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294 Bibliotheken, 12 Leser, 0 Gruppen, 35 Rezensionen

bianca iosivoni, soulmates, romantasy, romance-fantasy, soul mates - flüstern des lichts

Soul Mates - Flüstern des Lichts

Bianca Iosivoni
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Ravensburger Buchverlag, 23.08.2017
ISBN 9783473585144
Genre: Jugendbuch

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385 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 137 Rezensionen

liebe, vermont, cider, farmer, true north

True North - Wo auch immer du bist

Sarina Bowen , Nina Restemeier , Wiebke Pilz
Flexibler Einband: 378 Seiten
Erschienen bei LYX ein Imprint der Bastei Lübbe AG, 24.04.2017
ISBN 9783736305601
Genre: Liebesromane

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1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

kinder, bilderbuch, fuchs, liebe, harpercollins

Did You Know That I Love You?

Christa Pierce
Fester Einband: 32 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 29.01.2015
ISBN 9780062297440
Genre: Sonstiges

Rezension:

Ein Vögelchen (ein Hüttensänger (bluebird), um genau zu sein) zwitschert dem Fuchs, ob er denn wohl wüsste, dass der Vogel ihn liebt. Dann zählt er Beispiele und Situationen auf, in denen der Fuchs die Liebe des Vogels bemerkt haben kann.

Das Debüt der Autorin/Illustratorin Christa Pierce ist ein englisches Kinderbuch, erschienen im Harper Collins Verlag, das laut Angabe für Kinder im Alter von 4-8 Jahren geeignet ist. Zum Vorlesen würde ich es allerdings schon viel früher einsetzen (bei englischen Kindern oder bei zweisprachiger Erziehung).
Geschrieben (und gestaltet) hat Pierce die Geschichte als Liebeserklärung für ihre Mom, hofft aber, dass das Buch allen hilft, denen persönlich vielleicht die Worte fehlen, ihre Liebe zu zeigen.

Die Sätze in 'Did you know that I love you' sind kurz und gereimt. Das finde ich für Kinderbücher immer sehr gut. Es ist poetisch, locker und schult gleichzeitig das Sprachgefühl. Die Aussage ist ebenfalls wunderbar und kann natürlich 1:1 auf die Eltern-Kind-Beziehung übertragen werden.

"I want you to always know, however big you get to be,
that all my love is for you, and it will always be."

Die grafische Gestaltung ist ziemlich modern, plakativ und kindgerecht. Viele Elemente, wie die Blumen und Bäume, wiederholen sich allerdings in immer gleicher Form. Das ist für erste Kinderbücher vielleicht noch ganz gut, aber mit meinen Kindern genieße ich es inzwischen, so viele Details wie möglich in unseren Bilderbüchern zu entdecken und detailverliebt ist Christa Pierce in diesem Buch leider gar nicht. Auch finde ich die Paarung 'Vogel und Fuchs' etwas ungewöhnlich, allerdings passt das natürlich zur 'Ich liebe dich - egal wer du bist und wer ich bin'-Botschaft.

Unter'm Strich ein nettes Buch mit lieber Botschaft, besonders für Fuchs-Fans. Allerdings gibt es sehr viel liebevoller gestaltete Bücher.

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Tags: bilderbuch, fuchs, harpercollins, kinder, liebe   (5)
 

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2 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

The Essex Serpent: The number one bestseller and British Book Awards Book of the Year

Sarah Perry
E-Buch Text: 433 Seiten
Erschienen bei Serpent's Tail, 27.05.2016
ISBN 9781782832041
Genre: Sonstiges

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4 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

krimi, novelle, alternative realität, kurz, brandon sanderson

Snapshot

Brandon Sanderson
E-Buch Text
Erschienen bei Dragonsteel Entertainment, LLC, 17.02.2017
ISBN 9781938570155
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ein Krimi aus der Sci-Fi-Ecke. Normalerweise beides nicht so mein Metier, aber für ca. 100 Seiten kann man's mal versuchen. Und ich wurde positiv überrascht!

Brandon Sanderson schafft in der kurzen Novelle 'Snapshot' vor allem eines: ein überzeugendes Worldbuilding. Das ist bei Science Fiction gar nicht mal so selbstverständlich, möchte ich behaupten, und es in der Kürze der wenigen Seiten so überzeugend hinzubekommen, ohne dass die Geschichte darunter leidet, finde ich schon bemerkenswert. Es wird so wenig wie möglich, aber so viel wie nötig erklärt. Und das klappt. Ich habe (kommt selten genug vor!) nach dem Lesen keine offenen Warum-Fragen. Dafür habe ich einen sehr durchdachten, nicht offensichtlich durchschaubaren Charakter kennengelernt und ein (oder zwei) spannende Kriminalfälle präsentiert bekommen.

Davis ist ein Cop auf Snapshot-Duty. Ein Snapshot ist das technisch erzeugte Duplikat eines Tages aus der Vergangenheit, das geschaffen wird um Kriminalfälle zu lösen. Dazu reisen Cops wie Davis und sein Partner Chaz in den Snapshot und beobachten Tathergänge. Alles im Snapshot ist real, beeinflusst die echte Welt aber nicht. Davis und Chaz können also z.B. essen und verletzt werden, wenn sie in einem Snapshot sind, aber was sie den anderen Menschen im Snapshot erzählen oder antun, wirkt sich nicht auf deren echtes Leben aus.

Während einem ihrer (zugegebenermaßen meist recht anspruchslosen) Einsätze erfahren Davis und Chaz von einem ungeheuerlichen Serienkiller, den sie an dem Tag, den ihr Snapshot nachstellt, identifizieren könnten. Weil ihre Vorgesetzten in der echten Welt keine Ahnung haben, was Davis und Chaz in einem Snapshot so treiben, entscheiden sie sich, der Spur nachzugehen. Doch sie müssen feststellen, dass sie in diesem Snapshot nicht, wie sonst üblich, die uneingeschränkte Authorität haben.

Die Auflösung der Story in Sandersons Novelle ist irgendwie etwas enttäuschend, allerdings passt das in so eine Kurzgeschichte, dass es eher um ein persönliches Drama geht als um die große Verschwörung.
Sanderson schreibt flüssig, unterhaltsam und stimmig. Das Worldbuilding ist großartig, die Charaktere perfekt unperfekt. Da versteht jemand sein Geschäft. 'Snapshot' hätte auch gut ein Drehbuch werden können. Ich habe meine Comfortzone gerne mal verlassen, um hier kurz abzutauchen.

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Tags: alternative realität, brandon sanderson, krimi, kurz, novelle, sci-fi   (6)
 

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17 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

gender, feminismus, wirtschaft, politik, mutter

Muttertier

Birgit Kelle
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Fontis – Brunnen Basel, 15.07.2017
ISBN 9783038481249
Genre: Sachbücher

Rezension:

Als ich erfuhr, dass dieses Buch über die Rolle der Mutter in unserer Gesellschaft von Birgit Kelle ist, der Frau von Klaus Kelle (Autor von "Bürgerlich, christlich, sucht..."), war ich Feuer und Flamme. Durch die politischen Ansichten des Autors glaubte ich, dass ich in der Familie Kelle Verwandte im Geiste gefunden hatte und als Mutter, die selbst immer mit ihrem Rollenbild und ihren Ansprüchen an sich selbst zu kämpfen hat, musste ich das Buch einfach lesen.

