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37 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

berlin, arbeitslosigkeit, klassiker, arbeit, ehe

Kleiner Mann – was nun?

Hans Fallada , Carsten Gansel
Fester Einband: 557 Seiten
Erschienen bei Aufbau Verlag, 17.06.2016
ISBN 9783351036416
Genre: Klassiker

Rezension:

Fallada war ein extrem zurückhaltender Mensch mit einem geradezu verborgenen, aber sehr wachsamen Blick auf die Wirklichkeit seiner Zeit. Er benötigt 2-3 Sätze und die Figur steht dem Leser klar vor Augen.

In diesem Roman sind es zwei Liebende aus einfachen bis chaotischen Verhältnissen und ab der Hälfte des Buches kommt ihr Baby dazu. Herzergreifend und anrührend ist die Story, ohne auch nur ansatzweise kitschig zu werden. Zu Beginn der 1930-er Jahre spielend, sind die Themen Arbeitslosigkeit, Hunger, Perspektivlosigkeit, Aufkeimen der politischen Extremen, Ausbeutung und Politikversagen. Dem beklemmenden Stoff wird die Liebesgeschichte entgegen gestellt und sehr geschickt dramaturgisch entwickelt.

Fallada und sein Verlag kürzten den Roman aus politischen Gründen - und sie kürzten massiv. Jetzt liegt das Buch endlich in vollständiger Fassung vor. Die bisher fehlenden Textteile geben dem Buch ein neues Gesicht, eine neue literarische Intensität.

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7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

konzentrationslager, 2. weltkrieg, ss-ermittlungsrichter und polizeibeamter dr. schmelz, tatsachenroman, recht

Letzte Haut

Volker Harry Altwasser
Fester Einband: 476 Seiten
Erschienen bei Matthes & Seitz Berlin, 01.03.2009
ISBN 9783882217445
Genre: Romane

Rezension:

Eine aberwitzige Geschichte, die auf wahren Begebenheiten beruht. Da wird ein promovierter Richter, Jahrgangsbester und in SS-Uniform, in Konzentrationslager geschickt, um die Korruption beim Leitungspersonal vor Gericht zu bringen. "Die SS soll sauber bleiben", hat der Reichsführer gesagt und meint es ernst. Der Richter gilt als hochverdienter Korruptionsjäger. Ausgestattet mit Vollmachten von allerhöchster Stelle und mit Kriminalassistenten an seiner Seite sieht er alles, was in den Lagern geschieht - und legt Akten über Unterschlagung, Bereicherung und Dienstvergehen an. Erst spät kommt er auf den Gedanken, dass das Geschehen in den Lagern auch etwas mit Mord zu tun haben könnte. Doch hierfür NS-gerichtstaugliche Beweise zu finden, ist sehr schwierig.

Im Buch heißt der Richter Kurt Schmelz. Der tatsächliche Richter hieß Konrad Morgen und hat tatsächlich einen KZ-Kommandanten an den Galgen gebracht. Wieviele Morde und Folterungen der Richter selbst auf dem Gewissen hat, ist historisch unklar. Allerdings traf er beim Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess als Zeuge der Verteidigung auf und schilderte die Konzentrationslager als friedliche, beschauliche Orte. Er war bis 1979 als Rechtsanwalt in Frankfurt/Main tätig.

Je mehr man über diesen Stoff recherchiert, desto aberwitziger wird die ganze Geschichte. Und so ist es auch beim Lesen, man gerät von einer unfassbaren Geschichte in die nächste.

Das Thema "Haut" durchzieht den gut konstruierten Roman, der aber auch einige Längen hat, Kürzungen hätten dem Buch gut getan. Dabei geht es nicht nur um die hautbespannten Lampenschirme - das Lebensende des Richters im Nachkriegs-Frankfurt ist beherrscht von einer grausamen Krankheit: er verfault bei lebendigem Leib, seine Haut löst sich vom Körper ...

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Tags: haut, justiz, konzentrationslager, recht, ss   (5)
 

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28 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

generationen, schrifsteller, spanien, gegenwart, berlin

Das Kleid meiner Mutter

Anna Katharina Hahn
Fester Einband: 311 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 07.03.2016
ISBN 9783518425169
Genre: Romane

Rezension:

Der Leser erfährt nicht, warum die Eltern plötzlich tot im Bett liegen. Doch der arbeits- und chancenlosen Akademikerin, die im Elternhaus mehr schlecht als recht leben kann, ist klar: die Rente muss weiter fließen. Sie vertuscht das Ableben nicht nur, sie nimmt in den Kleidern der Toten deren Rollen ein. Und unweigerlich entdeckt sie die Geheimnisse ihrer Eltern: Liebhaber, Lügen, Tarnungen. Offensichtlich haben sich in dieser Familie alle etwas vorgemacht und es hat funktioniert - funktioniert  immer noch.

Eine große Prise Fantastik durchweht diesen glänzend strukturierten und verschachtelten Roman, dazu viele Anleihen aus der Romantik,  der Bibel. Und Luzifer mit Hündchen kommt auch drin vor.

Dabei hat das Buch viele Gegenwartsbezüge: Der wirtschaftliche Niedergang weiter Teile Europas, die Hoffnungslosigkeit der spanischen Jugend, Nazideutschland und die Flut im Oderbruch.

