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143 Bibliotheken, 11 Leser, 0 Gruppen, 75 Rezensionen

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Miss Gladys und ihr Astronaut

David M. Barnett , Wibke Kuhn
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 28.05.2018
ISBN 9783548289540
Genre: Romane

Rezension:

Der Astronaut Thomas Major will vom Raumschiff aus seine Ex-Frau anrufen, gerät stattdessen an die demenzkranke Gladys und schlittert mitten hinein in eine Geschichte, die seine Menschenfeindlichkeit in den Grundfesten erschüttert. Da lässt er die ganze Welt hinter sich, um alleine zu sein – und stellt zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt fest, dass Einsamkeit vielleicht doch nicht das ist, was er will.

Realistisch? Jein. Aber spielt das eine Rolle?

Dem Autor gelingt eine wunderbare Mischung aus Humor und ernsten Themen, gepaart mit schrulligen Charakteren, die dennoch etwas sehr Authentisches an sich haben. Natürlich ist es extrem unwahrscheinlich, dass ein Astronaut sich mit seinem Weltraumtelefon verwählt und zum Retter einer kleinen Familie in Not wird – aber ich wollte es glauben, weil mir die Geschichte so sehr ans Herz ging.

Ja, Handlung und Charaktere sind manchmal überzeichnet, die Geschehnisse nicht immer logisch…. Aber die Geschichte ist charmant und hat überraschend viel Tiefgang.

Und das liegt vor allem an den Charakteren.

Gladys ist mir direkt ans Herz gewachsen. Nach dem Tod ihrer Tochter kam auch noch deren Mann ins Gefängnis, so dass Gladys sich jetzt um ihre Enkel Ellie und James kümmern soll – nur dass sie sich kaum noch um sich selber kümmern kann.

Es ist witzig, wenn Gladys verkleidet und mit dem Nudelholz bewaffnet loszieht, um die Jungen, die ihren Enkel mobben, in die Schranken zu weisen. Es ist herzzerreißend, wenn sie sich in klaren Momenten dessen bewusst ist, was sie verliert, oder sich von Herzen freut, wenn irgendwelche Werbehaie anrufen, weil sie dann wenigstens jemandem zum Reden hat.

Auch wenn David M. Barnett das Thema Altersdemenz mit viel Humor anpackt, wird es dennoch nicht respektlos behandelt.
Die 15-jährige Ellie schlägt sich tapfer, aber sie ist heillos überfordert. Sie sollte in ihrem Alter noch nicht so viel Verantwortung tragen müssen, aber das Überleben ihrer Familie hängt einzig von ihr ab. Das ist manchmal schwer zu lesen, aber Gott sei Dank stellt der Autor ihr den gleichaltrigen Delil zur Seite, der vor Lebensfreude sprüht – ein großartiger Charakter.

Ellies kleinerBruder James ist hochintelligent und wissenschaftlich interessiert. Obwohl das Buch “Miss Gladys und ihr Astronaut” heißt, ist es in meinen Augen tatsächlich James, der die bedeutungsvollste Beziehung zum grummeligen Major Tom aufbaut.

Der hatte bei mir schon deswegen einen Stein im Brett, weil ihn der Tod von David Bowie traurig macht.
(Überhaupt hatte ich als großer Fan von David Bowie permanent den passenden Soundtrack zum Buch im Ohr.)

Thomas ist ein waschechter Misanthrop mit einem bitterbösen sarkastischen Humor, aber ich hatte von Anfang an das Gefühl, dass er im Grunde kein schlechter Mensch ist. Im Verlauf der Geschichte erfährt man nach und nach, warum er sich so entwickelt hat, und ich konnte ihn dadurch immer besser verstehen. Er hat einiges mitgemacht in seinem Leben.

Die Charaktere machen im Verlauf der Geschichte eine wunderbare Entwicklung durch, sie wachsen spürbar an ihren Erlebnissen.

Spannend ist die Geschichte auch, aus zweierlei Gründen. Zum einen stehen Gladys, Ellie und James immer mit einem Bein im Abgrund. Jeden Moment könnte alles zusammenbrechen und die kleine Familie auseinander gerissen werden, und der Autor treibt das gnadenlos mit fiesen Wendungen auf die Spitze.

Und zum anderen entfernt sich Major Tom immer weiter von der Erde und damit jeder Möglichkeit, sich doch noch gegen die Einsamkeit zu entscheiden. Der Gedanke erschien mir zunehmend tragisch.

Die Geschichte schrammt gegen Ende haarscharf am Kitsch entlang, aber wie es tatsächlich ausgeht, möchte ich natürlich noch nicht verraten.  Ich fand das Ende jedenfalls gelungen.

Der Schreibstil konnte mich voll überzeugen: er ist locker und unterhaltsam, kann aber auch die ernsteren Themen gut transportieren.

FAZIT

Thomas Mayor hasst die Menschen. Allesamt, ohne Ausnahme. Deswegen ergreift er nur zu gerne die Gelegenheit, die Erde zu verlassen und als Astronaut zum Mars zu fliegen. Nur mit seiner Ex-Frau möchte er noch einmal sprechen, daher nutzt er heimlich das Satellitentelefon – aber am Apparat hat er stattdessen die demenzkranke Gladys. Bevor er sich versieht, liegt das Schicksal ihrer Familie auf einmal auf seinen Schultern…

Knallharten Realismus sollte man nicht erwarten, aber die Geschichte ist charmant und bezaubernd und spricht trotz viel Humor auch ernste Themen an.  Mir hat diese Mischung sehr gut gefallen!

Diese Rezension erschien zunächst auf meinem Blog:
https://wordpress.mikkaliest.de/2018/06/24/david-m-barnett-miss-gladys-und-ihr-astronaut/

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81 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 32 Rezensionen

cold case, computer, femme fatale, japan, krimi, mord, mordserie, osaka, spannung, thriller, tropen verlag, unaufgeregt, unterschwellig spannend, verbrechen, zwielichtige geschäfte

Unter der Mitternachtssonne

Keigo Higashino , Ursula Gräfe
Fester Einband: 720 Seiten
Erschienen bei Tropen, 10.03.2018
ISBN 9783608503487
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

白夜行 erschien zwischen Januar 1997 und Januar 1999 als monatlicher Fortsetzungsroman im Magazin Subaru. Die Handlung setzte sich aus Kurzgeschichten und isolierten Einblicken in verschiedene Details des Falls zusammen, wobei das Augenmerk wechselnd auf zahlreichen Protagonisten lag.

Vor der Veröffentlichung als Kriminalroman in einem Einzelband überarbeitete Keigo Higashino die Struktur von Grund auf. Meines Erachtens hat die Geschichte jedoch immer noch etwas stark Episodenhaftes.

Man merkt 白夜行 seine Ursprünge am stärksten an, wenn es um die Charaktere geht. Ein Leser, der über zwei Jahre hinweg einen Fortsetzungsroman liest, bekommt Handlung und Protagonisten häppchenweise vorgesetzt. Er hat Zeit und Muße, diese besser kennenzulernen, deswegen sind auch über 30 (!!) für die Handlung wichtige Personen kein großes Problem.

In einem Roman, den der Leser komprimiert in wenigen Tagen liest, wird diese Anzahl jedoch plötzlich überwältigend. Dazu kommt, dass die japanischen Namen es dem westlichen Leser schwerer machen, die Charaktere zu unterscheiden. Yukiho, Yosuke, Yuishi – nach wenigen Seiten wurde mir klar, dass ich ohne Notizen schnell den Überblick verlieren würde. Ich erstellte mir beim Lesen daher eine Namensliste, die mir immens dabei half, der Geschichte zu folgen. 

[ Interessierte Leser können die Namensliste auf meinem Blog "Mikka liest von A bis Z" finden. ]

Hinweis: Inzwischen habe ich erfahren, dass dem Printbuch (ich habe das eBook gelesen) ein Lesezeichen mit den 19 wichtigsten Charakteren beiliegen soll.

Der Klappentext klingt so, als sei Kommissar Sasagaki der zentrale Protagonist, tatsächlich tritt er für einen Großteil des Buches kaum in Aktion. Er ist eher die graue Eminenz im Hintergrund, während die Handlung von Charakter zu Charakter springt.

Deren Beziehungen verweben sich im Verlaufe des Buches zu einem zunehmend komplizierten Netz. Diejenigen, die hinter den Kulissen die Fäden ziehen, sind Meister der Manipulation – jedes Lächeln, jeder Akt scheinbarer Freundlichkeit kann eine Waffe sein. Auch wenn die Ermittlungen im Mordfall über viele Kapitel keinerlei Fortschritte machen, entwickelt die Geschichte eine hohe psychologische Spannung.

Interessant fand ich dabei besonders die Einblicke in Lebensgefühl, Werte und Umgangsformen im Japan der 80er und 90er Jahre. Vieles bleibt in leise lächelnder Höflichkeit ungesagt, dennoch gibt es geheime Liebschaften, Intrigen und Kriminalität – manche Nebenhandlung wirkt fast wie eine Seifenoper.

Vor allem ist “Unter der Mitternachtssonne” jedoch ein brillant konstruierter Thriller, der sich hauptsächlich um das dreht, was hinter den schönen Fassaden vor sich geht.

Die Handlung ist komplex und gibt ihre Geheimnisse nicht leicht preis. Der Mord an Yosuke Kirihara ist das Leitmotiv dieser Geschichte, die sich über zwei Jahrzehnte erstreckt, aber viele Handlungsstränge sind erst auf den zweiten oder dritten Blick damit verbunden. Erst kurz vor dem überraschenden Finale fällt das letzte Puzzleteil an seinen Platz: das Motiv.

Auch wenn das Lesen etwas mühsam ist, in meinen Augen lohnt sich die Mühe.

Der Schreibstil bleibt selbst in dramatischen Situationen meist ruhig und klar, hier liegt viel zwischen den Zeilen. Besonders die Charaktere werden mit leichter Hand gezeichnet; nach meinem Empfinden muss man als Leser die Lücken ergänzen und sich aus dem Zusammenhang ein genaueres Bild der Charaktere erschließen. Das gelingt dem Autor jedoch sehr gut, mir werden einige davon wohl noch länger in Erinnerung bleiben.

FAZIT

Japan im Jahr 1973: Ein Pfandleiher wird ermordet, dessen Mörder bleibt unerkannt – Kommissar Sasagaki gibt den Fall in den nächsten 20 Jahren jedoch niemals auf. Während Sasagaki zunächst in den Hintergrund tritt, folgt die Handlung den Menschen im Umfeld des Opfers, bis sich aus dem Geflecht ihrer Beziehungen ein Muster entwickelt.

Aufgrund der zahlreichen Charaktere und deren japanischen Namen ist der Thriller nicht immer leicht zu lesen, aber er belohnt den Leser mit einer psychologisch dichten, komplexen Geschichte.

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178 Bibliotheken, 22 Leser, 1 Gruppe, 100 Rezensionen

debüt, dublin, irland, krimi, mord, mörder, narben, olivia kiernan, opfer, paperback, polizeiarbeit, preußischblau, protagonist: weiblich, suizid, thriller

Zu nah

Olivia Kiernan , Klaus Timmermann , Ulrike Wasel , Carla Felgentreff
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 03.04.2018
ISBN 9783959671835
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Olivia Kiernan legt mit “Zu nah” ein beeindruckendes Debüt vor: intelligent und komplex geschrieben, mit großartigen Wendungen, die alles verändern. Sogar die Grenzen zwischen Täter und Opfer verschwimmen zunehmend, so dass sich zur Jagd nach dem Mörder die dringliche Frage nach Schuld und persönlicher Verantwortung gesellt.  
Wer zieht hinter den Kulissen wirklich die Fäden?

Die Handlung ist vielschichtig. Der Maler Chagall spielt ebenso eine Rolle wie BDSM, Gift, das Darknet, Snuff¹… Dazu kommt ein alter Fall, bei dem Ermittlerin Frankie Sheehan fast getötet worden wäre. Schon bald vermutet sie, das es zwischen diesem und dem aktuellen Fall einen Zusammenhang gibt.

Das Tempo ist von Anfang an rasant, der Spannungsbogen hoch, doch die Autorin schraubt ihn immer weiter hoch.

Ein zweites Opfer wird gefunden und die Presse ist entzückt: nur noch einen Mord entfernt vom Serienmörder! Dieses zweite Opfer führt Frankie zurück in die Heimat, zu Menschen, die sie schon seit ihrer Kindheit kennt. Es widerstrebt ihr, ihnen zu misstrauen und sie als mögliche Täter anzusehen, aber die Beweise zwingen sie, es zumindest in Betracht zu ziehen.

Zum fulminanten Finale bleiben Frankie schließlich nur noch 24 Stunden. 24 Stunden, um den Schuldigen zu stellen und den Opfern Gerechtigkeit zu verschaffen.

Die Autorin verwebt die einzelnen Hinweise und Handlungsstränge geschickt, bis hin zu einer schlüssigen Auflösung.

Im Laufe des Buches begegnet der Leser vielen Menschen, wovon einige einen Grund haben, der Polizei gegenüber nicht aufrichtig zu sein. Hier gibt es kein Schwarz oder Weiß; die Grenzen zwischen Schuld und Unschuld sind fließend. Die Charaktere werden vielschichtig beschrieben und verfallen meines Erachtens nie in Klischees.

Der erste Opfer, Eleanor Costello, ist dafür das beste Beispiel. Auf den ersten Blick ist sie die perfekte Ehefrau, mit einer tadellosen Karriere und einem blütenweißen Leumund. Je mehr Frankie jedoch an dieser schönen Fassade kratzt, desto mehr Risse zeigen sich.

Frankie selber ist ein authentischer Charakter mit Ecken und Kanten.
Sie ist hochintelligent, ihr intuitives Gespür kommt ihr bei den Ermittlungen oft zugute. Sie sieht über das Offensichtliche hinaus, denkt auch mal um die Ecke. Anderen Menschen gegenüber kann sie jedoch sehr schroff sein, sogar ihrem eigenen Team gegenüber. Als sie zum Beispiel nach ihren schweren Verletzungen im letzten Fall zur Arbeit zurückkehrt und feststellt, dass ihr Team Kuchen gebacken und Partyhütchen mitgebracht hat, ist sie keineswegs gerührt:

Zitat:
»Inspector, sie sollten mich allmählich besser kennen. Ich dulde keine Mitleidspartys für meine Mitarbeiter und erst recht nicht für mich selbst. Habe ich mich klar ausgedrückt?«

Die Sprache ist klar und direkt, aber dennoch ausdrucksstark und voller Atmosphäre. Der Tonfall gibt dem Leser ein sehr gutes Gespür für Frankies Persönlichkeit.

Zitat:
‘Eine Wolke Zigarettenqualm schwebt kurz vor mir, zieht dann hinaus in die tobende Nacht. Der Wind hebt mir die Haare aus der Stirn, jagt mir eine Gänsehaut über den Rücken. Ich verschränke die Arme. Mein Spiegelbild schneidet im Fenster vor mir Grimassen, und der Innenraum meiner Wohnung ragt hinaus in die Dunkelheit.’

¹ Snuff: Filme von echten Morden

FAZIT
Die renommierte Wissenschaftlerin Eleanor Costello wird erhängt aufgefunden, scheinbar ein klarer Suizid. Ermittlerin Frankie Sheehan fällt jedoch ein scheinbar unbedeutendes Detail auf, das ihr sagt: Eleanor war nicht alleine, als sie starb. Die Ermittlungen führen ins Darknet, aber auch so gegensätzliche Dinge wie häuslische Gewalt und die Farbe Preußischblau spielen eine Rolle in diesem vielschichtigen Fall.

