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sklaverei, amerika, usa, flucht, rassismus

Underground Railroad

Colson Whitehead , Nikolaus Stingl
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 21.08.2017
ISBN 9783446256552
Genre: Romane

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26 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

frankreich, homosexualität, schwul, gewalt, kindheit

Das Ende von Eddy

Édouard Louis , Hinrich Schmidt-Henkel
Flexibler Einband: 208 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 25.05.2016
ISBN 9783596032433
Genre: Romane

Rezension:

„Offenbar bin ich so geboren, niemand hat je die Ursachen erkundet, den Ursprung, die Herkunft jener unbekannten Kraft, die sich meiner bei der Geburt bemächtigt hatte und mich zum Gefangenen meines Körpers machte.“

Der Erzähler dieses Buches, der junge Eddy Bellegueulle, wächst in einem Dorf im Norden Frankreichs auf und merkt bald, dass sein Wesen dem dort gepflegten normativen Stereotyp von Maskulinität nicht entspricht. Stattdessen fühlt er sich zum Weiblichen hingezogen, verbringt seine Zeit lieber in der Theatergruppe der Schule statt auf dem Bolzplatz oder vor dem Fernseher. Schnell wird klar, dass Eddy anders ist und deshalb in das Gefüge des Dorfes und, was für ihn fast noch schlimmer ist, in das seiner Familie nicht hineinpasst:

„In ihrer Welt galt Männlichkeit derart unangefochten als das Größte, dass sogar meine Mutter von sich selber sagte Ich lass mir nichts gefallen, ich hab schließlich Eier in der Hose.

Eddy versucht, sich seiner Umwelt anzupassen, seine Andersartigkeit zu vertuschen und mit typisch männlichen Attributen zu überspielen. Doch ganz gleich, wie groß die Bemühungen auch sind, seine Umgebung nimmt ihn als eine Tussi wahr, als Schwuchtel und lässt ihn ihre Verachtung bei jeder passenden Gelegenheit spüren: in der Schule wird Eddy von zwei Schlägern tyrannisiert, seine Eltern und Geschwister üben permanenten Druck auf ihn aus und zwingen ihn in das von ihnen anerkannte Muster hinein.

„Ich durfte mich nicht mehr so verhalten wie bisher. Ich musste meine Gestik beim Sprechen unter Kontrolle bekommen, musste lernen, mit tieferer Stimme zu reden, und ausschließlich männertypische Freizeitbeschäftigungen nachzugehen. Mehr Fußball spielen, keine Schlagersendungen mehr sehen, andere Schallplatten hören.“

Dass er trotzdem der Außenseiter der Dorfgemeinschaft bleibt, lässt Eddy an seiner Persönlichkeit und seinem Charakter zweifeln. Jeder Versuch der Anpassung schlägt fehl, jedes Leugnen zieht neue Kränkungen und Erniedrigungen nach sich. Was bleibt, sind Fragen von existenzieller Bedeutung, deren Antworten aber die Enge des Dorfes und dessen überkommene Wertevorstellungen nicht liefern können:

„Warum war ich kein richtiger kleiner Junge, eigentlich war ich doch ein Junge? […] Ich wusste nicht, woher mein Anderssein kam, und dieses Nichtwissen kränkte mich.“

Eddy muss weg, er muss aus dem Dorf fliehen, um seiner Bestimmung näher zu kommen und seine eigene Wahrheit nicht nur zu finden, sondern sie, ohne Rücksicht nehmen zu müssen, leben zu können. Das Ende von Eddy zeigt den Kampf dieses jungen Mannes gegen die dörfliche Borniertheit, die jede Abweichung von der Norm schlichtweg ablehnt und sich ein Leben außerhalb der eingefahrenen Bahnen und Muster nicht vorstellen kann.

Ähnlichkeit besitzt dieser kurze Text mit Szilárd Borbélys Die Mittellosen. Ist der Messias schon weg? Auch hier wird das Schicksal einer Kindheit in einer dörflichen Umgebung (diesmal im Ungarn der 1960er Jahre) geschildert, die der Erzähler als ihm gegenüber feindlich und unerbittlich gesonnen wahrnimmt. Mögen sich die Beweggründe auch unterscheiden (Eddy ist homosexuell, Borbély Nachfahre von Großgrundbesitzern mit mutmaßlich jüdischen Wurzeln), so sind die Erfahrungen, die die beiden Protagonisten machen, doch von großen Überschneidungen gekennzeichnet. Auch Borbély erfährt Ausgrenzung, bittere Armut und den Hass des Dorfes, das ihn und seine Familie bei jeder sich bietenden Gelegenheit schneidet und erniedrigt. Der Wunsch, aus dieser Hölle auszubrechen, ist hier ebenso stark ausgeprägt, wie es bei Eddy Bellegueulle der Fall ist.