Der Untertitel des Buches 'Eine Ansage' ist Programm. Ohne sich um die Gefühle anderer zu scheren, legt Birgit Kelle dar, was falsch läuft in unserer Gesellschaft. Ziemlich eindrucksvoll fasst sie zusammen, an wieviel unterschiedlichen Fronten Wirtschaft und Politik daran arbeiten, die Rolle der Familie zu schwächen und insbesondere die Bindung einer Mutter zu ihren Kinder zu bagatellisieren. Letztlich geht es beiden nur darum, die Frau als Arbeitskraft so schnell wie möglich wieder ins Hamsterrad Berufswelt zu bekommen. Rhetorisch ist sie dabei mitunter schlicht genial. In wenigen Sätzen schafft sie es, durch absurde Nebeneinanderstellungen und bissige Ironie, dem Leser die Augen zu öffnen und ihn in ihre Wut miteinstimmen zu lassen.

Leider lässt es Birgit Kelle nicht aus, in ihren Tiraden auch ordenltich Seitenhiebe zu verteilen. Welche mir besonders negativ aufgefallen sind: die gegen homosexuelle Paare. Die Seitenhiebe sind keine direkten Angriffe und auch nicht als solche gedacht, lesen sich aber mit einem ziemlich faden Beigeschmack. Sie könnte Leihmutterschaft (als Beispiel) auch per se kritisieren, ohne eine bestimmte Bevölkerungsgruppe mit hineinzuziehen. Aber indem sie diese als Hauptnutznießer der kritisierten Praxis nennt, gibt sie ihnen indirekt die Schuld daran und stellt sie als Meschenhändler dar. Das ist einfach ungeschickt. Die Autorin fordert (vollkommen berechtigt!) mehr Toleranz für Frauen, die ihr Recht auf ein selbstbestimmtes Leben durch die Wahl eines Familienlebens einfordern, legt aber gegenüber Personen, die sich offen gegen ein traditionelles Familienbild stellen, keinerlei Toleranz an den Tag.

Meine Befürchtung ist, dass der schroffe Tonfall des Buches viele Leser abschreckt und die Diskussion über das Buch bestimmen wird, wobei die Inhalte sehr viel diskussionswürdiger wären. Alles, was Frau Kelle über die Mutterrolle sagt (z.B. dass sie anstatt zu fragen 'Wie viel Mutter braucht ein Kind?' auch mal sinniert, wie es denn anders herum aussieht) spricht mir aus der Seele und wie in unserer Gesellschaft systematisch gegen dieses gelebte Glück gearbeitet wird, macht mich wütend. Wäre Frau Kelles Buch etwas weniger reißerisch aufgemacht, sie könnte dank ihrer Art zu schreiben Massen überzeugen. So liefert sie Kritikern aber zu viel Angriffsfläche um das Buch zu verteufeln, ohne den Inhalt zu bewerten. Schade.

Das Cover finde ich übrigens unmöglich. Für Familie und gegen Karrierefrauen zu schreiben, sich dann aber als genau so eine zu präsentieren ist schlicht inkonsequent und schwächt die eigene Position. Etwas Familie hätte dem Cover gut getan.

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Tags: berufstätige mütter, birgit kelle, familie, familienpolitik, klaus kelle, politik, wirtschaft   (7)
 

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36 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 24 Rezensionen

wien, roman, ohne perspektive, absturz, österreicher

Wer hier schlief

Isabella Straub
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Blumenbar, 15.09.2017
ISBN 9783351050429
Genre: Romane

Rezension:

Philipp Kuhn lebt ein sicheres, langweiliges und unterfordertes Leben. Dann entschließt er sich dazu, seine Frau und Chefin (und damit auch seinen Job) zu verlassen und mit seiner Äffare ein neues Leben zu beginnen. Doch obwohl Myriam zuvor sogar noch mit Kuhn sein Trennungsgespräch geprobt hat, verschwindet sie währenddessen spurlos und Kuhn steht vor dem Nichts. In Myriams Wohnung wohnt plötzlich jemand anderes und außer einem Bild (das Portrait eines Mannes mit Turban), seinem Handy und seiner Brieftasche hat Kuhn nichts von seinem alten Leben. Seine Mutter hat einen jungen Untermieter und kann ihn nicht aufnehmen, die Schwester wohnt in Amerika und Freunde empfangen ihn auch nicht mit offenen Armen.

Und so lässt Kuhn sich durch Wien treiben. Schläft mal im Fitness-Studio, mal bei einer Gruppe SUHOs (SUddenly HOmeless), denen er mit eher mäßiger Begeisterung bei Renovierungsarbeiten und Lebensmittelbeschaffungsmaßnahmen hilft, mal bei einem älteren Mann, den er in einem Hotel bei seiner Suche nach Myriam kennengelernt hat.

Der Roman 'Wer hier schlief' von Isabella Straub wird beschrieben als 'moderne Odyssee' und das ist er auch. Kuhn lässt sich treiben in einer Situation, die für die meisten von uns wohl der Horror schlechthin wäre - ohne Job, ohne Heim, ohne Perspektive und von dem einem Menschen, auf den man gezählt hat, verlassen. Trotzdem hat der Roman eine gewisse Leichtigkeit und einen unterschwelligen Humor. Kuhn meistert das ganze eigentlich relativ locker und unbeschwert und der Leser darf sich über seine Zufallsbekanntschaften und Missgeschicke sogar ein wenig amüsieren.

Schwingt in Straubs Roman ein bisschen Gesellschaftskritik mit? Hat sie in den fast schon meditativen Schilderungen Symbole versteckt, deren Bedeutung alles andere als offensichtlich ist? Fakt ist, eine richtige Auflösung, ein richtiges Ende hat der Roman nicht. Er ist ein Ausschnitt. Das lässt den Leser vielleicht zum Schluss ratlos zurück. Andererseits schwingt das Gelesene noch nach und regt zum Nachdenken, gar zum Philosophieren an. Die Sprache ist flüssig und angenehm, nicht zu verschwurbelt und trotzdem mit einem gewissen Niveau. Ich weiß nur nicht, wem ich dieses Buch zum Lesen empfehlen soll. Wien-Fans? Arbeitstiere, die abschalten müssen? Da ich die Aussage und den Sinn des Buches nicht ganz fassen kann, kann ich auch das nicht beurteilen und das ist etwas, das mich an diesem Buch ein wenig stört.

