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Roma Nova

Judith Vogt
Flexibler Einband: 608 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 27.07.2018
ISBN 9783404209149
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Der Titel dieser Rezension zitiert bewusst die Worte eines Menschen, der unter ähnlicher Unterdrückung in einem Weltreich gelebt hat. Nämlich dem Römischen Imperium, auf das die Autorin Bezug nimmt.

Science Fiction spiegelt immer die Zeitumstände. Angesichts der aktuellen politischen und sozialen Entwicklungen darf sich also niemand wundern, dass in Judith C. Vogts Roma Nova eine brutale Zweiklassen-Gesellschaft, eine Militärdiktatur und – auch dieser Aspekt wird deutlich herausgearbeitet – ein Überwachungsstaat in Szene gesetzt wird. Big Brother is watching you und wo die überall installierten Überwachungskameras einmal doch nicht hinsehen können, übernehmen diese Aufgabe eifrige Bürger und Bürgerinnen. Jeder (und jedem) sein eigener Denunziant.

Das Volk wird durch Brot und Spiele ruhig gestellt. Wer nicht selbst in die Arena gehen mag, kann sich die Gladiatorenkämpfe bequem von zu Hause auf der Couch ansehen. Ähnlich wie im historischen, alten Rom sind auch diese Spiele eine Mischung aus öffentlich vollzogenen Hinrichtungen und Kampf-Show mit regelmäßig blutigem, oft tödlichem Ausgang. Die Kämpfer sind gefeierte Stars, sie werden aber, sofern sie das Spektakel überleben, nach ihrem Auftritt sofort wieder eingesperrt. Jeder einzelne Gladiator hat das Verbrechen begangen, sich gegen das Römische Imperium aufzulehnen. Seine Patrizier, die gleichzeitig Kriegsherren sind, betreiben eine aggressive Expansionspolitik. Das neue Rom hat sich längst weit ins All hinaus ausgedehnt und jede Kolonialwelt, die sich seinen Legionen widersetzte, unterjocht.

Der Roman ist eine Parabel, ein Lehrstück und ein bitteres dazu. Er zeigt sehr schön, dass die Mächtigen der von Vogt dargestellten Welt sich überhaupt nicht bewusst sind, dass sie ihre Macht missbrauchen. Die Mitglieder der Familie der Mariner, die selbst nach sozialer Ächtung und finanziellen Ruin gerade eben erst wieder die Spitze der Gesellschaft erklettern, betrachten sich im vollen Recht. Es kommt niemandem von ihnen in den Sinn, welches Leid sie den Menschen zufügen, die sie versklavt haben. Weder dem Vater, der Geschäftsfreunde auf seine Luxusraumjacht einlädt, um sich dort ihre Unterstützung für einen weiteren Eroberungsfeldzug zu sichern, zur Ehre und dem Profit Roms und natürlich seinem eigenen. Noch seiner Tochter, deren einziger Daseinszweck zu Beginn der Handlung darin besteht, möglichst gewinnbringend, das heißt an einen Geschäftsfreund des Vaters verheiratet zu werden und sonst bella figura zu machen. Diese Constantia Marina ist nebenbei die einzige Spielfigur der Autorin, der eine gewisse Wandlung möglich ist. Wenn auch nur unter Zwang, dem des Fluchs der Sklavin Marisa.

Ihr Rachedurst setzt die Ereignisse in Gang. Der Patrizier missbraucht sie sexuell und hat ihren Mann zum Gladiator gemacht. Spartacus ist der Star der Arena. Er will nur überleben, sich die Freiheit erkaufen und seine Frau wiedersehen, doch als er erfährt, dass er betrogen werden soll, zettelt er einen Aufstand der Unterschicht des Molochs Roma Nova an. Zwar gelingt es ihm, mit einer Truppe Getreuer die Stadt zu verlassen und bis an den Rand des Imperiums vorzustoßen. Die freien Völker gewinnen eine Schlacht gegen die Übermacht des Imperiums. Doch es ist ein Pyrrhus-Sieg. Spartacus ist tot und der Aufstand in Rom endet für die Unterdrückten im Desaster. Am Ende stehen alle Spielfiguren wieder auf Anfang.

Deprimierend? Vielleicht! Doch für den Leser ganz großes Kino.

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Das Geheimnis von Silent Rose

Isabell Schmitt-Egner
E-Buch Text
Erschienen bei Impress, 03.05.2018
ISBN 9783646604399
Genre: Sonstiges

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38 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 12 Rezensionen

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Der Große Zoo von China

Matthew Reilly
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Festa Verlag, 18.08.2017
ISBN 9783865525628
Genre: Fantasy

Rezension:

Okay – womit fange ich an? Wer Jurassic Park kennt oder auch nur davon gehört hat, weiß sofort, was Leser hier erwartet und genauso beginnt der Roman Der Große Zoo von China auch. „Die Chinesen“ bauen vierzig Jahre im Geheimen einen Zoo für echte, lebende, echt fliegende Drachen und als alles fix und fertig ist, laden Sie internationale Presse zu einer Promotion-Tour auf das Gelände ein.

Der Reptilien-Expertin CJ Cameron, ihrem Fotografen-Bruder, der für die Muskeln zuständig ist, einem US-Diplomaten samt Attaché, Leuten eines TV-Senders und einigen chinesischen Polit-Büro-Größen samt Ehefrauen und einem Enkeltöchterchen, das für die Niedlichkeit zuständig ist, wird das Gelände gezeigt.

Es geht einmal per Seilbahn halb um das Zoo-Gelände, die ersten Drachen fliegen majestätisch am Himmel, die technischen Einzelheiten werden erklärt, warum die Biester nicht flüchten können– und spätestens ab da sollte jeder, der nur irgendwann einen Thriller gelesen hat, Verdacht geschöpft haben.

Ich spare mit den Ablauf der Schlacht, die CJ und verschiedene andere Staffagen, darunter Miss Niedlichkeit natürlich überleben, und komme gleich zum Hauptpunkt meiner Kritik.