Es kommt richtig dicke in diesem Buch, manchmal zu dick, aber toll geschrieben mit wunderbaren Gedankengängen und Formulierungen.


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644 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 8 Rezensionen

klassiker, theodor fontane, ehebruch, liebe, gesellschaft

Effi Briest

Theodor Fontane
Fester Einband: 464 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 15.05.2012
ISBN 9783596512089
Genre: Klassiker

Rezension:

Klassiker haben es schwer, insbesondere aufgrund der giftgelben Zumutungen in der Schule. Erstaunlicherweise hat es mir Fontane in dieser Hinsicht immer leicht gemacht - sowohl in alten Schulzeiten als auch heute beim nochmaligen Lesen. Warum? - Weil ihm ein zeitloser dynamischer Lesefluss gelingt, weil seine Figuren so schnell erfassbar und in all ihrer Tiefe begreifbar sind, weil die Motive unverstellt offen liegen. Und weil der Stoff schlichtweg grandios ist.

Hinzu kommen Spannungselemente wie ein Spukhaus, eine verbotene Liebe, ein Duell und der Niedergang einer vom Leser lieb gewonnenen Effi Briest. Und dann die markigen preußischen Sätze, z.B. "Innstetten, Ihre Lage ist furchtbar, und Ihr Lebensglück ist hin."

Zum Inhalt sage ich hier nichts, den kann jeder bei Wikipedia nachlesen oder - besser noch - gleich den Roman lesen. 1896 veröffentlicht, hat er in seinen Grundmotiven mehr als ein Jahrhundert überdauert, ist besser lesbar als manch verschwurbelter Gegenwartsroman.

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Tags: adel, betrug, duell, ehe, liebe   (5)
 

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(52)

82 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 34 Rezensionen

zukunft, gewalt, hamburg, macht, dystopie

Macht

Karen Duve
Fester Einband
Erschienen bei Galiani Berlin ein Imprint von Kiepenheuer & Witsch, 18.02.2016
ISBN 9783869710082
Genre: Romane

Rezension:


Olaf Scholz hat es im Jahr 2031 als Quotenmann zum Bundeskanzler  einer öko-feministischen Regierung gebracht. Und es sieht schlimm aus, unrettbar schlimm: die selbstgemachte ökologische Katastrophe trifft alle, dem Planeten werden noch 5 Jahre gegeben. Für Fleischessen und Autofahren muss man ein ausreichendes CO²-Punktekonto haben. Testosterongesteuerte Manager und Politiker haben das angerichtet.
Einziges Trostpflaster ist das frei verfügbare Medikament Ephebo, welches in jeder Beziehung um bis zu 30 Jahre jünger macht; allerdings liegt bei der Einnahme das Krebsrisiko bei über 50 % und die Krankenkassen zahlen in diesem Fall nicht.

So weit, so gut und manchmal plump.
Doch der Roman hat einen Täter im Mittelpunkt. Sebastian hat die Schnauze voll vom Feminismus und hat seine Frau - Regierungsmitglied - in einem schalldichten Keller mit großzügiger Küchenzeile eingesperrt. Dort fällt er nach Belieben über sie her, nachdem sie ihm Plätzchen und Gulasch zubereitet hat. Die Demütigung ist sein Ventil.

Der Roman ist eine Mischung aus Gedankenexperiment, Belehrung und Satire. Eine schöne Mischung mit beeindruckenden Textstellen:
"Gerechtigkeit? Gerechtigkeit ist etwas, von dem nur die Schwachen profitieren."

Und als Ex-Katholiken gefallen mir im Buch die christlichen Endzeit-Auswüchse, z.B. gibt es die "Johannesjünger der sieben Posaunenplagen" mit ihrem "Buch der unanfechtbaren Erkenntnisse". Daraus muss frau erst mal kommen ...

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Tags: apokalypse, demütigung, endzeit, testosteron, verjüngung   (5)
 

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(15)

52 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 12 Rezensionen

wolf, berlin, schicksal, roland schimmelpfennig, winter

An einem klaren, eiskalten Januarmorgen zu Beginn des 21. Jahrhunderts

Roland Schimmelpfennig
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei S. FISCHER, 25.02.2016
ISBN 9783100024701
Genre: Romane

Rezension:


Laut Klappentext handelt es sich um den Erstlingsroman des meistgespielten Gegenwartsdramatikers Deutschland.
Nun ja, die dramaturgischen Fähigkeiten des Autors sind unübersehbar - und letztlich wirkt das Buch wie eine Regiearbeit für das Bildungsbürgertum und dessen Rezensenten.

Gelungen ist das Wolfs-Motiv. Der einsame und hungrige Wolf bewegt sich im Winter vom Osten her nach Berlin, kommt in die Stadt. Mit ihm kommen diverse Personen aus unterschiedlichen Motiven ebenfalls nach Berlin. Wie ein Theaterensemble werden die Personen in knapp und prägnant geschriebenen Schlaglichtern in Richtung Wolf zusammengezogen.

