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Peaks of the Balkans. Albanien, Kosovo und Montenegro.

Max Bosse , Kathrin Steinweg
Flexibler Einband: 128 Seiten
Erschienen bei Bergverlag Rother, 07.09.2016
ISBN 9783763344918
Genre: Sonstiges

Rezension:

Wer auf der Suche nach einem ganz besonderen Bergurlaub ist, der sollte nicht nur in den gewöhnlichen Kategorien der Alpenregionen denken. Ein Blick auf die Landkarte lohnt sich, kann man so doch den Balkan entdecken und mit ihm den Rundwanderweg „Peaks of the Balkans“, der sich in der entlegenen Bergregion des Dreiländerecks Albanien, Kosovo und Montenegro befindet. Ganz egal ob man sich entscheidet, diese Tour, die fernab der Bergtouristenströme liegt, allein oder mithilfe eines entsprechenden Reiseanbieters zu gehen, so wird man sich im Vorfeld und auch während der Reise informieren wollen. So etwa mit dem neuen Rother Wanderführer „Peaks of the Balkans“ (PoB) von Max Bosse und Kathrin Steinweg.

Die Autoren haben für ihre Recherche bereits zwei mehrwöchige Aufenthalte in der entfernten Balkanregion verbracht. Dabei haben sie die Landschaft sowie die Menschen schätzen und lieben gelernt, was man ihrem Wanderführer auch anmerkt. Das Büchlein im typischen und überaus praktischen Rother-Format enthält nicht nur den Dreiländerwundweg PoB, der sich in insgesamt zehn Etappen gliedert, sondern auch sieben Varianten und Gipfelabstecher sowie sechs Tagestouren ab Thethiund und vier im Grbaja-Tal. Alle Touren, bis auf zwei Ausnahmen, bewegen sich im leichten bis mittleren Schwierigkeitsbereich, die Etappen des PoB weisen dabei meist eine Länge von etwa sechs bis acht Stunden auf. Zu beachten ist allerdings, dass die Schwierigkeitskategorien hier durchaus anders zu handhaben sind als man es normalerweise gewohnt ist, dies betrifft vor allem den Punkt der Orientierung. Man darf nie vergessen, dass man sich im Balkan in einer touristisch noch eher wenig erschlossenen Region befindet, dementsprechend „erfordern die […] Touren eine gewisse Aufmerksamkeit. Die Wege und Markierungen werden unterschiedlich gut gepflegt und erhalten“ (S. 11). Die Autoren empfehlen daher ausdrücklich die Benutzung eines GPS-Gerätes. Darüber hinaus sollten Kompass und entsprechendes Kartenmaterial natürlich nicht fehlen.

Der Einführungsteil des Wanderführers ist sehr ausführlich gestaltet und lässt dem angehenden PoB-Reisenden keine Wünsche offen. Wichtig sind der Abschnitt über Gefahren und der Hinweis, dass die Herdenschutzhunde keinen Spaß verstehen sowie die wertvollen Tipps für Unterwegs, etwa zu Wasser und Proviant, der Stromversorgung, Geld und Währung und natürlich der Ausrüstung. Auch eine Packliste mit den notwendigsten Utensilien fehlt nicht. Es folgt ein Kapitel über Land und Leute, das Informationen zu Lage und Geografie enthält, aber auch einen Einblick in die Mentalität und Kultur der hiesigen Bevölkerung gibt. Weiterhin finden sich zusätzliche Ausführungen zu Flora und Fauna. Während diese Informationen vor allem der Kategorie „nice to have“ zuzuordnen sind, kommt dem nächsten Kapitel – Touristische Informationen – eine sehr große Bedeutung zu. Darin finden sich u.a. die Punkte Reisezeit, Sprachen, Anreise, Einreisebestimmungen und Unterkünfte sowie Adressen und Telefonnummern der Botschaften und Konsulate. Die Anreise zum PoB kann verschiedentlich erfolgen, als Startpunkte kommen die Städte Shkodra (Albanien), Peja (Kosovo) und Plav (Montenegro) infrage. Die Autoren beschreiben die Anreise für jede Stadt einzeln und äußerst detailliert, so sind etwa auch die Fahrzeiten der Busse enthalten. Sehenswürdigkeiten und Übernachtungsmöglichkeiten, mit Preisangaben und Kontaktadressen, machen das Rund-um-Sorglos-Paket perfekt. Die Einreisebestimmungen und Regelungen für das Überqueren der Grünen Grenze werden ebenfalls detailliert dargelegt, da hier besondere Achtsamkeit und Vorbereitung notwendig sind, um Ärger mit den Behörden zu entgehen. Ein kleiner Sprachführer und Hinweise zu weiterführender Literatur sowie Kartenmaterial ergänzen den ersten Teil des Wanderführers.

Zu den Tourenbeschreibungen:

Die Beschreibungen sind in der Wir-Form geschrieben, sodass man schon allein sprachlich den beiden Autoren gut folgen kann. Die Ausführungen sind prägnant, enthalten alles Wichtige und enthalten keine Abschweifungen. Dies ist besonders deswegen eminent, weil man sich in manchen Gebieten wirklich zu 100% auf die Orientierung konzentrieren muss. Die Autoren weisen so auch darauf hin, wenn Orientierungspunkte, wie etwa Fahrspuren, mitunter verschwinden und behelfen sich mit markanten Dingen, wie etwa einem alleinstehendem toten Baum, auffallenden Steinen oder einem Gatter. Entfernungen werden je nach Sachlage zeitlich oder örtlich beziffert, auch erfolgt oftmals ein Hinweis auf die einzuschlagende Himmelsrichtung. Wichtige Wegpunkte sind im Text fett markiert und mit einer Nummer versehen, diese findet sich sodann jeweils im Höhen-/Zeitprofil und der kleinen Karte wieder, die jede einzelne Wanderung bzw. Etappe ergänzt. Die Karten sind sehr übersichtlich und gut für die Orientierung geeignet. Natürlich fehlen bei den einzelnen Tourenbeschreibungen auch nicht die für Rother typischen Anfangsinformationen, wie etwa Ausgangspunkt, Anforderungen, Einkehr, Unterkunft, Tipps und Varianten. Ein kleiner Text stimmt jeweils auf die Etappe ein und in der Titelzeile sind neben dem Namen der Tour auch die Gehzeit und die Höhenmeter im An- und Abstieg enthalten. Bilder, die auch qualitativ bestechen, lockern den gesamten Wanderführer auf und geben bereits einen sehr guten Einblick in die Region des PoB. Weiterhin finden sich in den einzelnen Tourenbeschreibungen mitunter Informationskästen zu Interessantem, etwa zu den Ali-Pasha-Quellen oder dem Hochland von Gjakova.

Kurzum: Peaks of the Balkans ist ein erstklassiger Wanderführer, bei dem sich keine Kritikpunkte feststellen lassen. Er ist damit ein unbedingter Begleiter auf dieser Tour, der auch für die Vorbereitung und bloße Information unentbehrlich ist.

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1.367 Bibliotheken, 21 Leser, 1 Gruppe, 68 Rezensionen

liebe, fantasy, nachtmahr, träume, splitterherz

Splitterherz

Bettina Belitz
Flexibler Einband: 632 Seiten
Erschienen bei script5, 12.11.2012
ISBN 9783839001424
Genre: Jugendbuch

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4 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Alle Toten fliegen hoch: Amerika

Joachim Meyerhoff
E-Buch Text: 320 Seiten
Erschienen bei eBook by Kiepenheuer&Witsch, 23.02.2011
ISBN 9783462302257
Genre: Sonstiges

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326 Bibliotheken, 7 Leser, 0 Gruppen, 22 Rezensionen

fantasy, magie, liebe, freundschaft, jugendbuch

Was die Spiegel wissen

Maggie Stiefvater , ,
Fester Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Loewe, 21.09.2015
ISBN 9783785583302
Genre: Jugendbuch

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701 Bibliotheken, 19 Leser, 1 Gruppe, 50 Rezensionen

maggie stiefvater, fantasy, träume, liebe, jugendbuch

Wer die Lilie träumt

Maggie Stiefvater , Sandra Knuffinke , Jessika Komina , Larissa Kulik
Fester Einband: 528 Seiten
Erschienen bei script5, 15.09.2014
ISBN 9783839001547
Genre: Jugendbuch

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27 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 5 Rezensionen

erzählungen, erzählung, judith hermann, kurzgeschichten, berlin

Lettipark

Judith Hermann
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei S. FISCHER, 25.05.2016
ISBN 9783100024930
Genre: Romane