Wir wissen, dass China ein kommunistischer, totalitär regierter Staat ist. Doch die absolute Schwarz-weiß-Malerei des Autors verleidete mir das Lesen mehr und mehr. Man konnte darauf warten, dass die Betreiber dieses Zoos kräftig auf die Schnauze fallen. Das macht der Autor routiniert. Du meinst nach jeder Katastrophe, schlimmer geht nimmer. Doch Matthew Reilly setzt immer und immer noch einen oben drauf.

Doch gerade das wird mit der Zeit vorhersehbar und damit langweilig. Zudem wird die Handlung immer unwahrscheinlicher. Wir kennen es natürlich von James Bond und anderen Superhelden, dass sie zusammengeschlagen, angeschossen, dass Feuer gegen sie gespien wird und sie trotz all dem als Stehauf-Männchen weiterkämpfen. CJ ist auch so ein Fall. Unglaublich, was der Körper dieser Frau alles aushält und ihr Reittier sind genauso unkaputtbar.

Ich muss hier ein wenig spoilern. CJ‘ gewinnt das Herz eines „guten“ Drachen, der oder vielmehr die, Lucky ist ein Weibchen, natürlich mir ihr gegen die bösen Artgenossen kämpft. Lucky wird mehrfach schwer verletzt und von CJ jedes Mal wieder zusammengeflickt und erneut in die Schlacht geworfen. Ab da wurde die Handlung extrem unglaubwürdig.

Was mich aber am Massivsten störte, war der Rassismus im Roman. Wieder einmal waren alle die Asiaten bis auf einen Underdog, der aber seine Aufgabe auch von CJ gestellt bekommen musste, die Bösen. Die Weißen waren bis auf einen Karrieristen, die Guten, die unschuldigen Opfer.

Ich meine, in dieser Beziehung sollten sich Autoren allgemein schon ein wenig mehr anstrengen.

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Das blutende Land: Roman

Klaus N. Frick
E-Buch Text: 544 Seiten
Erschienen bei Knaur eBook, 26.10.2017
ISBN 9783426444054
Genre: Fantasy

Rezension:

Das Blutende Land ist nicht eigentlich eine Dystopie. Man muss schon sagen: leider. Der Roman von Klaus Frick zeigt vielmehr recht realistisch, was die Gier nach Macht bewirken kann. Die Faktoren, die zur Katastrophe führen, sind allerdings viele und die Mitstreiter, die ohne es zu ahnen in schöner Gemeinsamkeit gegeneinander arbeiten, zahlreich.

Darum verlangt die Lektüre über weite Strecken vielleicht mehr Geduld, als der Leser aufbringen möchte. Wer durchhält, wird jedoch belohnt.

Nein, auch das ist der falsche Ausdruck. Frick geht immer bis an die Schmerzgrenze. Seine Protagonisten werden schonungslos bloßgestellt. Da ist zum Beispiel jener jüngerer Sohn aus der Oberschicht mit dem entsprechenden Standesdünkel, der einen unbedeutenden Statthalter-Posten in der Provinz zugeteilt bekommt, auf dem er aller Wahrscheinlichkeit nichts anstellen kann – und der natürlich unbedingt eine gute Figur machen will, Bedeutung erlangen. Der darum ein leichtes Opfer der Einflüsterungen einer weiteren Figur dieses Romans wird, die von einer anderen Gruppe mit schwindender Macht ausgesandt wurde, um ihn von den wirklichen Vorgängen abzulenken. Das geht schief, in gleich mehrerer Hinsicht. Doch es führt hier zu weit, bis ins Detail auszuführen, hinter welchen Heiligen Gral alle Gruppen her sind, die das Land letztlich nur zum Bluten bringen.

Bluten und leiden werden in dem Krieg, der aus den Machenschaften verschiedener Beteiligter entsteht, hauptsächlich wieder die kleinen Leute. Menschen, die nichts getan haben, das ihr Leiden rechtfertig. Das im Übrigen ungeschönt dargestellt wird. Urteile werden gnadenlos vollstreckt, die Henker lassen ihren teils unschuldigen Opfern kein letztes Fitzelchen Würde, die Mörder und Vergewaltiger erfahren keinerlei Läuterung und die Schlachten sind, was sie heißen: Es ist ein Hauen und Stechen, Schreien, Blut, Gestank, dass man davon entsetzt ist.

Niemand kommt ungeschoren davon.

Nicht der junge Held des Romans, der zu Beginn des Romans aus Unwissenheit Unrecht begeht und in der Folge bitterbose am eigenen Leib erfährt, was Besessenheit wirklich bedeutet. Frick schreibt keine attraktiven Helden, denen die Frauen zu Füßen liegen. Hier wird keine Welt gerettet, wir erleben im Gegenteil einen Untergang, mit dem keiner der Protagonisten gerechnet hat, der aber das Ausmaß einer Lawine annimmt. Frick zeigt das alte Thema des Zauberlehrlings. Die Geister, die im Blutenden Land gerufen werden, nehmen an den Rufern Rache.

Am Ende ist nach dem Krieg eindeutig vor dem Krieg. Es gibt nur quasi Sieger, Menschen, die zu ihrem eigenen Erstaunen überlebt haben und nun wieder bei Null beginnen müssen – wie übrigens alle Überlebenden, auch realer Katastrophen.

Niemandem wird vom Autor etwas geschenkt.

Wer keinen der bekannten „echten“ Kriegsromane lesen möchte und keinen Bock auf die übliche „Junge-rettet-im-Alleingang-die-Welt“ High-Fantasy mehr hat, sollte unbedingt „Das Blutende Land“ lesen. Der Roman ist es wert.

Alle anderen seien hiermit gewarnt.

