Leserpreis 2018

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74 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 27 Rezensionen

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Der Zauber zwischen den Seiten

Cristina Caboni , Ingrid Ickler
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 20.08.2018
ISBN 9783734105845
Genre: Romane

Rezension:

Die junge Römerin Sofia befindet sich im freien Fall - ihre Ehe gescheitert, ihre Familie über ganz Europa zerstreut, sie alleine ohne Job in Rom. In dieser schwierigen Selbstfindungsphase stößt sie in einem Antiquariat auf ein altes Buch, das ziemlich ramponiert ist, aber aufgrund seines besonderen Einbands großen Eindruck auf Sofia macht. Als gelernte Buchbinderin macht sie es sich zur Aufgabe, das Buch zu restaurieren - und stößt dabei auf eine verborgene Botschaft. Diese stammt aus der Vergangenheit, von einer jungen Frau namens Clarice von Harmel, und deutet auf ein Geheimnis hin. Sofia begibt sich auf Spurensuche und reist durch halb Europa, um die weiteren zwei Bände des Romantikers und Philosophen Christian Fohr aufzuspüren, in denen sie weitere Hinweise vermutet. Unvermutet findet sie auf ihrer Schnitzeljagd einen Begleiter; der Graphologe Tomaso, der ebenfalls schwere Zeiten durchmacht, ist fortan an ihrer Seite. Gleich vorweg, mich konnte das Buch nicht restlos überzeugen. Die Geschichte ist auf zwei Zeitebenen angesiedelt und für mich war die Perspektive aus der Vergangenheit mit Clarice von Harmel und Christian Fohr eindeutig der stärkere und eindrucksvollere Part der Handlung. Eine junge Frau muss sich mit den engen Fesseln ihrer Zeit auseinandersetzen, gerät in tiefe Strudel, befreit sich aber daraus und macht ihr Ding, das las sich sehr unterhaltsam. Ich konnte mit Clarice jederzeit mitfiebern und fand in ihr einen interessanten Charakter, zumal ihre Profession als Buchbinderin ihrer Zeit sehr überzeugend dargestellt war. Dagegen kam ich mit Sofia äußerst schlecht zurecht. Selbstverständlich musste die Autorin sie am Anfang besonders schwach darstellen, damit sie im Laufe der Geschichte eine Entwicklungsmöglichkeit hat, aber mir war das eine Spur zuviel. Ihre Handlungen waren für mich nicht immer nachvollziehbar, ihre Interaktionen mit Ehemann, Verehrer und anderen fand ich nicht konsistent. Manche der Dialoge nervten mich regelrecht, weil sie so hölzern und dümlich daher kamen. Insgesamt war mir vieles an Sofias Handlungsstrang zu überkonstruiert; die Zufälle zu zahlreich, die Verknüpfungen viel zu sehr an den Haaren herbei gezogen. Daher bleibt eigentlich nur der Clarice-Strang, um zu punkten; und natürlich das Grundthema der Buchbindekunst, das sehr liebevoll und gewissenhaft behandelt wurde und richtig Spaß gemacht hat. Das hat mir einiges an Lesefreude gerettet, aber leider nicht alles. Daher fällt meine Bewertung auch sehr zurückhaltend aus.

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6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Nur ein letzter Kuss

Tasmina Perry
E-Buch Text: 464 Seiten
Erschienen bei eBook Berlin Verlag, 02.05.2016
ISBN 9783827078704
Genre: Liebesromane

Rezension:

Abby Gordon organisiert eine Ausstellung über englische Entdecker aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Dabei entdeckt sie ein Foto, das sie schwer beeindruckt - ein Forscher verabschiedet sich von seiner Geliebten. Als emotionaler Mittelpunkt der Ausstellung erregt das Bild durchaus Aufsehen - und plötzlich steht da Rosamunde Bailey, die Frau auf dem Foto. Abby erfährt die Hintergründe der Geschichte und macht sich gemeinsam mit dem Journalisten Elliot Hall auf die Suche nach weiteren Informationen über Dominic, den verschwundenen Forscher. Damit verdrängt sie ihren eigenen Liebeskummer, denn sie hat sich von ihrem Ehemann Nick getrennt und versucht, sich ein eigenes Leben aufzubauen. Doch je mehr sie über die tragische Liebesgeschichte von Dominic und Rosemunde erfährt, desto mehr gerät sie ins Zweifeln, ob ihre Entscheidung wirklich richtig war und ob sie nicht dabei ist, das kostbarste Geschenk leichtfertig aufzugeben, nämlich die wahre Liebe. Tasmina Perry hat sich mit diesem Roman eine sehr vielschichtige Geschichte ausgedacht, die sich flüssig lesen lässt und gut unterhält. Aufbauend auf zwei Zeitebenen, die miteiander abwechseln, bekommen die Leser zwei unterschiedliche Handlungsstränge, die geschickt miteinander verflochten sind. Ein Teil der Figuren taucht sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart auf, so dass man sich ein Bild vom Verlauf ihres Lebens machen kann. Im Mittelpunkt steht aber Abby, die mir an und für sich ganz gut gefallen hat, ich fand sie nur eine Spur zu selbstmitleidig und unbedarft, ein hilfloser Spielball ihrer Umwelt. Im Laufe der Handlung gewinnt sie aber etwas an Selbstbewusstsein und Biss, jedoch weniger, als ich mir gewünscht hätte. Das Grundthema der Entdecker hat mich sehr angesprochen; es geht um ferne Länder und Kulturen, die noch unerforscht sind und um den Drang der Menschen, die Geheimnisse darum zu lüften. Gleichzeitig spielt ein ganz anderes Thema mit hinein, nämlich der aufkommende Kalte Krieg und Spionage, was ich so nicht erwartet hätte. Rückblickend betrachtet passte aber alles recht gut zusammen, und durch Abbys Recherchen sowohl im Archiv als auch vor Ort kommt viel Abwechslung in die Geschichte. Einen breiten Raum nehmen jeweils die vergangene Liebesgeschichte zwischen Dominic und Ros, aber auch Abbys persönliche Situation ein. Diese Themen werden sehr emotional geschildert, eine Prise Erotik findet auch ihren Platz in beiden Handlungssträngen. Die Auflösung am Ende ist sehr weichgespült und fast ein wenig unglaubwürdig, aber ich denke, die Autorin wollte es genauso haben. Mir als Leserin waren es ein paar Zufälle zuviel, aber letztendlich kann ich schon damit leben. Als Fazit bleibt: gute Unterhaltung für gemütliche Lesestunden, für anspruchsvolle LeserInnen vermutlichen einen Tick zu seicht.

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125 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 17 Rezensionen

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Das Atelier in Paris

Guillaume Musso , Eliane Hagedorn , Bettina Runge
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Pendo Verlag, 01.06.2018
ISBN 9783866124462
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Paris zur Weihnachtszeit - der verschrobene und eigenbrötlerische Autor Gaspard soll hier ein neues Theaterstück schreiben und bekommt dafür von seiner Agentin ein schickes Haus angemietet. Es handelt sich um das Haus des verstorbenen Künstler Sean Lorenz, dessen Wirken und Leben hier immer noch präsent ist. Durch ein Versehen wird gleichzeitig auch die Polizistin Madeline in dem Haus einquartiert, was zunächst zu einigem Unmut führt. Da beide aber fasziniert von der Aura des Malers sind und unabhängig voneinander anfangen, in seiner Vergangenheit zu forschen, sind die Zwistigkeiten bald behoben und das ungleiche Paar begibt sich gemeinsam auf Spurensuche, über Länder und Kontinente hinweg. Das war wieder mal ein Musso nach meinem Geschmack! Ich empfand die Lektüre als rasante und unheimlich spannende Jagd, zum Teil Krimi, zum Teil Familiendrama, mit einem Ausflug in die Welt der Malerei. Die beiden Hauptprotagonisten werden sehr intensiv und eindringlich gezeichnet, was mir sehr gut gefiel. Der Autor hat um die beiden sehr ausgeklügelt Biographien gebastelt, die ihnen Tiefe verleihen und im Rahmen der Handlung immer wieder zum Tragen kommen. So stellt Gaspard einen ausgebrannten und von der Welt abgewandten Theaterautor dar, der langsam aber sicher dem Alkohol verfällt und seine unverarbeiteten Kindheitserlebnisse mit sich herum trägt. Madeline ist wohl eine Figur aus einem früheren Musso-Roman, die mir allerdings bislang unbekannt war; sie versucht mit ihrem früheren Leben als Polizeiermittlerin abzuschließen und muss mit einer gescheiterten Beziehung fertig werden, kein leichtes Unterfangen. Obwohl es zwischen Gaspard und Madeline eher Zoff als Knistern gibt, hat mir die Kombination aus beiden recht gut gefallen. Es gibt spritzige Dialoge, aber auch stille und entspannende Momente mit den beiden, und sehr oft wird auch gestritten. Dabei überraschte mich Musso mit einem ausgeklügelten Perspektivenwechsel, bei dem beide Hauptprotagonisten als Ich-Erzähler auftreten; der Großsteil des Romans ist allerdings im auktorialen Erzählstil geschrieben. Gaspard und Madeline bewegen sich also auf den Spuren des berühmten Malers Sean Lorenz, dabei erfahren sie einiges über seinen Werdegang als Graffiti-Sprayer und seinen kometenhaften Aufstieg als Maler der Moderne. Noch spannungsgeladener ist jedoch sein Privatleben und die schreckliche Tragödie in seiner Familie, über die er nie hinwegkommt. Nach und nach entdeckt das ungleiche Ermittlerpaar unglaubliche Dinge über Lorenz; und als sie dank ihres Scharfsinns drei unbekannte Bilder des Malers entdecken, dachte ich schon, das ist nun der Höhepunkt der Handlung. Aber es geht weiter und die Bilder entpuppen sich als Schlüssel zu einem noch viel größeren Geheimnis, das dem Leser am Ende den Atem stocken lässt. Interessant ist auch, dass dieser Roman aus der Feder von Guillaume Musso keine vermeintlich phantastischen Element enthält - dies ist ja schon oft sein spezieller erzählerischer Trick gewesen, dass man meint, man lese eine Phantastik-Roman und am Ende wird dann alles doch sehr real aufgelöst. Hier aber gar nicht, die Geschichte fühlt sich eher an, als ob ein Dan Brown die Finger mit im Spiel gehabt hätte - Symbolik, Schnitzeljagd, und sehr viele Zufälle spielen hier die Hauptrolle. Der Schluss war mir einen Tick zu weichgespült und fast ein wenig unglaubwürdig, aber ich mochte ihn trotzdem. Der Sprachstil hat mir ausnehmend gut gefallen, weil er elegant ist und sich gleichzeitig federleicht liest, so dass das Lesen zum Genuss wird. Mein Fazit: Ein rasanter Musso mit steilem Spannungsbogen, ausgefeilten Protagonisten und sprachlich vom Feinsten - bitte mehr davon!

