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58 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

autorin, schweden, liebe, schreibblockade, schriftstellerin

Das große Glück kommt nie allein

Kajsa Ingemarsson , Stefanie Werner
Fester Einband: 736 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 15.05.2012
ISBN 9783596512188
Genre: Romane

Rezension:

Stella Friberg ist eine erfolgreiche Autorin von Unterhaltungsromanen, sieht umwerfend aus und führt eine glamouröse und von der Presse beachtete Beziehung zu einem Fernsehproduzenten. Doch mit einem Mal scheint alles aus den wohl geordneten und von Stella so geliebten ewig gleichen Bahnen zu laufen. In ihrer Wohnung wird ein Wasserschaden festgestellt und im Handumdrehen verwandelt sich das teuere Appartement zur Großbaustelle. Kein Stein bleibt auf dem anderen. Verzweifelt packt sie die wichtigsten Sachen und taucht unangekündigt bei ihrem Freund auf, den sie in flagranti erwischt. Von den Ereignissen überfordert entwickelt Stella zu allem Überfluss noch eine Schreibblockade. Und das, obwohl von Publikum und Verlag nichts weniger als der lang erwartete krönende Abschluss ihres Buchzyklus' erwartet wird.
Kaum auszuhalten, wäre da nicht der sympathische und geerdete Handwerker Johnny Strandberg, der schon bald nicht nur ihre Wohnung wieder in Ordnung bringt.
Auf der Suche nach dem Wasserleck in Stellas Wohnung reißt Johnny Fußböden auf und Wände ein. Mit jedem neuen Loch, das er schlägt, scheint er auch Stellas Fassade weiter abzutragen und findet hinter der arroganten Bestsellerautorin eine zerbrechliche und sich nach Liebe sehnende junge Frau. Stück für Stück setzt er die Bruchstücke neu zusammen, bis Stella nicht nur den roten Faden in ihrem Roman sondern auch in ihrer eigenen Lebensgeschichte wieder findet.
Die Idee ist gut. Spannend auch, dass immer wieder Passagen aus dem Roman, an dem Stella schreibt, mit erzählt werden. Und so lernt Stella, sich wie ihre Heldin Stück für Stück zu ihren wahren Gefühlen zu bekennen.
Doch alles in allem plätschert die Handlung leider vor sich hin. Stella bleibt seltsam blass und wird im Laufe der Geschichte auch nicht wirklich sympathisch. Das wäre im Grunde egal wäre der Plot nicht auf eine Selbstfindung hin angelegt. Das gelingt Kasja Ingemarsson allerdings nicht, sondern die Entwicklung ihrer Heldin bleibt schwerfällig und uninspiriert.
Und so war ich nach 735 langen langen Seiten von der Banalität der Geschichte enttäuscht und der letztlich belanglosen Heldin mehr als gelangweilt.

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118 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 38 Rezensionen

shakespeare, familie, schwestern, krebs, liebe

Die Shakespeare-Schwestern

Eleanor Brown , Christel Dormagen , Brigitte Heinrich
Flexibler Einband: 374 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 20.05.2012
ISBN 9783458358350
Genre: Romane

Rezension:

„Wir kamen nach Hause, weil wir Versager waren.“ So beginnt der Roman „Die Shakespeare-Schwestern“ von Eleanor Brown. „Wir“ das sind die drei Schwestern Rosalind, Bianca und Cordelia, deren Namen alle aus Shakespeare Stücken stammen, denn nichts anderes schien dem exzentrischen Literaturprofessor eines kleinen und provinziellen Universitätsstädtchens im Mittleren Western der USA angemessen für seine Töchter. Und auch in der weiteren Erziehung spielen Shakespeare und seine Texte eine zentrale Rolle. Seine Sonette werden zu ihren Kinderreimen, seine Theaterstücke zur Lektüre in der Pubertät – Zitate zu geflügelten Worten, mit denen sich die einzelnen Familienmitglieder auch über lebensentscheidende Ereignisse wie Hochzeit oder Krebserkrankung informieren (S.13). Eine Art familieninterner Code gepaart mit einer seltsamen Hybris, die die einzelnen Familienmitglieder äußerlich miteinander verbindet, sie innerlich doch eher von einander fern zu halten scheint. Die Shakespeareverweise wirken immer wieder wie ein magischer Kreis um die Familie gezogen, ein Kreis, der gerade die Mädchen zu einer Art „Wir“ werden lässt, bei dem sie sich letztlich jedoch immer wieder fragen, wie sie dort eigentlich hinein geraten sind.

