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115 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 42 Rezensionen

insel, überleben, tod, überlebenskampf, extremsituation

Herz auf Eis

Isabelle Autissier , Kirsten Gleinig
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei mareverlag, 07.03.2017
ISBN 9783866482562
Genre: Romane

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16 Bibliotheken, 7 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

atlantik verlag, 2017, roman

Der Meisterkoch

Saygin Ersin , Johannes Neuner
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Atlantik Verlag, 05.10.2017
ISBN 9783455001488
Genre: Romane

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(40)

102 Bibliotheken, 3 Leser, 3 Gruppen, 26 Rezensionen

syrien, flucht, krieg, flüchtlingskrise, roman

Gott ist nicht schüchtern

Olga Grjasnowa
Fester Einband: 309 Seiten
Erschienen bei Aufbau Verlag, 17.03.2017
ISBN 9783351036652
Genre: Romane

Rezension:

Die Autorin erzählt das fiktive Schicksal zweier junger Syrer aus der Mittelschicht und beginnt im Jahr 2011, als die Revolution in Syrien Fuß zu fassen sucht.

Amal und Hammoudi kennen sich nicht und stammen aus verschiedenen syrischen Städten.

Aus verschiedenen Gründen verlassen sie ihr Land in Richtung Europa.

Ihre Wege kreuzen sich im Laufe des Buches mehrmals.

Am Ende werden sie Deutschland erreicht haben und damit auch dem Leser sehr nahe gekommen sein. Unklar bleibt der zeitliche Ablauf der Geschehnisse, am Schluss des Buches dürfte das Jahr 2015 erreicht sein.

Für den westlichen Leser ergeben sich vielfältige Einblicke in das Alltags-Leben der syrischen Mittelschicht. Dies ist ausgesprochen aufschlussreich.

Freunde, Musik, Partys einerseits, aber auch Korruption, Geheimdienst und ein verhasstes Regime andererseits.

Amal und Hammoudi haben beide einen Beruf: Sie ist Schauspielerin mit ersten TV-Engagements, er hat in Paris Medizin studiert und möchte dort auch weiterhin als Arzt tätig sein. Durch die verschiedenen Hintergründe ist der Einblick in das syrische Leben der Jahre 2011-2015 vielfältig.

Das Buch ist in drei unterschiedlich lange Teile gegliedert:

Teil I umfasst nahezu die Hälfte des Romans und führt in das Leben und die Hintergründe ein. Die Revolution in Syrien beginnt mit Demonstrationen. Diese Einführung ist sicherlich notwendig, um die Flucht-Geschichte vorzubereiten, allerdings auch sehr langwierig.

Ein Satz von Amal fasst diesen Teil zusammen: „Das ist ein böses Omen.“

Im zweiten Teil bricht Amal aus ihrer Heimat auf und gelangt zunächst nach Beirut, während Hammoudi in einem geheimen Krankenhaus als Chirurg tätig ist und täglich mit dem Krieg konfrontiert ist. Hier fällt der Satz

„Ich dachte, wir machen eine Revolution und zetteln keinen Krieg an.“

Zerstörung und Willkür, Bombardierung und Scharfschützen machen das Überleben schwierig. Der sinnlose Tod ist allgegnwärtig. Hammoudi bleibt dennoch vor Ort, denn er ist hier der einzige Arzt.

Amals Schicksal führt sie mit ihrem Gefährten Youssef nach Istanbul – Zwischenstation nach Europa.

Am Ende dieses Teils ist dann auch Hammoudi unterwegs und gelangt über die Türkei und Griechenland nach Serbien und schließlich nach Mitteleuropa.

Beide Fluchtgeschichten sind sehr dramatisch und reich an Grenzerfahrungen.

Da die Autorin nur episodenhaft erzählt, hat auch der Leser lediglich eine beobachtende Rolle.

Der kurze Teil III erzählt schließlich die Vorkommnisse in Deutschland: Asylantrag, Flüchtlingsunterkunft, Sprachkurs, die erste Arbeitsstelle.

„Die Welt hat eine neue Rasse erfunden, die der Flüchtlinge,…“

Hier geht für mein Empfinden vieles zu schnell, ich konnte nicht alles nachvollziehen und einige Aspekte (Anerkennung als Flüchtling) werden nur tangiert.

Sprachlich ist der Roman sehr geradlinig. Meist im Präsens erzählt, einige Passagen jedoch als Rückblende. Die Auswahl scheint willkürlich. Häufig wechselt die Perspektive zwischen Amal und Hammoudi. Die Abschnitte enden oft abrupt – Spotlight aus. Manches Mal hätte ich mir eine Abrundung des Kapitels gewünscht.

Ich habe dieses Buch fasziniert gelesen, wenngleich die Lektüre nicht immer leichtfiel.

Das Flucht-Thema in einem Roman zu thematisieren halte ich für eine wichtige Sache.

Sprachlich ist der Roman sehr geradlinig, manchmal einfach. Die teilweise episodenhafte Erzählweise, in der längere Zeitabschnitte kaum beleuchtet werden, war für mich gewöhnungsbedürftig.

Fazit:

Ein wichtiges Buch, aber kein einfaches Buch.

Die Erzählweise sprach mich nur begrenzt an. Daher gibt es von mir 3,5 Sterne, die ich hier aufrunde.

Eine Leseempfehlung: Ja!

Die Vermarktung als „Flucht-Geschichte“ trifft allerdings nur begrenzt, nämlich auf Teil II, zu. Das sollte der Leser vorher wissen, um nicht enttäuscht zu werden.

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Fallwind

Till Raether
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 23.06.2017
ISBN 9783499272011
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Dies ist der dritte Roman um den Polizisten Adam Danowski aus Hamburg. Mir ist der Typ bereits aus den beiden Vorgänger-Romanen bekannt und vertraut. Ein Ermittler mit einem Privat-Leben und Leichen im Keller.  Kein Übermensch, aber engagiert.

Schauplatz der Ermittlung ist dieses Mal die niedersächsische Wattenküste und ein Offshore-Windpark. Nach zwei Morden an jungen Frauen wird der Ermittler aus Hamburg angefordert, da möglicherweise ein Serienmörder am Werk ist.

Danowski gerät in ein dörflich verfilztes Milieu und gräbt sich einige Jahrzehnte in die Vergangenheit. Damals wohnten die Inselkinder bei einer Gastfamilie auf dem Festland hinter dem Deich, um die Schule zu besuchen. Der Leuchtturm war ihre optische Verbindung zu den Eltern auf der Insel.

Dieser Leuchtturm ziert auch das Cover des Buches und – ja, er spielt eine Rolle!

Heute hat sich in dem strukturschwachen Gebiet an der Küste ein Windpark-Betreiber angesiedelt und schafft wichtige Arbeitsplätze. Aber auch hier scheint nicht alles mit rechten Dingen zuzugehen.

Der fast 500 Seiten lange Roman beginnt in einem ruhigen Erzähltempo und stellt die persönlichen Probleme von Adam Danowski zunächst einmal in den Vordergrund. Auch die Protganisten vor Ort werden in aller Ruhe vorgestellt. Der Leser hat Gelegenheit, sich gedanklich an die herbstliche Küste zu begeben. Dies gelingt ausgesprochen gut: Milieu und Menschen werden sehr plastisch beschrieben.

Die Ermittlungen allerdings laufen eher zäh und drehen sich im Kreis.

Erst im letzten Drittel nimmt die Handlung dann stark an Fahrt auf und die Spannung steigt enorm. Nach vielen denkbaren Wendungen ist die Auflösung dann doch voller Überraschungen – auf jeden Fall aber schlüssig!

Die Erzählperspektive wechselt häufig, dadurch ist das Buch in sehr viele kurze Kapitel untergliedert.

Dank des unterhaltsamen Sprachstils ist die Lektüre niemals langweilig – auch im langsameren ersten Teil nicht.

Mich hat dieser Roman bestens unterhalten und ich bin sehr angetan von der gewandten, humorvollen Erzählweise.

