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81 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 36 Rezensionen

oxford, roman, englische literatur, literatur, catherine lowell

Die Kapitel meines Herzens

Catherine Lowell , Gaby Wurster
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Atlantik Verlag, 16.08.2017
ISBN 9783455650860
Genre: Romane

Rezension:

Die Amerikanerin Samantha Whipple ist eine direkte Nachfahrin der drei Brontë-Schwester Charlotte, Emily und Anne. Von klein auf begleitet sie dieses Schriftstellerduo aus dem 19. Jahrhundert auf ihrem Lebensweg; von daher ist es nicht verwunderlich, dass sie nach dem Tod ihres Vaters in Oxford englische Literatur studiert. Gemeinsam mit ihrem Tutor Orville macht sie sich auf die Spurensuche nach geheimen Hinterlassenschaften der Brontës. Was in der Inhaltangabe sehr verlockend klingt, hat die Autorin leider grandios und auf der ganzen Linie vergeigt. Ich hab es selten so bereut, ein Buch bis zum Schluss durchgelesen zu haben, weil sie es an keinem Punkt geschafft hat, mich zu überzeugen. Das fängt an beim Sprachstil; der ist holperig und ungelenk, so dass ganz unabhängig von Inhalt die Lektüre nicht gerade ein Vergnügen ist. Es sei eingeräumt, dass dieser Umstand eventuell der Übersetzung angelastet werden muss, aber unterm Strich hat es für mich keinen Unterschied gemacht, ob das Buch schlecht geschrieben oder schlecht übersetzt ist. Der Sprachstil ist uneinheitlich; manchmal ist er hochgestochen und mit komplizierten Fremdwörtern insbesondere aus der Literaturwissenschaft gespickt, dann aber wieder umgangsprachlich und flapsig. Dialoge kommen mit einem seitenlangen Austausch von Einwortsätzen daher, was mir wirklich keinen Spaß gemacht hat; und auch grammatikalisch sind einige Unachtsamkeiten versteckt, die das Lektorat niemals hätten überstehen dürfen. Inhaltlich hat sich die Autorin einen nette Grundidee überlegt, die mich sehr gereizt hat. Die drei Brontë-Schwestern sind in meinen Augen interessante Persönlichkeiten, die einen Roman als Figuren sicherlich genug Stoff für spannende Unterhaltung bieten. Leider wurde das Thema regelrecht versiebt, indem zum einen Samantha als Hauptfigur in den Mittelpunkt gestellt wurde; aber: Samantha war für mich an keinem Punkt greifbar oder interessant. Ich konnte ihre Gedankengänge und Handlungen kaum nachvollziehen, weil sie in sich nicht konsistent waren. Ich hatte keine Vorstellung über ihren Tagesablauf, obwohl man sie als LeserIn doch über Wochen hinweg begleitet. Ihr Verharren in der Vergangenheit und ihre Unfähigkeit, mit ihrer Umwelt umzugehen, hatte schon etwas Krankhaftes an sich, so dass ich sie durchwegs mit einem unguten Gefühl betrachtete. Die zweite Hauptfigur Orville kam bei mir besser weg, dieser Protagonist hatte aber den Vorteil, dass er sehr geheimnisvoll geschildert wurde und man sehr viel in ihn hineininterpretieren konnte. Die Story selbst dümpelt lange Zeit vor sich hin, hat keinen linearen Aufbau und wirkt verworren. Viele Passagen erzählen in Rückblenden über Samanthas Kindheit, über ihren Vater und seine verqueren Vorstellungen von Erziehung und Lernen, aber auch von seiner unermüdlichen, fieberhaften Beschäftigung mit den Brontës. Daneben gibt es in der Gegenwart eine gute Portion Campusleben und vor allem literaturwissenschaftliche Diskussionen, die zwar hochambitioniert, in dieser Geschichte aber irgendwie fehl am Platz sind. Was für eine anstrengende Mischung! Die im Klappentext versprochene literarische Schnitzeljagd findet erst im letzten Drittel statt und hat - nach ein, zwei vielversprechenden Wendungen zwischendrin - am Ende eine banale, enttäuschende Auflösung. Nachdem ich also auf der ganzen Linie, nämlich vom Sprachstil, von den Figuren und von der Handlung enttäuscht bin, kann ich nur betonen, dass ich diesem Roman absolut nichts abgewinnen konnte und ihn auch niemandem weiterempfehlen werde.

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32 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 19 Rezensionen

norwegen, das erdbeermädchen, munch, roman, roma

Das Erdbeermädchen

Lisa Stromme
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Heyne, 13.06.2017
ISBN 9783453419742
Genre: Historische Romane

Rezension:

Norwegen im Sommer 1893: das Dorf Åsgårdstrand ist Anziehungspunkt für viele herrschaftlichen Familien aus Kristiana, die dort den Sommer verbringen müssen. Johanne, ein sechzehnjähriges einheimisches Mädchen, geht als Hausmädchen bei der Familie des Admirals Ihlen in Stellung und befreundet sich mit dessen Tochter Tullik. Diese beginnt eine leidenschaftliche Affäre mit dem Maler Edvard Munch, der als Außenseiter am Rande der Gesellschaft im Dorf lebt. Ein nervenaufreibendes Versteckspiel um eine Liebe jenseits der gesellschaftlichen Konventionen beginnt, und Johanne steckt mittendrin... Edvard Munch war mir vor allem wegen seines Bildes "Der Schrei" ein Begriff, ein Gemälde, das wohl niemanden kalt lässt und und das in der Neuzeit mehrfach Furore gemacht hat. Lisa Stromme widmet sich dem Menschen hinter dem Bild und spinnt eine ergreifende Geschichte um dessen Entstehung. Im Mittelpunkt steht dabei das Mädchen Johanne, das aus der Ich-Perspektive heraus die Rolle der Erzählerin übernimmt. Sie ist das "Erdbeermädchen"; dieser Name hat doppelte Bedeutung. Einerseits sammelt sie tatsächlich Erdbeeren und andere Beeren für die Sommerfrischler in Åsgårdstrand; andererseits ist dies auch der Titel eine Bildes des Malers Hans Heyerdal, für den Johanne als Kind Modell gestanden hatte. Johannes Familie, insbesondere ihre Mutter, sehen in ihr immer noch das kleine "Erdbeermädchen"; dabei ist sie im Begriff, eine junge Frau zu werden und hat durchaus ihre Geheimnisse. Da ist Thomas, der um sie wirbt und mit dem sie zum Tanz geht, unsicher, ob mehr darauf werden kann und darf. Aber auch Edvard Munch ist für Johanne kein Unbekannter; er erkennt ihr Potential, Kunst zu verstehen und auch selbst zu malen; dabei unterstützt er sie im kleinen Rahmen, materiell wie ideell. Selbstverständlich muss dies im Geheimen ablaufen, denn im Dorf ist Munch ein Verrückter und seine Bilder eine Schande, niemand, zu dem ein junges Dorfmädchen Kontakt haben sollte. Ganz anders ist das mit Tullik, der Tochter des Admirals. Sie versteht Munchs Kunst überhaupt nicht, ist aber gerne Modell für die verschiedensten Bilder, und stürzt sich schließlich Hals über Kopf in eine leidenschaftliche Liebschaft mit dem Maler. Johanne ist hierbei Beobachterin und vor allem Verbündete, denn Tullik braucht dringend Ausreden für ihre langen Abwesenheiten. Die beiden Mädchen bauen dabei ein Lügenkonstrukt auf und begeben sich in manche prekäre Situation. Ob das auf Dauer gut geht, wird hier natürlich nicht verraten. Munch selbst bleibt innerhalb der Erzählung als Mensch sehr blass, fast wie ein Mythos. Dennoch kommt seine Verstörtheit, seine absolute emotionale Hingabe an die Kunst, hinter der die menschlichen Beziehungen durchwegs zurück stehen müssen, sehr gut zum Ausdruck. Fast kann man sich vorstellen, wie er in seiner Unfähigkeit, seine Gefühle auszusprechen, dieses wahnsinnige Gemälde schafft und die abstrakt gemalte Figur für sich schreien lässt. Der Schrei zieht sich vor allem durch das letzte Drittel des Buches und nimmt eine wichtige Rolle ein. Lisa Stromme bedient sich in ihrer Erzählung eines eleganten, ausgereiften Schreibstils, der mir sehr gut gefallen hat. Es drängt sich beim Thema Malerei geradezu auf, dass die Sprache bildhafte Motive aufgreift und vieles mit Farben und Formen zu erklären versucht. Besonders schön fand ich die kapiteleinleitenden Auszüge aus "Zur Farbenlehre" von Johann Wolfgang von Goethe, die sehr treffend eingesetzt werden. Am Ende des Sommers darf man als LeserIn nicht erwarten, dass es irgendwelche ausgeklügelten Auflösungen gibt; der Sommer ist vorbei, die Sommerfrischler kehren zurück in die Hauptstadt und alles geht wieder seinen alten Gang. Was bleibt, ist der Nachhall einer Geschichte, die erschütternd und mitreissend gleichzeitig erzählt wurde; wie gemacht für LeserInnen, die weniger handlungsorientiert sind, sondern am inneren Erleben der Figuren interessiert sind und sich auf den Zeitgeist des 19. Jahrhunderts mit einem Schwerpunkt auf der Entdeckung der modernen Kunst einlassen möchten. Mir hat das Buch insgesamt sehr gefallen und ich bin überrascht, wie gut der Autorin die Verknüpfung dieses doch komplexen Themas mit einer guten Portion Unterhaltungswert gelungen ist.

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260 Bibliotheken, 5 Leser, 2 Gruppen, 85 Rezensionen

new york, entführung, frankreich, brooklyn, paris

Das Mädchen aus Brooklyn

Guillaume Musso , Eliane Hagedorn , Bettina Runge
Flexibler Einband: 496 Seiten
Erschienen bei Pendo Verlag, 02.06.2017
ISBN 9783866124219
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Raphaël Barthélémy ist überglücklich, hat er doch nach einer großen Enttäuschung seine große Liebe Anna gefunden. Als er jedoch mehr über ihre Vergangenheit erfahren möchte, konfrontiert ihn Anna mit einem schrecklichen Geheimnis und ist ab diesem Zeitpunkt unauffindbar verschwunden. Raphaël macht sich auf eine gefährliche und atemberaubende Spurensuche, die ihn von Paris nach New York führt. Dort findet er ein Puzzleteil nach dem anderen und erfährt, wer Anna in Wahrheit ist. Doch wird er sie zurück gewinnen? So richtig überzeugen konnte mich Guillaume Musso mit seinem neuesten Mix aus Thriller und Liebesgeschichte nicht. Den Anfang fand ich noch recht gelungen; das Setting Paris und später dann New York hat er sehr schön dargestellt, und der Start der Geschichte ist vielversprechend angelegt. Durch die Ich-Perspektive aus Sicht von Raphaël und der Erzählperspektive aus Sicht von Marc Caradec ist Abwechslung und Tempo geboten, für mich eine ungewöhnliche Leseerfahrung. Leider verliert sich der Autor ab ungefähr der Hälfte in seinen Perspektiven und die Erzählweise wird sehr unübersichtlich. Er verkünstelt sich damit, dass er fast allen beteiligten Figuren im Laufe der Handlung eine Ich-Perspektive einräumt, was mich doch sehr aus dem Lesefluss gebracht hat. Zwar weiß der Leser damit mehr als die handlungstragenden Figuren, aber das alleine konnte für mich die Sache nicht wett machen, für mich wirkte das wie eine Art Experiment. Leider geht dadurch die Nähe zu den Figuren völlig verloren, ich konnte mich kaum auf die Protagonisten einstellen. In der Handlung selbst gab es auch eine Dinge, die mich wenig begeistern konnten. Die Verflechtung von Annas Verschwinden mit einem Fall aus der Vergangenheit konnte ich ja durchaus noch nachvollziehen; dass dann aber die amerikanische Präsidentschaftswahl plötzlich eine wichtige Rolle spielt, das hat für mich überhaupt nicht gepasst. Spannend zwar, wie Musso dieses Thema darstellt und beleuchtet, aber einfach eine Nummer zu dick aufgetragen. Am Ende gibt es auch noch eine dicke Überraschung, die mir auch nicht so recht ins Bild passte. Die Geschichte endet abrupt und irgendwie unvollendet, und somit wirkt das alles nicht aus einem Guss. Schade, denn die Grundidee vom Anfang fand ich recht spannend und durchaus interessant. Was bleibt, ist ein seltsam verworrenes Spiel aus Politik, Verbrechenen und persönlichem Drama, das mich zwar streckenweise gut unterhalten hat, am Ende aber nicht überzeugen konnte. Schade, denn nach "Vierundzwanzig Stunden" hab ich mir von Guillaume Musso einen ähnlich brillanten Knaller erhofft. Vielleicht beim nächsten Buch wieder.

