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Vinegar Girl

Anne Tyler
Flexibler Einband
Erschienen bei Hogarth, 16.06.2016
ISBN 9781781090190
Genre: Romane

Rezension:

Anne Tyler hat mit „Vinegar Girl“ den Stoff des Shakespeare Stückes „The Taming of the Shrew“ in unsere heutige Zeit übertragen. Dies ist nicht zum ersten Mal geschehen. Bereits der Film „10 Dinge, die ich an dir hasse“ und das Muscial „Kiss me, Kate“ sind Adaptionen davon. Anlässlich des 400. Todestages des großen Meisters wurde das Shakespeare Projekt (Englische Original hier) ins Leben gerufen: Sechs ausgewählte Bestseller-Autoren sollen sechs der besten Werke neu erzählen. Werft mal einen Blick auf das Projekt und findet heraus, welche dazugehören. Es lohnt sich.

Und was macht nun Anne Tyler aus der „Widerspenstigen Zähmung“?

Ihre sauertöpfische Kate Battista ist vom College geflogen, weil sie den Professoren vorlaut widersprochen hat. Aus Mangel an Eigeninitiative und Antriebslosigkeit zieht sie zurück zu ihrem Vater, schmeißt ihm den Haushalt und mimt die Ersatzmutti für die pubertäre, jüngere Schwester. Der Vater ist mit seinem Forschungsprojekt vollauf beschäftig und verbringt die meiste Zeit in seinem Labor, sogar die Wochenenden. Über die Zukunft seiner Tochter denkt er kaum nach. So und nun bringt Tyler einen Aspekt in das Thema „wie bringt man Kate an den Mann“, der nur in der Neuzeit funktioniert. Das Visum des russischen Laborassistenten Pytr droht auszulaufen. Da der Vater aber auf die Mitarbeit dieses Wissenschaftlers nicht verzichten kann und sich um den Erfolg seiner Arbeit sorgt, bittet er Kate, Pyotr zu heiraten. Ganz klar, sie soll ihm so zu einer Aufenthaltsgenehmigung verhelfen.

Kate, die Pyotr noch nie gesehen hat, ist entrüstet – zu recht. Es ist ziemlich unverschämt, was ein Vater hier von seiner eigenen Tochter verlangt. Kate ist deshalb ziemlich kratzbürstig zu Pyotr und will ihn abweisen. Aber er und Kates Vater lassen nicht locker. Sie müssen wirklich verzweifelt sein und dies als einzig möglichen Ausweg sehen. Kate bekommt Mitleid und willigt schließlich ein. Denn, was hat sie schon zu verlieren? Ihren Job als Assistentin einer Grundschullehrerin kann sie nicht leiden und sie will auch nicht als alte Jungfer, die sich nur um ihren noch älteren Vater kümmert, enden. Sie sieht es als Chance herauszukommen und nutzt sie. Das zeigt, dass Kate eigentlich eine sehr mutige Frau ist.

Und weil Shakespeares Stück als romantische Komöde konzipiert ist, darf auch bei Anne Tyler die Romantik nicht fehlen. Deshalb endet das Buch damit, dass sich Kate und Pyotr verlieben und damit auch die Kömodie der Scheinehe nicht weiterspielen müssen.

Wenn man es mit dem Urwerk vergleicht (z.B. hier) findet man heraus, dass Tyler viele Motive und Szenen gut übertragen hat. Das Buch ist modern, doch die Bezüge zu Shakespeare sind klar erkennbar. Zum Beispiel die Ehe, die als wirtschaftlicher Deal Geld einbringen soll. Damals wurden die Töchter an den reichsten Verehrer „verkauft“. Heute versucht Kates Vater seinen beruflichen Erfolg (wovon das Finanzielle abhängt) durch die Verheiratung seiner Tochter abzusichern.

„Vinegar Girl“ ist mit oder ohne Shakespeare-Kenntnisse unterhaltsam zu lesen. Die widerspenstige Kate bringt einen in vielen Situationen zum Schmunzeln. Die fehlenden Emotionen zu Beginn der Geschichte sprudeln am Ende aus den Charakteren heraus. Es ist schön zu beobachten, wie sie sich nach und nach öffnen und aufblühen.

http://buchlingreport.de/2016/09/27/anne-tyler-vinegar-girl/

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neapel, freundschaft, italien, armut, bildung

Meine geniale Freundin

Elena Ferrante , Karin Krieger
Fester Einband: 422 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 29.08.2016
ISBN 9783518425534
Genre: Romane

Rezension:

Um diese Neuerscheinung wird seit Monaten ein großer Hype gemacht. Alle sind im #FerranteFever. Zuerst, weil niemand wusste, wer sich tatsächlich hinter dem Pseudonym Elena Ferrante verbirgt. Viele Mutmaßungen wurden angestellt und Lebensläufe untersucht, da ja angeblich das Buch einen autobiografischen Bezug haben soll. Jetzt wurde ganz aktuell von einem investigativen Journalisten dieses „gut behütete“ Geheimnis gelüftet. Die Übersetzering Anita Raja soll angeblich Elena Ferrante sein. Ob das tatsächlich stimm, weiß niemand. Fest steht, dass die ganze Geschichte als PR-Instrument benutzt wird, um ordentlich Werbung zu machen. Das nervt mich persönlich ein bisschen. Darum versuche ich, ungedachtet dessen, wer nun das Buch tatsächlich geschrieben hat, mich einfach nur auf den Inhalt zu konzentrieren – völlig losgelöst von unserer realen Welt.

Eine Freundschaft mit vielen Facetten

Im Mittelpunkt steht die enge Freundschaft von Lila und Elena. Sie wachsen im Neapel der Nachkriegszeit auf. Ihre Eltern haben einfache Berufe, Schuster und Pförtner. Ab dem Zeitpunkt als die Mädchen in die Schule kommen, bricht ein dauerhafter Konkurrenzkampf zwischen ihnen aus. Lila ist schlau, aber faul. Während Elena durch ihren Fleiß aufholt. Sie gehören beide zu den besten Schülerinnen ihres Jahrganges und wetteifern andauernd um diesen Posten. Eigentlich sollten beide auf weiterführende Schulen gehen. Doch leider sehen Lilas Eltern keinen Sinn darin, ihre Tochter auf eine höhere Schule zu schicken. Elenas Eltern lassen sich überreden.

Doch Elena tut sich auf dem Gymnasium außerordentlich schwer und Lila ist anfangs tief enttäuscht, dass sie diesen Weg nicht mitgehen darf und fühlt sich minderwertig. Dann beginnt sie heimlich den Stoff zu lernen und überholt Elena erneut. Die fühlt sich davon angestachelt und schafft es aufzuholen und ihre schulischen Leistungen wieder auf Bestleistung zu bringen. Beide haben jedoch das Gefühl, dass Elena Lilas Leben lebt. Und die Frage stellt sich, welche Zukunft es für Lila gibt. Sie kann doch nicht ewig ihrem Vater in der Schusterwerkstatt aushelfen?

In der Pubertät wird dann deutlich in welch unterschiedliche Richtung sich die beiden Freundinnen entwickeln und welche Lücke zwischen ihnen entsteht. Lila reift zu einer außergewöhnlich hübschen jungen Frau heran (natürlich), die zahlreiche Verehrer hat und gerne ausgeht. Elena ist die „hässliche“ die mit Akne und Babyspeck zu kämpfen hat und vor lauter lernen ganz bleich und ungesund aussieht. Sie ist also das Mauerblümchen, das hinter allen Mädchen es Viertels hinterherhinkt und davon Minderwertigkeitskomplexe bekommt. Schulische Leistungen zählen diesmal nicht. Diesen Konkurrenzkampf verliert sie also gegen Lila.

Da Lila nicht über den Bildungsweg ihren ärmlichen Verhältnissen entkommen kann, sucht sie sich einen anderen Ausweg: Sie heiratet blutjung einen der reichsten junge Männer des Viertels und versucht dadurch an etwas mehr Wohlstand zu gelangen.

Meine Meinung

Ich finde die Freundschaft zwischen Elena und Lila faszinierend und bisweilen bizarr. Elena, die aufs Gymnasium geht und fleißig lernt, bezeichnet Lila als ihre geniale Freundin. Warum? Weil die sich ganz alleine ohne Hilfe von Lehrern Latein und Griechisch einfach selbst beibringt? Ich fand es fast bizarr, dass Lila diesen Eifer an den Tag legt und alles schon können will, bevor Elena diese Sachen in der Schule lernt. Elena macht sich dadurch immer kleiner als sie ist und stellt Lila auf einen Podest, wie eine Heilige. Zeitweise ist es sogar so, dass die beiden Freundinnen keinen Kontakt haben und Elena Lila aus der Ferne beobachtet, wie diese umringt von Leuten, die sie anbeten, durch die Straßen „schwebt“. Letztendlich ist es aber genau diese widersprüchliche Freundschaft mit ihren Aufs und Abs, die den Leser fesseln. Ohne diese Kontraste wäre die Story todlangweilig. Die wechselnden Gefühlsbäder der Figuren verleihen dem Werk eine psychologische Tiefe und holen es damit weg von einer seichten „Mädchengeschichte“.

