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39 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 3 Rezensionen

thriller, atrium verlag, buchbesprechung, hideo yokoyama, 64

64

Hideo Yokoyama , Sabine Roth , Nikolaus Stingl
Fester Einband: 768 Seiten
Erschienen bei Atrium Zürich, 09.03.2018
ISBN 9783855350179
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass ich noch nie einen Thriller
dieser Art gelesen habe. Ziemlich harter Tobak muss ich sagen – nicht
weil er besonders blutig oder gewalttätig war, sondern weil er den Leser
mit unglaublicher intellektueller Gewalt plättet und niederstreckt. Ich
habe lange keinen so unblutigen und langatmigen Thriller gelesen. Mehr
noch, die ‚Gewalt‘, die vorkommt, erschien mir total fehl am Platz.
Insgesamt hat 64 wenig mit den Thrillern zu tun, die ich sonst verschlinge.

Der Auftakt war recht vielversprechend und die Erwartungen schossen
dementsprechend in die Höhe. Und auch der Klappentext tat sein übriges.
Aber bei der weiterführenden Lektüre fand ich die Handlung eher
langweilig und unspektakulär. Aber das liegt auch an meinem persönlichen
Geschmack: Mich interessieren eher Thriller, die den Ermittlungsablauf
schildern, die beschreiben wie das Adrenalin in Wallungen gerät wenn man
kurz davor steht den Täter zu überführen usw. Bei ’64‘ geht es
hauptsächlich um die internen Abläufe der Polizei. Es geht um
Machtkämpfe zwischen Beamten und Abteilungen, um Verwaltung und Politik.
Leider überhaupt nicht mein Fall. Klar, es war natürlich interessant,
diese Seite der Medaille kennenzulernen und auch etwas über die
japanischen Kultur zu lesen und mitzunehmen, aber es war größtenteils
sehr anstrengend und sehr trocken.

Als Leser erhält man einen sehr detaillierten Einblick in die Gedanken-
und Gefühlswelt von Mikami, dem Protagonisten der Geschichte. Er ist ein
ehemaliger Ermittlungsbeamter, der Direktor der Pressestelle geworden
ist und sich dementsprechend häufig mit der Presse anlegt. Seine Tochter
ist verschwunden und ein ominöser ungeklärter Fall tritt plötzlich in
den Mittelpunkt seiner Arbeit. Soweit so gut, aber beim Lesen folgt man
Mikamis Überlegungen und Schlussfolgerungen während er versucht hinter
die Verschwörung, die sich im Präsidium zusammenbraut, zu kommen. Bei
diesen Überlegungen tritt die Seite des Ermittlungsbeamten klar hervor.
Dies wird auch von seiner Kombinierfähigkeit unterstrichen (dies hat
mich sehr an Detective Conan erinnert). Hierbei handelte es sich um ein
Element, welches mir zunächst sehr gut gefallen hat. Später bin ich
diesen Schilderungen aber überdrüssig geworden. Ich bin während seiner
gedanklichen/inneren Monologe teilweise abgeschweift, weil ich die
Lektüre einfach als zu sättigend und anstrengend fand. Intellektuell
habe ich mich nicht überfordert gefühlt, sondern es war einfach nur eine
sehr trockene und langatmige Lektüre. Das Innere Mikamis und seine
private Situationen spielen eine wichtige Rolle: Er ist ein Spiegel –
seine innere Zerrissenheit gleicht der Zerrissenheit des
Polizeipräsidiums. Seine Sorge um seine Tochter spiegelt sich im Fall 64
wider. Dies wurde vom Autor geschickt eingefädelt.

Die Handlung kommt jedoch nicht in Fahrt. Es geht immer dann ein
Stückchen weiter, wenn sich eine Spekulations Mikamis bewahrheitet oder
nicht, oder wenn ihm eine neue Idee kommt. Gedanken und Überlegungen
brauchen Zeit um sich zu entfalten und dementsprechend viele Seiten.
Dazu kommt, dass die Schilderungen sehr detailreich, oftmals kompliziert
und anspruchsvoll sind. Dementsprechend muss man beim lesen sehr gut
aufpassen und aufmerksam sein, um kein Detail zu verpassen. Daher eignet
sich dieser Thriller nicht als Lektüre für Zwischendruch.

Mikami gibt dem Leser in seinem Gedankenfluss sehr viele subtile
Hinweise, bei denen sich der Leser am Ende an die Stirn fasst und den
Kopf schütteln muss. Es war so absurd wie die einzelnen Elemente am Ende
zusammenpassten, dass man sich doch etwas ‚dumm‘ vorkam. Einige
Sachverhalte habe ich zwar erahnen, aber erst später in ihrer
Vollständigkeit erfassen können.

Wenn man sich tapfer durch die ersten 600 Seiten gekämpft hat, wird man
auf den letzten 70-80 Seiten belohnt. Das Tempo nimmt zu, es passiert
sehr viel auf einmal und es wird spannend. Denn, der Fokus verschiebt
sich, es geht nicht mehr um die inneren Machtkämpfe. Die Auflösung hat
mir ziemlich den Kopf verdreht, konnte aber beileibe nicht die
restlichen 600 Seiten aufwiegen, durch die ich mich mehr oder weniger
zwingen musste. Trotz allem wirkte der Thriller zu keinem Zeitpunkt
konstruiert oder unglaubwürdig. Die Figuren, vor allem Mikami und
Amamiya, wirken authentisch und ich konnte ihnen sehr gut habhaft
werden. Ich glaube, dass der Thriller die Polizeiarbeit besser
darstellt, als jeder andere Thriller, den ich zuvor gelesen habe es
getan hat. Nichtsdestotrotz hat er mir nicht gefallen und ich war
unglaublich erleichtert als ich die letzte Seite erreichte.

Fazit
Ich muss ehrlich sagen, dass mir die Geschichte nur bedingt gefallen
hat. Der Thriller hat ein paar starke Seiten, aber leider überwiegen mMn
die negativen Aspekte. Hätte ich vorher genau gewusst, worauf ich mich
einlasse, hätte ich die Finger davongelassen. ’64‘ ist ein Monolith, das
seinesgleichen sucht. Es ist ein Mammuth mit interessanten Perspektiven,
Figuren und Verwicklungen, aber (sehr) langatmiger Erzählweise. Fazit:
Lesen, aber nur auf eigene Gefahr!

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Tags: 64, atrium verlag, buchbesprechung, hideo yokoyama, meinung, rezension, thriller   (7)
 

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29 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

london, tagebuch, reise, freundschaft, sehnsucht

Die Herzogin der Bloomsbury Street

Helene Hanff , Susanne Höbel
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Atlantik Verlag, 15.05.2015
ISBN 9783455600223
Genre: Romane

Rezension:

Meine Meinung
Einen knappen Monat nachdem ich „84, Charing Cross Road“ gelesen habe, habe ich nun endlich die langersehnte Fortsetzung in die Finger bekommen und verschlungen. Der Reisebericht, in Tagebuchform, hat sich genauso leichtfüßig in mein Herz geschlichen wie sein Vorgänger. Einfach toll!

In der Tat, trifft der Tagebuchroman einen ähnlichen Ton wie der Briefroman, auch wenn die Stimme von Frank Doel fehlt. Der Ton ist immer noch charmant, auch wenn es ein etwas anderer Charme ist. Dies verleiht der Geschichte allerdings keinen Abbruch. Helene Hanffs Stimme ist noch genauso freimütig, ehrlich und herzlich wie in den Briefen. Zu Beginn hatte ich einige Zweifel, denn die Briefe wurden nicht mit der Absicht einer Publikation verfasst. Ich weiß nicht, ob die Autorin von Anfang an vorhatte ihre Einträge zu veröffentlichen. Wenn ja, dann ist die Autorin trotzdem noch genauso ungezwungen und offenherzig wie ich sie in „84, Charing Cross Road“ kennengelernt habe: Sie spricht immer mit dem Herzen auf der Zunge.

Nach 20 Jahren gelingt es Helene Hanff endlich nach London zu reisen, ihr größer Traum oder möglicherweise Albtraum geht in Erfüllung. Welches von beidem stellt sich auf den ersten paar Seiten heraus. Es war schön teilzuhaben, mitzulesen wie sie die Reise wagt. Ich wollte es nun endlich wissen: Was hat es denn nun mit diesem Mythos ‚London‘ auf sich?

Trotz anfänglicher negativer, pessimistischer Gefühle, lässt sie sich nicht runterziehen. Diese Gefühle werden durch Entdeckerlust, Dankbarkeit und neuen Freundschaften abgelöst und vertrieben. Die Liebe zu Büchern geht in diesem Reisebericht nicht verloren, auch wenn diese nicht im Vordergrund stehen. Sie wird durch die Liebe zu London, ihren literarischen Helden und den realen Menschen erweitert. Hanff trifft auf so viele unterschiedlichen Menschen und Charaktere und erlebt dabei unglaublich viel. Man könnte glatt ein bisschen neidisch werden. Interessant waren auch die Unterschiede, die Hanff zwischen London und New York herausgearbeitet hat. Dieses Tagebuch ist ein wahrer Schatz!

Die Melancholie, die sich am Ende ihrer Reise einstellt, konnte ich sehr gut nachvollziehen. Ist doch, das Ende einer jeden Reise meistens auch das Ende eines Lebens. Das Erlebte wirkt so unwirklich, fast wie ein Traum.

Fazit
Wem „84, Charing Cross Road“ gefallen hat, wird „Die Herzogin der Bloomsbury Street“ schnell in sein Herz schließen und nicht mehr loslassen. Absolute Leseempfehlung.

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19 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

douglas preston

Ice Limit

Douglas Preston , Lincoln Child , Michael Benthack
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 03.07.2017
ISBN 9783426514986
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Meine Meinung
Zu Weihnachten schenkte meine Schwester unserem Vater diesen Thriller. Beim gegenseitigen Bestaunen der Geschenke, habe ich mir den Klappentext durchgelesen und war sofort Feuer und Flamme. Den Autor Douglas Preston kenne ich bereits von einem Real Crime Buch "The Monster of Florence", welches auch ein Gemeinschaftsprojekt ist. Daher war ich mir von Beginn an ziemlich sicher, dass mich dieser Roman nicht enttäuschen würde. Und glücklicherweise habe ich Recht behalten.

Obwohl es sich um einen alleinstehenden Roman handelt; man ihn daher ohne den Vorgänger „Ice Ship“ lesen kann, hatte ich zunächst ein paar Schwierigkeiten in die Geschichte reinzukommen. Zu Beginn häufen sich Verweise auf vorhergehende Romane und Begebenheiten. Das hat mich ziemlich gestört und teilweise aus dem Lesefluss gerissen, weil ich sie nicht richtig einzuordnen wusste. Aber sobald man die richtig sortiert, kommt man auch gut zurecht. Langsam aber sicher steigert man sich in die Geschichte rein.

„Ice Limit“ ist ein Roman, ein Thriller, mit vielen Science-Fiction Elementen. Eine Mischung aus Spekulationen und Wissenschaft, aus Fantasie und Fakten. Eine tolle, kreative, explosive Mischung. Ein bisschen hat es mich an die Fernsehserie „Stargate SG-1“ erinnert. Man muss offen sein und sich unbedingt darauf einlassen. Die anfängliche Skepsis löst sich nach ein paar Kapiteln wie von selbst.

Das Besondere an diesem Thriller ist, dass auf jeder Seite etwas passiert. Mit einem Wort: ACTION. Die Seiten fliegen nur so vorüber. Ich hatte teilweise richtiges Kopfkino; ein fast filmreifer Roman. Die Handlung ist spannend, rätselhaft und löst mulmige Gefühle aus. Die Autoren wissen durchaus mit Worten und Beschreibungen umzugehen. Ebenso geglückt sind die Dialoge. Die Autoren schaffen es Bestürzung und Schaudern auszulösen. Die Ereignisse sind beunruhigend, absurd, abgefahren und total fesselnd. Die Kapitel sind relativ kurz. Am Ende eines jeden Kapitels werfen die Autoren einen Köder, einen Leckerbissen aus, der mich dazu angehalten hat immer weiter zu lesen. Das Buch habe ich stets nur widerwillig aus der Hand gelegt.