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21 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 16 Rezensionen

sylt, band 2, krimi, etikettenschwindel, erpressung

Sylter Intrigen

Ben Kryst Tomasson
E-Buch Text: 368 Seiten
Erschienen bei Aufbau Digital, 11.04.2017
ISBN 9783841213051
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Kari Blom ist zurück auf Sylt! Die verdeckte Ermittlerin soll in diesem zweiten Band wieder einmal inkognito einen Kriminalfall im Auftrag des LKA lösen; diesmal geht es um Kreditkartenbetrug. Doch kaum hat sie ihren Platz als Kassiererin in einem Feinkost-Supermarkt eingenommen, passiert ein Mord - und Kari, die eigentlich Karolina Dahl heißt, steckt mittendrin in einer brandheißen Mordermittlung. Kein Wunder, dass sie sofort wieder ganz oben auf der Liste der Verdächtigen steht und ins Visier der Sylter Polizei gerät. Wobei Jonas Voss, einer der Sylter Polizeibeamten, nicht nur aus dienstlichen Gründen ein Auge auf Kari geworfen hat... Der zweite Fall von Kari Blom hat mir wieder sehr gut gefallen. Ben Kryst Tomasson schafft es spielend, den Spannungsbogen kontinuierlich steigen zu lassen und seine LeserInnen zum Rätseln zu animieren. Dennoch ist es nicht ganz einfach, hinter das ausgefeilte Handlungskonstrukt zu blicken - das hat er sich wirklich gut ausgedacht und logisch umgesetzt. Der Reiz des Neuen ist diesmal allerdings überschaubar, denn die Handlung ist eine ziemliche Blaupause des ersten Teils. Die verdeckte Ermittlerin, die plötzlich selbst unter Verdacht steht und unter keinen Umständen ihre Identität preis geben darf, ist ein festes Element für den Aufbau der Geschichte. Aber auch die Umstände ähneln sich; war es im ersten Band der korrupte Bauunternehmer, so ist es diesmal ein Feinkostladen, in dem es nicht mit richtigen Dingen zugeht. Und während die Reichen und Schönen ihre Leckereien dort einkaufen, müssen die vom Leben weniger Begünstigten an der Kasse sitzen und die Regale einräumen. Auch die Unternehmersgattin ist wieder mit von der Partie, diesmal als Boutique-Besitzerin mit einem Hang zum Mondänen und einer Vorliebe für südamerikanische Sahneschnittchen. Und natürlich Jonas Voss, der alleinerziehende Vater und Polizeibeamte, der sich von Kari magisch angezogen fühlt, ein Figur, die ich sehr gerne mag. Nicht zu vergessen, auch die Häkel-Ladys sind wieder on Tour und bekommen einige Auftritte, die zuweilen recht dramatisch ausfallen. Dies alles liest sich wirklich sehr gut, dank einer geschliffenen Sprache, die mir richtig Spaß gemacht hat. Ein ausgefeilter Blick fürs Detail, nicht zuletzt für die wunderbaren Schauplätze auf Sylt, aber auch die düsteren Seiten der Insel, runden die Geschichte ab. Dennoch, so sehr ich die Lektüre genoss, es fehlte mir einfach ein kleines bisschen Kontrast zum ersten Band und an Überraschungen. Trotzdem würde ich mich natürlich sehr freuen, wenn Kari auch noch in einem weiteren Band ermittelt und wäre ganz bestimmt wieder dabei!

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44 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

nebelgeborenen, high fantasy, rad der zei, brandon sanderson, mistborn

Schatten über Elantel

Brandon Sanderson , Karen Gerwig
Flexibler Einband: 528 Seiten
Erschienen bei Piper, 20.03.2017
ISBN 9783492704359
Genre: Fantasy

Rezension:

"Schatten über Elantel" ist der fünfte Band der Reihe "Die Nebelgeborenen" von Brandon Sanderson. Dabei handelt es sich von Band 1 bis 3 um eine Staffel, ab Band 4 beginnt eine neue Staffel, deren 2. Band nun mit diesem Buch vorliegt. Schon ein bisschen wahnwitzig von mir, gerade mit diesem Band in die Reihe einzusteigen, ohne dass ich zumindest rudimentäre Vorkenntnisse aus Sandersons Mistborn-Universum habe. Aber: das Exeperiment ist geglückt, ich hab mich auch als Neuling sehr wohl mit dem Buch gefühlt und fand es einfach genial. Sanderson schafft mit seinem abgefahrenen Genremix aus klassischer Fantasy kombiniert mit vorherrschenden Gaslamp/Steampunk-Elementen, Western und Mystery-Thriller eine ganz besonderes Lesegefühl. Trotz der ungewöhnlichen Mischung erscheint der Roman wie aus einem Guss; ich hatte beim Lesen nie das Gefühl, dass da irgendwas nicht zusammenpasst. Klar ist es von Vorteil, wenn man die Vorbände kennt, denn viele Ereignisse nehmen Bezug auf die Vergangenheit und die Figuren werden nicht neu eingeführt; der Autor ging beim Schreiben davon aus, dass Wax, Wayne & Co. bereits bekannt sind. Aber trotzdem bekam ich sehr schnell ein Bild von den Protagonisten und konnte mir einiges zusammen reimen, was wohl in den Vorgängerbänden schon passiert war. Wer hinsichtlich Spoiler empfindlich ist, dem empfehle ich, die Reihe bei Band 1 zu beginnen und die Reihenfolge einzuhalten. Mir macht es hingegen gar nichts aus, dass ich jetzt schon eine Ahnung habe, was in früheren Zeiten in Elantel so alles los war. Die verschiedenenen magischen Konzepte dagegen waren für einen Neuling schon eine Herausforderung; hier war ein Glossar am Ende des Buches recht hilfreich, aber ganz durchgestiegen bin ich trotzdem nicht. Kein Problem, denn die Handlung hat sich mir auch ohne dieses Wissen erschlossen. Die Geschichte ist eigentlich ein Mystery-Krimi; samt Polizeibehörde und mit Marasi einer Ermittlerin, die wir auf ihren detektivischen Streifzügen begleiten. Noch mehr Spaß macht es aber noch, Wax und Wayne als LeserIn zu begleiten. Diese beiden magischen Revolverhelden mischen das Etablishment auf und bieten eine ganz eigene Sicht auf Elantel. Während die Geschichte anfangs von spritzigen Dialogen und abenteuerlichen Verfolgungsjagden lebt, kommt zum Schluss ein tragische Note mit ins Spiel, die mich emotional völlig mitgerissen hat. Wahnsinn, wie der Autor da federleicht die Stimmungen wechselt und dabei nie eine ordentliche kriminalistische und zugleich phantastische Auflösung aus den Augen verliert. Mich hat Brandon Sanderson mit diesem Roman und seinem brillanten Schreibstil einmal mehr begeistert und fasziniert. Jetzt bin ich natürlich angefixt und werde so bald wie möglich auch die Bände 1 - 4 lesen, und gegen einen Band 6 hätte ich natürlich auch nichts einzuwenden. Ein klare Empfehlung an alle Fantasy-Fans; für mich sind die Bücher von Brandon Sanderson das Beste, was die phantastische Literatur aktuell zu bieten hat.

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149 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 88 Rezensionen

fantasy, osten ard, tad williams, high fantasy, das herz der verlorenen dinge

Das Herz der verlorenen Dinge

Tad Williams , Cornelia Holfelder-von der Tann
Fester Einband: 380 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 11.03.2017
ISBN 9783608961447
Genre: Fantasy

Rezension:

Als ich vor einigen Jahren die letzten Seiten der Reihe "Das Geheimnis der großen Schwerter" gelesen hatte und den Buchdeckel zufrieden zuklappte, hätte ich mir nicht vorstellen können, dass Tad Williams die Welt von Osten Ard nochmal aufleben lässt und eine Fortsetzung schreibt. Aber er hat es getan! Und nach langer Ankündigung hatte ich nun "Das Herz der verlorenen Dinge" auf dem Lesetisch und konnte erneut in diese großartige Fantasywelt eintauchen. Dabei macht Tad Williams gleich mal deutlich, dass es keinen lauwarmen Aufguss der bisherigen Bände gibt, sondern dass er uns durchaus etwas Neues bieten möchte. Mit dieser für seine Verhältnisse kurz und temporeich gehaltene Novelle setzt er zwar chronologisch unmittelbar nach Ende der "Nornenkönigin" ein, bietet seinen LeserInnen aber diesmal eine gänzlich neue Perspektive, nämlich die der Nornen selbst. Isgrimnur und seine Rimmersmänner samt Verstärkung aus dem ganzen Reich vertreten die bereits bekannten Figurengruppierugnen, ergänzt durch etliche Neulinge. Sie verfolgen die Weißfüchse nach ihrer Niederlage bis zum Schicksalsberg, um sie vollends zu vernichten. Tad Williams eröffnet in einem zweiten Handlungsstrang den Blick aus Sicht der Nornen, die auf diese Art und Weise ein eigenes und nicht mal so abstoßendes Profil erhalten - wo sie doch bisher ausschließlich nebulös-böse dargestellt wurden. Diese Abkehr von der Schwarz-Weiß-Malerei der ersten vier Bände ist eine vielversprechende Entwicklung und macht noch zusätzlich Lust auf die kommenden Bücher. Überhaupt muss man "Das Herz der verlorenen Dinge" als kleinen Appetithappen verstehen; es geht sehr temporeich zu und Tad Williams verliert sich nicht in den opulenten, ausufernden Beschreibungen, für die er bekannt ist. Man könnte der Geschichte eine gewisse Oberflächlichkeit vorhalten, muss aber den Kontext sehen; hier soll wirklich nur der Anschluss geschaffen und der neue Blickwinkel eröffnet werden. Mit diesem Wissen kam ich auch gut zurecht mit der Lektüre, hoffe aber schon auf eine größere Ausführlichkeit in den Folgebänden. Die Figuren sind jedenfalls alle sehr gelungen; mit Porto haben wir ein neues Gesicht auf Seiten der Rimmersmänner, das sicherlich noch eine wichtige Rolle spielen wird. Und mit der charismatischen Generalin Suno'ku, dem weisen Baumeister Yaarike und dem "Mondkalb" Vijeky sind auch bei den Nornen Figuren im Spiel, mit denen man mitfiebern kann. Die schlachtenlastige Handlung ist geprägt von Kriegslisten und Intrigen, von Belagerungen und Heldentaten, gewürzt mit einer guten Portion Horror. Ich war sehr zufrieden mit diesem Wiedereinstieg in die Welt von Osten Ard und freue mich schon sehr, wenn es demnächst weiter geht mit "Die Hexenholzkrone", das in der deutschen Fassung in zwei Bänden erscheint. Bestes Lesefutter für hungrige Fantasy-Fans, ich bin auf jeden Fall dabei.

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44 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 22 Rezensionen

sylt, krimi, erpressung, ausbeutung, mord

Schwarze Brandung

Sabine Weiß
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 16.03.2017
ISBN 9783404175178
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Liv Lammers ist neu bei der Flensburger Kripo und fängt gerade an, sich einen Namen zu machen. Da führt ein Mordfall sie auf ihre Heimatinsel Sylt zurück, die sie nach einem Bruch mit ihrer Familie verlassen hat. Eine junge Frau wurde auf grausame Art und Weise ermordet, und die Ermittlungen führen Liv und ihre Kollegen in alle möglichen und unmöglichen Ecken von Sylt. Wie tief ist Livs Neffe in den Fall verwickelt, der mit dem Opfer eine enge Beziehung pflegte? Und was hat der Surflehrer Boy Buhnsen damit zu tun, der im übrigen eine nicht unwichtige Rolle in Livs Vergangenheit zu spielen scheint? Sabine Weiss ist bekannt für ihre historischen Romane; hier hat sie sich an ein neues Genre gewagt. Ich finde, der Einstieg in die Spannungsliteratur ist ihr recht gut gelungen. Mit Liv Lammers hat sie eine interessante Ermittlerfigur geschaffen, die sich durch ihre Unerfahrenheit abhebt. Dass sie als geborene Sylterin auf der Insel ermittelt, schafft eine ganz persönliche, vertraute Atmosphäre. Ihre persönlichen Verwicklungen in den Fall und die Verknüpfung mit der Inselgesellschaft geben der Handlung Dimension und Pfiff. Überhaupt ist das Setting sehr hübsch, aber Sylt ist nun mal auch eine ganz besondere Insel und bietet damit der Autorin die Möglichkeit, viel Lokalkolorit mit einzubauen. Dabei sind aber nicht nur die Reichen und Schönen im Mittelpunkt, auch Sylts Schattenseiten mit illegalen Schwarzarbeitern aus Osteuropa und deren erschütternde Lebensbedingungen werden kontrastreich beleuchtet. Der Fall selbst ist klassisch aufgebaut, ein Who-done-it mit einigen falschen Spuren, die die Ermittlungen in verschiedene Sackgassen führen, was die Spannung aufrecht erhält und die LeserInnen mitfiebern lässt. Am Ende kommt dann noch eine Portion Action ins Spiel und bringt viel Nervenkitzel, das war mir dann fast ein bisschen zu dick aufgetragen; kann man aber durchaus so machen. Wer gute Krimi-Hausmannskost mit Unterhaltungsgarantie und einem interessanten Setting sowie nicht allzu klischeehaften Ermittlern sucht, macht mit "Schwarze Brandung" garantiert nichts verkehrt. Sollte es weitere Fälle mit Liv Lammers geben, würde ich ganz sicher wieder zugreifen.