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Tags: isabella straub, odyssee, ohne perspektive, orientierungslosigkeit, wien   (5)
 

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39 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

handlettering, frau hölle, kalligrafie, brushlettering, selbstgemacht

Handlettering Alphabete

Tanja Cappell
Fester Einband: 144 Seiten
Erschienen bei Edition Michael Fischer, 17.08.2017
ISBN 9783863557683
Genre: Sachbücher

Rezension:  
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77 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 27 Rezensionen

schildkröte, märchen, freundschaft, phantasie, roman

Die Phantasie der Schildkröte

Judith Pinnow
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei FISCHER Krüger, 24.08.2017
ISBN 9783810530356
Genre: Romane

Rezension:

Edith ist Mitte 40, alleinstehend, kontrolliert mit Hang zu Zwangsneurosen. Dann purzelt auf einmal ein kleines Mädchen in ihr Leben und stellt Edith Aufgaben, die sie ihre Comfort-zone verlassen lässt und ihr neue Bekanntschaften beschert. Darunter vor allem erwähnenswert: ihre schrullige alte Nachbarin, die einen Flipperautomaten im Wohnzimmer hat und nachts Pfannkuchen bäckt.

'Die Phantasie der Schildkröte' von Judith Pinnow ist so etwas wie eine umgekehrte Coming-of-Age-Story. Edith lernt durch das kleine Schneewittchen, wieder etwas unbeschwerter und mutiger zu leben, die kleinen Wunder des Alltags zu entdecken und das Leben zu genießen. Alle Leser dieses Buches werden wohl nie wieder vergessen, dass Spaghetti beim Kochen länger werden. ;)

Der Autorin ist eine anrührende, amüsante Geschichte gelungen, die voll von sehr, sehr liebenswerten Charakteren ist. Bis auf eine Person sind die Figuren durchweg sympatisch und gehen sehr liebevoll miteinander um. Das verleiht dem Roman eine heimelige Stimmung und lässt einen das Lesen genießen und gerne in Ediths Welt abtauchen. Ediths Gedanken, gerade in Bezug auf ihre Kontrollzwänge, sind irgendwie immer mit einem Augenzwinkern formuliert und bieten dadurch Anknüpfpunkte zur Identifizierung. Wenn sie sagt 'Mein Toastbrot war auch härter als sonst.', tut sie einem direkt leid und man fühlt mit ihr an diesem schweren Tag, auch wenn sich ein Lächeln in die Mundwinkel stiehlt.

So gern man die Figuren auch gewinnt, irgendwie werden es immer mehr und mehr und man hat den Eindruck, dass die Autorin der Story keinen roten Faden verleihen konnte. So ganz ist zum Schluss nicht mehr klar, ob es wirklich um Ediths Entwicklung geht oder ob der Roman noch etwas anderes erzählen möchte. Auch dadurch,
*Achtung Spoiler*
dass die Herkunft des kleinen Schneewittchens zum Schluss nicht eindeutig aufgeklärt ist
*Spoiler Ende*
und der Leser sich fragt, ob nicht vielleicht auch noch hinter den anderen Figuren 'mehr' steckt, wirkt Judith Pinnows Roman etwas 'undurchdacht' und noch nicht ganz rund. Ich habe ihn sehr gerne gelesen und die Charaktere sind mir ans Herz gewachsen, doch er wirkt etwas wirr.

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Tags: alte jungfer, eltern-kind-beziehung, freundschaft, inneres kind, mitte 40   (5)
 

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50 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

roman, nick hornby, high fidelity, musik, liebesroman

High Fidelity

Nick Hornby
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Penguin, 05.05.2005
ISBN 9780141026640
Genre: Sonstiges

Rezension:

Nick Hornby versteht es wie kein zweiter, Portraits etwas verpeilter Männer zu zeichnen, die nicht immer auf der Siegerseite durch's Leben stolpern, aber dabei mit Charme und unterschwelliger Selbstironie zu wahren Helden werden.

Robert, Besitzer eines CD-Ladens, begnadeter Ersteller von Compilations-Tapes und ehemaliger DJ ist frisch von seiner Freundin getrennt. Er versucht sich selbst einzureden, dass er schon Schlimmeres überstanden hat und steigt in die Geschichte ein, indem er den Leser an seiner Top 5 der denkwürdigsten Trennungen teilhaben lässt. Im weiteren Verlauf begleiten wir Rob dabei, wie er mit der Trennung von Laura, damit, dass sie einen neuen Freund hat und allem, was das Leben für Erwachsene sonst noch bereits hält (One-Night-Stands, Verkupplungsversuche, Tod und Musik, Musik, Musik), zurecht kommt.

Zitate, die zeigen, dass Rob trotz seiner Volljährigkeit innen drin irgendwie immer noch ein kleiner Junge ist und keinen Plan hat, wie das Leben so läuft, sind schlichtweg genial. Hier meine Top 3:

"The perfect match, if you ask me, is between the Cosmo woman and the fourteen-year-old boy."

"Sex is about the only grown-up thing I know how to do; it's weird, then, that it's the only thing which can make me feel like a ten-year-old."

"But I want to see Clara, Charlie's friend, who's right up my street. I want to see her because I don't know where my street is; I don't even know which part of town it's in, which CITY, which COUNTRY, so maybe she'll enable me to get my bearings."

Gerade letzteres erinnert mich so daran, wie ich meinen Mann (damals knackige 36 Jahre alt) kennengelernt habe und wir realisieren mussten: auch mit Mitte 30 hat man noch die gleichen Probleme wie Teenager, die gleichen Liebesschmerzen, die gleichen Zickereien, die gleiche Planlosigkeit, was man eigentlich will vom Leben und wie das alles klappen soll.
Deshalb ist das Buch nicht nur aufgrund der Periode der 90er, aus denen es stammt, für mich ein Quell der Erinnerung, auch persönlich lässt es mich meinen Mann in vielen Aspekten wiedererkennen. Es ist ein warmherziger Roman, der diesem Typ Mann (dem musikverliebten, ewig-junggebliebenen, tief romantischen (ohne sich dessen selbst bewusst zu sein)) ein Denkmal setzt.
Can be read time and time again!

Alternativ-Tipp oder Tipp für die etwas jüngere Generation: "Slam" vom gleichen Autor, in dem es um einen Jugendlichen Skater geht, der unerwartet Papa wird. Gleicher Typ Mann, nur etwas jünger und Musik ersetzt durch Skaten. Auch ein All-time-favourite!

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Tags: high fidelity, losertyp, mittdreißiger, musik, nick hornby, singles   (6)
 

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16 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 12 Rezensionen

bbc, neil gaiman, hörspiel, stardust, sterne

Stardust: BBC Radio 4 full-cast dramatisation

Neil Gaiman
Audio CD: 1 Seiten
Erschienen bei BBC Physical Audio, 02.02.2017
ISBN 9781785295621
Genre: Sonstiges

Rezension:

Stardust - die deutsche Verfilmung 'Der Sternwanderer' von 2007 ist vielleicht einigen bekannt. Die Romanvorlage dazu kannte ich bisher nicht, bin aber äußerst froh, dass ich das Vergnügen hatte, sie in dieser besonderen Form kennenzulernen.