„Meine geniale Freundin“ ist der erste Band einer Tetralogie. Band 2,3 und 4 erscheinen nächstes Jahr und ich bin sehr gespannt, wie es weitergeht. Aus Band 1 wissen wir, dass Elena und Lila lange Jahre über befreundet bleiben werden. Doch plötzlich verschwindet Lila und niemand weiß, wo sie ist….

Mein Fazit: Ihr müsst diese ganze Diskussion um die Autorschaft nicht verfolgen. Aber ihr könnt euch gemütlich zu Hause einmummeln und „Meine geniale Freundin“ genießen.

http://buchlingreport.de/2016/10/17/elena-ferrante-meine-geniale-freundin/

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abenteuer, liebe, bibliothek, identität, studium

S. - Das Schiff des Theseus

J. J. Abrams , Doug Dorst , V. M. Straka ,
Fester Einband: 544 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 08.10.2015
ISBN 9783462047264
Genre: Romane

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42 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

liebe, peter gardos, leid, gardos, wundervoll

Fieber am Morgen

Péter Gárdos ,
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Hoffmann und Campe, 23.09.2015
ISBN 9783455405576
Genre: Romane

Rezension:

Fieber am Morgen ist eines der Bücher, die jetzt bei der Neuauflage des Literarischen Quartetts "diskutiert" wurden. Die Worte die in dieser Runde fielen waren "Holocaust-Kitsch" und "süßlich". Das ist es aus meiner Sicht nicht. Es geht eher in die Richtung nostalgisch. Warum?

Péter Gárdos, ungarischer Film- und Theaterregisseur., erzählt die Geschichte wie sich seine Eltern kennengelernt haben. Beide wurden 1945 aus einem KZ bzw. Arbeitslager befreit und vom internationalen Roten Kreuz zur Genesung nach Schweden gebracht. In Schweden angekommen, fängt Miklós, Gárdos Vater, an, Briefe an 117 Ungarinnen, die alle aus Debrecen und Umgebung stammen und in Schweden gelandet sind, zu schreiben.Viele Frauen antworten ihm, doch nur in eine verliebt er sich. Und das ist die 18-jährige Lili. Leider ist Miklós Lunge schwer geschädigt und sein Arzt meint, dass er nur noch sechs Monate zu Leben hat. Davon lässt sich Miklós jedoch nicht beeindrucken, wer gerade eben erst das KZ überlegt hat, stirbt jetzt nicht. Mit diesem naiven Optimismus blickt er einer Zukunft mit Lili entgegen. Das ist auch gut so.

Briefausschnitte und Erzählstimme wechseln sich miteinander ab. Mal ist der Leser im Krankenlager von Miklós, mal von Lili anwesend. Die Orte ähneln sich, obwohl sie kilometer voneinander entfernt sind. Ein Arzt, eine derbe Krankenschwester, viel Bettruhe und unendliche Langeweile umgeben die Pflegebedürftigen. Miklós vergleicht seine Lage mit der Hauptfigur Hans Castorp aus Thomas Manns "Zauberberg": "Mir geht es wie Hans Castorp. Diese verzerrte Nostalgie .... die ich beim Gedanken an gesunde Menschen verspüre ... schmerzt beinahe." Zauberberg-Kenner wie Cat hätten hier viel zu vergleichen :)

Miklós und Lili haben kämpfen dafür, sich besuchen zu dürfen. Bei ihrem ersten Treffen ist Lili dann total entsetzt über das Aussehen von Miklós. Sie bittet zunächst ihre Freundin, sich als Lili auszugeben. Miklos durschaut dieses Spiel jedoch sofort. Nach anfänglichem Schweigen, überwinden sie diese Hürde und kommen sich näher. Nur ein halbes Jahr nach Beginn ihres Briefwechsels wollen sie heiraten. Natürlich sind nich alle davon begeistert, dass zwei Menschen die sich kaum kennen sofort heiraten wollen. Aber ein netter Rabbi aus Stockholm unterstüzt die beiden. Außerdem scheint sich auch Miklós Lungenleiden zu bessern. Seine Überlebenschancen sehen also gut aus.

Fazit
Wenn euch jetzt diese kurze Geschichte banal vorkommen mag, dann lasst mich erklären, warum ich das Buch überhaupt nicht banal empfunden habe. Erstens, es ist eine wahre Geschichte. Die Auszüge aus den Briefen der beiden sind also echt. Das drumherum ist logischerweise dazugedichtet. Aber auch das ist in einem ganz passenden Rahmen gemacht. Natürlich konnte Péter Gárdos nicht wissen, was genau in seinen Eltern vorging. Deswegen mag es dem Roman vielleicht an der einen oder anderen Stelle an Tiefe fehlen. Aber ich finde darauf kommt es nicht an. Es ist eine schöne und vor allem mutmachende Geschichte, die die schreckliche Vergangenheit überwindet. Ich bin auch sehr froh, dass die KZ-Erfahrugen und Beschreibungen nicht überhand nehmen in dem Buch. Denn dass dass die Personen dort schreckliches erlebt haben, kann sich auch jeder so vorstellen. Vielmehr ist es schön zu lesen wie sich die beiden Figuren langsam per Brief annähern und miteinander vertraut machen und sich gegenseitig Halt und Hoffnung geben. So hilft Miklós zum Beispiel Lili dabei, ihre Mutter wiederzufinden.

Diese Rezension stammt von meinem Blog: http://buchlingreport.blogspot.de/2015/10/peter-gardos-fieber-am-morgen.html

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 1 Rezension

kurzgeschichten, reise

Reisen

Rafik Schami , Franz Hohler , Monika Helfer , Root Leeb
Fester Einband: 200 Seiten
Erschienen bei ars vivendi, 28.02.2015
ISBN 9783869134987
Genre: Sonstiges

Rezension:

Dieses hübsche kleine Büchlein ist ein wahrer Schatz - vor allem für diejenigen, die zur Zeit nicht in Urlaub fahren können. Mit "Reisen" kann zumindest euer Kopf in die Ferne schweifen.

Den sechs darin versammelten Autoren Franz Hohler, Root Leeb, Monika Helfer, Michael Köhlmeier, Natasa Dragnic und Rafik Schami wurde das Motiv "Reisen" vorgegeben und jeder hat dazu eine oder mehrere Kurzgeschichten geschrieben. In einem kurzen Vorwort erläutert Rafik Schami in seiner Funktion als Herausgeber die Idee hinter diesem Band:

"Dieses Buch ist keine Anthologie, sondern eine neue Art, Texte zu inszenieren. Sechs Autorinnen und Autoren greifen einen Themenvorschlag auf und erzählen aus ihrere Sicht darüber. Es sind allesamt Liebeserklärungen an eine der feinsten Erzählkünste: der Kurzgeschichte. Besuchen Sie die sechs Erzählbühnen. Dort warten Überraschungen auf Sie. Ich garantiere Ihnen große Unterhaltung. Ich war dort."

Diese Worte haben in mir als Leser schon mal eine große Erwartungen geweckt und am Ende konnte ich auch sagen, dass sie erfüllt wurden. Nun zu jedem Autor ein kurzer Absatz:

Franz Hohler: Der Enkeltrick 

Die erste Geschichte ist eine der längsten und realsten. Eine alte Dame fällt fast auf eine Trickbetrügerin  herein: Eine Frau steht eines morgens vor ihrere Wohnungstür und erzählt ihr, dass ihre Enkelin in Not sei und dringend Geld bräuchte. Die alte Dame geht zur Bank und holt Geld, doch als sie es der Fremden geben will ist diese verschwunden. Die alte Dame versteht nicht, dass das ein Betrugsversuch ist. Darum macht sie sich  selbst auf nach Rom, um ihrer Enkelin das Geld zu bringen. So eine Reise ist für eine alte, halbsenile Dame selbstverständlich sehr aufregend. Ich fand die Geschichte sehr süß. Ein guter Start schon mal.

Root Leeb: Fünf Frauen machen eine Reise

Root Leeb nimmt uns Leser mit auf Fantasiereisen, das hat mir besonders gut gefallen. Sie hat ihren Part in Untergeschichten eingeteilt mit den folgenden Titeln: Nach links, Nach rechts, Nach unten, Nach oben, Nach innen. Jede Erzählung ist dadurch nur ca. 3 Seiten lang und trotzdem total tiefgründig und abgerundet - das fand ich wirklich ein Kunststück! Dabei dreht es sich immer um eine weibliche Figur, die sich auf eine abstrakte Reise begibt z.B. durch eine Öffnung im Teppich eine Leiter hinabsteigt oder in ein Schneckenhaus hineinkriecht, in der sich eine Bibliothek verbirgt.

