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6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

813 - Das Doppelleben des Arsene Lupin [p6t]

Maurice Leblanc
Flexibler Einband
Erschienen bei Diogenes, 01.01.1981
ISBN B002RGE9MK
Genre: Sonstiges

Rezension:

Sherlock Holmes hat ja gerade wieder Hochkonjunktur; sein französisches Gegenstück, der geniale Gentleman-Dieb Arsène Lupin, hat bisher noch nicht von dem Hype profitiert, aber wie ich ihn kenne, straft er die fehlende Aufmerksamkeit mit ironischer Verachtung. Dabei haben die beiden Superhirne des Verbrechens zwar den unversöhnlichen Unterschied von Recht und Unrecht zwischen sich, ansonsten aber vieles gemeinsam. Nicht zufällig hat Maurice Leblanc dem rätselhaften, stehlenden Monsieur einen Gegenspieler mit auf den Weg durch ein sehr romantisiertes Frankreich gegeben, der auf den sonderbaren Namen Herlock Sholmes hört: Und knapp, aber verdient den Kürzeren zieht. Also, Messieurs ’dames, hier haben wir eine ganze Reihe von mitreissenden, begeisternden Schmökern, bevorzugt unter der Bettdecke mit einer Taschenlampe zu lesen. Atemberaubende Stücke vorzüglicher Abenteuerliteratur, bei der es ja bekanntlich vor allem darum geht, die Grenzen zwischen Gut und Böse aufs gänsehautigste virtuos zu verschieben. Heute also gehört unser Herz dem Gentleman-Bösewicht, dem kaltblütigen, unerreichten Arsène Lupin.

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155 Bibliotheken, 9 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

new york, thriller, dekadenz, wahnsinn, mörder

American Psycho

Bret Easton Ellis
Flexibler Einband
Erschienen bei Random House Inc, 07.12.2010
ISBN 0679735771
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Zwanzig Jahre später müsste man ja mal nachsehen, wie der damalige Literatur-Schocker AMERICAN PSYCHO nun nachhaltig so gewirkt hat. Damals war es schlicht nicht möglich, auf irgendeiner Party über Bücher zu sprechen, ohne dass Bret Easton Ellis’ provokantes Werk auf der Agenda stand. Für gewöhnlich zerfiel die Schar der Diskutanten in zwei Gruppen (und in den Rezensionen hier auf LB lässt sich das auch noch nachlesen): Es gab die „Iiiih, wer schreibt denn sowas, ich konnte gar nicht hinkucken“-Fraktion.... und die „Ho ho ho, starker Tobak, aber ich vertrage ja was“-Fraktion. Während die erste Fraktion Ellis übelnahm, dass er um des Schockeffeks willen zu weit ging, liebte ihn die zweite genau aus dem gleichen Grund. Die erste sah die Tabus einer Gesellschaft verletzt – die zweite auch, aber sie freute sich darüber. Über das Anliegen des Buchs selbst HINTER diesem vordergründigen Schockeffekt wurde eher wenig spekuliert, und das womöglich zu Recht: Denn vielleicht gab es ja in der Tat gar kein Anliegen. Oder allenfalls ein stilistisches Anliegen; maximaler Impact eben, maximales Dröhnen vor Publikum, Gesprächsthema sein in den Salons der Großstädte der Welt. Oder wollte Ellis etwa signalisieren, dass konsumorientierte Oberflächlichkeit zu oberflächlichen Beziehungen und von da aus sofort in einen bluttrunkenen Blitzkrieg des „Es“ führt? Reine Küchenpsychologie also? Hoffentlich nicht. Die Welt ist böse, und stylische Werbefuzzis sind ihre Totengräber? Ich bitte Sie … Andere Bücher danach waren in ihrer expliziten Gewaltbeschreibung nicht weniger schockierend, – Bolaños „2666“ etwa oder Jonathan Littells „Die Wohlgesinnten“. Aber ihre Wirkung war subversiver und nachhaltiger, weil sie eine gesellschaftliche Wirklichkeit beschrieben, die Ellis für sich reklamierte, durch die onanistischen Litaneien der Markenaufzählung aber ins Absurde überspitzte. Und genau damit zerlegte er jeden Realitätsbezug seines Protagonisten und machte die sezierenden Brutalitätsprotokolle zu einer üblen Marotte, die schockte, aber folgenlos blieb: Gewaltfantasien, die keine Albträume verursachten, sondern ein Völlegefühl, auf das ich persönlich noch immer nicht erpicht bin.

