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Fränkische Schweiz – Wandern & Einkehren

Stefan Herbke
Flexibler Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Bergverlag Rother, 08.10.2018
ISBN 9783763331932
Genre: Sonstiges

Rezension:

Die Fränkische Schweiz genießt unter Wanderfreunden einen exzellenten Ruf. Doch nicht nur das, vor allem auch die vielen gutbürgerlichen Gaststuben und privaten Brauereien locken Freunde des guten Geschmacks in diese Region Bayerns. Stefan Herbke hat in der Reihe der Rother Wanderbücher nun beide Themen geschickt miteinander verbunden und präsentiert in seinem Buch 50 Touren zwischen Bayreuth und Nürnberg zum Wandern und Einkehren. 23 leichte und 27 mittlere Touren laden dazu ein, die Fränkische Schweiz zu erkunden. Schwerpunktmäßig verteilen sich die Wanderungen rund um Hersbruck und Pottenstein, somit umfassen die Touren auch das Gebiet der Hersbrucker Schweiz. Was mir bei der Auswahl besonders gut gefallen hat, ist, dass ausnahmslos alle Touren auch im Winter begangen werden können, die meisten sind zusätzlich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen und weiterhin 22 für Kinder geeignet. Eine Übersicht über die Wanderungen erhält man wie gewohnt auf der vorderen inneren Umschlagsseite, hier wird zudem ersichtlich, dass sich die Tourenlängen im Mittel bei etwa vier Stunden bewegen. Für Ambitionierte gibt es auch Längen über fünf bis sechs Stunden, wer es gemütlicher mag, ist bei den Touren um 3,5 Stunden sicher genau richtig.

Der Allgemeine Teil in diesem Wanderführer ist ausnehmend kurz, was ich sehr ungewöhnlich und ehrlicherweise auch etwas schade fand. Nur insgesamt zehn Seiten vorbereitender Lesestoff, noch reduziert durch (sehr gute) großformatige Bilder. Ich hätte nie gedacht, dass ich diesen Satz einmal schreiben würde, aber ein bisschen mehr hätte es doch sein können. Zu den besprochenen Themen gehören: Anforderungen, Gehzeiten, Höhenunterschiede, Karten, Auskunft, Anreise, Tourenbeschreibungen, Verbesserungsvorschläge, Wanderzeit sowie zwei Seiten Abriss über die Fränkische Schweiz mit ein paar Worten zu Kulinarik und Spezialitäten. Natürlich ist alles wichtig drin und doch denkt man sich etwa bei der drei Sätze umfassenden Wanderzeit: Wirklich schon alles gesagt? So gibt es etwa keine Infos zu den schönsten Wandermonaten und ihren eventuellen Besonderheiten. Allerdings muss ich auch zugeben, dass ich mit Herbkes Schreibstil nicht wirklich warm geworden bin. Es blieb stets eine gewisse Distanz bestehen, ich fühlte mich als Leser nur selten direkt angesprochen.

Wer beim Allgemeinen Teil spart, der kann natürlich bei den Wandertouren aufs Ganze gehen und ich finde, das hat Herbke mit 50 Stück definitiv getan. Nochmals möchte ich an dieser Stelle die ausnehmend sehr gute Qualität seiner Fotos hervorheben, mittels denen es einen dann doch noch gelingt, sich direkt in die Fränkische Schweiz zu träumen. Zauberhaft anmutende Felsformationen, mächtige Burgen und immer wieder Eindrücke von den Flüssen, die die Fränkische Schweiz durchziehen. Die Tourenbeschreibungen sind meiner Ansicht nach absolut zweckdienlich, die bereits bemängelte Distanz zwischen Autor und Wanderer bleibt leider auch hier bestehen. Nur selten verweist der Autor auf Besonderheiten am Wegrand und so spürt man seine Begeisterung für die Fränkische Schweiz leider nur sehr punktuell. Die Möglichkeiten zur Einkehr sind in einem Infokasten aufgelistet, zumeist zwei, manchmal aber auch nur eine oder bis zu vier Gaststätten. Die dazugehörige Beschreibung mit Verweis auf etwaige Besonderheiten ist ausnehmend kurz, weiterhin finden sich folgende Daten: Öffnungszeiten, Telefon, Internet, oftmals findet sich ein Bild zu einer der vorgestellten Gaststätten. Der Standort der jeweiligen Gaststätten ist in den kleinen Wanderkärtchen im Maßstab 1:50.000 verzeichnet, so kann man seine Einkehr bereits entspannt im Vorfeld der Tour planen. Im Höhenzeitdiagramm finden sie sich dagegen nicht (es ist aber auch nicht unbedingt nötig).

Zusätzlich zur normalen Einteilung der Wanderungen in leichte und mittlere erfolgt eine weitere Klassifizierung mit ein bis drei Sternen: empfehlenswerte, sehr lohnende und Paradetour. Ich finde es nach wie vor sehr schade, dass sich diese Einteilung weder in der Übersichtsseite noch im Inhaltsverzeichnis findet. Natürlich gibt es auch hier zu jeder Wanderung die bekannten Kurzinformationen, mit Ausführungen zu Ausgangspunkt (zusätzlich das Erreichen mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln), Gehzeit, Höhenunterschied, Anforderungen, Informationen, Kinder und eventuelle Extratipps.

Fazit: Diese Wanderführer ist eine reichhaltige Inspirationsquelle, wenn man die Fränkische Schweiz zu Fuß erkunden und dabei auch die Gaumenfreunde nicht zu kurz kommen lassen möchte. Leider ist der Allgemeine Teil deutlich zu kurz geraten und auch die Auflistung der Gaststätten erschien mir eher lieblos. Ein Sprachstil, der den Wanderer/Leser direkt anspricht und etwas mehr spürbare Begeisterung für die Sache wären wünschenswert gewesen. Aufgrund der wirklich sehr guten Tourenauswahl vergebe ich dennoch vier Sterne.


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Acht Berge

Paolo Cognetti , Christiane Burkhardt
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei DVA, 11.09.2017
ISBN 9783421047786
Genre: Romane

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Mittagsstunde

Dörte Hansen
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Penguin, 15.10.2018
ISBN 9783328600039
Genre: Romane

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Piemont MM-Wandern Wanderführer Michael Müller Verlag

Sabine Bade , Wolfram Mikuteit
Flexibler Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Müller, Michael, 04.04.2017
ISBN 9783956545085
Genre: Sonstiges

Rezension:

Piemont – genauer der piemontesische Westalpenbogen – bringt ein Wanderführer aus dem Michael Müller Verlag in den Fokus. Sabine Bade und Wolfram Mikuteit haben insgesamt 38 Touren zusammengetragen, die definitiv keine Wünsche offenlassen. Aber der Reihe nach. Piemont, wo ist das überhaupt? Hatte ich beim Betrachten des wunderschönen Covers an eine Insel im Meer gedacht, wurde ich mit Blick auf die Buchrückseite schnell eines Besseren belehrt. Westlich von Turin schmiegt sich der piemontesische Westalpenbogen an die italienische Landesgrenze zu Frankreich und kommt bei Cuneo in die sehnsuchtsvolle Nähe zum Mittelmeer. Abwechslung ist mit dieser Ausdehnung schon von Anfang an garantiert. Und so wundert es nicht, dass sich die Wandertouren auf fünf verschiedene Gebiete aufteilen, die je ihre ganz eigene Charakteristik aufweisen. Was mir dabei besonders gefallen hat: Die Autoren haben sehr darauf geachtet, dass in den Wandergebieten immer für (fast) alle Anforderungsprofile etwas dabei ist. So kommen nicht nur ambitionierte Bergwanderer auf ihre Kosten, sondern auch Naturliebhaber, die es lieber etwas langsamer angehen lassen wollen. Touren finden sich dabei nicht nur in drei, sondern in vier Schwierigkeitsstufen – so gelingt eine genauere Untergliederung. Wanderungen, die nach Meinung der Autoren auch für Kinder geeignet sind, wurden im Inhaltsverzeichnis besonders markiert; Länge und Dauer erschließen sich ebenso auf den ersten Blick.

Auf das Inhaltsverzeichnis folgt der allgemeine Teil. Gleich an dieser Stelle möchte ich einfügen, dass mir die Schriftgröße in den Wanderbüchern des Michael Müller Verlages wirklich einen Tick zu klein ist. Es ist eben immer eine Abwegungsfrage. Wird die Schriftart größer, braucht man vielleicht mehr Seiten oder weniger Informationen. Ich persönlich bin der Meinung, dass man an mancher Stelle sicherlich auf ein oder zwei Sätze hätte verzichten können. Diese Anspielung lässt bereits vermuten, dass der Allgemeine Teil recht ausführlich geraten ist. Zuerst stellen die Autoren die verschiedenen Wanderregionen etwas genauer vor und betten in ihre Ausführungen auch gleich die einzelnen Touren ein (sehr gelungen!). Besonders hilfreich fand ich die Themen Wetter und Wandersaison. Hier finden sich nicht nur empfehlenswerte Wetter-Webadressen, sondern auch zwei Diagramme mit den durchschnittlichen Tagestemperaturen und Niederschlagsmengen in den einzelnen Monaten und nochmals unterteilt nach verschiedenen Städten des Piemonts. Super daneben die Tageslängen-Tabelle in Turin. Sicherlich weniger interessant, wenn man direkt im Sommer unterwegs ist, aber sobald die Tage kürzer werden oder noch nicht lang genug sind, hilft es doch zu wissen, ob man die gewählte Tour entspannt im Tageslicht zurücklegen kann. Weniger begeistern konnten mich dagegen die Ausführungen zur Stein- und Felskunde. Der Text ist so derart angefühlt mit Informationen, dass für das „Wir stimmen uns auf den Urlaub ein“-Gefühl oftmals gar kein Platz mehr war. Es folgte ein kurzer Überblick über die Pflanzenwelt im Piemont – leider mit definitiv zu wenig Bildern bzw. hätte ich mir von den besonderen Arten Bilder gewünscht – wie ein Edelweiß aussieht, ist ja durchaus bekannt. Hier wiederum findet sich aber ein hervorhebenswerter Infokasten mit Alpengärten, die es zu entdecken gibt. Generell finden sich im gesamten Wanderführer immer wieder derartige Infokästen, die etwa Varianten zu einer Tour beinhalten, weitere Tourenvorschläge unterbreiten, allgemeine Tipps und Infos geben oder auf Sehenswürdigkeiten hinweisen. Sie bleiben dabei – trotz ihrer relativ hohen Dichte, vor allem im Tourenteil des Buches – stets unaufdringlich.