Das Hörspiel aus dem Hause BBC ist einfach magisch. Märchenhaft. Bezaubernd.

Tristan, dessen Herkunft zumindest ihm nicht ganz bekannt ist, macht sich auf, um einen gefallenen Stern zu finden, mit dem er ein Mädchen in seinem Heimatdorf Wall beeindrucken will. Er gelangt in das magische Reich Stormhold, findet den (äußerst lebendigen) Stern und will ihn zurück nach Wall bringen. Doch hinter dem Stern und dem, was er bei sich trägt, sind auch noch einige andere her und Tristans Reise wird gefährlicher und bedeutsamer, als er es sich je vorstellen konnte.

Mit vielen begabten Sprechern, dezenter Hintergrundmusik und treffender Geräuschkulisse versetzt einen das Hörspiel direkt in die Geschichte. Die Erzählerin spricht wunderbar einfühlsam und schürt Spannung, die Stimmen sind so vielseitig und unterschiedlich, wie man es sich nur für die vielen phantasievollen Charaktere wünschen kann. Noch dazu kommt das Hörspiel nur mit einer kurzen Aufzählung der Sprecher am Ende jeder der zwei CDs aus, was ich sehr bescheiden finden und was den Hörgenuss wirklich überhaupt nicht stört. Bei der Leistung wäre mehr Anerkennung durchaus verdient gewesen. Die 2,5 h vergehen im Flug und gerade durch die geringen, doch deutlichen inhaltlichen Unterschiede zur Filmversion, ist das vorliegende Hörspiel ein bewegendes, fesselndes Erlebnis. Ich werde bei Gelegenheit nach weiteren Produktionen der BBC Ausschau halten! Es hört sich nicht nebenbei, was sicherlich mit an der 'fremden' Sprache liegt, aber nur nebenbei würde man bestimmt die ein oder andere sprachliche Pointe verpassen. Jedes Wort ist hörenswert und jeder Satz schlicht schön. Ich war traurig, als es vorbei war.

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Tags: bbc, englisches hörspiel, hörspiel, neil gaiman, stardust   (5)
 

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24 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 15 Rezensionen

satire, heimatroman, dorf, heimat, metaebene

Toni und Moni oder: Anleitung zum Heimatroman

Petra Piuk
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Kremayr & Scheriau, 17.08.2017
ISBN 9783218010795
Genre: Romane

Rezension:

Wieder einmal ein besonderes Buch aus dem Kremayr & Scheriau Verlag. Petra Piuks 'Anleitung zum Heimatroman' ist anything but.

Bitter-, wirklich bitterböse rechnet das Buch mit dem typischen Bergdorf-Idyll ab. Inzentuöses, gewalttätiges, frauen- und fremdenfeindliches Verhalten schleicht sich immer mehr in den Roman und konterkariert die zu Beginn vorgetäuschte Absicht: einen 'schönen' Heimatroman zu schreiben. Das Buch bringt alles auf den Tisch, was sich der zu Sarkasmus neigende Zuschauer eines typischen 'Heimatfilms' vielleicht bei manchen Szenen denken könnte, aber nicht auszusprechen wagen würde. Als wäre die Autorin dank einer Überdosis Dorfidyll ausgerastet und Amok gelaufen. Das ist lustig, wenn man es nicht allzu nah an sich ranlässt und vergisst, dass viele Vorurteile aus einem Körnchen Wahrheit gewachsen sind.
Sont könnte Petra Piuks Roman auch als anklagende Abrechnung mit gewissen 'gutbürgerlichen' Traditionen und Einstellungen verstanden werden und legt als solche den gesalzenen Finger in so manche Wunde.

Die Handlung ist schnell umrissen: Toni, das Neujahrsbaby von Schöngraben an der Rauscher, wächst in einem Dorf auf und liebt Moni von gegenüber. Er wird geprägt, durch das, was er seit seinen frühestens Kindheitstagen erlebt: wie sein Vater seine Mutter behandelt, wie alle über die in die Stadt gezogene Großcousine reden, wie man sich auf Dorffesten verhält. Gibt es ein Happy End und falls ja - für wen?

Abgesehen von Inhalt, der sicher polarisiert und je nach persönlicher Einstellung äußert unterschiedlich aufgenommen werden wird, ist die Form von 'Toni und Moni' eine ganz besondere. Der Aufbau ist wirklich wie ein Kochrezept bzw. eine Bastelanleitung, der Leser wird immer wieder direkt angesprochen (darf sich sogar mit einer im Buch befindlichen Vorlage einen eigenen Orden basteln), Leserbriefe werden umgehend eingebaut und in Fußnoten bekommt man die Auseinandersetzung zwischen Autorin und Lektorin mit. So erlebt der Leser das teilweise Streichen und Revidieren von zuvor Gelesenem und darf glauben, dass irgendwas an den Hintergründen und Entstehungsmomenten dieses Buches tatsächlich wahr ist. Ist es vielleicht auch, wer weiß? Diese Metaebene(n) in einem Buch sind in erster Linie lustig, wenn sie auch etwas ablenkend wirken. Das Leseerlebnis ist dadurch ein ganz anderes als bei einem 'normalen' Roman und verlangt dem Leser einiges an Abstraktion und Flexibilität ab. Für mich ist das durchaus sehr gelungen.

Was man Petra Piuk auf keinen Fall vorwerfen kann: sie würde halbe Sachen machen. Sowohl von der Abstraktionsebene als auch inhaltlich treibt sie es auf die Spitze und deshalb von mir der eine Stern Abzug: Es war mir dann einfach too much. Zu verwirrend und zu verstörend zum Schluss. Doch ich bin mir sicher, dass das 100% gewollt ist, deswegen ist das auch keine objektive Kritik, sondern nur mein ganz subjektives Empfinden. Ein Buch, das einen aufweckt. Leseempfehlung!


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Tags: bergdorf, dorfidylle, heimatroman, kremayr & scheriau, metaebene, selbstreflexion   (6)
 

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105 Bibliotheken, 11 Leser, 0 Gruppen, 34 Rezensionen

istanbul, identität, zwillinge, russland, migration

Außer sich

Sasha Marianna Salzmann
Fester Einband: 366 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 11.09.2017
ISBN 9783518427620
Genre: Romane

Rezension:

Schreiben kann Sasha Marianna Salzmann, Hausautorin des Maxim Gorki Theaters in Berlin, keine Frage. Und wie sie schreiben kann! Nicht umsonst ist ihr Debütroman 'Außer sich' nominiert für den Deutschen Buchpreis 2017. Großartige Metaphern und schonungslos offene Beobachtungen beschreiben das Leben in Sätzen, die so schön sind, dass es einem im Herzen weh tut, sie zu lesen:

"Sie sprach in mehreren Sprachen gleichzeitig, mischte sie je nach Farbe und Geschmack der Erinnerung zu Sätzen zusammen, die etwas anderes erzählten als ihren Inhalt,..."