Ausgehend hiervon liest sich Das Ende von Eddy gegenüber den Mittellosen aber fast brav, sprachlich zurückhaltend und weniger eindringlich. Borbély reizt das Maß des Erträglichen in seinen Schilderungen weit aus, stellt das Leben im Dorf im Speziellen und auf dem Land im Allgemeinen in seiner ganzen Härte und Unerbittlichkeit dar. Sprachlich und stilistisch ist Die Mittellosen von einer anderen Tragweite, als Das Ende von Eddy.
Möglicherweise ist dieser Vergleich ungerecht, da es sich bei Borbély um einen Autor mit jahrzehntelanger Erfahrung gehandelt hat, der aus einer sehr depressiven Stimmung heraus schrieb, die ihn letztlich sogar in den Selbstmord trieb. Édouard Louis steht noch am Anfang seines Schaffens (Das Ende von Eddy ist sein Debütroman) und es ist ihm zu wünschen, dass er in kommenden Texten eben diese Zurückhaltung ablegt.

Das mediale Echo auf dieses Buch suggeriert einen Text von epochaler Bedeutung („Ein beeindruckender Roman“, FAZ; „Édouard Louis ist ein seltener Glücksfall für sich, die Sprache, die Gesellschaft, Tagesspiegel), der jedoch meiner Meinung nach an eben dieser Haltung, wenn nicht scheitert, dann doch wenigstens hinter den Erwartungen zurückbleibt.

Dieser Roman wird vielen Menschen Kraft geben, die sich in einer ähnlichen Situation wie der junge Erzähler befinden. Die Anerkennung von Andersartigkeit ist heute wahrscheinlich so weit fortgeschritten wie noch nie in der Sozialgeschichte. Das dennoch immer wieder Anfeindungen, Übergriffe und Unterdrückung stattfinden, zeigt die Notwendigkeit solcher Texte wie Das Ende von Eddy umso deutlicher. Thematisch stelle ich mich vollkommen hinter dieses Buch, stilistisch und formal-ästhetisch aber ist sicher noch Luft nach oben.

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Tags: erinnerungen, frankreich, gewalt, homosexualität, kindheit   (5)
 

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oskar werner, michael degen, werner krauß, grüner veltliner, familie

Der traurige Prinz

Michael Degen , any.way
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 22.04.2016
ISBN 9783499242052
Genre: Romane

Rezension:

