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deutsche literatur, biografie, provinz, erinnerungen, vater

Herkunft

Botho Strauß
Fester Einband: 96 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 29.09.2014
ISBN 9783446246768
Genre: Romane

Rezension:

Diese Rezension schreibe ich mit vielen kursiv gehaltenen Auszügen aus dem Buch von Botho Strauss, da sie besser ausdrücken, was ich doch nur hergeholt umschreiben müsste.

Selbst den vor 3 Jahren gegangenen Vater immer wieder um mich, in mir, und die Mutter noch immer rege im Leben, auch wenn zunehmend das Alter ihr erste Fingerzeige vollführt, empfinde ich zutiefst mit all den Worten, die Botho Strauss in Angedenk seiner Herkunft überkommen und die leise und mit Bedacht von ihm geformt werden. Es ist natürlich ein anderer Vater, nur eine ähnliche Form des misanthropisch Distanzierten ist vergleichbar, auch der angestammte Herkunftsort ist anders, stetiger als meiner, der immer wieder wandernd sich wandelte und doch in den neuen Räumen die nahe, wärmende Kontinuität des elterlichen Daseins und der dazugehörigen Dinge in sich trug. Bei Strauss aber ist es der dauerhafte Ort seiner Kindheit und Jugend in einer Wohnung in Bad Ems mit 7 Zimmern und einem langen Flur, er erinnert die Zeit zwischen seiner Ankunft dort in den Fünfzigern als Sohn von Flüchtlingen aus Naumburg an der Saale und dem Abschied als junger Mann in den frühen Siebzigern.

Gibt es etwas Besseres, als dort zu bleiben, wo du geboren, aufgewachsen, zur Schule gegangen bist, dich zum ersten Mal verliebt hast? Wo deine Eltern und Großeltern gelebt haben? Weshalb seinen angestammten Platz verlassen? Und wenn es schon sein muß, weil man ja das ein oder andere draußen in der Fremde lernen und zuwege bringen sollte, warum anschließend nicht wieder heimkehren? Es wäre nur die Hälfte des Vergehens zu spüren, wenn man an seinem Ort bliebe. Wenn man gar nicht anders könnte, als immer an seinem Ort zu bleiben.
Und dann ist es doch irgendwann im unvermeidlichen Lebenslauf soweit, die Konjunktive mit der Realität in Einklang bringen zu müssen: es tauchen die bedrängenden Zeilen auf, die zugleich in diesem Buch die letzten sind: Morgen wird die Wohnung entrümpelt. Morgen wird mein Zuhause aufgelöst.

Bis dahin aber erinnert sich Botho Strauss mit ruhigem, ab und an sentimentalem Wehen, episodisch, phasenweise philosophisch intellektuell, dabei klug, fast lebensweise und nie aufdringlich, in keiner Weise nachkarrend, bar jeglichem unreflektiert auflehnendem Rebellionsbegehr der Jugend, zugeneigt den Eltern und dem Ort, schwierige und schwerere Lebensmomente nur selten andeutend.
Strauss nimmt den Vater an, etwas, das für Nachkriegssöhne von Kriegsvätern beileibe nicht selbstverständlich ist, aber trotz dieser anvertrauenden Zugeneigtheit verklärt Strauss ihn nicht.
Es ist schön, wie er über drei, vier Seiten sich den Händen seines Vaters widmet, sie heraus- und emporhebt über andere verschonte, kleine Greifer: Es sind die Hände meines Vaters, die mir einen Sinn dafür gaben, daß die Eigenschaften, das Herz eines Menschen vordringen können bis in seine äußeren Gliedmaßen. Gliedmaßen von Güte und Mut, kein verlegenes Anhängsel. Sie lenkten mich, lange nachdem sie mich nicht mehr berühren konnten, lange noch nach ihrem Verfall von Wohlgestalt in kaltes Pulver. Wären es schwache Hände gewesen, etwa geknickte, wie Pfötchen herabhängende, oder hätte es je von dieser Hand eine mißlungene, unsichere, deutelnde oder verkrampfte Gebärde gegeben, ich wäre längst ein aus der Bahn geworfenes Subjekt, oder, schlimmer, ein immer noch überheblicher Sohn. Es gab sie aber nicht.