Weiterhin werden im allgemeinen Teil folgende Themen behandelt: Tierwelt, Wanderwege, Ausrüstung & Verpflegung (sehr zweckdienlich und nicht übertrieben!), Notfallnr., Tourenplanung und –durchführung. Hierzu ist zu sagen, dass die Autoren sehr darauf geachtet haben, dass man von einem Tal aus möglichst immer mehrere Touren absolvieren kann. Darauf folgt dann ein genauerer Blick in die Regionen und Täler, welche Unterkünfte sich dort finden und welche Highlights es eventuell noch neben der wunderbaren Natur gibt. Zu ausführlich waren mir dann definitiv die Ausführungen zu den Touristinfos (vor Ort und direkt von zu Hause aus), sowie die Anreise mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln (für jede Tour!). Wichtig dann die beiden letzten Abschnitte zu den Themen: Straßen- und Wanderkarten. Aber eines steht fest: es wird wohl kaum jemanden geben, der diesen allgemeinen Teil gelesen hat und nachher behauptet, er fühle sich nicht ausreichend informiert.

Kommen wir nun zu den Tourenbeschreibungen. Wer sich einen genaueren Überblick verschaffen möchte, der ist übrigens mit der faltbaren Übersichtskarte am Ende des Wanderführers im Maßstab 1:500.000 bestens beraten. Bei den einzelnen Beschreibungen fallen vor allem die sehr raumgreifenden Höhenzeitdiagramme sofort ins Auge. Einzelne Wegpunkte, die sich im Fließtext und auch in den kleinen Wanderkärtchen wiederfinden, sind mit Nummern markiert. Da man sich für recht viele solcher Punkte entschieden hat, wird die Zeit zusammenfassend zwischen mehreren Punkten angegeben. Das ist vor allem deswegen nicht schlecht, weil es eine zusätzliche Orientierungshilfe schafft. Die kleinen Wanderkärtchen im Maßstab 1:25.000 sowie 1:50.000 enthalten alle notwendigen Details und geben auch Aufschluss über weitere Wege. Natürlich ist die Mitführung weiteren Kartenmaterials in jedem Fall zu empfehlen bzw. die Nutzung der zum Wanderführer gehörenden und auf der Verlagswebsite downloadfähigen GPS-Tracks. Alle wichtigen Infos zu jeder Tour finden sich in einem recht ausführlichen Infokasten. Hier findet man Angaben zu Länge/Gehzeit, Charakter der Wanderung, Markierung, Ausrüstung, Verpflegung (mit z.T. Webadressen, Öffnungszeiten, Telefonnr.) sowie Angaben zur Anreise. Der (sehr gut zu lesende!) Fließtext selbst, bietet alle notwendigen Informationen, sodass man sich ausreichend orientiert fühlt. Immer wieder streuen die Autoren dabei auch Bergausblicke und Wissenswertes und mehr ein oder empfehlen etwa geeignete Pausenplätze. Ich fühlte mich direkt ein wenig in Urlaubsstimmung versetzt und hätte gerne gleich selbst die Wanderstiefel geschnürt. Einzelne, sehr gut ausgewählte und erstklassig fotografierte Bildmotive bringen dem Leser das Piemont und die einzelnen Regionen/Touren nochmals näher. Gerne hätte ich mir noch ein paar mehr Bilder zu den Wanderungen gewünscht.

Mein Fazit: Während der Allgemeine Teil mir definitiv zu ausführlich geraten ist, konnte mich der (deutlich wichtigere) Tourenbeschreibungsteil echt begeistern. Eine erstklassige Tourenauswahl mit genau den richtigen Informationen sind die besten Garanten für gelungene Bergwanderungen im Piemont.

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Wütender Sturm

Victoria Aveyard , Birgit Schmitz
Fester Einband: 784 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 12.10.2018
ISBN 9783551583819
Genre: Jugendbuch

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Zerrissen zwischen den Welten

Sara Oliver
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Ravensburger Buchverlag, 21.06.2017
ISBN 9783473401543
Genre: Jugendbuch

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32 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 24 Rezensionen

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Zärtliche Klagen

Yoko Ogawa , Sabine Mangold
Flexibler Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 17.08.2018
ISBN 9783746634371
Genre: Romane

Rezension:

Ruriko lebt nach außen ein scheinbar ruhiges und behütetes Leben. Sie ist Kalligrafin und kann sich ganz ohne Druck um ihre Auftragsarbeiten kümmern, da ihr Mann ein gut verdienender Augenarzt ist. Doch er betrügt sie, seit Jahren schon, mit einer anderen. Und manchmal da schlägt er sie – mitten ins Gesicht. Schließlich reicht es Ruriko, Hals über Kopf verlässt sie das gemeinsame Haus in Tokyo und zieht sich in das leerstehende Landhaus ihrer Eltern zurück. Dort – mitten in der Natur – hofft sie wieder zu sich selbst zu kommen und Klarheit über die Zukunft zu erlangen. Bei ihren Streifzügen durch die Umgebung lernt sie Herrn Y. Nitta kennen, der sofort eine stille Anziehungskraft auf sie ausübt. Nitta, der eigentlich Pianist ist, aber vor Publikum nicht mehr spielen kann, baut in der selbstgewählten Abgeschiedenheit meisterhafte Cembalos. Ihm zur Seite steht seine junge Assistentin. Ruriko kann spüren, dass Nitta und die junge Frau auf seltsame Art verbunden sind, und doch drängt es sie, die Nähe zu Nitta zu suchen. So kommen sich die drei Protagonisten auf sanfte Art näher.

„Zärtliche Klagen“ von Yoko Ogawa ist ein sehr gelungener japanischer Roman. Wer Spannung und Action sucht, ist mit diesem Buch sicherlich falsch beraten. Doch Liebhaber von großartiger Literatur, bei der es vor allem auf die Zwischentöne ankommt, wird hier reichlich belohnt. Ogawas Schreibstil kann durchaus als unaufgeregt bezeichnet werden. Selbst aufwühlende Ereignisse, die die Protagonistin mitunter in Schrecken versetzen oder ihre Verzweiflung etwa ob der Situation mit ihrem Mann, dringen nur gedämpft zum Leser durch. Und doch gibt es mitunter Momente, in denen diese Ruhe ohne Vorwarnung durchbrochen wird, in denen man Ruriko echt und wahrhaftig erlebt. Die einzelnen handelnden Figuren sind klar herausgearbeitet und sehr gut unterscheidbar. Schnell erkennt der Leser, dass Ruriko zu ihrem Mann bereits eine extrem große emotionale Distanz aufgebaut hat, die nicht mehr zu überbrücken ist. Ihre Ehe ist nunmehr eine Zweckgemeinschaft, die vor allem Ruriko einen gesicherten Lebensstandard ohne große Sorgen ermöglicht. Doch es ist auch ein Leben ohne Liebe, seltsam fremd und fern, wenig greifbar. So ist es nicht verwunderlich, dass ihr Mann namenlos bleibt. Generell wird nur mit Namen bedacht, wer sich im engsten Wirkungskreis von Ruriko befindet. Dies gewichtet die Bedeutung der Personen zusätzlich. Im Mittelpunkt der Handlung stehen unweigerlich Ruriko, Herr Nitta und seine Assistentin. Immer wieder betont Ruriko, wie hübsch und zart die junge Frau ist. Mitunter konnte man sich hier eine gewisse Anziehungskraft einbilden. Doch schon bald ist es Herr Nitta, der Rurikos Herz höher schlagen lässt und der Gedanke an die Zeit, die der Cembalobauer mit seiner jungen Assistentin verbringt, sind wie spitze Stachel in ihrem Herzen. So wird ihre Situation erneut klagenvoll und doch findet sie ihre Freiheit in der Natur wieder. Ein besonders Element der Handlung ist die klassische Musik. Es ist das alles verbindende Element, dass Emotionen transportiert und sichtbar macht.

Kurzum: wieder ein äußerst lesenswerter Roman von Yoko Ogawa.

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93 Bibliotheken, 3 Leser, 3 Gruppen, 44 Rezensionen

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Der Platz an der Sonne

Christian Torkler
Fester Einband: 592 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 02.09.2018
ISBN 9783608962901
Genre: Romane

Rezension:

Nach dem 2. Weltkrieg kam kein Frieden, sondern ein neuer Krieg, der Deutschland spaltete und ganz Europa in Schutt und Asche legte. Auch Jahrzehnte nach dem großen Frieden von 1961 geht es mit dem Wiederaufbau einfach nicht voran. Korruption und Machtgier verhindern konsequent das Wiederaufblühen der Wirtschaft und so leben große Teile der Bevölkerung in ärmlichen Verhältnissen und müssen extrem hart für ihr Existenzminimum arbeiten. Unter ihnen – mitten in Berlin – ist auch Josua Brenner. Bereits von Kindesbeinen an, muss er seine Mutter beim Kampf um das tägliche Brot unterstützen. Doch er schlägt sich wacker, hat immer wieder neue Ideen und Einfälle, wie man zu Geld kommen kann. Egal, wie oft er Fehlschläge erleidet, Josua steht immer wieder auf. Doch irgendwann reicht es auch ihm und schließlich sieht er keinen anderen Ausweg mehr, als eine Flucht ins reiche Afrika zu wagen.