Monika Helfer: Sechs Geschichten

Wie der Titel schon sagt, sind auch in diesem Abschnitt wieder mehrere Geschichten mit unterschiedlicher Länge gruppiert. In den Geschichten kommen die unterschiedlichsten Figuren auf, die aber irgendwie alle etwas besonders sind. Überhaupt ist jede Geschichte etwas besonderes und sehr phantasievoll. Ich hatte das Gefühl, dass hinter jeder Geschichte die Bemühung steckt, eine einzigartige Geschichte zu erzählen. 

Michael Köhlmeier: Lange Nacht heim

Köhlmeier hat sich ebenso wie Hohler darauf konzentriert eine einzige Geschichte zu verfassen. Gefühlt war es die längste von allen. Und dabei habe ich das erste Mal richtig gespürt, dass es wirklich nicht auf die Länge ankommt, um Tiefe zu vermitteln. Seine Geschichte über eine Frau, die auf der Straße überfallen wird, und der ein junges Mädchen zu Hilfe eilt, war nicht schlecht. Aber im Vergleich haben mir andere Geschichten besser gefallen.

Natasa Dragnic: Sandfluchten

Zwei Geschichten in denen die Hauptfigur durch eine Reise ans Meer versucht, Abstand von schlimmen Erlebnissen zu Hause zu gewinnen und Kraft für einen Neuanfang zu schöpfen. Die zweite Geschichte "Das Meer aus Sand" hat mir fast am besten gefallen von allen. Denn hier ist was für Bücherwürmer dabei :) Der Protagonist beschreibt seine Gefühlszustände mit Buchtiteln, da er stelbst den ganzen Tag lang da sitzt und schreibt. So verarbeitet er ein traumatisches Erlebnis. Dargestellt wird das ganz dann so: "Um am nächsten Morgen wieder von der Sonne geweckt zu werden, verschwitzt und in einem leichten Panikzustand. Krieg und Frieden." (S. 139). Das ist doch mal eine sehr originelle Form.

Rafik Schami: Das Fremde und das Eigene 

Zwei Geschichten teilen sich diese Kapitel. Beide sind wie die Eröffnungsgeschichte wieder sehr realistisch gehalten. Der erste Protagonist bereist als Rentner und Witwer fernöstliche Ländern, gibt er zumindest vor. In Wahrheit verbringt er einfach viel Zeit mit Einwanderern, die um seinen Heimatort rund herum leben und ihn mit ihren traditionellen Gerichten bekommen und von ihrer Heimat erzählen. Der zweite Protagonist reist nach Italien um seinem eigenen Charakter zu entkommen. Denn er wurde in München schon 10 Frauen verlassen und versteht nicht warum. In Italien scheint es auch mit einer neuen Liebe zu klappen, weil er dort wie ein andere Mensch ist. Zurück in München fällt er leider wieder in alte Verhaltensmuster zurück.

Reisen kann viel bewirken und ist auch immer eine Reise zu sich selbst. Das macht dieser Band mehr als deutlich. Eine sehr schöne Abwechslung zu manch langen und zähen Romanen :)

Diese Rezension gibt es auch auf meinem Blog: http://buchlingreport.blogspot.de/2015/08/reisen-kurzgeschichten-herausgegeben.html

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58 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 21 Rezensionen

russland, literatur, kunstmärchen, roman, familie

Das gläserne Meer

Josh Weil ,
Fester Einband: 672 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 26.08.2015
ISBN 9783832197971
Genre: Romane

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22 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 3 Rezensionen

musik, kurzgeschichten, wandel, venedig, italien

Bei Anbruch der Nacht

Kazuo Ishiguro , Barbara Schaden
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Blessing, Karl, 24.08.2009
ISBN 9783896674098
Genre: Romane

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176 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 15 Rezensionen

selbstmord, schwestern, familie, beobachtung, jugendliche

Die Selbstmord-Schwestern

Jeffrey Eugenides
Flexibler Einband: 251 Seiten
Erschienen bei Rowohlt Taschenbuch, 01.10.2006
ISBN 9783499243707
Genre: Romane

Rezension:

Fünf Schwestern - Cecilia (13), Lux (14), Bonnie (15), Mary (16) und Therese Lisbon(17) - nehmen sich alle im Laufe eines Jahres das Leben. Der Kreislauf beginnt mit der Jüngsten, Cecilia. Nach einem ersten gescheiterten Selbstmordversuch, schafft sie es im zweiten Anlauf. Die gesamte Stadt ist davon geschockt. Die Leute reden sich ein, dass Cecilia nicht normal war. Ihre Schwestern werden ab diesem Zeitpunkt von allen wie Sonderfälle behandelt und von allen beobachtet. Die Jungs finden sie anziehend und attraktiv und würden sie gerne besser kennenlernen. Aber die Mädchen wirken unnahbar. Sie werden als Außenseiter dargestellt, die keine anderen Freundinnen haben und sich immer nur als Geschwister-Clique zeigen.

Keiner weiß etwas über sie und keiner weiß, wie es ihnen nach dem Tod der jüngsten Schwester geht. Die Eltern sind mit der Situation völlig überfordert. Die Mutter denkt, dass sie nur mit einer strengen christlichen Erziehung ihre Töchter unter Kontrolle bringen kann. Nur einmal lässt sie die vier Mädchen zum Schulball gehen. Das ist so ziemlich das einzige Mal, dass die Mädchen Spaß haben. Als Lux jedoch zu spät und betrunken nach Hause kommt, greift die Mutter hart durch. Damit ihre Töchter nicht weiter "verderben", nimmt sie alle aus der Schule und sperrt sie quasi zu Hause ein. Monatelang verlassen sie ihr Haus kaum noch und haben keinen Kontakt zu Gleichaltrigen. Die Mädchen sind sich selbst und der Langeweile überlassen. Nach einigen Monaten endet es eben damit, dass sich alle gleichzeitig umbringen. Kein Erwachsener versucht, sie davon abzuhalten. Bei der Frage nach dem Warum, taucht immer wieder auf, ob die Mädchen einen Pakt geschlossen haben. Fest steht jedoch nur, dass sie nicht die Möglichkeit hatten, sich frei zu entfalten und sich aus diesem Käfig zu befreien und ihrem Leben einen Sinn zu geben.

Leser und Beobachter tappen im Dunkeln

Ziemlich interessant ist die Erzählperspektive. Noch zwanzig Jahre nach den Vorfällen, grübeln die inzwischen erwachsenen Männer, die ehemaligen Nachbarjungen, über sie nach. Nur durch Mutmaßungen, Beobachtungen und Bruchfetzen, wo jemand Kontakt mit der Familie Lisbon hatte, wird die Geschichte rekonstruiert. So erfährt der Leser auch nie die Innensicht der Mädchen oder der Eltern. Es ist alles sehr verschleiert und unklar.

Die Presse wird durch diese Taten auf des Thema aufmerksam und analysiert, ob Selbstmord unter Jugendlichen eine Modeerscheinung ist. Damit wird zwar im Amerika der 70er-Jahre ein Tabuthema gebrochen, aber ein richtiger Umgang mit dem Problem findet nicht statt. 

Teilweise wusste ich wirklich nicht, wie ich den Text interpretieren sollte und deshalb nehme ich jetzt eine Passage aus der Zeit zu Hilfe:

"Jeffrey Eugenides zeichnet in seinem Debütroman das Porträt einer Jugend, die ihre Unschuld verloren hat. Schaurig-lustig und zärtlich zugleich erzählt er von Liebe und Todessehnsucht, Erinnerung und Phantasie und entlarvt das Mittelklassen-Dasein als leeren, schönen Schein."

Quelle: http://www.zeit.de/feuilleton/kulturbrief/2004/12/eugenides

Besser kann man diesen Roman nicht in Worte fassen und deswegen versuche ich es auch gar nicht. Eines habe ich beim Lesen von allen Werken Jeffrey Eugenides gelernt: Man muss bei ihm jeden Satz sehr aufmerksam und konzentriert lesen und immer mitdenken. Denn hinter den einzelnen Sätzen verbirgt sich teilweise so viel, das einem wichtige Details sonst entgehen. Es ist definitv ein Buch über das man nachdenken und diskutieren kann, denn es wirft viele gesellschaftliche Fragen auf. Darin ist Eugenides ein echter Spezialist.

Wenn ihr also mal etwas ganz anderes lesen wollt, und damit meine ich nicht nur diese krasse Geschichte, sondern auch die außergewöhnliche Erzählperspektive und Eugenides ganz eigenen Erzählton, dann lest "Die Selbstmord-Schwestern".

