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krimi, comic

Kickback

David Lloyd
Flexibler Einband: 96 Seiten
Erschienen bei Egmont EHAPA, 15.02.2007
ISBN 9783770430802
Genre: Comics

Rezension:

David Lloyd ist Brite und ein alter Hase im Comic Business. Seit den späten Siebzigern zeichnet er. Am bekanntesten ist sicherlich sein Artwork für V wie Vendetta. Nun erscheint bei Ehapa der Titel Kickback, eine düstere Kriminalgeschichte über einen korrupten Polizisten. Es ist Lloyds erste Arbeit als Zeichner und Szenarist.

Die Hauptfigur in Kickback ist Joe Canelli. Er ist das Zentrum der Handlung, Lloyds Fixpunkt, um den er Ereignisse und Nebencharaktere anordnet. Die Geschichte spielt in Franklin City, einer fiktiven Stadt, die jede beliebige Großstadt sein könnte. Korruption hat an diesem Ort Fuß gefasst. Die örtlichen Ordnungshüter haben sich mit den Verbrechern arrangiert und kassieren dabei nebenher selber. Durch eine Kette von Ereignissen jedoch kommt das empfindliche Gleichgewicht zwischen Cops und Gangstern ins Schwanken. Plötzlich liegen jede Menge Leichen auf den Straßen, zuerst sind es Verbrecher, dann auch Polizisten.

Detective Canelli sollte eigentlich besser über die Hintergründe schweigen. Sein Chief rät ihm, den Mund zu halten und wichtige Fragen nicht weiter verfolgen. Die Öffentlichkeit muss nichts davon erfahren. Wie immer. So einfach ist die Sache für Canelli jedoch nicht. Sein Gewissen hat einen Stoß bekommen, er entscheidet sich zu handeln und etwas zu ändern. Er hat über die Jahre vergessen, woran er glaubt und was ihm wichtig ist. Sein Kampf gegen die korrupten Kollegen wird schließlich auch zu einem Kampf um seine Identität.

Kickback erschien bereits 2003 als französisches Album bei Edition Carabas. Im August 2006 veröffentlichte Dark Horse die Geschichte. Auf deutsch gibt es Kickback seit Februar 2007 bei Ehapa zu lesen.

Die Geschichte um und über Joe Canelli ist ein Crime noir, eine düstere Kriminalhandlung ohne viel Hoffnung und Humor. Wer jetzt sofort an Sin City denkt, liegt falsch. Die Erzählweise wird so manchen Leser an V wie Vendetta erinnern. In Kickback wird noch zurückhaltender mit Sprache umgegangen. Textboxen, die die Handlung erläutern oder zusammenfassen, kommen nicht vor. So fühlt sich Kickback stellenweise an wie ein Film, und die Bilder sprechen für sich selbst.

Bemerkenswert ist Lloyds außerordentlich dichte Erzählweise. Obwohl die ablaufende Handlung simpel ist, gelingt es ihm, Tiefe zu erzeugen und mehrere unterschiedliche Erzählstränge gleichzeitig voranzutreiben. Ein toller Comic, handwerklich außerordentlich anspruchsvoll, intelligent und vielschichtig.

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Tags: comic, krimi   (2)
 

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comic, märchen, fantasy, serie, ermittlung

Fables, Legenden im Exil

Bill Willingham , , ,
Flexibler Einband
Erschienen bei Panini, 17.01.2007
ISBN 9783866072695
Genre: Comics

Rezension:

Um »Fables« wurde im Vorfeld eine Menge Wind gemacht. Das Erscheinen der deutschen Erstausgabe führte in der Fangemeinde zu erleichtertem Aufatmen. Endlich! Es gibt wieder Vertigo/DC-Produkte. Seit die deutschen Lizenzen von Speed zu Panini gewechselt waren, rumorte es in Chats, Fanzines und Foren. Jetzt ist klar: Nicht nur die alten Serien werden wiederbelebt, sondern auch neue gestartet. Panini macht ernst.

Das Interesse an Vertigo ist verständlicherweise groß. Das DC-Label richtet sich mit seinem Programm an erwachsene Leser und sucht neue Themen fernab des abgegriffenen Superhelden-Kosmos zu etablieren. Anspruchsvoll, aber nicht langweilig, könnte das Motto der Vertigo-Serien lauten. Da geben sich Thriller wie »100 Bullets«, Horror-Western wie »Preacher« oder Science-Fiction-Szenarios wie »Planetary« ein munteres Stelldichein. Mit »Fables« öffnet sich nun ein neues Türchen ins Vertigo-Universum.

Die Geschichte spielt in New York. Aufgeregt und außer Atem reißt Jack die Tür zum Büro von Bigby Wolf auf. Etwas Schreckliches ist geschehen. Rose Red wurde ermordet... Naja, jedenfalls sieht es ganz so aus. Ihre Wohnung ist voller Blut, die Leiche verschwunden. Wolf lehnt sich zurück und zieht an einer Zigarette, während Jack vor seinem Schreibtisch fast zusammenbricht. Sieht ganz so aus, als würde ein neuer Fall auf ihn warten.

Sheriff Bigby Wolf ist eine der Hauptfiguren des ersten Fables-Bandes. Schnell gesellt sich eine zweite an seine Seite, Snow White, die Assistentin des Bürgermeisters. Sie ist eine entschlossene Karrierefrau, er ein unrasierter Underdog. In Teamarbeit versuchen die beiden gegensätzlichen Charaktere das Verschwinden von Rose Red aufzuklären.

»Fables 1 - Legenden im Exil« ist eine solide Detektivgeschichte. Es geht um Macht und Geld, ein bisschen vielleicht auch um Liebe und Gewalt. Wer jetzt allerdings einen Thriller oder ein explosives Actionszenario erwartet, liegt falsch. Die Geschichte spielt vor einem phantastisch-urbanen Hintergrund. »Fables« ist Urban Fantasy, ein bunter Mix aus Märchen, Mythen und Fabelwesen, angesiedelt in einer Großstadt. Neben dem Bösen Wolf, Schneewitchen und Rosenrot sind noch der Froschkönig, die böse Hexe und viele andere Märchenfiguren mit von der Partie. Sie wurden aus ihrer europäischen Heimat vertrieben und leben nun unerkannt im New Yorker Exil genannt Fabletown.

Die Idee ist nicht neu. Die Verschmelzung von phantastischen Elementen mit städtischem Alltag ist aufregend und populär. Serien wie »Sandman«, »Die Bücher der Magie« oder »Courtney Crumrin« zeugen bereits davon. »Fables« könnte also ein großer Wurf sein, schließlich hat die Serie einen Haufen Eisner Awards abgeräumt.

Leider ist der erste Band ein wenig enttäuschend. Autor Bill Willingham entwickelt auf der einen Seite eine saubere Kriminalhandlung, auf der anderen Seite einen sauberen Fantasy-Hintergrund. Die beiden Elemente finden jedoch nicht zueinander. Oder mit anderen Worten: Die Suche nach Rose Red würde auch prima ohne Fabelwesen und Märchen funktionieren. Sie ist irdisch und unphantastisch. Die auf dem Cover groß angekündigte Stadt der Märchen- und Sagenfiguren entpuppt sich als schnödes Bühnenbild für einen durchschnittlichen Kriminalplot.

Die Bildwelten von Lan Medina passen zum Inhalt. Im krassen Gegensatz zu den wundervollen Covern ist die Zeichenart im Inneren konservativ und glatt. Ruhige Puppengesichter und ruhige Panels bestimmen das Gesamtbild. Nur hin und wieder, in Rückblenden, hat sich Medina zu einer etwas gewagteren Seitenführung hinreißen lassen mit Splashpages und verschnörkelten Rahmen.

Trotz der Fantasy-Geschichte, die eigentlich gar keine ist, und trotz der langweiligen Bildwelten fällt ein wichtiges Detail positiv auf, nämlich die Charaktere. Sicher, irgendwie sind es für den Mainstream geeignete Stereotypen. Sie wirken jedoch ausgesprochen lebendig und grenzen sich klar voneinander ab. So tragen die Figuren den Leser über die solide Handlung und das märchenhafte Bühnenbild hinweg.

Zum Schluss gelingt es Bigby Wolf und Snow White herauszufinden, was mit Rose Red geschehen ist. Die Gemeinde von Fabletown kann aufatmen, der Fall ist gelöst. Der erste Band von »Fables« geht zuende, weitere werden folgen. Und das ist gut so. Denn Bill Willingham beherrscht das Grundspiel der Szenarios. Gut gearbeitet ist »Fables 1« ohne Zweifel. Aber zum Fliegen reicht es noch nicht. Denn ein wenig träumen möchte man schließlich, wozu sind Märchen sonst da? Vielleicht hat Willingham sich ja gerade erst warm gemacht.

