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Die Zeitreisen des Bartholomeus von Bennigsbach

A. A. Reichelt
Flexibler Einband: 84 Seiten
Erschienen bei TWENTYSIX, 02.05.2017
ISBN 9783740729738
Genre: Science-Fiction

Rezension:

»Wie wird das Wetter morgen?«
»Ach, ich würd`s am liebsten rückgängig machen!«
Seit Menschengedenken ist es der Wunsch, so ein bisschen am Rad der Zeit drehen zu können. Dem Fliegen stellten sich lediglich die Gesetze der Schwerkraft und Aerodynamik entgegen. Verglichen damit erreichen die Hindernisse, die sich dem zweiten großen Traum, den Zeitreisen, entgegenstellen, geradezu schwindelerregende Höhen. Immerhin, im Geiste sind diese mühelos überwindbar und in der Literatur auch vielfach bereits bezwungen worden. Man denke nur an die Väter des seinerzeit misstrauisch beäugten neuen Genres Science Fiction vom Schlage eines Jules Verne oder H. G. Wells. Sie erkannten das erzählerische Potenzial, würde man Protagonisten unbegrenzten auf der Zeitleiste agieren lassen können. Das beflügelte ihre Fantasie. Heraus kamen noch heute gern gelesene Klassiker. Reisen in die Vergangenheit bringen uns schnell an logische Grenzen, aus deren Überschreitung sich jedoch kreative Funken schlagen lassen. Ist man als Zeitreisender nur Beobachter oder auch Teilnehmer? Kann man sich selbst begegnen? Und wie wirkt sich eine unvermeidliche Einflussnahme aus? Fragen, die weit ins Philosophische ausgreifen.
Doch nun hat es wieder einer gewagt. Allein mit Hilfe von Stahl, Rost und Dampf umgeht der adlige Tüftler Bartholomeus von Bennigsbach die Probleme von Multiversen und Informationsparadoxien. Allerdings, so gibt der Klappentext von Andreas A. Reichelts jüngster Erzählung zu, nach 14 langen Jahren harter Arbeit, nach Jahren des Schraubens und Justierens, des Versuchens und des Scheiterns. Herausgekommen ist eine Zeitmaschine, die morphologisch einer Schnecke gleicht. Bestens ausgestattet ist die Figur, sie besitzt sogar einen ebenfalls dampfbetriebenen Universalübersetzer hinter dem Ohr, und wagt den kleinen Schritt in seine Zeitmaschine, der aber einen Riesenschritt für die Menschheit bedeutet.
Bennigsbach, Schloss- und Hirnbesitzer, legt Wert auf ein distinguiertes, gepflegtes Erscheinungsbild. Er begibt sich in dem Bändchen zweimal in die Vergangenheit. Zunächst ins Jahr 1613, um sich im Londoner Globe Theater die Aufführung des Shakespeare-Stückes »Heinrich VIII« anzusehen. Ob es zu einem Rencontre mit dem Dichterfürsten kommen wird, soll an dieser Stelle ebenso wenig verraten werden, wie der Ausgang mit den in flagranti angetroffenen Brandstiftern.
In der zweiten Geschichte geht es ins 7. vorchristliche Jahrhundert. Angeregt durch die Aufführung von Robert Schumanns Vertonung des Heine’schen Gedichtes »Belsazar« begibt sich Bennigsbach unmittelbar an den Vorabend einer Zeitenwende, in den königlichen Prunksaal von Babylon. Belsazar feiert ein rauschendes Fest. Er weiß die feindlichen Truppen der Meder und Perser vor der Stadt, vertraut aber auf die eigene Uneinnehmbarkeit. Im weinseligen Übermut macht der selbstgefällige Herrscher den entscheidenden Fehler: er lästert den Gott der Gefangenen Juden Jehova. Was Bennigsbach schon im Konzert hörte, kann er nun mit eigenen Augen beobachten. Die Flammenschrift an der Wand, die Ratlosigkeit der Magier, die das Menetekel jedoch nicht zu lesen verstehen. Bis der alte Prophet Daniel erscheint und die Deutung kundtut.
Reichelt ist mit den »Steam Snail’s Tailes« ein durchaus überzeugender Ausflug in den Steampunk gelungen. Mit seiner leichten und lockeren Schreibe versucht er behutsam, sein jüngeres Publikum an ein literarisches Niveau heranzuführen. Wie schrieb Loriot noch einst in seiner Buchkritik: »[...] bei aller Offenheit zeigt das Werk eine ungewöhnliche Reinheit der Sprache, und man sollte nicht zögern, es der heranreifenden Jugend in die Hände zu legen [...]«. Dem möchte ich mich uneingeschränkt anschließen.