Diese Rezension ist auch hier zu finden: http://buchlingreport.blogspot.de/2015/06/jeffrey-eugenides-die-selbstmord.html

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Tags: eugenide, selbstmord-schwestern   (2)
 

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30 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

antiquariat, vater-sohn-beziehung, geburtstagsgeschenk, canterbury tales, lesesaal

Das Buch der Fälscher

Charlie Lovett , Lutz-W. Wolff
Flexibler Einband: 405 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 10.01.2015
ISBN 9783458360490
Genre: Romane

Rezension:

Ein Buch mit original Notizen von William Shakespeare, und eine Meisterhafte Kopie dieses Werkes bilden das Kernstück des Romans. So ist es auch nicht verwunderlich, dass dies ein Buch für Büchernarren ist, die sich für Antiquariate und sehr alte Ausgaben interessieren. Ansonsten ist es eine Geschichte, die altbekannte "Methoden" aus den Genres Krimi und Liebesgeschichte miteinander verwurstet:

Die gestorbene große Liebe, die dem einsamen Ehemann immer noch leibhaftig erscheint und ihm den Weg weißt. Ein brutaler Mord, und natürlich ist der Mörder derjenige, der von den Hauptfiguren am wenigsten verdächtig wurde.Der gesamte Plot ist wenig originell und 08/15 zusammengestrickt, ohne jegliche Rafinesse. Zufälle und plötzliche Entdeckungen sind ein Schlag mit dem Hammer auf den Zaunpfahl. Direkt auf den ersten Seiten findet die Hauptfigur Peter Byerly in einem alten Buch in einem Antiquariat irgendwo in England ein altes Porträt einer Dame, die wie seine verstorbene Frau aussieht. Damit beginnt die Geschichte wie auf Knopfdruck! Denn natürlich muss er herausfinden, was es mit diesem Bild auf sich hat. Und - oh Zufall!- ganz am Ende kommt heraus, dass die Dame auf dem Bild die Ur-Ur-Großmutter seiner verstorbenen Frau ist. Ein Einfall, der mir von Anfang an kam. Die andere Möglichkeit war, dass das Bild gefälscht wurde. Vielmehr Spielraum ist hier nicht. 

Zeitsprünge am spannendsten

Am spannendsten gemacht an dem ganzen Roman sind die Zeitsprünge zwischen den Kapiteln. Es gibt die Zeitzone der Gegenwart, in der Peter dem Geheimnis um das Bild, dessen Ursprung und Urheber er verucht aufzudecken und dabei auf die Geschichte um Philipp Gardner und die Buchfälschung stößt. Dann gibt es noch die Phase aus der Vergangenheit, in der Peters Liebesgeschichte mit Amanda, von ihrem Kennelernen bis zu ihrem Tod, erzählt wird. Als dritte Zeitzone kommen dann Anekdoten aus verschiedenen Epochen hinzu, die die Geschichten um die unterschiedlichen Besitzer des Buches mit den original Shakespeare-Notizen und somit den jahrhundertealten Weg dieses Buches erzählen. Diese Abwechslung hat wenigsten ein bisschen Spannung aufgebaut. Sonst wäre mir der Erzählstrang echt zu öde gewesen.

Alles in allem ein Buch, das man lesen kann aber nicht muss! Ich könnte mir sogar vorstellen, mich von diesem Buch wieder zu trennen und es mal in einen Bücherschrank zu stellen. Normalerweise will ich ja meine Bücher sonst nicht weggeben :) Das sagt schon alles, oder?

Meine Rezension ist auch hier zu finden: http://buchlingreport.blogspot.de/2015/05/charlie-lovett-das-buch-der-falscher.html

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64 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 16 Rezensionen

spanien, liebe, andalusien, madrid, literatur

Die schönste Art, sein Herz zu verlieren

Mamen Sánchez , Anja Rüdiger
Fester Einband: 360 Seiten
Erschienen bei Thiele & Brandstätter Verlag , 16.02.2015
ISBN 9783851792874
Genre: Romane

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59 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

afrika, nigeria, kultur, afroamerikaner, amerika

Americanah

Chimamanda Ngozi Adichie , Anette Grube
Fester Einband: 608 Seiten
Erschienen bei S. FISCHER, 24.04.2014
ISBN 9783100006264
Genre: Romane

Rezension:

Dieses Buch wollte ich unbedingt haben, nachdem ich schon bei einigen anderen Blogs eine Rezension darüber gelesen habe. Aber für mich war klar, dass ich die englischsprachige Originalversion lesen muss und diese Entscheidung wird genau richtig.

Der Roman ist aus der Perspektive der Hauptfigur Ifemelu erzählt. Sie wächst in Nigeria auf und ergreift später die Chance zum Studium in die USA zu gehen. Da in Nigeria an den Universitäten gestreikt wird, liegen ihre Studien hier mehr oder weniger auf Eis. Mithilfe einer Verwandte in den USA hat, wird ihr ein Visum bewilligt. Gerne würde ihr Freund Obinze mitgehen, leider scheitern bei ihm sämtliche Visa-Anträge.

Nachdem man auf den ersten Seiten einen Einblick in Ifemelus Lifestyle in Nigeria erhalten hat, kann man nachvollziehen wie fremd ihr anfangs alles in den USA vorkommt. Man durchlebt mit ihr die Phase, sich in einem neuen Land zurechtfinden zu müssen, fremdes Essen, fremde Gewohnheiten und Regeln. Für die eigentlich sehr lebenslustige und mutige Ifemelu ist es schwer Fuß zu fassen. Nachdem sie den Sommer bei ihrer Tante verbracht hat, fängt sie zwar an in Philadelphia zu studieren, hat aber große Probleme einen Job zu finden, selbst auf dem Schwarzmarkt will ihr keine eine Arbeit geben. So kann sie sich im Vergleich zu ihren Kommilitonen kaum etwas leisten. Nachdem sie so gut wie kein Geld mehr hat, lässt sie sich aus der Not heraus auf einen schlüpfrigen Deal mit einem ekelhaften Tenniscoach ein. Danach fällt sie in eine lange Depression und ist an ihrem Tiefpunkt angekommen.

Eine Freundin, die sie bereits in Nigeria kannte, hilft ihr aus diesem Loch heraus indem sie ihr zu einem guten Babysitterjob verhilft. Von da an geht es für Ifemelu langsam aufwärts. Eine neue Phase beginnt. Sie lernt Curt, einen Verwandten ihrer Arbeitgeberin kennen. Sie kann anfangs nicht fassen, dass er, ein weißer, reicher Ami-Schnösel, auf sie steht. Die beiden werden ein sehr ungleiches Paar, dass viele Blicke auf sich zieht. Obwohl Ifemelu den Luxus genießt, der ihr durch Curts Geld zuteil wird, wird sie immer wieder mit Rassismus konfrontiert. Wenn sie mit Curt in ein teures Restaurant geht, wird sie entweder vom Personal angestarrt oder wie Luft behandelt. Sie stellt immer wieder solche Beobachtungen an und vergleich häufig schwarze Amerikaner und schwarz Nicht-Amerikaner, wie sie es ist. Das führt schließlich dazu, dass sie einen Blog über genau dieses kulturelle Thema gründet. Die einzelnen Blogbeitrage werder immer wieder in den Roman eingebunden und durch ein andere Schriftart sichtbar gemacht. Das finde ich eine super Idee.

Nach gut 13 Jahren in den USA entschließt sich Ifemelu dann dazu, nach Nigeria zurückzukehren. Auch diese Phase wird richtig spannend, dann nach langer Zeit Funkstille nimmt sie wieder Kontakt zu ihrem Exfreund Obinze auf.

Mir hat die Lektüre deshalb so gut gefallen, weil die Geschichte so authentisch wirkt. Es ist kein überzogenes Drama, keine anklagender Rassissmus, sonder eine relativ nüchtern und ehrlich erzählte kulturelle Erfahrung

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214 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 68 Rezensionen

picasso, paris, liebe, kunst, eva gouel

Madame Picasso

Anne Girard , Yasemin Dinçer
Flexibler Einband: 478 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 09.03.2015
ISBN 9783746631387
Genre: Historische Romane

Rezension:

Große Namen, große Gefühle, größe Tragödie! All das ist "Madame Picasso" von der US-amerikanischen Autorin Anne Girard.

Ein großer Namen beinhaltet ja schon der Titel: Picasso, der weltberühmte Maler ist die Hauptfigur in diesem Roman. Sein Counterpart ist das polnisch-französische Landei Eva Gouel, die sich zweitweise auch Marcelle Humbert nennt. Und was haben diese beiden miteinander zu schaffen, fragt ihr euch jetzt?

