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3.932 Bibliotheken, 79 Leser, 6 Gruppen, 306 Rezensionen

selbstmord, jay asher, mobbing, jugendbuch, tote mädchen lügen nicht

Tote Mädchen lügen nicht

Jay Asher , Knut Krüger
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei cbt, 08.10.2012
ISBN 9783570308431
Genre: Jugendbuch

Rezension:

“Tote Mädchen lügen nicht“ ist 2007 erschienen und wenig später muss ich es das erste Mal gelesen haben. 2007 kam ich gerade von der Realschule, die für mich nicht besonders glücklich verlief. Ich hatte große Probleme mit Mobbing und viele düstere Momente. Ist dieses Buch da die richtige Lektüre für ein unglückliches, junges Mädchen? Sieht man

die Selbstmörderin Hannah vielleicht zu sehr als Leidensgenossin an? Genau das ist das Problem, mit dem sich die Produzenten nach Ausstrahlen der Serie auseinandersetzen mussten. Und ich muss sagen, nicht ganz unbegründet.
Aber zunächst einmal zum Roman im ganz Allgemeinen. Für einen ersten Jugendroman ist es ein sehr gutes Werk. Die Hauptperson Clay ist einem auf Anhieb sympathisch, obwohl er laut der Kassetten gar nicht so nett sein kann. Es ist spannend und man fiebert mit, obwohl man ja weiß, das es für Hannah kein gutes Ende genommen hat. Einzig der Aufbau ist ein bisschen schwierig. Zwar sind die Kapitel gut gegliedert, nach den Kassettenseiten die sich Clay gerade anhört nämlich. Aber der Wechsel von Hannah zu Clay brachte mich immer wieder durcheinander. Hannah‘s Stimme auf den Kassetten unterscheidet sich von Clay‘s Gedanken durch Kursivschrift. Trotzdem liest man manchmal Clay‘s Parts weiter als seien es Hannah‘s, denn Clay kommentiert häufig das Gehörte. Das hat mich bis zum Schluss immer wieder etwas durcheinander gebracht, aber ich wüsste auch nicht, wie man es hätte besser lösen können.
Nun zur Thematik des Romans. Hannah hat sich umgebracht, das steht fest. Auf jeder Kassettenseite richtet sie das Wort an eine Person, die ihre Entscheidung beeinflusst hat. Es ist so geregelt, das die Person auf Kassette 1 Seite A die erste Person ist, die das Päckchen bekommt. Hat sie alles angehört, muss sie das Päckchen an die Person weiterschicken, die nach ihm auf den Kassetten in Erscheinung tritt. Und so weiter und so weiter, bis der Letzte die Kassetten bekommen hat. Auch geregelt ist, dass ein zweiter Satz dieser Kassetten an die Öffentlichkeit gelangt, sobald sie nicht weitergeschickt werden. Das alles ist doch ziemlich gut organisiert und kreativ, oder? Wäre da nicht der düstere Anlass des Ganzen. Man vergisst fast, dass das Mädchen auf den Kassetten tot ist, sich umgebracht hat, weil sie die ganze Zeit so souverän, selbstbewusst, ja sogar witzig auftritt. Warum sollte sich so jemand umbringen? Wie kann jemand, der noch Scherze macht, sich umbringen wollen? Die Antwort darauf sollen die Kassetten sein, denn was mit der Tat auf Kassette 1 harmlos begann, löste eine Kettenreaktion aus, die Hannah mehr und mehr am Leben zweifeln ließ. Für jede einzelne Person, die Hannah auf den Kassetten anspricht, mag das Getane keine große Sache gewesen sein. Für Hannah war es ein Vertrauensbruch nach dem nächsten. Irgendwann stellt sie sich die Frage, wie sie ihr Leben je in den Griff kriegen soll, nach all dem, was ihr zugestoßen ist. Wird es ihr überhaupt möglich sein, ein normales Leben zu führen? Genau das Gleiche habe ich mich damals auch gefragt. Und tatsächlich bekomme ich mein Leben aufgrund meiner Mobbing Vergangenheit nur schwer in den Griff. Trotzdem bin ich noch hier, obwohl ich ebenfalls oft an diese eine Sache gedacht habe, die sich Hannah lange nicht traut auszusprechen. Jetzt könnte man kritisieren, Hannah wird auf den Kassetten fast schon zu lebensfroh dargestellt. Das habe ich mir beim lesen immer wieder gedacht. Dabei gibt es, ohne jetzt etwas zu verraten, sogar Hoffnung für sie, die sie auch kurzzeitig erkennt. Aber dann habe ich mich wieder mehr in sie hinein versetzt, denn auch wenn mir nicht alles widerfahren ist, was Hannah zugestoßen ist, habe ich die Parallelen gesehen. Man trägt für die anderen eine Maske, egal wie man sich fühlt. Manchmal staune ich selber, wie ich lachen, lächeln, freundlich sein kann, obwohl es in mir ganz anders aussieht. Man ist so darauf getrimmt zu funktionieren, das man seine wahren Gefühle ganz automatisch verbirgt. Es kommt nur noch selten vor, das ich bewusst an meine Schuljahre und daran zurückdenke, was mir alles angetan wurde. Manchmal reicht es schon, glückliche, verliebte Teeanger zu sehen, die Spaß haben, um mich in eine Depression zu stürzen. Denn das durfte ich nicht haben, diese Erfahrungen in diesem Alter sind für immer verloren. Und ich hätte diese Erfahrungen gern gemacht.
Würde ich solche Kassetten aufnehmen, ich wüsste, an wen ich die Erste schicke. An meine damalige beste Freundin, damit begann alles. Auch zwei Lehrer wären dabei. Einer hat mitgemobbt, ein anderer sah tatenlos zu, als ich gemobbt wurde. Vielleicht noch die zwei Mädchen, die gar nicht an meine Schule gingen und mich angegriffen haben. Denn es hatte sich herumgesprochen, dass ich das stille Mädchen bin, die man gut fertig machen kann. Wenn ihr das Buch lest, werdet ihr feststellen, das Hannah ganz genau solche Erfahrungen gemacht hat. Freunde, die einen hintergehen. Vertrauenspersonen, die einen nicht helfen. Fremde, die dich aufgrund deines Rufs schlecht behandeln. Hannah wurde ein Stempel aufgedrückt, der gar nicht ihrem wahren Wesen entsprach. So waren alle, die sie kennenlernte davon befangen und so hatte sie von Anfang an schlechte Karten, die echte Hannah zu zeigen. Aber sie versuchte es immer wieder, wurde immer wieder enttäuscht, was sie letztendlich immer mehr zerstörte. Vielleicht macht das den Unterschied. Ich habe irgendwann alle misstrauisch beäugt, sodass ich gar nicht mehr enttäuscht werden konnte. Ich habe stets damit gerechnet, bald wieder das Opfer zu sein. Aber macht das einem das Leben leichter? Wohl kaum, man kämpft sich durch. Es ist wie eine Narbe. Sie verblasst mit der Zeit, man vergisst sie fast. Aber manchmal schmerzt sie wieder und sie wird immer da sein.
Ich habe das Buch als zweimal gelesen. Was ist der Unterschied zu heute? Damals habe ich Hannah‘s Selbstmord noch mehr verstanden. Meine eigenen Erfahrungen lagen noch nicht so weit zurück und war zudem etwas morbide. Ich fand es irgendwie tragisch und faszinierend zugleich. Vielleicht habe ich kurz darüber nachgedacht, wie es wäre, es genauso zu machen. Fakt ist, es war kein ernster Gedanke, aber es hat mich sehr beschäftigt. Heute habe ich nicht mehr so viel Verständnis für ihren Selbstmord. Dabei war in inzwischen oft genug an einem Punkt, wo ich mir nichts mehr herbei gesehnt habe als den Tod. Aber jetzt denke ich mir, es ist doch viel zu schade alles hinzuwerfen. Man weiß doch vorher nie, ob sich das Leben doch noch zum Guten wendet. Ich habe noch nie aufgegeben und ich werde es auch jetzt nicht tun. Es würde mich verrückt machen nicht zu erfahren, wie es weitergegangen wäre. Ich werde sicher noch viele düstere Stunden in meinem Leben haben. Stunden, in denen ich an all die Scheiße zurückdenke. Aber aufgeben? Niemals. Das hätte man sich als Leser auch für Hannah gewünscht. Denn Hannah hatte ihren Lichtblick. Vielleicht wäre ihr Leben nie frei von Zweifeln und Misstrauen gewesen, aber ihre Chance auf Hoffnung war zum greifen nah. Das ist sehr bitter.
Ich finde, das Buch hat seine guten und schlechten Eigenschaften. Schlecht, das sich Selbstmordgefährdete zu sehr mit Hannah identifizieren und es ihr gleichtun könnten. Gut war wiederum, das Hannah einen Hoffnungsschimmer gehabt hätte, wenn sie nicht mit ihrem Leben abgeschlossen hätte. Das sagt mir: Egal wie schlimm es gerade ist, vielleicht ist dein Hoffnungsschimmer nur ein paar Tage oder Monate entfernt. Es lohnt sich durchzuhalten und tapfer zu bleiben. Für den Fall, das sich manche Leser doch zu sehr in ihren Suizidgedanken bestärkt fühlen könnten, ist am Ende des Buches ein Nummer abgedruckt, an die sich Betroffene wenden sollen.
Sicher ist „Tote Mädchen lügen nicht“ aufgrund der von mir genannten Gründe ein umstrittenes Buch. Aber es umfasst ein zeitgemäßes Thema, hat eine wichtige Botschaft. Vielleicht sollte man es sogar im Unterricht durchnehmen. Goethe schön und gut, aber was vermittelt das den jungen Leuten heute noch? Viel wichtiger finde ich, das man sich mit so etwas auseinandersetzt. Mobbing wird immer noch zu sehr auf die leichte Schulter genommen. Anhand dieses Buches lernen Schüler vielleicht bedachter mit ihrem Verhalten anderen gegenüber umzugehen. Im Buch erfährt man nur vereinzelt, wie die „Schuldigen“ mit der Situation umgehen. Einige sind sehr betroffen von Hannahs Selbstmord und haben sichtlich damit zu kämpfen, bereuen ihre Taten offenbar. Aber es gibt auch solche, die Hannah nur als Wichigtuerin sehen, die überreagiert hat. Trotzdem finde ich, das es schon ein Sieg ist, wenn man mit der Thematik wenigstens eine Handvoll Menschen wachrüttelt.
Auch wenn das Buch in mir gemischte Gefühle weckt, ist es mir doch die 5 Sterne wert. Gerade weil man danach noch viel darüber nachdenkt und es einen wirklich berührt.

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62 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

irland, geheimnis, liebe, balfour, familie

Das Haus bei den fünf Weiden

Liz Balfour
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Heyne, 11.01.2016
ISBN 9783453471269
Genre: Romane

Rezension:

Mit solchen Büchern kann man ganz schön auf die Nase fallen. Verrat und Familiengeheimnisse, sowas lese ich immer gern. Auch die Liebe spielt dabei immer eine Rolle. Jemand der das sehr gut und ganz ohne Kitsch hinbekommt, ist Kate Morton. Aber nicht jeder ist Kate Morton, Liz Balfour zum Beispiel nicht. Was nach einer spannenden, düsteren Geschichte klang, entpuppte sich als recht langweilige, etwas zu politische Erzählung mit allzu schmonzettenartigen Zügen. Nun interessiere ich mich sehr für Geschichte und freue mich immer, wenn ich durch solche Romane noch etwas dazulernen kann, aber die Politik Irlands in den 20er Jahren hat mich dann doch nicht so gefesselt. Hier spielen reale Figuren eine Rolle und ob das hier Geschriebene, wenigstens teilweise einen wahren Kern hat, weiß ich auch nicht. Weil ich es ehrlich gesagt so langweilig fand, das ich gar nicht weiter recherchieren wollte. Das ich diesen Teil überhaupt nicht spannend fand, macht es natürlich schwer, sich weiter für den Roman zu begeistern. Denn auch der Erzählstrang in der Gegenwart konnte mich nicht so recht überzeugen. Ich fand ihn sogar ziemlich vorhersehbar, vor allem diese lächerliche Dreiecksgeschichte. Dadurch, dass der Roman nicht besonders lang war, gab es auch nicht viel Entfaltungsmöglichkeiten für Hannah. Ihre Geschichte hatte für mich zu wenig Tiefe. Mehr Tiefe dagegen hatte die Story um Mr. Oliver in der Vergangenheit, aber da gab es ja, wie gesagt das politische Thema, was mich nicht fesseln konnte. Die tragische Liebesgeschichte um Mr. Oliver hatte dagegen schon was und da hat sich die Autorin zum Schluss auch noch einen netten Twist einfallen lassen. Da das aber vorher vehement in die andere Richtung gesteuert wurde, kam man sich schon ein wenig verarscht vor. Und dann war es mir leider auch zu viel Kitsch, sowohl in der Gegenwart, als auch in der Vergangenheit. Ihr kennt doch diese grauenvollen Zitate aus Liebesromanen? Ich zitiere: „...Ich kann seit dem Tag, an dem ich dich zum ersten Mal sah, an nichts anderes als an dich denken. Und dann schenkst du mir diese Nacht! Wie geht es weiter mit uns?...“. Da kommt mir direkt der Schokoladentoast wieder hoch, pardon. Wer redet so? Ich weiß, es gibt Leute, die sowas lieben, aber ich finde solche Texte einfach grauenhaft und dabei ich bin nicht gänzlich unromantisch. Für mich klingt das so sehr nach Groschenroman, das es für mich auch einfach die Qualität des Romans mindert.
Ich bin mir sicher, dass das Buch bei vielen Anklang findet. Solche Geschichten sind einfach beliebt und schnell zu lesen. Ich habe länger gebraucht als sonst, weil mich diverse Passagen einfach null interessiert haben. Dann hat mir die Raffinesse gefehlt und es war teilweise auch viel zu schnulzig. Von mir persönlich gibt es deswegen auch nur 3 von 5 Sternen, auch wenn andere es sicher besser bewerten würden.

