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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Der Sommer in deinen Augen

Diego Galdino , Christiane Landgrebe
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Hoffmann und Campe, 18.07.2017
ISBN 9783455000900
Genre: Romane

Rezension:

In der Toskana im beschaulichen Städtchen Cetona hat sich bei Familie Ferretti ungewöhnlicher Besuch angekündigt. Der berühmte Maler Tyron Lane will einige Zeit in der freistehenden Wohnung des Hauses leben und die Landschaft für eine Kundin aus New York auf Leinwände bannen. Doch Stolz und Aufregung der Familie schlagen bald in Enttäuschung um, denn der Maler wünscht keinen engeren Kontakt. Durch einen Zufall soll einige Zeit später Sofia, Tochter der Familie und Lehrerin, Tyron das Umland zeigen. Was während des Tages passiert, hätte wohl keiner der beiden gedacht. Doch wie kann es nun weitergehen?

Der Titel und Klappentext des Buches deuten wie auch die gedeckten Farben des Covers auf eine sommerlich-melancholische Liebesgeschichte hin. Das Buch beginnt mit Tyrons Ankunft in  Cetona. Er will möglichst geheim halten, dass er überhaupt da ist, doch die Familie Ferretti hat es zu seiner Missbilligung schon im ganzen Städtchen erzählt. Kein guter Start für das Zusammenleben unter einem Dach. Der Maler geht gleich weiter auf Distanz und macht deutlich klar, dass er keinen Anschluss sucht.

Vor allem Sofia, die Tochter der Ferrettis, ärgert sich über Tyrons schroffes Verhalten, was ich gut nachvollziehen konnte. Kapitel aus seiner Perspektive zeigen gleichzeitig, dass ihn etwas aus der Vergangenheit zu quälen scheint. Warum hörte er vor einigen Jahren auf, Portraits zu malen und begann damit, so regelmäßig von einem Land ins nächste zu reisen, dass er „The Homeless Painter“ genannt wird? Und wer ist die Frau, die auf jedem seiner Bilder als Signatur in die Landschaft blickt? Sobald die Sprache auf eins dieser Themen kam wurde er noch verschlossener, sodass meine Neugier geweckt war, welche scheinbar tragische Geschichte dahinter steckt.

Die Geschichte lässt sich zügig lesen. Schon bald kommt es durch einen Zufall dazu, dass Sofia und Tyron einen Tag zusammen verbringen. Danach ist alles anders. Die beiden fühlen sich zueinander hingezogen, doch Sofia wurde schon einmal enttäuscht, und Tyron will sich weiterhin nicht öffnen. Dennoch verbringen die beiden immer wieder schöne, heimliche Momente miteinander, die kostbar und zugleich zerbrechlich sind. Man hat stets das Gefühl, dass das vorsichtige Vertrauen der beiden zueinander jederzeit verloren gehen kann.

Freude und Leid liegen in dieser Geschichte eng beieinander. Schließlich kommt es zu überraschenden Entwicklungen, einem schockierenden Ereignis und einer traurigen Enthüllung. Doch was heißt all das für Sofia und Tyron? Als Leserin schwebte ich zwischen Hoffen und Bangen. Den Abschluss passte für mich gut zum Geschehenen.

„Der Sommer in deinen Augen“ bietet eine zarte und zerbrechliche Liebesgeschichte zwischen dem berühmten Maler Tyron Lange, der von einem Land ins nächste zieht und keinen Wert auf neue Bekanntschaften legt, und Sofia, die sich über sein Verhalten ärgert, bis sie einen Tag mit ihm verbringt. Melancholisch und doch hoffnungsvoll ist dies eine gelungene Geschichte für Zwischendurch, die den Leser in die schöne Toskana entführt.

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35 Bibliotheken, 8 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

jenny-mai nuyen, heartware, rowohlt polaris, japan, rowohlt

Heartware

Jenny-Mai Nuyen
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 21.07.2017
ISBN 9783499267079
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Adam Eli erhält eines Tages eine Mail, die für ihn alles verändert. Seit einiger Zeit schlägt er sich nach dem Abbruch diverser Studiengänge als Ghostwriter durch. Doch nun wird er aufgefordert, Will zu suchen. Ausgerechnet Will, die er vor neun Jahren in Bolivien kennen- und lieben lernte und von der er bis heute nicht weiß, ob sie ihn auf fatale Weise verraten hat. Er bleibt skeptisch und möchte erst einmal erfahren, warum sie überhaupt gesucht wird. Dazu führt ihn die Reise nach Dubai und mitten hinein in ein gefährliches Kräftemessen von einigen der mächtigsten Menschen der Welt mit einem ungewöhnlichen Gegner…

Das Cover von „Heartware“ gefällt mir mit seiner mattgoldenen Schrift und den Hochhäusern, die aus Datenströmen zu bestehen scheinen, sehr gut. Das Internet spielt in der Geschichte eine große Rolle – das wird spätestens im Prolog klar, wo auf zwei Seiten vom Tag der Zerstörung des Internets berichtet wird. Wie konnte es dazu kommen? Diese Frage wird erst einmal nicht beantwortet und neugierig startete ich in die Geschichte, die sieben Tage vor diesem Ereignis und mit Adam Eli beginnt.

Über Adam Eli erfährt der Leser gleich zu Beginn, dass er sich eine Zeit lang in bolivianischer Gefangenschaft befand, was zuerst gar nicht zu meinem ersten Eindruck des nerdigen Ghostwriters passte. Durch die Aufforderung, Will zu suchen, kommen bei ihm viele alte Erinnerungen hoch – er konnte sie neun Jahre lang nicht vergessen, obwohl er nicht einmal wusste, ob sie noch lebt. Im Gespräch mit seinem mysteriösen Auftraggeber erhält man eine ganz kurze Zusammenfassung von Elis Vergangenheit, die mir half, einen Überblick zu gewinnen.

Abwechselnd zu den Kapiteln aus Elis Perspektive gibt es Kapitel aus der Sicht von Mariel Marigny. Diese wurde damit beauftragt, Eli bei der Suche nach Will zu begleiten. In ihr steckt mehr als eine hübsche Reisebegleiterin, wie Eli zunächst denkt. Sie ist eine Hackerin, die pragmatisch denkt und bereit ist, Risiken einzugehen. Über sie selbst erfährt man wenig, sondern erhält durch ihre Augen vor allem einen Eindruck davon, wie Eli auf andere wirkt. Außerdem gibt es immer wieder Kapitel, die mit „Y“ übertitelt sind. In diesen begleitet man angebliche Interpol-Mitarbeiter bei der Jagd sowie eine Frau auf der Flucht und wird Zeuge von merkwürdigen Vorfällen im Netz. Während Eli und Marigny sich Will suchen enthalten diese eingestreuten Kapitel Hinweise darauf, worum es im Kern eigentlich bei all dem geht.

Eli und Marigny sind ein ungleiches Duo, das mir zusammen sehr gut gefallen hat. Die beiden trauen sich nicht über den Weg, müssen aber notgedrungen zusammenhalten und sich aus so manch brenzliger Situation retten. Aus Elis Perspektive erfährt man in dieser Zeit auch immer mehr über die gemeinsame Zeit mit Will, das mich verstehen ließ, warum er von dem Gedanken an sie nicht loskommen kann. Warum Will aber überhaupt gesucht wird, das bleibt lange unklar. Elis Auftraggeber behauptet lediglich, sie habe etwas gestohlen. Wie das die Vorkommnisse aus den Y-Kapiteln erklärt bleibt lange unklar, während der Fokus auf Elis Suche liegt. Auch wenn es immer wieder spannende Momente gab, hat sich diese für mich etwas hingezogen. Ich hätte mir früher mehr Erklärungen gewünscht. Auch die digitalen Ungereimtheiten und ihre Folgen hätten noch stärker thematisiert werden können.

Alle Ereignisse führen schließlich zum großen Moment der Enthüllung, der viele Fragen beantwortet und Erlebtes in neuem Licht erscheinen lässt. Ohne das Stichwort künstliche Intelligenz, das der Klappentext vorweg nimmt, hätte ich bis zu diesem Moment höchstens eine vage Vermutung gehabt, dass es sich um dieses Thema dreht. Die Dialoge rund ums Thema liefern viel Stoff zum Nachdenken, ob ein Szenario wie das Beschriebene möglich ist und ob man selbst das Thema eher als Chance oder Bedrohung sieht. Gleichzeitig wird es noch einmal richtig spannend und dramatisch, denn das Leben aller steht auf dem Spiel. Hier wurde das Potential der endlich voll ausgeschöpft und dem Leser ein starker Abschluss geboten.

In „Heartware“ wird Adam Eli von einer einflussreichen Person aufgefordert, sich auf die Suche nach seiner alten Liebe Will zu machen, die neun Jahre zuvor verschwand und ihn vielleicht verraten hat. Die Suche wirft zunächst mehr Fragen auf, als sie beantwortet, während eingeschobene Y-Kapitel brisante Hinweise liefern, wie alles zusammenhängt. Ich hätte mir erste Antworten noch früher gewünscht. Die letzten Kapitel liefern schließlich Spannung und Aha-Erlebnis zugleich und runden das Buch gelungen ab. Ich kann Euch deshalb empfehlen, Euch selbst auf die Suche nach Will zu machen!

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69 Bibliotheken, 7 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

bretagne, krimi, dupin, frankreich, kommissar dupin

Bretonisches Leuchten

Jean-Luc Bannalec
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 27.06.2017
ISBN 9783462050561
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Für Kommissar Dupin stehen zwei Wochen Strandurlaub an der Côte de Granit Rose gemeinsam mit Claire auf dem Programm. Doch die verordnete Ruhe wird für ihn schnell zur Geduldsprobe. Seine Anrufe auf dem Kommissariat ändern an seiner Langeweile nichts, denn Nolwenn verweigert ihm jegliche Information. Doch dann kommt es in seinem Ferienort Trégastel zu einer Reihe von Vorfällen: Erst gibt es einen Diebstahl und einen Einbruch, dann wird eine Abgeordnete durch einen Steinwurf verletzt und schließlich verschwindet ein anderer Feriengast spurlos. Gibt es Zusammenhänge? Heimlich stellt Dupin Nachforschungen an, bei denen er sich weder von Claire noch vom ansässigen Kommissar erwischen lassen sollte…

Auf den ersten Seiten des inzwischen sechsten Falls für Kommissar Dupin scheint ein neuer Fall ganz weit weg zu sein. Dupin befindet sich im Sommerurlaub und soll den Tag mit Schwimmen, Sonnen und Essen verbringen. Zumindest gegen letzteres hat er nichts einzuwenden, doch das Nichtstun setzt ihm schnell zu. Er verweist zwar immer wieder auf seine Ferien, kann aber Anrufe im Kommissariat nicht sein lassen und hört auch bald bei den Gerüchten über merkwürdige Vorfälle genauer hin, die die Runde machen. Der recht ruhige Start hielt einige amüsante Momente bereit, doch ich wartete noch auf mehr Schwung und einen „richtigen“ Fall, der gelöst werden will.

Ruhelos wandert Dupin umher und macht so schnell neue, interessante Bekanntschaften in Trégastel. Sein erster Kontakt in Sachen Neuigkeiten und Gerüchte ist Rosmin Bellet. Der eifrige Hotelbesitzer erzählt Dupin von den aktuellen Vorfällen wie dem Diebstahl einer Heiligenstatue, einem Einbruch ohne dass etwas entwendet wurde und schließlich dem Steinwurf auf eine Abgeordnete. Das gibt Dupin den entscheidenden Schubs, sich mal etwas umzuhören, zum Beispiel bei Élodie Riou, der nicht weniger redseligen Besitzerin des Presseladens, die ihm auch sagen kann, wann man Verdächtige bei ihr im Laden „zufällig“ abpassen kann. Spätestens als auch noch eine Frau vor seinen Augen verschwindet und Dupin dem nachgehen will ist nicht mehr zu leugnen, dass er auch in den Ferien das Ermitteln nicht sein lassen kann.

Dupins Versuche, seine Aktivitäten geheim zu halten, sind wirklich unterhaltsam. So kauft er zum Beispiel ein blaues Clairefontaine statt eines roten für seine Notizen und schlägt euphorisch Ausflüge zu Orten vor, die in möglicher Verbindung zu den Vorfällen stehen. Claire scheint von seinen Ermittlungen nichts zu merken – oder kommen ihr Dupins Ausreden, die Zeit nicht auf dem Liegetuch zu verbringen, etwa gelegen? Trotzdem muss Dupin Informationen für seine Ermittlungen vor allem aus zweiter Hand beziehen und Befragungen unter dem Deckmantel harmloser Plaudereien vornehmen. Das geht alles nicht sonderlich schnell und ich vermisste die echte, heißt unmittelbare Ermittlungsarbeit.

Mit dem Fund einer Toten wird die Geschichte schließlich interessanter. Wer war die Frau? Was hatte sie am Fundort zu suchen? Auch hier wird Dupin von seinen Kontakten auf dem Laufenden gehalten, zu denen immer mehr Personen zählen. Ob trotzdem geheim halten kann, was er da macht? Der ansässige Kommissar scheint zumindest eine Vermutung zu haben, dass da etwas im Busch ist. Derweil ferien-ermittelt Dupin weiter in verschiedene Richtungen. Es gibt viele Fragen und einige Verdächtige, die wenn nicht in den Steinwurf und den Mord, dann zumindest in andere krumme Machenschaften verwickelt sind. Die Auflösung ist schließlich plausibel, doch die Art und Weise der Offenbarung ist selbst für Dupin schräg und konnte mich nicht so recht überzeugen.

In „Bretonisches Leuchten“ macht Dupin gemeinsam mit Claire Strandurlaub. Doch Ruhe ist für den Kommissar ein Fremdwort, und so beginnt er schnell, sich bezüglich verschiedener Vorkommisse in der Gegend umzuhören. Als eine Tote gefunden wird ist Dupins Lust, Ermittlungen anzustellen, endgültig geweckt. Seine Versuche, die Nachforschungen geheim zu halten, waren sehr amüsant. Doch insgesamt kam die Geschichte nicht so recht in Schwung. Die neuen Charaktere sind interessant, doch ich hätte mir mehr unmittelbare Ermittlungsarbeit und überraschende Entwicklungen gewünscht. Die Idee, Dupin in die Ferien zu schicken, hat mir gut gefallen, doch in der Umsetzung reicht es bei mir nur für gute drei Sterne.

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90 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 48 Rezensionen

selbstmord, liebe, freundschaft, erwachsen werden, island

Das Licht und die Geräusche

Jan Schomburg
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 10.03.2017
ISBN 9783423281089
Genre: Romane

Rezension:

Boris ist neu in Johannas Kurs, und die beiden werden schnell enge Freunde. Wenn es nach Johanna geht, dann dürfte zwischen den beiden auch mehr sein. Doch Boris hat eine Freundin in Portugal, die Johanna ein Rätsel ist. Ein Vorfall während der Kursfahrt bringt sie ebenso ins Grübeln wie Boris‘ Verhalten. Und dann ist Boris plötzlich verschwunden…

Der Titel des Buches hat mich neugierig gemacht und basierend auf der Buchbeschreibung erwartete ich einen Roman über das Erwachsenwerden. Im ersten Kapitel habe ich mich schwer getan, in die Geschichte hineinzufinden, denn sie springt hin und her und ich brauchte eine Weile, um alles gedanklich zu sortieren.

