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9 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Die Enteigneten

Ursula K. Le Guin
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Edition Phantasia, 01.12.2006
ISBN 9783937897202
Genre: Science-Fiction

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36 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

drama, klassiker, liebe, norwegen, ehe

Hedda Gabler

Henrik Ibsen , Christel Hildebrandt , Helmut Bachmaier
Flexibler Einband
Erschienen bei Reclam, Philipp, 01.01.1986
ISBN 9783150027738
Genre: Gedichte und Drama

Rezension:

Eigentlich lese ich nicht gerne Theaterstücke... So etwas ist für die Bühne konzipiert und ich halte den Mangel an Fließtext nur schlecht aus.

Bei Hedda Gabler hat mir das Lesen aber trotzdem Spaß gemacht!
Es ist auch ein dünnes Büchlein, das sich nicht unterträglich in die Länge zieht, tatsächlich kommt die Handlung ziemlich schnell auf den Punkt.
Von Anfang an ist die namensgebende Protagonistin nicht gerade eine Sympathieträgerin. Das wusste ich auch schon voher - bei Klassikern ist es ja oft so, dass man das eine oder andere schon weiß, bevor man das Buch wirklich gelesen hat.
Trotzdem konnte ich stellenweise mit ihr mitfühlen und irgendwie fand ich ihren depressiven Wahnsinn auch sympathisch.

Und genau das ist wohl auch Sinn der Sache, nehme ich an, immerhin haben wir es hier mit einem gesellschaftskritischen Werk über die Rolle des Individuums (sehr präsent: der Frau) im 19. Jahrhundert zu tun. Die Punkte, die mich angesprungen haben waren  zum Beispiel die Frage nach dem Sinn des Lebens, die Fähigkeit zur Empathie und Langeweile. Alles Dinge, die ganz unglaublich gut auch in die heutige Zeit passen, vielleicht hat mich das Buch deswegen so begeistert.

Auch wenn es sich bei dem Stück um ein Drama handelt, plätschert der erste Akt noch locker dahin und ist stellenweise auch noch richtig komisch. Mit jedem weiteren Akt (insgesamt vier) spitzt sich die Lage aber zu, kurz vor dem Ende kann man schon erahnen, was passieren wird. Und weil es sich auch an dieser Stelle immer noch so locker liest (auch wenn der Inhalt eben nicht mehr so locker ist), ist das Ende auch bald da.. und es ist wunderschön. Zumindest würde Hedda das sagen, und ich muss ihr in dem Fall Recht geben.

Also, meine Lieben. Vielleicht gibt es jemanden unter euch, der aus Gründen "irgendeinen" Klassiker oder "irgendeinen Klassiker der nordischen Literatur" lesen muss oder möchte. Ich lege euch Hedda Gabler (aber eigentlich Ibsen generell) hiermit ans Herzchen.

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89 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

buch, architektur, dramatik, nazischuld, juden

Die Entdeckung des Himmels

Harry Mulisch , Martina den Hertog-Vogt
Flexibler Einband: 867 Seiten
Erschienen bei Rowohlt Taschenbuch Verlag in Rowohlt Verlag GmbH, 01.10.2008
ISBN 9783499247521
Genre: Fantasy

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181 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 94 Rezensionen

wiedergeburt, reinkarnation, sharon guskin, kind, familie

Noah will nach Hause

Sharon Guskin , Carina Tessari
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Allegria, 22.09.2016
ISBN 9783793423065
Genre: Romane

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69 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

indianer, antje babendererde, antje babenderde, rezension, libellensommer

Libellensommer

Antje Babendererde
Flexibler Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Arena, 04.07.2016
ISBN 9783401509105
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Als einfache Urlaubslektüre oder zum Abschalten für Zwischendurch kann ich das Buch echt empfehlen!

Grundsätzlich sind die Geschichte und ihr Verlauf nicht besonders tiefgründig. Das braucht es aber auch gar nicht, schon Cover und Klappentext machen ja deutlich, dass es sich um ein Jugendbuch vorwiegend fröhlichen (oder halt seichten) Inhaltes handelt.
Leider kommt die Spannung fast eine Spur zu kurz, es plätschert so dahin und ist zwar durchaus interessant... Aber so richtig richtig spannend war es irgendwie nicht.

Dafür sind mir zwei Punkte besonders positiv in Erinnerung geblieben: Ich finde, die Protagonistin Jodie, ist echt etwas besonderes. Sie ist nicht die typische Heldin, die einem in leicht abgewandelter Form in nahezu jedem Jugendbuch begegnet. Im Prinzip ist sie im Vergleich zu disen typischen Heldinnen ein ziemlich egozentrisches, von den Nachwirkungen der Pubertät gebeuteltes Biest. Aber gerade das macht sie meiner Meinung nach so sympathisch.
Außerdem ist sie übergewichtig und isst dauernd Süßigkeiten, auch mal was anderes.

Der zweite Punkt ist vielleicht etwas abgedroschen, kann mich aber immer wieder begeistern: Ich mag das sehr, wenn ein naturverbundenes Leben idealisiert und in Kontrast zu der bösen und verdummten zivilisierten Gesellschaft gestellt wird.
Man kann davon ja halten, was man will. Ich mag das aber!

Alles in Allem war das Buch aber genau das, was ich erwartet habe und genau das, was ich im Urlaub lesen wollte: Eine leichte Lektüre für Zwischendurch, das einen unterhält, aber durchaus auch auf die Seite gelegt werden kann, wenn man zum Beispiel - (ein Urlaubsklischee muss her!) - mittendrin kurz ins Meer hüpfen will.

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11 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

mord, england

Schreie, die keiner hört

Gitta Sereny , Ulrike Laszlo
Flexibler Einband: 437 Seiten
Erschienen bei btb
ISBN 9783442726387
Genre: Biografien

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79 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 15 Rezensionen

wald, reiter, dorf, gott, sekte

Ada - Im Anfang war die Finsternis

Angela Mohr
Fester Einband: 360 Seiten
Erschienen bei Arena, 03.08.2015
ISBN 9783401601120
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Was für ein Tag! Ein Tag, an dem ich eigentlich ganz andere Sachen machen wollte... Dann dachte ich so, dass ich ja lange nicht mehr gelesen habe und dass ich mich doch für ein halbes Stündchen hinsetzen und ein neues Buch anfangen könnte. Ja. Plötzlich war es sechs Stunden später und das neue Buch war ausgelesen.
Ich finde, das gilt schon als erster Pluspunkt für Ada. Im Anfang war die Finsternis.

Ein zweiter Pluspunkt: Es ist eines dieser Bücher, die einen mit einem ganz merkwürdigen Gefühl zurück lassen. Eine Mischung aus Aufgewühltsein wegen der Handlung und ein bisschen Traurigkeit, weil man von dem Buch wieder Abschied nehmen muss.
Eigentlich mag ich das Gefühl gar nicht. Und trotzdem mag ich das irgendwie an Büchern... wenn sie sowas mit einem machen können...

Eigentlich möchte ich viel lieber weiter darüber schreiben, was das Buch in mir bewirkt hat, aber kurz will ich doch auch auf die üblichen Verdächtigen Schreibstil, Figuren eingehen.