'Außer sich' ist ein Roman über Migration und Identitätssuche. Ein hochaktuelles Thema. Ali sucht ihren Zwillingsbruder Anton. Ihr einziger Anhaltspunkt ist eine Postkarte aus Istanbul. Dorthin flieht auch sie. Ihre Suche ist passiv und ereignislos, der Leser erlebt im Verlauf des Romans vielmehr einen Streifzug durch die russische Geschichte, wenn die Schicksale von Alis Eltern, Groß- und Urgroßeltern nacherzählt werden. Eins haben alle gemein: Ihre Leben waren dramatisch, voller Gewalt und traurig.

Der Leser fragt sich: Wozu muss ich das wissen? Eigentlich ist er an Alis Geschichte interessiert und daran, ob sie Anton findet. Doch Salzmann will offensichtlich etwas anderes erzählen. Nur was? Auch ich habe das Gefühl, die Autorin schreibt 'in mehreren Sprachen gleichzeitig und mischt Eindrücke zusammen, die mehr erzählen als ihr Inhalt'. Ist das Schicksal der Groß- und Urgroßeltern ausschlaggebend für Alis Wurzellosigkeit im Erwachsenenalter? Liegt es daran, dass sie als Auswandererkinder isoliert waren, dass Ali sich nach Antons Verschwinden so sehr nach ihm sehnt, dass sie sich Testosteron spritzt, um männlicher zu werden? Dieser Aspekt ist sehr präsent und ist in meinen Augen der einzige, der Alis 'Suche' (nach sich selbst, nach Anton) zum Ausdruck bringt.  Die ZEIT nennt es den
'Conchita-Wurst-Effekt'.

Transgender ist ein Thema im Moment, ebenso wie Migration. Natürlich kommt ein Buch darüber bei den Kritikern gut an. Noch dazu, wenn die Autorin so gut schreiben kann wie Salzmann. Doch ich persönlich bin das falsche Publikum für solch avantgardistische Literatur. Ich setze mich gerne mit der Hauptfigur eines Romans auseinander. Fühle mit ihr oder ärgere mich über sie. Dieser Identifikation versperrt sich 'Außer sich'. Wie im Austausch festgestellt bin ich nicht die einzige, der Ali im Verlauf des Romans egal wird. Deswegen weiß ich einfach nicht, was der Roman 'will'. Es ist unterm Strich eine deprimierende Momentaufnahme von selbstzerstörerischen Personen, die sich passiv treiben lassen und sich wundern, dass das Glück nicht zu ihnen kommt. Kunst ist das.

Sogar das Personenverzeichnis ganz zu Beginn war im ersten Moment alles andere als hilfreich und bot schon da viel Raum für unterschiedliche Sichtweisen. Ein Roman zum Diskutieren und Interpretieren.

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Tags: debütroma, deutscher buchpreis shortlis, russland, sasha marianna salzmann, transgender   (5)
 

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60 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 32 Rezensionen

neuseeland, neuanfang, suche, ehe, identitätssuche

Niemand verschwindet einfach so

Catherine Lacey , Bettina Abarbanell
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Aufbau Verlag, 18.08.2017
ISBN 9783351036805
Genre: Romane

Rezension:

Ein beeindruckendes Debüt. Catherine Lacey schreibt ein Buch, das sich hauptsächlich in der Gedankenwelt einer zutiefst orientierungslosen Frau am Abgrund einer Depression abspielt. Weltschmerz hoch zehn mit durchaus tiefsinnigen und berühend wahren Beobachtungen über das menschliche Miteinander.

Nach und nach erfährt der Leser aus den Gedanken Elyrias, während sie schon in Neuseeland weilt und dort ein Vagabunden-Dasein führt, von den traumatischen Erlebnissen ihrer Vergangenheit: der alkoholkranken Mutter, der toten Schwester, ihrer verfahrenen Ehe. Eigentlich war diese Ehe der Rettungsanker, den das Leben ihr scheinbar nach dem Tod ihrer Schwester zuwarf, denn erst durch diesen hatte sie ihren Mann kennengelernt, der zu Beginn der Beziehung eine ungekannte Ruhe in Elyrias wirbelnde Gedanken brachte.

'Niemand verschwindet einfach so' liefert keine Erklärungen. Es ist ein beobachtendes Buch und warum Elyria handelt wie sie handelt, kann jeder Leser sich anders aus ihren Gedanken und Erinnerungen herleiten. Ihre Vergangenheit liefert Indizien, aber keine Beweise. Um bei Fachbegriffen zu bleiben: Elyrias Mann ist ein Mathematikprofessor und mir gefiel ganz besonders gut, dass Elyrias Gedanken manchmal ähnlich formell formuliert sind wie mathematische Aussagen. Das verleiht der 'emotionslosen' Wissenschaft einen (verdienten) Hauch von Poesie. Wunderbar!
Ihre Einschätzungen der zwischenmenschlichen Chemie und der inneren Welt eines jeden von uns werden für mich am treffendsten mit dem schönen deutschen Wort 'Weltschmerz' beschrieben. Irgendwie stimmt man bei vielem intuitiv zu, doch die meisten von uns leben trotzdem anders weiter und nehmen nicht alles so schwer.

Was Elyria auf ihrer Reise lernt, verrät uns der Buchtitel. So sehr man sich auch zurückzieht und von seinen Lieben entfernt, ganz 'weg' ist man trotzdem nie und irgendwie holen einen die Bindungen an das zurückgelassene Leben wieder ein. Mir hätte es besser gefallen, wenn es in der Ehe von Elyria keinen Anlass gegeben hätte, auszubrechen, das hätte für mich zum Konzept 'Weltschmerz' besser gepasst und ihrem Mann nicht so den schwarzen Peter zugeschoben. Das Buch wäre dann noch 'allgemeiner', noch philosophischer gewesen, was ihm meiner Meinung nach gut gestanden hätte. Nichtsdestotrotz sehr lesenswert, dank einer wunderbaren Sprache und vielen tollen, bewegenden Gedanken.

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Tags: ausbrechen, flucht, frau verlässt mann, gedanken, gedankenwelt, neuseeland, weltschmerz   (7)
 

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93 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 43 Rezensionen

musik, gitarre, blues, rock, gitarren

Vintage

Grégoire Hervier , Alexandra Baisch , Stefanie Jacobs
Fester Einband
Erschienen bei Diogenes, 23.08.2017
ISBN 9783257070026
Genre: Romane

Rezension:

Die Gibson Moderne - Mythos oder Realität? Ob das dritte Modell der Modernistic Reihe (neben der Explorer und der Flying V) in den 1950er Jahren wirklich gebaut wurde ist tatsächlich nicht ganz sicher. Die Bücher der Gibson Guitar Corporation weisen wohl eine Produktion von etwa 20 Exemplaren nach, aber ob diese je den Weg zu einem Kunden oder gar Rockmusiker fanden, ist unklar.