Gelungen ist ebenfalls die Sprache, vor allem die Bildersprache. Da sind einige Seiten, an denen sich der Leser regelrecht besaufen kann.
Aber das ist es dann auch. "Roman" steht vorne drauf. Aber ein Roman ist mehr, viel mehr, z.B. fehlen sich entwickelnde Figuren, eingebettet in einen Zeitzusammenhang.

Wie es sich für diese Modetexte gehört, wird einem auch gleich erklärt, um was es geht - meine Güte, wie oft habe ich das schon gelesen oder gehört: die Kälte unserer Zeit, das Verlorensein, die Sehnsucht nach einem anderen Leben, die Suche als vergebliches Lebensmotiv ... Na dann "Prost-Mahlzeit!" wie der Rheinländer sagt.

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Tags: berlin, schicksal, sehnsucht, winter, wolf   (5)
 

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100 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 26 Rezensionen

krimi, drohnen, science fiction, überwachung, mord

Drohnenland

Tom Hillenbrand
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 15.05.2014
ISBN 9783462046625
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Smartphones sind völlig out. Datenbrillen und Kehlkopfgeräte sind an ihre Stelle getreten. Und Drohnen überall. Die Raumreinigungs- und Gartenpflegedrohnen sind ja noch praktisch, aber die diversen Polizei- und Geheimdienstdrohnen sorgen für totale Überwachung. Ermittler arbeiten in gespiegelten Simulationen, ein intelligentes Großrechnersystem unterstützt dabei.

Eingepackt in einen klassischen Kriminalfall (toter Europaabgeordneter in Brüssel) kommt die vorstellbare und beklemmende Zukunft daher. Wobei dem Autor etwas die Fantasie durchgeht: In naher Zukunft sind die Niederlande aufgrund des Klimawandels komplett abgesoffen, die arabischen Länder nach einem atomar geführten Krieg verseucht, die USA nach Staatsbankrott unbedeutend. Die Währung lautet "Nord-Euro".

Terror, Korruption und wirtschaftliche Gier haben die Europäische Union zu einem totalitären Überwachungsstaat gemacht. Nur die Briten wollen austreten und paktieren mit dem russischen organisierten Verbrechen. Der EU-Geheimdienst führt ein menschenverachtendes Eigenleben in unsichtbaren virtuellen Räumen.

Ständig überschlagen sich die Ereignisse, alle paar Seiten sitzt jemand einer Täuschung oder Datenillusion auf, die Grenzen der Realität sind schwer auszumachen. Dem Autor gelingt eine Zukunftsvision, die greifbar erscheint, ähnlich wie in "Der Circle"von Dave Eggers. Und es gibt schöne Seitenhiebe, z.B. haben sich die Christen inzwischen auch radikalisiert und neigen zur Gewalt, insbesondere Splittergruppen wie die "Sturmjesuiten" und die "Lanze Christi" - schöne Sprachspiele!

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Tags: drohnen, eu, europ, mord, vision, zukunft   (6)
 

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(29)

71 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

roman, deutsch, familie, dbp 2016, beziehung

Weit über das Land

Peter Stamm
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei S. FISCHER, 25.02.2016
ISBN 9783100022271
Genre: Romane

Rezension:

Auch wenn 97 % aller Vermisstenfälle in Deutschland aufgeklärt werden, so bleiben doch tausende Menschen spurlos verschwunden. Es ist der Traum vieler: sich von heute auf morgen allem entziehen, mit neuer Identität wo ganz anders neu anfangen.

Der Familienvater in diesem Buch steht einfach auf und geht - ohne Vorbereitung, ohne Plan, anscheinend ohne Gedanken an irgendwas. Über sein Motiv kann man nur mutmaßen. Die Familie arrangiert sich schnell mit seiner Abwesenheit, der Arbeitgeber reagiert unaufgeregt, einzig der zuständige Polizist zeigt Anteilnahme.

Seine Flucht ist erfolgreich, er schlägt sich durch, erst in der Schweiz, dann in vielen anderen Ländern. Bald wartet niemand mehr auf ihn.

Die schmucklose und schnörellose Sprache mit kurzen Sätzen (außer in den so schönen Landschaftsbeschreibungen in der Schweiz!) zieht in den Bann. Die Geschichte dieses Mannes geht unter die Haut. Und gerade weil ein Erklärungsmuster fehlt, nur wenige Andeutungen vorhanden sind und der Autor an keiner Stelle psychologisiert, gerade deshalb kann beim Leser die Fantasie blühen ...

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12 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Der Grund

Anne von Canal , any.way , Walter Hellmann
Flexibler Einband: 272 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 26.02.2016
ISBN 9783499268823
Genre: Romane

Rezension:

Das Meer und die Musik sind die großen Leidenschaften dieses Romans, der trotz seiner geschickten Verschachtelung verschiedener Zeitebenen sehr leichtfüßig daher kommt.

Der Vorspann gibt den Funkverkehr zwischen zwei Schiffen wieder, eines davon in Seenot; beim Versuch der Positionsbestimmung reißt der Funkverkehr ab. Ein Funkverkehr, der tatsächlich so stattgefunden hat - doch mehr sei nicht verraten ...