“Zu nah” ist ein gelungenes Debüt. Die Spannung baut sich schnell auf, die Autorin verwebt die verschiedenen Handlungsstränge und Ermittlungsansätze gekonnt. Die Geschichte ist originell und unverbraucht, und Frankie kann als Protagonistin mit starker Persönlichkeit punkten.

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410 Bibliotheken, 4 Leser, 7 Gruppen, 39 Rezensionen

blinde vögel, facebook, gedichte, internet, krimi, lyrik, mord, österreich, poznanski, rache, reihe, salzburg, spannung, thriller, ursula poznanski

Blinde Vögel

Ursula Poznanski , , ,
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 30.01.2015
ISBN 9783499259807
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Was haben Mord, Gedichte und Facebook gemeinsam?

Normalerweise nicht viel, aber Ursula Poznanski verbindet genau diese drei Elemente zu einem originellen Thriller. Spielte “Fünf”, der erste Band der Reihe, noch im Geocaching¹-Milieu, ermitteln Beatrice Kaspary und Florin Wenninger dieses Mal im Umfeld einer Lyrik-Gruppe auf Facebook.

Lyrik? Was könnte harmloser sein als eine Gruppe von Menschen, die sich zusammentun, um über Gedichte zu sprechen?

Tatsächlich begegnet Beatrice (unvermeidlich) auch harmoniebedürftigen Menschen, die Kätzchenbilder posten, aber der Tonfall in der Gruppe wird zunehmend beunruhigender. Viele der geposteten Gedichte und Bilder haben düstere Schwingungen, und die Ermittler (und Leser) beginnen zu hinterfragen, ob sie verschlüsselte Botschaften enthalten.

Mit gefällt an den Büchern von Ursula Poznanski sehr gut, dass sie ihre Geschichten oft in Subkulturen ansiedelt. Geocaching in “Fünf”, Facebookgruppen in “Blinde Vögel”, und ihr Buch “Saeculum” (eines ihrer Jugendbücher) spielt im Live-Rollenspieler-Milieu. Damit gibt sie ihren Büchern etwas Unverwechselbares und Unverbrauchtes, und mir erscheinen sie gut recherchiert.

Der Leser tappt in diesem Band lange komplett im Dunklen. Das Augenmerk liegt immer wieder auf der Facebookgruppe und dem Dialog der Mitglieder, was die Geschichte etwas ausbremst. Die Spannung bleibt zunächst unterschwellig, das Tempo langsam – es dauert ewig, bis man halbwegs versteht, was dahintersteckt.

Dennoch unterhielt mich das Buch auf den ersten ~500 Seiten wunderbar. Ich musste ein paar Mal schmunzeln, weil die Autorin so authentisch darstellt, wie Menschen im Internet miteinander umgehen. Ganz nebenher lernt man außergewöhnliche Gedichte kennen, was mir viel Spaß gemacht hat. Und allmählich schraubt sich die Spannung doch noch hoch, denn Mitgliedschaft in dieser Lyrikgruppe scheint ungesund zu sein…

Ich rätselte fleißig mit, was hinter den Gedichten stecken könnte, aber die Auflösung habe ich nicht kommen sehen.

Mein größter Kritikpunkt ist, dass der Leser keine Chance hat, die große Wendung am Schluss vorauszuahnen.

Natürlich gibt es vorher schon die ein oder unerwartete Wendung oder falsche Fährte, die ich gut geschrieben fand. Aber die Puzzleteile, die man bräuchte, um das tatsächliche Tatmotiv zusammenzusetzen, bekommt man nicht nach und nach im Laufe des Buches. Mir kam es vor, als würde die Autorin mir kurz vor Schluss das ganze Puzzle in einem Schwung vor die Füße kippen.

Sogar die Ermittler kommen erst spät im Buch auf die richtige Idee. Das ‘Wie’ erschien mir dabei nicht 100%ig glaubhaft: die Verbindung, die alles erklärt, ist für Uneingeweihte weit hergeholt, aber Beatrice erkennt diese Verbindung trotz spärlicher Informationen.

Das Ende ist originell und in sich schlüssig, keine Frage. Für meinen Geschmack überrumpelt es den Leser nur zu plötzlich.

Trotz des für mich enttäuschenden Endes hat mir das Buch insgesamt gut gefallen.

Der Schreibstil konnte mich vollends überzeugen. Er ist nicht nur flüssig und zieht den Leser direkt in die Geschichte, sondern er ist ausdrucksstark und geschickt aufgebaut: Die Beiträge aus dem Facebook-Chat fließen ungefiltert und ohne Ausschmückung in das Buch ein, dennoch bekommt  der Leser ein gutes Gespür für die wichtigsten Teilnehmer der Gruppe.

Ursula Poznanski gelingt es, in wenigen Worten ein lebendiges Bild eines Charakters zu zeichnen, den man nur aus seinen/ihren Chat-Einträgen kennt. Auch die Hauptcharaktere sind wieder gut geschrieben, obwohl Florin dieses Mal eher im Hintergrund bleibt.

Selbst der Täter kommt zwischendurch zu Wort, was ich sehr spannend fand!

FAZIT
Zwei Tote. Sie erdrosslt, er erschossen. Verbunden hat sie nur eines: sie waren beide Mitglied in der gleichen Lyrikgruppe auf Facebook.

Beatrice Kaspary erstellt sich ein Profil und meldet sich in der Gruppe an, die zunächst vollkommen harmlos erscheint. Aber bald schwant ihr, dass mehr hinter den geposteten Gedichten und Bildern stecken könnte.

Mir gefiel gut, dass Facebook bei diesem Fall so eine zentrale Rolle spielt! Das ist eine Welt, in der ich mich selber jeden Tag rumtreibe, und die ohne Zweifel ihre Abgründe hat. Der Thriller ist eher langsam und ruhig, aber ich fand ihn dennoch unterhaltsam. Nur das Ende kommt meines Erachtens zu sehr aus dem Nirgendwo, da hätte ich mir gewünscht, der Leser hätte vorher mehr Hinweise bekommen.

¹ Geocaching: eine Art weltweiter Schnitzeljagd, bei der mittels GPS und/oder Hinweisen versteckte Logbücher und Gegenstände gesucht werden.

Diese Rezension erschien zunächst auf meinem Buchblog:
https://wordpress.mikkaliest.de/2018/06/11/rezension-ursula-poznanski-blinde-voegel/

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4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Hörbestseller / Gefrorener Schrei

Tana French , Ulrike Wasel , Klaus Timmermann , Nina Petri
Audio CD
Erschienen bei Argon, 22.02.2018
ISBN 9783839893791
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Dieser Krimi ist weder actionlastig noch blutrünstig, und einen Serienkiller hat er ebenfalls nicht im Angebot. Dessen ungeachtet entwickelt er seine ganz eigene Art von psychologisch tiefgründiger Spannung.

Tana French lässt der Geschichte mit 656 Seiten viel Raum und ihren Charakteren damit ausreichend Zeit, sich zu entwickeln. Sie geht bis ins feine Detail, zum Beispiel wenn es um Verhörtechniken geht. Und sie scheut nicht davor zurück, falsche Fährten oder fruchtlose Verhöre gnadenlos bis zum bitteren Ende durchzuexerzieren.

Mich stört das nicht – schließlich läuft in der Realität bei einer Mordermittlung auch nicht alles wie am Schnürchen!

Dadurch gibt es jedoch Passagen, in denen die Geschichte nur langsam vorankommt. Einzelne Mitglieder unseres Krimilesekreises kritisierten, das Buch sei im Mittelteil zu langatmig.

Vielleicht spielt eine Rolle, dass ich das Buch nicht gelesen, sondern als Hörbuch verschlungen habe, aber ich langweilte mich nie. In den langsamen Passagen lag die Spannung für mich in der Charakterentwicklung und im glasklaren Porträt der zwischenmenschlichen Probleme innerhalb der Mordkommission. Auch die Einblicke in den Ermittlungsalltag fand ich hochinteressant und spannend.

Das Zwischenmenschliche ist in meinen Augen die größte Stärke des Romans. Tana French vermeidet die üblichen Krimi-Klischees und zeichnet ihre Charaktere bestechend lebensecht und authentisch.

Antoinette Conway ist die einzige Frau im Morddezernat und ihre Haut ist nicht blütenweiß. Deswegen fühlt sie sich von ihren Kollegen nicht nur ausgeschlossen, sondern aktiv gemobbt, und dieses Gefühl geht bis zur Paranoia: Jeder ist gegen sie, jeder will ihr Böses. Daher beißt sie um sich, kontert mit ätzendem Spott und aggressiv-toughen Sprüchen.

Sie ist ein schwieriger Charakter, keine Frage, und ihre ständig negative Einstellung kann einem als Leser durchaus auf die Nerven gehen. Aber interessant ist sie auf jeden Fall.

Stephen Moran ist der perfekte Gegenpol zu Antoinettes ruheloser Paranoia: er nimmt ihr mit Humor den Wind aus den Segeln und stärkt ihr gleichzeitig den Rücken. Die beiden geben ein eingespieltes Team ab – nicht nur im Verhör, sondern auch, wenn es darum geht, sich gegen Detective Breslin zu behaupten.

Der wurde den beiden jungen, unerfahrenen Ermittlern als Babysitter aufs Auge gedrückt. Er hat in der Mordkommission beinahe Star-Charakter, und das weiß er auch – er ist ein eitler, selbstgerechter Pfau mit windigem Charme. Antoinette und Stephen halten ihn im Zaum, indem sie sich treudoof stellen, ihm zustimmen und hinter seinem Rücken doch ihr eigenes Ding durchziehen.

An dieser Stelle muss ich ein Loblied singen auf Nina Petri.

Ihr gelingt es als Sprecherin fantastisch, jedem Charakter seine ganz eigene Stimme zu geben. Das bringt zusätzlich Leben in die ohnehin großartigen Dialoge – da ist Stephen gleich doppelt so treuherzig und Breslin doppelt so schleimig.

Manchmal verrennen sich Antoinette und Stephan in abstruse Ermittlungsansätze, aber es gibt einige interessante und plausible Wendungen. Mehr und mehr schwant den beiden Ermittlern, dass ihnen jemand aus den eigenen Reihen bei der Ermittlung Steine in den Weg legt. Antoinettes Paranoia schaltet in den Turbogang…

Der Schreibstil ist unverwechselbar – clever, prägnant, mit viel Gespür für Atmosphäre.

Tana French schreibt brillante Dialoge, die Verhöre sind ausgefeilt und voller psychologischer Nuancen. Sie hat ein feines Gespür für ihre Charaktere und deren soziales Umfeld, und das merkt man.

FAZIT

Eine junge Frau wird erschlagen in ihrer Wohnung aufgefunden. Der Tisch ist für ein romantisches Candlelight-Dinner gedeckt, eine Beziehungstat liegt nahe. Deswegen wird der Fall den unerfahrenen Ermittlern Antoinette Conway und Stephan Moran überlassen, doch die ahnen schnell, dass mehr hinter der Sache steckt. Allerdings stoßen sie in ihren Ermittlungen bald auf Widerstand innerhalb der Mordkommission…

Das Buch hat mit 656 Seiten einen stolzen Umfang, dabei verläuft die Handlung oft langsam, mit Augenmerk auf den Details der Ermittlung. Dennoch hat es mich mit feinsinniger psychologischer Spannung bestens unterhalten, und auch die Charaktere fand ich sehr gut gelungen. Dazu kommt noch ein rundum gelungener Schreibstil – und beim Hörbuch Nina Petri als exzellente Sprecherin.

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48 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

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Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki

Haruki Murakami , Ursula Gräfe
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei btb, 14.08.2017
ISBN 9783442715152
Genre: Romane

Rezension:

Haruki Murakami erzählt die leise Geschichte eines Mannes, der sich selber in nur einer Hinsicht für außergewöhnlich hält: außergewöhnlich belanglos.

Tazaki Tsukuro hat vier enge Freunde, die ihm alles bedeuteten. Alle tragen eine Farbe im Namen: Akamatsu (Rotkiefer), Oumi (blaues Meer), Kurono (schwarzes Feld) und Shirane (weiße Wurzel). Nur sein eigener Name ist so farblos, wie er sich auch als Mensch empfindet.

Zitat:
“Weil ich nichts bin. Ich habe keine Persönlichkeit, ich bin farblos. (…) Ich komme mir vor wie ein leeres Gefäß. Vielleicht habe ich eine gewisse Form, aber von Inhalt kann keine Rede sein.”

Als die Freunde ihn von einem Tag auf den anderen brutal verstoßen, ist Tsukuro zutiefst verwundet. Monatelang taumelt er am Rande des Abgrunds, sehnt den Sturz fast herbei. Der Tod wäre ihm willkommen, doch trotz dieses Leidensdrucks wagt er nicht, auf einer Erklärung zu bestehen.

Erst sechzehn Jahre später zieht er los, diese alte Wunde zu schließen.

Dass es fünf Freunde sind und Tsukuru sich für leer hält, ist sicher kein Zufall – zu deutlich erinnert es an die Fünf-Elemente-Lehre in Japan. Neben Erde, Wasser, Feuer und Luft gibt es dort als fünftes Element die Leere.

Daraus ergibt sich eine interessante Symbolik, die sich durch das gesamte Buch zieht, ohne dass es erzwungen wirkt. Tsukurus Freunde, allesamt unverwechselbare Persönlichkeiten, brauchen ihn – ihn, den Farblosen! –, damit ihre perfekte Harmonie funktionieren kann.

Nach dieser Harmonie verzehrt sich Tsukuru seit dem Bruch, in keiner anderen Beziehung kann er sie finden. Erst spät kommt er zur Erkenntnis:

Zitat:
“Er begriff endlich in den Tiefen seiner Seele, dass es nicht nur die Harmonie war, die die Herzen der Menschen verband. Viel tiefer war die Verbindung von Wunde zu Wunde. Von Schmerz zu Schmerz. Von Schwäche zu Schwäche. Es gab keine Stille ohne den Schrei des Leides, keine Vergebung, ohne dass Blut floss, und keine Überwindung ohne schmerzhaften Verlust.”

Als Figur macht es Tsukuro dem Leser erst nicht leicht.

Über lange Passagen lässt er sich antriebslos treiben, Beziehungen zu anderen Menschen knüpft er eher zufällig. Wenn diese scheitern, nimmt er es hin und sieht es als weiteren Beweis seiner eigenen Bedeutungslosigkeit. Es ist schwer, sich mit ihm zu identifizieren, denn seine Persönlichkeit scheint an seinen Erlebnissen nicht zu wachsen.

Was das Buch vorantreibt, ist in den ersten Kapiteln allein das ungelöste Rätsel, aus welchem Grund die Freunde ihn damals verstießen.

Doch dann verliebt er sich in eine Frau namens Sara Kimoto, erzählt ihr die alte Geschichte, und sie überzeugt ihn, dass er die Freunde zur Rede stellen muss. Nur so könne die Verwundung heilen und er wäre offen für eine tiefere Beziehung.

Sara selbst bleibt ein eher blasser Charakter. Sie ist bezaubernd, intelligent und einfühlsam, aber wenig mehr als der Stein des Anstoßes für Tsukuro. Der kommt endlich in Bewegung, nimmt sein Leben in die Hand und reist das erste Mal in seinem Leben ins Ausland.

Ab hier entwickelt sich ein ganz anderer Spannungsbogen.

Der Grund für den Bruch, den Tuskuro endlich erfährt, ist schockierend. Aber obwohl der Grund Stoff für einen Thriller bieten könnte, liegt das Augenmerk auf Tsukuros persönlicher Entwicklung. Es bleibt eine leise Geschichte, die eine umso größere Sogkraft entwickelt, je mehr ihr Protagonist seine Apathie abschüttelt.

