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100 Bibliotheken, 10 Leser, 0 Gruppen, 29 Rezensionen

qualityland, dystopie, roman, humor, marc-uwe kling

QualityLand

Marc-Uwe Kling
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 22.09.2017
ISBN 9783550050152
Genre: Romane

Rezension:

Einerseits ist das Buch ein großer Lesespaß für alle Leute mit einem Hang zum schwarzen Humor, andererseits bleibt mir beim Lesen oft vor Schreck die Luft weg, weil ich genau solche Entwicklungen bei uns und in der Welt sehe und nicht ansatzweise weiß, wie man dies verhindern könnte.

Peter Arbeitsloser, dessen Nachname sich auf den Beruf seines Vaters bezieht, lebt ein eher einfaches Leben, da er nur ein „Unter-Level-10-Mensch“ ist. Die ersten Minuslevel hat er wohl schon aufgrund seines Nachnamens bekommen. Eines Tages erhält er von „TheShop“ (auch hier sind die Parallelen unübersehbar) einen rosafarbenen Delphin-Vibrator, den er zwar nicht bestellt hat, aber „TheShop“ weiß ja im Voraus, was seine Kunden wünschen. Peter wünscht dieses Ding nun auf gar keinen Fall und fängt an, Widerstand zu leisten, beginnt Fragen zu stellen und eigenständig Erkenntnisse zu gewinnen. Dabei helfen ihm diverse ausrangierte und defekte KI = künstliche Intelligenzen und ein paar Menschen, die sich auch außerhalb der schönen Regelwelt bewegen.

Und erstaunlicherweise gelingt es ihm, Aufmerksamkeit zu bekommen. Andere Menschen schließen sich ihm an. Aber kann er etwas in Qualityland verändern, was über einen kurzen Internet-Hype hinausgeht?
Das liest sich unglaublich unterhaltsam, der Autor hat so viele Hinweise und Bezüge zu aktuellen Geschehnissen eingebaut (zum Beispiel die 57-Jährige, die sich jährlich Vierlinge einsetzen lässt), dass ich immer wieder lachen musste. Sehr gut haben mir auch immer wieder die eingestreuten Kommentare von diversen Forenlesern auf den schwarzen Seiten gefallen.
Aber wie können wir verhindern, dass sich unsere Welt dorthin entwickelt? Können wir das überhaupt verhindern? Wollen wir es bzw. wie viele würden das wollen? Sehr viele Menschen in Qualityland leben ja sehr gern dort.

Auf jeden Fall eine Leseempfehlung von mir!

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10 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

unabhängigkeit, liebesgeschichten, 19. jahrhundert, hamburg, historische romantik

Im Feuer der Freiheit

Bele Freudenberg
Buch: 384 Seiten
Erschienen bei Bookspot Verlag, 26.07.2017
ISBN 9783956690907
Genre: Historische Romane

Rezension:  
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61 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 46 Rezensionen

österreich, berge, berg, bergwelt, liebe

Durch alle Zeiten

Helga Hammer
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Ullstein fünf, 13.10.2017
ISBN 9783961010080
Genre: Romane

Rezension:

Der Roman basiert nach Angaben der Autorin im Nachwort auf den Erzählungen einer Bergbäuerin, mit der die Autorin befreundet war. Das Buch beginnt mit der Geburt von Elisabeths 3. Kind und nach jedem Kapitel in der Gegenwart folgt ein Kapitel mit Rücksprung in ihre Vergangenheit, die Erzählstränge laufen somit parallel weiter, das liest sich durchaus interessant.

Das Mädchen Elisabeth wird 1940 als eines von 5 Kindern einer sehr armen Familie in der Ramsau geboren. Trotz dieser schlechten Voraussetzungen für ihr weiteres Leben hat Elisabeth durchaus auch Trümpfe: sie sieht sehr hübsch aus und ist fleißig, lernbegierig und nicht dumm. Deshalb darf sie nach der Schule eine Ausbildung am einer Haushaltschule machen und lernt dort unglaublich viel Neues.

Leider lässt sie sich aber schon mit 17 auf eine aussichtslose Liebelei ein, als sie sehen muss, dass ihr Freund sie nur belogen hat, geht sie als Hotel- und Hausmädchen nach England. Und auch dort lässt sie sich wieder auf eine aussichtslose Affäre mit dem Mann ihrer Arbeitgeberfamilie ein. Und wird prompt von diesem schwanger.
Nach der Rückkehr in die Heimat gelingt es ihr mit viel Glück, List und Tücke, einen Ehemann zu finden und diesem das Kind als seines unterzuschieben. Nun könnte alles schön sein und alle glücklich miteinander leben, aber die Betrügereien gehen weiter.

Und damit habe ich große Probleme. Elisabeth ist der Jahrgang meiner Eltern, auch diese hatten zum Teil keine wirklich glücklichen Lebens-Startbedingungen, haben sich aber niemals so ziellos treiben lassen. Elisabeth lässt sich immer wieder nur von ihren Gefühlen und Begierden auf unterschiedliche, entweder vergebene oder unerreichbare Männer leiten und betrügt dabei auch skrupellos diejenigen, die wiederum sie lieben. Damit hätte ich auch keine Probleme, wenn es nur ihr Leben betreffen würde, aber sie mutet dabei auch ihren Kindern von 3 verschiedenen Vätern sehr viel schlechte und gewalttätige Erfahrungen zu und das stößt mich sehr ab. Ich kann ihr Handeln zumeist nicht nachvollziehen und sie ist mir nicht sympathisch.

Überhaupt habe ich bei dem Buch das Gefühl, dass eine Welt aus dem 19. Jahrhundert beschrieben wird und nicht eine, die nahe an unsere Gegenwart heranreicht. Elisabeth lebt ja nicht irgendwo in einem Entwicklungsland, sondern in Österreich und könnte damit ihr Leben in die Hand nehmen und selbst gestalten – nicht nur in Liebesdingen.