Zu Beginn begegnet man einem Pianospieler auf einem Kreuzfahrtschiff, der offensichtlich schon bessere Tage gesehen hat und auf der Flucht vor den Menschen und dem Menschsein ist. Das Buch ist seine Lebensgeschichte, die es in sich hat: Hinterhältiger Verrat, eine aufgezwungene Lebenslüge und ein schwerer Schicksalsschlag zwingen ihn immer wieder zu Neuanfängen.

Eine wunderschöne Sprache, an der man sich berauschen kann - hoffentlich kann die Autorin weitere Roman mit dieser Intensität und diesem Ideenreichtum schreiben ...

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6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

owen sheers, i saw a ma, roman

I Saw a Man

Owen Sheers
E-Buch Text: 304 Seiten
Erschienen bei Deutsche Verlags-Anstalt, 22.02.2016
ISBN 9783641154295
Genre: Sonstiges

Rezension:

Eine gewaltige Story von Shakespearschem Ausmaß - wie ein Getriebener breitet der Erzähler schnell und fieberhaft seine Geschichte aus. Eine Geschichte von der Last schwerwiegender Geheimnisse, unerträglicher Schuld, verkrampften Schweigens und der Suche nach einem Ausweg.
Doch auch der Leser wird zum Getriebenen, denn die Erzählhaltung ist dem Leser stets einen Schritt voraus, mit dem Leser wird geschickt gespielt, seine Erwartungen und Mutmaßungen gehen häufig ins Leere, die Handlung überschlägt sich; die Handlung bricht mehrfach über den Figuren zusammen.
Lange habe ich keine so überzeugend-gute Romankonstrution gelesen, es erinnert an Anthony McCarten und Ian McEwan.

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38 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

sterbehilfe, gier, schwarzhumorig, bibliothekarin, tod

Hab und Gier

Ingrid Noll
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 26.08.2015
ISBN 9783257243116
Genre: Romane

Rezension:

Eine schöne kleine Story um Habsucht und Gier, gewürzt mit etwas Mordlust. Geschickt konstruiert, mit Schwung und Witz geschrieben.
Gute Unterhaltung.

Den Toten weint der Leser keine Träne nach, ebenfalls niemand im Buch. Und die Täter sind meist sympathisch, entwickeln sich letztlich sogar zu guten, kinder- und tierliebenden Menschen.
Und wer empfindet kein Glück, wenn er mit müheloser Raffinesse an
zwei protzige Villen und Vermögen kommt? Da kann man von ein bisschen würgen, vergiften und fälschen schon mal absehen, nicht so schlimm.

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10 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

selbstmord, sündenfall, kryptoanalytiker, spionage, kalter krie

Der Sündenfall von Wilmslow

David Lagercrantz , Wolfgang Butt
Fester Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Piper, 14.01.2016
ISBN 9783492056502
Genre: Romane

Rezension:

Über Alan Turing kann man viel lesen, es gibt auch einen passablen Spielfilm über sein Leben, das weitgehend traurige Leben eines Genies. Unter seiner Leitung wurde die Codiermaschine Enigma geknackt, was den 2. Weltkrieg vermutlich um zwei Jahre verkürzt hat, weil die Alliierten unbemerkt den geheimen deutschen Funkverkehr entschlüsseln konnten. Ferner gilt der Kryptomathematiker als Wegbereiter des Computers.

Erstmals liegt nun eine spannende Romanverarbeitung dieses Ausnahme-Lebens vor. In der Atmosphäre des kalten Krieges gerät Alan Turing in der Verdacht des Hochverrats, denn als Homosexueller (damals in England eine Straftat, auf die Gefängnis stand) war er aus Geheimdienstsicht erpressbar. Statt ins Gefängnis zu gehen, unterzog er sich einer Chemotherapie, die ihn gesundheitlich ruinierte - das Buch beginnt mit dem Auffinden seiner Leiche.

Gut dargestellte Figuren, ein handlungsreicher Plot, gründliche historische Recherche und ein Wissen um Dramaturgie machen das Buch sehr lesenswert.

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45 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

roman, deutscher buchpreis 2016, am rand, tod, österreich

Am Rand

Hans Platzgumer
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Zsolnay, Paul, 01.02.2016
ISBN 9783552057692
Genre: Romane

Rezension:

Es geht auf Leben und Tod. Nichts Geringeres - und leise, fast behutsam beginnt es in den Morgenstunden, als sich der Erzähler durch dunklen Wald auf den Weg zum Berggipfel macht. Oben angekommen, hat er nur noch Zweierlei vor sich: Aufzuschreiben, wie es soweit kommen konnte und sich dann in den sicheren Tod zu stürzen.
Wer ist dieser Mann? Der Leser wird hin- und hergeworfen und erfährt von einem großen Liebenden und einen mehrfachen Mörder. In einer Person kumuliert eine ungeheure menschliche Dramatik.
Geschickt aufgebaut und großer Dynamik schreit hier alles nach Erlösung. Doch als man denkt, dass es nicht mehr tiefer hinunter gehen kann in das geschundene Menschenleben, da kommt es besonders hart ...
Der Autor fasst die Dramatik in einem Satz zusammen: "Wie die Geburt ein brutaler Akt hinein ins Leben ist, so ist der Tod der brutale, wenngleich aussichtslose Kampf aus ihm hinaus."

