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(40)

44 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 39 Rezensionen

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Lenz

Michael Theurillat
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 26.10.2018
ISBN 9783550081989
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Lenz“ ist Band 6 der Kommissar Eschenbach-Krimireihe von Michael Theurillat. Der Tod eines älteren Herrn lässt Fragen aufkommen. Steckt mehr dahinter?

Nach einer dreimonatigen Auszeit kehrt Eschenbach zurück an seinen Posten als Leiter der Züricher Kriminalpolizei. Stellvertreterin Ivy Köhler bleibt entgegen aller Erwartungen vor Ort. Zu schnell soll ein Todesfall zu den Akten gelegt werden. Auseinandersetzungen sind vorprogrammiert.

„Das Andersartige bleibt fremd – und es wird zunehmend fremder. Und wenn es stört, versucht man es leise loszuwerden. Die heutige Gesellschaft ist dazu übergegangen, anders Denkende auszuschließen. Der Mainstream setzt sich durch, und das hat verheerende Folgen. Der Prolog hält den Menschen den Spiegel vor. Sind wir zu denkfaulen Egoisten geworden, die sich problemlos manipulieren lassen? Der Krimi befasst sich mit aktuellen Themen, besorgniserregenden Veränderungen in unserer Gesellschaft. Eine Leiche liegt tagelang unentdeckt in einer Wohnung. Niemand scheint den Mann gekannt zu haben. Erst Kommissar Eschenbach fallen Ungereimtheiten auf. Hinter dem Fall steckt mehr als auf den ersten Blick scheint. Handlungswechsel, ein Freund bittet Ewald Lenz um einen Gefallen. Zwar klingen die Instruktionen seltsam, aber Lenz lässt sich darauf ein. Zeitsprünge, Rückblenden und überraschende Einschübe machen es zeitweise schwer, der Handlung zu folgen. Das Aha-Erlebnis kommt meistens schnell und gibt Klarheit. Alles dreht sich um drei Hauptfiguren, Kommissar Eschenbach, Ewald Lenz und seinen Freund. Nur langsam fügen sich die Fäden zusammen. Überzeugend ist der Erzählstil. Es entsteht die Versuchung, den Krimi in einem Rutsch durchzulesen. Manche Passagen bringen Aktuelles so gut auf den Punkt, dass es lohnt sich Zeit zu lassen. Ein Krimi, der zum Nachdenken anregt. Ein scheinbar abweichendes Thema, der Syrien-Krieg, spielt keine unwichtige Rolle. Lenz und Eschenbach sind interessante Persönlichkeiten. Eschenbach hat ein besonderes Gespür und einen untrüglichen Sinn für Details. Sein Vorgänger bei der Kriminalpolizei Toni Stalder beschreibt Ewald Lenz sehr treffend: „Halt ein Auge auf den Lenz im Archiv. Auch wenn der nicht so aussieht, aber das ist ein Ferrari.“ Der Vergleich mit der Luxuskarosse wird noch nähert erläutert und bringt zum Schmunzeln. Im letzten Buchdrittel werden Geheimnisse offenbart. Keine rasante Action, dafür ein Krimi mit Stil und realistisch wirkenden Szenen. In „Anmerkungen des Autors“ erfährt der Leser mehr darüber was erfunden und tatsächlich passiert ist. „Manchmal ist die Realität noch verrückter als meine Fantasie.“

Das Cover hinterlässt mit Farben und Gestaltung Eindruck. In „Lenz“ dreht sich alles um das Thema „Freundschaft“. Wer sich Spannung, Tempo und packende Szenen wünscht, sollte zu einem anderen Kriminalroman greifen. Autor Michael Theurallit erzählt seine Geschichten in einem ganz eigenen Stil und bringt Dinge damit auf den Punkt. Fantasie und Realität vermischen sich zu einem unterhaltsamen Werk.

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Tags: krimi, lenz, michael theurillat   (3)
 

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(55)

92 Bibliotheken, 9 Leser, 2 Gruppen, 41 Rezensionen

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Tattoo

Ashley Dyer , Bettina Spangler
Flexibler Einband: 560 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 15.10.2018
ISBN 9783734106514
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Tattoo“ bildet den Auftakt zur Greg Carver und Ruth Lake-Thriller-Reihe von Autorin Ashley Dyer. Eine Mordserie bringt beide an ihre Grenze.

Fünf Opfer hat der Dornenkiller öffentlich theatralisch zur Schau gestellt. Detective Chief Inspector Greg Carver und Detective Sergeant Ruth Lake sind dem Täter nicht dicht genug auf den Fersen, um ihn aufzuhalten. Was haben die großflächigen Tattoos an den Körpern der Opfer zu bedeuten? Auf wen hat es der Mörder als Nächstes abgesehen?

Der Thriller beginnt mit einem Paukenschlag. Das Undurchsichtige und Rätselhafte lässt Fragen aufkommen. Was ist tatsächlich geschehen? Scheinbar ist die Situation eindeutig. Perspektivwechsel, die aufflammenden Erinnerungen des Opfers sorgen zusätzlich für Atmosphäre. Wer hat den Alptraum verursacht und warum? Von Anfang an ist die Spannung auf einem hohem Niveau. Weitere Perspektivwechsel gewähren Einblicke in die Gedanken des Killers und Ruth Lakes Aktionen sowie ihren Gemütszustand. Neue Ereignisse verstärken das Rätselhafte. Wie hängt alles zusammen? Der Thriller ist raffiniert gestrickt. Nach und nach werden Puzzlestücke preisgegeben. Spekulationen, Irreführungen, der Leser tappt lange im Dunkeln. Ruth und Greg sind interessante Persönlichkeiten. Jeder hat seine Geheimnisse. Nicht nachzuvollziehen sind Ruths Zweifel an Greg. Sie müssten ihren Partner besser kennen. Der Killer bleibt eine lauernde Gefahr. Wann schlägt er wieder zu, und wen wird es treffen? Ruth setzt sich über Grenzen hinweg und bringt Ungereimtheiten zu tage. Die Gefahren für alle Beteiligten nehmen zu. Wie dicht ist sie am Täter dran? Nichts lässt sich mit Sicherheit sagen. Eine Zwickmühle ist originell inszeniert. Gibt es einen Ausweg das Ruder herumzureißen? Der Erzählstil überzeugt auf ganzer Linie. Jedes Detail sitzt. Immer wieder werden kleine Überraschungen eingestreut. Für zusätzlichen Unterhaltungswert sorgt der schüchterne Tom Ivey. Gerne kann er im nächsten Band einen größeren Part bekommen. Zum Schluss überschlagen sich die Ereignisse. Filmreife Szenen. Der Showdown läuft. Welche Spur führt zum Täter? Ein irreführender Schachzug und die Überraschung sind gelungen. Gerne hätte es zum Ende noch packender zugehen können. Das Ermittlerteam hat großes Potential. Ein gelungener Auftakt, der die Hoffnung auf viele, ungewöhnliche und spannende Thriller sät.

Der Titel bringt das Beklemmende und Besondere des Thrillers auf den Punkt. Mit wenigen Mitteln gut in Szene gesetzt. Ein bisschen effektvoller hätte das Cover sein können. „Tattoo“ reißt von Anfang mit. Ein origineller Plot, der insgesamt noch etwas mehr Tempo hätte vertragen können. Die Geschichte wirkt sehr realistisch und hallt nach Zuklappen des Buches nach. Auf jeden Fall empfehlenswert.

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Tags: ashley dyer, tattoo, thriller   (3)
 

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(72)

84 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 72 Rezensionen

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Gangsterblues

Joe Bausch
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Ullstein extra, 12.10.2018
ISBN 9783864930560
Genre: Sachbücher

Rezension:

Nach „Knast“ gewährt Arzt, Autor und Schauspieler Joe Bausch in „Gangsterblues“ erneut Einblicke in seine Arbeit als Leitender Regierungsmedizinaldirektor in der Justizvollzugsanstalt Werl und den Gefängnisalltag.   

„Außergewöhnliche Begegnungen und die Geschichten, die mir dabei erzählt wurden, oder Geschichten, von denen ich nebenbei erfuhr, inspirierten mich für dieses Buch. Die Idee, die interessantesten von ihnen zu anonymisieren, zu fiktionalisieren und weiterzuspinnen, trieb mich dabei an.“

„Dieses Buch befasst sich mit dem Alltag in deutschen Gefängnissen, nicht mit den individuellen Biographien. Es handelt vom Zustand des Strafvollzugs, nicht von Einzelschicksalen.“ Anhand von zwölf Geschichten erzählt Gefängnisarzt Joe Bausch aus der Welt hinter Gittern. Hier herrschen andere Regeln. Hier muss jeder seinen Weg finden, mit den veränderten Bedingungen zurechtzukommen. Misstrauen, Einsamkeit, Schuld, Reue, Unschuld, Wut, die Emotionen kochen an diesem Ort leicht über. Joe Bausch bringt auch mal mit unkonventionellen Mitteln das Eis zum Schmelzen. Ihm werden auch aufgrund seiner Schweigepflicht Dinge anvertraut, die sonst vielleicht selten oder gar nicht an die Oberfläche kommen würden. Dem Menschen Joe Bausch ist leicht abzunehmen, dass er sich für die Geschichten der Strafgefangenen interessiert. Er liest sich in Akten ein, lässt Gespräche zu, hat ein offenes Ohr für Sorgen. Nicht immer ist das, was er zu hören kriegt leicht zu verdauen. Sturköpfe, Eigenbrötler, Gentlemanganoven, er bekommt es mit einer ganzen Palette von Charakteren zu, und jeder hat es auf seine Weise faustdick hinter den Ohren oder ist aufgrund tragischer Fehler an diesem unwirtlichen Ort gelandet. Joe Bausch erzählt auf unnachahmliche Weise von seinen Begegnungen, die so stattgefunden haben könnten. Der Gefängnisalltag wird greifbarer. Was ist ein Spannmann? Was hat es mit dem Affenfelsen auf sich? Besonders die Geschichte mit den drei alten Ganoven reißt mit. Selbst ab einem gewissen Alter sind Gauner nicht zu unterschätzen. Arztbesuche im Bunker sorgen für Spannung. Eine Prise Humor darf nicht fehlen. Nicht nur hinter Gittern ist Lachen die beste Medizin. Fragwürdige Deals, Gerüchte, Spekulationen, Fehleinschätzungen, manches geht nah, anderes verstört oder bringt trotz ernsthaftem Hintergrund zum Schmunzeln. Vom Auftragskiller bis zum Beschwerdefürst, filmreif sind fast alle Geschichten. Umso abrupter kommt das Ende. Das Buch hört einfach mit der letzten Story auf. Es entsteht der Eindruck, dass etwas fehlt. Ein Abschluss, Nachwort, Kommentar, eine persönliche Note, der Ausblick auf das nächste Buch. Schade! Gerne hätten es auch mehr Geschichten sein können.

Das Cover mit dem markanten Gesicht Joe Bauschs und prägnanten Titel hat Anziehungskraft. Gut gewählt sind auch die Farben. Das Schwarz als Hintergrund und die weiße Schrift. Alles sehr passend zum Inhalt. Zusatz und Vorwort lassen keine falschen Erwartungen aufkommen. „Gangsterblues“ bringt einem den Gefängnisarzt Joe Bausch näher, der seine Prinzipien und Regeln hat, aber auch eine Neugierde. Ihm gelingt es, Vertrauen aufzubauen wo Misstrauen und unsichtbare Mauern vorherrschend sind. Ein interessantes Buch. Auch der Unterhaltungswert kommt nicht zu kurz.