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1.807 Bibliotheken, 27 Leser, 3 Gruppen, 168 Rezensionen

fantasy, liebe, maggie stiefvater, magie, jugendbuch

Wen der Rabe ruft

Maggie Stiefvater , Sandra Knuffinke , Jessika Komina
Fester Einband: 496 Seiten
Erschienen bei script5, 09.10.2013
ISBN 9783839001530
Genre: Jugendbuch

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825 Bibliotheken, 53 Leser, 1 Gruppe, 80 Rezensionen

gläsernes schwert, victoria aveyard, dystopie, fantasy, cal

Gläsernes Schwert

Victoria Aveyard , Birgit Schmitz
Fester Einband: 576 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 01.07.2016
ISBN 9783551583277
Genre: Jugendbuch

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40 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 37 Rezensionen

kochbuch, kochen, schiffskoch, rezepte, mediterran

Staats‘ Geheimnisse

Stephan Staats , Martin Lagoda , Hubertus Schüler , Justyna Krzyzanowska
Fester Einband
Erschienen bei Becker Joest Volk Verlag, 21.09.2016
ISBN 9783954531066
Genre: Sachbücher

Rezension:

Stephan Staats wusste bereits im Alter von elf Jahren, dass er Koch werden wollte. Bald kam dazu der sehnsüchtige Wunsch, auf einem Schiff zu arbeiten. Beide Wünsche sollten sich für ihn erfüllen. Nach einer Kochausbildung im renommierten Düsseldorfer „Steigenberger Berghotel“ und einigen Jahren Berufserfahrung in Übersee, Zentraleuropa, Australien und schließlich Neuseeland heuerte er als Koch auf den Privatjachten der Superreichen an. Nun hat er ein Kochbuch geschrieben, in dem man nicht nur einige seiner schmackhaften und leicht nachzukochenden Kompositionen findet, sondern auch Storys von seinem aufregenden Leben auf See.

„Staats' Geheimnisse“ ist bereits auf den ersten Blick ein sehr ansprechendes Buch. Großformatig präsentiert es in wunderbaren Arrangements Bilder der Speisen, die der ambitionierte Leser nachkochen kann. Zahlreiche mediterrane Rezepte – insgesamt 71 an der Zahl – finden sich auf rund 290 Seiten. Die Rezepte sind dabei nach Ländern unterteilt, in denen man die Speisen normalerweise antrifft. So kann man mit Stephan Staats eine kulinarische Reise u.a. nach Frankreich, Korsika, Balearen, Montenegro, Griechenland, Ägypten und Israel unternehmen. Die Rezepte sind leicht verständlich und auch das Nachkochen gelingt gut. Die Zutaten sind meist einfach im Handel zu bekommen, nur bei manchen, wie etwa Shaiba-Blättern dürfte man doch vor einem Problem stehen. Damit jedoch lässt einen Staats nicht allein, entweder schlägt er alternative Zutaten vor oder man kann die Zutat entsprechend weglassen. Schön ist, dass bei jedem Rezept auch die Zubereitungszeit und die gesamte Zeit aufgelistet sind. Generell hält sich vor allem Erstere in sehr moderaten Grenzen. Zusätzlich gibt es zu jedem Rezept einen kurzen Einleitungstext, der zumeist etwas Wissenswertes über das jeweilige Gericht enthält. Aufgelockert wird das Kochbuch durch insgesamt 15 kurze Anekdoten aus Stephan Staats Arbeitsalltag. So gibt er etwa einen Einblick, wie er den Einstieg in das Kochgeschäft auf den großen Privatjachten der Superreichen geschafft hat, welche Tiefschläge ihn mitunter ereilten und wie schnell aus einem derben Spaß bitterer Ernst werden kann. Die Storys sind sehr unterhaltsam und bestechen durch ihre lockere Erzählweise. Man bekommt durch die Schreibe Stephan Staats einen guten Eindruck von der Rauheit auf See und das Miteinander der Seeleute.

Kurzum: „Staats' Geheimnisse“ ist nicht nur ein Augenschmaus, sondern auch unterhaltsame Lektüre.

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66 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 21 Rezensionen

israel, trauma, problembewältigung, schicksalsgeschichte, stand-up-comedy;

Kommt ein Pferd in die Bar

David Grossman , Anne Birkenhauer
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 01.02.2016
ISBN 9783446250505
Genre: Romane

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37 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 19 Rezensionen

gewalt, roman, wien, ela angerer, liebe

Und die Nacht prahlt mit Kometen

Ela Angerer
Fester Einband: 191 Seiten
Erschienen bei Aufbau Verlag, 19.09.2016
ISBN 9783351036478
Genre: Romane

Rezension:

Valerie hält nichts in ihrem wohlhabenden Elternhaus, in dem sie sich stets allein und nicht wirklich zugehörig fühlt. Sie zieht aus, lebt für Partys und manchmal unverbindlichen Sex. Dann tritt Bojan in ihr Leben. Valerie ist fasziniert von diesem Mann, der so anders zu sein scheint, als alles was sie kennt. Sie verliebt sich und bald schon sind Bojan und sie ein Paar. Manchmal trägt Bojan sie auf Händen, manchmal überrascht er sie, manchmal belügt und betrügt er sie. Und manchmal schlägt er sie.

Inzwischen ist Valerie 49 Jahre alt. Schon längst hat sie Bojan zurückgelassen und ist erfolgreich als Buchhalterin und Marketingleiterin in einem großen Unternehmen tätig. Zu Weihnachten beschließt sie, die kommenden Tage ganz für sich zu sein – unerreichbar vor allem für ihren Arbeitgeber. Da erreicht sie auf Facebook eine Freundschaftsanfrage von Bojan und unversehens muss Valerie wieder an die gemeinsame Zeit mit ihm denken.

„Und die Nacht prahlt mit Kometen“ ist ein eindringlicher Roman, der beim Leser einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Im ersten Kapitel bereits erfährt man die Brutalität Bojans, der Valerie immer wieder schlägt, nur weil sie seiner Meinung nach einem „Neger“ hinterherschaute. Danach geht es in die Vergangenheit und in die Gegenwart. Man erfährt, wie es Valerie mit 49 Jahren ergeht: sie ist erfolgreich, aber einsam. Es scheint, als sei sie nie wirklich im Leben angekommen. Zu ihrer Tochter Bea, die in Washington studiert, hat sie ein zerworfenes Verhältnis. Als sie die Freundschaftsanfrage von Bojan erreicht, merkt man, wie sehr sie dieses Ereignis bewegt und auch, dass sie Angst hat, er könnte plötzlich an ihrer Tür klingeln. Eva Angerer versteht es, die Charaktere und die gesamte Handlung mit klaren Sätzen, die nichts beschönigen und nichts verschweigen, zu entwerfen, die den Leser packen und ihn nicht mehr loslassen. Keiner in ihrem Roman ist gut oder böse. Sie alle haben Schattierungen, kämpfen mit den eigenen Dämonen. Valerie etwa mit ihrem Elternhaus, mit dem Alleinsein. Bojan, der eine nicht einzuschätzende Persönlichkeit ist, leidet an seiner Vergangenheit und Identität. Als Jugoslawe war er vielen Anfeindungen ausgesetzt, der eigene Vater schlug mindestens die Schwester, seine Mutter streichelte ihm heimlich, wenn er schlief zwischen den Beinen. Als Erwachsener ist er ein unangepasster Mensch, dem schon der kleinste Zwischenfall reicht, um auszurasten und bis auf das Äußerste brutal zu werden. Valerie kommt nicht von ihm los, weniger aus Liebe scheint es als vielmehr aus Mangel an Alternativen. So versucht sie, ihm alles recht zu machen, erträgt die Schläge, seine Lügengeschichten und seine anderen Frauen. Das Einzige, was ihr wirklich zusetzt, sind die geraubten Freiheiten, den zunehmend packt Bojan der Kontrollwahn.

Das eigentliche Meisterstück von Angerer besteht darin, einerseits deutlich zu zeigen, dass diese Art der Beziehung nichts mit Liebe zu tun hat und es andererseits versteht, die Handlung und Charaktere derart auszugestalten, dass man sich eben nicht fragt: „Mensch, warum geht sie nicht einfach?“ Denn so einfach liegen die Dinge nicht. Valerie muss wachsen, zu sich selbst finden, um sich von Bojan zu befreien. Denn nur sie ist es, die sich ändern und ein anderes Leben führen kann. Für Bojan ist es bereits zu spät, zu gefestigt ist seine Welt, zu sehr konnte er darin seinen Stil ausleben, ohne jemals ernsthafte Konsequenzen zu befürchten.

