mit dem Beginn überhaupt keine Schwierigkeiten. Ich war sofort drin im Geschehen und ließ mich gern von Luna in ihre dunkle Welt einführen. Hinzu kam, dass die Autorin wirklich ein Händchen für wunderschöne, bildhafte Beschreibungen hat. So malte sie Bilder von dunklen, fruchtlosen Wäldern und einem trutzigen Turm in meinen Geist, die lange haften blieben und mich gefangen nahmen. So möchte man eigentlich in jedes Buch einsteigen.
Fowler und Luna sind jeder für sich interessante Charaktere. Man kann Lunas Gedanken nachvollziehen. Sie, die 17 Jahre behütet in einem Turm verbracht hat, möchte die Welt erleben, so düster und gefährlich sie auch sein mag. Eine Facette an ihr vermochte mich wirklich zu überraschen, da ich das so nicht erwartet hätte. Alles andere ... war leider etwas zu erahn- und vorhersehbar. Fowler baute die Autorin als ihren Gegenpart auf. Er war zu Beginn biestig und abweisend, hatte schon viel erlebt und benötigte ein wenig Zeit, um aufzutauen. Doch auch sein Geheimnis war für mich kein wirkliches Geheimnis mehr, als es im Buch ans Tageslicht kam. Das fand ich ein wenig schade, da der Roman wirklich sehr verheißungsvoll begonnen hatte.
Lobend muss ich Sophie Jordans Schreibstil erwähnen. Ich konnte die düsteren Wälder vor mir sehen, die Sümpfe riechen und die Beschaffenheit des Bodens unter meinen Füßen spüren, sodass sie mich wirklich nach Relhok entführen konnte. Leider blieb diese Welt für mich zum größten Teil einfach nur eine bedrohlich-wunderschöne Kulisse, die sie kaum mit Handlung erfüllt hat. Der Plot, der sich zu Anfang aufbauschte und gefährlich wogte, flachte genauso schnell wieder ab, als die beiden Protagonisten vor den Schergen des Königs flohen. Für mich persönlich legte die Autorin zu viel Wert auf ausufernde Beschreibungen der Gefühlswelten in beiden Perspektiven. Da fühlte Luna sich mal zu ihm hingezogen, bewunderte ihn, fragte sich, ob er wenigstens etwas Zuneigung für sie empfindet, während Fowler krampfhaft versucht, seine Gefühle, die ihn gepackt haben, nicht zu zeigen. Die beiden hatten zu dem Zeitpunkt wichtigeres zu tun ... Dabei blieb der Plot natürlich auf die Länge des Buches gemessen auf der Strecke.

Trotz meiner kritischen Worte, gestaltete sich die Welt für mich durchdacht und düster. Die Autorin schafft es, mit ihrem Schreibstil zu punkten und der Anfang war unglaublich spannend. Aus diesem Grund vergebe ich knappe vier Sterne, da mir das Worldbuilding sehr wichtig ist.

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342 Bibliotheken, 23 Leser, 2 Gruppen, 134 Rezensionen

weltraum, hexen, kai meyer, raumschiff, science fiction

Die Krone der Sterne

Kai Meyer , Jens Maria Weber
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei FISCHER Tor, 26.01.2017
ISBN 9783596035854
Genre: Fantasy

Rezension:

Iniza flieht von der Raumbarke, die sie eigentlich ihrer neuen Bestimmung entgegentragen soll. Sie wurde erwählt, doch sie ist gar nicht glücklich mit der Wahl. Gemeinsam mit dem Hauptmann ihrer Leibwache Glanis hat sie einen Fluchtplan geschmiedet. Doch die beiden haben die Rechnung ohne den Kopfgeldjäger Kranit und die Alleshändlerin Shara gemacht, denn sie sind ausgerechnet auf Sharas Schiff, der Nachtwärts gelandet.

Er hat es wieder geschafft. Mich an die Seiten zu binden. Atemlos umzublättern, um zu wissen, was auf der nächsten Seite geschieht. Mich zu fürchten, weiter zu lesen, weil ich mir Sorgen um meine lieb gewonnenen Protagonisten hatte.
Er hat es schlicht und einfach wieder geschafft.
Doch Beginnen wir am Anfang. Als ich hörte, dass Kai Meyer eine Science-Fiction-Opera schreibt, fiel ich erst mal aus allen Wolken und schwankte zwischen Bestürzung und Vorfreude. Die Vorfreude überwog schließlich, da er schon auf dem High- und Jugendfantasyparkett eine gute Figur abgab und zudem auch seine historischen Romane mit zu meinen Liebsten zählen.
Als ich das Buch aufschlug, war mir nach wenigen Seiten eines klar: Genau das wollte Meyer schreiben. Genau das, und nichts anderes. Ich spürte in jedem Satz, in jeder Beschreibung von Blastern oder Raumkathedralen, dass Kai eine nur zu genaue Vorstellung von den Dingen hat, über die er da gerade erzählt. Die Welt wurde von ihm so reich bestückt, dass der geneigte Leser sich als ein Teil dieses unglaublichen Abenteuers fühlt. Dabei beging er jedoch nicht den Fehler, den detailverliebte Autoren des Öfteren machen, wenn sie ihre neuen fantastischen Welten beschreiben. Ich hatte nie das Gefühl der Länge, nie das Gefühl, dass in eine Szene mehr reingepackt worden ist, als für den Plot wichtig ist. Kai hat nie aus den Augen verloren, dass er ein Weltraum-Abenteuer erzählt, und keine historische Abhandlung der Galaxie mit detaillierten Angaben zu allen Kriegen, die vom Jahr x bis zum Jahr y geführt wurden. Er hat die Spannung hochgehalten, die rasante Flucht von der Barke und dann auf der Nachtwärts einmal quer durchs All hat mir einige durchwachte Nächte beschert. Er stellt es dabei so klug an, dass er genau die richtige Dosis Plot miteinfließen lässt. Ich wusste nie mehr als die handelnden Figuren, und doch konnte ich herrlich über die galaktischen Geheimnisse rätseln. Ich als Leser bekam einfach das Gefühl, viel mehr über diese ganze, wunderbare Welt zu wissen, als ich eigentlich in dem doch recht dünnen Buch herausgefunden habe. Zwischen den Zeilen stehen einfach noch so viele unentdeckte Schätze.
Die Figuren waren wie für mich gemacht. Wer hier schmachtende Teenager oder die zarten Knospen der ersten Liebe sucht, der sucht (und allen Himmeln sei Dank dafür!) vergebens. Hier begegnen wir erwachsenen Protagonisten, die durchaus schon ihre ersten Erfahrungen gemacht haben und mehr oder minder abgeklärt sind. Das Leben als erstes, dann können wir immer noch knutschen.
Kranit, den Kopfgeldjäger, stellte für mich die treibende Kraft und den stärksten Charakter dar. Ich habe seine raubeinige Art im Laufe des Buches richtig schätzen gelernt, genauso wie Iniza, die sich erst im Laufe des Buches entpuppt und ihre Flügel ausbreitet. Da hätten wir noch einen Punkt, den ich an Kai Meyer schätze: Seine Charaktere entwickeln sich und du kannst nicht von der ersten Seite an vorhersagen, welche Richtung sie einschlagen werden!

Zugegeben: Ich hatte bei der ein oder anderen Passage eine harte Zeit, da Sci-Fi auch nicht zu meinen bevorzugten Genres zählt. Doch es lohnt sich so sehr.
Er hat es wieder geschafft. Ich knuddel jetzt noch ne Runde das Buch und lasse verdiente fünf Sterne da.