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31 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

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Das Siegel von Rapgar

Alexey Pehov , Christiane Pöhlmann
Flexibler Einband: 592 Seiten
Erschienen bei Piper, 03.04.2018
ISBN 9783492702737
Genre: Fantasy

Rezension:

Die Stadt Rapgar ist ein pulisierender, chaotischer Moloch aus vielen Völkern und Kreaturen. Obwohl hier täglich Verbrechen geschehen, befindet sich die Bevölkerung im Ausnahmezustand, weil ein besonders perfider Meuchelmörder für Angst und Schrecken sorgt. Till er'Cartya, Nachfahr einer alten Magierfamilie, gerät ins Visier der Verdächtigungen, als ein Mitglied der Herrscherfamilie umgebracht wird. Um seine Unschuld zu beweisen, muss er den Mörder finden. Auf der Suche nach dem wahren Täter begegnet ihm die geheimnisvollen und faszinierende Erin, die auf der Flucht vor einer Menge Leute zu sein scheint. Nach und nach kristallisiert sich eine wirklich ungeheuerliche Verschwörung heraus, die verheerende Folgen für Rapgar haben könnte.... Nachdem mir die „Chroniken der Seelenfänger“ von Alexey Pehov so gut gefallen haben, war klar, dass ich bei diesem Buch ebenfalls zuschlage; noch dazu wo es sich um einen Einzelband mit abgeschlossenem Ende handelt und ich mich nicht auf endlose Wartezeiten bis zum nächsten Band einstellen musste. Alexey Pehov hat mit Rapgar eine neue Fantasywelt im viktorianischen Stil geschaffen, die grundsätzlich unter dem Genre Gaslamp-Fantasy eingeordnet werden kann. Die Atmosphäre ist düster-schaurig getroffen, die Stadt Rapgar konnte mich als Schauplatz sofort in ihren Bann ziehen. Ein wenig mehr Probleme hatte ich mit den vielen Volksgruppen. Sie werden anfangs nur als Schlagworte erwähnt, eine nähere Erklärung über ihr Aussehen und ihre Besonderheiten folgt erst im Laufe der Handlung. Das fand ich etwas schade, denn die unübersichtliche Flut von neuen Begriffen, ohne ein rechtes Bild davon zu haben, haben mir den Einstieg einigermaßen schwer gemacht. Aber wie gesagt, vieles klärt sich im Laufe der Lektüre. Gut vorstellen konnte ich mir von Anfang an den Hauptprotagonisten Till er‘Cartya, der mit einer tragischen Geschichte versehen ist, die nach und nach entschlüsselt wird. Die Handlung wird aus seiner Sicht in der Ich-Perspektive geschildert, was eine große Nähe zur Figur bringt. Auch schon bei Ludwig von Normayenne, der Hauptfigur aus den Chroniken der Seelenfänger, ist mir aufgefallen, dass dies eine der großen Stärken Pehovs ist - seine Hauptfiguren sind etwas ganz besonderes, perfekt ausgearbeitet und geeignet, die Leserschaft vom Fleck weg für sich einzunehmen. Auch Pehovs Faible für belebte Gegenstände kommt hier wieder zum Tragen und findet Gestalt u.a. in dem belebten Spazierstock namens Stephan, der ständig an Tills Seite zu finden ist und zur rechten Zeit seine zynischen bis erzürnten Kommentare von sich gibt. Der hat mir wirklich sehr viel Spaß gemacht! Die Handlung wird - von einigen wenigen Längen abgesehen - ständig vorangetrieben und bietet einen abenteuerlichen Mix aus Phantastik, Mystik und Krimi, was sich wunderbar weglesen lässt und beste Unterhaltung bietet. Lediglich der Tiefgang blieb etwas hinter meinen Erwartungen zurück, aber auch nur, weil ich den Vergleich zu den Seelenfängern hatte und weiß, dass Pehov hier noch so viel mehr zu bieten hätte. Natürlich muss man auch berücksichtigen, dass in der Kürze von einem Band nicht ganz so tief geschürft werden kann wie bei vieren, aber trotzdem möchte ich es erwähnt haben. Mein Fazit: Ein temporeicher, lesenswerter Genre-Mix mit hohem Unterhaltungswert für alle Phantastik-Fans!

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99 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 28 Rezensionen

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Die Spiegel von Kettlewood Hall

Maja Ilisch
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 03.04.2018
ISBN 9783426520789
Genre: Fantasy

Rezension:

Das harte Leben der jugendlichen Fabrikarbeiterin Iris in der englischen Stadt Leeds im ausgehenden 19. Jahrhundert ist der Ausgangspunkt für diese kleine Gaslamp-Perle. Iris lebt nach dem plötzlichen Tod ihrer Mutter mit ihrer unleidlichen Großmutter auf engstem Raum in einem kleinen Zimmer und führt ein entbehrungsreiches, von harter Arbeit geprägtes Leben. Als sie im Nachlass ihrer Mutter eine Pferdefigur findet, ist das für sie ein großes Schatz, der den Weg in die Freiheit verheißt. Durch ihren Lehrer erfährt sie, dass es sich dabei um einen Springer aus einem Schachspiel handelt, und lernt in der Folge Schach. Mit seiner Unterstützung macht sich Iris auf und begibt sich auf die Spuren zurück in die Vergangenheit, nach Kettlewood Hall, wo ihre Mutter einst Dienstmädchen war. Dennoch wird sie von den Herrschaften dort nicht wie ein Dienstmädchen, sondern wie ein Familienmitglied behandelt, aber warum? Nach und nach findet Iris heraus, welches Geheimnis sich in den Spiegeln von Kettlewood Hall verbirgt, wer sie ist und welche Rolle sie spielt - vor allem in dem Schachspiel, das nun nach der Rückkehr des Springers wieder vollständig ist. Es beginnt ein aufregendes und schicksalsträchtiges Schachspiel, bei dem Iris einem mächtigen Gegner gegenübersteht, und bei dem jeder Zug über Leben und Tod entscheidet. Die Grundidee dieses Gaslamp-Romans fand ich großartig - die Verbindung aus Phantastik und Schach, das ist mir so noch nicht untergekommen. Dabei war es sehr hilfreich, dass ich zumindest einige Grundregeln des Spiels kenne, zum Beispiel welche Figuren welche Züge ausführen dürfen - dies ist ein wichtiger Aspekt der Geschichte, und ich denke, ohne diese Grundkenntnisse wäre ich etwas verwirrt gewesen. Die Autorin baut eine wunderbar düster-melancholische Atmosphäre auf und schildert sehr anschaulich die Lebensbedingungen der einfachen Menschen zu Beginn der Industrialisierung, aber auch das Leben der Adelsschicht in einem englischen Herrenhaus. Über weite Strecken hinweg könnte das Buch auch historischer Roman durchgehen; aber dann kommt der fantastische Anteil dazu und lässt die LeserInnen in ein faszinierendes magisches Spiel eintauchen. Die Hauptfigur Iris mochte ich sehr; sie ist anfänglich als Opfer ihrer Lebenumstände gezeichnet, macht dann aber eine beeindruckende Entwicklung durch und wird in eine aktive Rolle als Akteurin gedrängt, in der sie sich nicht immer wohl fühlt - was mir sehr gut gefallen hat und für mich nachvollziehbar war. Dazu noch kommt eine Liebesgeschichte, die zwar für den Handlungsverlauf wichtig, aber nicht beherrschend ist; für mich war die Dosierung gerade richtig. Die Nebenfiguren sind liebevoll ausgearbeitet und sehr facettenreich geschildert, hier hat die Autorin offensichtlich sehr viel Mühe und Herzblut investiert. Im Mittelteil fand ich die Handlung ein wenig zäh; an manchen Punkten hätte ein etwas höheres Erzähltempo durchaus gut getan, zumal die gesamte Geschichte in einem einzigen Handlungsstrang aus der Ich-Perspektive von Iris erzählt wird. Dafür entschädigt die Auflösung, die ich fulminant und toll ausgeklügelt fand, und vor allem überhaupt nicht vorhersehbar. Ein solider Sprachstil ohne übertriebene Verschnörkelungen machte die Lektüre zu einem flüssigen Leseerlebnis, wobei ich den Start mit sehr vielen kurz aneinandergereihten Sätzen etwas holperig empfand; aber dies gab sich zum Glück bereits sehr schnell wieder. Mein Fazit: Ein intelligenter und ausgereifter Phantastik-Roman mit einem außergewöhnlichen Thema, der viele Phantastik-Fans begeistern dürfte!

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4 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

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Eine Handvoll Asche

Marsali Taylor , Ulrike Seeberger
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 09.03.2018
ISBN 9783746633343
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Cass Lynch ist mit ihrer kleinen Jacht Chalida in Scalloway angelandet und besucht dort das Marine College, um ihr Kapitänspatent zu machen. Es ist Herbst und geht auf Halloween zu, so erscheint es nicht verwunderlich, dass die Menschen sich mit Hexenkulten beschäftigen und sich auf Halloween vorbereiten. Da findet ausgerechnet Cass eine Tote - ist sie Opfer eines Hexenzirkels geworden? Einige Hinweise deuten darauf hin, aber eigentlich sollte sich Cass ja auf ihr Studium konzentrieren und die Ermittlungen dem schottischen Kriminaler Gavin Macrae überlassen, zu dessen Einzugsbereich die Shetlandinseln gehören. Dennoch ist sie in den Fall verwickelt und beschäftigt sich mehr mit der Aufklärung, als ihr lieb ist - nicht zuletzt wegen des faszinierenden Kriminalpolizisten aus Schottland... Das ist nun schon der dritte Band um die segelnde Freizeitermittlerin Cass Lynch und ich hab mich damit gut unterhalten, wenn ich ihn auch nicht ganz so brillant wie die beiden Vorgängerbände fand. Die Autorin gibt mit diesem Fall einen interessanten Einblick in die shetländische Geschichte und Kultur, insbesondere was den Umgang mit Hexen und Hexenkulten betrifft. Das war für mich eine spannende Entdeckungsreise, gemeinsam mit Cass Lynch in der Bibliothek zu stöbern und den Erzählungen der Alteingesessenen zuzuhören. Überhaupt konnte mich das Setting ein weiteres Mal in seinen Bann ziehen; die Shetlands mit ihren zerklüfteten Inseln, felsigen Hügeln und nordisch-malerischen Küstenorten sind wunderbar skizziert und machen Lust auf Bilderschau im Internet, wenn nicht sogar auf eine Reise dorthin. Cass ist nach wie vor eine sehr gelungene Figur, die ganz unabhängig vom Kriminalfall Potential in ihrer Entwicklungsgeschichte hat. Spröde und zurückhaltend wie sie ist, mag ich sie trotzdem sehr gerne; wie ihre Psyche hier einfühlsam und tiefgründig gezeichnet wird, ist für mich ein ganz wichtiger Aspekt der Reihe. Diesmal erfahren wieder ein Stück mehr über ihre Weltumseglung, bei der ihr damaliger Liebhaber ums Leben kam, und auch die Familiengeschichte wird näher beleuchtet. Was ich etwas seltsam fand, war die Betonung ihrer Religiosität - ich kann mich nicht erinnern, dass in den letzten Bänden schon die Rede davon war, dass sie regelmäßig zum Gottesdienst geht. Ganz besonders schön fand ich die langsame Entstehung einer Art Beziehung zu Gavin Macrae. Es knistert ganz schön zwischen den beiden und die Autorin hat ein paar wunderbare Szenen auf See eingebaut, mit entsprechenden Romantikpotenial, aber nicht überfrachtet. Gerade der eigenbrötlerischen Cass wünscht man es doch, dass sie wieder einen Partner findet, der ihr ihre Freiheit lässt und sie nicht einengt. Genau das ist immer wieder Thema, und Gavin ist augenscheinlich der ideale Kandidat, der sich auf Cass einlassen könnte. Damit das Ganze nicht zu schnell und unkompliziert von statten geht, hat die Autorin den coolen Norweger Anders zurück kehren lassen, der nun ebenfalls wieder einen Platz in Cass‘ Herzen einnimmt. Sehr schön dargestellt, wie sich die Protagonisten im Dreieck bewegen und Cass im inneren Konflikt mit ihren Gefühlen ist. Das wird sicher noch ein paar Bände in Anspruch nehmen, bis hier Klarheit herrscht - wenn überhaupt. Mir hat dieser Teil der Geschichte jedenfalls am meisten Spaß gemacht. Und damit kommen wir schon zu dem Teil, der mir nicht so gefiel: der Kriminalfall an sich hat mich diesmal nicht so begeistert. Grundsätzlich hat Marsali Taylor sich da schon ein raffiniertes Konstrukt einfallen lassen, aber die Umsetzung hat für mich doch ein paar Mängel. Im Laufe der Handlung vermischen sich verschiedene Theorien über Tathergänge und zusätzlich die neuesten Ermittlungskenntnisse, so dass ich manchmal ganz schön auf dem Schlauch stand. Dazu noch kommt eine große Anzahl von Nebenfiguren, die ich nicht immer richtig einordnen und auseinanderhalten konnte, vor allem in den ersten zwei Dritteln des Buches. Dadurch, dass viele Szenen mit verkleideten Protagonisten geschildert werden, ist lange nicht klar, wer unter den Kostümen steckt - damit sind auch die unterschiedlichsten Tathergänge möglich, was mich total verwirrt hat. Mich würde es nicht wundern, wenn sich am Ende sogar ein paar Logikfehler eingeschlichen hätten, aber mir fehlt tatsächlich der Überblick, um das zweifelsfrei zu bestimmen. Die Auflösung hingegen präsentiert sich nach dem ganzen okkulten Gedöns erfrischend real und nachvollziehbar. So war ich am Ende dann wieder versöhnt mit dem Krimi an sich und konnte alle möglichen und unmöglichen Spekulationen abhaken. Mein Fazit: Ein Kriminalfall mit leichten Schwächen im Aufbau, der diese aber mit einem wunderbaren Setting, spannenden Einblicken in die Geschichte und Kultur der Shetlandinseln sowie gelungenen Figurenzeichnungen ausgleicht. Auf alle Fälle lesenswert!