„Und die Nacht prahlt mit Kometen“ ist ein äußerst empfehlenswertes Buch, nicht nur wegen dem Thema, dass hier auf eine sehr nachdenklich machende Weise verarbeitet wird, sondern auch, weil man deutlich merkt, hier etwas von einer begnadeten Autorin lesen zu dürfen.

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Lothringen

Thomas Rettstatt
Flexibler Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Bergverlag Rother, 06.07.2016
ISBN 9783763344895
Genre: Sonstiges

Rezension:

Lothringen – eine idyllische Landschaft im Nordosten Frankreichs, direkt an der Grenze zu Deutschland. Wer eine Reise dorthin unternimmt, der findet ruhige Wälder, zahlreiche Seen und Weiher sowie gastfreundliche Dörfer. Nicht im Gepäck fehlen sollte der neue Wanderführer von Thomas Rettstatt, der 50 Touren in dem Gebiet zwischen Elsass und Champagne vorstellt.

Rettstatt bietet dem Wanderer 33 leichte Touren und 17 mittelschwere zur Auswahl, wobei die ersten sechs Wanderungen sehr nah an der deutschen Grenze liegen. Die Gehzeiten bewegen sich zwischen anderthalb und acht Stunden, wobei der Schwerpunkt bei etwa drei Stunden liegt. Damit weisen die Wanderungen eine angenehme Länge aus, auch für all jene, die es gerne etwas gemütlicher angehen lassen. Der Aufbau des Wanderführers ist Rother-typisch. Da ich mich bereits bei etlichen Rezensionen eingehend zu den Vor- und Nachteilen des Aufbaus der Rother Wanderführer geäußert habe, möchte ich an dieser Stelle nicht noch einmal auf diesen Aspekt eingehen. Positiv hervorzuheben ist, dass die Bildunterschriften im Einleitungsteil des Buches zumeist die Nummer der jeweiligen Wanderung enthalten, auf der sich das Gesehene befindet. Warum darauf manchmal allerdings verzichtet wird, erschließt sich mir nicht. In den Touristischen Hinweisen finden sich Ausführungen zu allen wichtigen Themen, etwa Anforderungen, Ausrüstung, Karten und Anfahrt. Wertvoll ist der Hinweis von Rettstatt, dass es in den (Hoch-)Sommermonaten auch viele Franzosen nach Lothringen zieht und man somit mit mehr Mitwanderern als üblich rechnen muss. Wer sich bei dem vorgestellten Tourenangebot nur schwer entscheiden kann, dem hilft sicherlich die Auflistung der zehn Top-Touren. Liest man sich diese Liste durch, so wird bereits deutlich, worin der Charme Lothringens besteht: Wälder, Moore, Seen und Weiher. Hinzu kommt eine beeindruckende Flora und Fauna, die Rettstatt unter dem Punkt „Wandern in Lothringen“ recht ausführlich auflistet. Diese langen Aufzählungen sind zum Teil ermüdend, einige Beispiele und der Hinweis für Interessierte, am besten einen Naturführer dabei zu haben, hätten sicherlich ausgereicht. Wichtige Informationen finden sich nochmals unter dem Punkt „Informationen und Adressen“. Zwar ist Frankreich unser Nachbarstaat, doch manche Dinge sind einem doch unbekannt. So etwa, dass man in touristisch stark frequentierten Gebieten mit Diebstahl und dem Aufbrechen des Autos rechnen muss und dass man in Lothringen auch auf die Giftschlangen Kreuzotter und Aspisviper treffen kann.

Nun zu den Tourenbeschreibungen. Ein kurzer Einleitungstext stimmt jeweils auf die Wanderung ein und natürlich gibt es auch Kurzinformationen zu den Punkten Ausgangspunkt, Höhenunterschied, Anforderungen, Einkehr und Karte. Die Beschreibung des Ausgangspunktes enthält stets eine kurze Anfahrtsbeschreibung und den Anforderungen kann man entnehmen, ob man sich auf markierten Wegen bewegen wird, oder ob sich auch unmarkierte Passagen oder Asphaltstrecken (in Frankreich kaum zu vermeiden) im Verlaufe der Wanderung finden. Die gesamte Wegbeschreibung ist stets in der Wir-Form geschrieben und recht ausführlich, womit die Orientierung vor Ort gut möglich sein dürfte. Weiterhin kann man sich auch zu allen vorgestellten Touren die GPS-Daten downloaden. Wichtige Wegpunkte sind fett hervorgehoben und mit fortlaufender Nummer versehen. Diese finden sich sodann auch im Höhen-Zeitprofil und in den sehr zweckmäßigen kleinen Wanderkärtchen wieder. Generell finden sich eher wenige Zeit- und Entfernungsangaben im Fließtext, wenn aber doch, so entscheidet sich Rettstatt überwiegend für Letzteres. Zahlreiche Bilder lockern den Wanderführer auf und ermöglichen einen guten Einblick in die Landschaft Lothringens.

Kurzum: ein solider Wanderführer, der bei einem Aufenthalt in Lothringen mit ins (Wander-)Gepäck gehört.

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37 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 25 Rezensionen

italien, ferrara, schuld, drogen, familie

So glücklich wir waren

Daria Bignardi , Julika Brandestini
Fester Einband: 317 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 11.09.2016
ISBN 9783458176800
Genre: Romane

Rezension:

Antonia erwartet gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten, dem Kommissar Leo, ihr erstes Kind. Die Schwangerschaft ihrer Tochter wird für Alma Auslöser, um Antonia endlich die Wahrheit über ihre Familie zu erzählen: einst lebte Alma mit ihrem Bruder Maio und ihren Eltern in Ferrara. Sie waren glücklich, auch wenn sie das damals nicht wussten. Eine dumme Jugendsünde schließlich führt zum Zerbrechen der Familie: Maio fixt, verschwindet spurlos. Almas Vater, schon vorher von Depressionen heimgesucht, nimmt sich das Leben und ihre Mutter wird krank und stirbt. Alma gibt sich selbst die Schuld am Geschehen und trägt das Wissen darum zeit ihres Lebens mit sich. Als Antonia die Wahrheit über ihre Familie erfährt, entschließt sie sich sofort nach Ferrara, dem Heimatort ihrer Mutter, zu reisen, um so mehr über Maios Verschwinden und ihre Familie herauszufinden. Doch welches Wissen wird sie in den nebeligen Gassen der italienischen Stadt finden?

„So glücklich wir waren“ ist der vierte Roman der Autorin Daria Bignardi. Ich habe mit zugegebenermaßen hohen Erwartungen angefangen, das Buch zu lesen. Schließlich wurde einem hier ein Roman versprochen, der „von der fragilen Nähe zwischen Müttern und Töchtern [erzählt] und […] die alles entscheidende Frage [stellt] – wie genau wir die Menschen kennen, die uns am nächsten stehen.“ Leider wurden meine Erwartungen nicht erfüllt. Das Zwischenmenschliche, die leisten Zwischentöne zwischen Mutter und Tochter sind in dem Roman fast überhaupt nicht vorhanden. Die Handlung wird einerseits aus Antonias Sicht erzählt, die sich auf Spurensuche begibt und andererseits von Alma, die sich vor allem in Erinnerungen aus der Vergangenheit verliert. Die beiden kommunizieren nahezu überhaupt nicht miteinander, von einigen sehr kurzen Gesprächen abgesehen. Dabei wären genau diese Gespräche m.E. nach sehr wichtig gewesen. Der Schreibstil der Autorin ist an sich gut, doch im Verlaufe der Handlung hat man zusehends den Eindruck, als hätten die Figuren ihre Sätze auswendig gelernt und als würden stets nur Fakten zusammengetragen werden. Das ist wirklich schade, denn der Roman hätte großes Potenzial gehabt. Das Beziehungsgeflecht innerhalb der Familie wird weniger zwischen Mutter und Tochter enger oder weiter, sondern eher zwischen den anderen Personen. So lernt Antonia ihren Vater Franco besser bzw. von einer anderen Seite kennen und er ist es auch, der sich im Verlaufe der Handlung m.E. nach am meisten verändert, obwohl er eigentlich zu fast keinem Zeitpunkt im Mittelpunkt steht. Antonia lernt der Leser als selbstbewusste Frau kennen, die, auch wenn es schwierig wird, nicht so schnell aufgibt. Seltsam fand ich allerdings, dass sie zwar stets an ihr Ungeborenes denkt, jedoch kein Problem damit hat, zum Essen auch mal ein halbes Glas zu trinken. Ob die Autorin damit einen höheren Zweck befolgt oder es sich um eine kulturelle Sache handelt, hat sich mit letztlich nicht erschlossen.