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167 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 11 Rezensionen

science fiction, science-fiction, ubik, zukunft, mindfuck

Ubik

Philip K. Dick
Flexibler Einband: 427 Seiten
Erschienen bei Heyne, W, 01.11.2003
ISBN 9783453873360
Genre: Science-Fiction

Rezension:

UBIK wird immer wieder für kompliziert gehalten, dabei ist es gerade die frappierende Einfachheit der Story, die das Buch 1969 zu Dicks Meisterwerk machte – und zu einem Buch, nach dem die Science Fiction nicht mehr so war wie vorher. 

Wie in den Strophen eines Songs (oder den Leveln eines Computerspiels) stürzt eine Raumschiff-Crew auf der Erde rückwärts durch die Zeit. Von Strophe zu Strophe geht es weiter zurück, und je weiter man kommt, um so schwerer wird es, an das drogenhaft benötigte Lebenselixier Ubik heranzukommen.
Ein boshafter Gegenspieler behindert die Jagd nach dem Stoff zusätzlich. 

In einer verblüffenden Auflösung wird am Ende des Buchs alles erklärt: Die Story, die Parallelwelten, der Gegenspieler. Und unser suchthaftes Streben nach Erfüllung oder Glück (und die Beschwerden des Alters, die Abnutzung des Erfolgs, der immer währende Daseinskampf) gleich mit. 

Ein Juwel, ein Klein-, nein: Großod, gerade wegen der strengen logischen Form des Aufbaus, der Parabelhaftigkeit und der Glaubwürdigkeit, mit der Figuren und Szenarien hier gezeichnet sind. Eins meiner 100 Lieblingsbücher aller Zeiten.

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Wir waren 13

Matthias Weißert
Fester Einband: 274 Seiten
Erschienen bei Muschel Verlag, 28.11.2011
ISBN 9783936819526
Genre: Biografien

Rezension:

Die Bereitschaft, sich zu erinnern, ohne zu interpretieren – aufzuzählen, was geschehen ist, ohne ein Leben, das 1932 anfing, von einer späten Sicht aus rückblickend zu erklären: Das können nicht viele. Matthias Weißert beherrscht die Genauigkeit des Erinnerns, die dafür nötig ist, und auch die kindliche Freude am (damaligen) Jetzt hat er keineswegs eingebüßt. Das macht seine Beschreibungen der Kindheit, der Familie, der ereignisreichen ersten Lebensjahre nicht nur kurzweilig und sehr lesenswert, sondern auch wertvoll.
Was die Generation unserer Väter oder Großväter gewusst und gewollt hat – getan und gelassen: Bücher wie „Wir waren 13“ geben mehr Auskunft darüber als manches Geschichtsbuch.

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Die Geschichte meines Todes

Harold Brodkey , Angela Praesent
Flexibler Einband
Erschienen bei Rowohlt Taschenbuch, 02.02.1998
ISBN 9783499222832
Genre: Biografien

Rezension:

Deutsche Titel sind oft Grobheiten gegenüber dem Originaltitel eines Buchs; da ergeht es Harold Brodkey mit seinem schmalen letzten Buch, das er „This wild Darkness. The Story of my Death“ nennt, nicht anders. Auf den weit schöneren Originaltitel legen die Rowohlts keinen Wert; sie scheinen mehr an dem medizinischen Vorgang des Sterbens interessiert zu sein als am Tod selbst, und ja, auch diese Details beschreibt Brodkey in einer abschätzigen, peniblen, stoischen Art. Doch dem großartigen Autoren gelingt weit mehr als das; er umkreist – voll Angst, voll Unsicherheit, und doch auch immer wieder hohnlachend, neugierig und unerschrocken das letzte große Geheimnis seines Lebens: Den Tod selbst. Die Nichtexistenz, die vor ihm liegt wie vor uns allen, und der er sich von Seite zu Seite mehr nähert, mehr öffnet. „Man schult sich darin, dieses Entsetzen anzunehmen“, sagt Brodkey: Ja, vielleicht. „Die Geschichte meines Todes“ ist ein gutes, ein geistreiches und geistweites Schulbuch, das uns an den Blick in diesen Abgrund nicht gewöhnen, ihn aber vielleicht etwas vertrauter machen kann.

