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abenteuer, artusroman, heldenreise, roman d'arture

Der Sturz in den Strom

Bernd Desinger
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Droste Verlag, 07.03.2018
ISBN 9783770020423
Genre: Romane

Rezension:

Weiter gehts mit der spannenden Suche: „Der Sturz in den Strom“ ist der zweite Band einer rätsel- und märchenhaften aber auch witzigen Trilogie. Der Leser steigt mit einer Rückkehr in die Wohnung des Freundes Arthur, der im ersten Band angeblich entführt worden ist, in die Handlung ein. Die vier (vielleicht auch nun fünf – mit Sigune) Protagonisten gingen einst in die Welt hinaus, um ihn zu suchen. Dennoch lässt sich das Buch auch einzeln lesen, habe ich mir sagen lassen.

Lance, Falk, Jannifer und Eric suchten Freund Arthur, fanden ihn nicht, dafür lösten sie Rätsel, fanden eigene Wege, Karrieren, Bestimmungen, Lieben (...) inklusive Verirrungen. Nun geht es weiter. Doch Arthurs Suche gerät in den Hintergrund. Zuweilen kommen bei ihnen Zweifel auf, ob der Freund tatsächlich entführt worden ist oder ein seltsames Spiel mit ihnen treibt. Dafür „stürzt“ jeder buchstäblich in seinen eigenen Strom, siehe Titel.

Die vielen Wege, Länder und Gegenden, in die mich das Buch als Leser entführt, machen das Buch unterhaltsam und spannend. Teilweise wird so dicht und plastisch erzählt, dass ich mittendrin bin. Teilweise muss ich über Anspielungen und allzu Skurriles lachen. Zum Beispiel gerät Eric in einen Malstrom, was so plastisch beschrieben ist, dass ich das Gefühl hatte mitzukreiseln. Stürze und Verirrungen, Magisches und Märchenhaftes gibt es im Buch haufenweise, genauso wie Anspielungen an Filme und natürlich die Gattung Artusroman.

Andererseits geht der Autor durch die Sprache an anderen Stellen so sehr auf Distanz, so dass ich mit den Helden nicht besonders mitfühle. Ortbeschreibungen, Beschreibungen bestimmter Sportarten sind sehr detailliert, als ob der Autor sie selbst gesehen und erlebt hat. Hat er wohl auch meist, blickt man in seinen Lebenslauf.

Das überspannende Thema ist dieses Mal das Wasser als Element. Rückblickend denke ich, dass dies in Band 1 das Feuer war, aber ich kann mich auch täuschen. :)

Geheimnisvolle Orte und Wesen in einer ansonsten sehr realen Welt, Prüfungen, noch mehr Tiere als Wegweiser und Berater und noch mehr Liebschaften tauchen auf. Viele Entscheidungen der Helden sind unvernünftig, so dass ich als Leser mit dem Kopf schütteln möchte. „Warum nur, Lance, nimmst du das Mädchen mit?“ „Falk, lass das mit dem Doppelgänger-Sch...“, „Jannifer, wach auf!“ ...

Im Unterschied zu Band 1 wirken die Helden selbstbestimmter, aktiver. Sie suchen nicht mehr Arthus, sondern verfolgen eigene Wege, egal ob richtig oder falsch. Tiere sprechen und fungieren wieder als Ratgeber, Menschen(wesen) erscheinen den Helden, ein Doppelgänger taucht auf – oder handelt es sich um eine Person? Ein Held wacht am Mullholland Drive (David Lynch lässt grüßen) auf und blickt über das Lichtermeer von L.A. ... Die augenzwinkernden Anspielungen auf Literatur, Film u.a. so vielfältig, dass auch ich, die die Gattung Artusroman und Filmklassiker liebt, das Gefühl hat, nur einen Bruchteil der versteckten Hinweise erkannt zu haben.

Wir werden also in Band 2 auf weitere Fährten gelockt und mit unseren eigenen Seh- und Lesegewohnheiten getäuscht. Nichts ist so, wie es scheint, ruft uns der Autor zu :)

Einzig mäkeln würde ich wieder am Schluss. Wie in Band 1 läuft die Geschichte langsam aus, Zusammenfassungen des Geschehenen spielen im letzten Kapitel eine große Rolle. Das braucht es für mich nicht – als Leser bringe ich das selbst fertig.

In diesem Band fühle ich mich als Leser echt auf verschiedene Proben gestellt. Das Gefühl aus Band 1, dass der Autor mit uns und unseren Sehgewohnheiten spielt, zieht sich auch durch Band 2. Für mich wird so das Lesen zur genussvollen Rätselei.

Bernd Desingers Buch „Der Sturz in den Strom“ habe ich geschenkt bekommen, denn ich durfte es im Rahmen einer Leserunde lesen.

Fazit: Ich vergebe 4 Punkte, weil auch Band 2 mir schönen, rätselhaften Lesegenuss bereitet hat. Ein außergewöhnliches Buch für Menschen, die sich gerne auf Ungewohntes, Neues und auf die feine, ungewöhnlich reiche Sprache mit vielen Anspielungen einlassen möchten.  Jetzt bin ich echt gespannt, wie der Autor die vielen Rätsel in Band 3 „Die Runde der Raben“ auflösen wird – und was wirklich mit Artus ist!