Deshalb gibt es von mir die volle Punktzahl und – natürlich – die uneingeschränkte Leseempfehlung.

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67 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 41 Rezensionen

finnland, schicksal, zufall, verlust, depression

Dinge, die vom Himmel fallen

Selja Ahava , Stefan Moster
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei mareverlag, 14.02.2017
ISBN 9783866482425
Genre: Romane

Rezension:

Ein Roman über unvorhersehbare Dinge, die einfach passieren.

Menschen sind zur falschen Zeit am falschen Ort – und das Leben ist für immer verändert.

Saara – zu Beginn des Romans acht Jahre alt – muss erfahren, dass ihre Mutter von einem Eisbrocken im eigenen Garten erschlagen wurde.

Der Vater, der seine Frau gefunden hat, wird traumatisiert und verfällt in eine anhaltende Depression. Selbst auf die Schafe ihrer Tante Annu ist kein Verlass – die Lämmer werden erwachsen und sogar geschlachtet.

Das Buch ist in vier ungleiche Teile gegliedert. Zunächst erzählt Saara auf knapp 100 Seiten über ihren Verlust und die Erinnerungs-Bruchstücke, die sie mit ihrer Mutter verbinden. Ein melancholischer Abschnitt mit poetischen Anteilen. In wunderbaren Gedankensplittern zeichnet das Kind ein warmes Bild der verstorbenen Mutter. Märchen haben in der Mutter-Tochter-Beziehung eine wichtige Rolle gespielt.

Ein unvorhergesehener doppelter Lotto-Gewinn wirft Saaras Tante Annu aus der Bahn. In einer intensiven Brieffreundschaft sucht sie im schottischen Fischer Hamish einen Vertrauten. Dieser hatte wunderbarerweise vier Blitzschläge überlebt – sein Umfeld jedoch isolierte diesen „Glückspilz“.

Nach einem Zeitsprung ist Saara ein Teenager und ihr Vater hat eine neue Partnerin gefunden, die den dritten Abschnitt (30 Seiten) erzählt. Krista ist mit einer Schwangerschaft beschäftigt und dem Wissen um ein schweres Handicap ihres Babys. Die Beziehung zu Saara ist merkwürdig distanziert. Interessant ist Kristas Blickwinkel auf das Haus der Familie, in dem sich Jahre zuvor das Unglück ereignet hatte.

Den letzten – schwer zugänglichen – Abschnitt erzählt wiederum Saara. Hier wird es noch einmal märchenhaft, ja mystisch.

Saaras Blickwinkel spannt sich zwischen Weltuntergang und Paradies aus. Sie philosophiert über das Ende: „Wenn es keinen Schluss gibt, dann ist es auch keine richtige Geschichte.“ „Vielleicht sind Schlüsse in unserer Familie nie gut.“  Ein Gespenst (die Mutter?) erzählt nachts Märchen ohne passendes Ende.

Auch der Roman endet auf den ersten Blick unbefriedigend. Die Geschichte der Hauptpersonen wird nicht zu Ende erzählt. Vieles bleibt offen – das Baby wird nicht geboren, Tante Annu ist im Ausland, der Vater zwar von der Depression geheilt, aber verändert, Saara ist verwirrt. Sicherlich ist das von der Autorin so beabsichtigt, aber es erscheint ungewohnt.

Der Erzählstil ist wunderbar leicht und trotz des schwierigen Themas nicht unpassend.Die Gliederung des Buches in Abschnitte mit deutlichen Brüchen macht die Lektüre anspruchsvoll. Nicht jedes Stilmittel ist hier dem Leser sofort zugänglich.

Meiner Meinung nach steckt im letzten, so schwierigen Abschnitt, sehr viel von der Botschaft des Buches und ich habe ihn sofort zwei Mal gelesen.

Ohne etwas vorwegzunehmen: Es passiert noch etwas Unerwartetes, aber dieses Mal kommt es nicht vom Himmel sondern von der Erde.

Eine klare Leseempfehlung für dieses Buch – sprachlich ein Genuss, aber anspruchsvoll. Ein bisschen wie ein modernes Gemälde, das als Kunst sofort bewundert wird, dessen Bedeutung sich jedoch erst bei längerer Betrachtung erschließt.

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744 Bibliotheken, 27 Leser, 4 Gruppen, 24 Rezensionen

zweiter weltkrieg, 2. weltkrieg, familie, ken follett, russland

Winter der Welt

Ken Follett , Dietmar Schmidt , Rainer Schumacher
Flexibler Einband: 1.024 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 14.08.2014
ISBN 9783404169993
Genre: Historische Romane

Rezension:

Hier liegt nun der zweite Teil von Folletts „Jahrhundert-Trilogie“ vor und es ist dringend zu empfehlen, mit dem ersten Teil zu beginnen.

Die bereits vertrauten Figuren aus „Sturz der Titanen“ (Familie Williams, Familie Peschkow und Familie von Ulrich) sind älter geworden, haben sich weiterentwickelt und ihre Kinder tragen im Verlauf des Romans große Teile der Handlung.

Die Zeitgeschichte schreibt mit dem 2. Weltkrieg – samt Vorboten und ersten Nachkriegsjahren - den traurigen Höhepunkt des 20. Jahrhunderts.

Follett hat sich tatsächlich vorgenommen, die wichtigsten historischen Ereignisse dieser Jahre abzubilden und schickt seine Romanhelden unter anderem in den spanischen Bürgerkrieg, nach Pearl Harbour und selbstverständlich nach Berlin. Seine Protagonisten erleben die Schrecken dieser Zeit so hautnah, dass die Ereignisse auch dem Leser ganz nahe kommen.

Gleichzeitig führt dieses ambitionierte Vorhaben des Autors zu einer recht starken Zergliederung des Romans. Mir ist vor allem im ersten Drittel die Lektüre nicht so leicht gefallen wie erhofft.

Recht gut zeichnet Follett die verschiedenen politischen Weltanschauungen (Kapitalismus, Kommunismus, Sozialdemokratie) nach und lässt den Leser miterleben, wie die europäischen Länder um ihre Ausrichtung ringen. Gerade die Situation im Spanischen Bürgerkrieg und das politische Vakuum der ersten Nachkriegsjahre sind sehr gelungen dargestellt. Für die Handlungsträger sind diese Ereignisse ebenfalls schicksalhaft.

So manches Mal scheint es mir des Guten zu viel, was Carla von Ulrich im Widerstand alles erleben muss und welche zufälligen Begegnungen Lloyd Williams erfährt.

Gemessen an der Gesamtleistung, die dem Autor mit diesem Roman gelungen ist, sind das jedoch Kleinigkeiten.

Neben dem bekannten, flüssigen Stil des Autors möchte ich hervorheben, dass Ken Follett kein politisches System besonders hervorhebt. Seine Protagonisten erleben verschiedene Systeme sowie ihre Vor- und Nachteile zur jeweiligen Zeit. Auch sieht sich der deutsche Leser nicht mit Schuldzuweisungen konfrontiert. Benannt werden aber schon die Verbrechen des Krieges und auch die Verantwortlichen. 

Die Lektüre lohnt ganz sicher. Ein langer Atem ist erforderlich und die Fülle der Ereignisse in den Kriegsjahren spiegelt sich auch im Roman wider, der sehr viele Geschehnisse aufgreift.

Ganz sicher wird es sich lohnen, die Ereignisse der Jahre 1933 – 1948 aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.

Die Geschichtsstunde(n) lohnt sich und wird nachhaltigen Eindruck machen.

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12 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

chicago, haymarket, streik, bombenanschlag, krimi

Mit Müh und Not

Kai Blum
Flexibler Einband: 176 Seiten
Erschienen bei Books on Demand, 12.04.2017
ISBN 9783743162563
Genre: Historische Romane

Rezension:

Der Autor Kai  Blum nimmt den Leser mit in das Chicago von 1886.

Vierzehn Tage im Mai dieses Jahres werden aus der Sicht der Arbeiterbewegung geschildert.