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Tags: gangsterblues, joe bausch   (2)
 

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(42)

50 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 38 Rezensionen

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Chicago

David Mamet
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 01.10.2018
ISBN 9783959672245
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Chicago“ ist das neueste Werk von Dramatiker, Essayist, Drehbuchautor und Regisseur David Mamet. Sein Drama „Glengarry Glen Ross“ wurde 1984 mit dem Pulitzer-Preis und vier Tony Awards ausgezeichnet. In „Chicago“ verstößt Reporter Mike Hodge gegen die Regeln der Mafia.

Mike Hodge und Clement Parlow arbeiten für die Lokalredaktion des „Chicago Tribune“. Als ein Nachtclubbesitzer und sein Geschäftspartner ermordet werden, stellt Mike Recherchen an und tritt mal wieder den Mächtigen auf die Füße. Ständig Warnungen missachtend, wird Mike eine unmissverständliche Mission erteilt, die alles aus dem Ruder laufen lässt.

Der Einstieg mit einem Gespräch unter Journalisten ist unspektakulär. Es fehlt an rasanter Action. Das Tempo ist sehr langsam. Es kommt keine Spannung auf. Auch im weiteren Verlauf der Geschichte fehlen über lange Strecken Thrillerelemente. Interessant wird es mit Mikes Liebe zu Annie Walsh. Autor David Mamet setzt das Thema „Unterwelt Chicago“ auf ganz eigene Weise um. Der Fokus liegt auf Dialogen. Durch Abschweifungen und Erinnerungen wird das Tempo ausgebremst. Alles wirkt etwas durcheinander. Die Chicago-Atmosphäre will nicht aufkommen. Mike und Parlow sind nicht richtig greifbar. Mit einem Paukenschlag tritt keine Wende ein. Der Erzählstil bleibt unverändert. Das Rätselhafte wird wiederholt. Mit dem „Warum“ entsteht ein roter Faden. Trotzdem plätschert die Geschichte weiter vor sich hin. Wer den Schreibstil des Autors nicht kennt, steckt in einer Gewöhnungsphase. Wie hängt alles zusammen? Geschichtliches und Infos bringen einem Mike und Parlows Welt näher. Nicht immer muss ein Wort fallen, um zu verstehen. Parlows Instinkt und Mikes Kombinationsgabe überzeugen. Ihre Lässigkeit und Coolness kommen besonders im letzten Buchdrittel zum Vorschein. Alleingänge sind an der Tagesordnung. Bietet der eine dem anderen Schutz? In einer prekären Situation kommt die Frage nach dem Partner auf. Hat der Autor ihn in den Szenen vergessen? Mike verstößt gegen die Regeln und geht Risiken ein, um die Wahrheit herauszufinden. Er lässt trotz Gegenwind nicht locker. Bewundernswerte Dreistigkeit. Taktiken, Wende und Auflösung überraschen. Das letzte Buchdrittel reißt Einiges raus. Ungewöhnlich, anders, ein Roman und kein Thriller.

Die Bezeichnung „Thriller“ auf dem Cover ist fehlerhaft und schürt falsche Erwartungen. Titel und Coverszene sind gelungen. „Chicago“ ist ein eigensinniges Buch. Wer sich auf Autor und Story einlässt, wird sich tatsächlich in der Chicagoer Unterweltsatmosphäre wiederfinden. Das Dialoglastige muss man mögen. Wer auf Action und Spannung aus ist, sollte nach einem anderen Buch greifen.

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Tags: chicago, david mamet, roman   (3)
 

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(78)

128 Bibliotheken, 6 Leser, 1 Gruppe, 77 Rezensionen

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Die wundersame Mission des Harry Crane

Jon Cohen , Alexandra Kranefeld
Flexibler Einband: 536 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 02.10.2018
ISBN 9783458363620
Genre: Romane

Rezension:

„Die wundersame Mission des Harry Crane“ ist das neueste Werk von Schriftsteller und Drehbuchautor Jon Cohen. Schicksalsschläge verändern die Welt von gleich zwei Familien.

Harry Crane verliert sein geliebte Frau Beth auf tragische Weise. Er gibt sich die Schuld an dem Unglück. Auch Amanda Jeffers und ihre neunjährige Tochter Oriana sind in Trauer. Ehemann und Vater Dean stirbt völlig überraschend. Die Wege der Drei kreuzen sich auf besondere Weise.

Der Einstieg mit dem The Weekly-Artikel kommt unerwartet. Nach und nach wird die Bedeutung klar. Hauptfigur Harry Crane schleicht sich schnell ins Leserherz. Die Geschichte seiner großen Liebe und der Tag, der alles beendet, berührt. Die Themen „Trauer, Verlust, Einsamkeit“ werden bald ungewöhnlich mit einer großen Prise Humor umgesetzt. Mit dem heiteren Blick auf große und kleine Wunder steigt der Unterhaltungswert und hält sich auf einem hohen Niveau. Energiebündel Oriana findet ganz besondere Auswege, um mit ihrer Trauer umzugehen. Märchen und Phantasien verströmen einen mitreißenden Zauber. Deans Tod hat nicht nur Auswirkungen auf das Leben von Amanda und Oriana. Das Thema „Schuld“ zieht weite Kreise. Alle Charaktere wirken sehr real, jede noch so absurde Reaktion ist verständlich. Unmöglich sich der Magie der Geschichte zu entziehen. Sie bietet Trost und Hoffnung. Dank Wirbelwind Oriana gibt es für alles eine Erklärung, auch wenn diese sich oft sehr kurios anhören. Die Story nimmt immer mehr Fahrt auf. Action, Spannung, überraschende Wendungen. Die Liebe zur Natur und zu den Büchern steht im Vordergrund. Gier, Intrigen, Strategien, das Böse zeigt Zähne und will seinen Anteil. Nicht nur in Harrys Leben geht es zu wie auf einer Achterbahn. Das Netz zieht sich enger. Humorvoll und warmherzig spinnt Autor Jon Cohen seine Fäden. Was ist das wirklich Wichtige im Leben? Welcher Plan geht auf? Unerwartet steuert alles auf einen Showdown zu. Die Zeit drängt. Nichts ist mehr sicher. Das Ende lässt sich vorausahnen. Der Zauber entwickelt sich ganz von alleine und nimmt gefangen.

Das magische Cover mit den intensiven Farben und einem Hinweis passt perfekt zum Inhalt. Der Titel hat eine besondere Anziehungskraft. Eine schöne und effektvolle Gestaltung. Dem Buch würdig. „Die wundersame Mission des Harry Crane“ hat gleich mehrere Botschaften parat, ohne mit dem erhobenen Zeigefinger zu schwenken. Augenzwinkern inklusive. Sehr empfehlenswert und lehrreich für jung und alt! Manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht. :)

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Tags: die wundersame mission des harry crane, jon cohen, roman   (3)
 

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(130)

196 Bibliotheken, 4 Leser, 2 Gruppen, 102 Rezensionen

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Bösland

Bernhard Aichner
Fester Einband: 448 Seiten
Erschienen bei btb, 01.10.2018
ISBN 9783442756384
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Für „Interview mit einem Mörder“ erhielt Bernhard Aichner 2017 den Friedrich-Glauser-Preis für den besten Roman. Seine Bücher „Totenfrau“ und „Max Broll“ werden verfilmt. In „Bösland“ stellt sich Ben seiner Vergangenheit.

Im Sommer 1987 wird Bens neue Mitschülerin Mathilda auf dem Dachboden seines Elternhauses ermordet. Der 13jährige Ben wird in die Psychiatrie eingewiesen. Bens Schweigen hält so lange an, bis Psychiaterin Therese Vanek sein Vertrauen gewinnt. Dreißig Jahre später ist Ben endlich bereit, sich mit dem Grauen zu konfrontieren.

Der Einstieg ist verstörend. Bens Schicksal berührt. Das Thema „Gewalt“ steht im Fokus des Thrillers. Eine verlorene Kindheit, ein schutzloser Junge und ein Ereignis, das alles verändert. Was ist damals geschehen? Die Frage zieht sich durch die Geschichte. Eine Psychiaterin wird zum Rettungsanker. Kurze Kapitel ermöglichen einen guten Lesefluss. Dialoge nehmen viel Raum ein. Anfangs geht es nur um die Auseinandersetzung mit einer Tat, darum Verschüttetes wieder an die Oberfläche zu bekommen und Antworten für das Unerklärliche zu finden. In therapeutischen Sitzungen wird sich der Vergangenheit angenähert. Bens Barrikaden fallen, durch einen harmlosen Auslöser. Hat der Autor zu viel Auflösung eingestreut? Der Eindruck entsteht, bis sich die Geschichte unerwartet zu einem Psychothriller entwickelt. Tempo und Spannung nehmen zu. Die Raffinesse des Plots wird deutlich. Niemand ist mehr in Sicherheit. Intrigen, Manipulation, Schachzüge, alles eskaliert an einem ungewöhnlichen Ort. Nicht jede Handlung der Hauptfigur ist nachvollziehbar. Vergeltung und Wahrheit. Die Dramatik nimmt stetig zu. Wut, Zorn, Liebe und Hoffnung, nichts ist mehr vorhersehbar. Eine überraschende Wendung folgt der anderen. Eskalationen schockieren. Eine Achterbahnfahrt, die auf einen Showdown zusteuert. Das tödliche Spiel kennt kein Ende. Autor Bernhard Aichner setzt immer noch einen drauf. Grenzen werden überschritten. Wer ist wozu fähig? Wer greift ein? Bis zum Schluss bleibt alles offen. Das Ende ist gelungen, rundet die Geschichte bis ins Letzte zufriedenstellend ab. Packend, bedrohlich, filmreif.

Titel und Autorenname ziehen alle Blicke aufs Buch. Gelungen ist auch das Farbzusammenspiel. Mit wenigen Mitteln wird Aufmerksamkeit erregt. „Bösland“ startet mit einem rätselhaften Fall und nimmt urplötzlich immer mehr Fahrt auf. Bald jagt eine effektvolle Dramatik die nächste. Ein Pageturner, der alle Erwartungen toppt. Der Gruselfaktor, das Unglaubliche klingt noch nach. Alles wirkt sehr real. Das Wort „Bösland“ lässt sich nicht so schnell wieder vergessen.

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Tags: bernhard aichner, bösland, thriller   (3)
 

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(60)

94 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 54 Rezensionen

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Das Heer des Weißen Drachen

Anthony Ryan , Sara Riffel , Maria Pfaffinger
Fester Einband: 699 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 22.09.2018
ISBN 9783608949759
Genre: Fantasy

Rezension:

In „Das Heer der weißen Drachen – Draconis Memoria Buch 2“ von Autor Anthony Ryan stehen gleich zwei Himmelfahrtkommandos an. Unberechenbare Gefahren lauern überall.

Sirus und Dienstbotin Katrya zählen zu den letzten Überlebenden von Morstal und sind auf der Flucht. Die suspendierte Geheimagentin Lizanne muss sich derweil in Feros vorm Vorstand verantworten. Wie fällt das Urteil aus? Hilemore und Clay befinden sich auf dem Weg ins Südmeer, um den rätselhaften Turm aus Clays Visionen zu finden und im günstigsten Fall die Welt vorm weißen Drachen und seiner Armee zu retten.