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Tags: comic, fantasy   (2)
 

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comic, reihe, band 1, horror

Hölle auf Erden

Mike Carey , Mike Carey
Flexibler Einband
Erschienen bei Panini, 14.03.2007
ISBN 9783866073722
Genre: Comics

Rezension:

Trenchcoat, schlechte Rasur, Zigarette: John Constantine ist eine Ikone des amerikanischen Horror-Comics. Dabei ist der ironische Einzelgänger eigentlich Engländer durch und durch. Kaum ein anderer kennt sich mit Schwarzer Magie besser aus als er. In seinem neuesten Hellblazer-Abenteuer Hölle auf Erden erkundet er altbekanntes Terrain zwischen dem Inferno und dem Diesseits.

Autor Mike Carey und Zeichner Leonardo Manco erzählen die Geschichte einer eigentümlichen Seuche, die überall auf der Welt um sich greift. Die Krankheit lässt Menschen ins Koma fallen und ist offensichtlich dämonischer Natur. Wo die Ärzte vor einem unlösbaren Rätsel stehen, fängt die Arbeit von Constantine an. Die Nichte seines alten (und vielleicht einzigen) Freundes Chas ist ebenfalls betroffen. Die Angelegenheit ist also persönlich, und Constantines Motivation entsprechend hoch. Dennoch lässt er sich davon nichts anmerken. Die Nerven zu verlieren - das passt nicht zu einem Kerl wie John. Coolness ist Teil des Geschäfts.

Nach einem kurzen Vorgeplänkel in London begibt sich der Straßenmagier schließlich auf die Suche nach dem Ursprung der Seuche. Die Reise führt ihn nach Los Angeles, in die Stadt der Engel. Chas begleitet ihn, macht den Chauffeur und sorgt für so manchen Fehltritt, wenn Johns Gebahren einmal allzu glatt abläuft. Constantine findet heraus, dass die Hölle expandieren und in L. A. Filialen aufmachen will. Der Dämon Beroul, der es sich in einer verfallenen Villa in den Hügel bequem gemacht hat, benötigt dafür Johns Hilfe. Denn die Hölle ist vielgestaltig, und mehr als ein Seelenknechter möchte in Kalifornien Fuß fassen. Beroul hätte das Revier gerne für sich alleine und die Konkurrenten aus dem Weg. Die Seuche benutzt er als Druckmittel, um John für sich arbeiten zu lassen. Beim Poker um die Hölle von Los Angeles sitzt jedoch noch ein anderer Spieler am Tisch. John bringt den aztekischen Totengott Mictlantecuhtli mit in die Runde. Und der hat nicht vor, Berouls infernalischen Vormarschplänen tatenlos zusehen.

Obwohl es Spaß macht, Constantine dabei zu begleiten, wie er wieder einmal eine Partei gegen die andere ausspielt, bleibt Hölle auf Erden leider nur ein durchschnittliches Horror-Szenario. Irgendwie hat man stets das Gefühl, dass Constantine alles im Griff hat. Dabei gehört er eigentlich auf das zitternde Drahtseil, das die Hölle und die Welt der Menschen überspannt. Frühere Geschichten über den britischen Straßenmagier ließen ihn mehr wanken, das Szenario erschien insgesamt bedrohlicher. Kurz vor dem Abgrund, wo Dämonen sich die Lippen nach seiner Seele lecken, dort sollte Constantines Stammplatz eigentlich sein. In Hölle auf Erden ist er schnippisch, cool und lässig wie immer, aber so richtig nah am Abgrund steht er nicht.

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Tags: comic, horror   (2)
 

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superhelden, astro city, comic

Kurt Busiek´s Astro City: Der gefallene Engel

Kurt Busiek , Brent Eric Anderson
Pappbuch: 160 Seiten
Erschienen bei Panini
ISBN 9783866074224
Genre: Sonstiges

Rezension:

Eine goldene Regel aus dem Universum der Superhelden lautet: Keine Superhelden ohne Superschurken. Diese Regel gilt auch für Astro City, Kurt Busieks Comic-Spielwiese bei Wildstorm/DC. Die gefeierte Serie, früher bei Speed, wird heute bei Panini fortgesetzt. Im Mai erschien Der gefallene Engel, eine Geschichte über einen Superschurken der etwas anderen Sorte. Alles beginnt damit, dass der Häftling Carl Donewicz aus dem Gefängnis entlassen wird. Nach Jahren des Eingesperrtseins tauscht er seine orangefarbene Sträflingskluft gegen einen Anzug und ist wieder ein freier Mann. Allerdings ist Donewicz kein gewöhnlicher Knacki, sondern ein Superschurke. Seine Haut glänzt, sie ist aus kugelsicherem Stahl und macht ihn nahezu unverwundbar. Früher nannte man ihn Steel-Jacketed Man, oder nur kurz: Steeljack. Nun macht er sich auf den Weg zum Kiefer Square, einem heruntergekommenen Viertel von Astro City, wohin sich redliche Bürger in der Nacht besser nicht verirren. Donewicz ist hier aufgewachsen. Man kennt ihn, ein kleiner Verbrecher, der bis ganz nach oben wollte und doch irgendwo auf dem Weg dorthin abgestürzt ist. Solche wie Donewicz gibt es in Kiefer Square viele. Aber der entlassene Häftling, der früher Steeljack war, hat etwas gelernt. Er möchte um jeden Preis gut sein, so wie die Superhelden, die engelsgleich am Himmel ihre Kreise ziehen. Doch das ist leichter gesagt als getan. Legale Arbeit zu finden als Ex-Knacki ist schwierig, die Vergangenheit lastet schwer auf Donewicz, Selbstzweifel und Schuldgefühle plagen ihn. Im Kern ist Der gefallene Engel weniger Handlung als Portrait. Sicher, einen Plot gibt es auch, er ist solide und macht Spaß, doch wirklich stark machen diese Geschichte die herzlichen Momentaufnahmen eines Gefallenen, der wieder auf die Beine kommen möchte. Wer hätte gedacht, dass man auf einer Superhelden-Story auch solch sanfte Töne spielen kann?

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Tags: comic, superhelden   (2)
 

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fantasy, götter, neil gaiman, spinnen, mythologie

Anansi Boys

Neil Gaiman
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Heyne, 05.03.2007
ISBN 9783453265301
Genre: Fantasy

Rezension:

Neil Gaiman wird gemeinhin als Fantasy-Autor bezeichnet. Dieser Begriff weckt vage Assoziationen an Elfen und Drachen, an Zwerge, verzauberte Schwerter und tausend andere Dinge, die dem Klischee entsprechen. Wer den Begriff Fantasy jedoch nur in den engen Bahnen von Harry Potter, Lord of the Rings und Narnia denkt, wird überrascht sein, mit welch erfrischendem Geschick Gaiman dem Genre neues Leben einhaucht.

In seinem kürzlich auf deutsch erschienenen Roman Anansi Boys kommen weder Elfen oder Drachen noch Zwerge oder Zauberschwerter vor. Das muss nicht sein, das haben andere schon vor ihm gemacht. Die Geschichte spielt im Hier und Jetzt, wobei Hier zu gleichen Teilen London und Florida meint, einen kurzen Abstecher auf eine Pazifik-Insel ausgeschlossen. Der phantastische Teil von Anansi Boys ist eng mit der Realität verwoben. Der Leser bemerkt zunächst gar nicht unbedingt, dass er sich in einem Fantasy-Szenario befindet. Wenn Gaiman im ersten Kapitel seine Hauptfigur Charles Nancy vorstellt (den alle nur Fat Charlie nennen, obwohl er gar nicht dick ist) und ihn berichten lässt, wie und auf welche Weise sein Vater in einer Karaoke-Bar starb, erscheint alles zunächst nur etwas merkwürdig und eigenartig, vielleicht nur eine lange Reihe von Zufällen. Dennoch enthält der Text verborgene Hinweise, Bruchstücke eines großen Ganzen, das die Geschichte überwölbt.

Fat Charlies Vater starb singend, angetrunken, auf einer Bühne in einer Bar. Er brach plötzlich zusammen, fiel vornüber und landete mit der Nase in dem ausladenden Ausschnitt einer blonden Touristin, mit der er kurz zuvor noch geflirtet hatte. Das ist ein Abgang, der für ein ganzes Leben stehen kann. Als Fat Charlie auf der Beerdigung seines Vaters erfährt, dass er einen Bruder hat, beginnt für den Leser das Spiel mit der Wirklichkeit. Charlie, dessen psychische Konstitution hart auf die Probe gestellt wurde und dessen Leben wahrlich kein Zuckerschlecken ist, könnte in seiner Not einen Bruder erfunden haben, der genau so ist, wie er selbst schon immer sein wollte. Während Fat Charlie träge, geduldig und gutmütig ist, benimmt sich sein Bruder wie das genaue Gegenteil: Er ist frech, unruhig und clever. Irgendwie ähnelt er dem jungen Frank Sinatra. Dieser Bruder heißt Spider, und der Leser darf sich fragen, ob ihm da nur ein äußerst skurril-witziges Familientreffen vorgesetzt wird oder ob er Einblick in die schizophrene Innenwelt der Hauptfigur erhält.