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475 Bibliotheken, 18 Leser, 0 Gruppen, 35 Rezensionen

tod, lauren oliver, mobbing, zeitschleife, liebe

Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie

Lauren Oliver , Katharina Diestelmeier
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 29.09.2016
ISBN 9783551315854
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Ich habe mich schwer getan mit dem Buch. Es ist nicht einfach, Gefallen an einem Buch zu finden, wenn die Hauptperson oder generell die meisten Charaktere im Buch, total unsympathisch sind. Ganz besonders, wenn man in der Schule selbst nie zu den beliebten, sondern zu den Außenseitern und Mobbingopfern gehört hat, so wie ich. So gesehen liest man aus der Perspektive der ehemaligen Peiniger und da ist es einfach schwer, sich in diese Personen hineinzuversetzen. Natürlich wusste ich durch den Trailer schon, das ich es mit einer Gruppe unausstehlicher Zicken, Prototyp Regina George, zu tun bekomme. Allerdings hatte ich damit gerechnet, das zumindest Erzählperson Samantha nicht so fies ist. Da habe ich mich wohl vom liebenswerten Äußeren von Zoey Deutsch täuschen lassen, die im Film Samantha spielt. Auch wenn deren Boshaftigkeit nicht an die von Best Friend Lindsey rankommt, ist sie doch eines und das zieht sich durch das ganze Buch: Oberflächlich. Oberflächlich und selbstsüchtig. Unangenehme Dinge, wie etwa die Gefühle einer Juliet Sykes, die man in der Schulmensa stets mit dem Psycho Theme willkommen heißt, verdrängt man lieber. Samantha tut alles, um dazuzugehören und mit dem Strom zu schwimmen. Dabei hat es oft den Anschein, als wollte sie es eigentlich gar nicht. Sie tut einfach das, was ihre Freundinnen von ihr erwarten. Da schämt man sich rückblickend doch eigentlich, wenn man unerwartet stirbt und sieht, was man in seinem kurzen Leben für einen Eindruck hinterlassen hat, oder? Nicht ganz, Samantha braucht eine Weile, um zu akzeptieren, das sie genau das Miststück ist, für das man sie, wenn auch ehrfürchtig, hält. Insgesamt sieben Mal durchlebt sie immer wieder denselben Tag und als Leser fragt man sich natürlich, was für einen Zweck das hat. Möglichkeit 1: Sie bekommt so die Chance, an ihrem letzten Tag noch einmal alles richtig zu machen und eben kein Miststück zu sein. Möglichkeit 2: Sie bekommt so die Chance, den Unfall zu verhindern und dem Tod zu entkommen. Das war es, was das Buch für mich bis zum Schluss spannend gemacht hat. Über das Ende kann man sich streiten. Manche finden das eine bessere, manche das andere. Und ich finde, ehrlich gesagt, beide Enden nicht ganz zufriedenstellend. Ich verrate selbstverständlich nicht, welches Ende es nun wird, aber es hinterlässt einen bitteren Beigeschmack. Man fragt sich, wie es nach dem Ende wohl weitergeht, welches Auswirkungen das Geschehene hat. Darauf gibt es keine Antworten.
Da ich nun weiß, wie die Geschichte ausgeht, gibt es für mich kaum einen Reiz, das Buch noch einmal zu lesen. Ich war damit schnell fertig, es war ganz unterhaltsam, aber letztendlich nicht nach meinem Geschmack. Es rückt die Art von Jugendlichen in den Vordergrund, die ich nicht leiden kann. Vielleicht ist es auch genau an diese Zielgruppe gerichtet, um ihnen zu zeigen, was ihr Verhalten anrichtet. Um sie wachzurütteln und ihnen zu sagen: Ändere was, bevor es zu spät ist. Wenn das das Ziel war, so finde ich das gut. Ich war dann wohl doch schon etwas zu alt für dieses Buch, denn es richtet sich, allein von der Sprach her, viel mehr an Teenager. Für mich ist es kein herausragendes Buch, das man immer wieder lesen kann. Es ist guter Durchschnitt und erhält von mir somit 3 von 5 Sternen.

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11 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

italien, ungarn, düstere atmosphäre, packend, düster

Das verlassene Dorf: Eine spannende Familiengeschichte

Harald Weiss
E-Buch Text: 81 Seiten
Erschienen bei null, 06.07.2017
ISBN B073S2M3B7
Genre: Sonstiges

Rezension:

Auch mal schön, eine kurze Geschichte zu lesen. Ich bin das gar nicht mehr gewohnt, wo ich doch meist 500 Seiten Bücher lese. Das Grundthema von "Das verlassene Dorf" ist genau mein Ding. Ein verlassenes Dorf, eine Geistergeschichte, ein dunkles Familiengeheimnis. Ich hatte beim lesen keine klare Vorstellung, wie es weitergehen oder enden könnte und das hat es ganz spannend gemacht. Auch, ob es mit unserem Hauptprotagonisten ein gutes oder ein schlechtes Ende nehmen würde, war nicht vorhersehbar. Die Auflösung der ganzen Sache war mir etwas zu kurz und undramatisch. Aber wie gesagt, ich bin von der Länge her ganz andere Geschichten gewohnt und in Anbetracht der 84 Seiten hat das dann schon gepasst. Für mich wäre ein Extrateil, der sich mit der Vergangenheit befasst sehr interessant gewesen, aber dann wäre das Buch wohl auch wesentlich länger geworden.
Eine nette, kleine Geschichte für Zwischendurch und da es das Dorf ja wirklich gibt, möchte man es sich am liebsten mal selbst ansehen und bekommt somit gleich einen Urlaubstipp dazu.

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11 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Eine Handvoll Glück

Barbara Noack
Flexibler Einband
Erschienen bei Ullstein TB, 01.08.1996
ISBN 9783548203850
Genre: Romane

Rezension:

Ich habe es von der ersten Seite an gern gelesen und ein wichtiger Grund dafür, mag die Erzählweise sein. Die ist nämlich ganz selbstverständlich, nicht gekünstelt und liest sich so, als würde man mit der Erzählperson gerade ein Gespräch führen. Dabei wird auch ganz oft der berlinerische Dialekt so ausgeschrieben, wie er gesprochen wird. Liest sich unheimlich lustig, ich rede manchmal selber so und dabei komme ich gar nicht aus Berlin. Die Erzählperson ist Luise, auch wenn die ersten Kapitel erst einmal die Geschichte der Mütter von Luise und Jolande erzählen. Durch einige Tagebucheinträge bekommen wir auch mal die Sicht der Dinge von Jolandes Seite aus geschildert, aber meistens erhält Luise das Wort. Luise war mir auch die sympathischste Person im Buch. Egal wie es gerade aussah, sie hat immer versucht ihren Spaß zu haben. Sie hat sich von Rückschlägen nie groß beeindrucken lassen, sie hat immer weitergemacht und dabei nie ihren Humor verloren. Selbst im Krieg, und das habe ich bei vielen Büchern die in jener Zeit spielen, lässt sie den Kopf nicht hängen. Ich weiß natürlich nicht, ob die Frauen damals wirklich so beinhart waren, aber ich finde es immer wieder bewundernswert und nehme mir diese Frauen immer dann zum Vorbild, wenn es in meinem Leben mal wieder kriselt. Nicht rumjammern, sondern aufstehen und weitermachen! Das finde ich immer wieder sehr motivierend. Mit Jolande dagegen bin ich nicht so warm geworden. Am Anfang konnte ich ihr Verhalten noch nachvollziehen. Das sie lieber zu den Großeltern zieht, weil sie ihre Mutter ständig allein lässt und die Probleme von Freunden als wichtiger empfindet als die ihrer Tochter. Aber das sie Luise hängen lässt, um in der Gunst des Klassenoberhaupts zu steigen, das fand ich mies. Oder auch, das sie Luise für ihre Denkweise verurteilt. Man muss doch nicht immer komplett gleicher Meinung sein, um befreundet sein zu können. Luise tut in diesen Fällen das, was wohl das Beste ist, sie lässt sie gehen, ohne sie weiter beirren zu lassen. Letztendlich finden sie doch immer wieder zueinander. Dann ist es schön zu sehen, das eine Freundschaft auch Krisen überstehen kann, solange man noch größere Krisen gemeinsam durchsteht. Um Freundschaft geht es in diesem Buch ja auch hauptsächlich. Darum, wie sie sich mit dem Erwachsenwerden entwickelt, denn Luise und Jolande lernen sich in der Grundschule kennen. Natürlich wird auch der Krieg mit behandelt und was die Mädels in dieser Zeit alles mitmachen mussten, von Feriendienst bis zum Kriegsdienst. An dieser Stelle war auch ganz lustig, was die beiden mit Hilfe eines befreundeten Medizinstudenten alles veranstaltet haben, um nicht zum Kriegsdienst bestellt und zum Studium zugelassen zu werden.

Auch die Liebe darf nicht fehlen, die meiste Zeit allerdings ziemlich lustig und unsentimental erzählt. Leider geht die Liebe nur für eine von beiden gut aus.

Da es sich um einen autobiografischen Roman handelt, kann man davon ausgehen, das Luise die Autorin darstellt. Immerhin leistet auch Luise ihren Kriegsdienst in der Munitionsfabrik ab. Hier würde es mich interessieren, wie viel von dem was Luise erlebt hat, auch wirklich der Autorin passiert ist.

Das Buch endet mit dem Kriegsende, ziemlich offen. Es ist aber auch ein Ende, mit dem man gut leben kann. Durch Zufall habe ich erst jetzt erfahren, das es mit „Ein Stück vom Leben“ einen Nachfolger gibt. Oder gab, denn wie gesagt, sind die Romane nur noch als Ebook erhältlich. Weil ich aber zu gern wissen möchte, wie es mit Luise und Jolande weiterging, habe ich mit einer Freundin, die ein Ebook hat, einen Deal ausgehandelt, das ich mir das mal borgen kann.

Vorher bekommt aber „Eine Handvoll Glück“ von mir ganze 5 Sterne. Einfach, weil es ein herrlich leicht zu lesendes Buch ist, das einen Mut macht und einen auch ganz oft zum lachen bringt. Ein Buch über ein realistische Freundschaft mit Höhen und Tiefen.


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241 Bibliotheken, 4 Leser, 6 Gruppen, 10 Rezensionen

liebe, roman, familie, familiensaga, erbe

Die Stunde der Erben

Charlotte Link
Flexibler Einband: 544 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 08.02.2010
ISBN 9783442374182
Genre: Liebesromane

Rezension:

Normalerweise bin ich immer ganz wehmütig, wenn ein Mehrteiler zu Ende geht. Dieses mal hat sich das allerdings in Grenzen gehalten. Es fing zunächst ja ganz spannend an, denn im Prolog hat man bekannte Gesichter wieder getroffen und erfahren, wer in der Zwischenzeit gestorben ist und geboren wurde. Felicia und Belle waren in den vergangenen Teilen die Personen, mit denen wir am meisten zu tun hatten und deswegen fand ich ihre Parts beschämend kurz gefasst. Man hat mitgefiebert und mitgelitten und erfährt jetzt nur, das Felicias Plan, die Familie mit einem neuen Familienanwesen zusammen zu führen ziemlich in die Hose gegangen ist und Belle zwar eine neue Familie gegründet hat, aber sehr unglücklich ist. Gerade weil man sich dieser beiden Personen verbunden gefühlt hat, würde man nun gerne mehr über deren derzeitige Gefühlslage erfahren. Stattdessen hat man mit Belles Kindern Chris und Alex zwei neue frische Mitglieder in den Mittelpunkt gestellt, wobei hier Alex die meisten Auftritte hat. Ein wenig ist auch in ihr noch eine Felicia zu erkennen, aber im Grunde haben wir es mit völlig neuen und anderen Charakteren zu tun. Ich bin einfach nicht warm geworden mit den „Neuen“ und ich fand auch ihre Lebensgeschichte ziemlich langweilig. Das einzige, was eine Verbindung zu den Vorgängern geschaffen hat, war der „Fluch“ der Familie, denn sowohl bei Alex, als auch bei Chris folgen auf leidenschaftlichen Episoden, ebenso leidvolle Tragödien. Hier stirbt ein Partner, da begeht einer Selbstmord, die ewig unsichere finanzielle Lage. Immer dasselbe. Wenn man es bei einem Mehrteiler nicht geschickt anstellt, ist schnell die Luft raus.
Natürlich kann man z.B. die 80er an Tragik nicht mit den 40ern vergleichen. Aber gerade das Thema Mauer, West und Ost Deutschland, hätte man hier mehr behandeln können. Ein kleiner Teil handelt zwar davon und sorgt für eine gewisse Qualität und Spannung, aber diese Episode ist relativ kurz und schnell abgehandelt. Zudem betrifft sie nicht die Hauptperson Alex. Worum es sich eigentlich am meisten dreht, sind die Höhen und Tiefen des Familienunternehmens, das nun Alex führt, sowie ihre nie ganz enden wollende Liaison mit Jugendfreund Dan. Das hat mich alles einfach nicht genug gefesselt und vieles schien mir belanglos. Die Geschichte rundum Felicias andere Enkelin, die sich von der grauen Maus und alten Jungfer zum schönen, selbstbewussten Schwan wandelt, war ja ganz nett, aber zur Gesamtstory hat das gar nicht gepasst.
Der Epilog reißt es noch etwas raus, denn da erfahren wir, was mit dem alten Familiengut Lulinn geschehen ist. Das hat ein wenig den Zauber der vergangenen Zeiten wieder heraufbeschwört, aber sehr viel mehr milde stimmen, konnte mich das dann auch nicht mehr. Ich bin recht enttäuscht und hatte viel mehr erwartet. Viele Passagen haben mich gelangweilt, manchmal habe ich einige Absätze sogar nur überflogen und das hat auch nicht geschadet, weil einzelne Teile einfach völlig belanglos für die Story waren. Außerdem schienen mir die meisten anderen Handlungsstränge abgebrochen und unbeendet. Das ist sehr schade bei einem letzten Teil.
Im Gegensatz zu den Vorgängern, fand ich den dritten Teil viel schwächer. Das ist sicher Geschmackssache, aber ich will dafür nicht mehr als 3 Sterne vergeben. Die beiden ersten Teile werde ich bestimmt noch einmal lesen. Den letzten kann man aber getrost vergessen, weil da von den alten Charakteren eh nicht mehr viel vorkommt.