Historisch verbürgt ist der erste Bombenanschlag in den USA im Mai 1886, in dessen Folge zahlreiche Arbeiter, die an einer Kundgebung teilgenommen hatten, verhaftet wurden. In diesem Szenario versuchen die fiktiven Brüder Jack und Bob Hunhoff ihrem Freund Andreas Brenner, der inhaftiert wurde, zu helfen.

Dieses sonst wenig beleuchtete Kapitel der amerikanischen Geschichte wird dem Leser hier sehr anschaulich geschildert. Das Schicksal und die Schwierigkeiten der Einwanderer sind beim Lesen zum Greifen nahe.

In der Leserunde wurden die Eindrücke zudem durch historische Fotos und Zeichnungen unterstützt.

Dies ist ein sprachlich wirklich gelungenes Werk und der Roman besticht durch die erstklassige Recherche, die zahlreiche Hintergründe beleuchtet. Sehr viele Fakten lassen auf den 173 Seiten jedoch auch einen recht dichten Eindruck entstehen. Besonders zu Anfang ist die Vielzahl der Handlungsträger unübersichtlich.

Für die Bezeichnung „Krimi“ gibt der Plot nicht gar so viel her.

Ich würde „Mit Müh und Not“ auch eher als einen historischen Roman bezeichnen denn als Krimi. In der Rahmenhandlung sind die Brüder Hunhoff als Ermittler aktiv. Sie dienen meiner Meinung nach als Figuren, die den Leser mit auf die Reise in das historische Chicago und die außerordentlich turbulenten Zeiten der Arbeiter- bzw. Anarchie-Bewegung nehmen.

Das Problem ist heute so aktuell wie damals und viele Errungenschaften der Arbeitnehmer wurden mit harten Streiks und entbehrungsreichen Jahren der Arbeiterschaft erkämpft. Dies wird dem Leser hier klar vor Augen geführt.

Ich gebe eine eindeutige Leseempfehlung für dieses Buch ab und werde auch die Vorgänger-Bände lesen, die sich dank der hervorragenden Recherche sicher lohnen werden.

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1.357 Bibliotheken, 61 Leser, 11 Gruppen, 73 Rezensionen

england, 1. weltkrieg, deutschland, liebe, krieg

Sturz der Titanen

Ken Follett , Rainer Schumacher , Dietmar Schmidt , Tina Dreher
Flexibler Einband: 1.038 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 30.03.2012
ISBN 9783404166602
Genre: Historische Romane

Rezension:

Betrachtet wird der Zeitraum von 1911 bis in die Jahre nach dem Ersten Weltkrieg.

Ken Follett schreibt eine Familiensaga, wie wir sie auch von anderen Autoren kennen. Hier wird jedoch die Geschichte von gleich drei Familien erzählt:

Familie Williams aus dem Arbeitermilieu in Wales Familie Peschkow aus dem russischen Zarenreich (später USA)  Familie von Ulrich aus Deutschland bzw. Österreich.

Die Mitglieder dieser drei Familien begegnen sich im Laufe des Romans immer wieder, gehen Beziehungen ein und entwickeln sich vor dem historischen Hintergrund.

Dank eines vorangestellten Personenverzeichnis kann der Leser hier den Überblick behalten.

Der beschriebene Zeitraum ist von dramatischen historischen Ereignissen geprägt, die sich auch in den Familiengeschichten wiederfinden. Natürlich ist der Erste Weltkrieg hier das bestimmende Thema – von seinen Vorboten über die Kriegsgeschehnisse bis hin zum Friedensschluss.

Die Protagonisten werden überwiegend als politisch aktiv bzw. politisch interessiert gezeichnet, so dass die historischen Fakten eng mit den handelnden Personen verknüpft sind, jedoch auch deren politische Meinung abbilden. Die Vielfalt der Handlungsträger gibt dabei auch eine Vielfalt an politischen Einstellungen wieder, eine Dokumentation ist die Darstellung aber natürlich nicht. Unvermeidlich kommt es hier auch zu Wiederholungen.

Ken Follett ist es gut gelungen, einen spannenden Familienroman zu schreiben, der ganz selbstverständlich historische Fakten mitliefert – Geschichtsunterricht auf die unterhaltsame Art sozusagen.

Hundert Jahre nach dem Ersten Weltkrieg eine empfehlenswerte Lektüre. Vielen Lesern – auch den historisch Interessierten – werden hier neue Zusammenhänge dargestellt. Vor allem aber werden die Geschehnisse sehr plastisch geschildert und durch die sympathischen Handlungsträger kommen sie dem Leser sehr nahe.

Reale und fiktive Personen sind geschickt in den Handlungen verknüpft. Belegte Ereignisse kommen ebenso vor wie Schilderungen von Kriegshandlungen, die lediglich beispielhaft sind.

Teils erhebliche Längen erfordern ein großes Durchhaltevermögen.

Die Verknüpfungen der drei Familiengeschichten erscheinen manchmal sehr gewollt.

Trotzdem werde ich die weiteren Bände der Trilogie sicher auch noch lesen.

Ich vergebe daher 4,5 von 5 Sternen und eine uneingeschränkte Leseempfehlung.

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46 Bibliotheken, 0 Leser, 3 Gruppen, 9 Rezensionen

schottland, geschichte, edinburgh, glasgow, sprache

Gebrauchsanweisung für Schottland

Heinz Ohff
Flexibler Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.10.2002
ISBN 9783492275101
Genre: Romane

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(46)

103 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 26 Rezensionen

geschichten, roman, kurzgeschichten, narratorische apotheke, märchen

Das Haus der Geschichten

Thomas Franke
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Gerth Medien, 10.07.2010
ISBN 9783865915726
Genre: Romane

Rezension:

„Das Haus der Geschichten“ siedelt Thomas Franke in Berlin an und meint damit ein Antiquariat mit einer ganz besonderen Abteilung im Keller: Einer Geschichten-Sammlung, die je nach Lebenslage und Gemütszustand den Besuchern eine Hilfestellung geben möchten. Der Autor nennt diese Sammlung „narratorische Apotheke“.

Betrieben werden Antiquariat und Apotheke von dem älteren Buchhändler Rasmus-Salomo Eichdorff, einer eindrucksvollen Persönlichkeit mit außerordentlicher Empathie. Das Jobcenter vermittelt ihm als Assistenten den chaotischen, etwas lebensuntüchtigen Schriftsteller Marvin, der den Sinn seines Lebens bisher weder gesucht noch gefunden hat. Zudem tritt die Enkelin des Buchhändlers, Linnea, auf den Plan.

Zwischen diesen dreien entspinnt sich die Rahmenhandlung, wir erfahren Lebensgeschichten und Tragödien, erleben Frohes und Trauriges mit.

Immer wieder flicht der Autor in diese Handlung Geschichten aus der narratorischen Apotheke ein, oft mit Angabe des Anwendungsgebietes, z.B. „Zur diagnostischen Bestimmung ausgeprägter anthropologischer Paradoxie“. Diese Geschichten bilden das Kernstück des Romans und sie transportieren allesamt eine Botschaft. Hier geht es um das Bild des Menschen, seine Rolle in der Welt, hier klingen philosophische Fragen an und es geht um den Sinn des Lebens und des Menschseins. Man merkt den Geschichten an, dass sie aus christlicher Überzeugung verfasst sind, sie haben jedoch keinen missionierenden Grundton, sondern fordern zum Nachdenken auf. Auch der Protagonist Marvin ist kein Christ, versteht aber die Botschaften der Geschichten, die ihn sehr beeindrucken.

"Entscheidend ist nicht das, was ich sehe, sonder das, was mich trägt."

Das Ende des Buches ist versöhnlich, aber teilweise offen gestaltet.

Sprachlich ist das Buch wirklich bemerkenswert. Die Beschreibungen sind sehr bildreich, die Geschichten mit großer Phantasie geschildert.

Viele Bedeutungen hat der Autor versteckt - schon die Auswahl der Namen hat er offenbar mit Bedacht vorgenommen. Hier kommt ein Marv(t)in vor, ein Eich(en)dorff, eine Frau Mansfeld…

Dies ist ein Buch, das allen Menschen zu empfehlen ist, die über sich und die Ausrichtung ihres Lebens nachdenken möchten. Mehrmaliges Lesen ist ganz sicher sinnvoll, es erschließen sich bei jeder Lektüre neue Aspekte.