„Der Platz an der Sonne“, Christian Torklers Debutroman, ist vor allem ein interessantes Gedankenspiel. Während Afrika seit Ende des zweiten Weltkrieges zu Reichtum und Wohlstand gekommen ist, ist das Leben in Europa immer härter geworden. Der Kontinent ist zersplittert, die Grenzen sind streng bewacht und jeder suhlt sich in seinem eigenen Elend. An der Herrschaft sind Autokraten, die Demokratie existiert wenn dann nur auf dem Papier. Afrika dagegen ist ein freier Kontinent und innerhalb der Afrikanischen Union kann sich jeder ungehindert bewegen. Mit immer mehr Neid schaut Josua auf die „Bongos“ – reiche Afrikaner, die immer wieder nach Berlin kommen und dort sinnlose Unsummen ausgeben, um irgendwelche Entwicklungsprojekte aus der Taufe zu heben. Die Projekte, wie das Geld versinken – das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.

Torklers Roman beinhaltet zwei Teile, wobei Teil 1 mehr Seiten in Anspruch nimmt. Es ist Josuas Brenners Geschichte, die er im Übrigen selbst niederschreibt – als Zeitvertreib in einer Flüchtlingshaftanstalt in Afrika, während er auf seinen Bescheid wartet – von der Geburt bis zum Entschluss seiner Flucht. Anfangs hat mich vor allem die schnoddrige Schreibart gestört, aber man gewöhnt sich doch recht schnell an Brenners Ton, der sehr gut zu seinen gesamten Lebensumständen und zu seinem Charakter passt. Brenner würde man heute wahrscheinlich als Workaholic bezeichnen, wobei mir nie ganz klar geworden ist, ob er weniger Arbeiten würde, wenn es seine Situation zulassen würde. Geld ist sein Antrieb, und er möchte möglichst viel davon. Dass er dabei Frau und Kind vernachlässigt nimmt er doch billigend in Kauf. So zumindest kommt die Figur Josua Brenner herüber, den Torkler hat seine Figur kein wirkliches Innenleben gegeben. Sie ist wenig reflektiert, Gefühlsregungen extrem selten wirklich erkennbar und auch aus seinen Handlungen nicht wirklich ableitbar. So blieb bis zuletzt eine starke Distanz zu Brenner, dessen Beweggrund ein richtiges großes Ding mit seinem Kumpel, der bereits Jahre zuvor den Weg nach Afrika in Angriff genommen hatte, auf dem schwarzen Kontinent zu drehen, seltsam einfach anmutet. Natürlich lässt er viel zurück, allein man konnte es nicht spüren. So vergibt Torkler hier extremes Potenzial. Auch die ständige Wiederholung der Umstände (alles korrupt, alles zerstört, alles nahezu ohne Hoffnung) ist am Ende nicht mehr eindringlich, sondern nur noch ermüdend. Zudem fragt man sich natürlich beim Lesen im zunehmenden Maße, ob in Afrika wirklich derartiger Zustände herrschen. Und irgendwie hat mich dieser ständige (im Kopf stattfindende) Vergleich zwischen Realität und Fiktion immer mehr frustriert. Ich hatte das Gefühl, dass mir der Autor diese Ansicht aufdrücken will, mir aber schlichtweg echtes Wissen dazu fehlt. Natürlich sieht man immer mal etwas in den Nachrichten, aber Länder sind vielschichtig, es gibt nicht nur Gutes und Schlechtes, nicht nur Reiche und Arme, es gibt so viele Grautöne dazwischen.

Letztlich weiß ich noch immer nicht, was ich von diesem Roman halten soll. Während er mir anfangs gar nicht gefallen hat, war ich dann doch richtig drin in der Geschichte, aber so richtig fesseln konnte mich Torkler eben nicht. (Muss ich mir jetzt deswegen schlecht vorkommen, weil mich eine Flüchtlingsgeschichte, wie sie wahrscheinlich tagtäglich so in Afrika tatsächlich passiert, nicht mitgerissen hat?) Mit solch einem Buch ist es so schwierig, es hält einem den Spiegel vor, aber man ist wegen den vielen Diskussionen zu dem Thema, zu den realen Auswirkungen, die extrem vielgestaltig sind, gar nicht mehr richtig in der Lage, eine wirklich fundierte Meinung zu haben.

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127 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 74 Rezensionen

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Loyalitäten

Delphine de Vigan , Doris Heinemann
Fester Einband: 176 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag, 12.10.2018
ISBN 9783832183592
Genre: Romane

Rezension:

Er ist 12 Jahre alt, seine Welt versinkt im Chaos. So etwa könnte man die Lebenswirklichkeit des 12-Jährigen Théos bezeichnen, der im Mittelpunkt von Delphine de Vignans Roman „Loyalitäten“ steht. Seine Eltern trennten sich bereits vor Jahren und seither wohnt er abwechselnd je eine Woche lang bei seiner Mutter und seinem Vater. An sich nichts Ungewöhnliches im 21. Jahrhundert. Doch seine Eltern reden nicht mehr miteinander, seine Mutter blendet ihren Exmann derart aus, dass sie mit Théo nie auch nur ein Wort über seine Zeit bei seinem Vater spricht und sogar immer eine Weile braucht, bis sie Théo den Aufenthalt beim „Feind“ verziehen hat. So weiß sie auch nichts davon – und darf es auch nicht wissen -, dass ihr Exmann seine Arbeit verloren hat und sich langsam aber sicher selbst zu verlieren droht. Die Wohnung vermüllt, er lässt sich gehen … Für Théo ist all das zu viel, er kann sich nicht allein um seinen Vater kümmern und die Abweisung der Mutter Woche für Woche ertragen. So findet er seinen Trost im Alkohol. Mit ihm kann er seine Sorgen und Probleme auslöschen und heimlich träumt er davon, soviel zu trinken, dass es ihm vollständig das Bewusstsein raubt.

Sein Wissen über den Alkohol hat er indes von seiner Klassenlehrerin Hélène, die bald erkennt, dass etwas mit Théo nicht stimmt. Sie versucht ihm irgendwie zu helfen, doch das ist nicht so einfach, wenn man keine Beweise hat und im Schulbetrieb nicht völlig aus der Rolle fallen will. Mathis, Théos bester Freund, merkt dagegen, dass ihm Théo immer mehr entgleitet. Doch wie soll er ihm helfen? Den Erwachsenen müsste man sich anvertrauen, doch seine Mutter mag Théo nicht und überhaupt benimmt sie sich in letzter Zeit sehr seltsam. Vielleicht kann er mit ihrer Lehrerin Hélène sprechen, aber würde sie nicht sofort Theos Eltern kontaktieren und käme dann nicht vielleicht auch die Geschichte mit seinem Vater an Licht?

 „Loyalitäten“ ist ein herausragender Roman. Es ist ein Roman, wie es ihn nur selten gibt. Die gesamte vielschichtige Handlung wird auf gerade einmal 180 Seiten dem Leser präsentiert – und diese hat es in sich. Man erlebt das Geschehen aus verschiedenen Blickwinkeln – Mathis, Théo, Hélène, Mathis Mutter und Théos Mutter. Es sind meist nur sehr kurze Kapitel, die Einblick in die Beweggründe und Gefühlswelt der jeweils handelnden Person gibt und doch sind diese Einblicke ausreichend, um sich ein genaues Bild machen zu können. Vor allem wird erkennbar, dass es Loyalität ist, die uns zu unseren Handlungen und Nichthandlungen zwingt. Unsichtbare Regeln, die in uns verankert sind und die uns bestimmte Richtungen aufzwängen, auch dann noch, wenn wir spüren, dass sie unser Untergang sind. So erzählt Delphine de Vignan nicht nur von Loyalität, sondern auch von Liebe und Verpflichtungen. Théo wird geliebt, von seiner Mutter, seinem besten Freund und seiner Lehrerin. Und doch kann ihn diese Liebe nicht retten, sie wird viel mehr zu seinem Untergang. „Loyalitäten“ ist eine tragische Geschichte, in der sich jeder um den Posten des Helden bewirbt, an dessen Ende es aber doch nur Verlierer gibt. Delphine de Vignan hat einen Roman geschaffen, der noch lange in mir nachhallen wird, vor allem auch, weil er sprachlich eher leise und zurückhaltend ist.

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41 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 25 Rezensionen

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Summer

Monica Sabolo , Christian Kolb
Fester Einband: 253 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 13.08.2018
ISBN 9783458177654
Genre: Romane

Rezension:

Alles scheint perfekt im Leben der Wassners. Benjamins Eltern gehören zur Crème de la Crème der bürgerlichen Gesellschaft. Sein Vater ist ein erfolgreicher Anwalt und kann seiner Familie ein exklusives Leben gönnen. Ihr Haus liegt direkt am See, Partys locken illustre Gäste und Benjamin und seine Schwester Summer besuchen eine hervorragende Privatschule. Doch dann kommt dieser eine Sommer in den 70er Jahren, nach dem nichts mehr so ist wie es war. Benjamin liebt seine Familie und vergöttert seine fünf Jahre ältere Schwester Summer. Sie ist 19, und genießt mit ihren Freundinnen das Leben in vollen Zügen. Ihre Weiblichkeit, ihre Freiheit, ihre Art, alle Blicke auf sich zu lenken, faszinieren den 14-Jährigen und er liebt es, mit ihr und ihren Freundinnen unterwegs sein zu dürfen. Doch dann verschwindet Summer plötzlich bei einem Picknick im Wald. Benjamin reist es den Boden unter den Füßen weg. Seine Welt gerät ins Wanken, er stürzt ins Chaos. Um noch irgendwie bestehen zu können verdrängt er jeden Gedanken an Summer, zwingt sich zu vergessen. Doch 25 Jahre später holt ihn seine Vergangenheit wieder ein. Plötzlich ist er nicht mehr in der Lage, seiner Arbeit nachzugehen, versinkt in Lethargie und verlässt das Haus nur noch für eine Therapie, bei der er versucht, die Ereignisse der Vergangenheit endlich aufzuarbeiten. Wird es ihm gelingen, Summer Verschwinden auf die Spur zu kommen und sich selbst zu retten?

