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12 Monate Angst

Vanessa Kaiser , Matthias Töpfer , Jan-Christoph Prüfer , Tobias Bachmann
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Low, Torsten, 23.03.2017
ISBN 9783940036421
Genre: Fantasy

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faye hell, rezension, horror, mystery, amrûn

Tote Götter

Faye Hell
Flexibler Einband: 496 Seiten
Erschienen bei Amrun Verlag, 24.02.2017
ISBN 9783958692930
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Hannah hat es nicht leicht: Sie leidet an MS, einer degenerativen Krankheit der Nerven, und ist deswegen auf Medikamente angewiesen. Als wäre das nicht bereits genug, beginnt sie in ihrem Amerika-Urlaub auf einmal Dinge zu sehen, die auf keinen Fall der Realität entsprechen können: Es fängt harmlos an, mit Gefühlen der Entfremdung und Fotos, die etwas zu perfekt sind, schreitet dann aber rasch voran. Kannibalismus, Tentakelungeheuer, Nekrophilie - in Hannahs neuer Wahnwelt gibt es nichts, das es nicht gibt. Schließlich muss sie sich eingestehen, dass sie professionelle Hilfe braucht. Aber dann befallen sie Zweifel. Wie real sind Hannahs Visionen wirklich? Woher weiß sie, dass sie nicht die Einzige ist, die die Wahrheit sieht?

"Tote Götter" ist der zweite Roman der österreichischen Horrorautorin Faye Hell und ebenso wortgewaltig und verstörend wie sein Vorgänger. Während "Keine Menschenseele" noch mit einer Vielzahl an Protagonisten operiert hat, konzentriert sich Faye Hells neuster Wurf nur auf eine einzelne Ich-Erzählerin und deren Erlebnisse. Die Schilderung von Hannahs Entfremdung von der Realität, ihrem wachsenden Zweifel an ihrer eigenen Wahrnehmung und den Problemen mit den Menschen in ihrem Umfeld, die zunehmend Schwierigkeiten haben, mit Hannahs Halluzinationen umzugehen, ist überaus gelungen.

Auf einen unheimlich starken Einstieg folgt ein etwas schwächerer Mittelteil, der ein wenig unfokussiert und unentschlossen wirkt. Hannah zieht hier von einem Gesprächspartner zum nächsten, reist etwas ziellos in der Gegend herum und sammelt kleine Hinweise wie Items in einem Videospiel. Die Handlung plätschert dahin, gelegentlich unterbrochen vom Auftauchen einer Deus Ex Machina, die der Protagonistin eine neue Richtung oder neue Informationen an die Hand gibt. Alles in allem hat mir hier ein wenig die Geradlinigkeit gefehlt. Ein wenig Straffung hätte hier sicher Wunder gewirkt. Zusätzlich gibt es einige namenlose Figuren, die Hannah immer wieder aufsuchen, die in ihrer Namenlosigkeit aber für Verwechslungen und Verwirrungen sorgen.

Am Ende nimmt der Roman wieder mächtig an Fahrt auf, und der Leser wird durch einige überraschende Enthüllungen gepeitscht. Das Ende böte eigentlich fast allein Stoff für einen eigenen Roman und bringt noch einmal Horror auf völlig neuer Ebene.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Dass Faye Hell verdammt gut schreiben kann und dabei keine Tabus kennt, hat sie mit "Tote Götter" erneut unter Beweis gestellt. Wer gerne anspruchsvollen Horror liest, der auf psychologischer Ebene agiert, und keinen allzu schwachen Magen hat, sollte hier auf jeden Fall zugreifen!

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new oreleans, werwölfe

Wolfswut

Melanie Vogltanz
E-Buch Text: 434 Seiten
Erschienen bei Papierverzierer Verlag, 02.11.2017
ISBN 9783959623384
Genre: Fantasy

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kinder, gewaltopfer, hoffnung, opfer, widerstand

Innocence Lost: Wege nach Greenvale

Claudia Mayer
E-Buch Text: 317 Seiten
Erschienen bei Verlag OHNEOHREN, 07.11.2016
ISBN 9783903006478
Genre: Sonstiges

Rezension:

"Innocence Lost" von Claudia Mayer spielt in einem dystopischen Setting nach dem Dritten Weltkrieg. Der Fokus liegt auf der Gesellschaftskritik, technologisch ist die Welt auf etwa demselben Stand wie unsere eigene, vielleicht sogar ein paar Jahre hinten nach.

Die wichtigste Veränderung ist das Gewaltschutzgesetz, ein Gesetz, das nach dem Ende des Kriegs eingeführt wurde und das dazu dienen soll, Gewalt vollständig auszumerzen. Demnach müssen alle Kinder, denen Gewalt angetan wurde, "euthanasiert" werden, um zu verhindern, dass sie später selbst zu Gewalttätern werden. Durchgeführt wird das Einschläfern von Kinderärzten, unter anderem der Kinderärztin Leslie, aus deren Sicht die Handlung überwiegend erzählt wird.

Schon die ersten Seiten sind für den Leser schwer zu verdauen. Zu Anfang befolgt Leslie das Gesetz nämlich noch durchaus gewissenhaft, was bedeutet, dass der Leser Zeuge am Mord von verängstigten Kindern wird, die Leslie mit Lügen in Sicherheit wiegt, ehe sie ihnen die tödliche Spritze setzt. Harter Tobak, selbst für Leser, die harten Stoff gewohnt sind.

Als jedoch Leslies eigene Nichte dem Gewaltschutzgesetz zum Opfer zu fallen droht, weigert sie sich, ihm länger Folge zu leisten. Sie beginnt, zum Tode verurteilte Kinder aus dem Krankenhaus zu schmuggeln und vor der Obrigkeit zu verstecken. Von manch unerwarteter Seite erhält sie dabei Unterstützung, von anderen dagegen wird sie schmählich im Stich gelassen. Leslie lernt sehr schnell, wer blindem Gehorsam gegenüber Menschlichkeit den Vorzug gibt. Ihre Welt stellt sich auf den Kopf.

Claudia Meyer stellt mit ihrem Roman eine unbehagliche Frage: Wie weit darf Gesetzestreue gehen? Wie weit würde jeder einzelne von uns gehen, um der Obrigkeit Folge zu leisten? In gewisser Weise handelt es sich um ein literarisches Milgram-Experiment. Dieser Effekt wäre vielleicht noch verstärkt worden, wenn die Gewaltschutzgesetz-Befürworter mehr Argumente an die Hand bekommen hätten, denn in den Diskussionen wird relativ schnell klar, dass Leslie den mit mehr Theorie unterfütterten Standpunkt vertritt, während die Argumente der Pro-Gewaltschutzgesetzler leere Hülsen bleiben. Auch gefehlt hat mir eine klare Definition von "Gewalt". Im Buch finden sich sowohl schwere körperliche Misshandlungen als auch offenkundiger sexueller Missbrauch (auch wenn er nie als solcher bezeichnet wird), allerdings wird nicht erwähnt, wo todeswürdige Gewalt beginnt. Reicht bereits eine Ohrfeige, um ein Kind zum Tode zu verurteilen? Es wird erwähnt, dass es kein Verfahren gibt, um die Kinder zu verurteilen, aber wer entscheidet dann über die Euthanasie? Die Polizei, bei der eine Anzeige eingelangt? Da hat mir zum Teil noch etwas Background gefehlt.