Auch ohne Zusammenfassung fällt der Einstieg in Band 2 leicht. Die verschiedenen Handlungsstränge und Abenteuer knüpfen nahtlos an die Geschehnisse aus dem ersten Band an. Etwas lang geraten ist zu Beginn der Leitartikel im „Sanoraher Aufklärer“. Anschließend pendeln sich Spannung und Tempo schnell auf einem hohen Niveau ein. Sirus und Katrya befinden sich in einer ausweglosen Lage. Der Hunger zwingt sie aus dem Kanallabyrinth zurück an die Oberfläche. Lizanne hat eine neue Mission, die sie an den gefährlichsten Ort führt. Niemand ist bisher von dort entkommen. Hilemore und Clay bekommen es mit einem schrecklichen Gegner zu tun, der schon viele auf dem Gewissen hat. Die komplexe Geschichte mit den besonderen, gegensätzlichen Charakteren nimmt gefangen. Jedes Detail durchdacht, wirkt von den Kulissen bis zum einzelnen Protagonisten alles sehr greifbar und real. Mitfiebern funktioniert automatisch. Autor Anthony Ryan sprudelt nur so über vor Ideen, die seine Drachenwelt zum Leben erwecken. Nichts lässt sich vorausahnen. Jedes Abenteuer hat gleich mehrere überraschende Wendungen parat. Brutalitäten und Grausamkeiten sind oft schwer zu ertragen. Drachen, die Menschen fressen. Gegner, die kaltblütig und ohne Mitleid bis zum Äußersten gehen. List, Intrigen, Gier, niemand ist sicher. Immer wieder tauchen interessante Nebenfiguren wie Wachtmeister Darkanis, der Bastler, Schmuggler Scrimshine und die geheimnisvolle Kriz auf. Zum Schluss nimmt die Dramatik zu. Action von Anfang bis Ende. 698 Seiten geballte Energie. Fast ein bisschen viel Schlachten und Kriege. Gleich zwei Cliffhanger schüren die Neugierde auf die Fortsetzung.

Das Cover beeindruckt mit Gruselfaktor und Aussichtslosigkeit. Die Szene stimmt auf eine packende Geschichte ein. Auch der Titel erregt Aufmerksamkeit. „Das Heer der weißen Drachen“ löst wie Band 1 Bewunderung über den Einfallsreichtum des Autors aus und fasziniert mit einem fesselnden Erzählstil. Bis auf den kleinsten Dialog und die letzte Szene perfekt durchdacht. Das Schicksal der Hauptfiguren und so mancher Nebenfigur reißt mit. Filmreif inszeniert. Zwischendurch kommt die Hoffnung auf, dass noch etwas Gutes in den Drachen schlummert. Als Bestien sind sie furchterregend und in ihrer Übermacht scheinbar unbesiegbar. Band 3 wird mit Spannung erwartet.

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Tags: anthony ryan, das heer des weißen drachen, fantasy, roman   (4)
 

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(86)

118 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 84 Rezensionen

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Er will dein Herz

Tania Carver , Sybille Uplegger
Flexibler Einband: 528 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 07.09.2018
ISBN 9783548290454
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Gemma Adderley kann das Leben mit ihrem gewalttätigen Mann nicht mehr ertragen. Kurzerhand flieht sie mit ihrer Tochter Carly. Wenig später wird ein Mädchen mit Teddy traumatisiert in einem Hauseingang gefunden. Was ist geschehen? Kriminalpsychologin Marina Esposito wird zum Fall hinzugezogen, um mit Hilfe der kleinen Zeugin die Wahrheit herauszufinden.

„Gemma Adderley hatte genug. Sie hatte ertragen, was ein Mensch ertragen konnte, hatte immer nur eingesteckt, hatte alles geschluckt. Sie lebte in Angst, war gedemütigt, verzweifelt, verletzt. Ja, vor allem verletzt. Auf jede nur erdenkliche Weise.“ Von Anfang an entsteht eine beklemmende Atmosphäre. Das Thema „Missbrauch“, Angst, Erniedrigungen, Ausweglosigkeit berühren. Ausgerechnet als sich Gemma zur Flucht entscheidet, nimmt ihr Leben eine erneute schicksalhafte Wendung. Profilerin Marina weiß selbst, wie es sich anfühlt, im eigenen Haus nicht sicher zu sein. Was hat sie erlebt? Das Rätselhafte zieht sich durch die Geschichte. Je mehr über Marinas Bedrohung herauskommt, desto weniger ist verständlich, warum sie sich von ihrer großen Liebe Detective Phil Brennan getrennt hat. Phil ermittelt in Gemmas Fall. Bald laufen die Fäden zusammen. Spekulationen werden lange Zeit nicht in Gang gesetzt. Der Täter scheint eindeutig festzustehen oder ist nichts wie es scheint? Steckt ein perfider, eiskalter Plan hinter allem? Kurz kommt Spannung mit einer weiteren Attacke auf. Es lässt sich erahnen, wie es ausgeht. Handlungswechsel bieten Einblicke in die Psyche des Täters. Viel zu spät setzt das Verwirrspiel ein. Es fehlt dem Thriller an Raffinesse. Zu viel wird angedeutet und verraten. Ein Highlight sind Imani und Avi als Team. Hier wurde das Potential besonders im letzten Buchdrittel nicht ausgeschöpft. Sie hätten für rasante und packende Szenen sorgen können. Das Ermittlerteam geht ungewöhnlich viele Risiken ein. Nicht alles scheint gut durchdacht. Auch der Täter macht zu viele Fehler. Verschiedene Ebenen von Gefahren, die anfangs aufgebaut wurden, verlaufen im Sande. Material, das im nächsten Band genutzt wird? Der Showdown soll noch einmal alles rausholen, ist aber viel zu kurz und unspektakulär gehalten. In entscheidenden Momenten fehlt es an Tempo. Das Verhalten ist nicht immer schlüssig. Alles zu zögerlich, zu sehr nach Reihenfolge konstruiert. Auch nicht alle Dialoge überzeugen. Mehr Fokus auf Überraschungen und Wendungen, und der Thriller hätte wesentlich mehr packende Unterhaltung bieten können. Die Hauptfiguren Phil und Marina haben mehr Potential als ausgespielt wurde. Das Gewicht liegt zu sehr auf ihren nicht nachvollziehbaren Beziehungsproblemen. Schade.

Das Cover ist kreativ und ungewöhnlich. Mit wenigen Mitteln werden die Blicke auf Buch und den düsteren Titel gezogen. Das Gesicht als Hintergrund hat Ausdrucksstärke. „Er will dein Herz“ überzeugt mit einem gelungenen Einstieg und besonderen Ansatz, bietet aber zu wenig Thrillercharakter. Die Erwartungen auf einen Pageturner erfüllen sich nicht. Das Ermittlerteam bleibt interessant, aber auch hier ist noch viel mehr möglich.

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Tags: er will dein herz, tania carver, thriller   (3)
 

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(32)

59 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 31 Rezensionen

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Ich war Diener im Hause Hobbs

Verena Rossbacher
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 16.08.2018
ISBN 9783462048261
Genre: Romane

Rezension:

Nach „Verlangen nach Drachen“ und „Schwätzen und Schlachten“ ist „Ich war Diener im Hause Hobbs“ das neueste Werk von Autorin Verena Rossbacher. Geheimnisse kochen hoch, die ein Kartenhaus zusammenbrechen lassen.

Nach seiner Ausbildung zum Butler erhält Christian Kauffmann eine Anstellung im Haus der Familie Hobbs. Die Stimmung im Züricher Anwesen wird von den Zwillingen Anwalt Jean-Pierre und Künstler Gerome bestimmt. Gegensätzlicher könnten Brüder kaum sein. Christian stößt bald auf so manches Geheimnis.

Der Prolog greift vor und weckt die Neugierde auf schlimme Ereignisse. Die Geschichte wird in der Ich-Perspektive aus Sicht von Christian, genannt Krischi erzählt. In seinen Erinnerungen und Gedanken driftet er oft ab. Rückblicke z.B. in die Schulzeit, lassen die Freundschaft von Krischi, Olli, Gösch und Isi aufleben. Besonders Gösch und Olli sind interessante Charaktere. Eine Matheklausur wird zum humorigen Debakel. Solche kleinen Anekdoten sorgen für Unterhaltung. Krischi bedient sich seit seiner Ausbildung einer distinguierten Sprache. Anfangs entsteht der Gedanke, die Hauptfigur wäre wesentlich älter. Umso überraschender die Auflösung. Auch ist nicht ganz klar, in welcher Zeit die Geschichte spielt. Im Hause Hobbs wird Christian „Robert“ genannt. Der Job hat seine Herausforderungen. Als Butler kriegt Krischi mehr mit, als ihm lieb ist. Je länger er bei den Hobbs arbeitet, desto mehr Geheimnisse muss er bewahren. Die Tücken und Fettnäpfchen eines Butlerlebens stehen im Zentrum des Romans. Die Geschichte wirkt sehr realistisch. Das Rätsel um die schicksalhafte Eskalation setzt Spekulationen in Gang. Wer ist das Opfer? Nur langsam fügt sich aus den Puzzlestücken ein Bild zusammen. Wer trägt Schuld? Die Krimielemente sorgen für Spannung. Abschweifungen vom Anfang rücken an die richtige Stelle. Eine Reise bringt neuen Schwung in die Geschichte. Nichts läuft nach Plan. Es entwickelt sich eine amüsante Eigendynamik. Zum Schluss nimmt der Ernst zu. Eine Zuspitzung und Wendung ist gelungen. Dann zeigt der Plot unnötige Schwächen. Irreführungen werden überstrapaziert. Die dramatischen Geschehnisse bleiben, trotz aller Erklärungen, nicht nachvollziehbar. Vieles wirkt zu konstruiert. Es fällt leicht, das Unbegreifen der Entwicklungen mit Krischi zu teilen. Warum? Die Frage taucht zum Ende mehrfach auf und findet keine zufriedenstellenden Antworten. Ein Brief wird gar nicht erst wiedergegeben. Schade, hier wurden entscheidende Dinge versäumt und die Überraschungen gehen nicht mehr auf.

Der Titel hätte kreativer in Szene gesetzt werden können. Das Weiß für den Hintergrund ist zu schlicht. Die Details dagegen passen gut. „Ich war Diener im Haus Hobbs“ bietet besonders in humorigen Szenen gute Unterhaltung. Gerne hätte es noch mehr davon geben können. Das Rätselhafte ist bis zur endgültigen Auflösung sehr gut gelungen. Zu viel Schwere, Drama und Trauer zum Schluss will nicht so recht zum Rest passen. Raffinesse hätte auch auf andere, Weise aufgehen können. Der Epilog rettet nichts. Die Sympathie für Krischi und seine Freunde bleibt. Ein anderes, herzerwärmenderes Ende wäre wünschenswert gewesen.

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Tags: ich war diener im hause hobbs, roman, verena rossbacher   (3)
 

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49 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 38 Rezensionen

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Das Flimmern der Wahrheit über der Wüste

Philipp Schwenke
Fester Einband: 608 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 07.09.2018
ISBN 9783462051070
Genre: Romane

Rezension:

„Das Flimmern der Wahrheit über der Wüste“ ist der Debütroman von Autor Philipp Schwenke. Die Geschichte über Karl May beruht auf wahren Begebenheiten vermischt mit einer gehörigen Portion Phantasie.