Diese Hybris steht in starkem Kontrast zum Eröffnungssatz. Vordergründig kehren die drei Schwestern wegen der Krebserkrankung der Mutter nach hause zurück, doch dient dies, wie das erzählende auktoriale Wir der drei Schwestern gleich zur Anfang entlarvt, nur als Vorwand. Heim gekommen ist jede aus einem anderen Grund, doch letztendlich alle um sich dort ihre Wunden zu lecken, die ihnen das normale Leben jenseits von Literatur und Text zugefügt hat. Rose, die brave und zielstrebige Intellekutelle, die sich nicht traut die Liebe ihres Lebens zu leben. Bean, femme fatale und Glamourlady aus New York, kehrt zurück, nachdem aufgeflogen ist, dass sie Geld in großen Mengen unterschlagen hat. Cordy, das durch und durch sympathische Hippiemädchen, verwöhntes Nesthäkchen, das sich nun als werdende Mutter neuen Herausforderungen stellen muss.

Sie alle kehren in einen heißen und schwülen Sommer in das Haus ihrer Eltern zurück. Der heiße Sommer, der sich zäh über die Stadt ergießt, spiegelt perfekt die stagnierenden Leben der drei Schwestern. Emotionen, Träume, Ängste - alles wirkt wie aufgestaut, unterdrückt und erdrückend. Pointiert schafft es die Autorin diese nahezu ausweglose Ausgangssituation der drei Frauen zu vermitteln.

Im folgenden ent-wickeln sich über viele viele Seiten die drei Geschichten, werden neue Fäden gesponnen, die die drei Zauberschwestern letztlich aus ihrer mystischen Verbindung. Jenseits von Shakespearezitaten werden Worte gefunden, die einen ehrlicheren und unmittelbareren Austausch zwischen den drei Mädchen aufscheinen lassen. Jede einzelne findet den Mut, ihre Geschichte zu erzählen und sich mit der Realität und den eigenen Ansprächen auseinander zu setzen.

Verglichen mit einem Shakespeare’chen Drama erscheint die Exposition, die Einführung in die Figuren gelungen, auch das Weiterentwickeln der Geschichte, ihre Durchführung steht stabil und ist glaubhaft. Die retardierenden Momente der Handlung sind jedoch zunehmend langatmig. Individuelle Beweggründe der Schwestern wirken zu schablonenhaft und bei aller Sprachgewandtheit der Autorin wird die Psychologie der Figuren scheinbar immer blasser. Die Katastrophe, die das Drama fordert, bleibt aus, das kathartische Moment, das sich die Leserin erhofft, zerfließt in einer heiteren jedoch nicht sehr überzeugenden weihnachtlichen Schlussidylle.

Mein Fazit: Ein Buch, das mich etwas ratlos zurücklässt. Viele sehr gute Passagen, die mich durch den Text getragen haben. Das große Aha Erlebnis, das ich mir vom Anfang versprochen habe, blieb allerdings aus.

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Tags: entwicklungsroman, familiengeschichte, shakespeare   (3)
 

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101 Bibliotheken, 2 Leser, 3 Gruppen, 23 Rezensionen

japan, liebe, kyoto, gärten, namiko

Namiko und das Flüstern

Andreas Séché
Fester Einband: 176 Seiten
Erschienen bei ars vivendi, 04.04.2011
ISBN 9783869130668
Genre: Romane

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138 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 10 Rezensionen

new york, familie, usa, amerikanische literatur, brooklyn

Die Brooklyn-Revue

Paul Auster
Fester Einband: 350 Seiten
Erschienen bei Rowohlt, Reinbek, 17.03.2006
ISBN 9783498000660
Genre: Romane