Mit „Summer“ hat die Autorin Monica Sabolo einen eindrucksvollen Roman geschaffen. Weckt der Titel zuerst noch Assoziationen zu warmen und hellen Sommernächten, findet man sich bald in einer atmosphärisch verdichteten Handlung wider, die vor allem etwas Bedrückendes und Beklemmendes ausstrahlt. Relativ schnell wird deutlich, dass bei den Wassners nur die Oberfläche perfekt scheint, darunter aber brodelt und gärt es. Man erlebt das Geschehen aus Benjamins Sicht. 24 Jahre sind seit Summers Verschwinden vergangen, und doch holt es Benjamin gerade jetzt wieder ein. Man erfährt nur wenig von seinem aktuellen Leben, aber es schien bis vor kurzer Zeit zumindest in einigermaßen geordneten Bahnen zu verlaufen. Nun aber gerät alles aus dem Ruder. Er ist nicht mehr in der Lage sein Büro zu betreten, er verkommt, zieht sich völlig zurück, er wendet sich von der Gegenwart ab und taucht zurück in die Vergangenheit. Benjamin gewährt dem Leser mittels größeren und kleineren Erinnerungsfetzen Einblicke in die Zeit vor dem Verschwinden seiner Schwester. Vieles bleibt vage, Dunkles und Geheimes wird angedeutet, aber nie wirklich zu Ende geführt. Mich haben diese vielen Andeutungen zum Teil frustriert, weil die Autorin dem Leser wirklich sehr viel Platz für die eigene Fantasie lässt. Langsam und stetig bewegen sich Benjamins Erinnerungen nach vorn, Summer verschwindet, das sorgsam perfekte und instabile Gebilde der Familie stürzt in sich zusammen und Benjamin wird in der Zeit seines Heranwachsens völlig aus der Bahn geworfen. Vieles von dem, was der Leser erfährt, erzählt Benjamin seinem Therapeuten, was einem jedoch nur selten wirklich bewusst wird. Die Charaktere sind mir über die gesamte Handlung hinweg fremd und distanziert geblieben, was ich jedoch nicht negativ auslegen möchte. Diese Distanz passt sehr zum Inhalt, dieser fremden und durch Benjamins Augen sehr düster wirkenden Welt, in der alles irgendwie verlangsamt scheint. „Summer“ ist kein dynamischer Roman, seine Faszination erhält er durch die beeindruckende Atmosphäre, die man derart verdichtet wirklich nur selten im Literaturbetrieb findet. Der Autorin gelingt es dabei herausragend, auf dem schmalen Grad zu wandeln und nie in ein „zu überladen“ abzugleiten. Kurzum: ein besonderer Roman, der eindrucksvoll zeigt, dass stets ein Blick hinter die Fassade lohnt.

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183 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 44 Rezensionen

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Die fünf Gaben

Rebecca Ross , Anne Brauner , Susann Friedrich
Fester Einband: 496 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 28.02.2018
ISBN 9783551583635
Genre: Jugendbuch

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62 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 47 Rezensionen

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Das Jahr, in dem Dad ein Steak bügelte

Rachel Khong , Tobias Schnettler
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 07.09.2018
ISBN 9783462049725
Genre: Romane

Rezension:

Ruth steht mit 30 Jahren in der Blüte ihres Lebens, doch leider steht gerade dieses eben Kopf. Jahrelang war sie glücklich mit Joel liiert, zuletzt sogar verlobt. Doch nun hat er eine andere und hat Ruth sitzenlassen. Weil sie nicht weiß, wohin sie sonst soll, verbringt sie die Weihnachtsfeiertage bei ihren Eltern. Ihr Vater – ein geachteter und erfolgreicher Professor an der hiesigen Uni – leidet an Alzheimer. Noch steht die Krankheit am Anfang, doch Howard darf bereits jetzt nicht mehr lehren. Zu oft schon hat er Seminare vergessen, Tageszeiten oder Orte vertauscht. Ruths Mutter, die als Vertretungslehrerin arbeitet, ist mit der Situation überfordert, und bittet Ruth kurzerhand, „nur dieses eine Jahr“ bei ihnen zu bleiben. Ruth entschließt sich, auch, weil sie gerade eh nichts anderes vorhat, wieder zu ihren Eltern zu ziehen. Und so nimmt ein in vielerlei Hinsicht besonderes Jahr seinen Lauf.

Rachel Khong legt mit ihrem Roman „Das Jahr, in dem Dad ein Steak bügelte“ ein ungewöhnliches Buch vor, das sicherlich nicht jedem gefallen dürfte. Ungewöhnlich ist vor allem ihre Umsetzung der Auseinandersetzung mit dem Thema Alzheimer. Ihr Roman kommt in Tagebuchform daher, die Kapitel (einzelne Tage, später auch Monate) sind zumeist sehr knapp gehalten, oftmals enthalten sie „Schnappschüsse“ von Dingen, die Ruth im Laufe ihres Tages passiert sind oder die sie etwa bei einem Spaziergang gesehen hat. Emotional geht Ruth dabei kaum in die Tiefe und doch werden alle Empfindungen meiner Meinung nach extrem gut transportiert. Da ist die große Achtung vor ihrem Vater, die aber tiefe Risse bekommen hat durch seine Alkoholsucht und seine Affären. Da ist die Liebe zu ihrer besten Freundin Bonnie und auch zu ihrer Mutter, für die sie nicht immer so da war, wie es für eine Tochter sicherlich angemessen gewesen wäre. Denkt Ruth an ihr eigenes Leben und ihre nicht vorhandenen Pläne, so spürt man deutlich ihre Unsicherheit.

Wie ein roter Faden zieht sich die Alzheimer-Erkrankung von Howard durch die gesamte Handlung. Von Monat zu Monat treten Ereignisse ein, die das Fortschreiten der Krankheit verdeutlichen. Ruth erschrickt davor, aber sie schreckt nie vor ihrem Vater zurück. Sie hält zu ihm, ist für ihn – auf ihre Weise – da. Dabei analysiert sie die Krankheit nicht, auch nicht, was das zunehmende Vergessen mit ihrem Vater bzw. mit ihrer ganzen Familie macht. Immer wieder hält das Buch amüsante Momente bereit, wobei diese nie verletzend sind, eben weil Ruth ihre Familie sehr liebt, auch wenn sie sich dessen manchmal gar nicht bewusst ist.

Für mich ist „Das Jahr, in dem Dad ein Steak bügelte“ ein äußerst gelungener Roman, den ich sehr gerne weiterempfehlen möchte. Wer sich eine „tiefere und ernsthaftere“ Auseinandersetzung mit dem Thema Alzheimer wünscht, dem möchte ich Lisa Genovas Roman „Mein Leben ohne Gestern“ sehr ans Herz legen.

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Tod an der Alpspitze

Irmgard Braun
Flexibler Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Bergverlag Rother, 02.05.2018
ISBN 9783763370801
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Eigentlich hat Jana alles, was es zum Glücklichsein braucht: einen gut situierten Mann, der ihre Liebe zum Klettern und den Bergen teilt, ein Maleratelier direkt bei sich zu Hause und wenig Druck als Selbstständige im Bereich der Websitengestaltung. Die Wochenenden und freien Stunden verbringen ihr Mann Bruno und sie am liebsten mit ihren Sektionskumpels draußen in den Felsen. Doch dann taucht ein mysteriöser Stalker auf, der Jana Blumen schickt, ihr neue Kletterschuhe in den Rucksack steckt und ihr SMS und E-Mails sendet. Ihr Mann Bruno wittert eine Lüge und seine rasende Eifersucht tritt zutage. Jana setzt die Belastung durch den Stalker, der sich immer wieder ihren Blicken entzieht, und ihren Mann Bruno mehr und mehr zu. Auf einem Wochenendtrip zur Albspitze schließlich kommt es zu einem schrecklichen Unfall. Doch war es wirklich ein Unfall? Jana arbeitet Hand in Hand mit der Polizei um alle offenen Fragen zu klären. Derweil sieht der Stalker seine Chance endlich gekommen. Wird Jana ihn noch rechtzeitig entlarven?

„Tod an der Alpspitze“ ist der neueste Krimi der Autorin und Kletterin Irmgard Braun. Ich war von den letzten Krimis der Autorin, in denen vor allem ihre Ermittlerin Monika Trautner im Mittelpunkt stand, wenig begeistert. Nun also ein Buch ohne die rüstige Trautner und vielleicht eine Rückkehr zu alter Stärke? Denn das Braun vernünftige Krimis schreiben kann, hat sie in der Vergangenheit bewiesen. Bevor ich mit dem Lesen beginnen konnte, landete das Buch in den Händen meines Mannes, der selbst auch Kletterer ist. Sein Fazit nach der Lektüre: ein guter und lesenswerter Krimi!

Ich selbst musste mich erst ein wenig in die Handlung hineinfinden. Konnte aber schnell feststellen, dass Braun definitiv an ihrer Schreibe gearbeitet hat. So gelang es ihr nun durchweg besser, Atmosphäre aufzubauen und Dialoge sinnvoll und in die Handlung passend einzufügen – sie wirkten natürlicher und das tat dem Lesefluss definitiv sehr gut. Die Hauptfigur Jana war mir recht sympathisch, ihre Gefühlsregungen durchaus nachempfindbar. Auch die Gefahr durch den Stalker und das überzogene Verhalten ihres Ehemannes wirkten auf mich stimmig. Nicht passend fand ich dagegen die Wahrnehmung von Jana durch die Männerwelt und ihre eigene Selbstwahrnehmung. Fand sie sich selbst zu dick um die Hüften und nur mittelmäßig ansehnlich, waren die Männer stets hin und weg von ihrer Ausstrahlung. Natürlich klingt hier schon eine Botschaft von Braun durch – alla man ist auch dann hübsch, wenn man keine Traummaße hat und man muss sich nur selbst lieben. Aber dafür hätte das Ganze dann doch mehr thematisiert werden müssen. Vor allem wenn man den Krimi bis ganz zum Ende liest, steht vor allem dessen Ende krass gegen Janas Selbstwahrnehmung – ich würde sie direkt als verzehrt bezeichnen.