Als i-Tüpfelchen sei noch das sehr gelungene Cover erwähnt, das die Liebe zu den Büchern bildlich wiedergibt.

Ich vergebe hier fünf Sterne, denn die Lektüre war wirklich eine große Freude!

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(27)

54 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

island, mord, krimi, ritual, btb verlag

Das letzte Ritual

Yrsa Sigurdardottir , Tina Flecken
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei btb, 12.09.2016
ISBN 9783442714407
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Dies ist der erste Roman um die isländische Rechtsanwältin Dora, die in Reykjavik als alleinerziehende Mutter mit ihren zwei Kindern lebt.

Von den Eltern eines ermordeten deutschen Studenten wird Dora beauftragt neben der polizeilichen Ermittlung noch eigene Recherchen anzustellen. Zwar wurde ein Drogendealer verhaftet, die Familie misstraut jedoch den Ermittlungsergebnissen.

Natürlich findet Dora am Ende heraus, was tatsächlich passiert ist. Dies geschieht dank zahlreicher Recherchen im Umfeld und Freundeskreis des Toten. Dora führt viele Gespräche und reist zu wichtigen Orten des Geschehens.

Der tote Harald war eine recht exzentrische Persönlichkeit mit einem starken Hang zum Okkultismus. Diese dunkle Seite hat er in Island tatsächlich ausgelebt. Immer mehr bizarre Details kommen zutage – aber waren sie auch bedeutsam für Haralds Tod?

Neben dem Kriminalfall taucht der Leser tief in die isländische Landes- und Kirchengeschichte ein. Als Ermittlungspartner steht Dora ein deutscher Ansprechpartner – Matthias- zur Seite. Mit ihm gemeinsam entdeckt der Leser die isländische Geschichte und die besonderen Gewohnheiten der Einwohner. Auch für den Island-Neuling wird das Buch so problemlos verständlich.

Das Erzähltempo ist nicht besonders hoch. Zahlreiche Verwicklungen und Wendungen sind eingearbeitet, die zunächst einmal in die falsche Richtung weisen. Der Schluss ist meiner Meinung nach überzeugend gestaltet und über lange Strecken nicht vorhersehbar.

Mir gefällt die Mischung aus Ermittlungsarbeit und privaten Erlebnissen, die sich recht gut die Waage halten.

Die Personenbeschreibungen sind klar herausgearbeitet – was bei späteren Büchern der Reihe leider nicht immer der Fall ist.

Für mich ein sehr starker Auftakt dieser lesenswerten Reihe.

Zum Personenverständnis ist es empfehlenswert mit diesem Buch anzufangen!

Ich vergebe 4,5 Sterne und runde auf 5 Sterne auf.

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(33)

70 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 29 Rezensionen

teufel, humor, london, ehe, dichter

Der Gentleman

Forrest Leo , Cornelius Reiber
Fester Einband: 296 Seiten
Erschienen bei Aufbau Verlag, 11.04.2017
ISBN 9783351036737
Genre: Romane

Rezension:

Der Leser findet sich in London im Jahr 1850 wieder und nimmt teil am Leben des verzweifelten, jung verheirateten Dichters Lionel (Nellie) Savage in einer künstlerischen Schaffenskrise. Für diese Krise macht er vor allem seine Frau, die er aus rein finanziellen Gründen geheiratet hat, verantwortlich.

Überhaupt kreisen die Gedanken des faulen Lionel vor allem um ihn selbst und ungerechterweise nimmt er die Personen in seiner Umgebung kaum noch wahr.

Erst als seine junge Frau, die er noch kaum kennengelernt hat, verschwindet, setzt die Reflexion über die zwischenmenschlichen Beziehungen ein. Der Leser kann das in endlosen Dialogen mit den Hausangestellten, den Verwandten und allen weiteren auftauchenden Personen nachvollziehen.

Die Handlung bleibt übersichtlich, stellt aber auch gar nicht den Kern des Romans dar.

Ob der Sinneswandel und die plötzlich aufkeimende Liebe zu der vorher verschmähten Frau von einem Happy End gekrönt sein werden, muss der Leser selbst herausfinden.

Zu lesen ist dieser Roman recht gut. Die ursprüngliche Fassung als Theaterstück ist deutlich wahrnehmbar und wahrscheinlich wirkt das Stück auf einer Bühne auch sehr stark.

Die Lesefreude ist abhängig davon, ob der Leser sich die stark überzeichneten Figuren so lebhaft wie im Theater vorstellen mag und ob einem der englische Humor liegt. Sollte das nicht der Fall sein, wird die Lektüre langatmig und nur skurril. Der (fiktive) Herausgeber von Lionels Niederschrift schaltet sich regelmäßig als Kommentator in Form von Fußnoten ein. Das ist manchmal ein Gewinn, oft aber nervig.

Das Cover, das mich auch ursprünglich angelockt hatte, ist wirklich genial gestaltet und trifft tatsächlich die Stimmung des Buches.

Klappentext und erste Seite können dem Interessierten bereits verraten, ob die Lektüre lohnen wird.

Ich vergebe 3,5 Sterne (die ich aufrunde). Das Buch hat mir gefallen – auf der Bühne hätte ich es aber viel lieber gesehen.

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(17)

31 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

island, island-krimi, mord, das gefrorene licht, yrsa sigurdardóttir

Das gefrorene Licht

Yrsa Sigurdardottir , Tina Flecken
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei btb, 12.09.2016
ISBN 9783442714414
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Dieser Roman ist der zweite Band aus der Serie um die Rechtsanwältin Dora Gudmundsdottir aus Reykjavik. Schauplatz ist die Halbinsel Snaellfelsnes im Westen Islands. Dorthin wurde Dora von einem Hotelbesitzer eingeladen, um ihm bei einer Kaufvertrags-Angelegenheit behilflich zu sein.

Während des Aufenthaltes geschehen ungeklärte Todesfälle und Doras Mandant sieht sich mit Verdächtigungen konfrontiert. Um ihn zu entlasten, beginnt Dora auf eigene Faust zu ermitteln.

Dora stößt auf Ereignisse, die mehrere Jahrzehnte zurückliegen und sucht Zeitzeugen und Dokumente, die Licht in das Geheimnis der ortsansässigen Familien bringen.

 Der Roman liest sich flüssig und unterhaltsam und entführt in die besondere Landschaft Islands. Das Erzähltempo ist eher beschaulich – manche Leser mögen es langatmig nennen. Bevor die Auflösung des Kriminalfalls erfolgt, werden verschiedene mögliche Täter aufgebaut und wieder verworfen. Letztendlich überrascht die Lösung des Falls dann doch.

Hier werden keine blutigen Gemetzel geschildert, im Vordergrund steht die Ermittlungsarbeit der Rechtsanwältin, die ich stellenweise aber als sehr aufdringlich empfinde. Ein Schuss Übersinnliches kommt hinzu und eine – wie ich finde – passende Menge an privaten Entwicklungen.

Die Figuren sind jedoch nicht so präzise herausgearbeitet, wie ich es von den späteren Romanen gewohnt bin und bleiben teils hölzern und eindimensional.

Trotzdem habe ich die Lektüre nicht bereut, es ist aber meiner Meinung nach eines der schwächeren Bücher aus der Reihe.

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(95)

208 Bibliotheken, 16 Leser, 1 Gruppe, 28 Rezensionen

märchen, familie, oma, fredrik backman, elsa

Oma lässt grüßen und sagt, es tut ihr leid

Fredrik Backman , Stefanie Werner
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 23.06.2016
ISBN 9783596197811
Genre: Romane

Rezension:

Oma (77 Jahre alt) und Elsa (7 Jahre) verbindet eine ganz besonders innige Beziehung. Oma ist äußerst unkonventionell, hat als Ärztin gearbeitet und eine ausgeprägte Rechtschreibschwäche. Elsa ist hochbegabt, in der Schule eine Außenseiterin und steckt in einer Krise, weil sie bald ein „halbes“ Geschwisterkind haben wird.