Die Gebärde — die Hand, die sich in den Nacken legt — reicht so tief, weil sie von den Tieren bei uns überlebt: immer im Nacken faßt das Maul der Katzenmutter das Junge; um es in ihre Obhut zu bringen.

Und zwischendurch, im Erzähljetzt, auch die wohlgesonnenen Betrachtungen über die Mutter:
Wieder in der Wohnung allein mit der uralten Mutter, die kaum noch versteht. Den Kopf seitlich ein wenig hebt, die Lider erschlaffen, und lieb lächelt sie wie zu allen Zeiten. Wenn sie ihre kleinen (für sie erheblichen) Anstrengungen macht, den Haushalt zu besorgen, den Tisch, an dem ich Wein trank, von Rändern zu säubern, den Morgenkaffee mit der Maschine zu bereiten, die Suppe zu rühren, wenn Besuch kommt, so geschieht das immer klaglos und ohne Murren. Vor fünfzig Jahren hat sie mir mit gleicher Umsicht für den Ausflug zum Fluss die Badesachen gepackt, Äpfel, Kekse, Handtuch, Seltersflasche in eine der großen Satteltaschen am Fahrrad sortiert. Dann gab sie mir Weisung, was ich zu tun und zu lassen hätte bei der Fahrt über die Landstraße, wann wiederzukehren, wem aus dem Weg zu gehen.

Immer durchscheinender die Schläfenhaut, und die blaue Ader tritt wurzlig hervor. Seit I910 tippelt sie mit diesen kleinen Schritten durch das Jahrhundert. Und hat die Welt für sich aufs schmalste eingeschränkt, damit genau die Passung stimmt zwischen ihrem unbeschwerten Verstehen und einem unbeschwerten Leben, das nie zuviel an Sorge, Bitternis und Mißmut zuließ und sich deshalb nicht frühzeitig abnutzte, sondern, immer freundlich-arglos bejaht, lange hinstreckte.

Und noch eine schöne, die Eltern verbindende Szene, die sich Strauss im Alltäglichen eingeprägt hat:
Ich hörte meine Mutter sagen, daß sie jeden Morgen, wenn sie das Staubtuch im Fenster ausschüttelte, den Vater drüben auf der anderen Seite des Flusses spazieren sah, auf seinem Gang vor dem Frühstück, und das Tuch ausschütteln und ihm zuwinken war eins.

Durchzogen ist alles von Episoden seiner Kindheit, Jugend: das Herangeführtwerden an Theater (im Emser Kursaal), Schauspiel ( durch den Besitztum eines begehrten Fernsehapparats als einer der ersten Familien im Städtchen), an Musik und Literatur (Auch jener Nachmittag, an dem ich in die Stadtbibliothek ging und zehn Bände Kinderabenteuer aus dem Franz Schneider verlag, glänzende Deckel, abwaschbar, nach Hause trug, dauert an und wird nicht früher zu Ende sein, als das Begehren währt, mit dem ein neues Buch zum ersten Mal aufgeschlagen wird); die hutziehenden Lehrer, Rodeln auf den Wiesen am Concordiaturm, das Hochgefühl auf einem ersten Fahrrad mit stützender Hand des Vaters, die Flucht vor dem Flurhüter auf den Wiesen mit Händen voller Obst und vielmals sich häutende Unreife.