1862 wird der 20jährige Karl May wegen Diebstahls einer Taschenuhr angezeigt. Das Missverständnis kann er wegen widriger Umstände nicht aufklären. Die Verurteilung hat Auswirkungen auf seine Lehramtskarriere an der Fabrikschule in Altchemnitz. Seine Mühen, eine bürgerliche Existenz aufzubauen, führen erst später zum Erfolg. 1874 beginnt Karl May mit dem Schreiben. 1897 startet er zu einer Reise in den Orient, um die Länder, die er in seinen Büchern so mitreißend beschreibt, endlich selbst zu erleben.

Der Prolog mit Karl May auf der Anklagebank ist ein gelungener Einstieg in die Geschichte. Verständnis kommt für den sympathischen jungen Mann auf, der sich in eine unglückliche Lage manövriert hat. Zeitsprung zum 8.7.1897. Karl May ist längst erfolgreich und hat eine große Fangemeinde. Er hält sich für Old Shatterhand und lässt alle Welt glauben, er hätte seine Roman-Abenteuer selbst erlebt. Auf seiner ersten Reise in den Orient wird Karl May mit der Wahrheit konfrontiert. Er kann sich weder verständigen, noch findet er sich zurecht. Die Hitze und das fremde Essen machen ihm zu schaffen. Ein Journalist hängt sich an seine Fersen, um die Wahrheit herauszufinden. Karl May muss Prüfungen und Herausforderungen bestehen und kommt mehr als einmal an seine Grenzen. Die Sprache ist der Zeit angepasst. Im Laufe der Geschichte nimmt das Geplänkel zwischen Karl und seiner Frau Emma immer mehr Raum ein. Eheschwierigkeiten werden deutlich. Aufschneider Karl steht bald beruflich wie privat das Wasser bis zum Hals. Kann er beweisen, dass wirklich ein Held in ihm steckt? Autor Philipp Schwenke erzählt mit viel Humor, wie Karl mit den Tücken auf seiner Reise zu kämpfen hat und wie groß die Kluft zwischen Wahrheit und Fiktion ist. Aber auch ein Karl May kann über sich hinauswachsen. Mehr als einmal geraten er und seine Reisebegleiter in Gefahr. Briefe, Zeitungsartikel und Zeitwechsel bremsen das Tempo aus, vervollständigen aber das Bild von Karls Problemen und seinen Bemühungen, alles im letzten Moment wieder gerade zu biegen. Selbst Emma bringt immer weniger Verständnis für ihren Mann auf. Lügen, Hinterlist, Intrigen, eine seltsame Wendung, im letzten Buchdrittel kommt so manche dunkle Seite und das ein oder andere Geheimnis zu tage. Wer ist Freund, wer Feind? Bei allen originellen, phantasiereichen Facetten, beeindruckt vor allen Dingen die Recherche zu Karl May und seinem Leben. Mit 606 Seiten hat der Roman auch einige Abschweifungen und
Längen parat.

Der Titel trifft den Inhalt auf dem Punkt. Farben und Details ziehen die Blicke aufs Buch. Die moderne Gestaltung stimmt auf eine unglaubliche, abenteuerliche Geschichte ein. „Das Flimmern der Wahrheit über der Wüste“ hat einen schalkhaften Unterhaltungswert. Ein Autor, der in die Rolle seines Helden schlüpft. Amüsante bis peinliche Verwicklungen sind garantiert.

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Tags: das flimmern der wahrheit über der wüste, philipp schwenke, roman   (3)
 

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Slow Horses

Mick Herron , Stefanie Schäfer
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 29.08.2018
ISBN 9783257070187
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Slow Horses – Ein Fall für Jackson Lamb“ von Autor Mick Herron bildet den Auftakt zur Thrillerreihe. Die in London spielende Jackson-Lamb-Serie wurde unter anderem mit dem „CWA Gold Dagger for Best Crime Novel“, „Steel Dagger for Best Thriller“ und „Ellery Queen Readers Award“ ausgezeichnet.

MI5-Agent River Cartwright landet nach einer folgenschweren Verwechslung und verpatzten Verfolgungsjagd im Slough House mit wenig Aussicht, es jemals zurück in die MI5-Zentrale Regent's Park zu schaffen. Jackson Lambs Team, die Slow Horses, gelten allesamt als Looser und stehen ganz unten auf der Karriereleiter. Dabei würden sie jede Herausforderung annehmen.

Der temporeiche Einstieg mit Rivers schicksalhaftem Fall ist gelungen. Bei der anschließenden Vorstellung von Jackson Lamb und der einzelnen Slow Horses-Charaktere nimmt sich Autor Mick Herron zu viel Zeit. MI5-Agenten zu langweiligen und teils sinnlosen Bürojobs verdonnert. In jedem Mitglied des Teams brodelt es. Alle gieren nach einem Fall. Einzig allein Sid scheint noch ein bisschen im Spiel zu sein. Was hat sie ins Slough House geführt? Nach dem rasanten Einstieg wird zu viel Tempo raus genommen. Interessant bleiben die einzelnen Schicksale der Slow Horses. Jeder trumpft mit anderen Charaktereigenschaften und Talenten auf. Alle sind ruhelos. Es fällt ihnen schwer, sich mit dem Abstellgleis zufrieden zu geben. Es lässt sich erahnen, dass sie zusammen kniffelige Fälle lösen können. River Cartwright und Jackson Lamb entwickeln sich zu den zentralen Hauptfiguren. Slough House-Chef Lamb wird von seinem Team und von seinen Gegnern unterschätzt. Erst im letzten Buchdrittel nehmen Action, Tempo und Spannung zu. Jackson Lamb agiert undurchsichtig und beweist seine Intelligenz. Autor Mick Herron hat mit ihm einen ungewöhnlichen und vielschichtigen Charakter geschaffen. Alle Protagonisten wirken im Laufe der Geschichte immer realer. Die Slow Horses erwachen aus ihrer Lethargie. Wie River und Jackson  überrascht auch Catherine Standish. Die Ereignisse überschlagen sich. Eine Überraschung jagt die nächste. Die Wendungen sind grandios gelungen. Der Plot zeigt immer mehr seine Stärke. Wer wird in die Enge getrieben? Kann eine Katastrophe verhindert werden? Was ist Lüge, was Wahrheit? Längst ist nichts mehr sicher. Humor blitzt durch zwischen den abwechselnden Gefahren. Auch das Ende setzt noch einen drauf. Die Neugierde auf Band 2 und den nächsten Fall der Slow Horses ist geweckt.

Das Cover ist Understatement. Viel zu klein geraten sind Titel und Untertitel. Auch die Farben wirken viel zu zurückhaltend. „Slow Horses – Ein Fall für Jackson Lamb“ entpuppt sich als würdiger Auftakt zur Jackson-Lamb-Reihe. Über das einzige Manko, dem streckenweise niedrigen Tempo, sieht man im Nachhinein gerne hinweg. Die Charaktere tragen noch viele weitere Bände und überraschende Wendungen werden mitreißen. Autor Mick Herron spielt in der ersten Liga.

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Tags: krimi, mick herron, slow horses - ein fall für jackson lamb, thriller   (4)
 

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Die Liebesbriefe von Montmartre

Nicolas Barreau , Sophie Scherrer
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Thiele & Brandstätter Verlag, 04.09.2018
ISBN 9783851794106
Genre: Romane

Rezension:

Nicolas Barreau ist das Pseudonym von Autorin Daniela Thiele, der Programmleiterin des Thiele Verlags. Mit „Das Lächeln der Frauen“ gelang ihr der internationale Durchbruch. In „Die Liebesbriefe von Montmartre“ müssen Julien und sein Sohn einen schweren Schicksalsschlag verkraften.

Hélène stirbt mit 33 Jahren an Krebs. Die Trauer des Schriftstellers Julien Azoulay ist übermächtig. Er bringt kein Wort mehr zu Papier. Dabei hat er seiner Frau versprochen, ihr nach ihrem Tod 33 Briefe zu schreiben.

Im Prolog steht der Friedhof Montmartre im Vordergrund. Die Geschichte wird in der Ich-Perspektive aus Sicht von Julien erzählt. Die Trauer seines vierjährigen Sohnes Arthur liegt eher im Verborgenen. Julien dagegen findet nicht so schnell ins Leben zurück. Freunde, Familie und sein Verleger versuchen alles, um ihn aus seiner Lethargie zu reißen. Nur zu den Besuchen auf dem Friedhof kann sich Julien aufraffen. Bis ihn eine Begegnung nach und nach verändert. Die Themen „Abschied, Verlust und Trauer“ werden herzerwärmend umgesetzt. Juliens Schmerz lässt sich nachvollziehen. Die Geschichte hat einerseits etwas Reales, andererseits auch etwas Überzeichnetes und Kitschiges. Hélène wird mit einem Engel verglichen. Sie scheint keine Fehler gehabt zu haben. Außer ein paar Erinnerungen wird nicht viel über ihre Person und ihr Leben offenbart. Die Sprache entführt in eine andere Zeit. Für viel Atmosphäre sorgt der Handlungsort Montmartre. Die Begeisterung der Autorin schwappt auf den Leser über. Bald werden Spekulationen in Gang gesetzt. In wen verliebt sich Julien? Es entsteht die Hoffnung, dass er sich für eine bestimmte Person entscheidet. Der Verwirrspiel wirkt etwas zu inszeniert. Fehler und Begegnungen sollen in die Irre führen, aber die Auflösung lässt sich schnell erahnen. Originell ist die Idee mit den Zeichen der Liebe und wie sie ihren Adressaten erreichen. Ein weiblicher Charakter überzeugt am meisten. Von ihr entsteht am ehesten ein greifbares Bild. Juliens Begriffsstutzigkeit erscheint etwas überzogen. Auch wenn ihm die Trauer den Blick vernebelt. Gerne hätte es noch mehr Pariser Flair sein können. Der Epilog am Ende rundet die Geschichte ab und verleiht dem Prolog am Anfang mehr Sinn und Gewicht.

Titel und Cover-Szene ziehen die Blicke aufs Buch. Gelungen ist die Farbauswahl. Die Gestaltung stimmt auf eine berührende Liebesgeschichte ein. Sehr passend ist das Buchformat. Es animiert dazu, unterwegs zu lesen. „Die Liebesbriefe von Montmartre“ entführen an einen ungewöhnlichen Handlungsort und wecken Reiselust. Das Traurige rückt mit dem Auftauchen einer ganz besonderen Protagonistin in den Hintergrund.

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Tags: die liebesbriefe von montmartre, nicolas barreau, roman   (3)
 

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Tiergeister AG - Achtung, gruselig!

Barbara Iland-Olschewski , Stefanie Jeschke
Fester Einband: 160 Seiten
Erschienen bei arsEdition, 16.08.2018
ISBN 9783845820422
Genre: Kinderbuch

Rezension:

„Tiergeister AG – Achtung gruselig!“ ist Band 1 der Kinderbuchreihe rund um Rauhaardackel Arik und seine Freunde. Inzwischen ist schon Band 2 „Tiergeister AG – Kaninchen-Alarm!“ von Autorin Barbara Iland-Olschewski erschienen.