Gut gelungen ist Braun dagegen wie immer die Beschreibung der Kletter- und Klettersteigtouren an realen Schauplätzen. An diesen Stellen merkt man, dass die Autorin vom Fach ist und genau weiß, was sie schreibt. Und so bekommt man mitunter schon gleich selbst Lust, einfach mit den Klettersachen loszuziehen. Schade fand ich dagegen, dass Braun erneut auf ihr altbekanntes Schema zurückgreift: die stark begrenzte Tätergruppe. Das nimmt der Handlung sehr viel an Schwung.

Negativ im Gedächtnis geblieben sind mir vor allem zwei sprachliche Patzer: „Der Ferrero-Ball zerbarst in ihrem Mund“ (S. 104). Dieses Zitat stieß mir derart übel auf, dass ich das Buch erst einmal zur Seite legen musste. Wenn Jana Ferrero Rocher isst, so ist dagegen nichts einzuwenden, aber wenn die Kugel zum Ball wird und dann auch noch im Mund zerbirst, dann rollt es mir sprachlich wirklich die Zehennägel hoch. „Zerbarst“ passt überhaupt nicht zum restlichen im Krimi gewählten sprachlichen Vokabular! Mir ist absolut unklar, warum dieser Satz dem Lektor nicht aufgefallen ist! Weiterhin trifft Jana im Buch auf die Mutter eines Kletterkameraden. Diese ist bereits in den höheren mittleren Jahren, möchte sich aber durch ihre Kleidung einen jugendlichen Touch geben. Und durch ihre Sprache! Sie spricht derart in erzwungenem Jugendslang – beziehungsweise in dem, was sie dafür hält, dass man schon als Leser die Augen verdreht. Jana schwatzt sie aber einfach nur zu viel. Ich bin der Meinung, wenn man eine Figur einen derart ihrem Alter entgegengesetzten Wortschatz verpasst, dann sollte sich Jana doch zumindest kurz darüber Gedanken machen. Aber nichts dergleichen.

Neben diesen Ärgernissen war der Krimi aber doch solide und auch die Spannung kam nicht zu kurz. Irmgard Braun hat bewiesen, dass sie noch immer in der Lage ist, recht gute Krimis zu schreiben. Bleibt zu hoffen, dass sie ihre Monika Trautner zukünftig in der Schublade lässt und sich lieber Einzelbandkrimis widmet, die ihr eindeutig besser liegen!

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Vox: Roman

Christina Dalcher
E-Buch Text: 400 Seiten
Erschienen bei FISCHER E-Books, 01.08.2018
ISBN 9783104909530
Genre: Romane

Rezension:

Sie ist eine erfolgreiche Wissenschaftlerin, ihr Mann arbeitet als Berater für die Regierung, sie haben ein Haus und vier gesunde Kinder. Eigentlich könnte Jeans Leben perfekt sein, würde sie nicht in einem Amerika leben, das von einer fanatischen Gruppe – den Reinen – regiert wird. Die Reinen sind ultrarechte religiöse Christen, welche der absoluten Überzeugung sind, dass die Frau nur zum Dienste und Wohlgefallen des Mannes geschaffen wurde. Um ihre Überzeugungen in die Realität zu übertragen, ist ihnen kein Mittel zu gering. So erhalten alle Frauen, Mädchen und sogar weibliche Säuglinge spezielle Armbänder, sogenannte Wortzähler. Überschreitet die Trägerin ihr tägliches Wortbudget von 100 Wörtern, sendet das Armband schmerzhafte Stromstöße aus und bringt die Frauen so zum Schweigen. Auch Arbeiten, Lesen und Schreiben dürfen die weiblichen Gesellschaftsmitglieder nicht mehr. In den Bildungsapparaten des Landes werden die jungen Menschen zu linientreuen Bürgern erzogen. Christina Dalcher hat mit ihrem Erstlingswerk eine erschreckende Dystopie geschaffen, die wohl jeden Leser zum Nachdenken bringt.

Für mich stand schnell fest, diesen Roman muss ich lesen! Die ersten Seiten wurden mir allerdings zur Qual. Zu nah ging mir diese Geschichte. Ich musste Jean dabei beobachten, wie sie am Alltag ihrer Familie teil nahm und doch wieder nicht. Sie, wie auch ihre Tochter wurden zu stillen Beobachtern, Gegenständen, Handlangern degradiert, die absolut kein Mitspracherecht in der Gesellschaft haben. Ich fand die Szenerie sehr bedrückend, konnte mich dann aber doch zum Weiterlesen animieren. „Vox“ lässt sich m.E. nur sehr schwer aus der Hand legen. Immer möchte man erfahren, wie es weitergeht, welchen Weg Jean findet, um doch wieder zu Gehör zu kommen. Jean, eine Expertin auf dem Gebiet der Neurolinguistik, kehrt dabei in ihren Erinnerungen immer wieder zu ihrer Studienzeit und ihrer Freundin Jackie zurück. Während Jean sich hinter ihren Büchern versteckte, kämpfte Jackie schon seit Jahren für die Demokratie und die Rechte der Frauen. Und sie warnte Jean vorzeitig. Die Episoden mit Jackie sind das eindrücklichste, was „Vox“ meiner Meinung nach zu bieten hat – die Botschaft, sich zu engagieren, für seine Rechte einzustehen und zu kämpfen und nicht nur still zuzuschauen.

Leider wird der Roman im Verlaufe der Handlung schwächer, es gibt Entwicklungen, die völlig unnötig sind und Jean zeigt Charakterzüge, die nur schwer nachvollziehbar sind – etwa wenn sie sich für oder gegen Menschen entscheiden muss. Auch wenn es sich dabei um weitereichende und schwerwiegende Entscheidungen handelt, hakt sie sie rasch wieder ab. Als seltsam empfand ich auch, wie schnell sich alle in das neue System eingefügt hatten, obwohl dieses gerade erst einmal ein Jahr „in Betrieb ist“. Jeans Sohn Steven ist absolut linientreu und findet die Entwicklungen in seinem Land sehr gut. Patrick – Jeans Ehemann – hat sich ebenfalls mit der Situation arrangiert. Beiden scheint nicht wirklich etwas zu fehlen. Allein Jean denkt oft an die alte Zeit zurück.

„Vox“ enthält zusätzlich extrem viele Zufälle, die zum Teil sehr unrealistisch wirken und den Lesespaß etwas verderben. Vor allem das Ende kommt eher enttäuschend daher.

Die Thematik, derer sich „Vox“ bedient, hat absolutes Potenzial, welches hier leider nicht gänzlich ausgeschöpft wird. Vieles erscheint nicht durchdacht, etwa wie das System eigentlich erfolgreich sein kann, obwohl allen Menschen (auch den Männern) die meisten Freuden genommen wurden. Ein totalitäres System kann sich nie allein aus Angst und Macht speisen. Andere Probleme werden angeschnitten, etwa die Arbeits- und Geldbelastung, die nunmehr allein von den Männern getragen wird, dann aber nur sehr kurz abgehandelt – alla: Jetzt sieht der Leser, dass ich mir darüber Gedanken gemacht habe.

Trotzdem bietet „Vox“ gute und nachdenkliche Lesestunden und gemahnt uns deutlich – dabei ohne erhobenen Zeigefinger, für unsere Rechte einzustehen, wählen zu gehen und aktiv am politischen Diskurs teilzuhaben.

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Wandern in Neuseeland

Rolf Knütter , Christian Ziglowski
Flexibler Einband: 334 Seiten
Erschienen bei MANA-Verlag, 15.03.2018
ISBN 9783955030728
Genre: Sonstiges

Rezension:

Ich fliege nicht gern – wer mich kennt, der weiß das. Kurzstreckenflüge lasse ich mir unter Umständen noch einreden, allerdings, was man in kurzer Zeit fliegen kann, kann man auch mit dem Auto schaffen. Bei langen Strecken wird es dann schon knifflig. So ist auch Neuseeland eigentlich eine No-go-Area für mich, aber träumen ist erlaubt. Und Angst lässt sich schließlich auch besiegen. Das Land der Kiwis zumindest scheint meine Angst herausfordern zu wollen. Griff ich Jahresanfang beim Kalender-SSV beherzt nach einem „Land of the Rings“-Kalender, so fanden auch noch zwei Bücher über Neuseeland den Weg zu mir. Ann Kathrins Sauls Reise auf dem Te Araroa hat mich bereits restlos begeistert und nun war es an der Zeit, auch den MANA-Reiseführer „Wandern in Neuseeland“ genauer unter die Lupe zu nehmen.

Der Reiseführer kommt ziemlich gewichtig im A5-Format daher und hat stolze 332 Seiten, also ausreichend Platz für genügend Tourenvorschläge und Tipps, aber deutlich zu groß und schwer, um ihn direkt als Rucksacklektüre zu benutzen. Das ist aber auch gar nicht die Absicht der beiden Autoren Rolf Knütter und Christian Ziglowski. Der Reiseführer ist m.E. nach super für die Reisevorbereitung und bei einem Aufenthalt mit fester Unterkunft in Neuseeland geeignet. Will man sich auf eine mehrtägige Reise mit dem Rucksack begeben, so kann man problemlos die betreffenden Seiten vorab kopieren.