Trotzdem liest es sich sehr flüssig und interessant, gibt mir einen Blick in eine ganz andere Lebenswelt - deshalb von mir 3 Sterne.

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23 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

psychiatrische anstalt, nervenklinik, klinik marienberg am bodensee, mor, psychatrie

Patient 211

Silke Nowak
E-Buch Text: 185 Seiten
Erschienen bei Viktoria Publishing, 18.09.2017
ISBN B075RPSY7B
Genre: Sonstiges

Rezension:

Die Geschichte wird aus der Sicht des psychologischen Gutachters Dr. Julian Kraft erzählt. Er wird in die Klinik Marienberg eingeladen, um den Geisteszustand von Linda Fallersleben zu begutachten, die angeklagt ist, ihren Ehemann, den Psychoanalytiker Benjamin Fallersleben ermordet zu haben.

Die Zustände in der Klinik sind sehr merkwürdig, und je länger Dr. Kraft dort ist, desto verstörendere Entdeckungen macht er. Einerseits haben diverse Mitarbeiter und auch die Chefs Verhältnisse mit anderen Klinikangehörigen und andererseits stellt sich heraus, dass es eine Serie von Selbstmorden und verschwundenen Patienten gibt. Das soll möglichst alles unter der Decke gehalten werden.
Auch Dr. Kraft selbst benimmt sich nicht so, wie man es von einem unparteiischen Gutachter erwarten würde.
Und die Geschichte nimmt schnell Fahrt auf, weitere (Selbst?)-Morde passieren und die Suche nach dem Mörder von Dr. Fallersleben wird immer undurchschaubarer.

Es liest sich sehr spannend, auch wenn mir die Personen durch die Bank weg unsympathisch sind, möchte ich doch wissen, wer hinter den ganzen Morden steckt.
Und die Auflösung ist wirklich überraschend, wenn auch nicht alle Fragen am Ende geklärt werden, so ist der Autorin hier doch ein wirklich spannendes Stück Krimi gelungen.

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48 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 41 Rezensionen

trauer, raf, schuld, vergangenheit, liebesroman

In einem anderen Licht

Katrin Burseg
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei List Verlag, 08.09.2017
ISBN 9783471351406
Genre: Romane

Rezension:

Die Journalistin Miriam, die vor einiger Zeit ihren Mann verloren hat und nun allein mit ihrem Sohn Max lebt, bereitet für den Verlag einer Frauenzeitschrift, bei dem sie arbeitet, eine große Preisverleihung vor. Es sollen außergewöhnliche Projekte für Zivilcourage geehrt werden, das Preisgeld wird gestiftet von einer angesehenen und bekannten Reeders-Witwe aus Hamburg, Dorothea Sartorius.

Überraschend bekommt Miriam die Möglichkeit, ein Interview mit Frau Sartorius führen zu dürfen und bekommt dabei ganz überraschende Einblicke in das Leben dieser sonst so unnahbaren und diskreten Frau. Gleichzeitig bekommt Miriam aber in die Redaktion immer wieder rätselhafte anonyme Briefe, die irgendwie auf eine Missetat von Frau Sartorius hinzudeuten scheinen.

Und so beginnt sie zu recherchieren. Gleichzeitig hat sie aber immer noch mit der tiefen Trauer und dem Kummer um ihren getöteten Mann zu kämpfen und muss dabei auch auf ihren Sohn und dessen Gefühle achten, der ebenfalls noch sehr leidet. Diese Gemengelage kann ich sehr gut nachfühlen und die beiden tun mir sehr leid, die Gefühle angesichts eines so sinnlosen Todes hat die Autorin wirklich sehr gut beschrieben, auch die immer wieder kehrenden Trauer- und Panikattacken.
Bei einem Kurzurlaub an der Schlei bekommt Miriam entscheidende Hinweise, dass Dorothea wohl in das Umfeld von RAF-Sympathisanten eingebunden war.

Und hier kommen für meinen Geschmack viel zu viele Zufälle, Mysterien und Vorhersehungen ins Spiel, so dass dieser Teil nicht besonders glaubwürdig ist.
Miriam muss nun ihre Erkenntnisse für sich werten und entscheiden, in wie weit sie damit in die Öffentlichkeit geht und damit auch ein ganzes Stück in das Leben von Dorothea Sartorius eingreift. Erschwerend kommt noch hinzu, dass es da den geheimnisvollen Mann Bo gibt, der ebenfalls in die Geschichte mit eingebunden ist …
Dieser Zwiespalt wird im Buch für mich sehr gut dargestellt, was war damals richtig und falsch, wie stehen wir heute zu Teilen unserer deutschen Geschichte, wissen wir heute wirklich immer alles besser und dürfen deshalb urteilen? Und wie sehr dürfen wir ins Leben anderer Menschen eingreifen und sei es auch aus besten Absichten? Das regt wirklich zum Nachdenken an.
Abseits davon haben mir die Schilderungen der Schleilandschaft und des Hamburger Lebens sehr gut gefallen, ich mag beide Gegenden sehr gerne und finde sie sehr gut beschrieben.

In Summe ein sehr schöner spannender Roman um Liebe und Verlust, Suche nach Wahrheiten und einem Stückchen neuerer deutscher Geschichte, das für meinen Geschmack noch hätte etwas ausführlicher hätte ausfallen können. 

