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82 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 25 Rezensionen

paris, bücher, liebe, buchladen, rebecca raisin

Mein zauberhafter Buchladen am Ufer der Seine

Rebecca Raisin , Annette Hahn
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Rütten & Loening Berlin, 11.04.2017
ISBN 9783352008979
Genre: Liebesromane

Rezension:

Sarah führt eine Buchhandlung, den „Bookshop on the Corner“ im ruhigen Ashford, Connecticut. Derzeit läuft ihr Geschäft nicht allzu gut, und ihr Freund Ridge ist als Journalist fast ununterbrochen in der Welt unterwegs. Als ihre Pariser Freundin Sophie ihr einen Buchhandlungstausch vorschlägt, sagt sie deshalb kurzentschlossen zu. Bald schon findet sie sich in Paris im „Once upon a time“ wieder. Der Laden liegt direkt an der Seine und ist stark frequentiert. Doch von Beginn an läuft es nicht rund: Ihr Gepäck wird gestohlen, die Mitarbeiter wollen sich nicht an den Schichtplan, die meiste Arbeit bleibt an Sarah hängen und Ridge muss seine Ankunft in Paris immer wieder verschieben. Wird Paris Sarah dennoch verzaubern können?

Der Titel des Buches verspricht eine Geschichte, in der sich alles um die Liebe zu Büchern dreht, weshalb meine Neugier gleich geweckt war. Ich hatte vor der Lektüre schon gesehen, dass es sich eigentlich um den zweiten Band einer Reihe handelt, von welcher der erste in Deutschland nicht veröffentlicht wurde. Trotzdem konnte ich mühelos in die Geschichte einsteigen. Ich lernte Sarah kennen, die mit ihrer aktuellen Situation nicht hundertprozentig zufrieden ist und deshalb schon nach wenigen Seiten dem angebotenen Buchhandlungstausch mit Sophie, die unter Liebeskummer leidet und deshalb Paris für eine Weile verlassen will, zustimmt.

Bald schon findet man sich an Sarahs Seite in Paris wieder und lernt ihre neue Heimat für die nächsten Monate kennen. Der erste Eindruck vom „Once upon a time“ ist leider gar nicht so zauberhaft. Es gibt zwar viele Kunden, doch das Personal kommt mit dem kassieren und beraten kaum hinterher, sodass viele Kunden wieder gehen. Die Aushilfen kommen zur Arbeit wann sie wollen und Beatrice, eine der Mitarbeiterinnen, lässt Sarah spüren, dass sie von ihrer Anwesenheit nicht viel hält. Sarah muss die meiste Arbeit erledigen und ist damit erst mal völlig überfordert. Zum Glück gibt es noch Océane und TJ, die anderen beiden Mitarbeiter, mit denen sie sich gut versteht. Wie der Laden bei diesem Chaos bislang so gut laufen konnte blieb mir allerdings ein Rätsel.

Sophie ist mit der Buchhandlung so sehr beschäftigt, dass sie erst einmal nicht viel von Paris sieht. Erst nach einer Weile findet sie die Zeit für kurze Ausflüge. Diese Einblicke ins schöne Pariser Leben fand ich sehr unterhaltsam. Sarah lernt interessante Personen kennen wie Anouk, die einen Antiquitätenladen führt. Insgesamt hat die Autorin die Atmosphäre der Stadt gut eingefangen. Schade fand ich, dass Sarahs Freund Ridge hauptsächlich durch Abwesenheit glänzt. In der Folge macht sich Sarah ständig Gedanken, ob er der richtige für sie ist. Dabei drehen sich ihre Gedanken im Kreis und waren nicht so interessant. Ich hätte mir stattdessen mehr Romantik gewünscht.

Mit der Zeit fasst Sophie in Paris Fuß und schließt Freundschaften. Doch im Laden gibt es immer noch Probleme und auch seltsame Sitten, über die ich den Kopf schütteln musste. Sarahs „neue“ Ideen, die sie umsetzen will, gehörten für mich hingegen in jede gute Buchhandlung und konnten mich nicht überraschen, zum Beispiel der Grundsatz, dass jeder Kunde der eine Frage hat auch beraten wird oder man mal eine Lesung veranstaltet. Was Sophie in der Zwischenzeit in Amerika erlebt erfährt man leider kaum – ich an Sarahs Stelle hätte genauestens Bescheid wissen wollen. Das Ende hat mir schließlich sehr gut gefallen, es ist auf typisch amerikanische Weise kitschig, passt aber zur Story. Einige Dinge bleiben offen, sodass eine Fortsetzung möglich wäre.