Mit Oskar Werner, dem preisgekrönten, oscarnominierten und zu seiner Zeit vielgeachteten Schauspieler, kam ich zum ersten Mal durch „Fahrenheit 451“ in Berührung. Den Roman von Ray Bradbury sollte, meiner Meinung nach, jeder bibliophile Mensch einmal im Leben gelesen haben. Thematisiert wird dort der feindliche und zerstörerische Umgang mit Literatur in einer dystopischen Welt, die ob ihres aufklärerischen, kraftvollen und meinungsfördernden Charakters als Bedrohung angesehen und verbrannt wird. Der Besitz von Büchern ist strafbar, nur Fernsehen und synthetische Drogen helfen den Menschen über den Tag und machen sie zu leicht kontrollierbaren, willenlosen Geschöpfen. Feuerwehrmann Montag, in der Verfilmung von François Truffaut von Oskar Werner gespielt, zweifelt jedoch an der Richtigkeit dieses Systems und lehnt sich heldenhaft dagegen auf.
Werner ist in diesem und anderen Filmen trotz namhafter Nebendarsteller stets der Mittelpunkt der Handlung, obwohl er eher zurückhaltend, fast schüchtern spielt. Doch schafft er es, den Zuschauer mit seiner reduzierten Gestik und seinem Charisma zu begeistern.
Eben diese Begeisterung verspürt auch Michael Degen, als er nach einer Aufführung in Vaduz im Jahr 1983 von Oskar Werner eingeladen wird, mit diesem auf seiner Teixlburg den Abend zu verbringen. Der große Mime, Jahrgang 1922, hat sich mittlerweile aus dem Geschäft zurückgezogen und lebt isoliert von der Welt des Films und des Schauspiels auf seinem Anwesen in Liechtenstein. Umso überraschender kommt die Offerte für Michael Degen, der in Werner nicht weniger als ein Idol der Branche sieht:
„Diese unverwechselbare, männlich und immer noch jugendlich klingende Stimme, mit diesem leicht wienerischen Tonfall darin. Jeder einschlägige Theatergänger hätte ihn daran sofort erkannt. Ja, das konnte nur er sein. Er, den ich als mein Vorbild bezeichnet hätte – wäre ich unbescheidener gewesen.“
Wer jetzt denkt, dass die folgenden knapp 250 Seiten eine Anbetung des Genies von Werner seien und sich innerlich schon auf eine einzige Lobhudelei vorbereitet, sieht sich getäuscht. Degen zollt dem Kollegen großen Respekt, das ist in jeder Szene dieses Buches zu spüren. Doch ist er sich auch seiner eigenen Person und Fähigkeiten bewusst und betrachtet den ehemaligen Weltstar durchaus kritisch.
Untertitelt ist diese Geschichte mit „Roman einer wahren Begegnung.“ Und angesichts der Tatsache, dass das hier wiedergegebene Treffen beim Erscheinen des Buches schon dreißig Jahre zurückliegt, darf von etlichen Lücken im Gedächtnis des Erzählers ausgegangen werden, die durch fiktive Inhalte gefüllt werden. Es wird in Der traurige Prinz viel Raum gelassen für die Ansichten Werners, für Geschichten aus seiner Wiener Kindheit, in der er mehr Zeit mit seiner Großmutter als seiner Mutter verbrachte, die sein Dasein fast bedauerte und in Phasen der Depression mehrfach Selbstmord verüben wollte.
Den jungen Oskar Bschließmayer, so der bürgerliche Name Werners, zieht es schnell an das renommierte Wiener Burgtheater, wo die glanzvolle Karriere eines Schauspielers beginnt, der für sein Spiel fast nichts an Arbeit investieren muss. Michael Degen zeichnet in einer Mischung aus wörtlicher und indirekter Rede den Lebensweg Werners auf und gibt auch Auskunft über seine eigene Person; hier treffen sich Kollegen verschiedener Prägung, deren charakterliche und ideelle Gegensätzlichkeiten die Spannung innerhalb der Geschichte auf einem konstant hohen Niveau halten.
Was neben den, teils bissigen, Passagen der Rede-Gegenrede besonders hervorsticht, ist die tiefe Diskrepanz zwischen der humanistischen, freiheitlich orientierten Weltsicht Werners und seiner tiefen Verachtung für das Geschäft des Schauspielens, der Bühne und der Fiktion:
„Irgendwann fließen Phantasie, Wunschdenken und Realität ineinander, sodass man gar nicht mehr erkennen kann, was was ist. Und dieses Gemenge überantwortet man dann der Nachwelt. Scheußlich.“
Je weiter der Roman voranschreitet, desto mehr demaskiert sich das Idol Oskar Werner und entblößt dabei sein verletzliches, von Zerrissenheit und panischer Angst vor dem Alter geprägtes Inneres. Begleitet von unheimlichen Mengen von Alkohol, Zigaretten, Stimmungsschwankungen und mitunter beleidigenden Kommentaren und Fragen seinem Gast gegenüber changieren die Monologe des Altmeisters zwischen dem Lob der Vergangenheit, der Wut auf die Gegenwart und der Angst vor der Zukunft:
„Im Grunde war er noch immer der Despot, zu dem er sich im Laufe der Jahre entwickelt hatte. Er sprach zwar nach wie vor bewundernd von seinen Vorbildern, ohne aber auch nur eines von ihnen kennengelernt zu haben. Reinhardt, Barrault, Jouvet – sie waren unerreichbar, weil sie längst tot waren. Umso leichter konnte er sie anhimmeln und verklären. Sie widersprachen ihm nicht, forderten nichts von ihm.“
Degen versteht es, zwei Seiten einer Medaille aufzuzeigen und das Treffen mit Oskar Werner zu einem nicht nur für ihn unvergesslichen Moment werden zu lassen. Auch der Leser fühlt mit dem Star, ballt die Fäuste gegen das von ihm so verhasste Nazi-Regime, dem er in seiner Kindheit und Jugend zwangsweise dienen musste, begleitet ihn erst auf die Bühne des Burgtheaters, später vor die Kameras Hollywoods und schüttelt konsterniert den Kopf ob der Undankbarkeit und der nicht enden wollenden Litanei gegen seinen alten Beruf und dessen Vertreter.
Dieser Weg schließlich führt bis zum bitteren Ende, dass in der endgültigen Demontage Werners als ernstzunehmender Schauspieler auf den kleinen Bühnen der Bundesrepublik und final in einem Marburger Hotel endet, in dem Oskar Werner im Jahr 1984 tot aufgefunden wird. Obwohl der Roman schon lange hätte enden können, bringt Degen auch diese unrühmlichen, heute vergessenen Episoden dieses so einzigartigen Lebens vor das geistige Auge des Lesers und ins kollektive Gedächtnis der Kenner Oskar Werners zurück.
Vielleicht ist dieses schonungslose Ende der richtige Abschluss dieser Geschichte, in deren Mitte zwar das Treffen der beiden Schauspieler steht, die aber eine leise, respektvolle Verbeugung vor einem der Größten der Zunft darstellt. Sie hinterlässt ein Gefühl des Mitleids, der Fassungslosigkeit und gleichzeitig der Neugier, diese so facettenreiche Person näher kennenzulernen.
Der traurige Prinz ist ein Buch, dass sich wunderbar eignet, um einen Blick hinter die Kulissen der Bühnen- und Filmarbeit zu werfen. Und das darüber hinaus einen Menschen zeigt, der schließlich an der Unvereinbarkeit von Genie, Wunsch und Realität zerbrach.