Diese Legende der Rockmusik ist Ausgangspunkt für Grégoire Herviers Roman 'Vintage'. Und dieser reale Hintergrund ist auch der erste Faktor, der den Charme des Buches ausmacht. Der Leser kann fast gar nicht anders, als im Internet selbst auf Spurensuche zu gehen und Gitarrenbilder, Musiker und Songs zu recherchieren. So begibt er sich zusammen mit Thomas, dem Romanhelden, der von einem mysteriösen Sammler, dem die seltene Gitarre angeblich gestohlen wurde, engagiert wird, auf Spurensuche. Um aus dem Diebstahl einen Versicherungsfall zu machen braucht Thomas Auftraggeber einen Beweis, dass ein in den 50ern gebauter Prototyp der Moderne wirklich existiert hat.

Thomas begegnen exzentrische Sammler, extrem-rockige Rockmusiker, Musikwissenschaftler und ganz viel Geschichte. Das ist abwechslungsreich, lehrreich und unterhaltsam. Hervier schafft es, den Leser von einem Sujet zu begeistern, von dem zumindest ich im Vorfeld keinerlei Ahnung hatte. Die Liebe zur Musik, das Gefühl für verschiedene Klänge, die Begeisterung für Kompositionen - all das bringt Hervier detailliert, fachlich anspruchsvoll und doch für den Laien absolut verständlich aufs Papier. Die Geburt einer Faszination.

Dazu hält 'Vintage'  sowohl passagenweise als auch insgesamt einen extrem guten Spannungsbogen aufrecht. Manche Krimidetails wirken für mich, als jemanden, der Krimis meidet, etwas unrealistisch, aber der Roman reißt einen einfach so mit, dass man das mit einem 'Ey, Rock'n'Roll, Baby!' gerne akzeptiert.

Ein Buch, das einen in eine komplett andere Welt entführt, in der Märchen und Realität in einem lässigen Roadmovie-Roman verschwimmen. Peace!

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Tags: gibson, gibson guitars, gibson moderne, gitarre, grégoire hervier, musik, vintage   (7)
 

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358 Bibliotheken, 17 Leser, 1 Gruppe, 71 Rezensionen

nachtblumen, carina bartsch, liebe, sylt, trauma

Nachtblumen

Carina Bartsch
Flexibler Einband: 544 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 23.06.2017
ISBN 9783499291081
Genre: Liebesromane

Rezension:

Jana wird von ihrem Arzt in ein besonderes Wohnprojekt auf Sylt vermittelt. Ihr dortiger 'Adoptivvater' Klaas ist gleichzeitig auch ihr neuer Chef, denn Jana kann in seinem Unternehmen eine Ausbildung beginnen. Das ist für das traumatisierte Mädchen eine Riesenchance. Vier andere Jugendliche teilen diese Chance mit Jana und wohnen und arbeiten ebenfalls bei Klaas und seiner Frau. Jana, die immer eine Mütze und lange Kleidung trägt, nur unter dem Bett schläft und Nettigkeiten von anderen Menschen nicht gewohnt ist, lernt hier, sich mit anderen Menschen auseinanderzusetzen. Sie ist sich ihres Glückes wohl bewusst, doch kann sie es auch annehmen und etwas daraus machen? Und kann sie ihren Mitbewohner vielleicht ebenfalls eine Hilfe sein?

Der Roman von Carina Bartsch erzählt unaufgeregt und ruhig. Trotzdem ist ihr Stil sehr bewegend und die Geschichte spannend, weil der Leser natürlich auch wissen will, was hinter den Ängsten der Protagonisten steckt. Die Überwindung von Janas Trauma wird gefühlt in Echtzeit aufgebaut. Das ist sehr realistisch, aber auch langatmig. Gleichzeitig erstreckt sich der Roman über einen Zeitraum mehrerer Jahre, so dass zwischendurch große Lücken entstehen. Hier fragt sich der Leser dann doch, wie besondere Anlässe und eigentliche Meilensteine in Janas Leben abgelaufen sind. Die im Klappentext angedeutete Liebesgeschichte nimmt weniger Raum ein als gedacht. Das ist ebenfalls wieder durchaus realistisch und lässt dem Charakter Jana Zeit, auch Beziehungen zu anderen Menschen zu pflegen und aufzubauen. Das macht den Roman wunderbar mehrdimensional. Dankbarer Weise hat der Roman kein offenes Ende, was für mich den ganzen Roman hindurch durchaus auch denkbar war.

Durch Janas Augen den Wert von Familie und Selbstbestimmtheit neu entdecken ist eine kraftvolle Lektion voller Lebensweisheiten. Dafür allein ist der Roman lesenswert. Die Liebesgeschichte ist spannend, schafft es jedoch nur so eben, nicht in jugendlichen Mainstream abzurutschen. Die Sprache von Carina Bartsch ist klar und voller Emotionen, nie kitschig und durchweg angenehm. Ein, zwei Situationen scheinen unmotiviert in die Geschichte eingebaut und leider ist dem Lektorat ein mäßig großer Fehler durchgegangen und eine Szene wird auf zwei unterschiedliche Weisen erzählt. Das hat zum Glück auf den Rest der Geschichte keine Auswirkungen, lässt den Leser aber aufgrund der sonstigen Perfektion und Klarheit des Buches kopfschüttelnd zurück. Schade.

Eine coming of age Geschichte in einem besonderen Mileu und vor Sylter Kulisse. Warum nicht?!
3,5 Sterne aufgerundet auf 4.

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Tags: coming of age, erwachsen werden, jugendliche liebe, liebesroman, schwere kindheit, sylt, trauma   (7)
 

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27 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

frauen, kinderbuch, feminismus, women, mädchen

Good Night Stories for Rebel Girls

Elena Favilli , Francesca Cavallo
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Particular Books, 02.03.2017
ISBN 9780141986005
Genre: Romane

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Der Gödelsche Beweis

Ernest Nagel , James R. Newman
Flexibler Einband: 110 Seiten
Erschienen bei Oldenbourg, R, 24.02.2010
ISBN 9783486597264
Genre: Sachbücher

Rezension:  
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thor, nordische mythen, mythen, sagen, odin

Nordische Mythen und Sagen

Neil Gaiman , André Mumot
Fester Einband: 340 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 16.02.2017
ISBN 9783847906360
Genre: Fantasy

Rezension:  
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kinderbuch, englisch, klassiker, coming of age, kinderbuchklassiker

Anne of Green Gables (Collins Classics)

Lucy Maud Montgomery
E-Buch Text: 368 Seiten
Erschienen bei William Collins, 12.09.2013
ISBN 9780007535286
Genre: Sonstiges

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liebe, drogen, brittainy c. cherry, wie das feuer zwischen uns, liebesroman

Wie das Feuer zwischen uns

Brittainy C. Cherry
Flexibler Einband: 350 Seiten
Erschienen bei LYX ein Imprint der Bastei Lübbe AG, 21.07.2017
ISBN 9783736303560
Genre: Liebesromane

Rezension:

Böser Junge, liebes Mädchen. Sie werden Freunde und irgendwann ein Paar. Doch er muss mit seinen Dämonen kämpfen und dabei zerstört er, was ihm so wichtig ist. Sie gibt ihn nicht auf aber er bricht den Kontakt ab. Dann sehen sie sich 5 Jahre später wieder und die Wunden der Vergangenheit brechen auf.