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Das Antikrebs-Buch

David Servan-Schreiber , Heike Schlatterer , Ursel Schäfer
Buch: 396 Seiten
Erschienen bei Kunstmann, A, 24.01.2011
ISBN 9783888977077
Genre: Sachbücher

Rezension:

Fünf Monate lang war dieses Buch mein Handbuch für den täglichen, zuletzt verlorenen Kampf um das Leben unserer besten Freundin. Noch immer liegt das zerlesene Exemplar auf meinem Nachttisch. Wer sich notgedrungen erstmals mit dem Thema Krebs auseinander setzen muss, für den hält Servan-Schreiber eine unglaubliche Menge an Aha-Erlebnissen bereit. Dass sich der Körper von Fett, der Tumor aber von Zucker ernährt … welche Gewürze und Lebensmittel die Blutversorgung des Tumors erschweren können… was die fehlenden Selbstzerstörungsprogramme von Krebszellen in Betrieb bringen könnte … welche Rolle Bewegung spielt, warum Zweckoptimismus auch ein Weg in die Einsamkeit sein kann, und, und, und: Undogmatisch und faktenreich, unterlegt von einer Vielzahl handfester Studien, skizziert der Autor ein Anti-Krebs-Konzept, das eine radikale Abkehr vom hilflosen Starren auf die vermeintlichen Wunderwaffen der Chemotherapeuten bedeutet. Vollkommen klar: Das neue, wirksame Mittel gegen den Krebs hat auch Servan-Schreiber nicht parat; auch er selbst ist Jahrzehnte nach der Diagnose an seinem Hirntumor gestorben. Doch er gibt dem Patienten die Verantwortung für seine Krankheit, nein: für seine Gesundheit zurück – und damit eine ganze Menge sehr konkretes Rüstzeug, um den Kampf gegen den Krebs selbst aufzunehmen und zu führen. Vielleicht letztlich nicht erfolgreich zu führen, ... – aber mit einem Gewinn an Lebensqualität, einem Gewinn an Hoffnung und Selbstbestimmung. Das allein macht dieses Buch für mich zum Besten, was ich zum furchtbaren Thema Krebs gelesen habe.

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nationalsozialismus, hitler, biographie, 2.weltkrieg

Als Hitler mir die Hand küßte

Bella Fromm
Fester Einband: 330 Seiten
Erschienen bei Rowohlt, Berlin, 01.12.1996
ISBN 9783871340611
Genre: Biografien

Rezension:

Frappierende neue Perspektiven auf die Zeit des Nationalsozialismus sind selten – Bella Fromm bietet eine. Als Gesellschaftsreporterin mit Wurzeln im adelsnahen Großbürgertum ging sie in den ausländischen Botschaften in Berlin von 1930 bis zu ihrer Emigration als Jüdin 1938 ein und aus. Ihre Tagebuchaufzeichnungen zeigen verblüffend, wie hellsichtig Teile der Diplomatie die Absichten und Ziele der Nazis vorhersahen – und wie leichtfertig sie diese aufziehende Gefahr gleichzeitig oft auch nahmen. Die Katastrophe des ganzen Kontinents wird hier mitunter bei einer guten Flasche Champagner wie ein leichtes Sommergewitter abgehandelt, bis die Faktenlage nicht mehr zu übersehen ist und Krieg, Massenmord und Diktatur alle Regeln der Diplomatie über den Haufen werfen. Bella Fromm selbst kann das Land 1938 in letzter Minute verlassen – da ist der Nationalsozialismus längst in alle Bereiche des Lebens, in die Produktionsbedingungen, Industrie und gesellschaftliche Eliten eingedrungen und das, was kommt, weder wegzudiskutieren noch mit Diplomatie zu lösen.

