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graphic novel, liebe, comic, julie maroh, blau ist eine warme farbe

Blau ist eine warme Farbe

Julie Maroh
Fester Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Splitter-Verlag, 01.02.2016
ISBN 9783868696950
Genre: Comics

Rezension:

Emma betritt mit traurigem Blick die Wohnung der Eltern ihrer Freundin Clementine. Clementines Mutter übergibt ihr wortlos einen Brief, indem sich Clementine von ihrer großen Liebe Emma verabschiedet. In diesem Brief, den Clementine auf ihrem Totenbett schrieb, während Emma an ihrer Seite schlief, erzählt sie ihrer Freundin noch einmal ihren Weg zueinander …
Alles beginnt mit Clementines 15. Geburtstag. Sie geht in die 10. Klasse und ein netter Junge hat gerade ihr Interesse geweckt. Doch beim ersten Date begegnet ihr mitten in der Stadt dieses geheimnisvolle Mädchen mit den blauen Haaren. Seit diesem Tag geht es Clementine nicht mehr aus dem Kopf. Sie entwickelt erotische Fantasien und zweifelt an sich selbst und ihrer Sexualität. Unsicher ihrer selbst vergehen die Monate, in denen Clementine ihre Beziehung zu dem Jungen niemals komplett auslebt und sich schlussendlich sogar von ihm trennt. Eines Tages geht Clementine mit ihrer besten Freundin auf eine Demo und kurz danach wird sie von dieser Freundin geküsst. Für Clementine ist dies ein Weckruf. Sie liebt Frauen, aber sie kann es nicht wirklich akzeptieren. Ihr homosexueller Freund Valentin nimmt sie bei einem nächtlichen Streifzug durch die Schwulenbars der Stadt mit, wo sie erneut auf das Mädchen mit den blauen Haaren trifft. Emma! Obwohl Emma in einer Beziehung mit einer lesbischen Malerin ist, entwickeln sich Gefühle zwischen den Beiden und es entsteht eine Affäre. Doch auf Dauer kann und will Clementine das nicht mitmachen. Nach einer schweren Trennung und Versöhnung kommen die beiden wieder zusammen. Doch ihr Glück soll nicht von Dauer sein …

Eine tragische Liebesgeschichte bildet das Grundgerüst für eine autobiografisch inspirierte Coming Out-Geschichte eines jungen Teenager-Mädchens, das sich seiner Gefühle zwar bewusst ist, sich aber für diese schämt. Aber „Blau ist eine warme Farbe“ ist keine typische Geschichte. Keine einfache Liebesgeschichte mit Happy End. Nichts, was einen nach dem Lesen mit einem Lächeln zurücklässt, mit dem Wissen das alles Gut wird. Es ist eine traurige Geschichte, die sehr deutlich zeigt, dass das Leben, jedes Leben, egal wie lange es letztendlich währt, doch zu kurz ist, um sich nicht ausgiebig mit den Menschen zu befassen, die einen tief im Herzen berühren. Dass jede Sekunde des Zweifels und der Angst, eine vergeudete Sekunde ist. Doch obwohl dem Leser von der ersten Seite an bewusst gemacht wird, dass diese Liebesgeschichte nicht glücklich enden wird, schafft es Julie Maroh sehr gut immer wieder eine Leichtigkeit mit sehr viel Frohsinn zu erzeugen. Als Leser vergisst man zwischendurch einfach, dass das Ende endgültig und keinesfalls ein Schönes ist. Stattdessen erlebt und lebt man mit den beiden Hauptfiguren Emma und Clementine. Man genießt jede Sekunde und nimmt teil an einem wunderschönen Leben, das nicht normal und durchschnittlich ist. Es ist besonders, es ist aufregend, es ist voller Liebe und gleichfalls voller Hass, und es ist wunderbar. Jeder einzelne Moment, egal wie schön, oder traurig er auch ist.

Natürlich „lebt“ eine solche Geschichte nicht alleine von der Story oder den ausgezeichneten Figuren, mit allen ihren Facetten, sondern auch durch das Artwork. Und in diesem Fall, kann man wirklich von „leben“ sprechen. Trotz des skizzenhaften Stils, der in sich in großen teilen um realismus bemüht, dann aber immer wieder anatomische Regeln über Bord wirft und gerade zu Beginn vor allem mit Schwarz/Weiß und diversen Graustufen dominiert und nur gelegentlich mit blauen Akzenten daherkommt, beginnen die Figuren plötzlich zu leben. Sie beginnen sich zu bewegen, zu sprechen, zu leiden, sich zu freuen, einfach nur zu „leben“. Die Vergangenheit von Emma und Clementine ist grau. Schwarz/Weiß und grau. Nur Blau sticht heraus, vor allem Emmas Haare, aber auch ein paar andere Kleinigkeiten, sofern sie für Clementines persönliches Empfinden von Wert sind. Das emotional geprägte Leben der Vergangenheit wirkt oberflächlich betrachtet trist; während die für Emma traurige und leblose Gegenwart in den schönsten Farben erstrahlt. Oder anders gesagt. Ab einem gewissen Punkt in Clementines Leben, dann, wenn die für sie schöne Zeit vorbei ist, halten die Farbe Einzug in die Geschichte. Sie täuschen über die eigentlich gedrückte Stimmung hinweg. Sie zeigen, dass auch wenn das Leben nach außen hin bunt und farbenfroh wirkt, es im inneren schon lange nicht mehr so sein muss. Dass das Äußere oftmals nur Schein ist und niemals das offenbaren wird, was die Menschen eigentlich bewegt.

„Ich habe meine Mutter gebeten, das mir Teuerste für dich auf meinem Schreibtisch zu hinterlegen: meine Tagebücher. Ich möchte, dass du sie aufbewahrst. All meine blau getönten Jugendträume sind darin. Tintenblau, Azurblau, Marineblau, Yves-Klein-Blau, Cyanblau, Ultramarinblau ...“
„Blau ist eine warme Farbe für mich geworden.“
Und genau so geht es auch mir, nach dem lesen dieses Buches. Blau IST eine warme Farbe geworden. Dank Julie Marohs wunderschönen Werk, hat die einst so kühle Farbe alle ihre Kälte verloren. Sie wurde mit Liebe und Wärme gefüllt. Mit Sehnsucht und Verlangen, während die gesamte weitere hier verwendete Farbpalette ihre Fröhlichkeit verloren hat. Sofern man ein Herz besitzt, welches noch empfinden kann, wird man nach der Lektüre dieses Bandes nicht mehr derselbe Mensch sein. Es setzt ein Reifeprozess ein, nicht nur gegenüber anderen Menschen und ihrer Sexualität oder Weltanschauung, sondern auch über das Leben an sich.
Ich für meinen Teil habe sehr viel aus diesem wunderbaren Hardcoverband, der gegenüber seiner Erstveröffentlichung im Jahr 2013, durch das neue größere Splitter Books-Format immens profitiert, vor allem was das Artwork betrifft, einiges gelernt. Auch über mich selbst, und so kann ich dieses, leider bisher einzige Werk von Julie Maroh, auch bedenkenlos weiterempfehlen. Allerdings mit dem Hinweis, dass es besser ist, sich die Comicvorlage zu holen und zu lesen, als den Film zu schauen. Dieser ist für sich gesehen zwar auch sehr sehenswert, verliert aber gegenüber der Vorlage sehr stark.

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Tags: blau ist eine warme farbe, clementin, emma, julie maroh, splitter   (5)
 

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fight club, chuck palahniuk, comic, cameron stewart, splitter

Fight Club 2 – Tyler Durden lebt

Chuck Palahniuk , Cameron Stewart
Fester Einband
Erschienen bei Splitter-Verlag, 01.08.2016
ISBN 9783958391727
Genre: Comics

Rezension:

Sebastians Sohn wurde entführt und der Täter scheint Tyler Durden zu sein. Doch, was ist, wenn Sebastians Sohn überhaupt nicht entführt wurde? Was ist, wenn sein Sohn aus freien Stücken ging? Sebastian ist verwirrt und auch Marla, die er inzwischen für tot hält, erlebt einen Teufelsritt. Doch dann erfährt Sebastian etwas, dass sein Leben erst recht durcheinander wirft. Etwas so Unglaubliches, dass Sebastian, Marla und ihr gemeinsamer Sohn in Lebensgefahr geraten ...


Chuck Palahniuk steigert sich im Vergleich zu Band 1 noch einmal ein ganzes Stück. Er entwickelt ein Finale, welches nicht nur überrascht, sondern auch gleich noch den Leser mit einbezieht. Palahniuk durchbricht die vierte Wand, baut sich selbst und seine Kollegen in die Geschichte mit ein und verknüpft somit seine Arbeit mit seinem Leben. Selbst seinen Fans widmet er einen nicht gerade unbedeutenden Gastauftritt. Das alleine reicht jedoch noch nicht. Nicht nur, dass die Geschichte um Sebastian, Marla, Tyler und den noch immer namenlosen Jungen in einer grandiosen und verrückten Weise entwickelt, die ich persönlich so nicht erwartet hätte, sie bringt auch noch Elemente mit, die der wildesten Verschwörungstheorie in nichts nachsteht.


Auch grafisch ist Band Zwei erneut eine unglaubliche Achterbahnfahrt. Cameron Stewart tobt sich wieder einmal so richtig schön aus und nutzt dabei auch Stilelemente, wie sie bei Klassikern wie „Watchmen“ Verwendung fanden. Außerdem finden sich erneut panelverdeckende Grafiken, wie Filmstreifen, Rosenblätter, Jodtabletten oder sogar Spermien. Und als ob dies alleine noch nicht ausreichen würde, kreiert Stewart einen Stammbaum von Sebastian, an dem außer Ahnenbildern und Spermien, auch noch die Covermotive der bisherigen US-Hefte von „Fight Club 2“ hängen. So aberwitzig und abgedreht, im positiven Sinne, wie sich die Geschichte entwickelt, so verhält es sich auch mit den Bildern in diesem grandiosen Meisterwerk.
Selbst David Mack, der ebenfalls wieder für die Kapiteltrenner, bzw. die US-Cover der jeweiligen Einzelhefte an Bord ist, zeigt, dass Talent und Kreativität eine unglaublich faszinierende Kraft sein können, wenn man diese nur in die richtigen Bahnen zu lenken weiß.


Palahniuk und Stewart sind eine wunderbare Symbiose eingegangen und haben den Fight Club, in meinen Augen, auf ein neues Level gehoben. Eine wundervolle Geschichte, vom Wahnsinn und kreativen Ideen durchwoben und ihn wunderschönen und teils dennoch verstörenden Bildern gezeichnet, die nicht einfach nur zum Lesen anregt, sondern zum Erleben. Ich war erneut positiv überrascht, wie sehr mich eine Story doch fesseln kann, sodass ich diese über 140 Seiten ohne jegliche Pause, an einem Stück durchgelesen habe. Solch ein Erlebnis hatte ich schön etwas länger nicht mehr.
Daher erhält auch Band zwei von mir eine uneingeschränkte Kauf- und Leseempfehlung, und wie auch schon beim ersten Band empfehle ich daher, sich gleich beide auf einmal zuzulegen, damit man diese Achterbahnfahrt der verrückten Gedanken nahtlos genießen kann.

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chuck palahniuk, fight club, comic, fight club 2, cameron stewart

Fight Club 2 – Tyler Durden lebt

Chuck Palahniuk , Cameron Stewart
Fester Einband
Erschienen bei Splitter-Verlag, 01.12.2015
ISBN 9783958391710
Genre: Comics

Rezension:

15 Jahre ist es her, dass Tyler Durden „starb“. Inzwischen ist „Sebastian“, wie er sich heute nennt, ein ganz normaler Vater und Ehemann. Seine Ehe mit Marla verläuft vollkommen ereignislos, was Marla inzwischen überhaupt nicht mehr gefällt. Sie will Tyler zurück und greift dafür zu radikalen Mitteln. Sie manipuliert Sebastians Tabletten und hofft, dass Tyler so endlich zurückkehrt. Doch Marla spielt mit dem Feuer, denn plötzlich wird ihr gemeinsamer Sohn entführt und es scheint, als könnte Tyler dahinter stecken …

Neben der Kurzgeschichte im Gratis Comic Tag-Heft gab es bereits eine kurze Preview aus diesem Band zu lesen. Hier geht die Geschichte nun weiter und bleibt dabei vor allem einem treu. Dem Fight Club. Die Vielschichtigkeit des Films und dessen Komplexität setzen sich auch hier mühelos fort und als Kenner des Filmes fühlt man sich sofort wohl. Alle bekannten und „lieb“gewonnenen Figuren finden sich wieder ein, um die Handlung des Filmes weiterzuführen, ohne mit dessen Ende zu brechen. Das ist natürlich nur möglich, wenn man sich als Autor mit seinen geschaffenen Figuren derart verbunden fühlt, dass sie nicht einfach nur eine Geschichte erzählen, sondern „leben“! Um dies zu erreichen, zeigt Chuck Palahniuk all sein Talent auf und schickt Marla, Tyler und „Sebastian“ in ein neues albtraumhaftes Verwirrspiel mit der menschlichen Psyche. Dabei scheut er erneut nicht davor zurück, Gewalt als ein stark überzeichnetes Stilmittel einzusetzen und nutzt hierbei die neuen Möglichkeiten, die ihm das Medium Comic bietet, auch zu großen Teilen aus.