Und immer wieder die Reflektionen übers Erinnern:
Du blickst in deine Frühe wie in die blaue Kugel des Magiers, betrachtest ein abgetrenntes‚ umschlossenes Weltlein. Es ist nicht alles organisch, nicht alles Folge und Auffacherung, Fortschritt und Wachstum, was sich Leben nennt. Es bilden sich auch Kristalle: die sammeln und bündeln Strahlen und sind beständiger als Zeitspuren.
Möchtest du wirklich in die Kugel hinein, möchtest du noch einmal im Einst-Weltlein leben?
Ja, würde ich rufen, sofort! Aber nur so, daß ich es nie wieder verlassen müßte und mir sämtliche erworbene Erfahrung und Entwicklung gelöscht würde. Also nur, wenn verstummte das Gurgeln des nachfragenden, des wiederkäuenden, des erinnernd eiternden Lebens — wo doch des Menschen ganze Natur danach strebt, wie vordem zu sein, also: frei von Erinnerung! Siehe Pavese, Gespräche mit Leuko: >>Und die Sterblichen verlangen nur dieses eine: wie vordem.<<

Ja, das kenne ich wohl, dieses Sehnen nach dem Einst-Weltlein, frei von buddhistisch gelehrtem, achtsamem Hier und Jetzt, ein wohliges und zugleich trauerndes da Unwiederbringlichkeit doch manchmal bitter schmeckt.
Aber nein. Würdest du tatsächlich in die komplette erinnerungslose Realität deiner Frühe versetzt, so ginge es dort gar nicht besonders lieblich zu. Nie warst du tiefer verzweifelt als in den Stunden unschuldigster Verzweiflung. Nie hast du  Unglück so hart und pur empfunden wie in der Unruhe und Quere des Aufwachsens.
Hier ein kurzes Aufhorchen, denn nur in zwei, drei kurzen Abschnitten werden “hartes Unglück” und später noch das “Scheitern” gestreift, als wäre das Ausklammern eines vertieferenden Beschäftigens mit Schwerem Konzept für dieses Buch.

Die Zeit unseres Erlebens läuft nicht in eine Richtung ab wie die Lebenszeit. Sie springt vor und zurück; innerhalb des unvermeidbaren Fort—Schritts gibt es Frei- und Stauräume, in denen zeitliche Unordnung herrscht, Gegenwart und Vergangenheit ihre Richtungspfeile verlieren, und das, was längst zum Bestandenen gehört, taucht noch einmal unbestanden auf.

Nun sammle ich die Uhren von Verstorbenen, von Vater und Mutter, nach denen sie lebten, wartend oder in Eile, bis ein einziger ferner Glockschlag sie der Abhängigkeit vom gleichmäßigen Rundlauf entriß. Man streifte ihnen die Uhr vom mageren Handgelenk, legte sie zu den persönlichen Dingen, und alles wurde zu Kram. Doch nach dem zierlichen Sekundenzeiger, der noch immer von Punkt zu Punkt rückt, maßen sie einander und ihrem Kind den Puls bei Fieber und anderen Schwächen.
Auch ich trage die Armbanduhr meines Vaters, nicht am Handgelenk aber stets bei mir.

Aber so ist es im Alter mit den Erinnerungen — sie versetzen uns in einen geradezu erhitzten Zustand, es drängt uns, das Verlorene mit anderen zu teilen, ja wir drängen es sogar Wildfremden auf, doch niemand, niemand kann da mit hinein! Die Kugel mit dem Einst-Weltlein bleibt rundum dein und unzugänglich für jeden anderen.

Vielleicht weil ich nie ein fröhlicher Waisenknabe der Rebellion war, der den Vater los sein wollte und dem sein Lebtag der Wutschweiß ausbricht, wenn ihm Macht als Machtperson begegnet, neige ich zu der Ansicht, daß Macht vielen, die sie nicht besitzen, das Leben besser sichert als Macht, in die sich viele teilen. Aber das sagt jemand, dem Autorität immer nur genützt hat, dem in Erziehung und Beruf Vorbild, Meisterschaft und Anführung selbstverständlich waren und den sie immer nur gefördert und niemals unterdrückt haben.
Nein, auch ich wollte meinen Vater nie los werden, sein stetiges Dasein gab Sicherheit und familiäres Wohlgefühl, wenngleich ich mir im Rückblick mehr differenzierte Reibungsautorität gewünscht hätte, denn die lässt Eigenes, lässt Richtungen schärfer und Identitätsprozesse leichter entwickeln. Und sie bereitet einen starken Boden um Wandel zu begegnen:
Tiefer verwundert mich nichts: daß meine schöne Mama vierzig Jahre die Emser Römerstraße auf und ab ging und darunter zu meinem alten Mütterchen wurde. Dieser Wandel verschluckt das meiste, was sonst noch Zeit bedeuten mag. Zuletzt saß sie, das adrette Spittelweib, neben den Schwestern, den Diakonissen, in der Morgenandacht.