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193 Bibliotheken, 3 Leser, 6 Gruppen, 8 Rezensionen

2. weltkrieg, deutschland, liebe, berlin, tod

Wilde Lupinen

Charlotte Link
Flexibler Einband: 544 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 08.02.2010
ISBN 9783442374175
Genre: Romane

Rezension:

Auch dieses Buch hat mich wieder von Beginn an gefesselt. Bei der Fortsetzung eines Mehrteilers ist das ja nicht schwer. Man kennt die Personen schon und brennt darauf zu erfahren, was ihnen in der Zwischenzeit widerfahren ist und wie es wohl mit ihnen weitergeht. Der Roman fängt ähnlich unbeschwert an. Es ist noch nicht Krieg und die Leute sind sich ihrer Sache sicher und schlagen sich mit eher banalen Problemen rum. Wir lernen Belle kennen und merken schnell, das sie einige Charakterzüge ihrer Mutter übernommen hat. Auch wenn sie weicher und gefühlsbetonter ist, wird gleich zu Anfang klar, das es ihr vor allem darum geht, was sie will. Andere Meinungen interessieren sie wenig. So wundert es nicht, das sie kurz nach der Heirat ein Verhältnis mit einem aufregenderen Mann eingeht, von dem sie sich die Erfüllung ihrer Träume erhofft. Dabei ist sie aber nicht so skrupellos wie ihre Mutter, denn oft quält sie das schlechte Gewissen. Nicht gerade tiefgründig das ganze, doch das ändert sich mit dem Kriegsbeginn, wo es wieder ganz dramatisch wird. Wir erleben die Gefühle der Protagonisten während des Fliegeralarms, der Bombennächte oder die Furcht vor der Gestapo. Zwei Charaktere sind Juden, die zunehmend ausgegrenzt und später getrennt werden. Während die Frau im KZ landet, muss der Mann in einem Kellerversteck ausharren und sich damit quälen, das sie nicht vorher geflüchtet sind.
Ständige Angst, ständiger Verlust, das Aufgeben von Träumen, die Resignation und nicht zuletzt nicht zu brechende Lebenswille der Familie während dieser schweren Zeit, sind wunderbar dargestellt. Gerade wenn ich mich selber in einer Lebenskrise befinde, tun mir solch Bücher gut, denn sie zeigen mir, wie andere noch viel schlimmere Situationen überstehen. Selbst wenn sie nur fiktiv sind. Fiktiv sind die Hintergrundinformationen zum Krieg sicher nicht. Wenn man das so liest, kann man nicht fassen, dass das wirklich mal passiert ist. Es ist kein grausamer Roman, aber einige Details sind es. So wird von Folterungen, Hinrichtungen und dem Vorgehen russischer Soldaten gegenüber den Deutschen berichtet. Da kann man nur hoffen, das sich sowas nicht wiederholt. Da mich Krieg in Geschichte aber nie so recht interessiert hat, sind solche Romane sehr gut, um verlorenes Wissen nachzuholen.
Der Roman endet mit dem Ende des Krieges und den Anfängen danach. Die Familie hat viel verloren, nicht nur Menschen. Aber den Kopf hängen lassen gibt es hier nicht. Nach dem Motto: Aufstehen, Krönchen richten, weitermachen, kämpfen sich die übrigen Familienmitglieder nach oben. Ich bin schon gespannt zu lesen, wie weit sie es gebracht haben. Und deswegen werde ich mit lesen auch gleich anfangen, denn „Die Stunde der Erben“ liegt schon neben mir.

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334 Bibliotheken, 5 Leser, 6 Gruppen, 14 Rezensionen

liebe, familiensaga, charlotte link, familie, 1. weltkrieg

Sturmzeit

Charlotte Link
Flexibler Einband: 544 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 08.02.2010
ISBN 9783442374168
Genre: Liebesromane

Rezension:

Als ich den etwas weiter ausladenden Klappentext und von der Dreiecksgeschichte las, wurde mir schon Himmelangst. Etwa doch eine blöde Romanze? Ganz und gar nicht, denn auch wenn Felicias Liebesangelegenheiten eine gewisse Rolle spielen, stehen sie nicht im Vordergrund. Man erfährt viel vom 1. Weltkrieg und von der Wirtschaft der 20er Jahre. Krieg hat mich in Geschichte nie sehr interessiert, aber da es ein beliebtes Thema in Romanen ist, habe ich mittlerweile viel darüber gelernt. Geschichtsunterricht mal anders :). Auch hier lernt man den Krieg wieder von einer anderen Seite kennen. Besser gesagt, von mehreren Seiten. Einerseits durch die Augen von Felicia, erst als Krankenschwester, später als Kriegsgefangene und Flüchtling von Russland nach Estland. Andererseits durch die Augen von Felicias Bruder Christian auf dem Schlachtfeld oder ihres Onkels Leo, der desertiert. Hier kann man nur wieder die verschiedenen Erzählperspektiven loben. Man bekommt damit so unendlich viel mehr mit, das fand ich wirklich klasse, aber eben auch schockierend. Das mit den Börsencrash, Ende der 20er habe ich nicht so ganz verstanden (Zahlen, nicht meine Stärke). Aber die ganzen Umstände danach, die vielen Schicksale jener, die alles verloren haben, hat man an dieser Stelle auch sehr gut rübergebracht.

So viel zur Story, aber was ist mit den Charakteren? Nun habe ich ja schon ein Buch von Charlotte Link gelesen („Das Haus der Schwestern“) und auch wenn ich da schon wieder die Hälfte vergessen habe, meine ich mich zu erinnern, das die Hauptperson Frances, ähnlich Charakterzüge hatte wie Felicia. Ein Blick auf meine alte Bewertung bestätigt das, denn auch Felicia wirkt sehr oft kühl. Ein beliebtes Stilmittel von Frau Link? Hinzu kommen aber noch andere schlechte Eigenschaften. Felicia scheinen die Gefühle anderer oft egal zu sein. Sie handelt berechnend und ist sehr Ich-bezogen, auch wenn es immer mal wieder Momente gibt, in denen ihre Stärke anderen zu Gute kommt. Sie sagt sich selbst immer wieder, das sie nicht stehen bleiben und zurückblicken darf. Kein schlechter Rat, um im Leben voranzukommen, denn Sentimentalität lähmt einen. Sie treibt es aber in vielerlei Hinsicht zu weit und erkennt dies zum Ende des Romans auch. Das macht sie zu keiner besonders sympathischen Hauptfigur, andererseits hätte mich ein Gutmensch auch ziemlich genervt. Dann sind mir dann doch die Figuren lieber, die mitunter gravierende Fehler machen. Den davon gibt es im Buch noch reichlich, allerdings mochte ich die lieber, weil sie auch ihre weiche Seite zeigen. Kassandra, Alex‘ Schwester, wirkte oft naiv und schwach, zeigte zum Ende des Romans aber so viel Tragik und Stärke, was mich beeindruckt hat. Genauso Felicias Großmutter Laetitia, das starke Familienoberhaupt. Die Bandbreite an Charakteren ist riesig: kaltherzig, leidenschaftlich, verträumt, naiv, arrogant, egoistisch, stark und schwach. Und das meist innerhalb der Familie. Das macht so einen Roman natürlich unglaublich spannend und vielseitig. Oft geht das in Romanen schief, aber hier bekommt jeder seinen Anteil und es geht auf.

Und bis auf einige sehr berechnende Handlungen der Hauptfigur (eine etwas weichere Seite hätte man ihr schon geben können), habe ich nichts zu meckern. Deswegen bekommt „Sturmzeit“ von mir auch 5 von 5 Sternen. Und jetzt freue ich mich schon auf den zweiten Teil.



Übrigens wurden ja viele Romane von Charlotte Link verfilmt, auch „Sturmzeit“. Ein kurzer Blick auf die Darstellerliste hat mir den Film dann aber sogleich vermiest. Eine blonde Felicia? (Im Buch dunkelhaarig). Ben Becker als Maksim? (Maksim ist im Buch dunkelhaarig, blauäugig und gutaussehend). Nein danke, man muss sich ja nicht jede Buchverfilmung geben. Nicht umsonst haben viele davon einen schlechten Ruf. Auch wenn ich eine würdige Verfilmung von diesem Roman sehr gern gesehen hätte. Aber ich glaube, da ärgere ich mich nur. Deswegen lasse ich die Bilder so in meinem Kopf, wie ich mir alles vorgestellt habe.


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14 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

starke frauen, paris, liebe, drama

Leonore und ihre Töchter

Gina Mayer
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 15.08.2016
ISBN 9783746631950
Genre: Romane

Rezension:

Als ich bei Weltbild neulich eine DVD bestellen wollte, weil sie da am günstigsten war, habe ich mich im Sale gleich noch nach einem Buch umgesehen. Mit Buch ist die Bestellung nämlich versandkostenfrei und statt 3 € für den Versand, gebe ich das Geld doch lieber für ein Buch aus. Das sollte einen dann aber schon etwas ansprechen und ich bin tatsächlich fündig geworden. „Leonore und ihre Töchter“ klingt zwar etwas bieder und spielt lustigerweise auch teils zur Zeit des Biedermeier, aber ich mag historische Romane, solange sie nicht bis ins Mittelalter reichen. Die Story klang auch nicht uninteressant und da sonst kein ähnlich ansprechendes Buch dabei war, ist die Leonore samt ihrer Töchter am Ende auch in den Warenkorb gewandert.

Mir hat der Roman sehr gut gefallen, obwohl es auch ein paar Mängel gibt. Beginnen wir mit den guten Seiten. Leonore und ihre Töchter, was in dem Fall auch die Enkelin und Urenkelin mit einschließt, sind alle recht verschieden. Jede bekommt einen eigenen Abschnitt zugeteilt, wo man sie kennenlernt. Das ist sehr gut gelungen. Die Autorin schafft es, Nähe zum Charakter aufzubauen, sodass man ihr Handeln und ihre Gefühle besser versteht. Und auch wenn die Geschichte teils im frühen 19. Jahrhundert spielt, wird man nicht mit geschwollener Sprache gequält. Einzig Ausdrücke wie etwa „Wie belieben?“ geben einen Eindruck der damaligen Ausdrucksweise wieder. Vielleicht ist das für einige ein Mangel von Authentizität, aber mir war das lieber, so kommt man mit dem lesen schneller voran.
Dadurch, das die Geschichte so verschachtelt ist, blieb es spannend. Welche Auswirkungen hatte und hat wohl der „Fluch“ der Erlkönigin auf Leonore und ihre Töchter? Das hat sich erst nach und nach herauskristallisiert. Besonders aufregend war das Buch allerdings nicht und das ist mein Kritikpunkt. Es gab Überraschungen, es wurde nicht langweilig, aber es dümpelte so vor sich hin. Es fehlte irgendwie der große Knall, das Salz und Pfeffer. Zwar gab es da eine überraschende Auflösung, hinter die ich schon kurz vorher gekommen war, aber so richtig schockiert hat das auch nicht. Dafür würde ich einen Stern abziehen, auch wenn das vielleicht ein bisschen kleinkariert ist. Denn abgesehen davon, liest sich „Leonore und ihre Töchter“ wirklich gut und ich habe mich auch jeden Tag aufs lesen gefreut. Ein Buch, das man auch öfters lesen kann, deswegen sehr gute 4 von 5 Sternen.
Ciao sollte wirklich halbe Sterne einführen, das würde mir das bewerten oft leichter machen….

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(83)

169 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 73 Rezensionen

ballett, russland, tanz, roman, tanzen

Die Schwester des Tänzers

Eva Stachniak , Peter Knecht
Flexibler Einband: 570 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 29.10.2016
ISBN 9783458361787
Genre: Historische Romane

Rezension:

Ich hatte mal wieder Glück und habe hier auf Loveleybooks.de ein Buch gewonnen. Von der Autorin hatte ich vorher noch nie etwas gehört, aber ein kurzer Blick auf ihre bisherigen Werke, hat dann mein Interesse geweckt. Die Romane spielen sich die meiste Zeit in Russland ab und so ist es auch bei „Die Schwester des Tänzers“. Ein großer Russland Fan bin ich zwar nicht, aber die Story rund ums tanzen gefällt mir immer wieder gut. Auch wenn Tanz immer mal wieder Teil der Romane war, die ich gelesen habe, ein Roman mit Tanz als Mittelpunkt hatte ich noch nicht. Umso gespannter war ich, inwieweit mich die Geschichte fesseln würde.

Abschließend kann ich sagen: Ja, der Roman war schon etwas anderes als das, was sich sonst so lese. Trotz anfänglicher Schwierigkeiten hat mich dann doch schnell die Leselust gepackt und die letzten Abschnitte habe geradezu verschlungen. Es ist in erster Linie ein Buch über das Tanzen und die Tänzer. Um ihr Leben und ihren Alltag. Das ist manchmal nicht ganz einfach, wenn mit französischen oder russischen Tanz-Fachbegriffen um sich geschmissen wird. Ich hab schon Tanzfilme gesehen, aber ich weiß dennoch nicht, wie diese oder jene Bewegung heißt. Das macht es einem schwer, sich das Tanzen bildlich vorzustellen.
Bronia ist die Erzählperson. Man sieht, fühlt und erlebt alles aus ihrer Sicht. Dabei ist doch gerade Waslaw die komplexere Person von beiden und auch wenn man einiges über ihn erfährt, bleibt vieles im Dunklen und gerade zum Schluss wird sein Part sträflich vernachlässigt.
Sowohl für Bronia, als auch für Waslaw ist Tanzen das Größte. Alles andere erscheint nebensächlich und da sehe ich schon das nächste Problem. Die Charaktere kommen alle sehr kühl rüber. Ja, sie heiraten, bekommen Kindern, müssen Verluste verkraften. Aber ich habe nie wirklich mitgelitten, weil alles außer dem Tanz so ganz ohne Leidenschaft erzählt wurde. Bronia heiratet zwar, aber ganz ohne das dabei Romantik aufkommt. So hat sie den Kerl gerade vor 10 Seiten kennengelernt, da heiratet sie ihn schon. Was mich zum nächsten Problem führt, die Zeiteinteilung. Die Abschnitte umfassen mal 6, mal 8, mal 5 Jahre. Und zwischen den letzten beiden Abschnitten fehlen sogar 6 Jahre, in denen man keine Ahnung hat, was alles passiert ist. Diese großen, nicht immer ersichtlichen Zeitsprünge machen es einem schwer Nähe zu den Figuren aufzubauen. Man weiß nicht, ob zwischen zwei Kapiteln jetzt Tage, Wochen oder Monate vergangen sind. So kann man die Gefühle und Entwicklungen nur schwer nachvollziehen. In vielen anderen Büchern die ich lese, gibt es auch Zeitsprünge, aber mir ist das da nie so negativ aufgefallen wie bei „Die Schwester des Tänzers“.
Man muss sich einfach von Anfang an darauf einstellen, das es ein Buch über das Leben von Tänzern ist. Das Tanzen steht im Mittelpunkt. Da kommen Gefühle und zwischenmenschliche Beziehungen, zumindest für den Leser, zu kurz. Weil ich mich das Buch aber trotzdem sehr gut unterhalten hat, vergebe ich immer noch 4 von 5 Sternen.
Übrigens, was ich erst am Schluss herausgefunden habe, gab es Waslaw und Bronia Nijinsky wirklich. So kann man mit Hilfe von Dr. Google noch ein paar Lücken füllen, die sich aufgetan haben.