Ohne die ausdrucksstarken Zeichnungen von Cameron Stewart und das teils psychedlische Farbspiel von Dave Stewart wäre dies allerdings nur die halbe Miete. Neben der extrem überzeichneten Gewalt, nutzt Stewart ein weiteres Mittel, um die sogenannte vierte Wand, zwischen dem Medium Comic und dem Leser, anzukratzen. Immer wieder platziert er Gegenstände, wie Pillen, Tabletten oder Rosenblätter, die derart realistisch gezeichnet sind, um Gesichter und Teile der Comicpanels und Texte zu verdecken. Stellenweise so unsagbar realistisch, dass man sich schon fast dabei ertappt, die Dinge beiseite nehmen zu wollen, um zu sehen, was sich dahinter verbirgt. Denn diese machen durchaus Sinn und scheinen elementare Momente, Mimiken oder auch Textfragmente zu verdecken, um ein bestimmtes Mysterium zu erzeugen. In einigen Momenten kann man zwar durchaus erahnen, wie es „hinter“ diesen Elementen „weitergeht“ aber das sind nur Mutmaßungen und bleiben so dem Leser überlassen.

In diesem ersten Band, der auf zwei Ausgaben angelegten „Miniserie“ werden vor allem viele Fragen aufgeworfen. Fragen über die weitere Entwicklung der Ehe zwischen Marla und Sebastian. Fragen über den Verbleib des gemeinsamen Kindes. Fragen darüber, wie es jetzt mit Tyler weitergeht, der sich offenbar immer weiter, Stück für Stück an die Oberfläche zu kämpfen scheint, um seinen alten Platz in der Rangliste wieder einzunehmen. Vor allem aber die Frage, wie sehr sich Menschen durch Ereignisse verändern können, werden und vielleicht sogar müssen. Wer die Chance hat, sollte sich nach Möglichkeit den seit dem 01. August erhältlichen zweiten Band gleich dazu kaufen, da es zum Ende des ersten Bandes einen bösen Cliffhanger gibt, der es fast schon unabdingbar macht, wissen zu müssen, wie es weitergeht. Fight Club 2 ist nicht nur, aber gerade für Fans des Filmes ein absolutes Muss, dessen Anziehungskraft man sich nur schwer entziehen kann und eigentlich auch nicht sollte. Immerhin ist es eine mehr als würdige Fortsetzung!

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jessica jones, luke cage, alias, superhelden, captain america

Jessica Jones: Alias

Brian Michael Bendis , Michael Gaydos
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Panini, 25.07.2016
ISBN 9783957989550
Genre: Comics

Rezension:

Früher war Jessica eine Superheldin. Eine Heldin an der Seite der Avengers und kämpfte mit ihnen um das Bestehen der Welt und der Menschheit. Doch es kam die Zeit, in der sie dieses Leben nicht mehr führen wollte, und legte deshalb ihr buntes Kostüm ab. Jetzt ist sie eine Privatdetektivin und schlägt sich von Auftrag zu Auftrag. Meist geht es darum, um irgendwelche Fremdgeher oder Betrüger aufzudecken und manchmal führen ihre Enthüllungen auch zu sehr unschönen Szenen. Doch Jessica weiß sich zu helfen, denn auch wenn sie keine Superheldin mehr ist, hat sie noch immer ihre Kräfte. Problematisch wird es, als eines Tages eine Dame bei ihr auftaucht und sie bittet, ihre verschwundene jüngere Schwester zu finden. Was Jessica zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß, ist, dass sie mit diesem Auftrag einen Nationalhelden in Gefahr bringt. Und nicht nur ihn, sondern auch die junge Frau und ihr eigenes Leben …

Wer Brian Michael Bendis kennt und verfolgt, der weiß, dass seine Leistungen als Autor in letzter Zeit nicht gerade die Beste waren. Vor allem was seine Arbeit an Teamserien (Avengers, All-New X-Men) betrifft. Doch an Soloserien war er schon immer unschlagbar und auch diese Serie stammt noch aus einer Zeit, in der Bendis durchaus sein Handwerk verstand.
Er etabliert nicht einfach nur eine neue Figur, indem er sie in das Marvel-Universum einführt und ihr Leben ab diesem Zeitpunkt beginnt zu erzählen, nein er stattet sie mit einer Vorgeschichte aus, die bereits mit den großen Helden verknüpft ist, und offenbart diese langsam, nach und nach, dem Leser. So schafft er es nicht nur, sie im Marvel-Universum zu vertiefen, sondern legt auch gleichzeitig noch Schicht für Schicht ihrer recht komplexen Persönlichkeit frei. Zu Beginn ist sie nur eine gebrochene Heldin, die raucht und säuft, vor Gewalt nicht zurückschreckt und auch verbal auszuteilen versteht. Aber ihre Probleme gehen tiefer und selbst nach den ersten 15 Heften ihrer in diesem Band erstmals auf deutsch abgedruckten Soloserie, weiß der Leser noch immer nicht alles über Jessica. Neben der starken persönlichen Komponente ist der weitere Hauptaspekt dieser Serie die Kriminalermittlung. Spuren verfolgen, beobachten und ermitteln. Manchmal ziemlich langwierig dargestellt und auch die Gespräche mit Klienten, Verdächtigen und anderen Beteiligten ziehen sich oftmals über mehrere Seiten, in denen sich lediglich die Texte signifikant verändern. Dennoch wird es niemals langweilig. Einige der Aufträge sind sogar sehr emotional, verlaufen nicht wie man es erwartet und pausieren sogar zwischenzeitlich einmal. Es gibt sogar einen Fall, der vollkommen anders verläuft, als alle anderen in diesem Band, was sich nicht nur durch den Verlauf an sich verdeutlich, sondern auch durch dessen Präsentation.

Und somit wäre ich auch bereits bei den Zeichnungen. Auf den ersten Blick wäre Michael Gaydos unsauber wirkender Strich in meinen Augen nicht die erste Wahl gewesen. Viele dunkle Flächen, wenige Details, alles in allem recht minimalistisch und ohne die entsprechende Farbgebung von Matt Hollingsworth, der unter anderem auch für die Koloration an Matt Fractions und David Ajas Hawkeye verantwortlich ist, würde der Stil nicht wirklich wirken. Doch sehr schnell zeigt sich eben auch, dass gerade dieser Stil, alle notwendigen Elemente enthält, um die Handlung genau in den richtigen Momenten zu be- und entschleunigen und die Emotionen zu bestimmen. Gaydos Stil etabliert sich binnen kürzester Zeit zu einem festen Bestandteil der Geschichte und verschmilzt mit ihr zu einem außergewöhnlichen Gesamtwerk. Das Gaydos aber auch gänzlich anders kann, zeigt er bei der oben bereits erwähnten Geschichte. Denn statt der hier bereits angesprochenen starken Linien und großen Flächen nutzt Gaydos hierbei eine Maltechnik ähnlich Aquarell oder Gouache und zeigt somit seine Vielfältigkeit.
Ebenfalls sehr vielfältig ist David Mack, der für sämtliche Cover der einzelnen US-Hefte verantwortlich ist und die Panini mitsamt einiger unveröffentlichter Covermotive hier als Extra beigefügt haben. Als weiteres Extra sind 5 Seiten mit Skizzen von Michael Gaydos enthalten, die nicht nur einen etwas besseren Einblick geben, sondern auch sehr gut aussehen.

Nach vielen, vielen Jahren und vergeblichen Bitten der Fans, hatte Panini endlich ein Einsehen, woran Netflix mit seiner Serie Jessica Jones natürlich nicht ganz unschuldig war. Und es war eine goldrichtige Entscheidung. Mit diesem Ersten, von zwei Megabänden, kommen jetzt endlich auch die deutschen Leser in den Genuß einer der besten Serien aus der Anfangszeit des Marvel MAX Imprints, welches auch Brian Michael Bendis Erfolg mitbegründete, und dies nicht zu Unrecht. Auf über 350 Seiten sammeln sich die ersten 15 Hefte, die teilweise verschiedener nicht sein könnten und dennoch eine große Faszination ausüben. Selbst, oder vielleicht auch gerade, deshalb, weil es kein üblicher Superhelden-Mainstream-Comic ist. Ich für meinen Teil warte ungeduldig auf Band Zwei, der aktuell am 25. Oktober 2016 erscheinen soll, und kann für diesen ersten Band eine uneingeschränkte Leseempfehlung aussprechen, egal ob ihr bereits die Netflixserie gesehen habt, oder noch nicht.

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Tags: alias, brian michael bendis, captain america, daredevil, jessica jones, luke cage, matt murdock, michael gaydos, steve rogers   (9)
 

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rob guillory, jason latour, marvel, chip zdarsky, katie cook

Howard the Duck

Chip Zdarsky , Joe Quinones
Buch
Erschienen bei Panini, 22.02.2016
ISBN 9783957986740
Genre: Comics

Rezension:

Howard hat es sich gerade erst in Brooklyn, New York als Privatdetektiv niedergelassen. Schon steht der nächste große Ärger vor der Tür. Zuerst scheint alles noch ganz harmlos, als er für einen Unbekannten, der sich selbst Jonathan Richards nennt, eine Kette mit einem Amulett wiederfinden soll. Der Dieb ist auch schnell ausgemacht.
Black Cat!
Spider-Man kann Howard leider nicht helfen, aber dafür Howards neue Freundin Tara, die er kürzlich im Gefängnis kennengelernt hat. Mit ihrer Hilfe findet er das Amulett und landet kurz darauf prompt im Weltall auf dem Planeten des Collectors, wo auch Rocket Raccoon gefangen ist. Nach einem kurzen Abenteuer mit den Guardians of the Galaxy kehrt Howard auf die Erde zurück und wird dort mit einem Fall von kriminellen Rentnern konfrontiert, im Verlaufe dessen, er seinen Auftraggeber Jonathan Richards wiedertrifft, der ein mysteriöses Geheimnis in sich trägt, ähnlich wie Tara. Howard wird von einem schrägen Abenteuer und das andere geworfen und am Ende geht es erneut um die Rettung der Erde …

Genauso verrückt, wie Gerber mit seinem Erpel umgesprungen ist, macht es jetzt auch Chip Zdarsky und schickt Howard in ein aberwitziges Abenteuer mit einer ganzen Riege an Gaststars. Sei es She-Hulk, Jennifer Walters, die sich als Howards Anwältin entpuppt, Spider-Man, der als weinerlicher Pseudo-Held Howard helfen soll, Rocket Raccoon mit dem Howard Seite an Seite gegen die Schergen des Collectors kämpft, Dr. Strange oder den gesamten Fantastic Four und den Avengers. Dennoch muss ich anmerken, dass Zdarsky seine Arbeit zwar sehr gut macht, aber an Steve Gerber einfach noch nicht heran kommt. Dennoch schafft er es Howard gekonnt in Szene zu setzen, ihn sowohl einfühlsam, als auch zynisch, sarkastisch und einfach nur nervtötend darzustellen, dass man trotz all seiner Macken den verrückten Enterich einfach gerne haben muss. Hinzu kommen viele Querverweise, die mal auf bereits erschienene Abenteuer hinweisen und dann wieder komplett frei erfunden sind, aber dennoch echt wirken sollen. Auch wenn diese nur einem echten Kenner des Marvel-Universums auffallen.

Die Zeichnungen zur Hauptgeschichte stammen in diesem Band von Joe Quinones. Aber es gibt noch ein paar Kurzgeschichten, die von Rob Guillory, Jason Latour, Katie Cook bebildert wurden. Während Letztere durch sehr schräge Zeichenstile auffallen, wirken Quinones Bilder, gemessen an der doch sehr schrägen Geschichte und den Figuren, etwas „realistischer“. In gewissen Einstellungen erinnert mich sein Howard sogar an die, für meinen Geschmack, zu Unrecht verrissene Verfilmung von George Lucas. Denn auch wenn dieser Howard recht wenig mit Gerbers Ursprungsversion gemeinsam hatte, gibt es gewisse optische Ähnlichkeiten, die sich einfach nicht verleugnen lassen. Doch das ist es nicht alleine, was mich bereits beim ersten Durchblättern angesprochen hatte. Die gesamte Bildkomposition, die vielen kleinen visuellen Gags und auch der sehr hohe Wiedererkennungswert konnten mich sofort überzeugen, und das, obwohl mir Joe Quinone kein bewusster Zeichner ist. Sprich, ich kann ihm auf Anhieb keine Arbeiten zuweisen, an die ich mich erinnern würde, was eigentlich kein gutes Zeichen bei mir ist. Denn egal, wie gut oder schlecht ein Zeichner ist, wenn er außergewöhnlich genug ist, sein Stil sich von anderen abhebt, dann merke ich ihn mir. Quinones ist dies in meinem Fall erst mit dieser Serie gelungen.