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10 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 7 Rezensionen

Das Sonnenkind

Detlev Meyer , Matthias Frings
Fester Einband: 232 Seiten
Erschienen bei Aufbau Verlag, 19.01.2018
ISBN 9783351037185
Genre: Romane

Rezension:

Der neunjährige Carsten Wollin erlebt einen Sommer im Nachkriegsberlin der 1960er Jahre und begleitet seinen Großvater gern auf dessen Besuchen im Café Kranzler. Der alte Wollin ist ein Charmeur der alten Schule und wickelt alle um den Finger, die mit ihm zu tun haben - nicht zuletzt seine Ehefrau und seine Geliebte, die sich den Schwerenöter zähneknirschend teilen, was bleibt ihnen auch anderes übrig. Carsten bewegt sich als geliebtes „Sonnenkind“ innerhalb dieser Familie, lässt sich verwöhnen und versucht allen zu gefallen. Mit seinem Bruder Stephan gründet er einen Jungs-Club und trifft Freunde, gerne wäre er ein wenig verwegener und wilder, kann aber nicht aus seiner Haut und bleibt Everybodys Darling. Nichts trübt diese glückliche Kindheit, bis der Großvater plötzlich eine niederschmetternde Diagnose erhält... Meine Meinung: „Das Sonnenkind“ ist in der Originalausgabe 2001 erschienen und wurde nun vom Aufbau-Verlag neu herausgegeben, in einer wunderbar hochwertigen Ausstattung - eine kleine Buchperle im Regal. Detlev Meyer hat den Roman bereits im Wissen um seinen bevorstehenden Tod angesichts einer Immuninfektion geschrieben und damit Rückschau auf seine Kindheit gehalten. Auch wenn die Erzählung auf den kleinen Carsten fokussiert ist, kommen doch die Perspektiven all der anderen Figuren ebenfalls zum Tragen, die wohl den Menschen in Meyers Kindheit ähnlich waren. Wir bewegen uns in einem sehr bürgerlichen Umfeld in Neukölln, in dem jeder versucht, so gut wie möglich vor den Nachbarn dazustehen, dunke Geheimnisse verschwiegen und gerne französische Begriffe verwendet werden, um die Vornehmheit der Familie zu unterstreichen. Die Doppelmoral des Großvaters, der noch dazu eine Nazi-Vergangenheit hat, das nicht bewältigte Kriegstrauma des Vaters, das hypochondrische Wesen der Großmutter, das alles wird zwar ganz schüchtern beschrieben, geht aber in dem augenzwinkernden Humor unter, der sich durch die ganze Geschichte zieht. Und schnell wird klar, es geht nicht darum, irgendetwas aufzuarbeiten; Detlev Meyer gönnte sich und den Lesern einen wehmütigen und verklärenden Blick zurück in die Vergangenheit, in die Tage seiner eigenen Kindheit. Besonders gut gefallen hat mir dabei, dass mehrere Generationen beleuchtet werden und jeweils deren ganz spezielle Lebenssituationen geschildert werden. Daher ist es ein bunter Mix an Themen, die durch die Familienverbindung untereinander verknüpft sind und die als Ganzes betrachtet die Phasen eines ganzen Lebens darstellen. So vertritt Carsten die Kindheit und deren spezielle Denkart, während sein Bruder Stephan an der Schwelle des Erwachsenwerdens steht und seine erste Liebe erlebt; die Generation der Eltern kämpft mit Altlasten und dem täglichen Leben, während der Großvater seinen letzten Lebensabschnitt auf seine eigene Art und Weise genießt. Er ist auch derjenige, der am Ende mit Siechtum und Tod konfrontiert wird. Durch dieses Konstrukt konnte der Autor sein eigenes Erleben auf verschiedene Figuren projezieren und sein Leben Revue passieren lassen. Der heitere Ton, der die ganze Handlung bis zum Ende durchzieht, macht das Lesen zum Vergnügen, nimmt so manchem bitteren Moment seine Schärfe. Detlev Meyer verzichtete auf Anführungszeichen in der wörtlichen Rede, was sich für mich zunächst etwas seltsam anfühlte beim Lesen. Mit der Zeit bin ich aber sehr gut mit dem Stil zurecht gekommen und wusste den Lesefluss zu schätzen, der sich durch diese Schreibweise zunehmend einstellte. Die Sprache selbst ist elegant und treffsicher, ohne übertriebene Verschnörkelung, was ich als sehr angenehm empfand. Ein Nachwort von Matthias Frings rundet die Geschichte ab und gewährt einen Blick in das literarische Schaffen des Autors. Mein Fazit: Dieses kleine, aber feine Werk jenseits vom Mainstream dürfte vor allem LeserInnen gefallen, die weniger handlungsorientiert lesen, sondern mehr Wert auf die tiefgründige Ausarbeitung der Figuren und einen feingeistigen Sprachstil legen. Wer sich für den Zeitgeist der 1960er im bürgerlichen Berlin der Nachkriegsjahre interessiert und überhaupt mit der Berliner Literaturszene vertraut ist, wird ebenfalls seine Freude daran haben. Ich hatte den Lesegenuss vor allem durch den heiter-melancholischen Ton, der „Das Sonnenkind“ zu einem emotionalen Leseerlebnis werden lässt.

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20 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 11 Rezensionen

camp im wald, erste liebe, fremder junge, im turm eingesperrt, jugendroman, kein handyempfang, kinskypferd, lustige performance, mittelaltratmosphäre, paint-horse-stute, pferde-casting, rappschimmel, vorführung, welsh cob, zweierquadrille

Cassiopeia - Das magische Pferde-Casting

Sina Trelde
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.03.2018
ISBN 9783492704854
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Es sind Sommerferien - Juna freut sich auf die schulfreie Zeit, die sie vor allem mit ihrem Pferd Merlin, ihrem Freund Linus und dessen Stute Fairy verbringen möchte. Durch eine Zeitungsannonce stoßen Juna und Linus auf ein verlockendes Angebot: bei einem Pferdecasting kann man sich und sein Pferd präsentieren, um in einer Pferdeshow aufzutreten. Die beiden nehmen die Herausforderung gemeinsam mit ihren geliebten Vierbeinern an und befinden sich bald gemeinsam mit zahlreichen anderen Pferd-Reiter-Teams in einem abenteuerlich-mysteriösen Waldcamp, wo sie und ihre Pferde schwierige Aufgaben zu erfüllen haben - und nicht wie gedacht, Kunststücke vorführen dürfen. Langsam aber sicher zeigt sich, dass diejenigen Teilnehmer weiter kommen, die eine intensive Verbindung zu ihrem Pferd haben und dadurch ihre Aufgaben sicher und gelassen erfüllen können. Als die Teams mit ihren Pferden einen tiefen Graben überwinden, erwartet sie eine magische Welt mit vielen Überraschungen... Das war ein rasantes Lesevergnügen, ich hatte die Story innerhalb kürzester Zeit gelesen - vor allem deshalb, weil ich sie gar nicht mehr aus der Hand legen wollte. Sina Trelde hat diese Geschichte für die Zielgruppe der 12- bis 15jährigen LeserInnen veröffentlicht und sich der Themen angenommen, die Jugendliche in diesem Alter beschäftigt. Im Mittelpunkt stehen natürlich erwartungsgemäß die Pferde. Mit Juna und Merlin hat sie ein wunderbares Protagonistenpaar geschaffen - das Pferdemädel, das als Tochter einer Trainerin auf einem Reiterhof aufgewachsen ist und nichts als Pferde im Kopf hat, gemeinsam mit ihrem Araberwallach Merlin, der Schimmel mit der noblen Ausstrahlung, der mit ihr durch dick und dünn geht. Ihnen zur Seite stehen Linus und Fairy, der Nachbarsjunge indonesischer Abstammung, der seine etwas unelegante Stute vom Kirmes gerettet hat und seitdem eine ganz besondere Beziehung zu ihr hat. Die beiden erleben als Teilnehmer der Pferdecasting-Show Cassiopeia spannende Abenteuer und müssen mehrfach über sich hinaus wachsen. Hier ist nicht nur reiterliches Geschick gefragt, sondern Einfühlungsvermögen und Vertrauen in die Bindung zum Tier. Ich fand das sehr unterhaltsam, wie die Autorin ihre Figuren buchstäblich auf Trab hält und ihnen eine Herausforderungen nach der anderen vorsetzt. Wobei ich hoffe, dass sich aus der jugendlichen Leserschaft niemand berufen fühlt, das alles auszuprobieren... Das Konstrukt der Handlung verlagert sich nach eine Weile in eine vermeintlich phantastische Welt, in der es eine Mission zu erfüllen gibt - ich fand das sehr interessant, wie ich hier ein wenig an der Nase herumgeführt wurde und nicht genau wusste, ist das nun Fantasy oder nicht? Diese und andere Fragen halten den Spannungsbogen hoch und werden von der Autorin raffiniert und nachvollziehbar aufgelöst. Und unterdessen verpackt sie Themen wie Freundschaft und erste Liebe geschickt, einfühlsam und unaufdringlich, was bei der jugendlichen Leserschaft sicherlich gut aufgenommen wird, ebenso wie die Verknüpfung eines Castings mit dem Pferdethema. Darüber hinaus lässt sich für mich ein gesunder Pferdeverstand der Autorin aus den Zeilen herauslesen, was mir natürlich besonders gut gefallen hat. Mein Fazit: Ein toller Pferderoman, der spannende Unterhaltung von der ersten bis zur letzten Seite garantiert, mit wunderbaren Pferdeszenen und überraschenden Entwicklungen, flüssig zu lesen und ein Pageturner für jugendliche Pferdefans.

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11 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

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Die einzig wahre Liebe

Carlos del Amor , Anja Rüdiger
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Thiele & Brandstätter Verlag, 17.09.2016
ISBN 9783851793475
Genre: Romane

Rezension:

Ein Journalist und Schriftsteller verbringt den Sommer in Madrid, während die ganze Stadt verlassen scheint - alle sind in Urlaub, einschließlich seiner eigenen Frau. Das mehrstöckige Haus, in dem er wohnt, ist verlassen - so erscheint es fast wie eine Einladung, als er den Schlüsselbund der ebenfalls abwesenden Concierge einfach so im Treppenhaus liegend findet. Er verschafft sich Zugang zu den Wohnungen seiner Nachbarn und entdeckt langjähriges und sorgsam gehütete Geheimnisse. Könnte dieses Wissen auch der Stoff zu seinem neuen Roman sein, für den er bisher noch nicht die zündende Idee hatte? Carlos del Amor, was ich zunächst für ein höchst albernes Pseudonym für einen Liebesroman gehalten habe, ist der Name eines der bekanntesten Fernsehmoderatoren Spaniens, der vor allem in Sachen Kultur unterwegs ist. Mit diesem Debütroman hat er nun den Schritt vollzogen, zu den Kulturschaffenden zu zählen und sie nicht nur zur interviewen. Leider habe ich mich mit den 236 Seiten aus del Amors Feder ziemlich schwer getan. Wir begleiten den Ich-Erzähler, dessen Namen wir über die gesamte Handlung hinweg nicht erfahren, in die verlassenen Wohnungen seiner Nachbarn. Abwechselnd mit seinen Entdeckungen wird aus Perspektive der Nachbarn ihre Geschichte erzählt; kurz und bündig, eine Lebensgeschichte auf wenigen Seiten. Dieser häufige Perspektivenwechsel sollte zwar eigentlich eine temporeiche Geschichte verheißen, mir kam es aber seltsam behäbig und zusammenhanslos auch vor, wie der Autor seinen Plot aufbaut. Die meiste Zeit hatte ich das Gefühl, es plätschert einfach alles so dahin. Inhaltlich nervte mich dieser Voyeurismus des Ich-Erzählers mehr und mehr. Es widerte mich zusehends an, wie er da die intimsten Geheimnisse seiner Nachbarn ausspäht, getrieben wie ein Süchtiger nach Informationen, Klatsch und Tratsch. Zwischendurch gibts dann ein paar philosophische Weltbetrachtungen, ein wenig Literaturklatsch.... wie aus einem Guss wirkt das Ganze wahrlich nicht. Am Ende macht der Ich-Erzähler aus seinem Wissen einen Roman, ohne zu ahnen, dass er dadurch irgendwann mit der Wahrheit konfrontiert wird. Dieser Teil der Erzählung konnte mich dann schon eher erreichen; das literarische Konstrukt innerhalb der Handlung und seine Wirkung hat mich mehr interessiert als die Passagen zuvor, und irgendwie funktioniert der Schluss dann auch ganz ordentlich. Trotzdem empfand ich die Geschichte als ausnehmend schwach konstruiert, dazu noch kommt auch der Schreibstil recht unspektakulär daher. Mein Fazit: Dieser Roman konnte mich aufgrund seiner Belanglosigkeit nicht überzeugen - den muss man wirklich nicht gelesen haben.