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Alm- und Hüttenwanderungen Steiermark

Martin Marktl , Astrid Christ
Flexibler Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Bergverlag Rother, 06.07.2016
ISBN 9783763331642
Genre: Sonstiges

Rezension:

Die Steiermark ist für mich eines der schönsten und auch abwechslungsreichsten Urlaubsgebiete in Österreich. Unsere Reisen führten uns bereits in das Dachsteingebirge, ins wenig bekannte Gesäuse, das noch weniger bekannte Almenland und die unfassbar schöne Südsteiermark. Im Rother Bergverlag ist nun ein Wanderbuch zu diesem Bundesland erschienen, das 50 Almen- und Hüttenwanderungen zwischen Dachstein und Weinland in den Fokus rückt.

Die Autoren Martin Marktl und Astrid Christ kennen sich mit Almen aus. Sie selbst hatten einige Jahre lang an der steirisch-kärntnerischen Grenze eine Alm bewirtschaftet. Was sie vor allem schätzen – und was sie dementsprechend auch dem Leser und Wanderer näher bringen möchten – das ist ein Bewusstsein für die Alm als Rückzugsort vom hektischen Alltag. Wer sich aufmacht, Almen und Hütten zu erwandern, der taucht wieder ein die Natur und darf sich am Ziel häufig über hausgemachte Schmankerl freuen. Und wie schön ist es, wenn man im Vorfeld nur einen Wanderführer zur Hand nehmen und die für sich passende Tour heraussuchen muss.

Die Autoren stellen insgesamt 28 leichte Touren, 20 mittlere und zwei schwere Wanderungen zur Auswahl, wobei sich unter den schweren eine Zwei-Tages-Tour befindet. Die bewanderten Gebiete sind: Totes Gebirge, Dachsteingebirge, Schladminger Tauern, Rottenmanner/Wölzer Tauern, Gurktaler Alpen, Seckauer Alpen, Ennstaler Alpen, Hochschwabgruppe, Mürzsteger Alpen, Rax-Schneeberg-Gruppe, Randgebirge östlich der Mur und die Lavanttaler Alpen. Von der Auswahl her wird also reichlich und in allen relevanten Gebieten der Steiermark etwas geboten. Der Aufbau des Wanderbuches orientiert sich an den Richtlinien dieser Buchreihe. So findet sich in der hinteren Buchklappe eine Übersichtskarte, in der alle Touren markiert sind und in der vorderen Buchklappe eine Auflistung aller Touren mit Symbolangaben zu der Erreichbarkeit des Ausgangspunktes mit den öffentlichen Verkehrsmitteln und eventuellem Seilbahnbetrieb (nur eine Tour), der Eignung für Kinder, Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeit, wie oft eine Wanderung begangen wird, Wintereignung, Schwierigkeit, Höhenmeter und der Gehzeit. Die Einkehr ist bei allen außer einer Tour möglich – schließlich wird man sich auch und vor allem wegen der leckeren Schmankerl für eine Almen- bzw. Hüttenwanderung entscheiden. Auch sind die meisten Touren für Kinder geeignet, manchmal kann man gar den Kinderwagen (Jogger) mitnehmen. Auf diesen speziellen Punkt – wie auch auf die Möglichkeit, mit dem Mountainbike zu fahren – weisen die Autoren zusätzlich stets in den Kurzinformationen, die sich am Anfang einer jeden Wanderung finden hin. Und immerhin 22 Touren sind auch im Winter machbar und bieten dann natürlich nochmals ein ganz besonders Erlebnis.

Der allgemeine Teil im vorderen Bereich des Buchs ist für die Rother-Reihe überraschend kurz gehalten. Ausführungen finden sich nur zu den Punkten Anforderungen, Gehzeiten, Anfahrt, Kinder, Kinderwagen, Mountainbike, Winter, Bewirtschaftung, Aufstiegshilfen und Zusatzangebote sowie Karten und eine kurze, lesenswerte Abhandlung zu Almen, alpinen Schutzhütten und der Übernachtung in den Bergen. Diese Auflistung mag den Eindruck erwecken, es sei alles Nötige enthalten, doch fehlen meiner Meinung nach doch zumindest kurze Abschnitte über Wetter und Gefahren. Auch hätten einige Verhaltenshinweise zum Umgang mit Weidevieh, auf das man bei Almwanderungen naturgemäß häufig trifft, sicherlich nicht geschadet. Schade ist auch, dass die ansprechenden Fotos auf den ersten Seiten wirklich Lust auf die Touren machen, sich aber häufig nicht ohne Weiteres zu einer bestimmten Wanderung zuordnen lassen. Eine kurze Angabe der Tournummer in Klammern hätte hier Abhilfe geschaffen.

Nun zu den eigentlichen Wanderungen. Auf den ersten Blick fällt auf, dass sich zwar Ziel, Schwierigkeit, Wandernummer und Gebiet in der Kopfzeile finden, jedoch nicht die Gehzeit. Ich finde diese Angabe enorm wichtig und empfinde es als störend, wenn ich diese erst in den Kurzinformationen suchen muss. Letztere enthalten wie gewohnt die Punkte: Information, Ausgangspunkt, Weglänge, Höhenunterschied, Gehzeit, Anforderungen, Kinder, Kinderwagen, Mountainbike, Gipfelmöglichkeit und Winter, wobei bei Touren, bei denen etwa eine Begehung im Winter nicht möglich ist, der entsprechende Punkt entfällt. Die Autoren haben die einzelnen Wanderungen zusätzlich mithilfe von Sternen klassifiziert (ein bis drei Sterne), die Rückschlüsse auf die „Schönheit“ der Tour zulassen. Dass eine solche Einteilung subjektiv ist, versteht sich von selbst. So kann ich etwa schwer nachvollziehen, warum die Tour 23 Johnsbacher Almrunde mit zwei Sternen (sehr lohende Tour) bewertet ist. Wir selbst haben diese Wanderung bereits gemacht und ich war damals sehr enttäuscht. Die Runde verlief überwiegend auf Forststraßen durch dichten Wald und erfüllte so gar nicht meine Erwartungen von einer Almrunde, die ich mir mit saftigen Wiesen und (mehr) weiten Blicken vorgestellt hatte.

Die Tourenbeschreibungen selbst sind kurz und prägnant gehalten, wichtige Wegpunkte sind fett und farblich hervorgehoben und finden sich in den kleinen Kartenausschnitten und dem Höhen-Zeitprofil wieder. Die Karten sind zweckmäßig und wenn man zusätzlich die GPS-Daten verwendet, so wird man sicherlich nur in den wenigsten Fällen weitere Wanderkarten für die Orientierung benötigen. Neben den tollen Bildern und den Einführungstexten zu jeder Tour hat mir vor allem der Infokasten zur Einkehr gefallen. An dieser Stelle merkt man, dass die Autoren wirklich vor Ort waren und nicht nur gespeist, sondern wohl auch häufig mit den Wirtsleuten ins Gespräch gekommen sind. Ich betone das deshalb, weil es mich doch ein wenig misstrauisch macht, wenn sich nachweisbar mindestens drei Touren (die erwähnte Johnsbacher Almenrunde, die Wanderungen auf den Hochlantsch sowie jene zur Tyrnauer Alm) in gleicher Weise in den entsprechenden Tourismusprospekten finden. Dieser Umstand ist zu bedauern, da ich doch erwarte in einem Wanderbuch, das ich käuflich erwerbe, andere Touren zu finden.

Insgesamt lässt mich dieses Wanderbuch etwas ratlos zurück, vieles ist gut, doch etliches hätte man auch besser machen können. Bei der Bewertung bin ich mit mir selbst uneins, drei Sterne sind mir zu wenig, vier jedoch schon wieder zu viel. Ich entscheide mich daher Not gedrungen zu sehr soliden drei Sternen mit Tendenz zu vier.