Durch Spider gewinnt Fat Charlie Einblick in eine völlig neue Welt. Er lernt, dass die Dinge nicht statisch sind, was ihm neue Perspektiven auf seine Beziehung zu der gutherzig-langweiligen Rosie Noah eröffnet als auch auf seinen Job in dem Künstler-Büro des verschlagenen Grahame Coats. Lange hält Fat Charlie es jedoch mit Spider nicht aus. Er bringt Charlies Leben völlig durcheinander. Und Spider will nicht wieder von selbst verschwinden, sondern es sich im Leben seines Bruders richtig gemütlich machen. Ob es Charlie hilft, den Teufel mit Belzebub auszutreiben?

Hier und da wird behauptet, Anansi Boys sei der Nachfolger von Gaimans Roman American Gods. Abgesehen von der Idee, dass einige alte Götter unerkannt unter den Menschen leben, haben beide Romane jedoch keinerlei Berührungspunkte. Hinzu kommt, dass die Geschichte von Anansi Boys kompakter ist, irgendwie runder als American Gods, das größtenteils eine lockere Aneinanderreihung von Ereignissen war. Gaiman, der ein großartiger Erzähler von Kurzgeschichten ist, wie die Anthologie Die Messerkönigin und die Comic-Serie Sandman zeigen, wird geübter mit Romanen. Und er wird freundlicher, sanfter. Anansi Boys ist hauptsächlich eine lustige Geschichte, bunt geschmückt mit originellen Details und witzigen Figuren. Mancher Leser, der beispielsweise Niemalsland mochte, wird die dunklen, ekelhaften und gewalttätigen Nuancen vermissen, die Gaiman ebenso beherrscht wie das Humorvolle. Was Romane angeht, ist Gaiman also noch längst nicht am Ende seines Könnens angelangt. Sein nächster Roman möge bitte genau so geschlossen und rund sein wie Anansi Boys, aber bitte einen Schuss bösartiger, mit mehr Action und Gänsehaut. Und – hier eine Bitte an den deutschen Hersteller – mit einer besseren Übersetzung. Die holpert nämlich leider viel zu oft bei der deutschen Fassung von Anansi Boys.

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krimi, liebe, spannung, comic

Criminal / Feigling

Ed Brubaker , Sean Phillips
Flexibler Einband: 128 Seiten
Erschienen bei Panini, 16.01.2008
ISBN 9783866075702
Genre: Comics

Rezension:

„Ich will eine Geschichte erzählen, die sich wenigstens so anfühlt, als könnte sie wahr sein“, so Ed Brubacker (Daredevil) in einem Comicgate-Interview. Was der Comic-Autor damit meint, versteht jeder, der seine neue Serie Criminal gelesen hat. Die Hauptfigur, Leo, ist ein Verbrecher von Geburt an. Sein Vater drehte schon krumme Dinger, jetzt tritt Leo in seine Fußstapfen. Er hat nichts anderes gelernt, beinahe hat das Verbrechen in seiner Familie Tradition. Es ist Leos Handwerk, und er geht gerne auf Nummer sicher. Deswegen heißt der erste Mehrteiler der Serie auch Feigling. Diesen Ruf genießt Leo nämlich im Milieu. Vorsichtig, vorsichtiger, Leo, lästern seine zwielichtigen Kollegen gerne hinter seinem Rücken. Über Brubackers erfolgreiche Eigenschöpfung dürfen vorab zwei Dinge verraten werden. Erstens: Die Leser werden Zeugen davon, wie Leo seine eisernen Regeln bricht. Er wirft alle Vorsicht über Bord und geht ein Risiko ein. Natürlich wird es dabei persönlich. Zweitens: Wenn es schon persönlich wird, geht es am besten um eine Frau. Sie heißt in diesem Fall Greta, ist ein Ex-Junkie und ein vollbusiger Traum mit kastanienbraunem Haar. Und damit das Ganze richtig in Fahrt kommt, gibt es eine fette Beute, eine Handvoll Tote und ein paar Verräter. Mit Scene of the Crime und Sleeper stieß Brubacker schon früher in ein ähnliches Horn. Jetzt hat er mit dem Zeichner Sean Phillips (Marvel Zombies) an seiner Seite einen weiteren beachtlichen Krimi nachgelegt. An Criminal sieht man: Nach den Superhelden ist Ed Brubacker soweit, sein eigenes Ding zu machen. Toll gezeichnet, spannend erzählt und durchweg überzeugend.

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comic, fantasy

Der Lehrling des Magiers

Raymond Feist
Flexibler Einband: 144 Seiten
Erschienen bei Panini, 15.11.2007
ISBN 9783866075030
Genre: Fantasy

Rezension:

Mit Raymond E. Feists Der Lehrling des Magiers veröffentlicht Panini Comics ein weiteres Bruchstück aus seinem wachsenden Fantasy-Segment. Darin geht es um Freundschaft, Lehrjahre und die erste große Liebe. Aber Drachen und Trolle kommen auch vor, keine Sorge.

Panini gilt gemeinhin als Verlag der Superhelden. Batman, Superman, Spider-Man und die Fantastischen Vier verlassen dort jeden Monat Hand in Hand die Druckerpresse, frisch verpackt und eingeschweißt, bereit und versandfertig für den Kiosk. Wer jedoch genauer hinsieht, stellt fest, dass Panini noch mehr als Superhelden zu bieten hat. Mittlerweile beackert der Verlag eine ganze Reihe unterschiedlicher Segmente. Neben den Helden in Strumpfhosen erscheinen dort auch Comics zu Filmen und Fernsehserien (Star Wars, Buffy), zu Computer- und Rollenspielen (Silent Hill, Hellgate, Warhammer 40.000) sowie jede Menge Literatur für adoleszentes Publikum (Criminal, Sandman, DMZ). Von der riesigen Auswahl an Mangas einmal ganz zu schweigen.

Ein weiteres, kontinuierlich von Panini erschlossenes Segment sind Fantasy-Comics. Als Vorlage solcher Comics dienen Romane, die sich in der Vergangenheit bereits erfolgreich ein Publikum erobert haben. Dragonlance, Elric und Conan zum Beispiel sind seit langer Zeit Fixsterne am Himmel der Fantasy-Literatur, und es ist zu erwarten, dass eingefleischte Fans der Romanvorlagen auch bei den Comics zugreifen werden.

Mit Raymond E. Feists Der Lehrling des Magiers befinden wir uns mitten drin. Paninis Fantasy-Comics wenden sich weniger an ein erwachsenes, sondern eher an ein jugendliches Publikum. So auch die Geschichte um die beiden Freunde Pug und Tomas. Sie wachsen zusammen auf Schloss Crydee in dem fantastischen Reich Midkemia auf. Als es Zeit wird, einen Lehrmeister zu suchen und eine Ausbildung anzufangen, kommt der athletische Tomas bei dem Schwertmeister Fannon unter. Er wird zu einem Krieger herangezogen und im Umgang mit der Klinge trainiert. Pug hingegen geht bei dem Meistermagier Kulgan in die Lehre und zeigt dort einiges Geschick und Talent. Die Freundschaft und die Lehrzeit der beiden Jungen bilden einen wichtigen Teil der Geschichte. Später kommen noch andere Momente hinzu, beispielsweise Pugs Gefühle für die schöne Prinzessin Carline oder eine Bedrohung aus einer anderen Dimension.

An die Grenzen des durch Comics Erfahrbaren führt dieser Comic sicherlich nicht. Ihm haftet eben jene merkwürdige Sperrigkeit an, die häufig entsteht, wenn ein Roman zu einem Comic umgeschrieben wird. Die Figuren sind ein wenig zu glatt und konturlos, zwar unterscheidbar, aber eben doch noch zu nah am Klischee, um frisch und lebendig zu wirken. Sieht man von dieser grundlegenden Schwäche der Charakterisierung und der Atmosphäre einmal ab, funktioniert Der Lehrling des Magiers bemerkenswert gut. Die verschiedenen Handlungsebenen greifen gut ineinander über, und trotz der Fülle von Nebenfiguren behält der Leser die Übersicht. Optisch macht außerdem die erste Hälfte von Brett Booth einiges her. (Die zweite Hälfte des Bandes von Ryan Stegman fällt hingegen etwas schwächer aus.)

Thematisch ist Der Lehrling des Magiers ein Comic für Jugendliche. Es geht um Aufbruch und Lehrzeit, um die Fragen, wer man ist und wohin man im Leben gehört. Durchmischt wird das Ganze mit Miniaturdrachen, Trollen, Feuerbällen und Elfen. Ein innovativer Comic ist das nicht. Aber es ist solide Fantasy, die ja schon immer gerne etwas konservativ daherkam.