In der vorderen und hinteren Umschlagseite finden sich Abbildungen der Nord- und Südinsel, auf denen die Standpunkte der einzelnen Touren (nach Nummern) markiert sind. Ich fand diese Abbildungen etwas überdimensioniert und auch ihr Informationsgehalt ließ zu wünschen übrig – so hätte ich zumindest gerne die Schwierigkeit (leicht, leicht-mittel, mittel, mittel-schwer, schwer) auf den ersten Blick abgelesen. Platz genug für die Track-Übersicht, die sich erst auf Seite 7 befindet, wäre allemal gewesen. Auf dieser findet sich wiederum ein detaillierter Überblick mit dem Namen der Wanderung, und ob es sich um einen Great Walk handelt, Dauer, Beste Zeit, Länge, Schwierigkeit und Besonderheit (hierbei auch Hervorhebung besonders empfehlenswerter und familienfreundlicher Wanderungen). Verzichtet hat man aber auf die Nr. der Wanderung und die Angabe der Seitenzahl, auf der sich die Tourenbeschreibung findet. Eine schnelle und ineinandergreifende Suche zwischen Karte, Übersichtsliste und Beschreibung ist so leider nicht möglich. Vielmehr muss man zusätzlich das Inhaltsverzeichnis bemühen. Allgemein finden sich 29 Touren im Wanderführer wieder, darunter alle (neun) Great-Walks, der Weitwanderweg Te Araroa, acht Tagestouren und 21 Mehrtagestouren. Zehn Wanderungen davon wiederum verorten sich auf der Nordinsel, 16 auf der Südinsel und zwei auf Stewart Island.

Bevor wir uns die Tourenbeschreibungen näher ansehen, steht zuerst der allgemeine Teil an – den „Tipps für Wanderer“. Er war – und das ist mir wirklich sehr wichtig – absolut informativ, auf gewisse Art unterhaltsam und sehr gut zu lesen. Nichts ist schlimmer, als wenn sich diese Seiten ziehen wie zäher Kaugummi. Hier war das nie der Fall! Die Autoren haben Ahnung, von dem, was sie schreiben, sie greifen auf ihre eigenen Erfahrungswerte zurück und geben echte Tipps und Hinweise. Sie zu ignorieren, wäre schon grob fahrlässig. Ich fühlte mich nach den Ausführungen zu den Themen: Ausrüstung, Wo bekomme ich was?, Kleidung, Rucksack, kleine Helferlein, Camping-Ausrüstung, Verpflegung und Gesundheit jedenfalls schon einmal gut gewappnet für das Wandern in Neuseeland. Die weiteren Seiten zum Online-Buchungssystem, dem Schwierigkeitsgrad der Wanderungen, den Zeitangaben und weiteren praktischen Hinweisen machten das Rund-um-sorglos-Paket für mich perfekt. Immer wieder verwenden die Autoren übrigens englische Begriffe in ihren Texten. Diese sind stets kursiv geschrieben und finden sich mit einer kurzen Erklärung auch im Glossar wieder. Ich war erst etwas verwundet und tat mich ein bisschen schwer, aber dann hat mich diese Vorgehensweise doch für sich eingenommen. Es sind Begriffe, die einem auch direkt beim Wandern begegnen würden, und mit denen man umgehen können muss, ohne lange darüber nachzudenken. Es ist also als ein Teil der Vorbereitungen zu sehen.

Kommen wir nun zu den Tourenbeschreibungen. Zuerst: Wandern in Neuseeland ist anders als hier in Deutschland. Natürlich gibt es auch gut ausgebaute und markierte Wanderwege, aber oft ist das Wandern eine echte Herausforderung. So finde ich es nur gut, dass die Autoren den Touren Kartenausschnitte beigestellt haben, nach denen alleine man definitiv nicht laufen kann (außer es handelt sich um sehr, sehr kurze Touren). Sie dienen zur ersten Orientierung, für die Durchführung bedarf es genauerer Karten und am besten noch eines GPS-Gerätes. Der Beschreibung geht ein Einstimmungstext voraus und ein kurzer Infokasten, dem man Schwierigkeitsgrad, Dauer und Distanz entnehmen kann. Es folgt ein weiterer Infokasten, in denen sich die Themen Karte, Beste Zeit, Einkaufsmöglichkeiten, Übernachtung (sehr ausführlich, top!) und Anlaufstelle für weitere Informationen, Anfahrt und Hütten wiederfinden. Alle Infos sind sehr sorgfältig zusammengetragen und ließen bei mir keine Wünsche offen. Die Beschreibungen selbst waren sehr gut geschrieben und ich denke, sie werden einen bei der Orientierung eine gute Basis sein. Es wird einem aber definitiv nicht die ganze Arbeit abgenommen, wie man das vielleicht aus anderen Wanderführern kennt. Ich finde, die Beschreibungen vermitteln einen vor allem einen guten Eindruck von der Wanderung; dienen als Entscheidungshilfe. Ich fand es klasse, wie die Autoren immer wieder den Leser direkt ansprechen, ihn auf Dinge am Wegesrand, Gefahren, Besonderheiten etc. hinweisen. Übrigens finden sich zu jeder Tour zumeist mehrere Bilder, über den ganzen Reiseführer hinweg kann man so direkt in die einzigartige Schönheit Neuseelands eintauchen.

Eine gesonderte Stellung im Buch nimmt noch einmal der Te Araroa ein. Es finden sich Allgemeine Informationen (Entstehung und Eigenschaften des Weges, Ausrüstung (relativ ausführlich), Karten, Hüttenpass, Visum, Richtung, Sicherheit, Hütten, Literatur und Sonstiges) sowie eine grobe – aber sehr gut zu lesende – Wegbeschreibung, einmal für die Nord- und einmal für die Südinsel. Dabei sind die Inseln nochmals in einzelne Abschnitte eingeteilt. So ist es möglich, sich – sollte man keine Zeit/Lust für den ganzen Weg haben – mithilfe dieses Reiseführers nur für einzelne Abschnitte zu entscheiden. Danach kann man sich auf die Suche nach weiteren und detaillierten Infos machen, bevor es dann endlich und wirklich losgeht.

Insgesamt konnte mich der Reiseführer „Wandern in Neuseeland. Die schönsten Tracks und Wanderwege“ überzeugen. Natürlich gibt es hier und da noch Luft nach oben, aber als Reisevorbereitung und erste Informationsquelle ist das Buch mit seinen sorgsam ausgewählten Touren absolut und uneingeschränkt zu empfehlen.

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231 Bibliotheken, 17 Leser, 0 Gruppen, 18 Rezensionen

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Tyll

Daniel Kehlmann
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Rowohlt, 09.10.2017
ISBN 9783498035679
Genre: Romane

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Sozusagen Paris

Navid Kermani
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 26.09.2016
ISBN 9783446252769
Genre: Romane

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Lechweg

Jürgen Plogmann
Flexibler Einband: 128 Seiten
Erschienen bei Bergverlag Rother, 04.04.2017
ISBN 9783763344819
Genre: Sonstiges

Rezension:

Fernwanderungen üben auf mich gerade eine ungeheure Faszination aus. Vielleicht, weil sie für mich – zumindest in der nächsten Zeit – nicht machbar sind und ich erst warten muss, bis mein kleiner Sohn größer ist. Bis dahin begebe ich mich einfach auf Gedankenwanderung – mein aktuelles Ziel: der Lechweg.

Jürgen Plogmann hat hierzu den passenden Rother Wanderführer geschrieben und neben dem Weg auch die Lechschleifen in sein Buch aufgenommen. Aber der Reihe nach.

Das Schöne am Lechweg, der an der Lechquelle in Lech startet, und bis nach Füssen im Allgäu führt, ist, dass er für berufstätige eine angenehme Länge hat: 125 Kilometer in insgesamt acht Etappen gilt es zurückzulegen. Hinzu kommen zehn optionale Lechschleifen, die entweder als eigenständige Wanderungen oder zum Teil auch als Alternative zum Wegverlauf des Lechweges begangen werden können. Die Gehzeit liegt stets zwischen drei und fünf Stunden, nur die vierte Etappe fordert mit guten sechs Stunden etwas mehr Kondition. Absolut hervorheben möchte ich die sehr guten Fotografien im Wanderführer. Die Bilder sind passend belichtet und von der Motivwahl in den meisten Fällen absolut perfekt. So bekommt man einen guten Einblick in die Landschaft entlang des Lechweges. Begeistert war ich auch von der Übersichtskarte, die sich in einem ausreichend großen Format auf einer Doppelseite präsentiert. Eine erste Orientierung war problemlos möglich.

Es folgt wie gewohnt der Einführungsteil mit allerlei Hinweisen. Hier wie auch schon im Vorwort wird das Manko des Wanderführers deutlich: die Schreibweise des Autors. Plogmann hegt eine Neigung zu langen informationsreichen Sätzen, die auch sprachlich mitunter schwer daherkommen. Seine Wortwahl ist zwar (noch) nicht veraltet, für einen Wanderführer aber stellenweise auffällig. Ein leichtes Eintauchen in den Lechweg blieb mir so leider verwehrt. Absolutes Unverständnis erfasste mich dann, als ich den Abschnitt „Wanderkleidung und Ausrüstung“ las, Plogmann schreibt tatsächlich: „Angenehm kann ein Regen-/Sonnenschirm sein.“ Wer bei einer Mehrtageswanderung, bei der man das eigene Gepäck vollständig selbst trägt (außer man bucht einen Shuttleservice), noch Kapazitäten haben soll, um einen Regenschirm einzupacken, erschließt sich mir wirklich nicht. Eigentlich müsste doch bekannt sein, dass Wanderer, die einen Schirm dabeihaben anstatt geeigneter Regenkleidung bzw. Sonnenschutz auf den Wanderwegen vor allem belacht werden. Ansonsten sind seine Hinweise mit Bedacht ausgewählt und für die Vorbereitung wirklich wertvoll, so etwa die sehr umfassende Auflistung von Wanderkarten, welche für das Gebiet in Frage kommen, und eine weiterführende Literaturauswahl. Gut war auch die Idee, die Höhepunkte am Lechweg und den Lechschleifen dem Leser zu präsentieren, wobei sich darunter drei optionale Ausflüge finden. Konsequent wäre es meiner Meinung nach gewesen, diese auch in der Übersichtskarte zu markieren.