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47 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 30 Rezensionen

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Saint Falls (Sammelband): Märchen aus der Welt des Verbrechens

David Michel Rohlmann , Maria Engels , Jenny Wood , Cat Lewis
E-Buch Text
Erschienen bei null, 24.04.2017
ISBN B0713QX361
Genre: Sonstiges

Rezension:

Es war einmal und wird immer sein ...
Aber von "und sie lebten wie im Märchen" ist in Saint Falls nichts zu bemerken. Allen Einzelgeschichten ist die düstere Grundstimmung gemeinsam, die Helden kämpfen mal einsam, mal vereint gegen das Böse, das am Ende (nein, das verrate ich jetzt nicht).

Lesenswert und wirklich spannend machen diesen Sammelband zwei Dinge: Die Leser dürfen knobeln, welche Märchenfiguren für die jeweilgen Protagonisten Pate gestanden haben - die Hinweise sind immer eindeutig, aber geschickt verpackt. Außerdem ergeben alle Einzelbeiträge der Anthologie zusammen ein rundes Bild. Das einzige, das mich bei der Lektüre ein wenig gestört hat, war das doch ausschließlich pessimistische Bild, das hier heraufbeschworen wird.

Es gibt in Saint Falls nur die Nachtseite. Batman trifft in Gotham wenigstens ab und zu Bürger, meinetwegen auf Wohltätigkeitsbällen, die ganz normale Leute sind. Das kann man zwar auch schon wieder als Störung betrachten, die Normalbürgerlichkeit. Dennoch dachte ich, je weiter die Handlung fortschritt, je mehr sich der Konflikt zwischen den beiden Haupt-Bösen zuspitzte, dass es selbst in Saint Falls Bäcker und Mezger geben muss, die keine kleinen Kinder backen oder Jungfrauenleber, das Kilo zu 18.95 € anbieten.

Ein, zwei Lichtblitze dieser Art hätten der Sammlung gut getan. Die Dunkelheit wird umso bedrohlicher wahrgenommen, wenn in ihr nicht absolut jeder rosige Schimmer der Hoffnung zerstört wird. Frodo hätte in Saint Falls wahrscheinlich den Ring am Finger behalten.


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Hinter Dornenhecken und Zauberspiegeln

Julia Adrian , Susanne Gerdom , Kate Forsyth , Nina Blazon
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Drachenmond-Verlag, 20.10.2016
ISBN 9783959911818
Genre: Fantasy

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Das Lied der Krähen

Leigh Bardugo , Michelle Gyo
Flexibler Einband: 592 Seiten
Erschienen bei Knaur, 02.10.2017
ISBN 9783426654439
Genre: Fantasy

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15 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

abenteuer, dramatische liebesgeschichte, elemente, fantasy, faun, gay fantasy, gay romance, liebe, liebesgeschichte, luves, magie, magier, magier gilde, märchen, zauber

Luves: Die Magier von Cimala

Bianca Schäfer
Flexibler Einband: 354 Seiten
Erschienen bei CreateSpace Independent Publishing Platform, 18.09.2017
ISBN 9781975820992
Genre: Sonstiges

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98 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 28 Rezensionen

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Die Spiegel von Kettlewood Hall

Maja Ilisch
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 03.04.2018
ISBN 9783426520789
Genre: Fantasy

Rezension:

Die Spiegel von Kettlewood Hall beginnt atypisch für einen Horrorroman - wenn man das Buch kategorisieren möchte, dann  letztlich doch als Beispiel für dieses Genres und um es gleich im Voraus zu sagen: als gutes. Doch bis die Heldin das Schloss erreicht, in dem es dann fast wider Erwarten tatsächlich spukt, sehen sich Leser mit anderen, leider Gottes realen, sehr schrecklichen Zuständen konfrontiert.

Iris, die Heldin des Romans, hat es im Leben nicht leicht. Sie gehört zu den Underdogs der englischen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts, sie arbeitet in einer Spinnerei, die Arbeit hat sie verstümmelt, sie ist arm, kaum gebildet und unehelich geboren. Ihre Mutter ist tot, ihre Großmutter hasst sie und sie weiß, früher oder später wird sie sich verkaufen müssen. Es geht kaum noch schlimmer.

Man bangt mit Iris, hofft, dass sich endlich ein Lichtstahl zeigt, ein kleiner Hoffnungsschimmer in der Misere .  Tatsächlich besitzt Iris etwas, ihre Mutter hat ihr eine Schachfigur hinterlassen, und die führt sie nach einigen Umwegen nach Kettlewood Hall. Dort, so hofft sie, wird sie endlich ein besseres Leben finden.

Es ist ein Verdienst der Autorin, dass sie die Hoffnungen ihrer Heldin niedrig ansetzt. Ich fühlte mich ein wenig an Eliza Doolittle erinnert "nur ein Zimmerchen irgendwo". Ja, und warme Füße und genug im Magen, um nicht vor Hunger umzukippen. Iris bekommt das alles, Zimmer, Nahrung und Kleidung und alle Bewohner des Herrenhauses, die Lords und Ladys und die jungen Damen sind (zunächst) so nett zu ihr, weil sie die verlorene Schachfigur zurückgebracht hat, dass ich als Leserein misstrauisch wurde.

Auch das muss man Maja Ilisch unbedingt positiv anrechnen: Es gelingt ihr, die Horrorelemente unmerklich einzuführen und die Spannung nur sehr langsam zu steigern. Für Hollywood mit seiner Gier nach Splatter-Action ist dieser Roman sicher nichts, das heißt, nicht für das heutige Hollywood. Wer an Gaslicht mit Ingrid Bergmann und Charles Boyer denkt - ein Film, der einer ganzen Gattung den Namen gegeben hat: genau diese sanfte Stimmung, dieser Suspense gelingt der Autorin.

Nichts ist in Kettlewod Hall wie es scheint, alle Hausbewohner spielen Rollen und alle zwingen Iris dazu, all ihren Witz anzustrengen und all ihren Mut, bis sie das Rätsel des Herrenhauses löst.