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comic, bagdad, tiere, irak

Die Löwen von Bagdad

Brian K. Vaughan , Niko Henrichon
Flexibler Einband: 136 Seiten
Erschienen bei Panini, 15.11.2007
ISBN 9783866074859
Genre: Comics

Rezension:

Was ist eigentlich ein Symbol? Schwierige Frage. Wahrscheinlich könnte man ein ganzes 2-Zimmer-Appartement mit Büchern zu diesem Thema füllen. Das ginge jedoch für eine Comic-Rezension zu weit. Nehmen wir für den Augenblick einfach an, dass ein Symbol ein Zeichen mit einer Bedeutung ist. Die Bedeutung und das Zeichen müssen einer bestimmten, nicht zu kleinen Gruppe von Menschen bekannt sein, damit von einem Symbol gesprochen werden kann. Außerdem darf ein Symbol nicht zweideutig sein. Jedem Zeichen kommt somit nur eine Bedeutung zu, nicht mehr und nicht weniger.

Die Graphic Novel Die Löwen von Bagdad hat bereits im Titel zwei Symbole, nämlich den Löwen und Bagdad. Erinnerungen an Disneys König der Löwen werden wach, nicht ohne Grund. Mit dem Löwen verbindet man im Allgemeinen den König der Tiere. Im Disney-Film wurde dieses Symbol aufgegriffen und neu bearbeitet, es knüpft jedoch an ältere Vorbilder an. In der Fabel ist der Löwe der Stolze, der Ehrenhafte und der Kühne, ein Vorbild und eine Leitfigur. Den Löwen als literarische Figur denken wir uns generell als etwas Majestätisches. Das zweite Symbol ist Bagdad. Gemeint ist nicht die wirkliche Stadt, sondern vielmehr das, was das Wort Bagdad in den Köpfen der Leser bedeutet. Die wirkliche Stadt kommt in dem Comic natürlich nicht vor, das ist gar nicht möglich, sondern bloß ihre literarische Abbildung, eine Interpretation, wenn man so will. Ob Bagdad schon ein Symbol ist, bleibt im Gegensatz zu dem Löwen ungewiss. Sicher ist, dass viele Leser beim Namen dieser Stadt an den Irak und an Saddam Hussein, an Öl und Panzer, an Wüste und an Moscheen denken werden. Und vielleicht auch an den Golfkrieg. Sollte jemand andere Assoziationen hegen, wird er schon bei flüchtigem Durchblättern in die richtige Richtung gestoßen.

Die Hauptfiguren der Geschichte sind die vier Löwen Zill, Noor, Safa und Ali. Sie leben im Zoo von Bagdad, als amerikanische Flugzeuge die Stadt angreifen. Es ist das Jahr 2003, der jüngste Golfkrieg ist in vollem Gange. Prophetisch schreit ein Vogel: „Der Himmel stürzt ein! Der Himmel stürzt ein!“ Was nach Asterix klingt, ist hier ernst gemeint. Kurz darauf bersten die Wände des Geheges und die Tiere kommen frei. Für die vier Löwen beginnt ein zielloser Fußmarsch durch die zerstörte Stadt.

Zurück zu den Symbolen. Comic-Autor Brian K. Vaughan weiß, was Symbole bedeuten und wie sie funktionieren. Einen wichtigen Hinweis darauf liefert er mit den Worten der Riesenschildkröte, die den Löwen auf ihrer Reise begegnet: „Alles hat einen Namen. Damit macht man klar, dass einem irgendwelcher Kram gehört.“ Und: „Es sind nur Symbole. Menschen sagen nie, was sie meinen.“ Um es kurz zu machen: Symbole sind ein wichtiges Instrument der Macht. Sie dienen dazu, Macht darzustellen und Menschen zu lenken. Wer das nicht glaubt, sollte sich einmal Gedanken darüber machen, warum zum Beispiel den Astronauten von Apollo 11 das Aufstellen der US-Flagge auf dem Mond so verdammt wichtig war.

Symbole, Macht - in Die Löwen von Bagdad geht es zweifelsohne um Politik. Es soll keine kurzweilige Tiergeschichte sein, sondern ein Kommentar zur US-Politik im Nahen Osten, vermittelt durch Tiere. Comic-Kenner dürften das erwartet haben, denn Brian K. Vaughans wichtigste Serien Ex Machina und Y - The Last Man haben schließlich auch eine elementare politische Dimension.

Wie sieht nun der politische Kommentar aus, den Vaughan in Die Löwen von Bagdad versteckt? Man kann versuchen, das an den beiden Löwinnen Safa und Noor greifbar zu machen. Safa ist die alte Löwin, einäugig, gezeichnet von der Außenwelt. Sie zieht das Gefängnis des Zoos der Alternative in Freiheit vor. Man könnte sagen, sie symbolisiert den Teil der irakischen Bevölkerung, der sich mit der Diktatur arrangiert hatte und keine Veränderung wollte. Noor ist Safas Antagonistin. Sie will die Freiheit und plant schon vor dem schicksalhaften Luftangriff, irgendwie aus dem Zoo zu entkommen. Sie könnte ein Symbol für den Teil der Iraker sein, die sich wehren und die Diktatur abschaffen wollten. Freiheit ist also das Stichwort. Zum Symbol der Freiheit wird der Horizont, den die Löwen im Gehege wegen der Mauern nicht sehen können. Der Junglöwe Ali weiß nicht einmal, was ein Horizont ist, weil er in Gefangenschaft geboren wurde.

Als die Zoo-Mauern dann unerwartet von den US-Fliegern eingerissen werden, steht Noor der neu gewonnenen Freiheit skeptisch gegenüber. „Freiheit kann einem nicht geschenkt werden, man muss sie verdienen.“ Angewendet auf die US-Politik im Irak könnte man Vaughans Kommentar in Die Löwen von Bagdad so verstehen: Die irakische Bevölkerung hätte sich besser selbst von der Diktatur Saddam Husseins befreien sollen, als amerikanische Hilfe aufgedrückt zu bekommen. Die Löwen wurden schließlich nicht gefragt, ob amerikanische Bomben ihr Gehege einreißen sollen. Die Folgen sind Rat- und Ziellosigkeit und das seltsame Gefühl, dass irgendetwas nicht richtig ist. Am Ende erblicken die Löwen den Horizont, aber die Gefühle dabei bleiben zwiespältig.

Natürlich schreibt Vaughan nicht für ein irakisches, sondern für ein amerikanisches Publikum. Er versucht zu vermitteln, wie das Eingreifen der USA im Irak wahrgenommen wird, und zu erklären, warum sich nicht der Großteil der Iraker ausgelassen über die Befreiung durch die Amerikaner freut. Die Löwen von Bagdad ist eine Arbeit für mehr Verständnis und eine Darstellung der Ambivalenz politischer Entscheidungen. Vaughan ist vorsichtig, versucht Pathos möglichst zu vermeiden und bringt den Irakern in Gestalt der Löwen sehr viel Respekt entgegen. Ob man seine Ansichten teilt, bleibt natürlich Sache des persönlichen Standpunktes. Raffiniert gemacht bleibt der Comic Die Löwen von Bagdad allemal.

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Tags: bagdad, comic, irak   (3)
 

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comic, mittelalter, petersen, herbst 1152, mouse guard

Mouse Guard 1

David Petersen
Fester Einband
Erschienen bei Cross Cult, 18.04.2008
ISBN 9783936480559
Genre: Comics

Rezension:

Einen der interessantesten Unterhaltungscomics des Jahres brachte Cross Cult mit auf den Comic-Salon: Mouse Guard, gezeichnet und geschrieben von dem amerikanischen Comic-Neuling David Petersen. In einem ungewöhnlichen, nämlich: quadratischen Format erzählt er die Geschichte der drei Mäuse Lieam, Kenzie und Saxon. Sie sind Mitglieder der berühmten Mäusewache, so der Name eines Ritterbundes, der die Städte, Wege und Grenzen des kleinen, verborgenen Mäusereiches beschützt. Schutz ist auch bitter nötig, denn Gefahren gibt es genug: Schlangen, Krebse und Verräter in den eigenen Reihen machen den Mäusen das Leben schwer. Ihren Hauptsitz hat die Mäusewache in der Burg Lockhaven, wo Oberin Gwendolyn den Einsatz ihrer tapferen Mäuse leitet. Mäuse im Mittelalter – die Idee ist klasse, noch dazu, wenn sie grafisch so exzellent umgesetzt wurde wie bei Mouse Guard. Obwohl Petersens Comic beim Max-und-Moritz-Preis in der Kategorie Bester Comic für Kinder lief, haftet der Geschichte wenig Kindliches an. Mouse Guard hat eine ernste Grundstimmung. Themen wie Pflichtgefühl, Treue, Ehre und Freundschaft werden angerissen, ohne durch Glamour oder Oberflächlichkeit überdeckt zu werden. Obwohl die erzählte Handlung eigentlich nicht sonderlich komplex ist, fühlt es sich so an, als würde man einen Blick in ein völlig neues, winziges Universum werfen. Petersen weiß, wer seine Charaktere sind und was in den Jahren vor der erzählten Handlung geschehen ist, wertvolle Vorarbeit, die seinem Werk die nötige Dichte verleiht. Mouse Guard lotet die Grenzen des Mediums Comic aus, optisch sehr nah am Bilderbuch, atmosphärisch sehr dicht am Fantasy-Epos, in der Ganzheit außergewöhnlich inspirierend. Petersen arbeitet bereits an einer Fortsetzung.