Eine wunderbare Metapher schließt sich an: der Lebenssaum, der einen bei sich hält, an dem man sich entlangbewegt und in dessen Nähe man bleiben möchte, wenn der Charakter und die Umstände es erlauben, wenn man nicht fortgerissen wird von Entwicklungen und innerem Drang nach Mehrentfaltung:
Mit den Jahren legte ich unzählige Scherben eines imaginären, jedoch erschließbaren Gefäßes vor. Dies Dahinziehen in Motiven und die fortschrittlose Bewegung in kurzen Sprüngen vor und zurück, dies lange, lange Würfelspiel, bei dem ich immer noch auf die magische Unbekannte unter allen Augenzahlen zu hoffen scheine, lassen insgesamt auf ein Leben von geringer Tatkraft und großer Saumseligkeit schließen. Der Saum, ja, es war der schmale Lein- oder Treidelpfad, der zuerst an der Lahn und später am Fluß der Ereignisse entlangführte. Stetig und wachsam ihm zu folgen war mein Fleiß. Dabei bin ich meiner Dummheit, meiner Sentimentalität in so reiner Ausprägung begegnet, wie ich sie anderen Mensch immer zu verbergen suchte. Ich habe mich unterwegs befunden, immer nur auf dem Leinpfad neben dem Fluß, und habe mich sonst nirgends ausreichend ausgekannt. Nur auf dem festgelegten Weg, von dem man nicht abirren, nicht abzweigen kann, immer am Fluß ent- lang, öffnete sich in mir bei jedem Schritt eine >>gesellschaftliche<< Hülle, ein Trug nach dem anderen fiel ab, bis hin zu den innersten klebrigsten Hüllblättern des frischen Selbstbetrugs. Bei gutem Wetter und schnellem Fortkommen öffnete ich mich vollständig wie eine Pfingstrose im Mailicht.

Und dann wieder, kurz nur, das Stocken beim Lesen, das Verwundertsein über dieses fast im Nebenabsatz auftauchende Sich-Hingeben an ein machtvolles, beeinträchtigendes, Versagen implizierendes Wort: Scheitern:
Den Vater und mich verbindet so etwas wie eine bürgerliche Moral des Scheiterns, das über die Generationen sich fortsetzt in unserem schlichten Geschlecht. Und Scheitern reicht tiefer als alle übrigen Spuren, die die Zeit gräbt, egal, ob der eine zwei Kriege überstand, den Kopfschuß, den Verlust aller Habe, oder ob der andere sich mühte, den Wohlstand zu überstehen, die hochmütig verbrachte Jugend, den Eifer der Revolte, die die Zerstörungen der Zerstörten betrieb — tiefer als alles Geschehene oder Geschichte verbindet das Scheitern. Da kann man nichts machen …

Doch danach, zum letztendlichen Schluss hin, gleich wieder besänftigend, betrachtet Strauss über einige Seiten einen Gegenstand seines Vaters, den er in sein eigenes Heute mit hinüber getragen hat und der steter Auslöser ist für Erinnerungen und Reflexionen:
Der Briefbeschwerer auf dem Schreibtisch meines Vaters, ein Cabochon, Rundstein aus Onyx, der, wenn ich ihn heute anrühre, mir das Gefühl für die Kleinheit meiner Kinderhand zurückgibt. Auch mit gespreizten Fingern konnte ich ihn nie ganz umfassen, wenn auch der Handteller mit schönem Gefühl sich an die glatte Oberfläche schmiegte …

Das bescheidene, nocheinmal: zugeneigte und wohlgesonnene Schreiben von Botho Strauss hat mich an vielen Stellen des Buches sehr berührt und mich selbst angestoßen, zu erinnern und nachzudenken über Vergangenes, das doch nah und tief verwoben ist mit dem Selbst, über meine Herkunft und das sich immer wieder wandelnde elterliche Zuhause, sitzend nun in meinem eigenen Zuhause am Schreibtisch meines Väterchens, auf dem die Dinge noch stehen, wie er sie zu Lebenszeiten selbst bewegt hat.