Was mich an Brittainy C. Cherrys erstem Teil der Romance Elements Reihe ("Wie die Luft zum Atmen") so gefallen hatte, fehlt im zweiten leider größtenteils: die 'freche' Sprache wurde komplett weggelassen, einen 'unverschämten', lustigen Charakter gibt es in diesem Buch nicht. Die Sexszenen wurden weniger und ebenfalls braver. Und was mich besonders enttäuscht hat: der Elemente-Aspekt wurde hier bei weitem nicht so gut umgesetzt wie im ersten Teil.

Da gab es für die Luft ein Motiv, die Federn, die das ganze Buch über immer wieder auftauchten, das Atmen spielte eine entscheidende Rolle für die Protagonisten und in ihrem Formulierungen benutzte die Autorin immer wieder 'luftige' Bezüge. Letzteres tut sie auch in diesem Band, aber irgendwie erscheinen die unmotiviert und beliebig. Als könnten alle anderen Paare in allen anderen Liebesromanen mit den gleichen Worten beschrieben werden. Zu Beginn dachte ich, dass Feuerzeug würde ein immer wiederkehrendes Bild für das Element werden, aber das wurde irgendwie ausgetauscht gegen ein Gummiband (warum?!). Zum Schluss des Buches wird der Phönix, ein wunderbares und trotzdem gar nicht naheliegendes Symbol für das Feuer, eingeführt. Dieser Aspekt war der einzige Elemente-Bezug, den ich in diesem Buch überzeugend fand, leider nahm er zu wenig Raum ein. Ich hätte erwartet, dass der Protagonist vielleicht Feuerwehrmann ist, ich bin geradezu davon ausgegangen, dass es einen Showdown mit einem Brand geben würde. Das hätte dann auch wieder zu Cherrys Bewunderung für Nicholas Sparks gepasst, die im ersten Band noch deutlich erkennbar war, hier aber gar nicht rüberkam.

Die Lovestory ist durchschnittlich und birgt leider keinerlei Überraschungen. Die Nebenschauplätze, die für etwas Drama sorgen, sind nicht wirklich originell und leider (leider, leider!) nicht so bewegend beschrieben wie im ersten Teil. Da flossen bei mir Tränen, hier nicht.

Insgesamt habe ich den Eindruck, ist dieser Band eher für ein jugendliches Publikum geschrieben worden, es ist unschuldiger, braver, einfach weniger. Ich hoffe, dass Brittainy C. Cherry im nächsten Teil wieder mehr Gas gibt!

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Tags: brittainy c. cherry, drogen, feuer, jugendliebe, liebesroman, romance elements   (6)
 

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angola, revolution, afrika, portugal, angolanische revolution

Eine allgemeine Theorie des Vergessens

José Eduardo Agualusa , Michael Kegler
Fester Einband: 200 Seiten
Erschienen bei C.H.Beck, 21.07.2017
ISBN 9783406713408
Genre: Romane

Rezension:

Nach Nietzsche bringt uns die Vergangenheit Leid und Verdruss, denn sie wird im Rückblick immer unvollendet bleiben. Nur wer ‚im Augenblick’ lebt, kann wirklich Erfüllung erfahren. Daher ist Vergessen für Nietzsche etwas Positives. Er sah es als notwendig an, um Motivationen wie Mut und Tatkraft zu erhalten.

Ob José Eduardo Agualusa diese Theorie im Hinterkopf hatte, als er sein Buch über die angolanische Revolution schrieb, wird nirgends erwähnt, aber sein preisgekrönter Roman ‚Eine allgemeine Theorie des Vergessens’ ist in Prosa gefasste Bestätigung Nietzsches Ansichten.

Die ängstliche und traumatisierte Ludovica mauert sich am Vorabend der angolanischen Revolution in ihrer Wohnung ein, um sich vor dem Zugriff wiederkehrender Einbrecher zu schützen. 28 Jahre lang bleibt sie ohne Kontakt zu anderen Menschen und bekommt von den politischen und gesellschaftlichen Veränderungen in ihrem Land nur das mit, was sie von ihrem Balkon oder der Dachterrasse aus beobachten kann. Doch obwohl sie keine sozialen Kontakte pflegt, hat ihr Leben Einfluss auf andere. Wenn Hühner verschwinden und Diamanten auftauchen, reagieren die Menschen, es werden Energien frei und neue Geschichten beginnen.  Deshalb geht es in dem Buch nicht nur um Ludovica, der Leser erfährt auch von anderen Charakteren, die in Angolas Konflikte tatkräftig verwickelt sind.

Die Charaktere sind nicht alle Sympathieträger, es gibt auch ‚böse’ Personen, aber auch diese durchleben ihre eigene Geschichte und am Ende gibt es vielleicht Vergebung. Und damit einhergehend: Vergessen. Denn ohne Vergessen keine Vergebung, keine Veränderung. Symbolisch geht es auch bei der Loslösung von Portugal um das Vergessen, denn jede Trennung birgt einen Abschied. Auch Ludovica muss während ihrer Isolation einige Abschiede durchleben und der Leser darf dank in wunderbarer Prosa verfassten Tagebucheinträgen einen kleinen Einblick in ihre Gedankenwelt erhaschen. Zitate wie

„Jedes Mal, wenn sie ein Buch verbrannte, [...] hatte sie das Gefühl, ein Stück Freiheit mehr zu verlieren. Als legte sie Feuer an eine Welt.“

und

„Das Paradies ist unser Platz im Herzen der anderen.“

sind wie gemacht zum Einrahmen. DIE möchte man eigentlich nicht vergessen.

Es ist wohl ein wiederkehrendes Thema in Agualusas Arbeiten, dass Angola in besonderem Maße dazu neigt, seine eigene Geschichte zu revidieren. Auch das geht nur – richtig – dank des Vergessens.

Es überrascht nicht, dass der auf Portugiesisch schreibende Autor mit ebenfalls preisgekrönten Übersetzern zusammenarbeitet. Daniel Hahn für die englische Ausgabe, Michael Kegler für den deutschsprachigen Text. 2017 gewann ‚A General Theory of Oblivion’ den mit 100.000 € dotierten International Dublin Literary Award, einen der höchstdotierten Buchpreise der Welt. Vollkommen zu recht, denn auch ganz ohne Beachtung der politischen und symbolischen Dimension ist dieses Büchlein voller Weisheiten und berührt.