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59 Bibliotheken, 2 Leser, 3 Gruppen, 47 Rezensionen

münchen, krimi, trauer, ex-kommissar, jakob franck

Ermordung des Glücks

Friedrich Ani
Fester Einband: 317 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 11.09.2017
ISBN 9783518427552
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Mit diesem Buch habe ich mich erstaunlicherweise recht schwergetan. Eigentlich versprach alles einen soliden Krimi, der Titel ist wirklich hart und bringt die Befindlichkeiten auf den Punkt, ebenso finde ich das Coverbild ganz wunderbar passend und berührend. Trotzdem bin ich ganz schwer in das Buch hineingekommen.
Ich kann weder den ermittelnden Kommissar Frank richtig fassen, noch bekomme ich Zugang zu den Eltern und der Familie des ermordeten Kindes.
Der 11-jährige Lenny wurde auf dem Heimweg von der Schule entführt und ermordet, die Leiche wurde erst geraume Zeit später gefunden. Der bereits pensionierte Kommissar Franck überbringt den Eltern die schreckliche Nachricht und unterstützt seine Kollegen bei den Ermittlungen.
Die Familie leidet ungemein und nach und nach tauchen Geheimnisse aus der Vergangenheit auf, die ziemlich verstörend sind und auch der Kommissar hat seine familiären Verstrickungen, die nun mit diesem Fall wieder hochkommen. Die Stimmung ist düster und tief bedrückend.

Ich finde allerdings den Schreibstil sehr anstrengend, richtige Spannung will bei mir einfach nicht aufkommen. Je mehr ich von der Mutter und ihrem Bruder erfahre, desto weniger möchte ich eigentlich von dieser Familie wissen.

Sehr realistisch und gut finde ich allerdings die verzweifelte Suche der ermittelnden Polizeigruppe, die nach über 1 Monat eben nicht mal so einfach entscheidende Spuren auf der Straße aufliest, wie es die TV-Krimiwelt meistens darstellt.
Für „normale“ Krimifans ist dieses Buch eher nichts, für meinen Geschmack verliert man sich zu sehr in den psychologischen Abgründen der Familie, deshalb meine eher mittlere Bewertung.

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99 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 58 Rezensionen

england, zweiter weltkrieg, musik, singen, frauen

Der Frauenchor von Chilbury

Jennifer Ryan , Andrea O´Brien
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 07.09.2017
ISBN 9783462048841
Genre: Romane

Rezension:

Das Coverbild fand ich eigentlich ein bisschen kitschig und vermutete zusammen mit dem biederen Titel eher eine Rosamunde-Pilcher-ähnliche Schmonzette.
Aber schon die Leseprobe hat mich dann richtig umgehauen und als ich das Buch gewonnen hatte, habe ich mich sehr gefreut. Und das Buch hat meine hohen Erwartungen nicht enttäuscht.

Geschrieben ist der Roman als Tagebucheintrag oder Brief jeweils aus Sichtweise der unterschiedlichen Protagonisten, das macht es für mich unglaublich spannend. So bekommt man einen guten Blick, wie sich die einzelnen Personen selbst sehen und von den anderen Dorfbewohnern gesehen werden. Und auch die einzelnen Schriftstücke sind dann in unterschiedlichen Stilen geschrieben, so dass sich die Personen immer wieder gut wiedererkennen lassen.

Der Roman spielt zu Beginn des 2. Weltkrieges, die Männer sind zum größten Teil an der Front und die Frauen gezwungen, ihr Leben allein zu organisieren. Um weiterhin gemeinsam singen zu können, wird durch Primrose Trent, eine neu zugezogene und recht unkonventionelle Musiklehrerin, der Frauenchor von Chilbury gegründet. Sie schafft es, den Frauen Mut zu geben, sich auszuprobieren und neue eigene Wege zu gehen.
Zum Beispiel die 13-jährige Kitty Winthrop, die immer im Schatten ihrer größeren Geschwister stand und gern eine weltberühmte Sängerin werden will. Oder ihre hübsche ältere Schwester Venetia, die alle Jungen und Männer um den kleinen Finger wickelt, bis sie sich dann selbst in einen undurchsichtigen Mann verliebt und in Schwierigkeiten gerät. Dann Mrs Tilling, eigentlich eine schüchterne und zurückhaltende Frau, die für die anderen Frauen immer da ist und hilft und mit der Zeit immer stärker und selbstbewusster wird.

Und natürlich kommt es auch zu Gemeinheiten, zu Bosheiten und richtig üblen Verbrechen, die einige der Frauen zu ihrem eigenen Vorteil begehen.
Das Ganze liest sich unglaublich spannend, man will unbedingt wissen, wie es mit den einzelnen Personen weitergeht, ob sie sich aus ihren zum Teil selbst eingehandelten Problemsituationen befreien und mit auch wirklich harten Schicksalsschlägen umgehen können. Dabei hat die Autorin doch einen sehr liebevollen Blick auf diese kleine Dorfgemeinschaft.

Volle Punktzahl für dieses tolle Buch.

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71 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 63 Rezensionen

rosenheim, fußball, krimi, bayern, mord

Wildfutter

Alma Bayer
Flexibler Einband: 300 Seiten
Erschienen bei btb, 14.08.2017
ISBN 9783442715312
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Schon das Coverbild zeigt ganz klar, in welche Richtung das Buch geht: Mord mit Spaß!
Der pensionierte Polizeikommissar Vitus Pangratz findet im Wildsaugehege eines Tierparks die angenagte Hand einer ansonsten verschwundenen Leiche. Da er seinem Amtsnachfolger weder eine vernünftige Ermittlung noch sonst etwas Vernünftiges zutraut, beschließt er, in diesem Fall selbständig und undercover zu ermitteln.
Seine Tochter Johanna „Jo“ Coleman unterstützt ihn dabei. Nicht zuletzt auch, um ihre eigene bislang leider nicht allzu erfolgreiche Journalisten-Karriere bei einem örtlichen Käseblatt ein wenig zu fördern.
Bei der Suche nach dem Täter taucht dann der Leser ein in den Mikrokosmos einer bayrischen Mittelstadt, wo jeder jeden kennt und seine Meinung zu diesem hat, man bekommt garstige Einblicke in die Ehen diverser Protagonisten, bei denen man nur hoffen kann, dass es in Wirklichkeit so schlimm nicht sein mag.