Manchmal verschwimmen die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Fantasie, und das macht der Autor meisterhaft. Träume spielen immer wieder eine große Rolle – dabei ist unklar, ob sie Spiegel oder Verzerrung der Realität sind, Erinnerung oder Vorahnung.

So zweifelt Tsukuru, ob er nicht doch die Untat begangen hat, wegen der seine Freunde ihn damals verstießen.

Haruki Murakami beschreibt die Pilgerreise seines farblosen Helden in einer Sprache, die wundervoll poetische Momente hat.

Dennoch sind seine Sätze ruhig und kristallklar, vieles vermittelt er über leise Andeutungen und symbolische Bilder. Die Dialoge sind für westliche Ohren ungewohnt verhalten und höflich, das Ungesagte schwingt jedoch immer mit.

FAZIT

Manche Rezensionen sprechen davon, dies sei ein ‘typischer Murakami’, andere behaupten das genaue Gegenteil. Für mich war das Buch der längst überfällige Einstieg in das literarische Werk von Haruki Murakami, so dass ich unbefangen an Herrn Tazaki herantrat.

Bereut habe ich es auf keinen Fall – typisch oder nicht, ich bin nun fest entschlossen, mich auch an die anderen Bücher des Autors heranzuwagen.

Diese Rezension wurde zuerst auf meinem Buchblog veröffentlicht:
https://wordpress.mikkaliest.de/2018/06/04/rezension-haruki-murakami-die-pilgerjahre-des-farblosen-herrn-tazaki/

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18 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

abhauen, ehe, paare, verschwinden

Fischer Taschenbibliothek / Weit über das Land

Peter Stamm
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 25.04.2018
ISBN 9783596521746
Genre: Romane

Rezension:

Thomas ist mit seiner Familie gerade aus einem harmonischen Urlaub zurückgekehrt. Alles ist gut: mit seiner Frau Astrid sitzt er im Garten und trinkt ein Glas Wein. Aber als sie ins Haus geht, um nach den Kindern zu sehen, erscheint ihm der Garten mit einem Mal als Verlies. Thomas steht auf und geht. Ungeplant, Schritt für Schritt, immer geradeaus. Und er wird für eine lange Zeit nicht anhalten.

Mit Thomas präsentiert uns Peter Stamm einen Protagonisten, der schwer zu fassen ist.

Auf seiner Flucht lässt Thomas seinen Gedanken freien Lauf, dennoch bleiben seine Motive größtenteils unerklärt und unreflektiert. Er kümmert sich nur um die grundlegendsten Bedürfnisse: Essen, Kleidung, Sicherheit. Das schafft Raum für ein Leben im Augenblick – den er annimmt, jedoch selten hinterfragt. Peter Stamm lässt diese Lücke ganz bewusst stehen.

Thomas beobachtet. Sehr genau. Aber er interagiert kaum mit der Welt um sich herum.

In diesem ersten Moment im Garten erahnt man, wie eingesperrt er sich fühlt in seinem durchschnittlichen Leben. Im Laufe des Buches verdichtet sich der Eindruck, dass er dieses als klaustrophisch eng empfand und gleichzeitig als vollkommen sinnentleert.

Astrid versucht zunächst, das Verschwinden ihres Mannes nach außen zu leugnen, dann auch innerhalb der Familie durch Erklärungen bekömmlich zu machen. Jeder habe doch mal den Wunsch, vor allem zu fliehen. Jeder brauche gelegentlich eine Auszeit. Sie sucht nach Motiven, die seine Flucht erklären und eine Rückkehr zugleich nicht undenkbar machen.

Die Lücke, die Thomas hinterlässt, ist gleichzeitig erstaunlich klein und allumfassend. So stellt Astrid fest, dass es im Familienalbum so gut wie keine Bilder von Thomas gibt. Immer nur Astrid und die Kinder, die Kinder und Astrid. Dennoch kann Astrid sich nicht lösen von Thomas. Umgekehrt fühlt auch er sich trotz (oder gerade wegen) der räumlichen Distanz, die sich stetig vergrößert, verbunden mit seiner Familie.

Der Autor beginnt das Buch mit einem Zitat von Markus Werner: ‘Wenn wir uns trennen, bleiben wir uns’.

Die Geschichte wird abwechselnd aus Astrids und Thomas’ Sicht erzählt, dabei geht die eine Perspektive oft fließend in die andere über. Manchmal ist für den Leser kaum ersichtlich, was wirklich passiert und was nur Fantasien und Tagträumen entspringt.

Mehr als einmal fragte ich mich, ob es überhaupt zwei Perspektiven gibt – oder nur Thomas’ Sicht und seine Vorstellungen, wie das Leben seiner Familie ohne ihn weitergeht.

Die Geschichte folgt keinem deutlich erkennbaren Spannungsbogen. Über lange Strecken passiert wenig, was die Handlung voranbringt. Die Handlung zieht sich, Thomas läuft weit über das Land, und Astrid scheint gefangen in einem Leben, das mit seinem Verschwinden zum Stillstand kam. Für mich lag die Sogwirkung des Romans im Gedankenspiel:

Was ist und was hätte sein können, überlappt sich, bis es jäh zum Bruch kommt: auf einmal erscheint eine der Perspektiven logisch nicht mehr erklärbar. Dem Leser obliegt die Entscheidung, welche Realität er annehmen will – wenn überhaupt eine davon.

Es ist definitiv ein Buch, aus das man sich einlassen muss. Selbst dann ist es ein Buch, das seine Schwächen hat.
Abgesehen von der gelegentlichen ermüdenden Passage, in der Thomas’ Leben scheinbar auf Endlosschleife läuft, hat mich vor allem das Ende enttäuscht. Auch wenn ich die Möglichkeit in Betracht ziehe, dass es sich dabei nur um eine Fantasievorstellung handelt, wird hier in meinen Augen eine allzu saubere Lösung erzwungen.

In der Beschreibung der Landschaft, durch die Thomas wandert, liegt in meinen Augen indes eine große Stärke des Romans.  So schön sie ist, so bedrohlich und lebensfeindlich wirkt sie auch – muss sie wirken, damit der Protagonist seine persönliche Heldenreise antreten kann.

Man spürt die Urgewalt der Natur, ohne dass die Sprache laut wird. Auch sonst bleibt sie einfach und klar, sogar nüchtern.

Peter Stamm erzählt ohne Dramatik vom leisen Scheitern eines Lebens und der Flucht vor der entstandenen Leere.

Diese Rezension wurde ursprünglich auf meinem Blog veröffentlicht:
https://wordpress.mikkaliest.de/2018/06/01/rezension-peter-stamm-weit-ueber-das-land/

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16 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

ashford, hollywood, indien, liebe

Das Flüstern des Mondfalters

Lindsay Jayne Ashford , Peter Groth
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Tinte & Feder, 01.05.2018
ISBN 9782919800193
Genre: Historische Romane

Rezension:

“Das Flüstern des Mondfalters” erzählt vom glamourösen Leben der anglo-indischen Schauspielerin Merle Oberon – allerdings verrät die Autorin im Nachwort, dass einiges, was im Buch passiert, frei erfunden ist.

Den Schreibstil fand ich wunderbar, die Einblicke in die Zeit hochinteressant, aber die Protagonistin wurde mir zunehmend fremd und konnte mich immer weniger berühren. Auch das Ende enttäuschte mich, da die Autorin her bei einer sehr wichtigen Sache in Merle Oberons Leben deutlich von der Realität abweicht.

Meine ausführliche Rezension findest du auf meinem Blog:
https://wordpress.mikkaliest.de/2018/05/29/rezension-lindsay-jayne-ashford-das-fluestern-des-mondfalters/

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13 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

band 1

Die Totenflüsterin

Emily Littlejohn , Kathrin Bielfeldt
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 16.02.2018
ISBN 9783746633640
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die junge Polizistin Gemma Monroe ermittelt in einem Mordfall, der nicht nur deswegen ungewöhnlich ist, weil Morde in ihrer kleinen Stadt nicht oft begangen werden.

Der Clown eines herumreisenden Zirkus’ wird mit durchgeschnittener Kehle gefunden. Als die Fingerabdrücke des jungen Mannes routinemäßig überprüft werden, stellt sich Erstaunliches heraus: Erstens ist er für die Polizei von Cedar Valley beileibe kein Unbekannter.

Zweitens ist er vor drei Jahren schon einmal gestorben.

Außerdem kristallisieren sich schon bald Verknüpfungen zu einem weiteren alten Fall heraus, den Gemma niemals klären, aber auch niemals loslassen konnte.

Vor Jahren entdeckte sie auf einem privaten Skiausflug abseits der vielbefahrenen Strecken den Schädel eines Kindes, wonach die vollständigen Skelette zweier Kinder geborgen werden konnten, die bereits vor 30 Jahren verschwunden waren. Der erhoffte Durchbruch in diesem Cold Case blieb indes aus.

Seitdem hört Gemma die Kinder in ihren Träumen flüstern…

Die Spannung glimmt über lange Passagen intensiv, aber eher unterschwellig, womit ich jedoch keineswegs sagen will, dass das Buch langweilig wäre – ganz im Gegenteil! Mir gefiel sehr gut, dass die Spannung eben nicht auf wilder Action und literweise Blut beruht, sondern auf einem komplizierten Netz von persönlichen Verstrickungen und vielfältigen Ermittlungen. Nichts ist, wie es zunächst scheint.

Auch wenn die Handlung verhältnismäßig ruhig verläuft, passen Takt und Tempo doch perfekt zu Atmosphäre und Aufbau des Buches.

Ich war beeindruckt davon, wie gekonnt die Autorin in ihrem Debüt (!!) die komplexen Strukturen der vielschichtigen Handlung handhabt.

Weder verläuft die Ermittlung meines Erachtens übermäßig verworren, noch ist die Auflösung zu schnell vorhersehbar. Tatsächlich habe ich den/die Schuldige(n) (ich will da noch nichts verraten) erst sehr spät in Betracht gezogen, aber es ergibt absolut Sinn, so wie es ist.

Allenfalls geht es am Schluss vielleicht ein wenig zu schnell, ich hätte über manche Entwicklungen gerne noch etwas mehr erfahren! Aber das ist in meinen Augen eine verzeihliche Schwäche – für mich war “Die Totenflüsterin” ein großartiger Erstling, und ich werde weitere Bände auf jeden Fall lesen.

Ein Highlight war für mich der Schreibstil, der mit wunderbarer Sprachmelodie Atmosphäre aufbaut und die Handlungsorte lebendig beschreibt.

Aber auch die Charaktere haben mir sehr gut gefallen: sie sind sehr glaubhaft und authentisch, abseits der üblichen Krimi-Klischees – auch wenn ich am Anfang ein solches Klischee befürchtete! Denn Gemma wird schon bald gezwungen, mit ihrem Kollegen Finn zu arbeiten, den sie nicht ausstehen kann, aber das verläuft nicht so, wie man vielleicht erwarten würde.

Gemma selber ist eine interessante Protagonistin, mit einer ganz eigenen, prägnanten Stimme: Hochschwanger, hochintelligent, mit psychischen Problemen und einem Partner, dem sie nicht mehr vertraut, aber auch einem guten Sinn für Humor.

Ich hatte schnell das Gefühl einer ‘Verbindung’ zu ihr, so dass die Handlung für mich mehr emotionale Wucht bekam.

Ihren Kollegen Finn konnte ich am Anfang nicht ausstehen. Er kam mir sehr überheblich und von sich selbt überzeugt vor, außerdem hat er schnell mal einen frauenfeindlichen Spruch auf den Lippen… Aber sogar Finn entwickelt im Verlauf des Buches mehr Tiefgang, als ich ihm zugetraut hätte.

FAZIT

Ein ‘Cold Case’ und ein brandaktueller Fall: Ein junger Clown stirbt – zum zweiten Mal! –, und es scheint Verbindungen zu einem zweifachen Kindermord vor 30 Jahren zu geben. Leider ist von dieser Verbindung außer der jungen Polizistin Gemma Monroe niemand so recht überzeugt…

“Die Totenflüsterin” ist ein beeindruckender Debütroman: ein clever konstruierter, vielschichtiger Krimi mit einer sehr interessanten Protagonistin und viel Atmosphäre.

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24 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

binder, familiengeheimnis, irland, nordirlankonflikt

Die Frauen von Ballycastle

Sandra Binder
E-Buch Text: 251 Seiten
Erschienen bei beHEARTBEAT by Bastei Entertainment, 01.03.2018
ISBN 9783732538072
Genre: Sonstiges

Rezension:

Dieser Roman ist nicht nur was fürs Herz, sondern einfach maßgeschneidert für Vielleserinnen

Fina Ramsay ist eine Heldin, mit der man als Bücherwurm nur mitfiebern kann.

Bücher sind ihr ein und alles, die eigene Buchhandlung war seit jeher ihr Lebenstraum. Man kann ihren Zorn und ihre Verzweiflung daher nur allzu gut verstehen, als die Kunden reihenweise abwandern in den lieblosen ‘Buch-Supermarkt’ schräg gegenüber.

Aber sie hat nicht vor, sich kampflos geschlagen zu geben, und so schreibt sie dem Filialleiter Liam McClary eine gepfefferte Email nach der anderen, auf die er mit gelassenem Amüsement reagiert –  was sie erst recht auf die Palme bringt. Und so witzig das oft ist, desto traurig ist der Grund für den herrlichen Schlagabtausch.

Leider ist es im echten Leben ja oft so, dass die inhabergeführte Kleinbuchhandlung einfach nicht mithalten kann mit den großen Ketten, die zehnmal so viele Bücher vorrätig haben können.

An dieser Stelle ein Appell: gebt kleinen Buchhandlungen eine Chance!

Jedenfalls ist Fina eine großartige Heldin: eine starke Frau, die für ihren Traum kämpft, die aber auch Schwächen hat, die sie menschlich und glaubhaft machen. Die größte davon ist sicher, dass sie sich gemütlich eingerichtet hat in ihrem Leben und weder Spontanität noch Abenteuer in irgendeiner Form zulässt. Außerdem fällt sie manchmal sehr schnell Urteile und lässt dann verbohrt lange nicht davon ab!

Auch ihr Gegenspieler Liam ist ein wunderbarer Charakter, der natürlich nicht vollends Finas Feindbild entspricht. In manchem hat sie allerdings recht: ihm fehlen Finas Herzblut und ihre Leidenschaft für die Literatur. Gerade deswegen sind die beiden aber sehr interessante Protagonisten, die sich gegenseitig dazu bringen, eine große persönliche Entwicklung durchzumachen.

Es geht jedoch nicht nur um den Kleinkrieg zwischen Fina Ramsay und Liam McClary.
Die Geschichte nimmt Fahrt auf und wird spannend, als Fina in den Sachen ihrer Alzheimer-geplagten Großmutter einen rätselhaften, unvollständigen Brief findet. Klar ist nur, es muss ein Geheimnis geben, das die Familien Ramsay und McClary miteinander verbindet – ausgerechnet. 1970 ist in Nordirland irgendetwas passiert, und Fina ist sich sicher: das muss der Grund sein, warum ihre Großmutter immer so unglücklich wirkte…

Fina fasst den Entschluss, das Geheimnis aufzudecken, um ihrer Großmutter für ihren Lebensabend möglicherweise noch etwas Glück zu schenken.

Die Beziehung zwischen Großmutter und Enkelin ist so herzerwärmend wie tragisch, denn immer öfter erkennt die alte Frau Fina gar nicht mehr.  Die Autorin nimmt sich des Themas Alzheimer mit viel Feingefühl an, und so gesellt sich zu Spannung (und später Romantik) auch ein gewisser Tiefgang.