Howard the Duck ist immer noch außergewöhnliche und erfrischend humorvolle Comicunterhaltung, der ganz besonderen Sorte.

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asterix, comic, obelix, cäsar, julius cäsar

Asterix 36 - Der Papyrus des Cäsar

Jean-Yves Ferri , Didier Conrad , Klaus Jöken
Fester Einband: 48 Seiten
Erschienen bei Egmont Comic Collection, 22.10.2015
ISBN 9783770438907
Genre: Comics

Rezension:

Cäsar geht unter die Schriftsteller und will sich mit seinem Werk „Kommentare zum Gallischen Krieg“ ein Denkmal setzen. Doch leider ist da dieses kleine dunkle Kapitel, mit einem Dorf, welches bis heute erbittert Widerstand leistet. Und weil sich dies in Cäsars Werk nicht wirklich gut machen würde, rät ihm sein Berater Syndicus, jenes Kapitel zu streichen. Syndicus stumme Schreiberlinge, die Numiden, sind von dieser Idee jedoch alles andere als begeistert, fügen sich aber die Anordnung. Bis auf einen, der sich mit besagtem Kapitel aus dem Staub macht und dieses an den gallischen Kolporteur Polemix übergibt. Der macht sich sofort auf den Weg in jenes unbeugsame gallische Dorf, in dem unter anderem die beiden gallischen Helden Asterix und Obelix leben, um es für die Nachwelt zu erhalten. Doch Syndicus kann dies nicht zulassen und versucht mit allen Mitteln zu verhindern, dass Cäsar durch dieses dunkle Kapitel ein Schaden zugefügt wird …

Autor Jean-Yves Ferri nimmt sich mit der Wikileaks-Affäre einem recht aktuellen Thema an. Die Wahrheit und wie damit in unserer Zeit damit umgegangen wird, ist dabei das Kernthema des neuen Asterix-Abenteuers. Ferri versteht es jedoch blendend, nicht einfach nur mit dem erhobenen Zeigefinger deutlich zu machen, was seine Meinung dazu ist, sondern verstrickt dies gekonnt in ein humorvolles Abenteuer, welches an die Glanzzeiten von René Goscinny und Albert Uderzo erinnert. Er vermischt historische Fakten, ein paar zumindest, mit witzigen Situationen und pointenreichen Dialogen und erzeugt dadurch die aus früheren Werken bekannte Stimmung, welche ich (wer meine Asterix Review Specials aufmerksam verfolgt weiß das) in den letzten Uderzo-Bänden so sehr vermisse. Trotz ernster Thematik schwingt eine gewisse Leichtigkeit mit sich, welche das Thema dennoch nicht verwässert, oder ins Lächerliche zieht. Am besten gefällt mir persönlich jedoch der Epilog, über den ich hier aber kein Wort verlieren werde. Damit hat Ferri in meinen Augen einen ganz besonderen Bogen zu Goscinny und Uderzo geschlagen und irgendwie hat es sogar den Anschein, dass dies der eigentliche Grund für die Wahl der Thematik war. Denn immer wieder gibt es Momente, Szenen oder Textpassagen, die genau hierauf zuarbeiten.

Mit dem zweiten Band aus der Feder von Autor Jean-Yves Ferri und Zeichner Didier Conrad macht sich auch ein leichter Stilwechsel bemerkbar, der in „Asterix bei den Pikten“, zumindest in meinen Augen, noch nicht so spürbar war. Während Ferri seine Arbeit grandios macht, gibt es Bilder von Didier Conrad, welche mir nicht ganz so gut gefallen. Besonders bei der Darstellung von Asterix und Miraculix gab und gibt es immer wieder Kleinigkeiten, die mir einfach nicht so recht gefallen wollen. Sei es das Aussehen generell, oder die Haltung der Figuren, welche ungewollt komisch oder gar „verschoben“ wirkt. Immer wieder fällt mir auf, dass manche Figuren in gewissen Situationen, keinen Hals zu besitzen scheinen. Hier wirkt es, als hätte Conrad die Köpfe einfach so auf die Schultern „gepflanzt“, was aber nicht einmal unfreiwillig komisch wirkt, sondern einfach nur falsch. Auch die Mimik wirft so manches Mal Fragen zur Anatomie auf, die ich mir nicht einmal mit künstlerischer Freiheit erklären kann. Sieht man aber von diesen kleinen Kritikpunkten ab, so gibt es erneut tolle Landschaften, detailreiche Szenarien und mit Slapsticks ausgeschmückte Panels zu sehen. Immer wieder gab es Panels, ja sogar ganze Seiten, bei denen ich inne halten musste, und sie einfach nur bewundert habe. Ich muss aber dennoch gestehen, dass Didier Conrads Stil in diesem Band deutlicher zum Tragen kommt, als es noch im letzten der Fall war. Aber ich denke, dass es auch nur eine Frage der Zeit ist, bis man sich an diese kleinen Dinge, welche er ein wenig anders macht als Uderzo, gewöhnt hat.

Die Meinungen zum neuesten Asterix sind erneut sehr positiv ausgefallen und auch meine Erwartungen wurden fast vollends erfüllt. Ich wollte ein weiteres frisches Abenteuer, mit dem Witz und Charme der alten Bände haben, aber dennoch eine aktuelle Thematik, die nicht plump präsentiert wird. Ferri und Conrad haben es geschafft dem gallischen Duo neues Leben einzuhauchen und sich seit dem letzten Band sogar noch ein wenig gesteigert. Wirkte „Asterix bei den Pikten“ noch ein wenig unsicher und zaghaft, so steht „Der Papyrus des Cäsar“ voll im Comicleben. Und mit immerhin 1,5 Millionen Exemplaren Startauflage, scheint sich auch die Nachfrage in Deutschland wieder zu erhöhen. Diese war immerhin, leider auch wegen der letzten Uderzo-Bände stark eingebrochen. Aber Jean-Yves Ferri und Didier Conrad haben das Vertrauen der Fans zurückerobert und sind dabei neue Fans zu rekrutieren. Sollte der nächste Band (vielleicht ebenfalls in weiteren zwei Jahren) noch einmal eine Steigerung aufweisen, sehe ich für den kleinen Gallier eine sehr rosige Zukunft voraus.

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Tags: albert uderzo, asterix, cäsar, didier conrad, jean-yves ferri, obelix, papyrus, rene goscinn   (8)
 

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michael lark, gotham central, gcpd, greg rucka, batman

Gotham Central

Ed Brubaker , Greg Rucka
Buch
Erschienen bei Panini, 21.09.2015
ISBN 9783957984838
Genre: Comics

Rezension:

Manchmal brauchen Comicserien, wie so vieles im Leben, eine zweite Chance. Im Falle von „Gotham Central“ findet diese nach mehr als 11 Jahren statt. Denn bereits im Februar 2004 startete Panini diese hochgelobte Serie in Deutschland. Leider gab es nicht mehr als einen einzigen Band, der nun mit dieser Ausgabe neu aufgelegt wird. Aber lohnt sich die Serie, welche durchaus als Vorlage zur TV-Serie „Gotham“ gesehen werden kann denn wirklich?

Eigentlich wollten die beiden Detectives Driver und Fields nur einem Hinweis in einem Entführungsfall nachgehen. Doch stattdessen erwartet sie Mr. Freeze, der erst Driver außer Gefecht setzt und dann Fields vor den Augen seines Kollegen tötet. Das Gotham City Police Departement (GCPD) will, wie es in solchen Fällen bei der Beteiligung von Superschurken der Fall ist, lieber Batman einschalten, um Mr. Freeze dingfest zu machen. Doch der in seiner Ehre gekränkte Detective Driver will das nicht zulassen und motiviert seine gesamten Kollegen stattdessen ohne die Hilfe des dunklen Ritters weiterzumachen. Doch es gibt auch noch immer den Fall um das entführte Mädchen, der Driver einfach nicht loslässt und einen gefährlichen Brandstifter, der sich Firebug nennt. Könnte es sein, dass alle drei Fälle irgendwie miteinander zusammenhängen?

„Gotham Central“ ist anders als die sonstigen Batman-Comicserien. Gotham Central ist sogar vollkommen anders als die TV-Serie „Gotham“, für die sie zwar als Vorbild dient, aber dennoch eine reine Krimiserie ist. Wer daher eine Comicadaption von „Gotham“ erwartet, der wird schlichtweg enttäuscht sein. Stattdessen erschließt sich dem Leser eine gut durchdachte und feinfühlige Crimeserie in denen nicht der dunkle Ritter im Vordergrund steht, sondern die Polizei von Gotham. Mit allen Details und Macken. Detaillierte Polizeiarbeit steht vor rasanter Action und persönliche Dramen vor wahnsinnigen Welteroberungsplänen. Ed Brubaker (Captain America, The Authority) und Greg Rucka (Batman, Punisher) liefern hierbei eine atmosphärisch unglaublich dichte Serie ab, der man Batmans „Fehlen“ nicht wirklich anmerkt. Zum einen liegt es daran, dass er dennoch kurze Auftritte erhält, die aber allesamt eher beiläufig sind, aber nicht unwichtig und zum anderen schaffen es die Cops des GCPD, mit ihren gut ausgearbeiteten Charakteren, den Band schon alleine sehr gut auszufüllen.

Für die passende visuelle Umsetzung sorgt Michael Lark (Sandman Mystery Theatre, The Pulse) und schafft es mit seinem düsteren und ein wenig an die Pulp und Noir Comics der 1930er bis 1950er Jahre. Starke Kontraste und dicke Linien dominieren das Gesamtbild, welches mit kühlen und eher gedeckten Farben angereichert wird. Ähnlich wie die Handlung an sich verzichtet auch das wirklich grandiose und sehr passende Artwork auf Effekthascherei und liefert stattdessen klar strukturierte Bilder, die dennoch voller Details stecken. Gerade diese realistische Darstellung ohne jegliche Übertreibungen geben der Serie in meinen Augen eine besondere Note. Lark schafft es sehr gut nicht nur die Geschehnisse stimmungsvoll einzufangen, sondern zeigt auch durch Kleinigkeiten die Emotionen der beteiligten Figuren. Egal ob durch Gestik oder Mimik, hier wird offensichtlich, was die betroffenen Personen in genau diesem Moment fühlen und sogar denken. Das hat bei mir schon lange kein Comic mehr geschafft.

Wer „Gotham Central“ vorrangig wegen der Nähe und Ähnlichkeit zur TV-Serie „Gotham“ kauft, könnte im ersten Moment durchaus enttäuscht sein. Denn hier ist Batman kein Kind mehr und auch sonst treten mögliche Schurken anders auf, als man es durch die TV-Serie gewohnt sein könnte. Gotham ist hier schon das kriminelle Drecksloch, das man aus den Batman-Comicserien kennt und nicht erst in der Entwicklung, wie es in der bekannten TV-Serie der Fall ist. Trotzdem erwartet den Leser eine faszinierende Krimiserie, auf die man sich nur einlassen muss, was nicht sehr schwer fällt, da Batmans Wurzeln sowieso im Detektiv-Genre angesiedelt sind. Daher gibt es diesmal von mir eine klare Kaufempfehlung und auch ich werde mir mit Sicherheit die nächsten Bände ansehen. Wenn Panini es diesmal schaffen sollte, entsprechenden Erfolg vorausgesetzt, alles US-Ausgaben zu veröffentlichen, dann wäre die Reihe nach 8 Bänden mit jeweils 5 Ausgaben bereits wieder abgeschlossen. Ich persönlich würde es der Serie auf jeden Fall wünschen.

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egmont, renaud collin, ich einfach unverbesserlich, minions, stuart

Minions - Der Comic 01


Flexibler Einband: 48 Seiten
Erschienen bei Egmont EHAPA, 19.06.2015
ISBN 9783841350039
Genre: Comics

Rezension:

Dass die Minions derzeit überall zu finden sind, habe ich bereits zum Review des Filmbuches erwähnt. Logischerweise bringt ein solcher Hype auch Produkte hervor, die mit den Minions lediglich die Protagonisten gemein haben. Ähnlich verhält es sich leider auch mit diesem Comicband aus der Feder von Renaud Collin und Didier Ah-Koon. In überwiegend einseitigen Comicstrips, die zumeist kurze und humorvolle Begebenheiten mit den kleinen gelben Helfershelfern abbilden, versucht man auf der Erfolgswelle, der aus den Filmen „Ich, einfach unverbesserlich 1 & 2“, sowie dem aktuellen Minions-Movie bekannten Figuren mitzuschwimmen. Wie schon bei den Comics zu Ubi Softs Raving Rabbids sind die Figuren komplett austauschbar und die Gags würden immer noch funktionieren.