Johannas Handeln und ihre Motivation war fürm ich zu Beginn nicht nachvollziehbar. Sie steht in der Wohnung eines wildfremden älteren Mannes und überlegt, ob sie mit ihm schlafen soll, während der betrunkene Boris und seine schweigsame Freundin im Nebenzimmer sitzen. Erst im Laufe der Zeit konnte ich etwas besser verstehen, was in ihr vorgeht. Sie grübelt viel über das Erlebte nach und macht dabei viele Gedankensprünge, wodurch die Geschichte unruhig blieb.

Der Leser erlebt Johanna in einer bunten Mischung ganz verschiedener Situationen rund ums Thema Erwachsenwerden. Dabei werden sehr viele Themen angerissen, aber kaum eins vertieft. Gerade bei sensiblen Themen habe ich das nötige Fingerspitzengefühl vermisst. Gleichzeitig fehlten mir Einblicke in die Handlungsmotivation der Personen. Insbesondere Thema Suizid kam für mich zum einen aus heiterem Himmel und wurde zum anderen nicht wirklich aufgearbeitet.

„Das Licht und die Geräusche“ kann mit seinem Schreibstil punkten, doch durch den unstrukturierten Aufbau konnte ich nicht so recht in die Geschichte hineinfinden. Zudem fand ich es schade, dass Themen dem Leser vorgesetzt, aber kaum vertieft werden. Insgesamt lässt mich das Buch vor allem ratlos zurück. Um es mit Johannas Worten zu sagen: „Aber dann denke ich, dass man vielleicht auch nicht immer alles verstehen muss.“ (S. 29)

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(62)

223 Bibliotheken, 7 Leser, 0 Gruppen, 29 Rezensionen

nachtblumen, trauma, carina bartsch, sylt, liebe

Nachtblumen

Carina Bartsch
Flexibler Einband: 544 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 23.06.2017
ISBN 9783499291081
Genre: Liebesromane

Rezension:

Die neunzehnjährige Jana trägt auch im Sommer lange Kleidung, nimmt ihre Fischermütze nie ab und schläft am liebsten unter dem Bett. Auf Sylt erhält sie eine wertvolle Chance: Sie kann dort eine Ausbildung als Bauzeichnerin machen und während der Zeit mit vier anderen jungen Erwachsenen in einem Wohnprojekt im Haus ihres neuen Chefs wohnen. Jana ist von so viel Unterstützung ohne Hintergedanken zunächst überfordert und lebt sich nur langsam ein. Auch auf ihre neuen Mitbewohner muss sie sich erst einstellen. Ihre Gedanken kreisen immer häufiger ausgerechnet um Collin, der am liebsten schweigt, zeichnet und niemanden so recht sich heranlässt. Was wird Jana aus ihrer Chance machen?

Zu Beginn des Buches lernt der Leser Jana kennen, für die gerade ein ganz neuer Lebensabschnitt beginnt. Sie hat alles hinter sich gelassen, um auf Sylt eine Ausbildung zu beginnen. Nach wenigen Seiten lernt sie ihre neue Therapeutin Dr. Flick kennen, die auf Jana viel nahbarer und herzlicher wirkt als ihre Vorgänger. Auch die Völkners, bei denen Jana für die nächsten drei Jahre wohnen soll, sind von Beginn an herzlich. Ich fand die Vorstellung klasse, dass sie in ihrer Firma jungen Erwachsenen eine Chance geben, die auf den ersten Blick nicht die perfekten Bewerber sind, in denen sie aber Potential sehen. Gleichzeitig konnte ich gut verstehen, dass Jana von so viel Freundlichkeit erst einmal überwältigt ist.

Jana lernte ich als unsicher und zurückhaltend kennen. Was in ihrer Vergangenheit vorgefallen ist bleibt vorerst im Dunkeln. Sie will auf Sylt unbedingt alles richtig machen und auf keinen Fall negativ auffallen. Doch es gibt verschiedene Situationen, in denen sie sich unwohl fühlt und ihr das auch anzumerken ist, zum Beispiel in der Berufsschule. Von Collin erhält sie dazu den Ratschlag, keine Schwäche auszustrahlen. Ansonsten schweigt dieser sie meist an, selbst wenn sie zu zweit an einem versteckt gelegenen Ort am Strand sitzen. Er legt ein widersprüchliches Verhalten an den Tag und ist ein undurchschaubares Rätsel. In die Ich-Erzählerin Jana konnte ich mich hingegen sehr gut hineinversetzen. Durch die Therapiesitzungen mit Dr. Flick erfuhr ich allmählich auch mehr über ihre Vergangenheit, was mich besser verstehen ließ, welche Erinnerungen sie verfolgen.

Wie auch für Jana war für mich als Leser zu Beginn des Buches alles neu und aufregend. Mit der Zeit wird die Geschichte etwas ruhiger und die Beziehungen zu den anderen Mitbewohnern und den Völkners rücken in den Mittelpunkt. Hier war es interessant zu erleben, wie Jana mit den ganz unterschiedlichen Charakteren zurechtkommt. Insbesondere ihr kompliziertes Verhältnis zu Collin wird immer wichtiger. Hier gibt es viele schöne, aber auch nachdenkliche und erschütternde Momente. Insbesondere wenn es um die beiden geht wählt die Autorin ihre Worte behutsam und trifft den richtigen Ton. Die Zeit rast unterdessen weiter, die Monate fliegen geradezu dahin und man erlebt mit, wie Jana an ihren Aufgaben wächst. Auf den letzten 60 Seiten wurde für mich zu viel Story zu wenig Platz gegeben. Die Ereignisse wurden sehr schnell abgehandelt, weshalb mich das emotional passende Ende trotzdem nicht voll überzeugen konnte.

In „Nachtblumen“ wagt die Protagonistin Jana auf Sylt einen kompletten Neustart. Ich konnte mich sehr gut in sie hineinversetzen und fand es interessant, ihre Entwicklung mitzuerleben. Der Fokus des Buchs liegt auf ihrer Beziehung zu den anderen Mitbewohnern, insbesondere dem verschlossenen Collin, zu dem sie sich hingezogen fühlt. Emotional und authentisch erzählt die Autorin eine starke Geschichte mit Höhen und Tiefen. Lediglich vom Ende hätte ich mir mehr erhofft. Ich vergebe vier Sterne für diese Geschichte über das Erwachsenwerden und Sich-selbst-finden mit Charakteren, deren Vergangenheit Schatten birgt.

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34 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

band 1

Wenn die Wellen leuchten

Patricia Koelle
Flexibler Einband: 544 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 22.06.2017
ISBN 9783596297610
Genre: Liebesromane

Rezension:

Rhea ist auf der Nordseeinsel Amrum aufgewachsen, die sie nur selten verlassen hat. Als Kind wurde sie von ihren Mitschülern gehänselt, weil sie ihren Vater nicht kennt und ihre Mutter Filine die Erinnerung an ihn nur langsam mit ihr teilt. Gleichzeitig war sie fasziniert von der Legende des Töveree Fisk, der früher mit seinem blauen Leuchten Schiffe gerettet hat. Ob sie eine magische Schuppe von ihm im Watt finden kann? Als Erwachsene betreibt sie gemeinsam mit ihrer Mutter eine Minigolfanlage auf der Insel. Noch immer hofft sie, irgendwann ihren Vater zu finden. Als sie eines Tages ein verlockendes Angebot erhält, wagt sie den Sprung ins Ungewisse…

Nachdem mich die Ostsee-Trilogie der Autorin begeistern konnte, habe ich mich riesig über die Nachricht gefreut, dass das nächste Projekt eine Nordsee-Trilogie ist. Der Prolog nimmt den Leser mit ins 18. Jahrhundert: Im Sturm gerät ein Schriff in Seenot und wird von einem blau leuchtenden Fisch gerettet – dem Töveree Fisk? Als einziger Beweis für dessen Eingreifen bleibt dem Kapitän eine blau schimmernde Schuppe. Eine schöne Legende, auf die auch im Titel angespielt wird und die mich neugierig darauf machte, welche Rolle der Töveree Fisk in der Geschichte spielt.

Die Protagonistin Rhea lernt man zuerst als Kind kennen, dass von den anderen wegen ihres unbekannten Vaters geärgert wird und die Strandkrabben als ihre Freunde betrachtet. Vierzehn Jahre später, im Jahr 1979, ist aus Rhea eine starke Frau geworden, die fest mit der Insel verbunden ist und der dennoch etwas fehlt: Das Wissen, wer ihr Vater wirklich war. In Rückblenden aus der Perspektive von Filine erfährt man genau wie Rhea als Kind Stück für Stück alles, was sie über ihn weiß. Ich mochte Rheas besonnenes Wesen von Beginn an sehr. Auch Filine verstand ich mit jeder Rückblende besser.

Besonders interessant fand ich Filines Begabung, Minigolf-Hindernisse zu bauen und mit ihnen eine Geschichte zu erzählen. Daraus ergibt sich für sie auch eine tolle Gelegenheit, nur für eine Weile die Insel zu verlassen, wodurch Schwung in die Geschichte kam. Sie macht neue Bekanntschaften, die sie darum bitten, Geschichten zu erzählen. Dadurch erfuhr man noch mehr über ihre Kindheit und andere Inselbewohner. Dieses Eintauchen machte Spaß, ich lernte die bezaubernde Insel Amrum und dessen Bewohner immer besser kennen und nicht selten kannte ich danach ein neues Geheimnis.

Der Leser begleitet Rhea und Filine über mehrere Jahrzehnte durch Höhen und Tiefen. Die Jahre flogen beim Lesen geradezu dahin. Schön fand ich, dass es auch ein Wiedersehen mit Henny Badonin aus der Ostsee-Trilogie gab. Auch Kalle aus „Die eine, große Geschichte“ spielt eine Rolle. Dieses Buch kenne ich leider noch nicht und ich hatte das Gefühl, dass mir dadurch Vorwissen fehlte, um ihn besser verstehen zu können.

Im Buch gibt es immer wieder entscheidende Momente, die Rhea oder Filines weiteren Weg nachhaltig bestimmen. Diese waren mal schön oder bittersüß und mal dramatisch und machten die Handlung abwechslungsreich. Für meinen Geschmack neigten aber zu viele Personen dazu, wortlos die Insel zu verlassen. Zum Ende hin kam mir die Wendung in Richtung Happy End außerdem zu abrupt. Trotzdem hat mir der Abschluss gefallen, denn die drängendsten Fragen wurden geklärt. Gleichzeitig warten weitere Geheimnisse darauf, gelüftet zu werden, sodass ich mich schon sehr auf die Fortsetzung freue.

„Wenn die Wellen leuchten“ erzählt die Geschichte von Rhea und Filine, die auf der Nordseeinsel Amrum leben. Der Leser begleitet die beiden durch abwechslungsreiche Jahre, in denen sie nach der Liebe und dem legendären Töveree Fisk suchen. Mir hat es Spaß gemacht, mich gedanklich in diese schöne Geschichte fallen zu lassen. Sehr gern empfehle ich das Buch weiter.

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267 Bibliotheken, 10 Leser, 0 Gruppen, 92 Rezensionen

liebe, prosopagnosie, mobbing, jennifer niven, übergewicht

Stell dir vor, dass ich dich liebe

Jennifer Niven , Maren Illinger
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei FISCHER Sauerländer, 22.06.2017
ISBN 9783737355100
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Libby und Jack sind auf den ersten Blick ganz verschieden. Libby ist stark übergewichtig, war einst bekannt als „Amerikas fettester Teenager“ und ist nach Jahren des Heimunterrichts und Abnehmens endlich wieder bereit für die Welt. Jack hingegen gilt als cool, hat viele Freunde und führt eine On-Off-Beziehung mit der beliebten Caroline. Doch er hat ein Geheimnis: Er leidet unter Prosopagnosie, das heißt, er kann ihm bekannte Menschen nicht anhand ihrer Gesichter erkennen. Als er sich von seinen Freunden zu einer demütigenden Aktion gegen Libby anstiften lässt, verrät er ihr im Gegenzug sein Geheimnis. Er fühlt sich von ihr verstanden und beginnt, Zeit mit ihr zu verbringen – zum Missfallen von seinen Freunden und vor allem Caroline…

Schon vor der Lektüre war mir die Krankheit Prosopagnosie bzw. Gesichtsbildheit bekannt, allerdings nur in Form von wissenschaftlichen Erkenntnissen. Deshalb war meine Neugier gleich geweckt als ich hörte, dass der Protagonist des Romans darunter leidet. Schnell ist klar, dass zwischen den pinken Buchdeckeln zwar die Liebe eine Rolle spielt, aber auch mal ernstere Töne angeschlagen werden, durch welche die Geschichte alles andere als eine typisch kitschige Love Story ist.

Zu Beginn des Buches lernt der Leser Libby an ihrem ersten Schultag seit der fünften Klasse kennen. Sie ist in vielerlei Hinsicht aufgeregt. Zum einen freut sie sich auf viele neue, nette Bekanntschaften. Zum anderen ist sie sich ihres Übergewichts absolut bewusst und ahnt, dass sie auch abfällige Kommentare hören wird. Beides bewahrheitet sich – sie findet erste Freunde, wird aber auch Opfer verschiedener Gemeinheiten. War sie zu Beginn noch unsicher, so wird sie mit der Zeit immer selbstbewusster, worüber ich mich sehr für sie gefreut habe.

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht von Libby und Jack erzählt. Jack ist seit Jahren darum bemüht, seine Prosopagnosie geheim zu halten, was schon häufiger zu peinlichen Situationen geführt hat. Zuletzt hat er aus Versehen die Cousine von Caroline geküsst, weil er die beiden verwechselt hat. Ich fand die Einblicke in seine Wahrnehmung und seine Strategien sehr authentisch und interessant. Durch seine Freunde wird Jack schließlich auf Libby aufmerksam. Er trifft eine folgenschwere Entscheidung, durch welche die Dinge ins Rollen kommen. Obwohl er seine Wahl ausführlich begründet konnte ich diese und auch die Art und Weise, wie er Libby sein Geheimnis verrät, nicht hundertprozentig nachvollziehen.

Ich bin schnell tief in die Geschichte eingetaucht. Sie ist temporeich erzählt und gibt gleichzeitig breite Einblicke in die Gedanken und Gefühle der beiden Protagonisten, die mich mit ihnen fühlen ließen. Die beiden müssen sich auf ihre Art und Weise so manchen Herausforderungen stellen. Dabei gibt es schöne, aber auch bedrückende Momente in einem gelungenen Verhältnis. Besonders gefallen haben mir die Dialoge zwischen Libby und Jack, die mit der Zeit vertrauter werden. Beide können sich nicht ganz von den Dingen frei machen, die sie belasten, und beginnen, sich gegenseitig zu unterstützen. Doch Jack steht unter sozialem Druck von seinen Freunden. Ich schwankte deshalb immer zwischen Hoffnung und Sorge, wie es weitergehen wird. Für mich hat die Autorin hier genau die richtigen Worte gefunden und konnte mich berühren. Das Ende hat mir gefallen, es fühlte sich nach den Herausforderungen auf dem Weg dorthin aber schon fast zu einfach an.