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83 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 44 Rezensionen

historischer roman, magdeburg, verrat, liebe, mittelalter

Die rote Löwin

Thomas Ziebula
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 13.01.2017
ISBN 9783404174768
Genre: Historische Romane

Rezension:


Runja und ihr Bruder sind nach dem grausamen Mord an ihren Eltern auf sich allein gestellt und schlagen sich nach Magdeburg durch. Dort angekommen geraten sie zwischen die Finger des machthungrigen Domdekans Laurenz, der seine ganz eigenen Pläne mit den beiden jungen Geschwistern hat. Beide geraten in einen Strudel aus Gewalt und Intrigen, aus dem es kein Entrinnen zu geben scheint.

Ich entdeckte das Buch in der Vorschau des letzten Jahres und der Klappentext fiel mir sofort ins Auge. Er hörte sich nicht so an, und (was mir wichtig ist) so als würde es in diesem Buch nicht allzu viele (unnötige) Schnäbeleien und Liebesgeflüster geben. Außerdem kenne und schätze ich Thomas Ziebulas Bücher, seine fantastischen muss ich zugeben ein wenig mehr als seine historischen. Die rote Löwin war überraschend schlank im Vergleich zu Ziebulas vorherigen historischen Romanen. Eigentlich - eigentlich! - bevorzuge ich die dicken Wälzer, aber ich wurde eines besseren belehrt. Zum Glück!

Doch beginnen wir dort, wo auch die Geschichte beginnt. Im Mittelalter - ich liebe gut recherchierte historische Romane und bei diesem Buch spürt man schon auf den ersten Seiten, dass der Autor viel Mühe in die historische Genauigkeit gelegt hat. Er war ziemlich gründlich bei der Recherche, betrieb jedoch zu keiner Zeit Infodumping. Bei manch anderen Autoren hat man manchmal das Gefühl, sie wollen möglichst viel an Wissen in die Geschichte pressen. Thomas ist stets dem Plot gefolgt und an der Seite seiner Charaktere gewandelt. Nicht jeder Autor schafft es, das Gleichgewicht zwischen der Geschichte, die erzählt werden soll, und historischen Fakten zu wahren. Thomas ist das in diesem Buch famos gelungen. Immer wieder webt er die Fakten geschickt in die unterschiedlichen Erzählperspektiven, die „Die rote Löwin“ vorantreiben, mit ein.

Hauptsächlich verfolgen wir Runjas und Laurenz’ Erzählperspektive, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Runja ist voller Zorn und Rachegedanken, da ihre Familie ermordet wurde und sie nun nach Gerechtigkeit sinnt. Die Gefühle, die sie hegt, sind nachvollziehbar und verständlich. Ich mochte auch ihren Bruder sehr gern, der auch eine große Rolle einnimmt. Laurenz giert nach Macht und ist bereit dazu, über die ein oder andere Leiche zu steigen. Was habe ich über diesen Lustmolch geflucht und seine Intrigen und Spiele verdammt. Mit ihm hat der geneigte Leser seine Freude, glaubt mir.
Die beiden Perspektiven treffen sich recht rasch, und wo ich vorher die beiden Handlungen mit Interesse verfolgt habe, steigert sich die Spannung nun ungemein, da sich die Handlungen verflechten und neue Bindungen entstehen.
Der Plot an sich wies keine Längen auf, er ließ mich eher zum Schluss kaum noch zu Atem kommen.
Ziebula hat einen außergewöhnlichen Stil, das muss man eingestehen. Ich brauchte ein paar Seiten um mich an seine Sprache zu gewöhnen, aber das ging bei mir schnell und dann bereitete mir die Sprache unglaublich viel Freude. Das Buch ist nichts für zarte Wesen, um gleich eine Warnung anzuschließen. Es fließt viel Blut, es gibt Tote zu betrauern - das Buch birgt so manches Thriller-Element in sich (gerade jene konnten mich begeistern).

Auf den Umschlagseiten findet sich eine liebevoll gestaltete Karte. Auch eine Zeittafel zur besseren zeitlichen Einordnung und ein Dramatis Personae hat noch Platz im Buch gefunden (über so etwas freue ich mich ja persönlich immer besonders).

Was gibt es noch groß zu sagen? Das Buch konnte mich überraschen, trotz seiner Kürze begeistern und mich (die ich vielleicht die ein oder andere Schwierigkeit mit Ziebulas’ früheren historischen Werken hatte) doch noch zu einem Fan heranwachsen lassen.

Dieser tolle historische Roman hat seine fünf Sterne verdient.

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219 Bibliotheken, 10 Leser, 1 Gruppe, 57 Rezensionen

chosen, bestimmte, emotione, rena fischer, fantasy

Chosen - Die Bestimmte

Rena Fischer
Fester Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Planet! ein Imprint der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH, 17.01.2017
ISBN 9783522505109
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Emma muss nach dem plötzlichen Unfalltod ihrer Mutter zu ihrem Vater nach Irland ziehen. Dieser schickt sie auf ein Internat für Hochbegabte, doch nicht irgendwelche Hochbegabte. Emma hat eine besondere Fähigkeit - sie kann die Gefühle anderer Menschen erspüren. Solche und andere Begabungen sind in Sensus Corvi versammelt und werden trainiert. Wem kann Emma trauen? Wer entpuppt sich als Verräter? Emma gerät in ein gefährliches Spiel. Und dann ist da ja auch noch Aidan ...

 

Die Beschreibung klang genau nach meiner Kragenweite. Ein geheimnisvolles Internat, mystische Fähigkeiten, gewürzt mit ein wenig Intrige ist immer gut für mein Leserherz. Auch das Cover hat mich angesprochen, da es trotz „Mädchengesicht“ nicht allzu kitschig daher kam mit dem schwarzen Hintergrund und den „Schlieren“. Dementsprechend war die Freude auf dieses Buch ziemlich groß.

Der Anfang war richtig gut. Ich hatte nicht das Gefühl, dass die Autorin große Stolpersteine legte oder groß mit Erklärungen langweilt. Ich stieg sofort in die Geschichte ein, in Emmas Sehnsüchte, Ängste, ihre Trauer und ihre Wut und wurde sofort mitgenommen. Auch die anderen Charaktere wurden im Laufe der ersten 50 Seiten vorgestellt, wie Aidan oder sein Gegenpol Jared, Emmas Vater, um nur einige Beispiele zu nennen. Das war zwar nichts neues, aber ich mag es, wenn die Figuren erst nach und nach vorgestellt werden und ich nicht vor vollendete Tatsachen gestellt werde, frei nach dem Motto: Friss oder stirb.

Leider Gottes wurde ich mit den Charakteren selbst nicht so richtig warm. Ich weiß gar nicht woran es genau lag, aber versuche es euch zu an dieser Stelle zu Beschreiben. Emma war nicht schlecht, aber sie erschien mir zu blass, zu farblos in ihren Reaktionen und zu kopflos in ihren Gefühlen. Egal ob sie sich in ihren Gefühlen zu den männlichen Protagonisten erging, oder in Aktion war. Ich denke, nach dem Tod ihrer Mutter und der völlig neuen Umgebung plus den Intrigenspielchen, hätte man ein etwas gefassteres oder gesetzteres Auftreten erwarten können. Oder eine etwas langsamere Annährung zwischen den Figuren. Auch die Nebenfiguren an ihrer Schule erschienen mir etwas zu blass, zu farblos, als das ich mich mit ihnen hätte identifizieren können. Schade!

Die Fähigkeiten der Figuren fand ich dagegen echt super. Manchmal musste ich Grinsen oder Lachen, wenn Emma Aidan beinahe einen Ball an den Kopf hat fliegen lassen. Auch die unterschiedliche und erlernbare Intensität war ausgeklügelt. Mit den Fähigkeiten hatte ich auf jeden Fall meinen Spaß.