Die wechselnden Perspektiven tragen zum ansprechenden Aufbau des Romans bei. Man erfährt viel über die Rollen und Aufgaben eines jedem auf dem Forschungsschiff Batavia. Sehr gut gefallen haben mir die Perspektiven von Prothero und seiner Laborassistentin sowie von Dr. Brambell. Von den Walgeräuschen hätte ich gerne noch mehr gelesen. Auch wenn diese Thematik am Ende noch mal aufgegriffen wird, konnte es mich doch nicht ganz zufriedenstellen.

Die Lage auf dem Schiff spitzt sich immer weiter zu und für die Besatzungsmitglieder entwickelt sich das Unterfangen immer mehr zu einem Albtraum. Die Geschichte ist nicht platt und die Handlung war zu keiner Zeit vorhersehbar. Teilweise fand ich es sogar erstaunlich, wie sich die Dinge entwickelten. Das Ende fällt im Vergleich zur restlichen Handlung etwas aus der Reihe und war nicht ganz das was ich erwartet hatte. Im Vergleich zur restlichen Geschichte gestaltete sich das Ende eher ruhig, erhaben und fast schon philosophisch.

Fazit
„Ice Limit“ war meine erste Reise in das Preston & Child Universum, und möglicherweise nicht der letzte Ausflug. Ich habe sehr viel Freude daran gehabt; die Autoren haben somit ihr Ziel erreicht. Ich empfehle diesen rasanten Thriller all denjenigen, die mal etwas Neues ausprobieren wollen und der Science-Fiction gegenüber nicht abgeneigt sind. Science-Fiction-Fans sind bei diesem Roman sowieso an der richtigen Stelle.

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456 Bibliotheken, 7 Leser, 3 Gruppen, 135 Rezensionen

schottland, pfau, banker, teambuilding, humor

Der Pfau

Isabel Bogdan
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 18.02.2016
ISBN 9783462048001
Genre: Romane

Rezension:

Meine Meinung
Als Jahresabschlusslektüre konnte ich mir wirklich nichts Besseres aussuchen. „Der Pfau“ ist eine leichte Lektüre, mit einigen Tiefen, die sehr angenehm zu lesen war. Ich habe mich köstlich amüsiert, dank dieses besonderen britischen Humors, der die Handlung so lebendig gestaltet hat. Ob es Humor britischer Manier ist kann ich nicht einschätzen bzw. beurteilen, aber klar ist, dass die Ironie zu keiner Zeit ihr Ziel verfehlt hat. Gewisse Stellen des Romans haben mich mit diebischer Freude erfüllt. Glücklicherweise war ich nicht das Ziel der Schmach, sondern eine Gruppe von Investmentbänkern, die sich in die schottischen Highlands begeben haben, um einer Teambuilding-Maßnahme nachzugehen. Dass gerade dort ein verrückt gewordener Pfau rumläuft und für Durcheinander sorgt, konnte ja keiner ahnen.

Die Figuren sind einfach nur herrlich, lebendig und irgendwie liebenswürdig. Und auch die Tiere, die hier emotional auf dieselbe Stufe mit den Menschen gesetzt werden, erscheinen nicht übertrieben sondern absolut glaubwürdig.

„Alle freuten sich, dass sie mit dem Teambuildingso gut vorangekommen waren“ (S. 232). Ja, wahrlich, dafür, dass es so viele Verstrickungen gibt und jeder ein Puzzleteil zur Lösung des Falls besitzt, ist das ein gutes und zutreffendes Fazit. Keiner hat Lust zu puzzeln. Genauso wie niemand Lust auf die Teambuilding-Maßnahme hat. Es gibt so viele Mitwisser und genau das ist der Charme dieser tollen Geschichte. Das Ganze ist einfach nur erfrischend und urkomisch. Vor allem die Schlussszene war köstlich und hat mich zum Schmunzeln gebracht.

Der Erzählstil, also die Art und Weise wie die Autorin ihre Figuren reden lässt bzw. über sie schreibt, ist einfach aber trotzdem anspruchsvoll und sehr künstlerisch. Er ist sehr ausgefallen und abwechslungsreich.

Fazit
Der Roman „Der Pfau“ ist absolut empfehelnswert. Die Handlung ist ansprechend, blanke Ironie prägt den Humor und die Figuren, tierische wie menschliche, sind absolut liebenswürdig und urkomisch. Absolut zu empfeheln.

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387 Bibliotheken, 16 Leser, 1 Gruppe, 78 Rezensionen

zukunft, satire, humor, qualityland, marc-uwe kling

QualityLand

Marc-Uwe Kling
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 22.09.2017
ISBN 9783550050237
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Meine Meinung
Die Buchbloggercommunity hat mich auf diesen außergewöhnlichen Roman aufmerksam gemacht. Dass zwei verschiedene Versionen, mit unterschiedlichen Inhalten auf dem Markt sind, habe ich erst im Nachhinein erfahren. Vielleicht hätte ich eher die dunkle Version lesen müssen (habe ja ein eher pessimistisches Weltbild :-D). Die Unterschiede betreffen, soweit ich weiß, nicht die Handlung, sondern die kreativen Zwischentexte – bestehend aus Forenbeiträgen, Nachrichtenartikeln, Produktbeschreibungen, etc. – die die Geschichte und das QualityLand lebending und vielfältig gestalten. Eine großartige Idee des Autors! Je nach Version fallen die Texte eher positiv bzw. eher negativ aus.

Die Gesellschaft, die von Kling erschaffen hat, ist absolut paradox und absurd, findet so aber viele Parallelen und Bezüge zu unserer heutigen Gesellschaft, dass einem Angst und Bange wird. Sieht so tatsächlich unsere Zukunft oder die unserer Kindes Kinder aus? Kling treibt unsere Lebensweisen, unsere Politik, unsere Gesellschaft, unseren Konsum auf die Spitze. Verdreht, übertreibt und bleibt dabei doch irgendwie glaubwürdig. Irgendwie steckt in jeder Beschreibung ein Fünkchen Wahrheit, das ist ebenso genial wie beunruhigend. Er reduziert die Gesellschaft auf Algorithmen, auf Zahlen und zeichnet damit eine Zukunft, die dystopischer nicht sein könnte. Zu Beginn der Lektüre habe ich mich gefragt, wie man auf diesen Wahnsinn kommen kann. Aber wenn man sich dann umschaut und etwas genauer hinsieht, ist es eigentlich ziemlich offensichtlich.

Peter Arbeitsloser, die Hauptfigur, kam mir wie ein Dummy-Charakter vor, ohne den der Roman gar nicht funktionieren würde. Wegen seiner Ahnungs- und Gleichgültigkeit kann das QualityLand dem Leser genaustens erklärt werden. Er ist ein Mittel zum Zweck. Und in der Tat, kam mir die Handlung eher nebensächlich vor. Nicht sehr spannend, wird nach der Hälfte eher träge und zäh, und ließe sich auch auf ein paar Sätze herunterbrechen. Leider eine Schwäche des Romans, über die man aber hinwegsehen sollte. Denn hier geht es nicht um eine spannende Handlung oder darum, dass ich Herzrasen bekommen – nein, es geht um Gesellschaftskritik.

Selbstverständlich ist der Roman spannend, aber es ist eine andere Art der Spannung. Es ist die Spannung des Unbekannten: Alles ist neu und unbekannt, weil eine neue Welt entdeckt werden muss. Wie ein kleines Kind mit großen Augen und offenem Mund rast man durch die Seiten, bis man gesättigt ist und alles gesehen hat. Bis der rosane Delfinvibrator kommt. Da denkt man, man hat alles gesehen und dann sowas…

„QualityLand“ ist geprägt von herrlichem erfrischenden Humor. Satire soweit die Zeile reicht. Ich habe mich sehr amüsiert. Nichtsdestotrotz sorgt der Roman dafür, dass man ins Grübeln gerät. Möchte man wirklich in einer solchen Gesellschaft leben? Oder leben wir bereits, wenn auch nur ansatzweise, in einer solchen?

Mein Fazit
Dystopie vom Feinsten, krasse Gesellschaftskritik gepaart mir einer eher schwachen Handlung. Darüber sieht man aber hinweg, denn die Handlung steht nicht im Mittelpunkt. Ich denke fast, dass sich „QualityLand“ auch als Schullektüre für den Deutschunterricht eignet.

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101 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 12 Rezensionen

jennifer wolf, fantasy, götter, jahreszeiten, liebe

Tagwind. Der Bewahrer der Jahreszeiten (Buch 4)

Jennifer Wolf
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 30.11.2017
ISBN 9783551316165
Genre: Jugendbuch

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36 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 9 Rezensionen

ehe, roman, ehefrau, fazit, eheleben

Die Ehefrau

Meg Wolitzer , Stephan Kleiner
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 21.10.2016
ISBN 9783832198169
Genre: Romane

Rezension:

Meine Meinung
Hinter jedem erfolgreichen Mann steht bekanntermaßen eine starke Frau. Aber das ist bei „Die Ehefrau“ noch stark untertrieben. Meg Wolitzer erzählt Joans Geschichte, eine herzenswarme und gütige Ehefrau eines erfolgreichen Schriftstellers. Es ist eine Abrechnung, die ihren Ehemann, ihre Ehe, ihre Kinder und das nicht allzu rosige Schriftstellertum zum Thema hat. Gleichzeitig auch ein herrlicher Bezug und Seitenhieb zu den Veröffentlichungen von Joans Ehemann.

Mal erzählt die Autorin Joans Geschichte mit junger naiver Stimme, mal mit erwachsener reifer Stimme. Mal ist die Erzählstimme unglaublich selbstbewusst, mal macht sie sich klein. Dabei ist sie unglaublich inspirierend: Joan lehrt uns (Frauen) unser Talent nicht zu verschwenden und/oder unter den Scheffel zu stellen; sie sagt uns, dass wir das Spiel der Männer mitspielen und ihnen nicht als Spielfigur dienen sollten.

Die Art und Weise wie die Autorin schreibt, ist unglaublich erfrischend, mit viel Witz und unterschwelligem Humor. Sie scheut sich nicht davor die Dinge beim Namen zu nennen. Gelegentlich ertappt man sich dabei, verschmitzt zu lächeln.

Das Geheimnis, das die Ehefrau versteckt, war gar nicht mal überraschend und dabei total einleuchtend. Des Rätsels Lösung hat bei mir eine Mischung aus Überraschung und Selbstverständlichkeit ausgelöst. Man hat erwartet, dass etwas nicht stimmt, dass etwas kommt, aber mit dem Abgrund, der sich öffnet, habe ich nicht gerechnet. Auch die Art und Weise wie Joan das Geheimnis enthüllt, fand ich genial. Sie knüpft dort an, wo man es am wenigsten erwartet. Dadurch, dass sich mehrere Zeitstränge überlagern, wird der Geschichte eine neue Dimension verliehen.

Auf mich hatte der Roman eine richtige Sogwirkung, ich konnte gar nicht aufhören zu lesen. Während der Lektüre hatte ich manchmal Schwierigkeiten, die Autorin von ihrer Hauptperson zu trennen. Ich weiß aber nicht so ganz warum. Ich hatte das Gefühl, dass sich zwischen der Ehefrau, der Autorin und mich als Leserin ein geheimes Einverständnis oder eine ironische Mittäterschaft gebildet hat.

Fazit
Anfänglich hatte ich das Gefühl, dass der Roman schwer zu bewerten sein würde, weil der Schreibstil der Autorin teilweise sehr erhaben, überlegen und Achtung gebietend erschien. Aber im Nachhinein bin ich schwer begeistert. Ich kann euch den Roman nur empfehlen. Ein starkes Buch für starke Frauen. Ich möchte definitiv mehr von Meg Wolitzer lesen, wie z.B. „Die Stellung“.

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13 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

darknet, drogen, informativ, böses darknet, clearnet

Darknet

Stefan Mey
Flexibler Einband: 240 Seiten
Erschienen bei C.H.Beck, 19.09.2017
ISBN 9783406713835
Genre: Sachbücher

Rezension:

Meine Meinung
Das Verbotene strahlt eine ganz besondere Anziehungskraft aus: Es scheint aufregender, es reizt uns. So ergeht es mir zumindest mit dem Darknet, das ja an sich nicht verboten bzw. illegal ist (es kommt nur ganz darauf an, was man dort macht!). Es kann genauso legal bzw. illegal sein wie das ’normale‘ Internet. Das war eines der ersten Dinge, die ich lernte als ich das Sachbuch „Darknet“ las. Auch im Clearnet, unserem Internet, gibt es Waffen, Drogen oder Schlimmeres; man muss nur wissen wo. Die Medien haben mich auf das Phänomen Darknet aufmerksam gemacht und meine Neugierde geweckt. Nach diesem Sachbuch bin ich zwar schlauer und habe einen etwas differenzierten Blick auf das Phänomen, ich bin aber auch neugieriger als zuvor. Es gibt langweilige Sachbücher und es gibt Sachbücher, die eine ungeahnte Faszination und Neugier in uns auslösen. Das Sachbuch von Stefan Mey gehört zur letzten Sorte.

