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auschwitz, flucht, schuld, 2. weltkrieg, prozesse

Endspiel

Pete Smith
Buch: 240 Seiten
Erschienen bei Societäts-Verlag, 31.01.2015
ISBN 9783955421205
Genre: Romane

Rezension:

Elena Morgenstern, die zentrale Figur in Pete Smiths Roman „Endspiel“, ist Tochter überzeugter Nazis – und Witwe eines Juden. Ihren Mann Seraphin, einen Auschwitz-Überlebenden, lernt sie während ihrer Flucht nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kennen. Es ist die große Liebe, nur über ihre Vergangenheiten können die Beiden nicht sprechen. Dann, 1954, als eigentlich alles in Ordnung scheint und Deutschland sogar Weltmeister wird, hält Seraphin die inneren Qualen nicht mehr aus, und zum Sprechen ist es für immer zu spät.

1963, 18 Jahre nach dem Krieg, beginnt in Frankfurt der erste Auschwitz-Prozess. Elena Morgenstern verfolgt und protokolliert jeden einzelnen Prozesstag, wie getrieben. Sie will verstehen, sucht Antworten und findet doch nur immer mehr Fragen, auch die nach der eigenen Schuld. Sie zerbricht beinahe an der Ungerechtigkeit, die im Prozess offenbar wird. „Den Opfern klopft das Herz bis zum Hals, doch die Täter sind mit sich im Reinen“, lässt Autor Smith Elena sagen. Besser kann man das nicht auf den Punkt bringen, und besser kann man nicht zeigen, wie wichtig Aufarbeitung ist – und wie schwierig.

Durch die Geschichte von „Endspiel“ führt uns Ich-Erzähler Lionel, ein Historiker kurz vor Abschluss seiner Promotion im WM-Jahr 2010. In einem Seniorenheim gibt er einen Computerkurs, dort lernt er Elena kennen, die ihn von Beginn an fasziniert und ihn in ihrer wunderbar feinen Art dazu bewegt, ja geradezu verführt, ihre Geschichte aufzuschreiben.

Damit hat Pete Smith, der für die Arbeit an „Endspiel“ mit dem Robert-Gernhardt-Preis ausgezeichnet wurde, eine geniale Konstruktion geschaffen, um nicht nur die Tatsachen und Handlungen zu beschreiben, sondern gleichzeitig die Verlässlichkeit von Erinnerungen und Aufzeichnungen zu thematisieren. "Mein Leben – so wie Sie es schildern, habe ich es nicht in Erinnerung", sagt Elena zu Lionel, "aber ich finde mich ausgezeichnet darin zurecht."
"Endspiel" ist ein komplexer und differenzierter Roman, akribisch recherchiert, sprachlich vielfältig und niemals langatmig oder zu schwer. Denn neben Elena und Lionel lernen wir viele weitere interessante Figuren kennen, die sich durch den heißen, vom Vuvuzela-Sound begleiteten Frankfurter Sommer bewegen: Lionels schwangere Freundin als Wegweiserin in ein zukünftiges Leben, seinen Freund Edgar, seine Ma und die Senioren aus der Residenz („‘Mein Computer hat den Geist aufgegeben‘, begrüßt mich Frau Müller“). Und weil Weltmeisterschaft ist, begegnen wir auch Özil, Messi und Co. Und Julius „Juller“ Hirsch. Auch ein Fußballer. Wer wissen möchte, wer das ist, sollte das Buch lesen. Und nicht nur deshalb!

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Die Akademikerin

Susanne Konrad
Fester Einband: 200 Seiten
Erschienen bei Größenwahn Verlag, 10.09.2015
ISBN 9783957710697
Genre: Romane

Rezension:

Melina arbeitet an ihrer Promotion in Philosophie. Doch ihr Doktorvater, den sie bewundert und der ihr anfangs viel Hoffnung macht, akzeptiert ihre Thesen nicht. Melina verzweifelt, hat das Gefühl, der Komplexität des Themas nie gerecht werden zu können. Und es beschleicht sie „das Gefühl, dass das Leben an ihr vorbeizieht, ja, dass sie äußerlich und innerlich immer mehr abmagert“. Dann lernt sie einen Mann kennen, einen einfachen Lagerarbeiter. Er verehrt sie, trägt sie auf Händen, verschuldet sich für sie, aber sie fühlt sich ihm, dem einfachen Lagerarbeiter, geistig weit überlegen. Doch nach und nach lässt sie sich auf seine Welt ein – und beginnt, ein Leben zu entdecken, das sie zuvor als spießig betrachtet hätte, in dem sie sich aber immer mehr einrichtet, mit allen Widerständen und Ecken und Kanten, die das Leben bietet. Ihr Bedürfnis, geistig und wissenschaftlich zu arbeiten, liegt brach. Erst viel später, nach vielen Erfahrungen mit dem „echten Leben“, wagt sie einen Neubeginn unter neuen Voraussetzungen.
„Die Akademikerin“ hat mich wirklich gefesselt, ohne dass ich direkt sagen konnte, warum. Die Sprache ist einfach, fast berichtsartig. Aber die Geschichte ist so aus dem Leben gegriffen, Melinas Konflikte und Entwicklungen – ihr Hadern mit dem Stoff, die Arroganz des Doktorvaters, das immer weiter sinkende Selbstbewusstsein, das Entdecken des „normalen“ Lebens – so echt, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Auch verknüpft Susanne Konrad das Thema von Melinas Promotion, die Thesen der Philosophin Susanne K. Langer, geschickt mit Melinas Geschichte.
Auch äußerlich ist das Buch übrigens sehr schön, optisch und haptisch.

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