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84 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 16 Rezensionen

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Quendel

Caroline Ronnefeldt
Fester Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Ueberreuter Verlag, 16.02.2018
ISBN 9783764170776
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Das Hügelland, ein beschauliches und gemütliches Fleckchen Erde, auf dem sich das Volk der Quendel breit gemacht hat und dort in Ruhe und Frieden lebt - wäre da nicht der Wald Finster, der seinem Namen alle Ehre macht und in den sich noch kaum jemand hinein getraut hat. Ausgerechnet dorthin zieht es Bullrich Schattenbart, seines Zeichens leidenschaftlicher Kartograph und bestrebt, auf seinen Karten diesen weißen Fleck auszufüllen. Nur: er kommt von seinem Ausflug nicht mehr zurück! Seine Freunde und Nachbarn machen sich auf den Weg in den Finster, um ihn zu retten und erleben die schrecklichste Nacht ihres Lebens, ebenso wie die beiden Nachbarn Pirmin und Fendel, die sich aus ganz anderen Gründen in die gefährliche Zone begeben. Schon Cover und Namen dieses Schmökers lassen unvermittelt an Tolkiens Hobbits denken, und diese Assoziation trifft auch zu 100 % zu. Schon beim ersten Satz hatte ich das Gefühl, ich bin im Auenland und treffe auf Bilbo und Frodo Beutlin. Sowohl die Atmosphäre als auch der Sprachstil sind perfekt getroffen, so dass man fast annehmen könnte, der große Meister hat diesen Roman selbst geschrieben. Aber nein, das Buch stammt aus der Feder von Caroline Ronnefeldt, und ich empfand es beileibe nicht als abgekupfert, vielmehr als liebevolle und wohldurchdachte Hommage an Mittelerde. Noch dazu ist das Buch in seiner aufwändigen Ausstattung ein wahres Schmuckstück im Bücherregal. Die Handlung beschränkt sich auf einen Tag im Leben der Quendel, aber dies ist eben ein ganz besonderer Tag, an dem unerwartete und schreckliche Ereignisse eintreten. Verschiedene Protagonistengruppen werden zunächst ausführlich eingeführt, was mir sehr viel Spaß gemacht hat; die detailreichen Beschreibungen der Örtlichkeiten, der Gewohnheiten und des Alltagslebens der Quendel schaffen wunderbare Bilder und auch die augenzwinkernd erzählten Eigenheiten und Macken der Quendel empfand ich als sehr unterhaltsam. Es bleibt jedoch nicht bei dieser absoluten Wohlfühlatmosphäre. Caroline Ronnefeldt lässt ihre Protagonisten langsam aber sicher in einen Schauerroman erster Klasse eintreten, der mit vielen Elementen und Mythen des Genres spielt. Schon alleine der finstere Wald ist ein absoluter Gruselort, aber damit ist es nicht getan. Die Figuren müssen sich mit gefährlichen Mooren, unheimlichen Wesen, fliegenden Wölfen und dunklen Grabkammern auseinandersetzen; kaum ein Gruselszenerio, das dabei nicht bedient wird. Diese Wendung bringt ordentlich Thrill und Action in die Handlung, so dass sie, obwohl nur an einem Tag stattfindend, trotzdem sehr temporeich und dynamisch wirkt. Das einzige, was man dem Roman vorwerfen kann, ist das offene Ende. „Quendel“ ist nicht in sich abgeschlossen, im Gegenteil; die Handlung endet mit einem absolut fiesen Cliffhanger. Das an sich würde mich nicht stören, aber im Vorfeld wies nichts darauf hin, dass es sich um den ersten Band einer Reihe handelt, und auch über eine Fortsetzung schweigen sich die Websites von Verlag und Autorin hartnäckig aus. Diese Kritik geht also ans Marketing und nicht an das literarische Produkt an sich, deswegen auch kein Punktabzug. Ich hoffe jedenfalls auf eine zeitnahe Fortsetzung auf gleichem Niveau. Mein Fazit: Eine klare Leseempfehlung an alle LeserInnen der High Fantasy und speziell an Tolkien-Fans - wer Spaß an den Hobbits und an Mittelerde hatte, wird sich hier wie zuhause fühlen und sich an dem ausgefeilten, poetischen Sprachstil erfreuen, ebenso an den gelungenen Figuren und dem zunehmenden Gruselfaktor.

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Alif der Unsichtbare

G. Willow Wilson , Julia Schmeink
Flexibler Einband: 528 Seiten
Erschienen bei FISCHER Tor, 25.01.2018
ISBN 9783596299362
Genre: Fantasy

Rezension:

In einer nicht näher benannten arabischen Großstadt am Meer lebt Alif, ein junger Hacker, dessen Leben bisher ohne nennenswerte Höhepunkte verlief und der von seinen außerordentlichen Fähigkeiten am Computer ganz gut leben kann - bis er sich in eine Frau aus gutem Haus verliebt. Durch ihre Hände erhält er ein außergewöhnliches Buch, das der Schlüssel zur Veränderung der gesamten Informationstechnologie und damit ein großes Machtinstrument zu sein scheint. Damit hat er plötzlich mächtige Gegner aus den Reihen der faschistischen Regierung gegen sich, aber auch Hilfe in Gestiner viel älteren und mysteriösen Daseinsform wird ihm zuteil, nämlich der Dschinn. Eine abenteuerliche Flucht aus der Stadt ins Dschinnland nimmt ihren Lauf... Ausgezeichnet mit dem World Fantasy Award als “Bester Roman des Jahres” versprach dieses Buch eine außergewöhnliche Lektüre zu werden, zumal das Setting mitten im arabischen Frühling mal etwas ganz anderes ist als die üblichen Fantasywelten. Trotzdem tat ich mich ziemlich schwer damit und war zeitweise nahe dran, es abzubrechen. Das liegt vor allem an dem holpringen Start, der sich für mich über nahezu das erste Drittel des Buches zog. Ich kam vor allem mit Alif als Hauptprotagonist überhaupt nicht klar; seine weinerliche, wehleidige Art und sein egoistisches männliches Denken taten mir regelrecht weh beim Lesen. Gut, dass er von Anfang an in der cleveren Dina eine weibliche Figur zur Seite gestellt bekam, die Leserinnen wie mich bei der Stange halten, sonst wäre das echt schief gegangen. Auch der Sprachstil stieß bei mir auf wenig Begeisterung. Ob dies nun der Übersetzung geschuldet oder ob der Originaltext schon so sperrig ist, machte für mich nach einer Weile keinen Unterschied, ich fand es einfach nur mühsam zu lesen. Zum Glück flutscht die Sprache besser, sobald ein wenig mehr Action ins Spiel kommt, aber bis zu diesem Zeitpunkt musste ich schon eine lange Durststrecke durchstehen. Wie durch ein Wunder platzt plötzlich der Knoten und ich befand mich in einer rasanten und fulminanten Story, die endlich funktioniert und einen steilen Spannungsbogen aufweist. Der Genremix aus Thriller, Mystery und Computerkrimi wirkt frisch und innovativ, die politischen und religiösen Einflüsse auf die Handlung bringen einen philosophischen Ton in die Geschichte. Den phantastischen Anteil fand ich sehr gelungen, den die Autorin greift nicht auf altbekannte, abgedroschene Motive zurück. Vielmehr schafft sie eine völlig neue Perspektive auf bekannte Phantastikwesen wie die Dschinn, Ifrit, Dämonen und Flaschengeister, verknüpft ihre Existenz wiederum mit der islamischen Religion und ihren Mythen, so dass das Ganze plötzlich wie aus einem Guss erscheint. Die Entwicklung, die Alif und seine Begleiter über die Handlung hinweg durchmachen, wirkt glaubhaft und schlüssig. Am Ende ist er nicht mehr der weinerliche Waschlappen, sondern ein gestandener Mann, der Rückgrat beweist und als Held der arabischen Revolution hervorgeht. Diese Wandlung geht ganz sachte Schritt für Schritt voran, so dass ich es als Leserin gut nachvollziehen konnte. Interessante Details aus der arabischen Kultur bereichern die Geschichte und sorgen für die passende Atmosphäre. Mein Fazit: Schade für den verpatzten Anfang, ohne diesen hätte dieser Roman ein echtes Highlight werden können. Trotzdem empfehle ich ihn gerne an experimentierfreudige PhantastikleserInnen weiter, auch an Fans von Mystery-Thrillern; aber mit dem Hinweis, sich vom ersten Drittel nicht abschrecken zu lassen und dranzubleibend, es lohnt sich!

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In Kalabrien

Peter S. Beagle , Oliver Plaschka
Fester Einband: 164 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 10.02.2018
ISBN 9783608962178
Genre: Fantasy

Rezension:

Der kalabrische Bauer Claudio Bianchi lebt sein einsames Leben auf einem Einsiedlerhof in den Bergen, grantelt vor sich hin und beschäftigt sich mit seinem Land und seinen Tieren. Eines Tages geschieht etwas Unfassbares: ein Einhorn taucht in dem Weinberg hinter seinem Haus auf. Und in Claudios Leben ist plötzlich nichts mehr wie vorher. Peter Beagle ist bekannt für seinen Roman „Das letzte Einhorn“, ein Klassiker der phantastischen Literatur. Auch weit weniger bekannte Romane aus seiner Feder habe ich schon gelesen, zum Beispiel „Das Zauberhaus“. Umso überraschter war ich angesichts dieser Neuerscheinung, die wiederum das Thema Einhorn behandelt und von Klett-Cotta in der deutschen Übersetzung herausgegeben wurde. Schon alleine die Aufmachung dieses Buches verdient ein großes Lob, vor allem das wunderbare Cover, das sehr gut zum Inhalt passt und ein echter Hingucker ist. Sprachlich empfand ich die Lektüre als Hochgenuss. Der ruhige Erzählstil mit seiner feingeistigen und poetischen Wortwahl traf genau meinen Lesenerv; und bei dieser Gelegenheit geht auch ein großes Lob an den Übersetzer Oliver Plaschka, der den Ton der Geschichte perfekt getroffen und in die deutsche Sprache transportiert hat. Inhaltlich erkannte ich ebenfalls den Stil von Peter Beagle wieder. Er setzt nicht unbedingt auf spektakuläre und opulente Szenen, sondern lässt seine Geschichte viel mehr in kleinen Begebenheiten sich entwickeln. Dazu zählen Dialoge, aber auch genaue Beobachtungen des alltäglichen Lebens; sehr bald hatte ich ein Bild von Claudio Bianchi, der sich aus dem Leben und aus der Gesellschaft weitestgehend zurück gezogen hat. Seine Bemühungen, sich die Menschen vom Hals zu halten und sich eher den Tieren, noch lieber aber seinen selbstverfassten Gedichten zu widmen, haben mich auf eine melancholische Art und Weise berührt. Das Einhorn bedeutet eine Zäsur in seinem Leben - plötzlich ändert sich alles, sowohl zum Guten als auch zum Schlechten. Berührt durch das magische Fabelwesen, rückt er plötzlich in den Fokus von vielen Menschen und muss sich mit ihnen auseinandersetzen. Dass damit auch eine neue Liebe, aber auch Feindschaften entstehen, muss er aushalten und verkraften. Außerdem sieht er sich gezwungen, sich mit seiner Vergangenheit auseinander zu setzen, wodurch zwar alte Wunden aufgerissen werden, aber auch heilen. Das Einhorn ist dabei über die gesamte Handlung hinweg gar nicht so sehr präsent; ab und zu knabbert es zwar an den Blättern in Bianchis Garten, viel mehr dient es aber ein Symbol für das magische Wunder der Liebe, die Claudio erlebt. Die Handlung erfährt am Ende sogar noch eine tüchtige Portion Action; aber selbst die empfand ich nicht als Bruch im Konzept. Peter Beagle versteht es perfekt, die Geschehnisse zu verschleiern und trotzdem einen eindeutigen Ausgang der Geschichte zu liefern; aber auch, der spekulierfreudigen Leserschaft Stoff zum Nachdenken über die Symbolkraft des Einhorns zu geben und Parallelen der realen und phantastischen Handlungsebene aufzudecken. Dass das Setting in Kalabrien angesiedelt ist, wirkt ebenso überraschend wie genial. Die süditalienische Atmosphäre ist wunderbar getroffen und ich hatte das Gefühl, nirgendwo anders hätte dieser Roman seinen Schauplatz haben können. Auch die Nebenfiguren konnten mich vollkommen überzeugen, und insbesondere Claudios Tiere hatte ich sehr schnell ins Herz geschlossen, denn sie sind sehr lebensecht und individuell gezeichnet. Mein Fazit: Ein brillantes Stückchen Lektüre aus der Feder des Altmeisters der phantastischen Literatur - das darf man sich als Fan des Genres einfach nicht entgehen lassen!