Der Schreibstil ist typisch für ein Jugendbuch: Relativ einfach gehalten, geradeso, dass er es schafft die Leser zu fesseln und in die Geschichte mitzureißen. Einfacher Stil ist gut für die Spannung!
Die Kapitel sind abwechselnd aus der Sicht verschiedener Figuren erzählt. Auch kein neuer Kunstgriff mehr, aber ich mag das sehr gerne! Dadurch ergeben sich immer so schöne Puzzleteile, die sich im Verlauf der Handlung mehr und mehr zusammen fügen. Das ist hier sehr gut gelungen, finde ich.
Besonders lobend muss ich mich zu dem Prolog äußern, der die Handlung gleich zu Beginn und nur ganz kurz von einer Perspektive beleuchtet, die dann erst in der zweiten Hälfte des Buches wieder vorkommt. Schwierig, hier nicht zu spoilern... Jedenfalls hat mir dieser Aufbau der Geschichte sehr gefallen!

Bei den Figuren will ich mich eher kurz fassen. Die Handlung wird hauptsächlich von den Protagonisten Ada und Luca erzählt und durch die Ich-Perspektive kann man sich gut in sie hineinversetzen und mit ihnen mitfiebern. Ihr Verhalten lässt sich sehr gut nachempfinden, was bei diesem Genre schon auch ab und zu mal nicht der Fall ist...

Mein Fazit zu diesem Buch: Auch wenn das Thema Sekten in einem Jugendbuch eher nach der Sorte Lektüre klingt, die man gezwungen wird in der Schule zu lesen ist Ada doch richtig spannend! Neben der aufwühlenden Geschichte und der eindeutigen Kritik an fragwürdigen religiösen Gruppierungen klingt meiner Meinung nach auch ein bisschen Kritk an der postmodernen Gesellschaft durch.
So gesehen wäre Ada vielleicht doch eine gute Schullektüre, hmmm.
Auf jeden Fall hat mich das Buch unglaublich bewegt und gefesselt, eine gute Kombination und darum gebe ich ohne weitere Worte zu verlieren, fünf Punkte.

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58 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

english books, dystopie, suzanne collins, arena, verbündete

Catching Fire

Suzanne Collins
Fester Einband
Erschienen bei Scholastic Press, 01.09.2009
ISBN 3520100020717
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Vorsicht! Da es sich bei Catching Fire um den zweiten Band einer Reihe handelt, könnte es sein, dass sich in diese Rezension Spoiler eingeschlichen haben. Weiterlesen also auf eigene Gefahr!

Auch bei der Rezension dieses zweiten Teiles, werde ich nicht daran vorbei kommen ein bisschen den Vergleich zu den Filmen einfließen zu lassen.
Ich finde es aber, es sagt auch recht viel über ein Buch aus, ob es einen auch fesseln kann, wenn man eigentlich schon weiß, was passieren wird.

Und um euch nicht länger auf die Folter zu spannen: Catching Fire hat es geschafft. Vielleicht - und ich glaube, das ist mir noch nie passiert - fand ich es sogar NOCH spannender, weil ich den Film schon gesehen hatte. Da ich ja wusste, was noch auf die Protagonisten zukommt, hat mich besonders der ruhige Anfang richtiggehend fertig gemacht. So viel Mitgefühl für Buchfiguren... woah.
An späteren Punkten hatte ich vor lauter Spannung sogar eine Gänsehaut...

Eigentlich dachte ich, dass sich im zweiten Teil recht viele Wiederholungen aus dem ersten fänden, aber das ist eindeutig nicht der Fall. Dinge, die sich tatsächlich wiederholen, werden ohne viele Details beschrieben.
Die  Handlung nimmt einige überraschende Wendungen an und wird an keinem Punkt langweilig. Und das, obwohl es recht viele Rückblicke auf den ersten Teil gibt.
Diese Rückblicke finde ich übrigens sehr positiv, denn oft vergeht ja einige Zeit zwischen der Lektüre des ersten und zweiten Teils, und ich vergesse sowieso immer alles, sodass Rückblicke in Fortsetzungen für mich essentiell für das Lesevergnügen sind!

Da die Handlung sich ziemlich rasant dahinsaust, bleibt den Figuren recht wenig Zeit sich weiterzuentwickeln. Bei der Protagonistin Katniss merkt man allerdings schon eine nachvollziehbare Veränderung.
Ansonsten tauchen alle aus dem ersten Teil lieb gewonnenen Figuren wieder auf, und einige neue kommen dazu. So zum Beispiel Johanna Mason, die ich im Film ganz großartig fand. In der Vorlage hier war ich allerdings kein allzu großer Fan von ihr, hier war sie eindeutig keine Symathieträgerin für mich...
Auch einige Randfiguren aus dem ersten Teil kommen in Catching Fire wieder vor. Dazu erfährt man einige Details aus ihrer Vergangenheit und ihre Beziehung zueinander. So zum Beispiel die Beziehungen von Haymitch und den anderen Gewinnern, oder die der District 12 Bewohner und "ihren" Peacemakern. Sogar Katniss' Mutter bekommt eine interessante Geschichte.
Gerade, wenn man den Film schon kennt, kommen solche Zusätze sehr gelegen, denn auf sie ist im Film großteils verzichtet worden. 

Ich kann sagen, dass mir Catching Fire sogar noch besser gefallen hat, als der erste Teil. Die Rebellion und die politischen Entwicklungen in Panem... das ist genau meins, wie ich festgestellt habe. Gut finde ich auch, dass symbolische Aktionen der Figuren immer erklärt werden, sodass einem die politische Bedeutung dahinter gar nicht entgehen kann. Dadurch, dass die Erklärungen aus Katniss' Sicht, also durch ihre Gedanken dazu, beschrieben wird, hat man auch nicht das Gefühl, die Leser würden für dumm gehalten und bräuchten diese Erklärungen.

Kurz gesagt: Ich war begeistert von Catching Fire. Noch mehr als von The Hunger Games. Leider kann ich nicht mehr als fünf Punkte geben...

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276 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 52 Rezensionen

wald, liebe, wenn ihr uns findet, jugendbuch, familie

Wenn ihr uns findet

Emily Murdoch , Julia Walther
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Heyne, 03.03.2014
ISBN 9783453534346
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Wow. Wenn ihr uns findet war wirklich von Anfang bis zum Ende spannend.

Wenn ihr uns findet handelt von der Protagonistin Carey, die seit sie vier war mit ihrer kleinen Schwester im Wald lebt. Eher weniger als mehr versorgt von ihrer Mutter, die oft abwesend ist übernimmt Carey die Mutterrolle für ihre Schwester Nessa.

Carey ist es auch, die ihre Geschichte erzählt. Dabei legt sie vor allem im ersten Kapitel wenig Wert auf die korrekte Verwendung der Sprache - worüber sie auch selbst reflektiert und sich in den weiteren Kapiteln zusammenzureißen versucht.
Einerseits ist es sehr gut, dass durch die Auslassung von Endsilben und die generelle Verwendung von Umgangssprache stets verdeutlich wird, von wem man als Leser die Geschichte vermittelt bekommt. Andererseits hat es mich auch gestört, weil es in der deutschen Übersetzung irgendwie nichts Halbes und nichts Ganzes war. Ich bin ziemlich sicher, dass das Bild, das durch ihre Sprache von Carey vermittelt wird viel stimmiger gewesen wäre und ärgere mich sehr, dass ich mich nicht bemüht habe, das Buch im Original zu bekommen.
Ich mochte übrigens diese Art Metaebene die dadurch eingeführt wird, dass sich Carey selbst ermahnt nicht ständig die "t-s" zu vergessen.