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102 Bibliotheken, 2 Leser, 3 Gruppen, 18 Rezensionen

tour de france, freundschaft, frankreich, reise, sms

Denn das Glück ist eine Reise

Caroline Vermalle , Karin Meddekis
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Ehrenwirth, 13.04.2011
ISBN 9783431038354
Genre: Romane

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80 Bibliotheken, 1 Leser, 3 Gruppen, 32 Rezensionen

familie, adoption, türkei, liebe, deutschland

Suna

Pia Ziefle
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 29.02.2012
ISBN 9783550088926
Genre: Romane

Rezension:

Direkt vorneweg!
„Suna“ von Pia Ziefle ist ein Roman, der mit großem Herz, klugem Kopf, feinem Gefühl und einer unglaublich starken Sprache geschrieben ist. Für mich einer der schönsten und besten Romane, die ich in der letzten Zeit gelesen haben.
Und jetzt der Reihe nach ...
„Niemals schläfst Du“ (11) – so beginnt Pias Ziefles Roman und führt damit gleich mitten in die Geschichte hinein. Vor allem ist das kleine Mädchen in den Nächten hellwach und wird von ihren Eltern, meistens allerdings von ihrer ziemlich erschöpften Mutter Luisa durch das nächtlich stille Haus getragen. In einer Vollmondnacht geboren und „eine ganz alte Seele“, wie der Dorfarzt bei der Geburt feststellt, scheint dieses Kind mit einer ganz besonderen Aufgabe zu seiner Mutter gekommen zu sein. Auf der Suche nach dem Grund, warum die Tochter nie schläft, ist es auch dieser Dorfarzt, der ihr sagt:
„Sie kann keine Wurzeln schlagen. Finde sie ihre.“ (23)
Und so beginnt Luisa ihrer Tochter Nacht für Nacht ihre Lebensgeschichte zu erzählen.

„Du solltest Wurzeln schlagen können, kizim, und wenn es für mich bedeutete, noch einmal durch schmerzhafte alte Geschichten zu gehen und mich an nie gefragte neue zu wagen. Und weißt Du was? genau darum kann ich dir jetzt erzählen, was ein glückloser anatolischer Eselhändler, eine Unwetter in Serbien, ein Weltkrieg, ein Goldhamsterschaufenster, der Islam und eine deutsche politische Entscheidung miteinander und mit deinem Leben zu tun haben.“ (24)