Oma ist Elsas beste (und einzige) Freundin. Gemeinsam erzählen und träumen sie sich in das „Land-Fast-Noch-Wach“, eine Phantasiewelt aus sechs Königreichen, in denen Elsa ein mutiger Ritter ist.

Schon früh im Buch wird Oma an Krebs sterben und Elsa allein zurücklassen. Oma hat ein besonderes Vermächtnis für ihr einziges Enkelkind. Elsa muss Briefe finden und an die Adressaten zustellen – allesamt Hausbewohner im Mehrfamilienhaus, das Elsa mit ihrer Familie und Oma gemeinsam bewohnt.

Gewissenhaft übernimmt Elsa diese „Schatzsuche“ und lernt dabei ihre Nachbarn, deren oft traurige Lebensgeschichte und ihre Beziehung zu Oma kennen.

Dies ist ein anrührender Roman, der jedoch große Längen hat. Besonders die Ausflüge in die Phantasiewelt konnten mich nicht ansprechen und ich habe es auch nicht geschafft, alle sechs Königreiche, deren Namen mit „M“ beginnen, zu differenzieren.

Den Schreibstil von Fredrik Backman kannte ich bereits und so war es für mich nicht verwunderlich, dass ständige Wiederholungen als Stilmittel eingesetzt werden – auf 480 Seiten kann das aber nervig werden. Deutlich merkt man, dass Backman von Astrid Lindgren inspiriert wurde. Die gewählte kindliche Sprache (oder das, was er für die Ausdrucksweise eines hochbegabten 7-jährigen Kindes hält) ist gewöhnungsbedürftig, aber konsequent durchgehalten.

Mein Fazit:

Dieses Buch entfaltet seine Wirkung erst auf den letzten 100 Seiten. Wenn sich das Puzzle allmählich auflöst und alle Teile ineinandergreifen, versteht der Leser die Geschichte und die Idee, die Oma zu den Briefen veranlasst hat.

 Hier erreicht das Buch eine emotionale Tiefe, die lange im Verborgenen schlummerte.

Selbst die Idee der seltsamen Überschriften, die durchweg aus einem Substantiv bestehen („Tabak“, „Gummi“, „Rührkuchenteig“, „Pizza“, „Wachs“,…) findet eine Erklärung.

Dies ist ein lesenswertes Buch und die Botschaft kommt an – wenn auch erst am Schluss.

Wer durchhält, in dem wird das Gelesene noch lange nachklingen.

Wer in der Großeltern-Rolle ist, wird sich danach vielleicht neu erfinden wollen, viele werden sich eine solche Oma wünschen, und wer sie hat oder hatte, wird ihr in alle Märchenewigkeiten dankbar sein.

Ich vergebe 3,5 Sterne, die ich gerne aufrunde.

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(5)

8 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 5 Rezensionen

Der andere Mensch

Stefan Zackariat
Flexibler Einband: 332 Seiten
Erschienen bei tredition, 30.05.2017
ISBN 9783743928428
Genre: Romane

Rezension:

Stefan Zackariats Jugendroman nimmt die Leser mit in die Steinzeit. Die Menschen leben in Gruppen als Jäger und Sammler, sie finden Unterkunft in Höhlen, sind jedoch noch nicht dauerhaft sesshaft.

Der Roman erzählt die Geschichte des jungen Patuh, dessen Gruppe nach mehreren Todesfällen zerbricht und der als Einzelperson zurückbleibt.

Ausgestattet mit einem besonders feinen Geruchssinn schafft es Patuh zu überleben, seine Nahrung zu beschaffen und den Elementen und wilden Tieren zu trotzen. Zeitweise wird er von einem treuen Pferd begleitet, bevor er schließlich auf eine Menschengruppe trifft, die ihn in ihre Gemeinschaft aufnimmt.

Der Autor beschreibt sehr anschaulich das Leben in der Steinzeit mit seinen vielfältigen Herausforderungen und wählt dabei stets die Perspektive Patuhs.

Die Kämpfe mit den immer wieder auftauchenden Wölfen sind sehr detailreich dargestellt – hier gibt es Action-Kino für den Kopf! Auch manch andere Szene wirkt auf mich sehr „hormongesteuert“ oder sogar animalisch.

Die Herausforderungen der Einsamkeit und die sozialen Gefüge in den Menschengruppen werden ebenfalls thematisiert, allerdings recht modern interpretiert.

Das Erzähltempo ist hoch genug, um keine Langeweile entstehen zu lassen. In den beschriebenen 20 – 25 Lebensjahren des Protagonisten bleiben jedoch längere Lücken.

Die genaue zeitliche und räumliche Einordnung hat sich mir nicht erschlossen.

Die Sprache der Steinzeit-Menschen wirkt teils sehr neuzeitlich, was mich als erwachsenen Leser gestört hat. Wahrscheinlich sind die jungen Leser hier weniger empfindlich.

Der Roman spricht die Zielgruppe (Altersempfehlung 12 – 15 Jahre) sicherlich an und wird wohl eher von Jungen bevorzugt.

Die besondere Thematik – das Leben in der Steinzeit – bildet einen attraktiven Kontrast zur sonstigen Jugendliteratur.

Ich gebe hier eine Leseempfehlung für interessierte Jugendliche.

Eine sprachliche Nachbearbeitung ist in Aussicht gestellt und wird dem Buch sicher gut tun.

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25 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 21 Rezensionen

familie, pflegeheim, pflege, mutti, pflegestufe

Mutti baut ab

Kester Schlenz
Fester Einband
Erschienen bei Mosaik , 13.03.2017
ISBN 9783442393152
Genre: Sachbücher

Rezension:

Kester Schlenz, als Buchautor und Stern-Redakteur bekannt, beschreibt seine Erlebnisse mit seiner älter werdenden Mutter im deutschen Krankenhaus- und Pflegewesen.

Traude Schlenz kennt und befürwortet das Buchprojekt – macht ihrem Sohn sogar Themenvorschläge und gestattet persönliche Einblicke.

Dabei fällt der humorvolle und kritische Blick des Autors immer wieder auf die problematischen Schnittstellen zwischen den Institutionen: Krankenkasse, Krankenhaus, Kurzzeitpflege, Fahrdienst, Arztpraxen, Hausnotruf, Essen auf Rädern,…..

Und natürlich geht es hier nicht um das System, sondern um den Menschen im System.

Traude Schlenz hat eine starke Persönlichkeit, die auch und gerade im Alter eine gewisse Herausforderung für die Mitmenschen darstellt. Sie lässt sich nicht ohne Widerspruch durch die Einrichtungen schieben und hat durchaus eine Meinung zu ihrem Wohnort, dem angebotenen Essen und zum Personal, das ihr begegnet.

Verblüffend realistisch beschreibt Kester Schlenz die schwierigen Wege im deutschen Versorgungssystem. Der Leser darf davon ausgehen, dass der Autor aufgeklärt und gewillt ist – trotzdem tun sich Hindernisse vor ihm auf, die er nicht für möglich gehalten hätte.

Ausgehend von den Herausforderungen mit einem alternden Elternteil entspinnt sich ganz nebenbei die Lebensgeschichte der Familie Schlenz: Wie ist Traude Schlenz, wie ist Kester Schlenz geworden wie sie nun mal sind?

Am Ende geht (vorerst) alles gut aus für ihn und für seine Mutter. Wie aber kommen weniger hartnäckige Menschen im deutschen System zu ihrem Recht und an das Ziel?

Eine Lektüre, die für alle lohnenswert ist, die einen betagten Elternteil haben.

Ermutigend, wie sich der Autor durch den Dschungel der Institutionen kämpft und die Würde des alternden Menschen gewahrt bleibt. Die schwierige Balance zwischen Unterstützung und Bevormundung alter Menschen ist hier gut gelungen und sehr unterhaltsam ins Wort gebracht.

Klare Leseempfehlung für das mutige Thema und die sprachlich überzeugende Umsetzung.