„Stell dir vor, dass ich dich liebe“ erzählt die Geschichte von Libby und Jack, die auf ihre Art und Weise aus der Menge herausstechen: Libby ist stark übergewichtig und Jack versucht zu verbergen, dass er aufgrund einer Krankheit bekannte Gesichter nicht wiedererkennen kann. Schwungvoll und berührend zugleich erzählt die Autorin von den Hoffnungen und Ängsten der beiden und wie sie sich zunächst eher unfreiwillig besser kennenlernen. Sehr gern empfehle ich das Buch weiter, das tiefgründiger ist, als das pinke Feelgood-Cover vermuten lässt.

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Schüsse im Schnee

Leena Lehtolainen , Gabriele Schrey-Vasara
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Kindler, 19.05.2017
ISBN 9783463406879
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Über eine Freundin erhält die Leibwächterin Hilja Ilverskero einen neuen Auftrag. Sie soll für die Sicherheit von Lovisa Johnson sorgen. Die zweiundneuzigjährige Dame war früher eine erfolgreiche Unternehmerin. Heute fühlt sie sich in ihrem abgelegenen Anwesen bedroht, denn sie ist sich sicher, dass jemand sie töten will. Vielleicht sogar jemand aus der eigenen Familie? Schon auf dem Weg zum Anwesen gibt es einen Zwischenfall: Ein Unbekannter schießt auf Hiljas Auto. War das ein fehlgeleiteter Schuss eines Wilderers oder eine Nachricht an sie, dass sie unerwünscht ist? Trotzdem nimmt sie den Job an und hält die Augen offen im Kontakt mit Lovisas Familie und Bekannten. Aber bald geschieht wieder etwas…

Das Cover des Buches spiegelt die Abgeschiedenheit des Handlungsortes wieder und machte mich neugierig, was dort wohl geschehen wird. Das Buch startet spannend mit den Schüssen auf Hiljas Auto, die gerade auf dem Weg zu ihrer neuen Auftraggeberin ist. Davon lässt sie sich aber erst einmal nicht abschrecken und beginnt nach einem kurzen Gespräch mit Lovisa sofort mit ihrer neuen Aufgabe als ihre Leibwächterin.

Für Hilja scheint der neue Job zur rechten Zeit zu kommen. Sie hat schon viel durchmachen müssen, was vermutlich in den ersten drei Bänden der Serie beschrieben wird, die ich noch nicht gelesen habe. Immer wieder flackern Erinnerungen auf, die dem Leser das nötigste erklären. Doch vor allem will sie nach vorn blicken und beginnt zügig mit dem Überprüfen der Sicherheitsvorkehrungen. Weil Lovisa nicht will, dass ihre Erben von ihren Ängsten erfahren, gibt sie Hilja als Sekretärin aus, die ihre Memoiren niederschreiben wird. Durch die Gespräche, die die beiden deshalb führen, erhält man immer wieder Einblicke in Lovisas Vergangenheit, aus der sich mögliche Motive ergeben.

Schon bald lernt Hilja Lovisas Erben kennen, bei denen es sich allesamt um exzentrische Persönlichkeiten handelt. Da gibt es den selbstlosen Arzt Johannes, der sich um illegale Einwanderer kümmert; den ehemaligen Polizeischüler Sampo, der zu einer rechten Vereinigung gehört; Aurora, die glaubt ,sie habe übersinnliche Fähigkeiten und Raisa, eine Unternehmerin in der Ölindustrie. Ihre gegensätzlichen Weltanschauungen prallen immer wieder aufeinander und jeder meint zu wissen, was das Beste für Lovisa ist. Zwar sind die Charaktere an sich interessant, aber es wird viel diskutiert und gestritten, wodurch die Geschichte für mich nur schleppend vorankam und an Spannung verlor.

Zwischenzeitlich tritt Lovisas Angst, man könne sie töten, fast gänzlich in den Hintergrund. Stattdessen konzentriert sich die Geschichte auf einen illegalen russischen Einwanderer, den Johannes nach Norwegen schmuggeln will und von dem natürlich vor allem Sampo nichts erfahren darf. Das weckt bei Lovisa alte, geheim gehaltene Erinnerungen. Dieser Handlungsstrang konnte mich leider nicht wirklich fesseln und ich hoffte, dass in Bezug auf die Haupthandlung endlich etwas passiert. Für mich etwas zu spät kommt es zu einem unerwarteten Todesfall, der für Dramatik sorgte. Leider flachte die Spannung danach recht schnell wieder ab und es wurde wieder ruhiger bis hin zu einem kurzen und heftigen Showdown, in dem Personen ihr wahres Gesicht enthüllen und alles auf dem Spiel steht. Vieles hier wirkte auf mich leider zu gewollt und nicht hundertprozentig nachvollziehbar, sodass ich das Buch mit gemischten Gefühlen beendete.

In „Schüsse im Schnee“ soll Hilja eine alte Dame schützen, die glaubt, jemand wolle sie ermorden. Während Hilja sich um ihre Sicherheit kümmert, lernt sie die exzentrische Familie ihrer Auftraggeberin kennen. Die Autorin hat höchst unterschiedliche Charaktere geschaffen und lässt deren Überzeugungen aufeinanderprallen. Doch die Geschichte kommt trotz einzelner dramatischer Momente und gelüfteter Geheimnisse nicht so recht in Schwung. Ich vergebe drei Sterne für diesen ruhigen Kriminalroman im verschneiten Finnland.

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198 Bibliotheken, 9 Leser, 0 Gruppen, 75 Rezensionen

glühbirne, erfinder, stromkrieg, edison, westinghouse

Die letzten Tage der Nacht

Graham Moore , Kirsten Riesselmann
Fester Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 16.02.2017
ISBN 9783847906247
Genre: Romane

Rezension:

New York, 1888. Paul Cravath ist ein junger und aufstrebender Anwalt, dessen erster eigener Mandant gleich ein echtes Schwergewicht ist: George Westinghouse wird von Thomas Edison auf unglaubliche eine Milliarde Dollar verklagt, weil er angeblich dessen Patent an der Glühfadenlampe verletzt hat. Doch Westinghouse ist der Meinung, er habe die Glühlampe erheblich weiterentwickelt, da Edisons Version nicht richtig funktioniert hat. Paul beginnt damit, Schlupflöcher zu suchen und die Gerichtsurteile hinauszuzögern. Unterdessen scheint Edison jedes Mittel recht zu sein, um aus der Angelegenheit als Sieger hervorzugehen: Einschüchterungen, Rufmord und Intrigen folgen Schlag auf Schlag. Kann Paul trotzdem einen Weg finden, um Westinghouse zu helfen? Und wie weit ist er selbst bereit, dafür zu gehen?

Das Thema des Buches hat mich sofort neugierig gemacht. Der Klappentext versprach eine interessante Geschichts- und Physikstunde zugleich zu werden. Mit dem Stromkrieg hatte ich mich bislang noch nicht beschäftigt, und so startete ich ohne Vorwissen in den Roman, der als auf wahren Ereignissen beruhend angepriesen wurde.

Das Buch wirft den Leser gleich mitten hinein in den tobenden Stromkrieg. Auf den ersten Seiten erlebt der Protagonist Paul mit, wie ein Techniker bei Reparaturen an Stromkabeln durch einen falschen Handgriff bei lebendigem Leib verbrennt. Ein erschütterndes Erlebnis für Paul. Kurz darauf erhält er auch noch eine Einladung von Thomas Edison, der ihm klarmachen möchte, wie aussichtlos Pauls Mandat ist. Erst danach wird erläutert, wie Paul überhaupt Anwalt von Westinghouse wurde. Dank dieses schwungvollen und abwechslungsreichen Einstiegs war ich im Nu gefesselt.

Dem Buch gelingt es, Wissen zu vermitteln, zum Beispiel über die Glühbirne, Gleich- und Wechselstrom sowie Patentrecht Indem der Autor die Perspektive des Anwalts Paul gewählt hat, wird es nicht zu technisch, sondern ich konnte den Erklärungen mühelos folgen. Der Autor hat sich dabei an die wichtigsten Fakten gehalten und beschreibt im Nachwort die wichtigsten Quellen und größten Abweichungen zugunsten der Dramaturgie.

Bei der Ausschmückung der Fakten ist eine unterhaltsame und spannende Geschichte entstanden. Den historischen Personen wurde Leben eingehaucht und in der Folge erlebt der Leser Charaktere, die für ihre Ziele brennen und entscheiden müssen, wie weit zu gehen sie bereit sind. Ihre Persönlichkeiten sind vielschichtig und nicht so leicht zu durchschauen. Nebencharaktere wie der verschrobene Erfinder Tesla brachten weitere Abwechslung in die Geschichte. Höchst dramatische Momente ließen mich begierig weiterlesen und auch die Liebe kommt nicht zu kurz. Paul als Protagonist ist schließlich sehr reflektiert, und so gibt es auch nachdenkliche Abschnitte voller markierungswürdiger Sätze, in der Moral, Ziele und Ambition eine Rolle spielen.

Immer wieder gibt es Cliffhanger am Kapitelende und Spannungsspitzen, die das Tempo hoch hielten. Paul als aufstrebender Anwalt, der Fallstricken ausweichen muss und sich beweisen will, ohne sich selbst untreu zu werden, hat mir sehr gefallen. Graham Moore ist hier eine tolle Mischung aus Wissenschaft, Geschichte und spannender Unterhaltung gelungen, die das Buch für mich zu einem Highlight macht.

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278 Bibliotheken, 18 Leser, 0 Gruppen, 77 Rezensionen

liebe, hamburg, werft, krebs, familie

Das Leben fällt, wohin es will

Petra Hülsmann
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 26.05.2017
ISBN 9783404175222
Genre: Liebesromane

Rezension:

Marie ist in ihren Zwanzigern und lässt sich durchs Leben treiben. Am liebsten feiert sie mit ihren Freunden auf dem Kiez bis in den frühen Morgen. Ihr Geld verdient sie mit wechselnden Jobs, seit kurzem arbeitet sie in einem Café. Auf den schnieken Festen ihrer Familie, denen eine Werft gehört, lässt sie sich als schwarzes Schaf nur blicken, wenn sie unbedingt muss. Doch dann erkrankt ihre Schwester, die Geschäftsführerin der Werft, an Brustkrebs. Sie bittet Marie, bei ihr einzuziehen und ihr mit ihren beiden Kindern und dem Haushalt zu helfen. Gleichzeitig setzt ihr Vater sie als Christines Vertretung in der Werft ein, wo sie die Familie repräsentieren soll. Plötzlich ist Maries Leben alles andere als entspannt. Christine geht es zunehmend schlechter und in der Werft gerät sie immer wieder mit Daniel, der rechten Hand ihres Vaters, aneinander. Dieser will sie zum mitdenken motivieren und ist dabei auch noch charmanter, als Marie es gern hätte…

Ich habe mich riesig über die Nachricht gefreut, dass auch in diesem Jahr wieder ein neuer Roman von Petra Hülsmann erscheint. Das Cover passt sehr gut zur neuen Aufmachung der bisherigen Bücher. Anker, Rettungsring und Seesterne versprechen eine Geschichte, in der das Wasser eine große Rolle spielt. Schnell wird die Verbindung klar, denn die Protagonistin Marie lernt man kennen, während sie sich fertig macht für das Frühlingsfest der Werft ihrer Familie.

Marie lebt von Tag zu Tag, ohne sich über irgendetwas allzu sehr den Kopf zu verbrechen. Am liebsten macht sie auf dem Kiez die Nacht zum Tag und ist deshalb viel zu spät dran für das Fest. Dort angekommen erwischt Daniel, der die rechte Hand ihres Vaters ist und den sie überhaupt nicht leiden kann, sie gleich in einer peinlichen Situation. Mit ihrer Interessiert-mich-nicht-Einstellung wurde Marie mir erst einmal nicht unbedingt sympathisch und ich war gespannt, ob sie im Laufe der Geschichte eine Entwicklung durchmachen wird.

Schon bald ändert sich für Marie alles mit der Nachricht, dass ihre Schwester an Brustkrebs erkrankt ist. Plötzlich muss sie sich um zwei Kinder kümmern und obendrein zu repräsentativen Zwecken in der Werft erscheinen, wo sie kritisch beäugt wird. Marie ist zunächst völlig überfordert, wächst aber allmählich an ihren Aufgaben, was ich schön fand. Ihre Reibereien mit Daniel fand ich unterhaltsam. Ich mochte ihn schon bald sehr und fand es gut, wie er Marie aus zum Anpacken bringen will, worauf so gar keine Lust hat. Einige Entwicklungen fand ich allerdings zu abrupt.

Die Szenen mit Christine sind sehr berührend. Ihr geht es zunehmend schlechter, und so kümmert sich Marie bald nicht nur um Christines Kinder, sondern muss ihr helfen, mit den Auswirkungen der Behandlung fertig zu werden und sie zum Essen zu bewegen. Für mich waren diese Szenen aus persönlichen Gründen sehr hart zu lesen, einige Abschnitte musste ich ganz überspringen. Dieses ernste Thema nahm für mich Teile der Leichtigkeit aus der Geschichte, die ich bei den vorherigen Büchern der Autorin so mochte.

Marie wurde mir im Laufe des Buches immer sympathischer, denn ich stellte fest, dass in ihr mehr steckt, als man zunächst dachte. Immer wieder macht sie Andeutungen, dass Ereignisse in der Vergangenheit für ihren Lebensweg verantwortlich sind und ich war neugierig, was dahinter steckt. Vor allem ihre Beziehung zu Daniel, die zu Beginn vor allem durch Abneigung geprägt war, wandelt sich im Laufe des Buches stark. Sie durchlebt Höhen und Tiefen, die eins gemeinsam haben – sie konnten mich sehr gut unterhalten. Bald freute ich mich über jedes Mal, wenn die beiden aus ganz verschiedenen Gründen aufeinander trafen. Der Abschluss des Buches ist dann zwar recht kurz, der hoffnungsvolle Ton rundete die Geschichte aber gut ab.

„Das Leben fällt, wohin es will“ erzählt von Marie, deren Leben sich durch die Krebsdiagnose bei ihrer Schwester völlig ändert. Statt bis in den frühen Morgen auf dem Kiez zu feiern zieht sie als Hilfe zu ihrer Schwester und muss sie zusätzlich in der Werft der Familie vertreten. Es hat Spaß gemacht, zu erleben, wie Marie sich durch die neue Verantwortung wandelt. Ihre Reibereien mit Daniel, der rechten Hand ihres Vaters, waren besonders amüsant. Die Erkrankung ihrer Schwester sorgte für sehr berührende Szenen, welche das Buch deutlich ernster machten als die bisherigen Bücher der Autorin. Eine Geschichte über das Leben, die Liebe, Segeln, Bootsbau und Piraten, die aber auch ernste Töne anschlägt.