In 7 Nächten macht sie sich mit ihrer Tochter auf die Suche nach den eigenen Wurzeln, in 7 Nächten spinnt sie mutig und ehrlich eine Schöpfungsgeschichte der ganz eigenen Art.
Pia Ziefle nimmt uns Lesende mit auf diese Reise durch die Nacht und dabei behält ihre Geschichte nahezu jederzeit den dichten Spannungsbogen aufrecht. Ein Kaleidoskop unterschiedlichster Biographien wird vorgestellt. Die einzelnen Personen sind exakt gezeichnet, teilweise nur mit wenigen Strichen und dennoch mit einer Eindrücklichkeit, die sehr berührt. Eine deutsche Nachkriegskindheit, das Leben in der spießigen deutschen bürgerlichen Idylle oder das Leben auf dem Dorf in Serben und Anatolien wird in plastischen Bildern ausgebreitet. Geordnete Bürgerlichkeit, "kleine Deckchen, die am Nachmittag über die Möbel gelegt wurden“ stehen den unruhigen nahezu zufälligen Lebenszusammenhängen der türkischen und serbischen "Gastarbeiter und Gastarbeiterinnen" gegenüber. Doch auch wenn sich die Lebenswirklichkeiten nicht stärker unterscheiden könnten, ist auf beiden Seiten die Enge und das Ausgeliefertsein an die jeweiligen Strukturen und Zwänge nicht zu übersehen. Lebensfäden werden gesponnen, Nacht für Nacht, deren Schicksale sich allmählich immer stärker miteinander verweben.
Luisa erzählt ihrer Tochter von ihrer Kindheit, wie sie bei den Adoptiveltern aufwächst und zu einem Kind wird, "das die Liebe nicht annehmen"(197) will und letztlich nicht kann. Wie sie im Laufe ihres Lebens immer dünner und dünner wird, „mit dem Rücken an den Wänden des eigenen Lebens“ (300) steht. Luisa erzählt bis sie schließlich ihre eigene Gegenwart eingeholt hat und ihre Zukunft.
Die Nächte haben es in sich. Weiterlesen, auch wenn die Geschichte zeitweise so unendlich traurig und bedrückend ist. Es geht unter die Haut. Die Sprache, die Bilder sind scharf, manchmal fast gnadenlos und sind dennoch immer mit einem liebenden Auge gemalt. Pia Ziefle gelingt es durchgehend, die einzelnen Menschen und die Zwänge, aus denen heraus sie handeln auf eine Art sachlich von außen und doch mit viel Mitgefühl von innen heraus darzustellen. Es gibt kaum ein Klischee, das „Deutsche“ oder „Fremde“, Frauen oder Männer, Mütter oder Väter einseitig vorführt.
In einer Art der dichten Beschreibung legt sie Bild über Bild, arbeitet sie sich wie eine Archäologin immer tiefer in den Grund vor, dahin wo unsere Wurzeln sind und die Spuren des Einzelnen in seiner individuellen wie auch gesellschaftlichen Identität zu finden sind. Alte Backbücher und Familienrezepte dienen der Seelenarchäologie ebenso wie das gemeinsame Betrachten der Mondlandung, wenn auch an unterschiedlichen Bildschirmen und Orten. Biographische und historische Ereignisse werden in einer Dichte miteinander verflochten, die den Text nicht nur zum modernen Entwicklungsroman einer jungen ‚deutschen’ Frau machen sondern auch zu einem Entwicklungsroman der deutschen Gesellschaft selbst. Wir müssen uns die Geschichten erzählen, die Geschichten der einzelnen Schicksale erzählen, die unsere Gesellschaft ausmacht und miteinander verbindet.
Durch die Situation des nie schlafenden Kindes beginnt sich Luisa ganz öffnen, für sich, für ihre Geschichte - im Grunde mit den Augen des Kindes - unvoreingenommen. Das tut einerseits weh, aber gerade in der Öffnung, die mit dem Erzählen eintritt, ist es doch möglich, die verschiedenen Welten ihrer Vorfahren in sich aufzunehmen und den unterschiedlichen schmerzhaften Schicksalen ihren Ort in der eigenen Biographie zu geben und sich selbst einen selbstverständlichen Platz im Ganzen. Im Erzählen schafft sie eine heilende Verbundenheit mit der Geschichte ihrer Vorfahren und kann damit in ihrer eigenen Geschichte „zerrissene Fäden zusammenzuknüpfen“ (299).
Als ein „Wunder“ (299) beschreibt die Protagonistin selbst diesen Prozess. Erstaunt erkennt sie „wie federleicht die schwersten Entscheidungen (werden), wenn man lernen kann sie anzunehmen, als das was gewesen ist. Frei von Schuld“, mit Mut das annehmen, was der klare und rationale Verstand nicht erklären kann (300). Damit traut sich Pia Ziefle einen großen Schluss zu, ohne pathetisch zu werden.
Luisa kann jetzt endlich essen, endlich den Raum einnehmen, der ihr im Leben schon lange zugedacht war ... und spätestens wenn Tante Ipek herzerwärmend doch völlig unpathetisch im gleichen Atemzug über die Seele und über Börek (sicher nach einem alten Familienrezept) spricht, wird klar, wie fein gestrickt sich der Roman präsentiert und was Seelennahrung wirklich ist. Pias Ziefles Roman gehört definitiv dazu.