Dass man das Buch, wenn man die Möglichkeit hat, besser im Original lesen sollte, habe ich mir übrigens noch öfter gedacht, weil manche Dinge dann mehr Sinn ergeben. Zum Beispiel wird Carey von einer Figur CC genannt - Vermutlich von Clumsey Carey, was in der deutschen Version allerdings "Schussel Carey" heißt. Der Spitzname CC ergibt dann aber keinen Sinn.
Naja, Kleinigkeiten...

Die Figuren sind sehr gut beschrieben und entwickeln sich während des Verlaufs der Handlung. Manche ein bisschen zu schnell, sodass man ihre Entwicklung nicht wirklich beobachten und nachvollziehen kann.
Hätte die Autorin die Entwicklung aber weiter erläutert wäre das Buch noch länger geworden und ich bin nicht sicher ob ich noch mehr Spannung ertragen hätte...

Denn das Buch war - hab ichs vielleicht schon mal erwähnt? ;) - unglaublich spannend! Man fragt sich, was noch alles in Careys Vergangenheit passiert ist, genauso wie man sich fragt was ihr noch alles passieren wird. Eine wichtige Rolle spielt ein Geheimnis, das die Protagonistin mit sich herum schleppt und obwohl man sich gegen Ende schon denken kann, worum es sich handelt, war ich bis zum Schluss nicht sicher, ob ich mit meinen Vermutungen überhaupt recht habe. Wirklich gut geschrieben!

Übrigens ist Wenn ihr uns findet sehr düster (Na, wer hätte das bei der Geschichte vermutet?) und die Stimmung wechselt nur selten.
Alles in Allem ein fünf-Punkte-Buch und eine düstere Leseempfehlung von mir.

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34 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

liebe, wg, gefängnis, bayern, lehrerin

One Perfect Summer

Paige Toon
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Simon & Schuster UK, 01.05.2012
ISBN 9781849831284
Genre: Romane

Rezension:

Obwohl ich mir - äußerst untypisch für mich - beim Lesen überhaupt keine Notizen gemacht habe, habe ich sehr viele Gedanken zu One Perfect Summer

Eigentlich hatte ich den Großteil des Buches in einem Zug ausgelesen. Trotzdem habe ich insgesamt über zwei Wochen gebraucht. Der Grund dafür war, dass es ziemlich lang gedauert hat, bis es mich endlich fesseln konnte. Aber dann hat es mich auch wirklich nicht mehr losgelassen.

Das Buch wird aus der Sicht der Protagonistin Alice erzählt. Da ich den Klappentext nicht wirklich gelesen hatte, haben mich die riesigen Zeitsprünge erst ziemlich überrascht. Mir war  noch nicht klar, dass hier ein halbes Leben erzählt wird. Rückblickend sind die Sprünge aber natürlich notwendig und meistens verkraftet die Handlung sie ganz gut. Es passiert auch nur ein oder zweimal, dass wirklich ganze Jahre ausgelassen werden.
Alles in Allem war ich sehr zufrieden mit der Erzählweise und dem Schreibstil der Geschichte. Besonders nett fand ich, dass sich Alice ab und zu direkt an die Leser zu wenden scheint.

Der Anfang,.. nunja, zieht sich ein bisschen. Meinegüte, ist halt die erste Liebe, jaja, ganz toll, ui, ein Salto der Gefühle... blabla. Kennt man schon. War mir zu sehr ausgeschmückt. Im Nachhinein passt der Anfang sehr gut zu dem ganzen Buch und ich hätte mir nichts anderes gewünscht, aber fesseln konnte mich der erste Teil doch recht spät.
An diesem Anfang sind mir auch noch Dinge aufgefallen, die ich später - falls sie sich wiederholt haben - durch die Spannung unreflektiert hingenommen habe. Die Handlungen mancher Figuren waren für mich teilweise übertrieben und nicht gut nachvollziehbar. Die Protagonisten haben zu lang eine gewisse "Mein Leben ist ganz furchtbar, du liebe Güte bin ich Emo"-Attitüde an den Tag gelegt, bevor sie endlich gehandelt haben. Irgendwie... nervig.

Bleiben wir bei den Figuren. Die Protagonistin Alice ist sehr sympathisch und eine gute Identifikationsfigur. Auch die meisten Randfiguren sind sehr gut beschrieben. Einzig die Familie von Alice' großer Liebe Joe war mir etwas zu sehr vom Bösewicht-Typ. Für grundlos böse Figuren sind Superheldenfilme da, im Romace-Genre hätte ich mir ein bisschen mehr Tiefgang erwartet. Die Familie handelt nicht menschlich und man erfährt nie, was mit ihnen falsch gelaufen ist. Natürlich hätte eine ausführliche Analyse ihrer Boshaftigkeit den Rahmen des Buches gesprengt, aber so hat irendwie etwas gefehlt...
Ein anderes Problem hatte ich mit Lukas, einer anderen wichtigen Figur. Ich konnte leider nicht umhin ihn abgrundtief zu hassen und ich glaube nicht, dass das Ziel der Autorin war.

Noch ein paar abschließende Worte zur Handlung. Eigentlich könnte man das ganze Buch in zwei Sätzen zusammenfassen. Aber wie bereits erwähnt erstreckt sich die Handlung über Jahre und ich finde die fast 500 Seiten großteils gerechtfertigt. Ich kann aber nicht leugnen, dass sich manche Passagen dann doch - wie der Anfang - ein bisschen gezogen haben.
Dazu kommt, dass die große Liebe zwischen den beiden Protagonisten doch ein bisschen überdramatisiert wird. Einen Ticken zu viel, finde ich. One Perfect Summer hat mich echt gefesselt und ich wollte unbedingt wissen, was weiter passiert. Und zweifellos hatte ich Spaß beim Lesen! Aber trotzdem hab ich mir immer wieder gedacht, dass die Figuren sich doch jetzt bitte nicht so aufführen sollen... Stellenweise war das Ganze doch irgendwie lächerlich, unglaubwürdig.
Aber ja. Seelenverwandschaft ist eben dramatisch. Vielleicht verstehe ich davon einfach nix.

Ich würde sagen, für LeserInnen, die dieses Genre mögen, ist es wegen des schönen Schreibstils eine ganz tolle Leseempfehlung. Wer aber nicht ganz so oft und gern in das Romantikgenre reinhüpft, sollte sich sicher lieber ein anderes Buch suchen... (Ich nehme mir vor, noch ein Buch der Autorin zu lesen, vielleicht kann ich dann eine allgemeine Leseempfehlung aussprechen)

Eigentlich hätte das Buch nur drei Sterne verdient, weil mich so viele Dinge EIGENTLICH gestört haben... Aber ich hatte doch irgendwie zu viel Spaß beim Lesen. Darum vier. Ich bin heute großzügig!