Insgesamt 46 Comicstrips befinden sich in diesem dennoch wunderschönen Softcoverband im Überformat von 21,5 cm x 28,7 cm. Diese sind zwar nicht chronologisch angeordnet, aber das ist aufgrund der Tatsache, dass sie nur bedingt aufeinander aufbauen, auch nicht notwendig. Und ja, sie sind auch durchaus unterhaltsam, wenn die Minions ihren so alltäglichen Tagesablauf präsentieren und dennoch bleibt am Ende eine gewisse Unzufriedenheit zurück.
Zwar geben sich Didier Ah-Koon, der für die Ideen und Skripte der Geschichten verantwortlich ist und Renaud Collin, der als Illustrator diese Ideen visuell umsetzt, große Mühe den Filmvorbildern gerecht zu werden, und optisch gelingt dies auch zum größten Teil. Doch inhaltlich sind die Storys, die überwiegend ohne Text auskommen und daher zumindest in diesem Punkt auch für jüngere Leser geeignet sind, zu belanglos. Ganz abgesehen davon, dass einige der Gags für Kids eher ungeeignet sind, weil ihnen hierfür noch das Verständnis fehlt. Auch meine Kinder, mit ihren 5 und 9 Jahren, haben des gelegentlich fragen müssen, was denn so witzig wäre.

Als großer (oder auch kleiner) Minions-Fan kann man mit dem Band nicht sehr viel falsch machen. Jedoch sollte man seine Erwartungen nicht allzu hoch ansetzen. Was hier geboten wird, ist kurzweilige Unterhaltung, die vor allem auf die Liebhaber der Filme abzielt. Wenn man daher den Preis von 6,50 Euro mit dem Inhalt und der durchaus guten Verarbeitung, mitsamt lackiertem Front- und Backcover, sowie dem sowie dem stabilen Papier im Innenteil, vergleicht, ist das Preis-Leistungs-Verhältnis durchaus angemessen. Für ein paar gemeinsame Minuten mit ein bisschen Humor und den geliebten kleinen gelben Filmhelden ist der Band durchaus geeignet.

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minions, abenteuer, gru, minion, oliver rohrbeck

Minions - Das Buch zum Film

Antje Görnig ,
Fester Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Egmont Schneiderbuch, 05.06.2015
ISBN 9783505137594
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Schon mit diesem Spruch der kleinen gelben Alleskönner wird man bereits auf dem Frontcover begrüßt und er drückt so ziemlich die gesamte schräge Atmosphäre der Minions aus.
Doch wenn man ganz ehrlich ist, ais auch dieses Filmbuch nur eines von vielen. Es enthält nämlich lediglich die Nacherzählung der Filmhandlung auf Basis des Drehbuchs von Brian Lynch in der Adaption von Sadie Chesterfield. Und um das Namenschaos komplett zu machen, wurde die deutsche Fassung von Antje Görnig übersetzt, was aber, wenn man ehrlich ist, nichts zu sagen hat. Sprich es gibt weder etwas Schlechtes noch etwas besonders Gutes darüber zu berichten.

Über die Handlung selbst werde ich bewusst keine Worte verlieren, was zum einen daran liegt, dass diese bereits in der Werbung und den berichtenden Medien ausführlich breit getreten wurde, und zum anderen will ich weder den Kinogängern noch den Lesern dieser Junior Novel die Freude daran nehmen. Die Erzählung ist gelungen und in ihrer Struktur eher an jugendliche und Teenager gerichtet. Dies merkt man am gesamten Aufbau und auch der Wortwahl. Aber nicht nur daran. Denn alle paar Seiten grinst einem ein Minion oder ein anderer Darsteller des Filmes in Schwarz/Weiß entgegen. Leider wiederholen sich diese innerhalb des Buches, was sich auch nicht dadurch schönreden lässt, dass der Mittelteil, wie bei vielen Filmbüchern üblich, einen Farbfototeil enthält, innerhalb dessen mehrere Bilder handlungschronologisch abgedruckt sind. Diese 8 Seiten enthalten auch keine Seitenzahlen und werden auch nicht mit zum eigentlichen Buchumfang von 160 Seiten, mit Front und Backcover gezählt, sondern sind eher als ein Zusatz zu sehen.

Für Fans und Kids ist der Band die ideale Einstimmung auf den Film und auch sehr passend in der Aufmachung. Ein robustes Hardcover mit Glanzpapier lassen die Minions geradezu strahlen. Doch es gibt auch ein paar kleine Kritikpunkte. Der Eine ist die Klebebindung, die auf mich nicht sehr stabil wirkt. Natürlich kann man dies erst nach einigen Malen Lesen beurteilen, aber augenscheinlich wirkt es so, als würde es nicht lange dauern, bis die ersten Seiten lose sind, erst recht wenn man den eher unbekümmerten Umgang durch die Kids bedenkt. Zum Anderen ist da das Rückenmotiv, welches auf Basis der Minions mit ihrem Trampschild entstand. Hier steht auf dem Schild jedoch nicht Orlando, sondern der Hinweis „Mit vielen Bildern aus dem Film!“ und wurde eher schlecht mit Photoshop (oder einer vergleichbaren Software) bearbeitet. Denn zwischen dem Schild und Kevins linker Hand klafft ein mehrere Millimeter großer Spalt. Hier wurde ganz klar in der Bearbeitung und Nachkontrolle gepfuscht. Allerdings ist dies ein sehr geringer Makel gemessen an der sonstigen sehr hochwertigen Verarbeitung des Buches und für 8,99 Euro in der gedruckten Version (7,99 Euro für die Kindle-Edition und 6,49 Euro als Hörbuchdownload) ist es durchaus angemessen. Meinen Kindern hat es auf jeden Fall sehr gut gefallen und sie konnten nicht aufhören darin zu lesen (zumindest meine Tochter) oder sich von mir daraus vorlesen zu lassen.

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edgar allen poe, edgar allan poe, splitter, richard corbe

Geister der Toten

Edgar Allan Poe , Richard Corben
Fester Einband: 216 Seiten
Erschienen bei Splitter-Verlag, 01.05.2015
ISBN 9783958391451
Genre: Comics

Rezension:

Mit „Edgar Allan Poes Geister der Toten“ legt der Splitter Verlag eine Sammlung an Adaptionen vor, die Richard Corben in den Jahren 2012 bis 2014 veröffentlichte. Darunter sind Umsetzungen von Klassikern wie „Der Rabe“, „Der Untergang des Hauses Usher“, „Der Doppelmord in der Rue Morgue“ oder auch „Das Fass Amontillado“, sowie das Gedicht „Geister der Toten“, welches der Sammlung auch den Namen gibt, aber nicht von Corben bebildert wurde. Zu den einzelnen Geschichten möchte ich nichts verraten. Wer Poes Arbeiten kennt, der wird ohnehin um deren Qualität wissen. Doch warum sollten sie dann diesen Band kaufen? Warum sich eine weitere Version dessen zulegen, was man bereits kennt? Und wie ist es mit all jenen, die mit Poe bisher kaum Berührungspunkte hatten, oder es aufgrund der unzähligen Adaptionen nicht wissen, dass es sich hierbei um Edgar Allan Poe handelt?

Zum einen ist Edgar Allan Poe es immer wert angeschafft zu werden. Außerdem ist jede Adaption, egal ob Film, Comic, Hörspiel und was es inzwischen nicht alles gibt, ein für sich eigenständiges Werk, welches zwar die gleiche Basis hat, aber im Ergebnis immer wieder anders ausfällt. Genauso unterschiedlich sind auch die 14 enthaltenen Kurzgeschichten. Zwar immer etwas düster, morbide und manchmal auch rätselhaft, aber trotzdem ganz typisch Poe.
Trotz allem gilt, dass Poe keine leichte Kost ist. Er prüft den Leser und fordert in insgeheim auf seine eigene Sichtweise über das erzählte zu überdenken. Poe erzählt nicht einfach und auch unterhalten ist nicht sein Ding. Er provoziert, verarbeitet und rechnet ab. Mit sich, mit seiner Umwelt, mit Freunden ebenso wie mit Feinden. Viele seiner Werke sind von persönlichen Ereignissen geprägt. Manche davon sind sogar Auslegungen seiner Art und Weise der Bewältigung damit. Manche sind aber auch rein intuitiv entstanden, wie er selbst zugab. Oft ein wenig überspitzt und dramatisiert, und immer wieder spielt Poe auch mit den eigenen Ängsten des Lesers.

Mit Richard Corben hat sich auch kein unbedarfter Künstler Edgar Allan Poes Werken angenommen. Immerhin hat Corben bereits einige von Poes Erzählungen adaptiert. Diese erschienen bereits in dem 2014 bei Splitter erschienenen 350 Seiten starken Kompendium „Creepy präsentiert: Richard Corben“. Nun jedoch will Richard Corben die hier enthaltenen 14 Geschichten nicht einfach nur adaptieren, sondern ihnen auch gleichzeitig seinen eigenen unverwechselbaren Stempel aufdrücken. Corbens Stil passt sehr gut zu Edgar Allan Poe. Seine Zeichnungen erinnern an die Horrorheftchen der 50er bis 70er Jahre. Gemeinsam mit seiner Frau Beth Corben Reed, welche für die Farbgebung verantwortlich ist, schafft er es Poes Erzählungen nicht einfach nur wiederzugeben, sondern ihnen auch eine dazu passende melancholisch düstere Ebene hinzuzufügen, was Poes Werke noch ein Stück weit furchteinflößender macht. Einzig mit seinen Gesichtern habe ich gelegentlich Probleme. Denn Corben ist nicht nur ein Freund von großen Brüsten und leicht molligen Damen, sondern auch von sehr dominanten Nasen, welche die Gesichter seiner Figuren schmücken. So kommt es gelegentlich zu unfreiwillig komischen Momenten, wohingegen andere „deformierte“ Körperteile eher einen gewollten Gänsehautfaktor besitzen. Grundsätzlich hat Corben auch keinerlei Skrupel vor expliziten Darstellungen. Sei es nackte Haut (besonders bei den Damen), wie auch Gewalt oder die Überreste von bereits Verstorbenen. Dem Gegenüber, stehen dann wiederum wundervolle Landschaftsbilder, die aus einem Bildband stammen könnten und eher träumerisch als bedrohlich wirken.

Poe und Corben in einem Band. Was kann es Besseres geben? Nicht viel ehrlich gesagt und trotzdem sollte man bei der Lektüre des Bandes vorsichtig sein. Denn Poe wirkt nach und mit den Bildern von Corben erst recht. Daher ist meine Empfehlung auch, den Band in feinen Dosen zu konsumieren. Die Geschichten können dadurch ihre Wirkung besser entfalten. Außerdem sollt eman sich die Zeit nehmen und sich mit den einzelnen Erzählungen etwas ausführlicher auseinandersetzen. Denn es gibt weitaus mehr in den Umsetzungen zu entdecken, als es oberflächlich gesehen den Anschein hat.
Leider fällt der Preis mit knappen 30 Euro nicht gerade gering aus. Zwar bekommt man ein sehr gut verarbeitetes Hardcover mit solider Bindung und stabilen Seiten in matter Optik, aber der Bonusteil fällt mit einer Covergalerie die gerade einmal aus fünf Bildern besteht eher dünn aus. Nicht einmal an Kurzbiografien von Edgar Allan Poe oder Richard Corben wurde gedacht. Zwar gibt es eine kurze Auflistung mit Werken von und über Richard Corben, aber auch dies kann man nicht wirklich als Bonus bezeichnen. Da wäre in meinen Augen mehr möglich und für „Neuleser“ auch notwendig gewesen.

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silver surfer, michael allred, dan slott, marvel

Silver Surfer

Dan Slott , Mike Allred
Flexibler Einband: 132 Seiten
Erschienen bei Panini, 16.02.2015
ISBN 9783957983411
Genre: Comics

Rezension:

Es gibt diesen schönen Spruch, dass man sich immer zweimal im Leben trifft. Wer jetzt glaubt dies wäre nur eine hohle Phrase, der wird im neuen Silver Surfer-Band eines Besseren belehrt. Denn Dan Slott kreiert eine wunderschöne Geschichte von Abenteuer und Vertrauen, Mut und Freundschaft sowie vor allem ganz viel Fantasie.