„Mein zauberhafter Buchladen am Ufer der Seine“ erzählt die Geschichte von Sophie, die ihren Buchladen in einem verschlafenen amerikanischen Städtchen gegen einen solchen mitten in Paris eintaucht. In Paris angekommen läuft allerdings nichts so recht, wie Sophie es gern hätte. Ich fand die Probleme, mit denen Sophie zu kämpfen hat, für einen erfolgreichen Laden nicht sehr realistisch und hätte mir außerdem noch mehr Romantik gewünscht. Insgesamt fängt das Buch die Atmosphäre der Stadt Paris gelungen ein und vermittelt die Leidenschaft, die Sophie für Bücher empfindet. Ich vergebe gute drei Sterne.

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(21)

32 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 19 Rezensionen

liebeskummer, neuanfang, trennung, kinder, liebesgeschichte

Überall bist du

Gerhild Stoltenberg
E-Buch Text: 272 Seiten
Erschienen bei Atlantik, 11.04.2017
ISBN 9783455171419
Genre: Romane

Rezension:

Martha hat einen Listen-Job, dem sie nicht sonderlich viel abgewinnen kann. Ihr Lichtblick ist ihr Freund Tom, der auch privat alles in Listen ordnet, um es im Griff zu haben. Als Martha einen neuen Job als Kindermädchen für den fünfjährigen Oskar und seine beiden jüngeren Brüder annimmt, ist er davon nicht sonderlich begeistert. Ebenso wenig will er Martha seinen Eltern vorstellen oder ihre Freunde kennenlernen. Und dann ist er plötzlich ganz aus ihrem Leben verschwunden. Alles erinnert Martha an ihn, ihr Liebeskummer scheint endlos. Wie kann es nun weitergehen?

Der Titel des Buches und die Regentropfen auf seinem Cover signalisieren eine eh bedrückende Geschichte über die Liebe. Zu Beginn des Buches lernt man Martha kennen, die sich gerade in Belgrad befindet, weil das ein Ort ist, wo „er“ noch nicht gewesen ist. Danach erinnert sie sich zurück an die Zeit, in der sie noch mit ihrem Freund zusammen war. Sie nennt ihn Tom, um nicht an seinen richtigen Namen denken zu müssen.

Martha gibt selbst zu, dass ihr Listen-Job sie nicht sonderlich begeistert, sie dort aber hängen geblieben ist, weil sie irgendwann vergessen hat, neue Pläne zu schmieden. Auf mich wirkte sie wie ein Mensch, dem der Antrieb und ein echtes Ziel fehlen. Zufällig erfährt sie von dem Job als Kindermädchen und nimmt ihn spontan an. Ich war gespannt, ob dieser Job sie verändern wird.

Was Martha an Tom so toll findet, konnte ich leider überhaupt nicht nachvollziehen. Die Geschichten ihres Kennenlernens und eines gemeinsamen Picknicks, das er genauestens geplant hat, klangen schön. Aber das war es dann auch. Tom wirkte auf mich wie ein mürrischer Kontrollfreak, der kein Interesse hat, Martha irgendwo hin zu begleiten oder sie irgendwo hin mitzunehmen. Trotzdem ist sie am Boden zerstört, als er sie plötzlich verlässt, was für mich nach den zuvor gelesenen Episoden aber nicht überraschend war. Leider konnte ich mich deshalb auch nicht so recht in Martha und ihre emotionale Situation hineinversetzen.

Am Besten gefallen hat mir der fünfjährige, für sein Alter sehr weise Oskar, auf den Martha aufpasst. Er hat interessante Ideen und Lebensweisheiten parat. Außerdem versucht er auf rührende Weise, Marthas Liebeskummer zu stillen, indem er zum Beispiel unbedingt ihre Wohnung sehen will und dann heimlich Toms Fotos einsammelt. Inwiefern sein Verhalten authentisch für einen fünfjährigen ist, sei mal dahingestellt. Im Gegensatz zu ihm bleiben die anderen Charaktere eher blass, zum Beispiel Oskars Mutter, die sich um ihr Neugeborenes kümmert oder Marthas Bekanntschaften auf dem Spielplatz, die alles spitz kommentieren.