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Alpenüberquerung Salzburg - Triest

Christof Herrmann
Flexibler Einband: 184 Seiten
Erschienen bei Bergverlag Rother, 03.05.2016
ISBN 9783763344949
Genre: Sonstiges

Rezension:

„Das Leben ist einfach, aber wir bestehen darauf, es kompliziert zu machen“, so schrieb bereits der chinesische Philosoph Konfuzius. Diese Weisheit, die heute aktueller denn je ist, greift auch Christof Herrmann in seinem neuen Wanderführer „Alpenüberquerung Salzburg – Triest“ auf. Während seiner Reise, die ihn in 28 Etappen über die Alpen bis hin zum Mittelmeer führt, entdeckte er nicht nur grandiose Landschaften, sondern vor allem auch den Zauber der Einfachheit. Wer bereits einmal länger per pedes unterwegs war, der weiß, wie uns diese Art der Fortbewegung wieder näher zu uns selbst und zur Natur bringt. Eine Alpenüberquerung ist dabei eine ganz besondere Erfahrung – und wie schön ist es, wenn man dafür eine noch recht unbekannte Route wählen kann, wie etwa jene von Salzburg nach Triest.

Der neue Wanderführer von Christof Herrmann ist der ideale Begleiter, wenn man das Projekt Alpenüberquerung wagen möchte. In 28 Etappen wandert man von Salzburg nach Triest und mit den sehr guten Tourenbeschreibungen kann dabei auch (fast) nichts schief gehen. Bevor man sich jedoch auf den Weg macht, sollte man sich eingehend informieren. Ideal geeignet für einen ersten Überblick ist nicht nur die Karte mit allen Etappen, sondern vor allem deren schriftliche Auflistung mit dem jeweiligen Gebiet, dem Anfangs- und Endpunkt, der Schwierigkeit (die sich im Übrigen an der Wegklassifizierung des DAV orientiert), den Höhenmetern im An- und Abstieg, der Streckenlänge und der Gehzeit. Diese Eckdaten finden sich auch im Seitenkopf der jeweiligen Etappe, dass man sich dabei jedoch dafür entschieden hat, die Schwierigkeit nicht direkt mit anzugeben, ist bedauerlich. Doch zurück zum Einführungsteil des Wanderführers, der auch eine kurze und lesenswerte Abhandlung zum Weg und seiner Geschichte bereithält. Generell ist das gesamte Buch durch die erfrischende und vor allem ehrliche Schreibe des Autors unterhaltsam zu lesen – besonders amüsiert hat mich in diesem Zusammenhang der Satz „Es hat sich noch niemand zu Tode gestunken“ (S. 34) – womit Herrmann dafür plädiert, mit möglichst wenig Gepäck und Kleidung zu reisen und diese lieber öfters unterwegs kurz zu waschen.

Generell geht Herrmann recht ausführlich auf das Thema der Ausrüstung ein und stellt dem Wanderer auch eine Packliste zur Verfügung, die bei so manchem langwierige „Was packe ich ein“-Überlegungen überflüssig machen dürfte. Weiterhin finden sich Informationen zu den Themen Beste Wanderzeit, An- und Abreise, Anforderungen, Gefahren, Notfall, Verpflegung, Übernachtung, Reservierung und Hüttenleben sowie Telefonieren und Internet, Geld und Kosten – kurzum zu wirklich allen relevanten Schwerpunkten. Besonders hervorzuheben sind die Tourenvorschläge für einen Zeitraum von drei Tagen bis hin zu fünf Wochen, denn vielen Wanderern wird es wohl doch verwehrt bleiben, die Alpenüberquerung am Stück in Angriff zu nehmen und so mancher möchte vielleicht auch ganz bewusst nur einen bestimmten Teilabschnitt erwandern.

Die einzelnen Etappenbeschreibungen machen jeweils zuerst mit einem kurzen Einführungstext hungrig auf die jeweilige Tour und geben sodann einen Überblick über die Punkte Ausgang- und Endpunkt, Entfernung, Anforderungen, Einkehr, Unterkunft, Versorgung, Wasser unterwegs (!), Verkehrsmittel, Informationen, Tipps und Varianten. Die Varianten geben einen die Möglichkeit, etwa bei Ausbuchung auf andere Quartiere auszuweichen oder besonders schwierige Stellen zu umgehen. Bei zwei Etappen, die von der Anforderung her sehr schwer sind, gibt es gar drei eigene alternative Etappenbeschreibungen. Die Beschreibung selbst ist prägnant, wichtige Wegpunkte sind hervorgehoben und finden sich auch im Höhen- und Zeitprofil sowie in den Kartenausschnitten wieder. Generell entscheidet sich Herrmann nur für sehr wenige Entfernungsangaben. Ob der Hinweis, z. B. in einem Kilometer abzubiegen im alpinen Gelände wirklich hilfreich ist, müsste ein Praxistest zeigen. Generell greift man eher auf zeitliche Angaben zurück – diese unterliegen jedoch immer subjektiven Schwankungen. Angereichert werden die einzelnen Etappen mit aussagekräftigen Bildern und Infokästen zu Sehenswürdigkeiten. Erwähnt sei noch, dass – wie bei nahezu allen Router-Wanderfühern – für alle Etappen die entsprechenden GPS-Daten zur Verfügung stehen – damit wird die Orientierung noch einfacher!

Fazit: Wer sich den Traum von der Alpenüberquerung erfüllen möchte, der sollte nicht nur die bekannten Wegstrecken in seine Überlegungen einbeziehen, sondern auch die Variante Salzburg – Triest. Entscheidet man sich schließlich für diese, so kommt man an dem Wanderführer von Christof Herrmann nicht vorbei.

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303 Bibliotheken, 7 Leser, 1 Gruppe, 155 Rezensionen

thriller, psychothriller, hamburg, melanie raabe, entführung

Die Wahrheit

Melanie Raabe
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei btb, 29.08.2016
ISBN 9783442754922
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Sarah lebt gemeinsam mit ihrem Sohn Leo in der großen alten Villa ihres Mannes Philipp. Doch Philipp ist nicht bei ihnen. Vor sieben Jahren ist er zu einer Geschäftsreise nach Südamerika aufgebrochen und spurlos verschwunden. Es gibt keinen Tag, an dem Sarah nicht an ihn denkt … Lange hat Sarah äußerst zurück gezogen gelebt, sich eingeigelt in der Vergangenheit. Doch nun lässt möchte sie in die Zukunft blicken, lädt erstmals seit Philips Verschwinden Freunde zu sich nach Hause ein und legt sich eine neue Frisur zu. Mitten in dieser Aufbruchsphase erreicht sie ein Anruf des Auswärtigen Amtes: ihr Mann sei befreit worden und wird bereits in kürzester Zeit zurück in Deutschland sein. Doch der Mann, denn Sarah am Flughafen gegenübertritt ist nicht Philipp. Mit Gewalt drängt sich der Fremde in ihr Leben. Sarah ist verzweifelt, keiner glaubt ihr. In ihrer Not stellt sie sich dem Fremden, um herauszufinden, welche Ziele er verfolgt. Ein gefährliches Unterfangen …

„Die Wahrheit“ – so lautet der Titel von Melanie Raabes zweitem Thriller. Gleich vorweg: ich bin kein erfahrener Thrillerleser. Ich sage dies deswegen, weil ich schon vermehrt gelesen habe, dass „Die Wahrheit“ eher ein Roman als ein Thriller sei. Ich selbst kann diesen Eindruck nicht bestätigen. Die Handlung ist äußerst spannungsgeladen und lässt einen von der ersten Seite an nicht mehr los. Besonders die leicht beklemmende und dichte Atmosphäre hat mir gut gefallen. Natürlich handelt es sich hierbei nicht um einen blutrünstigen oder gewalttätigen Thriller. Aber die Handlung ist eben doch beklemmend, Sarahs Situation beängstigend, vor allem da sie sich dem Problem mit dem Fremden völlig allein gegenübersieht. Die Hauptcharaktere sind sehr gut ausgearbeitet. Man erlebt das Geschehen aus Sarahs Perspektive (Ich-Erzähler), und einzelne sehr kurze Kapitel geben Einblick in die Gedanken des Fremden. Nach und nach kommen Details ans Licht, die einen anderen Blick auf das Geschehen ermöglichen und gleichzeitig erzwingen. Jede der Hauptfiguren hat ihre Geheimnisse und nichts ist so, wie es auf den ersten Blick scheint.