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pubertät, phantastik, schottland, geschlossene anstalt, erziehung

Die Wespenfabrik

Iain M. Banks
Flexibler Einband: 268 Seiten
Erschienen bei Heyne, 01.01.1997
ISBN 9783453124387
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die „Wasp Factory“ zu kennen, ist unter denen, die das Buch gelesen haben, wie ein geheimes Erkennungszeichen, wie die Mitgliedschaft in einem dunklen Kult. Und tatsächlich ist Iain Banks’ Debütroman von 1984 mit seiner ahnungsvollen, immer drängender aufschaukelnden Geschichte ein Buch, das man nie wieder vergessen wird. Das liegt an dem skurilen Plot mit seinem verblüffenden Knalleffekt am Ende, an der noch-kindlichen Grausamkeit, mit der sich der Ich-Erzähler die sommerschweren Tage bis zum Eintreffen seines Bruders vertreibt. Die Story bezieht ihre suggestive Anziehungskraft aber vor allem aus einer zweiten, noch viel wirksameren Quelle: Aus Banks’ Fähigkeit, gerade den kleinen Detailbeobachtungen und Spielchen seines jugendlichen Protagonisten so viel Authentizität einzuhauchen, dass man alle paar Seiten an die eigene Jugend erinnert wird, an die Enge, die Nähe, den Makrokosmos, der die Welt damals noch war, ehe der Blick sich weitete. Diese Klaustrophobie, die nach Ausbruch drängt, hat noch niemand besser beschrieben als der umtriebige Tausendsassa Iain Banks aus Schottland.

Und hey, apropos Schottland: Wer in Nairn landet an der Ostküste (und nicht das Glück hat, rechtzeitig zu kommen zu Tilda Swintons zauberhaftem halbprivaten Filmfestival „Lotte’s Electric Opera Dream“...) der sollte unbedingt seine Schritte in den örtlichen Buchladen unter dem Ballsaal lenken. Denn dort gibt es nicht nur alles, was Banks je geschrieben hat, zu kaufen: Der Meister hat das meiste auch eigenhändig signiert. Für Banks-Fans und für alle Freunde der schottischen Literatur ein Wallfahrtsort!

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Tags: buchladen, erwachsenwerden, filmfestival, klaustrophobie, kultbuch, lotte’s electric opera dream, nairn, pubertät, schottland, tilda swinton   (10)
 

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england, verbrechen, bomben, kriminalroman, umsturz

Der Mann der Donnerstag war

Gilbert Keith Chesterton
Sonstige Formate
Erschienen bei DROEMER KNAUR VERLAG, 01.04.1980
ISBN 9783426002520
Genre: Sonstiges

Rezension:

Was da unter dem Deckmantel eines turbulenten Kriminalromans daherkommt, ist ein Crashkurs in westöstlicher Philosophie. Der Polizist, der als Agent in einen anarchistischen Geheimzirkel eingeschleust wird, nach und nach alle Mitglieder als Agenten entlarvt und letztlich Teilnehmer einer furiosen Jagd nach dem ominösen Oberbösewicht wird (der, selbstredend, auch Chef der Polizeieinheit ist, die ihn jagt) - er ist der Inbegriff des modernen Menschen auf der Suche nach Sinn und Selbst. Das klingt geschwollen, doch Chesterton, der Meister der geschliffenen Aphorismen, gelingt mit seinem 1907 veröffentlichten schmalen Meisterwerk ein Husarenstück: eine Geschichte, die so atemberaubend spannend, urkomisch und zutiefst intelligent ist, dass sich das Buch seit über Hundt Jahren immer wieder neuer Auflagen erfreut. Dies hier ist das in den Siebzigern bei Knaur erschienene Taschenbuch mit dem damals cool beatlesstyligen Titelbild, das ich nun auch schon über vierzig Jahre mit mir rumschleppe.

Ein Kultbuch mit spektakulärem Plot; für mich eins der Hundert wichtigsten Bücher meines Lebens.