Welches dies ist, beziehungsweise, welchen Schachzug sie letztlich anwendet, werde ich hier nicht verraten.  Der Roman ist so gut durchkomponiert, dass es einfach nur schade wäre, weiteren Lesern und es werden hoffentlich viele sein, die Spannung zu nehmen.

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4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

migration, phantastik

Arbeitsbericht des Bundesamtes für magische Wesen: Migration, Heimat und Herkunft

Alpha O'Droma , Hagen Ulrich , Angelika Monkberg , Antonia Günder-Freytag
Flexibler Einband: 152 Seiten
Erschienen bei Books on Demand, 01.04.2016
ISBN 9783839103807
Genre: Science-Fiction

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Jinntöchter

Carmilla DeWinter
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Edition Roter Drache, 02.02.2018
ISBN 9783946425410
Genre: Fantasy

Rezension:

Dieses Buch ist Unterhaltung im besten Sinn, nämlich intelligente Unterhaltung. Doch sei der Leser gewarnt: Ein Märchen erzählt die Autorin wirklich nicht. Eher reibt sie uns Prise für Prise Wahrheiten unter die Nase und das sehr geschickt. Aber jetzt – genau wie die Erzählerin, die der Handlung quasi wie in einem Zwischenspiel immer wieder einen schönen Takt gibt, uns hineinschickt und wieder herausreißt, die Spannung mal steigert, mal geschickt bremst – also mitten hinein:

Wir befinden uns mit dieser Geschichte in unruhigen Zeiten. Ein Volk von Eroberern hat sich in Jinntöchter vor etwa einer Generation im Land der Besiegten breitgemacht und der Bevölkerung die eigenen Wertvorstellungen aufgedrückt. Es ist noch nicht lange genug her, dass die Besiegten ihre alten Götter vergessen und sich die neuen wirklich zu eigengemacht hätten. Die Sitten der Sieger werden befolgt, aber verinnerlicht sind sie noch nicht. Der Normalbürger will keinen Ärger und die Heldin, Maya, eigentlich nur das, was jeder Mann, jede Frau will – ein Heim, eine Zukunft. Genau damit tut sie sich aber schwer, denn sowohl in den Wertvorstellungen der Eroberer wie der Besiegten gilt sie als illegitim und damit bleibt ihr als einzige Möglichkeit sich zu verkaufen.

Versteht sich, das macht Jinntöchter sehr klar, dass genau die Gesellschaft, die Maya ausgestoßen hat, ihre Dienste nur zu gern in Anspruch nimmt. Scheinheiligkeit ist so alt wie die Welt und genauso lange fordert Unterdrückung, gleich welcher Art, Widerstand heraus. Die Erzählerin der Handlung rollt vor den Augen der Leser einen reich gemusterten Teppich von Wünschen und Motiven aus. Er gibt Verschwörer, die darauf hoffen, die alte Ordnung wiederherzustellen und die Eroberer aus dem Land zu jagen, samt ihrer Priesterschaft. Die Eroberer wiederum gieren nach neuen Schätzen, die sie jenseits der Grenze der Besiegten in einem noch weiter entfernten Land zu finden hoffen. Während das Volk, das dort lebt, noch einmal andere Wertvorstellungen hat, die mit denen Mayas, ihrer Landsleute und denen der Eroberer in keiner Weise kompatibel sind.

Manchmal, das tut aber dem Lesevergnügen nur minimal Abbruch, wird die Handlung ein wenig zu sehr zur Parabel, zu deutlich zum Spiegel, den uns die Figur der Erzählerin vorhält. Denn es geht es in Jinntöchter um Vorurteile. Jeder von uns besitzt sie. Es geht um Hetero‑ gegen Homosexualität, Patriarchat gegen Matriarchat, Macht gegen Ohnmacht und um Gehorsam gegen Rebellion. Viele der handelnden Personen müssen erleben, dass die Werte, an denen sie sich ihr ganzes Leben festgehalten haben, im Grund nichts wert sind. Einige entdecken neue Werte, andere gehen unter. Nicht alles in diesem Roman endet im happy End, doch die gesamte Handlung ist in sich absolut stimmig und dass Maya tatsächlich ihren Platz findet, sogar einen, mit dem die Leser nicht gerechnet haben: Wunderbar!

Da es sich dabei um Fantasy handelt, gibt es quasi zusätzlich mächtige Geistwesen, Jinun. Besser bekannt als Dschinns. Sie spielen eine wichtige, aber keine absolute Rolle, genauso wenig wie Magie eine unverzichtbare Rolle im Rahmen der Handlung spielt. Die Autorin benutzt sie, um manche Dinge plausibler zu machen, als sie es ohne Magie wären. In diesem Sinn ist die Magie diese k‑einen Märchens genau wie die Erzählerin mit ihrer Rahmenhandlung ein Kunstgriff.

Carmilla deWinter benutzt auch sprachlich einen Kunstgriff, auf den man sich einlassen muss: Um darzustellen, dass die Jinun, Geister der Wüste, als solche (eigentlich) kein Geschlecht haben, mal Sie mal Er sein können, sind sie bei der Autorin sier. Man kann es beim Lesen als Stolpersteine empfinden, man kann Carmilla DeWinter für die Konsequenz bewundern, mit der sie das durchzieht. Ich wünsche Jinntöchter auf jeden Fall viele begeisterte LeserInnen.

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4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

düster, familiengeheimnisse, fantasy, gruselfaktor, mystische welt, schach, spiegel, spielt im 19. jahrhundert

Die Spiegel von Kettlewood Hall

Maja Ilisch
E-Buch Text: 405 Seiten
Erschienen bei Knaur eBook, 01.02.2018
ISBN 9783426442951
Genre: Fantasy

Rezension:

Die Spiegel von Kettlewood Hall beginnt atypisch für einen Horrorroman - wenn man das Buch kategorisieren möchte, dann  letztlich doch als Beispiel für dieses Genres und um es gleich im Voraus zu sagen: als gutes. Doch bis die Heldin das Schloss erreicht, in dem es dann fast wider Erwarten tatsächlich spukt, sehen sich Leser mit anderen, leider Gottes realen, sehr schrecklichen Zuständen konfrontiert.