Auch waren Leslies tränenreiche Szenen des Selbsthaders ein wenig "too much" - da wäre weniger vielleicht mehr gewesen. Die Abschnitte, in denen das Buch aus meiner Sicht am stärksten gewirkt hat, waren jene, in denen das Thema auf sachliche Weise dargelegt wurde, etwa durch den zweiten Protagonisten, dessen Artikel über das Gewaltschutzgesetz nicht nur ausgezeichnet und prägnant geschrieben waren, sondern der auch vieles an Hintergrundinfo geliefert hat, die in der eigentlichen Story zu kurz kamen.

Im Großen und Ganzen ist "Innocence Lost" solide geschriebene Gesellschaftskritik, die einen dort trifft, wo es wehtut. Man darf schon sehr gespannt auf Band 2 sein.

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märchen, beast, david michel rohlmann, saint falls, syndikat

Saint Falls (Sammelband): Märchen aus der Welt des Verbrechens

David Michel Rohlmann , Maria Engels , Jenny Wood , Cat Lewis
E-Buch Text
Erschienen bei null, 24.04.2017
ISBN B0713QX361
Genre: Sonstiges

Rezension:

In "Saint Falls" steht das Verbrechen an der Tagesordnung. Nicht einmal die Gesetzeshüter haben reine Westen, und wer sich nicht in der Unterwelt positioniert, geht unter. Dieser Kurzgeschichtenroman zeigt alle Facetten der verkommenen Stadt, ihrer Syndikate und der Opfer, die allzu schnell selbst zu Tätern werden. Drogengeschäfte, Prostitution, Bestechung und Mord - all das gehört zum täglich Brot der Bewohner von Saint Falls. Diese Märchen sind nichts für Kinder!

Die Grundidee, Märchen modern aufzuarbeiten, ist zwar nicht neu, die Umsetzung allerdings innovativ und mutig. Zwar besteht das Buch aus mehreren Kurzgeschichten verschiedener Autoren, allerdings handelt es sich nicht um eine Anthologie, in der die Geschichten einfach lose aneinanderhängen. Alle Erzählungen werden von einer Rahmenhandlung zusammengehalten - den Kampf zwischen den Gangsterbossen Wolf und Beast. Am besten lässt sich der Aufbau mit einer Serie vergleichen: Um einzelne Episoden mit in sich abgeschlossenen Handlungen entspinnt sich ein Mainplot, der zwischendurch aus verschiedenen Sichtweisen unterschiedlicher Figuren gefüttert wird. Damit das bei der Beteiligung von sechs Autoren tatsächlich funktioniert, ist viel Arbeit und Absprache vonnöten. Die Schöpfer von "Saint Falls" haben diese Aufgabe wunderbar gelöst. Die Weitergabe des Staffelstabs erfolgt fast immer flüssig, nur manchmal merkt man, dass der Fokus sich beim Autorenwechsel verschiebt, wenn Probleme, die in einer vorhergehenden Geschichte handlungstragend waren, in der darauffolgenden in einem Nebensatz abgehandelt werden (z.B. Damians Entführung).

Die unterschiedlichen Geschichten unterscheiden sich natürlich auch stilistisch voneinander, und mit manchen Stilen kam ich besser zurecht als mit anderen. Im Großen und Ganzen halten aber alle Autoren ausnahmslos ein hohes sprachliches Niveau, alle Geschichten lassen sich flüssig lesen.

"Saint Falls" hat nicht nur viele beteiligte Autoren, sondern auch viele Charaktere, die man als Leser im Auge behalten muss. Das ist zum Teil schwierig, denn viele Charaktere ähneln sich, und die Beschreibung der Figuren bleibt meist an der Oberfläche. Das angefügte Figurenregister kann helfen, den Überblick zu behalten. Besser hätte ich es gefunden, ein paar Charaktere zu streichen und sich stärker auf einen Kern der "Besetzung" zu konzentrieren. Das ist allerdings Geschmackssache. In jedem Fall findet bestimmt jeder Leser in dem umfangreichen Cast von "Saint Falls" seine persönlichen Lieblinge (in meinem Fall sind das Ms. H., Derk und Krähe).

Gegen Ende scheint dann bereits der Abgabedruck geherrscht zu haben, denn auf den letzten Seiten findet sich ein Formatierungsfehler sowie ein Handlungsrelikt (Ziege??), das irgendwie nicht richtig in den Rest der Geschichte gepasst hat. Auch ist das Ende etwas hektisch erzählt, was wahrscheinlich daran liegt, dass alle Handlungsstränge zusammenfließen. Die roten Fäden werden am Schluss erfolgreich verknüpft, was eine Ansammlung aller (noch lebender) Charaktere zur Folge hat. Die machte es - zumindest bei mir - nötig, wieder zurückzublättern und nachzuschlagen, wer die alle nochmal waren.

Lobend erwähnen muss man die Aufmachung der limitierten Printvariante, die mit farbigen Illustrationen aufwartet. Abseits des Inhalts ist "Saint Falls" auch einfach ein haptisch wunderschönes Buch!

Alles in allem bietet "Saint Falls" Spannung, überraschende Wendungen und innovative Neuinterpretationen altbekannter Märchen. Wer "Grimm", "Luzifer" und "Supernatural" mag, kann bei "Saint Falls" nicht viel falsch machen!

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1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

The Wolf Road

Beth Lewis
E-Buch Text: 401 Seiten
Erschienen bei The Borough Press, 30.06.2016
ISBN 9780008145477
Genre: Sonstiges

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4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Die Supermamas - Windeln wechseln und Welt retten

Tina Skupin
E-Buch Text: 238 Seiten
Erschienen bei null, 25.08.2017
ISBN B074MBSNLL
Genre: Sonstiges

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46 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

Seelenspalter

Ju Honisch
Flexibler Einband: 816 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.03.2017
ISBN 9783426518441
Genre: Fantasy

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9 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

katzen, liebe, spanung pur

Roms Katzen

Tina Alba
E-Buch Text: 357 Seiten
Erschienen bei Verlag OHNEOHREN, 08.05.2017
ISBN 9783903006737
Genre: Sonstiges

Rezension:

In "Roms Katzen" erwartet den Leser eine Geschichte über die Nachfahren jener Katzen, die einst als Geschenk Kleopatras mit Cäsar nach Rom kamen. Nicht ganz so düster wie "Watership Down", aber auch alles andere als ein harmloser Disney-Film ist diese Geschichte um Katzen und Götter, Seher und Wiedergeburt.

In Rom gibt es zwei Katzensippen, Bastet und Sachmet. Beide sind aufs Blut miteinander verfeindet. Als eines Tages Ratten auftauchen und Katzen beider Sippen angreifen, vermutet man schnell, dass die Rivalen dahinterstecken. Die Wahrheit ist jedoch viel größer und gefährlicher, als die Katzen ahnen.

Inmitten des Kampfes gegen die gefährlichen, übergroßen Ratten stehen Maat-Ra, eine Tochter der Bastet-Sippe, und Sethos, Sohn der Sippensprecherin der Sachmet-Sippe. In einem Kampf treffen die beiden aufeinander und fühlen sich zur jeweils anderen seltsam hingezogen. Romeo und Julia mit Katzen? Fast, allerdings liegt der Fokus hier definitiv nicht auf Kitsch und Romantik.

Tina Alba hat einen sehr schönen, eingängigen Stil, der die Mystik der Geschichte wunderbar transportiert und die Katzen und ihre Handlungen sehr lebensnah beschreiben kann. Da fällt es leicht, sich einfach von der Geschichte davontragen zu lassen, und es stört auch kaum, dass die Handlung recht geradlinig erzählt wird und der grobe Verlauf recht schnell klar ist.