Dackel Arik hat sich im Wald verlaufen und landet in einer Grube. Gottseidank tauchen nach einer Weile vier Tiere auf. Erst als Arik aus seiner misslichen Lage befreit ist, merkt er, dass mit seinen neuen Freunden etwas nicht stimmt.

Der Einstieg mit dem Dackel, der unfreiwillig ausgebüxt ist und sich nachts im Wald verlaufen hat, wirkt real. Warum findet Arik nicht zurück nach Hause? Diese Frage wird erst später beantwortet und das Ergebnis leuchtet ein. Die Geschichte hat einen traurigen Hintergrund, der aber bald vergessen ist. Zu originell sind Ariks Freunde und ihre gemeinsamen Erlebnisse. Autorin Barbara Iland-Olschewski hat sich eine phantasiereiche, ungewöhnliche und mitreißende Geschichte ausgedacht. Dank seinem Schlamassel landet Arik an einer ganz besonderen Schule und erweist sich als schlau und einfallsreich. Die Herausforderungen haben es aber auch in sich. Alles ist neu und teils auch sehr unheimlich. Außerdem gibt es gleich mehrere Probleme zu lösen. Sind Kinder wirklich gefährlich für verblichene Haustiere? Arik kann das nicht glauben. Er vermisst seine Menschenfreunde, obwohl seine neuen Kumpels alles dafür tun, damit er sich schnell einlebt. Kurze Kapitel sorgen für einen guten Lesefluss. Die kindliche Sprache ist leicht verständlich und lässt keine Hürden aufkommen. Untermalt wird die abenteuerliche Geschichte von Stefanie Jeschkes witzigen bis kuriosen Illustrationen. So entsteht eine noch bessere Vorstellung von den Hauptcharakteren. Chamäleon Plato überzeugt zusätzlich mit unterhaltsamen Ausrufen wie „Tomato Salata!“. Er ist das skurrilste Geistertier. Klar, dass bald eine Tiergeister AG gegründet wird, denn die Fünf haben so Einiges vor. Nicht immer laufen ihre Abenteuer nach Plan. Lehrerin Modesta trumpft mit einem ganz besonderen Talent auf. Viele neue Ideen lassen sich in diesem Buch finden. Die Geschichte ist rundum gelungen und hat einen hohen Unterhaltungswert. Arik und Co bieten viel Potential für weitere Bände.

Das Cover zeigt Arik, der sich im dunklen Wald gruselt. Die Tiere in seinem Schatten unterstreichen den Humor. Aufmerksamkeit erregt auch der Titel. Eine tolle, kreative Gestaltung! „Tiergeister AG – Achtung gruselig!“ spricht Mädchen und Jungs ab 8 Jahren an. Arik teilt die Angst mit vielen Kindern vor einem dunklen Wald. Das Thema wird außergewöhnlich und sehr humorvoll umgesetzt. Im günstigsten Fall kann das Buch auch ein bisschen über den Verlust eines Haustiers hinweg trösten. Vielleicht ist es wie Arik in der Geisterklasse gelandet und erlebt viele neue, wundersame Abenteuer.

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Tags: barbara iland-olschewski, kinderbuch, tiergeister ag - achtung gruselig!   (3)
 

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Vier Tage in Kabul

Anna Tell , Ulla Ackermann
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 21.08.2018
ISBN 9783499273841
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Vier Tage in Kabul“ bildet den Auftakt zur Anna Lund-Thrillerreihe von Anna Tell. Ein undurchsichtiger Fall bereitet der Unterhändlerin Kopfzerbrechen.

Die schwedische Kriminalkommissarin Anna Lund soll in Afghanistan eine internationale Einsatztruppe aufbauen. In Kabul verschwinden zwei schwedische Diplomaten spurlos. Eine Entführung wird vermutet. Verhandlungsspezialistin Anna übernimmt die Ermittlungen vor Ort. Die Zeit drängt.

Der direkte Einstieg mit dem Einsatz gegen die Rebellen ist gelungen. Obwohl Anna nicht am Kampfgeschehen teilnehmen soll, ist sie mittendrin. Kurze Kapitel sorgen für einen guten Lesefluss. Undurchsichtig wird es mit einem Mord und dem rätselhaften Vermissten-Fall. Anna begibt sich in brenzlige Situationen, um der Sache auf den Grund zu gehen. Die dringende Geheimhaltung macht sie misstrauisch. Steckt mehr hinter den Ereignissen? Erst nach und nach setzen sich die Puzzleteile zusammen. Das Tempo bleibt auf einem guten Niveau. Anna ist eine interessante Hauptfigur. Ihr Mut, Gerechtigkeitssinn und ihre Kombinationsgabe beeindrucken. Weil auch kleine Schwächen offenbart werden, wirkt sie nicht wie ein Übermensch. Persönliches bleibt Randgeschehen und nimmt nicht zu viel Raum ein. Der Plot ist gut gestrickt. Das anfangs Unübersichtliche lässt alle Möglichkeiten zu. Die Vier-Tage-Einteilung des Thrillers unterstreicht den Zeitdruck, der auf Anna und ihrem Team lastet. Wer treibt ein falsches Spiel? Bald überschlagen sich die Ereignisse. Die Gefahren in Afghanistan werden greifbar. An jeder Straßenecke kann der Tod lauern. Kurze Einblicke in andere Perspektiven erhöhen die Spannung. Die Geschichte wirkt sehr real. Unterschiedliche Interessen treffen aufeinander. Wem kann Anna trauen? Der Thriller reißt mit und hat ein paar Überraschungen parat. Eine Auflösung zum Schluss wird effektvoll in Szene gesetzt. Allein der Ausklang ist nicht so gelungen. Ein zu kurz geratener Epilog, der keine große Wirkung hat, setzt unter einen packenden Thriller einen fast belanglosen, schon erahnten Schlusspunkt. Sehr schade. Hier wäre mehr drin gewesen.

Das Cover hebt sich von der Masse ab, ist kreativ und erregt Aufmerksamkeit. Es passt sehr gut zum Thriller mit einem ungewöhnlichen Handlungsort. „Vier Tage in Kabul“ erfüllt alle Erwartungen und weckt das Interesse an den Folgebänden. Anna und ihr Chef Bill bleiben im Gedächtnis. Eine Thrillerreihe die packende Storys mit real wirkenden Hintergründen garantiert.

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Tags: anna tell, thriller, vier tage in kabul   (3)
 

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

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Einhorn Theodor

Constanze Steindamm , Anna Carlsson
herunterladbare Audio-Datei
Erschienen bei Der Hörverlag, 16.07.2018
ISBN 9783844530742
Genre: Kinderbuch

Rezension:

In „Fröhliche 5-Minuten-Geschichten“ von Autorin Constanze Steindamm erleben Einhorn Theodor und seine Freunde kleine Abenteuer in der Zauberwelt. Happy End garantiert.

Vom verschwundenen Regenbogenreifen bis zum verirrten Einhorn, auf dem Hörbuch sind neun Geschichten für Kinder ab 3 Jahren versammelt. Der Einstieg mit der Gute-Laune-Musik ist gelungen. Auch die Übergänge zwischen den Geschichten werden mit Musik überbrückt. Schauspielerin und Sprecherin Anna Carlsson macht Übermut, Neugierde und Lebensfreude der Phantasiefiguren greifbar. Besonders Rainbow Bubble sticht dank ihrer Spielfreude heraus. Einhorn Theodor kann im Gegensatz zu seinen Freunden nicht fliegen. Sein Handicap bringt ihn in eine brenzlige Situation. Zauberwelt-Abenteuer kindgerecht erzählt. Es geht um Freundschaft, Zusammenhalt, Entdeckerfreude und Hilfsbreitschaft. In der Schlaraffenland ähnlichen Welt gibt es nicht Böses, keine hinterhältigen Ganoven. Kleine Streitigkeiten und Probleme lösen sich schnell auf. Jedes Wesen hat ein besonderes Talent. Das Kunterbunte, Zuckersüße hat Anziehungskraft. In dem einen oder anderen Abenteuer blitzt sogar etwas Realitätsnähe durch. Von den verführerischen Süßigkeiten abgesehen, nehmen Bewohner und Zauberwelt zu wenig Gestalt an. Hier fehlt es an bildreichen Details. Alles bleibt zu oberflächlich. Die Vorstellungskraft von Kindern wird jedoch angeregt. Sie können sich ihre eigene Einhornwelt zaubern. Auffällig ist, dass außer der Hauptfigur alle originelle Namen haben. Gerne hätten die Abenteuer noch einfallsreicher und ungewöhnlicher sein können. Sehr gut gewählt ist die Zeitspanne der einzelnen Geschichten. Die inszenierte Lesung lässt sich dadurch sehr gut für kurzweilige Unterhaltung in den Familien-Tagesablauf einplanen. Auch die Geräusche sind gut platziert und integrieren sich im Laufe der Geschichten immer besser. Nur das Flügelschlagen der Einhörner klingt seltsam unecht. Theodor und seine Freunde schleichen sich schnell in Zuhörerherzen, eben weil sie Vorbildcharakter haben und der kindlichen Phantasie die Tore öffnen.

So fröhlich wie der Titel ist auch das Cover. Einhorn Theodor zieht die Blicke aufs Hörbuch. Gerne hätte die Gestaltung noch farbenfroher sein können. „Fröhliche 5-Minuten-Geschichten“ eignen sich auch als Gute-Nacht-Abenteuer und sprechen kleine Einhornfans, Jungen wie Mädchen, an.

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Tags: anna carlsson, constanze steinmann, fröhliche 5-minuten-geschichten   (3)
 

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93 Bibliotheken, 2 Leser, 2 Gruppen, 62 Rezensionen

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Guten Morgen, Genosse Elefant

Christopher Wilson , Bernhard Robben
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 16.08.2018
ISBN 9783462050769
Genre: Romane

Rezension:

In „Guten Morgen, Genosse Elefant“ von Autor Christopher Wilson gerät der zwölfjährige Juri Romanowitsch Zipit in eine gefährliche Lage, die ihm jederzeit das Leben kosten könnte.

Juris Vater Zoo-Veterinär Professor Roman Romanowitsch Zipit soll im geheimen Auftrag des Ministeriums für Staatssicherheit einen Genossen behandeln. Generalsekretär Josef Petrowitsch findet Gefallen am Jungen mit dem freundlichen Gesicht und erklärt ihn zu seinem Lieblingstrottel. Jederzeit können die Launen des Mannes aus Stahl Juris Tod bedeuten.  