Auch der Plot an sich war spannend und gut aufgebaut.

 

Alles in allem muss ich sagen, dass es nicht mein Buch war. Die Story und die Idee konnten beide punkten. Die fand ich auch ausgearbeitet und hatte meinen Spaß daran. Jedoch konnte ich den Charakteren kaum etwas abgewinnen, und da ich meist zu einer Geschichte durch die Figuren finde, hat auch das Buch leider viel an seiner Attraktivität auf mich verloren. Leider!

 

Aus diesem Grund kann ich nur 3,5 Sterne vergeben.

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610 Bibliotheken, 20 Leser, 1 Gruppe, 131 Rezensionen

fantasy, marie lu, young elites, jugendbuch, verrat

Young Elites - Die Gemeinschaft der Dolche

Marie Lu , Sandra Knuffinke , Jessika Komina
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Loewe, 16.01.2017
ISBN 9783785583531
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Die junge Adelina und ihre Schwester Violetta haben die Blutseuche überstanden, doch Adelina ist gezeichnet aus dieser Krankheit hervorgegangen. Ihr Haar hat sich weiß gefärbt, sie trägt Narben über die Jahre hinweg. Durch eine Verkettung höchst unglücklicher Ereignisse gerät sie ins Visier der Inquisition und in höchste Gefahr, doch sie wird gerettet - von der Gemeinschaft der Dolche, die wohl ihre eigenen Pläne mit Adelina haben ...

Ich war gespannt auf dieses Jugendbuch, zudem war es mein erstes von der Autorin, da ich die „Legend“-Reihe nie gelesen habe. Als ich es in der Hand hielt, musste ich bedauernd feststellen, dass ich und das Cover uns nicht verstehen. Es ist kein „Love-at-the-First-Sight“ Buch, da ich mit dem Mädchen auf dem Cover recht wenig anfangen kann (außerdem gibt es mir kaum Anhaltspunkte, in welche Richtung die Geschichte geht).Positiv überrascht war ich von der detaillierten Karte im Inneren des Buches, mit deren Hilfe man einen Einblick in die verschiedenen Schauplätze erhält.

Der Einstieg gelang mir gut. Marie Lu hat einen klaren, aber keineswegs stumpfen Schreibstil. Sie geht nach dem Motto „weniger ist manchmal mehr vor“ und vermeidet blumige Umschreibungen oder zu genaue Landschaftsbebilderungen. Das ist auch keineswegs notwendig, musste ich feststellen. Ich hatte meinen Spaß mit den unterschiedlichen Charakteren und den Abenteuern, die sie bestritten haben.
Das Buch ist aus Adelinas Perspektive geschrieben im Präsens. Ergänzt wird die Ich-Perspektive durch kurze Abschnitte anderer Figuren, sodass der geneigte Leser einen kurzen Blick von außen auf die Szenerie erhält.
Adelina war mir sympathisch, obwohl sie keine typische Heldin ist. Aber gerade das a-typische macht ihren Charme wie ich finde aus. Sie offenbart im Laufe des Buches eine leichte Neigung zur Wut und zum Zorn, was den Weg zu einigen interessanten Wendungen eröffnet. Sie handelt dann und wann mal gegen die gängigen Moralvorstellungen und wird auch vor schwere Entscheidungen gestellt. Ich denke, das macht einen Großteil des Reizes an der Geschichte aus. In der Mitte hatte ich aber ein paar kleine Probleme mit den Charakteren. Ich hatte das Gefühl, dass sie manchmal blass erschienen, in den Hintergrund rücken. Einfach inkonsistent waren. Nicht nur Adelina, sondern auch die Dolche wie Raffaele oder Enzo. Am Ende des Buches ergaben ihre charakterlichen Schwankungen jedoch wieder Sinn.

Das Setting des Buches war ein Schmankerl für mich. Italienisches Flair, Gondeln, Masken, alles nicht zu opulent eingesetzt, sondern genau in der richtigen Dosierung. Da ich das Setting sehr mochte, fühlte ich mich auch in der Welt schnell zuhause.

Es gibt einige überraschende Twists in der Geschichte, die mich verwirrt zurückließen und die ich so bei einem Jugendbuch nicht erwartet hätte. Um ehrlich zu sein, empfand ich es als ziemlich erfrischend. Es drängt praktisch zum weiterlesen.

Alles in allem war ich positiv überrascht von den Charakteren einerseits, andererseits aber auch von den Plottwists, die mir sehr gefallen haben. Da lässt sich der ein oder andere Wackler verschmerzen. Ich vergebe für dieses Buch sehr gerne 4,5 Sterne und warte nun auf den nächsten Band, der hoffentlich ein wenig Klarheit bringt.

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33 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 24 Rezensionen

reihe, italien, sichelgaita, 11. jahrhundert, 4 buch einer reihe

Der Sturm der Normannen

Ulf Schiewe
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.12.2016
ISBN 9783426516416
Genre: Historische Romane

Rezension:

Der junge Normanne Gilbert steht schweren Zeiten gegenüber. Sein Herr, Robert Guiscard, sitzt im Kerker. Ein Bruderkrieg droht das Normannenreich zu zerstören und der Papst schmiedet seine ganz eigenen Pläne.

„Der Sturm der Normannen“ ist der vorerst finale Band von Ulf Schiewe rund um die Machenschaften der Normannen in Italien. Es empfiehlt sich, auch die Vorgänger gelesen zu haben, denn obwohl das Buch ein ganz eigenständiges Abenteuer ist, wird doch auf viele vorherige Ereignisse Bezug genommen. Das Buch macht einfach mehr Freude, wenn man weiß, wer wie wohin gehört und wer was angestellt hat in der Vergangenheit.

Wieder verstand es Ulf Schiewe mit seinen Betrachtungen rund um die Normannen und ihre Eroberungszüge mich in seinen Bann zu ziehen. Er kann einfach die Balance halten zwischen historischen Fakten und kontinuierlicher Charakterentwicklung. Denn das hatten sie.
Gilbert ist nicht mehr der junge Schweinehirt von einst, sondern ein Krieger, mit dem man rechnen sollte, und der seine eigenen wichtigen Entscheidungen trifft. In diesem Band mochte ich ihn um ehrlich zu sein am meisten. Genauso wie seine Frau Gerlaine, die ihn immer auf den Boden der Tatsachen zurück brachte.
Zudem fügt sich dieser Band in Schiewes eher komplexe Gesamtgeschichte ein. Ich habe lange dem ein oder anderen (historischen) Charakter misstraut. Kocht er nun sein eigenes Süppchen? Auf welcher Seite steht er denn nun? Und, Moment, ein paar Seiten vorher wurde doch dies oder jenes geäußert. Könnte es vielleicht sein, dass ...
Ihr seht, der geneigte Leser hat es hier nicht mit einem gradlinigen Roman zu tun. Ich hatte jedenfalls meine Freude daran, die ganze Geschichte in ihre Bestandteile aufzudröseln, nur um mir am Ende zu sagen: „Ich habs doch gleich gewusst!“
Die historischen Details, die Ulf Schiewe immer mit in seine Romane einbringt, gefallen mir besonders. Auch diesmal hat er mir eine Region näher gebracht, über die ich bisher weniger gehört habe. Man greift ja doch eher zu Romanen über das Mittelalterliche England oder den Kreuzzügen, anstatt sich zu fragen, was die Normannen sonst noch so angestellt haben außer England zu erobern.
Er schreibt eigentlich lebendige Geschichte, deshalb lese ich ihn auch so gern.