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139 Bibliotheken, 8 Leser, 1 Gruppe, 72 Rezensionen

liebesroman, liebe, annie darling, london, buchhandlung

Der kleine Laden der einsamen Herzen

Annie Darling , Andrea Brandl
Flexibler Einband
Erschienen bei Penguin, 09.05.2017
ISBN 9783328100980
Genre: Romane

Rezension:

Posy ist Angestellte im Bookends, einer alteingesessenen Buchhandlung in Bloomsbury, London. Schon ihre Eltern haben hier gearbeitet, bis sie bei einem Autounfall ums Leben kamen, als Posy einundzwanzig war. Danach ließ Lavinia Posy und ihren kleinen Bruder in der Wohnung über der Buchhandlung wohnen. Doch sieben Jahre später verstirbt auch Lavinia mit über 80 Jahren. Die Buchhandlung vermacht sie überraschenderweise aber nicht ihrem Enkel Sebastian, der in den Medien als „unverschämtester Kerl Londons“ gilt, sondern Posy. Wenn der Laden innerhalb von zwei Jahren wieder Gewinn abwirft, dann darf sie ihn behalten. Aktuell laufen die Geschäfte schlecht, und Posy braucht einen Plan. Sie will den Laden auf Liebesromane, ihr Lieblingsgenre, spezialisieren. Sebastian, der neuerdings ständig vorbeischaut, hat allerdings ganz andere Pläne. Ihren Frust schreibt Posy sich von der Seele – mit überraschendem Ergebnis. Wird sie den Laden retten können?

Geschichten über Buchhandlungen üben auf mich immer einen ganz besonderen Reiz aus und so war es kein Wunder, dass „Der kleine Laden der einsamen Herzen“ es in mein Bücherregal geschafft hat. Das Buch beginnt mit einem Nachruf auf die verstorbene Lavinia, der Besitzerin des Bookends. Wer einen bedrückenden Start erwartet, der liegt allerdings falsch. Auf der Trauerfeier müssen die Gäste Lavinias letztem Willen entsprechend bunte Kleider tragen und Champagner trinken. Posy hat deshalb auch schon einiges intus, als Sebastian sie zum Anwalt zerrt, der ihr verkündet, dass sie tatsächlich die Buchhandlung erbt.

Schnell war ich mitten drin in der Geschichte und der großen Frage, wie Posy den schlecht laufenden Laden retten kann, um ihn behalten zu dürfen. Die drei Angestellten sind ganz spezielle Charaktere, denen Lavinia in ihrer Buchhandlung eine Chance gegeben hat und die vor allem erleichtert sind, dass der Laden nicht verkauft wird. Gemeinsam suchen sie nach einer neuen Idee und lassen sich nach anfänglicher Skepsis von Posys Idee, sich auf Liebesromane zu spezialisieren, überzeugen. Doch das bedeutet einen Haufen Arbeit, und Posy hat die Rechnung ohne Sebastian gemacht.

Sebastian taucht ständig in der Buchhandlung auf und will Posy in ihre Pläne hereinreden, denn ihm gehört das Grundstück und bald vielleicht auch der Laden, wenn die zwei Jahre ohne Gewinn verstrichen sind. Von Anfang an macht er seinem Ruf als unverschämter Kerl alle Ehre. Ständig zerrt er an Posy, kommandiert sie herum und redet ununterbrochen, ohne ihr zuzuhören. Ich fand seine Art nervig und umso mehr erstaunte es mich, dass Posy sich das auch noch gefallen lässt. Zwar beschwert sie sich anschließend ständig, gegenüber Sebastian kann sie sich aber nicht durchsetzen. Sie schenkt ihm nicht mal reinen Wein bezüglich ihrer Idee ein, sondern glaubt naiv, dass sich schon alles fügen wird. Als Resultat beginnt Posy eine schwülstige Regency-Liebesgeschichte mit ihnen beiden als Protagonisten zu schreiben. Diese ist in Kitsch kaum zu übertreffen und besitzt dadurch einen gewissen Unterhaltungswert. Wenig nachvollziehbar war für mich aber, woher Posys Gefühle bei Sebastians ätzendem Auftreten kommen.

Ein Lichtblick sind die Angestellten der Buchhandlung, die mir mit ihren kauzigen Verhaltensweisen schnell sympathisch wurden: Nina mit blauen Haaren, Büchertatoos und grauenhaftem Männergeschmack, Verity als Zahlenmensch, die sich weigert zu telefonieren und Tom als Literaturstudent mit unverständlichem Promotionsthema, der selten zum Plaudern aufgelegt ist. Auch die voranschreitenden Planungen der Neueröffnung von Bookends fand ich interessant und realistisch beschrieben. Posy entwickelt während der Vorbereitungszeit eine unterhaltsame Vorliebe für bedruckte Tragetaschen, die sie unbedingt verkaufen will. Durch Kleinigkeiten wie diese wurde die Geschichte immer wieder aufgelockert. Zum Ende hin machen einige Personen eine 180-Grad-Wendung durch, die ich leider überhaupt nicht realistisch fand. Auf das amüsant-schöne Ende konnte ich mich deshalb nicht so recht einlassen.

In „Der kleine Laden der einsamen Herzen“ erbt Posy überraschenderweise die Buchhandlung, in der sie ihr halbes Leben verbracht hat. Damit sie wieder Gewinn abwirft, will sie sich auf Liebesromane spezialisieren. Doch Sebastian, der Enkel der ehemaligen Besitzerin, funkt ständig dazwischen. Während ich die Vorbereitungen für die Neueröffnung interessant fand, konnten mich der nervige Sebastian und die naive Posy als Charaktere leider nicht überzeugen. Für mich bleibt es eine durchschnittliche Liebesgeschichte vor dem ansprechenden Schauplatz einer Buchhandlung, die von mir drei Sterne erhält.

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186 Bibliotheken, 11 Leser, 1 Gruppe, 26 Rezensionen

london, magie, peter grant, krimi, fantasy

Der Galgen von Tyburn

Ben Aaronovitch , Christine Blum
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 05.05.2017
ISBN 9783423216685
Genre: Fantasy

Rezension:

Die Tochter eines Flusses ist in Schwierigkeiten – und Peter Grant soll es richten. Denn als Polizist und Zauberlehrling ist er der Experte für Verbrechen mit magischer Beteiligung. Und Lady Tys Tochter Olivia ist in ein solches verwickelt, denn sie war Gast bei einer Party im Hyde Park Nummer 1, wo ein junges Mädchen nach dem Konsum von Drogen verstorben ist. Auf Nachfrage gibt Olivia zum Entsetzen ihrer Mutter sofort zu, die Drogen gekauft zu haben. Doch was steckt hinter diesem Geständnis? Auch die Eltern des Opfers und der anderen Partygäste sind Hochkaräter in Sachen Macht und Einfluss, sodass sich die Ermittlungen als schwierig gestalten. Zur gleichen Zeit tritt ein Vertreter der Demi-monde an Peter heran, der Nightingale ein einzigartiges Objekt verkaufen möchte. Doch an diesem haben auch andere Interesse. Bald findet sich Peter in magischen Verstrickungen wieder, die es zu entwirren gilt. Dabei geht so einiges zu Bruch…

Nach einer etwas längeren Pause von fast zwei Jahren gibt es endlich ein neues Buch rund um Peter Grant. Peter ist zurück in London und nachdem im vorherigen Band die bänderübergreifende Handlung rund um den Gesichtslosen pausierte war ich gespannt, was Peter nun erlebt. Schon auf der allerersten Seite wird er von Lady Ty aus dem Schlaf gerissen, die einen alten Gefallen einfordert und ihn zum Fundort einer Leiche schickt, wo er die Unschuld ihrer Tochter beweisen soll. Im Nu war ich wieder mitten drin im Geschehen.

Der Fundort ist ausgerechnet der Hyde Park Nummer 1, eine absolute Nobeladresse, deren Wohnungen zu den teuersten der Welt zählen. Das gibt einen ersten Vorgeschmack auf den elitären Kreis, in dem sich Peter während der Ermittlungen bewegt. Auf den ersten Blick ist das Opfer während einer heimlichen Party an einer Überdosis gestorben. Doch Dr. Vaughan, die neue Unterstützung für das Folly in Sachen Pathologie, findet schnell Anzeichen, dass die Verstorbene Praktizierende war. Schnell gibt es eine ganze Menge an Spuren, denen Peter nachgehen muss sowie Eltern und Freunden, die zu befragen sind.

Zusätzlich zu der Ermittlung muss Peter bald noch anderen merkwürdigen Vorgängen nachgehen. Wer ist der Demi-monde, der Nightingale einen einzigartigen, mächtigen Gegenstand verkaufen möchte? Wo hat er ihn gefunden, und wer sind die verschiedenen anderen Parteien, die Interesse daran zeigen? Bald kommt es zu einem ersten aufregenden Höhepunkt vor großartiger Kulisse, bei dem es so richtig knallt und man auch alte Bekannte wiedertrifft. Das brachte noch einmal so richtig Schwung in die Handlung, die tempo- und abwechslungsreich die Seiten füllte.

Mit der Zeit stößt Peter immer weiter vor in ein Netz aus Lügen, Geheimnissen und komplizierten Verstrickungen. War der letzte Band recht übersichtlich, so galt es nun wieder wie in den früheren Bänden, den Überblick bei der Vielzahl an Charakteren zu behalten. Ich habe das Buch mit nur wenigen Pausen gelesen und musste immer wieder zurückblättern, um nachzuvollziehen, wer nun wen kannte und wann Peter das letzte Mal mit ihnen geredet hatte. Auch Ereignisse und Charaktere aus den alten Büchern werden als bekannt vorausgesetzt.

Sehr gut gefallen hat mir, dass Nightingale wieder eine größere Rolle spielt. Neue Charaktere, die ganz besondere Magie wirken können, bringen ein wenig frischen Wind in die Handlung. Auch der Gesichtslose und Lesley sind diesmal wieder dabei und es gibt wichtige neue Informationen, die meine Neugier in Bezug auf diesen Handlungsstrang zumindest ein kleines bisschen befriedigten. Diese Informationen überstrahlen zum Ende hin allerdings den Rest, sodass die Auflösung des Mordfalls etwas in den Hintergrund gerät und für mich ein paar Fragen, vor allem zur Motivation der Beteiligten, offen blieben. Erfreulicherweise gibt es keinen größeren Cliffhanger, trotzdem freue ich mich schon sehr auf den nächsten Fall für Peter Grant!

In „Der Galgen von Tyburn“ fordert Lady Ty bei Peter einen alten Gefallen ein: Er soll die Unschuld ihrer Tochter Olivia bei einem Todesfall beweisen. Dummerweise spricht erst einmal alles für Olivias Beteiligung. Ich fand die Ermittlungen, bei denen sich die Angelegenheit als deutlich komplizierter als gedacht herausstellt, interessant. Spannende magische Kämpfe geben der Handlung zusätzlichen Schwung. Ich hätte mir aber noch mehr Erklärungen und Antworten gewünscht. Insgesamt vergebe ich sehr gute vier Sterne. Für alle Peter Grant Fans auch dieser Band ein absolutes Muss! Wer den Polizisten und Zauberlehrling noch nicht kennt, der sollte mit dem ersten Band, „Die Flüsse von London“, in die Geschichte einsteigen.

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79 Bibliotheken, 7 Leser, 1 Gruppe, 11 Rezensionen

thomas glavinic, sinnsuche, roman, österreich, südpol

Der Jonas-Komplex

Thomas Glavinic
Fester Einband: 752 Seiten
Erschienen bei S. FISCHER, 10.03.2016
ISBN 9783100024640
Genre: Romane

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107 Bibliotheken, 7 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

sci-fi, virtual reality, freundschaft, science fiction, nerds

Ready Player One

Ernest Cline , Sara Riffel , Hannes Riffel
Flexibler Einband: 544 Seiten
Erschienen bei FISCHER Tor, 27.04.2017
ISBN 9783596296590
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Im Jahr 2044 lebt der achtzehnjährige Wade Watts in den Stacks von Oaklahoma City, einem riesigen, in die Höhe gebauten Trailerpark. Weltweite Kriege, Energiekrisen und Hungersnöte haben die Erde in einen Ort verwandelt, dem man am liebsten entfliehen möchte. Dazu nutzen die meisten Menschen wie auch Wade die OASIS, eine riesige virtuelle Welt, in der er sogar zur Schule geht. Doch in jeder freien Minute wird er zum Jäger: Er sucht das legendäre Easter Egg, das der Erfinder der OASIS vor seinem Tod versteckt hat. Wer es findet, der wird dessen riesiges Vermögen erben. Fünf Jahre dauert die Suche schon an – vergeblich. Doch dann findet ausgerechnet Wade die erste Spur…

Zu Beginn des Buches lernt man den Protagonisten und Ich-Erzähler Wade kennen, der dem Leser die Ursprünge der Suche nach dem Easter Egg in der OASIS erklärt. Zu dieser hat der OASIS-Erfinder James Halliday gleich nach seinem Tod mit einer vorab aufgenommenen Videobotschaft aufgerufen. Zum Abschluss des Prologs offenbart Wade, dass er bei der Suche als allererster überhaupt Punkte erzielt hat, was meine Neugier endgültig weckte.

Wade widmet jede freie Minute seiner Zeit der Suche. Er hat kein Geld, selbst seine Essensgutscheine nimmt seine Tante, bei der er als Waise wohnt, ihm ab. Mühsam schlägt er mithilfe seiner Technikkenntnisse durch und hat sich in einem kaputten Lieferwagen einen Zufluchtsort eingerichtet, in der er seine Ausrüstung versteckt. Ohne Geld kann er sich in der OASIS aber weder Gegenstände zum Kämpfen noch Reisen weg vom Schul-Planeten leisten. Trotzdem ist er ein echter Experte und weiß fast alles über Halliday. In seinem besten Freund Aech hat Wade einen Gleichgesinnten gefunden. Dieser verdient sein Geld mit virtuellen Kämpfen und kann sich einen privaten Chatroom eisten, in dem die beiden oft zusammen abhängen, Filme schauen und zocken. Außerdem gibt es noch Art3mis, eine bekannte Bloggerin und Jägerin, für die Wade schon lange schwärme ohne je mit ihr gesprochen zu haben. Ich fand die nerdigen Charaktere mit ihren kleinen Eigenheiten sympathisch und fieberte mit ihnen mit.