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(141)

299 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 21 Rezensionen

liebe, england, geheimnis, familiengeheimnis, zweiter weltkrieg

Die verlorenen Spuren

Kate Morton , Charlotte Breuer , Norbert Möllemann
Flexibler Einband: 608 Seiten
Erschienen bei Diana, 09.06.2014
ISBN 9783453357310
Genre: Romane

Rezension:

Bei „Die verlorenen Spuren“ habe ich mich erst ein bisschen schwer getan mit dem lesen. Nicht, das ich es nicht von Anfang an spannend fand, aber die Geschichte spielt hier eben nicht wie so oft um die Jahrhundertwende und die ersten Jahrzehnte danach. Für mich ist der 2. Weltkrieg nicht unbedingt ein Lieblingsthema in Romanen (Auch wenn ich „Eine Handvoll Glück“ auch sehr mag). Er ist brutal und in keinster Weise romantisch (Auch wenn ich kein Fan von Schnulzen bin). Trotzdem, auch wenn man das Thema nicht mag, gelingt es Kate Morton sehr gut, mal eine andere Seite des Krieges zu beleuchten. Hier geht es gar nicht um Szenen auf dem Kriegsfeld, sondern um die Aufgabe der Frauen zu jener Zeit.
Wir lernen Laurels Mutter Dorothy, genannt Dolly, kennen und die hat in jungen Jahren noch gar nichts mit der liebevollen Mutter gemein, die sie später werden würde. Ein reizendes Mädchen mit großen Träumen und einem Ideal, welches ihre biedere Familie so gar nicht entspricht. Ihre großen Ambitionen sind schon zu Beginn der Geschichte ein Thema und steigern sich mehr und mehr in ein krankhaftes Verhalten. Diese Entwicklung geht so schleichend voran, das man schon aufmerksam lesen muss, um mitzubekommen, das Dolly ein ernsthaftes Problem hat. Wie also, konnte aus der selbstbezogenen Dolly die liebende Mutter und Ehefrau Dorothy werden? Diese Verwandlung wird im Buch öfters angesprochen.
Die andere Person, die ebenfalls eine Wandlung durchmacht, ist Vivien. Über Vivien ist Anfangs nicht viel bekannt. Ihre Geschichte, vor allem die Vorgeschichte, kommt erst im zweiten Teil des Buches in Schwung. Man lernt die andere Seite der Geschichte kennen und beginnt zu rätseln, wie viel von Dollys Geschichte der Wahrheit entspricht.
Zwischen den beiden Frauen steht Jimmy, Dollys Freund und Komplize. Man befindet sich als Leser sozusagen in derselben Situation von Jimmy. Man mag, bis zu einem Gewissen Punkt Dolly, aber auch Vivien und weiß zuerst nicht, auf wessen Seite man steht. Als Leser wird einem natürlich schneller klar, auf welcher Seite man zu stehen hat.
Die Story in der Gegenwart macht uns mit Dorothys Familie und ihrem Leben nach dem Krieg bekannt und man erkennt, das während des Krieges etwas ausschlaggebendes passiert sein muss. Etwas, für das sich Dorothy ein Leben lang die Schuld gab. Wir sind da genauso am rätseln wie Laurel, die gemeinsam mit ihrem Bruder, dem einzigen Eingeweihten, fest entschlossen ist, die Geheimnisse ihrer im Sterben liegenden Mutter zu lösen.
Das, was man am Ende als Auflösung präsentiert bekommt, ist wirklich überraschend und sehr geschickt eingefädelt. Ich habe in anderen Bewertungen gelesen, dass das Ende vorhersehbar war. Bitte was? Da muss man schon ein ganz schöner Fuchs sein. Ich fand die Auflösung genial und hätte nicht daran gedacht, das es so kommen würde.
Auch wenn ich Startschwierigkeiten mit dem Buch hatte, hat mich die Geschichte dann doch vollends überzeugt. Auch wenn es hier ebenfalls eine tragische Liebesgeschichte gibt, fällt dieser diesmal vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit zu. Im Vordergrund steht vielmehr die Auswirkung des Krieges auf die Frauen und was Wunschdenken und Enttäuschung mit dem Seelenleben einer traumatisierten jungen Frau macht, die alles verloren hat. Und das bezieht sich hier nicht nur auf eine der beiden Frauen. Für mich ist „Die verlorenen Spuren“ das bisher tiefgründigste und am intelligentesten geschriebenste Buch von Kate Morton und bekommt von mir daher 5 von 5 Sternen.

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767 Bibliotheken, 5 Leser, 8 Gruppen, 48 Rezensionen

england, liebe, geheimnis, familie, krieg

Das geheime Spiel

Kate Morton , Charlotte Breuer
Flexibler Einband: 688 Seiten
Erschienen bei Diana, 05.11.2007
ISBN 9783453290310
Genre: Romane

Rezension:

Viel zu schnell bin ich wieder mit dem Buch fertig geworden, aber man kann es auch einfach nicht aus der Hand legen. Obwohl einem schon zu Anfang verraten wird, das ein richtiger Charakter sterben wird, bleibt es spannend. Denn natürlich stellt sich die Frage, wie es dazu kommen konnte. Der Teil, der sich in der Vergangenheit abspielt, umfasst ca. 10 Jahre. Vom zugeknöpften Ende der Gründerzeit, bis in die schillernden 20er hinein. Zwei Epochen, über die ich wahnsinnig gern lese oder Filme drüber sehe. Die Kleidung, die Lebensgefühle jener Zeit, werden sehr anschaulich rüber gebracht. Auch die Auswirkungen des 1. Weltkrieges, spielen eine Rolle.
Erzählerin Grace ist eine neutrale und bescheidene Person, die nach außen hin kaum Gefühle preis geben darf. Dienstmädchen waren zu dieser Zeit stille Geister, die sich einzig und allein um das Wohl ihrer Vorgesetzten zu kümmern hatten und auch noch Stolz drauf sein mussten. Umso herzerwärmender war es da, immer einen Blick hinter das Dienstmädchen Grace werfen zu können. Auf ihre Träume und Wünsche. Mir hat ihre Sichtweise das Leben der Dienerschaft auf jeden Fall näher gebracht. Heutzutage kann man sich kaum noch vorstellen, was ein Dienstmädchen alles opfern musste.
Die Adligen haben teilweise einen schockierend versnobten Eindruck gemacht und auch, das die jungen Männer den Krieg zunächst als Abenteuer ansehen, schockierte mich. Dennoch war es sehr interessant zu lesen, welche Vorstellungen und Ideale der Landadel der damaligen Zeit so hatte. Eine Ausnahme bildete da die Figur der Hannah, die zusammen mit Grace eine der Hauptrollen in dem Roman spielt. Jemand, der stets versuchte, sich von den verstaubten Vorbildern abzuheben, am Ende jedoch immer wieder in eine Rolle gezwängt wurde, die sie für sich nicht wollte. Emmeline dagegen, ein durch und durch eingebildeter und unsympathischer Charakter, dessen Ursprung wohl aber einen psychologischen Grund hatte, wie man am ende erfährt. Figuren wie der Dichter Robbie Hunter oder Frederick, der Vater der Hartford Kinder, bekommen zwar auch genug Seiten zugeteilt, allerdings werden sie einem nicht so nahe gebracht. Und das, obwohl sie wichtig für die Story sind. Gerade bei Frederick hätte es noch so viel zu erzählen gegeben, aber das wäre dann wohl zu sehr in die Vergangenheit abgedriftet und hätte Stoff für noch einen Roman gegeben.
Auch das weitere Schicksal der Luxtons, in deren Familie Hannah eingeheiratet hat, bleibt weitestgehend unerwähnt.
Ja, man könnte sagen, dafür das der Großteil des Romans so sorgfältig behandelt wurde, wirkt der Schluss arg zusammengefasst. Trotzdem möchte ich hier keine Punkte abziehen, weil immer noch genug passiert, um die Geschichte zu füllen. Man gewöhnt sich während des Lesens nur so an die ganzen Personen, das man am Ende enttäuscht ist, wenn es keinen weiterführenden, detaillierten Lebenslauf gibt. Immerhin bekommen wir noch einen Ausblick auf Graces Leben nach ihrem Leben als Dienstmädchen. Und das hatte am Ende noch ein richtig schönes Happy End, mit dem wohl keiner gerechnet hat.
Happy Ends gibt es nämlich kaum, wie so oft bei Kate Morton. Und auch wenn das unfassbar traurig ist und ich die eine oder andere Träne verdrücken musste, hätte ein anderes Ende nicht gepasst und kitschig gewirkt. Das schätze ich an ihren Romanen, sie sind nicht kitschig (bis auf den letzten Roman). Trotzdem konnte auch sie sich diesen „Ach so ein Zufall“ Moment am Ende nicht verkneifen. Ihr wisst ja wie das bei solchen Romanen ist, am Ende sind alle Geschichten und alle Personen irgendwie miteinander verbunden.
Weil das Buch immer wieder lesenswert ist und ich es auch sicher nicht das letzte Mal gelesen habe, gibt es von mir 5 von 5 Sternen.

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(168)

329 Bibliotheken, 9 Leser, 3 Gruppen, 29 Rezensionen

internat, england, liebe, freundschaft, organspende

Alles, was wir geben mussten

Kazuo Ishiguro ,
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei btb, 06.11.2006
ISBN 9783442736102
Genre: Romane

Rezension:

Für mich ist „Alles, was wir geben mussten“ einer der bewegendsten, traurigsten und gleichzeitig schönsten Filme, die ich kenne. Da war ich gespannt, ob mich das Buch genauso berühren würde.
Ich werde jetzt etwas über den Inhalt schreiben, was für mache möglicherweise ein Spoiler ist, aber ich finde, so viel kann man über den Roman wissen.
Die Geschichte spielt sich zu einem unbekannten Zeitpunkt in England ab. Man kann aber davon ausgehen, das die Handlung in den vergangenen 70er und 80er Jahren stattfindet. Die Kinder, die in dem Internat Hailsham leben, sind Klone, die dafür leben, eines Tages ihre Organe an ihre älteren Originale zu spenden. Die Originale selbst, kommen nicht vor. Man weiß nur, das die Spender, im Buch Kollegiaten genannt, das von sich hergeben müssen, was beim Original gerade versagt. Kathy und die anderen wissen zwar, das für etwas wichtiges vorgesehen sind und das „spenden“ etwas damit zu tun hat. Sie wissen jedoch nicht, was genau das für sie bedeutet. Über die Jahre bekommen sie häppchenweise gerade mal so viel darüber erzählt, das für sie am Ende kaum eine andere Wahl bleibt, als ihr Schicksal zu akzeptieren. Umso tragischer ist es, davon zu lesen, wie wichtig ihnen die kleinen Dinge im Leben sind. Wie sie versuchen, von einer Zukunft zu träumen, die es für sie nicht geben wird. Und wie wichtig es ihnen ist, wenigstens ein bisschen über den Menschen in Erfahrung zu bringen, für den sie am Ende sterben müssen. Sind diese Menschen genauso wie sie? Haben sie die gleichen Gefühle? Führen sie am Ende vielleicht sogar das Leben, was sie sich für sich selbst gewünscht hätten? Die Kollegiaten klammern sich an diese Fragen, manche mehr, manche weniger. Vielleicht, um ein bisschen Trost in der Vorstellung zu finden, für jemanden zu sterben, der das Leben führt, was man für sich selbst wollte. Aber das wird im Buch nicht ausgesprochen. Es ist das, was man dem Handeln und den Gefühlen entnimmt, von denen man liest.
Dazu trägt sich auch die Tatsache bei, das die Erzählperson Kathy den Leser zwischendurch immer mal wieder anspricht und auch als einen Kollegiaten ansieht. So versetzt man sich automatisch in die Lage eines Spenders besser hinein.

„Alles, was wir geben mussten“ ist kein Buch mit Happy End. Es hat nicht von dem Film „Die Insel“, der eine ganz ähnliche Thematik hat. Man fragt sich natürlich, warum sie ihr Schicksal einfach so hinnehmen, warum sie nicht versuchen zu fliehen. Aber ich bin sehr froh, das sich de Autor nicht für diesen Weg entschieden hat und wenn man das Buch liest und versteht, weiß man auch, warum die Figuren sich ihrem Schicksal ergeben. Das macht es natürlich zu einer unfassbar traurigen Geschichte und genau wie beim Film, konnte ich mir auch beim Buch ein paar Tränen nicht verkneifen.
Für viele sind Buch und Film grundverschieden, aber ich habe viele Gemeinsamkeiten und nur wenig Unterschiede feststellen können. Ja sogar einige Dialoge waren 1:1 die aus dem Film. Natürlich habe ich mir die Personen genau wie die Schauspieler vorgestellt, auch weil ich fand, das diese perfekt ausgewählt waren und die Charakterzüge wunderbar rüber gebracht haben.
Die Erzählperson Kathy wirkt oftmals sehr monoton und wenig emotional, Ruth dagegen sehr impulsiv und manchmal richtig zickig. Tommy ist launisch, aber im Grunde lieb und etwas trottelig. Man hat hier drei sehr verschiedene Charakter die miteinander agieren und das macht die Erzählweise sehr dynamisch und interessant. Man ärgert sich mit Kathy über Ruth und fragt sich gleichzeitig, ob das jeweilige Verhalten der anderen, einen bestimmten Grund hat und man es vielleicht auch nachvollziehen kann.


Es ist ein außergewöhnlicher Roman, ich habe bisher noch nichts vergleichbares gelesen. Vielleicht, weil man hier ein Thema anschneidet, was zwar in der Vergangenheit spielt, aber seinen Kern in der Zukunft hat. Es wäre natürlich erschreckend zu denken, das es irgendwann wirklich so etwas gibt. Aber wir leben in einer unberechenbaren Welt mit unberechenbaren Menschen. Und da finde ich den Gedanken, das reiche Menschen Klone von sich heranzüchten, die am Ende als Ersatzteillager dienen, gar nicht so abwegig. Gott bewahre!
„Alles, was wir geben mussten“ ist ein Roman, der nachdenklich stimmt.
Wer den Film gesehen hat und ihn mochte, dem empfehle ich auch das Buch. Das ist natürlich etwas umfassende und man erfährt mehr über die Hintergründe, über das Spenderprogramm und vor allem über Hailsham und seine Galerie. Das wird im Film ja nur angeschnitten und für mich war der Teil sehr interessant und er hat mir auch die gesamte Thematik näher gebracht.
Ein Buch, das ich immer wieder lesen würde. Genau wie ich den Film immer wieder gucken.

