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kurzgeschichten, lustig, skuril, meer, liebe

Begräbnis auf dem Mond

Harry Michael Liedtke , Gabriele Merl , Julia Röken
Flexibler Einband
Erschienen bei HolzheimerVerlag, 01.06.2009
ISBN 9783938297537
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Harry Michael Liedtke:
Begräbnis auf dem Mond und andere abgründige Begebenheiten.
Holzheimer-Verlag, ISBN 978-3-938297-53-7, 14,80 €

Das erste, das ich bei Büchern lese, ist der Rückendeckeltext. Noch bevor ich sie bezahle sogar. Da kommt mir also ein schwarzes Taschenbüchlein in die Finger, mit einem Mond und einem Grabstein auf dem Einband, ich drehe es herum und lese was von Kratzern und Dellen einer doch körperlosen Seele, von einer zermackten Innenwelt, dessen Gärprodukte und Bitterstoffe hochbrodeln – und meine Erwartungshaltung schwankt zwischen schwarzmalerischer Philo- und tiefgründiger Psychologie. Na, da es sich um Kurzgeschichten handelt, gehe ich kein Risiko ein, mittendrin genervt abzubrechen. Zudem liebe ich Kurzgeschichten als Bettlektüre. Ich liege also am Abend wohlig in den Kissen und der erste Satz, den ich lese, lautet: „Oh ja, holla, der brannte in der Kehle nach!“ Und als ich bei der letzten Seite angekommen bin, muss ich schmunzeln. Denn der Autor hat sicher nicht geahnt, dass dieser erste Satz die Quintessenz meiner Rezension sein würde!
Ja, holla, diese Geschichten brennen in der Kehle nach! „Begräbnis auf dem Mond“ nennt sich diese Sammlung skurriler Fantasien, und das Faszinierende dabei ist: so verrückt die beschriebenen Geschöpfe und ihre seltsamen Gelüste und Neigungen auch erscheinen, ihre Erlebnisse wirken nie unglaubwürdig. Warum nimmt man Herrn Liedtke all diese Strubbeligkeiten ab, habe ich mich gefragt. Warum ertappe ich mich dabei, ernsthaft über die Möglichkeit eines Mondbegräbnisses nachzudenken? Warum fühle ich mich dem angeschickerten Poseidon verbunden, der sein Unterwasserregiment zu nachlässig führt? Warum fällt mir beim Blick über die Gräber unseres Kleinstadtfriedhofs seit Neuestem immer Ernst Brückners Veitstanz auf dem Grab seines Widersachers ein?
Die Antwort ist: Es verbergen sich sehr subtil hinter all den Unzulänglichkeiten der Hauptdarsteller menschliche Hintergedanken, die wir Leser bislang verdrängt haben mögen. Aber nach wenigen Zeilen spiegelt sich unsere Seele in den bizarren Abenteuern. Sie bringen etwas von uns ans Licht. Und deshalb schläft man auch in den abendlichen Kuschelkissen bei der Lektüre nicht ein, sondern will immer noch mehr.
Wie macht Liedtke das? Nun, zunächst einmal hat er das notwendige Gespür, hinter den Oberflächlichkeiten des Alltags die „Klüfte unserer zermackten Innenwelt“ zu erkennen. Zweitens recherchiert er bewundernswert akribisch. Schreibt er über die Hauptversammlung einer Aktiengesellschaft, zweifelt man nicht, dass er selbst dort Jahrzehnte ein- und ausgegangen ist. Ist er als Goldsucher in der Sierra Madre vor den Rothäuten auf der Flucht, riecht man den Schweiß, der Jesse Santer aus den Poren rinnt. Und wenn er als Randy White mit einer Urne in der Tasche durch das Raumfahrzentrum streift, erlebt man die technische Welt der NASA-Schaltzentrale, als ginge man dort regelmäßig ein und aus.
Drittens: er kann schreiben. Er versteht sein Handwerk, hat einen beeindruckenden Wortschatz und einen wieder erkennbaren, ganz eigenen Stil.
Und last but not least: Er hat Humor. Ein zwinkerndes Auge begleitet all seine wahr werdenden Unmöglichkeiten. Und auch wenn oder gerade weil sein Humor oft schwarzer Natur ist, kann man mit diesen Geschichten nicht nur über all die Verrückten, sondern auch über sich selber lachen.
„Oh ja, holla, der brannte in der Kehle nach!“ Und genauso bezeichnend wie der erste Satz ist auch der letzte: „Chapeau, geschickt eingefädelt! Aber warte nur, du Freak, das kriegst du wieder!

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