Matthias Schneider-Dominco

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buch, komödie, 2016, krimi

Haderlump

A. A. Reichelt
Flexibler Einband: 200 Seiten
Erschienen bei TWENTYSIX, 27.06.2016
ISBN 9783740712327
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Eine Kleinstadt in Niederbayern. Ihre Beschaulichkeit wird jedoch erschüttert. Eine Einbruchserie sorgt für plötzliche Verunsicherung. Misstrauen sprosst. Als dann eine ältere Dame in ihrer Wohnung angeschossen wird, gerät ganz Pfarrkirchen in Aufruhr. Organisierte Kriminalität, so etwas hört man aus Großstädten. Aber hier?
Nach seinem erfolgreichen Debüt „Saisonabsch(l)uss“ hat Autor Andreas Reichelt mit „Haderlump« die Fortsetzung vorgelegt. Aufgescheucht durch die jüngsten Entwicklungen, greift die herrlich überzeichnete Hauptfigur entschlossen zu Sicherheitsvorkehrungen. Ein Wachhund muss her, eine Alarmanlage wird installiert. Doch schnell wird klar - die Maßnahmen greifen nicht nur nicht, sondern verkehren sich geradezu ins Gegenteil. Boxerhündin Inara als Ausbund an Tollpatschigkeit erweckt eher Mitleid denn Furcht. Und die sündhaft teure ›Securitylösung vom Allerfeinsten‹ ist so hypersensibel, dass sie bei den kleinsten Regungen der Familienmitglieder losgeht, und dem ›Helden‹ den letzten Schlaf raubt. Wie unter Starkstrom gesetzt, hetzt er von einer Szene zur nächsten, dabei keinen Fettnapf auslassend.
Auch der Leser kann sich keinesfalls sicher fühlen vor den so zahlreichen wie schonungslosen Angriffen auf das Zwerchfell, die hinter jedem Absatz lauern. Da bekanntermaßen Lachen gesundheitsförderlich ist, sei zur Erfüllung des täglichen Quantums die Lektüre des „Haderlumps« dringend empfohlen. Es stehen zwei Darreichungsformen zur Verfügung: als Taschenbuch und eBook. Auf Risiken und Nebenwirkungen sei ausdrücklich verwiesen. Beim Lesen in der Öffentlichkeit kann es zu Irritationen des Umfelds aufgrund von Lachattacken und Dauergrinsen kommen.

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bayern, krimi, witz, humor

Saisonabsch(l)uss - Ein Bad Füssing Krimi

A. A. Reichelt
Flexibler Einband: 212 Seiten
Erschienen bei Neopubli, 31.05.2015
ISBN 9783737547468
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:


Andreas A. Reichelt hat sich unglaublich schnell in die Riege arrivierter Autoren eingereiht, die trotz regional angesiedelter Erzählungen ein überregionales Publikum ansprechen. Regionalisierung als Phänomen und Erfolgsformel, als Gegenbewegung zur Globalisierung. Kaum eine größere Stadt, die mittlerweile nicht ein Tatort-Team aufzuweisen hat. In Deutschland grassiert das Krimi-Fieber.
Damit komme ich auch schon zu meinem Kritikpunkt, zur Bezeichnung des Romans als »Krimi«. Klar, dass sich das verkaufsstrategisch besser vermarkten lässt. Es weckt damit aber auch eine gewisse Erwartungshaltung bei der mittlerweile sehr erfahrenen Leserschaft.
Die kennt die wenigen Grundzutaten, die in der Auflistung simpel, in der Ausführung umso vieles schwerer sind. Ausgangspunkt ist immer ein Verbrechen, die Tat. Und da hängt die Latte sehr hoch. Kapitalverbrechen unterhalb des Schweregrades Mord reichen da heute kaum noch aus. Die Spurenlage muss unklar, widersprüchlich sein. Das Tatmotiv kauert versteckt im Dunkeln und lässt sich so leicht nicht finden. Aber der Dreiklang Schock, Rätsel und Täterjagd ist nach wie vor bewährtes Strickmuster leichter Whodunit-Krimis aus dem Vorabendprogramm. Auf verschlungenen Pfaden nähert sich der Ermittler dem (vermeintlichen) Täter.
Was bei den Klassikern wie Sherlock Holmes und Hercule Poirot noch reine Denksportaufgabe, die den Leser ob deren Kombinationsgabe verblüfft zurücklassen sollte, war, ist heute durch Angstspannung angereichert und fast ersetzt. Es muss sich eine bedrohliche Spannung zuspitzen, eine Ungewissheit die Nerven bis ins Extrem reizen, die erst im finalen Showdown kulminiert. Von allen Gattungen, die mit Spannungsbögen arbeiten, sind es die Formate Krimi und in verschärfter Form Thriller, welche die Leserschaft am stärksten und heftigsten emotional bewegen wollen.
Das alles weiß Reichelt. Es gehört zum Handwerk. Und er spielt mit diesem Wissen - und mit der Erwartungshaltung des Lesers. Erhellend ist der Epilog, der den Untertitel »Ein Bad Füssing Krimi« konterkariert: »Aber dass ein einfacher Therapeut über sich hinauswächst und einen fiesen Straftäter dingfest macht, hatten Sie nicht erwartet, oder doch?«
Was haben wir? Ich fasse mal zusammen: Das beschauliche Bad Füssing. Der Kurbetrieb wird aus der Sicht eines hypernervösen Therapeuten beschrieben. Eine skurrile Figur, herrlich überzeichnet. Dann fuchtelt ein Unbekannter mit einem Luftgewehr herum und schießt aus dem Off auf Urlauber. Die Taten, die im Sinne dramaturgischer Taktung eines Krimis mit Abstand auftreten müssen, gleichen hier eher wohlgesetzten Akupunkturstichen in eine bloß vom Arbeitsalltag überreizten Oberfläche.
Überhaupt, die Hauptfigur ist der krasse Gegenentwurf eines Detektives vom Schlage Philipp Marlowe, der in jeder Szene irgendwie doch noch ein Whiskey-Glas zu fassen bekommt und als Steppenwolf am Ende dennoch nüchtern den Verbrecher stellt. Reichelts Therapeut ist kein Ermittler. Er ist ein Anti-Ermittler, ein Jedermann. Er will gar nicht ermitteln, sondern rutscht irgendwie mehr und mehr durch Umstände in die Situationskomik hinein. Es sind vor allem Befürchtungen und Angst, die ihn antreiben Verdachtsmomenten nachzugehen. Am Ende bleibt sogar das Motiv völlig im Unklaren.
Was ist »Saisonabsch(l)uss« nun? Ein Anti-Krimi, eine Persiflage? Auf jedenfalls eine Komödie, die funktioniert. Von Radio Planet wurde das erkannt und unlängst ausgezeichnet: als »Buch des Jahres in der Kategorie Humor 2016«. Eine 2. Auflage, die zu erwarten ist, sollte den Untertitel entsprechend anpassen.