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20 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 4 Rezensionen

abschiedsrede, amsterdam, charakterstudie, eichamt, kollegen, konstanten, leben, maße, niederlande, rede, sinn, technologie, veränderungen, verschwinden, wandel

Ein Leben nach Maß

H.M. van den Brink , Helga Beuningen
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 29.01.2018
ISBN 9783446258099
Genre: Romane

Rezension:

Eine Abschiedsrede für den langjährigen Mitarbeiter und künftigen Ruheständler des Eichamtes - aber Karl Dijk kommt nicht zu seinem eigenen Abschiedsfest. Und so sinniert sein Kollege über die gemeinsam erlebten Jahre, den Wandel der Zeit und die damit verbundenen Veränderungen in ihrer Arbeit, immer im Spiegel der vermeintlich festen Größen von Kilogramm, Meter und Grad. Ein interessantes Stückchen Literatur, was uns der niederländische Autor H.M. van den Brink da präsentiert. Sprachlich empfand ich den Roman durchwegs als Genuß, denn der Schreibstil ist elegant, präszise und ausgefeilt. Nach wenigen Seiten hatte ich mich schon regelrecht festgelesen. Das Thema ebenfalls ansprechend; die Grundidee, den Wandel der Zeit mit einer Person zu verknüpfen, die sich allen Veränderungen gegenüber verschlossen hat, fand ich sehr genial. Bestimmt könnte man die Handlung in jeglicher Branche ansiedeln, aber dass sich der Autor gerade das (niederländische) Eichwesen als Kulisse ausgesucht hat, ist ein genialer Schachzug. Denn gerade was die Maßeinheiten betrifft, könnte man doch meinen, dass diese unveränderlich gegenüber allen modernen Technologien bestehen - aber falsch gedacht, auch hier hält der Fortschritt Einzug, und wer nicht mit der Entwicklung auf dem Laufenden bleibt, wird zum Dinosaurier. Was zunächst mit dem ersten Tag der beiden Kollegen im beschaulichen Eichamt an der kleinen Gracht beginnt, wird in der Abschiedsrede der Direktorin für den Kollegen Karl Dijk fortgeführt und zu Ende gebracht, trotz dessen Abwesenheit. Sein Kollege hat sozusagen als Ghostwriter die Rede geschrieben, hört sie nun aus dem Mund der Direktorin und schweift unterdessen immer wieder in Gedanken ab, verfolgt das Ungesagte, das Ungeschriebene. So entspinnt sich ein ausgeklügeltes Konstrukt aus Gegenwart und Vergangenheit, aus dem sich nach und nach die Geschichte der beiden Kollegen mit all ihren Höhen und Tiefen heraus arbeitet. Während Karl Dijk sich und seinen unverrückbaren Prinzipien immer treu geblieben ist, hat sein Kollege doch sehr oft sein Fähnchen in den Wind gehalten, um beruflich weiter zu kommen. Für mich war die Lektüre trotz ihres ruhigen Erzählstils sehr spannend zu verfolgen. Umso trauriger bin ich darüber, dass das Ende etwas beliebig geraten ist. Ich hätte erwartet, dass es eine Erklärung für das Fehlen von Karl Dijk gibt, dass das offene Ende der beiden Kollegen irgendwie aufgearbeitet und zum Abschluss gebracht wird. Statt dessen empfand ich das Ende ziemlich surreal und hatte das Gefühl, dass es sich der Autor ein wenig zu einfach gemacht hat, indem er seinen Protagonisten in wirren Fieberträumen zurück lässt. Ohne den schwachen Schluss wäre das ein echtes Lesehighlight geworden, aber auch so kann ich es gerne an LeserInnen weiter empfehlen, die weniger handlungsorientiert lesen, sondern Freude an ruhigen, nachdenklichen Erzählungen haben und mit unvermittelten Zeit- und Gedankensprüngen innerhalb der Handlung gut zurecht kommen.

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288 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 86 Rezensionen

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Tochter des dunklen Waldes

Katharina Seck
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 24.11.2017
ISBN 9783404208807
Genre: Fantasy

Rezension:

Lilah wächst als Waisenkind bei ihrem Onkel und ihrer Tante im Dorf Grünweite auf, unweit vom Morgenwald. Der Morgenwald ist verzaubert und böse, ein verbotenes Terrain, weil es darin spukt. Eines Tages verschwindet Lilahs Freund Dorean im Morgenwald, nachdem er mit einem Mord in Verbindung gebracht wurde. Kurzentschlossen folgt sie ihm und gerät in den Bann des Morgenwaldes, in dem alles so ganz anders ist, als man es sich in Grünweite erzählt. Was hat es mit den geheimnisvollen Gefährtenbäumen auf sich, wie kann ein Baum gleichzeitig eine Bibliothek sein und wer hat im Morgenwald Feuer gelegt? Lilah gerät in eine Strudel von Ereignissen, der ihr kaum Luft zum Atmen lässt, und wird vor die Entscheidung gestellt, wo und mit wem sie künftig ihr Leben verbringen will. Überraschend anders, so hab ich diese Geschichte aus dem Bereich Romantasy empfunden. Atmosphärisch punktet die Autorin mit wunderbaren Bildern, die sie in ihrem märchenhaft-poetischen Sprachstil schildert, der mir vom Fleck weg gefallen hat. Im Mittelpunkt steht die Natur mit ihren Pflanzen und Tieren, der Wald als Gesamtes, besonders aber die Bäume als Individuen. Der Morgenwald wird als ganz besonderer Ort dargestellt und strahlt eine ganz eigene, mystische Stimmung aus, die mich in ihren Bann gezogen hat. Inmitten dieser Kulisse breitet die Autorin ihre Handlung aus und erzählt aus Lilahs Perspektive. Zunächst lebt Lilah in dem kleinen Dorf Grünweite und ist dort schon sehr naturverbunden; sie stellt Kräutermedizin her und streift deswegen oft über die Wiesen. Bald schon kommt der Bruch in der Erzählung, denn das Setting wechselt mitten in den Morgenwald hinein und wir erleben Lilahs Wandlung zu einem völlig anderen Menschen und Wesen. Diese Metamorphose ist sehr eindringlich und mitreissend geschildert; der phantastische Anteil des Romans entfaltet sich hier voll und die Magie des Morgenwaldes schillert in den buntesten Farben. Gleichzeitig steigt aber auch der Spannungsbogen an, denn Katharina Seck hat darüber hinaus eine konfliktbeladene Ausgangssituation geschaffen, die sich nach und nach auf einen dramatischen Höhepunkt zu bewegt. Mit viel Tiefgang lässt sie ihre Figuren agieren und reagieren, so dass man immer emotional mit ihnen verbunden ist, vor allem natürlich mit Lilah. Dass auch im Morgenwald nicht immer alles nur fröhlich zugeht, merkt sie sehr bald; es gibt durchaus auch Szenen, die sehr traurig sind und solche, in denen ich mit den Figuren bangen musste. Am Ende lautet die Botschaft, dass Toleranz, Mitgefühl und Verbundenheit wichtige Werte sind, mit denen ein friedliches Zusammenleben zwischen verschiedenen Kulturen ermöglicht werden kann - ein durchaus zeitgemäßes Thema, das hier inspirierend und innovativ verpackt wurde. Dieser gelungene Mix aus Mystik, Natur und Liebe in einem außergewöhnlich bilderreichen Schreibstil hat mich vollkommen überzeugt und ich empfehle das Buch gerne weiter an alle FantasyleserInnen, die gerne auf Krieg und Schlachtengetümmel verzichten.

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21 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

Die Farbe von Winterkirschen

Jackie Copleton , Andrea Brandl
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Limes, 13.11.2017
ISBN 9783809026662
Genre: Romane

Rezension:

Ameratasu Takahashi ist Japanerin und lebt in Amerika. Als Augenzeugin des Atombombenabwurfs über Nagasaki suchte sie räumlichen Abstand zu dem Ort, an dem sie dieses Trauma erfuhr und dabei ihre Tochter und ihren Enkel verlor. Aber auch in dem fernen Land lassen sie die Erinnerungen nicht los und sie lebt mit ihrer Trauer, abgekapselt und zurück gezogen. Da taucht eines Tages ein junger Mann auf, der behauptet, ihr Enkel zu sein. Er wurde gerettet und seine Spur verlor sich in den Wirren der Nachkriegszeit. Ameratasu kann es nicht glauben, aber aufgerührt durch diese Begegnung werden ihre ganzen Erinnerungen aufgewühlt. Schafft sie es, sich der Vergangenheit zu stellen und alle abgerissenen Fäden wieder zu verbinden? In diesem Buch kommen ganz viele Aspekte zusammen, die zusammen genommen ein rundes und eindrucksvolles Bild einer fernen Kultur und eines unvorstellbaren kollektiven Traumas ergeben, eingebettet in einen tragische Familiengeschichte. Japan und die Japaner sind mir fremd, daher war es für mich sehr interessant und aufschlussreich, dass die Autorin am Beginn eines jeden Kapitels eine kurze Abhandlung über japanische Denkart und Werte gesetzt hat. Diese feingeistigen Abschnitte dienen einerseits zur Einstimmung, aber auch zum Verständnis der Verhaltensweisen der verschiedenen Protagonisten im folgenden Kapitel. Um der Handlung folgen zu können, ist ein aufmerksames Lesen dringend notwendig. Wir werden nämlich nicht nur mit der Rahmenhandlung um Ameratasu und Hideo konfrontiert, sondern in vielen Abrissen mit Ameratasus Erinnerungen, aber auch mit den Tagebucheinträgen ihrer Tochter Yuko und mit Briefen von Shige, einer weiteren handlungstragenden Figur. Dies im bunten Mix, so dass sich die verschiedenen Perspektiven kaleidoskopartig ineinanderfügen und auch wieder auseinander brechen. Auch die Chronologie ist nicht geradlinig, sondern springt losgelöst von Zeit und Raum durch die Jahre und Orte. Dabei enthüllt sich das Bild einer Familiengeschichte, die einerseits von traditionellen japanischen Werten geprägt ist, andererseits aber durch neuzeitliche Einflüsse und Denkweisen Konfliktpotential erhält. Der Bogen ist dabei sehr weit gespannt und die Geschichte schrammt geradeso an der Überfrachtung vorbei. Dennoch war es für mich sehr spannend, die verschiedenen Schicksale und Aspekte zu verfolgen. Im Mittelpunkt steht natürlich der Atombombenabwurf über Nagasaki, der sehr eindringlich und erschütternd geschildert wird, samt seiner Folgeerscheinungen. Aber auch das Leben der Geishas, die Verwicklung der Japaner ins Kriegsgeschehen und die Folgen für die Gesellschaft werden anhand von Einzelschicksalen ausgearbeitet. Die Autorin schafft es durch ihren ausgefeilten, präzisen und fast schon distanzierten Sprachstil, dass diese emotionsgeladene Geschichte niemals kitschig wirkt. Ihre Hauptfigur Ameratasu zeigt sie in allen Facetten; sie versucht nicht, sie besonders sympathisch oder bemitleidenswert darzustellen, sondern liefert eine ehrliche und manchmal auch harte Charakterzeichnung. Fast war ich erleichtert, als das Ende sich sehr rund und harmonisch präsentierte, bei all dem starken Tobak vorweg. Ich möchte das Buch als anspruchsvolle Lektüre auf einem hohen sprachlichen und erzählerischen Niveau weiter empfehlen, natürlich besonders für Japan-LiebhaberInnen, die daran sicher ihre Freude haben werden.