Iris, die Heldin des Romans, hat es im Leben nicht leicht. Sie gehört zu den Underdogs der englischen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts, sie arbeitet in einer Spinnerei, die Arbeit hat sie verstümmelt, sie ist arm, kaum gebildet und unehelich geboren. Ihre Mutter ist tot, ihre Großmutter hasst sie und sie weiß, früher oder später wird sie sich verkaufen müssen. Es geht kaum noch schlimmer.

Man bangt mit Iris, hofft, dass sich endlich ein Lichtstahl zeigt, ein kleiner Hoffnungsschimmer in der Misere .  Tatsächlich besitzt Iris etwas, ihre Mutter hat ihr eine Schachfigur hinterlassen, und die führt sie nach einigen Umwegen nach Kettlewood Hall. Dort, so hofft sie, wird sie endlich ein besseres Leben finden.

Es ist ein Verdienst der Autorin, dass sie die Hoffnungen ihrer Heldin niedrig ansetzt. Ich fühlte mich ein wenig an Eliza Doolittle erinnert "nur ein Zimmerchen irgendwo". Ja, und warme Füße und genug im Magen, um nicht vor Hunger umzukippen. Iris bekommt das alles, Zimmer, Nahrung und Kleidung und alle Bewohner des Herrenhauses, die Lords und Ladys und die jungen Damen sind (zunächst) so nett zu ihr, weil sie die verlorene Schachfigur zurückgebracht hat, dass ich als Leserein misstrauisch wurde.

Auch das muss man Maja Ilisch unbedingt positiv anrechnen: Es gelingt ihr, die Horrorelemente unmerklich einzuführen und die Spannung nur sehr langsam zu steigern. Für Hollywood mit seiner Gier nach Splatter-Action ist dieser Roman sicher nichts, das heißt, nicht für das heutige Hollywood. Wer an Gaslicht mit Ingrid Bergmann und Charles Boyer denkt - ein Film, der einer ganzen Gattung den Namen gegeben hat: genau diese sanfte Stimmung, dieser Suspense gelingt der Autorin.

Nichts ist in Kettlewod Hall wie es scheint, alle Hausbewohner spielen Rollen und alle zwingen Iris dazu, all ihren Witz anzustrengen und all ihren Mut, bis sie das Rätsel des Herrenhauses löst.

Welches dies ist, beziehungsweise, welchen Schachzug sie letztlich anwendet, werde ich hier nicht verraten.  Der Roman ist so gut durchkomponiert, dass es einfach nur schade wäre, weiteren Lesern und es werden hoffentlich viele sein, die Spannung zu nehmen.

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14 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

amulett, anderswelt, anthologie, geister, gruselige kurzgeschichten, gruselmeer, halloween, horror, kurzgeschichte, kurzgeschichten, reise, ruine, traum, zombies, zug

Gruselmeer: schaurig schöne Kurzgeschichten

Tinka Beere , Myna Kaltschnee , Sabi Lianne , Florian Waldner
E-Buch Text
Erschienen bei Independently published, 17.10.2017
ISBN B076JJP34G
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Für diese Anthologie haben sich neun AutorInnen zusammengetan, die dem Leser mit den einzelnen Beiträgen ein breites Spektrum zwischen fast Besinnlichem bis Splatter anbieten.  Es ist definitiv für jeden Lesegeschmack etwas dabei - was natürlich bedeutet, dass auch mir nicht alles gefallen hat.

Ruhige, eher sanfte Stimmungen prägen "Die Anderswelt" und "Ein Traum".

"Die Brandruine" und "Carnivorenexpress" bewegen sich eindeutig auf der Stufe Horror bis heftig, genau wie "Der Ring des Raxoth" .

Mir haben "Das Haus in Athens", "Am Salzmarkt" und trotz kleiner Längen auch "Das Amulett von Whitby" am besten gefallen. Alle drei Kurzgeschichten sind rund erzählt, die beschriebenen Welten sind genauso stimmig wie die Charaktere.
Jede einzelne Story besitzt das Potenzial, sie zu einem Roman auszuweiten.  Der in dem einen oder anderen Fall auch den Raum bieten würde, einige Fragen zu klären, die beim Lesen offen blieben.

"Die steinerne Frau" nimmt in der Sammlung eine Sonderstellung ein.  Das Grauen, das hier geschildert wird, entsteht zum großen Teil dadurch, dass eine Sklavenhaltergesellschaft geschildert wird.  Die philosophisch-moralische Grundhaltung, die dahinter zu erkennen ist, ist lobenswert. Hebt aber diese Kurzgeschichte völlig aus dem Kontext einer Anthologie mit dem Titel "Gruselmeer" heraus.



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298 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 151 Rezensionen

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Das Erbe der Macht - Essenzstab

Andreas Suchanek
E-Buch Text
Erschienen bei Greenlight Press, 28.10.2016
ISBN 9783958342255
Genre: Fantasy

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494 Bibliotheken, 9 Leser, 2 Gruppen, 215 Rezensionen

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Das Erbe der Macht - Aurafeuer

Andreas Suchanek
E-Buch Text
Erschienen bei Greenlight Press, 30.09.2016
ISBN 9783958342170
Genre: Fantasy

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53 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 19 Rezensionen

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Waldesruh

Anja Bagus
Flexibler Einband: 260 Seiten
Erschienen bei Edition Roter Drache, 26.01.2018
ISBN 9783939459842
Genre: Fantasy

Rezension:

Ich habe schon einige Steampunk-Romane gelesen, kannte aber die Aetherwelt von Anja Bagus bisher noch nicht. Sie unterscheidet sich von der gewohnten Mischung aus Dampfmaschinen-Technologie und Fantasy insofern, als hier das Auto, also der Verbrennungsmotor, durchaus eine tragende Rolle für  den Verlauf der Handlung spielt. Auch die Fantasy-Elemente sind völlig andere.
Sie kommen aus der Sagenwelt des Schwarzwald mit einem Spritzer aus dem Keltischen.