Man lernt begeisterte und nahezu fanatische Fußball-Mütter und –Väter kennen, die für die erhofften Karrieren ihrer Kinder (möglichst und einzigst natürlich beim FC Bayern München als Fernziel) buchstäblich alles tun und sich gänzlich und in jeder Beziehung dafür aufopfern.
Nicht zuletzt wird auch der Arbeitsalltag in der Redaktion, in der Jo arbeitet, sehr nett beleuchtet samt ihren intriganten und missgünstigen Kollegen und besonderen Lese-Spaß bereitet auch der Einstieg von Jos Freundin Marina in die Berufstätigen-Welt als selbständige Dildo-Vertreterin.
Bei den Ermittlungen kommen dann sowohl Vitus als auch Jo doch leider auch ihre eigenen Liebeshändel in die Quere und trüben ein wenig die objektive Sicht. Schlussendlich gelingt es aber beiden doch noch, den Mord aufzuklären.

Das alles liest sich höchst unterhaltsam, das Buch hat richtig derben Biss und die bayrische Mundart und Gepflogenheiten machen mir als Außenstehenden und zum Glück nicht involvierten Nur-Leser sehr viel Spaß. Leben möchte ich allerdings dort auf gar keinen Fall!
Aber für Krimifans mit einem Sinn für etwas derberen Humor und Liebhaber der bayrischen Kultur und Lebensart ist das Buch unbedingt eine Empfehlung!

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15 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 12 Rezensionen

hochseilgarten, krankenschwester, familie, yoga, kinder

Wurzelflügel

Nadine Teuber
Flexibler Einband: 152 Seiten
Erschienen bei Independently published, 24.07.2017
ISBN 9781521928264
Genre: Romane

Rezension:

Leider bin ich hier in einer Zwickmühle. Wie schreibt man eine Rezension, wenn man die Autorin nett findet, aber ihrem Erstlingswerk so gar nichts abgewinnen kann?

Das Thema ist eigentlich ganz brauchbar und auch von der Verortung in der Stadt, in der ich selbst lebe, hatte ich mir einiges versprochen. Aber vielleicht hätte ich schon aufmerksam werden müssen, als schon im Klappentext das Wort „zauberhaft“ verwendet wurde. Diese Art zu Schreiben spricht mich überhaupt nicht an, um es ganz vorsichtig zu formulieren.

Es geht um 2 Schwestern, die eine Single und Krankenschwester, die andere geht völlig in ihrer Rolle als Hausfrau und Mutter auf. Beide stehen sich sehr nah und als die eine dann kurz vor der Geburt ihres 2. Kindes von ihrem Mann verlassen wird, steht die andere ihr selbstlos bei.

So weit so gut. Allerdings ist das Ganze in einer Sprache, die ich normalerweise in einem Kiosk-Groschenroman verortet hätte, niedergeschrieben (Zitat: „Lukas“ hauchte sie mit verschleiertem Blick). Jede Seelen- und sonstige Regung wird sehr weit dargelegt, dazu äußerst ausführliche Beschreibungen der Wohnungen der Protagonisten bis hin zu den Herdplatten in der Küchenzeile.
Auch das Ende gefällt mir nicht, Achtung Spoiler: der untreue Gatte kehrt mit genauso einer nichtsagenden Begründung zurück an den heimischen Herd, mit der er ihn auch verlassen hatte. Und obwohl die alleinerziehende Mutter einige Seiten vorher festgestellt hatte, das ihr Leben ohne ihn sehr viel reicher war samt kleiner Affaire, nimmt sie ihn wieder auf und alle leben friedlich zusammen, bis er dann vermutlich sich mal wieder wegen irgendeiner langbeinigen perfekten Blondine vom Acker macht.

Nein, dieses Büchlein ist nicht mein Geschmack, die 2 Sterne gebe ich aus Sympathie für die nette Autorin, die sich in der Leserunde sehr eingebracht hat.

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13 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

krimi, berlin, jugendsünden, schaufensterpuppe, pallaseum

Pech für den Puppenspieler

Robert Berg
Buch
Erschienen bei Prolibris, 27.07.2017
ISBN 9783954751464
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Das Buch hat ein interessantes Cover, das sofort den richtigen Bezug auf Inhalt und Titel nimmt. Auch haptisch sticht es von anderen Büchern ab, es fasst sich ganz eigenartig an.
Der Ich-Erzähler Ed lebt in Berlin-Schöneberg und bekommt relativ überraschend Besuch durch seinen alten Freund Tom. Dieser hat gerade eine finanzielle Glückssträhne und kann bei Ed sogar seine alten Schulden bezahlen, die beiden verbringen einen netten Abend miteinander. Kurz darauf bekommt Ed die Nachricht, dass Tom noch in derselben Nacht unter völlig mysteriösen Umständen ums Leben gekommen ist.
Ed wird von der Polizei befragt, alte Freunde aus ihrer ehemaligen Clique verhalten sich völlig merkwürdig, eine interessante junge Frau taucht auf und Ed kommt immer mehr ins Grübeln.
Das alles wird in einem sehr präzisen knappen Stil erzählt, der Roman liest sich sehr flüssig und besonderen Spaß hatte ich einerseits an der sehr detaillierten Beschreibung von Berlin-Schöneberger Orten, die ich nahezu alle gut kenne und andererseits vom Klima in der Stadt – Stichwort: Autoverkehr.
Der Autor scheint mir wirklich ein guter Beobachter der doch oft sehr rauen und ruppigen Art in dieser Stadt zu sein.
Auch das Ende des Buches gefällt mir sehr gut, oft sind die Auflösungen von Krimis ziemlich an den Haaren herbeigezogen, wie gut auch die Hinleitung auf dieselbe sein mag. Das ist hier nicht der Fall, alles passt für mich schlüssig zusammen und sogar ein kleiner positiver Dreh zum Schluss passt wirklich gut.
Von mir für Krimi- und Berlin-Fans eine uneingeschränkte Empfehlung.