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73 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 52 Rezensionen

england, glaube, andrew michael hurley, fanatismus, wunder

Loney

Andrew Michael Hurley , Yasemin Dincer
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 09.09.2016
ISBN 9783550081378
Genre: Romane

Rezension:

England Mitte der 1970er Jahre: der kleine harte Kern einer katholischen Gemeinde aus London verbringt jedes Jahr die Karwoche an einem verregneten, unwirtlichen Landstrich an der nordenglischen Küste. Die Einheimischen nennen dieses Ort nur The Loney. Die jüngsten Teilnehmer der Pilgerfahrt sind Tonto und sein geistesbehinderter, stummer Bruder Hanny. Ihre Eltern erhoffen sich durch den Aufenthalt in The Loney ein Wunder Gottes – die Heilung Hannys. Die Mutter ist starr in ihrem Glauben und vor allem der neu eingesetzte Father Bernhard mit seiner eher lockeren Art reizt ihre Nerven. Nichts darf anders sein als sonst, alles muss einem strengen Protokoll folgen. Derweil entdecken Hanny und Tonto, auf einer Landzunge, die man nur bei Ebbe erreicht, ein altes Haus, das nicht so verlassen ist, wie es auf den ersten Blick scheint.

Dreißig Jahre später bringen heftige Unwetter eine Babyleiche bei The Loney zum Vorschein und Tonto wird mit Macht an jene Fahrt vor über 30 Jahren erinnert. Es ist eine Erinnerung, die ihm noch heute das Blut in den Adern gefrieren lässt.

Andrew Michael Hurley präsentiert mit „Loney“ ein atmosphärisch aufgeladenes Debüt. Der Leser reist gemeinsam mit der kleinen, brüchigen Glaubensgemeinschaft nach The Loney – einem Ort, der vor allem eines ist: düster. Der Autor lässt keinen Zweifel daran, dass man sich an einem Landstrich befindet, der nicht nur weit ab der normalen Zivilisation liegt, sondern an dem das Unheimliche an der Tagesordnung steht. Das Haus, welches als Unterkunft dient, war vor Jahren die Wohnstätte eines Tierpräparators. Doch noch immer ist alles so, wie er das Haus einst verließ. Die Bewohner des nahen Dorfes sind skurrile Gestalten, die scheinbar etwas zu verbergen haben. Kurzum: nichts ist normal in The Loney. Doch während die Atmosphäre durchaus stimmig komponiert ist, schleppt sich die Handlung dahin und erst im letzten Drittel des Buches kommt eine gewisse Dynamik auf. Stets wartet man auf ein Unheil oder gewisse Vorkommnisse, aber in Wahrheit passiert über lange Strecken hinweg rein gar nichts und man ist schon fast versucht, den Roman beiseite zu legen. Die handelnden Charaktere bleiben fern und oftmals ist eine Zuordnung nur schwer möglich. Ein Grund dafür liegt darin, dass Tonto, der sich 30 Jahre später zurückerinnert, die Figuren stets mit Nachnamen bezeichnet, in der mündlichen Rede werden dagegen die Vornamen gebraucht. Auch sind charakterliche Eigenheiten erst im späteren Verlaufe des Buches auszumachen. Sympathien kommen dagegen für Father Bernhard auf, der als einziger The Loney in seiner Bedeutung nicht überbewertet.

„Loney“ ist ein Roman, der durch seine Aufmachung neugierig macht, den Leser am Ende aber enttäuscht zurücklässt.

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227 Bibliotheken, 17 Leser, 1 Gruppe, 75 Rezensionen

neapel, freundschaft, italien, armut, bildung

Meine geniale Freundin

Elena Ferrante , Karin Krieger
Fester Einband: 422 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 29.08.2016
ISBN 9783518425534
Genre: Romane

Rezension:

Eines Tages klingelt Elenas Telefon. Es ist Rino, der Sohn ihrer besten Freundin Lila. Seine Mutter sei verschwunden und er wisse nicht, wo er nach ihr suchen soll. Schnell stellen die betagte Elena und Rino fest, dass Lila nicht einfach verschwunden ist, sondern wortwörtlich ihre Existenz ausgelöscht hat. Kein Foto, kein Kleidungsstück, nicht einmal ein Staubkorn hat sie von sich zurückgelassen. Elena beschließt, Lila die Stirn zu bieten und beginnt, ihre gemeinsame Lebensgeschichte aufzuschreiben – wider dem Vergessen.

„Meine geniale Freundin“ ist dabei der erste Band der vierteiligen Neapolitanischen Saga und thematisiert die Kindheit und Jugend der beiden Freundinnen. Der Leser lernt die junge Elena kennen, die in einem volkstümlichen Viertel – Rione – von Neapel aufwächst. Flüche, derbe Worte und außerhäusliche und –häusliche Gewalt prägen den Alltag, der trotz dessen nicht düster erscheint. Es ist eben eine andere Zeit, eine andere Mentalität, in die der Leser hier eintaucht. Elena ist schnell fasziniert von der frechen Lila, die sich weder beim Spielen noch im Unterricht unterordnet. Sie ist dreckig, unangepasst – und genial. Mit zunehmendem Handlungsverlauf wird immer deutlicher, warum der Roman den Titel „Meine geniale Freundin“ trägt. Lila hat sich bereits in frühester Kindheit selbst das Lesen und Schreiben beigebracht, löst schwierigste Mathematikaufgaben und lernt später scheinbar mühelos Latein und Griechisch. Dabei ist sie jedoch auch eine Getriebene ihrer eigenen Genialität, was sie interessiert, muss gelernt werden – und zwar bis zur Perfektion. Elena schaut bewundernd zu ihrer Freundin auf, auch sie ist intelligent, doch an Lila reicht sie nicht heran. Allein das Leben meint es besser mit ihr. Während sie auf das Gymnasium gehen darf, muss Lila bald schon in der Schusterei ihres Vaters mitarbeiten. Nicht selten wird dem Leser bewusst, dass Elena auch unter ihrer Freundschaft zu Lila leidet. Denn Elena braucht Lila. Sie ist wie eine Sonne, um die Elena beharrlich kreist, auch wenn Lila sie mitunter mit Missachtung straft oder mit Worten verletzt. Lila dagegen scheint nichts und niemanden zu brauchen, ihr Charakter ist schwer durchschaubar, gerade weil er so einfach scheint.

Elena Ferrante – der großen Unbekannten der Gegenwartsliteratur – ist mit „Meine geniale Freundin“ ein außerordentliches literarisches Glanzstück gelungen. Äußerst geschickt zieht sie den Leser immer tiefer in die Lebenswelt von Elena und Lila. Schon bald streift man mit beiden durch die Gassen und Straßen des Rione, erlebt die Ängste kleiner Mädchen und ist das erste Mal mit ihnen verliebt. Die Handlung ist nicht wirklich mit Spannung durchdrungen. Vielmehr gleicht sich einem Fluss, der sich stetig seinen Weg bahnt. Man darf bereits heute neugierig sein, auf die weiteren Bände der Saga und damit auf den weiteren Lebensweg zweier Frauen, die eine außergewöhnliche Freundschaft verbindet.

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155 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 86 Rezensionen

spanien, geburtstag, familie, spanischer bürgerkrieg, enkel

Albertos verlorener Geburtstag

Diana Rosie , Gabriela Schönberger
Fester Einband: 334 Seiten
Erschienen bei Knaur, 01.02.2016
ISBN 9783426653937
Genre: Romane

Rezension:

Tino liebt seinen Apu – seinen Großvater Alberto – über alles. Sie haben sozusagen eine bilderbuchmäßige Großeltern-Enkelkind-Beziehung. Eines Tages unterhalten sich die beiden über Geburtstage und so muss Tino erfahren, dass sein Apu nicht weiß, wann er geboren wurde. Der Junge ist zutiefst erschüttert und fasst beinahe sofort den Plan, den Geburtstag seines Großvaters zu suchen. Es bedarf ein wenig Überredungskunst, aber schließlich ist nicht nur Tinos Mutter, sondern auch Alberto bereit, sich gemeinsam mit dem Jungen auf die Suche nach seinem verlorenen Geburtstag zu machen. Es beginnt eine Reise, die Tino und seinen Großvater stückchenweise in die Vergangenheit führt – zu längst vergessenen Orten und Menschen.

„Albertos verlorener Geburtstag“ von Diana Rosie nimmt den Leser mit auf eine Suche ins sommerliche Spanien. Die Handlung ist dabei in zwei Stränge unterteilt. Zum einen kann man das aktuelle Geschehen durch einen auktorialen Erzähler erleben – interessanterweise ist als Zeitform die Vergangenheit gewählt. Zum anderen gibt es am Ende jeden Kapitels einen weiteren Handlungsstrang, der im Präsenz die Vergangenheit – ab 1937 rücklaufend – erlebbar macht. Hierbei lernt der Leser jeweils einen anderen Ich-Erzähler kennen, der mehr oder weniger in Berührung mit dem damals noch sehr jungen Alberto kommt. Die damalige Zeit ist vor allem vom Bürgerkrieg in Spanien geprägt.