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183 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 20 Rezensionen

island, hinrichtung, hannah kent, mord, 19. jahrhundert

Das Seelenhaus

Hannah Kent ,
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Droemer Taschenbuch, 01.10.2015
ISBN 9783426304846
Genre: Romane

Rezension:

Das Seelenhaus beruht auf einer wahren Begebenheit. im 19. Jahrhundert war Agnes Magnúsdóttir war die letzte Frau, die auf Island hingerichtet wurde. Zu diesem Thema ist - hauptsächlich auf isländisch - recht viel geschrieben worden, aber der Roman von Hannah Kent behandelt den Fall mehr aus der Sicht der angeklagten Mörderin, als alles, was ich bisher zu dem Thema gefunden hatte.

Das Seelenhaus ist abwechselnd durch einen Erzähler und in der Ich-Form aus der Perspektive der Angeklagten Agnes geschrieben. Zwischendurch finden sich Briefe und Anhänge aus Aufzeichnungen von Verwaltungsbeamten aus Island oder Dänemark. Diese Schriften sind - so steht es jedenfalls im Epilog - zum Teil aus Originaltexten entnommen und meist nur geringfügig adaptiert.

Die australische Autorin hat sich eindeutig viel Mühe bei ihrer Recherche gegeben und dürfte auch gut isländisch sprechen, zumindest hört es sich in Umschlagtext und Epilog so an.
All das hat dazu geführt, dass ich das Gesamtkonzept des Romans schon vor dem Lesen sehr sympathisch fand.

Und (wo ist der Trommelwirbel?) ich wurde auch nicht enttäuscht. Das Seelenhaus liest sich sehr flüssig und ist ziemlich spannend. Wohl gemerkt aber nicht so spannend, dass man es so absolut nicht aus der Hand legen könnte.. Immerhin weiß man ja mehr oder weniger schon vorher, wie es ausgehen wird.
Trotzdem war mir beim Lesen nicht langweilig und obwohl die Handlung am Anfang etwas schleppender voran ging habe ich mich schnell in die Geschichte hineingefunden und war im Großen und Ganzen sehr fasziniert von ihr.

Im Text finden sich immer wieder Bruchstücke von Isländisch und auch die Texte zwischen den Kapiteln sind ab und zu in Originalsprache wiedergegeben. Aber keine Sorge, für Leute, deren Isländisch nicht ganz so gut ist, folgt die Übersetzung natürlich auf dem Fuße.
Das Leben auf isländischen Bauernhöfen dieser Zeit scheint mir übrigens ebenfalls gut recherchiert und man kann sich schön in die Torfhäuschen hineinträumen und mitfrieren und zwar ohne falsche Romantik.
Also allen Islandliebhabern lege ich dieses Buch auf jeden Fall schonmal ans Herz!

Mein einziger kleiner Kritikpunkt... eher ein Kritikpünktchen ... bezieht sich auf die Figuren. Sie allesamt waren zwar sehr gut ausgearbeitet, bei manchen fragt man sich dann doch wozu. Man erfährt anfangs viel über sie, bekommt auch noch einen Teil ihrer Entwicklung mit, aber was sie tatsächlich motiviert und wie sie sich am Ende entwickelt haben, kommt mir irgendwie zu kurz.

Trotzdem gebe ich fünf dem Buch Punkte, denn es ist einfach zu gut geschrieben...

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Tags: island   (1)
 

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70 Bibliotheken, 2 Leser, 2 Gruppen, 13 Rezensionen

entführung, mutter, gefangenschaft, mutter-kind-beziehung, vergewaltigung

Room

Emma Donoghue
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Pan Macmillan, 06.08.2010
ISBN 9780330519014
Genre: Sachbücher

Rezension:

Es wird schwierig, hier eine Rezension zu schreiben, ohne zu spoilern. Aber ich schaffe das!
Am liebsten würde ich nur eine Kurzrezension schreiben. Sie bestünde nur aus einem Wort: LESEN! Oder aus zwei: UNBEDINGT lesen!

Aber vielleicht gibt es ja Menschen, die mehr wissen wollen, also los!

Room hat mich unglaublich gefesselt. Es ist lange her, dass mich ein Buch SO sehr fesseln konnte. Einige Seiten waren so spannend, dass ich gar nicht weiterlesen konnte. Da hab ich einfach eine Pause gebraucht...

Das Buch erzählt die Geschichte von Jack, einem Fünfjährigen, der in einem kleinen Raum lebt und noch nie draußen war. Geschrieben ist es aus seiner Sicht und mit seinen Worten. Es finden sich entsprechende Fehler, wie falsch geschriebene Wörter, die der Fünjährige noch nicht kennt.
Dieser Stil passt großartig zum Inhalt, der einem dadurch noch mehr Gänsehaut beim Lesen beschert!

Auch wenn es stellenweise etwas langwierig war, fand ich es an keinem Punkt langweilig. Wenn es nicht spannend war, war es interessant oder traurig oder sogar lustig.

Da ich in letzter Zeit immer wieder davon schreibe, dass ich mich freue, wenn Autoren sich Mühe geben, muss ich es hier auch noch einmal - möglichst spoilerfrei - anmerken: Was die Autorin hier geleistet hat, ist Wahnsinn! Abgesehen von der sprachlichen Herausforderung wie ein Fünfjähriger zu schreiben liegt dem ganzen Buch an sich vermutlich eine enorme Recherchearbeit zugrunde. Von psychologischen Aspekten über juristische Fakten und so weiter... Ich bin beeindruckt, ich ziehe meinen Hut!

Abschließend kann ich zu meiner anfänglichen Kurzrezension: UNBEDINGT lesen noch hinzufügen: Am besten in der Originalsprache. Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine Übersetzung diesem Buch gerecht werden kann...

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121 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 84 Rezensionen

thriller, familiengeheimnis, psychothriller, unfall, fahrerflucht

Leons Erbe

Michael Theißen
E-Buch Text: 232 Seiten
Erschienen bei Bastei Entertainment, 02.05.2016
ISBN 9783732525102
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Auf den ersten Seiten habe ich noch eine Wortwiederholung bemängelt und naserümpfend eine Notiz in mein Heft gemacht. Ich dachte, ich würde den Stift sicher bald wieder brauchen und hab mich auf Schlimmes gefasst gemacht...
Haha, wie naiv war ich doch...

Diese Wortwiederholung zu Beginn (die rückblickend wahrscheinlich eh mehr ein Stilmittel war) ist das Einzige geblieben, was mir negativ aufgefallen ist und ich hatte sie schon während des ersten Kapitels wieder vergessen. Denn von da an baut sich die Spannung dermaßen auf, dass es kaum auszuhalten ist.
Kein Wunder, dass ich das Buch innerhalb von zwei Tagen ausgelesen hatte.

Der Sohn ist tot, die Schwester wird vermisst und auf der Suche nach Erklärungen begegnet die Protagonistin und Ich-Erzählerin Katja immer neuen Ungereimtheiten und mysteriösen Figuren.
Vor allem am Anfang hatte ich nach jeder weiteren Seite mindestens eine neue Theorie, wie der Tod der einen und das Verschwinden der anderen Figur nun zu begründen sind und was hinter all diesen Geheimnissen steckt. Übrigens hatte ich mit allen meinen Theorien unrecht. 