Früh wird klar, dass die 80er Jahre in dieser futuristischen Geschichte eine wichtige Rolle spielen. Halliday, der die 80er als Jugendlicher erlebt hat, war ein großer Fan dieser Zeit und hat in seiner Biographie all seine Favoriten aufgelistet: Computer- und Automatenspiele, Pen-and-Paper Rollenspiele, Filme, Serien und Musik. Diese spielen, schauen und hören die Eijäger allesamt wieder und wieder auf der Suche nach Hinweisen. Das Buch ist eine Hommage an die Zeit mit unzähligen Verweisen. Als Kind der 80er wird man viel Bekanntes entdecken. Doch auch mir, die ihre Kindheit in den 90er erlebt hat, machte der in der Zukunft ausgebrochene 80er Jahre Kult Spaß.

Mit dem Fund des ersten von drei Schlüsseln zum Ei kommen die Dinge ins Rollen. Andere Jäger intensivieren ihre Suche und auch IOI, ein mächtiges Internetunternehmen, ist Wade mit seinen eigenen Suchern auf den Fersen. Mit dem Gewinn will IOI die OASIS vom Open Source Angebot in eine exklusive Welt mit monatlicher Zugangsgebühr umwandeln. Um dieses Ziel zu erreichen handeln sie absolut skrupellos. Ihre Schritte schockierten mich und ich hoffte sehr, dass Wade und die anderen Jäger ihnen einen Schritt voraus bleiben. Doch die Einzelgänger müssen zusammenhalten, um eine Chance zu haben. Werden sie miteinander kooperieren oder siegt der Ehrgeiz, die Rätsel ganz allein zu lösen?

Die Suche nach dem Ei übte eine Sogwirkung auf mich aus. Die einzelnen Aufgaben waren interessant und spannend. Um sie zu finden muss immer ein Rätsel gelöst werden. Diese sind sehr speziell, sodass ein Miträtseln leider nicht möglich war. Gleichzeitig passte der gefühlte Schwierigkeitsgrad nicht immer zur Dauer, die Lösung benötigt wird – ich fand ihn oft viel zu lang oder zu kurz. Wade macht in der Zeit der Suche eine große Entwicklung durch und versinkt immer tiefer in der virtuellen Welt. Und auch die Beziehungen der Charaktere zueinander entwickeln sich weiter, was die Lage nicht immer vereinfacht. Die Spannung steigt immer weiter an und die Situation wird zunehmend brenzlig, da die Zeit drängt. Die Charaktere entschließen sich zu drastischen Schritten, die mich hoffen und bangen ließen. Schließlich kommt es zu einem spektakulären Showdown mit unerwarteten Wendungen. Das Ende beantwortet die wichtigsten Fragen und hat mir sehr gut gefallen.

„Ready Player One“ erzählt die Geschichte von Wade, der seit fünf Jahren in der virtuellen Welt OASIS nach einem Easter Egg sucht, mit dessen Fund man das gesamte Vermögen des verstorbenen Erfinders erbt. Als er den ersten Hinweis findet, beginnt eine hochspannende Jagd mit gefährlichen Gegnern. Oft passte der empfundene Schwierigkeitsgrad nicht zur Dauer, die die Experten zur Lösung des jeweiligen Rätsels brauchten. Doch insgesamt konnte mich das Buch sehr gut unterhalten. Alle Sci-Fi und 80er-Fans sollten sich das Buch nicht entgehen lassen!

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120 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 33 Rezensionen

paris, liebe, buchladen, bücher, frankreich

Mein zauberhafter Buchladen am Ufer der Seine

Rebecca Raisin , Annette Hahn
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Rütten & Loening Berlin, 11.04.2017
ISBN 9783352008979
Genre: Liebesromane

Rezension:

Sarah führt eine Buchhandlung, den „Bookshop on the Corner“ im ruhigen Ashford, Connecticut. Derzeit läuft ihr Geschäft nicht allzu gut, und ihr Freund Ridge ist als Journalist fast ununterbrochen in der Welt unterwegs. Als ihre Pariser Freundin Sophie ihr einen Buchhandlungstausch vorschlägt, sagt sie deshalb kurzentschlossen zu. Bald schon findet sie sich in Paris im „Once upon a time“ wieder. Der Laden liegt direkt an der Seine und ist stark frequentiert. Doch von Beginn an läuft es nicht rund: Ihr Gepäck wird gestohlen, die Mitarbeiter wollen sich nicht an den Schichtplan, die meiste Arbeit bleibt an Sarah hängen und Ridge muss seine Ankunft in Paris immer wieder verschieben. Wird Paris Sarah dennoch verzaubern können?

Der Titel des Buches verspricht eine Geschichte, in der sich alles um die Liebe zu Büchern dreht, weshalb meine Neugier gleich geweckt war. Ich hatte vor der Lektüre schon gesehen, dass es sich eigentlich um den zweiten Band einer Reihe handelt, von welcher der erste in Deutschland nicht veröffentlicht wurde. Trotzdem konnte ich mühelos in die Geschichte einsteigen. Ich lernte Sarah kennen, die mit ihrer aktuellen Situation nicht hundertprozentig zufrieden ist und deshalb schon nach wenigen Seiten dem angebotenen Buchhandlungstausch mit Sophie, die unter Liebeskummer leidet und deshalb Paris für eine Weile verlassen will, zustimmt.

Bald schon findet man sich an Sarahs Seite in Paris wieder und lernt ihre neue Heimat für die nächsten Monate kennen. Der erste Eindruck vom „Once upon a time“ ist leider gar nicht so zauberhaft. Es gibt zwar viele Kunden, doch das Personal kommt mit dem kassieren und beraten kaum hinterher, sodass viele Kunden wieder gehen. Die Aushilfen kommen zur Arbeit wann sie wollen und Beatrice, eine der Mitarbeiterinnen, lässt Sarah spüren, dass sie von ihrer Anwesenheit nicht viel hält. Sarah muss die meiste Arbeit erledigen und ist damit erst mal völlig überfordert. Zum Glück gibt es noch Océane und TJ, die anderen beiden Mitarbeiter, mit denen sie sich gut versteht. Wie der Laden bei diesem Chaos bislang so gut laufen konnte blieb mir allerdings ein Rätsel.

Sophie ist mit der Buchhandlung so sehr beschäftigt, dass sie erst einmal nicht viel von Paris sieht. Erst nach einer Weile findet sie die Zeit für kurze Ausflüge. Diese Einblicke ins schöne Pariser Leben fand ich sehr unterhaltsam. Sarah lernt interessante Personen kennen wie Anouk, die einen Antiquitätenladen führt. Insgesamt hat die Autorin die Atmosphäre der Stadt gut eingefangen. Schade fand ich, dass Sarahs Freund Ridge hauptsächlich durch Abwesenheit glänzt. In der Folge macht sich Sarah ständig Gedanken, ob er der richtige für sie ist. Dabei drehen sich ihre Gedanken im Kreis und waren nicht so interessant. Ich hätte mir stattdessen mehr Romantik gewünscht.

Mit der Zeit fasst Sophie in Paris Fuß und schließt Freundschaften. Doch im Laden gibt es immer noch Probleme und auch seltsame Sitten, über die ich den Kopf schütteln musste. Sarahs „neue“ Ideen, die sie umsetzen will, gehörten für mich hingegen in jede gute Buchhandlung und konnten mich nicht überraschen, zum Beispiel der Grundsatz, dass jeder Kunde der eine Frage hat auch beraten wird oder man mal eine Lesung veranstaltet. Was Sophie in der Zwischenzeit in Amerika erlebt erfährt man leider kaum – ich an Sarahs Stelle hätte genauestens Bescheid wissen wollen. Das Ende hat mir schließlich sehr gut gefallen, es ist auf typisch amerikanische Weise kitschig, passt aber zur Story. Einige Dinge bleiben offen, sodass eine Fortsetzung möglich wäre.

„Mein zauberhafter Buchladen am Ufer der Seine“ erzählt die Geschichte von Sophie, die ihren Buchladen in einem verschlafenen amerikanischen Städtchen gegen einen solchen mitten in Paris eintaucht. In Paris angekommen läuft allerdings nichts so recht, wie Sophie es gern hätte. Ich fand die Probleme, mit denen Sophie zu kämpfen hat, für einen erfolgreichen Laden nicht sehr realistisch und hätte mir außerdem noch mehr Romantik gewünscht. Insgesamt fängt das Buch die Atmosphäre der Stadt Paris gelungen ein und vermittelt die Leidenschaft, die Sophie für Bücher empfindet. Ich vergebe gute drei Sterne.

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40 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 21 Rezensionen

liebeskummer, neuanfang, trennung, kinder, liebesgeschichte

Überall bist du

Gerhild Stoltenberg
E-Buch Text: 272 Seiten
Erschienen bei Atlantik, 11.04.2017
ISBN 9783455171419
Genre: Romane

Rezension:

Martha hat einen Listen-Job, dem sie nicht sonderlich viel abgewinnen kann. Ihr Lichtblick ist ihr Freund Tom, der auch privat alles in Listen ordnet, um es im Griff zu haben. Als Martha einen neuen Job als Kindermädchen für den fünfjährigen Oskar und seine beiden jüngeren Brüder annimmt, ist er davon nicht sonderlich begeistert. Ebenso wenig will er Martha seinen Eltern vorstellen oder ihre Freunde kennenlernen. Und dann ist er plötzlich ganz aus ihrem Leben verschwunden. Alles erinnert Martha an ihn, ihr Liebeskummer scheint endlos. Wie kann es nun weitergehen?

Der Titel des Buches und die Regentropfen auf seinem Cover signalisieren eine eh bedrückende Geschichte über die Liebe. Zu Beginn des Buches lernt man Martha kennen, die sich gerade in Belgrad befindet, weil das ein Ort ist, wo „er“ noch nicht gewesen ist. Danach erinnert sie sich zurück an die Zeit, in der sie noch mit ihrem Freund zusammen war. Sie nennt ihn Tom, um nicht an seinen richtigen Namen denken zu müssen.

Martha gibt selbst zu, dass ihr Listen-Job sie nicht sonderlich begeistert, sie dort aber hängen geblieben ist, weil sie irgendwann vergessen hat, neue Pläne zu schmieden. Auf mich wirkte sie wie ein Mensch, dem der Antrieb und ein echtes Ziel fehlen. Zufällig erfährt sie von dem Job als Kindermädchen und nimmt ihn spontan an. Ich war gespannt, ob dieser Job sie verändern wird.

Was Martha an Tom so toll findet, konnte ich leider überhaupt nicht nachvollziehen. Die Geschichten ihres Kennenlernens und eines gemeinsamen Picknicks, das er genauestens geplant hat, klangen schön. Aber das war es dann auch. Tom wirkte auf mich wie ein mürrischer Kontrollfreak, der kein Interesse hat, Martha irgendwo hin zu begleiten oder sie irgendwo hin mitzunehmen. Trotzdem ist sie am Boden zerstört, als er sie plötzlich verlässt, was für mich nach den zuvor gelesenen Episoden aber nicht überraschend war. Leider konnte ich mich deshalb auch nicht so recht in Martha und ihre emotionale Situation hineinversetzen.

Am Besten gefallen hat mir der fünfjährige, für sein Alter sehr weise Oskar, auf den Martha aufpasst. Er hat interessante Ideen und Lebensweisheiten parat. Außerdem versucht er auf rührende Weise, Marthas Liebeskummer zu stillen, indem er zum Beispiel unbedingt ihre Wohnung sehen will und dann heimlich Toms Fotos einsammelt. Inwiefern sein Verhalten authentisch für einen fünfjährigen ist, sei mal dahingestellt. Im Gegensatz zu ihm bleiben die anderen Charaktere eher blass, zum Beispiel Oskars Mutter, die sich um ihr Neugeborenes kümmert oder Marthas Bekanntschaften auf dem Spielplatz, die alles spitz kommentieren.

Die Sprache des Buches ist poetisch-melancholisch, konnte mich aber nicht fesseln. Immer wieder erwischte ich mich dabei, ganze Absätze gelesen zu haben, ohne mir viel davon behalten zu haben. Martha grübelt viel über alle möglichen Alltagsdinge nach und erinnert sich an die Zeit mit Tom zurück. Das fand ich leider nicht sonderlich interessant oder berührend. Ich hoffte die ganze Zeit, dass endlich irgendetwas Martha aus ihrer Lethargie reißt. Die Reise nach Belgrad, die im Prolog schon vorweggenommen wird, ist ein erster Schritt in diese Richtung, die zum Ende hin noch mal ein bisschen Schwung in die Geschichte brachte. Doch auch die Art und Weise, wie Martha dort ihren Liebeskummer allmählich überwindet, konnte mich nicht überzeugen.

„Überall bist du“ kann man flüssig und zügig lesen. Doch die Antriebslosigkeit von Martha und ihre für mich nicht nachvollziehbaren Gefühle für ihren wenig sympathischen und ohne Erklärung verschwundenen Ex-Freund machten es zu keiner interessanten Lektüre für mich. Ich habe leider keinen emotionalen Zugang zu ihr gefunden und das Buch hat bei mir keine Spuren hinterlassen. Es ist keine schlechte Geschichte, doch sie wird mir vermutlich nicht lang in Erinnerung bleiben.

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131 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 62 Rezensionen

new york, drogen, restaurant, alkohol, gastronomie

Sweetbitter

Stephanie Danler , Sabine Kray
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Aufbau Verlag, 11.04.2017
ISBN 9783351036720
Genre: Romane

Rezension:

Tess ist zweiundzwanzig und hat Ohio und ihren Vater hinter sich gelassen, um in New York City ein neues Leben zu beginnen. In kürzester Zeit erhält sie einen Job als Hilfskellnerin in einem renommierten Restaurant – ein echter Glücksgriff. Tess will alles richtig machen und stürzt sich engagiert in die Arbeit. Bald hat ihr Job sie fest im Griff: Die Hektik in der Küche, der Perfektionsanspruch gegenüber den Gästen, aber auch die wilde Trinkerei nach Schichtende und die komplizierten Beziehungen zu den anderen Mitarbeitern.

Das hummerfarbene Buchcover verspricht Einblicke in die feine Restaurantwelt von New York City und ich freute mich auf eine Geschichte mit Höhen und Tiefen. Zu Beginn des Buches lernt man Tess kennen, die gerade in New York City angekommen ist. Im Nu findet sie den Job als Hilfskellnerin. Sie hat zwar schon in der Heimat einige Jahre in einem Café gearbeitet, doch dieser Job ist etwas völlig anderes. Motiviert und wissbegierig tastet sie sich an ihr neues Leben heran.

Tess hat es zu Beginn nicht leicht. Sie ist die Neue, die von den anderen kritisch beäugt wird, einige beachten nicht einmal richtig. Gleichzeitig kennt sie sich weder mit Wein noch mit Austern sonderlich aus. Doch sie ist entschlossen, das zu ändern, und sucht sich dazu die Kellnerin Simone als Mentorin aus. Diese ist eine kühle und distanzierte Person mit großem Einfluss im Restaurant. Dank ihr baut ihr kulinarisches Wissen immer weiter aus, doch Tess wird gewarnt, dass das seinen Preis haben wird. Auch zu den anderen Mitarbeitern findet sie allmählich Zugang. Diese trinken sich gemeinsam nach der Schicht und ziehen dann ihre Stammbar weiter, um weiterzutrinken und zu koksen. Bei ihnen findet Tess Anschluss, indem sie einfach mitmacht.