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neil gaiman, sandman, fantasy, the sandman, comic

Die Zeit des Nebels

Neil Gaiman
Flexibler Einband
Erschienen bei Feest, M.
ISBN 9783928108386
Genre: Comics

Rezension:

Mit dem Sandman schuf Neil Gaiman einen Meilenstein der Comic-Literatur. Die gesamte Geschichte ist eine Kollage aus unzähligen Mythen und Märchen, in deren Mittelpunkt Morpheus steht, der Herrscher über das Traumreich. Immer wieder gibt es Zeit- und Dimensionssprünge. Der gesamte Plot erstreckt sich über etliche Jahrtausende. Der Sandman ist groß, unterhaltsam und anspruchsvoll. Der Einstieg fällt nicht gerade leicht. So ist es auch mit Die Zeit des Nebels, dem vierten Sandman-Band der Panini Neuedition. Unzählige Fäden laufen zusammen und trennen sich wieder. Der Leser muss viel herumtasten und versteht nur einen Teil, während ihm ein anderer spürbar verborgen bleibt. Trotz des Metaplots bleibt ein Handlungsgerüst bestehen. Im Zentrum steht Luzifers Entschluss, die Hölle zu schließen. Im wahrsten Sinne des Wortes: Der Höllenfürst geht herum und schließt mit einem Knochenschlüssel alle Ein- und Ausgänge ab. Vorher hat er jedoch die Dämonen und Verdammten rausgeworfen. Die sollen sehen, wo sie bleiben. Der Teufel hat keine Lust mehr auf seinen Job. Die Hölle ist leer, und Luzifer macht Morpheus den Knochenschlüssel zum Geschenk. Ein hämisches Grinsen kann er sich dabei nicht verkneifen. Denn dieses Geschenk ist ein Fluch. Schon kurze Zeit später laufen im Schloss von Morpheus immer mehr Gruppen auf, die ihren Anspruch auf die Hölle durchsetzen wollen. Wer noch nicht mit dem Sandman in Berührung gekommen ist, wird mit diesem Band zwei Erfahrungen machen, die charakteristisch für die gesamte Serie sind. Erstens wird er nicht sofort jede Handlung und Figur einordnen können. Nach dem Lesen bleibt ein Gefühl zurück, als wären kleine Lücken in der Geschichte geblieben, die anderswo gefüllt werden. Zweitens wird er den unglaublichen Sog spüren, der dem Sandman anhaftet. Die Zeit des Nebels ist Teil eines großen, vielschichtigen Ganzen, das sich erst nach und nach vollständig entfaltet. Wer am Ende eines Buches gerne alle offenen Fragen geklärt haben möchte, ist mit dem Sandman schlecht beraten. Urlaubslektüre ist das nicht. Wer aber groß angelegte Fantasy-Epen mag, wird um den Sandman nicht herumkommen. Für solche Leser ist Die Zeit des Nebels genau der richtige Einstieg. Denn hier tauchen alle Figuren auf, die später eine Rolle im Sandman-Universum spielen werden. Irgendwann einmal, in einem anderen Band.

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superhelden, batman, comic

Batman: Schwarz-Weiß Collection

Jim Lee , Alex Ross , Frank Miller
Flexibler Einband: 216 Seiten
Erschienen bei Panini, 12.02.2008
ISBN 9783866075788
Genre: Comics

Rezension:

Viel macht das Cover nicht her. Unter dem Titel der Batman: Schwarz-Weiß Collection, die diese Tage bei Panini erschienen ist, steht Gothams Crime-Fighter-Nummer 1 einfach nur da. Er blickt ruhig und ernst. Die in diesem Band versammelten Kurzgeschichten sind aber alles andere als das. Das wilde Spiel ohne Farbe hat begonnen. Der Dunkle Ritter wandelt auf ungewohnten Wegen.

Batmans schwarzweiße Abenteuer kommen ausgesprochen kurzweilig daher. Kein langer Handlungsaufbau, keine endlosen Spannungsbögen, sondern Momentaufnahmen von Gotham und dem dunklen Ritter, unterhaltsam, actionreich und manchmal sogar witzig. Das liest sich nicht nur daheim auf dem Sofa gut, das geht auch Zwischendurch. Denn jede der 25 Episoden ist acht Seiten lang und kann problemlos zwischen zwei Bus-Stationen, während der Mittagspause oder auf dem Bürgeramt gelesen werden.

Doch ein Bündel kurzer Geschichten muss noch nicht zwangsläufig für Lesespaß sorgen. Gut geschrieben müssen sie außerdem sein, reich an Ideen und pfiffig erzählt, sonst kommt Langeweile auf. Zum Glück halten die meisten Episoden diesem Anspruch stand. Oder umgekehrt ausgedrückt: In diesem Band stecken viele gute Ideen und raffinierte Tricksereien. Die Episode Schwarz-Weiß-Banditen von Dave Gibbons ist dafür ein gutes Beispiel. Die recht klassische Handlung rankt sich um einen Dieb, der sich vornehmlich Kunstgegenstände unter den Nagel reißt. Der Clou an der Sache: Er steht auf alles, was Schwarzweiß ist. Er ist ein Collector mit einem Tick und sammelt Dalmatiner, Zebras, Schachbretter sowie Yin-und-Yang-Symbole. Ein weiterer Kniff an der Story: Immer wieder kommen Wortspiele vor, die eine Farbe verwenden. „Bei diesem bunten Kitsch sehe ich einfach nur Rot!“ So entwirft Gibbons eine ziemlich einfache Crime-Fighter-Story, in der er immer wieder zwischen Sprach- und Farbwitz hin- und hertänzelt.

Das Spiel mit Worten mögen auch Michael Golden und Jason Pearson. In Die Pointe geht es eigentlich nur um eine simple Verfolgungsjagd. Jokers geschminkte Häscher werden von Batman über die Hochhausdächer der Stadt gejagt. Zwischendurch kommt es zu einer Schlägerei zwischen dem Maskierten und den Clowns. Ungewöhnlich: Der Blick nimmt Abstand und zeigt das Geschehen aus großer Entfernung. So richtig mittendrin in dieser Action-Szene ist der Leser nicht mehr. Bis er die Werbeschilder der umliegenden Hochhäuser bemerkt. Sie liefern die altbekannten Soundwords zur Prügellei: Kick! Bam! Crack! Bonk! Das bei der Leuchtreklame Power die Buchstaben -er kaputt sind, ist natürlich kein Zufall.

Bisher klingt das nur nach Spielereien an der Oberfläche. Hinzu kommen aber auch inhaltliche Perlen, wie beispielsweise die Episode Fette Stadt, sowohl optisch als auch inhaltlich das gewagteste Experiment in diesem Batman-Band. Darin geht es um ein Ungeheuer, das dem Blop ähnelt und in der Kanalisation haust. Und um fette Leute. In Der Ruf, einem Batman-Superman-Crossover, nutzen Mark Schultz und Claudio Castellini die Gelegenheit, das Verhältnis zwischen den beiden Helden-Ikonen ins rechte Licht zu rücken. Und in Fallstudie wird die Frage aufgeworfen, ob der Joker ein kriminelles Genie oder nur ein einfacher Wahnsinniger ist. Dabei erhält der Leser ganz nebenbei Einblicke in die Zeit vor seiner Karriere als Superschurke.

Das sind nur einige wenige Beispiele aus der Batman: Schwarz-Weiß Collection, die dem Leser nicht mehr als einen Eindruck davon vermitteln können, was ihn erwartet. Der große Facettenreichtum des Bandes braucht schon fast nicht mehr erwähnt zu werden. Sowohl der klassische Batman kommt vor, freundlich und höflich, ein Vorbild ganz im Sinne des Establishments, als auch der moderne Batman, dunkel, düster und unheimlich. Es gibt realistische Episoden und humorvolle Episoden. Mal nähern sich die Zeichnungen der Fotographie, mal dem Cartoon. Qualitativ ist der Großteil der Episoden prima. Nur ein paar Abschnitte sind Mist, bei einem so dicken Sammelband nicht anders zu erwarten.