Die Stärke des Autors entdeckt man dann wiederum auf jenen Seiten, die über den Lech, die Geologie sowie die Flora und Fauna des Lechtals informieren und die einen kurzen Ausflug in die Besiedlungsgeschichte des Wandergebietes ermöglichen: seine Fähigkeit, die wichtigsten Sachverhalte und Hintergründe herauszufiltern und dem Leser entsprechend zu präsentieren. So hielten auch die Infokästen, die sich in den Wegbeschreibungen zu Ortschaften finden, stets lesenswerte historische Hintergründe oder aktuell Wichtiges, wie etwa eine ein besonderes Museum, Gasthaus oder Freibad, bereit.

Nun noch einige Worte zu den Tourenbeschreibungen. Plogmann hat sich entschieden, die Lechschleifen zwischen die einzelnen Etappen des Lechweges einzufügen. Eine durchaus sinnvolle Entscheidung, vor allem da sich manche Schleife auch als Alternative zum Weg anbietet. Die einzelnen Touren enthalten neben einer knappen Einführung natürlich die bekannten Kurzinformationen zu den Punkten Ausgangspunkt, Höhenunterschied, Anforderungen, Einkehr (mit Angabe von Ruhetag und Öffnungszeiten, z.T. mit Telefonnummer), Unterkunft und eventuell noch einem Tipp. Wie bereits angedeutet, hemmt vor allem in den Wegbeschreibungen die Schreibweise Plogmanns die Lesbarkeit. Ich hatte jedoch den Eindruck, dass es im hinteren Teil des Wanderführers etwas besser wird. Es muss wohl jeder selbst für sich entscheiden, ob er mit Plogmanns Schreibstil zurechtkommt oder eher nicht. Unzweifelhaft dürfte aber trotz allem eine Orientierung entlang des Lechweges problemlos möglich sein. Die kleinen Wanderkärtchen sind im Format 1:50.000 gehalten und leider nicht in der von mir favorisierten klaren Form, sondern wirken etwas älter (wer Erfahrung mit den Rother Wanderführern hat, der weiß, was ich meine …) Wichtige Punkte sind in der Karte, wie auch im Höhen-Zeitdiagramm und im Text markiert. Irritiert hat mich, dass weitere – dem Autor nach – markante Punkte ebenfalls fett im Text markiert sind, jedoch nicht in der Karte. Durchaus unüblich für Rother! Zumindest eine kleine Hervorhebung in der Karte hätte doch vorhanden sein sollen.

Man merkt, ich bin mit diesem Wanderführer etwas uneins. Er hat Vor- und Nachteile und so kann ich ihn leider nur eingeschränkt empfehlen. Meiner Meinung nach empfiehlt es sich, vor der Tour einen sehr genauen Blick hineinzuwerfen, um dann zu entscheiden, ob es wirklich der Wanderführer der Wahl sein soll.

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348 Bibliotheken, 11 Leser, 0 Gruppen, 52 Rezensionen

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Soul Mates - Ruf der Dunkelheit

Bianca Iosivoni
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Ravensburger Buchverlag, 18.04.2018
ISBN 9783473585205
Genre: Jugendbuch

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544 Bibliotheken, 8 Leser, 0 Gruppen, 102 Rezensionen

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Die Chroniken der Verbliebenen - Der Glanz der Dunkelheit

Mary E. Pearson , Barbara Imgrund
Fester Einband: 448 Seiten
Erschienen bei ONE, 29.03.2018
ISBN 9783846600603
Genre: Jugendbuch

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Fremdes Neuseeland

Ann Kathrin Saul
Buch: 304 Seiten
Erschienen bei MANA-Verlag, 15.03.2018
ISBN 9783955030988
Genre: Sonstiges

Rezension:

Sie hat alles was von Bedeutung war verloren: Ihre Mutter, ihre große Liebe und schließlich sich selbst. Ann ist verzweifelt, hadert mit dem Leben. Doch dann trifft sie eine Entscheidung, die alles verändern wird: Um sich selbst zu retten, verkauft sie ihr gesamtes Hab und Gut, kündigt ihren Job und bucht einen Flug nach Neuseeland. Im Gepäck einzig ihr (zugegebenermaßen ziemlich schwerer) Rucksack und dem festen Willen, ein neues Abenteuer zu wagen. Vor ihr liegen fünf Monate und 3000 Kilometer auf dem Te Araroa – dem Fernwanderweg durch ganz Neuseeland. Wird sie es schaffen und ihr Ziel erreichen? Wird der Weg ihr helfen, sich selbst und die Lust am Leben wieder zu finden?

Zugegeben, ich war skeptisch. Wer mich kennt, der weiß, wahre Begebenheiten in Büchern sind nicht gerade mein Steckenpferd. Von authentischen Reiseberichten lasse ich normalerweise gänzlich die Finger. Und doch habe ich mich gemeinsam mit Ann Kathrin Saul in das Abenteuer „Fremdes Neuseeland. Te Araroa – der lange Weg“ gestürzt. Obwohl der Titel nicht gerade dazu einlädt; etwas griffiger als „der lange Weg“ hätte zumindest der Untertitel schon sein können – verdient hätte es das Buch allemal. Zögerlich begann ich mit der Lektüre und hatte Angst vor langwierigen Wegbeschreibungen, die mich schnell ins Tal der Ermüdung gebracht hätten. Weit gefehlt! Schon bald konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen, die tägliche Nachtruhe musste verschoben werden, denn ich wollte unbedingt wissen, wie es Ann auf ihrem wirklich abenteuerlichen Weg durch Neuseeland ergeht. Diese Wirkung verdankt sich meinem Erachten nach zweierlei. Zum einen ist Saul eine großartige Autorin, ihr Schreibstil ist locker, aber nie oberflächlich. Sie versteht es, sich nicht in endlosen Beschreibungen der Umgebung zu verlieren und dem Leser trotzdem ein genaues Bild von Neuseeland vor dem inneren Augen erstehen zu lassen. Neben dem Trail rückt sie vor allem die Begegnung mit den verschiedensten Menschen, denen sie begegnet, in den Mittelpunkt. Da ist zum einen Reset, ein bereits über 60-jähriger Amerikaner, den sie über lange Strecken immer wieder trifft, und der genau wie sie den gesamten Te Araroa gehen will. Oder auch Matt und Tim, zwei waschechte Kiwis auf dem Trail, sowie viele weitere Backpacker, Trail-Angels (Menschen entlang des Trails, die etwa Unterkünfte zur Verfügung stellen oder einfach für die Wanderer da sind und ihre Hilfe anbieten) und andere Einheimische, deren herzliche und gastfreundliche Art mich als Leser und natürlich Ann Kathrin Saul begeisterten. Besonders gut fand ich zudem, dass der Trail für Saul wirklich eine tiefe Bedeutung hatte. Immer wieder kann der Leser einen Blick in Sauls Vergangenheit erhaschen. Zwei Menschen sind es, die ihr so wichtig sind, die sie aber loslassen muss, um wieder mit beiden Beinen im Leben zu stehen: Ihre Mutter, die viel zu früh den Kampf gegen den Krebs verlor, und ihre große Liebe Ben, der ihr eines Tages einfach eröffnete, nicht mehr mit ihr zusammenleben zu können. Sauls Gedanken kreisen um Ben und ihre Mutter, doch der anspruchsvolle Trail, die einzigartigen Begegnungen und die atemberaubende Natur lassen bald keinen Platz mehr für unliebsame Gedanken. Ann hat nur eine Chance, wenn sie den Trail wirklich schaffen will: sie muss sich zu 100% auf ihn einlassen.

Schnell merkte ich beim Lesen, dass mich der Te Araroa zwar faszinierte, für mich aber definitiv eine Portion zu viel Abenteuer bereithält, um ihn in mittelfristiger Ferne selbst als Ziel auszuwählen. Wer allerdings mit dem Gedanken spielt und nicht nur nach einer sehr guten Lektüre sucht, der kann sich mit diesem Buch schon einmal auf die Herausforderungen des Trails einstimmen. Denn es ist ein ganz anderes Wandern, als wir es bei uns kennen. Gut ausgebaute und ausgeschilderte Wege? Fehlanzeige! Ann kämpft sich durch dichte Wälder, wandert entlang kleiner verschlungener Pfade oder auch mal direkt am stark befahrenen Highway ohne Seitenstreifen, sowie durch Schlamm, Sand und Flüsse. In nicht wenigen Kapiteln denkt Ann an Menschen, von denen sie gehört bzw. gelesen hat, die sich im dichten neuseeländischen „Bush“ oder in den Bergen verlaufen oder sich unglücklich verletzt haben und nur noch tot geborgen werden konnten. Mit der Zeit wird Ann aber immer selbstbewusster, sie lernt mit dem Trail umzugehen, lernt sich und ihren Körper neu kennen und auch der ein oder andere Extrakilometer, wenn sie sich mal wieder verlaufen hat, bringt sie nicht mehr aus dem Gleichgewicht.

Wem der Text übrigens nicht genug ist, dem sei versichert, dass sich am Ende des Buches einige Seiten mit Bildern von Anns Reise finden. Ich habe immer mal wieder dorthin geblättert und fand es dann doch irgendwie toll, dass diese Geschichte wirklich wahr ist!

 Kurzum: Eine wunderbare Leseerfahrung, die ich gerne jedem an Herz legen möchte.

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Franziskusweg

Susanne Elsner , Walter Elsner
Flexibler Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Bergverlag Rother, 03.05.2018
ISBN 9783763345236
Genre: Sonstiges

Rezension:

Martin Engelmann, ein bekannter Referent und Fotograf aus Österreich – präsentierte vor einiger Zeit einen Vortrag über den Franziskusweg. Die Landschaft, der Weg, die Kultur – all das begeisterte mich und weckte ihn mir eine Sehnsucht – ausbrechen und loswandern.