Eine klare Empfehlung - nicht nur, aber natürlich ganz besonders für Katzenfans!

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2.335 Bibliotheken, 89 Leser, 10 Gruppen, 266 Rezensionen

bücher, fantasy, magie, bibliomantik, libropolis

Die Seiten der Welt

Kai Meyer
Fester Einband: 560 Seiten
Erschienen bei FISCHER FJB, 25.09.2014
ISBN 9783841421654
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Die Bücher, die ich bisher von Kai Meyer gelesen habe ("Die Alchemistin", "Das zweite Gesicht", "Asche und Phönix") waren alle mehr oder minder nach meinem Geschmack und konnten mich gut unterhalten. "Die Seiten der Welt" sind die erste Ausnahme der Regel.

Die Grundideen sind spannend und lassen den Leser eine fantasievolle Welt erwarten, die ein Buchliebhaberherz erfreut. Die Eingangsszene in der großen Bibliothek unter dem Anwesen von Furias Vater bietet auch einen guten Einstieg und verspricht genau das: verspielte Fantasy, die sich aus der Liebe zum Buch speist, Spannung und eine Prise Humor. Leider wird dieses Versprechen nicht eingelöst.

Die Gründe, warum mich das Buch nicht packen konnte, sind vielfältig. Zum einen wären da die Charaktere. Kai Meyer gibt sich sehr große Mühe, das Aussehen seiner Figuren möglichst detailreich zu beschreiben, schafft es aber nicht, sie wie wirkliche Menschen darzustellen, die über bloße Platzhalter hinausgehen. Die Mädchen Cat und Furia sind in ihrem Charakter extrem austauschbar, die beiden weiblichen Villains in ihrem Handeln und Reden fast ident. Der einzige Charakter, der mir wirklich gefallen hat, war Furias Bruder Pip mit seiner Clownphobie, dessen Perspektive allerdings nur einen winzigen Teil des Buchs ausmacht. Kai Meyer wirft viele Figuren ins Spiel und tötet sie relativ beiläufig der Reihe nach wieder, ohne dass dabei große Gefühle beim Leser aufkommen (zumindest bei mir war es so). Charaktere, die er mühsam aufbaut und Neugier im Leser wecken, sterben außerhalb der Haupthandlung und ohne besonderen Grund oder Feuerwerk. Manchmal scheint er sogar zu vergessen, dass er eine Figur noch gar nicht mit Namen eingeführt hat, und baut den Namen in den Erzähltext einfach mittendrin ein, ohne dass eine Vorstellung erfolgt wäre oder jemand den Namen erwähnt hätte. Sein Versuch, die Schwarz-Weiß-Zeichnung von Fantasycharakteren zu unterwandern und seine Figuren mit Grauschattierungen zu unterlegen, ist zwar erkennbar, aber nicht sehr erfolgreich.

Viel Zeit und Mühe scheint hier in das Wordbuilding geflossen zu sein. Wir erfahren sehr viel über die Magie der Bilbiomantik, über die verborgenen Refugien, über Seelenbücher, Leere Bücher und Exlibri. Vieles allerdings bleibt vage und verwirrend, besonders die Grenzen der Kraft eines Bibliomants, die sich auch immer wieder zu verschieben scheinen.

Das alles wäre zu verkraften, wäre das Buch wenigstens spannend. Das ist es im ersten Drittel, danach ist es nur noch ein Wechsel zwischen viel zu langen und unwichtigen Fluchtszenen und Dialogen, die sich immer wieder im Kreis drehen und in denen ohnehin Bekanntes endlos wiedergekaut wird. Die wirklich zentralen Stellen der Handlung wie etwa Pips Rettung werden dafür fast nachlässig kurz abgehandelt. Mehrmals war ich stark in Versuchung, das Buch abzubrechen, wollte der Geschichte dann aber doch noch die Chance geben, mich positiv zu überraschen. Das ist leider nicht passiert.

Alle Bücher, die ich bisher von Kai Meyer gelesen habe, waren eher im Bereich der Dark Fantasy angesiedelt. Bei den "Seiten der Welt" hatte ich den Eindruck, dass da ein Jugendbuch hätte entstehen sollen, dem jedoch Kai Meyers Vorliebe für blutige Szenen ein wenig in die Quere kam, und so steht brutales und sinnloses Morden oft in schrägem Kontrast zu kitschigen Klischees, bei denen man nicht genau weiß, ob man lachen oder weinen soll. Das Endergebnis ist ein Buch, das selbst nicht genau zu wissen scheint, was es ist und was es sagen will, und so bleibt man auch verwirrt und unbefriedigt zurück.

Fazit: Obwohl das Potenzial für mehr durchaus vorhanden ist, sagen mir "Die Seiten der Welt" leider gar nicht zu. Die restlichen Bände werde ich wohl nicht lesen.




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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Latte & Dampfnudeln

Veronika Lackerbauer
Flexibler Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Books on Demand, 05.05.2017
ISBN 9783744816687
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

... in der neuen Regionalkurzkrimisammlung von Veronika Lackerbauer. Wer bereits die beiden Vorgänger gelesen und geliebt hat, wird auch mit "Latte und Dampfnudeln" nichts falsch machen!

In der ersten, titelgebenden Geschichte "Latte und Dampfnudeln" gibt es ein Wiedersehen mit Kommissar Veitl und seiner Familie. Veitl und seine Frau ziehen nach Landshut um, wodurch der kleinen Familie die eine oder andere Veränderung ins Haus steht. Gemeinsam mit den anderen Landshutern fiebern auch sie der LaHo, der Landshuter Hochzeit entgegen - einem Reenactment einer historischen Adelshochzeit. Doch die Vorfreude auf das große Ereignis wird getrübt, als einer der Hauptdarsteller der LaHo Opfer einer Entführung wird.
Diese Geschichte bietet Veitl in Hochform, mit urtümlichen bayerischen Humor, gewürzt mit der einen oder anderen Intrige.

"Einzelzimmer mit Frühstück und Mord" spielt in der Hotelleriebranche. Da die Autorin selbst in diesem Business tätig war, bietet sie dem Leser einige tiefe Einblicke in das - zum Teil frustrierende, aber auch erstaunlich spannende - Leben einer Rezeptionistin. Als die Protagonistin glaubt, bei einem Kundengespräch einen Mord mitangehört zu haben, ist es urplötzlich vorbei mit der Ruhe. War sie wirklich Zeuge, wie jemand erschossen wurde? Und was hat es mit dem Gast auf sich, der kurz nach dem Telefonat unter dem Namen des Opfers eincheckt? Eine Geschichte, die die Spannung langsam aufbaut und vor allem durch pointierte Alltagsbeobachtungen glänzt.

"Pralinen" bringt die Süße ins Deftige der Kurzgeschichtensammlung. Eine Frau, die einfach kein Glück mit ihren Partnern hat, macht Pralinen mit einer bitter-süßen Geheimzutat. So kurz die Geschichte ist, ist sie doch ein kleiner Höhepunkt dieser Sammlung und mein persönlicher Favorit.

Die letzte Geschichte, "Leichen im Keller", ist ein Kürzestkrimi, in dem wir einen Nebencharakter aus Veitls Welt bei der kriminalistischen Arbeit über die Schulter schauen können. Wie der Titel bereits sagt, taucht in einem Kellergewölbe die Leiche einer Frau auf. Schnell fällt der Verdacht auf einen Lokalpolitiker. Durch die Knappheit der Geschichte bleiben Charaktere und Spannungsaufbau hier etwas auf der Strecke, dennoch bildet die Rückkehr nach Landshut einen runden Abschluss für diese feine Sammlung.