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182 Bibliotheken, 3 Leser, 5 Gruppen, 17 Rezensionen

island, krimi, vulkanausbruch, mord, vulkan

Das glühende Grab

Yrsa Sigurdardottir , Tina Flecken (Übers.) , Yrsa Sigurðardóttir
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 01.12.2008
ISBN 9783596181407
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Den Vulkanausbruch auf den Westmännerinseln gab es im Jahr 1973 wirklich.
Vor diesem Hintergrund entstand der Kriminalroman um die Rechtsanwältin Dora, hier liegt der dritte Fall aus der Reihe vor.
Doras Mandant Markus steht unter Mordverdacht, wurden doch in seinem Elternhaus mehrere Leichen entdeckt, die zum Zeitpunkt des Vulkanausbruchs zu Tode kamen.
Die Recherche führt Dora mehrfach auf die Westmännerinseln und der Leser wird ebenfalls dorthin entführt. Die besonderen Lebensumstände dieser entlegenen Region werden nachvollziehbar beschrieben. Eine besondere Herausforderung ist es, die Zeitzeugen zu einem 30 Jahre zurückliegenden Ereignis zu befragen.
Neben dem Kriminalfall beschreibt die Autorin auch die persönlichen Lebensumstände der Ermittlerin, was mir gut gefällt.
Dankenswerterweise wird am Ende eine Personenübersicht mitgeliefert, die die Orientierung erleichtert.
Die Personen sind allesamt nachvollziehbar beschrieben, manche Handlungsträger bleiben jedoch auch am Ende geheimnisvoll.
Die Lösung des Kriminalfalls ist kaum vorhersehbar, aber schlüssig.
Eine klare Leseempfehlung für alle, die skandinavische Krimis mögen.

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12 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 11 Rezensionen

venedig, musik, fiorenza, frauen, geige

FIORENZA DAL VIOLIN: Schicksal eines venezianischen Findels

Uta Ruscher
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Independently published, 16.02.2017
ISBN 9781520539195
Genre: Romane

Rezension:

Venedig 1747

Hier nimmt die Geschichte um das Findelkind seinen Anfang. Die Herkunft ist unbekannt, das Mädchen in der Babyklappe wird auf den Namen Fiorenza getauft und als Findelkind markiert. Von Beginn an fällt Fiorenza durch eine angeborene Musikalität auf – sie nimmt ihre Umwelt vor allem akustisch wahr – ein Phänomen, das sich durch den gesamten Roman zieht. Von einem aufmerksamen Priester wird Fiorenza zur musikalischen Ausbildung in das „Ospedale della Pieta“ in Venedig zurückgebracht, ein Findelhaus, das sich unter anderem mit einem Chor und einem Orchester der Kinder finanziert. Hier erlernt Fiorenza das Geigenspiel bei der begnadeten Lehrerin Anna Maria. Sie wird eine Berühmtheit in Venedig und Anna Maria ihre Vertraute.

Neben dem Geigenspiel drängt es Fiorenza zu eigenen Kompositionen – im 18. Jahrhundert für eine Frau nahezu undenkbar.

Durch Unterstützung des künstlerisch interessierten Priesters Don Gasparo findet Fiorenza einen musikalischen Ehemann, der mit ihr gemeinsam Konzertreisen unternimmt. Europa jubelt der jungen Künstlerin zu….

Uta Ruschers Roman zeichnet das Bild einer außergewöhnlich begabten Frau im 18. Jahrhundert, die ihren musikalischen Weg findet und emanzipiert ihr Leben selbst in die Hand nimmt. Viele erwähnte Personen – vor allem aus der Musik -  und zahlreiche Örtlichkeiten – so wie auch das Findelhaus! -  sind historisch verbürgt, die Geschichte selbst ist freilich fiktiv.

So findet der Leser einerseits einen historischen Roman vor, der ein Zeitgemälde Italiens im 18. Jahrhundert abbildet, andererseits liegt hier ein Künstlerroman vor.

Die Musik in all ihren Facetten durchzieht den gesamten Roman: Bäuerlicher Gesang, Etüden-Studium, Violin-Konzerte, Kompositionstechnik, Geigenbau, Konzertgebäude….

Sprachlich hervorstechend sind die akustischen Umschreibungen der Orte und Erlebnisse, die Fiorenza wahrnimmt. Städte und Landschaften sind bildreich beschrieben. Töne und Klänge erzeugen Emotionen und innere Melodien. Dies Gestaltungsmerkmal ist meiner Meinung nach sehr gut gelungen.

Inhaltlich werden über einen Zeitraum von 35 Jahren die Geschichten von Fiorenza und ihrer Lehrerin Anna Maria verwoben und einander gegenüber gestellt. Einige Geheimnisse im Lebenslauf werden gelüftet, andere bleiben im Verborgenen. Diese Auswahl empfand ich als willkürlich und am überraschend schnellen Ende des Buches etwas unbefriedigend.

Viel Freude bereitet hat mir das Lesen dieses Romans, dem die gründliche Recherche anzumerken ist. Über das musikalische Europa im 18. Jahrhundert habe ich viel dazugelernt. Sprachlich konnte mich das Buch ebenfalls überzeugen.

Empfehlenswert für Liebhaber historischer Romane, für junge und ältere MusikerInnen und für alle, die ein ungewöhnliches Frauenschicksal im 18. Jahrhundert erleben möchten.

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25 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 3 Rezensionen

kinderkrimi, geocaching, detektivclub, gps, abenteuer

Die drei !!! - SOS per GPS

Mira Sol
Fester Einband: 127 Seiten
Erschienen bei Kosmos, 06.02.2012
ISBN 9783440126530
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Ein weiterer Band aus der umfangreichen Serie um drei ermittelnde Mädchen im Teenie-Alter.

Diesmal geht es in ein Biosphären-Reservat mit nagelneuem Naturkunde-Museum.

Kim, Franzi und Marie wollen dort die kindgerechten Geocache-Touren austesten und geraten dabei in Schwierigkeiten. Wer möchte wohl diese erlebnispädagogischen Rundgänge sabotieren?

Aber nach Lösung des ersten Problems tauchen neue Ungereimtheiten auf – weitere Ermittlungen sind erforderlich.

In bewährter Weise kommen die drei Mädchen zum Erfolg und die Übeltäter werden überführt. Der Leser erhält zudem realistische Eindrücke in das Geocaching.

Schön, dass dies naturnahe Hobby, das auch von vielen Familien betrieben wird, hier im Kinderroman verarbeitet wird.

Aus Elternsicht finde ich auch den beschriebenen Umgang mit Handy etc. gelungen.

Neben der jugendlichen Ermittlungsarbeit wird auch wieder viel Wert auf das Zwischenmenschliche gelegt. Auch hier können die Leser mitnehmen, dass gelungene Freundschaft auch mit Verschiedenartigkeit gut funktionieren kann.

Ein Buch aus einer Reihe, die man gut und gerne an Kinder (ähm: nur an Mädchen!) verschenken kann.

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246 Bibliotheken, 2 Leser, 3 Gruppen, 23 Rezensionen

thriller, krimi, mord, club der ermittlerinnen, san francisco

Der 1. Mord

James Patterson , Edda Petri (Übers.)
Flexibler Einband: 350 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 11.06.2007
ISBN 9783442369195
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Dies ist der Auftakt zu einer Krimi-Reihe, die in San Francisco angesiedelt ist.

Vier junge, erfolgreiche Frauen aus verschiedenen Berufen sind sich einig, die besonders abscheulichen Morde an jung verheirateten Paaren schnellstmöglich aufklären zu wollen. Mit dabei ist Lindsay Boxer, einziger weiblicher Detective in San Francisco, die Gerichtsmedizinerin Claire, die junge Staatsanwältin Jill sowie Cindy, eine Zeitungs-Journalistin.

 Auf 350 Seiten lernen wir die vier Frauen immer besser kennen, ihre Stärken und ihre Vorlieben.