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17 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

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Nordlichtherzen

Svea Linn Eklund
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Piper, 02.11.2017
ISBN 9783492312295
Genre: Liebesromane

Rezension:

Mitten im isländischen Winter bereiten sich die beiden Schwestern Unnur und Hekla auf das Weihnachtsfest vor. Während die verträumte Elfenmalerin Unnur sich nichts mehr wünscht, als endlich den Mann ihres Lebens kennen zu lernen, hat Hekla durch einen harten Schicksalschlag das Thema Männer bereits abgeschlossen und widmet sich ihrem Leben als Wissenschaftlerin an der Uni in Reykjavik. Bei einem umstrittenen Straßenbauprojekt soll sie als Gutachterin für isländisches Kulturgut hinzugezogen werden. Diese Angelegenheit und das plötzliche Auftauchen mehrerer Pensionsgäste in Unnurs kleiner ländlichen Pension bringt jede Menge Trubel in das Leben der beiden Schwestern... Schon Titel und Cover lassen erahnen, dass es sich hier um einen waschechten Liebesroman handelt. Die Kulisse ist etwas ganz besonderes, nämlich ein abgeschiedenes Gehöft in den rauen und weiten Landschaften Islands, wo Lavaberge und Elfenhügel der winterlichen Gegend einen mystischen Touch geben - ein wahres Winterwonderland! Unnar und Hekla sind zwei sehr kontrastreiche Hauptfiguren; mir gefiel das sehr gut, wie sie sich unterscheiden und aneinander reiben, aber dennoch eine innige schwesterliche Beziehung pflegen. Gemeinsam haben sie ihre künstlerische Ader; Unnur als bildende Künstlerin und Malerin, Hekla als verkappte Songwriterin und Sängerin. Diese Aspekte fließen in die Handlung mit ein und bringen einen intellektuellen Hauch in die Handlung, was ich sehr passend fand. Beide sind Singles und gehen wiederum ganz unterschiedlich damit um; auch als dann plötzlich auch Männer ins Spiel kommen und ihre Gefühlswelt gehörig durcheinander gewirbelt wird. Die Autorin hat hier einen nette Verkettung von Zufällen und Verknüpfungen konstruiert - für mich allerdings war es etwas vorhersehbar und ich wurde auch zu keinem Zeitpunkt von irgendeiner Entwicklung überrascht. Die zuckersüße Auflösung ist vor allem für LeserInnnen mit viel Sinn für Romantik geeignet und war mir fast eine Nummer zu weichgespült. Dennoch war es eine unterhaltsame und kurzweilige Lektüre, die perfekt in die vorweihnachtliche Zeit passt und eine gehörige Portion Winter- und Weihnachtsstimmung verbreitet. Wer eine unkomplizierte Geschichte fürs Herz braucht und noch dazu auf nordische Stimmung steht, macht mit diesem Buch nichts verkehrt.

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Die Kapitel meines Herzens

Catherine Lowell , Gaby Wurster
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Atlantik Verlag, 16.08.2017
ISBN 9783455650860
Genre: Liebesromane

Rezension:

Die Amerikanerin Samantha Whipple ist eine direkte Nachfahrin der drei Brontë-Schwester Charlotte, Emily und Anne. Von klein auf begleitet sie dieses Schriftstellerduo aus dem 19. Jahrhundert auf ihrem Lebensweg; von daher ist es nicht verwunderlich, dass sie nach dem Tod ihres Vaters in Oxford englische Literatur studiert. Gemeinsam mit ihrem Tutor Orville macht sie sich auf die Spurensuche nach geheimen Hinterlassenschaften der Brontës. Was in der Inhaltangabe sehr verlockend klingt, hat die Autorin leider grandios und auf der ganzen Linie vergeigt. Ich hab es selten so bereut, ein Buch bis zum Schluss durchgelesen zu haben, weil sie es an keinem Punkt geschafft hat, mich zu überzeugen. Das fängt an beim Sprachstil; der ist holperig und ungelenk, so dass ganz unabhängig von Inhalt die Lektüre nicht gerade ein Vergnügen ist. Es sei eingeräumt, dass dieser Umstand eventuell der Übersetzung angelastet werden muss, aber unterm Strich hat es für mich keinen Unterschied gemacht, ob das Buch schlecht geschrieben oder schlecht übersetzt ist. Der Sprachstil ist uneinheitlich; manchmal ist er hochgestochen und mit komplizierten Fremdwörtern insbesondere aus der Literaturwissenschaft gespickt, dann aber wieder umgangsprachlich und flapsig. Dialoge kommen mit einem seitenlangen Austausch von Einwortsätzen daher, was mir wirklich keinen Spaß gemacht hat; und auch grammatikalisch sind einige Unachtsamkeiten versteckt, die das Lektorat niemals hätten überstehen dürfen. Inhaltlich hat sich die Autorin einen nette Grundidee überlegt, die mich sehr gereizt hat. Die drei Brontë-Schwestern sind in meinen Augen interessante Persönlichkeiten, die einen Roman als Figuren sicherlich genug Stoff für spannende Unterhaltung bieten. Leider wurde das Thema regelrecht versiebt, indem zum einen Samantha als Hauptfigur in den Mittelpunkt gestellt wurde; aber: Samantha war für mich an keinem Punkt greifbar oder interessant. Ich konnte ihre Gedankengänge und Handlungen kaum nachvollziehen, weil sie in sich nicht konsistent waren. Ich hatte keine Vorstellung über ihren Tagesablauf, obwohl man sie als LeserIn doch über Wochen hinweg begleitet. Ihr Verharren in der Vergangenheit und ihre Unfähigkeit, mit ihrer Umwelt umzugehen, hatte schon etwas Krankhaftes an sich, so dass ich sie durchwegs mit einem unguten Gefühl betrachtete. Die zweite Hauptfigur Orville kam bei mir besser weg, dieser Protagonist hatte aber den Vorteil, dass er sehr geheimnisvoll geschildert wurde und man sehr viel in ihn hineininterpretieren konnte. Die Story selbst dümpelt lange Zeit vor sich hin, hat keinen linearen Aufbau und wirkt verworren. Viele Passagen erzählen in Rückblenden über Samanthas Kindheit, über ihren Vater und seine verqueren Vorstellungen von Erziehung und Lernen, aber auch von seiner unermüdlichen, fieberhaften Beschäftigung mit den Brontës. Daneben gibt es in der Gegenwart eine gute Portion Campusleben und vor allem literaturwissenschaftliche Diskussionen, die zwar hochambitioniert, in dieser Geschichte aber irgendwie fehl am Platz sind. Was für eine anstrengende Mischung! Die im Klappentext versprochene literarische Schnitzeljagd findet erst im letzten Drittel statt und hat - nach ein, zwei vielversprechenden Wendungen zwischendrin - am Ende eine banale, enttäuschende Auflösung. Nachdem ich also auf der ganzen Linie, nämlich vom Sprachstil, von den Figuren und von der Handlung enttäuscht bin, kann ich nur betonen, dass ich diesem Roman absolut nichts abgewinnen konnte und ihn auch niemandem weiterempfehlen werde.

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39 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 21 Rezensionen

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Das Erdbeermädchen

Lisa Stromme
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Heyne, 13.06.2017
ISBN 9783453419742
Genre: Historische Romane

Rezension:

Norwegen im Sommer 1893: das Dorf Åsgårdstrand ist Anziehungspunkt für viele herrschaftlichen Familien aus Kristiana, die dort den Sommer verbringen müssen. Johanne, ein sechzehnjähriges einheimisches Mädchen, geht als Hausmädchen bei der Familie des Admirals Ihlen in Stellung und befreundet sich mit dessen Tochter Tullik. Diese beginnt eine leidenschaftliche Affäre mit dem Maler Edvard Munch, der als Außenseiter am Rande der Gesellschaft im Dorf lebt. Ein nervenaufreibendes Versteckspiel um eine Liebe jenseits der gesellschaftlichen Konventionen beginnt, und Johanne steckt mittendrin... Edvard Munch war mir vor allem wegen seines Bildes "Der Schrei" ein Begriff, ein Gemälde, das wohl niemanden kalt lässt und und das in der Neuzeit mehrfach Furore gemacht hat. Lisa Stromme widmet sich dem Menschen hinter dem Bild und spinnt eine ergreifende Geschichte um dessen Entstehung. Im Mittelpunkt steht dabei das Mädchen Johanne, das aus der Ich-Perspektive heraus die Rolle der Erzählerin übernimmt. Sie ist das "Erdbeermädchen"; dieser Name hat doppelte Bedeutung. Einerseits sammelt sie tatsächlich Erdbeeren und andere Beeren für die Sommerfrischler in Åsgårdstrand; andererseits ist dies auch der Titel eine Bildes des Malers Hans Heyerdal, für den Johanne als Kind Modell gestanden hatte. Johannes Familie, insbesondere ihre Mutter, sehen in ihr immer noch das kleine "Erdbeermädchen"; dabei ist sie im Begriff, eine junge Frau zu werden und hat durchaus ihre Geheimnisse. Da ist Thomas, der um sie wirbt und mit dem sie zum Tanz geht, unsicher, ob mehr darauf werden kann und darf. Aber auch Edvard Munch ist für Johanne kein Unbekannter; er erkennt ihr Potential, Kunst zu verstehen und auch selbst zu malen; dabei unterstützt er sie im kleinen Rahmen, materiell wie ideell. Selbstverständlich muss dies im Geheimen ablaufen, denn im Dorf ist Munch ein Verrückter und seine Bilder eine Schande, niemand, zu dem ein junges Dorfmädchen Kontakt haben sollte. Ganz anders ist das mit Tullik, der Tochter des Admirals. Sie versteht Munchs Kunst überhaupt nicht, ist aber gerne Modell für die verschiedensten Bilder, und stürzt sich schließlich Hals über Kopf in eine leidenschaftliche Liebschaft mit dem Maler. Johanne ist hierbei Beobachterin und vor allem Verbündete, denn Tullik braucht dringend Ausreden für ihre langen Abwesenheiten. Die beiden Mädchen bauen dabei ein Lügenkonstrukt auf und begeben sich in manche prekäre Situation. Ob das auf Dauer gut geht, wird hier natürlich nicht verraten. Munch selbst bleibt innerhalb der Erzählung als Mensch sehr blass, fast wie ein Mythos. Dennoch kommt seine Verstörtheit, seine absolute emotionale Hingabe an die Kunst, hinter der die menschlichen Beziehungen durchwegs zurück stehen müssen, sehr gut zum Ausdruck. Fast kann man sich vorstellen, wie er in seiner Unfähigkeit, seine Gefühle auszusprechen, dieses wahnsinnige Gemälde schafft und die abstrakt gemalte Figur für sich schreien lässt. Der Schrei zieht sich vor allem durch das letzte Drittel des Buches und nimmt eine wichtige Rolle ein. Lisa Stromme bedient sich in ihrer Erzählung eines eleganten, ausgereiften Schreibstils, der mir sehr gut gefallen hat. Es drängt sich beim Thema Malerei geradezu auf, dass die Sprache bildhafte Motive aufgreift und vieles mit Farben und Formen zu erklären versucht. Besonders schön fand ich die kapiteleinleitenden Auszüge aus "Zur Farbenlehre" von Johann Wolfgang von Goethe, die sehr treffend eingesetzt werden. Am Ende des Sommers darf man als LeserIn nicht erwarten, dass es irgendwelche ausgeklügelten Auflösungen gibt; der Sommer ist vorbei, die Sommerfrischler kehren zurück in die Hauptstadt und alles geht wieder seinen alten Gang. Was bleibt, ist der Nachhall einer Geschichte, die erschütternd und mitreissend gleichzeitig erzählt wurde; wie gemacht für LeserInnen, die weniger handlungsorientiert sind, sondern am inneren Erleben der Figuren interessiert sind und sich auf den Zeitgeist des 19. Jahrhunderts mit einem Schwerpunkt auf der Entdeckung der modernen Kunst einlassen möchten. Mir hat das Buch insgesamt sehr gefallen und ich bin überrascht, wie gut der Autorin die Verknüpfung dieses doch komplexen Themas mit einer guten Portion Unterhaltungswert gelungen ist.