Der Maler und seine Muse
Weil Eva nicht gegen ihren Willen verheiratet werden will, verlässt sich klamheimlich ihr Heimatdorf und macht sich auf den Weg nach Paris. Dort angekommen hat sie nichts und muss ganz unten anfangen. Dabei ist sie auf die Hilfe ihrer neuen Freundein Sylvette und des jungen Malers Louis angewiesen. Über Sylvette erhält sie eine feste Stelle als Näherin im Moulin Rouge und muss dort die Kostüme der Tänzerinnnen flicken. Während der Vorstellung erblickt sie in der ersten Reihe zum ersten Mal Pablo Picasso, düster, gutaussehend und wahnsinnig anziehend.

Wie es der Zufall so will, wird er auch auf Eva aufmerksam und ihre Wege kreuzen sich immer öfter. Eva entwickelt sich von einer grauen Landmaus in eine modische und mutige junge Frau. Mit ihrer gewagten Aktion, als Tänzerin für eine abwesende Freundin einzuspringen und sich ohne Erlaubnis auf die Bühne des Moulin Rouge zu stellen, hat sie Picassos Aufmerksamkeit voll und ganz auf sich gezogen. Das einzige Problem ist nur, dass er eigentlich in festen Händen ist. Eva lernt die derzeitige Madame Picasso, Fernande Olivier, über eine gemeinsame Freundin kennen. Sie glaubt, mit dieser anmutigen und schönen Frau nicht um Picasso wetteifern zu können. Aber Picasso will sie und findet auch einen Weg. Die Frage, deren Antwort ich hier nicht vorgenehmen will: Schaffen sie es, für immer zusammen zu bleiben?
Je nachdem wie gut ihr Picassos Lebensgeschichte kennt, könnt ihr euch die Antwort denken. Wenn ihr euch die Spannung nicht kaputt machen wollt, rate ich euch, nicht zu googeln so wie ich. :)

Picasso und Eva waren definitiv ein Paar. Aber was genau sich zwischen ihnen abgespielt hat, ist nicht vollständig dokumentiert. Deswegen sind die Einzelheiten und Dialoge im Roman selbstverständlich fiktiv. Die Autorin erklärt auf ihrer Internetseite: "Although this book is a novel, and thus a work of fiction, I have taken the greatest care to recount events as they are known to have occurred." (Ok, ihr findet den Satz auch am Buchenende auf deutsch, aber das kann ich nicht so gut verlinken.)

Als hilfreiche Bausteine dienten der Autorin auch die Briefe, die Eva und Picasso mit Getrude Stein und Alice B. Toklas regelmäßig hin- und herschrieben. Die beiden Frauen nehmen auch im Roman eine zentrale Rolle als Picassos engste Freunde ein.

Ebenfalls kommt die Malerei im Buch nicht zu kurz: Picassos Werke zeugen von seiner Liebe zu Eva und ihren Einfluss auf ihn. Das wichtigste Werk das mit dieser Beziehung in Verbindung steht ist Ma Jolie (1911 - 1912). Im Roman wird die Komposition dieses Bildes erklärt und eine Szene dazu geschaffen, die darauf zurückführt: Ein romantisches Abendessen beim Italiener, mit Wein und Gitarrenmusik.

Mein persönlicher Eindruck:
Der Roman ist ein winzig kleines Puzzleteil aus Picassos Leben und man kann nach der Lektüre nicht behaupten, dass man diesen großen Mann wirklich kennt. Denn auf die fiktive Story ist kein Verlass. Auch wenn ich bei der Lektüre solcher Bücher immer dazu tendiere, alles zu glauben ;) Das sollte man nicht. Dennoch finde ich, dass Anne Girard hier einen schönen Roman geschrieben hat, der einem glückliche Stunden bereitet. Ich habe die Lektüre sehr genossen und kann es nur empfehlen! Ein bisschen Romantik, Kitsch und Kunstwissen - was will man mehr?

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selbstfindung, wandern, usa, pacific crest trail, natur

Der große Trip

Cheryl Strayed , Reiner Pfleiderer
Flexibler Einband: 450 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 21.04.2014
ISBN 9783442158126
Genre: Biografien

Rezension:

"My solo three-month hike on the Pacific Crest Trail had many beginnings."

Buch und Film erzählen eine wahre Geschichte! Ich bin zufällig auf den Kinotrailer zum Film "Wild - Der große Trip" gestoßen und habe dann spontan beschlossen, endlich mal wieder einen Buch-Film-Vergleich zu machen. Das Buch hat bei mir übrigens eine besondere Prämiere gefeiert: Es war das erste Buch, das ich komplett als eBook gelesen habe. Und es hat mir sogar gefallen! Ich fand es cool, dass ich beim Lesen einzelne Sätze markieren konnte, die mir dann alle schön aufgelistet werden. Das macht es jetzt leichter, diesen Post zu schreiben.

Teil 1: Das Buch

Cheryl Strayed hat in diesem Buch ihre dreimonatige Wanderung des Pacific Crest Trail niedergeschrieben. Der Pacific Crest Trail, abgekürzt PCT, ist ein 4.240 Kilometer langer Fernwanderweg im Westen der USA von der mexikanischen bis zur kanadischen Grenze. Cheryl ist in den 90ern einzelne Etappen gewandert - und zwar relativ blauäugig, ohne große Vorbereitung. Dementsprechend abenteuerlich wird auch ihr Trip. Ihr Gepäck ist eigentlich viel zu schwer, sie kann ihren Rucksack mit der ganzen Ausrüstung kaum tragen und scheuert sich dabei wund. Ihre Wanderschuhe hat sie eine Nummer zu klein gekauft, so dass ihre Füße schnell ziemlich geschädigt sind und sogar die Zehennägel abfallen. Für ihren Gaskocher hat sie die falsche Füllung gekauft und kann daher auf der ersten Etappe nur kalten Brei essen.

Die Frage ist jedoch, warum tut sich die 26-Jährige das an? Aus welchem Motiv bricht Cheryl zu diesem Trip auf. Was in Cheryls Leben vor dieser Wanderung alles geschah, wird immer wieder Stückchenweise in die Erzählung eingeflochten. Rund vier Jahre vor dem Trip ist Cheryls Mutter mit 45 Jahren an Krebs gestorben. Danach ist Cheryls Leben aus der Bahn geraten. Sie hat kaum mehr Kontakt zu ihrem Stiefvater und ihren Geschwistern. Sie betrügt ihren Ehemann Paul wahllos mit jedem Kerl, der ihr über den Weg läuft und nimmt am Ende Drogen. Nach der Scheidung von Paul sucht sie einen Neuanfang und beschließt daher, diese Reise zu machen.

Weil sie meistens alleine unterwegs ist, muss Cheryl lernen mit sich alleine klar zu kommen und ihre Ängste zu besiegen, denn es ist schon ziemlich gruselig nachts in einem Zelt alleine in den Bergen zu campen. Aber nur so kann sie wieder zu sich selbst finden und den Verlust ihrer Mutter verarbeiten. Die Natur um sie herum, lässt sie oft den Geist ihrer Mutter spüren. Zum Beispiel wenn sie an Pflanzen vorbeikommt, die auch im heimischen Garten wuchsen und von der Mutter gepflegt wurden.

Die Mischung aus Episoden aus der Vergangenheit und aktuellen Erlebnissen und Begegnungen auf der Wanderung bilden eine abwechslungsreiche Lektüre. Je weiter Cheryl läuft, um so mehr erfährt man nach und nach über sie. Das fand ich eine tolle, parallele Entwicklung.

Teil 2: der Film

Nachdem ich Cheryls sehr emotionale und persönliche Geschichte gelesen hatte, war ich auf die Umsetzung im Film echt gespannt. Cheryl wird darin von Reese Witherspoon gespielt, die ich sehr mag. Ich fand die Besetzung klasse. Sie spielt super, ohne Hollywoodkitsch und Allüren. Da Cheryl oft alleine ist, sind diese Szenen filmisch natürlich nicht einfach umzusetzten. Aber ist es sehr gut gemacht, wie ihre Gedanken, Ängste und Einsamkeit dargestellt wurden, wenn sie alleine in den Bergen ist. Wie sie  Angst hat, wenn sie fremden Männern begegnet, die sie schief anschauen. Die Kernszene im Film ist, als ihr ein Wanderschuhe dann Abhang runterfällt und sie vor lauter Wut schreiend den zweiten hinterherwirft. Dieser Schrei wirkt wie ein Befreiungsschlag, sie lässt alle Gefühle raus. Daher wird die Szene auch am Anfang des Films schon gezeigt und später noch einmal wiederholt. Als ich das Buch gelesen habe, fand ich diese Szene jedoch nicht so herausragend, ich habe sie nicht als so zentral wahrgenommen.