In erster Linie ist der Band der Batman: Schwarz-Weiß Collection ein toller Lesespaß. Auf den zweiten Blick leistet er jedoch noch mehr. Das wird augenfällig, wenn man einen Blick auf die laufenden Serien um den dunklen Ritter aus Gotham wirft. Batman ist eine Figur des Mainstreams. Er belegt auf der Liste der beliebtesten Superhelden einen der ersten Plätze. Die Leser lieben Batman, und so verwundert es nicht, dass sich hinter seinem Umhang eine gewaltige Geld- und Zeichenmaschine verbirgt. Um diese Maschine am Laufen zu halten, werden große Experimente selten gewagt. Batman muss Mainstream bleiben. Eben hier liegt eine Leistung des vorliegenden Bandes. Denn das Rudel an Zeichnern und Autoren hat es sich nicht nehmen lassen, die Tiefen der Figur neu auszuloten. Oft funktioniert das sehr gut, manchmal auch sehr schlecht, aber es ist nie ein Batman aus der Retorte, der da über die Seiten tobt. Batman ist in diesem Band weniger glattes Industrieprodukt als sonst, sondern versprüht einen Hauch von Independent-Comic. Der dunkle Ritter als Experiment. Das ist lebendig, frisch und unterhaltsam.

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buffy, comic, jägerin, vampire, joss whedon

Buffy The Vampire Slayer (Staffel 8)

Joss Whedon , Georges Jeanty , Paul Lee , Andy Owens
Flexibler Einband
Erschienen bei Panini, 12.02.2008
ISBN 9783866074774
Genre: Comics

Rezension:

Die Fangemeinde war entsetzt, als 2003 die Nachricht bekannt wurde: "Buffy – Im Bann der Dämonen" sollte abgesetzt werden. Nach der siebten Staffel sollte endgültig Schluss sein mit der Horror-Serie. Sarah Michelle Gellar alias Buffy die Jägerin würde nun nicht mehr allwöchentlich über den Bildschirm flimmern und Dämonen und Vampiren die Seele aus dem Leib prügeln. Besonders traurig darüber dürfte Joss Whedon gewesen sein, der Erfinder von Buffy. Was sollte er nun mit dem Skript der achten Staffel anfangen, das in seiner Schreibtischschublade schlummerte und auf dessen Umsetzung tausende Buffy-Fans sehnsüchtig warteten? Nun erscheint in Zusammenarbeit mit Dark Horse die achte Buffy-Staffel als Comic, hierzulande verlegt von Panini. Buffy-Fans dürfte das Herz höher schlagen. Und wer nicht regelmäßig die TV-Serie geguckt hat, dürfte Schwierigkeiten haben, jeden Hinweis zu verstehen, der in den Sprechblasen untergebracht ist. Trotzdem funktioniert der erste Comic-Band recht gut. Den zwei enthaltenden Kurzgeschichten kann man auch als Newbie amüsiert folgen, ohne immer genau zu wissen, worum es eigentlich geht. Die Jägerinnen sind jetzt eine international agierende Eingreiftruppe, die sich dem ewigen Kampf mit dem so genannten Urbösen verschrieben hat. Konkret bedeutet das: Schlägereien mit Zombies, gehörnten Dämonen, bösen Hexen und anderen Unholden. Leider fehlt das Highschool-Flair. Dafür sind Dawn, Willow, Xander und der Rest der Bande wieder mit dabei. Und – was besonders wichtig ist – die Sprüche sitzen. („Das ist der billigste Opferdolch, den ich je gesehen habe.“) So ist die Comic-Version von Buffy jedem Fan wärmstens zu empfehlen. Comic-Enthusiasten hingegen sollten vielleicht lieber noch einmal ihren liebsten Hellboy-Band lesen. Das ist dann weniger Merchandising und mehr sinistre Atmosphäre.

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hellboy, comic, düster, b.u.a.p., horror

B.U.A.P. 6

Guy Davis , John Arcudi , Mike Mignola , Mike Mignola
Fester Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Cross Cult, 01.12.2008
ISBN 9783936480856
Genre: Comics

Rezension:

Die Behörde mit dem komischen Namen ist wieder zurück. Wer es noch nicht weiß: B.U.A.P. steht für: Behörde zur Untersuchung und Abwehr paranormaler Erscheinungen. Der Hauptsitz der Organisation wider die bösen Mächte liegt in Colorado, das prominenteste Mitglied ist Hellboy. Der ist jedoch inzwischen ausgestiegen und untergetaucht. Er geht seine eigenen Wege. Zuletzt wurde er mit der Hexe Babajaga in der Zwischenwelt gesehen. Ohne ihn bleiben zum Böse-Monster-Verkloppen: der Fischmensch Abe Sapien, die Feuerteufelin Liz Sherman, der Untote Captain Daimo, Dr. Kate Corrigan und die Ektoplasma-Projektion Johann Kraus. Früher gab es noch den Homunkulus Roger, aber der ist mittlerweile passé, ausgeschieden ins Totenreich, wenn es denn solch einen Ort für künstliche Lebensformen überhaupt gibt.

Wer jetzt das Gefühl bekommen hat, dass es vorab einen ganzen Haufen Figuren, Ereignisse, Orte und anderes Zeug zu erklären gibt, liegt gar nicht so falsch. Denn B.U.A.P. ist ein Spinoff der Hellboy-Serie und tut genau das, was man eben von einem Spinoff erwarten kann: Es füllt Lücken und konsolidiert die bestehende Welt, spinnt sie dabei ein bisschen weiter und gibt den Fans der Serie Lesefutter, das so ähnlich schmeckt und aussieht wie das Original. B.U.A.P. ist eine großartige Spinoff-Serie, vielleicht eine der besten fortlaufenden US-Horror-Serien dieser Tage.

Das neue Abenteuer »Garten der Seelen« dreht sich um die Vergangenheit von Abe Sapien. Er reist nach Indonesien, wo er einige sehr alte Bekannte aus dem 19. Jahrhundert wiedertrifft. Sie können ihm Auskunft über seine nicht sonderlich rühmliche Vergangenheit geben. Andeutungen auf Abes menschliche Existenz hatte es in früheren B.U.A.P.-Bänden schon gegeben. Die Versprechen, die dem Leser dort gemacht wurden, werden jetzt eingelöst. Wer jedoch finsteren Horror sucht, für den Hellboy und seine Kumpels so bekannt sind, wird sich mit »Garten der Seelen« keinen Gefallen tun. Die Handlung ist nicht sonderlich komplex, Hintergründe und Figuren sind gut und mit genügend Platz dargestellt, doch geht die ganze Sache dieses Mal eher in Richtung Abenteuergeschichte: Inseln, Urwälder, exotische Tiere – da winken Indiana Jones oder Corto Maltese aus der Ferne. Die gesamte Geschichte ist rund, gut erzählt, voller origineller Details und grafisch toll von Guy Davis umgesetzt. Wer sich also nicht an dem Weniger an Horror und dem Mehr an Abenteuer stört, wird an diesem Band seine Freude haben.

Den einzigen Kritikpunkt gibt’s zum Schluss: Obwohl »Garten der Seelen« ein rundum gut gemachter Comic ist, fällt die Selbstreferenzialität ins Auge, die schon viele fortlaufende Serien ereilt hat. Neben den Abenteuern geht es dann oft auf vielen Seiten um die Vergangenheit der einzelnen Figuren oder um das sie verbindende Beziehungsgeflecht, frei nach dem Motto: »Ein bisschen Soap muss sein.« Im Gegensatz dazu entstand beim Lesen der ersten Hellboy-Geschichten immer wieder das Gefühl, einem unendlich mysteriösen Kosmos gegenüber zu stehen, in dem sich die Figuren fast verlieren und der nie völlig ergründet und erklärt werden kann. In den B.U.A.P.-Geschichten hingegen sind die Figuren größer, sie bekommen mehr Raum. Als Folge wird die Welt, in der sie agieren, kleiner und übersichtlicher. Einige Leser werden diesen Unterschied wahrscheinlich als Geschmackssache empfinden, was er mit Sicherheit ist. Sicher ist aber auch: Eine selbstreferenzielle Geschichte, die kaum über sich hinauszeigt und hauptsächlich um die eigenen Figuren kreist, ist viel häufiger zu finden als ein komplexer, unendlich mysteriöser Kosmos. Was Mignola in den ersten Hellboy-Tagen schuf, wird unvergessen bleiben. Ob das bei »Garten der Seelen« auch der Fall sein wird, bleibt abzuwarten.