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Tags: anarchie, bomben, buddhismus, england, krimi, kriminalroman, paradoxie, philosophie, plot, polizei, umsturz, verbrechen   (12)
 

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stille, einsamkeit, südtirol, berge, medien

Stille

Tim Parks , Ulrike Becker
Flexibler Einband: 378 Seiten
Erschienen bei Goldmann Verlag, 08.09.2008
ISBN 9783442462223
Genre: Romane

Rezension:

Kann man ein Buch lesen, dessen Protagonisten man alle paar Minuten wegen seiner Verbohrtheit, Ignoranz, Arroganz in den Arsch treten möchte? Ja, man kann – wenn ein Balancekünstler wie Tim Parks die Feder führt. Das Arschtreten besorgt hier eine ungebändigte winterliche Alpenlandschaft, eine (im englischen original urkomisch zu lesende) unverständliche Eingeborenen-Sprache … und ein Hauptdarsteller selbst, der eben noch in seiner populären Talkshow den amerikanischen Präsidenten als Deppen vorführte und jetzt schnell merkt, wo seine Macht endet: An der Studiotür. Tim Parks gelingt in seinem wohl besten Buch eine meisterliche Abrechnung mit der selbstreferenziellen TV-Parallelwelt … und eine demütige, rührende und kein bisschen peinliche Verbeugung vor den wahren Werten des Daseins.

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Tags: alpen, berge, einsiedler, fernsehen, landschaft, moderator, österreich, robinson, schnee, talk show, tv, us-präsident, wildnis, winter   (14)
 

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20 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 2 Rezensionen

science fiction, zukunft, heile welt, umweltzerstörung, utopie

Schafe blicken auf.

John Brunner
Fester Einband: 527 Seiten
Erschienen bei Heyne, 01.01.1997
ISBN 9783453126640
Genre: Science-Fiction

Rezension:

1972 zog John Brunner – ein kommerzieller Schreiber von Sci-Fi-Massenware, der sich mit Büchern wie „Plätze der Stadt“ oder auch diesem hier den Luxus kleiner Ausflüge in die anspruchsvollere Literatur leistete – einen klaren Schlussstrich unter meine Zukunftsfantasien. Die Zukunft, davon war ich als 13jähriger überzeugt, konnte ja nur toll werden, mit technischen Erleichterungen für jedermann, dem Sieg über Hunger und Krankheiten, ein technoides Paradies auf Erden. Pustekuchen! Brunner imaginierte eine Welt der Zukunft, in der nichts wirklich klappte, eine smogverseuchte Vorhölle, in der die Diktatur des Alltags das Individuum zum Sklaven von Geld und Wohlverhalten macht. Seine Vision verlässt den Boden der Science Fiction und weist weit ins Soziale, Politische. Und auch die Revolte dachte John Brunner gleich mit – mit der fiktiven Erhebung der „Trainisten“, die sich ein Motto zu eigen machen, das man heute, 41 Jahre nach Erscheinen des Buchs, jedem Auto, Flugzeug oder Kreuzfahrtschiff in die Karosserie ritzen möchte: „Du bringst mich um!“

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Tags: heile welt, revolte, science fiction, technik, umweltverschmutzung, umweltzerstörung, vision, widerstand, wissenschaft, zukunft   (10)
 

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schizophrenie, marketing, umweltzerstörung, ölindustrie, mineralöl

Sickster

Thomas Melle , ,
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 01.03.2013
ISBN 9783499256950
Genre: Romane

Rezension:

Für die falsche Seite arbeiten - hier: Für das Mitgliedermagazin eines unschwer zu erkennenden französischen Mineralölkonzerns - kann Probleme bereiten, die auch mit guter Bezahlung oder dem Blick aus einem eleganten Hochhausturm nicht kompensierbar sind. Magnus Taue jedenfalls bekommt den moralischen Spagat nicht hin; er scheitert. Und das auf eine spektakuläre und (für geneigte Leser, die sich in der Schizophrenie dieses Alltags wiedererkennen) unterhaltsame Art und Weise. Man ahnt schon, dass Thomas Melle sich in seinem neuen schriftstellerischen Heldenstück allerhand Rotz und Wasser von der Seele brüllt, und wahrhaftig, der Mann kennt die Redaktionsetagen der Großindustrie nicht nur von außen. Dass das Buch bei allem Nähkästchenplaudern am Ende geradezu ins Polit-Fantasy-Genre abschwirrt, ist einer Gesellschaft geschuldet, die für den Umgang mit den ganz großen Akteuren des Klimawandels noch keine andere Handhabe entwickelt hat als die private Rebellion – oder eben das wütende Anschreiben im Schriftstellerstübchen.