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Tags: krimi   (1)
 

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12 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

kloster, mittelalter, liebe, klerus, kirche

Die Sehnsucht der Nonne

Susan Hastings
E-Buch Text: 512 Seiten
Erschienen bei dotbooks Verlag, 04.07.2017
ISBN 9783958249479
Genre: Historische Romane

Rezension:

Vorweg genommen: ein "echter" historischer Roman ist dieses Buch für mich nicht, aber ein sehr netter und durchaus spannender Liebesroman.

Natürlich werden einige historische Orte und Begebenheiten mit in die Handlung verflochten, aber für mich liegt der Hauptaugenmerk doch eher in den beiden Liebesgeschichten der Töchter aus guten Hause. Der Vater Hieronymus ist ein reicher Leipziger Kaufmann, der glücklicherweise einen eher unkonventionellen Lebensstil pflegt und daher auch seinen beiden Zwillingstöchtern mehr Freiheiten zugesteht als allgemein üblich.

Die Mädchen entwickeln sich recht unterschiedlich: Katharina ist ein eher frühreifes Früchtchen, das sich sofort in den gutaussehenden Studenten Klaus verliebt und mit diesem auch recht sinnenfreudig Verkehr pflegt, so sehr, dass es auch den mächtigen Mönchen der Stadt auffällt und diese eingreifen. Klaus wird der Folter unterzogen, Katharina samt Familie muss beten und reichlich zahlen, trotzdem ist diese Liebe so groß, dass sie schlussendlich alles übersteht.

Maria ist als Baby schon dem Nonnenkloster versprochen worden und ist anfangs auch willig, sich dem dortigen Leben unterzuordnen, eckt und stößt aber immer mehr an. Ihre Liebesgeschichte mit dem Fischer Hans kommt mir allerdings doch ziemlich konstruiert vor.

Nach vielerlei Problemen, Schwierigkeiten und sogar einer Fast-Ertränkung fügt sich aber alles zum Guten, die Liebenden bekommen sich, auch für den Kinderfreund Thomas wird noch eine Frau herbeigezaubert, der Vater hat seine langjährige jüdische Geliebte sogar noch geehelicht und alles wird bestens.

An diesem Fazit sieht man schon, dass ich das Buch eher in die Unterhaltungslektüre einordne. Da kommt gerade zum Schluss so viel Glück zusammen, wie es im wahren Mittelalter nie gewesen wäre. Der gleiche Pöbel, der eine Frau gern ertrinken sehen wollte, wendet sich niemals wenige Zeit später gegen den Verursacher, um nur ein Beispiel zu nennen.

Aber vermutlich ist das auch nicht das Ziel von Susan Hasting gewesen. Das Buch liest sich flott und spannend, kleine historische Ungereimtheiten steckt man weg und man hat auf jeden Fall einige Abende nette Unterhaltung.

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208 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 90 Rezensionen

münchen, kaufhaus, juden, judenverfolgung, familiengeschichte

Das Haus der schönen Dinge

Heidi Rehn
Flexibler Einband: 656 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 02.05.2017
ISBN 9783426519370
Genre: Historische Romane

Rezension:

Das Titelbild ist sehr schön gestaltet mit einer Frauenfigur in Kleidung aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts, die sich vom Betrachter abwendet und in den großen Foyerbereich eines prächtigen Kaufhauses blickt.
Auch der Titel passt für meinen Geschmack sehr gut, er ist gleichzeitig Motto und Anspruch der jüdischen Familie Hirschvogl, die für eine fiktive Kaufmannsfamilie in München steht.

Der Roman beginnt mit der feierlichen Eröffnung des neuen Kaufhauses „Hirschvolg am Rindermarkt“. Die ganze Familie nimmt teil, alle Freunde, natürlich auch die Geschäftspartner und Honoratioren der Stadt und sogar der Prinzregent kommt!
Das große Ereignis ist sehr detailliert und liebevoll beschrieben, man lernt die wichtigsten Charaktere kennen und sieht auch schon, wo sich Konfliktfelder in der Familie und im Gesellschaftsleben auftun. Im Weitergang rankt sich der Roman hauptsächlich erstmal um den Patriarch der Familie Jakob und seine talentierte Frau Thea. Später geht dann das Hauptaugenmerk auf seine Tochter Lily über, die nach vielen Kämpfen die Leitung des Kaufhauses übernehmen darf.

Dabei werden sowohl die Liebes-, Ehe- und Familienprobleme nicht ausgespart, Kämpfe und Versöhnungen mit den Freunden und Freundinnen, Entwicklungen der Kinder, die nicht in das Weltbild der Eltern passen, Streit und Versöhnung, Verrat und Hilfe, wie das Leben so spielt.
Dies alles vor dem Hintergrund der aufkommenden Nazizeit, mit Anfeindungen aufgrund ihrer jüdischen Herkunft und Neid auf ihre privilegierte wirtschaftliche Stellung. Das Leben für die Familie wird immer schwieriger, darüber gehen Lieben und Freundschaften auseinander, andere Unterstützer finden sich dafür und manche werden den Krieg und die Nazizeit auch nicht überleben.

Das liest sich sehr flüssig, ist spannend geschrieben und man fürchtet unwillkürlich mit der Familie vor dem kommenden Unheil.
Dagegen sind nicht alle Charaktere immer schlüssig dargestellt, manche Wandlungen von Freund/ -in zu Feind/ -in und zurück kann ich nicht nachvollziehen und manchmal sind mir die ganzen Sozialleistungen und –ideen von z. B. Lily für ihre Kunden und Angestellten zu unglaubwürdig, auch Kaufhausbesitzer sind nun mal gezwungen, zuerst auf den Gewinn und erst dann auf soziale Wohltaten zu schauen, das ist ein bisschen viel für eine Person.