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Tags: erinnerung, liechtenstein, michael degen, oskar werner, österreich, schauspielerei   (6)
 

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Nachts ist es leise in Teheran

Shida Bazyar
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 07.09.2017
ISBN 9783462050578
Genre: Romane

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Schahname

Abu´l-Qasem Ferdausi , Jürgen Ehlers , Jürgen Ehlers
Flexibler Einband
Erschienen bei Reclam, Philipp, 11.11.2016
ISBN 9783150204658
Genre: Klassiker

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politik, widerstand, frankreich, empörung, streitschrift

Empört Euch!

Stéphane Hessel , Michael Kogon
Flexibler Einband: 32 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 04.02.2011
ISBN 9783550088834
Genre: Sachbücher

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Der Revisor

Nikolaj Gogol , Bernd Poßner
Flexibler Einband: 68 Seiten
Erschienen bei epubli, 24.05.2017
ISBN 9783745040272
Genre: Gedichte und Drama

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Moskau 1937

Lion Feuchtwanger
Flexibler Einband
Erschienen bei Aufbau TB
ISBN 9783746650203
Genre: Sonstiges

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sklaverei, familie, 19. jahrhundert, rassismus, beziehung

Menschenkind

Toni Morrison , Helga Pfetsch , Thomas Piltz , Toni Morrison
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 02.01.2007
ISBN 9783499244209
Genre: Romane

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Die Jungfrau von 18 Karat

Pitigrilli
Flexibler Einband
Erschienen bei Rowohlt TB., 01.08.1995
ISBN 9783499121500
Genre: Sonstiges

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66 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 8 Rezensionen

erster weltkrieg, papenburg, afrika, deutsch-ostafrika, tanganikasee

Eine Frage der Zeit

Alex Capus
Flexibler Einband: 346 Seiten
Erschienen bei btb, 04.10.2010
ISBN 9783442741663
Genre: Romane

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24 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

amerika, bildung, arbeitslosigkeit, gesellschaftskritik, donald trump

Hillbilly-Elegie

J. D. Vance , Gregor Hens
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 07.04.2017
ISBN 9783550050084
Genre: Sachbücher

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103 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 48 Rezensionen

angola, revolution, afrika, portugal, angolanische revolution

Eine allgemeine Theorie des Vergessens

José Eduardo Agualusa , Michael Kegler
Fester Einband: 200 Seiten
Erschienen bei C.H.Beck, 21.07.2017
ISBN 9783406713408
Genre: Romane