Er schickt den Silver Surfer mithilfe der Popart-ähnlichen Bilder von Michael „Doc“ Allred nicht mehr nur einfach quer durchs Weltall und lässt ihn wahllos irgendwelche Abenteuer erleben oder wie viele andere Autoren vor ihm mit seiner Situation hadern, sondern er stellt Norrin Radd kurzerhand eine Gefährtin zur Seite. Diese junge Dame, die auf den Namen Dawn Greenwood hört, hat als kleines Kind einer Sternschnuppe ihren Wunsch geschenkt, ohne zu wissen, dass es sich hierbei um den Silver Surfer handelt. Ihr Wunsch, dass dieser „Stern“ immer weiter fliegen möge, damit jeder einen Wunsch frei hätte, führt die Beiden viele Jahre später erneut zusammen. Der Silver Surfer, ehemaliger Herold von Galaktus, soll den ihm bis dato unbekannten Planeten Impericon, der auch als der unmögliche Planet bekannt ist, beschützen. Angeblich wird Impericon von einer gefährlichen Macht bedroht und deshalb hat ihn sein Gründer, der zweifelnde Zed, „hergebeten“ und versucht ihn mit der entführen Dawn Greenwood zu „motivieren“, Impericon zu retten.


Bis hierher klingt alles noch wie ein ganz normales Silver Surfer Abenteuer. Der silberne Held mit der kosmischen Kraft eilt zur Rettung und beschützt alle Unschuldigen. Doch Dan Slott wäre nicht der Autor der Veränderungen, immerhin hat er große Umwälzungen bei Spider-Man vollbracht, wenn er nicht auch hier seine Fähigkeiten spielen lassen würde. Schon alleine dadurch, dass er neben dem Surfer eine weitere Hauptfigur einführt, geht er eher unkonventionelle Wege, wenn man bedenkt, dass der Surfer, abgesehen von seiner Zeit als Defender an der Seite von Doctor Strange und dem Hulk, welche auch beide einen kurzen Gastauftritt in diesem Band haben, eher ein Einzelgänger ist. Dawn Greenwood ist aber dennoch weit davon entfernt, nur ein einfacher Sidekick zu sein. Vielmehr unterstützt sie den Surfer mit ihrem Handeln und Denken. Denn auch wenn Dawn optisch im ersten Moment nicht so wirkt, ist sie dennoch eine starke und zielorientierte Frau, auch wenn ihr selbst das erst nach und nach klar wird.


Nicht nur Dawn täuscht optisch im ersten Moment über ihre wahren Qualitäten hinweg. Genau genommen gilt dies sogar für den ganzen Band. Ich bin ehrlich, wenn ich sage, dass ich Michael, Mike „Doc“ Allred bisher nicht immer überzeugend fand. Sein Popart-Stil mit den markanten Outlines ist Geschmackssache und deshalb gibt es von ihm auf dem deutschen Markt bis jetzt noch nicht wirklich viel zu sehen. Seine eigene Serie Madman (und auch deren Nachfolgeserien) haben den deutschen Comicmarkt gekonnt umschifft und auch sonst beschränken sich deutsche Veröffentlichungen bis zu diesem Band, eher auf kurze Gastarbeiten. Am ehesten bekannt dürfte hierbei noch die Ausgabe drei von Paninis ultimativen Marvel Team Ups sein, wo Allred ein Team Up zwischen Spider-Man und Iron Man, aus der Feder von Brian Michael Bendis inszenierte oder ebenfalls aus Nummer drei von Paninis letzter Daredevil-Paperbackserie, in der er die erste enthaltene Ausgabe umsetzen durfte.
Allreds Stil ist auf jeden Fall außergewöhnlich, fast schon einzigartig und sticht grundsätzlich aus der breiten Masse an Artworks heraus. Das kann sowohl positiv, als auch negativ betrachtet werden. Denn gerade Einzigartigkeit spaltet die Menschen schon immer. Im Falle der neuen Silver Surfer-Serie kann man dies durchaus als Segen bezeichnen, denn zusammen mit Dan Slotts neuen und frischen Ideen wirkt Allreds Artwork wie ein Jungbrunnen für den Helden, der inzwischen auch schon fast 50 Jahre auf dem Buckel hat (sein erster Auftritt war in US-Fantastic Four #48 vom März 1966) und passt in meinen Augen somit ideal zum Neustart des Silberstürmers, wie der Surfer in den deutschen Marvel-Heften des Willimas-Verlags hieß.


Ich habe bisher so einiges vom Silver Surfer gelesen. Seine erste eigene Serie habe ich komplett, genauso wie das seltene französische Abenteuer von Autor J.K. Melwyn Nash und Zeichner J.Y. Mitton. Auch alles, was Panini bisher vom Surfer veröffentlicht hat, habe ich gelesen, und vieles davon ist sogar noch in meiner Sammlung. Nur die Graphic Novel „Requiem“ und den Monsterband habe ich wieder verkauft, was vor allem daran lag, dass diese mich nicht so sehr überzeugen konnten, wie die früheren Abenteuer des Surfers. Zu Beginn dieses Bandes der neuen Serie hatte ich zuerst ein ähnliches Gefühl, wie bei dem Monsterband, doch mit jeder Seite, in der die Geschichte voranschritt, schwand dieser Zweifel. Slott schafft es wunderbar den Leser in seinen Bann zu ziehen, und den sich abzeichnenden Veränderungen offen gegenüberzustehen. Auch mit dem ungewöhnlichen Stil von Mike Allred freundet man sich schnell an, passt er doch wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge.

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ddr, westberlin, mawil, wende, comics

Kinderland

Mawil
Flexibler Einband: 280 Seiten
Erschienen bei Reprodukt, 01.09.2014
ISBN 9783943143904
Genre: Comics

Rezension:

Ostberlin im Sommer 1989. Große Veränderungen kündigen sich an. Viele Ostbürger sind bereits über Ungarn und Österreich in die BRD geflüchtet und jene die zurückbleiben haben es nicht einfach. Das merkt auch der junge Mirco Watzke, Schüler der 7a. Mitschüler erscheinen nicht mehr in der Schule und fehlen unentschuldigt, keiner weiß, wo diese und ihre Familien abgeblieben sind, können es sich aber sehr wohl denken. Für Mirco beginnt ein abenteuerlicher Sommer, mit einem neuen Schüler, Torsten Maslowski, der so ganz anders als Mirco ist und trotzdem verbindet die beiden eine gemeinsame Leidenschaft. Ping Pong, oder auch Tischtennis genannt. Schnell werden aus den beiden Jungen Freunde und das, obwohl sie grundverschieden sind. Während Mirco zum Gottesdienst geht, Musikunterricht nimmt und an den Pioniernachmittagen und Schulveranstaltungen teilnimmt, ist Torsten eher der Rebel. Er klaut in der Kaufhalle Süßigkeiten, hasst Pionierveranstaltungen und Lehrer sowieso. Aber als die Idee aufkommt zum bevorstehenden Pioniergeburtstag ein Tischtennisturnier zu veranstalten sind die beiden Feuer und Flamme. Mircos Eltern sind von Torsten wiederum kein bisschen begeistert. Sie denken, dass er der falsche Umgang für ihren Sohn ist, und verbieten Mirco die Teilnahme am Ping Pong-Turnier. Mirco hat aber inzwischen seinen eigenen Kopf und will trotzdem teilnehmen. Zur Not gegen den Willen seiner Eltern. Aber es kommt alles anders. Denn am Tag des Turniers holen Mircos Eltern ihn von der Schule ab, um mit ihm über die am Vorabend geöffnete Grenze nach Westberlin zu gehen …

Im ersten Moment ist Kinderland eine von vielen Erzählungen aus ostdeutscher Sicht zur Wendezeit. Schaut man jedoch ein wenig genauer hin und lässt sich von der Geschichte tragen, dann wird einem schnell ein kleines Juwel offenbart. Nicht nur, aber gerade dann, wenn man selbst ein Kind dieser Zeit und Umstände ist, kommen einem viele der Ereignisse, der Orte und Gegenstände sehr vertraut vor. Dies geht bei der Kinderzimmerausstattung los, über die markanten ostdeutschen Linienbusse, die Schulen und Klassenzimmer, mitsamt den wirklich grauenhaften Beton-Tischtennisplatten auf den Sportplätzen, bei denen immer irgendwo eine Ecke und Kante abgeplatzt war und das Netz entweder fehlte oder gleich selbst aus Beton war. Egal, was Mawil hier erzählt und visuell abbildet, es ruft bei mir sofort eigene Erinnerungen hervor und das ist es, was für mich ein gutes Werk ausmacht. Eine Geschichte, die mitreißt, Bilder, die überzeugen und Gefühle und Erinnerungen beim Leser auslösen.
„Kinderland“ wurde in meinen Augen nicht umsonst mit dem Preis als „Bester deutschsprachiger Comic“ des „Max und Moritz“-Preises 2014 ausgezeichnet. Mit viel Humor und Einfühlungsvermögen und sicher auch dem Einsatz biografischer Elemente erzählt Mawil eine Geschichte, die nicht nur jene in ihren Bann zieht, die selbst mit der Zeit und den politischen Ereignissen verbunden sind, sondern vor allem eine Geschichte von Freundschaft und den Veränderungen während der eigenen Pubertät. Jeder, und ich meine hier wirklich jeder, wird sich in diesem Band in irgendeiner Figur wiedererkennen. Mawil hat eine unglaubliche Vielfalt an Figuren erschaffen mit erstaunlichen fein ausgearbeiteten Charakterzügen, vergisst darüber hinaus aber nicht den Humor. Er geht sogar soweit eine Figur einzuarbeiten, die in ihrer Funktion als Gruppenratsvorsitzende und mit ihrem Namen, Angela Werkel, an eine bekannte deutsche Größe in der Politik erinnert. Hierfür nutzt Mawil seine satirischen Erfahrungen aus den Arbeiten für den Tagesspiegel und trifft dabei ganz gezielt den Nagel auf den Kopf.

Schlägt man Kinderland auf, fällt einem sofort der Funny-Stil auf. Man erwartet eine lockere Geschichte mit viel Witz, bekommt aber stattdessen sehr viel mehr. Die Optik täuscht über den wahren Inhalt hinweg, andererseits ermöglicht es dem Leser so auch einen leichteren Einstieg. Die erste Szene erzählt von einem durchaus bekannten Problem heranwachsender Jungen und sorgt somit für die ersten Lacher. Trotz des durchweg minimalistischen Stils, dem ähnlichen Seitenaufbau von drei Panelzeilen pro Seite, der bis auf die Kapitelbilder und das große Finalbild niemals durchbrochen wird, und der somit fast schon starren Ordnung kommt sehr schnell eine gewisse Lockerheit auf. Dies liegt aber auch an dem skizzenhaften Zeichenstil Mawils der vor Dynamik nur so sprüht. Um dies in den kleinen Panels zu erreichen, schreckt Mawil auch nicht davor zurück die Optik ein wenig zu verbiegen, auf Anatomie keinen Wert zu legen und den Blickwinkel durchaus ungewöhnlich anzulegen.

Doch die mit dicken Outlines versehenen Bilder würden nur halb so gut funktionieren, wenn da nicht auch noch die außergewöhnlich gelungene Kolorierung wäre. Leider gibt es im Buch selbst keinen Hinweis darauf, ob hierfür ebenfalls Mawil verantwortlich ist, oder ob eine der vielen in der Danksagung am Schluss genannten Personen hierbei Hand angelegt hat. Die gesamte Farbgebung ist eher gedeckt gehalten, vorrangig in ruhigen Erdtönen. Selbst als es in den bunten und grellen "Westen" Westberlins geht, werden die Farben nicht wirklich aufdringlich, sondern lediglich etwas heller und kräftiger, ohne dabei aus dem Gesamtkontext auszubrechen.

Selbst wenn Mawil, der wie ich auch ein Kind der zweiten Hälfte der siebziger Jahre und des Ostens ist, sagt, dass „Kinderland“ rein fiktiv sei, fällt es mir schwer dies zu glauben. Zu viel ist hier mit eingeflossen, dass auch ich so, oder ähnlich, selbst erlebt habe und deshalb glaube und denke, nein weiß ich, dass etwas von Mawils eigener Kindheit hier eine nicht unwesentliche Rolle spielt. Doch die Grenze ist schwammig, und so fällt es schwer zu erkennen was Fiktion und was Wahrheit ist, selbst für jemanden wie mich, der diese Zeit genauso miterlebt hat. Am Ende bleibt ein unglaubliches Abenteuer mit tollem Artwork und einer fesselnden sowie emotionalen Geschichte, der es trotz aller Ernsthaftigkeit nicht am nötigem Humor fehlt. Der Widerstand und die Leichtigkeit des Lebens in der Pubertät eines jeden Jungen sind auf fast jeder Seite präsent und zeigen so auf leichtfüßige Art und Weise mit einem zwinkernden und einem mahnenden Auge sich den täglichen Aufgaben zu stellen und diese zu meistern. Manches ist einfacher, anderes wiederum nicht. Schlussendlich gibt es aber nur zwei Möglichkeiten, und auch wenn man nicht siegreich ist, kann man gestärkt und lehrreich aus dieser Erfahrung hervorgehen. So, oder so lernt man mit sich, seiner Umwelt und aufkommenden Problemen umzugehen, egal wie groß sie sind, oder einem selbst erscheinen.