Apropos Romantik: die Liebesgeschichte fand ich sogar als bekennender Romantikmuffel richtig schön.

Gerade durch die Mischung zwischen Spannung, Humor und ernsten Themen wird es in meinen Augen nie zu kitschig. Überhaupt fand ich den Schreibstil sehr angenehm, locker-flockig und flüssig zu lesen, dabei aber nicht platt oder klischeehaft.

Sehr interessant und spannend fand ich auch die Einblicke in das Leben in Irland zu Beginn der ‘Troubles’, der gewalttätigen Konflikte des großen Nordirlandkonflikts. (Am Ende des Buches findet man dazu noch weitere Informationen!) 
Auch dieser Hintergrund trägt zum Tiefgang der Geschichte bei und rundet die Liebes- und Familiengeschichte ab.

FAZIT
Was als witzige Fehde zwischen zwei Buchhändlern beginnt (Fina: Inhaberin einer unabhängigen Buchhandlung, Liam: Filialleiter einer großen Kette), stellt sich schnell als Geschichte eines Familiengeheimnisses heraus, das zurückführt ins Jahr 1970 in Nordirland – und damit die eskalierende Gewalt des Nordirlandkonflikts.

Trotz des zeitgeschichtlichen Hintergrunds und anderer ernster Themen wie Alzheimer ist “Die Frauen von Ballycastle” auch ein echtes Wohlfühlbuch mit einer schönen Liebesgeschichte.

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14 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

Die Formel

Dan Wells , Jürgen Langowski
Flexibler Einband: 528 Seiten
Erschienen bei Piper, 02.05.2018
ISBN 9783492704694
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Was für ein originelles, witziges, böses, intelligentes und absolut grandioses Buch. Was für ein  Geniestreich, wenn eine Hautcreme die Apokalypse auslösen kann und der Leser dabei so richtig Spaß hat – und dennoch zum Nachdenken angeregt wird.

Zitat:
»Wissen Sie, wer Sie sind? Wissen Sie, was Sie zu dem macht, der sie sind? Wir sind wie das Schiff des Theseus, wir werden in einem unendlichen Zyklus zerstört und geheilt. Ist ihr Körper dauerhaft? Kein Molekül und keine Zelle entsprechen mehr dem, was Sie bei der Geburt mitbekommen haben. (…) Aber ist das Bewusstsein dauerhaft? Die Erinnerungen branden hoch und schwinden wie Ebbe und Flut. Ihr Bewusstsein hat mehr verloren, als es je wiedergewinnen kann.«

Lasst euch diese tiefsinnige Passage eine Weile auf der Zunge zergehen. Kaum zu glauben, dass aus dem gleichen Buch Sätze wie diese stammen:

Zitat:
»Unsterbliche Supermodel-Lesben sind ein notwendiger Nebeneffekt, und… Meine Güte, klingt das schrecklich, wenn ich es so ausdrücke!«
»Sie sind widerlich«, stellte Lyle fest.

Dan Wells verrät im Nachwort, wie ungemein wichtig ihm “Die Formel” als Buchprojekt war bzw. ist, und das merkt man auch.

Mit seiner ‘Serienkiller’-Trilogie setzte er sich schon über Genre-Grenzen hinweg und beeindruckte mit einer überraschenden und innovativen Mischung aus Horror, Thriller, Urban Fantasy und Jugendbuch – und nun übertrifft er sich in meinen Augen selber mit einem Genre-Mix aus Science Fiction, Humor und Thriller.

Der Humor ist absurd und böse und sicher nicht jedermanns Sache. Der Autor erreicht damit jedoch eine großartige Balance zwischen Science Fiction, die sich mit Bravado selber parodiert (siehe ‘Unsterbliche Supermodel-Lesben’), und bestechend  relevanter Sozialkritik. Was er dabei anprangert ist nicht nur die Gier der Pharmaindustrie, sondern auch unser verdrehtes Bild von Schönheit, das in den Medien propagiert wird und das wir viel zu unreflektiert als Maßstab für unseren eigenen Selbstwert nehmen.

Wie glaubhaft das Ganze von einem wissenschaftlichen Standpunkt ist, kann ich nicht beurteilen.

Im Grunde sieht es meines Erachtens so aus: entweder man beschließt nach den ersten Kapiteln, sich einfach darauf einzulassen, oder das Buch ‘funktioniert’ nicht. Aber was hat man dabei schon zu verlieren?

Spannend ist es auf jeden Fall.
Das fängt schon beim ersten Blick ins Inhaltsverzeichnis an, wenn man feststellt, dass die Kapitel einen Countdown bis zum Weltuntergang herunterzählen – man fragt sich die ganze Zeit, ob es wirklich dazu kommen wird oder nicht. Mit jedem Kapitel wird die Geschichte aberwitziger, bis es manchmal fast etwas von Slapstick hat, aber gleichzeitig legt der Autor die Daumenschrauben an. Es findet ein rasantes Wettrüsten statt, um das Ende der Welt abzuwenden und dabei möglichst noch Profil einzustreichen.

Es wird zunehmend schwieriger, die Charaktere auseinander zu halten, aber das ist sicher ein gewollter Effekt, immerhin geht es hier um eine Hautcreme, die Menschen klont. Und natürlich versucht absolut jeder, das zu seinem Vorteil einzusetzen…

Der Held der Geschichte ist jedenfalls überhaupt kein Held, in keiner Hinsicht.
Lyle Fontanelle hat oft die besten Absichten und sogar ein paar halbherzige Prinzipien – aber leider kein Rückgrat. Er hat der Welt die Katastrophe eingebrockt, aber nicht die Absicht, bei einem Rettungsversuch sein Leben zu riskieren (außer es geht um eine Frau, in die er verliebt ist). Für einen Großteil des Buches war er mir trotzdem irgendwie sympathisch, bis er sich mein Wohlwollen kurz vorm Ende dann doch noch verspielte. Dennoch ist er meiner Meinung nach ein wunderbarer Buchcharakter, weil man immer wissen will, wie es mit ihm weitergeht – egal, wie katastrophal ihm alles misslingt.

Der Schreibstil ist ein wenig durchwachsen.
Es gibt Passagen, in denen die Sätze holpern, sich verschachteln oder im Zusammenhang einen unklaren Sinn ergeben (was allerdings an der Übersetzung liegen könnte), aber dafür gibt es wirklich fantastische Passagen, wo der Autor über sich hinauswächst.

FAZIT
Lyle Fontanelle wollte eigentlich nur eine revolutionäre Hautcreme entwickeln, die die Haut veranlasst, Zellen mit mehr Kollagen zu produzieren – aber was dabei herauskommt, ist auf andere Art revolutionär als geplant, denn die Creme programmiert die DNA eines Menschen komplett um…

“Die Formel” ist alles, nur nicht 08/15. Zwischen bitterbösem Humor und Sozialkritik erzählt Dan Wells eine rasante apokalyptische Geschichte jenseits der Klischees.

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Echo der Toten. Ein Fall für Friederike Matthée

Beate Sauer
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 12.01.2018
ISBN 9783548289571
Genre: Historische Romane

Rezension:

Dieses Buch haben wir mit unserem kleinen Krimi-Lesekreis gelesen, weil uns die vielversprechende Verbindung reizte: einerseits Krimi, andererseits realistische Geschichte aus einer hochdramatischen Epoche unserer Historie. Und das mit Protagonisten, die im Krieg noch auf verschiedenen Seiten standen, nun aber notgedrungen zusammenarbeiten müssen… Das klingt nicht nur nach Spannung, sondern auch nach einem gewissen Tiefgang.

Und tatsächlich fühlten wir uns mitnichten enttäuscht, das Buch konnte unsere Erwartungen voll erfüllen.
Der Kriminalfall an sich hat schon alles, was ein guter Krimi in meinen Augen braucht: er ist gut durchdacht, sauber recherchiert und nahtlos konstruiert. Es gibt natürlich unerwartete Wendungen, sowie Irrungen und Wirrungen seitens der Ermittler – tatsächlich sprach eine Teilnehmerin unseres Lesekreises an, dass es ausgesprochen viele Handlungsstränge gibt, die erst spät zusammenlaufen, und dass sie das manchmal etwas verwirrend fand.

Gerade das hat mir aber gut gefallen, weil man dadurch bis zum Schluss nie sicher sein kann, was wirklich passiert ist, wer dahintersteckt und warum. Ich hatte jedoch nie das Gefühl, dass Fakten nicht zusammenpassten oder dass etwas im Endeffekt nicht ausreichend aufgeklärt wird.

Einig waren wir uns, dass das Buch auf jeden Fall sehr spannend und unterhaltsam ist.
Die Vielzahl von Handlungssträngen (und die damit einhergehende Vielzahl von involvierten Personen) spiegelt meines Erachtens wider, dass wir uns in dieser Geschichte immerhin in einer Zeit befinden, in der schon der ganz normale Alltag unglaublich schwierig war – und geprägt vom gegenseitigen Misstrauen. Nicht nur zwischen Deutschen und Besatzern, sondern auch zwischen Deutschen und Zwangsarbeitern (beschönigt ‘Fremdarbeiter’ genannt), sogar zwischen Deutschen und Deutschen…

Beate Sauer erzählt die Geschichte mit einem packenden und zugleich intelligent geschriebenen Stil.
Man sieht die zerbombten Städte quasi vor sich, spürt die beißende Kälte und den quälenden Hunger, und dabei wirkt die Darstellung der Zeit immer glaubwürdig und stimmig. Sie schildert diese Zeit so lebendig und mit solch dichter Atmosphäre, dass der Kriminalfall für mich manchmal regelrecht zum Nebendarsteller wurde, was der Spannung jedoch keinen Abbruch tat.

Die Charaktere waren für mich ein weiterer großer Pluspunkt des Buches.
Friederike Matthée von der Weiblichen Polizei entspricht zunächst nicht unbedingt dem modernen Bild einer Polizistin: Sie ist unsicher, besitzt wenig Selbstbewusstsein und hat den Beruf nicht etwa aus Neigung gewählt, sondern um für sich und ihre Mutter wenigstens eine einigermaßen sichere Wohnung zu bekommen. Im Laufe der Handlung erfährt man aber, was sie im Krieg alles durchgemacht hat – was vieles erklärt! –, und sie zeigt auch eine deutliche Weiterentwicklung.

Sie war mir zutiefst sympathisch, ich habe mit ihr mitgefühlt und mitgefiebert… Und gerade wegen ihrer Schwächen fand ich sie sehr authentisch und glaubhaft.

Obwohl sie am Ende immer noch weit von einer perfekten Polizistin entfernt ist, zeigt sie großes Potential, und das macht Lust auf den nächsten Band!
Richard Davies von der britischen Military Police hingegen ist erstmal ein zwiespältiger Charakter. Wie sicher viele der Besatzer tut er sich schwer damit, mit den Deutschen zusammenzuarbeiten oder mit den halb verhungerten Menschen Mitleid zu empfinden – obwohl der Leser immer wieder erahnen kann, dass er vom Naturell her eigentlich kein grausamer Mensch ist. Man kann seine Gefühle auch durchaus nachvollziehen, die Gräuel des Holocaust sind ja gerade erst passiert.

Über Davies Vergangenheit erfährt man im Laufe des Buches ebenfalls vieles, was seine Haltung erklärt.
Nicht nur die beiden Protagonisten, sondern auch die anderen Charaktere fand ich überzeugend geschrieben, vielschichtig und interessant.

FAZIT
Januar 1947: nach einem Mordfall wird Friederike Matthée von der Weiblichen Polizei in Köln angewiesen, dem Ermittler Richard Davies von der britischen Military Police zu assistieren. Die Zusammenarbeit zwischen der jungen Deutschen und dem Engländer gestaltet sich nicht gänzlich ohne Konflikte – dennoch geben sie ein gutes Team in diesem komplexen Fall ab.

Die Geschichte ist nicht nur spannend und gut konstruiert, sondern gewährt auch einen atmosphärisch dichten Einblick in die schwere Zeit direkt nach dem Zweiten Weltkrieg.

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65 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 12 Rezensionen

aberglaube, behinderung, drama, düster, fee, feen, feenvolk, fesselnd, fluss, frauen, historisch, irland, krankheit, wahre geschichte, wechselbalg

Wo drei Flüsse sich kreuzen

Hannah Kent , Leonie Reppert-Bismarck
Fester Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Droemer, 01.09.2017
ISBN 9783426199794
Genre: Historische Romane

Rezension:

“Wo drei Flüsse sich kreuzen” wird mir mit Sicherheit noch lange in Erinnerung bleiben.

Hannah Kent beschwört mit kristallklarer, ausdrucksstarker Sprache ein Bild des ländlichen Irlands von 1825 herauf. Das Leben der Menschen wird nicht nur von Hunger und tiefster Armut bestimmt, sondern auch von Religion und Aberglaube. Beides gibt ihnen Hoffnung und fördert ihren Zusammenhalt, kann aber jederzeit umschlagen in gegenseitiges Misstrauen und Vorurteile.

Die schwierige Allianz zwischen christlichen Glaubensregeln und uralten, tief verwurzelten Volksbräuchen zieht sich als Leitmotiv durch das Buch.

Die Bewohner des Dorfes, in dem die Handlung angesiedelt ist, gehen sonntags zur Messe, befolgen aber im täglichen Leben eine fast schon absurde Vielzahl von Regeln, um sich vor dem ‘bösen Blick’ zu schützen oder sich das Wohlwollen des ‘Guten Volkes’, wie sie die Feen nennen, zu sichern. Denn diese leben, so glauben die Dörfler, ganz in der Nähe und haben viel Einfluss auf das Leben der Menschen: sie können dafür sorgen, dass Kühe keine Milch und Hühner keine Eier mehr geben, sogar Missbildungen und plötzliche Todesfälle verursachen.

Im Dorf geht die Angst um, man habe irgendwie das Unglück heraufbeschworen.

Es gibt Missernten, Unwetter und Totgeburten, und dann verliert die angesehene Bäuerin Nora innerhalb kurzer Zeit erst ihre Tochter und dann ihren Mann. Kerngesund war der, munkeln die Dörfler, und nicht nur das: ist er nicht just zum Schlag des Hammers auf der Kreuzung vor der Schmiede tot umgefallen? Sicherlich ein böses Omen.

Ein Aberglaube, der sich besonders hartnäckig hält, ist der Mythos vom Wechselbalg. Die Feen, so heißt es, entführen die schönsten, klügsten Menschenkinder und lassen im Austausch einen Doppelgänger des entführten Kindes zurück.

Und so ist es Micheál, der kleine Enkel von Nora, der die Menschen am meisten verunsichert.

Vor zwei Jahren war er noch ein gesundes, glückliches Kind, das herumlief und plapperte wie jedes andere. Jetzt ist er stumm, seine Arme und Beine sind mager und verdreht, und er  windet sich in Krämpfen und Zuckungen.

Micheál muss ein Wechselbalg sein, ganz klar.

Als moderner Leser zerreißt es einem schier das Herz, wie viel Angst, Widerwille und sogar Hass diesem offensichtlich behinderten Kind fortan entgegen schlägt.

Im Mittelpunkt des sich entfaltenden Dramas stehen drei Frauen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: die überforderte, verzweifelte Nora, ihre 14-jährige Magd Mary und das alte Kräuterweib Nance, der nicht nur ein umfassendes Wissen um allerlei Heilmittel zugeschrieben wird, sondern auch eine Verbindung zum Guten Volk.

Unter Nances Anleitung versucht Nora, den ‘Wechselbalg’ zu bannen, um die Feen dazu zu bewegen, den echten Micheál zurückzugeben – während Mary zunehmend verunsichert zusieht…

Die Autorin zeichnet ihre Charaktere grandios: komplex, glaubhaft und bewegend.