Die Handlung ist schnell umrissen: Junge, toughe Witwe trifft auf reichen Junggesellen, es gibt einen Mord, der aufgeklärt werden muss, eine egoistische Mutter, die sich ständig ins Rampenlicht spielt, zackiges Militärpersonal und allerhand "Dorfpersonal", das mal helfend, mal absolut hindernd eingreift, bis der Herr des Waldes die Sache übernimmt und den ganzen Knoten in der Silvesternacht auflöst.
Die Bösen werden bestraft, die junge Witwe und der reiche Junggeselle erleben ein Happy-End und es gibt sogar Hoffnung, dass die Mutter der besagten jungen Witwe ein anderes Opfer findet, an dem sie auf die Nerven fallen wird.

Insgesamt ein heiter bis spannendes Abenteuer, das ich gerne gelesen habe. Wer es zu ernst nimmt, ist selbst schuld.

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One Fell Sweep (Innkeeper Chronicles)

Ilona Andrews
Flexibler Einband: 338 Seiten
Erschienen bei CreateSpace Independent Publishing Platform, 21.12.2016
ISBN 9781540857217
Genre: Sonstiges

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Wildfire: A Hidden Legacy Novel

Ilona Andrews
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Avon, 25.07.2017
ISBN 9780062289278
Genre: Sonstiges

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Clean Sweep

Ilona Andrews
E-Buch Text: 235 Seiten
Erschienen bei NYLA, 02.12.2013
ISBN 9781625173430
Genre: Fantasy

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Sweep In Peace (Innkeeper Chronicles) (Volume 2)

Ilona Andrews
Flexibler Einband: 314 Seiten
Erschienen bei CreateSpace Independent Publishing Platform, 22.10.2015
ISBN 9781518741289
Genre: Sonstiges

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[(White Hot : A Hidden Legacy Novel)] [By (author) Ilona Andrews] published on (October, 2018)

Ilona Andrews
Flexibler Einband
Erschienen bei HarperCollins s Inc, 15.10.2018
ISBN B018KZ2G1C
Genre: Sonstiges

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Die Magie der Lüge

Nicole Gozdek
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.09.2017
ISBN 9783492704380
Genre: Jugendbuch

Rezension:

"Die Magie der Lüge" ist ein Folgeband zu "Die Magie der Namen" der Autorin, der die Ereignisse in Band 1 abrundet und abschließt, aber er ist vor allem durch den Wechsel zu einer anderen Protagonistin eigenständig zu lesen. Was an Vorwissen nötig ist, wird in den Ablauf der Handlung geschickt eingebunden. Trotzdem, vielmehr gerade deswegen macht "Die Magie der Lüge" Lust, den ersten Band "Die Magie der Namen" zu lesen, falls man diesen noch nicht kennt.

Die Handlung ist wie bei allen guten Büchern im Prinzip schnell erklärt: Die Protagonistin Anderta Passario, deren innere Stimme ihr immer die Wahrheit mitteilt, erwacht eines Tages in einer Welt, in der alles, was sie weiß und kennt, völlig auf den Kopf gestellt ist. Sie versucht in der Folge verzweifelt, den Urheber zu finden und davon zu überzeugen, ihr das alte Leben zurückzugeben. Aber sie erkennt zum Schluss, dass die neuen Verhältnisse besser sind als die alten.

Was mich beim Lesen besonders fasziniert hat, war die schiere Fülle und Vielfalt des Weltenbaus. Die Welt, in der Anderta Passario lebt, ist festgefügt. Ihre Bewohner leben in einer Ständegesellschaft, in der jeder Mensch seinen Platz hat. Wer nach einer anonymen Kindheit seinen Namen erfahren hat, kennt sein Schicksal, seinen Beruf, selbst seine finanziellen Möglichkeiten. Dadurch herrscht Frieden.

Natürlich gibt es Unzufriedenheit. Londurs, Anderta Passarios Partner in ihrem Trickbetrüger/Wahrsager-Act, ist nicht glücklich über die Rolle, die ihm das Schicksal durch seinen Namen ganz automatisch zugeteilt hat und verwahrt sich mittunter heftig dagegen. Er will nicht nur als Söldner betrachtet werden, den  man für alles kaufen kann - einschließlich Mord.

Anderta Passario wiederum hat andere Gründe verbittert zu sein. Sie ist von ihrem ersten Geliebten Frislan verraten worden und rächt sich nun an der Gesellschaft, indem sie mit Londurs als Wahrsagerin durch die Welt zieht - nicht ohne sich vorher gründlich über ihre Kundschaft zu informieren und nachts in deren Häuser einzubrechen und sie zu bestehlen. Ein lukratives Nebengeschäft, das mir Anderta am Anfang nicht sehr sympathisch gemacht hat. Sie schien und Londurs schienen mir das typische Trickterpaar zu sein, ein Duo wie es meies Wissens erstmal als "Fafhrd and the Gray Mauser" bei Fritz Leiber die Bühne eines Fantasy-Epos betreten hat. Der Mauser ist dort allerdings ein Junge.

Doch Abenteuer oder Schwertkämpfe sind nicht das Hauptziel der Autorin, um Spannung zu erzeugen. Obwohl es im Verlauf der Handlung (auch) jede Menge, zum Glück relativ unblutige Action gibt.  Nicole Godzek schickt ihre Heldin vielmehr auf eine Suche nach einem verlorenen Leben. Ihre gesamt Welt erlebt einen Polsprung und sie scheint zunächst die einzige zu sein, die sich an das Vorher erinnert, Anderta kann es nicht ertragen, wie alle Menschen ihrer Umgebung mit Verständnislosigkeit reagieren, weil sie darauf besteht, dass noch gestern alles anders war.