Nichtsdestotrotz kann ich das Buch sehr empfehlen, sehr schön finde ich auch den Stammbaum und die beigefügte München-Karte. 

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(55)

65 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 54 Rezensionen

japan, tokio, liebe, krieg, spionage

Demnächst in Tokio

Katharina Seewald
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Europa Verlag , 27.03.2017
ISBN 9783958901063
Genre: Romane

Rezension:

Ich habe in letzter Zeit sehr viele und auch viele gute Romane gelesen, aber dieses Buch hat mich wirklich so berührt wie schon lange keines mehr.
Die 18-jährige Elisabeth wird von ihrem tyrannischen Vater an den ihr nahezu unbekannten Sohn einer Fabrikantenfamilie in die Ehe „verkauft“. Und wenige Wochen später muss sie ihm nach Tokio folgen, wo Ernst Wilhelm einen Botschafterposten vermittelt bekommen hat.

Dort muss sich die sehr junge Frau nicht nur mit einem unbekannten Ehemann arrangieren, sondern auch mit einem völlig fremden Land und einem ihr ebenfalls fremden gesellschaftlichen Kreis innerhalb der deutschen Botschaftsangehörigen.
Und wie ihr hier gelingt, sich langsam zu entwickeln und dem Leben zu öffnen, die ihr von ihrem Vater gewaltsam eingebläuten Beschränkungen und Regeln abzulegen und zu überwinden, finde ich sehr schön und ergreifend beschrieben. Sie lernt, auch mit Hilfe ihres Mannes, eigene Entscheidungen zu treffen. Und auch die Liebe kommt irgendwann zu ihr …

Schlussendlich dann die Rückkehr in ein zerstörtes Deutschland und der mühsame Wiederaufbau. Natürlich ist das Leben von Elisabeth materiell durchaus sehr privilegiert und auch mit dem nicht unsympathischen Ehemann kann sie sich gut arrangieren und mit ihm auch sehr schlimme Zeiten gemeinsam durchstehen. Die Auflösung um seine Lebensgeschichte hätte es nicht unbedingt gebraucht, der Leser weiß lange vorher schon ungefähr Bescheid.

Mir hat das Buch unglaublich gut gefallen, ich habe wieder Details und Facetten der deutschen Geschichte näher kennen gelernt, die ich bestenfalls als angelerntes Schulwissen im Kopf hatte und wo es der Autorin gelingt, Leben durch ihre Figuren hineinzubringen. Gerade die langsame Gleichschaltung innerhalb der Botschaft, die Situation der deutschen Emigranten in Asien und der komplizierten Beziehungen und wechselnden Allianzen zwischen den Ländern während des 2. Weltkrieges wurden toll beschrieben.

Ich fand es sehr spannend und habe das Buch innerhalb zweier Abende weggelesen, weil ich unbedingt wissen wollte, wie es weitergeht.
Eine unbedingte Empfehlung als Liebesgeschichte mit sehr fundiertem historischen Hintergrund.

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(75)

98 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 74 Rezensionen

spreewald, erntehelfer, krimi, gurkenbauern, klaudia wagner

Spreewaldtod

Christiane Dieckerhoff
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 10.02.2017
ISBN 9783548287614
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Nach wie vor gefällt mir das Cover und auch der Titel sehr gut, jedoch bin ich von dem Buch an sich nicht wirklich überzeugt. Es liest sich zwar gut und flüssig, mir gefallen aber die vielen losen Fäden in der Geschichte nicht bzw. erschweren sie mir das Verständnis an zu vielen Stellen. Offensichtlich soll hier der Vorgängerroman noch gelesen werden müssen, das gefällt mir nicht.

Gerade da die Hauptperson Kommissarin Klaudia Wagner ganz offensichtlich noch mit schweren seelischen und körperlichen (Tinnitus) Auswirkungen irgendwelcher grausamen Vorgänge im Vorläuferbuch zu kämpfen hat. Und auch die restlichen Personen wie z. B. ihr Kollege Demel und ihr Vermieter Uwe samt Familie sind allesamt in diese traumatischen Ereignisse verwickelt, da wäre eine knappe Schilderung, was da passiert ist, ganz hilfreich gewesen.

Die eigentliche Story des Mordfalls im Spreewaldgurken-Erntehelfer-Milieu ist zwar eine gute Idee, aber auch hier sind die Motive eher dünn. Ich kann mir zwar gut vorstellen, dass sich ein normaler Mensch im Affekt zu Gewalttaten hinreißen lässt, kaltblütige geplante Erschießungen mitten auf dem Gurkenfeld dürften aber eher unwahrscheinlich sein. Zumal wir ja alle wissen, dass die Aufklärungsquote in Deutschland bei Mord sehr hoch liegt ;-)).

Gegen Ende dieses Buches deuten dann schon wieder sehr viele offene Fragen auf das nächste Buch, da werden die Brandenburger-Neonaziszene, die Staatsanwältin mit ihren unklaren Beziehungen in diese, ein Mordanschlag auf Klaudia und irgendwelche privaten Probleme eines weiteren Kollegen angerissen und dann offen gelassen und sollen dann wohl im nächsten Buch weitergeführt werden.

Gut gelungen finde ich aber die Beschreibung des Seelenzustandes von Klaudia mit ihren Panikattacken und auch die Stimmung im heißen Spreewaldsommer ist sehr gut eingefangen, das kann ich mir sehr gut so vorstellen. Man spürt nahezu den Schweiß auf dem Rücken und wünscht sich ein abkühlendes Gewitter herbei.
Sehr schön sind auch die Lebensverhältnisse im Spreewald beschrieben, wo jeder jeden kennt und gemeinsame gute wie auch schlechte Erfahrungen und Erlebnisse miteinander teilt.