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Tags: artusroman, heldenreise, roman d'arture   (3)
 

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34 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

anderssein, deutschland, gesellschaftkritik, leben, zeitgeist für aussteiger und einfaches leben

Das lässt sich ändern

Birgit Vanderbeke
Flexibler Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Piper, 14.05.2012
ISBN 9783492274760
Genre: Romane

Rezension:  
Tags: anderssein, gesellschaftkritik, leben   (3)
 

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marianengraben, meeresbiologie, meeresfauna, meeresforschung, natur, rov, tauchen, tauchroboter, tiefsee, trieste, wissenschaften

Tiefsee

Dagmar Röhrlich , Jan Feindt
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei mareverlag, 13.04.2010
ISBN 9783866481220
Genre: Sachbücher

Rezension:  
Tags: meeresfauna, natur, tiefsee   (3)
 

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Die amerikanische Prinzessin

Annejet van der Zijl , Marianne Holberg
Fester Einband: 296 Seiten
Erschienen bei wbg Theiss in Wissenschaftliche Buchgesellschaft (WBG), 01.01.2018
ISBN 9783806234824
Genre: Biografien

Rezension:

Vom Schicksal immer wieder herausgefordert und trotzdem den Mut nie verloren, das könnte man als Prämisse über das Leben von Allene Tew sagen. In der romanhaft erzählten Biografie von ihr, „Die amerikanische Prinzessin“ von Annejet van der Zijl geht es um eine Nachfahrin einer amerikanischen Siedlerdynastie aus dem Staate New York, den Tews.

Zwei Bildblöcke im Buch mit Fotos aus Allene Tews aufregendem Lebensweg, ihrer Familie und ihrem wechselnden Freundeskreis unterstützen die romanhafte Biografie.

Faszinierend finde ich die Beschreibungen ihrer Familie, ihre Herkunft und warum sie, nämlich durch harte Arbeit, zu sehr viel Geld gekommen ist. Durch die gesamte Biografie hat die Autorin gekonnt den roten Faden oder das Lebensmotto von Allene Tew herausgearbeitet. „Nicht aufgeben“ oder „immer auf die Füße kommen“ beweist die junge Dame, die etwas farblos scheint. Daher weckte sie anfangs auch kaum Sympathien in mir. Wahrscheinlich ist die dürftige Anzahl an Quellen aus dieser Zeit daran schuld. Später jedoch bekommt Allene viel mehr „Gesicht“.   

Wie die Quellen in die Biografie eingebunden werden, finde ich äußerst gelungen. Neben ein paar original Zeilen, die damals über Tod Hostetter, Ehemann Nummer Eins, in der Zeitung standen, wird eine Äußerung von Zeitgenossen wiedergegeben, wahrscheinlich aus Briefen oder einem öffentlichen Interview und so weiter. Dann fährt die Autorin wieder im Erzählstil fort ... Dieser Wechsel von Quelle zu Erzählung macht mir die verschiedenen historischen Zeitabschnitte äußerst lebendig. Zum Beispiel die eigenartige Stimmung Ende des 19. Jh. an der Westküste Amerikas. Eine Zeit, mit der sich eventuell auch heutige Verhaltensmuster amerikanischer Bürger nachvollziehen lassen. Auf jeden Fall habe ich mit dieser Biografie die Vereinigten Staaten und die Gedankengänge ihrer Bewohner besser kennen und eventuell etwas mehr verstehen gelernt. Doch  nicht nur Stil und Inhalt, auch die Sprache ist wunderschön und passt zum Thema.

Und Allene Tew? Sie wird, wie der Buchtitel schon sagt, irgendwann in ihrem Leben auch Prinzessin, sprich: in den europäischen Adel einheiraten. Doch das ist nicht das Wesentliche. Glück und Unglück, das Meistern von großen und kleinen Krisen prägen vor allem ihr Leben, wie kein anderes. Als Leser bekommt man einen großen Respekt vor dieser weitblickenden, erstaunlich modernen Frau, möchte jedoch auch manches mal den Kopf schütteln und sagen „muss das auch noch sein?“. Was sie in Ihrem Leben alles getan hat, aber auch erleiden musste könnte auch für zwei oder drei Leben reichen. Irgendwann merkt der Leser, dass Allene Tew oder Hostetter, Reuß, Kotzebue (...) mehr „Adel“ hat als die meisten historischen Persönlichkeiten um sie herum, und zwar durch ihr Wirken. Nicht aufgeben, das nehme ich für mich aus dieser lebendig geschriebenen Biografie mit.

Fazit:


Ich vergebe 4 Punkte, weil das Buch mir großes Lesevergnügen bereitet hat. Die Biografie mit romanhaften Zügen liest sich sehr gut und gibt tiefe Einblicke in die amerikanische und europäische Geschichte und in das Leben einer einzigartigen Persönlichkeit. Vor allem die Verbindungen, die damals, zwischen 1873 und 1955, bestanden haben, hat die Autorin klar herausgearbeitet.

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Tags: amerika, biografie, historischer roman, schicksal   (4)
 

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Die Enthüllung

Mario Vargas Llosa , Thomas Brovot
Flexibler Einband: 298 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 11.09.2017
ISBN 9783518468043
Genre: Romane

Rezension:  
Tags: beziehung, lateinamerika   (2)
 

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29 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 19 Rezensionen

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LOST GOD

Gregor Spörri
Flexibler Einband: 300 Seiten
Erschienen bei Z-Productions, 01.10.2017
ISBN 9783952486016
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Detail- und temporeich geschrieben!

In seinem Buch „Lost God. Das jüngste Gericht“ verbindet Autor Gregor Spörri auf den ersten Blick zwei riesige Themenbereiche miteinander: Paleo-SETI, also die Annahme, dass die Erde schon zu Urzeiten Besuch von außerirdischen Intelligenzen hatte, kombiniert mit klassischer Science-Fiction. Passend zum Buch gibt es eine Internetseite und zum Autor ebenfalls. Hier kann man die Funde, die er gemacht hat und diverse Theorien noch vertiefend nachlesen, so dass Buch und Internetseiten eine Art Welt rund um „Lost God“ bieten. Das macht das Leseerlebnis einzigartig – probiert es selbst aus!