Auch wenn die Protagonistinnen aus heutiger Sicht auf tragische Art und Weise fehlgeleitet erscheinen, sind sie doch in keinster Weise böse. Was sie tun, tun sie mit den besten Absichten, und Nance, die vielleicht zwiespältigste Figur in dieser Geschichte, ist felsenfest überzeugt von ihren eigenen übernatürlichen Fähigkeiten.

Das Buch zeigt die enorme Spannweite der menschlichen Natur und verzichtet dabei auf Stereotypen oder einfache Urteile. Hannah Kent erzählt eine spannende Geschichte, die dennoch einen ungeheuren Tiefgang entwickelt.

Aber es ist mehr als nur eine Geschichte: das Buch beruht auf historisch belegbaren Tatsachen.

Möglicherweise hieß Micheál nicht Michaél, aber es gab einmal einen Jungen wie ihn. Und es gab drei Frauen wie Nora, Mary und Nance. Natürlich möchte ich hier noch nicht verraten, wie die Geschichte ausging, im Buch oder in der Wirklichkeit, aber ich würde Lesern empfehlen, es selber herauszufinden.

| FAZIT |

Irland im Jahr 1825: in einem kleinen Dorf häufen sich die unerklärlichen Unglücksfälle, und die Menschen suchen nach Erklärungen – und einem Schuldigen. Genau deswegen versteckt Nora ihren Enkel Micheál, damit niemand dessen verdrehte Glieder sieht oder seine merkwürdigen Schreie hört. Aber schon bald beginnt sie selber zu befürchten, dass Micheál ein ‘Wechselbalg’ sein muss, ein Doppelgänger, der von den neidischen Feen gegen ihren echten Enkel ausgetauscht wurde.

Es handelt sich hier keineswegs um Fantasy!

“Wo drei Flüsse sich kreuzen” ist ein auf Tatschen beruhender historischer Roman, in dem der irische Volksglaube im Umfeld eines von Hunger und Armut gezeichneten Dorfes zum Auslöser eines Dramas wird.

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amüsan, asche, beerdigung, bestattung, dänemark, finn, freundschaf, gauner, geheimnis, handtasche, hedi, heite, norwegen, reise, senioren

Sind dann mal weg

Simone Veenstra
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Heyne, 09.10.2017
ISBN 9783453421509
Genre: Humor

Rezension:

| MEINE MEINUNG |

“Sind dann mal weg” ist eine bewegende Geschichte über das Altwerden – und das Jungbleiben.

Die Autorin spricht durchaus ernste Themen an: so will ihre Heldin Tina sich ganz am Anfang des Buches umbringen, weil sie sich  im Altersheim zutiefst einsam und fehl am Platz fühlt, und der Sohn des alten Kapitäns Ole interessiert sich nicht im geringsten für die Wünsche seines Vaters.

Aber das Buch verbindet diese ernsten Themen mit einem wunderbaren, warmherzigen Humor.

Tina findet wider Erwarten gute Freunde im Altersheim und damit auch wieder echte Lebensfreude. Als der allseits beliebte Kapitän Ole plötzlich stirbt, ist das zwar Anlass zu tiefer Trauer – aber es ist auch der Beginn einer verrückten, aufregenden Reise: Tina, Paul, Hedi und Männi stehlen Oles Asche, um sie ins norwegische Meer zu streuen.

Und das führt zu jeder Menge unvorhergesehener Probleme, aber die entschlossenen Senioren lassen sich durch nichts und niemanden aufhalten.

Ob sie jetzt mit wildfremden Dänen eine wilde Geburtstagsfeier feiern  oder Drogenspürhunde mit Leckerli bestechen, ich fand die Geschichte von vorn bis hinten unterhaltsam und spannend. Sogar ein bisschen Romantik darf dabei nicht fehlen, denn Tina und ihre Freunde sind definitiv nicht zu alt für die Liebe.

Die Charaktere sind mir richtig ans Herz gewachsen, und so habe ich auch das ein oder andere Tränchen vergossen.

Das Wunderbare an diesem Buch ist, dass hier beides zugelassen wird: das Traurige und das Lustige. So nach und nach zeigen die verschiedenen Charaktere, dass sie mehr Tiefgang zu bieten haben, als es auf den ersten Blick den Anschein hat, und das machte sie in meinen Augen sehr lebensecht.

Auch wenn die Geschichte manchmal quietschbunt am Rande der Glaubwürdigkeit entlang schrappt, will man sie glauben, und man will, dass sie ein Happy End findet.

Der Schreibstil führt locker-leicht und beschwingt durch dieses Abenteuer, und bei allem Humor geht die Wahrhaftigkeit der Gefühle nie verloren. 

| FAZIT |

Mit Einfallsreichtum und ganz viel Humor erzählt Simone Veenstra die Reise einer Gruppe von Senioren, die aus dem Altersheim ausbrechen und die Asche eines guten Freundes stehlen, um ihn ins norwegische Meer zu streuen – koste es, was es wolle.

Auch wenn ich schon nach wenigen Kapiteln die ersten Tränen vergossen habe: “Sind dann mal weg” ist ein ganz großartiges Buch, das nicht nur ans Herz geht, sondern auch verdammt viel Spaß macht. 

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12 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

bienen, coming-of-age

Das Schweigen der Bienen

Valerie Geary , Joannis Stefanidis
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 01.12.2017
ISBN 9783959671279
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

| MEINE MEINUNG |

Ich schreibe diese Rezension, während draußen der April ein frühsommerliches Ende nimmt – und vom Schweigen der Bienen zumindest in unserem Garten keine Rede sein kann.

Ein wenig früh vielleicht, um zum Klang von Vogelgezwitscher über die Liste meiner Jahreshighlights nachzudenken, die ich Ende Dezember zusammenstellen werde – dennoch bin ich mir fast sicher, dass sich “Das Schweigen der Bienen” darauf wiederfinden wird.

Es ist eines dieser Bücher, die sich von Genregrenzen nicht einschränken lassen: ist es Gegenwartsliteratur, Krimi, magischer Realismus oder Drama? Auf jeden Fall ist es “Coming of Age”, also ein Buch über das Erwachsenwerden, und das passiert hier unter mehr als widrigen Umständen.

Die beiden Schwestern Sam und Ollie müssen sich nicht nur mit dem frühen Tod ihrer Mutter auseinandersetzen, sondern auch das Zusammenlernen mit Vater ‘Bear’ neu erlernen, der als bienenzüchtender Aussteiger in einem Tipi lebt und seinen Töchtern wenig von dem zu bieten hat, was man als stabile familiäre Situation bezeichnen könnte.  .

Valerie Geary beschreibt dieses Erwachsenwerden tiefgründig, spannend und mit einer unglaublich dichten Atmosphäre.

Der Leser wird von Anfang an hineingezogen in einen intensiv geschilderten Sommer, der von großer Trauer geprägt ist, aber auch vom Kampf um einen Neuanfang. Bevor die Mädchen in irgendeiner Weise Fuß fassen können, finden sie an ihrer liebsten Badestelle am Fluss die Leiche einer Frau – und die sieht nicht so aus, als wäre sie einfach ‘nur’ bei einem Badeunfall ertrunken.

Für die Menschen in der nächsten Stadt ist der eigenwillige, schroffe Bear der offensichtliche Verdächtige. Und je mehr Sam und Ollie erfahren, desto beklommener müssen sie sich fragen, ob sie ihren Vater überhaupt wirklich kennen.

Valerie Geary zeichnet mit leichter Hand und doch emotionaler Wucht die zwischenmenschlichen Bande.

Die Beziehungen innerhalb dieser kleinen Familie, die auf vielfältige Art zerbrochen ist, aber möglicherweise wieder zusammengesetzt werden kann. Die Beziehungen zu anderen Menschen, die Vater Bear mit Misstrauen und Vorurteilen begegnen. Und natürlich die Beziehung, in der die tote Frau möglicherweise zu ihm stand.

Am bestechendsten gezeichnet und dadurch auch am bewegendsten ist die Beziehung zwischen den beiden Schwestern Sam und Ollie, die abwechselnd als Erzählerinnen zu Wort kommen. Man spürt, dass zwischen ihnen eine tiefe Liebe herrscht, die aber manchmal verzweifelt an Ollies Schweigen, denn das kleine Mädchen hat seit dem Tod ihrer Mutter nicht mehr gesprochen.

Als Leser weiß man von Anfang an, warum das so ist.

Sam hingegen kann nur raten und reagiert oft zornig und ratlos, obwohl (oder vielleicht gerade weil?) ihre kleine Schwester alles für sie ist. Interessanterweise spricht Sam in der Vergangenheitsform, Ollie dagegen in der Gegenwartsform, was gut zu ihren Persönlichkeiten und ihrem jeweiligen Alter passt und es dem Leser auch einfacher macht, die ‘Stimmen’ der beiden zu unterscheiden.

Ollies Schweigen und dessen Grund sind das Element, wegen dem sich das Buch dem Genre “magischer Realismus” zuordnen ließe: sie kann die “Schimmernden” sehen: die Geister von Menschen, die aus irgendeinem Grund nach ihrem Tod nicht loslassen können. Und sie ist nicht bereit dazu, deren Sprachrohr zu sein.

Aber das tut dem Gefühl von Wirklichkeit und Wahrheit keinen Abbruch.

Ich hatte beim Lesen nie das Gefühl, Fantasy zu lesen – die Geschichte ist in sich schlüssig und realistisch. Auch die Charaktere sind ungemein lebensecht und glaubhaft. Ich habe mit Sam und Ollie mitgefühlt auf ihrem schweren Weg hinaus aus der Trauer und hin zu einem Neuanfang, ich habe mitgefiebert bei der Suche nach dem Mörder der unbekannten Frau im Wasser.

Es passt alles zusammen.

Die verschiedenen Aspekte der Geschichte ergänzen sich, statt sich gegenseitig zu behindern, wie man es vielleicht erwarten könnte.

Das Schweigen der Bienen ist nicht das Schweigen  der Lämmer. Und dennoch kann es in meinen Augen als Kriminalroman überzeugen – aber eben auch als Gegenwartsliteratur, Drama oder magischer Realismus.

| FAZIT |
“Das Schweigen der Bienen” ist eines dieser Bücher, an die man nicht mit fixen Erwartungen herangehen sollte.

Es ist die Geschichte der Schwestern Sam und Ollie, die nach dem Tod ihrer Mutter lernen müssen, mit ihrem einsiedlerischen Vater ‘Bear’ zu leben – in einem Tipi ohne jeden Komfort, mitten im Nirgendwo. Es ist die Geschichte eines Mordfalls, bei dem Bear der offensichtliche Verdächtige zu sein scheint.

Und vor allem ist “Das Schweigen der Bienen” eine Geschichte von Liebe und Trauer, Schuld und Vergebung, Familienbanden und Erwachsenwerden.
Die Geschichte hat übernatürlich Elemente, aber davon sollte man sich nicht abschrecken lassen, denn diese fügen sich subtil ins Gesamtbild.

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54 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 19 Rezensionen

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Evil Games – Wer ist ohne Schuld?

Angela Marsons , Elvira Willems
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.09.2016
ISBN 9783492060394
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Dies ist der zweite Band der Reihe, die Rezension könnte daher Spoiler für den ersten Band enthalten. 

Originalität

Dieser Krimi ist vom Aufbau her mal etwas Anderes: nicht nur, dass zwei Fälle gibt, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben – in einem der Fälle ist dem Leser schnell klar, wer da hinter den Kulissen sein perfides Spiel treibt, und DI Kim Stone braucht dafür ebenfalls nicht lange. Und das ist vollkommen ok, denn die Autorin bricht ohnehin aus dem üblichen Krimi-Schema “Mord – Ermittlung – Falsche Fährte – Aufklärung – Showdown -Happy End” aus.

Spannung

Viele Szenen sind aus Sicht der Antagonistin geschrieben, so dass sich dem Leser nach dem ‘Wer?’ auch rasch das ‘Warum?’ erschließt. Die Spannung ergibt sich in meinen Augen daher nicht aus der Aufklärung der Fälle, sondern aus dem mentalen Zweikampf zweier Menschen, die beide in gewisser Weise extreme Persönlichkeiten sind.

Charaktere

Detective Kim Stone ist zornig, taktlos, ungeduldig, schonungslos ehrlich – und oft nur einen Schritt entfernt vom Abgrund. Ihre Persönlichkeit hat Stacheln und Widerhaken, und doch ist sie keine unsympathische Protagonistin, denn sie hat einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und vertritt die Interessen der Opfer ohne Rücksicht auf ihre Karriere oder ihr eigenes Wohl. Obwohl ihre Kindheit sie ohne Zweifel traumatisiert hat, ist sie mehr als nur eine weitere Reinkarnation des emotional verwundeten Ermittlers.

Die anderen Charaktere verblassen zum Teil ein wenig hinter Kims Persönlichkeit – aber in diesem zweiten Band steht ihr mit der Antagonistin eine Art verzerrtes Spiegelbild gegenüber: hochintelligent, entschlossen, kompromisslos, in gewissem Sinne außerhalb normaler zwischenmenschlicher Konventionen. Aber im Gegensatz zu Kim hat ihre Gegnerin gelernt, ihr Charisma als Schutzschild und Waffe einzusetzen.

Schreibstil

Angela Marsons schreibt intelligent und präzise, baut ohne Pathos dramatische Spannung auf und kann auch mit einer Protagonistin, die wenig Sinn hat für das Zwischenmenschliche, Nähe zu den Charakteren herstellen.

| FAZIT |

Ein Mann wird ermordet. Eine Frau gesteht. Doch hinter den Kulissen scheint jemand sie benutzt zu haben wie eine Marionette. Die Widersacherin ist schnell entlarvt – aber damit fängt das Spiel erst an…

Mit Detective Kim Stone und Dr. Alexandra Thorn stehen sich zwei großartige Charaktere gegenüber, die zwei Seiten der gleichen Medaille sein könnten, und so wird aus der Aufklärung schnell ein sehr persönliches Duell. Die Spannung bleibt dabei durchgehend auf einem hohen Level.

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35 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

2016, alter, freundschaf, generationenkonflikt, september, zusammen alt werden

Und dann kam Paulette

Barbara Constantine , Ina Kronenberger , ,
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 01.08.2014
ISBN 9783499266690
Genre: Romane

Rezension:

In einem kleinen Ort findet sich durch eine Reihe von Zufällen und Schicksalsschlägen eine ungewöhnliche WG von Senioren zusammen (plus Katze, Hund und Esel), die beschließt, gemeinsam dem Alter und den damit verbundenen Herausforderungen und Problemen zu trotzen.

Barbara Constantine spricht in ihrem Roman durchaus ernste Themen an: die im Alter drohende Vereinsamung, Trauer und Verlust, Demenz, Konflikte zwischen den Generationen… Aber sie verpackt diese Themen in eine locker-leichte Geschichte zum Wohlfühlen, mit viel Humor und schrulligen Charakteren.

Und das fand ich zunächst sehr charmant, fühlte mich jedoch zunehmend entzaubert.

Denn die Geschichte plätschert so vor sich hin, für jedes Problem wird im Nu eine gefällige Lösung gefunden, die beiden Enkel des Hauptcharakters sind stets knuddelig und herzallerliebst… Für mich war das auf Dauer zu zuckersüß und zu belanglos.

Nicht jede Geschichte braucht Drama, Schmerz und Leid. Ja, es ist bei einer Geschichte wie dieser sogar sehr schön, wenn das Hauptaugenmerk auf möglichen Lösungen liegt, wenn sie hoffnungsvoll und positiv bleibt!