Wir folgen ihr durch verschiedene Versuche, das Rad der Zeit zurückzudrehen,  erleben ihr Scheitern und wie sich sich ganz langsam, zunächst nur sehr widerwillig für die neue, veränderte Welt erwärmt. Gleichzeitig ist Anderta aber nur ein Teil eines größeren Prozesses, den der eigentliche, in diesem zweiten Teil auf eine Nebenrolle beschränkte Held in Nicole Gozdeks Welt der Namensmagie auslöst. Tirasan Passario besitzt die Macht, diese Welt zu verändern und letztlich zu einer besseren, freieren zu machen, in der du nicht gezwungen bist zu sein, was dein Name dir vorschreibt. Wie es dazu kommt, wie Anderta und Tirasan beider Widersacher überwinden, mit Hilfe ihrer Freunde und manchmal durch schieres Glück, darf der geneigte Leser, die geneigte Leserin bitte selbst lesen.

Es ist in meinen Augen ein Plus des Romans, dass auf der letzten Seite durchaus nicht alle glücklich sind.  Es gibt bei allen Beteiligten Verluste zu beklagen. Freundschaften bleiben auf die Probe gestellt und Anderta weiß eigentlich noch gar nicht, wie es nun für sie weitergehen wird. Aber wie Scarlett O'Hara hat sie die Kraft zu sagen: "Morgen ist ein neuer Tag."

Ich habe mich mit ihr und ihren Freunden gut unterhalten. Es gibt zum guten Schluss in der Welt der Namensmagie kleine Sahnehäubchen, manche Figuren sind schlicht und einfach liebenswert und die, die deutliche Fehler haben und machen, machen sie recht überzeugend.


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Tags: alternative welt, fantasy, heldenreise, magie   (4)
 

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1906, detektive, domina, erpressung, fin de siècle, flagellation, hist. krimi, kindesmissbrauch, kommerzialrat, krimi, krimi-reihe, k.-u.-k.-monarchie, morde, wien, zwilling

Bilder des Bösen

Britta Hasler
E-Buch Text: 382 Seiten
Erschienen bei dotbooks Verlag, 01.08.2017
ISBN 9783958249912
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Britta Hasler legt in "Bilder des Bösen" einen - fiktiven - Kriminalfall aus den letzten Jahren vor dem Untergang der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn vor. Kurz gesagt geht es um eine Gruppe gutsituierter Herren der besten Gesellschaft, sehr einflussreiche Männer, die etwas außerhalb von Wien auf dem Landsitz eines verarmten Adeligen entschieden zu sehr der Hafer sticht.  Damit rufen sie zwei eher kleinbürgerliche Ermittler auf den Plan, die die Moral auf ihrer Seite haben .... und gerade deshalb hervorragendes Kanonenfutter abgeben.

Vorab: Ich halte das Buch für gelungen. Historische Romane, und um einen solchen handelt es sich hier, leben und sterben von genauen Recherchen und davon, dass es der Autorin, dem Autor gelingt, Lesern das Millieu der gewählten Zeit so genau zu schildern, dass man darin eintauchen kann. Das hat Britte Hasler geschafft. Meine Erwartungen wurden in dieser Hinsicht genauso voll erfüllt, wie bereits im Vorgängerband "Das Sterben der Bilder", aus dem das Ermnittler-Duo hervorgegangen ist. Lischka ist inzwischen in Pension, quasi ein Abstieg, während  es Pawalet durch seine Zusammenarbeit mit dem Ex-Polizisten, der jetzt eine Privatdetektei führt,  immerhin zu einem gewissen Einkommen gebracht hat.

Beide sehen sich mit einer Mordserie konfrontiert, der Täter vestümmelt Prostituierte, und sie treffen im Lauf ihrer Ermittlungen auf viele alte Bekannte aus dem Vorgängerroman, der jedoch nicht zwingend Voraussetzung dafür ist, dass man "Bilder des Bösen" mit Vergnügen lesen kann.

Mir sind bei dem erhofften Lesegenuss allerdings immer wieder meine, das heißt die moralischen Wertvorstellungen des 21. Jahrhunderts, in die Quere gekommen. Weil es sie im Wien der Handlungszeit des Romans in dieser Form nicht gab. Das wiederum führte mich immer wieder dazu, dass ich vor allem Lischka für mich ein wenig unglaubwürdig wurde. Wir reden hier, im Roman, um es ganz klar auszusprechen von Kindesmissbrauch.

Anfang des 20. Jahrhunderts und genau das ist der springende Punkt, wurde er in dieser Form nicht gewertet. Zum Beipiel: Wenn ein Vater um 1910 den Rohrstock nahm, um seinen Sohn zu schlagen, tat er das aus Liebe. Um ihn zu einem tüchtigen Mann zu erziehen. Das  ging nur unter Schmerzen und mit Tränen und derselbe Ehemann und Vater hätte mit derselben Selbstverständlichkeit - und der Billigung seines gesamten sozialen Umfalds! - auch seine Gattin gezüchtigt, wenn sie dessen seiner Meinung nach bedurft hätte. Männer aller Schichten heirateten nicht aus Liebe, sondern weil sie es sich leisten konnte und sie suchten in der Ehe kein Vergnügen. Das fanden sie anderswo und damit sind wir genau auf dem Punkt meiner Kritik.

So unerträglich es für uns heute ist, dass sich Männer mit dem entsprechenden sozialen Status an Kindern vergreifen, so straflos möglich war es Ende der k.-k-Monarchie. Die Schuld wurde, wenn überhaupt, bei den Mädchen gesehen. Ein Mädchen, wenn es in einer der im Roman geschilderten Situationen erwischt wurde, kam in eine Besserungsanstalt. Übrigens bis weit über die Hälfte des 20. Jahrhunderts hinaus. Der eigentliche Täter konnte sich dagegen  moralisch vollkommen von jeglicher Schuld freiwaschen. Durch die Beichte. Die Donaumonarchie war tief gläubig katholisch. Etwas, das der Roman weitgehend ausblendet, genau wie die moralischen Verfehlungen der Herrenrunde Gott sei Dank nicht explizit geschildert werden -  und ich bin der Autorin dafür tief dankbar.