Ich fand es interessant, Tess immer besser kennenzulernen und zu verfolgen, wie sie immer tiefer in die für sie neue Welt eintaucht. Sie kann sich für ihre Arbeit begeistern und ist motiviert, immer weiter dazuzulernen. Wenn es ums Essen geht, dann ist die Sprache poetisch, mehrfach hat die Autorin Gesprächsfetzen aus dem Restaurant sogar als Gedicht abgedruckt. Die kulinarischen Lektionen sind auch für den Leser interessant, und das Buch liest sich immer wieder wie eine Liebeserklärung an gutes Essen.

„Jeder Job ist leicht für all jene, die nicht gern ihr Hirn einschalten. Ich bin Teil einer kleinen, aber stolzen Minderheit, die daran glaubt, dass Speisen eine Kunst ist, genau wie das Leben.“ (S.188)

Die Geschichte erstreckt sich über einen Zeitraum von fast einem Jahr. In dieser Zeit führt Tess immer stärker ein Leben am Limit. Sie gibt ihr Bestes im Job und gibt sich dann nach der Schicht Alkohol und Koks hin. Diese Szenen strahlen eine gewisse Verzweiflung aus, sie scheint wie die anderen gefangen zu sein in einem Hamsterrad aus Arbeit, Alkohol und Koks.

„Niemand hatte mich irgendwo hingelockt. Ich hatte mir diesen düsteren, verwilderten Pfad, auf dem ich keinen Meter weit sehen konnte, selbst ausgesucht – die Drogen, das bedingungslose Saufen, die Scham, das Durcheinandersein.“ (S. 261)

Doch Tess ist schlau, und sie will mehr. Ihre Faszination für Jake, der an der Bar arbeitet, lässt sie hoffen, dass es noch mehr gibt als die tägliche Routine, die sie durchlebt. Doch Jake gehört auf eine komplizierte Art Simone, und indem Tess die Nähe zu ihm sucht begibt sie sich auf gefährliches Terrain. In den Monaten, in denen ich Tess begleiten durfte, macht sie eine große Entwicklung durch. Sie wächst an ihren Aufgaben und Rückschlägen. Manchmal hätte der Roman ein wenig zielstrebiger erzählt werden können, doch genau diese Ziellosigkeit war für mich ein authentischer Einblick in Tess‘ Gefühls- und Gedankenwelt. Die Autorin hat mit ihren Worten eine Atmosphäre geschaffen, dank der mich das Buch faszinieren konnte bis hin zu einem Ende, das für mich sehr stimmig war.

In „Sweetbitter“ begleitet der Leser fast ein Jahr lang Tess, die als Hilfskellnerin in einem edlen Restaurant in New York City beginnt. Das Buch erzählt von der Leidenschaft für gutes Essen, dem Stress hinter den Kulissen, dem komplizierten Verhältnis der Mitarbeiter zueinander und dem Saufen und Koksen nach Schichtende. Zwar fehlte der Geschichte die Zielstrebigkeit, doch ich fand Tess Entwicklung interessant und die authentische Atmosphäre des Buches machte Lust, weiterzulesen. Wer hinter die Kulissen der Restaurantwelt blicken will und nicht abgeneigt ist, dort neben schönen Erlebnissen auch Stress, Missgunst und Verzweiflung zu finden, für den ist „Sweetbitter“ das richtige Buch.

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320 Bibliotheken, 9 Leser, 1 Gruppe, 58 Rezensionen

magie, london, fantasy, diebin, weltenwandler

Vier Farben der Magie

V. E. Schwab , Petra Huber
Flexibler Einband: 496 Seiten
Erschienen bei FISCHER Tor, 27.04.2017
ISBN 9783596296323
Genre: Fantasy

Rezension:

Kell ist einer der letzten Antari, die Blutmagie üben können. Das verleiht ihm die fast einzigartige Fähigkeit, zwischen den Welten zu reisen. Denn insgesamt gibt es vier Welten, die wie Schichten übereinander liegen und in denen jeweils London das Zentrum ist. Ganz oben befindet sich das Graue London, in dem es fast keine Magie gibt. Es folgt das Rote London, Kells Heimat, die erfüllt ist von lebhafter Magie. Im Weißen London ist die Magie und in der Folge ihre Bewohner bösartig. Und das Schwarze London ist vor Jahrhunderten von der Magie zerstört und deshalb versiegelt worden. Als Adoptivsohn und Botschafter der Königsfamilie im Roten London reist Kell regelmäßig ins Graue und Weiße London. Dabei schmuggelt er heimlich Gegenstände über die Weltengrenzen, die er meist bei Sammlern gegen Dinge eintauscht, die ihn selbst faszinieren. Doch eines Tages nimmt Kell einen machtvollen Gegenstand mit über die Grenze, der alles zerstören könnte…

Als ich zum ersten Mal von diesem Buch hörte, war ich sofort Feuer und Flamme. Ein vierfach existierendes London, in dem die Magie jeweils anders geartet und stark ist, das klang nach einem Fantasyroman ganz nach meinem Geschmack. Zu Beginn des Buches lernt man Kell auf einer seiner Reisen ins Graue London kennen. Für seine Adoptiveltern, die Herrscher im Roten London, bemüht er sich um diplomatische Beziehungen. Doch seine wahre Leidenschaft ist das Sammeln besonderer Gegenstände, die er im Tausch gegen Dinge aus den anderen Welten erhält. Ich fand Kell von Beginn an sehr sympathisch und seine Fähigkeit, von einer Welt in die andere zu reisen, faszinierend.

Das Buch nimmt sich Zeit, den Leser mit den unterschiedlichen Londons vertraut zu machen. Nach seiner Reise ins Graue London kehrt Kell ins Rote zurück und bricht direkt wieder auf ins Weiße. So erhielt ich schnell einen guten Überblick und verstand, auf welche Weisen die Welten sich unterscheiden. Die Unterschiede sind eklatant und der Autorin gelingt es sehr gut, diese in kurzen Szenen auf wirkungsvolle Weise sichtbar zu machen. Ständig entdeckt oder erfährt man etwas Neues, sodass die Erkundung der Welten mir großen Spaß machte.

Nachdem man alle drei betretbaren Welten einmal erlebt hat, kehrt Kell vom Weißen ins Rote London zurück und bringt eher versehentlich ein machtvolles Artefakt mit. Damit kommen die Dinge ins Rollen und in Nu herrscht große Gefahr. Hier kommt auch Lila ins Spiel, eine Diebin aus dem Grauen London, die versucht, Kell ausgerechnet den Quell des Unheils zu stehlen. Damit ist sie im Nu selbst mitten drin im Geschehen. Lila hat eine erfrischend große Klappe, denkt pragmatisch und stürzt sich mutig ins Abenteuer. Sie ist die perfekte Ergänzung zum netten, aber etwas steifen Kell.

Gemeinsam mit Lila macht sich Kell daran, das Chaos zu beseitigen, das er selbst verursacht hat. Er sieht nur eine Lösung, und für diese muss er sich aufmachen in Richtung Schwarzes London. Doch die Konsequenzen sind bereits viel größer, als er ahnt. Zudem ist ihm Holland, der einzige andere Antari, der von den grausamen Herrschern des Weißen Londons kontrolliert wird, auf den Fersen. Kämpfe werden ausgetragen, Magie wird gewirkt, Intrigen werden gesponnen und das Unheil breitet sich immer weiter aus. All das konnte mich an die Seiten fesseln. Die Spannung ist kontinuierlich hoch, immer wieder kommt es zu überraschenden Wendungen und unerwarteten Entdeckungen. Das Finale setzte diesem total gelungenen Roman schließlich noch mal ein Sahnehäubchen der Spannung auf. Nun freue ich mich riesig auf die Fortsetzung, die im Herbst erscheint.

„Vier Farben der Magie“ konnte mich mit seiner kreativen Idee des vierfach existierenden Londons neugierig machen. Die spannende Umsetzung und die beiden sympathischen Hauptcharaktere, die ganz verschieden sind und sich damit perfekt ergänzen, konnten mich begeistern. Diese magische Geschichte hat mich von der ersten bis zur letzten Seite in ihren Bann gezogen. Ein Must Read für alle Fantasy-Fans!

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59 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 11 Rezensionen

2017, damaris liest

Das Glück hat vier Farben

Lisa Moore , Maren Illinger
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei FISCHER Sauerländer, 27.04.2017
ISBN 9783737354806
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Flannery ist sechzehn Jahre alt und in Tyrone verliebt, seit sie denken kann. Als Kinder haben sie vieles gemeinsam unternommen, doch dann ist er weggezogen. Nun gehen sie beide wieder auf die gleiche Schule. Aus Tyrone ist ein Rebell geworden, der Graffitis sprüht und ständig die Schule schwänzt. Für ein Schulprojekt müssen die beiden gemeinsam ein Produkt entwickelt. Tyrone schlägt Liebestränke vor und verschwindet dann wieder tagelang. Wird er Flannery helfen? Unterdessen hat ihre beste Freundin Amber einen neuen Freund und entfernt sich zunehmend von ihr. Und ihre Mutter gibt das wenige Geld, das sie als Sozialhilfeempfängerin hat, lieber für Spielzeug für ihren Sohn aus als für die Stromrechnung und Flannerys Schulbücher. Kann Flannery in diesem Chaos für sich selbst einstehen?

Das Cover und der Titel des Buches spielen auf die Liebestränke an, die Flannery und Tyrone für ihr BWL-Projekt entwickeln. Zu Beginn des Buches lernt man Flannery kennen, welche die Geschichte aus der Ich-Perspektive erzählt und dem Leser zunächst einen groben Überblick über ihr Leben gibt. Da gibt es ihre große Liebe Tyrone, der fast nie in der Schule ist und sie kaum beachtet; ihre beste Freundin Amber, für die Schwimmen wichtiger ist als Schule; ihre alleinerziehende Künstler-Mutter, die nicht mit Geld umgehen kann und ihren kleinen Bruder Felix, auf den Flannery ständig aufpassen muss. Alles in allem hat Flannery kein perfektes Leben, aber sie hat sich damit arrangiert und Menschen, die zu ihr stehen.

Schon nach kurzer Zeit geraten die Dinge in Bewegung. Nach wenigen Seiten wird Tyrone Flannerys Partner für das BWL-Projekt. Endlich eine Chance, mehr Zeit mit ihm zu verbringen! Auch Amber wird ihrem Schwarm zugelost, mit dem sie kurz darauf zusammen kommt. Nun will sie aber lieber Zeit mit ihm und den Freundinnen seiner Bandkollegen verbringen als mit Flannery. Und auch dass ihre Mutter gerade wieder absolut pleite ist macht die Situation nicht einfacher. Flannery muss lernen, für sich selbst einzustehen und zu entscheiden, in welche Dinge es sich lohnt, Energie zu stecken.

Die Autorin setzt viele Rückblenden ein. In diesen erinnert sich Flannery meist an ihre Kindheit, sodass man als Leser die Beziehung zu ihrer Mutter, Amber und Tyrone besser verstehen konnte. Allerdings sind Flannerys Gedankengänge nicht sonderlich geordnet, sodass ich manchmal verwirrt war, und sie holt weit aus. Außerdem werden wichtige Fakten vertauscht, zum Beispiel ist Tyrone erst am gleichen Tag geboren und plötzlich zehn, während Flannery neun ist.

Auch in der Gegenwart grübelt Flannery viel und setzt sich mit ihrer Situation auseinander. Zum einen beschäftigt sie ihre Schwärmerei und die Probleme mit der besten Freundin. Ich muss zugeben, dass ich weder Tyrone noch Amber sonderlich sympathisch fand. Sie sind beide sehr egozentrische Personen, die Flannery in wichtigen Momenten im Stich lassen. Zum anderen wird das Thema Armut angesprochen. Ich fand es zwar merkwürdig, dass Flannery sich gar nicht damit beschäftigt, ob sie mit einem Aushilfsjob ein wenig eigenes Geld verdienen könnte. Doch sie gibt emotionale Einblicke, wie sie sich fühlt, wenn ihre Mutter ihr nicht mal ein Biobuch kaufen kann, die mich nachdenklich stimmten.

Die Geschichte entwickelt sich anders, als ich es zu Beginn erwartet hätte. Das fand ich sehr gut, denn viele Klischees werden damit nicht erfüllt. Die Atmosphäre wird zunehmend bedrückend und zeigt, dass manchmal eben nicht alles so läuft, wie man es gerne hätte. Trotz der Masse an kritischen Situationen in kürzester Zeit fand ich die Entwicklung der Charaktere authentisch. Die Entwicklungen rund um den Liebestrank fand ich witzig, sie lockern die Stimmung zwischendurch wieder auf. Das Ende ist schließlich definitiv kein rosa Zuckerguss, es rundet die Geschichte versöhnlich und stimmig ab.

„Das Glück hat vier Farben“ ist eine Coming of Age Story, in der die sechzehnjährige Flannery gemeinsam mit ihrem Schwarm Liebestränke für ein Schulprojekt entwickeln will. Doch der lässt sich nur selten in der Schule blicken, ihre Freundin hat kaum mehr Zeit für sie und ihre alleinerziehende Mutter ist wieder völlig pleite. Die Geschichte bedient keine Klischees, sondern spricht wichtige Themen an. Ich empfehle das Buch an Jugendliche weiter, die Lust auf eine Geschichte haben, in der einige Dinge anders verlaufen als gedacht.

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635 Bibliotheken, 23 Leser, 1 Gruppe, 64 Rezensionen

fantasy, liebe, dystopie, amy ewing, das juwel

Das Juwel – Der Schwarze Schlüssel

Amy Ewing , Andrea Fischer
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei FISCHER FJB, 27.04.2017
ISBN 9783841440198
Genre: Jugendbuch

Rezension:

In der Weißen Rose laufen die Vorbereitungen für die geplante Revolution auf Hochtouren. Violet und ihre Freundinnen reisen zu den verschiedenen Verwahranstalten, um alle Teilnehmerinnen der nächsten Auktion für ihr Vorhaben zu gewinnen und ihnen zu zeigen, wer sie wirklich sind. Doch dann erfährt Violet, dass auf ihre Schwester Hazel, die von der Herzogin vom See gefangen gehalten wird, ein Mordanschlag geplant ist. Sie will nicht länger warten, sondern verändert mithilfe der Auspizien ihr Aussehen und begibt zurück sich in die Höhle des Löwen, den Palast der Herzogin. Kann sie unentdeckt bleiben und ihrer Schwester helfen? Und wird der Revolutionsplan des Schwarzen Schlüssels erfolgreich sein?

Das Cover dieses Trilogiefinales ist wieder ein echter Hingucker, der mir sehr gut gefällt. Schwarz ist die dominierende Farbe und überall fliegen Splitter herum. Für mich war das ein Hinweis, dass nun alle Zeichen auf Umbruch stehen. Ich war neugierig, ob der Schwarze Schlüssel seine Pläne umsetzen kann und welche Konsequenzen der Versuch haben wird.

