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trauer, trauer über ein verlorenes kind, verlust eines kindes, trost, kindstod

Schmetterlingstango

Georg Magirius
Flexibler Einband: 152 Seiten
Erschienen bei Claudius, 01.09.2013
ISBN 9783532624494
Genre: Sachbücher

Rezension:

Der Schriftsteller-Poet-Theologe Georg Magirius schreibt in seinem Buch SCHMETTERLINGSTANGO – Leben mit einem totgeborenen Kind, über sein Leben ohne seine Tochter Juliane Magirius, die am 06. Oktober 2010 tot auf die Welt kam. Es gelingt Magirius, den Leser und die Leserin, ob sie nun selbst ein Kind betrauern oder nicht, auf jeder einzelnen Seite mit hineinzunehmen in die vielfältigen Gefühle der Trauer, die den Vater und Schriftsteller seit drei Jahren begleiten.

Juliane Magirius war ein Wunschkind, und sie wird von ihren Eltern jeden Tag zutiefst geliebt und schmerzlich vermisst. Magirius macht sich auf die Suche nach seiner Tochter. Er bringt dem Leser eindringlich nahe, dass auch ein totgeborenes Kind schon erstaunlich viele Erinnerungen und Bilder hervorruft. Magirius erweckt all die vielen kleinen Begebenheiten zum Leben, die er mit seiner Tochter bis zum Tag ihrer Geburt und ihres Todes – bis jetzt – erleben durfte: ihre Schwangerschaft, ihre Bewegungen, ihre Unruhe oder ihr Frieden bei den verschiedenen Geräuschen, bei den Stimmen ihrer Eltern, die Ultraschallbilder, auf denen sie sich weigerte, sich wie gewünscht ablichten zu lassen, ihr Eigensinn und ihre Schönheit. Magirius verweigert bewusst die Rückkehr zur Normalität, das hoch gepriesene „Loslassen!“, wie es ihm viele Menschen ahnungslos gewünscht, es sogar von ihm erwartet haben.

Doch beim Lesen des SCHMETTERLINGSTANGOs erkennt man: ein solcher Verlust geht niemals zu Ende. Auch wenn das Leben weitergeht, wird es nie mehr so sein wie vorher. Denn ein Kind hat im Mutterbauch gelebt, es wird geliebt und nie vergessen werden können. Nur durch Unsicherheit, falsche Angst oder Scham können solch schale Trostworte entstehen. Damit solch peinliche Fehler nicht passieren, entwickelt der Autor sogar einen eigenen „Knigge fürs Kondolieren“, der sich nicht nur höchst amüsant, sondern zugleich auch wirklich hilfreich lesen lässt. Denn wer Trauer kennt, für den lebt der verlorene Mensch mindestens in vielen Erinnerungen weiter. Doch das reicht dem Vater und Autor noch lange nicht. Er geht weit über seine Erinnerungen hinaus und beginnt, von noch viel mehr zu träumen, zu hoffen und zu glauben. Er zeichnet seine Tochter, malt sie in seiner Fantasie, wie er sie wiedersehen will: lebendig, voller Freude und Tatendrang, voll Liebe und Frieden, voller Verständnis für seine Eltern, die erst dann bei ihr sein können. Magirius erzählt nicht von Gewissheiten, sondern von seinem Glauben, den er in einem wunderbaren, ganz persönlichen Glaubensbekenntnis uns, seinen tief berührten Leserinnen und Lesern, anvertraut. Er träumt von Juliane, ihren Vorlieben und ihrem Eigensinn, ihrem Appetit, ihrem Lachen, ihrem Verständnis und ihrem Da-Sein, bis sie alle einander wieder, wie am Tag von Julianes Geburt, in den Armen halten dürfen. Magirius zwingt niemandem seinen Glauben auf, sondern erzählt, was ihm Mut macht, aber auch, dass er manchmal Wut empfindet auf diesen Gott, der sie ihm weggenommen hat, und dass es ihm Kraft gibt, mit seiner „kleinen Ärztin“ zu reden.

SCHMETTERLINGSTANGO ist ein tief berührendes Buch, das jedem beim Lesen die Hand reicht und sagt: Du bist nicht allein, es ist richtig und vollkommen nachvollziehbar, weiter zu trauern, und es ist kraftvoll und äußerst lebendig, an ein Wiedersehen mit dem – nur fürs Erste – fortgegangenen Menschen zu glauben.

Das Buch wendet sich nicht nur an Eltern, die ihre Kinder verloren haben, sondern findet eine Sprache für alle, die einen geliebten Menschen verloren haben. SCHMETTERLINGSTANGO macht uns Mut, nicht um jeden Preis loszulassen, sondern weiter zu leben, indem wir uns den Erinnerungen immer wieder stellen und – vielleicht – Kraft schöpfen durch die Hoffnung, nicht Gewissheit, dass dieser geliebte Mensch doch lebt und wir ihn eines Tages wiedersehen werden.