Als Genre würde ich sagen, das Buch ist eine Dystopie, aber die Bezeichnung allein wird ihm nicht gerecht. Es ist kein Esotherik-Schmöker, sondern packende Science-Fiction. Dass es sich bei „Lost God“ um ein Endzeit-Epos handelt, deutet schon der Untertitel an, doch es geht um mehr: Glaube, Mythen, Menschheit, Verblendung und dieser ewige Denkfehler, dass wir die Krone der Schöpfung sind. Doch wessen Schöpfung sind wir eigentlich? Und wer sind „wir“?

Harmlos scheint die Handlung zunächst in Ägypten als Abenteuerreise zu beginnen. Im Tagebuchstil schreibt der Ich-Erzähler über eine unglaubliche Entdeckung. Höchst packend ist, dass der Autor gleich zu Beginn Wahrheit mit Fiktion vermischt, schließlich ist er selbst es gewesen, der in Ägypten auf etwas Verstörendes stieß. Genau dies war, wie Spörri sagt, auch der Anlass, „Lost God. Das jüngste Gericht“ zu schreiben. Szenenwechsel. Nun findet sich der Leser in der aktuellen Zeit wieder, jedoch Szene für Szene in einem anderen Setting mit anderen Hauptpersonen. Verschiedene Handlungen finden zur gleichen Zeit statt. So erinnerte mich das Buch im ersten Teil an Hollywood-Filme, wie „Armageddon“, „Gravity“ oder „Independence Day“ – Roland Emmerich lässt grüßen.

Die Szenenwechsel mit den Überschriften, wie „500 Kilometer über der Erde“ und „Homeland Security Learjet, Flug nach Washington“ oder „Vatikanstadt, Rom“ halfen mir, den Überblick über die schnellen Szenenwechsel zu behalten. Ein äußerst geschicktes Mittel, der Handlung eine rasante Fahrt zu verleihen. In diese spannende Szenenfolge fügt Spörri Auszüge aus alten Schriften und neueren Zeitungsausschnitten ein. Außerdem kommen real exisitierende Personen, Politiker und Wissenschaftler, vor, ja der Autor spielt sogar selbst mit. Das habe ich so noch nirgendwo anders gelesen. Dies alles bringt die eingangs erwähnte Tiefe in die Rastante Geschichte, was mir sehr gut gefällt.

Obwohl der tagebuchartige Drehbuchstil und die Figurenentwicklung (good guys, bad guys) an Hollywood-Blockbuster denken lässt, ist der Roman mehr als ein Drehbuch, denn er wartet mit vielen Details auf, die mich als Leser begeistern. Denn so konnte ich, auch ohne Raumfahrt-Experte oder Anhänger des Paleo-SETI Glaubens zu sein, den Ereignissen wunderbar folgen. Ich saß im Raumschiff neben Tom und Sally, ich fühlte, wie es im Inneren einer Pyramide ist, ich stand neben den Wissenschaftlern und diskutierte mit...  Die Details und Annekdoten, mit denen der Autor aufwartet, sind nicht zuviel, sondern genau richtig, um mir als Leser das Gefühl zu geben, dass die Mission und auch das menschliche Handeln (und Versagen) genau so ablaufen könnte. Wem es zuviel ist, der überblättert die technischen oder theoretischen Ausführungen einfach, das haben wir schon bei Karl Mays „Winnetou“ getan und schadet weder der Qualität noch dem Leseerlebnis.

Was mich aber mehr als alles andere am Buch „Lost God“ von Gregor Spörri fasziniert hat, ist, dass es um unser Dasein, Herkunft und Sinn, geht. Wer schon immer wissen wollte, warum wir hier sind, findet im Buch eine mögliche Antwort. Sie ist nicht bequem, zugegeben, doch sie bringt den Leser auf den Teppich zurück. „Nimm dich nicht zu wichtig“, scheint der Autor sagen zu wollen, „du bist nur ein winziger Punkt im Universum, der hier und jetzt existiert.“ – Mach etwas daraus!“, entnehme ich als Botschaft für mich.
 
Von einigen Personen, wie Ned, hätte ich gerne mehr erfahren oder ihnen mehr Aktion gewünscht. Sie bleiben blass, obwohl sie interessant angelegt sind. Einige Nebenschauplätze dürften meines Erachtens auch gerne ausgiebiger behandelt werden, vielleicht  bekäme so das Buch mehr Seiten und der Leser würde ein Mal mehr in die Irre geführt? Das offene Ende hat mich begeistert und ich musste noch einige Tage nach Lese-Ende über dieses „unwahrscheinlich mögliche“ Zukunftsszenario nachdenken.

Das Buch „Lost God. Das jüngste Gericht“ habe ich geschenkt bekommen, denn ich durfte es im Rahmen einer Leserunde lesen.

Fazit: Ich vergebe 5 Punkte, weil mir das Buch nicht nur äußerst spannende Lesestunden beschert hat, sondern auch die Theorie des Paleo-SETI und neueste Erkenntnisse der Weltraumfahrt und -Forschung näher gebracht hat. Es ist hervorragend komponiert und geschrieben, lässt einen nicht mehr los und bietet eine erfrischende Abwechslung in der Science-Fiction-Literatur.

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Tags: dystopie, enzeitstory, science fiction, weltuntergang   (4)
 

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28 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 18 Rezensionen

abenteuerreise, arthu, entführung, fantasie, hat mich nicht überzeugt., heldenreise, surrealität

Arthurs Entführung

Bernd Desinger
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Droste Verlag, 11.09.2017
ISBN 9783770020416
Genre: Romane

Rezension:

Das Buch „Arthurs Entführung“ ist der erste Band einer Trilogie. Das ist wichtig zu wissen. So beginnt die Geschichte um Arthur nicht mit Arthur, sondern mit seinen Freunden, Lance, Falk, Jannifer und Eric. „Arthurs Freunde“ werden sie auch von anderen genannt.