Mein einziger Kritikpunkt ist vielleicht, dass ich manchmal das Gefühl hatte, einen Tacken zu viel Heereswissen zu lesen, was ich eventuell mehr in den Plot investiert hätte. Aber das sind nur Kleinigkeiten.

Alles in allem war „Der Sturm der Normannen“ ein tolles Buch, das mich an die Seiten gefesselt hat. Ich vergebe gerne 4,5 Sterne.

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216 Bibliotheken, 18 Leser, 1 Gruppe, 63 Rezensionen

märchen, anthologie, fantasy, drachenmond, kurzgeschichten

Hinter Dornenhecken und Zauberspiegeln

Julia Adrian , Susanne Gerdom , Kate Forsyth , Nina Blazon
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Drachenmond-Verlag, 20.10.2016
ISBN 9783959911818
Genre: Fantasy

Rezension:

Wer gerne mal den ein oder anderen Blick in die Welt der Märchen wirft, dem werden einige Geschichten, die in dieser Anthologie gesammelt sind, vage bekannt vor kommen. Hier versteckt sich mal ein Rumpelstilzchen oder die Erfahrung, dass Rosen durchaus mit Dornen bestückt sein können.

Märchenadaptionen begegnen mir zumindest an jeder zweiten Buchladenecke. Sie fallen einem regelrecht aus den Regalen entgegen und werden sogar schon ein wenig aufdringlich, wie ich zugeben muss. Eigentlich, so hatte ich mir vorgenommen, mache ich in nächster Zeit einen Bogen um diese aufdringlichen Geschichten in berüschten Ballkleidern. Ist ja eh eigentlich immer fast das Selbe.
Diese Märchenanthologie habe ich trotzdem zur Hand genommen. Weil ich Lust auf etwas märchenhaftes hatte, und weil mich Autoren wie Christoph Marzi, Nina Blazon und Juliett Marillier anlockten wie eine Motte das Licht. Außerdem war ich neugierig, wie der Stil der anderen, mir weniger bekannten Autoren so ist. Vielleicht erlebe ich ja eine Überraschung? Nun, die Überraschung erlebte ich tatsächlich.
Doch beginnen wir mit dem Cover: Es ist von einer eigentümlichen, überbordenden Schönheit, wenngleich ein wenig überladen. Doch es passt zum Inhalt des Buches, ist es doch auch vollgestopft mit kleinen und großen Wundern.

In der Anthologie sind Autoren versammelt, die sowohl ihr literarisches Debüt gegeben haben, als auch solche, denen man anmerkt, dass sie schon sehr lange die Feder bemühen und uns in ihre Welten eintauchen lassen.
Es sind alle Märchen versammelt, die mir in meiner Kindheit begegnet sind, vom Orient bis hin zu den Grimmschen Märchen von Prinzessinnen und Rosen. Die Geschichten sind allesamt Geschmackssache (wobei ich finde, dass die Mischung dieser Anthologie sehr gut gelungen ist, da sie viele Geschmäcker trifft.). Mir persönlich haben jene gefallen, die über ein paar Seiten hinaus gingen und mich tiefer in die in den Geschichten vorgestellten Figuren eintauchen ließen. Aber das ist wie gesagt Geschmackssache. Ebenso wie mir jene Geschichten gut gefallen haben, die ich am Anfang nicht in ein bestimmtes Märchenbuch stecken konnte und bei denen ich ein wenig rätseln musste, was denn nun des Märchens Kern ist.

Natürlich sind mir einige Geschichten besonders im Gedächtnis haften geblieben, und zwar die von Nina Bellem, Nina Blazon, Christoph Marzi und Juliett Marillier. Beinahe alles große Namen, ich weiß. Aber ich genoss auch viele der anderen Geschichten sehr und bin bei einigen Autoren neugierig geworden auf ihre Romane. Alles in allem hatte ich mit diesem Buch viel Spaß und einige schöne Lesestunden. Ich vergebe vier Sterne für den Einblick, den man selten in so kurzer Zeit in das Schaffen der Autoren nehmen kann.

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66 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 41 Rezensionen

prag, rostock, fechten, sabine weiß, juden

Die Tochter des Fechtmeisters

Sabine Weiß
Flexibler Einband: 640 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 09.12.2016
ISBN 9783404174812
Genre: Historische Romane

Rezension:


Clarissa ist die Tochter eines angesehenen Fechtmeisters, der sie nicht nur zusehen, sondern auch selbst das Rapier ergreifen lässt. Für Clarissa geht ein Traum in Erfüllung, als sie gemeinsam mit ihrem Vater zur Fechtschule in Frankfurt reisen darf, wo sich alljährlich die besten Fechter des Reiches messen. Doch bald gerät sie zwischen die Fronten verfeindeter Fechtbruderschaften und in einen Krieg, der das Reich bedroht.

Ich habe mich auf Sabine Weiß’ neuen Roman sehr gefreut, da ich ihren Roman über die Hanse schon sehr informativ und faszinierend fand. Da konnte mich selbst das Frauen-typische Cover nicht abschrecken (ich mag Cover derart eigentlich nicht so gern), doch ich wurde durch die liebevolle Innengestaltung entschädigt. Wenn man die Broschur aufklappt, offenbart sich eine opulent gestaltete Karte am einen Ende des Buches und historische Fechtdarstellungen auf der anderen Seite. Das ließ meine Erwartungen steigen.
Ich fand sehr schnell in das Buch hinein, da die Geschichte ohne lange Vorrede in die Handlung einsteigt. Schon zu Beginn wird dem geneigten Leser klar, dass die Geschichte mehr bereithält als detailliertes Wissen über die Fechtkunst des 17. Jahrhunderts. Die Vielschichtigkeit zeigt sich durch Orts- und Zeitsprünge, in denen immer wieder die persönliche Vergangenheit von Clarissas Vater einerseits und die Intrigen am Kaiserhof andererseits aufgegriffenen und behandelt werden. Gerade diese Episoden fand ich persönlich ziemlich interessant (beinahe noch interessanter als Clarissas Entwicklung, die sich zwar für ihre Zeit als toughe junge Dame erweist, die auch einige Entwicklungssprünge durchlebt, aber für meinen persönlichen Geschmack doch ein wenig zu viel ans Heiraten denkt. Doch ich will nicht unerwähnt lassen, dass ich die Protagonistin mochte, da sie ihr Herz am rechten Fleck hatte und ihre Gedanken hauptsächlich um das aktuelle Geschehen kreisten).
Doch lieber mochte ich Leander, den Gaukler, der sein Glück machen will und all die anderen kleineren oder größeren Nebenfiguren, die mit Herz und Verstand an Clarissas Seite stehen. Ich habe sie im Laufe des Buches sehr liebgewonnen. Sie verleihen dem Buch Leben!
Man spürt auf jeder Seite die Liebe zur Recherche, die die Autorin an den Tag legt. All die kleinen Details über die Fechtkunst waren mir zum Teil vollkommen neu und sind so meines Wissens auch nur selten in anderen Romanen behandelt worden. Sie verknüpft die Fakten geschickt mit den einzelnen Charakteren, sodass auch nicht das Gefühl aufkommt, man würde ein dröges Geschichtsbuch lesen. Nur an manchen Stellen war es für mich ein bisschen too much.
Besonders fasziniert haben mich die Städte wie Frankfurt oder Prag, die die Autorin so farbenfroh beschreibt, dass ich meinte, ich wäre an der Zeil oder in den Prager Straßen. Da verzeiht man es auch mal, dass es die Ein oder Andere Spannungslücke in der Mitte des Buches gab.