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350 Bibliotheken, 5 Leser, 2 Gruppen, 102 Rezensionen

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Das Mädchen aus Brooklyn

Guillaume Musso , Eliane Hagedorn , Bettina Runge
Flexibler Einband: 496 Seiten
Erschienen bei Pendo Verlag, 02.06.2017
ISBN 9783866124219
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Raphaël Barthélémy ist überglücklich, hat er doch nach einer großen Enttäuschung seine große Liebe Anna gefunden. Als er jedoch mehr über ihre Vergangenheit erfahren möchte, konfrontiert ihn Anna mit einem schrecklichen Geheimnis und ist ab diesem Zeitpunkt unauffindbar verschwunden. Raphaël macht sich auf eine gefährliche und atemberaubende Spurensuche, die ihn von Paris nach New York führt. Dort findet er ein Puzzleteil nach dem anderen und erfährt, wer Anna in Wahrheit ist. Doch wird er sie zurück gewinnen? So richtig überzeugen konnte mich Guillaume Musso mit seinem neuesten Mix aus Thriller und Liebesgeschichte nicht. Den Anfang fand ich noch recht gelungen; das Setting Paris und später dann New York hat er sehr schön dargestellt, und der Start der Geschichte ist vielversprechend angelegt. Durch die Ich-Perspektive aus Sicht von Raphaël und der Erzählperspektive aus Sicht von Marc Caradec ist Abwechslung und Tempo geboten, für mich eine ungewöhnliche Leseerfahrung. Leider verliert sich der Autor ab ungefähr der Hälfte in seinen Perspektiven und die Erzählweise wird sehr unübersichtlich. Er verkünstelt sich damit, dass er fast allen beteiligten Figuren im Laufe der Handlung eine Ich-Perspektive einräumt, was mich doch sehr aus dem Lesefluss gebracht hat. Zwar weiß der Leser damit mehr als die handlungstragenden Figuren, aber das alleine konnte für mich die Sache nicht wett machen, für mich wirkte das wie eine Art Experiment. Leider geht dadurch die Nähe zu den Figuren völlig verloren, ich konnte mich kaum auf die Protagonisten einstellen. In der Handlung selbst gab es auch eine Dinge, die mich wenig begeistern konnten. Die Verflechtung von Annas Verschwinden mit einem Fall aus der Vergangenheit konnte ich ja durchaus noch nachvollziehen; dass dann aber die amerikanische Präsidentschaftswahl plötzlich eine wichtige Rolle spielt, das hat für mich überhaupt nicht gepasst. Spannend zwar, wie Musso dieses Thema darstellt und beleuchtet, aber einfach eine Nummer zu dick aufgetragen. Am Ende gibt es auch noch eine dicke Überraschung, die mir auch nicht so recht ins Bild passte. Die Geschichte endet abrupt und irgendwie unvollendet, und somit wirkt das alles nicht aus einem Guss. Schade, denn die Grundidee vom Anfang fand ich recht spannend und durchaus interessant. Was bleibt, ist ein seltsam verworrenes Spiel aus Politik, Verbrechenen und persönlichem Drama, das mich zwar streckenweise gut unterhalten hat, am Ende aber nicht überzeugen konnte. Schade, denn nach "Vierundzwanzig Stunden" hab ich mir von Guillaume Musso einen ähnlich brillanten Knaller erhofft. Vielleicht beim nächsten Buch wieder.

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25 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 16 Rezensionen

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Sylter Intrigen

Ben Kryst Tomasson
E-Buch Text: 368 Seiten
Erschienen bei Aufbau Digital, 11.04.2017
ISBN 9783841213051
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Kari Blom ist zurück auf Sylt! Die verdeckte Ermittlerin soll in diesem zweiten Band wieder einmal inkognito einen Kriminalfall im Auftrag des LKA lösen; diesmal geht es um Kreditkartenbetrug. Doch kaum hat sie ihren Platz als Kassiererin in einem Feinkost-Supermarkt eingenommen, passiert ein Mord - und Kari, die eigentlich Karolina Dahl heißt, steckt mittendrin in einer brandheißen Mordermittlung. Kein Wunder, dass sie sofort wieder ganz oben auf der Liste der Verdächtigen steht und ins Visier der Sylter Polizei gerät. Wobei Jonas Voss, einer der Sylter Polizeibeamten, nicht nur aus dienstlichen Gründen ein Auge auf Kari geworfen hat... Der zweite Fall von Kari Blom hat mir wieder sehr gut gefallen. Ben Kryst Tomasson schafft es spielend, den Spannungsbogen kontinuierlich steigen zu lassen und seine LeserInnen zum Rätseln zu animieren. Dennoch ist es nicht ganz einfach, hinter das ausgefeilte Handlungskonstrukt zu blicken - das hat er sich wirklich gut ausgedacht und logisch umgesetzt. Der Reiz des Neuen ist diesmal allerdings überschaubar, denn die Handlung ist eine ziemliche Blaupause des ersten Teils. Die verdeckte Ermittlerin, die plötzlich selbst unter Verdacht steht und unter keinen Umständen ihre Identität preis geben darf, ist ein festes Element für den Aufbau der Geschichte. Aber auch die Umstände ähneln sich; war es im ersten Band der korrupte Bauunternehmer, so ist es diesmal ein Feinkostladen, in dem es nicht mit richtigen Dingen zugeht. Und während die Reichen und Schönen ihre Leckereien dort einkaufen, müssen die vom Leben weniger Begünstigten an der Kasse sitzen und die Regale einräumen. Auch die Unternehmersgattin ist wieder mit von der Partie, diesmal als Boutique-Besitzerin mit einem Hang zum Mondänen und einer Vorliebe für südamerikanische Sahneschnittchen. Und natürlich Jonas Voss, der alleinerziehende Vater und Polizeibeamte, der sich von Kari magisch angezogen fühlt, ein Figur, die ich sehr gerne mag. Nicht zu vergessen, auch die Häkel-Ladys sind wieder on Tour und bekommen einige Auftritte, die zuweilen recht dramatisch ausfallen. Dies alles liest sich wirklich sehr gut, dank einer geschliffenen Sprache, die mir richtig Spaß gemacht hat. Ein ausgefeilter Blick fürs Detail, nicht zuletzt für die wunderbaren Schauplätze auf Sylt, aber auch die düsteren Seiten der Insel, runden die Geschichte ab. Dennoch, so sehr ich die Lektüre genoss, es fehlte mir einfach ein kleines bisschen Kontrast zum ersten Band und an Überraschungen. Trotzdem würde ich mich natürlich sehr freuen, wenn Kari auch noch in einem weiteren Band ermittelt und wäre ganz bestimmt wieder dabei!

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57 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 14 Rezensionen

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Schatten über Elantel

Brandon Sanderson , Karen Gerwig
Flexibler Einband: 528 Seiten
Erschienen bei Piper, 20.03.2017
ISBN 9783492704359
Genre: Fantasy

Rezension:

"Schatten über Elantel" ist der fünfte Band der Reihe "Die Nebelgeborenen" von Brandon Sanderson. Dabei handelt es sich von Band 1 bis 3 um eine Staffel, ab Band 4 beginnt eine neue Staffel, deren 2. Band nun mit diesem Buch vorliegt. Schon ein bisschen wahnwitzig von mir, gerade mit diesem Band in die Reihe einzusteigen, ohne dass ich zumindest rudimentäre Vorkenntnisse aus Sandersons Mistborn-Universum habe. Aber: das Exeperiment ist geglückt, ich hab mich auch als Neuling sehr wohl mit dem Buch gefühlt und fand es einfach genial. Sanderson schafft mit seinem abgefahrenen Genremix aus klassischer Fantasy kombiniert mit vorherrschenden Gaslamp/Steampunk-Elementen, Western und Mystery-Thriller eine ganz besonderes Lesegefühl. Trotz der ungewöhnlichen Mischung erscheint der Roman wie aus einem Guss; ich hatte beim Lesen nie das Gefühl, dass da irgendwas nicht zusammenpasst. Klar ist es von Vorteil, wenn man die Vorbände kennt, denn viele Ereignisse nehmen Bezug auf die Vergangenheit und die Figuren werden nicht neu eingeführt; der Autor ging beim Schreiben davon aus, dass Wax, Wayne & Co. bereits bekannt sind. Aber trotzdem bekam ich sehr schnell ein Bild von den Protagonisten und konnte mir einiges zusammen reimen, was wohl in den Vorgängerbänden schon passiert war. Wer hinsichtlich Spoiler empfindlich ist, dem empfehle ich, die Reihe bei Band 1 zu beginnen und die Reihenfolge einzuhalten. Mir macht es hingegen gar nichts aus, dass ich jetzt schon eine Ahnung habe, was in früheren Zeiten in Elantel so alles los war. Die verschiedenenen magischen Konzepte dagegen waren für einen Neuling schon eine Herausforderung; hier war ein Glossar am Ende des Buches recht hilfreich, aber ganz durchgestiegen bin ich trotzdem nicht. Kein Problem, denn die Handlung hat sich mir auch ohne dieses Wissen erschlossen. Die Geschichte ist eigentlich ein Mystery-Krimi; samt Polizeibehörde und mit Marasi einer Ermittlerin, die wir auf ihren detektivischen Streifzügen begleiten. Noch mehr Spaß macht es aber noch, Wax und Wayne als LeserIn zu begleiten. Diese beiden magischen Revolverhelden mischen das Etablishment auf und bieten eine ganz eigene Sicht auf Elantel. Während die Geschichte anfangs von spritzigen Dialogen und abenteuerlichen Verfolgungsjagden lebt, kommt zum Schluss ein tragische Note mit ins Spiel, die mich emotional völlig mitgerissen hat. Wahnsinn, wie der Autor da federleicht die Stimmungen wechselt und dabei nie eine ordentliche kriminalistische und zugleich phantastische Auflösung aus den Augen verliert. Mich hat Brandon Sanderson mit diesem Roman und seinem brillanten Schreibstil einmal mehr begeistert und fasziniert. Jetzt bin ich natürlich angefixt und werde so bald wie möglich auch die Bände 1 - 4 lesen, und gegen einen Band 6 hätte ich natürlich auch nichts einzuwenden. Ein klare Empfehlung an alle Fantasy-Fans; für mich sind die Bücher von Brandon Sanderson das Beste, was die phantastische Literatur aktuell zu bieten hat.

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161 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 89 Rezensionen

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Das Herz der verlorenen Dinge

Tad Williams , Cornelia Holfelder-von der Tann
Fester Einband: 380 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 04.11.2018
ISBN 9783608961447
Genre: Fantasy

Rezension:

Als ich vor einigen Jahren die letzten Seiten der Reihe "Das Geheimnis der großen Schwerter" gelesen hatte und den Buchdeckel zufrieden zuklappte, hätte ich mir nicht vorstellen können, dass Tad Williams die Welt von Osten Ard nochmal aufleben lässt und eine Fortsetzung schreibt. Aber er hat es getan! Und nach langer Ankündigung hatte ich nun "Das Herz der verlorenen Dinge" auf dem Lesetisch und konnte erneut in diese großartige Fantasywelt eintauchen. Dabei macht Tad Williams gleich mal deutlich, dass es keinen lauwarmen Aufguss der bisherigen Bände gibt, sondern dass er uns durchaus etwas Neues bieten möchte. Mit dieser für seine Verhältnisse kurz und temporeich gehaltene Novelle setzt er zwar chronologisch unmittelbar nach Ende der "Nornenkönigin" ein, bietet seinen LeserInnen aber diesmal eine gänzlich neue Perspektive, nämlich die der Nornen selbst. Isgrimnur und seine Rimmersmänner samt Verstärkung aus dem ganzen Reich vertreten die bereits bekannten Figurengruppierugnen, ergänzt durch etliche Neulinge. Sie verfolgen die Weißfüchse nach ihrer Niederlage bis zum Schicksalsberg, um sie vollends zu vernichten. Tad Williams eröffnet in einem zweiten Handlungsstrang den Blick aus Sicht der Nornen, die auf diese Art und Weise ein eigenes und nicht mal so abstoßendes Profil erhalten - wo sie doch bisher ausschließlich nebulös-böse dargestellt wurden. Diese Abkehr von der Schwarz-Weiß-Malerei der ersten vier Bände ist eine vielversprechende Entwicklung und macht noch zusätzlich Lust auf die kommenden Bücher. Überhaupt muss man "Das Herz der verlorenen Dinge" als kleinen Appetithappen verstehen; es geht sehr temporeich zu und Tad Williams verliert sich nicht in den opulenten, ausufernden Beschreibungen, für die er bekannt ist. Man könnte der Geschichte eine gewisse Oberflächlichkeit vorhalten, muss aber den Kontext sehen; hier soll wirklich nur der Anschluss geschaffen und der neue Blickwinkel eröffnet werden. Mit diesem Wissen kam ich auch gut zurecht mit der Lektüre, hoffe aber schon auf eine größere Ausführlichkeit in den Folgebänden. Die Figuren sind jedenfalls alle sehr gelungen; mit Porto haben wir ein neues Gesicht auf Seiten der Rimmersmänner, das sicherlich noch eine wichtige Rolle spielen wird. Und mit der charismatischen Generalin Suno'ku, dem weisen Baumeister Yaarike und dem "Mondkalb" Vijeky sind auch bei den Nornen Figuren im Spiel, mit denen man mitfiebern kann. Die schlachtenlastige Handlung ist geprägt von Kriegslisten und Intrigen, von Belagerungen und Heldentaten, gewürzt mit einer guten Portion Horror. Ich war sehr zufrieden mit diesem Wiedereinstieg in die Welt von Osten Ard und freue mich schon sehr, wenn es demnächst weiter geht mit "Die Hexenholzkrone", das in der deutschen Fassung in zwei Bänden erscheint. Bestes Lesefutter für hungrige Fantasy-Fans, ich bin auf jeden Fall dabei.