Arthur ist entführt worden, heißt es. Dazu liegen „Beweise“ in seiner Wohnung, die immer Treffpunkt der Freunde war. Außerdem finden sie Geld vor und Anweisungen, ihn zu suchen. Wahrscheinlich, um die Suche anzustoßen, gibt es noch ein „Entführervideo“, das Arthur in „Bedrängnis“ zeigt. Ich habe Anführungszeichen genutzt, weil ich als Leser arge Zweifel habe, ob man mich nicht mit meinen eigenen Bildern im Kopf in die Irre führen will – und freue mich diebisch darüber!!

Das Gefühl, dass mich der Autor ein wenig mit meinen Sehgewohnheiten necken möchte, zieht sich durch das ganze Buch!

So machen sich die vier Freunde auf.die Suche nach Arthur. Zwei fliegen in die Vereinigten Staaten von Amerika, einer gen Norden Richtung Skandinavien und einer bleibt in Deutschland. Die „Helden“ irren umher und müssen sich erst einmal  selbst finden, bzw. überlegen, was sie wollen. So kommen sie auf ihren Reisen in alle Himmelsrichtungen an geheimnisvolle Orte in der realen Welt, bestehen Prüfungen, lernen sprechende Tiere und wunderschöne Frauen kennen und lieben. Es muss überwunden, gekämpft und entdeckt, ja teilweise auch erlöst werden.

So drängte sich mir beim Lesen schnell ein weiteres Bild des roten Fadens auf, der sich durch das gesamte Buch zieht: Die Gattung Arthusroman. Wer, wie ich, Germanistik studiert hat– und das mit Schwerpunkt Mediävistik –, dazu "Indiana Jones"- und "Monty-Python"-Filme sowie klassische Hollywood-Streifen liebt, weiß, wovon ich spreche. Zu dieser Gattung passt Arthur als Mittelpunkt, der im Hintergrund bleibt, das Umherirren, die Suche nach dem heiligen Gral (Arthur ist entführt), die Tafelrunde (Arthurs Wohnung), die Ritter der T. (Freunde). Allein die Namen Lance(lot), Jannifer (Guinover), Eric (Erec), Falk (würde ich Parzival zuordnen, ist aber nicht wichtig)... Ein weißer Hirsch oder grüner Ritter kommen nicht vor, der heilige Gral noch nicht. Dafür erscheinen sprechende Eidechsen, Hunde, Prüfungen, wilde Mönche... und Orte, die nicht immer gefunden werden wollen. Die Suche führt die Helden zum Ende hin gemeinsam nach Amerika, hier schlagen sie ihre erste gemeinsame „Schlacht“ und gehen anschließend wieder auseinander. Ende des ersten Buches. Ende des ersten Wegs?

Ein kleiner Wermutstropfen ist, dass ab und zu – mir persönlich – der erhobene, "studierte" Zeigefinger zu arg hervorragt. Da sind zum Beispiel die genauen Ortsbeschreibungen oder Weltanschauungen, die den Helden in den Mund gelegt werden. Alles prima, nur manchmal finde ich sie „too much“, weil dadurch die Geschichte in langweilige Gewässer abdriftet. Gerade das Ende finde ich zu lang: Weil ja Band 2 und 3 noch folgen, braucht es meiner Meinung nach kein langsames Auslaufen des Endes mit vielen Erklärungen. Ein Knall und Schluss wäre mir da lieber gewesen - aber das ist nur meine persönliche Meinung.

Mit den Helden fiebere ich nicht mit, das ist nicht nur der erhöhten Sprache geschuldet, sondern auch dem statischen Auftauchen und Verschwinden manch interessanter Figur. Ein wenig mehr Hinweise zur Motivation der eingeführten Wesen und Tiere - oder die Verbindung zum jeweiligen Helden –  hätte ich mir gewünscht. Was treibt die Eidechse an, was die Riesen, was der Hund? Was ist so besonders am „The Kraken“ (hier gibt der Klappentext eine Auskunft, die das erste Buch nicht aufgreift - schade!). Figuren und Orte stehen mir etwas „zu statisch“ herum. Ich gehe davon aus, dass sie in den weiteren Bänden eine Rolle spielen, hätte mir daher etwas mehr „anteasern“ gewünscht, damit der Leser auf sie neugierig bleibt.

Als „Doppelweg“ bezeichnet Desinger selbst seine Trilogie, das ist das klassische Schema des Arthusromans. Der erste Band scheint den ersten Teil des Doppelwegs zu erzählen. Weil das so ist und nicht, wie in herkömmlichen Romanen, wird das Buch diejenigen enttäuschen, die eine durchgehende Story von Anfang bis zum Ende erwarten.

Ich persönlich finde das Buch lesenswert, habe mich über die ausgefeilte Sprache und über die versteckten Hinweise und das „Kopfkino“ gefreut, was Bernd Desinger entfacht. Ein Leckerbissen für Germanisten, klar. Aber durchaus auch für Bücherwürmer und Abenteuer-Liebhaber. Macht es euch gemütlich, schenkt euch einen Tee oder ein Glas Rotwein ein und lest das Buch bei Kerzenschein – es lohnt sich!

Bernd Desingers Buch „Arthurs Entführung“ habe ich geschenkt bekommen, denn ich durfte es im Rahmen einer Leserunde lesen.

Fazit:

Ich vergebe 4 Punkte, weil das Buch mir sehr spannende und interessante Lesestunden bereitet hat. Es ist sehr erfreulich, dass es im 21. Jahrhundert wieder einmal Bücher wie dieses gibt. Bücher, bei denen die Feinheiten der Sprache im Vordergrund stehen und Bücher, die mit einer Gattung oder einem Genre spielen (hier: Arthusroman). Freue mich schon auf Band 2!