Ich habe verstanden warum das Darknet ein Tabu ist und auch warum es nicht als solches behandelt werden sollte. Mey beantwortet mit seinem Sachbuch ein paar grundlegende Fragen. Zu allererst: Was ist das Darknet überhaupt? Wo kommt es her? Wo geht es hin? Er erklärt das Darknet, seine vielfältigen negativen Seiten, aber auch seine vielen positiven Verwendungen (ja, die gibt es). Er klärt auf über die verborgenen Dynamiken, spricht über Terrorismus und Missbrauchsabbildungen. Er versucht mit ein paar Vorurteilen aufzuräumen und zeigt ihren wahren Kern. Er berichtet darüber in einem neutralen und nicht reißerischen Ton. Besonders gut hat mir gefallen, dass er, wenn er das Darknet in die analoge Welt holt (z.B. vom Ausheben von Drogendealern spricht), sich auf Vorkommnisse aus Deutschland konzentriert. Das macht das Ganze noch eine Spur greifbarer.

Bei „Darknet“ handelt es sich um ein aufschlussreiches, informatives aber bis zu einem gewissen Grad auch anspruchsvolles Sachbuch. In Zeiten des digitalen Wandels sind solche Bücher sehr wichtig. Nur wenn man sich angemessen informiert, kann man sich eine Meinung bilden. Wir müssen die Welt, in der wir leben auch verstehen, um ein richtiges Leben führen zu können. Dazu braucht man Bücher, die eine solche Aufklärung leisten.

Ich hätte zwar gerne noch mehr erfahren und mehr gelesen, denn über das Darknet gibt es noch so viel zu erzählen. Da sind mir 239 Seiten etwas zu wenig. Aber für einen Einstieg eignet sich dieses Sachbuch allemal. (Eine kleine Bemerkung am Rande: Das Prinzip der Sternchen (z.B. Forscher*innen) ist sehr löblich und bei einer wissenschaftlichen Publikation auch durchaus angebracht, aber es stört den Lesefluss ungemein.)

Fazit
Nach der Lektüre dieses Buches ist das Darknet gar nicht mehr so bedrohlich und dunkel. Stefan Mey hat viel Licht ins Dunkel gebracht. Zwar ist mir das Darknet immer noch suspekt, neugierig bin ich immer noch. Absolute Leseempfehlung.

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43 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

london, briefwechsel, brieffreundschaft, buch über bücher, helenehanff

84, Charing Cross Road

Helene Hanff ,
Flexibler Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Atlantik Verlag, 13.11.2015
ISBN 9783455650747
Genre: Romane

Rezension:

Meine Meinung
Ich bin immer wieder aufs Neue überrascht, wenn so dünne Bücher so großartige Geschichten erzählen. Da kann so mancher dicker Schinken nicht mithalten. Für mich ist „84 Charing Cross Road“ tatsächlich zu einem Herzensbuch avanciert. Einen Briefroman zu lesen, kommt bei mir wirklich wirklich nicht oft vor. Und, dass er mich dann so aus den Pantoffeln haut, habe ich nicht erwartet.

Die Geschichte, die dieser Briefroman erzählt, kann man sich gar nicht ausdenken. Solche Geschichten schreibt nur das Leben. Die besondere Freundschaft zwischen Helene Hanff und den Angestellten der Buchhandlung Marks & Co entwickelt sich aus einer ganz normalen Geschäftskorrespondenz. Mit jedem Brief nimmt eine gewisse Heiterkeit und Herzlichkeit zu, die einen einfach nur mitreißen kann. Man erhält viele persönliche Einblicke in das Leben verschiedenster Personen. Der Ton ist heiter und ehrlich, manchmal schattig aufgrund der schwierigen Lebensumstände in einem vom zweiten Weltkrieg gebeutelten England. Hanff legt eine sehr humorvolle Stimme an den Tag. Man spürt förmlich, wie die Briefschreibenden ihren gegenseitigen Austausch genießen. Es geht um die Liebe zu Büchern, aber auch um die großen und kleinen Dinge des Alltags, um Amerika und um das London der Nachkriegszeit. Die Briefe strahlen einen gewissen Charme aus, der aus diesen alltäglichen Themen und ihrer Einfachheit resultiert.Franks Schicksal hat mich ganz besonders berührt. Da hat sich bei mir alles zusammengezogen. Absolut berührend und unglaublich traurig.

Ich freue mich darauf, die Fortsetzung zu lesen („Die Herzogin der Bloomsbury Street. Eine Amerikanerin in London“). Mal sehen wie es der Autorin in London ergeht.

Fazit
Der Briefroman „84 Charing Cross Road“ erzählt eine wertvolle Geschichte. Er berichtet von einer Freundschaft, die so in unseren Zeiten nicht mehr möglich ist. Hiermit spreche ich eine Leseempfehlung an all diejenigen aus, die das Glück auch in den kleinen Dingen sehen und finden.

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1.052 Bibliotheken, 49 Leser, 0 Gruppen, 169 Rezensionen

thriller, flugangst, sebastian fitzek, flugzeug, psychothriller

Flugangst 7A

Sebastian Fitzek
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Droemer, 25.10.2017
ISBN 9783426199213
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Meine Meinung
Ein neuer Fitzek. Fitzek, der Name steht für Hochspannung, vertrackte Fälle und fesselnde Lesestunden. Auch mit „Flugangst 7A“ hat mein Lieblings-Thrillerautor wieder einen sehr packenden Roman geschrieben, einen Pageturner. Dies lässt sich zumindest auf den ersten Blick sagen. Auf den zweiten Blick muss ich leider einräumen und zugeben, dass ich ziemlich enttäuscht bin. Schon sein letzter Roman „AchtNacht“ konnte mich nicht komplett überzeugen. Aber bei „Flugangst 7A“ wurde ich gepackt und wie eine heiße Kartoffel fallengelassen.

Die Handlung ist unglaublich vollgestopft mit vielen gesellschaftskritischen und -relevanten Themen. An sich nicht schlecht, denn Fitzek trifft damit den Nerv der Zeit. Allerdings hätte es die Hälfte auch getan. Ich wusste gar nicht, worauf ich meine Aufmerksamkeit richten soll. Jedes dieser Themen hat mich gepackt, aber nicht genug um meine Aufmerksamkeit dauerhaft zu fesseln. Manchmal ist weniger eben mehr. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich keine Angst vorm Fliegen habe, dass dieser erste Aufhänger mich einfach irgendwie nicht mitgenommen hat und ich deswegen schwer reingekommen bin.

Ich fand die zwei verschiedenen Handlungsorte super: in der Luft und auf dem Boden. Das schafft einen interessanten Kontrast und sorgt für ein bisschen extra Spannung. Ziemlich cool fand ich auch den Rahmen, der sich um die Haupthandlung legt. Das war ein kluger Schachzug, am Ende macht dann doch alles irgendwie Sinn.

Die Tatsache, dass Mats im Flugzeug hilf- und tatenlos dabei zusehen muss, wie sich die Geschehnisse entwickeln, tut ihm als Psychiater nicht gut. Selbstverständlich kann die Flugangst und die Angst um die Tochter die Gedanken vernebeln. Aber so ganz nachvollziehen, konnte ich seine Handlungen oder Gedankengänge nicht. Und die der anderen Figuren teilweise auch nicht.

Zugegeben die Verstrickungen und Wendungen à la Fitzek sind schon genial. Aber in diesem Roman sind sie dermaßen haarsträubend, dass ich mir teilweise nur noch denken konnte „Ja, als ob“. Ich war hin- und hergerissen zwischen Bewunderung, denn es ist schon eine unglaubliche Leistung, sich soetwas auszudenken, und Skepsis, der konstrukthafte Charakter der Handlung war deutlich herauszulesen. Ich sage nur Seminar und Aufzug.

Das Problem dieser Verwicklungen à la Fitzek ist, dass es irgendwann keinen Spaß mehr macht mitzurätseln, weil es einfach viel zu haarsträubend ist und irgendwie unglaubwürdig wirkt.

Der Roman sorgt definitiv für spannende Unterhaltung, aber man darf nicht zu viel über die ‚zufälligen‘ Zusammenhänge nachdenken. Wenn man sich berieseln lassen möchte, ist dieser Fitzek-Psychothriller genau das Richtige.

Im Vergleich zu „AchtNacht“ hat mir das Ende von „Flugangst 7A“ sehr gut gefallen. Es ist realistisch und logisch. Es fügt sich perfekt in die laufende Handlung ein. Dabei hat sich mein kleines Herz doch ein bisschen zusammengezogen und ich wahr ehrlich berührt.

Mein Fazit
„Flugangst 7A“ ist kein durch und durch schlechter Roman, aber meiner Meinung nach gibt es durchaus bessere Psychothriller aus der Feder von Sebastian Fitzek. Wer auf der Suche nach Unterhaltung ist, ist bei diesem Roman richtig. Trotz allem konnte mich dieser Roman nicht völlig überzeugen. Von daher bin ich froh, dass ich mir das Buch nur ausgeliehen habe.

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182 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 36 Rezensionen

stephen king, gwendys wunschkasten, kurzgeschichte, king, fantasy

Gwendys Wunschkasten

Stephen King , Richard Chizmar , Ulrich Blumenbach
Fester Einband: 128 Seiten
Erschienen bei Heyne, 09.10.2017
ISBN 9783453439252
Genre: Fantasy

Rezension:

Meine Meinung
Manchmal stellen sich spontane Entscheidungen als die besseren heraus. So verhält es sich zumindest mit diesem Buch, welches ich im Rahmen des Stephen King Novembers gelesen habe. Anders als beim „Basar der bösen Träume“ habe ich dieses Buch nicht als Herausforderung empfunden. Es waren ja auch nur knapp 120 Seiten. Die extrem kurzen Kapitel regen dazu an, weiterzulesen und lassen gar nicht zu, dass man das Buch aus der Hand legt. In der Tat, habe ich es in einem Rutsch durchgelesen (auf der Busfahrt von Erlangen nach Frankfurt, um genau zu sein).

Im Vergleich zu anderen King-Büchern war dieses hier, bzgl. des Schreibstils, unglaublich eingängig und leichtfüßig. Nichts hat den Lesefluss gestört, keine langatmigen Erklärungen oder nebensächlichen Details. Man fliegt nur so durch die Geschichte.

Gwendys Figur habe ich als ‚Allerweltsfigur‘ verstanden. Sie lässt sich leicht auf jeden übertragen, man kann sich schnell mit ihr identifizieren und man hat das Gefühl, dass jeder in ihre Situation geraten könnte. Auch Frankie konnte ich mir sehr gut vorstellen. Ein absolutes Ekelpaket. Die Atmosphäre der Handlung, die 70er, die High School usw. fand ich sehr einnehmend und ansprechend.

Der Wunschkasten ist ebenso interessant und faszinierend wie er erschreckend ist. Ein Gefühl der Versuchung, den Wunsch ebenfalls einen solchen Kasten zu besitzen ist groß. Denn schließlich ist er ja auch für viele positive Veränderungen verantwortlich. Gleichzeitig macht sich, langsam aber sicher, das typische Beklemmungsgefühl á la King breit. Insgeheim weiß man, dass es kein gutes Ende nehmen wird.

Die Kampfszene kam sehr überraschend und ist total eskaliert. Kennt man ja nicht anders. Aber so schnell wie sie gekommen ist, genauso schnell war sie auch wieder vorbei. Aber irgendwie hatte ich das Gefühl, dass sie nicht so ganz in die restliche Handlung hineingepasst hat. Auch das was danach geschieht, was der Leser zunächst nicht erfährt, ist total haarsträubend, aber irgendwie typisch King. Trotzdem scheint es einfach nicht zum Rest der Geschichte zu passen. Paradoxerweise kann ich mir aber keine bessere Lösung vorstellen.