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45 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

katze, humor, nina puri, katzen, übersetzung

Langenscheidt Katze-Deutsch/Deutsch-Katze

Nina Puri
Fester Einband: 128 Seiten
Erschienen bei Langenscheidt, 03.03.2011
ISBN 9783468738227
Genre: Humor

Rezension:

Auch wenn „Katze – Deutsch, Deutsch – Katze“ den Eindruck erweckt, es handele sich um ein Wörterbuch, entspricht das nicht ganz der Wahrheit. In den verschiedenen Kapiteln gibt es immer wieder kürzere Parts mit Übersetzungen. Manchmal wird die Katze übersetzt, manchmal auch der Katzenbesitzer. Den größten Teil machen aber die Textpassagen aus. Ähnlich wie bei einer Kolumne, ist Erzählweise locker und auf eine trockene Art humorvoll. Als Katzenbesitzer kommt eine vieles bekannt vor und man muss oft schmunzeln. Trotzdem wurde es mir zwischendurch langweilig, ja am Ende war ich sogar ein bisschen verärgert. Der Grund: Es wirkt heillos übertrieben. Geht man von diesem Buch aus, werden einem eher die Nachteile einer Katze aufgezeigt. Natürlich sind Katzen süß und schön und elegant, aber laut dem Buch eben auch richtige Biester, die absolut nicht mit sich reden lassen, tun und lassen was sie wollen und überhaupt, ist man nur der Dosenöffner. Für mich, wird die Katze in ein total schlechtes Licht gerückt. Das ist nicht durchweg so, aber der Gesamteindruck ist eher der, das man hier alle Katzen Klischees vereint hat. Hundebesitzer werden sich da die Hände reiben und mit Mitleid auf die armen Katzenbesitzer herab schauen.
Sicher ist es witzig zu lesen, aber trotzdem macht es mich ein bisschen traurig, das man nicht mehr auf die liebenswerten Seiten einer Katze eingegangen ist. Außerdem ist mir noch nie eine Katze begegnet, die eine Ausgeburt all dieser Eigenheiten ist. Ich z.B., habe zwei Katzen. Meine Katze ist ein absolut süßes und liebes Mäuschen. Zwar nicht so verkuschelt, wie ich es gerne hätte, aber im Grunde eine richtige Vorzeige Mieze. Bei ihr konnte ich kaum eine der Eigenschaften aus dem Buch finden. Mein Kater dagegen, ist eine richtige Diva. Bei ihm trafen, zu meinem Leidwesen, schon ein paar mehr Sachen zu. Trotzdem war auch er kein Paradebeispiel für die Katze aus dem Buch.
Man sollte das Geschriebene also nicht zu ernst nehmen und vielleicht braucht man auch eine Extraportion Humor, um über alles lachen zu können. Ich war nur teilweise amüsiert, denn am meisten kann man über die Sachen lachen, die man von seiner Katze kennt. Und das waren am Ende, Gott sei dank, nicht ganz so viele.

Mein Fazit: Eine gute Lektüre für Zwischendurch. Das Buch ist schon sehr amüsant geschrieben und liest sich schnell. Vielleicht war gerade das mein Fehler, sonst wäre mir das Gehässige hinter dem Witz vermutlich gar nicht aufgefallen. Also besser Stück für Stück lesen, immer dann, wenn man mal gerade nix zu tun hat, in der Bahn oder beim Arzt sitzt. Das Wichtigste ist wohl, das ganze nicht zu ernst zu nehmen. Wobei ich denke, das Leute, die darüber nachdenken sich eine Katze anzuschaffen, abgeschreckt sein könnten und es sich wohl möglich anders überlegen. Schade fand ich nur, das die Katze relativ einseitig beleuchtet wurde.
Bestimmt kein Buch, das ich mir nochmal ganz durchlesen werde. Aber um kurze Langeweile-Phasen zu überbrücken, ist es ganz gut geeignet.

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195 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 23 Rezensionen

liebe, vergangenheit, wustrow, ostsee, stralsund

Die verborgene Kammer

Corinna Kastner
Flexibler Einband: 590 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 12.05.2009
ISBN 9783404162796
Genre: Romane

Rezension:

Romane in denen alte, geheimnisvolle Häuser eine Rolle spielen, sind immer was für mich somit konnte mich auch „Die verborgene Kammer“ sofort fesseln. Trotzdem hatte ich meine Vorurteile. Mit deutschen Autoren kann ich oft nicht viel anfangen, irgendwas fehlt mir da immer. Und dann stand da ganz unscheinbar und dünn „Romantic Thrill“ mit auf dem Cover, was mir gar nicht aufgefallen war, als ich das Buch bestellt habe. Bücher, wo so explizit auf eine romantische Handlung hingewiesen wird, sind mir ein Graus. Aber ich wollte mich erst einmal überraschen lassen, immerhin deutete ja auch der Klappentext keine solche Story an. Romantik kam zwar zum Einsatz, ihr könnt euch vielleicht schon denken, auf wen es hinausläuft, und kurzzeitig fand ich das auch leicht schrecklich, aber es hielt sich in Grenzen und hat auch nicht zu sehr von der eigentliche Handlung abgelenkt. Die Hauptfiguren mochte ich, sie kamen echt und sympathisch rüber und handelten oft so, wie man in der Situation auch selbst gehandelt hätte. Mir gefiel es auch, wie sich einige von Viktorias und Romans Überlegungen zur Rätsels Lösung, die echt gut gewesen wären, als falsch herausgestellt haben und somit nicht einem gängigen Klischee entsprachen. Zwar waren einige Entdeckungen mehr als glücklich und vielleicht zu viel des guten, aber genauso oft, wurden den beiden auch Steine in den Weg gelegt und das fand ich sehr realistisch. In vielen Roman dieser Art, haben die Protagonisten einfach zu viel Glück. Natürlich schlägt dieses Glück auch am Ende noch einmal zu, um alle Fragen restlos zu klären, aber es wirkte einfach besser, weil diese ganzen Auflösungen gut verteilt waren und nicht alles auf einmal kam. Diese abschließende Auflösung fand ich spitze! Ich hatte zwischenzeitlich mal an diesen Twist gedacht, ihn dann aber im Verlauf der Handlung wieder fallen gelassen. Umso erfreuter war ich, das ich doch richtig gelegen hatte und das es die Autorin aber trotzdem geschafft hat, einen so zu verwirren, das man am Ende doch überrascht wird.
Es gibt ein Happy End. Ein gutes Happy End, das nicht zu überzogen wirkt und einen würdigen Abschluss bildet. Auch das Nachwort der Autorin, wo sie sich zu den Personen und Orten im Roman äußert, hat mir gefallen. Das sollten mehr Autoren machen, mich interessiert es immer, wo die ihre Inspirationen her nehmen.
„Die verborgene Kammer“ hat ein paar kleine Schwächen und ich habe viel überlegt, ob ich nun 4 oder 5 Sterne gebe. Am Ende hat aber das Gesamtbild so überzeugt, das ich gerne die 5 Sterne vergebe. Keins der besten Bücher, die ich je gelesen habe, aber ein wirklich gutes, schlau geschriebenes mir einer tollen Auflösung. Ich habe mir mal die Inhaltsangaben der anderen Bücher von Corinna Kastner angesehen, aber keines reizt mich jetzt so sehr wie „Die verborgene Kammer“. Ich werde sie mir aber noch einmal genauer ansehen und vielleicht kommt man dann auch schon bald ein Bericht zu einem anderen Buch der Autorin :).

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(198)

365 Bibliotheken, 11 Leser, 2 Gruppen, 105 Rezensionen

cornwall, kate morton, familie, liebe, vergangenheit

Das Seehaus

Kate Morton , Charlotte Breuer , Norbert Möllemann
Fester Einband
Erschienen bei Diana, 29.02.2016
ISBN 9783453291379
Genre: Romane

Rezension:

Man könnte fast meinen, Kate Morton hat das Genre gewechselt und ist unter die Krimiautoren gegangen. „Das Seehaus“ dreht sich nämlich um einen Kriminalfall, ach, eigentlich um zwei, aber vorwiegend um den einen. Aber dazu später.
Die Geschichte fesselt vom ersten Moment an. Man bekommt immer nur kleine Häppchen zugeworfen, legte diese beiseite und versucht sie zusammenzufügen, sobald man genug Informationen gesammelt hat. Natürlich wäre es besser, sich nicht zu viele Gedanken zu machen und sich überraschen zu lassen, aber ich kann einfach nicht anders, ich versuche immer das Rätsel vor allen anderen zu lösen. Das hat sich dieses mal allerdings ziemlich schwierig gestaltet, denn einerseits gleicht der Aufbau einem Labyrinth und andererseits bekommt man so viele verschiedene Hinweise, das man am Ende jeden für verdächtig hält. Glücklicherweise lichtet sich das so ab Mitte des Buches und da wusste ich bereits, was wohl aus Theo geworden ist oder besser, ich hatte eine Ahnung, die am Ende auch bestätigt wurde. Die ganzen Zusammenhänge wurden erst nach und nach aufgelöst und sorgten für die eine oder andere Überraschung. Überzeugt hat mich das nur teilweise. Die Umstände bzw. die Gründe um Theos Verschwinden konnte ich nicht ganz nachvollziehen. Ich würde dazu jetzt gerne mehr sagen, aber dann würde ich vielleicht zu viel verraten. Das war allerdings nicht das einzige, was mich gestört hat. So spannend und raffiniert der Roman auch war, er war einfach zu überladen. Als hätte der Fall Theo nicht schon gereicht, gab es da noch den Fall an dem Sadie zu knabbern hatte und auch noch Sadies persönliches Drama um ihre Vergangenheit. Alles wird aufgelöst, alles findet seinen Abschluss, jedoch auch den letzten zwei, drei Seiten und das wirkt irgendwie lieblos und passt so gar nicht zu Kate Morton, die sonst immer so einen würdigen Abschluss für ihre Romane findet. Das Ende hier war zwar ein Happy End, aber ein vergleichsweise kitschiges. Ein zu happy Happy End. Zumal sich am Ende die Zufälle nur so häufen und das ganze total unglaubwürdig rüber kommt. Da hätte ich mir fast ein traurigeres Ende gewünscht.
„Das Seehaus“ ist als mal ein Kate Morton Roman der ganz anderen Art. Spannend wie immer, wenn nicht sogar noch etwas spannender als sonst, aber die Auflösung enttäuscht teilweise, einiges wirkt völlig unrealistisch, zu viele Handlungsstränge und Personen und ich hätte mir einen etwas weniger komplizierten Aufbau gewünscht. Ein guter, absolut lesenswerter Roman, aber nicht der beste von Kate Morton. „Das Seehaus“ bekommt von mir daher 4 von 5 Sternen.

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(217)

466 Bibliotheken, 11 Leser, 0 Gruppen, 73 Rezensionen

geige, liebe, sumatra, geheimnis, london

Der Mondscheingarten

Corina Bomann
Flexibler Einband: 528 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 12.04.2013
ISBN 9783548285269
Genre: Romane

Rezension:

Mit hat das Buch im Großen und Ganzen gut gefallen. Vom Stil her ein wenig wie Kate Morton und Katherine Webb, aber dennoch etwas anders. Der Roman lebt davon, dass er sehr spannend ist. Zwar hat man seine Vermutungen, die sich teilweise als wahr herausstellen, aber die ganzen Ereignisse dazwischen sorgen immer wieder für Überraschungen. Mit den Personen bin ich allerdings kaum warm geworden, nur die kleine Helen bildet da die Ausnahme. Die anderen wirkten teilweise unsympathisch oder übermäßig freundlich und damit kommen wir zu einem weiteren Problem. Vieles wirkt zu perfekt und gekünztelt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man bei einer Recherche so viel Glück hat und alles restlos aufklärt, vor allem, wenn es sich um ein über 100 Jahre altes Rätsel dreht. Natürlich ist es nur ein Buch und die Geschichte ist fiktiv, aber ein bisschen realistisch darf es dann schon sein. Das hat mich an einigen Stellen schon sehr gestört und wirkte arg kitschig. Kitschig ist das Stichwort. Selbstverständlich gibt es auch in „Der Mondscheingarten“ eine Liebesgeschichte, oder besser gesagt zwei. Während die tragische Liebesgeschichte in der Vergangenheit zwar auch etwas unglaubwürdig wirkt, trieft die Liebesgeschichte in der Gegenwart nur so vor Kitsch. Ich mag Romantik, aber bin kein Fan von Kitsch und hier war es einfach furchtbar, sodass ich einige Zeilen einfach übersprungen und den Epilog nur überflogen habe. Sicher sind viele Frauen Fan davon, aber ich hasse es, ich finde es zum kotzen, sorry :p.
Insgesamt habe ich ja viel zu meckern an dem Buch, wie kann es da sein, das ich trotzdem 4 Sterne vergebe? Nun, die Geschichte bietet auch viel Tragik, was gut für den Tiefgang ist. Außerdem mag ich diese Melancholie, für die auch Kate Morton berühmt ist (bei der es übrigens nie kitschig wirkt). Auch wenn mir Rose unendlich leid tat, aber wo wäre da der Tiefgang geblieben. Und wie gesagt, ist der Roman auch ungemein spannend, was ja sowieso mit das Wichtigste ist. Schade nur, das die Qualität auf den letzten Metern so sehr abnimmt. So viele Zufälle und Glück waren mir da echt zu viel des guten. Nun weiß ich nicht, wie die anderen Bücher von Corina Bomann sind, aber sie scheint ja recht erfolgreich zu sein. Eine gute Autorin, aber längst nicht so raffiniert wie eine Kate Morton.
Weiterempfehlen kann ich das Buch auf jeden Fall und wenn ihr es romantisch mögt, perfekt! Ich für meinen Teil, muss mich von so viel Schmalz erst einmal erholen und greife beim nächsten Mal wieder zu Kate Morton.