Die Sprache des Buches ist poetisch-melancholisch, konnte mich aber nicht fesseln. Immer wieder erwischte ich mich dabei, ganze Absätze gelesen zu haben, ohne mir viel davon behalten zu haben. Martha grübelt viel über alle möglichen Alltagsdinge nach und erinnert sich an die Zeit mit Tom zurück. Das fand ich leider nicht sonderlich interessant oder berührend. Ich hoffte die ganze Zeit, dass endlich irgendetwas Martha aus ihrer Lethargie reißt. Die Reise nach Belgrad, die im Prolog schon vorweggenommen wird, ist ein erster Schritt in diese Richtung, die zum Ende hin noch mal ein bisschen Schwung in die Geschichte brachte. Doch auch die Art und Weise, wie Martha dort ihren Liebeskummer allmählich überwindet, konnte mich nicht überzeugen.

„Überall bist du“ kann man flüssig und zügig lesen. Doch die Antriebslosigkeit von Martha und ihre für mich nicht nachvollziehbaren Gefühle für ihren wenig sympathischen und ohne Erklärung verschwundenen Ex-Freund machten es zu keiner interessanten Lektüre für mich. Ich habe leider keinen emotionalen Zugang zu ihr gefunden und das Buch hat bei mir keine Spuren hinterlassen. Es ist keine schlechte Geschichte, doch sie wird mir vermutlich nicht lang in Erinnerung bleiben.

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118 Bibliotheken, 10 Leser, 0 Gruppen, 49 Rezensionen

new york, drogen, restaurant, alkohol, gastronomie

Sweetbitter

Stephanie Danler , Sabine Kray
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Aufbau Verlag, 11.04.2017
ISBN 9783351036720
Genre: Romane

Rezension:

Tess ist zweiundzwanzig und hat Ohio und ihren Vater hinter sich gelassen, um in New York City ein neues Leben zu beginnen. In kürzester Zeit erhält sie einen Job als Hilfskellnerin in einem renommierten Restaurant – ein echter Glücksgriff. Tess will alles richtig machen und stürzt sich engagiert in die Arbeit. Bald hat ihr Job sie fest im Griff: Die Hektik in der Küche, der Perfektionsanspruch gegenüber den Gästen, aber auch die wilde Trinkerei nach Schichtende und die komplizierten Beziehungen zu den anderen Mitarbeitern.

Das hummerfarbene Buchcover verspricht Einblicke in die feine Restaurantwelt von New York City und ich freute mich auf eine Geschichte mit Höhen und Tiefen. Zu Beginn des Buches lernt man Tess kennen, die gerade in New York City angekommen ist. Im Nu findet sie den Job als Hilfskellnerin. Sie hat zwar schon in der Heimat einige Jahre in einem Café gearbeitet, doch dieser Job ist etwas völlig anderes. Motiviert und wissbegierig tastet sie sich an ihr neues Leben heran.

Tess hat es zu Beginn nicht leicht. Sie ist die Neue, die von den anderen kritisch beäugt wird, einige beachten nicht einmal richtig. Gleichzeitig kennt sie sich weder mit Wein noch mit Austern sonderlich aus. Doch sie ist entschlossen, das zu ändern, und sucht sich dazu die Kellnerin Simone als Mentorin aus. Diese ist eine kühle und distanzierte Person mit großem Einfluss im Restaurant. Dank ihr baut ihr kulinarisches Wissen immer weiter aus, doch Tess wird gewarnt, dass das seinen Preis haben wird. Auch zu den anderen Mitarbeitern findet sie allmählich Zugang. Diese trinken sich gemeinsam nach der Schicht und ziehen dann ihre Stammbar weiter, um weiterzutrinken und zu koksen. Bei ihnen findet Tess Anschluss, indem sie einfach mitmacht.

Ich fand es interessant, Tess immer besser kennenzulernen und zu verfolgen, wie sie immer tiefer in die für sie neue Welt eintaucht. Sie kann sich für ihre Arbeit begeistern und ist motiviert, immer weiter dazuzulernen. Wenn es ums Essen geht, dann ist die Sprache poetisch, mehrfach hat die Autorin Gesprächsfetzen aus dem Restaurant sogar als Gedicht abgedruckt. Die kulinarischen Lektionen sind auch für den Leser interessant, und das Buch liest sich immer wieder wie eine Liebeserklärung an gutes Essen.

„Jeder Job ist leicht für all jene, die nicht gern ihr Hirn einschalten. Ich bin Teil einer kleinen, aber stolzen Minderheit, die daran glaubt, dass Speisen eine Kunst ist, genau wie das Leben.“ (S.188)

Die Geschichte erstreckt sich über einen Zeitraum von fast einem Jahr. In dieser Zeit führt Tess immer stärker ein Leben am Limit. Sie gibt ihr Bestes im Job und gibt sich dann nach der Schicht Alkohol und Koks hin. Diese Szenen strahlen eine gewisse Verzweiflung aus, sie scheint wie die anderen gefangen zu sein in einem Hamsterrad aus Arbeit, Alkohol und Koks.