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1.677 Bibliotheken, 30 Leser, 7 Gruppen, 107 Rezensionen

freundschaft, roadtrip, abenteuer, jugend, reise

Tschick

Wolfgang Herrndorf , , ,
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 01.03.2012
ISBN 9783499256356
Genre: Romane

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84 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

robert gwisdek, selbstfindung, 100 tage, schuld, gwisdek

Der unsichtbare Apfel

Robert Gwisdek
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 08.03.2014
ISBN 9783462046410
Genre: Romane

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111 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 15 Rezensionen

roman, krieg, berge, provinz, berg

Ein ganzes Leben

Robert Seethaler
Fester Einband: 154 Seiten
Erschienen bei Hanser Berlin, 28.07.2014
ISBN 9783446246454
Genre: Romane

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8 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 0 Rezensionen

Südlich der Grenze, westlich der Sonne

Haruki Murakami , Ursula Gräfe
Flexibler Einband: 224 Seiten
Erschienen bei btb, 13.07.2015
ISBN 9783442749447
Genre: Romane

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26 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 2 Rezensionen

trilogie, roman, claus, kindheit, zwillinge

Die dritte Lüge

Agota Kristof , Erika Tophoven
Flexibler Einband: 176 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.09.1993
ISBN 9783492222877
Genre: Romane

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36 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 4 Rezensionen

liebe, zwillinge, lucas, trilogie, roman

Der Beweis

Agota Kristof , Erika Tophoven-Schöningh
Flexibler Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.11.1991
ISBN 9783492214971
Genre: Romane

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21 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 2 Rezensionen

sowjetische besatzung, verstörend, 2. weltkrieg, gefühlskälte, parabel

Das große Heft

Agota Kristof , Eva Moldenhauer
Flexibler Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Piper, 14.05.2012
ISBN 9783492300421
Genre: Sonstiges

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6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Bildungsroman

Gerhard Henschel
Fester Einband: 576 Seiten
Erschienen bei Hoffmann und Campe, 14.02.2014
ISBN 9783455404500
Genre: Romane

Rezension:

Nur kurz:

Nachdem ich anschließend an Kindheitsroman und Jugendroman Martin Schlossers Werdegang in Henschels Büchern Liebesroman und Abenteuerroman ausgelassen hatte, wollte ich doch nun wissen, wie es ihm in seiner Studentenzeit erging. War ich nach den ersten beiden Bänden etwas ermüdet von der lakonischen Aneinanderreihung von Zeitgeistbildern, die wohlig identifikationsstiftend zwar Spaß machen, aber nicht wirklich (m)einem literarischen Anspruch an das packende Hineinsacken in die Gefilde eines Romans gerecht werden, habe ich wiederum Bildungsroman, den neuesten Teil der Saga, in kurzer Zeit mit viel Freude gelesen. Mit dem Erwachsenwerden des Protagonisten und dessen geistiger Reifung wächst auch die Konsistenz (= Beschaffenheit, Zusammenhalt, Geschlossenheit, Stimmigkeit) in Henschels Schreiben. Es huschen nicht nur getriggerte Erinnerungsfetzen vorüber, es entsteht mehr ein Sog, in dem man durchgängig miterleben will, was einst selbst schon gelebt, und man wissen will, wie Martins Dasein sich entwickeln wird.