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Tags: adoption, biographie, bürgerlichkeit, deutschland, familie, fremdheit, heimat, migration, seele, versöhnung, wurzeln   (11)
 

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7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

elfen, einhörner, feen, kinder, eifersucht

Das Einhorn im Elfenwald

Tanya Stewner , Nadine Jessler
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Fischer Taschenbuch, 08.03.2012
ISBN 9783596854691
Genre: Kinderbuch

Rezension:

In Tanya Stewners letztem Band der Elfentrilogie „Das Einhorn im Elfenwald“ dreht sich die Geschichte wieder um die beiden gleichen und doch ungleichen Zwillingsschwestern Florentine und Pauline und ihre Freundinnen die kernigen und lebensklugen Elfen. Die Feen des zweiten Bandes sind auf Reisen in die mondänste aller Feenstädte – nach Paris. Doch keine Angst für den unvergleichlichen Feenesprit sorgt Marie Chérie. Frau Buchmachers persönliche Fee ist als einzige im Spatzenwinkel zurückgeblieben und verleiht mit ihrem französischen Akzent und unkonventionellen Charme den ganzen Ereignissen das 'gewisse Etwas'.
Diese Ereignisse sind wie immer höchst spannend. Familie Buchmacher ist aufgeregt, denn von Florentine und Pauline soll es ein großes Fernsehinterview geben. Im Mittelpunkt stehen die beiden als junge Autorinnen mit ihren schon bald erscheinenden Büchern „Wie weckt man eine Elfe?“ und „Eine Fee ist keine Elfe“. Wer die beiden ersten Elfenbände gelesen hat, der weiß, dass die Mädchen die Bücher zur Rettung der magischen Welt geschrieben und gemalt haben. Der Tag des Interviews wird jedoch schon nach kurzer Zeit nicht nur für die Zwillinge zur Feuerprobe.
Während Herr Buchmacher seine schreibende Lieblingstochter Pauline mit gut gemeinten Tipps unter Druck setzt und ihr das Interview als wichtigen Schritt hin zu einer vielversprechenden Karriere immer wieder vor Augen hält, kämpft Florentine mit ihrer eigenen Nervosität und der elementaren Frage, was wohl das perfekte Outfit für diesen Anlass sei. Wie gut, dass es zumindest für letzteres Marie Chérie gibt. Zielsicher manövriert sie das junge Mädchen durch ihren Kleiderschrank und schreckt sogar einer knatschgrünen Tischdecke nicht zurück, die Florentines Kleiderkombination den letzten Pariser Pfiff geben (S.90).

Doch trotz perfekter Outfits und diverser Verhaltensregeln eskaliert die Situation, als die Reporterin die Gewissensfrage stellt, ob die beiden Mädchen tatsächlich Elfen und Feen glauben.

„Florentine wusste: Jetzt war der Moment der Wahrheit gekommen, um mutig zu sein. Nun musste sie die Wahrheit sagen. ‚Doch’, hauchte sie, ‚die Geschichten sind wahr.’ “ (S. 107)

Pauline verleugnet jedoch ihre Elfen und Feenfreunde, was sofort tragische Konsequenzen für die andere Welt hat. Einige Feen und Elfen erstarren. Und als wäre das nicht schon genug Chaos werden im Elfenwald Einhörner gesichtet deren weißes Fell schwarze Flecken hat.
Auch die Menschenwelt wird durcheinander gewirbelt. Florentine fühlt sich mehr denn je ihrer Zwillingsschwester und ihren Eltern entfremdet. Die Eifersucht zwischen den beiden Schwestern brandet neu auf, das Erwartungsdenken der Buchmachereltern an ihre Kinder nimmt ungeahnte Formen an und als Florentine wegen ihre unbeugbaren Treue zur anderen Welt zum Psychiater geschickt werden soll, gerät das Leben der Buchmachers endgültig aus den Fugen.
Um beide Welten wieder in eine stabile Ordnung zu bringen müssen Menschen, Elfen und Feen zusammenhalten. Die weisen Einhörner spielen dabei natürlich eine besondere Rolle, denn sie können besser als alle anderen Wesen im Herzen der Menschen lesen. So ist es nicht verwunderlich, dass ihre Existenz nicht nur für die Buchmacher Zwillinge zur Herzens-Frage wird sondern auch für deren Eltern. Mutig stellt sich die kleine Familie diesen Fragen und findet zum Schluss ehrliche Antworten.