Der Vergleich zwischen Computer/Schreibmaschine und dem Wunschkasten finde ich sehr bedeutsam und poetisch. Gleichzeitig aber auch beunruhigend. Alle drei verleihen Macht und man muss aufpassen wie man diese einsetzt. Dies könnte man durchaus als Seitenhieb auf unsere heutige Gesellschaft verstehen. Von einem moralischen und gesellschaftskritischen Standpunkt aus, lässt sich sagen, dass sich Erfolg und Macht gegenseitig bedingen und nur sehr wenige wissen, wie man mit beidem richtig umgeht.

Mein Fazit
Mal wieder ein sehr spannender und anspruchsvoller King mit Sogwirkung. Ein King für Zwischendurch. Absolute Leseempfehlung!

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259 Bibliotheken, 24 Leser, 1 Gruppe, 42 Rezensionen

stephen king, kurzgeschichten, horror, basar der bösen träume, grusel

Basar der bösen Träume

Stephen King , Ulrich Blumenbach , Bernhard Kleinschmidt , Karl-Heinz Ebnet
Fester Einband: 768 Seiten
Erschienen bei Heyne, 18.01.2016
ISBN 9783453270237
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Meine Meinung
Stephen King ist immer eine Herausforderung. Eine Herausforderung, die sich aber meistens lohnt. Ich habe noch nicht viel von King gelesen, aber das was ich bisher so in den Finger hatte, hat mich stets überzeugt. Deswegen habe ich mir gedacht, ich versuche mich mal an dieser Kurzgeschichtensammlung. Ich bin sowieso kein großer Fan von Kurzgeschichten, deshalb dachte ich mir, Stephen King könnte mich vom Gegenteil überzeugen. Zuerst werde ich mit wenigen Worten jede einzelne Kurzgeschichte bewerten. Die Sterne zeigen an wie gut mir die einzelnen Geschichten gefallen haben (*** sehr gut, ** gut, * naja). Anschließend werde ich ein paar generelle Eindrücke schildern. Es wird also eine recht lange Rezension.

***1. Raststätte Mile 81: Genialer Auftakt der Kurzgeschichtensammlung. Einfach eine absurde, albtraumhafte und fesselnde Geschichte. Sie hat mir sehr sehr gut gefallen und hat die Messlatte für diese Sammlung sehr hoch angesetzt. King hat das Grauen sehr gut beschrieben, sodass es einem wirklich bis unter die Haut gegangen ist.

*2. Premium Harmonie: Um ehrlich zu sein, hat mir diese Geschichte nicht wirklich zugesagt. Ich habe diese Geschichte mit einem „Hm, naja“ quittiert. Um ehrlich zu sein, fand ich sie irgendwie ‚langweilig‘. Das gewisse Extra hat einfach gefehlt. Ich fand sie nicht sehr spannend und hatte auf meine keinerlei Sogwirkung.

**3. Batman und Robin: Zu dieser Geschichte fällt mir nur eines ein, und zwar „That escalated quickly!“. Obwohl der Ausgang irgendwie vorhersehbar war, war die Art und Weise wie man dorthin gekommen ist, doch sehr überraschend. Irgendwie bleibt man ungläubig zurück und fragt sich, ob das gerade wirklich passiert ist.

***4. Die Düne: Das Ende, absoluter Gänsehautmoment. Ich habe ein richtig flaues Gefühl im Magen gespürt und konnte mir den listigen Ausdruck, die diebische Freude im Gesicht des Richters richtig vor mir sehen. Wenn das nicht Albtraummaterial ist, dann weiß ich auch nicht. Und ich muss zugeben, dass ich auf derselben Fährte wie der Anwalt war.

**5. Böser kleiner Junge: Packend und spannened bis zum Schluss, man wird immer neugieriger. Auch wenn sich immer mal wieder eine schlechende Vorahnung gemeldet hat, dass es kein gutes Ende nehmen wird. Ich wüsste jetzt gerne wie es für den Anwalt weitergeht.

*6. Der Tod: Die Auflösung des Mordes kommt total unerwartet und so wirklich aufgelöst wird eigentlich nichts bzw. es bleibt sehr viel Raum für Spekulationen. Der Leser muss selbst entscheiden, wer der Schuldige ist. Den Rückbezug zum Titel finde ich genial. Sehr gerissen, aber so spektakulär nun auch wieder nicht.

*7. Die Knochenkirche: Sehr speziell, konnte mich leider nicht überzeugen. Ich lese lyrische Prosa aber auch nicht so gerne.

**8. Moral: Ich kann mir ganz gut vorstellen, wie sowas in der Realität passieren kann. Das geht glaube ich ganz schnell. Die menschliche Moral zu korrumpieren ist, glaube ich, ziemlich simpel. Zumindest stellt King es so dar, total glaubwürdig. Erschreckend welche menschlichen Abgründe sich auftun können.

**9. Leben nach dem Tod: Diese Geschichte hat mich psychisch total durchgeschüttelt, aber auf eine sehr positive Art und Weise. Mir gefallt das Bild, das King vom Leben nach dem Tod zeichnet. Vielleicht ist der Tod ja gar nicht so schlimm.

***10. Ur: So, so cool! Diese Geschichte hat die vollen 3 Sterne verdient. In meinem Kopf hat sich Folgendes abgespielt: Auja, ich will auch – oh nein, besser nicht. Es ist absurd aber genial wie King seine Geschichten verdreht. Diese Geschichte ist so typisch King: fängt ganz harmlos an und dann bäm und man denkt sich innerlich nur noch, schnell weg.

*11. Herman Wouk lebt noch: Hm, eine sehr seltsame und sehr traurige Geschichte. Konnte mich aber trotzdem nicht wirklich überzeugen. Leider.

***12. Ein bisschen angeschlagen: Auch diese Geschichte fängt total harmlos an, eskaliert und wird richtig makaber. Aber so richtig. Also, das ist doch nicht mehr normal was da passiert. Es beschleicht einem eine böse Ahnung, aber das ignoriert man zunächst und klammert sich an der Hoffnung fest, dass alles ein gutes Ende nimmt. Aber irgendwann trifft einen dann die Erkenntnis mit voller Wucht und man denkt sich nur: das kann doch nicht wahr sein. Krasse Geschichte!

*13. Blockade Billy: Das Baseball Thema hat mich total genervt und irgendwie konnte ich mich nicht wirklich auf die Geschichte einlassen. Ich war ganz froh, als sie vorbei war. Wobei ich schon zugeben muss, dass das Ende sehr unerwartet kam.

*14. Mister Sahneschnitte: Auch hier zeichnet King wieder ein sehr ‚angenehmes‘, ja fast ‚liebenswürdiges‘ Bild vom Tod. Wer wohl meine Sahneschnitte sein wird?

*15. Tommy: Auch hier wieder, lyrische Prosa, absolut nicht mein Ding. Ich denke, dass hier sehr viel an die Übersetzung verloren gegangen ist, genau wie bei Geschichte #7.

***16. Der kleine grüne Gott der Qual: Fand ich absolut genial. Und die letzten Sätze waren einfach Gänsehaut pur.

*17. Jener Bus in eine andere Welt: Irre Idee, hat mich aber nicht wirklich überzeugen können. War irgendwie schlapp, der Kick hat gefehlt.

***18. Nachrufe: Ahhhh! So genial und verdammt spannend! Was ist das bitte für eine gruselige und gleichzeitig beneidenswerte Fähigkeit? Obwohl beneidenswert, hm? Auch hier wieder, Albtraummaterial. Da bekommt man es wirklich mit der Angst zu tun.

*19. Feuerwerksrauch: Hier muss ich wirklich sagen, dass es für mich nur Schall und Rauch war, mehr nicht. Das ständige Hin und Her hat etwas genervt, auch wenn man die steigende Spannung gespürt hat. Erinnert mich an den Spruch: Wie du mir so ich dir. Und die Cops schweigen.

*20. Sommerdonner: Interessante Abschluss. Und stimmt einen nachdenklich.

Besonders gut gefallen, haben mir die Kommentare vor jeder Kurzgeschichte. In diesen erzählt der Autor eine kurze Anekdote, die mit der Geschichte zu tun hat. Er spricht über den Schreibprozess, die Inspirationen und auch über die Entstehungsgeschichte der jeweiligen Geschichte. Kurios war, dass ich diese Kommentare mit der Stimme von Jonathan Frakes, dem Moderator von ‚X-Factor: Das Unfassbare‘ gelesen habe. Und ich habe keine Ahnung warum.

Ich habe manchmal so meine Probleme mit King, das gilt besonders in Bezug auf seinen Schreibstil. Dieser ist oft sehr ausschweifend und detailreich, zumal auch sehr langatmig. Manchmal ist das gut und hilft dabei die Spannung aufzubauen. Oft nimmt diese Art zu erzählen allerdings die Luft bzw. die Spannung raus und es wird ganz schnell unglaublich langweilig. Deshalb kann ich auch nicht viel von King lesen, sondern immer nur stückchenweise. Ich werde ihm sehr schnell überdrüssig. Ich weiß nicht, ob es an der Übersetzung liegt, oder ob er im Original auch so rüberkommt. Das gilt es noch herauszufinden. Genervt hat mich auch die vulgäre Sprechweise einiger Figuren. Meiner Meinung nach, hätte er darauf verzichten können.

Generell haben mir die langen Kurzgeschichten besser gefallen als die kurzen. Ich hatte das Gefühl, dass diese mehr Tiefe besaßen, weil sich die Handlung, die Personen und die Hintergründe einfach besser entwickeln konnten.

Ich habe gemerkt, dass die meisten Geschichten einen sehr harmlosen Anfangen nehmen. Dann eskaliert es plötzlich auf den letzten 2-3 Seiten und manchmal sogar nur in den letzten 2-3 Sätzen. Ich weiß nicht, wie Stephen King das schafft, aber er macht es meisterlich. Und genau das macht den Reiz seiner Geschichten aus. Man weiß nie wirklich woran man wirklich ist und dann puff, eskaliert es. Was er außerdem gut kann, ist, den Leser einfach in der Luft hängen zu lassen. Er ist ein Experte für offene Enden. Meist möchte man diese Enden aber gar nicht weiterspinnen, weil das Ergebnis viel zu entsetzlich wäre. Chapeau!

Mein Fazit
Insgesamt kann ich sagen, dass diese Kurzgeschichtensammlung auf jeden Fall lesenswert ist. Die meisten Geschichten sind tatsächlich fast immer „psychologisch packend“, das stimmt. Dass sie immer der „blanke Horror“ oder „schlicht schmerzhaft“ sind, kann ich nicht unbedingt unterschreiben. Aber im Großen und Ganzen hat mich diese Sammlung durchaus überzeugen können und ich denke, dass „Der Basar der bösen Träume“ die richtige Wahl für diese Aktion war. Es hat sich doch wieder einmal gelohnt.

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39 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

fantasy, fran wilde, stadt aus wind und knochen

Stadt aus Wind und Knochen

Fran Wilde , Marie-Luise Bezzenberger
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 02.11.2017
ISBN 9783426520635
Genre: Fantasy

Rezension:

Meine Meinung
Ich habe diesen Roman beim zufälligen Stöbern in einer Buchhandlung gefunden. Das Cover hat irgendwie meine Aufmerksamkeit gefesselt und meine Neugier geweckt. Ich wollte es zunächst nicht mitnehmen, aber während ich so durch den Buchladen schlenderte, sind meine Gedanken immer wieder zum Buch zurück gewandert. Fieberhaft habe ich überlegt, welche Geschichte das Cover erzählt bzw. welche Geschichte sich zwischen den Buchdeckeln verbirgt. Demnach habe ich es mitgenommen und es nicht bereut. Im Nachhinein bestätigt sich mein erster Eindruck: Das Cover passt zur Geschichte, wie die Faust aufs Auge.

Es ist eine interessante Mischung aus Fantasy, Scien-Fiction und Dystopie. Eine Mischung in der mich zu Hause fühle.  Am Ende habe ich erfreut festgestellt, dass es sich bei diesem Roman um den Auftakt einer Reihe handelt.