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Tags: b.u.a.p., comic, hellboy, horror   (4)
 

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325 Bibliotheken, 4 Leser, 2 Gruppen, 33 Rezensionen

berlin, herr lehmann, hausbesetzer, kreuzberg, kunst

Der kleine Bruder

Sven Regener
Fester Einband: 281 Seiten
Erschienen bei Eichborn, 19.08.2008
ISBN 9783821807447
Genre: Romane

Rezension:

Ein Bekenntnis vorneweg: Ich mag Regener. Ich mag Element of Crime, ich mag die Lehmann-Bücher. Der kleine Bruder fühlt sich an wie schon Herr Lehmann und Neue Vahr Süd. Ein Einblick ins junge Leben der 80er Jahre, ohne Pathos, mit viel Situationskomik. Die Story? Simpel. Frank fährt nach Berlin und sucht seinen großen Bruder. Zugleich ist es ein Neuanfang. Das Buch endet, als Frank seinen Bruder findet, nur konsequent. Zugleich gibts eine innere Entwicklung. Frank sucht nach seinem Platz in der Welt. Insgeheim hofft er bei dieser Selbstfindung auf den Rat seines Bruders. Am Ende steht die Erkenntnis, dass jeder seinen Platz in der Welt selber suchen und finden muss. Zwischen den Buchdeckeln treibt Frank durch die chaotischen Künstler-, Kneipen- und Punk-Ecken Westberlins, als die Mauer noch stand. Es wird viel gestritten, kaum geprügelt und fast gar nicht geweint. Vielleicht ein Männerbuch? Mir hats gefallen.

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scheibenwelt, fantasy, humor, überwald, stadtwache

Der fünfte Elefant

Terry Pratchett , Andreas Brandhorst
Flexibler Einband: 415 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 01.08.2002
ISBN 9783442416585
Genre: Fantasy

Rezension:

Die Handlung beginnt in Ankh-Morpork, der größten und mächtigsten Stadt der Scheibenwelt. Noch sehr zusammenhanglos reihen sich da die Ereignisse: Ein Mord, ein Diebstahl, Unruhe im Zwergenviertel. Ganz nebenbei tobt ein Haufen Figuren durchs Bild, so dass der Leser zunächst verwirrt auf die Seiten starrt. Wer die ersten fünfzig Seiten durch hat, bekommt den roten Faden zu fassen. Die Hauptfigur ist Sam Mumm und er reist als Botschafter zur Krönung des neuen Zwergenkönigs nach Überwald. Überwald ist dann auch der Handlungsort für den Rest des Buches. Alt, dunkel, regiert von einem Konglomerat aus Vampiren, Werwölfen und Zwergen. In Bumm, einem kleinen Dorf in Überwald wird weiterermittelt, was das Zeug hält. Das letzte Drittel von "Der fünfte Elefant" vergeht dann wie im Flug. Ein toller Scheibenwelt-Roman. Leider ganz ohne Elefant.

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hellboy, comic, düster, horror

Hellboy 9

Mike Mignola , Duncan Fegredo
Fester Einband: 197 Seiten
Erschienen bei Cross Cult, 29.08.2008
ISBN 9783936480832
Genre: Comics

Rezension:

Eigentlich ist Hellboy ein Comic für Intellektuelle. Für Schöpfer Mike Mignola jedenfalls waren die Geschichten um seinen Ermittler aus der Hölle schon immer mehr als nur ein Monster-Comic. Mit Hellboy steckte er sich selbst einen Rahmen ab, in dem er all die Geschichten erzählen konnte, auf die er Lust hatte. Das Ergebnis ist ein herrliches Amalgam: Internationale Folklore trifft auf Gothic und Groschenromane.

So ist auch der neueste Hellboy-Band Ruf der Finsternis wieder eine Achterbahnfahrt durch Märchen und Geistergeschichten. Ein Schwerpunkt liegt dieses Mal auf der russischen Sagenwelt. Hellboy trifft einige alte Bekannte wieder, darunter Baba Jaga, Hekate und Igor Bromhead. Er muss sich mit einer Versammlung Hexen, mit einer Skelettarmee und mit dem unsterblichen Kriegerfürsten Koshchei herumschlagen. Nur die Nazis, die fehlen dieses Mal.

Solch ein Lieblingsprojekt des Autors muss jedoch noch lange nicht die liebste Comic-Lektüre der Leser werden. Dass Hellboy so viele Fans hat, liegt nicht in erster Linie an den Monstern, dem interessant geflochtenen Storytelling oder dem tollen Artwork von Hellboy. Es liegt an der Hauptfigur selbst. Denn auch der beste Horror-Comic, in dem sich immer nur Gut und Böse kräftig verdreschen, wird irgendwann langweilig.

Die Zeichnungen stammen dieses Mal nicht aus der Feder von Mike Mignola, sondern von Duncan Fegredo (Enigma). Mignola hatte von der Anfertigung des Artworks für Hellboy Abstand genommen, weil er mit anderen Projekten zu beschäftigt ist. Es ist erstaunlich, wie gut Fegredo die Atmosphäre der Serie trifft, wie sanft und unmerklich der Übergang ist. Normalerweise nehmen es Fans übel, wenn bei lang andauernden Serien ein Zeichnerwechsel stattfindet. Mit der Wahl von Fegredo als neuer Zeichner der laufenden Serie dürfte dieses Problem eingedämmt worden sein. Um es deutlicher zu sagen: Hellboy-Fans werden Mignolas Artwork zwar vermissen, aber auch schnell Fegredos Strich schätzen lernen.

Auch in dem neuesten Band wird deutlich, dass Hellboy eine vielfach gebrochene Figur ist. Er befindet sich auf der Suche nach sich selbst, nach seinem Schicksal und seinem Platz in der Welt. Er ist weder gut noch böse, weil das viel zu einfache Parameter sind, um dieser Welt gerecht zu werden. Zugegeben, Sorgen wie Hellboy haben die Leser nicht. Seine rechte Hand ist der Schlüssel zur Apokalypse. Böse Mächte drängen ihn, einen Weltenbrand zu entfachen und die Welt zu verheeren. Sein Ringen ist das Ringen mit dem Schicksal selbst. Nur wenn es einen freien Willen gibt, kann er die Apokalypse abwenden. Dieser innere Konflikt der Hauptfigur sorgt dafür, dass man Hellboy immer weiter und weiter lesen möchte. Es ist noch nicht zuende.

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comic, science-fiction

The Red Star 3

Christian Gossett
Fester Einband: 158 Seiten
Erschienen bei Cross Cult, 18.09.2008
ISBN 9783936480511
Genre: Comics

Rezension:  
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11 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

fußball, urlaub, russische provinz

Tötet den Schiedsrichter

Oleg Presnjakow , Wladimir Presnjakow , Olga Radetzkaja
Flexibler Einband: 204 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 20.09.2007
ISBN 9783462039405
Genre: Romane

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8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

graphic novel, comic, horror, freak, freaks

Freaks of the Heartland

Steve Niles , Greg Ruth , Greg Ruth
Fester Einband: 167 Seiten
Erschienen bei Cross Cult, 26.08.2008
ISBN 9783936480894
Genre: Comics

Rezension:

So weit das Auge reicht, sieht man Farmland. Ab und zu mischen sich ein paar einsame Bäume, Holzzäune und windschiefe Häuser ins Bild. Ein Schuss fällt, vielleicht auch nur die Fehlzündung eines Traktors, und ein Schwarm Krähen fliegt auf, davon in den schmierig-grauen Himmel. Ödnis pur. Wir schreiben die "gute, alte Zeit", wann auch immer die gewesen sein mag. Vielleicht regiert gerade Präsident Truman, vielleicht auch schon Eisenhower. So genau interessiert das hier niemanden, ist auch nicht wichtig an einem Ort, an dem die Zeit stehengeblieben zu sein scheint. Ein Stück Ende der Welt, ohne Handys, Faxgeräte oder Farbfernseher. Freaks of the Heartland portraitiert den mittleren Westen der USA in den düstersten Farben.

Die Geschichte ist nicht nur das düstere Portrait eines Landstrichs, sondern auch einer Familie. Autor Steve Niles (30 Days of Night) bewegt sich bei der Skizzierung der Figuren hart an der Grenze zu Klischees und Stereotypen: Daddy ist ein Trinker, Mommy wird geschlagen, und Sohnemann Trevor zieht den Kopf ein, so gut es geht. Und in der Scheune, versteckt vor dem Licht der Welt, lebt Will. Er ist von Geburt an anders, unnatürlich groß und kräftig, mit einem Wasserkopf - ein Freak. Die Farmer der Gegend, insbesondere sein eigener Vater, halten ihn für ein Monster, eine Ausgeburt der Hölle, und wollen ihn töten. Brüderchen Trevor hat jedoch etwas dagegen.