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79 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

habicht, falknerei, t.h. white, verlust, tier

H wie Habicht

Helen Macdonald ,
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Allegria, 07.08.2015
ISBN 9783793422983
Genre: Romane

Rezension:

Eine krude Mischung aus Trauerbewältigung und einer sadistischen Ader führt dazu, dass eine Frau ihren Kindheitstraum wahr werden lässt - einen freiheitsliebenden und stolzen Habicht abzurichten.

Ich gebe einen Stern für die literarisch gelungene Sprache, insbesondere im Zusammenhang mit Naturbetrachtungen, und einen Stern für den Mut, mit einer solch menschenfernen Geschichte an die Öffentlichkeit zu gehen. Immerhin habe ich etwas über die Welt der Habichte gelernt, auch wenn ich Zweifel am Gelesenen habe, z.B. bei diesem Satz:
"Wenn Sie einen braven Habicht wollen, dann müssen Sie eins tun: Geben Sie ihm die Gelegenheit zu töten. So oft wie möglich. Mord bringt ihn auf Linie."

 Warum ich die arg quer liegende Story allerdings lesen und mich damit beschäftigen soll, ist mir nicht klar geworden.

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74 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 42 Rezensionen

krimi, oslo, norwegen, widerstand, nationalsozialismus

Der letzte Pilger

Gard Sveen , Günther Frauenlob
Flexibler Einband: 544 Seiten
Erschienen bei List Verlag, 26.02.2016
ISBN 9783471351161
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ein Lektor sollte bemerken, das ein Tal nicht oben liegt. Auch die Grammatik und die Kommasetzung gehören in den Aufgabenbereich eines Lektors. Gab es keinen? Oder hatte er kaum Zeit?

Der Plot ist verworren und kaum erfassbar.
Zudem historisch falsch: Norwegen war 1939 nicht von den Deutschen besetzt. Es gab auch kein KZ in Lillehammer, Die Rolle Schwedens im 2. Weltkrieg wird falsch dargestellt.

Rundherum ein schlechtes Buch, der Verlag hat sich offensichtlich
keine Mühe gegeben und nur die Marketing-Abteilung bemüht.

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202 Bibliotheken, 10 Leser, 0 Gruppen, 42 Rezensionen

suizid, abitur, bov bjerg, selbstmord, freundschaft

Auerhaus

Bov Bjerg
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Blumenbar, 17.07.2015
ISBN 9783351050238
Genre: Romane

Rezension:

Dieses Buch macht sehr deutlich, wie wichtig ein weichenstellender Verlag ist. In diesem Fall hat der Aufbau Verlag einen Text veröffentlicht, der das Buch präzise und treffend charakterisiert:

"Sechs Freunde und ein Versprechen: Ihr Leben soll nicht in Ordnern mit der Aufschrift Birth - School - Work - Death abgeheftet werden. Deshalb ziehen sie gemeinsam ins Auerhaus. Eine Schüler-WG auf dem Dorf - unerhört. Aber sie wollen nicht nur ihr Leben retten, sondern vor allem das ihres besten Freundes Frieder. Denn der ist sich nicht so sicher, warum er überhaupt leben soll.

Bov Bjerg erzählt mitreißend und einfühlsam von Liebe, Freundschaft und sechs Idealisten, deren Einfallsreichtum nichts weniger ist als Notwehr gegen das Vorgefundene. Denn ihr Ringen um das Glück ist auch ein Kampf um Leben und Tod."

Ein wirklich guter Text, dem ich nichts hinzuzufügen habe - und ich habe das Buch verschlungen. Manchmal erinnert es an "Tschick", ist aber kein Fahrwasser-Produkt.

Und dann macht der Verlag einen schwerwiegenden Fehler: Das Cover macht das Buch aus buchhändlerischer Sicht praktisch unverkäuflich. Hatte der Autor keine Chance, sich gegen diese Bullerbü-Zeichnung zu wehren? Selbst die Piktogramme auf wetter-online.de sind besser gekrakelt. Das ist unterste DDR-Grafik, die dem Buch massiv schadet. Schade.


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85 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

1945, jugend, ungarn, zweiter weltkrieg, krieg

Im Frühling sterben

Ralf Rothmann
Fester Einband: 234 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 20.06.2015
ISBN 9783518424759
Genre: Romane

Rezension:

Bitte nicht schon wieder! - war meine erste Regung: Vater-Sohn-Geschichte mit Kriegshintergrund, Waffen-SS in der Barbarei der letzten Kriegswochen in Ungarn ... ja, muss das denn sein ... die Wiederkaufunktion hat bei Rindern einen Sinn, aber beim Menschen ?

Doch dann der erste Satz. Hanns Erich Nossack sagte einmal, dass der erste Satz von entscheidender Bedeutung sei; stimmt er nicht, kann man das Buch auf der Stelle vergessen.

"Das Schweigen, das tiefe Verschweigen, besonders wenn es Tote meint, ist letztlich ein Vakuum, das das Leben irgendwann von selbst mit Wahrheit füllt."