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

roman, jugendbuch

Die Stute: Roman

Mary Gaitskill
E-Buch Text: 541 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 11.03.2017
ISBN 9783608100846
Genre: Sonstiges

Rezension:

Im Rahmen eines Austauschprogramms kommt das Mädchen Velvet aus Brooklyn in einen idyllischen New Yorker Vorort zu Ginger und Paul, die kinderlos sind. Aus einem zweiwöchigen Ferienaufenthalt wird eine jahrelange Verbindung und Velvet lebt fortan in zwei Welten. Ihr trostloses Leben im Armenviertel gemeinsam mit ihrer alleinerziehenden Mutter und ihrem jüngeren Bruder steht im krassen Kontrast zum Reichtum der weißen Gastfamilie. Hier ist ein Reitstall in der Nachbarschaft, und fortan bestimmen die Pferde Velvets Leben, vor allem aber eine schwierige, verdorbene Stute, an der ihr Herz hängt. Allen Schwierigkeiten zum Trotz geht Velvet ihren Weg und versucht, die Herausforderungen des Lebens zu meistern. Mary Gaitskill pflegt einen eigenwilligen und anspruchsvollen Schreibstil, der dem Leser einiges abverlangt. Sie erzählt ihre Geschichte ausschließlich aus verschiedenen Ich-Perspektiven, die oft von Seite zu Seite wechseln und jeweils ihren eigenen Sprachstil bekommen, je nachdem welche Figur gerade dran ist. So muss man sich sowohl auf die sehr geschliffene, ausgereifte Sprache einer Künstlerin und eines Professors einstellen, als auch auf eine eher ungelenke, holperige Jugendsprache aus einem bildungsfernen Lebensraum. Ich empfand diesen ständigen Perspektivenwechsel teilweise als recht anstrengend, nichts desto trotz war ich aber auch fasziniert von der Möglichkeit, eine Szene mehrfach aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt zu bekommen. Der Text will also erarbeitet werden und ist auf keinen Fall leichte Unterhaltung. Da sich diese Erzählweise wirklich konsequent durchs ganze Buch zieht, empfand ich an so manchen Stellen durchaus Längen. Inhaltlich begleiten wir die Protagonisten über mehrere Jahre und verfolgen ihre Entwicklung. Durch die Ich-Perspektive besteht eine große Nähe zu den Figuren; der Schwerpunkt der Erzählung liegt auf ihrem inneren Erleben und ihren Gefühlen. Hauptsächlich kommen dabei Ginger, die weiße Pflegemutter, und Velvet, das dunkelhäutige Mädchen aus Brooklyn zur Sprache. Der Kontrast zwischen ihnen scheint unüberwindbar, und da man als LeserIn ihre innersten Gedanken kennt, weiß man auch, wie weit die beiden tatsächlich voneinander entfernt sind, wie verschieden im Denken. Dennoch, es besteht ein inniges Band zwischen den beiden, das sich bis zum Schluß nicht ganz erklären lässt. Bei Ginger scheint es eine Art Obsession sein, ein Ausgleich ihrer Kinderlosigkeit und ein Verarbeiten eines Verlustes, nämlich den ihrer jüngeren Schwester, die sie zu Velvet hinzieht. Velvet dagegen scheint vor allem von den Pferde angezogen zu sein, und scheint Ginger bisweilen als Mittel zum Zweck zu benutzen. Velvets Beziehung zu den Pferden fand ich sehr faszinierend, da sie rein gefühlsmäßig agiert und fast ausschließlich intuitiv mit den Tieren umgeht. Insofern waren die Pferdeszenen tatsächlich meine Lieblingsszenen, weil sie funktionieren. Ebenfalls sehr gut hinbekommen hat die Autorin die Entwicklung vom Kind zur jungen Frau; das innere Erleben der Pubertät, die Verwirrung über die eigene Veränderung, die ersten Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht, das alles ist sehr eindringlich dargestellt. In Kombination mit dem harten Leben im Armenviertel, mit einer Mutter die sie ständig schlägt und kaum Nestwärme bieten kann, fand ich es sehr erschütternd zu verfolgen, wie Velvet sich dabei fühlt. Aber genau wie sie sich weiterentwickelt und reift, wächst auch die Beziehung zu "ihrem" Pferd, der verdorbenen Stute, die sie am Anfang nicht mal anfassen, am Ende aber sogar im Springparcours reiten darf. Hier hat die Autorin ganz bewusst Parallelen zwischen Mensch und Tier anklingen lassen, was für mich stimmig war. Ich empfehle das Buch gerne weiter an LeserInnen anspruchsvoller Lektüre, die mit mehreren Ich-Perspektive zurecht kommen und sich auch an einer paar Längen im Text nicht stören. Wer Freude an psychologisch ausgerichteten Romanen hat und auch ein wenig pferde-affin ist, wird bestimmt nicht enttäuscht.

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45 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 35 Rezensionen

meer, roman, wal, montauk, wale

Als das Meer uns gehörte: Roman

Barbara J. Zitwer
E-Buch Text: 389 Seiten
Erschienen bei Aufbau Digital, 17.03.2017
ISBN 9783841212757
Genre: Sonstiges

Rezension:

Nach einem schweren Schicksalsschlag verschlägt es die New Yorker Schuhdesignerin Tess samt ihrem Sohn Robbie ins beschauliche Touristenörtchen Montauk an der amerikanischen Ostküste. Hier will sie zur Ruhe kommen und ihr Leben neu ordnen, vor allem aber wieder Zugang zu ihrem gehörlosen Sohn finden, der den Tod seines geliebten Vaters nur sehr schwer verarbeiten kann. Die beiden leben sich ganz allmählich in ihrer neuen Umgebung ein, erfahren immer wieder Rückschläge in ihrem Bemühen, zueinander zu finden, und finden unerwartet Unterstützung in dem Segler und Meeresforscher Kip. Er nimmt die beiden an Bord und macht sie mit seinem Forschungsobjekt, dem ganz besonderen Wal Benny bekannt und lässt sie magische und faszinierende Stunden auf dem Meer verbringen. Aber erst ein aufwühlendes und hochdramatisches Ereignis zeigt Tess und Robbie auf, dass sie zusammen gehören und dass das Leben weitergeht... Die Grundidee des Romans ist zwar nicht außergewöhnlich neu, aber in Kombination mit dem gelungenen Setting an der amerikanischen Ostküste hätte der Stoff Potential für eine durchaus interessante, spannende und unterhaltsame Geschichte bieten können. Hat er aber leider nicht, wie ich zu meinem Leidwesen feststellen musste; die Umsetzung ist der Autorin Barbara J. Zitwer leider ziemlich missglückt. Dabei hätte ich mich durchaus an den Schreibstil gewöhnen können, der nicht linear, sondern eher szenenhaft aufgebaut ist und vor allem durch tolle Bilder von Landschaft, Meer und Küste besticht. Vor allem die Szenen auf dem Meer, in den der Wal Benny vorkommt, haben eine ganz besonderen Charme und Zauber, dem ich mich nicht entziehen konnte. Umso anstrengender wurde es dafür an Land. Hier stimmt ganz vieles nicht; die Figuren sind nicht durchgehend glaubwürdig aufgebaut, es hakt hinten und vorne an ihrer Entwicklung. Tess und Robbie haben ein schwieriges Verhältnis zueinander, was natürlich ganz viel Stoff für Konflikte bietet. Anfangs hab ich ihr nicht immer stimmiges Verhalten als Stilmittel interpretiert, verwendet, um nachher die Konflikte aufzulösen - das passiert aber bis zum Schluß nicht. Auch gibt es einige Nebenfiguren, mit denen ich nicht zufrieden war; sie wurden sorgfältig aufgebaut und dann irgendwo auf halber Strecke verloren, so hab ich es empfunden. Dazu noch gibts es sehr viele Unstimmigkeiten und sogar Fehler, die eigentlich schon vor der Veröffentlichung auffallen hätten müssen; wenn schon nicht der Autorin, dann doch dem Lektorat. Trotzdem hab ich das Buch über weite Strecken weg ganz gerne gelesen und über manches hinweg gesehen. Richtig versemmelt hat die Autorin die Geschichte dann für mich ganz am Ende. Die dramatische Auflösung auf wenige Seiten gequetscht und mit völlig unglaubwürdigen Szenen versehen; eine völlig unerwartete Entwicklung, die ganz schlecht vorbereitet war und daher überhaupt nicht mehr in die Story passte; ein nicht nachvollziehbarer Sinneswandel bei den Figuren, um dann in ein offenes, aber glückliches Ende hineinzusteuern - nein, mit diesem Ende kann man mich nicht überzeugen. Leider kann ich diesen Roman wirklich nicht weiterempfehlen, er gehört dringend überarbeitet und hätte dann durchaus das Potential für eine schöne Geschichte. Aber so funktioniert das gar nicht, schade drum!

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89 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 30 Rezensionen

pferde, dark horses, cecily von ziegesar, jugendbuch, horse

Dark Horses

Cecily von Ziegesar , Sandra Knuffinke , Jessika Komina , Cornelia Niere
Fester Einband: 418 Seiten
Erschienen bei Beltz, J, 06.03.2017
ISBN 9783407747952
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Anstatt den Eignungstest für das College zu machen, zieht Merritt um die Häuser und betrinkt sich. Schließlich hat für sie alles keinen Sinn mehr, seit ihre geliebte Großmutter und deren edles Reitpferd Noble nicht mehr auf der Welt sind. Als ihre Eltern die Notbremse ziehen und sie in eine pferdegestützte Therapieeinrichtung bringen, lernt sie das ehemalige Rennpferd Big Red kennen. Auch er ist ein Außenseiter und kommt in seinem Pferdeleben mit niemandem klar. Aber nun haben die beiden sich gefunden und bilden ein unschlagbares Team, das bei den Turnieren an der Ostküste der USA abräumt. Ist nun die Welt der beiden plötzlich wieder im Lot? Was sich zunächst wie eine unterhaltsame Geschichte aus einer heilen Pferdewelt anhört, entpuppt sich ganz schnell zu einem anderen, viel schwierigeren Stoff. Die Geschichte wird abwechslungsweise aus der Sicht von Merritt und aus der Sicht von Red in der Ich-Perspektive erzählt. Ein heikles Unterfangen, wie ich finde; denn aus der Ich-Perspektive eines Tieres zu erzählen, schließt immer auch mit ein, dass das Tier in seinem Denken vermenschlicht wird. Auch in Reds Gedanken vermischen sich ganz pferdetypische Komponenten mit menschlichen Gefühlen und Interpretationen; da es aber wirklich gut gemacht ist, kann ich diese Erzählweise trotzdem akzeptieren. Faszinierend ist es allemal, was diesem verkorksten Pferd durch den Kopf geht und wie es sich an diesen einen Menschen seines Herzens hängt, wie es Pläne schmiedet und Gewissensbisse hat. Bei Merritt tat ich mich viel leichter; sie ist eine gescheiterte Teenagerin mit gebrochenem Herzen und einer schweren Last im Gepäck. Dass ihre Eltern nicht an sie heran kommen und ein sehr distanziertes Verhältnis zu ihrem Kind haben, macht die Sache nicht leichter. Daher steht im Vordergrund der Geschichte die genaue Kartographie ihrer Psyche. Als sie in der pferdegestützten Therapieeinrichtung "Good Fences" untergebracht wird, verstärkt dies natürlich noch diesen Aspekt, denn dort sind weitere problembelastete Jugendliche untergebracht, deren Geschichte wir erfahren. Als sie sich mit Red anfreundet und dank ihrer bereits vorhandenen Reitkenntnisse als einziger Mensch mit ihm vernünftig arbeiten kann, gibt es einen Bruch in der Handlung; plötzlich steht die Turnierszene im Mittelpunkt, und Merritt und Red bestreiten eine Prüfung nach der anderen. Dieser Pferdeteil der Geschichte hat mir gut gefallen, ist sehr anschaulich und unterhaltsam geschildert, ein echtes Highlight für alle Pferdemädels. Auch ein gutaussehender junger Mann taucht auf und verwirrt Merritt auf die eine oder andere Weise, aber das gehört ja schließlich dazu. Die erste Liebe, Unsicherheiten im Umgang mit dem anderen Geschlecht, Herzklopfen und Schmetterlinge im Bauch.... eigentlich alles gut, oder? Doch so einfach hat es die Autorin sich und den LeserInnen nicht gemacht. Probleme werden nicht einfach weggeritten, weder bei Menschen noch Pferden. Und so wird die Handlung schwieriger, tiefer, düsterer, nachdenklicher, trauriger. Kein einfacher Stoff, noch dazu für das jugendliche Zielpublikum, für die das Buch gedacht ist. Es gibt auch kein weichgespültes Ende, sondern es bleibt vieles offen, viel Stoff zum Nachdenken und auch der kleine Hintergedanke, ob die Autorin vielleicht sogar an eine Fortsetzung gedacht hat. Weil, interessieren würde es mich schon, wie die Geschichte weitergeht. Eine faszinierende, bittersüße Geschichte um Pferd und Mensch, bei der mich zwar nicht alle Pferdeszenen restlos überzeugen konnten, die mich aber trotzdem in ihren Bann gezogen hat. Wer bei einem Pferdebuch nicht nur Unterhaltung und heile Pferdewelt sucht, sondern bereits reif genug ist, auch mit einem anspruchsvolleren Stoff zurecht zu kommen, dem empfehle ich "Dark Horses" gerne weiter. Der Verlag empfiehlt das Buch für LeserInnen ab 13 Jahren.