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Tags: abenteuerreise, arthusroman, heldenreise   (3)
 

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24 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

alkohol, detektiv, erdmännchen, ermittler, fantasy humor erotik, humor, jet zo laache, leich, mord, moritz matthies, ray, roman, smartphone, tiere, zoo

Ausgefressen

Moritz Matthies , Christoph Maria Herbst
Audio CD
Erschienen bei Argon, 07.03.2013
ISBN 9783839891506
Genre: Romane

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Tags: tierfantasy   (1)
 

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1.502 Bibliotheken, 20 Leser, 12 Gruppen, 53 Rezensionen

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Der Herr der Ringe

J. R. R. Tolkien , Wolfgang Krege (Übersetzer)
Fester Einband: 1.238 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 01.01.2002
ISBN 9783608932225
Genre: Fantasy

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231 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

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Der Hobbit

J. R. R. Tolkien , Wolfgang Krege , John R Tolkien
Leder / Künstlerischer Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 21.09.2012
ISBN 9783608938401
Genre: Klassiker

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72 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

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Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur

Andrea Wulf , Hainer Kober
Fester Einband: 560 Seiten
Erschienen bei C. Bertelsmann, 11.10.2016
ISBN 9783570102060
Genre: Sachbücher

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315 Bibliotheken, 3 Leser, 6 Gruppen, 17 Rezensionen

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Der Koch

Martin Suter
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 27.09.2011
ISBN 9783257239997
Genre: Romane

Rezension:  
Tags: kochen, skurriles, sute   (3)
 

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172 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 16 Rezensionen

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Allmen und die Libellen

Martin Suter
Flexibler Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 27.03.2012
ISBN 9783257241778
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
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(164)

409 Bibliotheken, 7 Leser, 1 Gruppe, 55 Rezensionen

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Das Haus der vergessenen Bücher

Christopher Morley , Renate Orth-Guttmann
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Atlantik Verlag, 08.09.2014
ISBN 9783455600124
Genre: Romane

Rezension:  
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358 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 105 Rezensionen

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Mr. Peardews Sammlung der verlorenen Dinge

Ruth Hogan , Marion Balkenhol
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei List Verlag, 19.05.2017
ISBN 9783471351475
Genre: Romane

Rezension:

Das Leben, die Liebe und die Kunst, einen einmaligen Moment festzuhalten, genau das scheint Anthony Peardew verpasst zu haben. So sammelt er Gegenstände, die andere verloren haben, um sie aufzuheben. Er katalogisiert sie und „schenkt“ ihnen eine einzigartige Geschichte. Das Zurückgeben der Fundstücke an die Besitzer schafft er nicht mehr. Auch sein innigster Wunsch, den verlorenen Gegenstand seiner Liebsten Therese wiederzufinden, geht nicht mehr in Erfüllung. Daher muss Laura auf seinen Spuren wandeln. Seinen Abschied hat Anthony nicht nur geplant und inszeniert, sondern auch für die unsichere junge Frau als Nachfolgerin gesorgt. Doch sie ist, im Gegensatz zu Anthony, nicht lange allein. Sunshine und Freddy, die mir als Leserin sofort ans Herz gewachsen sind, helfen, die Sammlung der verlorenen Dinge im Sinne von Anthony zu behandeln.

Schon das Cover ist hier sehr gelungen, denn es deutet an ohne zu verraten. Farben, Schrift und Uhr – das alles passt perfekt zum Inhalt. Hochwertig ist das Buch auch und mit Lesebändchen, schon allein das würde meine Aufmerksamkeit im Buchladen wecken!

Ein zweiter Handlungsstrang, der sich ebenfalls von Kapitel zu Kapitel entwickelt, lässt uns an der Liebesgeschichte von Bomber und Eunice teilhaben. Auch sie haben den Hang Skurriles im Alltag zu entdecken und ihr Leben mit dem typisch britischen Humor zu meistern. Außerdem sind sie Kino-Liebhaber und zitieren gegenseitig Filmdialoge, wenn sie etwas in ihrem Alltag erklären möchten. Das ist wirklich witzig und, wer die Filme kennt, mag gleich mitmachen.

Als weitere Erzählebenen sind kleine Kurzgeschichten eingeflochten, die bereits erwähnten Geschichten zu den „Dingen“ von Mr. Peardews Sammlung. Es gefällt mir sehr, wie die Autorin ihren Roman aufgebaut hat, wie sie die Dialoge entwickelt und den britischen Humor dosiert und gekonnt einsetzt. So schafft sie einen außergewöhnlichen Zauber, der sich im gesamten Buch verbreitet. Zauberhaftes kommt dann auch als Thema vor, denn wie erklärt es sich, dass die kleine Uhr auf dem Nachtisch immer genau um dieselbe Zeit stehenbleibt? Warum hört Laura diese Musik im Wintergarten? Wieso duftet es plötzlich nach Rosenblüten? Und obendrein ist eines Tages das Zimmer von Therese fest verschlossen ...

Beim Lesen des Buches wechselte ich gerne von einer Handlung zur anderen. Einmal geht es um das ganz besondere Paar, Bomber und Eunice, die sich auf einer Wellenlänge befinden. Eine sehr kostbare Beziehung, die (leider) nur einen Haken hat. Vor allem mag ich – ich sagte es schon – den typisch britischen Humor, mit dem Bombers Familie diverse Schicksalsschläge witzig meistert. Godfrey: „Ich bin mir ziemlich sicher, dass diese Frau meine Tochter war. Aber einen Vorteil muss diese verflixte Krankheit (Demenz) ja haben.“

Sehr unterhaltsam sind die fortlaufenden Manuskripte von Portia, die immer verdrehte Zusammenfassungen bekannter Romane, wie Harry Potter usw. enthalten. Chester Fumblefore und die Schule für angehende Telefonsexarbeiterinnen „Snogwarts“ – köstlich!