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478 Bibliotheken, 9 Leser, 1 Gruppe, 47 Rezensionen

freundschaft, japan, liebe, finnland, haruki murakami

Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki

Haruki Murakami , Ursula Gräfe
Fester Einband: 350 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 03.01.2014
ISBN 9783832197483
Genre: Romane

Rezension:

Nach dem für mich unguten Ausrutscher seines letzten Buches 1Q84, das auf mich wie eine ausufernde, beliebige und allzu konstruierte Fantasystory wirkte, die nur wenig von den anmutig eigen(artig)en Welten des eigentlichen Schreibgeistes Murakamis zu tun hatte, hat Murakami mich mit seinem neuen Roman wieder für sich gewonnen: die Faszination der geheimnisvollen Tiefe und der Besonderheit seines eigentlich kargen, hin und wieder fast wortarmen Stils gestalten eine Story, die mich nahezu in einem Atemzug von Anfang bis Ende bei sich behält und die in diesem Roman wieder den typischen murakamischen Sog entwickelt.
Ursula Gräfe, die Übersetzerin von Murakamis Werken, beschreibt in einem Interview: Ganz typisch für die japanische Literatur ist Murakamis sensationelles Vorgehen, die Alltagswelt, langsam verstreichende Augenblicke wie einen Sonntagnachmittag im Sommer in fantastische, surreale Gegenwelten und Innenwelten zu überdehnen. Diese grotesken Welten werden anders als in westlichen Romanen nie aufgelöst oder integriert.
Der Held klinkt sich in den Büchern von Haruki Murakami aus den gesellschaftlichen Funktionsmechanismen aus und findet auch am Ende nicht zurück. Das Vakuum, in dem er sich befindet, wird nicht gefüllt. Diese Außenseiterhelden, die es einfach nicht schaffen, muten sehr modern an. Sie sind aber in japanischen Romanen schon seit hundert Jahren ein gängiges Muster.
Beim Lesen denke ich jedoch auch hin und wieder: selbst wenn die Geschichte mich nah bei sich hat, es fehlt doch ein wenig der Esprit früherer Romane – man denkt als geübter Murakamileser, das eine oder andere schon einmal bei ihm gelesen zu haben, und allzu leicht ziehen die Zeilen vorüber; vielleicht aber ist es auch die schon sanfte Altersweisheit, die leiser, ruhiger werden lässt, entspannter. Oder aber es tut sich eine Tendenz zur kreativen Müdigkeit auf und es täte Not, mal eine längere Schaffenspause einzulegen.
Trotz dieser Gedanken hatte ich aber Freude über ein wieder gelungeneres Buch von Murakami und einige intensive Lesestunden inmitten seiner nur ihm eigenen Schreibwelt.

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21 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

freundschaft, musik, berlin, belletristik, italien

Die Ordnung der Sterne über Como

Monika Zeiner
Flexibler Einband: 607 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 18.08.2014
ISBN 9783746630571
Genre: Romane

Rezension:

Nur kurz:

Zeiner schreibt mit einer klaren, unaufdringlichen Sprache, die hin und wieder ins Malen gerät, poetisch oder in vordergründig philosophischen Gedankenzügen, aber meist ist sie nur wie sie ist, weil diese Geschichte so und nicht anders erzählt werden möchte. Nach anfänglicher Skepsis, ob nicht zu einfach, zu profan, war ich doch bald eingetaucht in die Handlung, die sich in einer Mischung aus Beschwingtheit und Melancholie zu einem gut nachvollziehbaren Geflecht aus Hin-, Her- und Rückblenden um Musik, Beziehungen und Liebe rankt, und ich wurde doch von der authentisch gestalteten Sprache bis zum Ende getragen. Auch wenn ich zunehmend empfand, dass die philosophischen Metaphern, die die Protagonisten immer wieder durchziehen, dann doch zu häufig sich auf die Seiten verirren, habe ich den Roman gerne gelesen. Ob er einer Deutschen Buchpreisnominierung würdig ist, vermag ich nicht zu sagen, aber er ist mir allemal symphathischer und näher gekommen, als der schwermütig, sperrige Roman der Preisträgerin Terézia Mora.