Während sich in den beiden ersten Büchern der Trilogie die Geschichte im Außen viel stärker zu entwickeln scheint, Rituale absolviert werden um Elfen und Feen sehen zu können, Aktionen unternommen werden um deren Welten zu retten, ist diese Ereignisebene im Einhornbuch langsamer und konsequent zurück genommen. Stattdessen verlagert sich die Handlungsebene in das Innere der Hauptpersonen. Die Geschichte baut ihren Spannungsbogen aus diesem Innen auf und besonders Florentine wird hier zu einer Art Spannungsträgerin. Aber die inneren Konflikte kann sie im Außen nicht alleine lösen. Dazu braucht sie die Kraft ihrer Freunde aus dem Elfenwald, Elfen und Einhörner gleichermaßen und letztendlich die Unterstützung ihrer Familie.

Tanya Stewner nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn sie Kindern und Erwachsenen ihre Angst und Eifersucht und deren zerstörerische und trennende Kraft vor Augen hält. Aber wie immer lässt sie weder ihre Figuren noch ihre kleinen und großen Leser und Leserinnen im Stich. Mutig bietet sie Lösungen an, die allen – Figuren und Lesenden – eine Möglichkeit des Handels aufzeigt. Dabei stellt sie deutlich heraus, dass dies nicht die großen heroischen Taten im Außen sein müssen sondern das dies zunächst und vor allem emotionales Handeln ist. Es ist das Herz in dem sich die weltbewegenden Entwicklungen abspielen, und im Bekenntnis zum eigenen Gefühl – den verletzten, traurigen, fröhlichen, mutigen – entsteht erst die Möglichkeit zu einem ehrlichen und authentischen Handeln miteinander und füreinander.

Wie Tanya Stewner das macht finde ich ziemlich „einhörnig“. „Phänomenal“ einhörnig sogar und es würde mich nicht wundern, wenn nicht ab und zu ein kleines aber „richtig richtiges Einhorn“ (S. 71) bei ihr zu Besuch ist, das sich sicher prächtig mit Liliane Susewinds Lieblingspferd Merlin versteht.

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Tags: angst, ehrlichkeit, eifersucht, einhörner, elfen, familie, feen, mut, wahrheit   (9)
 

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114 Bibliotheken, 2 Leser, 2 Gruppen, 24 Rezensionen

guernsey, briefroman, england, liebe, freundschaft

Deine Juliet

Mary Ann Shaffer
Fester Einband
Erschienen bei Kindler
ISBN 9783463405247
Genre: Liebesromane

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223 Bibliotheken, 1 Leser, 4 Gruppen, 26 Rezensionen

geschwister, frankreich, hochzeit, familie, liebe

Ein geschenkter Tag

Anna Gavalda , Ina Kronenberger
Fester Einband: 144 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 08.02.2010
ISBN 9783446234895
Genre: Romane

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176 Bibliotheken, 1 Leser, 3 Gruppen, 33 Rezensionen

liebe, tod, frankreich, verlust, paris

Nathalie küsst

David Foenkinos ,
Flexibler Einband: 238 Seiten
Erschienen bei Beck, C H, 02.10.2012
ISBN 9783406621628
Genre: Liebesromane

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17 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

inseln, weltweit

Taschenatlas der abgelegenen Inseln

Judith Schalansky
Flexibler Einband: 240 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 14.07.2011
ISBN 9783596190126
Genre: Sonstiges

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94 Bibliotheken, 1 Leser, 3 Gruppen, 7 Rezensionen

indianer, liebe, familie, selbstfindung, reservat

Lakota Moon

Antje Babendererde
Fester Einband: 279 Seiten
Erschienen bei Arena, 01.03.2005
ISBN 9783401053684
Genre: Jugendbuch

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14 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 1 Rezension

iran, taubheit, teheran, juden, familie

Regen am Kaspischen Meer

Gina B. Nahai ,
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Mare Verlag, 06.03.2008
ISBN 9783866480773
Genre: Romane