Vorerst aber kam nur die neue Verlagsvorschau von Rother. Und was fand ich darauf? Die Ankündigung eines Wanderführers zum Franziskusweg. Sofort war klar: der muss bestellt werden. Bald schon hielt ich das kleine Buch in den Händen und tauchte zumindest schon einmal gedanklich in diesen Pilgerweg ein.

Bereits beim Lesen des Vorwortes spürt man, dass den beiden Autoren Susanne und Walter Elsner der Franziskusweg tief am Herzen liegt. Sie wissen um seinen Zauber, seine Spiritualität, seine ungeheure Kraft – ganz egal, ob man gläubig ist oder nicht. Bei der Wegführung (die keinesfalls so fest definiert ist, wie beim Jakobsweg) war ihnen besonders wichtig, vor allem jene Pfade zu wählen, auf denen einst auch der heilige Franz von Assisi gewandelt ist. Insgesamt warten auf den Wanderer 33 Etappen, die von Florenz über Assisi bin nach Rom führen. Die vielen erstklassigen Fotografien im Wanderführer vermitteln einen wunderbaren Eindruck von der Fülle an Kultur und Natur.

Die einzelnen Wegbeschreibungen halten in den Kurzinfos genau jene Informationen bereit, die es Bedarf. So gibt es einen Überblick über mögliche Unterkünfte, eine Kurzcharakteristik der Strecke, Höhenunterschied und Gehzeit und – was mir besonders gut gefallen hat – ein Hinweis auf kritische Stellen, an denen etwa die Orientierung schwierig oder bspw. Trittsicherheit von Nöten ist. Weiterhin ein kurzer Abriss über die Landschaft, mögliche Einkehrstellen sowie eine Liste der Städte mit kleinen Piktogrammen, denen man entnehmen kann, ob sich etwa Unterkünfte, Einkaufsmöglichkeiten und Trinkbrunnen vor Ort finden. Diese Piktogramme sind auch in den kleinen Wanderkärtchen (1:75.000) eingezeichnet – eine sehr gute Idee! Im Weg-Zeitdiagramm tauchen die wichtigsten nochmals auf, wobei ich finde, dass man an dieser Stelle auf sie hätte verzichten können. Die Wegbeschreibung ist klar formuliert und lässt sich sehr gut lesen und nachvollziehen. Auch hatte sie tatsächlich immer die richtige Länge. Straßennamen und vorhandene Markierungen werden konsequent erwähnt, wichtige Punkte sind wie immer fett markiert und mit Nummern versehen. Immer wieder wird die Beschreibung (nicht störend!) von Hinweistexten mit Wissenswertem zu Kulturstätten, die mit Franz von Assisi in Verbindung stehen, unterbrochen. Dabei hatte ich nie das Gefühl, dass sich die Autoren hier mit ihrem Wissen aufdrängen wollen. Vielmehr wollen sie das Auge des Pilgers auf die Geschichte lenken, die hier immer wieder spür- und erlebbar wird.

Leider findet sich keine Biografie von Franziskus im Wanderführer, ein zumindest kurzer Abriss wäre wünschenswert gewesen. Allerdings ist anzunehmen, dass sich wer sich auf den Franziskusweg begibt, sich bereits vorab mit seinem Namensgeber bekannt gemacht hat. Der Wanderführer hätte nur mehr Seiten gehabt – und zusätzliches Gewicht wäre im Rucksack gelandet.

Der Einführungsteil war wirklich informativ und ich habe ihn gerne gelesen. Es finden sich Ausführungen zum Pilgerpass, der Infrastruktur und den Gehzeiten. Besonders wertvoll sind sicherlich Tipps zur besten Reisezeit sowie zur Zeitplanung und Routenwahl. Die Autoren sind keine Träumer und wissen, dass wahrscheinlich nur die Wenigsten in den Genuss kommen werden, den Franziskusweg an einem Stück zu gehen. Weiteres fanden sich Zeilen zur Ausrüstung, den Kosten sowie zur Anreise, Orientierung, Tagespensum, Ernährung, Problemen und Gefahren. Man merkte stets, dass die Autoren genau wissen, von was sie hier schreiben. Es sind wirklich wertvolle Tipps, die einem bei der Reise ohne Zweifel gute Dienste leisten werden. Bevor es dann mit den Tourenbeschreibungen losgeht, gibt es vor jedem Gebiet (Toskana, das hügelige Herz Italiens, Umbrien, Rietital, Sabinerland) eine Doppelseite zur Einstimmung. Dann kann es endlich losgehen.

Und hast du deinen Rucksack auch schon gepackt?

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Die Ermordung des Commendatore Band 1

Haruki Murakami , Ursula Gräfe
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag, 25.01.2018
ISBN 9783832198916
Genre: Romane

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Die Ermordung des Commendatore Band 2

Haruki Murakami , Ursula Gräfe
Fester Einband: 496 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag, 11.05.2018
ISBN 9783832198923
Genre: Romane

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Rhön

Jürgen Reinhardt , Jürgen Reinhardt
Flexibler Einband: 152 Seiten
Erschienen bei Bergverlag Rother, 05.11.2015
ISBN 9783763341825
Genre: Sonstiges

Rezension:

Die Rhön – ein landschaftlich äußerst reizvolles Gebiet mitten in Deutschland. Wer dort Urlaub macht, der will in die Ferne schauen, Erholung finden und Entschleunigung leben. Am besten per pedes. Es locken unzählige Wanderwege, sie führen hinein in mystische Moorlandschaften, hoch hinauf auf Milseburg und Wasserkuppe, entlang kleiner Flüsse und mitten durch altertümliche Dörfer, in denen mitunter die Zeit stehen geblieben scheint. Im Gepäck: der Rother Wanderführer „Rhön“ von Jürgen Reinhardt.

Der Autor kennt sich bestens aus in der Rhön – dem Land der weiten Fernen, im Dreiländereck zwischen Bayern, Hessen und Thüringen. Er ist Hauptwanderwart des Rhönklubs und Mitglied des dortigen Wegeausschusses. So hat er es sich auch nicht nehmen lassen und ganze 50 Touren zusammengetragen. Die Auswahl: Top! Insgesamt 15 leichte und 35 mittelschwere Wanderungen warten darauf, erkundet zu werden. Ganz egal, wo man in der Rhön Station macht, eine Tour von Reinhardt findet sich garantiert in nächster Umgebung. Die Längen bewegen sich im Mittel zwischen drei und vier Stunden – angenehm also, es gibt auch einige, bei denen man gar fünf oder sechs Stunden unterwegs sein kann oder nur zwei Stunden. Der Autor bietet in seinem Führer Wanderungen zu allen wichtigen landschaftlichen und kulturgeschichtlichen Highlights an, etwa zur Milseburg (ein Berg – keine Burg!), der Wasserkuppe (höchster Berg der Rhön), zum Schwarzen und Roten Moor und dem Point Alpha (einem ehemaligen amerikanischen Grenzposten). Die Beschreibungen sind markig und völlig ohne Ballast, eine Orientierung ist damit zweifelsohne problemlos möglich. Die Kurzinfos sind tatsächlich sehr kurz und beschränken sich auf das absolut Wesentliche – ein wenig mehr hätte es mitunter schon sein dürfen. Wie der Autor im Übrigen darauf kommt, dass man bei einer Tour, die auch durch die Hammelburger Innenstadt führt, keine Einkehr findet, erschließt sich mir leider nicht. Die kleinen Wanderkärtchen sind im Format 1:50.000 und 1:100.000 zu finden. Zumindest Letzteres ist doch recht klein und das Mitführen einer ergänzenden Wanderkarte zu empfehlen. Schade, dass Reinhardt dabei nicht auf die Karten vom Dr. Barthels Verlag hinweist, diese sind für das Gebiet der Rhön immerhin im Maßstab 1:25.000 erhältlich, seine Empfehlung beziehen sich lediglich auf Karten von 1:50.000. Zusätzlich fand ich das Zusammenspiel von Karte, Text und Höhen-/Zeitdiagramm mitunter holprig. Während im Diagramm und Text wichtige Stationen fett markiert sind, so fehlt diese Hervorhebung meist in der Karte und manches ist gar nicht eingezeichnet.

Etliche Bilder im Wanderführer geben einen Eindruck von der landschaftlichen Charakteristik der Rhön und machen Lust, das Gebiet zu erkunden. Leider finden sich nicht zu allen Touren Fotos, was doch sehr schade ist. Doch 50 Wanderungen zu beschreiben, braucht auch seinen Platz und zu dick (und damit schwer) darf der Führer wiederum auch nicht sein.

Reinhardts klarer und nüchterner Stil, der ein echter Zugewinn bei der Tourenbeschreibung ist, wird auf den Einführungsseiten zum Nachteil. So reihen sich dort knappe Aufzählungen und Sätze mit den wichtigsten Infos. Die Ausführungen zum Rhöngebirge und zum Wandern in demselben bergen zwar eine hohe Informationsdichte, wirklich zum Lesen oder gar Schmökern laden sie derweil nicht ein. Die Liste „Größere Rhönorte mit Sehenswürdigkeiten“ mutet dann gar als lieblose Aufzählung an. Sicherlich ist vieles dem vorhandenen Platz geschuldet, aber hätten es dann nicht lieber zwei Wanderungen weniger sein können?

Fazit: Wer in der Rhön wandern möchte, der hat mit dem Wanderführer von Jürgen Reinhardt einen treuen und zuverlässigen Begleiter an der Hand. Leider ist er nicht frei von Mängeln und ein Buch zum „Auf-den-Urlaub-freuen“ ist es leider vor allem wegen des knappen und kantigen Stils des Autors nicht. Hätte besser sein können …

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