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(238)

477 Bibliotheken, 4 Leser, 6 Gruppen, 24 Rezensionen

england, charlotte link, krieg, familie, yorkshire

Das Haus der Schwestern

Charlotte Link
Flexibler Einband: 608 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 10.05.2010
ISBN 9783442375349
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Am Anfang hat mich das Buch nicht so sehr gefesselt. Mich hat die Geschichte zwar von Anfang an interessiert, aber mir haben 2-3 Seiten am Tag gereicht, wenn ich sowieso keine Zeit hatte. Das änderte sich mit den Memoiren von Frances Gray, da habe ich dann gar nicht mehr aufhören können, egal wie viel ich eigentlich zu tun hatte. Woran lag‘s?
Das von Eheproblemen geplagte Paar in der Gegenwart ist langweilig und unsympathisch. Eigentlich ist ihre, oder eher Barbaras, einzige sinnvolle Aufgabe, die versteckten Aufzeichnungen von Frances zu finden. Alles was davor, dazwischen und danach passiert, hätte man sich getrost schenken können. Die Personen in der Gegenwart mögen immer etwas weniger interessant sein, aber ich weiß nicht, da hätte man wirklich eine bessere Nebenhandlung erschaffen können.
Entschädigt wird man aber durch die Aufzeichnungen von Frances Gray, die 1907 beginnen und bis in den 2. Weltkrieg reichen. Damit werden die Teile der Geschichte behandelt, die in diesem Jahrhundert am interessantesten waren. Besonderes Augenmerk wird hier auf die Suffragetten Bewegung gelegt. Über die habe ich schon in einem Roman von Katherinne Webb gelesen und auch da kamen die Methoden der Zwangsernährung im Holloway Gefängnis vor. Bei Charlotte Link wird alles allerdings noch schonungsloser beschrieben. Man lernt eine junge, störrische Frances kennen, die ihren großen Bruder vergöttert und ihre kleine Schwester verachtet, weil diese ihrer Meinung nach so hübsch wie stumpfsinnig ist und dafür von allen geliebt wird. Frances dagegen, muss um Anerkennung viel mehr kämpfen. Mit John Leigh haben wir das Love Interest des Romans und zwar gleich mehrerer Frauen, im Laufe der Jahrzehnte. Seine einzig wahre Liebe bleibt aber immer Frances und das ist eine wirklich schöne, tragische, aber keineswegs sentimentale Liebesgeschichte. Bei einem Liebesbekenntnis sind mir sogar fast die Tränen gekommen, weil es einfach so romantisch war, ohne dabei schmalzig zu sein. Obwohl die unkonventionelle Liebesgeschichte eine zentrale Rolle spielt, ist es kein Liebesroman. Protagonistin Barbara liest, genau wie wir, die Lebensgeschichte von Frances Gray, die schon als junges Mädchen lernen muss, wie hart das Leben ist, das es nie wieder unbeschwert sein wird und das man einfach das Beste aus jeder Situation machen muss. Ich mochte den Charakter sehr, obwohl er oft auch kalt und hasserfüllt wirkte. Ich konnte ihre Gefühle verstehen und fand es bewundernswert, wie sie aus jeder Situation gestärkt hervor ging. Denn egal wie schlimm alles ist, es muss irgendwie weitergehen. Die Figur John Leigh war oft ein Idiot und man fragt sich, warum er dieses und jenes tut, wo er doch Frances liebt. Eigentlich eine Figur, der man permanent eine schmieren will, aber weil Frances so souverän mit all dem umgeht, tut man das als Leser auch und arrangiert sich damit. Alle anderen Figuren in der Vergangenheit sind ebenso gut gelungen, alle sehr verschieden und einzigartig, aber es würde den Rahmen sprengen, jetzt alle abzuarbeiten. Schade fand ich nur, dass wir einige Passagen nicht zu lesen und von Barbara nur zusammengefasst bekamen, was von dem bis dem Jahr passiert ist. Aber dann wäre das Buch wohl zu lang geraten. So bekommen wir ein etwas unwürdigen Abschluss von Frances‘ Memoiren zu lesen. Ich für meinen Teil, hätte ja gerne noch ein paar Auszüge aus Frances‘ Leben nach Tag X gehabt.
Mit dem Ende der Memoiren ist das Buch aber noch nicht zu Ende, denn wir haben ja noch die Handlung in der Gegenwart. Frau Link dachte wohl, alles was dem Roman jetzt noch fehlt, ist ein ordentlicher Schuss Erotik und Action. Und das ging ja so was von in die Hose. Absolut bescheuert und überflüssig. Anstatt das Ehepaar eine abschließende Entscheidung bezüglich der Ehe (ich wäre für Trennung gewesen) treffen zu lassen, baut man hier noch eine Verbindung zu den Nachkommen der Personen aus der Vergangenheit auf. Barbara fängt an völlig kopflos zu handeln und sorry, dafür kann nicht mal die Leidenschaft entschuldigen. Auch die Dialoge fangen hier an unterirdisch zu werden und es tut fast weh, weiterzulesen, weil mit jedem Satz mehr zunichte gemacht wird. Ich verstehe einfach nicht, warum man es hier nicht bei einem seichten leichten Ende belassen hat, nach dem die Memoiren ja einen Abschluss hatten, der dramatisch genug war. Naja, am Ende siegt das Gute, so viel sei gesagt.
Auch wenn mich das Ende Ende maßlos enttäuscht hat, schließe ich nicht aus, das Buch noch einmal zu lesen. Frances‘ Geschichte war einfach so unterhaltsam und ereignisreich. Mal eine untypische Buchheldin und das hat mir sehr gefallen. Ich kann euch das Buch empfehlen, vor dem blöden Schluss seid ihr ja jetzt gewarnt und vielleicht finden einige auch Gefallen daran.

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119 Bibliotheken, 2 Leser, 2 Gruppen, 31 Rezensionen

italien, apulien, liebe, aufstände, clare

Italienische Nächte

Katherine Webb ,
Fester Einband: 544 Seiten
Erschienen bei Diana, 31.08.2015
ISBN 9783453291737
Genre: Historische Romane

Rezension:

Ich muss zugeben, ich hatte Startschwierigkeiten mit dem Buch. Ich hatte eben einen typischen Katherine Webb Roman erwartet und fand es zunächst etwas eintönig, dass das gesamte Buch in nur einer Zeitebene spielt. Aber immerhin sind es die zwanziger, ein Jahrzehnt das ich mag. Vom Stil und dem typischen Lebensgefühl hat man hier aber herzlich wenig gespürt, denn immerhin befinden wir uns im Roman nicht in einer florierenden Stadt, sondern in der harten Einöde Italiens, wo absolut kein Glamour herrscht. Da hat das Buch angefangen mich positiv zu überraschen. Alles andere als eine seichte Liebesgeschichte. Wir beginnen mit Ettore, der mitsamt Vater, Schwester und Neffe ein ärmliches Leben führt. Tagtäglich nichts als harte Arbeit für einen Hungerlohn, sowie der Hohn und Spott der Arbeitsaufseher. Hinzu kommt sein trauriges Schicksal, denn er hat auf grausame Weise seine Geliebte verloren und sinnt nun auf Rache. Trotzdem kommt sein Part immer wenig kampfbereit und mehr verbittert, traurig und wütend rüber. Nur selten mal eine warme Gefühlsregung und das passt ja auch zu seinem Leben.
Clare fand ich genauso trüb und blass, wie sie auch im Buch beschrieben wird. Jemand der immer einknickt, der immer das tut, was man von ihm erwartet. Es dauert eine Weile, bis sie sich davon lossagt, das geschieht dann aber so schnell, das ich kaum hinterherkam und ich ihre Gefühle kaum nachvollziehen konnte. Und hier beginnt die Geschichte zu kippen.
Zunächst muss ich aber mal loben, das sich die Autorin so intensiv mit der Geschichte Italiens zu jener Zeit auseinander gesetzt hat. Es tut der Story gut, das so ein ernstes Thema aufgegriffen wird, schonungslos und grausam. Das verleiht Qualität und verscheucht die Vorstellung einer laschen Romanze. Ich war schockiert, aber auch begeistert, das man den Roman damit so eine Tiefe verleiht, sodass ich gar keine Angst mehr vor einer Liebesgeschichte ala Rosamunde Pilcher hatte.
Und dann vermasselt sie es.
Die Beziehung zwischen Clare und Ettore nähert sich extrem langsam und distanziert an. Und dann reicht ein plötzlicher Hagelschauer aus, um die beiden von ihrer Leidenschaft übermannen zu lassen. Ganz plötzlich, und damit meine ich wirklich ganz plötzlich, ist es die große Liebe. Wobei man es Ettore aber die ganze Zeit nicht wirklich abkaufen mag. Das wirkt eher so: Okay, dann bin ich eben verliebt. Außerdem hat man das Gefühl, den beiden geht es nur um Sex. Verständlich, sie hatte mit ihrem merkwürdigen Ehemann nie wirklich Spaß und er sucht zu in so harten Zeiten Trost in einer sanften, lieben Frau. Trotzdem leidet meiner Meinung da die emotionale Ebene drunter. Wirklich jedes mal wenn sich die beiden im Buch getroffen haben, wurde erwähnt, das sie erstmal miteinander schlafen. Viel geredet wurde auch nicht, abgesehen von den urplötzlichen Liebesbekenntnissen. Ich fand die ganze angeblich so große Liebesgeschichte total unglaubwürdig und oberflächlich. Natürlich war es eine schöne Idee eine gefrustete, gut betuchte Ehefrau und einen armen, gebeutelten Arbeiter sich ineinander verlieben zu lassen. Aber die Umsetzung war stümperhaft.
Wenigstens hat das Ende ein bisschen was rausgerissen, denn das war überraschenderweise….sehr überraschend. Hier hat sie die Autorin einen netten Twist einfallen lassen, mit dem man zu diesem Zeitpunkt gar nicht mehr rechnet. Denn da war ja noch das Geheimnis um die Verbindung zwischen Leandro und Boyd. Auch wenn mir der Überraschungseffekt gefallen hat, wirkte das alles so plump. Und dann war es vor allem zu viel. Die Ereignisse am Ende überschlagen sich, man hat kaum die eine Sache verarbeitet, da kommt auch schon der nächste Hammer. Zack, zack, zack, fertig! Gerade so, als wolle die Autorin schnell fertig werden oder hätte vergessen, das sie den einen Handlungsstrang ja auch noch zu Ende führen muss. Ich schreibe selber ab und zu und weiß, das man dazu neigt, gewisse Handlungsübergange lieblos dahin zuschreiben, um zum nächsten Punkt zu kommen, über den man viel lieber schreiben will. Und genauso wirkt es auch hier, ein wenig unprofessionell und vor allem unsensibel, im Anbetracht der Ereignisse. Na immerhin gab es kein verkitschtes Ende, obwohl man sich das eine Opfer echt hätte sparen können.
Ich finde es wirklich schade, das die Story an manchen Stellen so nachgelassen hat und die Beziehungen zwischen den Personen nicht besser aufgebaut wurde. Die Beziehung zwischen den Freunden Ettore und Pino fand ich sehr glaubwürdig, ebenso die zwischen Clare und Phillip. Warum man das ausgerechnet bei Clare und Ettore nicht hinbekommen hat, ist mir ein Rätsel.
Es ist eigentlich eine wirklich gute und herzzerreißende Geschichte. Dumm nur, dass das bei Clare und Ettore nicht der Fall war, ich fand andere Geschehnisse viel bewegender.
Trotzdem finde ich, dass das Buch seine 4 Sterne verdient hat. Lasst euch nicht gleich von dem überromantischen Eindruck des Covers und des Klappentextes täuschen. Denn auch wenn später eine Liebesgeschichte hinzukommt, die zumindest mich nicht begeistern konnte, hat das Buch mehr zu bieten als man denkt.


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1.162 Bibliotheken, 11 Leser, 3 Gruppen, 65 Rezensionen

australien, cornwall, liebe, england, familie

Der verborgene Garten

Kate Morton , Charlotte Breuer , Norbert Möllemann
Flexibler Einband: 640 Seiten
Erschienen bei Diana, 06.04.2010
ISBN 9783453354760
Genre: Romane

Rezension:


Ich bin fertig mit lesen und fühle mich….traurig. Ja, bei den meisten Bücher von Kate Morton schwingt eine gewisse Melancholie mit, aber bei keinem ist es so schlimm, wie bei „Der verborgene Garten“. Ich lüge nicht, wenn ich schreibe, das nahezu alle Charaktere ein schlimmes Schicksal ereilt. Es ist einfach unfassbar traurig, auch wenn einige Personen wohl zurecht ihre Strafe bekommen haben. In einem Buch hat man auch immer seinen Helden, für den man sich ein möglichst glückliches Ende wünscht. Ich will nicht zu viel verraten, auch wenn ihr euch wirklich keine Hoffnungen auf große Happy Ends machen müsst, aber meine Heldin hatte kein besonders schönes Ende. Ja, irgendwie schön beschrieben war es schon, aber keineswegs das, was sie verdient hätte. Das lässt einen recht verzweifelt, leer und traurig zurück und da konnte auch das rasch daher geschriebene Happy End, wenn man es so nennen möchte, unserer Protagonistin Cassandra in der Gegenwart nichts ändern. Die hat am Schluss zwar mit Mühe und Not alle Rätsel lösen können, trotzdem hat mich dieses fast überschwänglich symbolträchtige Ende kaum trösten können. Für einen Roman, den man so auf Märchen fokussiert hat, hätte man ruhig etwas mehr von dem Ende einer Cinderella mit einbringen können, auch wenn ich weiß Gott keine von der Sorte bin, die sofort rumheult, wenn mal nicht alle ihr verdientes (gutes) Ende bekommen. Die Märchen sind wiederum ein dicker Pluspunkt.

Ich bin ja eine richtige Märchentante. Ich liebe Märchen und ihre Abwandlungen in Romanen. Ich habe sogar selber mal eines geschrieben. Vielleicht sogar aus dem Grund, weil mich dieser Roman dazu ermutigt hat. Märchen spielen in „Der verborgene Garten“ eine wichtige Rolle. Die Märchen von Eliza Makepeace sind allesamt von Kate Morton ausgedacht wurden, auch wenn man in jedem ein bisschen Schneewittchen oder ein wenig Aschenputtel wiederfindet. Die Märchen sind trotzdem etwas besonderes und immer mit dem richtigen Schuss Grausamkeit. Sie sind voll von Allegorien, die man schnell erkennt, was ein rundes Bild im Roman abgibt. Selbst die ganze Geschichte hat etwas von einem Märchen, wenn auch immer nur zart angedeutet und das hat völlig gereicht. Ein Fluch, ein bisschen Spuk oder auch eigenartige Träume, die die Personen in Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbinden, fast wie eine kleine Zeitreise. Und das alles so, das man es auch abkauft, denn ein bisschen Magie findet sich doch auch in unserer Welt :).