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Spider-Man: Familientradition

Mark Waid , James Robinson , Gabriele Dell'Otto , Werther Dell' Edera
Fester Einband: 100 Seiten
Erschienen bei Panini, 24.11.2014
ISBN 9783862018932
Genre: Comics

Rezension:

Alles beginnt ganz harmlos, als Peter versucht wieder einmal das Schlimmste von seinem Privatleben abzuwenden. In diesem Fall wäre dies die Bezahlung seiner Stromkosten, da ihm sonst der Saft abgedreht wird. Und dafür hat Peter noch wenige Minuten Zeit. Aber wie so oft kommt es anders als geplant, und in Peters Fall bedeutet es, dass das Parker-Glück mal wieder voll zuschlägt. Denn nicht nur, dass er wegen ein paar subversiver Elemente seine Rechnung nicht bezahlen kann, plötzlich schneit auch noch ein Sondereinsatzkommando in sein dunkles Appartement. Doch damit noch nicht genug, denn plötzlich taucht auch noch eine junge Dame auf und behauptet sie wäre Peters Schwester und entführt ihn in ein Abenteuer nach Monaco, ohne zu wissen, wen sie da wirklich im Gepäck hat. Denn auch wenn Peter das eigentliche Ziel zu sein scheint, ist Spider-Man nicht weit. Und untätig erst recht nicht …


Statt eines klassischen Superhelden-Comic gibt es hier eine gelungene Mischung aus Superhelden-Action und Agententhriller. Angereichert mit einer ordentlichen Portion Drama gemischt mit dem typischen Spider-Man-Humor. Und das alles aus den Federn und den Köpfen von Mark Waid und James Robinson. Mark Waid ist einer der Autoren, die schon auf eine sehr lange Zeit in der Branche zurückblicken kann und dabei vieles geschaffen hat, das sowohl bei den Fans, als auch den Kritikern auf große Gegenliebe gestoßen ist. Zuletzt, genaugenommen im Jahr 2012, gewann er den Eisner Award als bester Autor für seine Arbeit an Marvels „Daredevil“ und BOOM!s „Irredeemable“ und „Incorruptible“. Doch schon vorher wurde er mehrfach nominiert. Unter anderem für „Flash“, „Impulse“, „Kingdom Come“ (DC), „Captain America“ (Marvel) und „Ruse“ (CrossGen). Aber auch James Robinson wurde bereits mehrfach nominiert. „Starman“, „The Shade“, „Justice League: Cry for Justice“, „Tangent Comics: Green Lantern“ (DC) und „Witchcraft“ (DC/Vertigo) sind dabei nur ein paar der Titel.


Mit „Spider-Man - Familientradition“ liefern die beiden eine sehr unterhaltsame Geschichte ab, die weit über den reinen Unterhaltungswert hinaus geht. Sie wirft Fragen auf, die hängen bleiben, auch wenn das Ende es zuerst so nicht erahnen lässt. Dennoch gibt es einen wunderschönen Epilog, von dem ich gerne eine Fortführung lesen würde. Doch das Ende ist nicht das Einzige, was an dieser Geschichte überzeugt. Waid und Robinson kreieren eine Familiengeschichte um Peter Parker, seine Eltern und den Kingpin in der Gegenwart und auch gegen die Nazis. Für Kenner von Spider-Man tauchen aber hier bereits die ersten Fragen auf, welche die Geschichte ein wenig merkwürdig erscheinen lassen. Denn altbekannten Lesern ist die Tatsache, dass Peters Eltern im Nachhinein zu Agenten gemacht wurden nicht unbekannt. Doch hier werden sie als eine Art Über-Agenten, die auch des Öfteren an Captain Americas Seite gekämpft haben, dargestellt. Mit technisch hochwertig ausgerüsteten Verstecken, Verbindungen in die gesamte Welt und noch viel mehr Geheimnissen. Während Peters Eltern auffallend detailliert charakterisiert werden kommen sämtliche anderen Figuren wesentlich schlechter weg. Peter Parker, alias Spider-Man ist gewohnt typisch und bringt nichts Neues mit. Ähnlich ist es, mit dem Kingpin und Peters vermeintlicher Schwester, die leider sehr eindimensional daherkommen, und dies, obwohl die Geschichte viele Möglichkeiten für interessante Charakterzüge, und im Falle von Spider-Man und Kingpin vielleicht sogar neue Charakterzüge, bietet. Jedoch muss ich sagen, dass man dies zwar anmerken kann, es aber nicht wirklich auffällt, wenn man sich einfach nur in die Geschichte hineinwirft. Ein James Bond funktioniert auch ohne große Charakterisierungen und auch ein Ethan Hunt braucht keinen penibel ausgearbeiteten Charakter, um erfolgreich zu unterhalten. Vielleicht haben sich Mark Waid und James Robinson genau darauf verlassen.


Was dem Band ebenfalls zugutekommt, merklich sogar, ist das wundervolle Artwork von Gabriele Dell'Otto und Werther Dell'Edera. Dell'Otto, der sich Ende der 90er Jahre zu einem Geheimtipp in Europa mauserte, nachdem er mit Titelbildern für Panini in Europa auf sich aufmerksam machte. Inzwischen gehört der gebürtige Italiener zu den ganz großen Comickünstlern, der mit seinen malerischen Bildern einem Alex Ross gleichkommt. Der einzige Unterschied zu Ross ist, dass Dell'Otto wesentlich mehr Dynamik in seinen Bildern unterzubringen weiß. Nichts gegen Alex Ross, ich liebe seine Zeichnungen und Cover für die X-Trilogie (Erde X, Universum X und Paradies X) und viele weitere Miniserien, Events, usw. aber ihm fehlt das Leben. Alles wirkt zwar sehr realistisch, aber eben nur wie ein Standbild. Bei Dell'Otto und Dell'Edera ist dies anders. In deren Bildern liegt Bewegung, Action und Dramatik. Und trotz eines gewissen Fotorealismus sieht man nahezu in jedem Bild die Pinselstriche, was mich selbst hin und wieder dazu verleitet hat, kurz innezuhalten, und die Bilder mit etwas Abstand zu betrachten, damit diese noch besser auf mich wirken konnten. Auch bleibt die Qualität über den gesamten Band gleich und ich selbst kann nicht ausmachen, wo Dell'Otto aufhört und Dell'Edera anfängt. Ein gelungenes Artwork, in sich stimmig und eine faszinierende Zusammenarbeit von zwei sehr außergewöhnlichen Künstlern, die ich immer wieder gerne ansehe.


„Spider-Man – Familientradition“ ist kein Highlight wie Mark Waids „Daredevil“ oder Matt Fractions „Hawkeye“ (um nur mal im Hause der Ideen, sprich Marvel zu bleiben), aber es ist gelungene Unterhaltung, die atemberaubend aussieht und hier und da noch ein paar neue Ideen mitbringt. Somit ist diese „Graphic Novel“ (eigentlich mag ich den Ausdruck nicht wirklich) zwar vorrangig in die Leser gerichtet, die Spider-Man und sein Leben bereits kennen, aber auch alle, die ihn hiermit kennenlernen wollen, werden bestens unterhalten. Ein klein wenig Vorwissen, um Spider-Man und den Kingpin, erhöht den Lesespaß aber um ein Vielfaches.

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Der arabische Frühling

Jean-Pierre Filiu , Harald Sachse , Cyrille Pomès
Fester Einband: 112 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 03.12.2013
ISBN 9783551736505
Genre: Comics

Rezension:

Der 17. Dezember 2010 markiert einen wichtigen Punkt in der politischen Geschichte des arabischen Raumes. Es ist der Tag an dem die Polizei den Obst- und Gemüsekarren von Mohamed Bouazizi beschlagnahmt. Dieser Wagen stellt seine einzige Einnahmequelle dar, um seine Mutter und seine sechs Geschwister zu ernähren. Vor lauter Verzweiflung zündet sich Bouazizi selbst an. Am 28. Dezember stellt Präsident Zine el-Abidine Ben Ali seiner Familie eine Entschädigung in Aussicht. Bouazizi stirbt am 4. Januar 2011. Seine Tat löst Unruhen aus, die auf ganz Tunesien übergreifen. Dieses Ereignis ist der Beginn des arabischen Frühlings, einer politischen Revolution, die bald den gesamten arabischen Raum verändern wird …

Autor Jean-Pierre Filiu ist ein Experte für den arabischen Raum und dies spürt man, dank detaillierter Beschreibungen der Ereignisse, auf jeder Seite dieses Bandes. Doch dies ist auch ein großes Problem dieser Graphic Novel. Über weite Strecken ist sie sehr trocken, mit Daten und Fakten vollgepackt und erinnert stellenweise an einen Artikel aus einer Tageszeitung. Mir persönlich fehlt hier der persönliche Blickpunkt, die Nähe zu den Ereignissen. Gerade dann wenn jemand, wie Filiu als Diplomat in Jordanien, Tunesien und Syrien direkt vor Ort war. Sein Erzählung ist von einer Beobachterposition geprägt, und auch wenn persönliche Schicksale dargestellt werden, so bleibt der Stil dennoch jederzeit kühl und emotional distanziert. Dies mag an sich nichts Schlechtes sein, doch hier finde ich eine persönlichere Sicht der Dinge durchaus angebracht, um das schwierige Thema gut aufbereitet einem breiteren Publikum leichter zugänglich zu machen. Das Ganze sollte dann aber nicht in einer Schmalz- und Drama-Orgie enden. Der Mittelweg wäre da durchaus angebracht.

Visuell gibt es dagegen überhaupt nichts auszusetzen. Cyrille Pomes liefert stimmungsvolle Bilder, die gelegentlich im krassen Gegensatz zu den trockenen Tatsachen steht. Kontrastreiche Bilder mi sanften Farben bestimmen hierbei das Gesamtbild. Die Farben dienen auch gleichzeitig als eine Art Stimmungsbarometer. Kräftige Farbakzente dienen lediglich dazu, das Auge des Lesers auf gewisse Punkte zu lenken, ihn sozusagen visuell zu führen. Auch die Panelandordnung, soweit es Panels gibt, ist sehr übersichtlich und klar strukturiert. Immer wieder gibt es aber auch Bilder, die als frei stehende Grafiken den Textboxen fast schon als eine Art Rahmen zu einer Nebenrolle deklassieren. Pomes spielt mit verschiedenen Blickwinkeln und Perspektiven und erzeugt so auch innerhalb einer Doppelseite visuelle Gegensätze.

FAZIT:

Eine außergewöhnliche Graphic Novel, die sich mit einem sehr schwierigen Thema befasst und hin und wieder mit einer zu trocken präsentierten Thematik daherkommt. Selbst für einen Sachcomic werden die einzelnen Kapitel zu nüchtern, sachlich und auch kurzgefasst abgehandelt, und so erinnert der Aufbau eher an ein illustriertes Nachschlagewerk. Dafür überzeugt sie mit ausgezeichneten Bildern. Insgesamt ist mein persönlicher Eindruck jedoch durchwachsen. Während mich das Artwork rundum begeistert sind es mir auf der anderen Seite zu viele Fakten und zu wenig persönlicher Blickwinkel. Dennoch bleibt eine überdurchschnittliche Graphic Novel, die sicher ihre Fans und Liebhaber finden wird.

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illustriert

Mein Freund Dahmer

Derf Backderf , Stefan Pannor
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei WALDE + GRAF bei Metrolit, 12.04.2013
ISBN 9783849300487
Genre: Comics

Rezension:

Die 70er Jahre in der US-Kleinstadt Akron. Hier sind Jeffrey Dahmer und Derf Backderf zur Schule gegangen. Eine Zeit lang waren sie sogar so etwas ähnliches wie Freunde. Doch richtige Freunde hatte Dahmer nie. War er anfangs noch ein Schüler unter vielen, unsichtbar und nach außen hin ohne Probleme, so entwickelte er sich binnen seiner Highschoolzeit zu einem merkwürdigen Menschen. Sein Verhalten führte zu den verschiedensten Reaktionen. Während seine Mitschüler über seine „Dahmerismen“, merkwürdige Ticks, welche er von seiner Mutter übernommen hatte, noch lächelten, schienen seine persönlichen Probleme, welche er mit diesen Ticks und wachsender Alkoholsucht zu verschleiern versuchte sowohl den Lehrern, als auch seinen Eltern nicht aufzufallen. Ein weiteres Geheimnis, das Jeffrey Dahmer tief in sich trug war, seine Homosexualität. Was aus heutiger Sicht für sich gesehen keine Besonderheit mehr ist, zeigte sich bei Dahmer wesentlich außergewöhnlicher und expliziter. Denn in seinen Träumen und Wahnvorstellungen waren seine „Partner“ immer männliche Leichen. Es erregte ihn bereits in jungen Teenagerjahren, tote Tiere zu sezieren und dadurch eine gewisse Macht ausüben zu können. Tiere, die er überfahren an den Durchfahrtsstraßen von Akron fand, wurden so ein eine stark verdünnte Säure eingelegt und zu einer heimlichen Leidenschaft von Jeffrey Dahmer, der später als Milwaukee Monster bekannt werden sollte. Während er mit seinen „Dahmerismen“ weiterhin für Belustigung unter seinen Mitschülern sorgte, wusste jedoch keiner, welche Geheimnisse in diesem jungen, verstörten Mann steckten.