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tibet, tod, irland, liebe, himalaya

Der fliegende Berg

Christoph Ransmayr
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 01.11.2007
ISBN 9783596171958
Genre: Romane

Rezension:

Schon immer hat mich das mystisch-spirituelle Dasein des tibetischen Volkes bewegt und begleitet. Wenn ich hin und wieder dem reinkarnistischen Gedanken zugewandt bin, denke ich, dort im Tibetischen, lange vor dem chinesischen Einmarsch, könnte eine mögliche Heimat gewesen sein, in den Klöstern, in den Dörfern oder unter den Nomaden. Es zieht mich an, wenn ich von dort Bilder sehe und davon lese, und zugleich schreckt es mich: diese stille, schroffe, hochgelegene, oft in der eigenen Welt des Schnees und der Kälte verborgenen Weite die zugleich auch von bedrohlichen Nebeln durchzogene Enge sein kann.
Ransmayr ist einer feinen philosophisch-poetischen Art und Weise des Schreibens mächtig, die in diesem Buch Gefahr läuft, an manchen Stellen dem Pathos eines Versepos zu verfallen, (auch stören hin und wieder die Verbalien einer modernen Internetwelt in diesen poetischen Beschreibungen von innerem und äußerem Land), die einem aber auch immer wieder die Sprache verschlägt, weil nur Bilder aus den Buchstaben aufsteigen. Noch nie habe ich bei einem Roman die letzten Zeilen gelesen und dann gleich wieder die erste Seite aufgeschlagen, um noch einmal das erste, nun sehr nahe Kapitel an mir vorüberziehen zu lassen. Und selten nach dem Lesen eines Buches trug ich in den Wochen danach dessen Bilder in mir; jene aus Der fliegende Berg blitzen noch immer auf ab und an.
Ludger Lütkehaus in DIE ZEIT bespricht dieses wunderbare Buch nach dessen Herausgabe, ein Ausschnitt daraus:  … Aber Ransmayrs Fliegender Berg erinnert auch daran, dass gerade große Literatur öfters dort entsteht, wo die Kitschgrenze nur haarscharf vermieden wird. Im Übrigen ist der Realismus von »Scheißhimmelsgipfeln« und die Vergegenwärtigung einer »Bangigkeit«, die die Bergsteigerliteratur sonst als »Angst« missversteht, präzise genug, um sowohl den Abgründen der Alpinliteratur wie den Untiefen unerbetener Erleuchtung zu entgehen. Selten hat man die tödliche Schönheit der schwarzen Himmel, der astronomisch durchbuchstabierten Sternbilder mit ihren kosmischen Katastrophen über den Windfahnen fliegender Berge so suggestiv wie im epischen Flattersatz dieses Romans gesehen. Für eine extreme Welt findet Ransmayr eine so noch nicht gehörte Sprache, seinen Sprachgesang: eine Ausnahmeerscheinung in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Es lohnt sich, den Roman zweimal und dann laut zu lesen. Wer sich nicht durch seine Form befremden lässt, legt ihn erst nach dem versöhnlichen Epilog wieder aus der Hand, um unverzüglich zum Anfang, zum Tod, der für den Erzähler keiner war, zurückzukehren.

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29 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

ungarn, auf der suche, tagebuch, budapest, verlust

Das Ungeheuer

Terézia Mora
Flexibler Einband: 688 Seiten
Erschienen bei btb, 08.09.2015
ISBN 9783442749591
Genre: Romane

Rezension:

Nur kurz:

Nicht leicht tue ich mich mit dem Ungeheuer von Mora. Vielleicht, weil ich tagtäglich im Beruf mit diesen Leiden zu tun habe: Hineingesogen in eine Welt des depressivpsychotischen Erlebens und der auf dem Weg der Trauer stets schwer beladenen Suche nach dem Leben eines verlorenen Menschens und einem Ort für dessen Asche, stoße ich an meine Grenzen der Leselust auf den ausufernden Pfaden durch mir fremde Länder. Während mancher Passagen denke ich: brillant, eigen und wortmächtig, fast poetisch lebensnahe Klänge (ich erinnere mich an den Roman Alle Tage von Mora, dessen kraftvolle Sprache mich auch zu Beginn eingenommen und mich dann doch verloren hatte), dann aber wieder überblättere ich, sehne mich nach einem lichten, leichteren Moment, den ich bis zum Ende nicht finde und bin froh, dass ich dort angelangt bin und zum nächsten Buch greifen kann.