Da Hunde im gesamten Buch eine große Rolle spielen, nehme ich an, dass die Autorin Hundeliebhaberin ist.

Am Ende des Romans führen alle Fäden zusammen, aber nicht „einfach so“. Ich mag es, wie die Autorin aus dem anfangs wirren Netz der Geschichten, z.B. dem ersten Satz im Buch über den Alleinreisenden ohne Fahrkarte, eine richtig stimmige Story webt. Im Finale der Geschichte über verlorene und gefundene Gegenstände findet wirklich ALLES seinen Bestimmungsort. So handelt das Buch auch über verlorene Gefühle oder den Mut, sich von Konventionen oder Meinungen anderer frei zu machen, und ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Die Heldin Laura muss das im Verlauf des Buches lernen und wird am Ende für ihren Mut belohnt. So schärft das Buch nicht nur den Blick für alltägliche Gegenstände und Dinge, die vor unseren Augen herumliegen, sondern auch für echte Gefühle und den Mut, seinen ganz eigenen Weg zu gehen – auch wenn er für andere skurril oder verrückt erscheint.

Ich kann mir das Buch gut als Film vorstellen und denke, das wird nicht lang auf sich warten lassen. Mir fällt, was überraschende Handlung und skurrile Situationskomik betrifft, gleich der Film „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ ein – der in „Mr. Peardews Sammlung der verlorenen Dinge“ ja auch erwähnt wird.

Fazit:

„Mr. Peardews Sammlung der verlorenen Dinge“ ist ein Buch, von dem man erst nicht weiß, wo man es einsortieren soll und genau das finde ich gut. Es freute mich, dass ich während des Lesens nicht wusste, wohin die Reise geht! Ich vergebe 5 Punkte, weil das Buch ein überraschend schönes Fundstück für mich ist und, weil mich Ruth Hogans Geschichte sicher noch eine Weile beschäftigen wird.

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Tags: very british   (1)
 

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40 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 1 Rezension

aberglaube, anden, gewalt, indigena, krimi, lateinamerika, lituma, mario vargas llosa, partisanen, peru, politische konflikte, polizisten, südamerika, südamerikanische literatur, terror

Tod in den Anden

Mario Vargas Llosa , Elke Wehr
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 27.10.1997
ISBN 9783518392744
Genre: Romane

Rezension:  
Tags: anden, indigena, lateinamerika, peru, vargas llosa   (5)
 

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279 Bibliotheken, 7 Leser, 2 Gruppen, 57 Rezensionen

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Mein Freund Pax

Sara Pennypacker , Birgitt Kollmann , Jonathan Klassen
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei FISCHER Sauerländer, 16.03.2017
ISBN 9783737352307
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Von der ersten Zeile hat mich das Buch in seinen Bann gezogen. Für ein Kinderbuch ist es sehr anspruchsvoll und ernst geschrieben und es spricht große Themen an. Das heißt jedoch nicht, dass es sich nicht für Kinder eignet, im Gegenteil!

PAX ist ein Fuchs, Peter ist ein Mensch. Beide verbindet eine intensive Freundschaft und starke Gefühle, so dass sie sich, als sie getrennt sind, nichts sehnlicher wünschen, als wieder zusammenzusein. Jeder, der einmal eine intensive Beziehung zu einem Tier hatte, kann sich in Peter sofort hineinfühlen. Doch auch in den Fuchs kann man sich als Mensch prima hineindenken, denn die Autorin lässt sowohl den Menschenjungen als auch den Fuchs Gefühle aussprechen, jeden auf seine Art. Besonders schön finde ich, dass die Füchse, ihrem Naturell entsprechend, Situationen und Dinge wittern und erschnuppern. So wird PAX von den freilebenden Füchsen als „Menschenstinker“ bezeichnet und die Menschen, die sich für kommende Kampfhandlungen rüsten, als „Kriegskranke“. So konnte ich mich als Leserin sehr gut in einen Fuchs hineindenken.

Abwechselnd zu Kapiteln, die beschreiben, wie PAX sein Leben in der Freiheit meistert oder nicht, wird Peters langer und schwieriger Weg beschrieben. Je nachdem, um wen es geht, ist ein Fuchs- oder Menschenkopf zu Beginn eines jeden Kapitels abgebildet, das finde ich besonders schön. Es ist ein Beispiel für die liebevolle Machart des Buches. Doch auch die Sprache passt zur Geschichte. Bildhaft und jeweils passend zu dem Helden, der gerade spricht oder denkt.

Beide Helden, PAX und Peter, verändern sich im Lauf des Buches. Beide lernen, selbst zu denken und zu handeln. Beide lernen, das zu tun, was sie für das Richtige halten und bekommen neue Freunde.

Die Menschen, die Peter begegnet, haben fast alle Probleme, ihre Gefühle zu zeigen. Ob der gefühlskalte, abweisende Vater und Großvater sich verändern, bleibt offen. Doch die kriegsmüde Vola wird nicht nur zur guten Freundin und Lehrerin, sondern entdeckt dank Peter auch wieder ihre guten Seiten. So lernen beide voneinander.

Die Tiere, die PAX kennenlernt, sind Freiheit, mit allem, was dazugehört, gewohnt. Jeder zeigt auf seine Art, wie PAX das Leben in Freiheit lernen kann. Dabei mag sich nicht gleich jedes Tier mit dem „Menschenstinker“ anfreunden. PAX geht mit den Füchsen auf seine ganz eigene – menschenbezogene – Art um, was mal schlecht, mal gut für sie ist. Mehr will ich hier nicht verraten.