Alles in allem hat die Autorin einen wunderbaren Einblick in ein Themenfeld geliefert, über das ich bis dato noch nichts wusste. Trotzdem hatte das Buch ein, zwei kleine Schwächen, über die ich nicht einfach hinweg sehen kann. Deshalb vergebe ich vier gute Sterne und bin gespannt auf ihr nächstes Werk.

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36 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 5 Rezensionen

kerker, wüste, dschinn, magie, fluch

Der Fluch des Wüstenfeuers

A.S. Bottlinger
Flexibler Einband: 367 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 27.08.2016
ISBN 9783608960273
Genre: Fantasy

Rezension:

Iarets Wüstenmagie wird von einem Siegel im Zaun gehalten seit dem sie ein kleines Kind ist. Doch nachdem sie in den Harem des Herrschers gebracht wurde, versucht sie das Siegel zu brechen um zu fliehen. Der misslungene Fluchtversuch endet im Kerker, in dem sie unerwartet Verbündete findet. Den in Ungnade gefallenen Königssohn, eine Mörderin und einen Dieb, mit denen sie gemeinsam versucht zu fliehen.

Oh, das Buch klang so furchtbar interessant. Orientalisch, düster, mit magischen Spuren im Sand. Ich versprach mir ein aufregendes, spannungsgeladenes Abenteuer zum mitfiebern mit Charakteren, mit denen man Pferde stehlen kann. Voller Vorfreude begann ich zu lesen.
Der Roman ist in einen Binnen- und einen Außenplot gegliedert (was allein genommen erst einmal ziemlich interessant ist und die Spannung steigern kann). Der Binnenplot wird im Außenplot erzählt, und so machte ich es mir in der Hoffnung auf einige gemütliche spannende Stunden genau wie die anderen am Lagerfeuer bequem.

Jedoch, ja das „jedoch“ kommt gleich am Anfang, die Figuren schafften es nicht, mich abzuholen und mitzunehmen in ihre Welt, die eigentlich vom Orient inspiriert und einen düsteren Kerker in meinem Geiste lebendig werden lassen sollte. Irgendwann setzt normalerweise das Kopfkino bei mir ein und ich kann mich einem wirklich spannenden Buch nicht mehr entziehen. Es gab eine Menge spannender Momente in dem Buch, wie zum Beispiel der Kampf um Essbares oder der Fluchtversuch der Freunde. Aber die Spannung sprang einfach nicht von den Seiten auf mich über. Ich denke, dass liegt einerseits an den Figuren, die für mich persönlich einfach nicht lebendig genug wurden, um sich vom Papier zu lösen. Iaret blieb für mich blass, genauso wie ihre Magie. Der Ansatz war gut gelegt, aber der Funke wollte einfach nicht auf mich überspringen. Genau so stellte es sich für mich mit dem Königssohn dar, Ahat, der eigentlich so interessant für mich hätte sein können. Aber leider blieb er blass und ausdruckslos.
Mein Problem ist schlicht und einfach, dass ich meist über die Charaktere in ein Buch finde und sich über sie die Spannung aufbaut bei mir. Und dieser Schritt fiel mir leider beim Fluch des Wüstenfeuers unglaublich schwer, sodass ich plötzlich immer etwas anderes zu tun hatte oder mich einfach ablenken ließ.

Trotzdem muss ich betonen, dass in der Geschichte wirklich gute Ansätze zu finden waren, die immer wieder ihre Wurzeln in die Erde schlugen. Beim einen Leser treiben sie Blüten, bei mir leider nicht. Die Idee an sich fand ich jedoch großartig, genauso wie den Aufbau der Geschichte. Ich denke, der Roman und ich wurden einfach nicht miteinander warm, wie ein Tanzpaar, das sich gegenseitig immer wieder auf die Füße tritt. Bei einem anderen Tänzer, bei einem anderen Leser funktioniert die Geschichte wohl wunderbar. Das Ein oder Andere Mal keimte auch bei mir ein wenig Spannung auf, die die Autorin durch ihren guten Stil vermitteln konnte.

„Der Fluch des Wüstenfeuers“ kann spannend sein und Leser an die Seiten binden. Mich konnte der Roman leider nicht packen. Die drei Sterne setzen sich aus dem guten Schreibstil der Autorin zusammen, der guten Idee und dem Setting, das mich begeistern konnte.

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(20)

55 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

fantasy, london, horror, neil gaiman, niemalsland

Niemalsland

Neil Gaiman , Tobias Schnettler
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 14.10.2016
ISBN 9783847906155
Genre: Romane

Rezension:

Richard führt ein ganz normales Leben mit einem Job in London und einer Verlobten. Eines Abends stolpert ein Mädchen aus Unterlondon direkt vor seine Füße. Er trifft eine Entscheidung, die sein Leben verändert. Door nimmt ihm mit nach Unterlondon (unfreiwillig) und mit in ein Abenteuer voller Gefahren, Wunder und Türen.

Ich habe die Neuerscheinung von Niemalsland genutzt, endlich mit Richard und Door in die unterirdische Welt von London zu versinken. Neil Gaiman ist zumindest für mich ein großer Name, den ich immer lesen wollte, aber nie dazu gekommen bin. Und ich muss sagen, er hat mich mit seiner Welt voller Geheimnisse, Engel und wundersamen Gestalten bezaubert.
Doch von vorn:
Alles beginnt mit Richard, dem normalen Menschen mit dem normalen Job. Zunächst empfand ich keine sonderlich große Sympathie für Richard. Er war mir ein wenig zu egoistisch, zu sehr bemüht Normal zu sein - obwohl es den Durchschnittsmenschen eigentlich gar nicht gibt. Das einzig heldenhafte, was er zu Anfang leistet, ist ein halbtotes Mädchen von der Straße aufzusammeln. Aber diese Tat schubst ihn ohne das er es eigentlich will, kopfüber in ein neues Leben, da sein Altes ihn nicht mehr haben will. Hier haben wir den Fall, dass der Mensch mit seinen Aufgaben über sich hinauswächst. Mochte ich Richard zu Anfang nicht wirklich, erwischte ich mich in der Mitte des Buches dabei, wie ich mit ihm lachte und mit ihm mitfieberte. Er hatte sich in mein Herz geschlichen.
Door mochte ich genauso, doch sie hätte noch ein wenig mehr in den Vordergrund treten können. Sie strahlte in einigen Szenen, doch ich hätte mir wohl gewünscht, dass ich Lady Door im Laufe der Abenteuer noch ein bisschen näher kennen lerne.
Auch die Bösewichte bekamen Raum im Buch, was ungewöhnlich ist, ich aber eigentlich für einen klugen Kniff halte, da einem so die Bösen auch ein Stückweit näher kommen (und diese Bösewichte sind wirklich hassenswert!).

Die Story nimmt nach einer kurzen Einlaufzeit rasch an Fahrt auf und lädt zum mitfiebern ein. Dieser Einladung bin ich gerne gefolgt und habe mich von der wundersamen Welt von Unterlondon  verzaubern lassen. Neil Gaiman hat eine kuriose, wundersame Welt erschaffen, in der man gerne den Ein oder anderen Blick mehr riskiert (aber Vorsicht! Wer zu locker durch Unterlondon spaziert, könnte darin umkommen!). Die Welt hält an allen Ecken und Enden Wunder bereit, und Kuriositäten. Ich bin normalerweise ehr der Typ, der klassische Fantasy bevorzugt. Aber in diesem Fall war der Weltentwurf weder überzogen noch kindisch, was ich Gaiman hoch anrechne. In die dunkle Welt von Unterlondon würde ich jederzeit wieder einen Ausflug wagen.