Was dann folgt, ist von einer sprachlichen Wuchtigkeit, die Authenzität und Kunstfertigkeit gemeinsam mit Wahrheit und Dichtung auf einen Nenner bringen kann. Dialoge tragen das Buch, Dialoge, deren Eindringlichkeit ich selten gelesen habe. Rothmanns Sprache macht es möglich, unfassbare Untergangsszenerien vorstellbar zu machen: Wüste Gelage in beschlagnahmten Hotels inmitten von Leichen und Sterbenden, sturzbesoffene SS-Schwulenfeten, ein über Grammatik dozierender Kommandant im Moment des Untergangs seiner Kompanie. Im Kopf des Lesers werden Dreck, Ratten, Eiter, Sperma und Blut zu einer Flüssigkeit, die ein ganzes Land überzieht und aus dem nur wenige - schwerst traumatisiert für den Rest ihres Lebens - herauskriechen können. Eines Lebens, das sie selbst nicht mehr verstehen können. Wie Rothmanns Vater, der danach 30 Jahre lang als "Wühler" unter Tage im Ruhrgebiet schuftete, mit dem Leben über Tage erhebliche Schwierigkeiten hatte.

Der große Schock des Buches ist eine Desertion. Die stark biografisch gefärbte Hauptperson, ein 17jähriger Zwangsrekrutierter, muss beim Erschießungskommando mit anlegen. Vor ihm steht sein Freund. Wenn er nicht schießt, wird er selbst erschossen. Wenn auch nur einer aus dem Kommando daneben schießt, müssen alle sofort an die Front ...

Oft wird die Frage gestellt: Wie hätte ich mich verhalten?
Die Frage ist falsch gestellt, denn wir leben nicht in der Vergangenheit. Die richtige Frage lautet: Wie werde ich mich verhalten?
Um diese Frage für sich zu beantworten, muss man wissen, was Krieg mit einem Menschen macht. Welche Dynamik, welchen Zwang das menschliche Urthema Krieg unrettbar auslöst.
Davon erfährt man viel in diesem Buch.

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(42)

85 Bibliotheken, 2 Leser, 2 Gruppen, 30 Rezensionen

frankreich, paris, krimi, journalist, wirtschaft

Die Schuld der anderen

Gila Lustiger
Fester Einband: 496 Seiten
Erschienen bei Berlin Verlag, 19.01.2015
ISBN 9783827012272
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Nicht nur der Anfang ist vielversprechend und gut geschrieben - nach 27 Jahren rollt ein Journalist mit Unterstützung eines Polizeioberen einen Prostituiertenmord neu auf und landet in einem Politskandal großen Ausmaßes. Korrupte französische Verhältnisse zur Mitterand-Ära werden aufgerollt, der Leser erfährt viel über menschenverachtende Machenschaften in der Grand Nation.
So weit, so gut und spannend.
Doch dann stockt die Story, ab ca. Seite 250 ist alles gesagt, es dümpelt nur noch vor sicht hin. Es bleibt dann nur noch eine fade Kriminalstory, deren Fortgang absehbar ist. Das Lesen wird zum Kaugummikauen - endlose Rückblenden in das Leben des Journalisten und anderer Personen wechseln sich ab mit platten Betrachtungen über das Leben als solches. Anstatt die Story weiter zu entwickeln, muss noch eine gescheiterte Liebesgeschichte vor Pariser Hintergrund her und dann kommen immer wieder Stories über das jüdische Leben in Europa - warum?
Ich hatten den Mord an der Prostituierten fast vergessen, so sehr verzettelte sich die Autorin. Und auf Seite 381 brach ich ab, weil ich nichts mehr erwartete.

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(23)

54 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

israel, jerusalem, judentum, amos oz, judas

Judas

Amos Oz , Mirjam Pressler
Fester Einband: 335 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 07.03.2015
ISBN 9783518424797
Genre: Romane

Rezension:

Ausgerechnet in der Gründerzeit des heutigen Israels gerät ein plan- und zielloser Student in einem Gasthaushalt in einen theologisch-historischen Diskut größter Spannung:
Irrt die christliche Geschichtsschreibung, wenn sie dem unzuverlässigen und machtgierigen Petrus (der schließlich Jesus zweifach verraten hatte, bevor der Hahn dreimal krähte) die Gründung der Christenkirche zuweist? Schließlich irrte Petrus ganz entscheidend, als er Jesus zu einem göttlichen Wesen erhob, was Jesus in keiner überlieferten Schrift jemals von sich behauptet hatte. War es nicht vielmehr Judas Ischariot, der die christliche Religion gründete? Der einzig wohlhabende unter den Jüngern (40 Silberlinge waren für Judas kein nennenswertes Bestechungsgeld, es war gerade mal der Preis für einen mittelmäßigen Sklaven) bestand darauf, dass Jesus nach Jerusalem ging, um seinen Anspruch als Messias zu manifestieren. Jesus hatte seine angeblichen Wunder nur in abgelegenen Dörfern bei leichtgläubiger Bevölkerung verübt. In Jerusalem sorgte Judas für die Kreuzigung, weil er überzeugt war, dass der Messias vom Kreuz herabsteigen wird um zu triumphieren. Als Jesus jämmerlich starb, blieb Judas als einziger Jünger bei ihm und erhängte sich anschließend.