Das Buch liest sich zauberhaft, man erlebt, zusammen mit dem Vater und Autor, alle möglichen Gefühle: von herzhaftem Lachen bis erinnerndem Weinen ist alles dabei. Man kann die kleinen Abschnitte wunderbar für sich lesen, immer wieder neu entdecken, und man geht trotz des traurigen Ereignisses gestärkt aus der Lektüre hervor. SCHMETTERLINGSTANGO ist für alle zu empfehlen, die sich mit Trauer auf eine fast heitere Weise beschäftigen und deren ganz besondere Bilder und vielschichtige Gefühle kennenlernen oder diese wiederfinden wollen.

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Tags: kindstod, trauer, trauer über ein verlorenes kind, trost, verlust eines kindes   (5)
 

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kirche mal anders, wandern abseits der pfade, wandern für anfänger, franken entdecken

Frankenglück

Georg Magirius
Flexibler Einband: 128 Seiten
Erschienen bei Echter, 25.04.2016
ISBN 9783429039127
Genre: Sachbücher

Rezension:

Zunächst vorweg: Ich bin keine erfahrene Wandererin. Ich mag keine großen Touren, ich mag keine allzu großen Steigungen, schon gar keine unangenehmen Überraschungen - aber: ich mag kleine, feine Strecken, die ich gut begehen kann mit überschaubarem Krafteinsatz, nach meiner eigenen Zeit und vor allem mit der Muße, auch mal links und rechts am Wegesrand innezuhalten und mich an kleinen Dingen zu erfreuen. Und genau das zeigt einem dieses Büchlein auf: Keine NEUEN, noch nie da gewesen Touren (wo sollen die auch herkommen), sondern der Autor geht, fotografiert und beschreibt kleine, machbare Touren erfrischend neu und persönlich. Das mag ich an Magirius: Nichts wird einem aufgezwängt, nichts wird übertrieben angepriesen oder beschönigt. Sondern er erzählt auf seine besondere Art von sich selbst, von der Landschaft, von Besonderheiten, die ihm auffallen. Nicht nur seine Texte, sondern auch seine wunderschönen Fotos laden ein zu Ruhe und Achtsamkeit. Das Büchlein macht Lust, dieselben oder auch andere Strecken neu entlangzugehen und ebenfalls offen zu sein für die vielen kleinen Schönheiten am Weg. Seine Worte sind stets klug, leicht zu lesen, und immer entdecke ich in seinen Büchern etwas, was mir, wie nebenbei, zu denken gibt. Und das Schöne, der Autor ist zwar Theologe, aber man fühlt sich an keiner Stelle kirchlich vereinnahmt oder bevormundet. Ich mag das Büchlein und werde es auch verschenken.

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Tags: franken entdecken, kirche mal anders, wandern abseits der pfade, wandern für anfänger   (4)
 

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psychose, stimmen, lourdes, psychiatrie, psychisches leid

Die neuen Leiden des jungen Magnus

Magnus Gunnarson
Flexibler Einband: 48 Seiten
Erschienen bei novum pro Verlag, 29.10.2015
ISBN 9783990483343
Genre: Romane

Rezension:

In DIE NEUEN LEIDEN DES JUNGEN MAGNUS erzählt der Autor auf eindringliche Weise, wie er unter dem Befehl von Stimmen nach Lourdes fährt, um dort Heilung zu finden.


Die Stimmen, die ihm unablässig religiöse Drohungen, Befehle und ihm vollkommen realistisch erscheinende Halluzinationen vorgaukeln, machen Magnus Gunnarson die Reise buchstäblich zur Hölle. Er kann nicht mehr zwischen den ihn umgebenden Bildern, Gestalten und Geräuschen und der Realität unterscheiden. Es kommt zu unkontrollierten Gefühlsausbrüchen, Verzweiflungstaten bis hin zum Suizidversuch. Er wird mehrfach von der französischen Polizei aufgegriffen, wieder entlassen, er übernachtet auf Parkbänken, irrt stundenlang umher, versucht unablässig zu beten und den Stimmen zu entkommen.


Als er sich schließlich in einer Kirche lebensgefährlich verletzt, wird er in die Psychiatrie gebracht, in der es ihm endlich ein wenig besser geht. Nach tagelangen Behandlungen und Verständigen seiner Angehörigen wird er schließlich nach Deutschland zurückgebracht.


Doch auch hier ist sein Leidensweg nicht zu Ende. Seine Odyssee durch die Psychiatrien und verschiedenste Medikationen geht weiter. Bis heute leidet er unter den Stimmen, auch wenn es ihm gelingt, ein einigermaßen ruhiges Leben zu führen.


Für alle, die sich mit Thema Psychosen und damit verbundenen Erlebnissen beschäftigen möchten, ein unbedingt lesenswertes Buch. Sie werden die Welt von Betroffenen mit ganz neuen Augen sehen und sie in ihrem Leid, aber auch in ihrem mutigen Kampf gegen diese unberechenbare Krankheit besser verstehen können.

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Tags: lourdes, psychiatrie, psychisches leid, psychose, stimmen   (5)
 
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