Ich war begeistert von der Welt und von den Charakteren, die sich still und heimlich in mein Herz gestohlen haben. Trotzdem hat bei mir noch der gewisse Funke zur vollen Punktzahl gefehlt. Kennt ihr ihn? Den gewissen magischen Funken? Dann versteht ihr auch meine Bewertung von vier tollen Sternen für Niemalsland!
Ich empfehle es allen, die den Mut besitzen, in die Dunkelheit hinabzusteigen und neue Wunder zu entdecken.   

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(207)

517 Bibliotheken, 8 Leser, 1 Gruppe, 104 Rezensionen

fantasy, sabaa tahir, jugendbuch, liebe, laia

Elias & Laia - Eine Fackel im Dunkel der Nacht

Sabaa Tahir , Barbara Imgrund
Fester Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 11.11.2016
ISBN 9783846600382
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Laia und Elias sind auf der Flucht vor dem Imperium, mit einer Mission. Sie wollen Darin befreien, Laias Bruder, der der Schlüssel sein könnte für den Umsturz der Mächtigen. Derweil muss Helena sich als Bluthund behaupten und am Horizont erheben sich dunkle Wolken, die Intrigen mit sich bringen. Wem können die Freunde noch trauen? Wer ist Freund und wer Feind?

Der zweite Band dieser Reihe beginnt genauso atemlos spannend, wie der erste endete. Ich wurde sofort von Elias und Laia mitgenommen auf eine Flucht durch die Katakomben der Hauptstadt und war folglich auch sofort wieder in der Geschichte drin, ohne dass ich es überhaupt bemerkte. Schließlich hatte ich alle Hände voll zu tun am Leben zu bleiben und den Feinden nicht in die Hände zu fallen! Die Autorin beginnt spannend, um die Leser an das Schicksal der beiden Protagonisten zu binden. Und das gelingt ihr sehr gut.
In mehreren wechselnden Erzählperspektiven führt sie uns durch Buch. Da wären Elias und Laia. Alles wie gehabt und wie wir sie schon aus dem ersten Band kennen? Tja, ich habe jedenfalls leise gejubelt, als noch ein dritter Strang hinzu kam, nämlich der von Helena, vom Bluthund, die den Kontrast zu den beiden gesuchten Rebellen bildet und uns mit Neuigkeiten von der anderen Seite versorgt.
Nach dem rasanten Anfang beruhigt sich die Handlung ein wenig. Doch von Langeweile kann keine Rede sein. Der Autorin gelingt der schmale Balanceakt zwischen dem Aufrechterhalten des Spannungsbogens, der charakterlichen Weiterentwicklung und der Raubtierfütterung. Raubtierfütterung? Nun, sie füttert uns informationsgierige Leser mit dem ein oder anderen interessanten Detail, die zumindest mir so manches Mal ein fassungsloses Ächzen entlockten.
Auch wenn man schon am Anfang des Buches (oder am Ende des letzten Buches) wusste, wo die Reise in „Eine Fackel im Dunkel der Nacht“ hingehen würde, so verläuft der Plot keineswegs gradlinig und ich fühlte mich so einige Male, als hätte mich jemand von einem Moment auf den anderen unter eine kalte Dusche geschupst, so überraschend kamen für mich manche Ereignisse.
Der Schreibstil der Autorin ist wundervoll. Sie entführt uns in eine Welt, die über ein orientalisches Setting weit hinaus geht und ich fühlte mich von den ersten Seiten an zuhause. Die Bilder, die sie mir in den Kopf zauberte, waren teilweise wunderschön, teilweise atemlos und schrecklich.

Sabaa Tahir schönt nicht. Weder in ihren Beschreibungen, noch im Geschehen um einige Protagonisten. So habe ich um mehrere Figuren gezittert. Namen zu nennen würde an dieser Stelle zu sehr spoilern, aber wir müssen uns ebenfalls von dem ein oder anderen liebgewonnen Charakter verabschieden, was ich nur folgerichtig finde, um ehrlich zu sein. Sie leben in einer grausamen Welt, die Opfer fordert und die Umstände, unter denen sie ihre Abenteuer bestehen müssen, sind auch nicht gerade hell und ungefährlich. In Folge dessen habe ich um jeden einzelnen Charakter gebangt.

Ich war begeistert, zerstört, habe geweint und gelacht und bin mit einem gewaltigen Book-Hangover wieder aus den Seiten aufgetaucht. Das Buch lässt sich nicht anders als mit 5 Sternen bewerten, da in mir die Geschichte einerseits und die Charaktere auf der anderen Seite noch lange nachbrannten. Wie Fackeln im Dunkel der Nacht.

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52 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 21 Rezensionen

fantasy, fliegen, irrlicht, magie, irrlichtfeuer

Irrlichtfeuer

Julia Lange
Flexibler Einband: 528 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.09.2016
ISBN 9783426519431
Genre: Fantasy

Rezension:


Alba träumt vom Fliegen und bastelt dafür klammheimlich an einer Apparatur, die ihr dieses Vorhaben ermöglicht. Doch dazu benötigt sie Irrlicht. Auf der Suche danach gerät sie zwischen die Fronten, die sich in dem Stadtstaat Ijesstedt formieren. Zwischen Irrlichtkindern und Arbeitern muss sie sich nun behaupten.

Die Idee der gesamten Geschichte lockte mich an wie das Licht einer Laterne die Mücken. Ein geheimnisvolles Irrlicht, das als Energiequelle dient und auch sonst ein gewaltiges Potential bietet. „Kinder“, die aus einem Unfall hervorgegangen sind und besondere Fähigkeiten haben und eine Stadt, in der der Groll der Bevölkerung schwelt. Alles Zutaten, die von dem gewöhnlichen Fantasymainstream abweichen und frischen Wind versprechen.
Schon die ersten Seiten zogen mich in ihren Bann. Alba handelt, sie wird nicht erst lange eingeführt, sondern ich lernte sie in ihrem gewohnten Umfeld kennen. Dabei wurde auch noch nicht alles über sie verraten. Die Frage nach ihrer Herkunft trieb mich zu den wildesten Spekulationen und ließ mich Seite um Seite umblättern, um über die Passage zu stolpern, die meine Neugierde befriedigte. Genauso war es mit Kass, einem Irrlichtkind, dessen Anfangsszenen ich besonders beeindruckend finde, da ich die Bilder, die Julia Lange mit ihren Worten in meinen Kopf zu zeichnen vermochte, sehr gern hatte.
Julia Lange jongliert mit einer Hand voll Charakteren und Erzählperspektiven, die sie in der ersten Hälfte auch gut einführt und zu händeln vermag. Jeder Charakter hat Anfangs seine eigene Stimme, gleich ob laut oder leise, und jeder kommt auch mal zu Wort. Anfangs? Auf diese Einschränkung gehe ich später noch ein.
Der Plot entwickelt sich spannend und Julia Lange nimmt auch kein unnötiges Blatt vor den Mund oder schont an der falschen Stelle. Doch ich will nicht all zu viel verraten, da sich die Geheimnisse von Ijesserstedt erst nach und nach entblättern.
Die Sprache der Autorin ist sehr bildhaft, was einem vor allen Dingen zu Beginn hilft, die Charaktere vor sich zu sehen und die Settings einzuordnen, in denen die verschiedenen Figuren agieren. Ich mochte den Stil des Buches auf jeden Fall sehr gerne und war gerade deswegen zu Anfang Feuer und Flamme für diese Welt.
Zu Anfang? Ja, zu Anfang. Meine Euphorie ist in der zweiten Hälfte des Buches ein wenig abgekühlt. Vor allen Dingen da hatte ich manchmal das Gefühl bei den Wechseln der Erzählperspektive, dass sie holprig von statten gingen. Es dauerte immer ein wenig, bis sich die Autorin wieder gefangen hatte und das trübte auch die Lesefreude ein wenig. Zudem weiß man lange nicht, wohin die Reise eigentlich gehen soll. Da hätte ich mir sowohl zum Plot als auch zur Funktionsweise und dem Ursprung des Irrlichtgases ein wenig mehr Input erhofft.