„Niemand hatte mich irgendwo hingelockt. Ich hatte mir diesen düsteren, verwilderten Pfad, auf dem ich keinen Meter weit sehen konnte, selbst ausgesucht – die Drogen, das bedingungslose Saufen, die Scham, das Durcheinandersein.“ (S. 261)

Doch Tess ist schlau, und sie will mehr. Ihre Faszination für Jake, der an der Bar arbeitet, lässt sie hoffen, dass es noch mehr gibt als die tägliche Routine, die sie durchlebt. Doch Jake gehört auf eine komplizierte Art Simone, und indem Tess die Nähe zu ihm sucht begibt sie sich auf gefährliches Terrain. In den Monaten, in denen ich Tess begleiten durfte, macht sie eine große Entwicklung durch. Sie wächst an ihren Aufgaben und Rückschlägen. Manchmal hätte der Roman ein wenig zielstrebiger erzählt werden können, doch genau diese Ziellosigkeit war für mich ein authentischer Einblick in Tess‘ Gefühls- und Gedankenwelt. Die Autorin hat mit ihren Worten eine Atmosphäre geschaffen, dank der mich das Buch faszinieren konnte bis hin zu einem Ende, das für mich sehr stimmig war.

In „Sweetbitter“ begleitet der Leser fast ein Jahr lang Tess, die als Hilfskellnerin in einem edlen Restaurant in New York City beginnt. Das Buch erzählt von der Leidenschaft für gutes Essen, dem Stress hinter den Kulissen, dem komplizierten Verhältnis der Mitarbeiter zueinander und dem Saufen und Koksen nach Schichtende. Zwar fehlte der Geschichte die Zielstrebigkeit, doch ich fand Tess Entwicklung interessant und die authentische Atmosphäre des Buches machte Lust, weiterzulesen. Wer hinter die Kulissen der Restaurantwelt blicken will und nicht abgeneigt ist, dort neben schönen Erlebnissen auch Stress, Missgunst und Verzweiflung zu finden, für den ist „Sweetbitter“ das richtige Buch.

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259 Bibliotheken, 16 Leser, 1 Gruppe, 41 Rezensionen

magie, london, fantasy, diebin, weltenwandler

Vier Farben der Magie

V. E. Schwab , Petra Huber
Flexibler Einband: 496 Seiten
Erschienen bei FISCHER Tor, 27.04.2017
ISBN 9783596296323
Genre: Fantasy

Rezension:

Kell ist einer der letzten Antari, die Blutmagie üben können. Das verleiht ihm die fast einzigartige Fähigkeit, zwischen den Welten zu reisen. Denn insgesamt gibt es vier Welten, die wie Schichten übereinander liegen und in denen jeweils London das Zentrum ist. Ganz oben befindet sich das Graue London, in dem es fast keine Magie gibt. Es folgt das Rote London, Kells Heimat, die erfüllt ist von lebhafter Magie. Im Weißen London ist die Magie und in der Folge ihre Bewohner bösartig. Und das Schwarze London ist vor Jahrhunderten von der Magie zerstört und deshalb versiegelt worden. Als Adoptivsohn und Botschafter der Königsfamilie im Roten London reist Kell regelmäßig ins Graue und Weiße London. Dabei schmuggelt er heimlich Gegenstände über die Weltengrenzen, die er meist bei Sammlern gegen Dinge eintauscht, die ihn selbst faszinieren. Doch eines Tages nimmt Kell einen machtvollen Gegenstand mit über die Grenze, der alles zerstören könnte…

Als ich zum ersten Mal von diesem Buch hörte, war ich sofort Feuer und Flamme. Ein vierfach existierendes London, in dem die Magie jeweils anders geartet und stark ist, das klang nach einem Fantasyroman ganz nach meinem Geschmack. Zu Beginn des Buches lernt man Kell auf einer seiner Reisen ins Graue London kennen. Für seine Adoptiveltern, die Herrscher im Roten London, bemüht er sich um diplomatische Beziehungen. Doch seine wahre Leidenschaft ist das Sammeln besonderer Gegenstände, die er im Tausch gegen Dinge aus den anderen Welten erhält. Ich fand Kell von Beginn an sehr sympathisch und seine Fähigkeit, von einer Welt in die andere zu reisen, faszinierend.