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17 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

jugendbuch, coppenrath verlag, ab 12 jahren, pferde, verantwortungsgefühl

Dark Horse Mountain

Kyra Dittmann
E-Buch Text: 304 Seiten
Erschienen bei Coppenrath Verlag, 01.03.2017
ISBN 9783649625261
Genre: Sonstiges

Rezension:

Für Roxy läufts nicht rund; ihre Versetzung ist gefährdet, ihre Freundinnen zicken rum und mit ihrer Mutter hat sie ebenfalls Krach. Da erscheint ihr die Reise in die USA zu ihrem ihr bislang unbekannten Vater doch viel verlockender, als die Ferien mit Mams und ihrem neuen Freund auf den Malediven zu verbringen. Aber wo ist sie da nur gelandet? Die öde Prärie Wyomings und die einsame Pferderanch ihres Vaters ist nun wahrlich kein Ort, um einer genervten Teenagerin Ablenkung zu verschaffen, und doch... zwischen all dem Mist und den kaputten Zäunen und gefährlichen Pferden findet Roxy ganz allmählich Gefallen an dem Landleben. Außerdem ist da noch Cale, der umwerfend gut aussehende Pferdepfleger, der sich um sie kümmert, und schließlich Hot Coffee, ein unberechenbarer Hengst, der Roxy auf wundersame Art und Weise zu vertrauen scheint. Dieser Pferderoman ist zugeschnitten auf ein jugendliches Zielpublikum ab 12 Jahren und hat aber auch mir als Erwachsene sehr gut gefallen. Kyra Dittmann hat für ihre Geschichte ein faszinierendes Setting gewählt; die unendliche Weite der Prärie ist in wunderbar lebendige Bildern eingefangen und wecken das Fernweh. Mit der Hauptprotagonistin Roxy, die aus der Ich-Perspektive erzählt, konnte ich mich sehr schnell anfreunden. Zunächst lernen wir sie und ihre Probleme in Deutschland kennen, bevor es ab nach Wyoming geht und sie plötzlich mit einem ganz anderen Leben konfrontiert wird. Amüsant, wie sie anfangs immer noch versucht, die Unnahbare zu geben und vor allem durch ihr perfektes Styling und Make-up aufzufallen. Das kann natürlich nicht gut gehen, wenn man zum Ausmisten verdonnert wurde, und so kommt es zu unfreiwillig komischen Szenen, bei denen sich Roxy mehr als einmal blamiert. Mit Tieren hat sie überhaupt nichts am Hut, aber natürlich ändert sich das sehr schnell. Mehr aus Zufall als gewolllt freundet sie sich mit Hot Coffee, einem unberechenbaren Hengst an und gewinnt sein Vertrauen. Diese Pferdeszenen hab ich anfangs mit viel Skepsis gelesen, war dann aber sehr positiv überrascht, mit wieviel Einfühlsvermögen und Authenzität die Autorin diese Passagen gestaltet hat. Roxy ist kein Wunderkind, das plötzlich aus dem Nichts heraus zur Pferdeflüsterin wird, und Hot Coffee wird nicht vermenschlicht, sondern verhält sich genau so, wie das ein Pferd tun würde. Dafür ein riesengroßes Lob! Mit Cale kommt auch noch eine weitere Komponente mit ins Spiel, nämlich das erste Verliebtsein, die Unsicherheit gegenüber dem anderen Geschlecht und gleichzeitig der unwiderstehliche Drang, dem anderen zu gefallen. Sehr schön dargestellt und herzerfrischend zu lesen, wie Roxy hin- und hergerissen ist, wie sie sich um Cale bemüht und gleichzeitig Distanz zu wahren versucht, was natürlich nicht gelingt. Alleine damit wäre eigentlich die Handlung schon unterhaltsam genug, aber Kyra Dittmann hat das Ganze auch noch mit einem Pferdekrimi verknüpft, der dafür sorgt, dass der Spannungsbogen kontinuierlich ansteigt und Roxy noch mehr Gefühlschaos erlebt und erleidet. Sie und Cale bekommen einen Gegenspieler, der als Bereiter auf die Ranch kommt und mit den Pferden ziemlich roh umspringt; von seinem verdächtigen Verhalten ganz zu schweigen. An diesem Punkt ist die Handlung etwas durchschaubar; aber am Ende wächst Roxys über sich hinaus und sorgt in einem atemberaubenden Showdown dafür, dass das Gute siegt und die Bösen nicht ungeschoren davon kommen. Mein Fazit: ein wunderbarer Pferderoman mit hohem Unterhaltungswert, der Spannung, Liebe und Pferdeabenteuer auf eine rasante Art verbindet und Garant für ein paar schöne und Lesestunden ist. Da mir auch die Pferdeszenen durchwegs gefallen haben und der Schreibstil unkompliziert und flüssig zu lesen war, hat sich "Dark Horse Mountain" die Höchstwertung verdient.

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20 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

liane sons, siegel, priesterinnen, high-fantasy, weisheit

Das vierte Siegel

Liane Sons
Flexibler Einband: 880 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 10.01.2017
ISBN 9783426518984
Genre: Fantasy

Rezension:

Die Führer der freien Reiche sind verzweifelt - der dunkle Fürst Camorra schickt sich an, die ganze Welt zu versklaven und sich dabei dunkler Mächte zu bedienen. Ein Hoffnungsschimmer sind drei Siegelträger, die laut einer uralten Prophezeiung das Blatt zum Guten wenden können. Aber bis dahin ist ein wirklich weiter Weg, denn die drei Auserwählten haben eigentlich ganz anderes im Sinne, als die Welt zu retten. So richtig glücklich war ich mit diesem Fantasyroman nicht. Die Geschichte wurde wohl ursprünglich in drei Teilen als ebook veröffentlicht und nun als überarbeitete und gekürzte Fassung in einem Teil herausgebracht. Ich finde, das merkt man deutlich und ich hatte ganz oft beim Lesen das Gefühl, dass mir gerade ein entscheidendes Stück der Handlung fehlt. Insbesondere am Anfang ging es mir so; den fand ich furchtbar holperig und beinahe hätte ich das Handtuch geworfen. Eine Häufung sprunghafter und unvermittelter Perspektivenwechsel zwischen den zahlreichen Handlungssträngen machte mir das Lesen unangenehm und verhinderten, dass ich einen Überblick über die Protagonistengruppen bekomme. Erst nach gut 300 Seiten fangen die Stränge an, sich zu vereinen, und ab da gings mir deutlich besser mit dem Buch - aber was für eine lange Durststrecke! Auch der Sprachstil hat mich nicht gerade begeistert. Viele der Sätze, besonders im ersten Drittel, enden mit drei Punkten und bleiben offen - in so gehäufter Form verleidet mir dieses Stilmittel das Lesen doch beträchtlich. Manche Sätze fühlen sich grammatikalisch völlig falsch an, hier hätte ich mir ein gründlicheres Lektorat gewünscht. Auch manche Logikfehler hätten sich dadurch bestimmt vermeiden lassen, wenn zum Beispiel eine Figur plötzlich ein Schwert in der Hand hält, das da gar nicht hätte sein dürfen. Im Laufe der Lektüre hatte ich aber das Gefühl, diese Punkte verbessern sich zunehmend und die Autorin hat sich mit der Zeit "eingeschrieben". Die Stärken des Romans sind seine Figuren und sein Unterhaltungswert. Liane Sons hat eine griffige und nicht allzu komplexe Story zu Papier gebracht, so dass ich mich spätestens ab dem Mittelteil recht gut unterhalten fühlte. Die Geschichte ist zwar ziemlich kriegs- und schlachtenlastig, dennoch reichlich mit Emotionen gefüllt und man hat als LeserIn reichlich Gelegenheit, mit den Figuren mitzufühlen und ihre Entwicklung mitzuverfolgen. Besonders viel Spaß hat mir das Zusammenraufen der drei Siegelträger als Hauptprotagonisten gemacht; hier ist zwar einiges überzeichnet - die zickige Prinzessin, die sich ihr Kleid nicht schmutzig machen will, der ungehobelte und unnahbare Krieger, der sich einen Dreck um die Befindlichkeiten seiner Begleiter schert und der Weise aus dem Elfenbeinturm, der erstmals mit dem Leben in der Wildnis konfrontiert wird. Diese Kontraste bieten Konfliktstoff und einen hohen Schmunzelfaktor; wobei ich manches fast schon als unfreiwillig komisch empfand, aber wie gesagt, der Unterhaltungswert ist damit gesichert. Weitere Figuren betreten die Bühne und bekommen ihre Geschichte sozusagen auf den Leib geschneidert, was rückblickend recht gut gelungen ist. Der phantastische Anteil der Geschichte ist anfangs überschaubar, nimmt aber im Laufe der Handlung immer mehr zu. Ein schlüssiges magisches Konzept fehlt allerdings komplett, so dass man hier sehr viel Freiraum für eigene Interpretationen hat. Dagegen ist die mystische Komponente der vier Siegel im Vordergrund und dominiert vor allem den Schlußteil. Außerdem werden LeserInnen mit einer romantischen Ader gut bedient und können sich auf mehrere kleine Liebesgeschichten innerhalb des großen Ganzen freuen. Mein Fazit: Ich fand den Roman ist nicht wirklich schlecht, aber auch nicht wirklich gut. Dank des zunehmenden Unterhaltungswertes und der gut ausgearbeiteten Figuren hab ich ihn bis zum Schluss gelesen, aber was Sprache, Stil und Plot anbelangt, ist da noch ganz viel Luft nach oben.

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91 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 61 Rezensionen

fliegen, frauenbewegung, pilotinnen, nationalsozialismus, frauen

Unsere Hälfte des Himmels

Clarissa Linden
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 10.01.2017
ISBN 9783426519011
Genre: Historische Romane

Rezension:

Als die unglücklich verheiratete Lieselotte vom Unfall ihrer Mutter erfährt, macht sie sich sofort auf den Weg von Kassel nach Frankfurt, um ihr beizustehen. Aber was erzählt man einem Komapatienten in den langen Stunden am Krankenbett? Lieselotte macht sich auf die Spurensuche, um ihre Mutter mit Erinnerungen aus ihrem Leben zu unterhalten. Dabei stellt sie fest, dass sie ihre Mutter kaum kennt und dass es in ihrer Vergangenheit ganz schön turbulent zuging; ihre Mutter war eine der ersten Frauen, die fliegen lernten - und endlich kommt sie auch ihrem angeblich im Krieg gefallenen Vater auf die Spur... Im zweiten Erzählstrang versetzt uns die Autorin in das Jahr 1935 und erzählt die Geschichte aus der Perspektive von Lieselottes Mutter Amelie, die als junges Mädchen nur das Fliegen im Kopf hat und mit ihrer Freundin Johanna gemeinsam in Berlin eine Karriere als Berufspilotin beginnen will. Ist dies an sich schon ein wahnwitziger Plan, weil Frauen erst die ersten Schritte auf dem Weg zur Emanzipation machen, so kommt ihnen der neue, von den Nationalsozialisten geprägte Zeitgeist völlig unpassend in die Quere, und mit was Amelie auf keinen Fall gerechnet hat: die Liebe ebenfalls. Das Erzählkonstrukt, eine Geschichte auf zwei Zeitebenen zu präsentieren und zwischen den beiden hin und her zu wechseln, ist beleibe nicht neu, funktioniert aber hier bestens und sehr ausgewogen. Clarissa Linden erzählt ihre Geschichte unaufgeregt und verzichtet auf übertriebene dramaturgische Effekte, was mir sehr gut gefallen hat. Sind doch alleine durch die Handlung bereits genug Emotionen mit im Spiel, weil viele große Lebensfragen aufgerührt werden und die Protagonisten vom Schicksal gezeichnet werden. Der Hauptaugenmerk liegt auf der Rolle der Frauen, in beiden Strängen. Amelie und Johanne wagen sich mit der Fliegerei an ein Feld, das im Jahr 1935 vor allem den Männern vorbehalten war. Es gibt zwar einige Pionierinnen der Luftfahrt, die auch als große Vorbilder für die beiden dienen. Aber mit der Machtergreifung durch Hitler und die NSDAP wird die aufkeimende Emanzipation der Frauen im Keim erstickt und die beiden müssen sich des öfteren anhören, dass sie lieber heiraten und kleine Arier zur Welt bringen sollen. Was natürlich für beide nicht in Frage kommt, schließlich haben sie sich als Berufspilotinnen zur Ausbildung bei den Bücker-Werken in Berlin beworben. Dieser gemeinsame Plan schweißt die Frauen zusammen, so dass in dieser Freundschaft kein Platz für etwas anderes übrig zu sein scheint und die Beziehung der beiden lange Zeit die Handlung prägt. Solange, bis dann ein Mann die Bühne betritt - ab da wird es insofern interessant, dass ein Schatten über der intensiven Mädchenfreundschaft liegt, Entscheidungen getroffen werden müssen und Lebensträume sich verschieben, was eine gehörige Portion Konfliktpotential mit sich bringt. Sehr schön lässt die Autorin uns dabei in das Innenleben ihrer Protagonisten blicken und ihre Entwicklung transparent werden. Noch dazu kommen die Einflüsse des dritten Reiches, die im Laufe der Zeit nicht nur ferne Politik sind, sondern in das Schicksal der einzelnen Figuren eingreifen. Im Kontrast dazu steht im anderen Strang Lieselotte in den 1970er Jahren, die zwar vom Dritten Reich und vom Krieg kaum etwas mitbekommen hat, dennoch aber keine emanzipierte Frau ist, sondern unglücklich verheiratet mit Eduard, der sie als Putzfrau und Vorzeigeobjekt, nicht aber als eigenständige Persönlichkeit mit eigenen Wünschen und Vorstellungen sieht. Als LeserIn kann man sehr schön mitverfolgen, wie der Unfall ihrer Mutter sie aus ihrer Lethargie reißt und sie zu einem Umdenken und letztendlich zu einer Neugestaltung ihres Lebens zwingt. Ihre Spurensuche, die raffiniert mit dem anderen Strang verknüpft ist, lässt Amelies Leben im Nachhinein erahnen und bringt Antworten auf Lieselottes viele Fragen. Außerdem steht ihr noch Marga zur Seite, eine unkonventionelle, quirlige Nachbarin, die Lieselotte immer dann den nötigen Schubs gibt, wenn sie zaudert. Diese Figur hab ich sehr gerne gemocht, steht sie uns Frauen der heutigen Zeit doch sehr viel näher als die verhärmte Lieselotte, die mir anfangs in ihrer Lebensunfähigkeit doch sehr fremd war. Aber selbstverständlich macht auch Lieselotte eine Entwicklung durch und gewinnt im Laufe der Handlung an Stärke und Profil. Das Ende hat mir sehr gut gefallen; es ist ein versöhnliches Ende, ohne zu sehr weichgespült zu sein, für mich gerade richtig. "Unsere Hälfte des Himmels" ist ein Buch, dass mich sehr beschäftigt und auf verschiedene Arten zum Nachdenken gebracht hat. Es ist vor allem ein Buch für und über Frauen, da es sich intensiv mit Frauenthemen beschäftigt. Es ist ein Buch über Freundschaft und über das, was Freundschaft nicht sein sollte. Es ist ein Buch über den Traum vom Fliegen und über die Emanzipation, über eine schwierige Mutter-Tochter-Beziehung, eine tragische Liebe und über das Ende einer Ehe. Es ist auf vielerlei Arten emotional, aber an keinem Punkt kitschig - ich hab es sehr gerne gelesen und hoffe, dass es noch viele LeserInnen findet.

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22 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 18 Rezensionen

regenwald, urvolk, holzmafia, palmöl, dschungel

Das Verschwinden der Luft

Christian Kahl
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Divan, 17.10.2016
ISBN 9783863270407
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der vermögende Matthias Endesfelder verbringt einen luxeriösen Tauchurlaub in Malaysia und lernt dort die Schweizerin Darlene kennen. Sie ist als Empfangsdame in seinem Hotel angestellt, hat aber eigentlich ein ganz anderes Ziel; nämlich ihren im Dschungel auf Borneo verschollenen Bruder aufzuspüren. Mats, der seines mondänen Lebens mehr und mehr überdrüssig ist, finanziert ihr die Expedition und begleitet sie mit dem Gefühl, endlich einmal etwas Sinnvolles zu tun. Worauf er nicht vorbereitet ist: mit der Expedition stimmt so einiges nicht. Da Darlenes Bruder mit den Ureinwohnern lebte und sie zum Protest gegen illegale Brandrodung und Ausbeutung des Landes durch die Holz- und Palmöl-Mafia ermutigte, sind mächtige und skrupellose Menschen am Werk, die sich einmischen. Als Darlene entführt wird und Mats gezwungen werden soll, ein Stück Dschungel im Gegenwert seines kompletten Vermögens zu erwerben, gerät seine geordnete Welt ziemlich aus den Fugen. Es folgt ein Verwirrspiel, bei dem plötzlich alles auf den Kopf gestellt wird und Mats niemandem mehr trauen kann. Zugegebenermaßen habe ich mich bislang noch nie mit der Thematik der Holzmafia und der Palmölindustrie auf Borneo befasst; umso interessanter fand ich die Einblicke, die man mittels dieses Öko-Thrillers erhält. Erschreckend, wie Politik und Wirtschaft hier über Leichen gehen und die Belange der Ureinwohner völlig außer acht lassen. Stellvertretend dafür stehen im Buch die Stämme der Penan und der "Luft"; letztere heißen so, weil sie sich sozusagen in Luft auflösen, sobald ihnen jemand auf der Spur ist. Dadurch entsteht auch das intelligente Wortspiel, das im Titel enthalten ist; es verschwinden die "Luft" und mit ihnen Darlenes Bruder James. Dieser wiederum hat ebenfalls ein reales Vorbild, nämlich den Schweizer Bruno Manser, der jahrelang im Urwald Borneos lebte und dort auf bislang unerklärliche Weise verschwand. Ich hatte auch von ihm noch nie etwas gehört und die Lektüre nun zum Anlass genommen, mich mit dieser faszinierenden Person und seinem Lebensweg zu befassen. Dies allein machte den Roman zu einer lohnenden Lektüre. Abstriche gibt es allerdings bei der literarischen Aufbereitung; diese fand ich nicht ganz so gelungen wie die inhaltlichen Aspekte. Während mir die ersten Etappen der Expedition in den Dschungel noch ganz gut gefielen, fand ich mich zusehends in einem Verwirrspiel gefangen, das nicht immer logisch erklärt werden konnte und manchmal mit sehr plumpen Erklärungen aufwartete. So richtig funktionierte die Geschichte für mich bis zum Schluß nicht, und auch die Spannung baute sich nur sehr mühsam auf, zumal sich die Figuren nicht immer glaubwürdig verhielten. So kann ich dem Roman zwar einerseits hinsichtlich seiner Wissenvermittlung und intensiven Aufbereitung dieses interessanten Themas loben, andererseits ist da aber noch einiges an Luft nach oben, was Unterhaltungswert, Spannung und Figuren betrifft.

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112 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 37 Rezensionen

liebe, mord, thriller, sommer, wald

In einer Sommernacht wie dieser

Tanja Heitmann , Kathrin Schüler
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Oetinger, 25.07.2016
ISBN 9783789137310
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Sommer in Brandenburg - Leonie, genannt Leo, verbringt die Ferien in der frisch renovierten Wochenendvilla ihres Vaters am Potsdamer See. Aber kaum dort angekommen, wird sie mit Mord und Totschlag konfrontiert. Was hat der geheimnisvolle Alexei mit dem Mord an einem Bauvorarbeiter zu tun? Und ist er auch für einen weiteren Toten verantwortlich? Trotz aller ungeklärter Fragen kann sich Leo der Anziehung dieses ganz besonderen Jungen nicht entziehen und versucht mit ihm gemeinsam, dem Rätsel auf die Spur zu kommen. Dabei kommt sie Stück für Stück Alexeis Vergangenheit näher und deckt dabei eine unheilvolle Spur auf, die sie selbst in Gefahr bringt... Nachdem ich von Tanja Heitmann bisher nur ein Buch aus dem Bereich Phantastik gelesen hatte und damit sehr gut klar kam, wollte ich gerne ausprobieren, ob sie auch jenseits dieses Genres eine gute Story liefern kann. Das kann ich am Ende der Lektüre vorbehaltlos bejahen, mir hat dieser Jugendpsychothriller aus ihrer Feder nämlich sehr gut gefallen. Das Setting fand ich sehr ansprechend - ein Sommer am See in einer Villa mit einem wunderschönen Garten, heiße Tage und laue Nächte, das fühlte sich richtig gut an. Schnell wird diese Idylle aber verdüstert, denn es ist keine leichte Kost, die uns da präsentiert wird. Während zunächst noch Leos Status als Kind reicher Eltern und verwöhnte Tochter im Vordergrund steht, geht es sehr bald ans Eingemachte und wir haben einen waschechten Kriminalfall, der zunächst Rätsel aufgibt. Als Kontrast zu Leo hat Alexei ein unstetes und perspektivloses Leben; er hat gewaltige psychische Probleme, hat kein richtiges Zuhause, lebt von Gelegenheitsjobs und schleudert von einer Katastrophe in die nächste. Dennoch entspinnt sich zwischen den beiden eine leidenschaftliche Liebesgeschichte, die fortan im Mittelpunkt der Handlung steht. Beide werden immer wieder auf die Probe gestellt und müssen ihre Gefühle und Handlungen hinterfragen. Dennoch spielen Werte wie Verlässlichkeit und Ehrlichkeit eine wichtige Rolle. Und nicht zu vergessen, Alexeis Vergangenheit, die wie eine schwarze Wolke über ihm hängt und der Auslöser für eine unheilvolle Entwicklung auch in der Gegenwart ist. Ich finde es sehr gelungen, wie Tanja Heitmann ihre Erzählung aufbaut, die emotionale Seite ihrer LeserInnen anspricht und dabei den Spannungsbogen kontinuierlich ansteigen lässt. Das Spiel zwischen Leo und Alexei ist ihr dabei besonders geglückt; sie lässt tief in die Psyche ihrer Protagonisten einblicken und webt daraus ein dichtes Konstrukt, das die Leser emotional mitfiebern und immer ein wenig im Unklaren lässt. Die Auflösung ist zwar logisch durchdacht, für meinen Geschmack aber ein wenig arg dick aufgetragen. Dieser Umstand konnte mir aber den Spaß an der Lektüre nicht mehr nehmen. Vom Sprachstil her ist Tanja Heitmann sehr variabel. Sie schafft es, poetisch verzauberte Bilder zu schaffen, wenn es um ein romantisches Stelldichein zwischen duftenden Blumenstauden geht oder um eine Sommernacht am See; gleichzeitig bedient sie sich aber auch einer flapsigen Jugendsprache, die beim Zielpublikum gut ankommen dürfte. Ich bin mit beidem sehr gut zurecht gekommen und hatte niemals Langeweile mit dem Buch. Eine klare Leseempfehlung für jugendliche und junggebliebene LeserInnen!

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163 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 52 Rezensionen

magie, schweden, zauberer, glück, waldfee

Anton hat kein Glück

Lars Vasa Johansson , Ursel Allenstein , Antje Rieck-Blankenburg
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Wunderlich, 21.10.2016
ISBN 9783805203876
Genre: Romane

Rezension:

Ein ganz normaler Sommer in Schweden: Anton schlägt sich mehr schlecht als recht als Berufszauberer durchs Leben und tingelt von Stadt zu Stadt. Seine Tricks sind gut, aber durch seine miesepetrige Ausstrahlung verdirbt er sich viele Auftritte und kommt beim Publikum nicht gut an. Ganz anders sein früherer Freund Sebastian, der mit seiner Frau (und Antons Exfreundin) Charlotta ganz oben auf der Erfolgswelle als Zauberer schwimmt - sehr zum Verdruss von Anton, der auch endlich mal Erfolg haben will. Eine schicksalhafte Entwicklung führt Anton in den naturgeschützten Wald von Tiveden, wo er unfreiwillig mit echter Magie in Berührung kommt. Aber auch hier sorgt er mit seinem Verhalten dafür, dass er sehr bald von einer Waldfee mit einem Todesfluch belegt wird und fortan von einem Missgeschick ins nächste tappt. Wird er aus dieser Nummer jemals wieder heraus kommen? Und wird er sein destruktives Leben ändern? Wir begleiten Anton als Ich-Erzähler auf seiner magisch-skurillen Reise; lernen ihn zunächst als Nörgler und Grantler kennen und treten mit ihm in die magische Welt der nordischen Mythen ein. Gleichzeitig wird in Rückblenden erzählt, wie Antons Jugend verlief, wie er seinen Freund Sebastian kennen lernte und mit der quirligen Charlotta zusammen kam. Die gemeinsame Entwicklung der beiden Freunde als Berufszauberer wird ebenso beleuchtet wie das spätere Auseinanderdriften aufgrund unüberbrückbarer Differenzen. Ich konnte mich nur schwer entscheiden, ob ich Anton verabscheuen oder mit ihm Mitleid haben soll. Er ist ein unbequemer Protagonist, nicht dafür geschaffen, die Sympathien des Publikums zu gewinnen. Dennoch, seine Erlebnisse zu verfolgen und dabei sein Innenleben kennen zu lernen, ist eine spannende und berührende Angelegenheit. Er wird im Laufe der Handlung mit allem möglichen und unmöglichen konfrontiert, und langsam, aber wirklich sehr langsam, findet eine Entwicklung statt. Dabei schafft der Autor mittels seiner Zauberwelt in Tiveden eine zweite Erzählebene, auf der ich viele Elemente als Metapher empfand. Keinesfalls handelt es sich daher um eine Fantasy-Erzählung, auch wenn es sich streckenweise so anfühlt; immerhin haben wir mit Urwesen, Waldfeen, Nachtklopfern und ähnlichen mythischen Gestalten zu tun. Aber dennoch dient diese Kulisse rein dazu, Anton zu seinen inneren Wurzeln zu führen, seine Handlungen zu überdenken und sich auf sein Gegenüber einzulassen. Dabei geht es nicht immer nett zu; er muss ganz schön einstecken und sich aus seiner Komfortzone heraus bewegen, teilweise auch haarsträubende Abenteuer erleben. Heraus kommt ein Anton, der auf eine schräge Art und Weise geläutert ist und dessen Leben fortan einen neuen Verlauf nimmt. Mir hat diese Erzählweise mit ihrer psychologisch angelegten Grundidee sehr gut gefallen, auch wenn mir manche Strecken etwas harmlos und einfach gestrickt vorkamen. Einen kleinen Kontrast bietet hier die magische Welt, in der nicht alle Wesen lieb und brav sind. Aber ich vermute, es lag durchaus in der Absicht des Autors, eine letztendlich warmherzige Geschichte der leisen Töne zu erzählen. Dazu passt auch der Schluß, der sehr harmonisch und fast schon weichgespült verläuft. Sprachlich konnte ich mich mit dem einfachen und schnörkellosen Schreibstil sehr schnell anfreunden. Gerne empfehle ich das Buch weiter an LeserInnen mit Spaß am Skurillen, die einem einen Mix aus Realität und Märchen nicht abgeneigt sind und sich auf das innere Erleben einer Figur gerne einlassen wollen.