Dennoch geht in meinen Augen viel der Wirkung verloren, wenn Konflikte in der Handlung gar nicht erst zugelassen werden.

Spannung wollte sich bei mir nicht so recht aufbauen, denn es schien ja ohnehin sonnenklar, dass sich alles in Wohlgefallen auflösen würde – trotz der ernsten Themen ist die Welt in dieser WG doch letztlich immer rosarot und heil. Auch die Entwicklung der Charaktere ist meines Erachtens nur schwer nachvollziehbar, wenn sich jedes Hindernis scheinbar mühelos überwinden lässt. Man investiert emotional einfach mehr in einen Charakter, der kämpfen muss, mit dem man mitleiden und mitfiebern kann.

Schwer tat ich mich auch mit dem Schreibstil.

Die Sprache ist sehr einfach, manchmal beinahe kindlich. Die Geschichte wird im Plauderton erzählt, scheint den Leser oft mit verschwörerischem Augenzwinkern direkt anzusprechen, was für mich aber nur den Eindruck verstärkte, dass die Handlung lediglich an der Oberfläche kratzt.

“Ferdinand liegt im Bett und starrt an die Decke, Lolli schnurrt ihm ins Ohr. Bis jetzt ist er ihm keine Einschlafhilfe, Ferdinand denkt an den morgigen Tag.
Was soll er ihnen bloß sagen? Welche Worte soll er wählen? Und wie soll er es ihnen am Ende verklickern?
Er ist nervös, der arme Kerl."

| FAZIT |

Barbara Constantine erzählt die Geschichte einer Gruppe von Senioren, die gemeinsam den Unbilden des Alters trotzen – denn zusammen ist man nicht nur weniger allein, sondern kann sich auch besser die Arbeit und die Kosten teilen. Da der Bauernhof, in den sie nach und nach alle einziehen, viel Platz bietet, finden sich auch noch junge Leute, die gegen Kost und Logis  aushelfen bei der Altenpflege.

Mir ging zunehmend der Spaß an der Geschichte verloren, weil sich vieles einfach zu schnell und einfach lösen lässt. Ein klein wenig mehr Konflikt und Tiefgang hätten dem Buch meines Erachtens gut getan, ohne dass die Autorin damit auf die hoffnungsvolle, positive Botschaft hätte verzichten müssen.

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156 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 88 Rezensionen

apfelbauern, apfelernte, apfelhof, cold case, düster, elbmarsch, hamburg, krimi, kriminalroman, marsch, mord, regionalkrimi, romy fölck, totenweg, vergangenheit

Totenweg

Romy Fölck
Fester Einband: 380 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 23.02.2018
ISBN 9783785726228
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die junge Polizistin Frida Paulsen strebt den höheren Dienstgrad an; der erfahrene Kriminalkommissar Bjarne Haverkorn nähert sich bereits der Pensionierung. Was sie verbindet ist ein ‘Cold Case’: ein ungeklärter Mordfall:

Frida war 13, als ihre beste Freundin Marit ermordet wurde – und sie war diejenige, die deren Leiche fand. Haverkorn, damals der leitende Ermittler, ahnte, dass Frida ihm etwas verschwieg, konnte den Fall jedoch letztendlich weder lösen noch loslassen.

Was sie wieder zusammenbringt ist ein Überfall auf Fridas Vater. Der liegt danach schwer verletzt im Koma, was Frida zwingt, zurückzukehren in heimatliche Gefilde: in die Elbmarsch.

| MEINE MEINUNG |

Eine der größten Stärken des Buches ist in meinen Augen die komplexe Dynamik zwischen Frida und Haverkorn…
…spürbar auch in Szenen, in denen sie nicht direkt interagieren. Zwiespältig, geprägt von gegenseitigem Misstrauen, aber auch von einer widerwilligen Verbundenheit: Marits Tod hat sie beide tief getroffen.

Fridas Fähigkeit, zu anderen Menschen tiefere emotionale Bindungen einzugehen, hat unter dem Trauma stark gelitten. Es ist bezeichnend, dass sie sich ausgerechnet für eine Karriere bei der Polizei entschieden hat – obwohl sie selber seit vielen Jahren Wissen über den Mord an ihrer Freundin verschweigt.

Auch Haverkorn hat dieser alte Fall unwiderruflich geprägt. Ein Mord an einem Kind lässt einen Ermittler nie kalt, aber aus persönlichen Gründen traf ihn Marits Tod bis ins Mark. Sein selbst empfundenes ‘Versagen’, den Mörder niemals gefunden zu haben, hat nicht nur seine berufliche Laufbahn beeinflusst.

Sie sind mitnichten perfekte Menschen. Beide haben gravierende Fehler begangen, sei es nun beruflich oder menschlich.
Aber für mich machte sie gerade das menschlich, ‘echt’ – und trotz aller Fehler sympathisch. Ihr Privatleben nimmt zwar relativ viel Raum ein, aber in meinen Augen lenkt das nicht von der Spannung des Falls ab.

Auch die anderen Charaktere sind sehr lebensecht und authentisch. Die Autorin zeichnet ein atmosphärisch dichtes Bild des Lebens der Menschen in der Elbmarsch, besonders dem der Apfelbauern, dabei hat sie ein feines Händchen für die zwischenmenschlichen Beziehungen.

Den Schreibstil fand ich sehr ansprechend. Er hat nicht nur einen angenehm flüssigen Sprachrhythmus, sondern vermittelt mit liebevollen und gut recherchierten Details auch viel regionales Flair.

Dennoch ist “Totenweg” für mich ein Krimi, der auch ohne das Etikett ‘Regionalkrimi’ überzeugen könnte.
Sehr gelungen fand ich, dass die Geschichte auf zwei Zeitebenen und aus zwei unterschiedlichen Blickwinkeln erzählt wird, sich aber alles nahtlos zusammenfügt. Die Handlung ist solide konstruiert, mit einigen interessanten unerwarteten Wendungen, die nicht nur neues Licht auf den Fall werfen, sondern auch im persönlichen Leben von Frida und Haverkorn einiges durcheinanderbringen. Besonders eine Enthüllung gegen Ende hat mich kalt erwischt – da hätte ich nie mit gerechnet, obwohl ich im Rückblick zugeben muss, dass es Anzeichen dafür gab.

Ich habe mich von Anfang bis Ende gut unterhalten gefühlt, auch wenn es einige eher ruhige Passagen gibt, die mehr von der Atmosphäre leben als von der Spannung.
Die Auflösung fand ich im großen und Ganzen sehr schlüssig und gut gelungen, nicht nur die Aufklärung des Falls, sondern auch die Frage, warum Frida all die Jahre geschwiegen hat. Schade fand ich, dass ihr Schweigen im Endeffekt weniger tatsächliche Auswirkungen hat, als man dem Klappentext nach vermuten könnte.

Ein klein wenig bemängeln könnte ich auch, dass eine hochspannende Entwicklung am Schluss nur im Rückblick erzählt wird statt unmittelbar und mittendrin im Geschehen – aber das wäre eines Erachtens Jammern auf hohem Niveau.

| FAZIT |

Die junge Polizistin Frida steht am Anfang ihre Karriere, der erfahrene Kommissar Haverkorn fast am Ende.
Vor 18 Jahren haben sie sich kennengelernt – damals fand die 13-jährige Frida die Leiche ihrer besten Freundin Marit, und Haverkorn scheiterte bei dem Versuch, deren Mörder zu finden. Nun begegnen sie sich erneut, nachdem Fridas Vater aus unbekannten Gründen zusammengeschlagen wurde und im Koma liegt.

Die Charaktere werden authentisch beschrieben, der Schreibstil vermittelt viel Atmosphäre (und nebenher ein lebendiges Bild der Elbmarsch), und auch die Auslösung des Kriminalfalls ist sauber konstruiert. Der Spannungsbogen verläuft manchmal eher ruhig, aber unterhaltsam fand ich die Geschichte durchweg.

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47 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

2018, albinismus, drama, elefanten, freakshow, zirkus

Die bittere Gabe

Ellen Marie Wiseman , Sina Hoffmann
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.02.2018
ISBN 9783492312219
Genre: Romane

Rezension:

Der Klappentext verspricht eine originelle Geschichte, die sowohl Unterhaltung als auch Tiefgang zu bieten hat.

Der wichtigste Schauplatz, ein Wanderzirkus in den 30er und 40er Jahren, und die kindliche Protagonistin, die an dessen ‘Freakshow’ verkauft wird, lassen erwarten, dass das Buch ein gleichermaßen sozialkritisches wie spannendes Thema aufgreift: das Leben von Menschen, die in dieser Zeit aufgrund ihrer empfundenen Andersartigkeit als Außenseiter gebrandmarkt wurden.

Die Handlung wird dabei auf zwei Zeitebenen erzählt: in einer davon folgt der Leser Lillys Werdegang im Zirkus, in der anderen den Erlebnissen von Julia, die zwei Jahrzehnte später Lillys Elternhaus erbt und deren außergewöhnliches Leben aus einem anderen Blickwinkel recherchiert. An sich die perfekte Grundlage für ein ebenso außergewöhnliches Buch!

Leider konnte es meine hohen Erwartungen dennoch nicht erfüllen.
Zum Teil liegt das meines Erachtens am Schreibstil – zwar werden einige der Zirkusszenen in bunten Details geschildert, der Stil wirkte auf mich über weite Strecken jedoch sehr einfach, flach und fast schon leblos.

Die Autorin bedient sich außerdem eines Stilmittels, das für meinen Geschmack überreizt wird: oft stellen sich Lilly und Julia in Gedanken Fragen oder rufen sich ausführlich in Erinnerung, was vorgeht – und erklären es so indirekt dem Leser. Vieles hätte ich mir lieber durch lebendige Beschreibung der Geschehnisse selber erschlossen!

Die ‘Freaks’ werden immer wieder mit ihren vollen Zirkustiteln genannt. Ich vermute, dass die Autorin damit zeigen möchte, wie sehr diese Menschen von der Gesellschaft auf ihre Andersartigkeit reduziert werden, aber stattdessen tut es genau das und verhindert, dass der Leser die Persönlichkeiten hinter den Klischees kennenlernt.

Ich hätte mir gewünscht, dass die Geschichte bewusst aus diesem sozialen ‘Käfig’ ausbricht.

Zitat:
“Dolly, die schönste dickste Frau der Welt, und Penelope, die singende Zwergenfrau, saßen in dem Waggon auf Holzkisten, lachten und wedelten sich mit Papierfächern Luft zu. Dina, die lebende halbe Frau, trug ein Stirnband, das mit Federn geschmückt war, sowie eine mit Pailletten besetzte Bluse und rauchte eine Zigarette, während sie auf  einem umgedrehten Weinfass hockte und sich mit Spear, dem lebenden Skelett, unterhielt.”

Aber nicht nur die ‘Freaks’ bleiben dadurch eindimensional. Besonders die Widersacher zeigen beinahe ausschließlich ‘böse’ Eigenschaften. Aber auch Lilly und Julia selber konnten mich nicht gänzlich überzeugen.

Die Darstellung von Lilly fand ich geradezu bedenklich: es wird immer wieder betont, wie anders sie ist, gleichzeitig wird ihre Andersartigkeit geschönt, idealisiert, romantisiert, als wäre sie nur dann akzeptabel. Lillys Rolle in diesem Drama scheint sich darauf zu beschränken, zu leiden, zu leiden und noch mehr zu leiden – und dabei wunderschön auszusehen.

Sie ist auf absurd übertriebene Weise perfekt, und damit wird ihre Erkrankung zum bloßen Gimmick.

Zitat:
»Du undankbare Ausgeburt des Teufels!«, schrie Momma. »Wie oft habe ich dir schon gesagt, dass du nicht an mir zweifeln sollst?«
»Es tut mir leid, Momma«, rief Lilly weinend.
Momma trat ihr mit dem Fuß in die Seite. »Was habe ich getan, dass ich mit dieser Plage gestraft bin?«, zischte sie. »Jetzt runter auf die Knie und beten!«
»Aber Momma…« Lilly schluchzte so heftig, dass sie nicht aufstehen konnte und kaum Luft bekam. Haarsträhnen fielen ihr ins Gesicht, während sie zum Bett kroch und sich daran hochzog.”

Ich habe mich gefragt, wie Lilly, die einen Großteil ihrer Kindheit isoliert und eingesperrt verbracht hat, ihre Sozialkompetenz entwickeln konnte. Wieso sie einen ganz normalen Wortschatz hat. Wie es kommt, dass sie offensichtlich vollkommen gesund ist, trotz Mangels an Sonnenschein, Bewegung und frischer Luft.

Julia hingegen ist in meinen Augen wenig überzeugend, weil sie sich benimmt wie eine junge Frau in der heutigen Zeit und dieses Verhalten auch weitgehend akzeptiert wird. Ich musste mir mehr als einmal in Erinnerung rufen, dass ihr Teil der Geschichte in den 50er Jahren spielt.

Mir fehlte das Gefühl, dass die Charaktere sich im Laufe der Geschichte wirklich weiterentwickeln – und dass es einen Handlungsbogen gibt, der über Leid und Unglück hinausgeht.
Das Ende war für mich nicht schlüssig oder glaubhaft, auf keiner der beiden Zeitebenen.

| FAZIT |

Die kleine Lilly wird in den 30er Jahren an eine Freakshow verkauft, weil sie ‘anders’ ist. Auf eine lieblose Kindheit folgt ein hartes Leben im Zirkus, das erträglicher wird, als entdeckt wird, dass sie eine fast übernatürliche Begabung dafür hat, mit Tieren zu arbeiten. Aber das ist dennoch nicht das Ende ihres Leidens… Zwanzig Jahre später erbt die 18-jährige Julia das Herrenhaus Blackhouse Manor. In den Unterlagen stößt sie auf Fotos von Lilly und beginnt damit, deren Spuren zu folgen.

Ich habe mir viel von diesem Buch versprochen, habe es aber mit einem Gefühl großer Enttäuschung beendet. Nicht nur der Schreibstil konnte mich überhaupt nicht überzeugen – mich hat besonders gestört, wie sehr Lillys ‘Andersartigkeit’ romantisiert und verklärt wird, als hätten Behinderungen und Erkrankungen nur dann Daseinsberechtigung, wenn sie ‘schön’ sind.

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27 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

auftakt, die namen der toten, drogen, england, krimi, kriminalroman, krimi-reihe, penguin book, penguin verlag, richard vega, schleuser, schuld, südengland, taschenbuch, vergangenheit

Die Namen der Toten

Sarah Bailey , Stefan Lux
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Penguin, 09.01.2018
ISBN 9783328101741
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Richard Vega ist ein Ermittler der etwas anderen Art: der ehemalige Militärpriester ist erst seit ein paar Jahren bei der Kripo, hat ein heroinabängiges Mädchen als Ziehtochter bei sich aufgenommen und führt eine quasi-Beziehung mit seiner Vorgesetzten. Zwar schleicht sich gegen Ende ein klitzekleines Krimi-Klischee ein…

Natürlich muss Vega an einem Punkt im Alleingang und gegen klar Anweisungen ermitteln, weil nur er den Fall klären kann!

…aber ansonsten ist er ein komplexer, interessanter Charakter.

Auch die anderen Charaktere fand ich überwiegend gut geschrieben und angenehm vielseitig; sogar die Widersacher und Kriminellen – ja, selbst der/die Mörder! –  haben meist nachvollziehbare, wenn auch nicht unbedingt entschuldbare Motive.

Am schwersten tat ich mich mit Daria Rosen. Sie wird als starke Frau dargestellt – aber dann wiederum auch nicht, und überhaupt konnte ich ihr Handeln oft nicht nachvollziehen.