Das Buch nimmt sich Zeit, den Leser mit den unterschiedlichen Londons vertraut zu machen. Nach seiner Reise ins Graue London kehrt Kell ins Rote zurück und bricht direkt wieder auf ins Weiße. So erhielt ich schnell einen guten Überblick und verstand, auf welche Weisen die Welten sich unterscheiden. Die Unterschiede sind eklatant und der Autorin gelingt es sehr gut, diese in kurzen Szenen auf wirkungsvolle Weise sichtbar zu machen. Ständig entdeckt oder erfährt man etwas Neues, sodass die Erkundung der Welten mir großen Spaß machte.

Nachdem man alle drei betretbaren Welten einmal erlebt hat, kehrt Kell vom Weißen ins Rote London zurück und bringt eher versehentlich ein machtvolles Artefakt mit. Damit kommen die Dinge ins Rollen und in Nu herrscht große Gefahr. Hier kommt auch Lila ins Spiel, eine Diebin aus dem Grauen London, die versucht, Kell ausgerechnet den Quell des Unheils zu stehlen. Damit ist sie im Nu selbst mitten drin im Geschehen. Lila hat eine erfrischend große Klappe, denkt pragmatisch und stürzt sich mutig ins Abenteuer. Sie ist die perfekte Ergänzung zum netten, aber etwas steifen Kell.

Gemeinsam mit Lila macht sich Kell daran, das Chaos zu beseitigen, das er selbst verursacht hat. Er sieht nur eine Lösung, und für diese muss er sich aufmachen in Richtung Schwarzes London. Doch die Konsequenzen sind bereits viel größer, als er ahnt. Zudem ist ihm Holland, der einzige andere Antari, der von den grausamen Herrschern des Weißen Londons kontrolliert wird, auf den Fersen. Kämpfe werden ausgetragen, Magie wird gewirkt, Intrigen werden gesponnen und das Unheil breitet sich immer weiter aus. All das konnte mich an die Seiten fesseln. Die Spannung ist kontinuierlich hoch, immer wieder kommt es zu überraschenden Wendungen und unerwarteten Entdeckungen. Das Finale setzte diesem total gelungenen Roman schließlich noch mal ein Sahnehäubchen der Spannung auf. Nun freue ich mich riesig auf die Fortsetzung, die im Herbst erscheint.

„Vier Farben der Magie“ konnte mich mit seiner kreativen Idee des vierfach existierenden Londons neugierig machen. Die spannende Umsetzung und die beiden sympathischen Hauptcharaktere, die ganz verschieden sind und sich damit perfekt ergänzen, konnten mich begeistern. Diese magische Geschichte hat mich von der ersten bis zur letzten Seite in ihren Bann gezogen. Ein Must Read für alle Fantasy-Fans!

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47 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 8 Rezensionen

2017

Das Glück hat vier Farben

Lisa Moore , Maren Illinger
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei FISCHER Sauerländer, 27.04.2017
ISBN 9783737354806
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Flannery ist sechzehn Jahre alt und in Tyrone verliebt, seit sie denken kann. Als Kinder haben sie vieles gemeinsam unternommen, doch dann ist er weggezogen. Nun gehen sie beide wieder auf die gleiche Schule. Aus Tyrone ist ein Rebell geworden, der Graffitis sprüht und ständig die Schule schwänzt. Für ein Schulprojekt müssen die beiden gemeinsam ein Produkt entwickelt. Tyrone schlägt Liebestränke vor und verschwindet dann wieder tagelang. Wird er Flannery helfen? Unterdessen hat ihre beste Freundin Amber einen neuen Freund und entfernt sich zunehmend von ihr. Und ihre Mutter gibt das wenige Geld, das sie als Sozialhilfeempfängerin hat, lieber für Spielzeug für ihren Sohn aus als für die Stromrechnung und Flannerys Schulbücher. Kann Flannery in diesem Chaos für sich selbst einstehen?

Das Cover und der Titel des Buches spielen auf die Liebestränke an, die Flannery und Tyrone für ihr BWL-Projekt entwickeln. Zu Beginn des Buches lernt man Flannery kennen, welche die Geschichte aus der Ich-Perspektive erzählt und dem Leser zunächst einen groben Überblick über ihr Leben gibt. Da gibt es ihre große Liebe Tyrone, der fast nie in der Schule ist und sie kaum beachtet; ihre beste Freundin Amber, für die Schwimmen wichtiger ist als Schule; ihre alleinerziehende Künstler-Mutter, die nicht mit Geld umgehen kann und ihren kleinen Bruder Felix, auf den Flannery ständig aufpassen muss. Alles in allem hat Flannery kein perfektes Leben, aber sie hat sich damit arrangiert und Menschen, die zu ihr stehen.