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4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Das Erbe der Eule

Marie H. Mittmann
Flexibler Einband: 68 Seiten
Erschienen bei Amrun Verlag, 03.11.2016
ISBN 9783958692657
Genre: Romane

Rezension:

"Das Erbe der Eule" ist mit etwas über sechzig Seiten ein recht dünnes Büchlein und dementsprechend schnell gelesen, das macht es allerdings noch nicht zur "leichten Kost". Die Autorin bietet hier eine gelungene Mischung aus Horror und Fantasy und macht den Leser mit ihren unheimlichen Kreaturen, den "Geflüstern" vertraut, die Menschen dazu bringen, sich umzubringen. Schon die ersten Seiten geben einen guten Eindruck, in welche Richtung die Geschichte gehen wird: Zu Beginn unheimlich und surreal, dann schlagen Blut und Gewalt wie eine Ohrfeige auf den Leser ein, wenn die Geflüster ihre Opfer fordern.

Dialoge gibt es nur wenige, viel stärker liegt der Fokus auf dem Erzählen selbst und auf der Gedankenwelt der Hauptfigur. Zwischen den einzelnen Abschnitten gibt es große Zeitsprünge von mehreren Jahren, eine recht mutige und ungewöhnliche Erzählweise in diesem Format, das mich anfangs verwirrt hat, an die man sich aber bald gewöhnt. Im Laufe der Geschichte wird der Protagonist vom Kind zum Mann und vom Schüler zum Meister.

Die Geschichte ist stilistisch gut erzählt und rund, wartet mit wortgewaltigen Bildern und auch einigen Wendungen auf. Die Figuren selbst, ebenso wie die Welt, in der sie agieren, bleiben etwas blass, was vielleicht auch dem begrenzten Umfang geschuldet ist. Alles in allem zeigt die Autorin hier viel Potenzial. Ich würde gerne mehr und auch gern mal etwas Längeres aus ihrer Feder lesen.

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14 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

dämonen, m.h. steinmetz, succubus, lilith

Abaddon

M.H. Steinmetz
E-Buch Text: 261 Seiten
Erschienen bei Papierverzierer Verlag, 25.10.2016
ISBN 9783959623155
Genre: Sonstiges

Rezension:

Nach "666" ist "Abaddon" nun die zweite Geschichte aus dem Universum von "Hell´s Abbys", der Gothicband mit der Leadsängerin Lucy, die nicht nur auf eine sehr verstörende Kindheit zurückblickt, sondern die sich obendrein mit überaus dunklen Mächten eingelassen hat.

Mittlerweile hat sich Lilith Lucys Band angeschlossen, die sie als ihre Weltuntergangsmaschine missbraucht, um die Tage der Apokalypse vorzubereiten. Die Performance der Band wird unter ihrem Einfluss immer extremer, und es fließt eine Menge Blut. Anders als im ersten Band liegt der Fokus diesmal allerdings weniger stark auf Lucy und ihrer Band als auf den verschiedenen Parteien, die Liliths Aufstieg zu verhindern versuchen. Engel, Dämonen, religiöse Fanatiker und Excops werfen sich in den Kampf, und selbst der Vatikan mischt sich in das Geschehen ein.

Horror, SM, Splatter, Kannibalismus und eine scharfe Prise Porn ... Wie auch schon beim Vorgänger schlägt Steinmetz hier keine sanfte Gangart an. Wer allerdings glaubt, "Abaddon" würde nur vom Schock- und Ekelfaktor leben, der täuscht sich gewaltig. Steinmetz' Stil ist nämlich alles andere als platt, und obwohl die (amerikanischen) Figuren zu einem im Deutschen teilweise etwas unbeholfen wirkenden Slang greifen, zeigt Steinmetz, dass er mit Sprache wortgewaltige Bilder malen kann. Diese sind nicht immer schön anzusehen, zeugen aber von großem handwerklichen Können. Wie auch schon bei früheren Büchern fällt auf, dass Steinmetz sehr viel Zeit und Mühe in die Recherche steckt; das gilt für religiöse Themen ebenso wie für medizinisches Hintergrundwissen, die Folter- und Gewaltsszenen erschreckend detailgenau und realistisch machen. Nach der Anleitung in "Abaddon" fachgerecht ein Schwein ausbluten lassen zu können, scheint keineswegs unvorstellbar zu sein.

Unkonventionell, aber sehr passend sind die Interviews mit den Bandmitgliedern sowie die Liedtexte, die zwischendurch für Auflockerung sorgen. Ein sehr gelungener Zusatz, der dem ganzen Geschehen noch etwas mehr Unterfutter verleiht.

Mir persönlich war das Gemetzel zwischen Engeln und Dämonen, vor allem gegen Ende, etwas "too much", allerdings ist das wohl Geschmackssache. Wer etwa Markus Heitz-Scharmützel á la "Ritus" und "Blutportale" liebt, könnte hier gut auf seine Kosten kommen.

Fazit: Sicher nichts für Zartbesaitete, aber für Genrefans eine definitive Empfehlung.



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246 Bibliotheken, 2 Leser, 3 Gruppen, 11 Rezensionen

dämonen, vampire, fantasy, wandelwesen, werwölfe

Blutportale

Markus Heitz
Flexibler Einband: 688 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.01.2010
ISBN 9783426636879
Genre: Fantasy

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

verlag ohneohren, urban fantasy, herbst

Die Blätter des Herbstbringers

Fabienne Siegmund
Flexibler Einband: 250 Seiten
Erschienen bei OHNEOHREN , 13.03.2017
ISBN 9783903006713
Genre: Fantasy

Rezension:

Zwei Kinder verlieren ihre Eltern und haben im Erwachsenenalter nur noch einander. Da sie dasselbe Grauen erlebt haben, finden sie beieinander jedoch nicht nur Trost, sondern ziehen sich auch gegenseitig in die Traurigkeit.
Währenddessen geht ein geheimnisvoller Maskierter um, den die Zeitungen den "Herbstbringer" nennen, sühnt Verbrechen und hinterlässt farbige Blätter auf seinem Weg.

Wer Fabienne Siegmund kennt, weiß, dass man mit einem modernen, meist melancholischen Märchen rechnen muss, wenn man ein Buch mit ihrem Namen aufschlägt. "Die Blätter des Herbstbringers" ist da keine Ausnahme, ist aber vielleicht noch ein Stück düsterer geraten als die bisherigen Romane, die ich von ihr kenne.

Das Buch hat seinen ganz eigenen Rhythmus - wie Herbstlaub, das aus den Ästen rieselt, folgen die Kapitel aufeinander. Das Erzähltempo ist gemächlich, die Sprache eine sehr poetische. Jeder Satz will eine tiefere Botschaft transportieren, und es finden sich viele Sentenzen eingestreut, die sich auch wiederholen - ein Stilmittel, das ich sehr gerne mag, das hier aber vielleicht etwas überstrapaziert wurde. Ich glaube, es hätte dem Buch gut getan, in dieser Hinsicht ein wenig zurückzuschrauben, manches in der Geschichte auch einfach für sich stehen zu lassen, nicht zu viel Emphase auf Kleinigkeiten zu legen. Der Effekt wäre dadurch ein noch stärkerer geworden.