Die Handlung ist durchaus geschickt arrangiert. Erst ganz zum Schluss erschließen sich alle Zusammenhänge, auf die man so keinesfalls gekommen wäre – ohne dass das Geschehen dabei konstruiert erscheint. Den Charakteren hat es meines Empfindens nach leider an ausreichender Tiefe und Schärfe gefehlt. So bleiben viele konturlos und austauschbar. Wirklich gestört hat mich allerdings der Schreibstil der Autorin, die allzu oft mit Hilfe von Adjektiven versucht hat, eine besondere Atmosphäre zu zaubern, was ihr jedoch kaum gelungen ist. Die Handlung gerät dadurch gravierend harmonisch und glückselig, trotz der manchmal wirklich tragischen Gegebenheiten. Kurzum: mich konnte „Albertos verlorener Geburtstag“ nicht begeistern, der Roman bleibt für mich arge Geschmackssache und ich war mehr als froh, als ich dieses Buch endlich hinter mir hatte.

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81 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 34 Rezensionen

zukunft, hamburg, gewalt, macht, dystopie

Macht

Karen Duve
Fester Einband
Erschienen bei Galiani Berlin ein Imprint von Kiepenheuer & Witsch, 18.02.2016
ISBN 9783869710082
Genre: Romane

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1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Wandern mit Hund - Elbsandsteingebirge

Franziska Rößner
Flexibler Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Bergverlag Rother, 01.06.2016
ISBN 9783763331574
Genre: Sonstiges

Rezension:

Kürzlich ist ein Hund in der Sächsischen Schweiz in die Tiefe gestürzt. Es war – wenn man den Medienberichten glauben mag – ein übermütiger Sprung, der erst nach vielen Metern durch Bäume und Gestrüpp gebremst wurde. Der Hund, von der Bergrettung geborgen, überlebte. Dieser Vorfall zeigt: die oftmals engen Wege und Felsabgründe der Sächsischen Schweiz sollten nicht unterschätzt werden, weder von Mensch noch Tier. Zugleich aber bleibt das kleine Gebiet hinter Dresden eines der wohl schönsten Wandergebiete Deutschlands.

Franziska Rößner hat die Gegend bereits in jungen Jahren mit ihrem Vater durchstreift und die Leidenschaft für die Sächsische Schweiz auch später nie verloren. Heute erkundet sie die Wanderwege oft gemeinsam mit ihren beiden Berner Sennenhündinnen und hat ihre Touren nun im neuen Rother Wanderbuch veröffentlicht: „Wandern mit Hund. Elbsandstein.“ Ihr Buch beweist, dass die Sächsische Schweiz auch für Touren mit dem geliebten Vierbeiner ideal geeignet ist.

Das Wanderbuch bietet insgesamt 30 verschiedene Wanderungen in den Schwierigkeitsgraden leicht, mittel und schwer, wobei der Schwerpunkt deutlich auf der mittleren Kategorie liegt und zusätzlich acht Etappen des bekannten Malerweges. Die Zuweisung der Schwierigkeit wird jeweils zweifach vorgenommen – getrennt für Mensch und Hund. Diese Entscheidung macht durchaus Sinn, denn etwa Wanderungen mit vielen Gitterbrücken oder den bekannten sächsischen schmalen Stiegen können vor allem für Hunde eine extreme Herausforderung sein. Darin liegt auch die Besonderheit des Buches: Die Autorin hat die Wanderungen sooft vorgenommen und getestet, bis sie die ideale Wegfindung mit Hund gefunden hat und diese nun guten Gewissens an andere weitergeben kann.

Die Tourenübersicht in der ersten Umschlagsseite gibt zusätzlich Auskunft über Dauer, Höhenmeter, Gehzeit und ob Trinkwasserstellen und Bademöglichkeiten vorhanden sind oder ob Leinenpflicht besteht. Besonders hervorzuheben ist das letzte Piktogramm, welches informiert, wie oft der Weg begangen wird – also, ob man mit vielen oder eher wenigen Mitwanderern zu rechnen hat. Diese Auskunft ist vor allem an Feiertagen nicht zu unterschätzen, an denen manche bekannten Orte der Sächsischen Schweiz nahezu aus allen Nähten platzen. Die obligatorischen Allgemeinen Hinweise nehmen recht viele Seiten ein, doch sie enthalten durchweg wichtige, lesenswerte Informationen, gehen sie doch nicht nur auf den Menschen, sondern vor allem auch auf den Vierbeiner ein. Themen sind u.a. Anforderungen, Erklärung der verschiedenen Schwierigkeiten, Ausrüstung und wertvolle Hinweise, was man in Bezug auf Ernährung und Erziehung beachten muss, wenn man mit dem Hund wandernd unterwegs ist. Kurzweilige Informationen zur Entstehung der Sächsischen Schweiz und ihrer (touristischen) Erschließung runden den Einführungsteil ab. In der hinteren Umschlagseite findet sich die geografische Tourenübersicht, aus der ersichtlich wird, dass wirklich das gesamte Gebiet der Sächsischen Schweiz bedacht wurde – fünf der Wanderungen führen sogar in die angrenzende Böhmische Schweiz.

Die Tourenbeschreibungen selbst enthalten neben einem kurzen Einführungstext auch die bewährten Kurzinformationen zu Ausgangspunkt, Anfahrt, Gehzeit, Höhenunterschied, Anforderungen an Mensch und Hund, Wasserstellen und etwa Einkehr. Die Wegbeschreibungen sind gut nachvollzieh- und lesbar und oftmals sind kurze wissenswerte Informationen eingeflochten. Auch ihre Länge ist der jeweiligen Tour optimal angepasst. Besonders gut ist, dass immer wieder auf die vorhandene Markierung und auch auf deren Wechsel hingewiesen wird. Wichtige Stellen sind überdies farbig und mit Nummer hervorgehoben – sie finden sich einerseits im bekannten Höhenprofil und andererseits in den kleinen Übersichtskarten wieder. Eine gute Orientierung dürfte damit problemlos möglich sein, auch wenn es sich natürlich stets empfiehlt, zusätzlich eine Wanderkarte oder ein GPS-Gerät mit sich zu führen. Aufgelockert wird das Wanderbuch immer wieder durch hervorragende Fotos von der Sächsischen Schweiz, auf denen natürlich nicht selten Vierbeiner mit ihren Wanderern abgebildet sind. Diese Bilder sind in ihrer Qualität wirklich hervorzuheben, denn sie tragen entscheidend dazu bei, das man gleich Lust auf eine Wanderung bekommt. Übrigens: Wer keinen Hund hat, für den ist dieses Wanderbuch natürlich trotzdem eine schöne Sache, denn die vorgestellten Touren sind durchweg auch für den Menschen anspruchsvoll und landschaftlich beeindruckend. Ein einziger Kritikpunkt muss angebracht werden: Die Einteilung der Schwierigkeit für den Menschen in Bezug auf die Gehzeit bei einigen wenigen Touren, so ist etwa die erste mit einer Dauer von 8,5 Stunden angegeben und in ihrer Schwierigkeit „nur“ Mittel. Ich halte diese Entscheidung – auch hin Hinblick auf andere Wanderführer und –Bücher des Verlags für etwas ungewöhnlich, denn für eine solch lange Wanderung benötigt man doch eine ordentliche Kondition. Davon abgesehen begeistert das Wanderbuch auf voller Linie und ist für den nächsten Ausflug in die Sächsische Schweiz (mit oder ohne Hund) deutlich zu empfehlen.

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88 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 54 Rezensionen

kochen, rezepte, roman, usa, familie

Die Geheimnisse der Küche des Mittleren Westens

J. Ryan Stradal , Anna-Nina Kroll
Fester Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 24.08.2016
ISBN 9783257069754
Genre: Romane

Rezension:

Eva Thorwald hat keinen leichten Start ins Leben. Ihre Mutter brennt kurz nach ihrer Geburt mit einem Weinsommelière durch und ihr Vater stirbt völlig überraschend zu Weihnachten im Treppenhaus. Eva – noch ein Baby – bekommt von diesem Trubel natürlich nichts mit. Sie wächst in dem Glauben auf der Bruder Jarl ihres Vaters und seine Frau Fiona seien ihre Eltern. Bereits als Teenager entwickelt sie ein ungeahntes Interesse am Kochen und dem eigenhändigen Züchten von Zutaten. Jahre später ist sie ein der berühmtesten und begnadetsten Köchinnen Amerikas. In den Genuss ihres Essens kommt man jedoch nur durch die Teilnahme an ihren Pop-up-Dinner, für das die Menschen extreme Preise und jahrelange Wartezeiten in Kauf nehmen.