Zu Beginn war es etwas schwer in die Welt einzutauchen. Man erhält nur sehr wenig Hintergrundinformationen, was dazu führt, dass viele Fragen aufgeworfen werden. Die meisten Fragen kann man sich im Laufe der Lektüre selbst beantworten. Trotzdem hätte ich gerne noch mehr über die Anfänge erfahren. Wo kommen die Knochentürme her, warum leben die Menschen dort, wodurch wurde der Krieg ausgelöst, etc.? Die Geschichte deutet immer wieder vieles an, gibt aber keine konkreten Informationen. Es bleiben viele Fragen und Geheimnisse offen. Ich bin auf den 2. Teil gespannt.

Das Gesellschaftssystem wird sehr gut erläutert und besonders im zweiten Teil des Romans erfährt man viele Einzelheiten, die der Handlung noch mehr Tiefe verleihen. Zu Beginn fand ich den Gedanken in einem Knochenturm zu leben sehr befremdlich, wenn nicht sogar abstoßend. Aber letztendlich machen diese Knochentürme den Charme der Geschichte aus und werden zu einem besonderen und wichtigen Element. Die Autorin zeichnet damit eine vollkommen andere und fremde Welt, die sich perfekt dazu eignet aus dem grauen Alltag zu entfliehen bzw. zu ‚entfliegen‘. Ich könnte mir zwar nicht vorstellen dort zu leben. Wahrscheinlich würde ich mein ganzes Leben in einem Turm fristen, weil ich viel zu viel Angst vor dem Fliegen hätte.

Die Figuren haben mich überzeugt. Kirit, die Protagonistin, ist tough, stur und unglaublich mutig. Sie hat auf jeden Fall das Zeug zu anderen Protagonisten wie Katniss (Tribute von Panem) aufzuschließen. Sie lässt sich nicht leicht verbringen und bleibt ihren Idealen treu, auch wenn sie manchmal gezwungen ist anders zu handeln als ihr lieb wäre. Aus Wik bin ich ehrlich gesagt nicht so ganz schlau geworden. Er ist sehr geheimnisvoll und bleibt mir schleierhaft.  Der Roman verdient einen großen Pluspunkt, denn: Er ist das perfekte Beispiel dafür, dass eine gute Geschichte auch ohne große Romantik und Kitsch auskommt.

Die Handlung ist innerhalb des Romans in drei Teile geteilt. Jeder Teil hat eine abgeschlossene Spannungskurve. Zu Beginn hatte ich immer das Gefühl bereits zu wissen, wie sich die Handlung entwickeln würde. An jedem Knotenpunkt wusste ich bereits wie es nun ausgehen würde. Aber naja, weit gefehlt! Zum Glück. Es entstehen immer mehr interessante und raffinierte Verwicklungen und Wendungen. So ist die Geschichte niemals langweilig oder gar langatmig geworden.

Im 2. Teil hat mich ein Element sehr stark an ein anderes Fantasy-Epos erinnert. Allerdings war dies nicht weiter schlimm, da sich das Element perfekt in die Handlung eingefügt hat und eine eigene Daseinsberechtigung entwickelt hat (und es somit nicht einfach nur kopiert hat).

Am Ende eines jeden Teils flogen die Seiten nur so dahin und es entfaltete sich eine regelrechte Sogwirkung. Ich hatte auch stets das Gefühl dabei zu sein. Die Autorin schaffte es mit ihren eindringlichen Beschreibungen dafür zu sorgen, dass ich mich nicht mehr in meinem Bett befand, sondern mit Kirit durch die Luft segelte (irgendwann muss man ja mal seine Angst überwinden).

Mein Fazit
„Stadt aus Wind und Knochen“ gehört zu meinen Jahreshighlights 2017. Es ist ein spannungsgeladenes faszinierendes Abenteuer mit einem hohem Unterhaltungswert. Ich hoffe, ich habe euch mit meiner Begeisterung angesteckt. Tolles Debüt, raffinierte Handlung und eine mitreißende Hauptfigur.

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4 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 1 Rezension

Das Lied der wilden Delfine

Rachel Smolker
Flexibler Einband: 284 Seiten
Erschienen bei Verlagsgruppe Weltbild, Augsburg, 01.01.2002
ISBN 9783828906181
Genre: Sachbücher

Rezension:

Meine Meinung
Dieses Buch habe ich zufällig im Bücherschrank in der Erlanger Innenstadt gefunden. Ich habe das Buch sofort mitgenommen, ohne groß zu überlegen. Denn ich liebe Delfine. Sie sind meine Lieblingstiere. Mit ihrem Erfahrungsbericht nimmt die Autorin den Leser mit auf eine spannende Reise in die Welt der Delfine. Der Bericht mischt pesönliche Erfahrungen und wissenschaftliche Erkenntnisse, auf eine spannenden und abwechslungsreiche Art und Weise. Dieses Buch zeichnet das Ende ihrer akademischen Karriere von Rachel Smolker, da sie nun ’sesshaft‘ geworden ist. Meiner Meinung nach eine wunderschöne Idee, die breite Öffentlichkeit auf dieses Weise an wichtigen Erkenntnissen teilhaben zu lassen.

Obwohl der Bericht sehr wissenschaftlich angehaucht ist (und somit in starkem Kontrast zu einem anderen, ähnlichen Buch steht – ‚Das Lächeln der Delfine‘), ist er trotzdem verständlich. Für einen Laien, der sich mit diesem Themengebiet nicht auskennt, ist das Buch genau richtig. Ich kam mir vor, als würde in meinem Kopf ein Dokumentarfilm ablaufen.

Was mich umgehauen hat, ist die Tatsache, dass die Autorin es schafft dem Leser die rosa Brille abzunehmen. In unserer Gesellschaft gelten Delfine als süß, lieb und fröhlich. Sie lässt den Leser hinter diese Fassade schauen, die teilweise gar nicht so rosa ist, sondern ziemlich nüchtern. Auch Delfine können brutal und berechnend sein. Das mag man zunächst nicht glauben, ist aber wahr.

Die Autorin schreibt nicht nur über das Leben der Delphine, oder über ihre Jagdtechniken, über die sozialen Interaktionen, ihre Anatomie und wie sie kommunizieren, sondern auch über die wissenschatliche Realität, die sich dahinter verbirgt. Über das Leben im Camp, über mangelnde Forschungsgelder und somit über den steinigen Weg, den man als junger Forscher zumeist gehen muss. Sie schreibt darüber, wie aus einem Abenteuer Forschung wurde. Obwohl die Gelder manchmal knapp geworden sind, hat die Forscherin und Autorin eines nicht verloren: die Leidenschaft. Und das liest man.

Das Ende hat mich sehr melancholisch gestimmt. Die Autorin hat mich auf eine wunderschöne Reise mitgenommen. Am liebsten hätte ich mich ins kühle Nass zu den Delfinen gestürzt. Die Autorin kritisiert auch: die Menschen und ihr Verhalten den Delphinen und der Umwelt gegenüber. Sie verfasst ein Pladoyer, das mich sehr nachdenklich gestimmt hat. Und ich fange an, meine Einstellung gegenüber Delfinen zu überdenken.

Seit 2002 sind viele Jahre vergangen. Ich habe mich gefragt, wie es wohl um die Delfine in der Shark Bay steht. Im Zuge meiner Recherchen habe ich diese tolle Homepage gefunden: The Shark Bay Dolphin Project

Mein Fazit
Obwohl das Buch schon etwas älter ist, ist es trotzdem lesenswert. Ich empfehle dieses Buch jedem Delfin-Fan. Eine tolle Reise erwartet euch! Und schaut über die Grenze des süßen Flippers.

Lieblingszitat
„Delfine können in der Tat nett, sanft und süß sein, aber sie können auch gemein, selbstsüchtig und nach unseren Maßstäben ausgesprochen „politisch unkorrekt“ sein. Sie sind, wie wir, vielschichtig und facettenreich.“ (S. 183)

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292 Bibliotheken, 9 Leser, 0 Gruppen, 152 Rezensionen

fantasy, palast, horror, expedition, abenteuer

Palast der Finsternis

Stefan Bachmann , Stefanie Schäfer
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 23.08.2017
ISBN 9783257300550
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Meine Meinung
Mit diesem Roman hat Stefan Bachmann einer tollen Idee Leben eingehaucht. Ein sehr mysteriöser, nebulöser und vor allem einfallsreicher Fantasy-Roman. Einen solchen Roman liest man nicht alle Tage und deswegen ist das Buch auch etwas Besonderes. Was mich ganz besonders gereizt hat, war die Idee der Expedition in einen unterirdischen Palast in dem unbekannte Gefahren lauern. Das hört sich mega spannend an! Dass das Ganze dann aber eine ganz andere Wendung nimmt, habe ich nicht erwartet.

Von allen Figuren im Buch stachen mir besonders Anouk, Jacques und der Schmetterlingsmann ins Auge, und das unterschiedlichen Gründen. Fangen wir mit Anouk an. Mir hat es besonders gefallen, dass die Protagonistin widerborstig und stur ist. Sie ist eben nicht „Everybody’s Darling“. Und das ist gut so. Ihre Charakterzüge sind überzeugend und deswegen konnte ich sie mir gut vorstellen. Aber trotzdem bin ich nicht wirklich warm mit ihr geworden. Ich bin auf Distanz geblieben, und das nicht nur was ihre Figur angeht, sondern auch in Bezug auf die gesamte Handlung. Aber dazu später mehr. Was mir an ihr auch gefallen hat, ist ihre innere Wandlung, die sie während ihres Abenteuers durchmacht. Diese wird am Ende des Romans sehr deutlich. Weiter geht es mit Jacques. Jacques Schicksal hat mich berührt, besonders am Ende. Da hat sich alles in mir zusammengezogen und ich hatte unglaublich viel Mitleid mit dieser nicht allzu unwichtigen Figur, die so viel besseres verdient hätte. Und nun zum Schmetterlingsmann. Hm, sehr mysteriös. Auch am Ende bin ich nicht so ganz durchgestiegen. Möglicherweise fand ich seine Rolle auch etwas unausgereift. Ich denke da hätte man noch mehr rausholen können. Allerdings finde ich es interessant, dass er ein krasses Spannungsfeld (in Bezug auf den Plot und die Figuren) erzeugt und die klassische Unterscheidung in Freund und Feind kompliziert gestaltet hat.

Der Plot ist ziemlich actiongeladen und es passiert vieles auf einmal. Vielleicht zu viel. Oft habe ich die Geschehenisse auf den Seiten mit einem Stirnrunzeln verfolgt. Wie schon erwähnt, bin ich eher auf Distanz geblieben. Ich habe es nicht geschafft richtig in die Geschichte einzutauchen. Ich habe zwar ab und zu mitgefiebert, aber so wirklich von der Handlung ‚abgeholt‘, wurde ich nicht. Und das macht bei mir viel aus, wenn es darum geht, wie gut mir ein Buch gefallen hat.

Während der ‚Expedition‘ habe ich mich zunächst ein bisschen an „Die Tribute von Panem“ erinnert gefühlt. Aber das hat sich schnell wieder gelegt, da sich die Geschichte ja doch in eine ganz andere Richtung entwickelt. Die Handlung ist geschickt aufgebaut. Besonders clever fand ich den parallelen Handlungsstrang von Aurélie. Ich finde es toll wie sich die Handlung der beiden Mädchen, Anouk und Aurélie, entwickelt. Aurélies Handlungsstrang gibt so viele Hinweise auf das was Anouk erwartet. Einfach ein genialer Streich des Autors. Allerdings konnte ich mir auch von Aurélie kein klares Bild machen. Manchmal fand ich sie etwas schwammig.

Der Wendepunkt der Story war interessant und sehr fantasievoll. Die Art und Weise wie sich die Handlung ändert, habe ich nicht erwartet. Somit sorgt der Autor hier für einen tollen Überraschungsmoment, der mich im ersten und zweiten Moment etwas hat stutzen lassen. Ah, da war es wieder das Stirnrunzeln. Insgesamt wird der Leser oft im Dunklen gehalten, was ihm die Möglichkeit zum Miträseln gibt. Mir ist das nicht gelungen; zu viel Distanz, zu wenig Mitfiebern. (Achja, und auf das Bild des ‚Tankstutzen‘ komme ich immer noch nicht klar.)