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25 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

treue, nordsee, partnerschaft, moral, ehe

Vogelweide

Uwe Timm
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.02.2015
ISBN 9783423143790
Genre: Romane

Rezension:

Nr kurz:

Timm hat bei mir den Bonus des Lieblingsautors, vielleicht fehlt mir dadurch manches Mal die detailliert hinterfragende Kritikfähigkeit: ja, auch dieses Buch von ihm gefällt mir sehr gut: in der Sprache nie pathetisch, immer präzise, mit reichhaltiger Kompetenz komponiert, eher wie gehabt distanziert betrachtend und doch ist es ein Roman, in der mir trotz aller gegenwärtigen Gesellschaftsschau die Feder näher an den durchdringenden, begehrlichen Gefühlen erscheint, sentimentaler im Grundton als in vielen seiner Bücher zuvor. Ich finde mich schnell ein in die Handlung und fühle mich fast heimisch im Rückzug seines Protagonisten auf eine unbewohnte Insel in der Elbmündung, auf der ihm vergangene Menschen erscheinen, vergangene Erschütterungen und die Vögel, die im Jetzt eine reflektierende, meditative Schau des Geschehenen durch ihr bloßes Dasein mitgestalten.

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11.275 Bibliotheken, 172 Leser, 6 Gruppen, 840 Rezensionen

liebe, sterbehilfe, behinderung, jojo moyes, unfall

Ein ganzes halbes Jahr

Jojo Moyes , Karolina Fell
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Rowohlt Taschenbuch, 21.03.2013
ISBN 9783499267031
Genre: Romane

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38 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 3 Rezensionen

portugal, familie, philosophie, bonn, berlin

Fliehkräfte

Stephan Thome
Flexibler Einband: 474 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 16.09.2013
ISBN 9783518464663
Genre: Romane

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290 Bibliotheken, 12 Leser, 1 Gruppe, 23 Rezensionen

freundschaft, kindheit, zirkus, rom, liebe

Die hellen Tage

Zsuzsa Bánk
Flexibler Einband: 544 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 21.06.2012
ISBN 9783596184378
Genre: Romane

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12 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Die Jakobsleiter

Maarten 't Hart , Gregor Seferens
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Piper, 18.06.2012
ISBN 9783492274524
Genre: Romane

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(9)

11 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Seerücken

Peter Stamm
Flexibler Einband: 192 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 25.07.2012
ISBN 9783596189953
Genre: Romane

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(61)

116 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

wolfgang herrndorf, wuli highlights, waisenkind, tschick, erwachsen werden

Bilder deiner großen Liebe

Wolfgang Herrndorf ,
Fester Einband: 144 Seiten
Erschienen bei Rowohlt Berlin, 26.09.2014
ISBN 9783871347917
Genre: Romane

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(40)

80 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 12 Rezensionen

kurzgeschichten, leben, trauer, erzählungen, kurzgeschichte

Wir haben Raketen geangelt

Karen Köhler
Fester Einband: 237 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 25.08.2014
ISBN 9783446246027
Genre: Romane

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Pferde stehlen: Roman

Per Petterson
E-Buch Text: 248 Seiten
Erschienen bei Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG, 17.03.2014
ISBN 9783446246669
Genre: Romane

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Geschichte des Westens: Vom Kalten Krieg zum Mauerfall

Heinrich August Winkler
E-Buch Text: 1.258 Seiten
Erschienen bei C.H.Beck, 15.09.2014
ISBN 9783406669859
Genre: Sonstiges

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Atlas eines ängstlichen Mannes

Christoph Ransmayr
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 24.07.2014
ISBN 9783596195633
Genre: Romane

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finnland, gefangenenlager, roman, 2.wk, liebe

Wildauge

Katja Kettu ,
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Galiani Berlin ein Imprint von Kiepenheuer & Witsch, 14.08.2014
ISBN 9783869710822
Genre: Romane

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