Leons Erbe ist sehr leicht zu lesen und verzichtet zugunsten der Spannung auf hochtrabende und verschlungene Sätze. Dieser Stil passt wunderbar zu der Handlung, die auch sehr rasant vorangetrieben wird.
Oft werden banale Beobachtungen oder Tätigkeiten der Figuren beschrieben und ich habe dabei immer das Gefühl gehabt genau in dieser oder jenen banalen Randbemerkung DEN Hinweis auf die nächste Spur zu sehen. Manchmal war das auch der Fall, aber - und das war ganz großartig, denn sonst wäre es ja langweilig geworden - nicht immer!

Was mich doch etwas gewunder hat, war aber das Ende. Das kam ein bisschen plötzlich und war - nachdem die Spannung sich über 200 Seiten lang ins unermessliche gesteigert hatte - etwas zu schnell vorbei. Aber auch wenn das ein etwas merkwürdiges Gefühl bei mir hinterlassen hat, hat das meinem Lesevergnügen im Ganzen keinen Abbruch getan.

Noch eine kleine persönliche Abschlussbermerkung von mir: Bei der Suche der Protagonistin nach Hinweisen hab ich mich immer ganz wunderbar an diese Wimmelbildspiele erinnert, bei denen man auch ganz genau schauen (in diesem Fall: lesen) muss, damit einem kein Hinweis entgeht!
Und ich liebe diese Spiele. Nichtzuletzt deshalb: Fünf Punkte!

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2 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Radical Self-Love: A Guide to Loving Yourself and Living Your Dreams

Gala Darling
E-Buch Text: 227 Seiten
Erschienen bei Hay House, 09.02.2016
ISBN 9781401951436
Genre: Sonstiges

Rezension:

Am Anfang macht die Autorin klar, dass es sich bei Radical Self Love nicht um ein gewöhnliches, langweiliges Selbsthilfebuch handelt: "Now, fair warning: this ain't your mama's self-help book! We won't be listening to Enya, and you won't have to hide this book behind a copy of Vogue whenever you're in public. No, ma'am!" S. 17

Eigentlich habe ich dennoch recht viele Ähnlichkeiten mit "Mamas Selbsthilfebuch" gefunden... Inhaltlich findet sich nur wenig Herausragendes und die meisten Techniken sind doch schon daraus bekannt. Aber in manchen Punkten unterscheidet sich Radical Self Love dann doch von dem üblichen Schmu.

So zum Beispiel im Schreibstil. Das Buch ist lustig und lebendig geschrieben und es macht richtig, richtig Spaß, es zu lesen. In Wirklichkeit hätte auch nur Blödsinn drin stehen können. Der Stil hat mich so erfreut, dass ich es in jedem Fall zumindest ein bisschen gemocht hätte.

Aber ich gebe zu, es steht ja nicht nur Blödsinn drin. Auch, wenn man durch die bereits bekannten Techniken mit Wünschen ans Universum und so Zeug einfach durch muss... Viele Dinge waren gut und wahr und ich wage zu behaupten, dass auch Menschen die viele Bücher dieser Art lesen, aus Radical Self Love noch das Eine oder Andere mitnehmen können.

Und jetzt das große ABER. Die Dinge die mich gestört haben. Der Grund, warum ich Radical Self Love nicht mit Pauken und Trompeten fünf Sterne gebe.
Zu Allervorderst, was mich am meisten genervt hat, waren die permanenten Bezüge auf den Blog der Autorin. Am Ende eines JEDEN KAPITELS. Und das allein wäre vielleicht noch zu ignorieren gewesen, aber es findet sich auch eine Leseempfehlung zu einem Kurs der Autorin. (mit dem man übrigens ALLE Probleme heilen kann).. Der dann einhundertirgendwas Geld kostet. Und das, obwohl sie vorher noch betont hat, wie wichtig ihr das Thema Radical Self Love ist und es mit anderen zu teilen.
Ja, klar, wenn ich Geld für etwas bekomme, ist es mir auch irgendwie wichtig,...

Dazu passend war es verstörend, dass sich manche Dinge sehr oft wiederholen. Meistens ist das Absicht und wird begründet, aber hin und wieder wirkt es willkürlich und chaotisch, als wollte die Autorin noch ein paar Seiten rausschlagen.

Wäre nicht dieses Kapitel mit dem Hinweis auf den teuren Kurs hätte mich das alles eigentlich nicht gestört. Leider steht dieses Kapitel ziemlich am Anfang und hat so beim ganzen Buch ein merkwürdiges Gefühl hinterlassen. Der Zauber der ersten Seiten war dann weg und hat sich nur viel zu langsam wieder eingestellt.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass Radical Self Love grundsätzlich ein gutes Buch ist. Es macht Spaß es zu lesen und die Dinge, die es transportiert sind gut und richtig. Leider wird zu deutlich, dass die Autroin damit Geld machen möchte. Das zu wollen ist ja auch in Ordnung, aber es war mir ein bisschen zu aufdringlich.
Von mir gibt es trotzdem eine Leseempfehlung! Ich habe mich spontan entschlossen doch vier Punkte zu geben. Für nur drei ist es einfach zu schön zu lesen!

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110 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 10 Rezensionen

joachim meyerhoff, amerika, verlust, tod, basketball

Alle Toten fliegen hoch - Amerika

Joachim Meyerhoff
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 23.12.2015
ISBN 9783462049671
Genre: Romane

Rezension:

Das Erste, was mir an dem Buch aufgefallen ist, waren die sehr langen Kapitel. Das mag ich ja eigentlich gar nicht. Aber meiner Freude an Alle Toten fliegen hoch hat das keinen Abbruch getan.

Das Buch war von vorne bis hinten sehr leicht und flüssig zu lesen und ich habe mich zu jeder Zeit gut unterhalten gefühlt. Auch sprachlich hat es mir sehr gut gefallen, man merkt, dass der Autor sich Mühe gegeben und über seine Worte nachgedacht hat. Sowas find ich toll!

Grundsätzlich ist der Inhalt schnell erzählt. Es geht um den Protagonisten, der in seinen Jugendjahren ein Austauschjahr in Amerika absolviert. Um seine Erlebnisse und Gedanken vor, während und nach der Reise. Die Geschichte wird in Ich-Form erzählt und der Stil ist dabei schön selbstironisch und humorvoll. Der Protagonist bietet mit seinen Allerwelts-Teenager-Problemen ein schönes Identifikationspotential, denn die einen oder anderen seiner Gedanken hatten wir doch alle in dem Alter.

Interessant fand ich, dass ich beim Lesen immer das Gefühl hatte, jetzt würde gleich etwas weltbewegendes passieren. Bei vielen Situationen dachte ich: Oh Gott, gleich wirds schlimm... Aber dem (und ich hoffe, das zählt jetzt nicht als Spoiler) war meistens nicht so.
Ich kann verstehen, dass einige das Buch deshalb vielleicht langweilig fanden. Wenn wir uns ehrlich sind, plätschert die Handlung so dahin, kommt auf keinen richtigen Punkt und als Leser wartet man vergeblich darauf, dass etwas passiert, dass sich endlich etwas tut...
Ich kann mich auch an Bücher erinnern, bei denen mich so etwas gestört hat, aber ich kann froh und munter sagen: Bei Alle Toten fliegen hoch war das nicht so. Das schreibe ich übrigens dem bereits gelobten Stil zu. Es war einfach nett zu lesen, es hat gut unterhalten. Ich bin auch neugierig auf den nächsten Teil!

Natürlich hat es mich in seiner Plätscherei jetzt auch nicht SO vom Hocker gerissen, dass ich ihm fünf Punkte geben kann, aber vier sind drin.