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Die Flutnovelle

A. A. Reichelt
Flexibler Einband: 76 Seiten
Erschienen bei TWENTYSIX, 19.08.2016
ISBN 9783740714932
Genre: Romane

Rezension:

Man spricht übers Wetter. Zwischen Witwer Alfons Anzinger und dessen Tochter Steffi plätschert das Gespräch am Frühstückstisch dahin. Alltagsgraue Arglosigkeit eines Frühsommermorgens, die noch nichts vom Schrecken des Abends weiss.
Nach den humorgewürzten Vorgängerromanen »Saisonabsch(l)uss« und »Haderlump« rückt der niederbayerische Schriftsteller Andreas A. Reichelt in der Flutnovelle ab von der reinen Fiktion. Ausgangspunkt sind die realen Geschehnisse rund um das verheerende Hochwasser, dem im Landkreis Rottal-Inn am 1. Juni sieben Menschen zum Opfer fielen. Stundenlange Regenfälle hatten den knöcheltiefen Altbach in eine fast hundert Meter breite, schlammig-braune Flutwelle verwandelt. Verstörend-grotesk, die  Bilder von abtreibenden LKW, von Autos, Bäumen und Möbelstücken, die wie Korken auf der reißenden Strömung tanzten. Ganze Straßenzüge - verwüstet. Einigen blieb oft kaum Zeit, sich rechtzeitig in Obergeschosse oder auf Dächer zu retten.
Es sind Kleinigkeiten, die zu Beginn das unvermittelt hereinbrechende Drama vorbereiten. Da rinnt ein einzelner Tropfen Milch von den Cornflakes über das Kinn, wenig später rauscht Dauerregen säuselnd durch die Dachrinne. Dann, der jähe Wendepunkt. Alfons, soeben am Arbeitsplatz angekommen, nimmt nur bruchstückhaft die schockierenden Schlüsselwörter des Nachrichtensprechers wahr: Stromausfall, Hochwasser, Helikopter. Worte, die ihn gewaltsam aus dem Werktagsmodus zerren.
 Sofort steht die Frage nach dem Verbleib Steffis in erdrückenden Monstrosität im Raum. Der Zusammenbruch des Handynetzes wird zum Impulsgeber einer spontanen Rettungsaktion. Die Ungewissheit steigert sich zur Angst. Von welcher Bedeutung ist da noch die Arbeitsstelle.
Gemeinsam mit dem Protagonisten wird der Leser mit der Ausnahmesituation konfrontiert. Das Erzähltempo zieht an, wird am Unglücksort von der Fließgeschwindigkeit der Wassermassen erfasst und mitgerissen. Bestürzende Szenerien erscheinen in dichter Folge. Da bleibt nur wenig Zeit für einen gesellschaftskritischen Seitenhieb auf die allerorts grassierende Gaffermentalität. Die Suche gerät zur verzweifelten Odyssee. Geschickt versteht es Reichelt, Alfons mehr und mehr als Getriebenen seiner Panik zu schildern, was unausweichlich tragisch zu enden droht.
Die Flut stellt radikal die Lebensmaximen ihrer Opfer auf den Prüfstand. Wer bis dahin vornehmlich dem Aufbau und Erweiterung des Eigenheims und anderer Güter gelebt hat, ist doppelt getroffen. Mit dem Verlust der materiellen Existenz geht die Erschütterung der Lebensmitte einher. Damit ist im Finale das eigentliche Thema der Erzählung freigespült: die Vaterliebe als geistiger Wert, als katastrophenresistenter Gegenentwurf zur hedonistischen Grundhaltung.
Der Griff zur Feder im Nachgang der Ereignisse war Reichelt notwendiger und selbsttherapeutischer Akt, um sich von den Bildern lösen zu können. Herausgekommen ist ein sehr persönliches Buch. Ausgehend vom tagesaktuellen Geschehen erzählt die Flutnovelle eine berührende Geschichte in schlichter, zum Belletristischen neigenden Schreibweise und wirft zugleich profunde Fragen auf.

Matthias Schneider-Dominco

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