Mein Fazit
Wie ihr vielleicht gemerkt habt, habe ich eigentlich überwiegend eine positive Meinung von Stefan Bachmanns Roman. Aber dadurch, dass ich nicht ‚abgeholt‘ wurde und nicht in die Geschichte reingekommen bin, fällt meine Bewertung im Endeffekt nicht allzu gut aus. Es ist absolut kein schlechtes Buch, das möchte ich hier betonen. Ich kann es ohne schlechtes Gewissen  empfehlen, auch wenn es mich nicht vollständig überzeugen konnte. Denn insgesamt lohnt es sich doch mit Anouk und ihren anderen Mitstreitern den unterirdischen Palast zu erforschen.


Liebelingszitat
„Er ist arm und ich bin reich, und beide glauben wir, wir wären jeweils trauriger und verletzter als der andere. Aber für Schmerz gibt es kein Maß. Wie wunderbar wäre es, wenn es auch keine Grenze für Mitleid gäbe.“ (S. 175)

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56 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 26 Rezensionen

kinderbuch, abenteuer, barcelona, buchhandlung, bücher

Das verschwundene Buch

Edward Berry , Anja Rüdiger
Fester Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Sanssouci, 17.02.2017
ISBN 9783990560273
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Meine Meinung
Um es gleich mal vorweg zu nehmen: das ist eine zuckersüße Geschichte! Man merkt zwar total, dass es ein Kinder- bzw. Jugendbuch ist, aber das hat mich nicht davon abgehalten, die Geschichte zu lesen.

Dreh- und Angelpunkt der Geschichte: die Klassiker sind durcheinander geraten. Irgendwie haben sich dort Elemente eingeschlichen, die da nicht hingehören. Und irgendjemand muss das wieder in Ordnung bringen. Alba und Diego, die Protagonisten, sind total sympathisch. Ich bin auch richtig neidisch adrauf, dass sie zu Peter Pan ins Nimmerland dürfen. Hallo?! Ich will auch.

Das verschwundene Buch ist der Auftakt einer spanischen Bücherreihe. Und meiner Meinung nach, gibt es keinen besseren Klassiker als die Geschichte von Peter Pan, um Jugendliche an diese Art von Literatur heranzuführen. Ich wünschte, ich hätte diese Reihe bereits als Kind lesen können, dann hätte ich in meinem Leben bestimmt schon ein oder zwei Klassiker mehr gelesen.

Mir gefällt die Idee der Bücher vs. Technologie/ Moderne. Die Geschichte zeigt, dass Bücher und ihre Geschichten ziemlich hartnäckig sein können. Aber auch, dass Klassiker/Bücher immer Klassiker/Bücher bleiben, egal welche tollen, neuen, außergewöhnlichen Romane oder Technologien auf den Markt kommen.

Der Plot, wie auch die Sprache, sind recht simpel und recht überschaubar. Es passiert eigentlich gar nicht so viel. Der Anspruch ist allgemein recht niedrig (klar, ist ja auch ein Kinder- bzw. Jugendbuch). Ich habe mich beim Lesen nicht wirklich unterfordert gefühlt, die Handlung plätscherte angenehem daher. Trotzdem birgt die Handlung ein paar interessante Geheimnisse und unerwartete Wendungen. Manches hätte aber noch weiter ausgeführt werden können. Ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen.

Insgesamt hat mich die Geschichte ein bisschen an Tintenherz und Die Buchspringer erinnert. Aber das ist nicht schlimm, denn der Roman entwickelt sich anders und hat seinen eigenen Charme. Und ganz ehrlich, eine Geschichte in der es darum geht, andere Geschichten zu „reparieren“, liest doch jeder Bücherwurm gerne; egal ob groß oder klein. Ich persönlich sehe mich in der Rolle der Tante Beatriz oder der des Leo Gutenbergs. Nero, den Tintengeist, finde ich auch echt putzig.

Ich bin schon auf die nächsten Teile gespannt. Der zweite Teil liegt schon bereit; er ist allerdings auf Spanisch. Ich glaube, dann wird der sprachliche Anspruch ziemlich steigen und ich werd mich direkt etwas überfordert fühlen. Aber egal!


Mein Fazit
Das Lesen hat Spaß gemacht und ich wurde gut unterhalten. Das Kind in mir hat sich richtig gefreut. Ich empfehle es Jugendlichen/Kindern, die sich noch nicht an die richtigen Klassiker trauen. Aber auch Erwachsenen, die ihr inneres Kind hegen und pflegen, und eigentlich niemals erwachsen werden wollten. Die Geschichte eignet sich auch prima zum Vorlesen.

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13 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

lehren, lehrer, lehrerausbildung, schule

Für mich ist auch die 6. Stunde

Frau Freitag
Geheftet: 288 Seiten
Erschienen bei Ullstein extra, 14.03.2016
ISBN 9783864930423
Genre: Humor

Rezension:

Meine Meinung
Frau Freitag ist wieder in ihrem Element und ich habe mich köstlich amüsiert. Kein Vergleich zum Pseudo-Krimi (Hura, hurra, die Schule brent) vom letzten Mal. Dieser Ratgeber kann auch von Nicht-Lehrern oder Nicht-Lehramtsstudenten gelesen werden. Er verschafft einem eine ganz andere Perspektive auf den Schulalltag und seine eigene (vergangene) Schulzeit. Schüler sind ganz schöne Monster und können echt fies sein. So hatte ich das ganze gar nicht in Erinnerung..

Frau Freitag erklärt wie man sich in bestimmten Situationen verhalten sollte; gibt Tipps zum Studium (besonders zum Refendariat); erläutert den Dresscode, dem Lehrer folgen sollten; beschreibt welche Schüler und Lehrer es gibt usw. Das Buch hat mir gezeigt, dass der Beruf Lehrer für mich keine Option darstellt. Never! Das wusste ich zwar schon vorher, aber Frau Freitag hat es mir dann doch nochmal bestätigt. Und noch eins wurde mir bestätigt: Ich bin verdammt froh, aus der Schule raus zu sein!

Der Schreibstil von Frau Freitag ist wie immer locker, leicht und sympathisch, nicht kompliziert oder seltsam verschwurbelt. Ich hätte sie gerne als Lehrerin gehabt, das wäre sicherlich lustig gewesen.

„Für mich ist auch die 6. Stunde: Überleben unter Schülern“ ist ein lustiger Ratgeber für Zwischendurch, den man mit einem verschmitzen Grinsen auf den Lippen liest. Das Buch ist eine gelungene Ablenkung vom Alltag.


Fazit
In meinen Augen ist dies ein Ratgeber, in dem mit leicht erhobenen Finger gut gemeinte Tipps und Ratgeschläge gegeben werden, wobei dies aber auf Augenhöhe geschieht. Es ist ein super Geschenk für Studenten, die den Lehrerberuf anstreben oder ergreifen wollen. So als Vorbereitung auf den echten Schulwahnsinn oder als Möglichkeit sich das ganz doch nochmal zu überlegen. 

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634 Bibliotheken, 32 Leser, 2 Gruppen, 86 Rezensionen

thriller, robert langdon, spanien, barcelona, dan brown

Origin

Dan Brown
Fester Einband: 670 Seiten
Erschienen bei Ehrenwirth, 04.10.2017
ISBN 9783431039993
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
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52 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

drachen, dark fantasy, fantasy, spannung, urban fantasy

Die Mächte des Feuers

Markus Heitz
Flexibler Einband: 576 Seiten
Erschienen bei Piper, 02.11.2016
ISBN 9783492281065
Genre: Fantasy

Rezension:

Meine Meinung
Als großer Drachen-Fan war es wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit bis ich diese Reihe lese. Bei mir hat es jetzt tatsächlich etwas länger gedauert, aber dafür habe ich schnell aufgeholt (Band 2 habe ich auch schon gelesen und jetzt fiebere ich Band 3 entgegen). Generell ist es lange her, dass ich einen richtigen Fantasy-Schinken in der Hand hatte. Jetzt habe ich meine Komfortzone überwunden und bin über alle Maßen süchtig und begeistert!

Die Mischung aus Fantasy und historischen Ereignissen hat mich von Anfang an mitgerissen. Ich brauche keine neuerschaffene Welt, um mich in Fantasy zu verlieren. Ich bin der Meinung, dass es nicht sehr vielen Autoren gelingt, Fantasy und Realität auf eine glaubwürdige und ansprechende Art und Weise verschmelzen zu lassen. Markus Heitz ist dieses Spiel mit der Realität gelungen. Zwischendruch musste ich immer wieder feststellen: Schade, dass es keine Drachen gibt! Andererseits ist diese Tatsache doch irgendwie beruhigend. Zwar sind die Drachen Bösewichte, also blutrünstige Monster, die die Menschen genüsslich verspeisen, schmälert das meine Begeisterung nicht (als großer Fan von der Temeraire-Reihe, war diese Perspektive doch etwas gewöhnungsbedürftig). Auch die Tatsache, dass die Menschen als Marionetten fungieren und es die Drachen sind, die sie sich zunutze machen, ist anders aber doch nicht so abwegig. Obwohl sich die Drachen in diesem Band noch etwas bedeckt und im Hintergrund halten, spürt man ihre Macht. Eigentlich passt das Bild, das der Autor von den Drachen zeichnet, viel besser. Zwar fand ich es am Anfang etwas beunruhigend, dass die Drachen einen hohen Menschenkonsum pflegen, aber zum Glück gibt es die Drachenheiligen und -jäger.

Auch sprachlich hat mich der Autor überzeugen können. Die Ausdrucksweise ist zeitgemäß bzw. so wie man es für die 20er Jahre erwarten würde. Zudem kommt es einem durch die Beschreibungen so vor als wäre man tatsächlich vor Ort. Als würde man tatsächlich mit Silena durch die Luft düsen und Drachen erledigen. Vor allem die Beschreibungen wie die Drachen kämpfen und morden, empfinde ich als sehr realitätsnah (jaja, haha realitätsnah) bzw. glaubwürdig. Man merkt, dass in jedem Abschnitt sehr viel Liebe zum Detail liegt. Dabei wird es aber zu keinem Zeitpunkt langatmig oder langweilig, ganz im Gegenteil; die Handlung schreitet rasant voran. Die verschiedenen Handlungsstränge, die Mitspieler und Gegenspieler, ihre Intrigen und (inneren und äußeren) Konflikte machen die Geschichte sehr lebendig. Der Autor kennt sich aus mit unerwarteten Wendungen und Cliffhangern. Vor allem bei den letzten 200 Seiten fiel es mir sehr schwer das Buch aus der Hand zu legen. Obwohl ich leider zugeben muss, dass ich den finalen Kampf als etwas zu hektisch empfunden habe. Erträglich fand ich die zarte Liebesbeziehung, die sich langsam aber sicher entspinnt aber zu keinem Zeitpunkt die Handlung dominiert hat.

Ich möchte auch noch kurz etwas zum Cover sagen. Das Cover, das man auf der Seite vom Piper Verlag findet (s. o.), ist eine Neugestaltung. Mir persönlich gefällt das alte Cover viel besser. Warum? Ganz einfach: Manchmal sagt ein Bild eben mehr als 1000 Worte. Das Cover passt einfach viel besser zur Geschichte und ist nicht ’nichtssagend‘. Es enthält ein paar versteckte Hinweise. Zudem ist es viel bedrohlicher und gewaltiger, was auch sehr gut zum Ton der Geschichte passt. Wenn ihr den ersten Band gelesen habt, werdet ihr meine Aussage nachvollziehen.

 

Fazit
Markus Heitz ist ein wahrer Fantasy-Meister! Empfehlung? Auf jeden Fall. Fangt am besten jetzt sofort damit an. (Eine kleine Anmerkung: Meiner Meinung nach, schlägt die Geschichte eine sehr erwachsenen und reifen Ton an. Die Handlung und die Figuren sind anspruchsvoll und komplex. Ich will Jugendliche nicht davon abraten, das Buch zu lesen, aber ich weiß ehrlich nicht, ob mir das Buch mit 16 oder 17 gefallen hätte.)

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188 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 48 Rezensionen

fantasy, magie, jugendbuch, die magie der namen, namen

Die Magie der Namen

Nicole Gozdek
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Piper, 02.06.2017
ISBN 9783492281294
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Meine Meinung
Das Thema meiner Bachelorarbeit war die Onomastik, also die Namenkunde. Super interessantes Thema. Als ich das Buch entdeckt habe, lag mein Abschluss noch nicht lang zurück und deswegen wollte ich es unbedingt lesen. Namen? Super! Aber bei diesem Roman geht es eher um die Onomantie. Also darum, ob der Name den Charakter bestimmt, um Wahrsagerei von Namen in Verbindung mit Zahlen usw. Eigentlich ja Quatsch, aber… verdammt ist das cool, was die Autorin daraus gemacht hat. Dort wo die Wissenschaft aufhört, fängt die Fantasie gerade erst an zu wüten.