„Papa sagt, mein Aussehen ist ein Betrüger, ein schamloser Lügner. Er sagt, dass ich – auch wenn ich in vieler Hinsicht ein gutes Kind bin, sehr freundlich – halb so gut bin, wie mein Gesicht es andeutet.“ Fremde Menschen vertrauen Juri persönliche, geheime und unnötige Sachen an. Autor Christopher Wilson hat sich eine besondere Hauptfigur ausgedacht. Durch einen Unfall ist Juri langsam und vergesslich, in Spielen wie Dame aber ein Ass. Mit seiner ehrlichen, direkten Art und allerlei neugierigen Fragen geht er ohne Hemmungen auf Menschen zu. Er wird unterschätzt, als Trottel hingestellt. Andererseits kann er nur mit einem Lächeln unbewusst Dinge aus Fremden herauskitzeln, die sie niemandem erzählen wollten. Die Geschichte wird in der Ich-Perspektive aus Sicht von Juri erzählt. Er spricht den Leser auch mal persönlich an. Mit seinem Vater Roman lebt Juri in einer Personalwohnung im Hauptstadtzoo. 1954 in der Union der sozialistischen Sowjetrepubliken sind alle der Willkür der Staatssicherheit ausgeliefert. Mit dem Geheimauftrag für Roman beginnt die Ungewissheit. Bald ist Juri auf sich allein gestellt. Was mit seinem Vater passiert ist, bleibt Zeit offen. Der Fokus liegt über lange Strecken des Romans auf den Dialogen zwischen Generalsekretär Josef Petrowitsch und Juri. Die Mächtigen, ihre Ansichten, Ängste, Strategien und Verschwörungen werden auf die Schippe genommen. Wer ist der Schlimmste von allen? Es scheint keinen Ausweg für Juri zu geben. Er wird zum Spielball des Generalsekretärs und der Geschehnisse. Autor Christopher Wilson erzählt Juris Geschichte herrlich schräg und humorvoll. Der Machtwahnsinn funktioniert auch als Seitenhieb auf aktuelle Politiker. Originelle Details, wie die politischen Regeln beim Dame-Spiel, lockern die Satire auf. Ein bisschen langatmig wirken zeitweise die Gespräche. „Man weiß nie, was Menschen widerfährt – sie können verschwinden, sich verdoppeln oder ungeschehen gemacht werden.“ Eine wirklich unglaubliche Geschichte, die Juris bröckelnde Naivität in Szene setzt. Er durchschaut viel mehr, als Andere denken. Ende und Ausklang sind gut gelungen.    

Mit wenigen Mitteln erregt das kreative Cover Aufmerksamkeit. Details und Titel ziehen die Blicke aufs Buch. Machtspiele, Intrigen, Verfolgungswahn, „Guten Morgen, Genosse Elefant“ nimmt mit schwarzem Humor Stalin und Konsorten aufs Korn. Die wenigen Längen des Romans verzeiht man gerne.

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Tags: christopher wilson, guten morgen, genosse elefant, roman, satire   (4)
 

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53 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 45 Rezensionen

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Kettenreaktion

Alesia Fridman
Flexibler Einband: 406 Seiten
Erschienen bei M. Schmidt, 02.07.2018
ISBN 9783947651139
Genre: Romane

Rezension:

Vom Afrikaroman bis zum Australienthriller, Autorin Alesia Fridmans Geschichten spielen an besonderen Orten und zeigen Menschen in Ausnahmesituationen, deren Leben eine ungeahnte Wendung genommen hat. In „Kettenreaktion“ geht es für Matteo Valluzzi ums reine Überleben.

Zwei Jahre Haft für Betrug und Geldwäsche. Ausgerechnet im Johnsons Correctional Center muss der 23jährige Matteo seine Strafe absitzen. Sein Zellenkumpan Alfredo klärt ihn über Regeln und Abläufe auf. Matteo gerät ins Visier der Verbrecher Silver Slick, Norris und Chuck. Nur der russische Mafiosi Sergej hat die Macht, Matteo vor den Anderen zu schützen.

Der Prolog lässt erahnen, dass Matteo folgenschwere Fehler begangen und sich in eine aussichtslose Situation gebracht hat. Kein spektakulärer Einstieg, aber passend zu einer Geschichte, die von Anfang bis Ende berührt. Autorin Alesia Fridman erzählt realitätsnah von Matteos Schicksal und seinem Knastalltag. Angst und Beklemmung herrschen vor. Niemand, der in dieses Gefängnis kommt, hat die kleinste Ahnung, was ihn erwartet. Matteo verliert nicht nur seine Freiheit, sondern bald auch sein Selbstwertgefühl. Die brutalen Gefängnisgepflogenheiten schockieren. Es gibt keinen Ausweg und kein Entrinnen. Dummheit und Verlockung haben Matteo auf die schiefe Bahn gebracht. Trotz Fehler und Schwächen fällt es leicht, Sympathie für den Gestrauchelten zu empfinden. Die Ich-Perspektive lässt viel Nähe zur Hauptfigur zu. Sein Anderssein bringt Matteo in ständige Gefahr. Er hat Ziele, Wünsche und Hoffnungen und lässt sich nicht brechen. Sergej wird zu Matteos Universum. Wie lange gewährt ihm der Russe Schutz, und wie hoch ist der Preis? Vieles, was im Gefängnis vor sich geht, ist schwer zu ertragen. Gut gelungen sind die Charaktere. Alle wirken lebensecht, als hätte es Szenen und Ereignisse wirklich gegeben. Erzählstil und Sprache sorgen für eine dichte Atmosphäre. Nicht nur Matteos Schicksal fesselt. Ein bisschen erinnert „Kettenreaktion“ an „The Green Mile“ mit Tom Hanks. Das Gute trifft auf das Böse. Mit Matteos Werdegang nach dem Gefängnis verliert die Geschichte zeitweise an Intensität, bis ihn die Vergangenheit wieder einholt. Zeitsprünge zum Schluss komprimieren die Story etwas zu sehr. Gerne hätten es noch ein paar Dutzend mehr Seiten sein können. Zu groß ist das Interesse an Matteo und seinen Schicksalsgenossen. Trotzdem wirkt der Roman rund und lässt keine Fragen offen.

Cover und Titel stimmen auf bedrohliche Situationen ein. Sehr gut gewählt ist die Perspektive und Farbkombination. Der Titel hätte noch kreativer in Szene gesetzt werden können. „Kettenreaktion“ entwickelt sich schnell zum Pageturner und lässt einen nicht mehr los. Über lange Zeit ist Matteo dem Abgrund nahe. Mifiebern, mitleiden, mitfühlen. Auch nach dem Zuklappen des Buches bleiben Hauptfigur und Co einem noch im Gedächtnis.

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Tags: alesia fridman, kettenreaktion, roman   (3)
 

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19 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 19 Rezensionen

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Der Reiniger

Inger G. Madsen , Ulrike Folkerts
Audio CD
Erschienen bei steinbach sprechende bücher, 05.07.2018
ISBN 9783869743394
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Der Reiniger“ von Autorin Inger Gammelgaard Madsen ist Band 7 der Krimireihe um den italienischen Polizeiinspektor Roland Benito, der in Dänemark ermittelt.

Der 17jährige Bertram Karlsen nimmt eine günstige Gelegenheit wahr und stiehlt im Restaurant eine Lederjacke. In der Tasche findet er einen Memorystick. Mit Hilfe seines Freundes Felix gelingt ihm der Zugang zu einem geheimen Netzwerk. Aufgrund sich überschlagender Ereignisse ahnt Bertram bald, dass er auf eine Todesliste gestoßen ist.

Bertram und seine Freunde arbeiten im Auftrag für einen Hehler. Es geht schon lange nicht mehr um Spaß und Spannung sondern ums Geld. Mit dem verhängnisvollen Diebstahl der Lederjacke nimmt eine rätselhafte Geschichte ihren Lauf. Wem gehört die Jacke? Kommt der Besitzer Bertram auf die Spur? Was hat es mit der Todesliste auf sich? Bertram sitzt in der Zwickmühle. Er müsste die Polizei über seinen Fund informieren, würde aber damit sich selbst verraten. Das Tempo ist zu langsam. Handlungswechsel zwischen der Bande „Die Raben“ und den Ermittlern Roland Benito, Kollege Mark und bald auch Journalistin Anne Larsen. Sobald Bertram kapiert, was vor sich geht, ist er zu tatenlos. Hier wurde Potential verschenkt. Sein krimineller Hintergrund müsste ihm nützlich sein. Etwas mehr Persönlichkeit bei der Hauptperson hätte der Geschichte gut getan. Störend wirkt auch, dass Bertram seine Mutter bei Vor- und Nachnamen nennt. Der Grund dafür wird nicht ersichtlich. Das Zögerliche gleich in mehreren Bereichen bremst den Krimi aus. Bald wissen der Zuhörer und einige Protagonisten mehr als die Polizei. Der Plot hat dadurch seine Tücken. Vieles ist zu vorhersehbar. Szenen, die für für Spannung hätten sorgen können, lösen sich zu schnell auf. Es fehlt an Raffinesse und Überraschungen. Schauspielerin Ulrike Folkerts schafft in brenzligen Momenten Atmosphäre, kann aber die Schwächen der Geschichte nicht ausgleichen. Das Düstere und Beklemmende durch den Gegenspieler kommt nicht richtig zu tage. Aus einer eigentlich guten Basisidee wurde viel zu wenig herausgeholt.

Ins Auge fällt der Titel. Die Coverkulisse will nicht so richtig zum Inhalt passen. „Der Reiniger“ erfüllt nicht die Erwartungen eines packenden Krimis. Als Urlaubshörbuch für den Zeitvertreib kann es sich trotzdem eignen. Vom Handlungsort Dänemark kommt leider nicht viel rüber. Ulrike Folkerts Stimme ist angenehm. Das Zuhören und Hineinfinden in die Story fällt leicht. Durch die Kapiteleinteilungen lassen sich bei einer Gesamtlänge von 311 Minuten problemlos Pausen einlegen.

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Tags: der reiniger, inger g. madsen, krimi   (3)
 

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Opfer

Pierre Lemaitre , Tobias Scheffel
Flexibler Einband: 329 Seiten
Erschienen bei Tropen, 02.09.2018
ISBN 9783608503708
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Für seinen Roman „Au revoir là-haut“ („Wir sehen uns dort oben“) wurde Schriftsteller und Drehbuchautor Pierre Lemaitre 2013 mit dem bedeutendsten französischen Literaturpreis „Prix Goncourt“ ausgezeichnet. In „Opfer“ entscheiden Sekunden über Leben und Tod.

Anne Forestier ist zur falschen Zeit am falschen Ort. Die Katastrophe ist nicht mehr aufzuhalten. Mit unglaublicher Brutalität geht besonders einer der Täter vor. Für Lebensgefährte Kommissar Camille Verhoeven ist der Raubüberfall, bei dem Anne zum Opfer wurde, zur persönlichen Sache geworden. Denn Anne ist als Zeugin immer noch in Gefahr.

Statt in Kapitel ist der Roman in Tage eingeteilt. Stundenangaben kennzeichnen die Geschehnisse. Ungewöhnlich ist der Erzählstil, ein allwissender Beobachter mit Galgenhumor, der auch mal den Leser persönlich anspricht. Zu Anfang entsteht der Eindruck eines drohenden Amoklaufs. Tatsächlich handelt es sich um einen Raubüberfall, der aufgrund eines unvorhergesehenen Ereignisses eskaliert. Das Grauen für alle Beteiligten nimmt seinen Lauf. Besonders hervorgehoben wird die Brutalität eines Täters. Er ist besessen von dem Gedanken, Anne zu ermorden. Obwohl der Erzählstil zeitweise seltsam nüchtern erscheint, ist es die Sprache, die für Eindringlichkeit sorgt. Camilles Entsetzen, Verzweiflung und Wut nach dem Tatgeschehen wird greifbar. Bald wechselt die Perspektive vom Beobachter-Erzähler immer wieder zur Ich-Perspektive des Täters. Seine Intelligenz, Zielstrebigkeit und kaltblütige Planung ist beängstigend. Die Spannung bleibt auf einem hohen Niveau. Niemand weiß, dass Camille in den Fall persönlich involviert ist. Er kann also nicht jede Information weitergeben, was ihn mehr als einmal in einen Zwiespalt bringt. Kann er Anne im Alleingang retten? Sein Gegner scheint immer einen Schritt voraus zu sein. Nach und nach entpuppt sich der Thriller als undurchsichtiges Verwirrspiel. Was ist das Ziel der Jagd? Der Plot ist raffiniert gestrickt. Der Leser tappt lange Zeit im Dunkeln. Spekulationen laufen ins Leere. Durch die lauernde Gefahr sind bei allen Beteiligten die Nerven zum Zerreißen gespannt. Wer ist am Ende Gewinner, wer Verlierer? Nichts scheint sicher. Abgründe, Manöver und Strategien, ein Pageturner der Extraklasse, filmreif inszeniert.