Nichtsdestotrotz habe ich mit den Figuren gelitten und gebangt, war von den Ideen begeistert. Die Autorin hat mich in eine Stadt entführt, in der hinter jeder Ecke ein Geheimnis lauerte und ich habe manchmal mit angehaltenen Atem an der Buchseite geklebt. Deshalb vergebe ich sehr gerne vier Sterne und bin gespannt auf ihr nächstes Werk.

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504 Bibliotheken, 27 Leser, 1 Gruppe, 149 Rezensionen

thriller, cody mcfadyen, smoky barrett, die stille vor dem tod, mord

Die Stille vor dem Tod

Cody McFadyen , Axel Merz
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 26.09.2016
ISBN 9783785725665
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Smoky wird zu einem Tatort gelockt, gemeinsam mit ihrem Team, wo ihr Name blutig an die Wand geschrieben wurde. Ein Massenmord von mehreren Familien, alle wohnhaft in dem selben idyllischen Viertel. Wird Smoky auch dieses Rätsel lösen können?

Endlich!, war wohl mein erster Gedanke, der sich einstellte, sobald ich die Ankündigung eines neuen Falls von Smoky und ihrem Team las. Endlich geht es weiter. Wir - die Fans seiner vorherigen vier Bücher - haben geduldig ausgeharrt. Und nun wurde die Geduld belohnt. Vorfreude stellte sich ein, die jedenfalls ich kaum zügeln konnte. Ich liebte Smoky und ihr FBI-Team und hatte die Hoffnung bald aufgegeben, jemals wieder etwas von ihren Fällen lesen zu können.

So war die Freude umso größer als ich den fünften Band der Reihe endlich in den Händen hielt und die ersten Seiten genau so anmuteten, wie ich es von Cody gewöhnt war. Schockierend, direkt und analytisch und natürlich blutig. Wer Cody kennt und seine unverblümte Art zu schreiben schätzt, der dürfte sich auf den ersten Seiten ganz zuhause fühlen. So wie ich. Innerlich jubilierte ich. Smoky, James, Alan und Callie wie sie leibten und lebten. Ich stellte mich auf ein furioses Ermittlungsabenteuer ein, in dem immer eine latente Gefahr für die Mitglieder des Teams herrscht, die mich zusätzlich an die Seiten fesselt.
Nur leider kollidierte der Plot nicht lange nach dem die Leinen gelöst worden waren und die Geschichte eigentlich an Fahrt aufnehmen sollte mit einem Eisberg und begann wie die Titanic nach einem großen, unerwarteten Knall rettungslos unterzugehen.
Doch beginnen wir einfach mit dem Spannungsbogen. Etwa nach den ersten fünfzig Seiten habe ich gespürt, dass Cody das Buch diesmal anders angehen wollte. Gut und schön, es ist sein Recht, sich nach all den Jahren und den bestandenen Fällen zu verändern, dachte ich. Solange er mich mitnimmt beim Umsteigen auf den anderen Zug.
Doch leider habe ich den Zug verpasst, in den der Autor offensichtlich gestiegen ist. Anders kann ich es mir nicht erklären. Denn der Spannungsbogen folgt der Titanic nach den ersten fünfzig Seiten in 3000 Meter Tiefe und hat zu tun, sich zum Ende hin überhaupt wieder der Oberfläche zu nähren. Das, was eigentlich spannungsgeladene Ereignis gewesen wären, wurde in nüchternen Zeitungsartikeln abgehandelt oder nacherzählt. Ich kann dem Autor soweit folgen, als dass er die Artikel als stilistisches Mittel anwenden wollte. Doch zu mir ist das Mittel leider nicht durchgedrungen. Erst im letzten Drittel kommt es wieder zur altbekannten Ermittlungsarbeit (wie man sich doch über die kleinen Dinge wie ein Whiteboard freuen kann …).
Viel eher wurde der Fokus auf das Seelenleben von Smoky gelegt, ohne jetzt zu viel verraten zu wollen und viel Mühe und Zeit in ihre Träume investiert, was mich nach dem zweiten Traum - ich traue es mich kaum zu schreiben - ehr gelangweilt als neue Informationen gegeben hat. Somit wurde insbesondere der Mittelteil für mich zu einer wahren Geduldsprobe, über die mich nur die Neugier auf den Verbleib des ein oder anderen Protagonisten hinweg trösten konnte.
Das einzige, was mich um der Wahrheit Genüge zu tun, halbwegs bei Laune gehalten hat, waren die Ereignisse rund um James. Er ist über alle Bücher hinweg mein Lieblingscharakter geworden und in diesem Buch hat der Autor das ein oder andere persönliche Detail über ihn Preis gegeben, was mich gefreut hat.
Stilistisch ist Cody für mein Verständnis ein wenig zu weit gegangen, zu überbordend geworden, sodass das knackige, spannende seiner bisherigen Sprache etwas auf der Strecke blieb. An manchen Stellen.

Am Ende bleiben sehr viele Fragen ungeklärt. Natürlich soll es immer noch Raum für eine Fortsetzung geben, doch so manche Detailfragen hätte ich schon recht gerne noch einmal aufgegriffen gehabt. Es ist ein offenes Ende, dass leider nicht durch atemlose Spannung brilliert. Die Titanic wurde leider (noch?) nicht gehoben, deshalb fällt mir umso schwerer, ein endgültiges Urteil in Sterne zu kleiden.
Der Plot war durchaus klug und ein paar Details haben mich trotz des schwachen Endes überrascht die Braue heben lassen. Zudem hat mich James’ Präsenz überrascht und gefreut - trotzdem. Das Buch hatte für mich nicht die Spannung, die einen grandiosen Thriller ausmachen, der einen solange an die Seiten fesselt, bis man das letzte Wort gelesen hat, sondern hat mich über weite Strecken enttäuscht. Deshalb vergebe ich schwache 3 Sterne und hoffe, dass man für das nächste Buch kein „ABC des Traumdeutens“ mehr benötigt.

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71 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 27 Rezensionen

fantasy, berun, blaustein, die blausteinkriege, mord

Die Blausteinkriege - Sturm aus dem Süden

T.S. Orgel
Flexibler Einband: 640 Seiten
Erschienen bei Heyne, 11.10.2016
ISBN 9783453317062
Genre: Fantasy

Rezension:

Am Hof regieren Intriganten, und der Kaiser ist zudem noch allzu schwach. Thoren und Sara versuchen alles, um das Kaiserreich zusammen zu halten, doch auch Saras Treue wird erschüttert. Derweil muss Danil weit im Norden um sein eigenes Leben begangen und in Macouban herrscht der Aufstand. Der Schwertmann Marten und seine Freunde und Feinde müssen dort ihr können beweisen, dabei hat sich der wahre Feind noch nicht zu erkennen gegeben.