Zweifelsohne erwartet einen hier keine leichte Lektüre, und das in mehrfacher Hinsicht. Wie die namensgebende Jahreszeit ist auch dieser Roman trüb, eine Ansammlung welker Dinge, die einmal Leben hatten, aber nun verdorrt sind. Beim Lesen versinkt man geradezu in einem Sumpf aus Traurigkeit, und die Autorin hilft einem auch an keiner Stelle heraus, sondern zieht einen nur immer tiefer, bis zum buchstäblich bitteren Ende. Das sollte man verkraften können, wenn man sich an die "Blätter des Herbstbringers" heranwagt.

Bei mir hat Fabienne Siegmund damit definitiv einen Nerv getroffen. Einen größeren Kritikpunkt allerdings habe ich dennoch, und zwar das Herumtänzeln um die Enthüllung der wahren Identität des Herbstbringers. Um nicht zu spoilern, gehe ich nicht zu sehr ins Detail, aber die Auflösung war für mich eher eine enttäuschende. Das trübt aber den Genuss des Buches nur wenig, und das traurige, aber zugleich sehr passende Ende tröstete mich gut darüber hinweg.

Sehr gut gefallen haben mir die einleitenden Zitate zu jedem Kapitel, kurze Frage-Antwort-Dialoge zwischen Vater und Sohn mit kleinen Weisheiten über das Leben. Die Printvariante besticht durch einige wunderschöne herbstliche Illustrationen (Laub und Schmetterlinge), die den "Herbstbringer" zu einem Buch machen, das man gerne in die Hand nimmt.

Fazit: Wer den Blättern im Herbst gerne beim Fallen zusieht, wer so wie ich ein Herbstmensch ist und sich gerne in Melancholie verliert, der sollte unbedingt einen Blick wagen.

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(1.231)

2.096 Bibliotheken, 62 Leser, 6 Gruppen, 313 Rezensionen

thriller, psychothriller, sebastian fitzek, fitzek, paket

Das Paket

Sebastian Fitzek
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Droemer, 26.10.2016
ISBN 9783426199206
Genre: Krimi und Thriller

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10 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 7 Rezensionen

limbus, puppenspieler, hölle, m.m. vogltanz, schizophrenie

Opferreigen

M. M. Vogltanz
E-Buch Text: 521 Seiten
Erschienen bei Verlag OHNEOHREN, 06.03.2017
ISBN 9783903006850
Genre: Krimi und Thriller

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19 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

tipp, fremde welt, fantasie, märchenhaft, deutscher autor

Herbstlande

Fabienne Siegmund , Stephanie Kempin , Vanessa Kaiser , Thomas Lohwasser
Flexibler Einband: 362 Seiten
Erschienen bei Low, Torsten, 22.10.2016
ISBN 9783940036407
Genre: Fantasy

Rezension:

"Herbstlande" ist ein besonderes Buch mit einem ganz besonderen Aufbau, wie ich ihn bisher noch bei keinem Roman gesehen habe. Nicht einer, nicht zwei, gleich vier AutorInnen haben ein und dieselbe Protagonistin durch ihre Geschichte begleitet. Meine größte Frage vor dem Lesen war: Kann das überhaupt funktionieren? Kurzum: Ja, es kann!

Der Roman handelt von der jungen Scarlett, die eine aus ihrer Sicht sehr erfüllende Beziehung mit Nathan führt. Ihr Liebesglück scheint perfekt zu sein: Er nennt sie sein Stück Himmel, sorgt sich immer so rührend um sie, und wenn sie mal länger außer Haus ist, dann wird er nur zornig und aufbrausend, weil er sich eben so freut, wenn sie zuhause auf ihn wartet, wenn er von der Arbeit kommt. Was macht es da, dass er sagt, Bücher seien überflüssiger Unfug, und Klavierstunden zu teuer? Für wahre Liebe bringt man eben Opfer, und das ist Nathan für Scarlett ja ganz eindeutig: die wahre Liebe. Nur eine Sache fehlt noch, um ihre Beziehung perfekt zu machen - die beiden wünschen sich nämlich nichts sehnlicher als ein Kind. Scarlett wird einfach nicht schwanger, und das bringt Unfrieden in das Liebesglück, denn natürlich ist das ihre Schuld. Also greift Scarlett zu einer verzweifelten Maßnahme: Sie wünscht sich ein Kind von einem Kürbisgeist, die angeblich in der Nacht an Halloween Wünsche erfüllen sollen. Weil sie es aber nicht erwarten kann, wünscht sie nicht in der vorhergesehenen Nacht, sondern im September, und verärgert damit die Kürbiskönigin, die ihr als Rache das nimmt, was ihr am liebsten ist: Nathan.

Um Nathan aus den Klauen der Kürbiskönigin zu retten, muss Scarlett sich dorthin begeben, wo die Kürbiskönigin und auch Nathan sich befinden - in die Herbstlande, ein märchenhaftes Reich, das aus den Ländern September, Oktober und November besteht. Jeder Autor (in einem Fall ein Autorenduo) hat ein Land zugeteilt bekommen, durch das er Scarlett begleitet, und jedes Land verfügt über seine Eigenheiten und Besonderheiten, seine Zauberwesen und Gefahren.

Ich möchte gerne jedes Land gesondert beurteilen, da ich glaube, dass das den AutorInnen am gerechtesten wird.

Der erste Abschnitt, der Scarletts Alltagsleben und ihre Reise durch den September beschreibt, stammt aus Fabienne Siegmunds Feder, die mich bereits mit vielen Geschichten verzaubert hat. Ich mag ihren Stil sehr gern, er hat eine märchenhafte Schwerelosigkeit und Selbstverständlichkeit, die einen wunderbar ins Geschehen eintauchen lassen. Der Anfang, bei dem wir Scarletts Alltag kennenlernen, ist regelrecht frustrierend. Dem Leser wird relativ schnell klar, dass Scarlett eigentlich eine Lüge lebt, und man würde sie gerne packen und mächtig durchschütteln. An manchen Stellen fand ich Nathan ein wenig zu überzeichnet dargestellt - seine subtile Dominanz fand ich glaubwürdiger als seine direkten Anschuldigungen und Beschimpfungen (glaubwürdiger, wohlgemerkt, in dem Sinne, dass Scarlett sie sich noch schönreden kann). Die Fabelwesen, die uns im September begegnen, sind zugleich wunderschön als auch tragisch, machen einen froh und traurig zugleich. Am ehesten lässt sich die Stimmung im September mit einer Geschichte von Neil Gaiman vergleichen. Auch Anklänge an die "Unendliche Geschichte" und "Das letzte Einhorn" glaube ich gefunden zu haben.