Wie also nicht anders zu erwarten war, hat mich die Namensmagie direkt in ihren Bann gezogen. Ich finde diese gesellschaftliche Struktur, die auf Namen und Zahlen beruht sehr einfallsreich und faszinierend. Allerdings hatte ich ein paar Schwierigkeiten, die Namen immer den richtigen Berufen zuzuordnen. Aber dazu gibt es ja den Anhang hinten im Buch. Ich würde gerne im großen Namensarchiv von Himmelstor arbeiten. Zumal ich schon ein Praktikum in einem Archiv gemacht habe. Beste Voraussetzungen also.

Die Autorin hat einen sehr flüssigen Schreibstil, bei dem die Spannung nicht verloren geht. Es passiert immer etwas. Sie verliert sich nicht in unnötigen Beschreibungen, und doch werden wichtige Aspekte, wie z. B. die Gesellschaftsstruktur oder der Ablauf der Namensgebung, nebenbei eingestreut, ohne die Handlung zu verkomplizieren o. ä. Die Handlung schreitet sehr schnell voran. Es gibt ein paar bedeutende Ereignisse, die dann auch im Fokus stehen und ausführlicher von der Autorin geschildert werden. So bleibt die Handlung recht kompakt und übersichtlich.

Die Figuren haben zwar Kontur aber wenig Tiefe. Dieser Eindruck entstand bei mir dadurch, dass sie durch die Namensmagie zu sehr an ihre ‚Vorfahren‘ gebunden sind und so keine eigenen Macken o. ä. entwickelt haben. Das hat mir gefehlt. Lediglich Tirasan macht meiner Meinung nach eine wirkliche Entwicklung durch. Man erlebt wie er sich verändert, nicht nur äußerlich sondern auch innerlich.  Mir gefällt, dass er immer mehr über sich selbst herausfindet, ein schöner Selbstfindungsprozess. Trotzdem bin ich das Gefühl nie wirklich los geworden, dass er immer noch nicht die nötige Reife besitzt, um sein Schicksal zu erfüllen. Dies hingegen bringen die anderen Figuren schon eher hin. Von allen mag ich Rustan Polliander am liebsten.

Das Ende hat mir leider nicht wirklich gefallen und hat mich etwas enttäuscht. Es kam mir vor als würde sich Tirasan mit seiner Entscheidung einfach so aus der Affäre ziehen; dass er einfach einen ziemlich einfachen Weg gewählt hat, um seine Probleme zu lösen. Schön und gut, aber eher unglaubwürdig, unpassend und irgendwie unfair. Damit beziehe ich mich auch auf die Angelegenheit mit Rustan. Schade, wenn es doch immer so ‚einfach‘ wäre seine ‚Probleme‘ aus der Welt zu schaffen.


Fazit
Trotz einiger Unstimmigkeiten hat mich ‚Die Magie der Namen‘ überzeugen können. Es ist kein 0815-Fantasy-Quatsch, den man schon mal irgendwo gelesen hat. Der Roman ist daher eine tolle Abwechslung. Der 2. Teil (‚Die Magie der Lüge‘) ist inzwischen schon erschienen und ich bin schon ganz gespannt, wie das Abenteuer weitergeht. Leseempfehlung für ‚Die Magie der Namen‘? Ein klares JA!

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580 Bibliotheken, 21 Leser, 0 Gruppen, 104 Rezensionen

siena, jugendbuch, italien, thriller, ursula poznanski

Aquila

Ursula Poznanski
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Loewe, 14.08.2017
ISBN 9783785586136
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Meine Meinung
Während des Lesens dachte ich des Öfteren: „Zum Glück liegt mein Auslandsjahr in Florenz schon hinter mir und nicht noch vor mir. Was wenn meine Mitbewohnerin auch verschwindet?“. Gelegentlich hat mich die Handlung des Buches an den Mordfall von Meredith Kercher in Perugia erinnert (möglicherweise sagt euch in diesem Zusammenhang der Name Amanda Nox etwas?). Aber das war gar nicht weiter schlimm, denn so wurde der Nervenkitzel und der Wunsch, endlich mehr zu erfahren, immer größer.

Das Rätselraten beginnt eigentlich schon auf der ersten Seite. Und auch das erste Kapitel endet mit einem Cliffhanger, den man ungeduldig herbeisehnt. Und so geht es im Buch eigentlich weiter. Man nimmt Nika ihre Nervosität, Verwirrtheit, Ungeduld und Unsicherheit ab. Man fiebert mit ihr und fühlt zusehends die aufkommende Beklemmung. Der Thriller entpuppt sich also schon von Anfang als Pageturner und behält dieses Attribut bis zur letzten Seite. Man liest weiter, weil man unbedingt mehr wissen will. Als Leser ist man genauso ahnungslos wie Nika. Ihre Gedächtnisstützen sind extrem verzwickt. Und trotz meiner Italienischkenntnisse ist mir ein entscheidender Hinweis überhaupt nicht aufgefallen.

Nika hat mich zu Beginn etwas genervt, bzw. eigentlich nur ihre Unfähigkeit zu kommunizieren. Zusammengefasst, ich war genervt von ihren mangelnden Italienischkenntnissen. Als jemand der seit Kindesbeinen Italienisch lernt, war es zunächst schwer sich in diese Rolle hineinzuversetzen. Langsam aber sicher wurde es immer besser. Schlussendlich war sie mir dann doch sympathisch.

Was das Italienisch im Buch angeht, muss ich leider auch etwas meckern. Ich habe die Danksagung gelesen und weiß, dass die Autorin Unterstützung beim Formulieren hatte. Aber wenn man diese Hilfe in Anspruch nimmt, dann sollten die insgesamt 20-30 Sätze am Ende trotzdem nochmal korrigiert werden. Das ist jetzt vielleicht Jammern auf hohem Niveau, aber fehlerfreies Italienisch in einem Buch, dessen Dreh- und Angelpunkt eine italienische Stadt ist, sollte selbstverständlich sein. Aber es hätte ja auch schlimmer sein können.

Zunächst stand ich der ‚Beziehung‘ zwischen Nika und Stefano etwas skeptisch gegenüber. Aber ich bin begeistert, welche Wendung diese genommen hat. Das hätte ich ehrlich gesagt nicht erwartet. Da hat die Autorin für einen richtigen Überraschungseffekt gesorgt. Danke.

‚Aquila‘ ist eine Schnitzeljagd durch Siena, einer wunderschönen Stadt. Ein erneuter Besuch würde sich lohnen. Man könnte sich auf die Spur von Nika und Jenny begeben und die Stadt nochmal aus einer anderen Perspektive betrachten.

Nika verfängt sich immer tiefer in Verstrickungen, die sie in ihrer Komplexität zunächst gar nicht erahnen kann. Man möchte wirklich nicht den Platz mit ihr tauschen. Wie gesagt, sind die Gedächtnisstützen extrem verzwickt und ziemlich genial. Auch ihre Lösungen haben es in sich. Es hat mir sehr gut gefallen, wie mit der Symbolik der Stadt ‚gespielt‘ wird. Die Lösung des Falls war etwas verwirrend, aber nicht zu sehr. Glücklicherweise war die Auflösung auch nicht zu simpel. Wäre ja sonst langweilig gewesen. Es ist einfach ein Thriller bei dem man aufpassen, mitdenken und immer ein offenes Auge haben muss. Die Brutalität hält sich auch eher in Grenzen.

Ich weiß nicht, ob die Autorin für diesen Roman eine Reise nach Siena unternommen hat. Manchmal erschienen mir die Beschreibungen zu oberflächlich. Das italienische Flair kam nicht so ganz rüber und die Atmosphäre wirkte eher etwas tonlos, ein wenig austauschbar. Aber darüber konnte ich hinwegsehen, weil viele andere Aspekte diesen Roman zu etwas Besonderem machen.

Übrigens, wenn man mich fragen würde, würde ich mein Auslandsjahr in Florenz morgen nochmal antreten. Und meine Mitbewohner waren auch in Ordnung. Das Leben ist halt kein Buch. 


Fazit
Italien ist ein beliebtes literarisches Reiseziel. Man denke an Florenz (Dan Brown) oder Venedig (Cornelia Funke). Und es gibt bestimmt noch zahlreiche andere Autoren, die mir jetzt nicht einfallen. Ursula Poznanski beweist uns, dass auch Siena das Potenzial dazu hat, ein geeigneter Schauplatz für Thriller o. Ä. zu sein. ‚Aquila‘ ist ein anspruchsvoller, spannender Thriller, der an den Nerven der Leser zerrt. Von daher, spreche ich eine absolute Leseempfehlung aus.

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26 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

erste liebe, erwachsenwerden, freundschaft, peinliche situationen, pubertät

ItsColeslaw: Wie ich aufhörte, perfekt sein zu wollen

Lisa Sophie
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei FISCHER Kinder- und Jugendtaschenbuch, 16.03.2017
ISBN 9783733503802
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Meine Meinung
Ich schaue die Videos von ItsColeslaw (Lisa Sophie) sehr sehr gerne. Wegen ihrer sympathischen und heiteren Art und der ansprechenden Themen habe ich ihr Buch in die Hand genommen.  Obwohl ich nicht zur (offiziellen) Zielgruppe des Buches gehöre, schließlich habe ich die Pubertät erfolgreich hinter mir gelassen und bin nun erwachsen (haha), hatte ich trotzdem sehr viel Spaß bei der Lektüre. Ich konnte viele Gemeinsamkeiten zu meiner eigenen Pubertät bzw. dem Erwachsenwerden feststellen und habe mich in einigen Schilderungen wiedererkannt. Z. B. wollte ich früher auch immer die Beste sein (ein Laster, das mich teilweise immer noch begleitet). Auch ich war (und bin?) in Sachen Mode katastrophal unterwegs. Und wer war nicht in Fiete von den Pfefferkörnern verknallt? Mit dem Freundschaftenschließen hatte ich nicht so wirklich viele Probleme. Wenn man alle 3 Jahre umzieht, gewöhnt man sich daran, zunächst nirgends dazuzugehören. 

Mir ist bei der Lektüre aufgefallen, dass sich jedes Mädchen während dieses Lebensabschnittes irgendwie denselben oder ähnlichen Problemen gegenübersieht. Da stellten sich mir die Fragen: Warum machen wir es uns dann gegenseitig immer so schwer? Warum mobben wir, warum lästern wir? Warum halten wir nicht einfach zusammen? Mir ist klar, dass in diesen Gedanken ein Hauch Utopie mitschwingt, aber ich denke, dass dieses Buch durchaus dazu beitragen könnte, einen netteren Umgangston unter den Jugendlichen zu fördern oder zumindest die eine (oder den anderen) zum Umdenken bewegen könnte.

Ich denke, dass die Autorin mit ihrem Buch vielen Mädels aus der Seele spricht. Sie erteilt klugen und gerechtfertigten Rat, den man sich ruhig zu Herzen nehmen kann. Hätte ich diesen Rat damals gehabt, dann wäre die Zeit nur halb so schlimm gewesen. Meiner Meinung nach, wäre es echt ganz cool gewesen, Lisa Sophie als Freundin zu haben. Wir hätten uns gut verstanden. Als Schwester benötige ich sie nicht unbedingt, schließlich habe ich ja schon eine und die ist vom Umtausch ausgeschlossen (auch wenn wir uns früher gerne gegenseitig die Köpfe eingeschlagen haben – bildlich gesprochen).