Der Film bringt eben die wichtigsten Szenen auf den Punkt. Gestört hat mich jedoch ein bisschen, dass einige Figuren im Film fehlten. Zum Beispiel kommt Eddi, Cheryls Stiefvater, nicht vor. Dabei ist Cheryl ziemlich traurig darüber, dass nach dem Tod ihrer Mutter der Kontakt zu Eddi abgebrochen ist. Außerdem trifft sie in den drei Monaten ihrer Wanderung viele andere Wanderer. Teilweise wandern sie zusammen oder treffen sich regelmäßig in Bergcamps wieder. Viele der Personen sind für Cheryl sehr wichtig geworden, denn sie haben ihr geholfen, nicht aufzugeben. Im Film kamen nur sehr wenige Mitwanderer vor und spielten eine wesentlich unwichtigere Rolle, fande ich.

Vergleich

Der Film bringt natürlich super schöne Landschaftsbilder mit. Jedoch, wenn man die Geschichte gelesen hat, wundert man sich doch über die Reihenfolge der Ereignisse während der Wanderung. Die sind im Film oft anders kombiniert und zusammengeschnitten. Ich denke, dass man viel tiefer in Cheryls Geschichte eintauchen kann, wenn man das Buch liest. Der Film ist etwas oberflächlicher.

Zusatz: Über Bücher in Büchern

Eine Sache möchte ich noch erwähnen. Cheryl lässt sich nicht davon abbringen Bücher mit auf die Wanderung zu nehmen, die ihr Gepäck noch schwerer machen. Lesen ist ihr wichtig und gibt ihr Halt. Daher werden viele Bücher in der Geschichte angesprochen. Besonders toll fand ich, dass am Ende eine Liste der vorkommenden Bücher im Buch steht. Darunter sind: As I Lay Dying, William Faulkner, The Complete Stories, Flannery O'Connor, The Novel, James Michener, Lolita, Vladimir Nabokov,  Dubliners, James Joyce, Waiting for the Barbarians, J.M. Coetzee. Eine bunte Mischung an Klassikern.

Diesen Post findet ihr auch hier auf meinem Blog: http://buchlingreport.blogspot.de/2015/01/cheryl-strayed-wild-der-groe-trip.html

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Tags: berge, natur, usa, verlust, wandern   (5)
 

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8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

White Teeth

Zadie Smith
Flexibler Einband: 560 Seiten
Erschienen bei Penguin Books Ltd, 27.07.2011
ISBN 9780241954577
Genre: Romane

Rezension:  
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320 Bibliotheken, 6 Leser, 1 Gruppe, 52 Rezensionen

buchhandlung, wien, bücher, buchhandel, familie

Meine wundervolle Buchhandlung

Petra Hartlieb
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 15.12.2014
ISBN 9783832197438
Genre: Biografien

Rezension:

Ich will doch keine Buchhandlung :) Ursprünglich haben wir ja Meine wundervolle Buchhandlung hier im Oktober anlässlich unseres Bloggeburtstages verlost. Da ich das Buch vorab hier hatte, konnte ich es natürlich nicht missachten: Ich muss einfach reinlesen. Ich fand es dann so toll, dass ich es mir nach der Verlosung auch gekauft und gelesen habe.

Alle voran fand ich den Ton der Erzählweise super, so selbstironisch, ehrlich und offen. Die Art und Weise wie Petra Hartlieb vom Kauf der Buchhandlung, vom Umzug nach Wien, von der Renovierung des Ladens und vielem mehr erzählt ist einfach super unterhaltsam.Wer die Story nicht kennt: Petra Hartlieb lebte mit ihrem Mann und zwei Kindern in Hamburg. Er hatte einen guten Job bei einem großen deutschen Verlag, sie arbeitete als freie Journalisten. Sie kannten sich also bestens in der deutschen Buchbranche aus. Im Urlaub in Wien entdeckten sie eine alte Buchhandlung, die zum Verkauf stand. Eher aus Witz gaben sie ein Angebot ab und erhielten den Zuschlag. Was Anfangs nicht ernst gemeint war, veränderte dann ihr Leben. Es folgten ein Umzug nach Wien und viele harte Monate/Jahre. Denn der Leser lernt, eine Buchhandlung zu besitzen ist kein Zuckerschlecken. Es stehen viele schlaflosen Nächte an, kaum Zeit für die Kinder. Man muss immer freundlich zu Kunden sein, auch wenn man total mies gelaunt ist und und und...Immer ist etwas los in Hartliebs Buchhandlung.

Aber das Beste kommt noch: Meine wundervolle Buchhandlung ist keine fiktionaler Roman. Hartliebs Buchhandlung in Wien gibt es wirklich: http://www.hartliebs.at 

Ihr könnt die Website besuchen oder bei eurem nächsten Städtetrip nach Wien tatsächlich dort vorbeigehen. Ist das nicht toll? Solche Geschichten liebe ich ganz besonders.

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370 Bibliotheken, 15 Leser, 2 Gruppen, 56 Rezensionen

überwachung, internet, dystopie, soziale netzwerke, google

Der Circle

Dave Eggers , Ulrike Wasel , Klaus Timmermann
Fester Einband: 560 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 14.08.2014
ISBN 9783462046755
Genre: Romane

Rezension:

Mae Holland ist die Protagonistin in "Der Circle": ein junge Frau, die nach ihrem Uni-Abschluss zuerst einen schlechten Job in ihrer Heimatstadt annimmt und dann von ihrer Freundin Annie in den Circle geholt wird. Dieses Unternehmen ist für Mae der Himmel auf Erden. Der Circle hat Google, Facebook und Amazon geschluckt und beherrscht mit TruYou die Social Media Welt. Hier können keine anonymen Identitäten mehr im Internet aufgebaut werden, jede Person muss identifizierbar sein. Auf diesen Erfolg baut das Unternehmen auf und strotzt nur so vor Stärke. Das Firmengelände ist ein Campus mit Wohnheimen, Fitness Studios, Ärzten, Supermärkten und täglichen Parties.Für Mae gibt es nach der Eingewöhnung bald keinen Grund mehr diese Umgebung zu verlassen. Sie stürzt sich mit riesigem Eifer in ihren neuen Job.Anfangs beantwortet sie fast rund um die Uhr Kundenanfragen, mehrere Hundert am Tag.Vor lauter Arbeit begreift sie am Anfang nicht, dass es beim Circle ein Muss ist, auch sozial mit den Kollegen zu interagieren, sich über das Soziale Netzwerk via Zings, Posts und Messages auszutauschen, Gruppen beizutreten etc. Die Aktivität der Mitarbeiter diesbezüglich wird gerankt. Als Mae gerügt wird hier nicht aktiv zu sein, sondern nur an ihre Arbeit zu denken und nichts Privates zu teilen, setzt sie sich auch hier mit Elan ein. Schnell hat sie fünf verschiedene Bildschirme auf ihrem Schreibtisch stehen, mit denen sie verschiedene Dinge beobachtet und bearbeitet. Da wird einem ganz schwindelig.  

Von Anfang an beobachtet man als Leser gebannt, wie Mae mit blinder Euphorie in diesen Sog rutscht. Der Circle geht radikal vor und strebt die Vollendung des Kreises an: Alles über das Internet, Soziale Netzwerke und Kameras in Erfahrung bringen zu können, alles Wissen zu teilen... oder mit anderen Worten alles und jeden zu überwachen. 

"...Papier ist für mich ein Problem, weil damit jede Kommunikation stirbt. Es hat kein Potenzial zu Kontinuität. Du guckst auf deine Papierbroschüre, und damit hört es auf. Es hört auf mit dir. Als wärst du der einzige Mensch, der zählt. Aber stell dir vor, wie es wäre, wenn du alles dokumentiert hättest.Wenn du ein Tool benutzt hättest, um jeden Vogel, den du siehst, zu identifizieren, dann hätte jeder was davon gehabt..." 

Total irre, oder? Es geht so weit, dass Politiker "gläsern" werden, sich eine Kamera um den Hals hängen und ihr ganzes Leben filmen lassen. Auch Mae macht irgendwann diesen Schritt und wird transparent, wie sich das nennt. Sie lebt nur noch für den Circle und merkt nicht, dass sich ihre Eltern und Freunde von ihr abwenden. Das ist doch traurig. So treib sie schließlich auch ihren Exfreund in den Selbstmord, da er sich einfach nicht überwachen lassen will.Vom Circle wird er einfach als depressiver Soziopath hingestellt, der unfähig ist mit der Gesellschaft zu interagieren. Echt krank. Die Mächtigen hinter dem Circle streben die totale Kontrolle an und sie machen das sehr geschickt: Das Böse tarnt sich als das Gute, als die Rettung aller Menschen und der Schutz der Gesellschaft vor dem Bösen (Mit den Circle-Tools hat kein Krimineller mehr eine Chance, eine Straftag zu begehen).