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21 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

krie, imperium, christoph hardebusch, reihe, fantasy

Schattenkaiser

Christoph Hardebusch
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Piper, 04.10.2016
ISBN 9783492703710
Genre: Fantasy

Rezension:

Ein mächtiges Imperium, in dem es brodelt, ein gefangener Gott, ein überfallenes Dorf und eine listenreiche Verschwörung - das ist das Ausgangsszenario, mit dem sich der neue Fantasy-Roman von Christoph Hardebusch beschäftigt. In mehreren Handlungssträngen und Perspektiven präsentiert der Autor seine ans altrömische Reich angelehnte Welt. So begleiten wir den Schamanen Brayn auf seiner Mission, begleitet von einem mysteriösen Raben; wir sind mit dem Dorfmädchen Ariadne auf der Flucht und stellen fest, dass sehr viel mehr in ihr steckt, als man auf den ersten Blick erkennen kann. Wir fiebern mit Dariush, dem Fremdling, der Ariadne auf ihrer Flucht Beschützer und Mentor ist, ohne eigentlich selbst zu wissen, warum. Wir reiten mit der Heeresführerin Valeria von den Außengrenzen des Imperiums in seinen Mittelpunkt, wo sie von den Massen bejubelt, von den Mächtigen aber ausgebremst wird. Und wir marschieren mit dem einfachen Soldaten Brix in die Schlacht, kämpfen mit ihm um sein Leben und das seines Anführers, der vermutlich noch eine wichtige Rolle spielen wird.... Ganz schön viel Stoff für den Anfang, und ich hatte auch die ersten 100 Seiten über ziemlich Probleme, die vielen Personen und Handlungsstränge in den Griff zu bekommen. Die Mühe des aufmerksamen Lesens hat sich aber durchaus gelohnt, denn nachdem meine Startschwierigkeiten überwunden waren, fesselte mich die Lektüre zusehends und machte mir Spaß. Immer das Alte Rom vor Augen, konnte ich mir die Figuren, Länder und Städte sehr gut vorstellen. Die Figuren sind zahlreich, aber dennoch intensiv ausgearbeitet. Am besten gefiel mir Valeria, die eine zentrale Rolle einnimmt und mich sehr beeindruckt hat. Was mich anfangs gestört hat, waren die vielen militärischen Begriffe und Ränge, die hier wieder einmal neu erfunden wurden und in die ich mich nur sehr schwerfällig hineinfand. Da aber Militär und Soldatentum den Schwerpunkt der Geschichte ausmacht, ist es für den Leser unumgänglich, sich damit zu befassen. Der phantastische Anteil ist aus meiner Sicht relativ gering, aber hier ist sicher noch eine Steigerung vorgesehen - es kristallisiert sich sehr schnell heraus, dass es sich um den Anfang einer Reihe handelt und der Roman nicht in sich abgeschlossen ist, sondern ein offenes Ende hat. Ich bin jedenfalls angefixt und werde sicherlich die Folgebände ebenfalls lesen, wenn sie erscheinen. Ich empfehle "Schattenkaiser" gerne an Fans der historischen Fantasy weiter, die Spaß an epischen Geschichten mit vielen Machtintrigen und Kriegsschlachten haben. Sprachlich überzeugte mich Christoph Hardebusch durch seinen mit leichter Feder geführten Schreibstil, der sich sehr flüssig weglesen lässt und einfach Spaß macht.

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33 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 12 Rezensionen

weihnachten, freunde, familie, aufbau, liebe

Ein Stern über Sylt

Ines Thorn
Fester Einband: 144 Seiten
Erschienen bei Rütten & Loening Berlin, 19.09.2016
ISBN 9783352008917
Genre: Romane

Rezension:

Weihnachten auf Sylt - davon träumen viele Menschen. Für andere ist es eher ein lästiger Pflichtaufenthalt in der elterlichen Reetdachvilla... so der Ausgangspunkt für diese weihnachtliche Wohlfühlgeschichte. Thiemo, seines Zeichens Geologiestudent mit Spaß an der praktischen Seite seines Zweiges, folgt seinen reichen Hamburger Freunden und verbringt mit ihnen die Feiertage auf Sylt. Dabei stellt sich schnell heraus, wie oberflächlich eigentlich die Generation der jungen Reichen und Schönen lebt und denkt. Ein unerschwinglich teurer Kashmirpulli wird zum teuren Pfand einer Liebeswerbung, und Thiemo muss seine eigenen Werte überdenken. Als Kind auf Sylt aufgewachsen, hat er einen ganz anderen Zugang zur Insel und auch zu den Menschen auf den Insel. Plötzlich tauchen familiäre Bindungen auf, die Thiemo schon längst nur noch im Unterbewusstsein gespeichert hatte. Und Weihnachten hat für ihn sowieso eine ganz andere, traditionelle Bedeutung als für seine Jet-Set-Freunde, die noch nicht mal wissen, wie man eine Weihnachtsgans brät und was man beim Christbaumschmücken beachten muss. Ines Thorn liefert mit ihrer Weihnachtsnovelle eine wunderbare kleine Buchperle, deren Zauber man sich nicht entziehen möchte. Zwar ist die Handlung von Anfang an etwas vorhersehbar, aber das tat meinem Lesevergnügen keinen Abbruch. Die Botschaft, dass Reichtum und Geld nicht alles ist, kommt ohne erhobenen Zeigefinger aus und liefert eine alternative und herzerwärmende Interpretation des Weihnachtsfestes in unserer materiell ausgerichteten Zeit. Thiemo ist ein bodenständiger Protagonist, der einige Irrwege beschreiten muss, bevor er auf seine innere Stimme hört und dabei auf vielfältige Weise belohnt wird. Auch die anderen Protagonisten haben mir gut gefallen, da sie trotz der gebotenen Kürze nicht eindimensional wirken. Besonders gut hat mir die weihnachtliche Atmosphäre auf der Insel gefallen, die die Autorin sehr überzeugend darzustellen wusste. Irritiert hat mich lediglich, dass sie die beiden Heißgetränke Tote Tante und Pharisäer nicht richtig auseinanderhalten kann, aber das fällt wirklich nur einem eingefleischten Nordsee-Fan wie mir auf. Das zuckersüße Ende passt perfekt zur Handlung und hat mich das Buch mit einem zufriedenen Seufzer zuklappen lassen. Der Schreibstil ist einfach und unverschnörkelt, so dass die 144 Seiten recht schnell dahin fliegen - die perfekte Lektüre für die Weihnachtsfeiertage, und aufgrund der hübsch gestalteten und hochwertigen Ausstattung ist das Buch ein ideales Weihnachtsgeschenk für jede Leseratte.

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67 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 25 Rezensionen

fantasy, magie, fliegen, irrlichtfeuer, irrlicht

Irrlichtfeuer

Julia Lange
Flexibler Einband: 528 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.09.2016
ISBN 9783426519431
Genre: Fantasy

Rezension:

Eine Katastrophe bricht in der Stadt Ijsstedt aus - die Fördertürme des Irrlichtgases explodieren und viele Menschen verlieren ihr Leben. Die Überlebenden hoffen auf die Unterstützung der Königin, aber die interessiert sich kaum für ihr Volk. Die daraus entstehende Widerstandsbewegung wird immer größer und schließlich zur Gefahr für den Frieden. Mittendrin: Alba, ein Mädchen aus gutem Hause, das sich aber weder für die Probleme des Widerstands noch für ihre privilegierte Gesellschaftsschicht interessiert; sie träumt nur vom Fliegen und hat heimlich eine Flugkonstruktion entwickelt, mit der sie in die Lüfte gehen will. Und dann sind da noch die geheimnisvollen Irrlichtkinder; zwar menschlich, aber durch die Kontamination mit Irrlicht mit magischen Fähigkeiten ausgestattet, die niemand kontrollieren kann. Als dann durch einen furchtbaren Mord und einen aussichtslose Liebe auch noch das Gleichgewicht zwischen den Paten der einzelnen Stadtteile aus den Fugen gerät, wird ein Strudel von Ereignissen in Gang gesetzt, der sich kaum noch aufhalten lässt. "Irrlichtfeuer" ist der erste Roman, den die Autorin Julia Lange veröffentlicht hat, und ich finde, er ist ihr wirklich sehr gut gelungen. Es ist Winterbeginn, die ersten Flocken fallen, und wir begleiten Alba auf ihren Gängen durch die Stadt, frieren mit ihr und freuen uns mit ihr über ein wärmendes Kohlefeuer. Diese ganz besondere Atmosphäre durch ihre Augen zu sehen, hat mich ganz tief in die Geschichte eintauchen lassen und in die richtige Lesestimmung versetzt. Nach und nach lernt man auch die anderen Protagonistengruppen kennen. Insbesondere haben mich die Irrlichtkinder fasziniert; zuerst erscheinen sie unnahbar und geheimnisvoll, aber da mit der Zeit auch ihr Innenleben beleuchtet wird, kamen sie mir sehr schnell näher. Dadurch, dass sie augenscheinlich durch den königlichen Stab unter Kontrolle sind, in Wirklichkeit aber ihr Eigenleben führen, sind sie immer für Überraschungen gut und spielen ihre eigene Rolle in der Handlung. Durch eine zahme Krähe, die eine meiner Lieblingsfiguren war, kommt Alba in Kontakt mit einem Irrlichtkind, und diese Konstellation hat für mich richtig gut funktioniert. Daneben wird die Handlung aber von den Machtspielchen der Obrigkeit und der Bandenführer in den Stadtteilen geprägt, begleitet von den Aktionen der Widerstandsbewegung. Alba sieht sich zunehmend hinein gezogen in diese wechselvollen Entwicklungen und versucht ihre eigene Rolle zu spielen. Leider gerät dadurch das Fliegen etwas in den Hintergrund, was ich schade fand; dennoch zaubert uns die Autorin einige wirklich tolle Szenen mit Gänsehautgarantie, die sich in der Luft abspielen. Das Ende ist in sich abgeschlossen und ich war auch ganz zufrieden mit dem aufregenden Showdown, aber die Autorin lässt auch noch genügend Freiraum für die Fantasie des Lesers. Der Sprachstil ist solide und angenehm zu lesen, ohne stilistisch herausragend zu sein. Eine klare Empfehlung an alle Phantastik-Fans, und ich hoffe, Julia Lange wird in dieser Art noch weitere Romane vorlegen - ich würde sehr gerne mehr von ihr lesen.