Hauptperson ist Lindsay Boxer, an deren Privatleben der Leser auch sehr ausgiebig teilhaben darf. Hier trägt Patterson gleich ganz dick auf, denn neben einer schweren Krankheit (die aber offenbar nicht hinderlich bei erfolgreicher Ermittlungsarbeit ist), die Lindsay ertragen muss, wird gleichzeitig eine Lovestory mit einem Kollegen entsponnen.

 Der zu Grunde liegende Kriminalfall weist zahlreiche Morde in kurzer Zeit auf – hier wäre weniger auch mehr gewesen. Die verschachtelte Auflösung und das theatralische Ende passen zu Patterson, hinterlassen aber den Geschmack eines sehr gewollten Plots.

 All das wird in dem für Patterson typischen Stil mit sehr kurzen Kapiteln erzählt.

Einerseits wirkt der Roman dadurch sehr sprunghaft, andererseits bleibt durch wechselnde Perspektiven die Spannung jederzeit erhalten. Die kleinen Kapitel-Häppchen machen das Buch gut geeignet für eine Zwischendurch-Lektüre. Man kann den Eindruck von literarischem Fastfood bekommen: Es schmeckt, aber es ist natürlich nichts für Gourmets.

 Eine Lese-Empfehlung für alle (weiblichen) Patterson-Fans, dann aber bitte auch die anderen zahlreichen Bände folgen lassen.

Von mir gibt es 3,5 Sterne für solide Unterhaltungs-Literatur.

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46 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 31 Rezensionen

schweden, finnland, roman, petteri nuottimäki, familiengeschichte

Rechne immer mit dem Schlimmsten

Petteri Nuottimäki , Wibke Kuhn
Fester Einband: 356 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 10.04.2017
ISBN 9783959670869
Genre: Humor

Rezension:

Wir befinden uns in den 1960er Jahren. Matti siedelt mit seiner Familie von Finnland nach Schweden über.

Nach einschneidenden Kriegserlebnissen, von denen der Leser in langen Rückblenden erfährt, scheint ihm das an Russland grenzende Finnland nicht mehr die richtige Heimat für sich und seine Kinder zu sein.

Auf 320 Seiten entspinnt sich eine Familien-Saga um Matti, seine Frau Beata und deren vier Kinder. Der Autor betrachtet dabei etwa drei Jahrzehnte (also etwa bis 1990) und nutzt mehrfach und ausführlich die Rückblende.

Drei Söhne und eine Tochter hat das Paar und Matti versucht mit eigenwilligen Erziehungsmethoden aus den Kindern gute, selbstständige Menschen zu machen, die sich „geschickt im Mittelfeld“ halten. Der Zeitgeist und die Persönlichkeiten seiner Kinder führen jedoch nicht zum erhofften Ergebnis, so dass schließlich ein geschäftlicher Wettbewerb unter den Kindern darüber entscheiden soll, wer das Familienunternehmen weiterführen darf, wenn Matti stirbt.

Hier entstehen skurrile Pläne der Kinder, die immer wieder durchkreuzt werden. Manche Träume werden realisiert, sind letztendlich aber zum Scheitern verurteilt und Erfolg hat schließlich nur das Kind, von dem man es am wenigsten erwartet hätte.

Der Autor selbst lebt als Finne in Schweden und hat sich durch seine Familiengeschichte inspirieren lassen.

Das Interessante an diesem Roman ist die sehr eigenwillige Erzählweise des Autors mit einem ganz speziellen Humor. Durchaus ernste Begebenheiten werden in die Leichtigkeit einer humorvollen Sprache verpackt. Wenn man sich als Leser darauf einlässt, dann hat man viel zu Schmunzeln ob der Vielzahl an Einfällen und komischen Wendungen.

Ganz leicht fällt die Lektüre durch die vielen Rückblenden und eine große Anzahl an (wichtigen!) Fußnoten nicht. Erleichtert wird es jedoch durch die gründlichen Kapitel-Überschriften und teils auch durch redaktionelle Einschübe des Erzählers.

Besonders gelungen ist der Schlussteil, der mit faustdicken Überraschungen aufwartet. Dabei wird jeder Handlungsstrang noch einmal beleuchtet und zu einem sinnvollen Ende geführt.

Mir hat das Buch einige kurzweilige Lesestunden bereitet.

Das völlig unvorhersehbare Ende bildete den Höhepunkt eines tragikomischen Familienromans.

Lesenswert für alle, die den skandinavischen Humor mögen und skurrile Geschichten schätzen.

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4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

gegenwartsroman, kleinbürger, fliegenfischen, satire

Amoklauf im Paradies: Eine Groteske von Christoph Fromm

Christoph Fromm
E-Buch Text: 206 Seiten
Erschienen bei Primero Verlag, 10.03.2016
ISBN 9783981608311
Genre: Sonstiges

Rezension:

Ein frustrierter Mittvierziger aus Deutschland entdeckt sein neues Hobby Fliegenfischen.

Nach dem Verlust seines Arbeitsplatzes und seiner Ehefrau möchte er in Schweden („Paradies“) eine Fliegenfischerschule betreiben.

Leider ist Erwin kaum kritikfähig und wenig spontan.

Das sind sehr ungünstige Voraussetzungen für eine Selbstständigkeit in einem wildnisreichen Land. Die Identitätskrise bezieht sich darüber hinaus auch auf Erwins sexuelle Orientierung. Und so geht wenig glatt bei der Existenzgründung in einer Branche, auf die Erwin nur theoretisch vorbereitet ist.

Seine lange vernachlässigte 18-jährige Tochter begleitet ihren Vater nach Schweden um einen Drogen-Entzug zu durchleben.

Zwei Großprojekte, die ziemlich danebengehen und beinahe schief gehen („Amoklauf“).

Immerhin entwickelt sich die Vater-Tochter-Beziehung ganz neu und die Ansichten der Tochter helfen Erwin aus seiner Krise.

 Der Leser nimmt Erwins Perspektive ein und erlebt alle Widrigkeiten aus seiner Sicht.

Man möchte Mitleid haben mit diesem Mann, der sich seit Jahrzehnten selbst belügt und seine Pubertät endlich nachholt.

 Viele Figuren des Romans sind stark überzeichnet, beschreiben aber im Kern die typischen Muster der 40- bis 50-Jährigen. Neben Erwin stehen seine sich emanzipierende Ehefrau Karin, die exzentrische, machtbewusste Kunstprofessorin Syllke Faber und der unbekümmerte, unzuverlässige schwedische Fliegenfischer Bengt.

Sie treffen auf eine junge Generation, denen die Probleme der Midlifer so völlig fremd sind.

Sprachlich ist dieser Roman bemerkenswert und überzeugt mit treffenden Formulierungen und bissigem Humor.

Viel Freude werden sicher alle Leser im passenden Alter haben.

Auch die Angler im echten Leben werden sich über den fischenden Romanhelden amüsieren.

Nicht-Anglern kann zwischendurch die Puste ausgehen, denn hier wird der Autor sehr detailreich.

Das Lachen kann einem aber doch im Halse stecken bleiben, wenn die Parallelen zum eigenen Leben sichtbar werden.

Ernst nehmen kann man die Geschichte natürlich nicht, sie ist denn auch als „Groteske“ beschrieben.

Ein toll erzähltes Buch mit einer Leseempfehlung mindestens für alle ab 40 Jahren (und für diejenigen, die solche Midlifer ertragen müssen).

Ach ja: Der Leser sollte im Englischen doch so bewandert sein, dass er sich mühelos in den fremdsprachlichen Teilen orientieren kann.

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1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Von null bis unendlich

Johnny Ball
Fester Einband: 96 Seiten
Erschienen bei Dorling Kindersley, 01.09.2009
ISBN 9783831014330
Genre: Kinderbuch

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40 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 20 Rezensionen

meer, jugendliche, schiff, mord, segeln

Deadwater - Das Logbuch

Tobias Rafael Junge , Nils Andersen
Buch: 224 Seiten
Erschienen bei Dressler, 20.02.2017
ISBN 9783791500492
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Dieses Schiffstagebuch (Logbuch) wird von den verschiedenen jugendlichen Besatzungsmitgliedern eines Segelschiffs im Wechsel geschrieben und illustriert und gibt die dramatischen Ereignisse während eines mehrmonatigen Erziehungs-Trips im Indischen Ozean wieder.