Diese wahnsinnige Dystopie macht einem beim Lesen wirklich Angst, da sie gar nicht so weit hergeholt ist. Man merkt, welchen Einfluss das Internet und die Vernetzung über das Internet auf einen haben.

Wer sich mit diesem spannenden Thema näher beschäftigen will, sollte "Der Circle" wirklich lesen. Es ist spannend geschrieben und beinhaltet einige fast philosophische Stellen über die Freiheit und das Recht auf Privatsphäre der Menschen.

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Tags: internet, social medi   (2)
 

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2.176 Bibliotheken, 59 Leser, 22 Gruppen, 199 Rezensionen

tod, bücher, freundschaft, 2. weltkrieg, krieg

Die Bücherdiebin

Markus Zusak , Alexandra Ernst
Flexibler Einband: 608 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 07.09.2009
ISBN 9783442373956
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Eeigentlich wollte ich mal wieder einen Buch-Film-Vergleich machen. Ich habe ganz fleißig vor Kinostart begonnen, die Bücherdiebin zu lesen. Als ich dann damit fertig war, lief leider nirgends mehr der Film. Scheint ein Flopp gewesen zu sein. Man hat zwar des öfteren Filmvorschauen dafür gesehen, aber dann nichts mehr. Zumindest ging es mir so. Wie ging es euch mit dem Kinofilm, hat ihn jemand gesehen?

Deshalb also einige Zeilen nur zum Buch:

Es hat einige Seiten gedauert, bis es in Fahrt kam, war dann aber wirklich sympathisch. Liesl Memminger, die zu Pflegeeltern kommt, mochte ich von Anfang an. Ebenso ihren Pflegevater Hans Hubermann, ein gütiger Mann der gerne Akkordeon spielt. Auch die meist schimpfende, nörgelige Pflegemutter, die ständige alle nur mit „Saumensch“ anredet, lässt eine weiche Seite durchscheinen. Alles in allem also eine sehr sympathische Familie, die unter dem NS-Regime in einer bayerischen Kleinstadt keine schöne Zeit durchlebt. Nicht originell, aber herzlich ist, dass sie einen Juden bei sich im Keller verstecken und daher ständig der großen Gefahr ausgesetzt sind, erwischt zu werden. Liesl, die anfangs in der Schule hinterherhinkt, übt nachts mit ihrem Pflegevater lesen und liest ab dann jedes Buch, dass ihr in die Hände kommt. Viele sind das nicht, deswegen ist die Auswahl belustigend merkwürdig – wie das Buch für Totengräber.

Ach was soll ich erzählen, die Geschichte plätschert so vor sich hin. Ist ganz nett zu lesen, was Liesl mit dem Nachtbarsjungen und anderen Kindern auf Straßen und Feldern erlebt, aber auch nicht überragend. Das Ende ist auch nicht überraschend, da es vom Erzähler immer wieder angekündigt wird. Sehr befremdlich ist nämlich, dass der Erzähler der Tod ist. Ich fand das überaus gewöhnungsbedürftig und es hat mir anfangs gar nicht gefallen. Das ist aber auch das einzig Originelle an dieser Geschichte aus der Hitler-Zeit, die man gefühlt in ähnlicher Form schon tausendmal gelesen hat.

Meine Rezensions findet ihr auch auf meinem Blog:
http://buchlingreport.blogspot.de/2014/04/markus-zusak-die-bucherdiebin.html

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185 Bibliotheken, 11 Leser, 1 Gruppe, 21 Rezensionen

israel, thriller, krieg, naher osten, nahostkonflikt

Breaking News

Frank Schätzing
Fester Einband: 976 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 06.03.2014
ISBN 9783462045277
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Breaking News – einer der besten Krisenreporter des Landes, der seinen Job vermasselt, weil sein Ego zu groß ist. Dummerweise geht es dabei, um eine Rettungsaktion dreier Geiseln in Afghanistan. Weil Tom Hagen, der Journalist, hautnah dabei sein will, fliegt die Rettungsaktion auf und die Geiseln sowie seine Kollegin kommen dabei ums Leben. Tom Hagen stürzt darauf hin in ein tiefes schwarzes Loch und man hört erst einmal nichts mehr von ihm.

Dagegen erlebt man die Kindheit zweier Brüder und deren Nachbarsjunge in einem kleinen israelischen Dorf in den 1930er Jahren mit. Die Brüder Jehuda und Benjamin unterscheiden sich voneinander. Jehuda ist der Starke, Benjamin der Schwächere dafür Klügere. Arik, der Nachbarsjunge, hat wenige Freunde und so bildet sich zwischen den dreien ein starker Zusammenhalt. Die Jungs wachsen alle zu Männern heran und gehen ihre Wege. Arik und Jehuda studieren Agrarwirtschaft, Benjamin hat die Religion für sich entdeckt. Mit diesen Kapiteln taucht man direkt in die Entstehungsgeschichte Israels ein. Der Staat wird ausgerufen, Kriege geführt, der Gaza-Streifen und das Westjordanland besiedelt usw. Hier kann man einiges über Geschichte lernen. Denn Arik, der Nachbarsjunge, ist Ariel Scharon und so zeichnet der Roman sein ganzes Leben nach. Das ist das spannende daran: „Breaking News“ ist halb Fiktion, halb Wahrheit. Und diese Vermischung ist Schätzing sehr gelungen!

Die Familie Kahn, Jehuda und Benjamin und deren Frauen, Kinder und Enkel, bilden die Hauptfiguren im Roman. Sie nehmen unterschiedliche politische Positionen ein und spalten die Lager in ultrareligiöse Aktivisten und liberale Siedler. Auch der Hass einiger Familienmitglieder auf Ariel Scharon ist sehr präsent. Auf Jehudas Seite maßgeblich durch seine Frau Phoebe, weil ihr Sohn Uri ein schlimmes Kriegstrauma erleidet und Selbstmord begeht.

Der Roman ist so umfassen, dass ich euch nicht den kompletten Inhalt schildern kann. Wichtig ist nur, dass nach drei Jahren Versumpftheit Tom Hagen wieder auf der Bildfläche erscheint und versuchen will seinen guten Ruf als Auslandskorrespondent und Enthüllungsjournalist wieder herzustellen. Deshalb reist er durch Nahost auf der Suche nach einer sensationellen Story, von der CNN und NBC nichts wissen. Deshalb lässt er sich dazu hinreisen, geheime Daten des israelischen Geheimdienstes Schin Bet zu kaufen. Als er merkt, dass auch die CDs keine brauchbaren Daten enthalten, erfindet er eine Notlüge. Er behauptet gegenüber seinem Arbeitgeber, dass er Beweise für ein Attentat auf Ariel Scharon habe. Da seine Notlüge keine Lüge ist, bringt er damit einen Felsbrocken ins Rollen und Jehudas Enkelin, Yael Kahn, in Gefahr. Schin Bet und eine israelische Untergrundorganisation sind hinter den beiden her und es wird sehr actionreich. Was Yael Kahn mit der Sache zu tun hat, verrate ich an dieser Stelle jetzt nicht.

Breaking News ist für mich genau die richtige Mischung aus Krimi, Geschichtsstunde und Gesellschaftsspiegel. Ich kann es jedem nur empfehlen, der keine Angst vor dicken Büchern hat. Ich finde, genau das toll, man kann viel länger verweilen und tiefer in eine Story eintauchen. Die Sprache ist darüber hinaus sehr locker und umgangssprachlich, sodass es sich flüssig lesen lässt.

Meine Rezension ist auch hier zu lesen:
http://buchlingreport.blogspot.de/2014/05/frank-schatzing-breaking-news.html

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Tags: geschichtsträchtig, israel, nahost-konflikt, spannend   (4)
 

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350 Bibliotheken, 11 Leser, 0 Gruppen, 53 Rezensionen

afghanistan, geschwister, kabul, liebe, familie

Traumsammler

Khaled Hosseini , Henning Ahrens
Fester Einband: 448 Seiten
Erschienen bei S. FISCHER, 18.09.2013
ISBN 9783100329103
Genre: Romane

Rezension:

Endlich ist Khaled Hosseinis neues Werk auch auf Deutsch erschienen. Habe ja schon mehrmals mit der englischen Ausgabe geliebäugelt, weil ich es nicht abwarten konnte. Mir war klar, dass ich den Traumsammler ganz schnell haben und lesen musste. Die lange Vorfreude wurde, zum Glück, auch nicht enttäuscht.
In "Traumsammler" geht es um zwei Geschwister, Pari und Abdullah, die sehr aneinander hängen und traurigerweise in ihren Kindheitstagen getrennt werden. Ihre Familie lebt in einem Bauerndorf und weil sie so arm sind, muss der Vater zu, dass das Mädchen Pari von einem reichen Künstlerehepaar in Kabul adoptiert wird.