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171 Bibliotheken, 1 Leser, 3 Gruppen, 48 Rezensionen

musik, liebe, london, tod, träume

Das Lied der Träumerin

Tanya Stewner
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei FISCHER FJB, 10.03.2011
ISBN 9783841421166
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Wer die Kinderbücher von Tanya Stewner kennt, weiß, dass die Titel ihrer Bücher nicht immer das halten was sie versprechen. Gerade in ihren Elfenbüchern („Wie weckt man eine Elfe“, „Eine Fee ist keine Elfe“ auch im Fischer Verlag erschienen) faltet sie eine eigenwillige Phantasiewelt auf, die mit den kitschigen Varianten akuteller Elfenwelten nicht viel zu tun hat. Auch ihr neues Buch, das im hellblauen Einband und mit dem fast harmlos klingenden Titel „Das Lied der Träumerin“ aufwartet präsentiert alles andere als eine verträumte harmlose Geschichte. Sind ihre Elfen nicht die zarten und zerbrechlichen Geschöpfe, wie sie in unseren zeitgeistigen Köpfen herum schwirren, so ist auch die Träumerin keine junge realitätsfremde, zerbrechliche junge Frau. Angelia Fortis hat einen „glühenden Kern“ (S.383), der sie lebenshungrig vorantreibt und dessen Herausforderung sie immer wieder mutig annimmt.

Nach dem Tod ihres Vaters, der ihr Mentor und Vorbild war, beschließt Angelia Fortis die Schule abzubrechen und ihren Traum, Musikerin zu werden zu verwirklichen. Gegen den Willen der Mutter macht sie sich auf den Weg nach London, „die Stadt, in der Träume wahr werden“ (S.21). Damit bricht sie in die Heimat ihres Vaters auf. Von ihm hat sie auch ihr musikalisches Credo, Musik mit dem Herzen zu hören. In dem Bewusstsein, dass Musik ihr Leben ist, betrachtet sie die ganze Welt immer aus dem Blickwinkel des Herzens und des Gefühls. Die Sprache des Herzens ist die Sprache der bekennenden Träumerin ist die Sprache der Musik ist Leben - für Angelia Ausdruck und Sein zugleich. Was sich für die Mutter nach unerträglichen Hirngespinsten anhört, wird Angelia im Laufe der Geschichte wie ein fein gewebtes leichtes und unsichtbares Kettenhemd schützen.

In London angekommen, wohnt sie mit den ungleichen Brüdern Josh und Jeremy zusammen. Zu beiden fühlt sie sich hingezogen, wenn auch auf eine sehr unterschiedliche Art. Ihr Seelenverwandter ist Josh, ein Gefühlsmensch mit „Sonnenherz“ (S.38) wie Angelia selbst. Sein Lebens-Ausdruck ist der Tanz. Mit ihm erlebt sie London von seiner prallen, lebensbejahenden und pulsierenden Seite. Sie trifft die unterschiedlichsten Menschen - die begnadete Musicalsängerin Alice, den Theologiestudenten Amon und viele andere mehr - hört ihre Geschichten, lernt ihre Weltanschauungen kennen und sieht, wie sie sich alles zu einer Großstadtharmonie zusammenzufügen scheint. Daraus schöpft sie die Inspiration für ihre Lieder .
Alles ist Rhythmus, und der kann für Angelia nicht stark genug sein, um ihn ganz in sich aufzunehmen.

„Ich drehte die Lautstärke hoch, um den Beat richtig spüren zu können, aber das reichte mir noch nicht. Kurz entschlossen nahm ich eine der armlangen Boxen aus dem Regal. Ich presste die Seite, aus der der Sound kam, fest gegen meinen Bauch. Der Beat drang nun unmittelbar auf mich ein und hämmerte mir den Sound unter die Haut. (...) Schwelgerisch summte ich die Melodie mit und ließ mich von dem Song treiben, den Bass tief in meinem Bauch.“ (S. 50)