Damit ich hier nicht falsch verstanden werde: Natürlich gab es auch damals weite Kreise, ich möchte sogar behaupten die überwältigende Mehrheit, die Handlungen wie die geschilderten / angedeutten entrüstet abgelehnt hätten. Doch diese Verfehlungen wurden nicht öffentlich angeprangert. Deshalb ist auch das Romanende absolut schlüssig. 

Gleichzeitig habe ich vielleicht ein bisschen zu viele andere Bücher aus der geschilderten Zeit und über diese untergegangene Zeit gelesen. Das macht '"Bilder des Bösen" nicht schlechter, im Gegenteil. Jede Zeit beurteilt die Vergangenheit aus ihrer Sicht.  Genau wie jede Leserin. 

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Tags: k.-u.-k.-monarchie, verbrechen, wien   (3)
 

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bdsm, breathplay;, bsdm, dom, erotik, petplay;, rapeplay;, sadist, sklavin, sub

Mind Games: Tagebuch eines Sadisten

Tomasz Bordemé
E-Buch Text: 160 Seiten
Erschienen bei null, 06.05.2017
ISBN B07192RWSP
Genre: Sonstiges

Rezension:

Okay ... es gibt explizite Szenen und man/frau sollte bereits andere Bücher des Genres Erotik/Untergenre BDSM (im weitesten Sinn) gelesen haben, um alle Spielzeuge und Techniken würdigen zu können. Und damit komme ich auch gleich zum meiner Meinung nach einzigen, dafür aber durchgängigen Nachteil dieser Tagebuchs eines Sadisten: In mancher Szene hätte ich mir gewünscht, der Autor wäre einen Tick mehr ins Detail gegangen.

Hochinteressant wird der Roman durch etwas Anderes. Der Held erlebt einen Entwicklung, die er teils auch durch- und erleidet. Drexler wird nicht von Seite 1 an als ausgeprägter Dom dargestellt, der das Spiel bis ins letzte Detail lenkt und beherrscht. Sondern als Suchender, als jemand, der auch Enttäuschungen und Niederlagen erlebt und nicht alle davon einstecken oder wegstecken kann. Das macht die Figur menschlich und sympathisch, ihre Handlungen nachvollziehbar.

Positiv sehe ich auch, dass das Tagebuch sich nicht nur auf die "Erotik-Anteile" beschränkt. Wir erfahren, dass Drexler über Jahre Soldat der Bundeswehr ist, vom Tod der Mutter, der Geburt der Tochter. Dass er sich selbst nicht bierernst nimmt.

Die Sprache ist locker, teils flapsig. Man kann mitschmunzeln.
Kurz: Durchaus empfehlenswert.

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Trueheart (Portland After Dark) (Volume 1)

Mel Sterling
Flexibler Einband: 376 Seiten
Erschienen bei Mel Sterling, 28.03.2016
ISBN 9780997139105
Genre: Sonstiges

Rezension:

Es ist hochinteressant zu lesen, was unterschiedliche Autorinnen aus einem gemeinsamen Thema herausholen.

Mel Sterling und Lilith Saintcrow kennen sich gut - Saintcrow bezeichnet Sterlin als ihren "Schreib-Buddy" - und nennt ihre Freundin in ihrem Blog als die, die sie zu ihrer "Gallow and Ragged"-Trilogie angeregt hat. Tatsächlich machte mich genau das neugierig auf Truehart. Vor allem, als ich im Klappentext las, dass in "Portland after Dark" Band 1 der Goblin Market eine Rolle spielt, der auch kurz in Band 2 der Trilogie von Saintcrow auftaucht.

Das vorab.

Wie schon der Klappentext von Truehart andeutet, bricht auch in Settings Roman die Welt der Sidhe, die irische Mythologie mit all ihren Wesen, gut wie böse, in den amerikanischen Alltag ein. Es ist ein etwas hellerer Alltag als der Saintcrows, Mel Sterlings Heldin hat einen Job und lebt ein sehr geordnetes Leben in einem eigenen Haus.

Aber gleich dahinter liegt Wildnis. Der Park, an dessen Rand die Heldin lebt, ist nur auf den ersten Blick gepflegtes Gelände. Sie weiß es nicht und wird es lange nicht wahr haben wollen, doch vor ihrer Haustür öffnet sich das Reich der Sommerönigin.

Wieder ist sie keine gütige Herrscherin, wie überhaupt in fast allen Werken der letzten Jahren, die den irischen Sagenkreis in irgendeiner Weise als Hintergrund benutzen, die dunkle Seite der Feenwesen überwiegt.

Hier, in Portland after Dark Band 1, mit dem hübschen Dreh, dass die Heldin die Bezauberung sehr wohl erkennt, aber ihren Grund gründlich missinterpretiert. Es ist offensichtlich leichter an Chemie zu glauben als an Magie, wenn man in den heutigen USA aufwächst. 
Und trotz aller gegenteiligen Erfahrungen an Gerechtigkeit.

Genau dieser unbeirrbare Glaube ist es, der sie durch die gesamte Romanhandlung trägt. Was Mel Sterling damit für ihre Leser aufbaut, ist über weite Teile schlüssig und faszinierend, aber genauso melancholisch. Auch in diesem Fantasy-Roman gibt es letztlich keine Rettung der Welt, kein Happy-End.

Es gibt einen Status Quo.

Mich hat Truehart zwiespältig zurückgelassen. Ich werde "Portland after Dark" Band 1 wohl noch einmal lesen müssen, bevor ich mich entscheide, ob ich den nächsten Band auch kaufen möchte.

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