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83 Bibliotheken, 7 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

wales, besondere fähigkeiten, familie, fantasie, isle

Miss Peregrine's Home for Peculiar Children

Ransom Riggs
Flexibler Einband: 382 Seiten
Erschienen bei Quirk Books, 04.06.2013
ISBN 9781594746031
Genre: Fantasy

Rezension:

Ooh, ich freue mich so über dieses Buch! Ich wollte schon lange wieder ein Buch lesen, das mich so richtig fesselt, das ich so wenig wie möglich aus der Hand legen möchte und das ich dementsprechend in wenigen Tagen auslese. Endlich habe ich wieder einmal so ein Glück!

Ich finde, Miss Peregrins Home for Peciular Children ist ein ganz besonderes Buch! Das erste, was beim Durchblättern ins Auge sticht und das, was es auch so besonders macht, ist das Zusammenspiel von Text und Bild: Immer wieder sind – und zwar an zur Handlung passenden Stellen – Photos eingefügt. Echte Photos übrigens, die auch tatsächlich aus den Alben irgendwelcher Sammler stammen. Diese Photos sind alt und das beste an ihnen: Sie sind irgendwie gruselig. Meistens ohne wirklich etwas Gruseliges darzustellen. Sie erzeugen eine gewisse Stimmung, die ich nicht richtig beschreiben kann. Ähnlich wie bei Tim Burton Filmen. Und das passt ganz großartig zur Handlung.
Genauso ist es auch mit dem Schreibstil. Die meisten Orte sind so gut beschrieben, dass sie einem ohne gruslig (oder grausig) zu sein eine Gänsehaut bescheren.

 Übrigens bin ich sehr froh, dieses Buch auf Englisch gelesen zu haben. Die Handlung spielt zum Großteil auf einer kleinen walisischen Insel und die Figuren legen unterschiedliche britische Akzente an den Tag, sodass ich mir das als Übersetzung gar nicht vorstellen mag. Jedenfalls hat für mich dieses Detail im Text noch mehr zur wunderbar ausgearbeiteten Stimmung gepasst.
Ich hatte teilweise schon einen richtigen Film vor Augen! Oh ja, dieses Buch würde sich sehr gut zum Verfilmen eignen. Aber gleichzeitig möchte ich gar nicht daran denken, was man dabei alles falsch (das heißt: Nicht zu meiner Zufriedenheit) machen könnte…

Fragt sich schon jemand warum Miss Peregrins Home for Peculiar Children trotzdem  nur vier Sterne von mir bekommen hat? Es ist mir auch sehr schwer gefallen. Aber gegen Ende gab es ein Stück – ein langes Stück – mit dem ich einfach nicht glücklich war. Es hat sich unnötig und unrealistisch in die Länge gezogen. (Mit unrealistisch meine ich hier übrigens, dass die Figuren sich so einfach nicht verhalten würden. Nein. NEIN!). So wie ich es in manchen (gefühlt ALLEN) Filmen nicht aushalte, wenn die Bösewichte – obwohl ihnen der Held eine Waffe an den Kopf hält – noch elend lang herum schwadronieren und Predigen über ihre Bosheit halten … bis dann etwas TOTAL UNVORHERGESEHENES passiert, das den Helden aus dem Konzept bringt und das Ende nochmal hinauszögert. BAH. Braaaaaah.

Und im selben Abschnitt, in dem ich mich an solche Filme erinnert gefühlt habe, hat mich noch etwas gestört. Plötzlich war die genaue und stimmungsvolle Beschreibung dahin und alles war für kurze Zeit nur noch verwirrend. Klar, die Stelle war spannend, für mich aber leider zu wenig beschrieben, als dass ich es mir vernünftig hätte vorstellen können.
Wie gesagt, es ist mir schwer gefallen, diesem Buch nicht die volle Punktezahl zu geben. Aber obwohl es mich im Großen und Ganzen echt begeistert hat, haben mich diese zwanzig Seiten gegen Ende einfach zu sehr genervt.

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305 Bibliotheken, 11 Leser, 1 Gruppe, 22 Rezensionen

universität, liebe, literatur, ehe, professor

Stoner

John Williams , Bernhard Robben
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.12.2014
ISBN 9783423143950
Genre: Romane

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483 Bibliotheken, 5 Leser, 2 Gruppen, 14 Rezensionen

klassiker, deich, deichgraf, nordsee, der schimmelreiter

Der Schimmelreiter

Theodor Storm
Flexibler Einband: 160 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 01.05.2003
ISBN 9783596159826
Genre: Klassiker

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187 Bibliotheken, 7 Leser, 2 Gruppen, 14 Rezensionen

familie, psychiatrie, psychatrie, kindheit, vater-sohn-beziehung

Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war

Joachim Meyerhoff
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 08.01.2015
ISBN 9783462046816
Genre: Romane

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362 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 12 Rezensionen

tod, liebe, existentialismus, frankreich, schicksal

Das Spiel ist aus

Jean-Paul Sartre , Alfred Dürr (Übersetzung) , Uli Aumüller (Überarbeitung) ,
Flexibler Einband: 144 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 01.08.1952
ISBN 9783499100598
Genre: Romane

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20 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

algerien, albert camus, mord, geschwister, der fremde

Der Fall Meursault - eine Gegendarstellung

Kamel Daoud , Claus Josten
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 18.02.2016
ISBN 9783462047981
Genre: Romane

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107 Bibliotheken, 3 Leser, 3 Gruppen, 31 Rezensionen

island, vergewaltigung, krieg, deutschland, 2. weltkrieg

Eine Frau bei 1000°

Hallgrimur Helgason , Karl-Ludwig Wetzig
Fester Einband: 530 Seiten
Erschienen bei Tropen, 01.01.2012
ISBN 9783608501124
Genre: Romane

Rezension:

Ich möchte mich wieder einmal auf den Klappentext beziehen, der dieses Buch als "Gesellschaftskomödie" tituliert. Trotz des ergänzenden Attributs "rabenschwarz" habe ich nicht damit gerechnet, dass mich diese Komödie stellenweise so richtig deprimieren würde...

Aber jetzt der Reihe nach:
In Eine Frau bei 1000° lässt die achtzigjährige, bettlägrige Isländerin Herbjörg ihr Leben Revue passieren. Ihre Erzählung folgt zwar einer gewissen Reihenfolge, ist aber nicht chronologisch und von Kapitel zu Kapitel hüpft man zwischen Gegenwart und verschiedenen Punkten in der Vergangenheit herum. Um diesem Gehüpfe besser folgen zu können, steht am Anfang jedes Kapitels die Jahreszahl in der das Folgende spielen wird.

Irgendwie wäre es für mich einfacher, jedes Kapitel einzeln zu bewerten, als das Buch im Gesamten. Die einzelnen Kapitel haben in mir so unterschiedliche Reaktionen ausgelöst, dass es mir schwerfällt zu einem Schluss zu kommen.
Einige Kapitel waren richtig spannend. Oft finden sich interessante und wunderbar ironische Abhandlungen über diverse geschichtliche Ereignisse oder Länder, hier natürlich hauptsächlich über Island. Besonders gut gefallen haben mir die Kapitel, die aus der Kindheit der Erzählerin und ihrer Zeit in Dänemark berichten. Spannend waren für mich vor allem die Erzählungen aus dem zweiten Weltkrieg.