 

Die Aufmachung als (Schiffs-)Tagebuch-Roman mit ergänzenden Randzeichnungen ist etwas ganz Besonderes und sehr gelungen.

Keinesfalls ist hier von einem Comic-Roman die Rede, denn die Zeichnungen sind nur ergänzend zu verstehen. Sie lockern das Buch auf und lassen den Leser intensiv an den Gefühlen und Befindlichkeiten der jugendlichen Schiffsbesatzung teilhaben.

 

Nach der Einführung der Personen und anfänglichem Segler-Geplänkel geht es ab ca. Seite 60 hart zur Sache.

Die Erwachsenen verschwinden nacheinander vom Schiff, ihr Schicksal ist zunächst ungewiss. Die Jugendlichen sind auf sich allein gestellt und es gehen über Funk erpresserische Aufforderungen ein. In rasantem Tempo führen die Teens fragwürdige Aktionen durch um zu überleben und um ihre Lieben daheim nicht zu gefährden. So erleben die Segler eine Odyssee durch verschiedene Länder. Sie müssen sich mit extremen Wetterlagen und vielen weiteren Bedrohungen auseinandersetzen, bevor es letztendlich im Mittelmeer zum Showdown kommt.

 

Thematisch gefällt die Einbindung von gesellschaftspolitischen Themen. Und auch wenn sie nicht alle entscheidend für das Buch sind, dürfen die Leser sich gerne damit auseinandersetzen. Auch die bereisten Orte werden in angemessener Kürze vorgestellt (z.B. Kalkutta und Bangladesch).

 

Der Sprachstil wechselt je nach Verfasser des Logbuch-Eintrags, wird aber weder stichpunktartig noch gleitet die Sprache unangemessen ab. Auch erwachsene Leser freuen sich an gelungenen, bildhaften Beschreibungen. Der Ernsthaftigkeit des Themas entsprechend bleibt der Text frei von sprachlichen Fehlern.

 

Der Roman ist ausgesprochen spannend.  Die Auflösung ist kaum vorhersehbar. Und wie durchweg im Roman herrscht auch am Schluss nicht nur eitel Sonnenschein. Insofern ist das Buch keine ganz leichte Kost und es könnte Gesprächsbedarf mit erwachsenen Mitlesern entstehen.

Die Logik geht leider streckenweise verloren. So manche Szene ist einfach zu unrealistisch oder extrem konstruiert. Und auch die Konstruktion als Logbuch-Roman kommt an einigen Stellen an ihre Grenzen. Vermutlich stört das den erwachsenen Leser aber mehr als den jungen Menschen.

Wenn man davon absieht, hat man ein gelungenes Jugendbuch in den Händen, das vor Pubertätsthemen (Eltern-Kind-Konflikt, Wohlstandsverwahrlosung, Gemeinschaft, Verlust von Freunden, Verantwortung) nicht zurückschreckt.

Gerade für wenig lesefreudige Teens, die zudem nicht auf Fantasyromane stehen, bietet sich hier eine tolle Alternative zum herkömmlichen Sortiment.

Die Aufmachung ist so verheißungsvoll, dass die meisten Leser bis zu den richtig spannenden Teilen durchhalten und letztendlich die ca. 230 Seiten bewältigen werden. Die Seitenzahl ist übersichtlich und sicher auch von weniger geübten Lesern zu schaffen.

Die Leseempfehlung ab 12 Jahren anzugeben, halte ich für eine mutige Entscheidung. Ein klein wenig älter dürften die jungen Leser meiner Meinung nach schon sein.

Ich gebe eine klare Leseempfehlung ab und hoffe, dass das Buch den Weg in viele Buchhandlungen findet.

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22 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 16 Rezensionen

köln, reformation, luther, martin luther, inquisition

Die Reformatorin von Köln

Bettina Lausen
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Emons Verlag, 23.02.2017
ISBN 9783740800628
Genre: Historische Romane

Rezension:

In diesem historischen Roman zur Zeit Martin Luthers erleben wir, wie die 95 Thesen und weitere Schriften Luthers ihre Verbreitung in Köln finden.

Die faszinierende Lehre, dass die Ablassbriefe nicht erforderlich für das Seelenheil sind, findet offene Ohren. Stattdessen werden die Gläubigen zu guten Werken aufgefordert.

 

Jonata ist begeistert von diesen Ansichten, macht sie sich doch große Sorgen um das Wohl ihres plötzlich verstorbenen Bruders.

Auf Geschäftsreise begegnet sie Luther persönlich und setzt alles daran, seine Lehre in ihrer Heimatstadt Köln bekanntzumachen.

Die Schriften stehen allerdings auf dem Index und der Dominikaner-Orden geht streng gegen alle Verstöße vor: Drucken und Verbreiten der Texte sind bei schwerer Strafe verboten.

Jonatas  Bruder Enderlin gehört diesem Orden an und ist mit der Durchführung der Inquisition beauftragt.

Der junge Drucker Simon ist bereit, heimlich Luther-Schriften zu drucken.

Aus dieser Konstellation entspinnt sich eine Kombination aus historischem und Familienroman.

 Die Geschichte wird abwechselnd aus drei Perspektiven erzählt:

Der Leser nimmt Anteil am Alltag der 17-jährigen Jonata, Tochter eines wohlhabenden Brauers. Mit einer außergewöhnlich guten Bildung ausgestattet, führt sie ein relativ emanzipiertes Leben, sieht aber einer unerwünschten, arrangierten Heirat entgegen. Durch den plötzlichen Tod des Brauerei-Erben wird Jonata in die Geschäfte eingeführt.

Weiterhin gewinnt der Leser Einsichten in das Drucker-Handwerk aus Sicht des jungen Druckerei-Erben Simon, der sich in einer Erbauseinandersetzung mit seinem Halbbruder befindet.

Die dritte Perspektive nimmt der Ordensmann Enderlin, Jonatas Bruder, ein, der uns die Sichtweise der Amtskirche im 16. Jahrhundert näherbringt.

Durch das Arrangement aller drei Sichtweisen gelingt es, ein plastisches Bild der Stadt Köln zur Reformationszeit zu zeichnen. Viel Wert wurde auf die realistische Darstellung des Drucker-Handwerks und die historischen Gegebenheiten gelegt.

Die Sprache ist sehr gefällig und jederzeit gut zu lesen, das Erzähltempo so gewählt, dass der Spannungsbogen nicht abreißt. Die Perspektivwechsel sind so arrangiert, dass jeder Handlungsstrang für sich spannend bleibt.

Die Thematik ist ansprechend: Die Reformation findet ihren Weg nach Köln und ausgerechnet eine junge Frau tut sich bei der Verbreitung lutherischer Schriften hervor.

Auch der Leser gewinnt gründliche Kenntnisse über den Ablasshandel dieser Zeit, seine Befürworter und ihre Beweggründe. Demgegenüber stehen die Ansichten Martin Luthers, der sich vom Angst einflößenden Gottesbild verabschiedet hat. Darüber hinaus verbreitet er seine Lehre auch in deutscher Sprache – einmalig damals, ist doch sonst die Kirchensprache Latein.

Die Darstellung der Zeit und des theologischen Konflikts sind besondere Stärken dieses Romans und zeigen eine gründliche Recherche.

Einige Wendungen des Romans und besonders der Schluss wirken jedoch konstruiert.

Die Ereignisse überschlagen sich und nicht alle Fragestellungen des Romans finden ihre Auflösung.

Der Roman hat meine volle Lese-Empfehlung und spricht sicher alle Freunde historischer Romane an. Im Lutherjahr leistet er außerdem noch einen Beitrag zum Verständnis der damaligen Zeit.

Ich bewerte mit 4,5 Sternen (die aufgerundet werden). Auf eine Fortsetzung – auch zur Klärung offener Fragen – darf der Leser gespannt sein.

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