Im Großen und Ganzen würde ich das Buch jemandem in die Hand drücken, der einen Urlaub im Spreewald plant, würde ihm aber einen Kauf nicht unbedingt empfehlen.

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(32)

34 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 32 Rezensionen

verrat;, wikinger bashing, dafür werden den autor die asen bestrafen, grotesk, klischeereiterei

Projekt Rahanna

Uli Wohlers
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Braumüller Verlag, 01.02.2017
ISBN 9783992001774
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Titel und Cover gefallen mir richtig gut, gerade das Wikingerschiff-Motiv kommt auf dem Hochglanz-Schutzumschlag super zur Geltung. Beides passt gut zusammen und verspricht Spannung.

Auch die Grundidee des Buches: Kampf gegen die Umweltzerstörung, gegen industrielle Groß-Agrarbetriebe und die Politikerkaste auf der Insel Bornholm durch Übernahme der gesamten Inselgewalten durch eine Gruppe neuzeitlicher Wikinger finde ich prima.

Die Beschreibung einzelner Protagonisten z. B. des Polizisten Stig Papuga oder des Alt-Polizisten Ole Rasmussen gelingen dem Autor gut. Die Dialoge sind oft recht witzig und voller schwarzem Humor, gerade die Militärkräfte kommen dabei auch recht schräg rüber. Auch die Wandlung des einen Polizisten vom Verteidiger der alten Rechtsordnung zum Anhänger der neuen Bewegung ist nachvollziehbar (wenn auch die Story mit der Hundeverwandlung mir etwas zu krude erscheint).

Allerdings verliert sich der Roman dann in zu vielen und zu verwirrenden Einzelsträngen. Die öko-revolutionären Neu-Wikinger zerfallen in einem innerparteilichen Machtkampf, die Gruppe um Blut-Eigil überrennt einige Bauernhöge und schlachtet dabei Mensch und Tier nieder, auch die Verbrüderung mit den norwegischen Amazonen gelingt eher nicht so gut.
Die Bewegung endet wie so viele gut gemeinte, aber nicht gut gemachte Aktionen in der Flucht.

Zeitweise habe ich allerdings ein wenig den Spannungsfaden verloren, einiges ist auch nicht wirklich glaubwürdig und ich hatte das Gefühl, dass der Autor nach dem tollen Beginn auch nicht so richtig wusste, wie er die Geschichte zum Ende bringen soll.
Trotzdem regt das Buch durchaus an, sich über ein solches Übernahme-Szenario Gedanken zu machen, die Hintergründe sind ja real auch bei uns vorhanden und würden Anlass dazu geben. Kein Krimi im klassischen Sinn, aber dennoch etwas für Leute mit Sinn für eher ungewöhnliche und schräge Romane.

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106 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 80 Rezensionen

kuba, spanien, mexiko, liebe, mexico

Wenn ich jetzt nicht gehe

María Dueñas , Petra Zickmann
Fester Einband: 589 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 06.03.2017
ISBN 9783458177029
Genre: Romane

Rezension:

Das Cover begeistert mich immer noch sehr, dort ist ein Paar in ganz zarten verschwimmenden Farben dargestellt und passt ganz hervorragend zum Roman.

Der stürzt den Leser gleich mitten hinein ins Geschehen, der reiche Bergwerksbesitzer Mauro Larrea hat gerade erfahren, dass er mit einer riskanten Aktion sein ganzes Vermögen verloren hat. Und damit beginnt der Kampf, einerseits die Fassade zu bewahren und sich und vor allem auch seinen beiden Kindern das Ansehen zu erhalten und andererseits möglichst schnell wieder zu viel Geld zu kommen.

Deshalb verlässt Mauro Mexico und versucht sein Glück auf Kuba. Dort gelingt es ihm, zum Besitzer eines großen Weingutes in Spanien zu werden und er will eigentlich nur schnell dahin reisen, um das Anwesen zu verkaufen und mit dem Erlös in sein altes Leben zurück zu kehren.

Aber dort kommt alles anders, er trifft auf Soledad, eine Nachfahrin der ursprünglichen Besitzer und die beiden stürzen von einem Problem ins andere und kommen sich dabei natürlich auch immer näher.

Dieser Buchteil in Spanien überzeugt mich deutlich mehr als der Anfang, die Handlung nimmt immer mehr Fahrt auf und fesselte mich dann so, dass ich unbedingt wissen wollte, wie die beiden Hauptakteure aus ihren diversen, zum Teil selbst gebastelten Zwängen und Problemen wieder herauskommen. Und ob sie vielleicht doch noch einen Weg finden, zusammen zu kommen. Und auch das Ende hat mir sehr gut gefallen.

Sehr interessant fand ich auch die Beschreibungen der Lebensverhältnisse in diesen Ländern, Mexico, dass sich schon vom spanischen Mutterland losgelöst hatte, Kuba in seinem Zwiespalt zwischen Spanien und den USA, die Konflikte durch die Sklavenhaltung auf der Insel und die Menschen, die versuchen, auf unterschiedlichste Art und Weise zu Geld zu kommen, sei es im Bergwerk in Mexico oder z. B. durch Sklavenhandel auf Kuba.

Das finde ich zusätzlich zu der Liebesgeschichte noch sehr positiv und kann das Buch als gute Unterhaltung empfehlen.
 

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84 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 59 Rezensionen

kunst, dominic smith, kunstfälschung, das letzte bild der sara de vos, malerei

Das letzte Bild der Sara de Vos

Dominic Smith , Sabine Roth
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 10.03.2017
ISBN 9783550081873
Genre: Romane

Rezension:

Der Roman liest sich nicht ganz unkompliziert, es gilt, 3 Handlungsstränge aus ganz unterschiedlichen Zeiten zu verfolgen.