Ein hochspannender Stoff. Natürlich verliebt sich der Student in die im Haus lebende Witwe eines gefallenen Soldaten. Und sein Mentor verflucht die Neugründung Israels, weil sie auf Blut gebaut ist.

Das Buch ist Zündstoff und gleichzeit ruhig und weise erzählt, Stoff für Auseinandersetzung und Freude an Sprachschöpfung. Rundherum gelungen.

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Tags: araber, ben gurion, christentum, genozid, israel, juda, kreuzigun, lieb, petru, verra   (10)
 

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(16)

29 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

krimi, seminar, island, serie, prophezeiung

Der Assistent der Sterne

Linus Reichlin
Flexibler Einband: 381 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 23.09.2010
ISBN 9783462042320
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Einen guten Krimi will man lesen. Nicht irgendeinen. Story und Tiefgang soll er haben. Gedanken, denen man nachschnüffeln kann. Und dann das: Quantenphysik. Horror jedes Schülers, der noch einigermaßen seine Jugendsinne beisammen hat.
Doch was muss ich sagen: Hochspannend! Eine ungewöhnlich und raffiniert gesponnene Story. Und das geschah mir noch nie: Bis zu Schluss war es mir geradezu gleichgültig, wer der Täter war. Zugegeben, ein Täter kam sowieso erst ab Mitte des Buches in Betracht.
Und dann liest man Sätze wie die: "Fleisch war eines der verletzlichsten Materialien im Universum, nur schon einem Holzsplitter hielt es nicht stand. Ein immenser Energieaufwand war nötig, um Fleisch daran zu hindern, das zu tun, was es am besten konnte: zu zerfallen. Fleisch war eine Ideotie der Natur."

Das Buch ist voll mit Sätzen wie diesen. So ganz nebenbei. Neben einer  hochspannenden Story mit gelungenen Charakteren und einer Grundstimmung, die dem Menschsein nichts Gutes verheißt ...

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24 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

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Karl Olsberg
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Berlin Verlag Taschenbuch, 13.04.2015
ISBN 9783833310058
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ein dramaturgisch geschickter Auftakt, der Spannung erzeugt, versandet bereits auf den ersten zwanzig Seiten in einer unreifen und unglaubwürdigen Story: Hacker des Gutmenschentums zeigen durch spektakuläre Aktionen die fatale Abhängigkeit der Menschheit von Technik und EDV auf. Dabei ist bereits deren Vorgehensweise völlig unvorstellbar.

Und dann werden Personen verwickelt, auch Polizisten. Die Schildung der Polzeiarbeit ist weit unter TATORT-Niveau, hat absolut nichts mit der Wirklichkeit zu tun - auch dieser Handlungstrang ist unglaubwürdig und nicht vorstellbar.

Dann die Dialoge: hölzern, schwadronierend, so redet kein Mensch.

Fazit: Ein schlecht geschriebenes Untergangsszenario, dass locker 30 Jahre zu spät kommt. Die Substanz ist weit hergeholt und nicht zeitgemäß. Die Warnung völlig überflüssig.

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33 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

in einem anderen leben, alkoholismus, linus reichlin, roma, reichlin

In einem anderen Leben

Linus Reichlin
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Galiani Berlin ein Imprint von Kiepenheuer & Witsch, 29.01.2015
ISBN 9783869711041
Genre: Romane

Rezension:

Erster Eindruck: Bitte nicht! Nicht schon wieder ein Erzähler jenseits der Vierzig, der Kindheitstraumata ausgießt, von der schweren Belastung durch Herzlosigkeit, Alkoholismus und Lebensunfähigkeit seiner Eltern schwadroniert. Und bitte nicht wieder die sattsam bekannte Chose von der genetischen Verkorksung, von der unausweichlichen Vorbelastung beim Umgang mit dem eigenen Kind ... früher ging man mit einem solchen Lattenschuss ins Kloster oder wurde Priester, heute wird man Psychologe oder Schriftsteller ...

Doch nein, das Buch ist gänzlich anders. Es geht tiefgründig, authentisch, wohl überlegt und höchst emotional mit dem tatsächlich vorhandenen Problem um, von kaputten Eltern nachhaltig geschädigt worden zu sein. Wunderbare Sätze, klare Gedankengänge und Lebensweisheit stecken im Text. Die Figuren lassen sich mit viel Leben erlesen, in der Handlung steckt ernst gemeinte Energie. Nicht zuletzt durch einen klugen Kunstgriff: Ein Gemälde eines flämischen Meistern rückt ins Zentrum des Geschehens, der betrügerische Verkauf einer Kopie. Damit wird ein geschickter Spannungsbogen erzeugt.

Kein Wühlen in verlorener Kindheit, sondern klare Analyse, die allerdings am entscheidenden Punkt stecken bleibt: Es fehlt das Erwachsenwerden, es fehlt der echte Bruch mit den Eltern, die heilende Distanz, das Isolieren des Bösen, das berechtigte Zurückschlagen. Der Protagonist bleibt gefangen, feige, wird zum billigen Nachfahren seines Vaters, kann sich nicht befreien. In der Schlussszene gaukelt er sturzbesoffen seiner kleinen verängstigten Tochter Vaterliebe vor und sollte sich eigentlich den Magen leer kotzen.