Schon nach kurzer Zeit geraten die Dinge in Bewegung. Nach wenigen Seiten wird Tyrone Flannerys Partner für das BWL-Projekt. Endlich eine Chance, mehr Zeit mit ihm zu verbringen! Auch Amber wird ihrem Schwarm zugelost, mit dem sie kurz darauf zusammen kommt. Nun will sie aber lieber Zeit mit ihm und den Freundinnen seiner Bandkollegen verbringen als mit Flannery. Und auch dass ihre Mutter gerade wieder absolut pleite ist macht die Situation nicht einfacher. Flannery muss lernen, für sich selbst einzustehen und zu entscheiden, in welche Dinge es sich lohnt, Energie zu stecken.

Die Autorin setzt viele Rückblenden ein. In diesen erinnert sich Flannery meist an ihre Kindheit, sodass man als Leser die Beziehung zu ihrer Mutter, Amber und Tyrone besser verstehen konnte. Allerdings sind Flannerys Gedankengänge nicht sonderlich geordnet, sodass ich manchmal verwirrt war, und sie holt weit aus. Außerdem werden wichtige Fakten vertauscht, zum Beispiel ist Tyrone erst am gleichen Tag geboren und plötzlich zehn, während Flannery neun ist.

Auch in der Gegenwart grübelt Flannery viel und setzt sich mit ihrer Situation auseinander. Zum einen beschäftigt sie ihre Schwärmerei und die Probleme mit der besten Freundin. Ich muss zugeben, dass ich weder Tyrone noch Amber sonderlich sympathisch fand. Sie sind beide sehr egozentrische Personen, die Flannery in wichtigen Momenten im Stich lassen. Zum anderen wird das Thema Armut angesprochen. Ich fand es zwar merkwürdig, dass Flannery sich gar nicht damit beschäftigt, ob sie mit einem Aushilfsjob ein wenig eigenes Geld verdienen könnte. Doch sie gibt emotionale Einblicke, wie sie sich fühlt, wenn ihre Mutter ihr nicht mal ein Biobuch kaufen kann, die mich nachdenklich stimmten.

Die Geschichte entwickelt sich anders, als ich es zu Beginn erwartet hätte. Das fand ich sehr gut, denn viele Klischees werden damit nicht erfüllt. Die Atmosphäre wird zunehmend bedrückend und zeigt, dass manchmal eben nicht alles so läuft, wie man es gerne hätte. Trotz der Masse an kritischen Situationen in kürzester Zeit fand ich die Entwicklung der Charaktere authentisch. Die Entwicklungen rund um den Liebestrank fand ich witzig, sie lockern die Stimmung zwischendurch wieder auf. Das Ende ist schließlich definitiv kein rosa Zuckerguss, es rundet die Geschichte versöhnlich und stimmig ab.

„Das Glück hat vier Farben“ ist eine Coming of Age Story, in der die sechzehnjährige Flannery gemeinsam mit ihrem Schwarm Liebestränke für ein Schulprojekt entwickeln will. Doch der lässt sich nur selten in der Schule blicken, ihre Freundin hat kaum mehr Zeit für sie und ihre alleinerziehende Mutter ist wieder völlig pleite. Die Geschichte bedient keine Klischees, sondern spricht wichtige Themen an. Ich empfehle das Buch an Jugendliche weiter, die Lust auf eine Geschichte haben, in der einige Dinge anders verlaufen als gedacht.

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529 Bibliotheken, 25 Leser, 1 Gruppe, 45 Rezensionen

liebe, dystopie, das juwel, amy ewing, fantasy

Das Juwel – Der Schwarze Schlüssel

Amy Ewing , Andrea Fischer
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei FISCHER FJB, 27.04.2017
ISBN 9783841440198
Genre: Jugendbuch

Rezension:

In der Weißen Rose laufen die Vorbereitungen für die geplante Revolution auf Hochtouren. Violet und ihre Freundinnen reisen zu den verschiedenen Verwahranstalten, um alle Teilnehmerinnen der nächsten Auktion für ihr Vorhaben zu gewinnen und ihnen zu zeigen, wer sie wirklich sind. Doch dann erfährt Violet, dass auf ihre Schwester Hazel, die von der Herzogin vom See gefangen gehalten wird, ein Mordanschlag geplant ist. Sie will nicht länger warten, sondern verändert mithilfe der Auspizien ihr Aussehen und begibt zurück sich in die Höhle des Löwen, den Palast der Herzogin. Kann sie unentdeckt bleiben und ihrer Schwester helfen? Und wird der Revolutionsplan des Schwarzen Schlüssels erfolgreich sein?