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Tags: klimawandel, konzern, mineralöl, ngo, psychiatrie, rebellion, schizophrenie, umwelt, umweltschutz, umweltzerstörung, widerstand   (11)
 

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warenkunde, handbuch, essen, nachschlagewerk, kochen

Das Gourmet-Handbuch

Udo Pini
Fester Einband: 1.056 Seiten
Erschienen bei h.f. ullmann, 15.03.2007
ISBN 9783833143021
Genre: Sachbücher

Rezension:

Oh Mann, der Pini: DAS nenne ich einen Klassiker! Ein beeindruckender Beweis dafür, dass nicht ungewichtete Masseninfos à la Internet ein gutes Nachschlagewerk ausmachen – sondern die sortierende Hand eines Mannes, der sich auskennt, und das tut Pini wie kein zweiter.
Unentbehrlich ist das Buch überall da, wo gegessen wird. Denn gerade am Tisch tauchen sie auf, die Fragen, auf die Pini garantiert eine Antwort hat: Darf ich beim Aschekäse die Schale mitessen, wer hat eigentlich die Pomelo erfunden – und what the hell is a Supertoskaner?
Unerreicht ist Pinis Sprachwitz. Den hat er sich – und das merkt man – beim Ausknobeln all der ZEITrätsel erworben, deren Autor er auch lange Zeit war. So wird die Lektüre immer wieder auch sprachlich was für Gourmets.

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Tags: essen, gourmets, käse, kreuzworträtsel, lebensmittel, lexikon, nachschlagewerk, pomelo, rotwein, supertoskaner, tisch, warenkunde   (12)
 

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buddhismus, dharma, sex, altmännerfantasien, karma

Sex ist verboten

Tim Parks ,
Buch: 320 Seiten
Erschienen bei Kunstmann, A, 05.09.2012
ISBN 9783888977732
Genre: Romane

Rezension:

Tim Parks ist ein Könner allererster Güte, einer, den man in Englisch lesen sollte (was ich bei „Rapids“ und „Cleaver“ getan habe), der aber auch in den deutschen Übersetzungen, etwa der „Kunst, still zu sitzen“ als selbstironischer Großmeister voller Leidenschaft und einem Faible für skurrile Momentaufnahmen des modernen Menschen erkennbar ist.
Tja, das war die gute Nachricht. Die schlechte ist: „Sex ist verboten“ (eine extra Ohrfeige übrigens für den Marketing-Deppen, der sich für „The Server“ diesen reißerischen Titel ausdachte!) ist todlangweilig. Das Szenario (ein Retreat für zivilisationskranke Bürger westlicher Nationen, in dem eine junge, weibliche, selbstredend hochattraktive Bedienung zwischen ihrem Einsehen in die rituellen Abläufe des Ortes und einer wieder erwachenden Neugierde an den Lebensäußerungen und sexuellen Fantasien der Übenden hin- und hergerissen wird) ist Parks-like schräg und glaubwürdig ausstaffiert, aber Herr im Himmel, alle paar Seiten gehen eben doch die Altmännerwünsche mit dem Autoren durch - und das wäre peinlich, wenn es nicht so langweilig wäre. Brillant geschriebene Langeweile, indeed, aber während ich „Cleaver“ kurzerhand zu einem der Bücher des letzten Jahrzehnts küren würde, habe ich dieses öde Ding nach 80 selbstquälerischen Seiten weggelegt. Oder hat Parks, der sich mit den Schmerzen stundenlanger Yogaverrenkungen bestens auskennt, dieses Selbstquälerische bewusst als Stilmittel in die Lektüre eingebaut? Bewundernswert, Team: Dieses Buch macht Muskelkater. Am Sitzfleisch!

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Tags: altmännerfantasien, buddhismus, dharma, karma, originalausgabe, retreat, sex, yoga, zivilisation   (9)
 

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belgien, frankreich, kanufahrt, kajak, übersetzung

Das Licht der Flüsse

Robert L. Stevenson , Alexander Pechmann ,
Fester Einband: 175 Seiten
Erschienen bei Aufbau Verlag, 23.04.2011
ISBN 9783351033484
Genre: Klassiker

Rezension:

1878 erschien „An Inland Voyage“, das hier unter dem Titel „Das Licht der Flüsse“ in einer neuen, leichthändigen Übersetzung von Alexander Pechmann vorliegt. Stevenson, der Meister des opulenten, oft geschichtsverwurzelten Abenteuerromans, spielt in seinem tagebuchartigen Debüt eine weitaus leichtere, quirlige Flöte. Seine Beschreibung einer Kanutour durch Belgien und Frankreich strahlt noch heute eine Modernität und jugendliche Weltsicht aus, die verblüfft und verzaubert. Für mich das schönste Reisebuch seit langem – in einer angemessen buchverliebten, ästhetischen Aufmachung. Ein Kleinod, das ich mir – doch, doch, das kann man machen – gleich zweimal gekauft habe!