Das Buch startet temporeich und ich stellte erfreut fest, dass Violet und ihre Freundinnen seit dem Ende des zweiten Bandes einige Fortschritte gemacht haben. Die Vorbereitungen schreiten voran, Raven hat inzwischen beinahe alle Teilnehmerinnen der nächsten Auktion mit zur Klippe genommen und ihnen gezeigt, welche Kräfte in ihnen schlummern. Doch kurz darauf erhält Violet die Information, dass ihre Schwester in noch größerer Gefahr ist als gedacht. Sie beschließt, vorzeitig ins Juwel aufzubrechen. Mit dieser Entscheidung hat sie erneut ihren Mut unter Beweis gestellt und ich war neugierig, was sie wohl vorfinden wird.

In den ersten beiden Bänden hat man das Juwel hauptsächlich aus der Perspektive eines Surrogats kennengelernt. Violet kehrt nun in einer anderen Funktion zurück und erhält dadurch einen ganz neuen Blick darauf, was hinter den Kulissen vor sich geht. Ich fand diese neuen Einblicke interessant. Noch dringender wissen wollte ich aber, wie es ihrer Schwester geht und ob die Revolutionspläne voranschreiten. In zügigem Tempo erhält man immer mehr Informationen. Geheime Gespräche werden geführt, Verbündete gewonnen und schockierende Entdeckungen gemacht. Das Leben im Juwel ist noch immer ein einziges Verbrechen, getarnt mit schönen Ballkleidern und pompösen Festen.

Eine Weile sind alle Charaktere damit beschäftigt, ihre Pläne weiter zu verfeinern. In dieser Zeit taucht Violet noch mal in das im Juwel alltägliche Leben ein. Eine Weile passiert nichts neues, doch die Gefahr ist jederzeit präsent. Schließlich kommt es zu dramatischen Szenen, durch welche die Spannung stark anstieg. Der Adel ist noch immer grausam, aber auch die Revolution fordert ihre Opfer. Ich bangte um meine Lieblinge und hoffte, dass sie alle die Ereignisse überstehen, doch das ist nicht der Fall. Die ersten traurigen Verluste zeigen, dass es nun zu spät ist, um umzukehren. Als es schließlich so richtig losgeht, bleibt kaum mehr Zeit, um Luft zu holen. In rasantem Tempo erzählt die Autorin von Kämpfen, in denen mir bekannte Beteiligte so schnell ums Leben kamen, das ich kaum den Überblick wahren konnte. Zum Ende hin nimmt sich die Geschichte dann noch mal mehr Zeit für Abrechnungen und Aufarbeitung. Der Schluss rundet die Trilogie für mich absolut stimmig ab.

In „Das Juwel. Der Schwarze Schlüssel“ steht die lang geplante Revolution kurz bevor. Violet macht sich vorzeitig auf ins Juwel, um ihrer Schwester beizustehen. Während Pläne verfeinert und neue Verbündete gewonnen werden, besteht ständig die Gefahr, dass jemand auffliegt oder angegriffen wird. Schließlich gibt es kein Zurück mehr und ich fieberte mit, wie all das wohl ausgehen wird. Insgesamt ist dieser temporeiche und spannende Band ein wirklich gelungener Abschluss der Juwel-Trilogie!

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278 Bibliotheken, 9 Leser, 0 Gruppen, 86 Rezensionen

roman, freundschaft, gail honeyman, eleanor oliphant, liebe

Ich, Eleanor Oliphant

Gail Honeyman , Alexandra Kranefeld
Fester Einband: 528 Seiten
Erschienen bei Ehrenwirth, 24.04.2017
ISBN 9783431039788
Genre: Romane

Rezension:

Eleanor Oliphant ist fast 30 Jahre alt und arbeitet seit ihrem Uniabschluss als Buchhalterin in einer Grafikdesign-Agentur. Auf der Arbeit ist sie fleißig, mit ihren Kollegen aber nicht auf einer Wellenlänge, und so verbringt sie die Mittagspausen allein mit Kreuzworträtseln. Das Wochenende verbringt sie mit Wodka in ihrer Wohnung und spricht meist erst wieder mit jemandem, wenn sie montags zur Arbeit geht. Zweimal im Jahr schaut eine Sozialarbeiterin bei ihr nach dem Rechten. All das ist für Eleanor normal und okay. Doch dann verliebt sie sich in einen Musiker und beschließt, in ihrem Leben einige Veränderungen vorzunehmen. Als in der IT auch noch ein neuer Kollege anfängt und sie gemeinsam bei einem alten Mann Hilfe leisten, ist in ihrem Leben so einiges los. Doch irgendetwas ist in ihrer Vergangenheit passiert, das sie bis heute verfolgt und nie ganz loslässt.

Das Cover des Buches sieht auf den ersten Blick bunt und unbeschwert aus. Doch in der oberen Ecke ist es ganz schwarz gefärbt, und dort steht eine Person – vermutlich Eleanor, deren soziale Interaktion sich auf das absolut nötigste beschränkt. Eleanor gibt dem Leser zu Beginn des Buches in nüchterner, sachlicher Sprache einen Überblick über ihre stets gleich ablaufende Woche, mit der sie sich arrangiert hat. In einer bizarren Situation beim Arzt lässt sie sich außerdem Schmerzmittel verschrieben und erklärt dem Leser schließlich, dass sie sich in einen Musiker verliebt hat, der für sie perfekt ist.

Schnell wird klar, dass Eleanor alles andere als ein durchschnittliches Leben führt. Sie bezeichnet sich selbst als Einzelkämpferin und Überlebende und lässt keinen anderen Menschen an sich heran. Im Kontakt mit anderen verhält sie sich zudem reichlich ungeschickt. Sie weiß, dass die Kollegen über sie lästern, doch das ist ihr egal. Eleanor tat mir wirklich leid und die Szenen, in denen sie so offensichtlich ins Fettnäpfchen tritt konnten mich berühren. Gleichzeitig konnte ich aufgrund ihres befremdlichen Verhaltens die Distanz der Kollegen teils nachvollziehen. Eleanor macht immer wieder Andeutungen über eine schwere Kindheit und ständig wechselnde Pflegefamilien, sodass ich neugierig wurde, was damals wohl vorgefallen ist, das bis heute nachwirkt.

Nach kurzer Zeit geschehen mehrere Dinge, die Eleanors Leben durcheinanderwirbeln. Für ihre baldige Beziehung zum Musiker will sie sich selbst etwas herrichten und macht dabei ganz neue Erfahrungen bei der Maniküre und dem Brazilian Waxing. Gleichzeitig hat sie einen neuen Kollegen in der IT, Raymond, der gern mit ihr redet und sich von ihrer verschrobenen, förmlichen Art nicht abschrecken lässt. Durch ihn und einem alten Mann, dem die beiden helfen, lernt sie zu verstehen, was es bedeutet, Zeit mit anderen zu verbringen und eine Familie zu haben. Eleanor verhält sich bei all dem sehr naiv, doch es war wirklich schön zu sehen, wie sie durch das Interesse anderer an ihr als Person regelrecht aufblüht und selbst merkt, dass ihr das Zusammensein mit Anderen Spaß macht.

Ich hatte Eleanor wirklich gern, doch was mich bei der Lektüre am meisten störte waren diverse Ungereimtheiten in Bezug auf ihren Charakter. Zum Beispiel löst sie gern Kreuzworträtsel, schaut viel Fern und hört Radio, weiß aber nicht, wer Spongebob Schwammkopf oder die Village People sind. Diese Bildungslücken waren in der jeweiligen Situation amüsant, in dem Ausmaß für mich aber wenig nachvollziehbar. Auch konnte ich nicht verstehen, warum sie früher so oft die Pflegefamilie wechseln musste – haben alle Pflegeeltern wirklich so schnell aufgegeben? Und trotz ihres asketischen Lebensstils in einer winzigen Sozialwohnung hat sie nach acht Jahren Arbeit fast kein Erspartes – verdienen Buchhalter in Glasgow so unglaublich wenig? Das sind nur einige Beispiele, die mich immer wieder stutzen ließen.

Es hat mir Spaß gemacht, Eleanor dabei zu begleiten, wie sie Stück für Stück lernt, auf andere Menschen einzugehen und dass das Leben mehr bietet als Arbeit und Wodka. Es gibt viele schöne Situationen, aber auch einige Rückschläge, die mich hoffen ließen, dass sie trotzdem nicht aufgibt. Ich habe mich sehr für sie gefreut, dass sie mit Raymond einen Freund an ihrer Seite hat, der den Kontakt zu ihr während Höhen und Tiefen halten will. Eleanor macht eine tolle Entwicklung durch und will sich schließlich auch ihrer Vergangenheit stellen. Zum Schluss ging es mir dann etwas zu schnell. Gerne hätte ich Eleanor mit ihrem neuen Blick auf sich selbst noch einige weitere Seiten begleitet.

„Ich, Eleanor Oliphant“ erzählt die Geschichte von Eleanor, die soziale Kontakte möglichst vermeidet und sich selbst als Einzelkämpferin sieht. Doch dann verliebt sie sich, begegnet einem neuen Kollegen und findet sich in für sie ganz neuen Situationen wieder, die sie zu der Frage bringt: Ist es wirklich okay für sie, sich ganz allein durchzuschlagen? Trotz einiger Ungereimtheiten in Bezug auf ihren Charakter hat mit diese lebensbejahende Geschichte über Freundschaft und die kleinen Dinge im Leben gut gefallen. Ich vergebe vier Sterne.

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1.023 Bibliotheken, 49 Leser, 2 Gruppen, 247 Rezensionen

prinz, fantasy, prinzessin, der kuss der lüge, attentäter

Die Chroniken der Verbliebenen - Der Kuss der Lüge

Mary E. Pearson
Fester Einband: 560 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 16.02.2017
ISBN 9783846600368
Genre: Fantasy

Rezension:

Arabella Celestine Idris Jezelina ist die Erste Tochter des Hauses Morrighan und damit eine Prinzessin. Doch während ihre Brüder und Schwestern selbst wählen dürfen, wen sie heiraten wollen, wurde für sie eine Ehe mit dem Prinzen des Königreichs Dalbreck arrangiert. Auch wenn die Prinzessin, die am liebsten nur Lia genannt wird, nicht über die sogenannte Gabe verfügt, ist die Hochzeit doch wichtig für ein Bündnis der Reiche gegen das barbarische Venda. Doch Lia ist nicht bereit, ihr Schicksal hinzunehmen. Am Tag ihrer Hochzeit flieht sie zusammen mit ihrer Dienerin und Freundin Pauline aufs Land, wo die beiden Arbeit in einem Gasthof erhalten. Lia wähnt sich in Sicherheit. Sie ahnt nicht, dass ihr zwei Personen dicht auf den Fersen sind. Der eine ist der Prinz. Der andere ein Attentäter…

Das Cover von „Der Kuss der Lüge“ zeigt ein vom Betrachter abgewandtes Mädchen. Im Hintergrund sind zwei Männer zu sehen. Auch wenn ich die Farben fast schon zu düster finde vermittelte mir das Cover einen guten ersten Eindruck von Lia und den beiden Männern, die ihr auf den Fersen sind. Das Buch beginnt am Tag von Lias Heirat mit einem Mann, den sie noch nie zuvor gesehen hat. Sie muss lange Zeremonien über sich ergehen lassen und ihre Eltern erinnern sie immer wieder daran, dass sie mit der Heirat dem Königreich einen Dienst erweist. Schon nach wenigen Seiten befand sie sich auf schon auf der Flucht vor dieser für sie angedachten Bestimmung.

Lia lernte ich als wild entschlossen kennen, den Zwängen und Traditionen zu entkommen und ein normales Leben zu führen. Ich bewunderte ihren Mut, sich so offen gegen ihre mächtige Familie zu stellen. Gleichzeitig fand ich es aber auch naiv, dass sie denkt, sie könne wirklich in einem Gasthof arbeiten und nicht erkannt werden. Kein Wunder, dass der Prinz und der Attentäter sie in kürzester Zeit finden. Obwohl die beiden sich reichlich merkwürdig verhalten, kommt Lia nicht auf die Idee, dass sie wegen ihr gekommen sind.

Der besondere Reiz dieses Buches ist, dass man lange nicht weiß, wer der Prinz ist und wer der Attentäter, denn beide begegnen Lia zeitgleich. Kurze Kapitel aus der Sicht der beiden geben Einblick in ihre höchst unterschiedlichen Gedankengänge, und trotzdem fällt es schwer, diese den Handelnden zuzuordnen. Auch wenn meine erste Vermutung sich im Nachhinein als richtig entpuppte, geriet ich immer wieder ins Zweifeln. Lias Beziehung zu beiden Männern intensiviert sich zunehmend und ich war neugierig, wohin das führen wird. Es kommt zu einigen romantischen, unterhaltsamen, aber auch dramatischen Szenen. Insgesamt wurde die ganze Situation aber sehr in die Länge gezogen, sodass der Reiz irgendwann verloren ging und ich mich zu langweilen begann.

Nach 350 Seiten kam endlich wieder Schwung in die Geschichte und die Spannung stieg schlagartig an. Identitäten werden enthüllt und Lia befindet sich in einer verzwickten und gefährlichen Situation, in der sie zeigen muss, was wirklich in ihr steckt. Dabei macht sie eine tolle Entwicklung durch, sie gewinnt an Stärke und verliert an Naivität. In die Geschichte kommt buchstäblich Bewegung und ich fand es interessant, die Welt, in der Lia lebt, besser kennenzulernen. Allmählich erhielt ich einen Überblick über die verschiedenen Bevölkerungsgruppen und die politische Situation. Gleichzeitig bleibt das Buch emotional, denn verzweifelte und hoffnungsvolle Momente folgen rasch aufeinander. Das letzte Buchdrittel hat mir deshalb mit Abstand am Besten gefallen. Diesen ersten Band der Reihe rundet schließlich eine Szene ab, die eine Überraschung bietet, Spannung verspricht und meine Neugier auf die Fortsetzung wecken konnte.

„Der Kuss der Lüge“ erzählt die Geschichte von Lia, die ihrem Leben als Prinzessin am Tag ihrer arrangierten Heirat entflieht und sich in einem kleinen Dorf ein normales Leben aufbauen will. Doch der Prinz und ein Attentätet sind ihre schon auf den Fersen, sodass der Leser eine emotionale und gleichzeitig spannende Geschichte erlebt. Nach einigen Längen schöpft die Geschichte ihr Potential zunehmend aus und konnte mich immer besser unterhalten. Ich vergebe knappe vier Sterne und freue mich auf den zweiten Teil, in dem die Geschichte sich hoffentlich weiter steigern kann!