Freaks of the Heartland handelt von der Doppelmoral einfacher Leute. Wer am lautesten "Monster!" schreit, ist häufig selber eines. Die Geschichte wurde schon oft erzählt, und ist spätestens seit Frankenstein ein klassisches Horrorthema. Handlung gibt es bei Freaks of the Heartland so wenig, dass man den Plot fast als statisch bezeichnen könnte. Das macht aber nichts, weil dieses Weniger an Handlung einem Mehr an Atmosphäre zugute kommt. Die wird in erster Linie durch die fabelhaften Bilder von Greg Ruth erzeugt: Dunkle Farben, viel Schatten und ein außerordentlich realistischer, leicht verwischter Strich. Die Qualität der Handlung ist nicht überragend, die der Bilder hingegen schon. Weil es wenig Text gibt, liest sich Freaks of the Heartland recht schnell. Seine Wirkung entfaltet der Band dennoch. Es ist wahrhaftig eine Bilder-Geschichte, unterhaltsam und unheimlich, mit nicht mehr Text, als unbedingt nötig. Atmosphärischer und gradliniger Horror, von dem man sich mehr wünscht.

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liebe, superhelden, skurril, hypno, perf

Alle meine Freunde sind Superhelden

Andrew Kaufman ,
Flexibler Einband: 107 Seiten
Erschienen bei Sammlung Luchterhand, 02.06.2008
ISBN 9783630621340
Genre: Romane

Rezension:

Ich fand diese Geschichte weder "superlustig" noch "allertraurigst". Aber Spaß hat das Lesen trotzdem gemacht. Hauptfiguren sind Tom und seine Frau, Die Perfektionistin. Irgendetwas stimmt zwischen den beiden nicht mehr, und Tom will herausfinden, was. Diese kleine, nette und extrem schnell zu lesende Geschichte wimmelt vor Superhelden der besonderen Art. Sie haben Superfähigkeiten, aber nicht so wie Spiderman & Co. Die Impferin beispielsweise kann ihr Gegenüber von allem überzeugen, woran sie glaubt. Die Fähigkeit des Faultiers ist es, von Herzen "Scheiß drauf!" zu sagen. Und die Perfektionisten ist eben genau das: Sie hat die Fähigkeit, alles perfekt zu machen. Tom hat keine Superfähigkeit. Aber eigentlich ist das nicht so wichtig, ist ja auch eigentlich keine Geschichte über Superhelden, sondern über die Liebe und das Verliebtsein. Sehr süß, sehr leicht, mit einer interessanten Struktur, die ständig hin und herspringt, und dennoch irgendwie funktioniert. Leider ein wenig arm an Details.

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Der Schal

Robert Bloch
Flexibler Einband
Erschienen bei Diogenes, 01.04.1994
ISBN 9783257218640
Genre: Sonstiges

Rezension:

Daniel Morley ist zugleich Frauenmörder und Schriftsteller. Aus der Gosse kommend schreibt er sich an die Spitze der amerikanischen Bestsellerlisten. Schließlich gelingt ihm der Sprung nach Hollywood. Auf dem Weg dorthin pflastern Frauenleichen seinen Weg. Er erwürgt sie mit einem gelben Schal. Der Clou an der Sache: Daniel schreibt über die Frauen, die er ermordet hat. Mit jede neuen Mord vollendet er ein neues Buch.

"Der Schal" (engl.: "The Scarf", 1947) erinnert teils an einen Krimi, teils an ein Psychogramm, erzählt aus der Ich-Perspektive. Bloch gelingt es, beim Leser Sympathie für den Erzähler zu wecken. Hinzu kommen nette Seitenhiebe auf die Literaturgeschäftler, die den Mörder immer weiter in den Literaturhimmel loben. Dynamische Schreibe, spannend und toll übersetzt. Besonders haben mir die ersten beiden Kapitel gefallen.

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hellboy, comic, düster, b.u.a.p., horror

B.U.A.P 5

Guy Davis , John Arcudi , Mike Mignola , Mike Mignola
Fester Einband: 144 Seiten
Erschienen bei Cross Cult, 26.06.2008
ISBN 9783936480849
Genre: Comics

Rezension:

B.U.A.P. ist eine Abkürzung und steht für "Behörde zur Untersuchung und Abwehr paranormaler Erscheinungen". Klingt komisch, ist aber so. Prominentestes Mitglied der geheimen US-Behörde ist Hellboy, der kleine Teufel mit dem großen Herz. Im Laufe zahlreicher skurriler Abenteuer hat er Unmengen von Ungeheuern ins Jenseits befördert. Die BUAP-Serie ist eine Auskopplung aus der Serie Hellboy, sozusagen Hellboy ohne Hellboy. Der hatte nämlich irgendwann die Nase voll und ist gegangen. Monster gibts immer noch, dazu jede Menge Atmosphäre à la Lovecraft. Die verbliebenen BUAP-Mitglieder - Abe Sapien, Liz Sherman, Johann Kraus, Captain Daimio und Doc Corrigan - geben ihr Bestes, um die Welt vor dem Untergang zu bewahren. In "Die universelle Maschine" versucht Doc Corrigan den toten Homunkulus Roger wieder zum Leben zu erwecken und gerät dabei in die Fänge eines verrückten Sammlers, der sie gerne an seine barocke Vampir-Herde verfüttern würde. Der Rest des Teams gibt Geschichten zum besten, was der Tod ist und ob seine angebliche Entgültigkeit nicht in Wahrheit eine diffuse Grauzone ist. Genug BUAP-Mitglieder waren nämlich schon einmal tot. Die Serie ist toll, auch dieser Band, vor allem Wegen seiner interessanten Charaktere, wegen dem nicht ganz glatten Storytelling und dem schönen Strich von Guy Davis. Verschroben, unheimlich und witzig - um ein paar Schlagworte einzustreuen. Eine der besten Horror-Serien, die derzeit auf dem Comic-Markt zu kriegen ist.

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deutschland, leben, alkohol, freundschaft, drogen

Faserland

Christian Kracht
Flexibler Einband: 176 Seiten
Erschienen bei dtv, 01.05.2007
ISBN 9783423191104
Genre: Romane

Rezension:

Irgendwie fühle ich mich zu alt für dieses Buch. Der namenlose Ich-Erzähler reist von Norden nach Süden, quer durch Deutschland, innerhalb weniger Tage. Stationen sind: Sylt, Hamburg, Frankfurt, Heidelberg, München und Zürich. Eine Reise als Thema legt nahe, dass es sich um einen Entwicklungsroman handelt. Dass sich der Ich-Erzähler auf seiner Reise entwickelt, lasse ich mal unkommentiert im Raum stehen. (Ich glaube es aber nicht.) Der Ich-Erzähler kommt aus einer Gesellschaftsschicht, in der man über Geld nicht spricht, weil man welches hat. Und zwar in rauen Mengen. Der Ich-Erzähler driftet umher, ziellos, von Party zu Party, Drogen kommen vor, Sex, aber irgendwie bleibt alles passiv oder ungewollt. Er ist entwertend und fremdbestimmt, egoistisch, verantwortungslos und ungebildet. Dazu ein Schuss Nazi-Obsession, als ob Deutschland nicht noch mehr Vergangenheit hätte. Gleichzeitig ist Christian Krachts Hauptfigur zerbrechlich und einsam. Ein schönes Portrait, vielleicht etwas statisch, aber leicht zu lesen und unterhaltsam. Das großartige deutsche Gesellschaftportrait der 1990er Jahre, für das viele Leser "Faserland" halten, erkenne ich aber nicht.

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berlin, märkisches viertel, pirate style, comic

Die Galgenvögel von St. Tropez

Philip Tägert
Flexibler Einband: 46 Seiten
Erschienen bei Reprodukt, 14.04.2006
ISBN 9783938511602
Genre: Comics

Rezension:

Didi & Stulle-Hefte sind eines wie das andere: Unterhaltsam, skurril, kacke gezeichnet, berlinerisch. Den beiden Schweine aus der Hauptstadt begegnen dieses Mal: Rainer, Düdül & Stüllüm, Heide Stullkowski, Gildo Horn, Klößchen, Sonnenblume Lummer, Seniorengirl und noch viele andere. Meine Lieblingsklolektüre seit Clever & Smart.

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krankenhaus, sex, hygiene, ekel, intimrasur

Feuchtgebiete

Charlotte Roche
Flexibler Einband: 219 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 26.08.2013
ISBN 9783832180577
Genre: Liebesromane

Rezension:

Ein Thema, bei dem alle mitreden können, über das aber niemand gerne spricht: Körperhygiene. Die Hauptfigur Helen Memel nimmt es damit nicht so genau. Sie tauscht Tampons mit Schulkameradinnen, isst ihren Schorf und steckt sich Avocadokerne in die Mumu. Nachdem der erste Schock ob der expliziten Schreibe verflogen ist, kommt die Zerbrechlichkeit der Hauptfigur ans Licht. Sex gegen die Einsamkeit, abweisende Eltern, die mit sich selbst beschäftigt sind, bei Helen ist ziemlich viel kaputt. Ihr Hang, sich selbst weh zu tun, ist groß. Schmerz und Langeweile dominieren ihren Alltag im Krankenhausbett. Ein unterhaltsames Buch für alle, die sich gerne mal ein bisschen ekeln wollen. Spätestens irgendwo im hinteren Drittel geht leider die Puste aus.

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