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58 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 23 Rezensionen

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Schwarze Brandung

Sabine Weiß
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 16.03.2017
ISBN 9783404175178
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Liv Lammers ist neu bei der Flensburger Kripo und fängt gerade an, sich einen Namen zu machen. Da führt ein Mordfall sie auf ihre Heimatinsel Sylt zurück, die sie nach einem Bruch mit ihrer Familie verlassen hat. Eine junge Frau wurde auf grausame Art und Weise ermordet, und die Ermittlungen führen Liv und ihre Kollegen in alle möglichen und unmöglichen Ecken von Sylt. Wie tief ist Livs Neffe in den Fall verwickelt, der mit dem Opfer eine enge Beziehung pflegte? Und was hat der Surflehrer Boy Buhnsen damit zu tun, der im übrigen eine nicht unwichtige Rolle in Livs Vergangenheit zu spielen scheint? Sabine Weiss ist bekannt für ihre historischen Romane; hier hat sie sich an ein neues Genre gewagt. Ich finde, der Einstieg in die Spannungsliteratur ist ihr recht gut gelungen. Mit Liv Lammers hat sie eine interessante Ermittlerfigur geschaffen, die sich durch ihre Unerfahrenheit abhebt. Dass sie als geborene Sylterin auf der Insel ermittelt, schafft eine ganz persönliche, vertraute Atmosphäre. Ihre persönlichen Verwicklungen in den Fall und die Verknüpfung mit der Inselgesellschaft geben der Handlung Dimension und Pfiff. Überhaupt ist das Setting sehr hübsch, aber Sylt ist nun mal auch eine ganz besondere Insel und bietet damit der Autorin die Möglichkeit, viel Lokalkolorit mit einzubauen. Dabei sind aber nicht nur die Reichen und Schönen im Mittelpunkt, auch Sylts Schattenseiten mit illegalen Schwarzarbeitern aus Osteuropa und deren erschütternde Lebensbedingungen werden kontrastreich beleuchtet. Der Fall selbst ist klassisch aufgebaut, ein Who-done-it mit einigen falschen Spuren, die die Ermittlungen in verschiedene Sackgassen führen, was die Spannung aufrecht erhält und die LeserInnen mitfiebern lässt. Am Ende kommt dann noch eine Portion Action ins Spiel und bringt viel Nervenkitzel, das war mir dann fast ein bisschen zu dick aufgetragen; kann man aber durchaus so machen. Wer gute Krimi-Hausmannskost mit Unterhaltungsgarantie und einem interessanten Setting sowie nicht allzu klischeehaften Ermittlern sucht, macht mit "Schwarze Brandung" garantiert nichts verkehrt. Sollte es weitere Fälle mit Liv Lammers geben, würde ich ganz sicher wieder zugreifen.

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4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

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Die Stute: Roman

Mary Gaitskill
E-Buch Text: 541 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 11.03.2017
ISBN 9783608100846
Genre: Sonstiges

Rezension:

Im Rahmen eines Austauschprogramms kommt das Mädchen Velvet aus Brooklyn in einen idyllischen New Yorker Vorort zu Ginger und Paul, die kinderlos sind. Aus einem zweiwöchigen Ferienaufenthalt wird eine jahrelange Verbindung und Velvet lebt fortan in zwei Welten. Ihr trostloses Leben im Armenviertel gemeinsam mit ihrer alleinerziehenden Mutter und ihrem jüngeren Bruder steht im krassen Kontrast zum Reichtum der weißen Gastfamilie. Hier ist ein Reitstall in der Nachbarschaft, und fortan bestimmen die Pferde Velvets Leben, vor allem aber eine schwierige, verdorbene Stute, an der ihr Herz hängt. Allen Schwierigkeiten zum Trotz geht Velvet ihren Weg und versucht, die Herausforderungen des Lebens zu meistern. Mary Gaitskill pflegt einen eigenwilligen und anspruchsvollen Schreibstil, der dem Leser einiges abverlangt. Sie erzählt ihre Geschichte ausschließlich aus verschiedenen Ich-Perspektiven, die oft von Seite zu Seite wechseln und jeweils ihren eigenen Sprachstil bekommen, je nachdem welche Figur gerade dran ist. So muss man sich sowohl auf die sehr geschliffene, ausgereifte Sprache einer Künstlerin und eines Professors einstellen, als auch auf eine eher ungelenke, holperige Jugendsprache aus einem bildungsfernen Lebensraum. Ich empfand diesen ständigen Perspektivenwechsel teilweise als recht anstrengend, nichts desto trotz war ich aber auch fasziniert von der Möglichkeit, eine Szene mehrfach aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt zu bekommen. Der Text will also erarbeitet werden und ist auf keinen Fall leichte Unterhaltung. Da sich diese Erzählweise wirklich konsequent durchs ganze Buch zieht, empfand ich an so manchen Stellen durchaus Längen. Inhaltlich begleiten wir die Protagonisten über mehrere Jahre und verfolgen ihre Entwicklung. Durch die Ich-Perspektive besteht eine große Nähe zu den Figuren; der Schwerpunkt der Erzählung liegt auf ihrem inneren Erleben und ihren Gefühlen. Hauptsächlich kommen dabei Ginger, die weiße Pflegemutter, und Velvet, das dunkelhäutige Mädchen aus Brooklyn zur Sprache. Der Kontrast zwischen ihnen scheint unüberwindbar, und da man als LeserIn ihre innersten Gedanken kennt, weiß man auch, wie weit die beiden tatsächlich voneinander entfernt sind, wie verschieden im Denken. Dennoch, es besteht ein inniges Band zwischen den beiden, das sich bis zum Schluß nicht ganz erklären lässt. Bei Ginger scheint es eine Art Obsession sein, ein Ausgleich ihrer Kinderlosigkeit und ein Verarbeiten eines Verlustes, nämlich den ihrer jüngeren Schwester, die sie zu Velvet hinzieht. Velvet dagegen scheint vor allem von den Pferde angezogen zu sein, und scheint Ginger bisweilen als Mittel zum Zweck zu benutzen. Velvets Beziehung zu den Pferden fand ich sehr faszinierend, da sie rein gefühlsmäßig agiert und fast ausschließlich intuitiv mit den Tieren umgeht. Insofern waren die Pferdeszenen tatsächlich meine Lieblingsszenen, weil sie funktionieren. Ebenfalls sehr gut hinbekommen hat die Autorin die Entwicklung vom Kind zur jungen Frau; das innere Erleben der Pubertät, die Verwirrung über die eigene Veränderung, die ersten Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht, das alles ist sehr eindringlich dargestellt. In Kombination mit dem harten Leben im Armenviertel, mit einer Mutter die sie ständig schlägt und kaum Nestwärme bieten kann, fand ich es sehr erschütternd zu verfolgen, wie Velvet sich dabei fühlt. Aber genau wie sie sich weiterentwickelt und reift, wächst auch die Beziehung zu "ihrem" Pferd, der verdorbenen Stute, die sie am Anfang nicht mal anfassen, am Ende aber sogar im Springparcours reiten darf. Hier hat die Autorin ganz bewusst Parallelen zwischen Mensch und Tier anklingen lassen, was für mich stimmig war. Ich empfehle das Buch gerne weiter an LeserInnen anspruchsvoller Lektüre, die mit mehreren Ich-Perspektive zurecht kommen und sich auch an einer paar Längen im Text nicht stören. Wer Freude an psychologisch ausgerichteten Romanen hat und auch ein wenig pferde-affin ist, wird bestimmt nicht enttäuscht.

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(36)

46 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 35 Rezensionen

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Als das Meer uns gehörte: Roman

Barbara J. Zitwer
E-Buch Text: 389 Seiten
Erschienen bei Aufbau Digital, 17.03.2017
ISBN 9783841212757
Genre: Romane

Rezension:

Nach einem schweren Schicksalsschlag verschlägt es die New Yorker Schuhdesignerin Tess samt ihrem Sohn Robbie ins beschauliche Touristenörtchen Montauk an der amerikanischen Ostküste. Hier will sie zur Ruhe kommen und ihr Leben neu ordnen, vor allem aber wieder Zugang zu ihrem gehörlosen Sohn finden, der den Tod seines geliebten Vaters nur sehr schwer verarbeiten kann. Die beiden leben sich ganz allmählich in ihrer neuen Umgebung ein, erfahren immer wieder Rückschläge in ihrem Bemühen, zueinander zu finden, und finden unerwartet Unterstützung in dem Segler und Meeresforscher Kip. Er nimmt die beiden an Bord und macht sie mit seinem Forschungsobjekt, dem ganz besonderen Wal Benny bekannt und lässt sie magische und faszinierende Stunden auf dem Meer verbringen. Aber erst ein aufwühlendes und hochdramatisches Ereignis zeigt Tess und Robbie auf, dass sie zusammen gehören und dass das Leben weitergeht... Die Grundidee des Romans ist zwar nicht außergewöhnlich neu, aber in Kombination mit dem gelungenen Setting an der amerikanischen Ostküste hätte der Stoff Potential für eine durchaus interessante, spannende und unterhaltsame Geschichte bieten können. Hat er aber leider nicht, wie ich zu meinem Leidwesen feststellen musste; die Umsetzung ist der Autorin Barbara J. Zitwer leider ziemlich missglückt. Dabei hätte ich mich durchaus an den Schreibstil gewöhnen können, der nicht linear, sondern eher szenenhaft aufgebaut ist und vor allem durch tolle Bilder von Landschaft, Meer und Küste besticht. Vor allem die Szenen auf dem Meer, in den der Wal Benny vorkommt, haben eine ganz besonderen Charme und Zauber, dem ich mich nicht entziehen konnte. Umso anstrengender wurde es dafür an Land. Hier stimmt ganz vieles nicht; die Figuren sind nicht durchgehend glaubwürdig aufgebaut, es hakt hinten und vorne an ihrer Entwicklung. Tess und Robbie haben ein schwieriges Verhältnis zueinander, was natürlich ganz viel Stoff für Konflikte bietet. Anfangs hab ich ihr nicht immer stimmiges Verhalten als Stilmittel interpretiert, verwendet, um nachher die Konflikte aufzulösen - das passiert aber bis zum Schluß nicht. Auch gibt es einige Nebenfiguren, mit denen ich nicht zufrieden war; sie wurden sorgfältig aufgebaut und dann irgendwo auf halber Strecke verloren, so hab ich es empfunden. Dazu noch gibts es sehr viele Unstimmigkeiten und sogar Fehler, die eigentlich schon vor der Veröffentlichung auffallen hätten müssen; wenn schon nicht der Autorin, dann doch dem Lektorat. Trotzdem hab ich das Buch über weite Strecken weg ganz gerne gelesen und über manches hinweg gesehen. Richtig versemmelt hat die Autorin die Geschichte dann für mich ganz am Ende. Die dramatische Auflösung auf wenige Seiten gequetscht und mit völlig unglaubwürdigen Szenen versehen; eine völlig unerwartete Entwicklung, die ganz schlecht vorbereitet war und daher überhaupt nicht mehr in die Story passte; ein nicht nachvollziehbarer Sinneswandel bei den Figuren, um dann in ein offenes, aber glückliches Ende hineinzusteuern - nein, mit diesem Ende kann man mich nicht überzeugen. Leider kann ich diesen Roman wirklich nicht weiterempfehlen, er gehört dringend überarbeitet und hätte dann durchaus das Potential für eine schöne Geschichte. Aber so funktioniert das gar nicht, schade drum!

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