Fuchs und Mensch müssen im Verlauf des Buches teils heftige Schicksalsschläge hinnehmen und Hindernisse überwinden. Das Buch ist sehr spannend aufgebaut und berührt mich – wie erwähnt – ziemlich tief. Daher habe ich an vielen Stellen Tränen vergossen. Dennoch finde ich, dass gerade dieses Buch gut für Kinder ist. Junge Menschen lernen durch Geschichten, Probleme und mögliche Lösungswege kennen – spielerisch sozusagen. In „Mein Freund PAX“ kommt alles zur Sprache: Bedingungslose Liebe, Schönheit der Natur, zerstörerische Kriege, gefühlskalte Erwachsene ... Außerdem machen die Helden – für den Leser manchmal unnötige – Fehler, kommen aber wieder auf die Füße usw. So will der Fuchs beispielsweise nichts fressen, bis Peter wiederkommt. Dann muss er aber feststellen, dass er ohne Futter zu schwach ist, um auf die Suche nach seinem Freund zu gehen. Ebenso muss Peter bitter lernen, dass er nicht mit gebrochenem Fuß „mal eben“ 300 Kilometer zu seinem Fuchs zurückgehen kann. An manchen Stellen im Buch hätte ich gern Peter und PAX abwechselnd laut meine Meinung gesagt ... :)

Ich könnte noch weiter über das Buch schwärmen, mag aber nicht allzuviel verraten. Schließlich lebt das Abenteuer, in das sich PAX und Peter stürzen, von Gefahren, tollen Erlebnissen, neuen Freunden und manch überraschenden Momenten. Damit würde ich es fast schon in der Tradition großer Abenteuerklassiker sehen. Die Lederstrumpf-Erzählungen, die Dschungelbücher oder Bambi (Die Bücher, nicht die verharmlosten Disney-Filme!). Die haben Kinder damals auch gelesen und waren nicht „zu jung“ für ernste Themen.

„Wir sind Eins und nicht Eins.“

Ich finde, dass Kinder meist von Erwachsenen unterschätzt werden, ein alter Fehler! Kinder verstehen sehr wohl, was Neid, Ungerechtigkeit oder Gefühlskälte ist. Und auch den großen Wert von bedingungsloser Liebe oder von Verlässlichkeit können sie einordnen. Nur wer Gutes und Schlechtes kennenlernen darf, hat die Chance sich für „das Richtige“ zu entscheiden. Mit Büchern, wie „Mein Freund PAX“ bekommt man die Möglichkeit, über sich selbst, seine Gefühle und Lebensziele nachzudenken.

Gelungen finde ich auch das offene Ende, denn so kann ich als Leser selbst weiterträumen, wohin die Reise von PAX und Peter mit ihren neuen Freunden und Gefährten gehen soll. – Eine Verandatür und der Spielzeugsoldat vom Anfang spielen dabei eine wichtige Rolle.

Fazit:

„Mein Freund PAX“ ist ein spannendes und hochemotionales, liebevolles Abenteuerbuch für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Ich würde als Lesealter „ab 12 Jahre“ empfehlen, weil es ernste Themen, wie Freundschaft, Schuldgefühle, Tod, Verrat und Krieg anspricht und nicht verharmlost. In diesem Alter beginnen aufgeweckte Kinder spätestens über sich und den Sinn des Lebens nachzudenken. „Mein Freund PAX“ ist für mich ein wertvolles Buch, weil es ganz „altmodisch“ die großen Themen anspricht. Dabei liefert es keine Lösungen, sondern tolle Denkanstöße, mit denen die Leser selbst zu „ihrer“ Antwort kommen können.

Ich vergebe 5 volle Punkte, weil es nicht nur eine wunderschöne Tiergeschichte ist, sondern große Themen zur Sprache bringt und damit zum Nachdenken über den Sinn unseres Daseins anregt.

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Tags: freundschaft, naturschut, tierabenteuer   (3)
 

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110 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 81 Rezensionen

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Wenn ich jetzt nicht gehe

María Dueñas , Petra Zickmann
Fester Einband: 589 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 06.03.2017
ISBN 9783458177029
Genre: Historische Romane

Rezension:

Auf Deutsch, die Mäßigung, ist die „Temperantia“ (span.: La Templanza) nach Cicero eine der Kardinaltugenden. In der antiken Philosophie wurde diese Tugend noch recht locker als Mitte zwischen Zügellosigkeit und Empfindungslosigkeit (Aristoteles) ausgelegt. Das Mittelalter machte sie zur grundlegenden menschlichen Tugend. Ab da wurde es streng und die Kirche mischte sich ein: „Die Mäßigung ist jene sittliche Tugend, welche die Neigung zu verschiedenen Vergnügungen zügelt und im Gebrauch geschaffener Güter das rechte Maß einhalten läßt“, schreibt der Katechismus der Katholischen Kirche.

Was bedeutet das für dieses Buch?
Mauro, der Protagonist, übt sich im manchmal recht bigotten, von strengen gesellschaftlichen Regeln beherrschten 19. Jahrhundert in dieser Kardinaltugend. Mäßigung. Er tut dies nicht immer freiwillig, denn das Schicksal meint es ausgleichend mit Mauro: Mal gewinnt er, mal verliert er. Mal ganz oben, mal ganz unten – alles, aber nie langweilig. Unter’m Strich wird Mauro am Ende der Geschichte wieder zu dem, der er mal war. Wirklich? Das Buch endet mit Mauros Neubeginn an einem neuen Ort, der jedoch nicht neu für ihn ist (er kommt ursprünglich aus Spanien), in einem Beruf, der neu für ihn ist (Winzer). Doch nicht wirklich. Ob Minen- oder Weinbergbesitzer, im Grunde bleibt er ein ständig arbeitender Mann, der es zu etwas gebracht hat (bzw. wieder zu etwas bringt).