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Tags: angola, angolanische revolution, literatursalon, magischer realismus   (4)
 

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hipster, berlin, mode, lifestyle, twitter

111 Gründe, Hipster zu hassen

Ralph Stieber
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Schwarzkopf & Schwarzkopf, 15.07.2017
ISBN 9783862656462
Genre: Sachbücher

Rezension:

Hipster. Ein Wort, ein Menschenschlag. Ein Modetrend? Eine Einstellung? Man weiß es nicht so genau. Jeder kann sich unter einem Hipster etwas vorstellen, aber genau abgrenzen kann man ihn auch nicht. Oder mit anderen Worten 'Sind wir nicht alle ein bisschen hipster?'.

Medienaffin, trendbewusst, lässig, selbstverliebt, naiv. Das sind die Hauptattribute, die ich der Hauptfigur des Buches, dem Hipster Jonas, zuschreiben möchte. Er lässt sich gnädigerweise dazu herab, obwohl ein Hipster ja angeblich nie zugibt, einer zu sein, mit uns seine Gedanken zu teilen. Jonas hat viele Pläne, verwirklicht aber kaum welche davon. Er hat tiefschürfende Gedanken, macht aber nichts daraus. Das wichtigste ist für ihn die Suche nach dem nächsten literarisch anmutenden Gedankenschnipsel, den er twittern könnte.

Die Kapitelüberschriften sind die titelgebenden Gründe einen Hipster zu hassen, scheinen aber nicht von Jonas, sondern von einem außenstehenden Beobachter vergeben worden zu sein. Das gibt der Sache zusätzlichen Witz, aber an sich ist der Text bzw. Jonas auch Anlass zum Amüsieren genug. Hier scheiden sich naturgemäß die Geister: Ist es Fremdschämen oder Selbsterkenntnis, was einen schmunzeln lässt? Kann man sich mit Jonas identifizieren oder findet man ihn unmöglich? Hat man Verständnis für seine Leidenschaften, oder möchte man permanent mit den Augen rollen ob seiner Fixierungen? Für die Sympathisanten ist Jonas wohl Identifikationsfigur und die 111 Gründe, Hipster zu hassen werden für die nächsten Twitter-Nachrichten gespeichert, denn wir lernen: Gerade Hipster hassen Hipster! Für die anderen, die sich nicht mit Jonas identifizieren können, ist das Buch eine durchgehende Bestätigung all' ihrer Vorurteile und sie dürfen sich versichert fühlen: Hipster sind nervig.

Der Versuch einer Charakterisierung des Hipsters ist kurzweilig, doch unbefriedigend. Das liegt aber offensichtlich am Hipster an sich, denn der windet sich wie ein Aal, wenn es daraum geht, sich festzulegen und zu entscheiden.
Ob man nun selbst ein Hipster ist, wird einem nicht die Check-Liste am Ende des Buches sagen, sondern die Reaktion beim Zuklappen des Buches. Bedauern, dass es schon zuende ist oder Erleichterung, dass man endlich wieder was anderes lesen kann?


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Tags: berlin, hipster, lifestyle, mode, twitter   (5)
 

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paris, james joyce, tanz, samuel beckett, tänzerin

Die Tänzerin von Paris

Annabel Abbs , Ulrike Seeberger
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 14.07.2017
ISBN 9783746633169
Genre: Romane

Rezension:

Lucia Joyce, Tochter von James Joyce, wuchs unter besonderen Umständen auf. Ihre prägenden Jahre der Jugend verbrachte sie im Paris der 20er Jahre, wo Kunst und Kultur Grenzen austesteten und das Leben frei und wild war. Und eigentlich war sie mit ihrem Vater in dieser Szene mittendrin. Eigentlich, denn in der Tat ließen Lucias Eltern ihre Tochter nicht weit von sich, sie musste früh zu Hause sein und hatte neben der Tanzausbildung, die sie wahrnahm, kaum Sozialkontakte. Tanzen war ihr Leben, ihr Leidenschaft. Sie nahm an Wettbewerben teil, erhielt Angebote und plante ein selbstbestimmtes Leben. Doch als Muse ihres Vaters muss sie bei ihm bleiben. Da taucht mit dem jungen Schriftsteller Samuel Beckett eine neue Möglichkeit für Lucia auf - würde ihr eine Heirat endlich die ersehnte Freiheit von ihrer Familie geben?

Der Leser erfährt Lucias Geschichte in Etappen. Sie schreibt sie für Dr. Jung, den Psychoanalytiker und 'Erben' Freuds auf, bei dem sie in Behandlung ist. Ihre Erzählungen wechseln sich ab mit Therapiegesprächen. Der Leser mit etwas Vorkenntnissen in diesem Bereich weiß also eigentlich ab der ersten Seite, worauf das Buch hinauslaufen muss und rätselt durchweg nur noch 'Wer?' und 'Wann?'. Ob das jetzt schade ist, weil ein Aspekt der Spannung wegfällt, oder interessant, weil es einen zur damaligen Zeit hochaktuellen Therapieansatz vermittelt, muss jeder Leser selbst entscheiden. Für mich war es amüsant, ich fühlte mich in meine Schulzeit zurückversetzt, als ich Freuds Psychoanalyse kennengelernt habe.

Was für mich den besonderen Reiz des Buches ausmacht, ist, dass es auf wahren Tatsachen beruht. Lucia Joyce war wirklich Tänzerin, trug wirklich das im Buch beschriebene Kostüm, der Wettbewerb verlief wirklich wie im Roman dargestellt. Sie hatte wirklich 'was' mit Samuel Beckett und war später wirklich in Behandlung bei Dr. Jung. Selten habe ich bei einem Buch so viel nebenher recherchiert um zu erfahren, was wirklich von Lucias Erlebnissen verbürgt ist.
Den Aufbau der Erzählung finde ich ebenfalls sehr gelungen, weil man als Leser quasi auch die Rolle des Therapeuten einnimmt und versucht, Lucias Gefühle zu ergründen und ihre Erinnerungen freizulegen. Leider ist das Buch trotzdem nur eine Momentaufnahme und so ganz nachvollziehbar wird die Handlung nicht. Vieles bleibt nur angedeutet oder der Phantasie des Lesers überlassen. Das liegt vielleicht daran, dass die Autorin nicht mehr als für ihre Geschichte notwendig 'erfinden' wollte und erklärt zwar das Trauma der Frau, liefert aber keine eindeutigen Gründe für das Verhalten der restlichen Familie.

Schließlich muss ich leider auch das Cover kritisieren, das bis auf den Eiffelturm (als Wahrzeichen von Paris) keinerlei Bezug zum Inhalt hat. Die abgebildetet Person hat leider gar nichts mit Lucia gemein. Schade.

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Tags: 20er jahre, james joyce, kindheitstrauma, paris, psychoanalyse, sigmund freud   (6)
 

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To The Lighthouse (Vintage Classics Woolf Series)

Virginia Woolf
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Vintage Classics, 06.10.2016
ISBN 9781784870836
Genre: Sonstiges

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