Das Cover dieses Trilogiefinales ist wieder ein echter Hingucker, der mir sehr gut gefällt. Schwarz ist die dominierende Farbe und überall fliegen Splitter herum. Für mich war das ein Hinweis, dass nun alle Zeichen auf Umbruch stehen. Ich war neugierig, ob der Schwarze Schlüssel seine Pläne umsetzen kann und welche Konsequenzen der Versuch haben wird.

Das Buch startet temporeich und ich stellte erfreut fest, dass Violet und ihre Freundinnen seit dem Ende des zweiten Bandes einige Fortschritte gemacht haben. Die Vorbereitungen schreiten voran, Raven hat inzwischen beinahe alle Teilnehmerinnen der nächsten Auktion mit zur Klippe genommen und ihnen gezeigt, welche Kräfte in ihnen schlummern. Doch kurz darauf erhält Violet die Information, dass ihre Schwester in noch größerer Gefahr ist als gedacht. Sie beschließt, vorzeitig ins Juwel aufzubrechen. Mit dieser Entscheidung hat sie erneut ihren Mut unter Beweis gestellt und ich war neugierig, was sie wohl vorfinden wird.

In den ersten beiden Bänden hat man das Juwel hauptsächlich aus der Perspektive eines Surrogats kennengelernt. Violet kehrt nun in einer anderen Funktion zurück und erhält dadurch einen ganz neuen Blick darauf, was hinter den Kulissen vor sich geht. Ich fand diese neuen Einblicke interessant. Noch dringender wissen wollte ich aber, wie es ihrer Schwester geht und ob die Revolutionspläne voranschreiten. In zügigem Tempo erhält man immer mehr Informationen. Geheime Gespräche werden geführt, Verbündete gewonnen und schockierende Entdeckungen gemacht. Das Leben im Juwel ist noch immer ein einziges Verbrechen, getarnt mit schönen Ballkleidern und pompösen Festen.

Eine Weile sind alle Charaktere damit beschäftigt, ihre Pläne weiter zu verfeinern. In dieser Zeit taucht Violet noch mal in das im Juwel alltägliche Leben ein. Eine Weile passiert nichts neues, doch die Gefahr ist jederzeit präsent. Schließlich kommt es zu dramatischen Szenen, durch welche die Spannung stark anstieg. Der Adel ist noch immer grausam, aber auch die Revolution fordert ihre Opfer. Ich bangte um meine Lieblinge und hoffte, dass sie alle die Ereignisse überstehen, doch das ist nicht der Fall. Die ersten traurigen Verluste zeigen, dass es nun zu spät ist, um umzukehren. Als es schließlich so richtig losgeht, bleibt kaum mehr Zeit, um Luft zu holen. In rasantem Tempo erzählt die Autorin von Kämpfen, in denen mir bekannte Beteiligte so schnell ums Leben kamen, das ich kaum den Überblick wahren konnte. Zum Ende hin nimmt sich die Geschichte dann noch mal mehr Zeit für Abrechnungen und Aufarbeitung. Der Schluss rundet die Trilogie für mich absolut stimmig ab.

In „Das Juwel. Der Schwarze Schlüssel“ steht die lang geplante Revolution kurz bevor. Violet macht sich vorzeitig auf ins Juwel, um ihrer Schwester beizustehen. Während Pläne verfeinert und neue Verbündete gewonnen werden, besteht ständig die Gefahr, dass jemand auffliegt oder angegriffen wird. Schließlich gibt es kein Zurück mehr und ich fieberte mit, wie all das wohl ausgehen wird. Insgesamt ist dieser temporeiche und spannende Band ein wirklich gelungener Abschluss der Juwel-Trilogie!