Ich halte „Mit Sturm aus dem Süden“ den zweiten Band der Trilogie rund um die Blausteinkriege in den Händen und habe mich schon seit langem auf den zweiten gefreut, da ich den ersten (entgegen meiner Erwartungen) verschlungen habe mit Wort und Buchstabe. Ich wollte Sara und Thoren wiedersehen, mehr über das Schicksal von Danil erfahren und mit Marten und Co. KG derbe Witze reißen.
Die Geschichten werden wie auch schon im letzten Band aus mehreren unterschiedlichen Perspektiven erzählt, keine wirkt jedoch platt oder unausgegoren. Jeder Charakter hat seine eigene laute oder leise Stimme. Und jeder Leser hat seine Lieblinge, zu den meinen zählten Sara und Thoren und Danil. Aber auch Marten und sogar Cunrat sind mir letztendlich ans Herz gewachsen. Ich habe mit allen mitgebangt und mitgefiebert, da die Autoren ja dafür bekannt sind alle Charaktere brav am Leben zu lassen.
Die Autoren haben die Balance gefunden. Die Balance zwischen Charakterentwicklung und abenteuerlichen und kriegerischen Auseinandersetzungen. Danil, Sara, Marten und Cunrat lernen aus ihren Erfahrungen und reifen daran spürbar. Das ist es, was mich an die Blausteinkriege so dermaßen fesselt. Die Frage, wo diejenigen mit denen man gebangt und geliebt hat, letztendlich enden peitscht einen nur so durch die Seiten und macht einen hungrig auf den dritten, denn mit „Sturm aus dem Süden“ hat die Geschichte zwar einen großen Schritt gemacht, ist aber noch lange nicht zu Ende erzählt.
Auch die Magie, die in den Blausteinen steckt, wird näher beleuchtet, aber nicht gänzlich erklärt (zum Glück! Ich mag eigentlich keine oberlehrerhaften Erklärungen!).

Wenn ich nach den ersten Zeilen den Kopf schüttle, und beginne mit dem Buch zu reden, dass das, was in der Szene geschieht, wohl keine gute Idee ist, dann hat mich die Sprache in ihrem Netz und schleift mich sowohl durch Moder als auch durch große Hallen mit Blaustein geschmückt. Obwohl zwei Brüder am Werke waren, ergänzen die beiden sich jedoch so gut, dass ich die Übergänge im Lesefluss kaum oder gar nicht bemerkte.

Insgesamt hat mich persönlich einfach die Stimmung mitgerissen. Tertys ist ein rauer Kontinent, dem sich seine Bewohner anpassen müssen, um zu überleben. Doch für mich stimmten einfach die Charaktere. Und ich bin jemand, der Zugang zum Buch über die Protagonisten und die Bösewichte bekommt. Hier laden sie ein, sie in ihre Welt begleiten, jedoch nicht ohne eine kleine Warnung - das ist kein Land zum Kuscheln mit weißen Flauschehäschen. Wenn du trotzdem noch an unserer Seite kämpfen willst, so schließe dich uns an. Und das habe ich getan und ich wurde mit einer Geschichte belohnt, über die ich herzlich lachen, jedoch genauso schockiert Inne halten musste. Sie hat mich berührt und ich bin wahnsinnig gespannt auf den nächsten Band. Fünf Sterne dafür, dass ich über Marten so gelacht habe, dass ich fast vom Bett gefallen wäre.

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468 Bibliotheken, 11 Leser, 0 Gruppen, 108 Rezensionen

märchen, winter, schnee, fantasy, katharina seck

Die silberne Königin

Katharina Seck
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 14.10.2016
ISBN 9783404208623
Genre: Fantasy

Rezension:


Ein eisiges Märchen

Die junge Emma kennt Farben und die Wärme der Sonne auf der Haut nur aus Erzählungen. In ihrer Heimat herrscht beständiger Frost und Eiseskälte. Ihr größter Traum ist es, in der Chocolatrie von Madam Weltfremd eine Anstellung zu erhalten. Schon seit jeher faszinieren sie die süßen Gebäckstücke und herbe Schokolade, die ein seltenes Lächeln auf die Gesichter der Bewohner von Silberglanz. Sie findet Arbeit, darf den magischen Geschichten von Madam Weltfremd lauschen, muss jedoch auch Waren auf das Eisige Schloss, das über der Stadt thront, bringen. Und der König birgt ein grausames Geheimnis.

Das Cover zog mich magisch an. Es flüsterte mir zu, dass ich im Inneren des Buches nicht nur Eis und Schnee finden würde, sondern gleichzeitig Wunder und eine Prise Magie. Und so ging ich gespannt in die ersten Seiten hinein - und verlor mich zwischen den Zeilen nach wenigen Seiten.
Katharine Seck webt von Beginn an eine so dichte, märchenhafte Atmosphäre, dass es schwer fällt das Buch wieder zuzuschlagen oder den Reader aus der Hand zu legen. Ich bin genau wie die Protagonistin Emma durch die eisig glatten Straßen von Silberglanz gestreift und habe sehnsüchtige Blicke in das Schaufenster der Chocolatrie geworfen. Wer jetzt aber denkt, dass die Atmosphäre mit Zuckerguss und bunten Streuseln garniert sei, der irrt - gewaltig. Genauso gut wie die Autorin den herben Geschmack der Schokolade beschreibt, so führt sie uns auch in den oftmals grausamen und bitteren Winter. Ich habe die Kälte gespürt. Die Taubheit, die sich einstellt, wenn das Blut langsam aus den Gliedmaßen weicht, um wichtigere Teile des Körpers warm zu halten. Die Märchenwelt, die die Autorin erdacht hat, ist eisig, wunderschön, aber genauso grausam wie ein lang anhaltender Schneesturm.
Emma war mir von Beginn an sympathisch. Sie wirkt abgeklärt, hat ihre Prioritäten, aber erlaubt es sich auch zu träumen und ihre Träume zu verfolgen. Das macht sie in meinen Augen zu einer Persönlichkeit, auf die sich ihre Freunde verlassen können. Sie hat auch weder Anzeichen von Naivität noch quietschiger Verliebt gezeigt, was ich in Büchern sehr begrüße. Diese Geschichte hat nur eine Handvoll wirklich wichtiger Protagonisten. An Emmas Seite ist stets Ophelia, die auch in der Chocolatrie arbeitet, Madam Weltfremd und ihr Vater, um den sie sich kümmert. Auf der anderen Seite steht der König in seinem Schloss aus Eis, von dem der geneigte Leser die ein oder andere Überraschung erwarten kann.
So wie das Buch in der ersten Hälfte wunderbar in die Welt von Silberglanz einführt (ohne zu langweilen), so steigert sich die Spannung in der zweiten Hälfte. Ich mochte beide Varianten sehr gerne, obwohl in der zweiten Hälfte ruhig noch die eine oder andere Szene ein wenig detaillierter hätte erzählt werden können. Das Tempo wurde also mit zwei Peitschen anstatt einer voran getrieben. Die ein oder andere kleine Logiklücke ist mir persönlich aufgefallen, über die man jedoch mit einem kleinen Sprung drüber weg hüpfen kann, da das Gesamtpaket für mich einfach sehr stimmig war und mir gut gefallen hat.
Da setzt man sich gerne in die warmen Räume Madam Weltfremds und lauscht ihren Geschichten, die alle ein Körnchen Wahrheit enthalten. Und natürlich wird auch die ein oder andere romantische Saite zum klingen gebracht, jedoch hat sich dieser Teilplot der Story nicht rabiat in den Vordergrund gedrängt, sondern hielt sich - wie ein Gentleman - dezent zurück.

Alles in allem empfehle ich jedem, der auch nur ein wenig für winterliche Märchen übrig hat, „die silberne Königin“. Ihr lasst euch auf ein eisiges Abenteuer ein, das mit filigranen Worten wie Eisblumen an einer Fensterscheibe erzählt wird. 4,5 Sterne vergebe ich sehr gerne für dieses Buch.

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