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263 Bibliotheken, 13 Leser, 0 Gruppen, 42 Rezensionen

fantasy, wüste, markus heitz, wedora, magie

Wédora – Staub und Blut

Markus Heitz
Flexibler Einband: 608 Seiten
Erschienen bei Knaur, 01.08.2016
ISBN 9783426654033
Genre: Fantasy

Rezension:

Tomeija vertritt im Lande Walfor das Gesetz und sorgt für Recht und Ordnung; ihr Jugendfreund Liothan hat die Verbrecherlaufbahn eingeschlagen und verdient sich sein Brot mit Einbrüchen und Diebstählen. Dieses gegensätzliche Freundespaar gerät durch einen bösen Zauber nach Wédora, einer Parallelwelt mitten in der Wüste. Dort treffen sie auf fremde Völker, andere Gesellschaftsstrukturen, exotische Tiere und - auf eine groß angelegte Verschwörung. Währenddessen tobt zuhause in Walfor ein Machtkampf zwischen der Obrigkeit und einem schwarzmagischen Hexer. Werden Tomeija und Liothan einen Zauberer finden, der sie zurück nach Walfor hext, um dem bösen Treiben ein Ende zu setzen? Und welche Rolle spielen sie im geheimnisvollen, mystischen Wédora? Sehr viel habe ich bisher noch nicht von Markus Heitz gelesen, aber der Klappentext zu Wédora mit seinem Wüstensetting klang sehr vielversprechend, so dass ich es wieder einmal mit ihm versucht habe. Die Erkenntnis: eine durchwachsene Lektüre, die mir durchwegs gute Unterhaltung geboten hat, in der Gesamtsicht aber doch einige Schwächen aufweist. Was Markus Heitz ganz toll hinbekommen hat, sind Stimmung und Setting. Die Atmosphäre in Wédora ist immer geheimnisvoll, exotisch und verlockend, mich hat das sehr fasziniert und ich konnte ganz tief in diese Welt eintauchen. Auch außerhalb der Stadt erwartet den Leser eine spannende Wüstenlandschaft mit all ihren Gefahren und Abenteuern, während im Walfor-Strang eine eher gewöhnliche Mittelalterwelt geboten ist. Auch die Figuren sind sehr gewissenhaft ausgearbeitet; mit Liothan und Tomeija gibt es zwei Hauptfiguren, die sehr gegensätzlich und kontrastreich sind. Dies bringt sehr viel Abwechslung und schafft verschiedene Perspektiven auf die Stadt und die Geschehnisse. Aber auch die Nebenfiguren glänzen mit interessanten Biographien und Eigenarten, wenn auch so manche etwas eindimensional geraten ist wie zum Beispiel der Bösewicht Durus. Der Spannungsaufbau ist gut gelungen; ich hab mich mit dem Buch nie gelangweilt, sondern wollte immer wissen, wie es weiter geht. Das Spiel mit dem Wechsel der Handlungsstränge im spannendsten Moment beherrscht Markus Heitz perfekt. Schwächen weist die Handlung am ehesten in ihrem logische Aufbau auf; nicht alles fühlt wie aus einem Guss an. Manche Entwicklungen sind zu überkonstruiert und durchschaubar, während es auch überraschende Wendungen gibt, die nicht gut vorbereitet sind. Einige Szenen dienen alleine dem Präsentieren von teils splatterigen Horrorelementen und bringen die Handlung nicht voran; das wirkt dann ziemlich effekthascherisch und unelegant. Hier hätte ich Markus Heitz etwas mehr Raffinesse zugetraut. Sprachlich gesehen fand ich den Text einfach gestrickt und griffig. Als störend für meinen Lesefluss empfand ich die vielen Apostrophe und "Dächlein" über den Buchstaben - muss das so sein? Über Worte wie "Scīrgerêfa" bin ich jedesmal gestolpert und konnte mich bis zum Schluss nicht daran gewöhnen. Alles in allem ist Wédora wohl eine unterhaltsame Lektüre, Popcorn-Fantasy mit Horrorelementen zum Weginhalieren, aber der Anspruch bleibt für meinen Geschmack etwas auf der Strecke. Wer damit kein Problem hat, kann sich ein paar vergnügliche und auch gruselige Lesestunden damit machen.

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52 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

schattenreiter, fantasy, marc turner, nekromanten, dunkle magier

Schattenreiter

Marc Turner , Kirsten Borchardt
Flexibler Einband: 800 Seiten
Erschienen bei Heyne, 11.07.2016
ISBN 9783453534124
Genre: Fantasy

Rezension:

Ein dunkler Schatten legt sich über die Lande - das Buch der Verlorenen Seelen wurde entwendet, und der dunkle Magier Mayot versucht nun mittels dieses Artefakts und einem Heer von unzähligen Untoten, die Macht sowohl im Reich der Lebenden als auch der Toten an sich zu reißen. Klar, dass dies eine Reihe von Gegenspielern auf den Plan ruft. In mehreren Gruppen und aus ganz unterschiedlichen Gründen folgen sie dem Ruf des Buches und der Spur der Verwüstung, um Mayot die Fäden aus der Hand zu nehmen... Am Anfang fiel es mir ein wenig schwer, mich in die Handlung einzufinden und mich mit den Figuren vertraut zu machen. Vier Hauptfiguren mit jeweils einem eigenen Hauptstrang stellen das Personal; zwei Frauen - Romany und Parolla, zwei Männer - Ebon und Luker, die ich leider anfangs des öfteren verwechselte. Es dauerte gut 200 Seiten, bis sich deren Profil einigermaßen geschärft hatte, und ab da hatte ich auch richtig Spaß mit dem Buch. Nicht nur bekommen die Hauptfiguren mit der Zeit eine Biographie und Tiefgang, auch zahlreiche liebevoll ausgearbeite Nebenfiguren beleben die Handlung und sorgen für spannende Unterhaltung. Da das Buch unzweifelhaft in die Kategorie "Dark Fantasy" einzuordnen ist, sind dementsprechend keine Elfen und Einhörner zugange, sondern es wimmelt von Nekromanten, Schwarzmagiern, konkurrierenden Gottheiten und einem ganzen Volk von Untoten. Daher ist der Splatteranteil auch sehr hoch, womit ich aber ganz gut zurecht gekommen bin. Wenn der zigte Untote in der Mitte durchteilt wird und irgendwelche Gliedmaßen durch die Luft fliegen, ist auch der zarteste Leser irgendwann abgehärtet. Sehr interessant und raffiniert ausgedacht fand ich das magische Konzept des Autors. Er hat sich davon mehrere ausgedacht und seinen Figuren zugeordnet, so dass nicht nur verschiedene Protagonisten, sondern auch verschiedene Magiekonzepte gegeneinander antreten und ihre Kämpfe austragen. Das bringt eine gute Portion Action und Spannung ins Spiel und macht die Sache abwechslungsreich. Die Mission ist klar und einfach umrissen - eine Reise in den Seufzerwald, um dem Nekromanten Mayot das mächtige Buch der verlorenen Seelen wieder abzunehmen. Die Beweggründe sind unterschiedlich, und selbst innerhalb der Gruppen, die zur Todeskuppel unterwegs sind, sind sich lange nicht alle einig, was denn nun genau unternommen werden soll. Konflikte sind also vorprogrammiert, magische Intrigen werden gesponnen und den Protgonisten stellen sich jede Menge Gefahren und Kämpfe in den Weg. An diesem Punkt traten für mich einige Längen auf; irgendwann hatte ich das Gefühl, dass die Handlung auf der Stelle tritt und es nur noch darum geht, möglichst spektakuläre Kampfszenen zu liefern. Dieser Eindruck löste sich spätestens dann am opulent geratenen Showdown wieder auf, wenn sich die Handlungsstränge vereinen. Durch das Aufeinandertreffen der Hauptfiguren ergeben sich interessante Situationen, und vor allem ganz spannende Perspektiven, wenn die Protagonisten aus der Perspektive der anderen geschildert werden. Das actionreiche Ende mit zahlreichen Überraschungsmomenten hat mir richtig gut gefallen und wertet das Buch insgesamt nochmal ein gutes Stück auf. Sprachlich bietet "Schattenreiter" einen griffigen und bildhaften Schreibstil, der sich schön lesen lässt, ohne durch besondere Eleganz oder Raffinesse hervorzustechen. Ich empfehle das Buch gerne weiter an LeserInnen mit langem Atem, die einem Buch die notwendige Zeit geben, seine Stärken zu entwickeln. Wer düstere, schwarzmagische, kampfbetonte Geschichten mag, darf sich gerne auf diesen fesselnden Lesestoff einlassen und macht damit sicher nichts verkehrt.

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16 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

tunnel, autismus, fortschritt, unfall, vögel

Das schwarze Loch in mir

Anders Johansen , Gabriele Haefs
Fester Einband: 295 Seiten
Erschienen bei Beltz, J, 11.07.2016
ISBN 9783407821720
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Im kleinen Dörfchen Fjeldvig auf den Färöer scheint die Zeit still zu stehen. Durch seine Abgeschiedenheit sind die Bewohner von vielen Errungenschaften der modernen Welt abgeschnitten - nur durch stundenlange Gebirgsmärsche oder per Fähre sind sie in der Lage, die nächste Stadt zu erreichen; im Notfall muss der Helikopter kommen. Das Leben ist beschwerlich; es gibt keine Fahrzeuge und der Strom wird limitiert vom Generator erzeugt. Die Fjeldviger leben von der Schafzucht und ziehen sich ihr Gemüse selbst. Trotzdem sind sie auf ihre Weise glücklich. Sie halten zusammen, pflegen die Gemeinschaft und ihre Traditionen, sind eng verbunden mit der Natur, dem Meer und trotzen unverdrossen dem unwirtlichen Wetter in ihrer Umgebung. Mitten unter ihnen: der autistische Junge David, aus dessen Perspektive die Geschichte erzählt wird. Er wächst behütet in dieser überschaubaren Gesellschaft und in seiner Familie auf, hat einen verständnisvollen und versierten Lehrer und ist ein scharfer Beobachter. Seine Begabung im Umgang mit Zahlen ist faszinierend, aber wo andere Menschen ihren emotionalen Kern haben, ist bei ihm ein schwarzes Loch. Dank der Hilfe von Lehrer Joensen hat er aber einige Verhaltensstrategien verinnerlicht, mit denen er recht gut durchs Leben kommt, solange alles in den gewohnten Bahnen verläuft. Da passiert das, wovon die Dorfbewohner zwar gehört, aber woran sie nicht geglaubt haben: ein Tunnel wird durch das Stjorfeld gebaut und sie erhalten damit eine geographische Anbindung an die benachbarte Stadt. Geschickt verknüpft der Autor hier die individuelle Geschichte von David und sein persönliches Erleben dieser unfassbaren Veränderung mit der Entwicklung der Dorfgemeinschaft. Der Tunnel ist noch nicht richtig fertig, schon gibt es Streit und Rivalitäten; ein tiefer Graben geht durch die Gemeinschaft und der Zusammenhalt zerfällt. Werden die Dorfbewohner es schaffen, ihren gewachsenen Zusammenhalt den unhaltsamen Veränderungen in ihrem Dorf entgegenzusetzen? Und wie weit wird jeder einzelne gehen, um seine Rechte, seinen Besitz und seine Art zu Leben zu verteidigen? Aus harmlosen Plänkeleien wird bitterer Ernst, und mittendrin David, der die Welt nicht mehr versteht... Zunächst mal fand ich es sehr spannend, einen Roman aus Sicht eines Autisten zu lesen. Das Buch richtet sich an ein jugendliches Zielpublikum und entsprechend ist David mit 14 Jahren auch ein Protagonist, dessen Probleme und Ansichten sich durchaus mit denen anderer Jugendlichen decken dürfte. Dazu kommt aber der spezielle Aspekt des Autismus, der jegliche emotionale Interaktion mit seinen Mitmenschen zur fast unüberwindbaren Hürde werden lässt. Hier benutzt der Autor sehr schön ausgedachte Sprachbilder, um das innere Erleben seiner Figur transparent zu machen. Eine weitere Spezialität ist das Setting; die Färöer-Inseln und speziell das kleine, von der Außenwelt ziemlich abgeschiedene Dorf spiegeln Davids Zurückgezogenheit wieder und unterstreichen den Eindruck einer Blase, in der sich alles geordnet und behütet abspielt. Als die Blase zerplatzt und der Tunnel die Öffnung des Dorfes mehr oder weniger erzwingt, muss auch David sich der Veränderung stellen, was ihm als Autisten umso schwerer fällt als den anderen Bewohnern, und selbst die schaffen es auch nicht ohne Probleme. Insofern ist hier viel Stoff zum Nachdenken gegeben und der Roman hat mich sehr beschäftigt. Sehr gelungen finde ich die Darstellung der Insel und der Natur. Der Autor zeichnet intensive Bilder von rauen Landschaften und zerklüfteten Küsten, die bei Skandinavienfans durchaus Sehnsüchte wecken dürften. Insbesondere die vielschichtige Vogelwelt der Färöer wird ausführlich, liebevoll und versiert dargestellt, wobei es sich nicht um reine Beschreibungen handelt, nein; die Vögel spielen durchaus ihre Rolle in der Geschichte und sind Auslöser für so manche Entwicklungen und Handlungsverläufe. Der einfache und griffige Sprachstil passt perfekt zur Handlung und lässt einen Lesesog entstehen, der es schwer macht, das Buch wegzulegen. Am Ende war ich dann ergriffen und wehmütig, denn ich hätte mir für David und seine Familie durchaus ein anderes Ende gewünscht; bin mir aber im klaren, dass es wohl kaum eine andere Lösung für sie gegeben hätte. Anders Johansen hat hier eine wunderbare Lektüre für Jugendliche geschaffen, die mich mit ihrem außergewöhnlichen Schauplatz, dem feingeistig ausgearbeiteten Hauptprotagonisten und einer ganz besonderen Geschichte überzeugt hat, die noch viele LeserInnen verdient hat.