Andere Kapitel waren eher langweilig und teilweise eher verwirrend. Das erwähnte Hin- und Hergehopse in der Zeit steigert die Verwirrung dann noch zuzsätzlich. Aber eigentlich ist sie schon ein schönes Stilmittel...
Durch den größten Teil des Buches zieht sich diese (mal mehr und mal weniger unterschwellige) Verbitterung der Erzählerin. Vor allem in den Kapiteln aus der Gegenwart schaukelt sich diese Verbitterung dermaßen hoch, dass das was am Anfang noch charmant war irgendwann zu nerven beginnt. Das Buch ist dafür einfach zu lang.

Was mir so gar nicht gefallen mochte war, wie mit dem Thema Vergewaltigung umgegangen wird. Irgendwie habe ich das Gefühl diese Geschehnisse werden durch die Distanz der Erzählerin und die Ironie des Autors (obwohl wir sie noch so sehr lieben!) bagatellisiert. Ich muss aber gestehen, ich weiß nicht, wie man es besser hätte machen können. Ein weinerliches herumlamentieren einer Achtzigjährigen über die schlimmen Erlebnisse im zweiten Weltkrieg wären wohl kaum so unterhaltsam zu lesen gewesen wie Eine Frau bei 1000°.

Wie bewerte ich nun aber das Buch als Gesamtwerk? Auf jeden Fall ist es charmant geschrieben und es wird deutlich, was ich in letzter Zeit beim Lesen oft vermisse: Der Autor hat sich Mühe gegeben und nachgedacht anstatt einfach drauflos zu schreiben.
Die teilweise harten Ausdrücke passen wunderbar zur Handlung und es finden sich ganz großartige Sprachspiele auf diesen 400 Seiten.
Das ist schon sehr viel Positives, letztendlich häufen sich aber auch negative Aspekte und im Endeffekt konnte mich das Buch nicht zu hundert Prozent fesseln. Ich drücke nochmal ein Auge zu und gebe vier Sternchen.

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16 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

entspannung, zeit, gedanken, leben, positiv

7:30 - Die Minute Ihres Lebens

Hans Christian Meiser
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Allegria, 12.02.2016
ISBN 9783793422990
Genre: Sachbücher

Rezension:

Kurz ein Wort zum Klappentext:  Es heißt (als Zitat): Hans Christian Meiser kondensiert die Spiritualität großer Meister (...)
Bitte? Der Autor verflüssigt die Spiritualität durch Abkühlung? Er dickt sie durch Verdampfen ein??? Oder gibt es eine mir unbekannte Definition von kondensieren, die der Duden vergessen hat?
Also, ganz ehrlich... dieser Klappentext hätte mich abgeschreckt, wenn ich ihn in der Buchhandlung vor dem Kauf gelesen hätte...

Die Kernaussage des Buches ist, dass man sein Leben in nur sechzig Sekunden, die man sich täglich Zeit nimmt, positiv beeinflussen kann. Das Buch ist so konzipiert, dass man jeden Tag ein Kapitel liest und am Ende die Inspirationen erhält, über die man in seinen sechzig Sekunden am nächsten Tag "meditieren" soll.

Dieses Konzept hat mich irgendwie angesprochen. Ich glaube auch, dass es möglich ist, sich dadurch selbst in eine gewisse Richtung zu beeinflussen. Und ich kann mir vorstellen, dass viele Menschen heutzutage lieber eine Minute opfern, in der sie sich mit dem Inhalt eines am Vortag gelesenen Buches beschäftigen, als täglich für längere Zeit zu meditieren.


Positiv fand ich überhaupt den Schreibstil und eben die Aufteilung der Kapitel. Zusätzlich zu den Gedankenanstößen für die "Meditationsminute" finden sich am Ende der Kapitel auch kleine Aufgaben, die man zusätzlich machen kann. Eine nette Spielerei!

Problematisch war für mich, dass der Autor bei mir irgendwie offene Türen eingerannt hat. Das ist natürlich mein persönliches "Problem" und sollte niemanden daran hindern dieses Buch zu lesen. Aber ich habe mir beim Lesen schon immer öfter gedacht: Jo, eh klar, oder? Das muss ich mir doch nicht extra bewusst machen, das IST mir doch schon längst bewusst usw. usf. Dann war es etwas mühsam, eine Tatsache, derer man sich schon längst klar ist (zum Beispiel, dass das Leben endlich ist und dass man das Leben deswegen schlicht und einfach LEBEN MUSS), noch seitenweise abgehandelt zu bekommen. Leider hatte ich außerdem manchmal das Gefühl, dass gewisse Gedanken gebetsmühlenartig wiederholt und unnötig in die Länge gezogen wurden..
Die oben erwähnten Aufgaben waren allerdings teilweise richtig ansprechend! Denn auch wenn ich die meisten Gedankenexperimente aus dem Kapiteln irgendwie schon durch hatte, konnte ich durch manche Aufgaben doch auch etwas Neues mitnehmen.

Was ich allgemein an Büchern wie diesen öfter bemerke und was mich auch stört ist, dass "uns" Menschen immer wieder unterstellt wird, wir würden dieses oder jenes tun. Wir würden die Schönheit des Sonnenscheins auf dem stressigen Weg in die Arbeit nicht erkennen usw. Ich glaube das nicht. Ich glaube dass wir das alle sehr wohl tun (manche vielleicht nicht bewusst genug, jaja) und fertig. 
Aber gut.

Viel Schönes dabei und sehr nett umgesetzt, wenn auch teilweise irgendwie redundant. Sollte man aber auf jeden Fall lesen, denn ich glaube, dass viele Menschen so einiges aus der Lektüre mitnehmen könnten!

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240 Bibliotheken, 13 Leser, 1 Gruppe, 11 Rezensionen

schule, lehrer, juli zeh, bonn, sex

Spieltrieb

Juli Zeh
Flexibler Einband: 800 Seiten
Erschienen bei btb, 15.11.2011
ISBN 9783442741038
Genre: Romane

Rezension:

Nicht umsonst scheint die Autorin in Spieltrieb mehrfach Den Mann ohne Eigenschaften zu erwähnen. Es wirkt, als hätte sie versucht (!) ein ähnlich bedeutsames Werk zu schreiben und sich irgendwie an Musil anzulehnen... Ein eher ehrgeiziges Projekt

Wo fange ich bloß an? Vielleicht erst mal ein bisschen Grundsätzliches... Bei Spieltrieb handelt es sich um einen Roman, dessen Handlung auch auf 100 Seiten erzählt werden könnte. Er lebt von philosophischen Exkursen und sprachlichen Konstruktionen. Außerdem finden sich Haufen an literarischen Verweisen, über die man sich als Viel-Leser (und -Leserin natürlich) freuen kann. 

Der Stil ist wirklich Matapher-überladen, das kann man mögen, so wie ich... wenn man das aber nicht mag, erscheint einem Spieltrieb möglicherweise vor allem als eines: Zu lang.