Obwohl mir das Buch an sich sehr gut gefiel, waren die vielen Passagen, in denen es um Darias Verhältnis zu Richard geht, für mich einfach zu zahlreich, und dabei entwickelte dieses zu wenig Dynamik, um interessant zu sein. In meinen Augen hätte das Buch diese fast-Liebesgeschichte nicht gebraucht. Sie ließ Daria in einem sehr schlechten Licht erscheinen: sie stößt Richard weg, lässt ihn aber nie wirklich gehen, kurz gesagt, sie lässt ihn am ausgestreckten Arm verhungern, und das war irgendwann nur noch ermüdend.

Dafür konnte mich mein Lieblingscharakter Zaid Khan wieder mit dem Buch versöhnen.

Den kann Richard am Anfang nicht ausstehen (er hält ihn für einen arroganten kleinen Schnösel), aber im Laufe des Buches zeigt Zaid nicht nur ungeahnte Talente, eine wache Intelligenz und die Fähigkeit, auch mal um die Ecke zu denken, sondern bringt auch Humor in die Geschichte. Außerdem fand ich die Freundschaft, die sich zwischen Richard und Zaid entwickelt (sehr wiederwillig von Richards Seite), um Längen interessanter als die ganze Geschichte mit Daria.

Richards Ziehtochter Cherry ist hingegen ein fast schon tragischer Charakter, der für mein Empfinden ein wenig zu kurz kam. Sie hätte Potential für mehr gehabt.

In diesem Buch geht es viel um zwischenmenschliche Dynamik in all ihren Spielarten.
Immer wieder spielen Machtstrukturen eine Rolle, ob nun innerhalb der Familie oder innerhalb einer kriminellen Organisation. Besonders die jugendlichen Charaktere werden auf ihre Art alle beeinflusst und verändert von diesen Strukturen, zum Teil mit tragischem Ausgang.

Genauso vielfältig sind die vielen Handlungsstränge, bei denen der Leser lange nicht weiß: was hängt zusammen, was ist eine falsche Fährte? Verschiedene Menschen haben hier große Schuld auf sich geladen, auf ganz unterschiedliche Arten und Weisen.

Der Mord, mit dem die Geschichte anfängt, ist nur die Spitze des Eisbergs
Da spielen auf einmal auch Geschehnisse eine Rolle, die Missstände anprangern und zur Sozialkritik auffordern, dies aber nicht mit erhobenem Zeigefinger. Alles fügt sich nahtlos ein in die Ermittlungen, ohne dass es aufgesetzt wirkt, und macht trotz allem betroffen.

Mir hat diese Komplexität sehr gut gefallen; auch die letztendliche Auflösung fand ich schlüssig und dennoch konnte sie mich überraschen. Unser Krimi-Leserkreis war da allerdings gemischter Meinung: zwei der Teilnehmerinnen fanden die vielen Handlungsstränge etwas ermüdend – dennoch gefiel ihnen das Buch im Großen und Ganzen.

Auch angesprochen beim Treffen des Lesekreises wurden die Namen der Charakter. Diese werden nicht nur manchmal mit Vornamen, manchmal mit Nachnahmen genannt, sondern zum Teil auch mit mehreren Spitznamen.  Mich persönlich hat es nicht gestört, ich möchte aber erwähnen, dass ein paar Teilnehmer es verwirrend fanden.

Der Schreibstil ist ansprechend, intelligent und eher ruhig, kann aber dennoch Spannung und Atmosphäre aufbauen.
Vieles bleibt noch offen, was die Vergangenheit der Charaktere betrifft: wie kam es zum Beispiel, dass Richard sein Leben als Militärpriester aufgab und zur Kriminalpolizei ging? Aber ich vermute, dass man darüber mehr in Folgebänden erfahren wird.

| FAZIT |

DS Richard Vega hat ein albtraumhaftes Déjà Vu: Vor einigen Jahren hat er den Mord an einem 12-jährigen Jungen aufgeklärt… Dachte er zumindest. Nun wird am damaligen Tatort jedoch erneut ein toter Jugendlicher gefunden – und die Art und Weise seines Todes scheint Täterwissen zu offenbaren.

Schnell zeigt sich jedoch, dass es hier um weit mehr geht als ‘nur’ um die Frage, wer die beiden Jungen umgebracht hat und warum. Es offenbart sich ein dichtes Geflecht an Motiven, kriminellen Machenschaften und zwischenmenschlichen Dramen, und die Autorin webt daraus eine gut konstruierte Handlung mit einigen falschen Fährten.Meiner Meinung nach ist das nicht nur originell, sondern auch wirklich spannend!

Einzige die romantischen Verwicklungen des Ermittlers fand ich eher langatmig und unnötig. 

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4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

Bullet Journal: Das Praxisbuch (mitp Business)

Diana Meier-Soriat
Geheftet: 192 Seiten
Erschienen bei mitp, 05.02.2018
ISBN 9783958457065
Genre: Sonstiges

Rezension:

Da ich selber dem Bullet-Journal-Fieber verfallen bin, bin ich sehr angetan von der momentanen Welle des Interesses an diesem genialen Planersystem! Das Schöne daran ist, dass man immer wieder etwas Neues darüber lernen kann und der eigene Planer sich ständig verändert, erweitert und umstrukturiert, bis er perfekt auf seinen Besitzer zugeschnitten ist. Und das Tollste: das ist ganz einfach.

Diana Meier-Soriat gibt dem Leser alles an die Hand, was er braucht – dieses Praxisbuch ist wunderbar strukturiert und besonders (aber nicht nur!) für Anfänger eine wahre Goldgrube an Informationen.

Warum macht Bullet Journaling gerade in unserer digitalen Welt Sinn? Ist das System etwas für mich, und wie sieht sowas aus? Was erwartet den Leser in diesem Ratgeber?

Ein besonderes Highlight war für mich die Materialkunde im zweiten Kapitel.

Ich plane seit vielen, vielen Jahren und habe schon einiges durchprobiert. Und ich wünschte, ich hätte in meinen Anfangstagen voller Irrungen und Wirrungen einen Ratgeber wie diesen gehabt! Ihr wollt gar nicht wissen, wie viele angefangene Notizbücher und Planer hier herumliegen, weil sich dann doch herausstellte, dass sie für meine Zwecke nicht das Richtige waren...

Glaubt mir: die Wahl des richtigen Notizbuches und der richtigen Stifte kann wichtiger sein, als man vermuten würde!

Diana Meier-Soriat geht ins Detail: übliche Lineaturen,  Papiergewicht/qualität – wann eignet sich glattes Papier besser, wann rauhes? –, verschiedene Einbandarten, verfügbare Größen usw.  Sie stellt auch einige Marken vor, deren Notizbücher sich hervorragen fürs Bullet Journaling eignen, wie zum Beispiel das allseits beliebte Leuchtturm 1917, das japanische Hobonichi oder  das eher unbekannte LemoMe.

Auch die verschiedensten Arten von Stiften werden vorgestellt, was für Anfänger sicher hilfreich ist – bei Finliner, Filzliner, Fasermaler, Textmarker, Brushpen und Textmarker kann man schon mal durcheinander kommen.

'Rapid Logging', 'Key Codes', 'Bullets', 'Future Log', was?!

Die Autorin erklärt diese Begriffe gut verständlich mit anschaulichen Beispielen. Auch die üblichen 'Bausteine' eines Bullet Journals werden von ihr ausführlich beschrieben: da gibt es den Index, der als Inhaltsverzeichnis des Journals dient, das 'Future Log', mit dem man zukünftige Termine planen kann, und wahlweise Monats-, Wochen- oder Tagesübersichten. Hier geht es nicht nur ums Optische, sondern auch darum: wie kann ich das nutzen, inwieweit hilft mir das?

Aber es gibt auch Fotos mit konkreten Beispielen, die man wunderbar als Vorlage oder Grundlage für das eigene Bullet Journal nehmen kann. Ich habe ein paar Ideen schon verwendet und werde in Zukunft sicher noch andere ausprobieren!

Über die grundlegendste Planung hinaus:

Natürlich kann man ein Bullet Journal ausschließlich als Kalender nutzen, aber die Möglichkeiten sind endlos. Einige davon stellt die Autorin im sechsten Kapitel vor, wie zum Beispiel den Habit-Tracker, mit dem man die eigenen Gewohnheiten beobachten und dadurch besser beeinflussen kann, den Bücher-Tracker, der das Leseverhalten dokumentiert, den Haushalts-Tracker (gegen den inneren Schweinehund), Einkaufslisten, Rezepte, Hochzeitsplanung, Social-Media-Planung, und, und, und...

In meinem eigenen Bullet Journal möchte ich einiges davon noch einbauen!

Zuguterletzt spricht Diana Meier-Soriat noch über die Nutzung des Bullet Journals als Tagebuch: als 'normales' Tagebuch, Reisetagebuch oder auch ganz kreativ mit Zeichnungen und Bildern. Die Verwendungsmöglichkeiten von Farben und Dekoelementen bleiben nicht unbeachtet, und auch Washi-Tape, Stempel und Schablonen dürfen nicht fehlen.

Social Media:

Ein nettes Schmankerl: einige schöne Instagram-Kanäle und Webseiten zum Thema werden zum krönenden Abschluss mit Beispielbildern aufgelistet.

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Gestalte dein Journal mit der Bullet-Methode

Jasmin Arensmeier
Flexibler Einband
Erschienen bei Südwest, 05.03.2018
ISBN 9783517096841
Genre: Sachbücher

Rezension:

Wer mich kennt, der weiß: ich liebe, liebe, LIEBE Planer. 

Ob Haushalt, Hobby oder Gesundheit, mir helfen Planer dabei, produktiver zu sein und meine Zeit sinnvoller zu nutzen. Nun gibt es Planer ja in allen möglichen Ausführungen: als Ringbuch, Softcover, Hardcover, Traveler's Notebook, digital als App fürs Smartphone, und, und, und... Im Laufe der Jahre habe ich alle Spielarten ausprobiert, stellte aber schnell fest, dass fertig vorgedruckte Planer mit nicht genug Freiraum bieten.

Auftritt: Bullet Journal

Das Bullet Journal ist ein DIY-Planersystem, bei dem man sich seinen eigenen Planer exakt so gestaltet, wie man ihn haben möchte und braucht, und das kann von minimalistisch bis hochkünstlerisch einfach alles sein.

Das Buch von Jasmin Arensmeier stellt diese Methode vor, und das ist besonders (aber nicht nur) für Einsteiger interessant.

Im ersten Kapitel stellt sie in einem schönen Überblick die Grundlagen der Methode und ihren Erfinder, Ryder Carroll, vor. Dabei kommt zur Sprache: was brauche ich, wie wähle ich das richtige Notizbuch und die richtigen Stifte für mich aus, was gibt es sonst noch so an Zubehör (Schablonen, Sticker, Stempel)...

Im zweiten Kapitel geht es dann direkt ans Eingemachte.

Hier werden erstmal die üblichen Seiten vorgestellt, die fast jedes Bullet Journal hat: Inhaltsverzeichnis, Jahresübersicht, Monatsübersicht, Wochenübersicht, Tagesplanung. Dabei kann man natürlich nach Belieben auswählen, was man für sich wirklich braucht! So verwende ich in meinem Lesetagebuch zum Beispiel nur Jahres- und Monatsübersichten, in meinem Blogplaner jedoch hauptsächlich Wochenübersichten.

Die Autorin zeigt viele Beispiele aus ihrem eigenen Bullet Journal, sowohl sehr kreative als auch eher minimalistische Layouts. Sie betont, dass Bullet Journaling etwas sehr Subjektives ist und daher auch die unterschiedlichsten Herangehensweisen ihre Daseinsberechtigung haben. Als Anfänger kann man ihre Seiten erstmal als Vorlage nehmen, aber sie natürlich auch abwandeln und an den eigenen Geschmack anpassen. 

In diesem Kapitel gibt es auch sehr interessante Informationen darüber, wie man seine Produktivität steigern kann, ohne sich zu überfordern. Da geht es zum Beispiel darum, auszuwählen, was wirklich dringend ist und was nicht, oder wie lange es dauert, bis ein neues Verhaltensmuster zur Gewohnheit wird. 

Dazu passend zeigt Jasmin Arensmeier verschiedene Beispielseiten: Gewohnheitstracker, Quartalsziele, aber auch Dankbarkeitslisten oder Ausgaben.

Im dritten Kapitel geht es um Handlettering, Schmuckelemente zum Selberzeichnen und nützliche Tricks und Kniffe.

Hier sieht man wunderbar, welche kreativen Möglichkeiten man alleine mit Stift und Papier hat, und damit kommt die erste Reise durchs Land des Bullet Journaling auch fast schon zum Ende.

Das vierte Kapitel bietet ein paar Anleitungen für DIY-Projekte, und im letzten Kapitel dreht sich alles um das Thema Inspiration.

Wo finde ich Inspiration? Wo finde ich Gleichgesinnte? Was sind die besten Bullet-Journal-Hashtags? Außerdem: 99 Ideen fürs Bullet Journal, vom Putzplan über Lieblingszitate bis hin zu relevanten Öffnungszeiten.

Abschließend zeigt die Autorin ihre persönlichen Lieblingsseiten aus ihrem Bullet Journal.

Obwohl mir das Thema Bullet Journal nicht ganz neu war, fand ich das Buch dennoch sehr lohnend.

Es bietet einen sehr guten Gesamtüberblick und viele Anregungen, die man nach Lust und Laune umsetzen, umgestalten und erweitern kann. Als Anfänger findet man hier direkt alles, was man braucht, um loszulegen, und die schönen Beispielfotos machen auch wirklich Lust darauf, es mal auszuprobieren.

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Die Lügnerin

Linn Ullmann
Flexibler Einband: 378 Seiten
Erschienen bei btb, 13.05.2013
ISBN 9783442746385
Genre: Romane

Rezension:

"Alle glücklichen Familien sind einander ähnlich; unglücklich ist jede Familie auf ihre eigene Art."
(Leo Tolstoi)

An dieses Zitat fühlte ich mich beim Lesen öfters erinnert, denn die Familie Blom ist ohne jeden Zweifel sowohl unglücklich als auch eine bunte Ansammlung starker und widersprüchlicher Persönlichkeiten. Ob das jetzt die stets zornige, genüsslich verbiesterte Tante Selma ist, die unwiderstehlich schöne Mutter/Schauspielerin Anni, die traurige Schwester Julie – oder eben Karin: die Ich-Erzählerin, die Lügnerin.

Diese hat als Kind schon den Unterschied gelernt zwischen Lügen, die sich lohnen, und solchen, die ihr nur Ärger einbringen, und seitdem lügt sie. Aus Langeweile, aus Geltungssucht, um etwas zu bekommen oder einfach aus Prinzip, jedenfalls unverfroren und ohne mit der Wimper zu zucken. Als Leser schwant einem schnell, dass man auch dem nicht bedingungslos Glauben schenken kann, was sie über ihre Familie erzählt.

Der Übergang zwischen Lüge und Fantasie ist dabei oft fließend. So beginnt Karin auf einer Hochzeit ein Gespräch mit dem Priester, das zunehmend unwahrscheinlicher klingt, bis man sich verunsichert fragt, ob Karin selber glaubt, was sie da erzählt. Vielleicht überreizt sie die Glaubwürdigkeit auch ganz bewusst, mit diebischer Freude, wie ein kleines Kind, dass die Grenzen austestet?

Im Verlaufe des Buches werden ihre Geschichten immer absurder – bis hin zu einer Episode mit einer Makrele, die an Kafkas "Die Verwandlung" erinnert, aber meines Erachtens nicht an dessen rohe Wucht heranreicht.