Das Cover ist Understatement pur, passt aber zum Inhalt. Detail, Titel und Autorenname ziehen die Blicke aufs Buch. Wer einmal einen Thriller von Autor Pierre Lemaitre gelesen hat will mehr davon. Er spielt in einer eigenen Liga. „Opfer“ bietet originelle, spannungsgeladene und beste Thriller-Unterhaltung. Kaum noch zu toppen.

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Tags: opfer, pierre lemaitre, thriller   (3)
 

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Todeszone: Tatort Malmö: Thriller

L.C. Frey
Flexibler Einband: 616 Seiten
Erschienen bei CreateSpace Independent Publishing Platform, 07.06.2018
ISBN 9781720850281
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Todeszone: Tatort Malmö“ ist der neueste Thriller von Autor L.C. Frey. Kinderpsychologin Elsa Mattsson wird von ihrer Vergangenheit eingeholt.

Treibt ein Serienmörder sein Unwesen in Malmö, Schweden? Nach dem Fund einer verstümmelten Kinderleiche wird ein weiteres Mädchen entführt. Kommissar Hendrik Andersson holt sich Hilfe bei Elsa Mattsson. Sie soll ein Profil des Täters erstellen. Die Zeit drängt.

Der Einstieg mit „Früher“ ist gut gelungen. Die Aussichtslosigkeit und beklemmende Atmosphäre berührt. Wie kann ein Mensch zu so etwas fähig sein? Aufgrund der Polizeiermittlungen spitzt sich die Lage im Problemviertel Rosengard zu. Das Flüchtlingsthema will sich nicht so recht in den Thriller integrieren. Es bleibt ein Randgeschehen. Vorurteile und Vorverurteilungen, ein direkter Zusammenhang lässt sich nicht herstellen. Hendrik und Elsa sind ein interessantes Ermittlerduo. Elsa hat eine gute Kombinationsgabe und Intuition und weiß Tricks und Raffinesse einzusetzen. Im Laufe der Geschichte verändert sich ihr Bild, und es ist schwer nachzuvollziehen, warum sie wichtige Zusammenhänge nicht erkennt. Für Spannung sorgen kleine Überraschungseffekte. Die Geschichte nimmt Wendungen, die so nicht zu erahnen sind. Zu viel unnötigen Raum auf fast allen Handlungsebenen nimmt besonders in der ersten Buchhälfte das Thema „Sex“ ein. Nicht alles bringt die Handlung voran, und das Tempo wird unnötig ausgebremst. Verhältnismäßig früh steht der Täter fest. Mindestens eine Nebenfigur bleibt undurchsichtig. Was ist die Wahrheit? Durchgehend raffinierter hätte der Plot sein können. Die dichte Atmosphäre fehlt, auch wenn eine gewisse unterschwellige Spannung erhalten bleibt. Nicht alle Möglichkeiten wurden ausgeschöpft. Zum Schluss zieht das Tempo an. Die Ereignisse überschlagen sich. Ist nichts wie es scheint? Fassaden bröckeln. Das Verwirrspiel sorgt für Unterhaltung. Nicht jede Erklärung ist nachzuvollziehen. Die Auflösung wirkt weit hergeholt und kann nicht überzeugen. Der Epilog will noch einen drauf setzen und hat auch etwas zu Konstruiertes.

Titel und Detail passen gut zum Inhalt. „Todeszone: Tatort Malmö“ erfüllt die Erwartungen eines fesselnden Thrillers. Zwar sitzt nicht jeder Schachzug des Autors und Manches lässt Fragen aufkommen, trotzdem lohnt es sich zu diesem Buch zu greifen und Ermittler Hendrik Andersson über die Schulter zu schauen.

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Tags: l.c.frey, thriller, todeszone: tatort malmö   (3)
 

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Liebe zukünftige Lieblingsfrau

Michalis Pantelouris , Michalis Pantelouris
Audio CD
Erschienen bei Random House Audio, 14.05.2018
ISBN 9783837140774
Genre: Sonstiges

Rezension:

„Liebe zukünftige Lieblingsfrau“ von Autor Michalis Pantelouris ist das Hörbuch zur wöchentlichen Kolumne im SZ-Magazin, die sich als Überraschungserfolg entpuppte.

Trennung nach 10 Jahren Ehe. Zwei Töchter, die nur alle zwei Wochen bei ihm wohnen. Die Lebensveränderung, daraus resultierenden Herausforderungen und Suche nach der Frau fürs Leben verarbeitet Michalis Pantelouris in seiner Kolumne „Liebe zukünftige Lieblingsfrau.“

Autor Michalis Pantelouris erzählt seine Geschichte von Trennung, Neuanfang und Frauenbekanntschaften schonungslos ehrlich. Der Schlussstrich ist schwer zu akzeptieren, erinnert doch vieles an eine glückliche Familienzeit. Seine Töchter nennt er liebevoll Nr.1 und Nr.2, um sie zu schützen. Denn Michalis gibt viel Persönliches preis und eine Grenze muss sein. Als Hörbuch kommen seine Erlebnisse nicht ganz so unterhaltsam rüber. Auch der Humor ist rar gesät. Kater Willy Brandt mit seiner eigensinnigen Art stiehlt der Hauptfigur fast die Show. Trauer, Einsamkeit, Verzweiflung, der Fall ins Bodenlose muss aufgehalten werden. „Ich werde das überleben, und ich werde glücklich sein.“ Das Alltägliche und der Datingmarkt haben so manche Stolpersteine parat. Sympathisch machen den freiberuflichen Autor seine Unsicherheiten und Schreibschwierigkeiten. Der verdammte erste Satz für die Kolumne will ihm einfach nicht einfallen. Umso überraschter ist der über 40jährige „mächtige Herrscher von gar nichts“ von dem durchschlagenden Erfolg. Plötzlich hagelt es Heiratsanträge, dabei hat er schon mit drei Frauenbekanntschaften reichlich zu tun und muss herausfinden, wer denn nun seine zukünftige Lieblingsfrau ist. Der Helfersyndrom kommt nicht nur bei den Kolumnenleserinnen auf. Es gibt nicht viele Romantiker wie Michalis Pantelouris, die ihrer zukünftiger Traumfrau in Briefen so schön und verführerisch die zukünftige Zweisamkeit schildern können. Ein Mann, der sich Gedanken macht und zwar auch über die Wünsche der Frau an seiner Seite. Seine Stimme klingt warmherzig, passend zu Herzensangelegenheiten. Wie geht es am Ende aus? Nicht jede Frage wird beantwortet.

Auf dem Cover wirkt Michalis Pantelouris etwas verschämt. Er ist der öffentlichste Romantiker Hamburgs. „Liebe zukünftige Lieblingsfrau“ könnte Männer dazu anzustacheln, ihre romantische Seite zu zeigen. Frauen erliegen eher dem Charme des Autors. Das Hörbuch bietet kein mitreißendes, turbulentes Abenteuer, aber dafür einen offenen Einblick in die Männerwelt nach einer Trennung. Auch nicht zu verachten.

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Tags: hörbuch, liebe zukünftige lieblingsfrau, michalis pantelouris   (3)
 

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Die Wahrheit über Dinge, die einfach passieren

Ali Benjamin , Petra Koob-Pawis , Violeta Topalova
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 23.07.2018
ISBN 9783446260498
Genre: Jugendbuch

Rezension:

„Die Wahrheit über Dinge, die einfach passieren“ ist das Erfolgsdebüt von Autorin Ali Benjamin. Der Jugendroman wurde für den National Book Award nominiert und wird verfilmt. Ein Schicksalsschlag bringt Suzy an ihre Grenzen.

Suzys ehemalige beste Freundin Fanny ist ertrunken, obwohl sie eine sehr gute Schwimmerin war. Was kann ihr zum Verhängnis geworden sein? Suzy sucht nach einer Antwort. Bei ihren Recherchen stößt sie auf etwas, das alles erklären könnte.

Mit „Geisterherz“ ist ein berührender Einstieg in eine aufwühlende Geschichte gelungen. Die Qualle dient in diesem Roman als Metapher. Es geht um Verlust, Trauer, Abschied, um ein Herz, das aufhört zu schlagen. Suzy erzählt von ihrer Freundschaft mit Fanny und wie sich alles verändert hat. Die persönliche Ansprache an die Freundin und Ich-Perspektive lassen viel Nähe zur Hauptfigur zu. Suzys Gefühle werden greifbar. „In den ersten drei Wochen der siebten Klasse habe ich vor allem eines gelernt: Ein Mensch kann unsichtbar werden, indem er einfach schweigt.“ Nichtsprechen ist für das zwölfjährige Mädchen die Lösung, um mit etwas Unfassbaren fertig zu werden. Ein harter Kontrast zum Dauersprechen mit Fanny. Suzys Erinnerungen lassen glückliche Freundschaftszeiten wieder aufleben. Kurze Kapitel sorgen für einen guten Lesefluss und untermalen die Intensität der Geschichte. Suzy ist in der Schule eine Außenseiterin. Autorin Ali Benjamin erzählt auf bewegende Weise, wie die Kluft zwischen Suzy und Fanny immer größer wird. Einsamkeit, Verzweiflung, das Thema „Mobbing“ nimmt immer mehr Raum ein. Intelligent, neugierig, liebenswert, wissbegierig, es fällt leicht mit Suzy mitzufühlen und mit ihr die Welt nicht mehr zu verstehen. Suzy entwickelt einen Plan, wie sie alle zur Einsicht bringen kann. Andersartigkeit ist etwas Besonderes, nicht die einzige Botschaft dieser Geschichte. Der Lehrreiche wird nie so unterstrichen, dass es wie ein erhobener Zeigefinger daherkommt. Im Gegenteil, der Fokus liegt auf der Hauptfigur und ihren Erlebnissen. Suzy legt sich eine These zu Fannys Ertrinkungstod zurecht, die ihr Trost und Halt bietet. Mit einer Deadline steigt die Spannung. Alles scheint möglich. Das letzte Buchdrittel rührt zu Tränen. Suzys Abenteuer reißt mit. Warmherzig und eindringlich erzählt. Das Thema „Verlust“ und Suzys Gefühlswelt werden auf originelle Weise in Szene gesetzt.

Das kreativ gestaltete Cover stimmt auf eine phantasiereiche Hauptfigur ein. Der Titel erregt zusätzlich Aufmerksamkeit. „Die Wahrheit über Dinge, die einfach passieren“ ist für Teenager ab 12 Jahren gedacht und hilft jung und alt mit einem harten Schicksalsschlag umzugehen. Ein sehr empfehlenswerter Roman für alle, die realitätsnahe, bewegende und originelle Geschichten lieben.

