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adriaan van dis, biografisch, mutter-sohn-beziehung, ik kom terug, erinnerungen

Das verborgene Leben meiner Mutter

Adriaan van Dis , Marlene Müller-Haas
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Droemer, 04.10.2016
ISBN 9783426281628
Genre: Romane

Rezension:

Die folgende Rezension wurde auf der Grundlage einer Leseerfahrung der niederländischen Fassung von Adriaan van Dis’ Buch Ik kom terug (2014) (Das verborgene Leben meiner Mutter) geschrieben. Alle Zitate wurden von mir ins Deutsche übersetzt.
Der autobiografische Roman Ik kom terug von Adriaan van Dis, erzählt die Geschichte eines Sohnes, der die Geheimnisse der Vergangenheit seiner Mutter aufdeckt. Einer Frau, die zwei Weltkriege und das Japanische Internierungslager in Indonesien überlebt hat, des Lebens und ihrer Vergangenheit jedoch müde geworden ist. Ihr Sohn soll ihr helfen ihrem langen Leben ein Ende zu machen und sie vor dem Tod, zudem, ihrer Geschichten und Geheimnissen erleichtern.
Auch wenn man zu Beginn des Buches an eine Collage von Darstellungen der Grausamkeiten eines Internierungslagers glaubt, wird man schnell eines Besseren belehrt: Die Thematik des Romans ist der Beziehung zwischen einer Mutter und ihrem Sohn gewidmet. Die Erinnerungen an die Zeit im Lager und die Briefe eines Deutschen Arztes, der die Brutalität der Japaner an der Eisenbahnlinie beschreibt, bilden einen roten Faden, in dem das Trauma der Mutter, und die damit verbundene Flucht in die Esoterik, sowie die Distanz zu ihren Kindern, versucht verständlich zu machen.
Die Mutter-Kind Beziehung ist von Hass geprägt. In einem Gedicht schreibt van Dis: „Maar zie je ook de haat die tussen ons staat?“ (S.109) (“Aber siehst du auch den Hass der zwischen uns steht?”) Van Dis deutet die Distanz zwischen ihm und seiner Mutter als Hass, jedoch wird ihm bald bewusst, dass Hass ohne Liebe nicht möglich ist, denn „Wut ist auch Liebe[…]“ (S.148). Man muss etwas oder jemanden lieben können, um es, ihn oder sie zu hassen.
Beim Lesen des Buches kann man kurze Einblicke in die Geschichte Niederländisch-Indiens erhaschen. Die Absurdität der Kolonialherrschaften ist ein wesentlicher Teil des Romans, denn „wie konnte eine Handvoll Niederländer glauben hier [Indonesien] Macht ausüben zu können?“ (S.185) Eine Frage, die bereits vor einem Jahrhundert von Louis Couperus - auf den im Roman verwiesen wird - gestellt wurde. Wieso glaubt der Westen über den Osten bestimmen zu können?
Die Antwort ist so simpel wie unmöglich zu beantworten. So wie eine Mutter glaubt über ihre Kinder bestimmen zu können, glaubt auch eine Kolonialmacht, die oft als Elternteil der Kolonie gesehen wird, über diese bestimmen zu können.
Die zwei zentralen Handlungen im Buch sind nicht nur durch die Tatsache, dass die Mutter das Ende der niederländischen Kolonialherrschaft in Indonesien miterlebt hat, miteinander verbunden, sondern auch durch die Dialektik zwischen den Akteuren. So wie Hass zwischen Mutter und Sohn besteht, ist auch Hass zwischen Kolonialmacht und kolonialisiertem Land zu erkennen. Die Kolonialmacht, so wie die Mutter, versucht ihrem Kind (der Kolonie) einen Lebensstil aufzuzwingen. Dieses Aufzwingen wird mit Hass belohnt, „[…] einem Hass gegenüber Büchern, Wissen, westlichem Wissen, westlichen Werten […]“(S.236). Im Gegensatz zur niederländischen Kolonialmacht, will die Mutter, jedoch, selbst darüber bestimmen, wann sie sich aus dem Leben ihrer Kinder verabschiedet.
Als Leser muss man sich dessen bewusst sein, dass es sich bei dem Roman um eine (zum Teil) fiktive Handlung handelt, wie das Motto des Buches verkündet: „You must sacrifice your family on the altar of fiction.“ (David Vann) Der Leser wird nie erfahren, welche Passagen hinzugedichtet wurden und muss die geschilderten Ereignisse kritisch betrachten.
Parallelen zwischen der Mutter-Kind-Beziehung im Roman und den Eltern-Kind-Beziehungen in jedermanns Umfeld können sicherlich gemacht werden. Dieser Roman lehrt uns unter anderem, uns mit der Vergangenheit und der Geschichte unserer Eltern und Großeltern zu befassen. Vielleicht gelingt es uns dann auch ihr Wesen und ihre Entscheidungen besser nachzuvollziehen.
Adriaan van Dis schildert in Das verborgene Leben meiner Mutter eine nüchterne und dadurch realistische Beziehung zwischen Mutter, Sohn und Vergangenheit, welche überaus lesenswert ist. Denn es ist die Nüchternheit des Romans, die den Leser berührt.

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Tags: adriaan van dis, ik kom terug   (2)
 
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