Karin wirkte auf mich wie eine unreife Person, die ein tiefes und unerklärliches Unglück mit sich trägt. In krassem Kontrast zu ihrer beinahe kindlichen Unreife steht, wie obsessiv und plakativ sie ihre Sexualität auslebt: sie sucht sich wahllos Männer, die sie aggressiv verführt, zum Teil in vollkommen unangemessenen Situationen. Oder sind auch das nur Fantasien? 

Beim Lesen hatte ich das Gefühl, dass Karin mehr und mehr den Halt und jede familiäre Identität verliert, während ihre Fantasien die durchaus interessante Familiengeschichte immer wieder bis ins Unrealistische verzerren.

Je bunter ihre Lügen werden, desto blasser erschienen mir indes die anderen Charaktere: degradiert zu bloßen Statisten.

Die Geschichte ist zweifellos originell, aber sie springt hin und her, mäandert über lange Strecken ohne roten Faden vor sich hin. Zwar ist das wahrscheinlich unvermeidlich bei einer Hauptfigur wie Karin, und normalerweise liebe ich unzuverlässige Erzählstimmen in der Literatur –  hier konnte es mich jedoch zu meinem größten Bedauern nicht vollends überzeugen. 

Die Spannung ging mir dadurch verloren, viele Passagen fand ich ermüdend langatmig und unbeholfen. Frustriert versuchte ich, dem Tiefgang nachzuspüren, der immer wieder anklingt: zwar kann man erahnen, was sich hinter diesem oder jenem Bild verbirgt, aber es bleibt bei der Ahnung. 

Schall und Rauch? Oder doch bewusstes Spiel mit dem Leser?

"Pseudo-intellektuell" nennt das ein Leser auf Amazon. "Langweilig", "schwache Leistung" oder "vertane (Lese-)zeit" urteilen andere. Zum Zeitpunkt, da ich diese Rezension schreibe, haben stolze 37% (!!) der Bewertungen nur 1 Stern vergeben. 

Ich zögere, das Buch so harsch zu beurteilen. Zwar sehe ich durchaus verschenktes Potential, aber nach dem Lesen hat mich die Frage nach der Bedeutung des Ganzen noch tagelang beschäftigt: was steckt wirklich hinter den frappantesten von Karins Lügen? Was bedeutet die Makrele? Was, dass die Mutter im wahrsten Sinn des Wortes das Gesicht verliert? 

Die Geschichte hat einen Nachhall, den nur eine Geschichte mit Bedeutung haben kann. Dennoch: empfehlen würde ich das Buch eher nicht.

Ein paar abschließende Worte zum Schreibstil: er ist oft sehr schlicht und einfach, mit zahlreichen Wiederholungen, die jedoch sehr bewusst eingesetzt werden, mit einem beinahe lyrischen Klang. Viele der Metaphern und Bildern sind unglaublich stark, auch wenn sich ihr Sinn nicht immer erschließt.

Ich habe ein paar Seiten im norwegischen Original gelesen, und dort ergibt sich daraus ein sehr starker Sprachrhythmus, der sich nicht gänzlich ins Deutsche übertragen lässt (obwohl die Übersetzung sicher sehr gut ist).

"Anni liebte ihre Kinder. Ich liebe meine Kinder, sagte sie immer. So war sie erzogen: eine Mutter liebt ihre Kinder. Sie sagte es immer laut, oft ganz unmotiviert, zu allen, die es hören mochten: ich liebe meine Kinder. Großmutter liebte ihre Kinder auch, sie liebte ihre Tochter Anni, und sie liebte ihre Tochter Else, die in Wisconsin lebt. Ich bin sicher, dass Großmutters Mutter Großmutter liebte, so wie Großmutter Mutter liebte und wie unsere Mutter uns liebt. Wir waren eine liebevolle Familie."

| FAZIT | 

Karins Familie ist liebevoll, ihre Mutter unwiderstehlich, ein Mann verwandelt sich in eine Makrele, und möglicherweise ist mehr als eines davon eine Lüge.

"Die Lügnerin" ist eine verschachtelte Familiengeschichte voller (zunächst) überlebensgroßer Charaktere, aber für mich verlor sich der Reiz der Geschichte zunehmend. Durch Karins Lügen bleibt sie selber ungreifbar, und je mehr sie sich in ihren Lügen in den Mittelpunkt stellt, desto schwächer wirkte auf mich der Rest der Charaktere.

Geschichte und Schreibstil haben großartige Momente, trotzdem konnten sie in meinen Augen ihr Potential nicht vollständig entfalten.

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31 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Die vielen Leben des Harry August

Claire North , Eva Bauche-Eppers
Flexibler Einband
Erschienen bei Bastei Lübbe, 24.04.2017
ISBN 9783404175307
Genre: Romane

Rezension:

In meinen Augen ist dieses Buch nichts weniger als ein Meisterwerk, angesiedelt zwischen den Genres Science Fiction und Fantasy – aber weit, weit ab von den jeweiligen genretypischen Klischees. Darüber hinaus ist es wunderbar geschrieben und intelligent konstruiert, die Charaktere sind auf verschiedenste Arten komplex...

Am liebsten würde ich es dabei belassen, um auch ja nicht zu viel zu verraten (liebe/r Leser/in, vermeide Spoiler wie die Pest!), aber dann wäre diese Rezension deprimierend inhaltsleer.


Daher nun doch ein paar Worte zu Harry August und seiner faszinierenden Existenz: 

Wie man schon nach wenigen Seiten erfährt, lebt Harry immer wieder das gleiche Leben: nach jedem Tod wird er wieder am gleichen Ort, unter den gleichen Umständen und zum exakt gleichen Zeitpunkt wiedergeboren. Während die meisten Menschen (wie du und ich) linear leben, ist er ein Wesen, das in einer ewigen Schleife zwischen Geburt und Tod existiert, ein Kalachakra – und nicht der Einzige seiner Art.

Die Kalachakra sind keine Vampire, sie nennen keine Magie ihr eigen, und wenn ihre Fähigkeiten bisweilen übermenschlich erscheinen, dann nur, weil sie viele Leben Zeit haben, um diese zu perfektionieren. Auch wenn ihre Geburt mit den entsprechenden Grundbedingungen festgelegt ist, steht es ihnen frei, in jedem Leben neue Entscheidungen zu treffen.

Unglaublich spannend fand ich zum Beispiel die Art und Weise, wie sie Informationen von Generation zu Generation weitergeben (in beide Richtungen) und gleichzeitig ihre Existenz geheimhalten: 


Nachrichten in die Zukunft werden mündlich weitergereicht von Alt an Jung, Alt an Jung. Ein Kalachakra wartet bis kurz vor seinem Tod und erzählt dann einem Kalachakra, der zu diesem Zeitpunkt noch ein Kind ist, seine Botschaft. Dieser wartet dann ebenfalls bis kurz vor seinem Tod und hält es genauso.  Nachrichten in die Vergangenheit funktionieren umgekehrt: Jung an Alt, Jung an Alt. (Auf diese Weise erhält Harry die im Klappentext erwähnte Nachricht über drohende Ende der Welt.)

Was daraus entsteht ist eine Gesellschaft, die strenggenommen keine Zeitreise betreibt, da sich jeder nur im zeitlichen Rahmen seines eigenen Lebens bewegen kann, für die Zeit aber dennoch ein sehr dehnbares Konstrukt  ist. Ihre Möglichkeiten sind nahezu unbegrenzt, umso wichtiger ist es, dass sie sich bemühen, nicht in den Lauf der Zeit einzugreifen...

Über den Verlauf der Handlung möchte ich nichts Konkretes verraten. 

Nur soviel: Claire North reizt die Möglichkeiten, die sich den Kalachakra bieten, voll und ganz aus, und es gelingt ihr dennoch, die üblichen Zeitreise-Paradoxa zu vermeiden. Mehr als einmal war ich voll der  Bewunderung dafür, wie unglaublich clever und komplex die Handlung ist! Fast alle der wichtigen Charaktere sind Kalachakra und existieren daher auf vielen Zeitebenen, mit ganz unterschiedlichen Lebensverläufen – und natürlich  stellt sich von Generation von Generation immer deutlicher heraus, dass es ihnen nicht vollständig gelingt, den vorgesehenen Verlauf der Zeit nicht zu beeinflussen...

Spannend fand ich die ethischen und philosophischen Fragen, die sich zwangsläufig ergeben.

Wie schon erwähnt, sind die Charaktere meiner Meinung nach großartig geschrieben. Harry selber ist ein Mann, der einem sympathisch sein kann, obwohl im Laufe seiner vielen Leben die Grenzen zwischen Gut und Böse immer mehr verschwimmen. Oder vielleicht sollte ich sagen: Harry ist irgendwann einfach über den Punkt hinaus, wo man ihn noch nach so normalen Maßstäben beurteilen kann.

Seine Absichten sind lauter, sein Ziel ist die Rettung der Welt – aber er ist oft gezwungen, dafür sehr weit zu gehen.

Aber der wahre Geniestreich des Buches ist für mich das Verhältnis zwischen Antagonist und Protagonist.

So beginnt Harry seine Lebensbeichte:

"Dies schreibe ich für dich. Mein Freund. Mein Feind." 


Und tatsächlich sind sie beides: enge Freunde, erbitterte Feinde, oft in ein und demselben Lebenszyklus. Sie tun sich furchtbare Dinge an, und dennoch haben sie beide nachvollziehbare Gründe für das, was sie tun. Ich wollte, dass Harry IHN aufhält, und gleichzeitig graute mir davor, weil es mir unmöglich schien, dass dies nicht für beide eine Tragödie sein würde...

Der Schreibstil ist meines Erachtens hervorragend: intelligent und wortgewandt, genauso abseits der Klischees wie die Handlung.

| FAZIT | 

Es würde mich sehr wundern, wenn ich dieses Buch im kommenden Dezember nicht als eines meiner Jahreshighlights betrachten würde. Die Geschichte ist zutiefst originell und lässt sich nur schwer einordnen in ein einziges Genre:

Die Kalachakra sind Menschen, deren Leben nicht linear verlaufen. Jeder Tod bringt sie immer wieder zurück zum Zeitpunkt ihrer Geburt (im Falle von Harry August ein Tag im Jahr 1919), wobei sie einen Großteil ihrer Erinnerungen behalten. Zusammengehalten werden die Kalachakra vom Cronus Club, der durch mündliche Überlieferung zwischen den Generationen Nachrichten durch die Zeit schickt, und so erfährt Harry vom nahenden Ende der Welt, ahnt jedoch nicht, wie nahe er der Ursache dafür ist...

Ein echtes Highlight war für mich die zwiespältige und herzzerreißende Freundschaft zwischen Antagonist und Protagonist.

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9 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

mystery thriller, roman, thriller-roman

The Ascent - Der Aufstieg

Ronald Malfi , Sedar Sener
Flexibler Einband: 364 Seiten
Erschienen bei Luzifer-Verlag, 30.06.2017
ISBN 9783958351936
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Es ist kein klassischer Thriller, kein reines Bergsteiger-Drama, mehr als nur eine psychologisch dichte Studie des menschlichen Verhaltens in Extremsituationen. Es ist von allem etwas, mit mehr als einem Hauch Mystery. (Eher schon eine steife Brise Mystery.) Aber vor allem ist es pure Atmosphäre.

Die Mischung entwickelt ihren ganz eigenen Sog, lässt sich dabei jedoch Zeit. 

Erstmal lernt man den Extremsportler Tim kennen, der eine ganz üble Zeit hinter sich hat und droht, an seinen Dämonen zugrunde zu gehen. Nachdem seine letzte waghalsige Tour ihn (leider?) nur beinahe umgebracht hätte und auch der Alkohol keine Lösung mehr ist, erscheint es ihm als großartige Idee, sich einer Expedition an einen Ort anzuschließen, von dem noch nie jemand lebend zurückgekehrt ist. Und das mit Menschen, die ähnlich bedenkliche Einstellungen mitbringen.

Tim ist ein sympathischer Typ, der total aus der Bahn geworfen wurde, sich mit Schuldgefühlen quält und dabei in meinen Augen zu hart mit sich ins Gericht geht. Die meisten anderen Charaktere lassen sich zunächst nicht in die Karten schauen, so dass Tim (und mit ihm der Leser) nicht weiß, wem er trauen kann und welche Ziele die anderen Teilnehmer dieser wahnwitzigen Expedition verfolgen.

Trotz dieser Undurchsichtigkeit fand ich sie schnell sehr interessant und auch sehr überzeugend geschrieben. Nach und nach erfährt man mehr über ihre Motive und gewinnt ein Gespür für ihre jeweilige Persönlichkeit, und das trotz der Tatsache, dass man sie in einer Situation erlebt, sie alles andere als  normal ist.

Meines Empfindens baut sich die Spannung erst nach dem ersten Drittel so richtig auf – dann zieht sie aber mehr und mehr die Daumenschrauben an. 


Denn was die Teilnehmer dieser Expedition versuchen, ist kompletter Irrsinn, der Tod lauert immer und überall... Dazu kommt, dass Tim sich bald schon die Frage stellen muss, ob sie sich nur mit Extremtemperaturen und möglicherweise unzureichender Ausrüstung herumschlagen müssen, oder ob im Hintergrund jemand agiert, der ein Interesse daran hat, die Expedition scheitern zu lassen.

Dennoch ist es nicht die Art von Spannung, die man zum Beispiel von einem Actionfilm erwarten würde. Viel von der Spannung ergibt sich aus den persönlichen Konflikten und der inneren Zerrissenheit der Protagonisten. Tim zum Beispiel ist sich selbst ein größerer Feind, als die feindliche Natur es je sein könnte.

Die Auflösung fand ich überraschend, originell, clever konstruiert und überwiegend schlüssig. 

Nur ganz am Schluss überreizt sie die Glaubwürdigkeit meiner Meinung nach doch ziemlich, da wäre weniger vielleicht doch mehr gewesen.

Auch im Laufe der Handlung gibt es die ein oder andere Szene, wo ich mich fragte: wäre das wirklich möglich? Das geht an die Grenzen der Belastbarkeit von Mensch und Material, oder eher darüber hinaus. Aber der Autor schaffte es mit seinem bildhaften, atmosphärischen Schreibstil immer wieder , mich so in die Geschichte hineinzuziehen, dass diese Zweifel keine Rolle spielten und ich einfach nur weiterlesen wollte.

Die deutsche Übersetzung liest sich zum Teil etwas holprig: so wird das englische Verb "wink", um nur ein Beispiel zu nennen, durchgehend mit "winken" übersetzt – statt mit "zwinkern",  wie es korrekt wäre. (Ich habe ein paar Passagen mit dem englischen Original verglichen.)

Mein Fazit:

Nach einem persönlichen Schicksalsschlag, an dem er sich die Schuld gibt, ist Extremsportler Tim am Ende. Um sich davon abzulenken (oder die ganze Sache abzukürzen), sagt er die Teilnahme an einer Expedition zu, die zum Ziel hat, die "Schlucht de Seelen" zu erreichen. Nur ist von da noch nie jemand lebend zurückgekehrt.

Sieben Männer, die alle ihre ganz eigenen Gründe haben, an dieser Expedition teilzunehmen. Die vielleicht lebensfeindlichsten Bedingungen, die man sich vorstellen kann.

Mir hat das Buch gut gefallen (die Atmosphäre ist großartig), man sollte sich aber vom Klappentext nicht täuschen lassen: Dieses Buch hat Mystery-Elemente, auch wenn sich bei einigen davon herausstellt, dass es eine realistische Erklärung gibt. Aber seit Indiana Jones haben Abenteuergeschichten mit ein bisschen Mystery ja Tradition!

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