Der Oktober gehört Stephanie Kempin, eine Autorin, von der ich sonst bislang noch nichts gelesen habe. Der Oktober funktioniert ein wenig anders als der September, alles ist auf das nahende Halloween-Fest ausgerichtet (wobei Halloween zugleich auch ein Ort ist, den Scarlett erreichen muss, um in den November zu gelangen, in dem die Kürbiskönigin auf sie wartet). Hier hatte ich ein wenig den Eindruck, dass der Autorin am Anfang der Reise noch nicht völlig klar war, wo sie hinwollte - es werden Fäden aufgenommen und wieder fallengelassen, Möglichkeiten nicht ganz ausgeschöpft und Scarlett hat für meinen Geschmack einfach zu viel über das reflektiert, was sie tut, sieht oder gesehen hat, was ein wenig in Kontrast mit der Selbstverständlichkeit steht, mit der Scarlett sich durch den September bewegt. Auch stilistisch war da manches noch nicht völlig rund - allerdings sind das eher Kleinigkeiten, wie gewisse Wortwiederholungen, also nichts Schwerwiegendes, das mich stark aus dem Lesefluss gerissen hätte. Sehr loben kann ich, dass Stephanies Kempins Welt der Geschöpfe der von Fabienne Siegmund in nicht viel nachsteht. Der Oktober ist meiner Meinung nach am stärksten, als Scarlett krank wird und das Haus einer jungen Frau erreicht, die sie gesund pflegt - allerdings nicht ohne Hintergedanken. Ab diesem Punkt wird eine Richtung erkennbar, die Geschichte gewinnt an Spannung, Tiefe und Emotionen und konnte mich dann doch noch richtig fesseln. Schön fand ich auch die Anspielungen an "Alice im Wunderland".

Der letzte Teil, der November, wurde vom Autorenduo Vanessa Kaiser und Thomas Lohwasser geschrieben, von denen ich bislang nur Kurzgeschichten kenne. Man muss vielleicht dazu sagen, dass ich ein großer Anhänger von makaberen, düsteren Geschichten bin, und in dieser Hinsicht ist der November oder das "tote Land" genau mein Ding. Trostlos ist er, ein "Dead End", wie man im Englischen so schön sagt, und voller grausiger Viecher und Erkenntnisse. Unheimliche Orte beherbegen noch unheimlichere Kreaturen, die einem den Schlaf rauben können, und Scarlett wird vor scheinbar unlösbare Aufgaben gestellt und verzweifelt immer mehr an ihrer Mission. Zunehmend muss sie sich die Frage stellen, ob es wirklich Nathan ist, den sie will, denn der November lässt ihr keine Illusion, kein sorgsam aufgebautes Trugbild mehr. Extrem gut inszeniert, mit einem Stil, der einen mitreißt - definitiv mein liebster Monat, und auch Scarlett ist mir hier am sympathischsten.

Natürlich darf man auch die wunderschönen Illustrationen nicht unerwähnt lassen, die dieses Buch zu einem besonderen Leseerlebnis machen und das Gefühl, ein Märchenbuch in der Hand zu halten, verstärken - ein schöner Zusatz!

Alles in allem haben mir die "Herbstlande" sehr gut gefallen - poetisch, tiefsinnig und von AutorInnen geschrieben, die viel von ihrem Handwerk verstehen. Dass so viele Menschen an einem Buch schreiben können, ohne dass große Brüche im Charakter oder im Stil entstehen, hätte ich nicht erwartet, da muss eine Menge Arbeit eingeflossen sein. Dass Scarlett im Großteil des Buches "nur reist" und es dadurch immer wieder zum Leerlauf kommt, fand ich an manchen Stellen etwas mühselig, allerdings muss man dabei wohl berücksichtigen, dass diese Art von Reisen und die Begegnung mit wundersamen Wesen und Menschen auf dem Weg natürlich ein klassisches Element der fantastischen Literatur im Allgemeinen und der (modernen) Märchen im Besonderen sind. Wer damit vertraut ist, wird sich daran wohl nicht stören.

In der Gesamtbewertung vergebe ich vier gute Sterne (es wären viereinhalb, wenn das Bewertungssystem das zuließe ;) ).

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Die Saat

Karin Leroch
Flexibler Einband
Erschienen bei OHNEOHREN , 12.10.2016
ISBN 9783903006560
Genre: Fantasy

Rezension:

In der "Saat" scheinen wir es mit einer ganz gewöhlichen Familie zu tun zu haben: Mutter, Vater und zwei Kinder. Sie sind kürzlich in ein neues Haus gezogen, und Mutter fühlt sich dort noch nicht so richtig zuhause, noch nicht ... "verwurzelt". In einem Schamanenkreis bekommt sie den Rat, in jedes Zimmer des Hauses über Nacht ein Hühnerei zu legen (aber bitte nur Bio!) und diese dann im Garten zu vergraben, um sich wohler zu fühlen. Das tut sie auch - und damit beginnen die seltsamen Ereignisse. Aus den vergrabenen Eiern wächst ein Baum mit Eierfrüchten, die die eine oder andere Überraschung für die Familie bereithalten.

Völlig absurd und grotesk, und dabei unglaublich gut ist "Die Saat", eine Geschichte, die sich in ihrer Skurrilität von Szene zu Szene immer weiter steigert. Karin Leroch bedient sich dabei eines pointierten, klaren Stils, der den trockenen Humor der Geschichte noch herausstreicht. Sehr feine Lektüre!

Eine "kleine" Besonderheit ist das Format dieses schönen Kurzromans, der etwa die Maße eines Reclam-Heftchens hat und so bequem in jeder Tasche Platz findet.Anders als besagte gelbe Heftchen ist die "Saat" aber um einiges stabiler gebunden und hält so auch eine gröbere Behandlung gut aus. Mit einem Umfang von rund 100 Seiten lässt sich die Geschichte an einem verregneten Abend auslesen und eignet sich so wunderbar für zwischendurch.

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jack the ripper, fantasy, londo, wolf, london

Wolfswille

Melanie Vogltanz
E-Buch Text
Erschienen bei Papierverzierer Verlag, 17.03.2017
ISBN 9783959623346
Genre: Fantasy

Rezension:  
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high fantasy, kampfkunst, dämonen, gay, gay romance

Imperia - Im Schatten des Drachen

Laurin Dahlem
E-Buch Text: 343 Seiten
Erschienen bei In Farbe und Bunt Verlag, 15.10.2015
ISBN 9783941864627
Genre: Fantasy

Rezension:

"Imperia" hat mich auf sehr positive Weise überrascht. Darin lernen wir den etwas schüchternen jungen Mann Hao kennen, der nur einen einzigen Wunsch hat: Er will, wie sein Vater vor ihm, Kaisergardist werden und das Reich gegen die bösen Yin verteidigen. Eines Tages bekommt er seine Chance, als er einen Feueryin aufhält, der sich auf dem Weg in sein Dorf befindet. Dabei wird er von dem geheimnisvollen, starken und natürlich extrem gutaussehenden, hochrangigen Kaisergardisten Kyu-Sung gerettet. Der Kaisergardist ist von den Fähigkeiten des jungen Mannes schwer beeindruckt und hält ihn an, sich für die Prüfung zum Kaisergardisten zu bewerben.

"Imperia: Im Schatten des Drachen" glänzt in vielerlei Aspekten. Da wäre zum einen der sichere und überaus angenehme Stil des Autors, den ich schon bei einem seiner früheren Büchern zu schätzen gelernt habe und mich dazu gebracht hat, mir auch dieses neuere Werk zu Gemüte zu führen.

Dann hätten wir da noch die wunderschön ausgearbeitete Fantasywelt, die in einem asiatisch anmutenden Setting spielt (allerdings, soweit ich das als Laie beurteilen kann, nicht auf einer tatsächlich existierenden asiatischen Tradition fußt) und allein dadurch eine Abwechslung zu den zahlreichen europäisch angehauchten Fantasygeschichten darstellt. Grandios finde ich das Konzept der verschiedenen Wege - der Elementewege, die die Yin beschreiten, und des Schattenweges, den die Kaisergardisten wählen und mit dem sie Lebensgeister, soganannte "Nasgaths", heraufbeschwören können. Abgesehen davon, dass jeder Mensch (abgesehen von den Yin) einen eigenen Lebensgeist, einen Nasgath-Ankh, besitzt (man fühlt sich natürlich sofort an den "Geheimen Kompass" erinnert), können gut ausgebildete Kämpfer auch die Lebensgeister bereits gestorbener Ahnen beschwören und sie zum Kampf einsetzen. Ein extrem spannendes Konzept, das mir sehr gut gefallen hat.