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52 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 28 Rezensionen

backen, vermont, liebe, kuchen, glück

Die Zutaten zum Glück

Louise Miller , Katja Bendels
Flexibler Einband: 408 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 10.04.2017
ISBN 9783458362647
Genre: Romane

Rezension:

Olivia arbeitet als Patissière im angesagten Emerson Club in Boston – bis sie an einem Abend mit einem flambierten Baked Alaska einen Brand verursacht. Noch in derselben Nacht flieht sie zu ihrer besten Freundin Hannah nach Guthrie in Vermont. Eigentlich wollte Olivia dort nur für ein paar Tage bleiben. Doch als sie von Hannah erfährt, dass der nahegelegene Landgasthof „Sugar Maple Inn“ eine Patissière sucht, bewirbt sie sich. Die Besitzerin Margaret zeigt sich unbeeindruckt von Olivias bisheriger Karriere, gibt ihr aber eine Chance. Von allen Seiten schlägt ihr zunächst Skepsis entgegen, doch allmählich findet sie Freunde. Vor allem Martin, der wegen seines kranken Vaters vorübergehend in die Heimat zurückgekehrt ist, scheint mehr als nett zu sein…

Das Cover des Buches sieht wirklich zum Anbeißen aus. Da ich sehr gern backe war mein sofort Interesse geweckt, als ich las, dass sich das Buch um eine Patissière dreht. Die Protagonistin Olivia lernt man bei der Arbeit kennen, wo sie gerade ihre Spezialität, einen Baked Alaska, den Gästen präsentieren soll. Doch der brennende Nachtisch rutscht ihr aus den Händen und schon steht der Club in Flammen. Gut konnte ich verstehen, dass Olivia einfach nur weg will. Ihre beste Freundin Hannah steht ihr bei und will sie rasch davon überzeugen, doch erst mal länger bei ihr zu bleiben.

Da Olivia Geldsorgen hat, kommt ihr der neue Job im Sugar Maple Inn inklusive kostenloser Unterkunft gerade recht. Doch als Stadtkind muss sie sich erst einmal an das Kleinstadtleben in Guthrie gewöhnen, wo jeder jeden kennt und gelästert wird, was das Zeug hält. Außerdem scheint es zwischen der zugeknöpften Besitzerin Margaret und Jane White, gegen die Margaret nach zahlreichen Siegen seit drei Jahren im Backwettbewerb verliert, ein altes Zerwürfnis zu geben. Sicherheit gibt Olivia die Arbeit, die sie meisterhaft beherrscht: Brot backen, Desserts zubereiten und Torten herstellen. Die Beschreibungen ihrer Künste machten mir immer wieder Appetit und Lust, mich selbst in die Küche zu stellen.

Olivia findet bald auch Freunde: Den Milchlieferanten Tom, den Küchenchef Alfred und außerdem Dotty, Margarets beste Freundin, sowie ihren Mann Henry und ihren Sohn Martin. Vor allem die Musik hilft ihr dabei, denn sie tritt mit ihrem Banjo in Toms Band ein und lernt von Henry, eine Dulcimer zu spielen. Mit Martin versteht sie sich mehr als gut und verbringt immer mehr Zeit mit ihm und seiner Familie. Ich fand es schön, zu sehen, wie Olivia allmählich ankommt. In der Kleinstadt lernt sie auf ganz neue Weise, was Freundschaft und Zusammenhalt heißt. Ich konnte mich gut in sie einfühlen und habe es genossen, an ihrer Seite in der Küche zu stehen und durch die Stadt zu streifen.

Bald ziehen aber auch dunkle Wolken am Himmel auf. Hannah fühlt sich vernachlässigt und Jane White versprüht hr Gift. Schließlich überschlagen sich die Ereignisse und Olivia gerät in eine rasante, emotionale Berg- und Talfahrt. Ich fand ihr Verhalten in dieser Zeit allerdings nicht ganz nachvollziehbar. Sie trifft einige weitreichende Entscheidungen, die ich überhaupt nicht gut fand und bei denen ich ihr gerne ins Gewissen geredet hätte. Das übernehmen schließlich andere – für mich aber zu spät. Das Ende hält schließlich einige schöne Überraschungen bereit und konnte mich versöhnlich stimmen.

„Die Zutaten zum Glück“ erzählt die Geschichte von Olivia, die sich nach einem beruflichen Malheur aus Boston zu ihrer besten Freundin in die Kleinstadt Guthrie flüchtet und dank eines neuen Jobs beschließt, für eine Weile zu bleiben. Bald findet sie neue Freunde und vor allem der charmante Martin weckt ihr Interesse. Doch es schlägt ihr auch Missgunst entgegen, und so mancher hat seine Geheimnisse. Ein schöner Roman rund um Freundschaft, süße Speisen und Musik, der beim Lesen gute Laune macht!

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167 Bibliotheken, 6 Leser, 1 Gruppe, 47 Rezensionen

liebe, jugendbuch, amnesie, young adult, familie

Jeder Tag kann der schönste in deinem Leben werden

Emily Barr , Maria Poets
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei FISCHER FJB, 23.03.2017
ISBN 9783841440075
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Flora Banks lebt nur im Hier und Jetzt, denn sie hat eine anterograde Amnesie. Sie ist siebzehn und speichert seit sieben Jahren keine neuen Erinnerungen mehr ab. Mittels Nachrichten auf ihren Händen, ihrem Notizbuch, auf dem Handy und dem Computer erinnert sie sich selbst immer wieder daran, was gerade passiert und was ihr wichtig ist. Als sie eines Tages auf einer Party den Freund ihrer besten Freundin küsst, passiert etwas Unglaubliches: Sie erinnert sich am nächsten Tag noch daran! Allerdings ist Drake nun zum Studieren an den Nordpol gezogen und ihre beste Freundin spricht nicht mehr mit ihr. Als ihre Eltern sie dann völlig überstürzt allein zu Hause lassen, beginnt sie einen Mailaustausch mit Drake. Daraus entwickelt sich ein waghalsiger Plan…

Als ich zum ersten Mal von diesem Buch gehört habe, war mein Interesse sofort geweckt. Wie kann ein Mensch, der seit sieben Jahren keine neuen Erinnerungen mehr speichern kann, sein Leben organisieren? Nach einem kurzen Prolog, in dem sich die Protagonistin an einem rätselhaften und kalten Ort befindet, begegnet man ihr auf einer Party wieder. Floras kurzzeitige Erinnerungen löschen sich in regelmäßigen Abständen, und gerade ist es wieder passiert. Sie muss nun erst einmal herausfinden, wo sie ist, warum sie dort ist und wen sie kennt. Von Beginn an war ich überrascht davon, wie routiniert ihr das Lesen ihrer Notizen und die Neuorientierung von der Hand geht. Tatsächlich klappt das so gut, dass ich es am Anfang kaum glauben konnte. Nach Notizen zu suchen ist Flora trotz Amnesie in Fleisch und Blut übergegangen, auf diese Tatsache muss man sich als Leser einlassen.

Das Tempo ist zu Beginn des Buches hoch und Flora passieren viele Dinge, die sie so noch nicht erlebt hat. Am wichtigsten ist wohl der Kuss, an den sie sich plötzlich erinnern kann. Dieser führt jedoch zum Bruch mit ihrer besten Freundin Paige, und als ihre Eltern überstürzt abreisen und Paige bei ihr wähnen ist sie zum ersten Mal für längere Zeit allein. Wie sie das wohl meistern wird?

Die Autorin ermöglichte es mir, ganz nah bei Flora zu sein und zu verstehen, was in ihrem Kopf vorgeht. Sie versucht immer wieder auf Neue, sich selbst möglichst viele aussagekräftige Notizen zu hinterlassen, um später wieder zu verstehen, was gerade passiert und was ihr Ziel ist. So liest sie sich ein ums andere Mal zuerst durch die Notizen mit Grundwissen zu ihrem Leben und dann durch die spezielleren Nachrichten, die ihr die aktuelle Situation erklären. Dadurch gab es einige Wiederholungen, die aber gleichzeitig noch nachvollziehbarer machten, wie es in Floras Kopf aussieht. Dennoch zog sich die Handlung für mich hin und wieder etwas in die Länge.

Zu Beginn habe ich mich mit Flora etwas schwer getan. Warum küsst sie ohne nachzudenken einen Jungen, an den sie keine Erinnerung hat? Insgesamt verhält sie sich aufgrund ihres Handicaps sehr naiv, denn es steckt immer noch viel von der Zehnjährigen in ihr, an die sie sich erinnern kann. Beim Lesen entwickelte ich zunehmend Beschützerinstinkte und hätte Flora gern so manchen Rat gegeben. Gleichzeitig fand ich sie aber auch sehr mutig, denn plötzlich überlegt sie nicht mehr lang, sondern stürzt sich ins Abenteuer. Ich fand es toll, zu sehen, wie sie dank ihrer Erinnerungshilfen eine große Motivation entwickeln und sich auf eine längere Reise begeben kann.

Auf ihrem Abenteuer kann Flora zeigen, was in ihr steckt und dass sie an Herausforderungen wachsen kann. Es hat mir Spaß gemacht, sie dabei zu begleiten, auch wenn nicht alles so läuft wie geplant. Zum Ende hin gibt es dann noch mal einige gute und böse Überraschungen für Flora und den Leser. Es wird noch einmal vieles durcheinander geworfen, was man bislang zu wissen glaubte. Das war spannend, aber fast schon zu dramatisch für meinen Geschmack. Das hoffnungsvolle Ende rundet die Geschichte schließlich gelungen ab.

In „Jeder Tag kann der schönste in deinem Leben sein“ kann Flora seit sieben Jahren keinen neuen Erinnerungen speichern – bis sie sich an einen Kuss mit einem Jungen erinnert, der nun zum Studieren an den Nordpol gezogen ist. Indem die Geschichte aus Floras Perspektive erzählt wird, wurde sie für mich zu einem besonders intensiven Leseerlebnis. Gut konnte ich nachvollziehen, was in Floras Kopf passiert und bewunderte, wie mutig sie trotzdem ihr Leben meistert. Gerne empfehle ich das Buch mit dieser ganz besonderen Protagonistin weiter.

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13 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

selbstoptimierung, dystopie, programm, england

Transition

Luke Kennard , Karl-Heinz Ebnet
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Droemer, 03.04.2017
ISBN 9783426281673
Genre: Romane

Rezension:

In einer nicht allzu fernen Zukunft haben Karl und seine Frau Genevieve ernsthafte Probleme damit, ihr Leben in den Griff zu bekommen. Sie arbeitet als Grundschullehrerin, er als Ghostwriter für akademische Arbeiten. Trotz des doppelten Einkommens können sie kaum die Miete für ihre winzige Stadtwohnung bezahlen, geschweige denn an Kinder denken. Um sich einige Annehmlichkeiten zu leisten, hat Karl deshalb etwas nachgeholfen – nun steht er vor der Wahl, wegen Online-Betrugs und Steuerdelikten fünfzehn Monate ins Gefängnis zu gehen oder mit Genevieve an „Transition“ teilzunehmen. In diesem Selbstoptimierungsprogramm leben sie beide sechs Monate bei Mentoren und müssen deren Anweisungen befolgen. Das scheint Karl die deutlich bessere Wahl zu sein, ihre Mentoren Janna und Stu wirken aufrichtig interessiert. Doch dann entwickeln sich die Dinge anders, als es Karl lieb wäre…

Ein Programm, das eine umfassende Selbstoptimierung verspricht? Das klang für mich nach einem interessanten Aufhänger für einen Roman, zu dem ich deshalb neugierig griff. Zu Beginn des Buches lernt man Karl und Genevieve als zwei Menschen kennen, die finanziell trotz regelmäßigem Einkommen völlig ruiniert sind. Grund dafür ist die überteuerte, winzige Stadtwohnung – was ich bei der aktuellen Entwicklung der Mietpreise nachvollziehen konnte – aber auch ein gelegentliches Über-die-Stränge-Schlagen der beiden.

Karl wurde mir nicht allzu sympathisch mit seinen dubiosen Jobs wie gefaketen Produktrezensionen, Steuerung von Klick-Farmen und Ghostwriting für Studenten. Es war daher wenig verwunderlich, dass die ganze Sache irgendwann nach hinten losgeht und er sich nach wenigen Seiten wegen Online-Betrugs und Steuerdelikten verantworten muss. Transition scheint die perfekte Lösung für gescheiterte Existenzen wie Karl und Genevieve zu sein. Letztere scheint mehr auf Zack zu sein als Karl, macht sich aber ebenfalls nicht allzu viele Gedanken um Finanzen und Zukunft.

Gemeinsam mit den beiden startet man ins Transition-Programm, wo es von strahlenden Gestalten nur so wimmelt. Janna und Stu, die zugewiesenen Mentoren, machen sich eifrig und engagiert an die Einführung. Die beiden dürfen bei ihnen in einem schicken Haus wohnen und ihre Jobs behalten, doch ihre Finanzen werden ab sofort von Transition gesteuert. Hinzu kommen notwendige tägliche Tagebucheinträge, Haushaltspflichten, Sporteinheiten und ein tägliches Zeitungslesepensum. Genevieve stürzt sich begeistert in all das, während Karl es  mit einer guten Portion Skepsis angeht. Ich wartete darauf, dass die Sache einen Haken hat, und konnte Karls Haltung deshalb gut nachvollziehen.

Karl macht bald einige merkwürdige Entdeckungen und beginnt, Nachforschungen zu vorherigen Teilnehmern anzustellen. Das Ergebnis verwirrte erst einmal mehr, als dass es Fragen beantwortet hätte. Ist Karl paranoid oder sind seine Zweifel vielleicht doch berechtigt? Gleichzeitig verhalten sich Janna und Stu in verschiedenen Situationen unangemessen und es wird klar, wie abhängig Karl von ihnen ist. Und trotzdem wächst ihr Einfluss auf Genevieve, die Karl zunehmend entgleitet. Die Geschichte schlägt einen ruhigen Ton an und ich wartete darauf, dass hinter der nächsten Ecke der große Knall wartet. Doch dieser bleibt aus, vielmehr befindet sich Karl auf einer kontinuierlichen Abwärtsspirale, die er mal mehr, mal weniger absichtlich aber beständig hinabrutscht.

Auch wenn es unter dem Strich lange keine herausstechend dramatischen Ereignisse oder völlig überraschenden Wendungen gab, konnten die kleinen Enthüllungen und Entwicklungen mein Interesse an der Geschichte erhalten. Der Leser wird behutsam an die Katastrophe herangeführt. Als diese schlussendlich eintritt und auch die größeren Zusammenhänge klar werden, hätte ich mir dann aber doch noch etwas mehr Schwung gewünscht. Doch die Geschichte endet genauso unaufgeregt, wie sie erzählt wurde und lässt mich mit einigem Stoff zum Nachdenken zurück.

„Transition. Das Programm“ erzählt die Geschichte von Karl und Genevieve, die finanziell ruiniert sind und als Alternative zu Karls Gefängnisaufenthalt sechs Monate zu Mentoren ziehen, die ihnen ein besseres Leben ermöglichen sollen. Doch mit welchen Schritten will Transition das erreichen, und was passiert, wenn man nicht bei allem mitziehen will? Eine interessante Geschichte zur Frage, wie weit Selbstoptimierung gehen könnte und sollte.

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