Wer sich nun noch fragt „Moment, der Titel kommt mir aber bekannt vor...“, wird sich vermutlich an „Der geheime Garten von Frances Hodgson Burnett erinnert fühlen und das auch während des lesens, denn ich glaube die gute Kate Morton hat sich da ordentlich Mrs. Burnetts Version bedient. Ich kenne nur den Film, den ich übrigens sehr mag, habe aber trotzdem allerhand Parallelen feststellen können. Die störrische, wilde Cousine, die nach dem Tod der Eltern auf das düstere Anwesen ihres Onkels gebracht wird, wo sie ihre kränkliche Cousine (Cousin) kennenlernt, die das Haus nicht verlässt. Ein von der wilden Cousine entdeckter, verwilderter Garten, der einst ihrer Mutter (Tante) gehörte, wird wieder auf Vordermann gebracht, um der kränklichen Cousine Trost zu spenden. Und auch Elizas unheimlicher Onkel Linus, der eine abnormale Zuneigung zu seiner Schwester empfand und über deren Verschwinden er nie hinweg kam, erinnert sehr an dem Onkel aus „Der geheime Garten“, der allerdings über den Verlust seiner Frau nicht hinweg kommt. In diesen Punkten gleichen sich die Geschichten sehr, trotzdem gibt es immer noch genug eigene Ideen, die „Der verborgene Garten“ zu einer wunderschönen Geschichte macht. Von diesem Buch wurde, so kommt es mir vor, allerdings auch geklaut. Denn in Diane Setterfields „Die 13. Geschichte“ finden sich auch einiges aus „Der verborgene Garten“ wieder (Bruder verliebt in die Schwester, beide rothaarig, Schwester verlässt Bruder, Zwillinge….). Aber das ist ja alles halb so schlimm, denn wer Gefallen an einem der Bücher findet, dem werden zweifellos auch die anderen gefallen.
Trotz der nicht ganz neuen Idee, trotz all der Melancholie, ist „Der verborgene Garten“ eines meiner Lieblingsbücher. Eben weil die Geschichte wie ein, wenn auch furchtbar trauriges Märchen ist. Es gibt vergleichsweise viele Charaktere, deren Verhalten man nicht immer nachvollziehen kann, sie deswegen aber umso einzigartiger macht. Eliza habe ich sehr ins Herz geschlossen. Jemand den man gern als Freundin hätte, wohl aber nie als Freundin verdienen würde. Auch die Epoche rund ums 1900 hat es mir angetan, ich lese immer wieder gern Romane die in dieser Zeit spielen.
Dem einen oder anderen, mag der Roman ein bisschen in die Länge gezogen erscheinen und das stimmt auch. Aber wenn man die Geschichte mag und spannend findet, wie ich, kann es einem gar nicht genug in die Länge gezogen werden.
„Der verbogene Garten“ wird erst einmal wieder ins Regal gestellt, bis ich mich von all den Schicksalsschlägen erholt habe. Zweifellos werde ich ihn aber irgendwann wieder herausziehen und mich erneut den Abenteuern und Märchen von Eliza Makepeace hingeben.

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521 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 47 Rezensionen

england, geheimnis, familie, liebe, vergangenheit

Das geheime Vermächtnis

Katherine Webb , Katharina Volk
Flexibler Einband: 542 Seiten
Erschienen bei Diana, 08.08.2011
ISBN 9783453355460
Genre: Romane

Rezension:

„Das geheime Vermächtnis“ ist eines der Bücher, nach denen ich nicht als erstes greife, wenn ich nach neuer Lektüre suche. Und jedes mal, wenn ich es dann doch getan habe, bin ich froh darüber, denn die Story ist so spannend, das man fast gar nicht aufhören kann es zu lesen und das trifft sowohl den Part in der Gegenwart, als auch den in der Vergangenheit. Manchmal ist es ja so, das man eine Zeit weniger spannend findet, aber hier sind einfach beide Erzählstränge sehr stark und fesselnd.

Der Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts ist für mich immer eine Zeit, von der ich gern lese oder mir Filme anschaue. Für Frauen eine strenge und spießige Zeit, aber rein optisch so süß und fein und voller Spitze. Ich lasse mich gerne in diese Zeit zurück versetzen und mit Caroline war es besonders einfach. Obwohl sie aus einer völlig anderen, lange zurückliegenden Zeit stammt, konnte ich ihre Gefühle sehr gut nachvollziehen. Die guten, wie die schlechten. Ein sehr sensibler, ängstlicher, aber stets bemühter Charakter. Caroline macht während der ganzen Geschichte eine Wandlung durch, die, wenn man zurück auf die Caroline von 1902 blickt, erschreckend ist. Aber immer, wenn ich schockiert von ihrem Verhalten war, habe ich an all die Dinge gedacht, die ihr zugestoßen sind und hatte ein wenig mehr Verständnis, auch wenn es dennoch schrecklich von ihr war.

In der Gegenwart bekommt man es mit zwei sehr unterschiedlichen Schwestern zu tun. Die eine fröhlich und energiegeladen, die andere in sich gekehrt und depressiv. Ich konnte mich mit beiden nicht wirklich identifizieren, trotzdem mochte ich sie. Auch wenn den beiden Attribute zugeteilt wurden, viel es mir schwer, mir ein genaues Bild zum Äußeren zu machen. Das hätte man vielleicht ein kleines bisschen mehr ausschmücken können.

Was die Ausschmückung betrifft, hat man sich aber bei der Umgebung allergrößte Mühe gegeben. Egal ob wir nur im wilden Amerika oder im launischen England waren, ist habe mich immer so gut dorthin versetzen können, das es mir beinahe vorkam, als würde ich tatsächlich über winterlich matschige Wiesen laufen oder den Sand aus dem hölzernen Haus kehren. Das war wirklich verrückt. Viele Bücher schaffen es, einen in eine andere Welt zu ziehen, aber hier ist es der Autorin wirklich extrem gut gelungen. Sogar so sehr, das ich mir den kalten, kargen Winter ohne Schnee herbei sehne. Ja, ich bin kein Sommermensch…

In dem Roman gibt es zwei große Geheimnisse zu lüften. Das Geheimnis in der Vergangenheit, ist gleichzeitig mit der Gegenwart verbunden, während das Geheimnis der Gegenwart, also Henry, für sich steht. Beide Geheimnisse werden gelüftet und das auch sehr zufriedenstellend. Während das Geheimnis um Caroline und das Baby lässt sich im späteren Verlauf schon erahnen und kommt dann nicht mehr ganz so überraschend und die fragen aufwerfenden Lücken werden ebenfalls gefüllt.

Die Auflösung um das Geheimnis um Henry wiederum, lässt auf sich warten und ist ziemlich ziemlich gut gelungen. Selten war ich bei einer Auflösung so baff wie hier. Würde mich schon sehr wundern, wenn irgendwer vorher drauf gekommen ist.

Natürlich darf auch die Romantik nicht zu kurz kommen und die ist, wie man es von Katherine Webb gewohnt ist, nie zu kitschig oder übertrieben. Die Geschichte um Caroline ist sehr von der Liebe zu Corin geprägt und leidenschaftlicher, als man es von Leuten aus dieser Zeit gewohnt ist.

Aber auch die Gegenwart bekommt zum Schluss einen Schuss Liebe, der, ganz ehrlich, nicht unbedingt hätte sein müssen und etwas gezwungen wirkt, aber der Story auch nicht geschadet hat.

Nach „Das verborgene Lied“ ist „Das geheime Vermächtnis“ mein zweitliebster Roman von Katherine Webb. Er ist spannend, einfühlsam und überraschend. Nur die Beschreibungen hätten an einigen Stellen ausschmückender sein können, aber es war ja auch ihr erster Roman und daher will ich da mal nicht so arg kritisch sein. Deswegen bekommt „Das geheime Vermächtnis“ 5 von 5 Sternen von mir. Ein Buch das man immer wieder lesen kann und das ich auch bestimmt nicht zum letzten mal gelesen habe :).

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65 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

1939, ausgegrenzt, verzehrende liebe, unbekannte bilder eines großen künstlers, berühmter maler

Das verborgene Lied

Katherine Webb
E-Buch Text: 576 Seiten
Erschienen bei Diana Verlag, 14.10.2013
ISBN 9783641112936
Genre: Historische Romane

Rezension:

Ich liebe diesen Roman, er ist der bisher beste von Katherine Webb. Besonders die ausschmückende Erzählweise hat mir gut gefallen. Nicht nur die Personen werden so gut beschrieben, das man ein genaues Bild von ihnen vor Augen hat, auch die Bilder von Charles Aubrey erhalten eine so detaillierte Beschreibung, das man sie sich perfekt vorstellen kann und beinahe enttäuscht ist, das sie nicht wirklich existieren. Denn egal wie gut etwas beschrieben ist, am Ende möchte man ja doch am liebsten ein exaktes Abbild davon irgendwo sehen. Bei so etwas habe ich dann immer die Hoffnung, das die Bücher mal verfilmt werden.
Die Handlungsorte fand ich auch sehr gut beschrieben. Für Dorset hatte man ja das Cover und den Inneneinband als Inspiration, aber von der marokkanischen Stadt Fes hatte ich bis dahin keine Vorstellung. Umso überraschter war ich dann, als ich Fes nachdem ich das Buch beendet hatte, gegoogelt habe und auf den Bildern genau das sah, was ich mir vorgestellt hatte. So gut ist es der Autorin gelungen, diese Stadt zu beschreiben.Im Fokus dieses Roman stehen die beiden Erzähler Dimity und Zach, während sich Dimity's Sicht einmal in den 1930ern, als sie ein junges Mädchen war, und einmal in der Gegenwart, als alte Frau, abspielt.
Neben Dimity's ereignisreicher Vergangenheit, wirkt Zach fast schon ein bisschen blass. Dimity's Geschichte ist der Hammer. Man kann sich gut in das arme, ungeliebte Mädchen hineinversetzen und sich gut vorstellen, wie schmerzhaft es sein muss, nach einem gemeinsamen Sommer mit der herzlichen Familie Aubrey wieder allein gelassen zu werden. Man versteht ihre Gefühle, ihren Groll, ihre Enttäuschung bis zu einem Gewissen Punkt sehr gut. Erst laden diese lieben Menschen einen dazu ein, eine schöne Zeit miteinander zu verbringen, man gewöhnt sich daran und dann reisen sie wieder ab, um ihr mondänes Leben woanders fortzuführen und man stürzt in ein klaffendes Loch aus Einsamkeit und Eifersucht. Die Aubreys hatten es nur gut gemeint, trotzdem konnte ich Dimity gut verstehen, denn es ist immer schwer, sich wieder an sein altes Leben zu gewöhnen, wenn man die Sonnenseite kennen gerlent hat. Später, als ihre Liebe zu Charles dann sehr bedenkliche Züge annimmt und mehr als nur eine Schwärmerei daraus wird, da beginnt man Dimity immer weniger zu verstehen. Die Situation gerät außer Kontrolle und man möchte sie am liebsten nehmen und schütteln. Aber so ist die Lieber, oder? Sie macht einen blind. Und so begeht Dimity einen schweren Fehler nach dem nächsten. Aber nicht nur Dimity hat ihre schlechten Seiten und ich finde gut, das man sie dadurch nicht zum einzigen Sündenbock macht. Ihre Mutter Valentina, wird als durch und durch harte, unbarmherzige Frau dargestellt, sie Schuld an Dimity's unbändigen Wunsch nach Liebe trägt. Der erst so herzlichen und fürsorglichen Celeste wird später ihr Stolz und ihre Eifersucht zum Verhängnis. Charles ist so egoistisch auf seine Kunst bezogen, das er nicht wahrnimmt, wie er mit den Gefühlen der Menschen in seiner Umgebung Spielchen treibt. Und Elodie, naja, die ist eigentlich die ganze Zeit ein kleines boshaftes Miststück. Einzig Delphine, das ist einzige in der ganzen Geschichte, die nichts falsch macht und die am Ende so sehr für die Fehler der anderen büßen muss.
Apropos, die Namen in diesem Buch finde ich ja super schön.
In der Gegenwart haben wir es mit einer ängstlichen, reumütigen und leicht verrückt wirkenden Dimity zu tun. Zach kommt die meiste Zeit über als wirklich netter Typ rüber, der versucht, aus seiner Situation das Beste zu machen. Aber mit Hannah hatte ich so meine Probleme. Die stellt man sich rau, abweisend und unordentlich vor. Keine Sympathieträgerin, auch wenn es zum Schluss besser wird.

So viel zu den Charakteren.
Die Geschichte insgesamt betrachtet, steckt voller Geheimnisse, die erfreulicherweise auch alle aufgelöst werden. Hier hat sich Katherine Webb ein paar sehr nette Kniffe und Verbindungen einfallen lassen, mit denen man gar nicht rechnet und einen nach der Überraschung noch einmal überrascht. Auch wenn ich bei solchen Büchern eigentlich ganz geübt bin und schnell hinter die Geheimnisse komme, wollte mir das hier nicht gelingen und dafür ein großes Lob, denn das macht ein gutes Buch auch mit aus.
Wie das bei solchen Büchern üblich ist, schwingt immer ein bisschen Melancholie mit. Man trauert mit den Protagonisten und ist man dann fertig mit lesen, fühlt man sich irgendwie verloren. Ein Happy End gibt es trotzdem, auch wenn das ein bisschen unerwartet kitschig wirkt. Das Ende ist ein bisschen offen, es gibt auch keinen Epilog, was ich etwas schade finde, denn ein kleiner Blick in die Zukunft hätte mir gefallen.
Zum Schluss noch was zum Titel, der ja sowohl im englischen, als auch im deutschen nahezu dieselbe Bedeutung hat. Ab und zu gibt es zwar mal ein gesummtes Liedchen, aber das war jetzt nicht wirklich verborgen oder vergessen und außerdem würde dem niemand eine solche Bedeutung beimessen, das es den Buchtitel würdig ist. Da hätte man bestimmt noch einen schöneren und passenderen Titel finden können.

Wer Geschichten mag, die die Vergangenheit wieder aufleben lassen und geschickt mit der Gegenwart verwoben sind, für den ist „Das verborgene Lied“ genau richtig. Der Roman ist sehr klug geschrieben und man kann wunderbar in eine andere Welt eintauchen.
Ein Buch, das ich immer wieder lesen kann. Da muss ich mir echt kein neues holen :).