Zu guter letzt muss ich noch die unglaublich schöne Liebesgeschichte loben. Gegen Ende schrammt der Autor zwar schon etwas hart am Kitsch entlang, es sei ihm allerdings verziehen, denn die Romantik ist tatsächlich handlungstragend, und durch Vorausdeutungen und Anspielungen auf "Sagen" der Welt, mit der die Charaktere aufgewachsen sind, wird eine Erwartungshaltung kreiiert, eine Spannung, die zum Weiterlesen animiert und einen immer wieder mitfiebern und mitleiden lässt. Sehr schön gemacht!

Einen Kritikpunkt muss ich allerdings anbringen: Während am Anfang die Geschichte etwas Zeit braucht, um richtig in Schwung zu kommen (was sich vor allem darin äußert, dass sich Gespräche im Kreis drehen, die Figuren immer wieder über dasselbe reden oder nachgrübeln), wird das Ende fast hastig abgefrühstückt. Ein-, zweimal hatte ich tatsächlich ein wenig den Eindruck, als hätte ich Lücken in der Handlung, die ich nur mit Mutmaßungen füllen konnte (z.B. die Szene nach Haos Aufenthalt im Bambushain vor dem Endkampf). Das fand ich etwas schade.

Alles in allem will ich aber trotzdem die volle Punktezahl vergeben (vielleicht mit einem imaginären halben Stern Abzug) und kann das Buch nur wärmstens empfehlen.

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steampunk, erfinder, kurzgeschichten, detektiv, explosion

Erasmus Emmerich und die Maskerade der Madame Mallarmé

Katharina Fiona Bode , Martin Knipp , Archibald Leach , Markus Cremer
Sonstige Buchform: 260 Seiten
Erschienen bei Art Skript Phantastik, 05.07.2016
ISBN 9783945045046
Genre: Science-Fiction

Rezension:

... bietet die Geschichte um den Erfinder, Detektiv und Gentleman Erasmus Emmerich und dessen Assistentin, die buchstäblich rauchende Qualmfee Marie.

Wer die Anthologien des Art Skript Phantastik-Verlags kennt, dem ist Erasmus Emmerich womöglich schon ein Begriff, denn vor Erscheinen dieses Romans war sein Wirkungsbereich auf Auftritte in charamanten, witzigen und skurillen Kurzgeschichten beschränkt. Für diejenigen, die die Geschichten aber noch nicht kennen, sind die beiden Kurzgeschichten am Beginn des Buches angefügt, sodass man Erasmus' und Maries bisherige Abenteuer nachlesen oder sich wieder frisch ins Gedächtnis rufen kann.

Katharina Bode erzählt ihre Geschichte(n) mit sehr viel Witz. Mehr als einmal musste ich schmunzeln, wenn Erasmus mit seinem wörtlichen Verständnis aller Fragen und Aussagen für Irritation bei den übrigen Charakteren sorgt (meine Lieblingsstelle war definitiv die mit den Sprungstelzen - einfach herrlich). Er ist das Paradebeispiels eines zerstreuten Genies, das bereits sehr knapp am Rande des Wahns entlangbalanciert, und es macht einfach Spaß, ihm zuzuhören, zuzusehen und über seine meist ganz versehentlichen Erfolge zu staunen. Auch die Qualmfee Marie ist ein extrem interessanter Charakter. Obwohl sie sich selbst eher als Assistentin bzw. Partnerin Erasmus' sieht, wirkt sie wie seine Kinderfrau. Zwar scheltet sie ihn immer, ist aber auch diejenige, die auf ihn aufpasst und schaut, dass er nichts ZU Dummes anstellt. Das Gespann der beiden bietet viele heitere Lesestunden.

Stilistisch steckt in dem Buch ebenfalls eine Menge - im Vorwort äußert Markus Cremer den Verdacht, dass die Autorin bereits am Morgen mit einer Packung Wortspiele gurgeln müsse, und diesen Verdacht teile ich. Allerdings, aber das mag mein persönlicher Geschmack sein, wurde es gegen Ende, als sich die Spannung der Geschichte dem Höhepunkt näherte, schon fast etwas ZU viel an "Herumgeplänkel" in der Erzählerstimme, an Einschüben, die einen aus der Geschichte reißen und an Wortspielereien, die einen über eigentlich einfache Sätze stolpern lassen. Natürlich, es sind diese Dinge, die den Stil des Buches unter anderem ausmachen, allerdings fragte ich mich auf den letzten Seiten immer wieder, ob es nicht sinnvoll wäre, diesen Kniff ein wenig sparsamer, ein wenig gezielter einzusetzen, denn ich hatte am Ende der Geschichte dadurch Probleme, am Ball zu bleiben. Ein Beispiel (S. 196, also schon mitten im Finale): "Emmerich aber war ja nicht Erasmus, oder war es umgekehrt? Er hatte einfach noch nicht die Zeit gefunden, diese Angelegenheit endgültig zu klären ... jedenfalls wäre das eine ohne das andere nicht gewesen, wenn er nicht auch dafür eine Lösung parat gehabt hätte." Diese Stelle bezieht sich auf einen innerlichen Streit Erasmus' mit sich selbst, der etwa hundert Seiten zuvor stattgefunden hat und in dem Erasmus sich ... nun ja, eben fragt, ob Emmerich Erasmus oder umgekehrt ist. Diesen etwas seltsamen und, für mich, nicht ganz durchsichtigen innerlichen Disput an einer Stelle wieder aufzunehmen, wo die Spannung ja ihren Höhepunkt erreichen sollte, fand ich eher unpassend, und Stellen wie diese habe ich dann im Finale auch zunehmend einfach überflogen. Alles in allem rückt die eigentliche Handlung durch den Sprachwitz und die Interaktion der Figuren ein wenig in den Hintergrund.

Nichtsdestotrotz bin ich schon gespannt, welche Abenteuer Erasmus Emmerich und seine Qualmfee noch erwarten werden, und hoffe noch auf zahlreiche Folgebände.

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computerspiel, virtuelle realität, dystopie, verwirrend, spannung

Spielende Götter

Alessandra Reß
E-Buch Text: 358 Seiten
Erschienen bei OHNEOHREN, 30.11.2015
ISBN 9783903006409
Genre: Fantasy

Rezension:

Der Grundgedanke hinter "Spielende Götter" ist im Grunde nicht neu: Eine virtuelle Welt, die parallel zur Realität, hier "Primärrealität", existiert und Einfluss auf das Leben der Spieler nimmt, in sozialer wie in finanzieller Hinsicht. Allerdings setzt Alessandra Reß sich mit einer Frage auseinander, die mir auf diese Weise und in dieser Ausprägung noch nie untergekommen ist, nämlich die Frage nach der "Virtuellen Ethik" - was ist mit den virtuellen Existenzen, die von den Spielern für ihre Zwecke gelenkt und teils missbraucht werden? Unterscheiden sie sich denn tatsächlich so sehr von den Menschen der "Primärrealität"? Haben sie ein tieferes Bewusstsein, eine Daseinsberechtigung, vielleicht sogar so etwas wie eine Seele? Und wenn dem so ist, wie kann man dann rechtfertigen, sie als spielende Götter aufs Geratewohl in sinnlose Kriege und Schlachten zu schicken, um die eigenen Launen zu befriedigen?