In London spürt Angelia jeden Tag aufs Neue, Träumerin zu sein heißt lebendig sein. Eine Träumerin zu sein bedeutet, sich dem Leben und seinen Überraschungen mit Mut hinzugeben, hingeben zu können, da das Leben selbst sie trägt. Doch in London wird dieser „Glaube“ auch auf eine harte Probe gestellt. In der Auseinandersetzung mit Jeremy wird ihr bewusst, dass zum Leben immer auch der Tod gehört. Jeremy ist ganz im Gegensatz zu Angelia und Josh ein Kopfmensch. Mit seinem sarkastischen Lächeln und den rabenschwarzen Augen (S. 41) steht er schon äußerlich für ein ganz anderes Lebenskonzept. Sein Medium ist die Literatur. Die Schönheit des Lebens versucht er in Büchern zu erkunden, da er sie nicht unmittelbar mit dem Herzen in sich aufnehmen kann. An die Stelle der eigenen, innerlichen Leere treten die Gedanken der unterschiedlichsten Schriftsteller, mit deren Gedanken er Liebe, Freude und Schmerz gleichermaßen nachvollzieht. Trotz ihrer Unterschiedlichkeit fühlen sich Angelia und Jeremy magisch zu einander hingezogen. An seiner Seite lernt Angelia körperliche Liebe und Lust in ihrer tiefsten und schönsten, fast heiligen Dimension kennen. Es ist gerade diese extreme körperliche Anziehung, die Angelia neugierig macht auf Jeremys extreme Art und Weise der Weltsicht. Gemeinsam mit ihm erobert sie sich in langen Vorlesenachmittagen und anschließenden Diskussionen die Welt der Bücher und Worte. Doch wie brilliant sich Jeremy auch in dieser Welt bewegt, er findet für sich selbst keinen aktiven Ausdruck. „Als Poet ohne Liebe“ (S. 174) kann er die Welt nicht in seine eigenen Worte fassen, ist er nicht fähig einen Weg zu seinen Gefühlen zu finden. Sein aufrichtiger Versuch sich auf Angelias Sicht des Lebens und ihre Liebe einzulassen, scheitert letztlich auf tragische Weise. Jeremy bleibt der ewige Beobachter, der sich vom Leben ausgeschlossen sieht. Für ihn ergibt das Leben keinen Sinn (S. 172) und der selbst gewählte Tod die logische Konsequenz. Diesen Schritt als selbstbestimmte Variation ihrer Lebens-Philosophie zu begreifen kann Angelia nur allmählich akzeptieren. Doch Jeremys Tod lehrt sie letztlich, das Leben nur noch mehr zu lieben und zu leben.

Und London ist nicht zuletzt die Stadt ihre Vaters. In London zu leben bedeutet für Angelia auf den Spuren ihres Vaters und dessen Lebensgeschichte zu wandeln. „Zu-fällig“ lernt sie einen alten Freund ihres Vaters kennen, den sie in einer Pianobar trifft. Mittlerweile vom Leben und seiner großen Liebe der Musik enttäuscht erzählt ihr der resignierte Jazzmusiker Sullivan wie er als junger Mann mit ihrem Vater William Fortis als begeisterter Musiker durch die Nachtclubs der Stadt tingelte. Von Sullivan erfährt Angelia viel über das wilde Leben der Vaters, bevor er nach Deutschland auswanderte, um dort das brave Leben eines Ehemannes und Familienvaters zu führen. Unversehens sieht sie sich mit dem Thema, der vermeintlichen Mittelmäßigkeit, Selbstaufgabe und Verbitterung konfrontiert. Das Bild des Vaters und letztlich auch der Mutter muss Angelia neu für sich zusammen puzzeln. Sie lernt die für sie zunächst weniger spektakulären Lebenswege als Lebenswege der anderen zu schätzen, nicht ohne Tränen zu vergießen und nicht ohne sich immer wieder der Kraft der Musik ganz hinzugeben, denn sie weiß, „dass ein einziges Lied ein ganzes Leben verändern konnte - dass ein Lied Leben retten konnte“ (S. 227). Sich auf diese Kraft zu besinnen, bedeutet für sie, nie Opfer zu sein, sondern sich selbst immer als Schöpferin ihrer Lebensumstände zu wissen und zu fühlen. Die Musik gibt ihr die Möglichkeit, sich mit dem Leben zu versöhnen, sich für dessen Schönheit durchlässig zu machen um den eigenen Rhythmus immer wieder aufs Neue erspüren zu können - sich selbst fühlen zu können um das Leben zu erkennen.

„Das Lied der Träumerin“ ist eine Liebeserklärung an das Leben selbst und die verheißungsvolle Aufforderung an jeden von uns, das ganz eigene Leben zu leben.

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Tags: hingabe, leben, london, traum, vertrauen   (5)
 
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