Rezension:

"You can’t explain the present if you do not understand the past."
(José Eduardo Agualusa)

Seit einigen Jahren zeichnet sich auf dem deutschen Buchmarkt eine Entwicklung ab, die von den etablierten Literaturen wegführt und den Blick öffnet für bisher unterrepräsentierte oder kaum entwickelte Literaturen. So gelangten verstärkt Erzählungen aus der Dritten Welt nach Europa, etwa Krimis aus Jamaika oder Haiti; ebenso Romane aus Afrika oder Lateinamerika. Sie alle lassen den Leser eintauchen in eine für ihn größtenteils unbekannte Welt, die sich ihm sonst nur aus Postkartenmotiven oder Reiseberichten erschließt.
Nicht selten dienen dabei reale Ereignisse als Basis für fiktive Geschehnisse, werden Momente der Historie greifbar und aus den Augen der Protagonisten erlebbar. So auch in dem neuesten Roman Eine allgemeine Theorie des Vergessens des angolanischen Autors José Eduardo Agualusa, der jetzt bei C.H. Beck erscheint.
Die Unabhängigkeit Angolas in den 1970er Jahren dient als Ausgangspunkt für die Geschichte um Ludovica, einer Frau, die vor der Außenwelt eine panische Angst hat und jeden Kontakt zu ihr meidet. Ihre Schwester Odete und deren Mann Orlando verlassen in den Unruhen der Revolution die Hauptstadt Luanda, Ludovica bleibt allein mit ihrem Hund Fantasma in der großen Wohnung im Haus der Beneideten in einem exklusiven Teil der Stadt. Als sie bei einem versuchten Einbruch einen der Täter erschießt, löst sie sich gänzlich von der Außenwelt und mauert sich selbst in ihre Wohnung ein. Von jetzt an ist sie auf sich allein gestellt, während draußen die Revolution tobt und die Welt sich rasant wandelt. Ludo richtet sich in ihrem Kosmos ein und wird von allen vergessen, so wie sie das Vergessen sucht. Ihre Gedanken schreibt sie mit Kohle an die Wände der Wohnung, nach und nach entsteht so ein Panorama ihrer Gedanken, Hoffnungen und Ängste. Erst nach fast dreißig Jahren und durch die Bekanntschaft mit dem Dieb Sabalu dringt die Wirklichkeit in Ludos Leben ein und zeigt ihr, dass trotz des Vergessens die Geschehnisse der Vergangenheit real bleiben.
Mit diesem Roman ist Agualusa ein Text geglückt, der von Sensibilität und Liebe zu den Charakteren gekennzeichnet ist. Die Ereignisse in dieser Geschichte zeigen die Komplexität des Lebens auf; sie zeigen, wie Unterdrücker und Unterdrückte eben nicht vergessen können, wie sie in ständiger Rache und dem Wunsch nach Vergeltung leben. Sie zeigen auch, wie zerbrechlich das eigene Leben sein kann und wie schnell und brutal sich das Schicksal plötzlich derer annimmt, die es am wenigsten erwarten.
Die Handlung erschöpft sich nicht an Ludovica allein, vielmehr bietet sie eine Vielzahl von Strängen und Figuren, die aber alle auf fast zauberhafte Weise miteinander in Verbindung stehen; so erlangt eine Taube beispielsweise für gleich mehrere Figuren enorme Bedeutung, so treffen Jäger und Gejagte vor der Wohnungstür Ludos plötzlich aufeinander, so ver- und entwirren sich Beziehungen und Handlungen zu einem großen Ganzen.
Nie wird versucht, für eine der Figuren auf besondere Weise Partei zu ergreifen. Stattdessen bleibt der Ton der Erzählung immer liebevoll, aber dokumentarisch. Es geht, ganz im Sinne Aristoteles' nicht darum, zu zeigen was geschehen ist, sondern was geschehen könnte. Dem Leser obliegt es, sein eigenes Urteil zu fällen.
Agualusa wurde für diesen Text mit dem International Dublin Literary Award ausgezeichnet. In der Begründung der Jury heißt es: "Niemand ist wirklich allein in Luandas Bienenstock, und die Charaktere lassen uns eine tiefe Verbindung zur Welt spüren." Das Ausgrenzen, verbunden mit der Angst vor dem Fremden, ist ein starkes Motiv in Eine allgemeine Theorie des Vergessens. Gleichzeitig aber zeigt der Text einen Gegenentwurf auf, der seinen Ursprung in der Liebe hat: wenn sich unterschiedliche Charaktere zu einer Einheit verbinden, wenn ein ehemaliger Henker zum Fürsprecher einer unterdrückten Ethnie wird, wenn ein Selfmade-Millionär sein Geld zum Wohle der Armen einsetzt; dann dringt diese Liebe aus dem Text heraus in das Herz des Lesers.
Angolas Literatur ist in der westlichen Welt kaum bekannt. Mit einem Autor wie Agualusa aber besitzt sie einen wichtigen Vertreter, der mit diesem wunderbaren Werk die Geschichte seines Landes präsentiert und gleichzeitig einen Weg aufzeigt, die Zukunft nicht nur Afrikas produktiv und sinnvoll zu gestalten.