Mit diesen Fragen fühlt sich Protagonistin Lucie konfrontiert, als sie in der Spielewelt, genannt "Homos Lundens", kurz "Holus", Intrigen gegen ihre Klassenkameraden spinnt, die sie im realen Leben mobben. Was als bloße, aus Frust erwachsene Idee anfängt, verselbstständigt sich bald und wächs Lucie über den Kopf. Plötzlich sind nicht nur die Virtuellen in Gefahr, die sie durch ihre vermeintlich göttliche Kraft auf ihre Seite gezogen hat und die sie bald als Begleiter und Freunde wertzuschätzen lernt, sondern auch Menschen in ihrem realen Umfeld.

Mindestens so spannend wie der Aufbau der Holus-Welt und die damit verbundenen ethischen Fragen ist die Primärrealität mit einem Dreiklassensystem, das an Science Fiction-Klassiker wie "Brave New World" erinnert. Während Alpha- und Beta-Ludens überwiegend mit dem Spiel beschäftigt sind, werden die Laborans in den Arbeiterstand hineingeboren, haben praktisch keine Rechte und bilden so den Bodensatz der Gesellschaft. Wie groß die Schere zwischen den Klassen klafft, merkt man, gemeinsam mit Lucie, die als Beta-Ludens in der Hierarchie die goldene Mitte erwischt hat, erst nach und nach.

Dass diese sozial-ethischen und philosopischen Aspekte der Dystopie mir am besten gefallen haben, bedeutet allerdings nicht, dass "Spielende Götter" nicht auch mit handfester Spannung, blutigen Schlachten und überraschenden Wendungen aufwarten könnte. Vor allem im letzten Drittel des Romans überschlagen sich die Ereignisse geradezu, und mir fiel bei der einen oder anderen unerwarteten Entwicklung die Kinnlade herunter.

Wer in das Taschenbuch investiert, wird zusätzlich mit der für den Verlag typischen liebevollen Innengestaltung belohnt, die mit ihren kunstvollen Illustrationen das Buch zu einem echten Hingucker macht.

Alles in allem kann ich "Spielende Götter" nur empfehlen. Vor allem Liebhaber sozialkritischer Dystopien (Stichwort: Ian Banks) kommen hier auf ihre Kosten und sollten unbedingt zugreifen.

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thriller, mystery, verzweiflung, kalliop, deutschland

Kalliope

Arthur Gordon Wolf
E-Buch Text: 385 Seiten
Erschienen bei Luzifer-Verlag, 06.09.2016
ISBN 9783958351776
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Markus Reuther, einigermaßen erfolgreicher Krimiautor, hat ein Problem: Er leidet unter der gefürchteten Schreibblockade. Seine Hauptfigur "spricht" einfach nicht mit ihm, und alles ist im Moment interessanter als sein Manuskript. "Ich wünschte, jemand würde mich mit vorgehaltener Pistole zum Schreiben zwingen", sagt er im Suff zu einer Fremden in einer Bar - einen Wunsch, den er besser für sich behalten hätte, denn bald darauf erreichen ihn mysteriöse Drohungen, alle mit dem Imperativ: "Schreib. Tag und Nacht." Was anfangs wie ein schlechter Scherz aussieht, wird schon bald bitterer Ernst, und Reuther findet sich selbst in einem Krimi wieder, schlimmer und abgedrehter als alles, was er selbst je geschrieben hat.

Arthur Gordon Wolf hat sich ein Thema vorgenommen, das Angehörigen der schreibenden Zunft nur zu bekannt ist - "writer's block", oder Schreibblockade, die Angst vor dem leeren Papier oder einfach nur die Verlockung der Prokrastination. Dieses Thema verpackt er ausgesprochen kunstvoll in eine Welt aus glaubwürdigen, individuellen Charakteren, die weit mehr als bloße Platzhalter sind, und beängstigenden Vorkommnissen, die immer bedrohlicher und unheimlicher werden, je weiter die Geschichte voranschreitet.

In einem zweiten Handlungsstrang sieht der Leser das Ergebnis von Reuthers seltenen produktiven Phasen, die Geschichte in der Geschichte - eine Idee, die zwar nicht gänzlich neu, aber sehr gut umgesetzt ist und den anfangs relativ eintönigen Alltag von Reuther auflockert.

Zusätzlich zur Erzählung aus der 3. Person aus Reuthers Sicht und dem zweiten Handlungsstrang von Reuthers Roman beginnt Reuther im Laufe des Romans auch, Tagebuch zu schreiben, wodurch seine Erzählung aus der 1. Person hinzukommt. Dieser Tagebuch-Part macht Sinn, denn nicht immer scheint das, was Reuther zu sehen glaubt, zu sein, was auch tatsächlich passiert. Allerdings wirkt das Buch dadurch teils etwas uneinheitlich, und meiner Meinung nach hätte man sich auf die Tagebuch-Sicht beschränken können, um diesen Effekt zu erreichen.

Alles in allem ist "Kalliope" eine intelligent geschriebene Geschichte voller Spannung und lebensnahen Charakteren. Da der ereignislose Alltag von Reuther vor den Drohungen durch "Kalliope" den Einstieg in die Geschichte leider etwas erschwert und auch zwischendurch unnötige Längen die Spannung etwas dämpfen, gebe ich "Kalliope" vier gute Sterne.

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beziehungen, götterglaube, mythologie, irland, kurzroman

Wolfsbaum: Eine irische Sage neu erzählt

Mia Faber
E-Buch Text: 67 Seiten
Erschienen bei Valkyren Verlag, 01.09.2016
ISBN 9783946608059
Genre: Historische Romane

Rezension:

Die Novelle "Wolfsbaum" hat sich eine irische Sage zum Vorbild genommen und ihre eigene Geschichte darum gewoben. Dabei geht es um Morgan, einen jungen Mann, der mit seinem einfachen und eintönigen Leben unzufrieden ist, und dessen Großmutter, die immer noch dem alten Glauben an die Götter- und Feenwelt anhängt. Bald muss Morgan begreifen, dass dieser Glaube einen sehr wahren Kern hat, als er direkt mit einer der Göttinnen konfrontiert und mit einer außergewöhnlichen Strafe bedacht wird.

Stilistisch ist die Sage wunderbar erzählt und liest sich angenehm flüssig. Durch gemeine Cliffhanger und Plottwists bleibt man als Leser immer am Ball und will unbedingt wissen, wie es weitergeht und wie die Geschichte für Morgan ausgeht. Schon relativ am Anfang wird deutlich gemacht, dass sie kein gutes Ende finden wird, was das Ende aber nicht viel weniger tragisch und traurig macht.

Die irische Sagenwelt ist auf natürliche Weise in die Geschichte eingeflochten, und es war sehr spannend, in diese fremde Welt einzutauchen.

Morgan ist ein Protagonist, der vielleicht nicht jedem Leser gefallen wird: Er ist eher passiv und, eine seiner wichtigsten, handlungstragenden Eigenschaften, ein ziemlicher Feigling, wird also nicht als a priori "Held" in die Geschichte eingeführt. Seine Fehler machen ihn aber in meinen Augen authentisch und auch sympathisch, und im Laufe der Geschichte macht er eine Entwicklung durch, die ihn zwingt, seine Feigheit zu überwinden.

Alles in allem kann ich "Wolfsbaum" nur empfehlen!

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