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390 Bibliotheken, 9 Leser, 1 Gruppe, 113 Rezensionen

zeitreise, liebe, leuchtturm, fluch, new york

Vierundzwanzig Stunden

Guillaume Musso , Eliane Hagedorn , Bettina Runge
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Pendo Verlag, 01.06.2016
ISBN 9783866124011
Genre: Romane

Rezension:

Als Arthur von seinem Vater einen alten Leuchtturm als vorgezogenes Erbe erhält und entgegen allen Ratschlägen einen zugemauerten Raum öffnet und betritt, ändert sich sein Leben auf drastische Art und Weise. Der Leser begleitet ihn auf einer unglaublichen Reise durch Zeit und Raum, wird Zeuge des Zeitgeschehens über vierundzwanzig Jahre hinweg und erlebt Arthurs Schicksal im Zeitraffer - mit allen Höhen und Tiefen eines ganzen Lebens... Gleich mal vorweg, ich fand das Buch einfach großartig! Zunächst stand bei mir die Skepsis im Vordergrund, angesichts der akribischen Einteilung in Teile, Kapitel, Unterkapitel, mir kam die Handlung schon im Vorfeld reichlich zerfleddert vor. Mit dem ersten Einlesen machte die Unterteilung plötzlich Sinn und ich verstand, dass hier die Zeit eine sehr große Rolle spielt. Arthur betritt den geheimnisvollen Raum im Leuchtturm und erlebt ab sofort ein ganzes Leben im Zeitraffer. Da er nur immer jeweils für vierundzwanzig Stunden in der Realität lebt, empfand ich die Handlung als überaus temporeich, versehen mit einem steil ansteigenden Spannungsbogen. Der Autor verknüpft Arthurs kaleidoskopartige Aufenthalte mit dem jeweiligen Zeitgeschehen und lässt wichtige Ereignisse der Vergangenheit damit wieder aufleben, so dass die zeitliche Einordnung dadurch offensichtlich wird. So nahe mir Arthur mit seinen Gefühlen und Eindrücken dabei war, so fremd blieben mir die anderen Protagonisten; eine Entwicklung ist durch die vielen Zeitsprünge kaum verfolgbar, was in diesem Fall völlig logisch ist. Trotzdem fand ich Gefallen an den Figuren und an Arthurs kurzzeitigen Interaktionen mit ihnen. Durch die Tragik seines Schicksal ist die Lektüre bisweilen sehr emotional und hat mich völlig mitgerissen. Wie kann man sich in einen Mann verlieben, den man nur einmal im Jahr zu Gesicht bekommt? Diese und andere Fragen beschäftigten mich intensiv und brachten mich zum Nachdenken. Wie kann eine Story enden, die durch die Zeitsprünge einen hohen übersinnlichen Faktor hat, andererseits aber in keinster Weise phantastisch angelegt ist? Am Ende stellt sich die Geschichte in einem völlig neuen Licht dar: Guillaume Musso entzieht sich der Auflösung durch eine genialen erzählerischen Trick, der die Handlung zwar völlig auf den Kopf stellt, am Ende aber für mich ein glaubwürdiges Ergebnis erzielt und mich regelrecht begeistert hat. Mit dem Schreibstil bin ich sehr gut zurecht gekommen; Guillaume Musso pflegt einen präzisen und eleganten Stil, der sich schön lesen lest und völlig ohne ausschweifende Beschreibungen auskommt. Mit einem Wort, ich fand das Buch brillant und freue mich bereits auf weitere Neuentdeckungen aus der Feder dieses Autors.

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86 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 14 Rezensionen

drachen, fantasy

Ära der Drachen - Schattenreiter

Gesa Schwartz
Fester Einband: 600 Seiten
Erschienen bei LYX ein Imprint der Bastei Lübbe AG, 07.04.2016
ISBN 9783736301863
Genre: Fantasy

Rezension:

In einem postapokalyptischen New York leben die Menschen in verlassenen U-Bahn-Tunnels unter der Erde und verstecken sich vor den mächtigen Herrschern dieser zerstörten Welt - den Drachen. Aber inmitten von Tod und Zerstörung gibt es auch gute Mächte; die Drachengilde hilft den Menschen vor dem sicheren Tod und stellt sich dem despotischen König und seiner Drachenarmee. Mittendrin: Sira, ein Mädchen aus der Tiefe, die sich als Diebin der Schatten einen Namen gemacht hat. Durch einen folgenschweren Überfall der Königsreiter auf das stillgelegte U-Bahn-Netz befindet sie sich plötzlich an der Oberfläche und folgt den Reitern der Drachengilde auf ihrer Mission. Gesa Schwartz hat es mir mit ihrem Roman einigermaßen schwer gemacht. Die Grundidee hat mir sehr gut gefallen und vor allem das anfängliche Setting in dem zerstörten New York, das sich vor allem in dem wunderschönen Cover widerspiegelt, war ganz nach meinem Geschmack und ich empfand es erfrischend anders als die üblichen Fantasywelten. Leider ging mir dieses Gefühl sehr schnell verloren, denn nach kurzer Zeit spielte New York keine Rolle mehr und die Figuren bewegten sich in einer mittelalterlich anmutenden Welt, die nur gelegentlich an das Ausgangssetting erinnerte. Sehr schade, wie ich finde. Was dann folgte, war ein Mix aus Licht und Schatten. Sehr viele Szenen konnte ich kaum nachvollziehen, da die Beschreibung keinerlei Choreographie folgte und ich kaum verstand, was die Figuren da gerade treiben. Insbesondere die vielen Kampfszenen fielen diesem Mangel zum Opfer, wobei ich den Showdown am Ende dann wieder sehr gelungen fand und mich fragte, warum nicht gleich so. Zwischenzeitlich steigerte sich die Verwirrung in Unendliche angesichts eines Handlungsstrangs, der sehr mystisch-okkult angelegt ist und eigentlich mehrheitlich aus nebulösen Andeutungen bestand - auch damit kam ich sehr schlecht zurecht. Leider gingen diese seitenfüllenden Passagen zu Lasten der Stränge, die ich gelungen fand. Inbesondere Siras Interaktionen mit "ihrem" Drachen war immer ein Höhepunkt für mich, da passte plötzlich alles und ich konnte ganz tief eintauchen und die Lektüre genießen. Insgesamt aber war der ganze Handlungsbogen für mich unausgewogen; manches ging einfach unfassbar schnell (Siras Ausbildung zum Beispiel) und auf manchen Aspekten wurde unnötig lange herumgeritten (Stichwort: die Scherbenkönigin). Das führte automatisch dazu, dass an manchen Stellen keine logische Entwicklung stattfand, ganz viele Fragen offen blieben und einige Handlungsfäden unabgeschlossen blieben. Auch die Figurenzeichnung ist nicht durchwegs glaubhaft; manchmal wirkten die Protagonisten wie ausgewechselt, ohne das es dafür eine Erklärung gab. Mit dem Ende an sich war ich sehr zufrieden; die Rahmengeschichte ist in sich abgeschlossen, lässt aber durchaus Spielräume für die eigene Phantasie oder auch für eine Fortsetzung. Trotzdem, diese ganzen Irritiationen führten nicht gerade dazu, dass mich das Buch völlig überzeugt hätte. Ebenso schwankend wie die Handlung war auch der Sprachstil. Es gab Passagen, die für mich ein richtiger Lesegenuss waren, aber im nächsten Atemzug gab es wieder schiefe Sprachbilder, die mich völlig aus dem Lesefluss brachten. Zwischenzeitlich hatte ich den Verdacht, dass hier ein Schreibexperiment stattfindet und manches literarische Stilmittel einfach mal ausprobiert und am Leser getestet wird. Für so etwas bin ich grundsätzlich gerne offen, möchte aber vorgewarnt werden, dann ist auch die Erwartungshaltung eine andere. Das Gesa Schwartz schreiben kann, steht außer Zweifel, denn wie gesagt, zwischendurch blitzt immer wieder ihre Klasse auf, und dann fand ich das Buch auch richtig gut.

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8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

fantasy, kurzgeschichten, anthologie, kurzgeschichtenanthologie, seltsame wesen

Schattenfeuer

Wilfried Abels , Ulrich Borchers , Jens-Philipp Gründler , Anke Höhl-Kayser
Flexibler Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Bookspot Verlag, 11.05.2016
ISBN 9783956690617
Genre: Fantasy

Rezension:

Kurzgeschichten in der Fantasy sind für mich immer eine spannende Sache; lebt doch dieses Genre von ausschweifenden Beschreibungen, langen Reisen und epischen Geschichten. Diese Elemente in eine Kurzgeschichte zu packen und in aller Kürze aufleben zu lassen, erfordert ein ganz besonderes Händchen. Die verschiedenen Autoren von "Schattenfeuer" haben dies in den unterschiedlichsten Varianten verwirklicht und dadurch ein sehr abwechslungsreiches Leseerlebnis geschaffen. Mir hat das Lesen der Anthologie sehr viel Freude bereitet, und auch wenn mir manche Geschichten mehr und andere wieder weniger gefallen haben, langweilig wurde mir dabei nie. Wilfried Abels - Wenn der Mond im Blut erwacht Eine schöne Studie über das Innenleben eines Werwolfs und seine Zähmung durch zwei Hexen; überzeugend dargestellt und am Ende nachdenklich machend Ulrich Borchers - Auf die Größe kommt es an Intelligente Geschichte mit Moral um einen pfiffigen Zauberlehrling und seinen kleinen Drachen, für mich hat es super funktioniert und liess sich wunderbar lesen. Jens-Philipp Gründler - Die Auslöschung des Ghouls Okkultes Beschwörungsdrama mit überraschendem Ausgang, aber leider nicht so ganz mein Ding Anke Höhl-Kayser - Schwarzfeuer Ein Riss in der Realität sorgt für Science-Fiction-Feeling, fand ich nett konstruiert, aber nicht so wahnsinnig packend. Jasper John - Die Geburt des neuen Zeitalters Mit dieser mystischen Geschichte rund um die Geburt eines ganz besonderen Wesens konnte ich nur sehr wenig anfangen, obwohl ich die Botschaft dahinter durchaus verstanden habe. Simon Käßheimer - Die Smooths Witzige Interpretation über das Leben nach dem Tod, fand ich sehr phantasievoll Dana Lione - Hoppla, eine Seele Faszinierend zu lesende Selbstbetrachtung eines ehemaligen Menschen, allerdings fehlte mir eine Pointe Valerie Loe - Ignis Tolle Drachengeschichte, die wunderbar funktioniert und Bilder entstehen lässt - davon würde ich auch mehr lesen Lyakon - Der Tempel auf der Teufelsley Wenn mich auch die Grundidee überzeugt, war die Geschichte selbst mit ihren Bezügen zu einer alten Sage aus der Eifel doch sehr trocken zu lesen. Dörte Müller - Böser Zwilling Hier sind mir eindeutig zu wenige phantastische Elemente enthalten; das ist doch eher ein Krimi als eine Fantasy-Storie. Als solcher gar nicht so übel. Patricia Rieger - Nebelflammen Hier punktet vor allem die intensive Figurenzeichnung und der Gedanke der Völkerverständigung - sehr gelungen! Barbara A. Ropertz - Das ewige Bernsteinfeuer Der Siegerbeitrag. Mir gefiel vor allem das Setting und die mythische Stimmung rund um die Nixen in der Müritz; die Geschichte selbst erschien mir etwas unfertig. Markus Sapel - Bauernopfer Mit dieser kurzen, mittelalterlich anmutenden Sequenz konnte ich gar nichts anfangen, das war einfach zu kurz. Boris Schneider - Warum Magier keine Familien haben Humorvolle Geschichte um einen Zauberer der Neuzeit und seine Probleme, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen. Funktioniert. Angela Stoll - Das Weibstück Intrigenspiel der Götter, am Ende zum Wohle der Menschen - das hat mir auch sehr gut gefallen Claudia Timpen - Magie der alten Zeit Der Kampf der Magier gegen den uralten Dämon Schattenfeuer, zielsicher in Szene gesetzt und wunderbar bildhaft dargestellt. Markus Veith - Merlin Merlin führt einen Monolog und stellt die Welt, wie wir sie kennen, auf den Kopf. Ein faszinierendes Stück Literatur, sprachlich auf hohem Niveau und für mich ein Höhepunkt der Anthologie. Alexander Weiz - Der Planet der Schmetterlinge Märchenhaft anmutende Parabel mit einer bildhaften Sprache, die Kopfkino zaubert. Fazit: was meine persönlichen Lesevorlieben betrifft, liefert die Anthologie ein sehr breite Bandbreite von sehr guten bis akzeptablen Geschichten, einen absoluten Flop konnte ich nicht ausmachen. Meine Einzelbewertungen führen zu einer Durchschnittsbewertung von gut 3 Sternen, für die tolle Idee lege ich noch einen Stern drauf und freu mich darüber, dass auf der Velagshomepage eine Wiederholung des Schreibwettbewerbs angekündigt ist. Ich bin als Leserin auf alle Fälle mit dabei, wenn es wieder so weit ist.

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