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Tags: angola, drama, freundschaft, gewalt, liebe, revolution   (6)
 

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23 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

überfall, familie, phoenix, chicago, kinder

Engel

Denis Johnson , Bettina Abarbanell , ,
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 01.04.2003
ISBN 9783499230547
Genre: Krimi und Thriller

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

polen, klassiker, england

Taifun

Joseph Conrad
Flexibler Einband
Erschienen bei Reclam, Philipp
ISBN 9783150087015
Genre: Klassiker

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14 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Herz der Finsternis. Joseph Conrad. (Bibliothek der Weltliteratur)

Joseph Conrad , Ernst W. Freißler
Fester Einband: 100 Seiten
Erschienen bei aionas Verlag, 10.06.2016
ISBN 9783946571148
Genre: Klassiker

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5 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

prag, liebe

Kleinseitner Geschichten

Jan Neruda , Karel Hruška
Fester Einband: 347 Seiten
Erschienen bei Vitalis, 01.06.2005
ISBN 9783899190168
Genre: Historische Romane

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19 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

imagination, brd, teenager, rote armee fraktion, erinnerungen

Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969

Frank Witzel
Flexibler Einband: 832 Seiten
Erschienen bei btb, 12.09.2016
ISBN 9783442714230
Genre: Romane

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34 Bibliotheken, 1 Leser, 4 Gruppen, 1 Rezension

homosexualität, rassismus, new york, usa, musik

Eine andere Welt

James Baldwin
Flexibler Einband
Erschienen bei Rowohlt Taschenbuch, 01.01.2002
ISBN 9783499141034
Genre: Romane

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204 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 23 Rezensionen

hamburg, fritz honka, kiez, 70er jahre, unterschicht

Der Goldene Handschuh

Heinz Strunk ,
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Rowohlt , 26.02.2016
ISBN 9783498064365
Genre: Romane

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10 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 0 Rezensionen

krimi, algier, algerien, kommissar llob, trilogie

Herbst der Chimären

Yasmina Khadra , Regina Keil-Sagawe
Flexibler Einband: 141 Seiten
Erschienen bei Unionsverlag, 11.07.2002
ISBN 9783293202405
Genre: Krimi und Thriller

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5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

abgebrochen, belletristik, inspektorat, new york, inspektorin

Die Fahrstuhlinspektorin

Colson Whitehead , Henning Ahrens
Flexibler Einband: 316 Seiten
Erschienen bei Goldmann
ISBN 9783442445035
Genre: Romane

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5 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Der Colonel

Mahmud Doulatabadi , Bahman Nirumand , Bahman Nirumand
Flexibler Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Unionsverlag, 08.07.2010
ISBN 9783293204997
Genre: Romane

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83 Bibliotheken, 7 Leser, 2 Gruppen, 1 Rezension

schriftsteller, mexiko, frauenmorde, gefängnis, 2. weltkrieg

2666

Roberto Bolaño , Christian Hansen , Roberto Bolano
Flexibler Einband: 1.200 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 09.09.2011
ISBN 9783596187843
Genre: Romane

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26 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 1 Rezension

drogen, freundschaft, schottland, heroin, alkohol

Trainspotting

Irvine Welsh , Peter Torberg
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Heyne, 14.10.2013
ISBN 9783453676602
Genre: Romane

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