Ganz schlimm: Das verunglückte Cover des Buches (grob verpixelt wird eine Wassersportszene dargestellt), es suggeriert einen leichten Sommer-Sonne-Strand-Roman.
Voll daneben: Der Text auf der Rückseite. Es geht nicht um die "Sehnsucht danach, aus Ihrer Familiengeschichte auszubrechen". Es ist pure Not und Überlebensnotwendigkeit, der Familiengeschichte den Todesstoß zu versetzen.
Zudem sind viele Rechtschreibfehler im Buch.
Der Autor hat an diesem Text sicherlich hart gearbeitet, der Verlag hat schlampig gearbeitet. Aus Sicht eines Buchhändlers, der diesen Text schreibt, hat der Verlag die Verkaufschance des Buch damit beträchtlich gesenkt. Und das ist sehr schade, denn das Buch ist lesenswert und bemerkenswert, es hat mich, immer abends gelesen, intensiv in mehrere Tage hinein begleitet.

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Theodor Chindler

Bernard von Brentano , Sven Hanuschek , Sven Hanuschek
Fester Einband: 472 Seiten
Erschienen bei Schöffling, 01.09.2014
ISBN 9783895614880
Genre: Klassiker

Rezension:

Wer verstehen will, warum wir heute so sind, wie wir sind, muss die tiefgreifenden Zeitenwende zu Beginn des 20. Jahrhunderts verstehen. Das Ende der angeblich allein seligmachenden Monarchie mit dem beispiellosen Desaster des 1. Weltkrieges, der unbeholfene Versuch einer ersten deutschen Demokratie, das Aufblühen der Ideologien und die lange Vorbereitung zum größten Schlachten des Jahrtausends.

Man kann den Zauberberg von Thomas Mann lesen. Aber wer dieses Werk als trocken, verschränkt und wenig erhellend empfindet, der ist mit Brentanos Theodor Chindler wesentlich besser bedient. Der Roman ist gut geschrieben, fast schon unterhaltsam. Keine grausamen Schachtelsätze, keine geschraubten Grammatikwunder.

Was mir daran besonders gefällt: Es spielt mitten im vielfältigen Leben - vom Meinungsführer im Reichstag bis zum Arbeiterkind. Hier hat jemand geschrieben, der sich in seinem Zeitalter bestens auskannte, der die Menschen angesehen und verstanden hat.

Das pralle Leben ist besser als das abgeschiedene Sanatorium - wer die deutsche Identität fassen will, der ist diesem Roman auf der sicheren Seite!

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zeugen jehovas, religion, richterin, familienrecht, roman

Kindeswohl

Ian McEwan ,
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 09.01.2015
ISBN 9783257069167
Genre: Romane

Rezension:

Der Spannungsbogen, der innerhalb weniger Seiten aufgebaut wird, ist kaum zu ertragen: Eine hoch angesehene Richterin steht von einer Stunde auf die andere vor den Scherben ihrer langen Ehe, als sie ein Anruf aus dem Gericht vor die Frage von Leben und Tod stellt: Ein fast volljähriger Junge benötigt eine Bluttransfusion, um zu überleben, doch seine Eltern und er selbst verweigern die Lebensrettung - sie sind Zeugen Jehovas, die Blutübertragung aus religiösen Gründen ablehnen. Die Krankenhausärzte nehmen das nicht hin, eine Eilentscheidung der Richterin ist nötig.

Während ihr Mann gepackt und das Haus verlassen hat, fährt die innerlich aufgewühlte und von ihrem Ehemann zutiefst verletzte Richterin ins Krankenhaus, spricht mit dem Jungen und trifft dann eine wohl begründete Entscheidung. Doch damit beginnt die Story erst so richtig. Eine Story, der ein tatsächlicher Fall zugrunde liegt.

Ian McEwan hat geradezu ein Lehrstück für die Mechanismen der Justiz und  das Spannungsfeld von Religionsfreiheit und Rechtstaatlichkeit  geschrieben. Und jagt den Leser dabei von einem Ereignis zum nächsten. Und letztlich bezieht er auch Stellung, subtil und herzerwärmend: für das Leben, gegen religiösen Eifer.

McEwans wunderschöner Satz in einem SPIEGEL-Interview:
"Ich bin überzeugt, dass wahres Mitgefühl aus einem Verstand erwächst, der sich keiner Religion unterordnet."

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145 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 26 Rezensionen

schweiz, banken, verschwörung, bankenskandal, roman

Montecristo

Martin Suter
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 25.02.2015
ISBN 9783257069204
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

So liebe ich Martin Suters Romane: Dynamische Handlungen auf mehreren Ebenen, ein etwas hilfloser Held, eine Romanze am Rande, Täuschung und Komplott allerorten, überraschende Wendungen und all das stets am Rande zum Kriminalroman ...

Zwei 100 Franken-Scheine mit identischer Seriennummer - zufällig entdeckt von einem erfolglosen Journalisten, der plötzlich die Chance hat, ganz groß herauszukommen; wäre dieser Stoff nicht viel zu groß für ihn. Immerhin schafft er es, bis zum Ende des Romans zu überleben, was diverse andere Figuren des raffiniert ausgetüftelten Plots nichts von sich behaupten können.
Gute Unterhaltung!

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