J. Ryan Stradal hat mit „Die Geheimnisse der Küche des Mittleren Westens“ einen außergewöhnlichen Roman geschrieben. Beim Lesen der Inhaltsangabe glaubt man, ein normales Buch vor sich zu haben, dass die Lebensgeschichte von Eva Thorwald in den Mittelpunkt rückt. Beim Lesen allerdings stellt sich schnell heraus, dass die Protagonistin sozusagen nur der grobe rote Faden ist, der dem Roman seine Richtung gibt. In nur einem Kapitel erlebt man die Geschehnisse aus Evas Sicht: man lernt sie als Chili züchtenden Teenager kennen, der in der Schule den Gehässigkeiten der anderen ausgesetzt ist. Eva wächst einem dabei schnell ans Herz: sie ist anders, unkonventionell und man hofft, dass sie ihren Weg im Leben gehen wird. Auf den gesamten restlichen Seiten des Buches streift man Evas Leben nur noch – jedoch in chronologischer Reihenfolge. So erfährt man zuerst die Geschichte ihrer Eltern, erlebt Eva als Teenager, lernt ihre Cousine kennen und den jungen Erwachsenen Will Prager, der sich in Eva verknallt sowie weitere Menschen, die mehr oder weniger enge Berührungspunkte mit der bald schon aufstrebenden Köchin haben. Die Charaktere sind dabei sehr gut ausgearbeitet, sodass sie jeweils ihre ganz eigene Persönlichkeit und Geschichte glaubhaft machen können. Man muss solch eine Art von Roman natürlich mögen – vor allem, wenn man eigentlich etwas andere erwartet. Lässt man sich aber darauf ein, so wird einem hier wunderbare Literatur geboten. Kunstvoll versteht es der Autor dem Leser immer wieder einen kurzen Blick auf Eva zu ermöglichen, denn natürlich möchte man wissen, wie es mit ihr weitergeht, ob sie glücklich wird und ihr Leben so verläuft, wie sie es sich erhofft hat. Im letzten Kapitel erreicht die Handlung ihren Höhepunkt und die einzelnen Fäden werden subtil miteinander verwoben. Großartig!

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223 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 91 Rezensionen

familie, tod, selbstmord, roman, tragödie

Was ich euch nicht erzählte

Celeste Ng , Brigitte Jakobeit
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 27.05.2016
ISBN 9783423280754
Genre: Romane

Rezension:

„Lydia ist tot.“ Mit diesem eindrücklichen Satz beginnt der Roman „Was ich euch nicht erzählte“ von Celeste Ng. Gleich zu Beginn wird so deutlich, dass es sich nicht um eine normale Vermisstenstory handelt, bei der man bis zuletzt hoffen und bangen kann, ob die Verschwundene nicht doch wieder auftaucht. Alle Hoffnungen sind zerstört und in den Mittelpunkt rücken die Fragen: Wie und warum konnte es zu diesem Unglück kommen? Wo liegen die Ursachen? In ihrem Roman zeichnet Celeste Ng ein meisterhaftes Porträt einer anfänglich perfekt scheinenden Familie im Amerika der beginnenden 1980er Jahre: der Lees. Vater James – Amerikaner und Sohn chinesischer Einwanderer – ist als Universitätsprofessor an einem kleineren College tätig. Seine Frau Marylin kümmert sich um den Haushalt und ihre drei Kinder. Dabei wollte sie als junge Frau, gegen alle Widerstände der Zeit, Ärztin werden, entschied sich aber letztlich doch für die Familie. Nathan, ihr ältester Sohn, interessiert sich vor allem für Astronomie und wird bald ein Studium in Harvard beginnen. Hannah, die Jüngste, wird kaum von ihren Geschwistern und Eltern wahrgenommen. Sie ist wie ein stiller Schatten, versteht es aber meisterlich zu beobachten und die stillen Schwingungen innerhalb der Familie wahrzunehmen. Und dann ist da noch Lydia: das Lieblingskind der Eltern, gerade 16 Jahre alt geworden. Nach außen scheint alles perfekt zu sein, doch vor allem James und Marylin hadern und das Verschwinden Lydias, wenig später ihr tot, reißt Gedanken auf, von denen beide dachten, sie wären längst verstummt …

Ng zeigt in ihrem Roman meisterhaft, wie viel unter der Oberfläche schwellen kann und wohin es führt, wenn Menschen Wichtiges ungesagt lassen. Was passiert, wenn wir nur in Annahmen leben, was der andere denkt und will, wenn wir uns selbst unterdrücken. Die Handlung geschieht in zwei Erzählsträngen: Einerseits entführt sie den Leser in die Vergangenheit vor dem Unglück, andererseits in die Gegenwart nach dem Verschwinden Lydias. Die Charaktere sind allesamt klar umrissen und während man mit dem Leben von James, Marylin, Lydia und Nathan hadert, entwickelt sich vor allem eine zarte Verbundenheit zur kleinen Hannah, die im Gegensatz zu den anderen ein Gespür für das Ungesagte hat, gerade weil sie eigentlich nie von der Familie wahrgenommen wird. Seite um Seite versteht der Leser immer mehr, wie es zu dem Unglück kommen konnte, welche ungesagten Dinge vorausgegangen sind und welches Leid sie letztlich in jedem Einzelnen auslösen. Vielleicht ist dieser Roman auch eine Mahnung, mehr seinem Innersten Ausdruck zu verleihen? Dies zumindest ist ein schöner Gedanke, bei all dem Bedrückenden, was hier offengelegt wird. „Was ich euch nicht erzählte“ muss in jedem Fall zu den ganz großen Romanen 2016 gezählt werden. Ein wahres Meisterwerk der Erzählkunst!

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17 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

die trotzigen, gorbatschow, moskau, russland, schlemenroman

Die Trotzigen

Boris Schumatsky
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Blumenbar, 18.07.2016
ISBN 9783351050290
Genre: Romane

Rezension:

Der Roman „Die Trotzigen“ sticht mit seiner Aufmachung sofort ins Auge. Das Cover kommt in einem kräftigen Orange daher, für Akzente sorgen Blau und Hautfarben. Mir hat das Cover auf Anhieb so sehr gefallen, dass ich leider übersehen habe, dass das Buch einen sechszeiligen Untertitel hat. Seitdem ich meinen ersten Roman mit den in Mode gekommenen langen Titeln gelesen hatte und schwer enttäuscht wurde, bin ich sehr vorsichtig mit solchen Büchern und nehme sie im Zweifelsfall nicht einmal in der Buchhandlung meines Vertrauens in die Hand. Nun aber war das Malheur passiert und die Vorfreude bereits auf ihren Tiefpunkt angekommen. Meine Erwartungen waren niedrig und wurden nicht enttäuscht. Die ersten hundert Seiten zogen sich wie zäher Kaugummi und nach jeder geschafften, schaute ich zur Sicherheit auf die Seitenzahl, um sicherzugehen, dass es auch wirklich vorwärts geht.

Im Mittelpunkt des Geschehens stehen die beiden Charaktere Sascha Potjomkin und Anna Iwanowna. Ersterer ist Russe und von Beruf Dolmetscher, Anna seine Freundin aus Deutschland. Sie treffen sich in Russland, Deutschland und zuletzt wieder in Russland. Gerne würde ich in Worte fassen, um was es in dem Buch eigentlich geht – allein ich kann es nicht. Fest steht: es geht um die (nicht-)existierende Liebe zwischen Anna und Sascha, es geht um die geschichtlichen Ereignisse in Russland zu Beginn der 90er Jahre, es geht um Freiheit, Drogen, Arbeit, Sex. Eine Besonderheit des Romans ist sicherlich, dass es etliche weitere Protagonisten gibt und der Handlungsverlauf oftmals direkt und unvermittelt zu Geschehnissen im Leben dieser Charaktere springt, weil Sascha sie etwa gerade in einem Café getroffen hat.

Im Laufe der (Lese-)zeit kommt man mit dem Buch besser voran und schließlich hat man es dann doch geschafft. Am Ende bleibt bei mir vor allem eine Erkenntnis: Finger weg von Büchern mit langen (Unter-)titeln!

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(2.497)

3.133 Bibliotheken, 34 Leser, 9 Gruppen, 51 Rezensionen

dystopie, klassiker, big brother, überwachung, utopie

1984

George Orwell , Michael Walter
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 01.06.1994
ISBN 9783548234106
Genre: Science-Fiction

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