Autor und Zeichner Derf Backderf zeichnet das Porträt eines missverstandenen jungen Menschen, der mit seinen Problemen von der Gesellschaft nicht nur alleine gelassen, sondern auch ignoriert wird. Aber Backderf fordert kein Mitgefühl ein und stellt Dahmer auch nicht als ein

gesellschaftliches Opfer hin. Er zeigt nur dessen Werdegang und das auch noch ziemlich ungeschönt. Er ist sich ebenfalls bewusst, wie groß auch seine Rolle in der Entwicklung Dahmers war und, dass er selbst auch nichts unternommen hat, obwohl er einige Anzeichen sehr wohl erkannt hat. Genauso wenig stellt Backderf die Morde von Dahmer in den Vordergrund oder versucht diese zu entschuldigen. In erster Linie ist „Mein Freund Dahmer“ die Bewältigung Backderfs mit der gemeinsamen Vergangenheit. Das Thema ist natürlich sehr schwierig und stellt auch eine nicht unbeträchtliche Gratwanderung dar. Dennoch hat Derf Backderf dies in meinen

Augen sehr gut bewältigt. Die mir vorliegende deutsche Fassung liest sich sehr angenehm und weist auch gewisse sprachliche Eigenheiten auf, um die Figuren besser zu charakterisieren. Es war sicherlich nicht einfach, dies aus dem Amerikanischen zu übernehmen. Jedoch ist mir auch ein kleiner Fehler aufgefallen, wobei ich hier nicht weiß, ob dies im Original auch bereits so ist. Auf Seite 198 des Bandes gibt es ein Wiedersehen von Backderf mit zwei seiner Highschoolkameraden. Dieses Treffen soll das Zehnjährige seit dem Verlassen der Highschool 1978 darstellen und noch vor dem Bekanntwerden des ersten Mordes 1991 sein. Dennoch wird dort gesagt, dass dieses Treffen 1998 stattfand.

„Mein Freund Dahmer“ wird es nicht nur wegen der Thematik schwer haben, einen gewissen Bekanntheitsgrad zu erlangen. Ein weiterer Punkt sind die Zeichnungen, welche weit ab von den allseits bekannten und omnipräsenten Superheldencomics aus Amerika sind. Derf Backderf zählt zu den aufstrebenden alternativen Comickünstlern der Vereinigten Staaten und wurde sogar bereits zweimal für den Eisner Award nominiert. Außerdem schaffte es „Mein Freund Dahmer“ auf Platz 4 der TIME MAGAZINE-Liste der besten non-fiction Bücher 2012. Dies soll jetzt keine Lobhudelei oder Rechtfertigung für diese Graphic Novel sein, sondern ganz einfach nur zeigen, dass auch Nicht-Massen-Ware sehr wohl, oder vielleicht auch gerade wegen der fehlenden Zwänge in anderen Bereichen, eine ganz besondere Qualität erreichen kann, die sich nicht alleine durch bunte, actionreiche Bilder definiert. Ausufernde, actionreiche und bunte Bilder kann dieser Band nicht vorweisen. Vielmehr liegt hier der Reiz darin, das schwierige, mit Details durchzogene Thema in klaren und verständlichen Bildern, ganz ohne störende Nebeneffekte zu erzählen. Backderfs Stil ist sichtlich von Künstlern wie Robert Crumb oder Harvey Pekar inspiriert, ohne diese zu kopieren. Auch die Einbindung von Skizzen aus Backderfs Schulzeit werten das Gesamtbild enorm auf.

FAZIT:

Die Graphic Novel „Mein Freund Dahmer“ ist keine einfache Kost. Und unterhaltsam ist sie auch nicht. Doch das will „Mein Freund Dahmer“ auch überhaupt nicht sein. Es ist das Porträt eines Menschen, der um seine Fehler wusste, aber niemanden hatte, mit denen er sie teilen, oder bei dem er Hilfe suchen konnte oder es sogar wollte. Die Frage, ob all dies hätte verhindert werden können, wenn Dahmer sich seinen Mitmenschen geöffnet hätte, stellt Backderf auch überhaupt nicht. Er stellt sie nicht einmal zur Rede und so muss der Leser selbst für sich entscheiden, wie er in dieser Situation reagiert hätte, wenn er einer von Dahmers Mitschülern gewesen wäre. Dennoch ist es auch extrem faszinierend und mitreißend zu erfahren, wie schnell ein Mensch durch Nichtbeachtung abrutschen und so zu einem gefährlichen Mitglied für die Gesellschaft werden kann. Egal, ob man nun ein Freund solcher Thematik ist, oder nicht. Ob man nur Superheldencomics, Mangas oder was-auch-immer liest. An „Mein Freund Dahmer“ führt kein Weg vorbei, wenn man einen außergewöhnlichen Comic sucht, der sich mit menschlichem Schicksal und Werdegang befasst. Egal, wie das Endergebnis aus Sicht der handelnden Protagonisten ausgefallen ist.

Ein großes Manko hat die deutsche Fassung aber dennoch. Dadurch, dass Dahmer hierzulande nicht so bekannt ist, wie in den Vereinigten Staaten, wäre eine Erklärung durchaus angebracht gewesen. Zwar ist diese für das Lesevergnügen nicht zwingend notwendig, aber es bereichert dessen Inhalt um ein vielfaches und ermöglicht eine historische Eingliederung der geschilderten Ereignisse in das Leben von Jeffrey Dahmer. Hier wurde eine große Möglichkeit vertan, dem Buch eine größere Absatzchance zu ermöglichen.

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Der Zauberer von Oz: Dorothy und der Zauberer in Oz

L. Frank Baum , Eric Shanower , Skottie Young
Fester Einband: 184 Seiten
Erschienen bei Panini, 07.10.2013
ISBN 9783862016617
Genre: Comics

Rezension:

Kurz, nachdem Dorothy in San Francisco angekommen ist, wo sie mit ihrem Onkel Henry ihre Verwandten auf Hugsons Ranch besuchen will, kommt sie mitten in ein Erdbeben. Ihr entfernter Cousin, der sie abholen soll gerät mit ihr, der Kutsche und dem Pferd in einen Erdspalt. Gemeinsam fallen sie in die Tiefe und landen schließlich im Land der Mangabus. Hier treffen Dorothy, ihr Cousin Zeb, das Pferd Jim und die Katze Eureka auch auf den Zauberer Oz. Doch dort steht ihnen der Tod bevor, weil die Bewohner ihnen die Schuld an dem Steinregen geben, der ihre Glashäuser beschädigt hat. Doch sie können entkommen und finden sich stattdessen im Tal von Voe, wo jeder der von der Dama-Frucht isst, unsichtbar wird, wieder. Die fünf Freunde wollen jedoch weiter, da auch diese Gegend alles andere als einladend ist. So kommen sie zu den hölzernen Gargoyles, die sie sofort angreifen und gefangen nehmen …

Lyman Frank Baums Geschichten um das sagenhafte Land Oz üben trotz ihres Alters noch immer einen massiven Reiz aus. Dies liegt vor allem die der Art seiner Erzählung und den Figuren. Auch zeitgeschichtliche Ereignisse versuchte er, immer wieder, einzubinden. So unter anderem das große Erdbeben in San Francisco im Jahre 1906. Allerdings nahm sich Baum, der zu dieser Zeit in Europa unterwegs war, ein paar persönliche Freiheiten heraus. Auf der anderen Seite achtete er aber auch peinlich genau auf gewisse Aspekte dieses Ereignisses. Beispiele hierfür sind die Risse seitlich zur Bahnlinie, die komplett seiner Fantasie entsprangen, während er sich mit dem Zeitpunkt des Bebens um kurz nach 5 Uhr morgens wieder sehr genau an die tatsächlichen Fakten hielt. Ähnliche verhielt es sich mit gewissen Eigenschaften seiner Figuren. Hier nahm sich Eric Shanower, der die Bände für Marvel sehr erfolgreich adaptiert, ein paar künstlerische Freiheiten, um die Handlungen zu den anderen Bänden ein wenig stimmiger zu machen. Ich persönlich muss sagen, dass mir diese gar nicht aufgefallen wären. Zum einen, weil Panini die Bände sowieso nicht chronologisch veröffentlicht. Da ich den zweiten deutschen Band bis jetzt noch nicht gelesen habe und mir, außer dem ersten Band, die weiteren Romanvorlagen auch vollkommen unbekannt waren.

Für das Artwork war, wie schon bei den vorangegangenen Bänden, wieder Skottie Young verantwortlich. Zusammen mit dem Koloristen Jean-Francois Beaulieu zaubert er erneut fantastische Welten, Fabelwesen und ungewöhnliche Ereignisse auf das Papier. Einzig seine Mimiken verfehlen diesmal gelegentlich ihr Ziel. So steht das Gesprochene, und das was Dorothy und die anderen Figuren ausdrücken, oftmals im Widerspruch zu ihren Gesichtsausdrücken. Dadurch entsteht eine ungewollte Komik, und manchmal sogar eine gewisse Unsicherheit beim Leser. Davon aber abgesehen sind die Bilder in diesem wunderschön gestalteten Hardcover erneut ein Fest für die Augen.
Mit Extras war Panini aber erneut ein wenig geizig. Neben einer doppelseitigen Einleitung, welche bereits im US-Band enthalten war, gibt es auch eine einseitige, die extra für die deutsche Ausgabe von Eric Shanower verfasst wurde. Hinzu kommen alle 8 Covermotive, einige davon in sauberer Form, sprich ohne Titelschriftzug sowie zwei Seiten mit jeweils 2 Bildern aus dem Skizzenbuch und eine Seite, auf der die Künstler des Bandes (L. Frank Baum, Eric Shanower, Skottie Young) in kurzen Biografien vorgestellt werden.

FAZIT:

Oz macht Spaß und Oz fasziniert mit jedem Mal aufs Neue. Shanower adaptiert die Handlungen so, dass man sich auch zurechtfindet, wenn man vorangegangene Abenteuer noch nicht kennt. Und trotzdem schafft er es, einen Zusammenhang aufzubauen. Gemeinsam mit den gelungenen Zeichnungen von Young eignet sich der Band erneut auch für jüngere Leser, um in die wundersamen Welten von Oz abzutauchen.

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gelesen 2013, comic, barden, humor

Asterix bei den Pikten

Jean-Yves Ferri , Didier Conrad , Albert Uderzo , Klaus Jöken
Flexibler Einband: 48 Seiten
Erschienen bei Egmont EHAPA, 28.11.2013
ISBN 9783841364357
Genre: Comics

Rezension:

Es ist ein strenger Winter in Aremorica, und Asterix und Obelix verschlägt es an den Strand, wo sie nach Austern suchen wollen. Doch dort fällt ihnen ein seltsamer Eisklotz in die Hände, in dessen Inneren sich auch noch eine merkwürdig gekleidete Person befindet. Die beiden bringen den Gestrandeten in das Dorf. Nach dem Auftauen stellt sich aber zu allem Überfluss heraus, dass der junge Pikte Sprachschwierigkeiten hat. Es ist ihm einfach nicht möglich, seine Gedanken in Worte zu fassen, und so muss Miraculix mit einem Elixier nachhelfen. So erfahren die Dorfbewohner von einer tragischen Liebesgeschichte und einem noch größeren Verrat. Daher beschließen Asterix und Obelix ihren neuen Freund, Mac Aphon, in seine Heimat Kaledonien zu begleiten, und ihm dort zu helfen …

Jean-Yves Ferri erschafft ein humorvolles und spannendes Abenteuer, welches sich nicht vor den frühen Ideen von Goscinny und Uderzo zu verstecken braucht. Er integriert dabei nicht nur klassischen Humor und geschichtliche Ereignisse, sondern schafft es gleichzeitig auch, der aktuellen Popkultur ihren Tribut zu zollen. Während sich die Handlung im ersten Teil des Bandes gemächlich aufbaut, und man sich als Leser behutsam dem neuen, leicht anderen und dennoch irgendwie bekannten Stil annähern kann, zeigen sich auch innerhalb des von Ferri geschilderten Dorfes Veränderungen. Sei es ein römischer Volkszähler, der fast zur Weißglut gebracht wird, oder den Reiz der schottischen Kleidung auf die weiblichen Bewohner. Solche Kleinigkeiten, die sich dann auch noch über das gesamte Abenteuer ziehen, finden sich zuhauf in diesem neuen Band. Ab etwa der Hälfte beginnt dann das eigentliche Abenteuer. Die Geschichte nimmt an Fahrt auf, ohne dabei gehetzt zu wirken, und auch hier bauen die beiden neuen Köpfe viele Gags ein. Besonderes Augenmerk scheint Ferri hierbei auf britische und schottische Eigenheiten, sowie deren Popmusik gelegt zu haben. So tauchen in den gestammelten Sätzen von Mac Aphon immer wieder Titel und Texte von verschiedenen Musikern und Bands auf, wie zum Beispiel von den Beatles.