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Tags: ali benjamin, die wahrheit über dinge, die einfach passieren, roman   (3)
 

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73 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 44 Rezensionen

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Wähle den Tod

Jutta Maria Herrmann
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 02.07.2018
ISBN 9783426519981
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Nach „Hotline“, „Schuld“ und „Amnesia“ ist „Wähle den Tod“ der neueste Thriller von Autorin Jutta Maria Hermann. Jana wird von ihrer Vergangenheit eingeholt.

Jana Langenfeld lebt mit ihrem Ehemann Hannes, Tochter Kim, Sohn Max und Hund Bennie außerhalb Berlins. Als sie eines morgens im Garten eine schreckliche Entdeckung macht, kehrt die Angst zurück. Will ihr jemand drohen? Jana hat ihre Vergangenheit verheimlicht und kann sich niemandem anvertrauen.

Der Einstieg in die Geschichte mit „Davor“ hat Intensität. Fragen kommen auf. Das Undurchsichtige fesselt. „Dein Werk, denke ich, und völlig unpassend steigt ein Kichern in mir hoch. Jetzt hast du auch sie auf dem Gewissen.“ Leider ist von der gelungenen Inszenierung am Anfang, atmosphärisch starken Sprache, bald nichts mehr zu spüren. So mancher Dialog wirkt hölzern. Es fehlt dem Erzählstil an eigener Note. Jana verstrickt sich in Lügen und Ausflüchten, statt die Wahrheit zu sagen. Tochter Kim begibt sich in eine gefährliche Situation. Das Ausmaß an Naivität und Risikobereitschaft ist nicht nachvollziehbar. 14 Jährige sind heute taffer und durchschauen mehr. Jana hat nicht nur ein Geheimnis. Vieles wirkt zu abgedroschen. Die Charaktere bleiben zu blass. Ihnen fehlt es an Persönlichkeit, besonderen Merkmalen und Eigenheiten. Die kurzen Kapitel sorgen für einen guten Lesefluss. Die Bedrohung für Jana und ihre Familie steigt. Mancher Hinweis lässt Fragen aufkommen. Vieles ist zu vorhersehbar. Auch die Überraschungseffekte sind nicht mehr so gelungen inszeniert. Es wird zu viel erklärt. Wiederholungen bei emotionalen Beschreibungen bremsen die Geschichte aus. Hat der Plot noch anfangs überzeugt, fehlt es immer mehr an Raffinesse. Selbst die Auflösung erfüllt nicht die zu Beginn des Thrillers hochgeschnellten Erwartungen. Das Tempo nimmt im entscheidenden Moment zu stark ab. Langatmiges Reden statt Taten. Ein entscheidender Dialog wirkt viel zu unecht. Es wird sich zu sehr an Klischees bedient. Einige Handlungen sind nicht nachzuvollziehen. Auch der Schluss überzeugt nicht. Aus ein paar guten Ansätzen wurde nicht das Psychothriller-Potential herausgeholt.

Das Cover erregt mit wenigen Mitteln Aufmerksamkeit. Der Titel weckt die Neugierde. „Wähle den Tod“ kann nicht mit anderen Thrillern mithalten. Oft lässt sich erahnen, was als Nächstes passiert. Es hapert über lange Strecken an der notwendigen packenden Atmosphäre. Trotzdem sind Bruchstücke einer guten Basis erkennbar. Die eine oder andere Idee hätte zünden können, wenn die Umsetzung eindringlicher gewesen wäre und der Fokus auf fesselnde Szenen, Tempo, effektvolle Überraschungen und gegensätzliche und mitreißende Protagonisten wesentlich verstärkt worden wäre.

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Tags: jutta maria herrmann, psychothriller, wähle den tod   (3)
 

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Als die Tage nach Zimt schmeckten

Donia Bijan , Susanne Goga-Klinkenberg
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 06.07.2018
ISBN 9783548290393
Genre: Romane

Rezension:

„Als die Tage nach Zimt schmeckten“ ist der Debütroman von Köchin und Autorin Donia Bijan. Zod wünscht sich nichts sehnlicher als seine Tochter wiederzusehen.

Nach 30 Jahren kehrt Noor zurück nach Teheran. Der 75jährige Zod hat seine Enkelin Lily noch nie kennengelernt. Die 15jährige ist entsetzt über die Reise und macht es der Familie mit ihrer Teenager-Sturheit nicht gerade leicht. Für sie ist Teheran ein fremdes Land, viel zu weit entfernt von Zuhause.

Der Prolog mit dem ungeduldig auf einen Brief von seiner Tochter wartenden Zod ist ein gelungener Einstieg in die warmherzige Geschichte. Zwei Welten treffen aufeinander, Amerika und Teheran. Autorin Donia Bijan lässt die Atmosphäre in Zods Heimat anhand von Gerüchen und Speisen aufleben. Zods Sehnsucht nach seiner Familie und seine tiefe Liebe zu Teheran, seinem Café Leila und den Menschen, die dort ein- und ausgehen, wird greifbar. Zod ist die eigentliche Hauptfigur. Sein Leben und sein Schicksal berühren. Mit dem Rückblick 1961 in Paris kommen Wahrheiten und Geheimnisse zu Tage. Eine schockierende Wende macht betroffen. Ungerechtigkeiten, Schrecken und Grausamkeiten, die dunklen Seiten von Zods Heimat sind schwer zu begreifen. Wie im Leben und Land verändert sich auch die Geschichte. Nichts scheint mehr vorhersehbar. Jeder Charakter könnte im nächsten Moment am Abgrund taumeln. Trotzdem schwappt die Liebe zum ursprünglichen Iran auf den Leser über. Das Café Leila wird zum Synonym für Heimat, Familie, Zusammenhalt, Schutz und Sicherheit. Ist es möglich, die zwei Welten Amerika und Iran miteinander zu verbinden? Welche Heimat zählt am Ende? Interessant ist die Entwicklung des Charakters Lily und ihre immer deutlicher werdende Persönlichkeit. Auch Unikat Naneh Goli entpuppt sich als zentrale Figur. Herzerwärmend ist Karim mit seiner hilfreichen Art und besonderen Sehnsucht. Jeder braucht den anderen auf seine Weise. Sprachbarrieren werden überwunden, Zuneigungen entstehen. Mehr und mehr entwickelt der Roman eine unglaubliche Intensität. Mitfiebern fällt leicht. Ungeahnte Gefahren lauern. Die Spannung steigt. Alles kann passieren. Gefühle bestimmen Entscheidungen. Das letzte Buchdrittel wird zur Achterbahnfahrt. Ein kluger Plot mit Überraschungen und einem gelungenen Ende.

Das Cover beeindruckt mit einer besonderen Atmosphäre, die durch Szene und Farben ausgelöst wird. Der Titel klingt nur im ersten Moment kitschig und gibt einen Hinweis auf die Geschichte. „Als die Tage nach Zimt schmeckten“ ist ein beeindruckendes Debüt, das seine eigentliche Kraft mit dem Aufenthalt in Teheran nach und nach entfaltet. Unvorhersehbar, fesselnd, erschütternd. Ein sehr empfehlenswertes Buch.

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Tags: als die tage nach zimt schmeckten, donia bijan, roman   (3)
 

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Familie und andere Trostpreise

Martine McDonagh , Marion Ahl
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 02.07.2018
ISBN 9783959671958
Genre: Romane

Rezension:

„Familie und andere Trostpreise“ ist der Debütroman von Autorin Martine McDonagh. Eine Reise in die Vergangenheit offenbart ungeahnte Wahrheiten.

„Außer der Tatsache, dass der Schlüssel zum Universum in meine Obhut überging, unterschied sich dieser Geburtstag nicht wirklich von einem normalen Geburtstag. Einundzwanzig ist ja einfach irgendeine Zahl, oder? Aber ziemlich bald lief der ganze Tag aus dem Ruder.“ Aufgrund der Ereignisse beschließt Sonny, nach England zu reisen und seine Mutter zu suchen.

Sonny hasst jede Veränderung, kann Knutsch-, Saug- und Essgeräusche nicht ausstehen und Briefumschläge machen ihm Angst. Sein Lieblingsfilm ist eine Zombiekomödie. Vertrauen hat er nur zu seinem Vormund Thomas. Die Reise aus seinem sicheren Universum wird für Sonny zur Herausforderung. Überall lauern Alltagsgeräusche, die ihn abstoßen und nicht immer ist eine Flucht möglich. Die Geschichte wird in der Ich-Perspektive aus Sicht der Hauptfigur erzählt. Die persönliche Ansprache an die Mutter berührt. Es ist zu spüren, dass sie ihm immer noch viel bedeutet, obwohl sie ihn schon vor Jahren verlassen hat. Jeder hat seine Geheimnisse. Auf seiner Reise begegnet Sonny den Menschen, die seinen Eltern nahestanden standen. Die Konfrontationen kosten Überwindung. Sonny ist nicht erpicht darauf, seiner Vergangenheit zu nahe zu kommen. Seine Gesprächspartner versuchen permanent, ohne es zu wissen, Grenzen zu überwinden. Die Gedankenkommentare der Hauptfigur setzen seine wahren Emotionen in Szene. Sonnys Eigenarten, seine Abscheu, unterschwellige Sehnsucht und Hoffnung tragen die Geschichte. Haben seine Eltern ihn völlig verkorkst? Im letzten Buchdrittel kommen Wahrheiten ans Licht, die schockieren. Das Leben seiner Familie ist schon früh aus dem Ruder gelaufen. Treibende Kraft war sein herrschsüchtiger, egoistischer und manipulativer Vater. Schwer nachzuvollziehen für Sonny, dass Menschen wie seine Mutter Sarah, Guru Bim vergöttert haben und ihm gefolgt sind. Das Skurrile und die Charaktere hätten der Geschichte einen besonderen Unterhaltungswert verleihen können. Tatsächlich schwingt eine ansteigende Schwere mit. Ein Junge wurde zum Spielball seiner Eltern. Liebe hat er nur außerhalb seiner Familie erfahren. Das Verhalten von Mutter Sarah und Vater Robin alias Guru Bim ihrem Sohn gegenüber ist verantwortungslos und unerträglich. Wird sich alles zum Guten wenden? Es geht um Narzissmus, Liebe, Schicksale, die miteinander verbunden sind, Schuld und Reue. Welche Konsequenzen wird Sonny aus seiner Reise ziehen? Was ist sein zukünftiger Weg? Es fällt einerseits schwer, zu der Hauptfigur Zugang zu entwickeln, andererseits kommt der Wunsch auf, dass Sonny an seinen Erfahrungen wächst und sein Lebensziel findet. Sonnys lehrreiche Erkenntnis am Ende ist das Highlight und rundet die Geschichte ab. Die letzten Zeilen fassen seine Emotionen und seine Einsicht perfekt zusammen.

Das Cover mit den unbeschwerten Kindheitsszenen schürt die Erwartungen auf eine unterhaltsame, humorvolle Geschichte. Kreativ ist die Gestaltung mit den Fotos. Der Titel deutet Schwierigkeiten in der Familie an, hat aber immer noch eine gewisse Leichtigkeit. „Familie und andere Trostpreise“ offenbart die dunklen Seiten der Charaktere und hat überraschende Wendungen parat, wirkt aber auch über lange Strecken etwas langatmig. Nicht der erhoffte Lesespaß, aber eindringlich und besonders. Am Interessantesten sind Sonny und Thomas. Der Roman hat auch eine Weisheit zum Thema „Leben“ parat. 

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