Die Handlung scheint unendlich aufgeplustert, von jeder Figur erfährt man seitenweise Hintergrundgeschichte (alles ausgeschmückt mit einer Metapher, die die nächste jagt) und ebenso seitenweise darf man den philosophischen Gedanken jeder dieser Figuren folgen.
Ich kann mir wirklich gut vorstellen, dass man das unerträglich finden kann. Ich fand es allerdings großartig! Ich liebe den Stil in Spieltrieb, ich habe mich über jeden intertextuelle Verweis riesig gefreut und ganz gespannt die philosophischen Ausführungen verfolgt. Stilistisch waren sie fantastisch.
Inhaltlich hingegen konnte ich nicht so recht etwas Neues finden. Wenig, dass mich zum Nachdenken angeregt hat. War alles schon mal da, kennt man schon, muss man sowas noch erwähnen? Von diesem Blickwinkel aus, wirken die stilistischen Ausschmückungen ein bisschen übertrieben. Hochtrabende Verpackung für bereits durchgekauten Inhalt... Es wirkt, als habe die Autorin mit sprachlichen Kunstgriffen versucht, möglichst intellektuell zu klingen, damit man sie so wenig wie möglich versteht und so wenig wie möglich die Allgemeinplätze erkennt, die dahinter stehen.
Aber naja, mir hat der Stil eben doch so gut gefallen, dass ich darüber hinwegsehen kann.


Dann ist da noch die Handlung. Grundsätzlich spannend. Nette Interpretation der Spieltheorie.
Man muss aber schon eine gewisse Anstrengung aufbringen, um sich darauf einzulassen. Die Hauptfiguren sind Schüler, der Roman spielt hauptsächlich in ihrer (schulischen) Umgebung.
Und dann stolpert man über
"Ich breche keine Lanze für die Anarchie. Ich schildere ihnen nur die spezielle Müdigkeit, die jeden befällt, der sich anhören muss, was gut und böse, richtig und falsch sei, obwohl niemand mehr die Grundlagen dieser Unterscheidung zu benennen vermag. Moral dient der Herbeiführung von Berechenbarkeit." S. 552
Zeiget mir eine Sechzehnjährige, die auch nur ansatzweise so spricht, bitte. Meines Wissens nach, braucht man heutzutage mindestens eine Beleidigung, gefolgt von einem "Alta!", um einen jugendsprachlich korrekten Satz zu bilden. Und selbst wenn das Buch schon älter ist... Auch damals hat NIEMAND so gesprochen. Und auch nicht über solche Dinge nachgedacht, wie die Protagonisten es tun. Und wenn es doch jemand getan, und sich auf ein solches Spiel eingelassen hätte, wie die "uuuh, wir sind die Urenkel der Nihilsten"-Jugendlichen in diesem Buch, hätte er spätestens bei den Konsequenzen seines Blödsinns den Schwanz eingezogen.
Es hat einfach nicht gepasst. Für mich ist die Jugend (von damals wie von heute) einfach mehr "Fack ju Göte" und weniger Nietzsche.

Daran anknüpfend ein abschließendes Wörtchen zu den Figuren: Die Hintergrundinformationen zu den Akteuren geben der Handlung einen sehr schönen Rahmen. Durch die philosophisch anmutenden Diskussionen, die sie miteinander führen lassen sich wunderbar ihre Motive verstehen.
Aber die Hauptfigur, Ada, fand ich trotzdem so unglaublich unsympathisch. Wie kann man auch jemanden sympathisch finden, der so eingebildet und von seiner Denkweise so überzeugt ist? Jaaa, die Kleine hat nicht nur alles verstanden sondern überzeugt auch ruck-zuck jede erwachsene Figur, der sie begegnet, weil.. Tja, die hat die Welt wohl einfach gecheckt, nicht wahr? Brrr!

Fazit: Das Buch hat sehr viel Gutes: Sprachlich zum Beispiel. Auch der Aufbau der ganzen Geschichte lässt erkennen, dass sich die Autorin tatsächlich etwas gedacht hat, bei dem was sie tut.  Und das mag ich! Es hat mir im Großen und Ganzen Spaß gemacht, das Buch zu lesen. Auch die Handlung ist an sich ziemlich spannend.
Aber um so richtig von diesem Buch begeistert zu sein, war mir das Lesen zu anstrengend: Es war anstrengend, die wunderschön verpackten aber eigentlich eher ausgelutschten Ergüsse der Protagonisten hinzunehmen. Es war anstrengend, die Tatsache auszublenden, dass die Figuren, die da über Spieltheorie und Moral philosophieren als würden sie auf Godot warten, Jugendliche im Jahr 2000 sein sollen. Und es war anstrengend sich zu beherrschen, wegen der schrecklich prätentiösen und affektierten Art der Protagonistin das Buch nicht gegen die Wand zu werfen.

Ich hätte gerne mehr gegeben.. aber nach gründlichem Nachdenken gebe ich drei Punkte.

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294 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 131 Rezensionen

thriller, berlin, zelle, jonas winner, familie

Die Zelle

Jonas Winner
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 11.01.2016
ISBN 9783426512760
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Das Buch kommt relativ schnell zur Sache. Schon in den ersten Kapiteln macht der elfjährige Protagonist Sammy seine schaurige Entdeckung...
Ja. Und schon ab diesem Zeitpunkt lässt einen die Zelle nicht mehr los.

Und ich meine: Wirklich nicht mehr los. Falls sich jemand gewundert hat, warum es bei dem Post auf meinem Blog nicht wie gewöhnlich ein vorangestelltes Zitat gibt... Ich hatte keine Zeit eines aufzuschreiben. Nicht mal zum Seitenzahl notieren bin ich gekommen. Dazu war es zu spannend. Es war zu spannend um es auf die Seite zu legen. Das ging sogar so weit, dass ich Pläne verschoben habe und fast zu spät zur Arbeit gekommen wäre. So ein Buch wollte ich schon lange wieder lesen!

Dabei passiert zwischen dem spannenden Anfang und dem unpackbar guten Ende eigentlich nicht besonders viel. Das ist auch ein Kritikpunkt, über den ich in einigen anderen Rezensionen gestolpert bin. Mich hat das allerdings gar nicht gestört. So überhaupt nicht! Ich wollte einfach nur wissen, was da gerade abgeht im Leben oder im Kopf dieser Hauptfigur.
Denn das ist es, worum es in diesem Buch geht... Alles dreht sich um Sammy, der das, was er erlebt hat, in Ich-form niederschreibt. Viele mögen das zu wenig finden, mir war das egal.

Einen einzigen Kritikpunkt habe ich anzubringen (aber nicht mal der bewirkt irgendeinen Punktverlust): Die Beschreibungen der verschiedenen Räumlichkeiten und deren Beschaffenheit haben mich zugegeben sehr verwirrt. Ich konnte dem einfach nicht folgen. Eine Ausbuchtung, in der eine Rundung ist, von der ein Stift abgeht usw. usf. ... Äh? Hä? Ja. Habe ich dann einfach überlesen.
Und wie gesagt, hat das diesem wunderbaren Leseerlebnis keinen Abbruch getan.

Um nicht zu Spoilern, aber um eventuelle Kritiker umzustimmen, die das Buch aus irgendwelchen mir nicht nachvollziehbaren Gründen vielleicht abbrechen wollen sage ich außerdem noch: Du liebe Güte, der Schluss, DER SCHLUSS!!
(ich will hier gar nicht behaupten, dass am Schluss etwas Relevantes passiert... Nur, dass er mir gefallen hat.)

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