Wer nun bei den Zeichnungen darauf hofft, eine 1:1-Kopie von Albert Uderzo zu erhalten, den muss ich enttäuschen. Wenn ich aber ehrlich bin, dann finde ich persönlich dies gerade gut. Immerhin sollte es schon spür- und sichtbar sein, dass es ein neues Team an den Abenteuern der Gallier gibt. Doch keine Angst. Es wurden keine gravierenden Veränderungen am Design der Figuren vorgenommen und auch sonst bleibt auf den ersten Blick alles beim Alten. Die Änderungen sind feiner, aber dennoch nicht zu übersehen. Die Zeichnungen besitzen noch immer den hohen Detailgrad und den Wimmelbildcharakter, den man von Uderzo gewohnt war. Aber jetzt wirken die Bilder wesentlich dynamischer und lebendiger. Sie scheinen geradezu vor Energie zu strotzen. In einigen Panels erinnert die „Bewegung“ der Figuren sogar ein wenig an den großen Schlumpfkünstler Peyo. Und wie auch schon bei Uderzo, lässt es sich Didier Conrad nicht nehmen, hier und da kleine visuelle Gags und Eastereggs einzubauen.
Ebenso überzeugend wie die Zeichnungen von Conrad ist die Koloration von Thierry Mébarky, Murielle Leroi und Raphaël Delerue. Die Farben sind stimmungsvoll und niemals aufdringlich. Gerade bei den vielen Piktenstämmen kann sich das Team so richtig austoben und zaubert somit unweigerlich ein Lächeln auf die Lippen des Lesers.

FAZIT:

Das neue Abenteuer des neuen Kreativteams ist in meinen Augen ein sehr gelungener Start in eine neue Ära von Asterix und seinen Freunden. Mit behutsamen Neuerungen und der Hochachtung vor dem was Goscinny und Uderzo vor über 50 Jahre geschaffen haben, schicken sie die Gallier in ein aufregendes Abenteuer ganz im Stil der jetzt schon klassischen Geschichten. Wie schon bei der Neuedition und den letzten Alben, besitzt auch dieser Band wieder den Schriftstil, der Uderzos Handschrift nachempfunden ist. Leider finde ich diese, zwar der Handschrift nachempfundene, aber dennoch aus dem Computer stammende, Schrift alles andere als gelungen. Da fand ich persönlich das Handlettering der Werkausgabe wesentlich schöner und lebendiger.
Doch wenn man von diesem kleinen Manko absieht, stellt der Band einen sehr guten Neustart dar und sollte von keinem echten Asterix-Fan links liegen gelassen werden. Die Ausgabe ist weitaus mehr als nur einen flüchtigen Blick wert und lädt auch zum mehrmaligen Durchlesen ein, da es immer wieder etwas zu entdecken und verstehen gibt.

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

darkwing duck, ehapa, egmont, disney

Lustiges Taschenbuch Premium 05

Disney
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Egmont EHAPA, 04.10.2013
ISBN 9783841331052
Genre: Comics

Rezension:

St. Erpelsburg ist eine Stadt wie viele und hat auch ähnliche Probleme. Die Kriminalität steigt ins Unermessliche und die Ordnungshüter stehen dem eher hilflos gegenüber. Doch es gibt noch den Schrecken, der die Nacht durchflattert. Darkwing Duck! Er sorgt mit seinem unerschütterlichem Sinn für die Gerechtigkeit und seinem noch viel größeren Ego für sichere Straßen. Glaubt er zumindest. Denn schon bereits sein erster Gegner Torro Bulba belehrt ihn eines besseren.
Auch viele Jahre später, St. Erpelsburg braucht einen Helden wie Darkwing Duck nicht mehr, die Polizeiborgs der Quackwerke beschützen die Stadt und Eddie Erpel hat einen sicheren Bürojob. Doch plötzlich ändert sich alles und nicht nur Darkwing Duck muss wieder auf den Plan treten. Denn auch seine Feinde, wie Quackerjack, Professor Benjamin Buxbaum, Liquidator, Megavolt und Fiesoduck sind wieder da. Doch er bekommt auch Hilfe von Freunden, wie Quack dem Bruchpilot, der großen Liebe seines Lebens Morgana, Dagobert Duck und noch vielen mehr …

Auf den über 350 Seiten dieses Lustigen Premium Taschenbuchs versammeln sich insgesamt 16- US-Einzelhefte rund um den violetten Rächer. Dabei schöpf Egmont nicht nur aus der 2010 gestarten Serie der BOOM-Studios, sondern auch von der klassischen 1991 veröffentlichten Miniserie Darkwing Duck, welche direkt bei Disney in Form von vier Einzelheften erschienen ist. Diese bilden auch gleich den Einstieg in die Welt von Darkwing Duck, bilden aber inhaltlich gesehen auch keine deutsche Erstveröffentlichung. In dieser Form und Umfang zwar schon, aber inhaltlich eben leider nicht, da die Geschichte selber bereits veröffentlicht wurde. Während die hier enthaltene Fassung 96 Seiten umfasst, wurde Sie bereits 1993 in gekürzter Form in Micky Maus präsentiert Nummer 7 mit 48 Seiten Umfang veröffentlicht. Das Alter merkt man der Geschichte in visueller Sicht auch merklich an. Dennoch verliert sie ihren Reiz hierdurch nicht. Vielmehr wird so auch der zeitliche Abstand zwischen den Abenteuern besser verdeutlicht.
Während das erste Drittel des Bandes noch relativ naiv und typisch für die 90er Jahre daherkommt, wandelt sich dies Rest der Ausgabe merklich. Ein Grund hierfür ist unter anderem der, dass hier zwei verschiedene Autoren tätig waren. Stammt das frühe Abenteuer noch aus der Feder von John Blair Moore, so verfasste die neuen Abenteuer der Schöpfer von Darkwing Duck Aaron Sparrow in Zusammenarbeit mit Ian Brill. Sparrow läßt es sich dabei nicht nehmen, auf bekannte Comicerfolge anderer Verlage anzuspielen. Allen voran Frank Millers Meisterwerk „The Dark Knight Returns“.

Über die Zeichnungen gibt es nicht sehr viel zu sagen. Sie sind eben typisch Disney. Die ersten 100 Seiten bebilderte noch Autor John Blair Moore zusammen mit George Wildman. Für die übrigen Seiten durfte James Silvani sein Talent unter Beweis stellen. Und auch wenn das Artwork disneytypisch ist, gibt es dennoch Unterschiede. Gerade die Story aus den neunziger Jahren weißt einen leicht anderen Stil auf, der durch die sehr flache und bunte Koloration verstärkt wird. Im Jahr 2010 erinnern die Zeichnungen eher an eine Animationsserie. Gleiches gilt auch hier für die Farbgebung, die mit Farbverläufen sowie Licht und Schattenspielen aufwarten kann. Beide Stile sind aber Geschmackssache und passen zur jeweiligen Geschichte und deren Zeit.
Trotz aller Lobhudelei und der Freude darüber, dass Darkwing Duck nun endlich auch in Deutschland erscheint, gibt es einen nicht unerheblichen Kritikpunkt. Darkwing Duck war schon immer ein wortintensiver Superheld. Seine Monologe füllen ganze Seiten und dementsprechend viel Platz muss man ihm einräumen. Hier kommt das Problem dieser Veröffentlichungsmethode zum Vorschein. Dadurch, dass die Originalvorlage vom US-Heft-Format auf das Buchformat der Premium-Ausgabe des Lustigen Taschenbuchs (welches ohnehin schon ein Stück größer ist als sein namensgebendes Pendant) verkleinert wurde, treten Probleme mit den texten auf, wie sie seit Condor Superheldentaschenbüchern nicht mehr gab. Zwar wurde bei Darkwing darauf verzichtet aus Platzgründen den text zu verstümmeln, doch die Alternative ist auch keine ideale Lösung. Texte sind dadurch teilweise so klein, dass ältere Leser oder solche mit Lesehilfen, wie einer Brille, massive Probleme bekommen. So erging es auch mir persönlich. Die viel zu kleinen Schriftgrößen und die Massen an Text in den Sprechblasen und Textboxen führten bei mir schnell zu Ermüdungen bei den Augen und ich muss sagen, dass ein größeres Veröffentlichungsformat diesen Stories sichtlich besser getan hätte. Zumindest wenn es um den Punkt der Lesbarkeit geht. Aber auch dem Artwork der neuen Ausgaben würde eine größere Präsentation besser zu Gesicht stehen.

FAZIT:

Darkwing Duck, der dunkle Duckler (wie er in diesem Band auch genannt wird) ist zurück. Und dies, obwohl er nie so wirklich weg war. Dass für die neuen Abenteuer auch sein Schöpfer verantwortlich zeichnet, macht mir persönlich umso mehr Spaß. Mit diesem neuen Lustigen Taschenbuch Premium wurden viele Fans von Eddie Erpel aber leider nur bedingt zufriedengestellt. Denn das erwähnte Textproblem schmälert die Freude schon sehr. Ein anderer Punkt, der mir persönlich ein wenig Kopfzerbrechen bereitet, ist die Tatsache, dass es aus der neuen Serie nur noch 6 Ausgaben gibt und diese kein zweites Taschenbuch mehr füllen würde. Müssen wir in Deutschland daher auf die restlichen Ausgaben verzichten, oder sammelt Egmont eventuell noch ältere Ausgaben? Das sind aber Fragen, die sich der Verlag wohl erst stellen wird, wenn die Verkäufe für diesen band es notwendig machen.
Wenn man aber von diesen Punkten absieht und auch mit guten Augen ausgestattet ist, sollte man als Freund von Disney und Liebhaber von Superheldenparodien auf jeden Fall zugreifen. Bei entsprechendem Erfolg könnte man dem Verlag ja auch den Vorschlag unterbreiten, weitere Comicserienhelden der 90er Jahre wieder zum Leben zu erwecken. Einer meiner Favoriten währen da die Gargoyles. Aber das wird wohl Wunschdenken bleiben.

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220 Bibliotheken, 0 Leser, 3 Gruppen, 9 Rezensionen

thriller, tempe brennan, hawaii, kathy reichs, mord

Blut vergisst nicht

Kathy Reichs , Klaus Berr
Flexibler Einband: 383 Seiten
Erschienen bei Heyne, 16.01.2012
ISBN 9783453436176
Genre: Krimi und Thriller

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60 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

tempe brennan, thriller, tempe, knochen, anthropologie

Fahr zur Hölle

Kathy Reichs , Klaus Berr
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Heyne, 11.02.2013
ISBN 9783453436985
Genre: Krimi und Thriller

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213 Bibliotheken, 1 Leser, 6 Gruppen, 22 Rezensionen

tempe brennan, nascar, mord, charlotte, krimi

Fahr zur Hölle

Kathy Reichs , Klaus Berr
Fester Einband: 349 Seiten
Erschienen bei Blessing, Karl, 06.09.2011
ISBN 9783896673251
Genre: Krimi und Thriller

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211 Bibliotheken, 1 Leser, 3 Gruppen, 6 Rezensionen

thriller, tempe brennan, mord, kathy reichs, forensik

Der Tod kommt wie gerufen

Kathy Reichs , Klaus Berr
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Heyne, 01.02.2010
ISBN 9783453434622
Genre: Krimi und Thriller

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345 Bibliotheken, 1 Leser, 7 Gruppen, 16 Rezensionen

forensik, tempe brennan, knochen, mord, kanada

Knochen zu Asche

Kathy Reichs , Klaus Berr
Flexibler Einband: 381 Seiten
Erschienen bei Blanvalet Taschenbuch Verlag, 14.04.2009
ISBN 9783442372836
Genre: Krimi und Thriller

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324 Bibliotheken, 2 Leser, 7 Gruppen, 15 Rezensionen

thriller, tempe brennan, krimi, kathy reichs, forensik

Hals über Kopf

Kathy Reichs , Klaus Berr
Flexibler Einband: 414 Seiten
Erschienen bei Blanvalet Taschenbuch Verlag, 07.04.2008
ISBN 9783442369768
Genre: Krimi und Thriller

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277 Bibliotheken, 2 Leser, 4 Gruppen, 9 Rezensionen

tempe brennan, thriller, krimi, mord, gerichtsmedizin

Mit Haut und Haar

Kathy Reichs
Fester Einband: 383 Seiten
Erschienen bei Blessing, 14.04.2004
ISBN 9783896672476
Genre: Krimi und Thriller

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