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Tags: 19.jahrhundert, abenteuer, belgien, buchästhetik, einband, flußfahrt, frankreich, gestaltung, jugend, kajak, kanu, neuausgabe, reisen, übersetzung   (14)
 

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Vollspast

Martin Keune
Fester Einband: 88 Seiten
Erschienen bei Books on Demand, 27.09.2011
ISBN 9783000360510
Genre: Sachbücher

Rezension:

Ich habe das Buch geschrieben - und das kam so: Im Dezember 2010 rollte hier ein junger Mann im Elektrorollstuhl durch die Tür meiner Werbeagentur und fragte nach einem Praktikumsplatz; ein Tetraspastiker, Alexander Abasov, 26. Außer der rechten Hand konnte er nichts koordiniert bewegen, war auf die Hilfe eines Arbeitsassistenten angewiesen für Toilettengänge, Nahrungsaufnahme, Arbeit. Doch mit einer Computertastatur kam er klar, und sein Wille, endlich raus zu kommen aus der beschränkten Welt der Behindertenwerkstatt, war unermesslich. Nach dem Praktikum fragte er, ob er hier bei ZITRUSBLAU nicht seine Ausbildung machen könne. Klar, sagte ich, das kriegen wir schon hin – ob Du behindert bist oder nicht, das kann ja keinen großen Unterschied machen...
Das machte es doch, stellte sich schnell heraus. Denn im Kosmos der Agentur für Arbeit und des Integrationsamtes kommen selbstbewusste Behinderte, die die Rechte der UN-Behindertenrechtskonvention mal eben so für sich abrufen wollen, noch nicht vor. Inklusion in diesem Land ist eine Absichtserklärung, aber noch bei weitem kein Alltag. Alexander Abasov und ich bekamen das drastisch zu spüren, und noch einen Tag vor Ausblidungsbeginn stand nicht fest, ob wir das wirklich schaffen würden. Von diesem Kampf gegen Behördenschläfrigkeit und -arroganz berichtet dieses Reportagetagebuch.

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talsperren, flüsse, preußen, industrialisierung, wassergewinnung

Die Eroberung der Natur

David Blackbourn , Udo Rennert
Flexibler Einband: 592 Seiten
Erschienen bei Pantheon, 01.12.2008
ISBN 9783570550632
Genre: Sachbücher

Rezension:

Als Großstädter neigt man dazu, die Welt in „drinnen“ und „draußen“ aufzuteilen ... und, im günstigsten Fall, am Wochenende „raus“ zu fahren. Dass das Nonsens ist und diese vermeintliche Naturlandschaft dort draußen das Ergebnis jahrtausendelanger Veränderungsprozesse, zeigt Blackbourn auf eine unglaublich sachkundige und leicht lesbare Weise. Zugleich widmet er sich ganz disziplinübergreifend der spannenden Frage nach dem „warum“. Warum wurden die dünn besiedelten brandenburgischen Sümpfe trockengelegt und neues Ackerland hergestellt, für das dann erst mal Kolonisten in Holland angeworben werden mussten? Warum wurde das halbe Sauerland mit Talsperren geflutet, um dann über lange, wartungsintensive Leitungen Wasser ins Ruhrgebiet zu leiten, das grundwassernah an Flüssen liegt? Historische Fragen, deren Antworten einem die Augen öffnen – für eine ganzheitliche Sicht auf Geschichte, auf Naturbenutzung, auf Politik. Wer die Mechanik hinter den reinen Fakten erfahren will, die Intrigen, Absichten und Strippenzieher kennen lernen, für die oder den ist Blackbourns Buch ein fettes, nachhaltig wirkendes Aha-Erlebnis.

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Tags: flüsse, industrialisierung, natur, politik, preußen, talsperren, wasser, wassergewinnung   (8)
 
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