Beginn ist in der 60 iger Jahren des vorigen Jahrhunderts, einem sehr wohlhabenden Anwalt in New York, Marty de Groot, wird ein seit ewigen Zeiten im Familienbesitz befindliches Gemälde gestohlen. Auf der Suche nach dem Bild kommt es zur Begegnung und sich immer mehr vertiefenden Beziehung mit der Fälscherin seines Bildes.

In einem weiteren Erzählstrang wird die Entstehungsgeschichte des Bildes und das Schicksal der niederländischen Malerin Sara de Vos geschildert, dieser Teil gefällt mir am besten, dieser hätte gern noch etwas weiter ausgeführt werden können.

Die Beschreibung des Lebens im 17. Jahrhundert in Holland sind sehr interessant, auch der Protektionismus innerhalb der Gilden ist gut ausgeführt und man wünscht der Künstlerin sehr, dass sich ihr Leben irgendwie zum Guten wenden möge.

Im 3. Erzählstrang treffen sich Marty und die Fälscherin Ellie in Australien wieder, er mittlerweile hoch in den 80ern und sie eine sechzigjährige Frau. Dieses Wiedertreffen ist sehr berührend geschrieben, beide haben aus ihrer kurzen gemeinsamen Zeit Wunden und Narben erhalten und das Wiedersehen ist nicht unkompliziert.

Ich kann die Handlungsweisen und Entscheidungen der Hauptpersonen nicht immer nachvollziehen, trotzdem liest sich das Buch durchaus flüssig und interessant. Wie schon geschrieben, ist mir der Teil im mittelalterlichen Holland der liebste, mir fehlt allerdings gerade in den neuzeitlichen Epochen ein wenig Leidenschaft und Feuer. Die diversen Ehen und Liebesbeziehungen werden sehr sparsam ausgeführt, das fühlt sich immer etwas zu distanziert an.

Eine leichte Nebenbei-Lektüre ist der Roman ganz sicher nicht, dafür ist er zu „intellektuell“, aber für Liebhaber verschiedener historischer Epochen durchaus empfehlenswert.

Absolut überragend ist dafür die Gestaltung des Covers und die Haptik, das ist ganz wunderbar gelungen.

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76 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 50 Rezensionen

frankreich, paris, freundschaft, freundinnen, liebe

Fast perfekte Heldinnen

Adèle Bréau , Stefanie Schäfer
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 13.01.2017
ISBN 9783548613253
Genre: Romane

Rezension:

Mir hat das Buch sehr gut gefallen, der Schreibstil ist sehr locker und leicht lesbar, ich hatte das Buch während der Feiertage an einem Nachmittag durchgelesen.

Es beschreibt das Leben 4er Freundinnen, die in Paris leben, in zum Teil ganz unterschiedlichen Lebenssituationen. Eine lebt in Trennung von ihrem Mann und hat eine große Teenager-Tochter, eine hat 3 Kleinkinder davon eins  noch als Baby, eine andere wiederum kämpft verzweifelt ums Schwanger-werden und beneidet die anderen um ihre Kinder.

Jede hat mit unterschiedlichen Problemen in der Ehe, am Arbeitsplatz, mit inneren Problemen und in der speziellen Lebenslage zu kämpfen. Das wird sehr sympathisch beschrieben und ich wünschte jeder der Freundinnen, dass sich die Probleme lösen lassen, allerdings spielt das Leben oft anders. Nicht immer kann ich alle Handlungen und Entscheidungen der Traumfrauen nachvollziehen oder verstehen, aber auch das ist ja im richtigen Leben auch oft so. Manchmal sieht man eben Situationen von außen klarer, als wenn man selbst betroffen und involviert ist.
Und ich würde mir auch wünschen, zu erfahren, wie es mit den 4 Freundinnen weitergeht, ob die Freundschaft von Bestand ist und auch, wie es mit den diversen Männern weitergeht, der Nachfolgeroman ist ja bereits avisiert.
Ein sehr schöner Roman für freie Nachmittage oder vielleicht auch einen Frankreich-Urlaub, das Pariser Lebensgefühl kommt auf jeden Fall sehr nett rüber.

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16 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

fee empfiehlt, sonst gibts keine pommes, esst euer eis auf, katja zimmermann, sachbuch

Esst euer Eis auf, sonst gibt's keine Pommes

Katja Zimmermann
E-Buch Text: 208 Seiten
Erschienen bei Ullstein eBooks, 13.01.2017
ISBN 9783843714174
Genre: Humor

Rezension:

Ich lebe zwar in einer komplett anderen Situation als die Autorin Katja Zimmermann, trotzdem hat mich interessiert, wie sie das Leben als alleinstehende Zwillingsmutter meistert.

Und es ist genau der Horror, den ich mir vorgestellt habe. Schlaflose Nächte, die alleinige Verantwortung bei Krankheiten, Erziehungsfragen und allen anderen Entscheidungen, dazu noch Liebeskummer um den verschwundenen Kindsvater, der zu allem Überfluss sich ein neues Familienglück am anderen Ende der Welt aufbaut (und Katja auch noch daran teilnehmen lässt).

Ihre Situation als Freiberuflerin hat zwar viele Vorteile bezüglich flexibler Zeiteinteilung, trotzdem finde ich die ständige Anspannung um die finanziellen Auftragslage wesentlich schlimmer. Hat halt alles Vor- und Nachteile.

Trotzdem schlägt sich die Zwillingsmutter tapfer durchs Leben und versucht auch immer wieder, einen neuen Mann und bestenfalls Zweitvater für die Kinder zu finden.
Die Erlebnisse sind locker geschrieben und das Buch liest sich unterhaltsam, trotzdem werde ich mit dem Thema nicht so richtig "warm". Deshalb die 3 Sterne.

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