La Templanza:
Diese scharf treffende, allegorische Klammer um diese wunderbare Geschichte verschwindet im deutsch übersetzten Titel "Wenn ich jetzt nicht gehe".

Komposition & Sprache versus Inhalt
Die Autorin schreibt wunderbar. Ihre Sprache, die Beschreibung von Situationen und Orten, ist magisch. Ich las das Buch extra langsam, wie eine Praline, die man langsam auf der Zunge zergehen lässt, da man die Sätze so besser genießen kann. Aufgrund der Tatsache, dass ich sowohl in Mexico als auch in Cádiz/Puerto de Santa María war, spanisch spreche und den Genuss des Essens und der Weine beim Lesen gut erinnert habe, las ich das Buch doppelt intensiv. Somit steckt im Buch mehr als „nur eine“ spannende Geschichte über einen mehrfachen Auswanderer, Glückritter und Protagonisten mit Ecken und Kanten, der sich in den Umbrüchen des 19. Jahrhunderts seinen Platz erkämpfen muss. Das Buch von María Duenas überzeugt mit  sprachlichem Witz und erweckte in mir mehrfaches Schmunzeln.

Chuspe - Schlitzohrigkeit
Besonders hervorheben möchte ich den „Handel“ mit Fausta, der Tochter des Archivleiters in Mexico, sowie die „Billard-Partie“ in Havanna. So etwas Spannend-Schönes in Worte gefasst, habe ich selten gelesen. Dass bei all der Kunst der Form (Sprache und Plot) anderes in den Hintergrund tritt, mag man bemängeln, finde ich aber nicht wichtig. Zum Beispiel wurde ich mit den Personen im Buch, vor allem Mauro und Sol, aber auch deren Kinder, Gatte usw. nicht warm, habe diesen Umstand jedoch keineswegs vermisst. Ihre Gefühle füreinander ließen mich kalt. Dass der Roman im 19. Jahrhundert angesiedelt ist, ist ebenfalls sekundär. So greift auch bei mir als Leser „La Templanza“, die Mäßigung, sobald es um die Einzelschicksale der Personen geht: Ich „fiebere“ nicht mit.

Mehr interessierte mich, wie Mauro, Sol, Gustavo Zayas und Santos Huesos mit verschiedenen Situationen umgehen, denn dieses Buch hat mich woanders „gepackt“. Ich habe im Buch mehr genossen, wie die Situationen und Handlungen, in die die Helden geraten, „komponiert“ werden. Die Form steht für mich hier über dem Inhalt, das Agieren der Personen über ihre Gefühle: Überhöht und witzig kommen die abenteuerlichen Meisterstücke und Schicksale der schlitzohrig agierenden Helden mit „chuspe“* daher.

Einziger Wermutstropfen: Zum Ende vermisse ich die starken Wendungen und Beschreibungen des Anfangs. Ich glaube nicht, dass die Autorin „schnell“ zum Ende kommen wollte, nur verliert das Buch im letzten Viertel etwas an Kraft und endet – ganz im Sinne des Original-Titels – mit Mäßigung.

*Chuspe:

Das Agieren von Mauro und Sol bezeichnet man in Südamerika auch als „chuspe“ (zielgerichtete, intelligente Frechheit, charmante Penetranz oder unwiderstehliche Dreistigkeit). Sol steht Mauro in nichts nach und so ist es nur eine Frage der Zeit, dass sich beide gut verstehen.

Fazit:

Ich vergebe 4 Punkte, weil das Buch mir höchst vergnügliche Lesestunden beschert hat. Es liest sich sehr gut und bietet eine erfrischende Abwechslung in der Romanlandschaft.

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Tags: abenteuer, lateinamerika   (2)
 

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8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

historischer roman, rheinlan

Die Könige von Köln

Tilman Röhrig
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.08.2016
ISBN 9783492307703
Genre: Historische Romane

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Tags: historischer roman, rheinlan   (2)
 

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Die Liebe in den Zeiten der Cholera

Gabriel García Márquez , Dagmar Ploetz
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 01.02.2004
ISBN 9783596162512
Genre: Klassiker

Rezension:  
Tags: lateinamerikanische literatu   (1)
 

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18 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

lateinamerikanische literatur

Chronik eines angekündigten Todes.

GABRIEL GARCIA. MARQUEZ
Flexibler Einband
Erschienen bei dtv., 01.01.1987
ISBN B002BJUORC
Genre: Sonstiges

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Tags: lateinamerikanische literatur   (1)
 

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10 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

bananenplantage, blind, einsamkeit, eisfabrik, familie, hörbuch, krieg, lateinamerikanische literatur, liebe, macondo, magie, oberst, religion, roman, sex

Hundert Jahre Einsamkeit

Gabriel García Márquez , Dagmar Ploetz , Ulrich Noethen
Audio CD
Erschienen bei Hörbuch Hamburg, 16.06.2017
ISBN 9783957130839
Genre: Romane

Rezension:  
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Bambi

Felix Salten , Maja Dusikova
Fester Einband: 32 Seiten
Erschienen bei NordSüd Verlag, 04.08.2017
ISBN 9783314100253
Genre: Klassiker

Rezension:  
Tags: natu, tierabenteuer   (2)
 

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Outlander - Das flammende Kreuz

Diana Gabaldon , Barbara Schnell
Flexibler Einband: 1.360 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.03.2016
ISBN 9783426518229
Genre: Historische Romane

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Outlander - Ferne Ufer

Diana Gabaldon , Barbara Schnell
Flexibler Einband: 1.232 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 09.09.2016
ISBN 9783426518236
Genre: Historische Romane

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