Khaled Hosseini hat dieses Ereignis am Anfang des Romans besonders raffiniert gestaltet: Der Vater erzählt Pari und Abdullah eine Gute-Nacht-Geschichte. Darin geht es um einen bösen Dämonen, der ein armes Baunerdorf heimsucht. Damit das ganz Dorf überleben kann, wählt der Damön eine Familie aus, die ihm eines ihrer Kinder opfern soll. Die Familie muss nun also auswählen, welches Kind sie ihm mitgebenl. Keine leichte Entscheidung! Schließlich fällt das Los ausgerechnet auf das Lieblingskind. Die Weggabe des Kindes bricht dem Vater das Herz. Nach langer Zeit voll Kummer, macht er sich auf zur Festung des Dämons, um sein Kind zurückzufordern. Als er dort ankommt, sieht er jedoch sein Kind fröhlich in einem wunderschönen Garten mit anderen Kindern spielen. Er weiß, dass es seine ursprüngliche Familie vergessen hat und glücklich ist. Damit schließt er Frieden und geht ohne das Kind nach Hause.
Diese eingebaute Fabel legt also gleich das Schicksal von Pari und die Motive ihres Vaters offen. Das trübt jedoch keineswegs die Spannung beim Lesen. Es geht nämlich mehr darum, wie diese Adoption das Leben mehrerer Figuren beeinflusst hat und wohin die verschiedenen Lebenswege diese führt. Wir erfahren mehr über Paris Adoptiveltern, ihren Onkel Nabi oder Paris und Abdullahs Halbbruder Iqbal. Viele Dinge werden aus der Rückblende erzählt und man begleited die Charaktere bis ins hohe Alter, sodass man schließlich von jeder Figur ein abgerundetes Bild seines/ihres Lebens hat. Das fand ich besonders schön beim Lesen.
Einige von euch kennen sicher Hosseinis bisherigen Werke?
Im Vergleich dazu hatte ich den Eindruck, dass in seinem neuen Werk die Situation der Menschen in Afghanistan eher im Hintergrund steht. Diesmal haben Europa und USA eine stärkere Gewichtung und vermischen sich mit den Themen Identität, Herkunft, Wurzeln und familiäre Beziehungen.
Begeistert hat mich am "Traumsammler" der Erzählstil mit verschiedenen Spannungsbögen und den Perspektiven unterschiedlicher Figuren. Es gibt nur leicht an die Familiengeschichte von Pari und Abdullah angegrenzt noch eine eingeflochtene Episode über den griechischen Arzt Markos Varvaris, der in Kabul für eine Hilfsorganisation arbeitet. Das mach den Roman und die oben genannten Themen noch Facettenreicher. Das Ende bildet zusammen mit dem Anfang eine harmonische Abrundung der Geschichte und hat mich sehr berührt. Ich kann nur sagen, beim Traumsammler  ist sowohl die Art und Weise wie der Text geschrieben ist als auch der Inhalt der Geschichte gelungen. Für mich war es mal wieder ein super Lesevergnügen!

Meine Rezension habe ich zuerst hier veröffentlicht:
http://buchlingreport.blogspot.de/2013/11/khaled-hosseini-traumsammler.html

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64 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 1 Rezension

neuseeland, historischer roman, auswanderer, saga, sarah lark

Im Land der weißen Wolke: Roman

Sarah Lark
E-Buch Text: 817 Seiten
Erschienen bei Bastei Luebbe, 17.03.2009
ISBN B004ROTJUM
Genre: Sonstiges

Rezension:  
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33 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

erfahrungen sammel, schauspieler, new york, träume, schauspielerin

Someday, Someday, Maybe

Lauren Graham
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei BALLANTINE BOOKS, 30.04.2013
ISBN 9780345532749
Genre: Romane

Rezension:  
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18 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Isabel

Feridun Zaimoglu
Fester Einband
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 13.02.2014
ISBN 9783462046076
Genre: Romane

Rezension:  
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478 Bibliotheken, 9 Leser, 1 Gruppe, 47 Rezensionen

freundschaft, japan, liebe, finnland, haruki murakami

Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki

Haruki Murakami , Ursula Gräfe
Fester Einband: 350 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 03.01.2014
ISBN 9783832197483
Genre: Romane

Rezension:

Mir hat das Buch wunderbar gefallen. Es war kurzweilig und spannend zu lesen und hat mich an vielen Stellen überrascht. Es geht nämlich nicht nur um die Aufarbeitung von vergrabenen Gefühlen, die eigene Selbstwahrnehmung und das eigene Selbstbewusstsein, sondern um das Verschwimmen von Realität und Einbildung. Tsukuru träumt häufiger Ereignisse aus denen er schweißgebadet aufwacht und er später nicht mehr sicher ist, wirklich nur geträumt zu haben. Das macht das Geheimnis, warum Tsukuru aus der Gruppe verstoßen wurde, besonders spannend. Bis zum Ende weiß man nicht wirklich, was sich vor gut 15 Jahren tatsächlich abgespielt hat.

Meine ganze Rezension findet ihr auf meinem Blog:
http://buchlingreport.blogspot.de/2014/02/haruki-murakami-die-pilgerjahre-des.html#more

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55 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

london, multikulti, freundschaft, erwachsen werden, vielfalt

London NW

Zadie Smith , Tanja Handels
Fester Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 09.01.2014
ISBN 9783462045574
Genre: Romane

Rezension:

Mehr als die Hälfte des Buches hat mich verwirrt. Ich dachte lange, da komme ich nicht mit. Ich hatte immer das Gefühl, ich wüsste nicht worum es geht, ich hätte irgendwelche Ereignisse verpasst. Ich wusste nicht, worum es in Konversationen ging. Schließlich fand ich raus: es gibt auch nichts wobei man mitkommen muss. Man muss das Geschriebene einfach vor sich hinplätschern lassen und irgendwann kommt man in den "flow" rein. Um es mal etwas zu konkretisieren: die Handlung besteht aus vielen einzelnen, sehr kurzen Kapiteln (teilweise nur ein Absatz). Am Anfang dreht sich alles um Leah Hanwell, die lethargisch, bzw. high in ihrer Hängematte rumhängt und möchte, dass ihr Leben stillsteht. Daher kommen so schräge Absätze, wie:

                      "Apfelbaum, Apfelbaum.

Ding mit Äpfeln dran. Apfelblüte.

                                        So was von symbolisch." (usw.)

Darauf muss man sich einlassen und sehen, welchen Sinn das für einen ergibt. Die Story gab daher auch für mich erst recht spät einen Zusammenhang. Das Buch ist untergliedert. Erst wird alles aus Leahs Perspektive geschildert, dann aus Felix' und am Schluss aus Nathalies. Immer wieder taucht zudem die Figur Nathan auf. Alle vier wachsen im selben sozialen Brennpunkt im Londoner Nord-Westen auf. Leah, Nathan und Natalie sind zusammen zur Schule gegangen. Leah und Natalie sind beste Freundinnen, obwohl sie sehr unterschiedlich sind. Leah will kein Kind, hat schon einige Abtreibungen hinter sich und verheimlicht ihrem Mann, dass sie doch noch die Pille nimmt. Der wundert sich natürlich, warum seine Frau nicht schwanger wird. Leah ist zufrieden mit ihrem einfachen Leben und hat keine ehrgeizigen Ziele. Ganz im Gegenteil zu ihrer Freundin Natalie, die sich erfolgreich aus der Unterschicht ganz nach oben gekämpft hat und mit 30 eine reiche Anwältin ist, einen ebenso reichen Ehemann und zwei Kinder hat. Aber hinter dieser Fassade steckt eigentlich eine Frau, die nicht weiß, wer sie wirklich ist, weil sie ihr Leben lang immer nur in verschiedene Rollen geschlüpft ist. Diese Betrachtungen fand ich sehr interessant und daher hat mir der letzte Teil über Natalie (die eigentlich Keisha heißt) am besten gefallen. Der letzte Teil des Buches war für mich am tiefgründigsten und gab am meisten Sinn.

Ich würde sagen, dass ich nicht so viel Spaß beim Lesen hatte und ich daher das Buch nicht jedem empfehlen kann. Das lag vor allem an dem unzusammenhängenden Schreibstil, einzelne Dinge wurden erwähnt, die für mich keinen Sinn ergaben. Andererseits bekommt man einen soziologischen Einblick in Londons multikulti Unterschicht, die mir eigentlich sehr sympathisch war. "London NW" ist sicher ein Buch für anspruchsvolle Leser, die sich nicht einfach an einer banalen Story langhangeln wollen, sondern sich gern von einem besonderen Stil einfangen lassen.

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