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46 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

geister, schottland, ein schottischer sommer, mystery, maryla krüger

Ein schottischer Sommer: Roman

Maryla Krüger
E-Buch Text: 298 Seiten
Erschienen bei dotbooks Verlag, 25.06.2013
ISBN B00DRBBEHM
Genre: Romane

Rezension:

Ähm, sollte es nicht eigentlich um Geister gehen? Das fragt man sich, wenn man sich den weiteren Verlauf der Inhaltsangabe und die Leseprobe durchliest und das habe ich mich auch immer wieder während des lesens gefragt. Dabei fängt es doch eigentlich ganz gut an. Zunächst sind wir am Ort des Geschehens der mysteriösen Vorkommnisse, was für einen kleinen Spannungsaufbau sorgt. Dann geht es rasch zur Erzählperson weiter. Johanna ist eine Frau, bei der im Leben nicht alles glatt läuft. Privat und beruflich steht sie nicht da, wo sie gern stehen würde und zieht ihre bisherigen Entscheidungen im Leben in Frage. So wird eine persönliche Ebene zur Hauptperson geschaffen, die einem dadurch gleich sympathischer wird. Auch ihre Erzählweise ist amüsant, sodass man seinen Spaß beim lesen hat.
Die Vorkommnisse im Spukschloss werden nüchtern und ohne große Klischees behandelt. Also auch kein stumpfer Roman über Geister, super.
Dann kommt der Märchenprinz ins Spiel und es geht den Bach hinunter mit der Story. Zwischendurch werden zwar mal ein paar gruselig anmutende Szenen mit eingefügt, das täuscht aber nicht darüber hinweg, das die Geister nur ein Vorwand waren, um die seichte Liebesgeschichte voranzutreiben. Das ganze ist so kitschig, so kindisch und naiv erzählt, das es mir beinahe hochgekommen ist. Sorry, ich bin jetzt keine Anti Romantikerin, aber ich hasse einfach diese schmierigen Romanzen, die man aus Omas Heimat Schmökern aus dem Nachtschrank kennt. Schmierige Romanzen sind okay, aber NUR für Omas Heimat Schmöker!
Unsere gute Johanna lässt sich nur allzu schnell entmutigen, als das französische Gift in Form der Ex die Szenerie betritt und stürzt sich Hals über Kopf in eine stürmische Affäre mit dem exhibitionistischen Bruder des Angebeteten. Darauf folgen eine Reihe von erotischen Abenteuern die einen räuspernd die nächste Seite umblättern lassen. Sex gehört ja eigentlich in fast jeden Roman und ich habe auch absolut kein Problem damit, wenn es gut geschrieben ist. Wenn eine solche Szene allerdings so anfängt, das ein nackter Mann mit schlagenden Argument aus dem See empor steigt und die Erzählperson urplötzlich von traurig zu hormongesteuerter Geilheit wechselt und mit einem gerade noch Unbekannten in die Kiste hüpft, ist das schon unfreiwillig komisch. Das hatte immerhin das Gute, das ich herzhaft lachen musste. Somit kommt auch der Humor nichts zu kurz, auch wenn diese Szenen bestimmt nicht dazu gedacht waren.
Diese ganze Dreiecksgeschichte nervt unglaublich. So etwas hat man schon 1000 mal genauso gelesen oder gesehen und zwar besser. Das zum Hauptthema des Romans zu machen: Ein riesiger Fehler! Eine Geschichte mit Potenzial total versaut, im wahrsten Sinne des Wortes. Zwischendrin flammt zwar mal die Hoffnung auf, das wir uns wieder auf eine niveauvolle Ebene begeben, aber dann kommt schon wieder einer temperamentvollen Brüder um die Ecke und das Hirn ist weg.
Immerhin darf man sich auf ein Ende freuen, mit dem alle Beteiligten zufrieden sein dürften. Oh, die Geistergeschichte wird nebenbei auch noch aufgelöst, allerdings sehr wissenschaftlich, plausibel und absolut nicht mysteriös. Und sowas von langweilig. Ich liebe Geistergeschichten eben weil sie mysteriös und unerklärlich sind und nicht dafür, das sie restlos aufgeklärt werden alá „Alles hat eine natürliche Erklärung!“. Aber wie gesagt, am Ende waren die Geister nur ein Vorwand, um die Romanze in Schwung zu bringen.
Nach meinen ganzen Kritikpunkten, könnte man eigentlich nur einen Stern erwarten. Ich vergebe aber großzügige drei Sterne und das hat mehrere Gründe. Ja, die Story ist um Grunde genommen Grütze, auch wenn sie einige gute Ansätze hat. Aber es ist auch ein guter Schmöker, den man ganz gedankenverloren zwischendurch lesen kann. Sei es im Urlaub am Strand während man sich sonnt, oder in der Bahn/ Bus. Kurz: Zum überbrücken langweiligen Momente.
Außerdem sind 299 Seiten ja wirklich keine Hürde und ich habe das Buch auch schnell fertig gelesen. Und das sogar ohne große Pausen. Vielleicht, weil ich mit jeder Seite die Hoffnung hatte, die Geschichte möge noch einen Aufschwung erleben. Pustekuchen.
Für alle Fans romantischer Geschichten sicher eine tolle Buchempfehlung. Für alle anderen, die auf Bücher mit mehr Biss und mehr Kniffen stehen, ein kleiner Albtraum.
Für 1 € kann man es aber wirklich lesen. Für 4,99 € eher nicht. Also geht alle mal bei Kik oder Tedi stöbern. Wenn es nicht „Ein schottischer Sommer“ wird, dann vielleicht ein anderes Buch zum kleinen Preis.

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593 Bibliotheken, 4 Leser, 4 Gruppen, 22 Rezensionen

liebe, koma, geist, unfall, marc levy

Solange du da bist

Marc Levy , Amelie Thoma
Flexibler Einband: 282 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 16.05.2011
ISBN 9783442377336
Genre: Liebesromane

Rezension:


Eigentlich hatte ich keine große Lust auf das Buch, weil ich von vorneherein wusste, das es so ein Schmachtfetzen sein wird. Deswegen war ich zunächst auch überrascht, als die Story schön locker und lustig anfing. Die Szenen, in denen sich Lauren und Arthur kennenlernen, wirken zwar etwas dämlich, aber sind durchaus amüsant geschrieben. Angenommen wir würden in unserer Wohnung eine Person vorfinden, die behauptet ein Geist zu sein, wir würden ähnlich reagieren.
Die Beziehung zwischen Lauren und Arthur ist anfangs ziemlich kühl und baut sich dann langsam auf. Und dann, ganz plötzlich, so ab Mitte des Buches, ist es die ganz große Liebe. Als hätten die Gefühle einen riiieeesen Schritt gemacht. Gerade noch wurde ein bisschen rumgezickt und geschmollt und im nächsten Moment überwerfen sich die beiden mit Liebesschwüren und doch recht albernen Neckereien. Und da fing mich das Buch an zu nerven. Schade.
Auch wenn das Buch so ein großer Erfolg war, wundert es mich die meiste Zeit doch sehr. Gut, es ist der erste Roman des Autors, aber die Dialoge hätten auch genauso gut von einem durchschnittlichen Hobby Autoren sein können. Da sieht man mal, das es vor allem auf Glück ankommt, auch wenn man ein Buch veröffentlicht. Trotz des eher schwachen Aufbaus, enthält das Buch auch einige sehr sehr schön geschriebene Abschnitte. Einer davon ist die kleine Reise in Arthurs Vergangenheit, die so malerisch beschrieben ist, das ich anstelle des Autoren lieber darüber einen Roman geschrieben hätte. Auch zum Ende hin gibt es einige Textstellen, die wahnsinnig schön formuliert sind. All das täuscht aber auch nicht darüber hinweg, das große Teile des Buches einfach nur durchschnittlich sind. Und sehen wir mal von diesen Schwächen ab, gibt es noch eine ganze Reihe an unlogischen Vorgängen. Okay, ein Geist ist sowieso nicht das logichste, aber gerade im letzten drittel des Buches, als „der Plan“ in Kraft tritt, wird es richtig bescheuert. Ohne zu viel zu verraten, aber sowas würde in echt niemals auch nur annähernd funktionieren. Und auch wenn es hier um einen Geist geht, es ist ja keine Fantasy Geschichte im herkömmlichen Sinne, da kann man schon ein bisschen bei der Wahrheit bleiben. Insgesamt war mir das am Ende einfach zu viel Kitsch. Der Autor ist zum Ende hin von 0 auf 100, weswegen das ganze, die Beziehung, die „Rettungsaktion“ viel zu überstürzt erscheint. Das habe ich jetzt schon bei einigen Büchern so erlebt, manche Autoren scheinen am Schluss die Geduld mit ihren Geschichten zu verlieren und schreiben dann ein gehastetes Ende dahin. Ich bevorzuge allerdings Geschichten, wo sorgfältig auf das Ende hingearbeitet wird. Alles andere enttäuscht mich :(.
Trotzdem ist es ja kein schlechtes Buch, es ist eben nur nicht das Beste. Für zwischendurch, im Bus, in der Bahn, im Wartezimmer, einfach immer dann, wenn man sich ansonsten zu Tode langweilen würde, ist dieses Buch eine gute Alternative. Nicht anspruchsvolles, über das man sich hinterher den Kopf zerbrechen müsste. Das Ende selbst ist ein bisschen offen. Ein Happy End, aber ein nicht ganz rundes. Fand ich zwar etwas blöd, war aber nicht schlimm.
Ich gebe „Solange du da bist“ deswegen 3 von 5 Sternen. Ein Buch das man gut und gerne lesen kann, aber eines, das kein Muss ist.

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146 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 37 Rezensionen

schmerz, thriller, serienmörder, serienkiller, rosenkiller

Schmerz

Lisa Gardner , Michael Windgassen ,
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 24.04.2015
ISBN 9783499269240
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:


Ich will ja nicht sagen, das die Bücher die ich sonst so lese total weichgespült sind und nie etwas schlimmes passiert. Aber als gleich am Anfang der Tatort sehr detailliert, sogar mit Geruch, beschrieben wurde, ist mir tatsächlich kurz übel geworden. Warum lese ich mir sowas krankes durch, dachte ich mir. Doch ich las tapfer weiter und wurde dann auch nicht all zu lange mit blutigen Details gequält. Auch wenn das Buch ein spannende Story bietet, war es nicht so, das ich es nicht mehr aus der Hand legen konnte. Anfangs habe ich nur 2 oder 3 Kapitel gelesen und dann eine pause von ein paar Tagen eingelegt, bevor ich weiter las. Vielleicht ging es mir mit den Ermittlungen zu schleppend voran, ich weiß nicht, aber mich hat es einfach nicht so gefesselt. Nach einigen Kapiteln, vielleicht ab etwa Mitte des Buches, hat man dann einen kleinen Kreis von Verdächtigen. Einige kann man bald wieder verwerfen, aber besonders zwei Personen hatte ich immer wieder auf dem Schirm und am Ende lag ich tatsächlich richtig. Ich möchte ungern spoilern, aber wie es so oft in Filmen oder Serien und eben auch in Büchern der Fall ist, ist der Mörder am Ende jemand, der immer mal wieder auftaucht, gegen Ende verschwindet und ganz am Schluss dann enttarnt wird. Und weil das hier auch so war, war ich etwas enttäuscht. Wenn man sich mit dem Genre etwas auskennt (ich nur anhand von Filmen), und der Autor nicht vom üblichen Schema abweicht, hat man einfach schon kurz vor Schluss raus, wer es ist. Für mich war die Entlarvung des Mörders nichts neues und da es noch andere gab, denen man es hätte zuschreiben können, fand ich es schade, das man nicht einen schockierenderen Weg eingeschlagen hat und der Mörder nicht jemand war, dem man es weniger zugetraut hätte.
Apropos schockierendes Ende. Das gibt es nämlich abseits von der Enttarnung des Mörders auch. Leider fand ich das too much. Viel zu dramatisch, das hat es wirklich kaputt gemacht. So gibt es lediglich für die Ermittler sowas wie ein Happy End. Ein Happy End passt vielleicht auch nicht so ganz zu dem Thriller Genre, doch nach all dem Drama, hätte ich mir einen kleinen Lichtblick echt gewünscht.
Sehen wir mal von der Identität des Mörders und dem für mich weniger gelungenen Ende ab, gab es außerdem noch ein paar Schludrigkeiten.
So wurde ausgiebig über Details der Tatorte diskutiert, auf die ich echt gerne eine Antwort gehabt hätte. Doch die bekommt man nicht, einfach unter den Tisch gekehrt. Die genauen Motive und Umstände eines weiter zurückliegenden, aber bedeutenden Mordes, wurden ebenfalls nicht weiter behandelt. Echt schade, wo man sich doch im ersten drittel des Buches ausgiebig mit dem Thema Schmerztherapie auseinander gesetzt hat. Das war zugegebenermaßen ganz interessant, aber stattdessen hätte ich mir lieber ein paar aufschlussreiche Erklärungen am Ende gewünscht. Ganz so, als wollte die Autorin husch husch fertig werden und hat dabei einige Dinge vergessen, die eigentlich noch ein paar Zeilen verdient gehabt hätten.
Dann gibt es doch bei Adeline's Parts immer einen Wechsel von Ich - Perspektive und Sie – Perspektive, die für mich am Ende überhaupt gar keinen Sinn ergab. Entweder es hatte irgendwas psychologisches zu bedeuten oder die Autorin konnte sich da nicht entscheiden.
Noch kurz zu den Charakteren: Ich bin mit nicht einem der Personen richtig warm geworden. So taten mir die Personen am Ende leid, aber ich habe nicht so „getrauert“, wie es bei anderen Büchern der Fall ist. Da bin ich manchmal noch tagelang wehmütig, aber hier konnte man nur schwer Sympathien aufbauen.

Ich habe hin und her überlegt, wie viele Sterne mir dieses Buch wert ist und habe mich letztendlich für 3 Sterne entschieden. Das Buch war spannend und hatte eine gute Story, aber mir erschien der Mörder zu einfallslos und am Ende empfand ich auch das Motiv zu oberflächlich erklärt. Dafür einen Stern Abzug. Den zweiten ziehe ich ab, weil ich das Ende zu übertrieben fand und ich glaube, da war ich auch nicht die Einzige. Es wirkte einfach ganz so, als wäre Lisa Gardner am Ende die Puste ausgegangen oder die Lust vergangen. Schade drum, die Story hatte Potenzial.
Ich bewerte auch nicht kritisch, weil ich Thriller kaum lese. Der Ausflug in das Genre hat mir überraschend gut gefallen, weil ich mir gerne Thriller ansehe. Aber so habe ich auch gemerkt, das sich das Buch nicht besonders abhebt.
Lesen kann man es trotzdem und der Preis von 10 € ist auch vollkommen in Ordnung.
Also: Kein muss, aber eine gute Lektüre für langweilige Tage :).

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