Genau wie in ihren Videos (wer sie kennt, wird mir hoffentlich zustimmen), erzählt sie schwungvoll von den Höhen und Tiefen ihrer Pubertät und vom Erwachsenwerden. Sie nimmt sich selbst nicht allzu ernst, spricht aber mit der notwendigen Ernsthaftigkeit über Themen wie Sexualität, psychische Probleme, über den Umgang mit Jungs, Mädchen, Freunden, Familie und schließlich auch über YouTube. Daher finde ich es gut, dass sie auch über sehr private Probleme und Erlebnisse spricht. Sie berichtet aus einem breiten Erfahrungsschatz und zeigt damit, dass man nie genau wissen kann, was eine Person wirklich durchmacht. Peinliche Situationen kennt doch nun mal jeder, ob als Teenager, junger Erwachsener oder Erwachsener. An peinlichen Situationen gibt es keinen Weg vorbei. Aus meiner (erwachsenen) Perspektive betrachtet, vermittelt sie ein positives Lebensgefühl und gibt den Teenagern wertvolle Gedankenanstöße mit auf den Weg. Einiges scheint zwar selbstverständlich, was aber wiederum nicht heißt, dass es für jeden immer eindeutig ist; unabhängig davon, ob man ein Teenager ist oder nicht.

ItsColeslaw hat mir mit ihrem Buch bewiesen, dass es im Leben heißen sollte:

Leben und leben lassen; Perfektion ist langweilig und wird überbewertet. Und wie Manfred Lutz schreibt: „Wer immer perfekt sein will, wird sicher scheitern“.

Und ganz ehrlich, wir sind doch alle ein bisschen ’socially awkward‘, oder?!


Fazit & Empfehlung
‚Wie ich aufhörte, perfekt sein zu wollen‘ ist ein Ratgeber, der gar nicht so rüberkommt. Denn die Autorin spricht mit ihren Lesern auf Augenhöhe und nicht mit dem erhobenen Zeigefinger. Dadurch bekommt man das Gefühl, dass man sich gerade mit einer guten Freundin austauscht. Falls ihr eine (pubertierende) Schwester habt, und ihr etwas Gutes tun wollt, dann kann ich euch dieses Buch auf jeden Fall empfehlen. Ich empfehle es auch denjenigen Erwachsenen, die sich gerne mit einem lachenden und einem weinenden Augen an die Zeit des Erwachsenwerdens zurückerinnern möchten.

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england, krimi, kriminalroman, dc max wolfe, london

Dein finsteres Herz

Tony Parsons
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 12.08.2016
ISBN 9783404174003
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Meine Meinung
Das Buch steht nun schon seit ungefähr 2 Jahren auf meiner Wunschliste, seit ich es während meines ersten Besuchs der FBM am Bastei Lübbe Stand in der Hand hatte. Bevor ich mir das Buch in der Bibliothek ausgeliehen habe, habe ich ein paar negative Rezensionen gelesen. Davon habe ich mich nicht entmutigen lassen, denn zum Glück sind Geschmäcker verschieden. Jetzt habe ich es gelesen und ich habe den Roman überhaupt nicht als langweilig empfunden. Zugegeben, dieser Krimi war kein absoluter Pageturner und auch kein Jahres-Highlight, aber er hat mir trotzdem sehr gut gefallen.

Zunächst kommt der Prolog und der hat es schon mal in sich. Dann geht es packend weiter und der Leser lernt den Detective Max Wolfe kennen. Etwas ungewöhnlich und gewöhnungsbedürftig für mich war die Tatsache, dass der Roman in der 1. Person geschrieben ist. Ist nicht meine Lieblingsperspektive, aber man kommt doch schnell rein. Im Laufe des Romans erfährt man so vieles über das Leben, die Gedanken und Gefühle des Ermittlers, was nicht uninteressant ist. Es zeigt, dass er auch einfach nur ein Mensch ist.

Wie gesagt, der Prolog ist schon eine Nummer für sich. Der Leser erhält schon einige Hinweise auf das mögliche (?) Motiv das hinter den Morden steckt. Im Laufe der Lektüre hatte ich das Gefühl, dass der Prolog vielleicht schon etwas ZU viel verrät. Vielleicht hätte man eine Sache weglassen können, um den Rätselfaktor zu erhöhen. Nichtsdestotrotz wird man als Leser auch auf eine falsche Fährte gelockt, und das mehrmals.  Dies macht die Auflösung des Falls dann umso überraschender und erstaunlicher. Wenn man denkt, man weiß wer’s war, weiß man’s dann eigentlich doch nicht. Ätsch. Den Leser an der Nase herumführen – das gefällt mir.

Die Ermittlungen schreiten stetig voran, werden von Schilderungen aus dem Privatleben des Ermittlers unterbrochen, was der Spannung keinen Abbruch macht. Die Ermittler werden mit Rückschlägen, Sackgassen und unerwarteten Entdeckungen und Wendungen konfrontiert. Ein bisschen Liebe gibt es auch, sowohl familiär als auch erotisch. Glücklicherweise trägt auch letzteres ein bisschen zur Entwicklung der Handlung bei.

Das Finale bzw. die Auflösung hat mich sprachlos zurückgelassen. Das kann man doch nicht einfach so stehen lassen, er muss doch etwas tun! Es ist zum Haare raufen. Aber andererseits war es auch sehr berührend, damit meine ich wirklich den allerletzten Absatz.

Den Originaltitel (‚The Murder Bag‘) finde ich übrigens sehr viel aussagekräftiger als den deutschen Titel, vor allem rückblickend. Was mir an dem Roman auch noch sehr gefallen hat: man erfährt sehr viel über die kriminalistische Vergangenheit der britischen Polizei (Scotland Yard, Jack the Ripper etc.). Nebenbei staubt man also noch ein bisschen Hintergrundwissen ab und bessert so sein Allgemeinwissen auf.


Fazit
Insgesamt ist ‚Dein finsteres Herz‘ ein guter Krimi für Zwischendurch, der Action und Spannung mitbringt, also für gute Unterhaltung sorgt. Zu den Jahres-Highlights zähle ich den Roman allerdings nicht. Für Fans der britischen Kriminalpolizei genau das Richtige.

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frau freitag, fräulein krise, humor, schule

Hurra, hurra, die Schule brennt

Frl. Krise , Frau Freitag
E-Buch Text: 352 Seiten
Erschienen bei Rowohlt E-Book, 19.05.2017
ISBN 9783644401389
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Meine Meinung
Ich bin mit riesengroßer Vorfreude an diesen Roman gegangen und muss leider sagen, dass mich Frau Freitag und Fräulein Krise dieses Mal nicht überzeugen konnten. Von Fräulein Krise habe ich noch nichts gelesen und als Autorenduo erlebe ich die beiden auch zum ersten Mal. Aber normalerweise sind die Bücher aus der Feder von Frau Freitag ein Garant für gute Unterhaltung und Tränen in den Augen (vom Lachen), aber dieses Mal leider nicht.

Ich fand es gar nicht mal so schlimm, dass der Fokus auf den Lehrern und ihrem Leben lag und nicht auf den Schülern und dem Unterricht. Ein bisschen Abwechslung tut ja bekanntlich gut. Tatsächlich kommen jede Menge bemerkenswerte und witzige Figuren vor. Onkel Ali ist einer davon. Mit seinem Berlinerisch rockt er die Seiten. Oder auch die Nolte, die wohl zu viel Shades of Grey geschaut hat. Fräulein Krises pubertierendes Verhalten hat mich ziemlich genervt und irgendwie schien ihr Liebesdilemma Dreh-und–Angelpunkt der Geschichte zu sein, gar nicht mal so sehr der Brand der Schule. Und dafür ist die Auflösung dieses Dilemmas ziemlich unspektakulär. Da habe ich dann schon etwas mehr erwartet. Schade.

Auch die Handlung schreitet eher schleppend voran und tritt ziemlich auf der Stelle. Von einem Spannungsbogen leider keine Spur. Ein paar Pointen hat es auf jeden Fall gegeben, die mich zum Schmunzeln und Grinsen gebracht haben, aber nichts wirklich Aufsehenerregendes. Das große Geheimnis um Frau Freitags Kippen wird eigentlich auf den ersten 20 bis 30 Seiten abgehandelt und wird später (unnötigerweise) nochmal aufgenommen. So richtig abenteuerlich und spannend wird es erst ab Seite 200, denn dann kommt endlich etwas Bewegung rein. Die Schlüsselmomente ergeben sich mehr oder weniger zufällig und lassen insgesamt ziemlich auf sich warten, sodass die Spannung immer wieder abhandenkommt. Amüsiert hat mich ganz besonders die Sache mit der Polizeiakte. Fräulein Krise ist ja wirklich durchtrieben und glücklicherweise bringt es die Handlung auch etwas voran. Die Auflösung des Falls ‚Schulbrand‘ fand ich auch nicht so spektakulär. Wobei ich zugeben muss, dass ich die Aktion mit dem Pizzaroller doch sehr genial fand.


Fazit
Insgesamt hat mir bei diesem Roman der Pepp gefehlt und daher ist er für mich eher ein Flop. Ich sehe ‚Hurra, hurra, die Schule brennt‘ als einen etwas langweiligen ‚Pseudo‘-Kriminalroman an. Eins ist klar, Fräulein Krise und Frau Freitag mit ihren haarsträubenden Theorien werden niemals mein Lieblingsermittlerduo sein. Schade drum. Es gibt definitiv bessere Bücher von Frau Freitag / Frl. Krise (von Letzterem muss ich mich noch überzeugen).

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51 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 10 Rezensionen

kanada, nordlicht, moos, geräusch, hamburg

Das Geräusch des Lichts

Katharina Hagena
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 08.09.2016
ISBN 9783462049329
Genre: Romane

Rezension:

Meine Meinung
Auf dieses Gedankenexperiment hat sich bestimmt schon jeder mindestens einmal im Leben eingelassen. Es muss nicht im Wartezimmer gewesen sein. Vielleicht in einem Cafè während man auf seine Begleitung wartet; beim Anstehen im Supermarkt oder in der Postfiliale. Ist die Person verheiratet, arbeitet sie beim Bäcker oder ist sie Versicherungsvertreter? Die Autorin spinnt dieses Gedankenexperiment zu Ende und schafft aus ihrer Fantasie fünf kleine Kunstwerke, die ein großes Ganzes ausmachen, ein Mosaik. Es sind fünf kleine Geschichten mit ganz großen Figuren. Dieser Roman ist ein positives Beispiel dafür, was passiert wenn die Fantasie mit einem durchgeht.

Für mich geht es mehr oder weniger darum, was wir in uns selbst sehen und was von uns sehen wir in den anderen Menschen? Was sehen die anderen in uns? Was ist Realität und was ist Fantasie (erinnert mich ein bisschen an Pirandellos Sechs Personen suchen einen Autor)? Von diesen Überlegungen zeugen besonders die Abschnitte zwischen den einzelnen Geschichten, die mir auch gefallen haben und mich teils nachdenklich gestimmt haben.

Die Autorin beweist immer wieder ihre Liebe zum Detail. Damit meine ich nicht, dass sie besonders langatmig schreibt oder alles bis in jede Kleinigkeit beschreibt. Die Motive, die Figuren, die Orte: Alles und jeder nimmt überall eine andere Rolle ein und bleibt doch unverändert. Die Autorin widmet jeder Person dieselbe Aufmerksamkeit und passt ihren Schreibstil der Person und ihrem (Gefühls)Leben an; mal herrscht Ruhe, mal Chaos, mal Ratlosigkeit. Jede Geschichte erscheint wirr und ausgefallen, aber gerade dies macht ihren Charme aus. Besonders die letzte Lebensgeschichte, die der Erzählerin, verwischt in besonderem Maße die Grenzen zwischen Realität und Fantasie. Um ehrlich zu sein, habe ich ihre Erzählung jedoch am unpersönlichsten empfunden. Zwar ist der Thriller geschickt eingefädelt, aber so ganz überzeugen konnte es mich nicht. Am besten gefallen hat mir die Lebensgeschichte von Daphne Holt. Als Einstieg in dieses Mosaik-Gebilde fand ich es genial. Auch die Geschichte von Richard, seiner Suche nach Mutter und Schwester und seiner Flucht in seine Fantasiewelt fand ich berührend.

Fazit & Empfehlung
Diesen Roman möchte ich denjenigen empfehlen, die so unzusammenhängende aber doch irgendwie zusammenhängende Erzählungen mögen und dabei sehr aufmerksam lesen. Ihr müsst Geduld mitbringen, damit ihr die versteckten Andeutungen und Verbindungen entdeckt und versteht, da ansonsten der Zauber dieses Romans verloren geht. Mir hat ‚Das Geräusch des Lichts‘ sehr gut gefallen. Übrigens habe ich jetzt große Lust bekommen, mal nach Kanada zu reisen. Ach ja…

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