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214 Bibliotheken, 7 Leser, 0 Gruppen, 64 Rezensionen

roman, freundschaft, trauma, ich eleanor oliphant, eleanor oliphant

Ich, Eleanor Oliphant

Gail Honeyman , Alexandra Kranefeld
Fester Einband: 528 Seiten
Erschienen bei Ehrenwirth, 24.04.2017
ISBN 9783431039788
Genre: Romane

Rezension:

Eleanor Oliphant ist fast 30 Jahre alt und arbeitet seit ihrem Uniabschluss als Buchhalterin in einer Grafikdesign-Agentur. Auf der Arbeit ist sie fleißig, mit ihren Kollegen aber nicht auf einer Wellenlänge, und so verbringt sie die Mittagspausen allein mit Kreuzworträtseln. Das Wochenende verbringt sie mit Wodka in ihrer Wohnung und spricht meist erst wieder mit jemandem, wenn sie montags zur Arbeit geht. Zweimal im Jahr schaut eine Sozialarbeiterin bei ihr nach dem Rechten. All das ist für Eleanor normal und okay. Doch dann verliebt sie sich in einen Musiker und beschließt, in ihrem Leben einige Veränderungen vorzunehmen. Als in der IT auch noch ein neuer Kollege anfängt und sie gemeinsam bei einem alten Mann Hilfe leisten, ist in ihrem Leben so einiges los. Doch irgendetwas ist in ihrer Vergangenheit passiert, das sie bis heute verfolgt und nie ganz loslässt.

Das Cover des Buches sieht auf den ersten Blick bunt und unbeschwert aus. Doch in der oberen Ecke ist es ganz schwarz gefärbt, und dort steht eine Person – vermutlich Eleanor, deren soziale Interaktion sich auf das absolut nötigste beschränkt. Eleanor gibt dem Leser zu Beginn des Buches in nüchterner, sachlicher Sprache einen Überblick über ihre stets gleich ablaufende Woche, mit der sie sich arrangiert hat. In einer bizarren Situation beim Arzt lässt sie sich außerdem Schmerzmittel verschrieben und erklärt dem Leser schließlich, dass sie sich in einen Musiker verliebt hat, der für sie perfekt ist.

Schnell wird klar, dass Eleanor alles andere als ein durchschnittliches Leben führt. Sie bezeichnet sich selbst als Einzelkämpferin und Überlebende und lässt keinen anderen Menschen an sich heran. Im Kontakt mit anderen verhält sie sich zudem reichlich ungeschickt. Sie weiß, dass die Kollegen über sie lästern, doch das ist ihr egal. Eleanor tat mir wirklich leid und die Szenen, in denen sie so offensichtlich ins Fettnäpfchen tritt konnten mich berühren. Gleichzeitig konnte ich aufgrund ihres befremdlichen Verhaltens die Distanz der Kollegen teils nachvollziehen. Eleanor macht immer wieder Andeutungen über eine schwere Kindheit und ständig wechselnde Pflegefamilien, sodass ich neugierig wurde, was damals wohl vorgefallen ist, das bis heute nachwirkt.

Nach kurzer Zeit geschehen mehrere Dinge, die Eleanors Leben durcheinanderwirbeln. Für ihre baldige Beziehung zum Musiker will sie sich selbst etwas herrichten und macht dabei ganz neue Erfahrungen bei der Maniküre und dem Brazilian Waxing. Gleichzeitig hat sie einen neuen Kollegen in der IT, Raymond, der gern mit ihr redet und sich von ihrer verschrobenen, förmlichen Art nicht abschrecken lässt. Durch ihn und einem alten Mann, dem die beiden helfen, lernt sie zu verstehen, was es bedeutet, Zeit mit anderen zu verbringen und eine Familie zu haben. Eleanor verhält sich bei all dem sehr naiv, doch es war wirklich schön zu sehen, wie sie durch das Interesse anderer an ihr als Person regelrecht aufblüht und selbst merkt, dass ihr das Zusammensein mit Anderen Spaß macht.

Ich hatte Eleanor wirklich gern, doch was mich bei der Lektüre am meisten störte waren diverse Ungereimtheiten in Bezug auf ihren Charakter. Zum Beispiel löst sie gern Kreuzworträtsel, schaut viel Fern und hört Radio, weiß aber nicht, wer Spongebob Schwammkopf oder die Village People sind. Diese Bildungslücken waren in der jeweiligen Situation amüsant, in dem Ausmaß für mich aber wenig nachvollziehbar. Auch konnte ich nicht verstehen, warum sie früher so oft die Pflegefamilie wechseln musste – haben alle Pflegeeltern wirklich so schnell aufgegeben? Und trotz ihres asketischen Lebensstils in einer winzigen Sozialwohnung hat sie nach acht Jahren Arbeit fast kein Erspartes – verdienen Buchhalter in Glasgow so unglaublich wenig? Das sind nur einige Beispiele, die mich immer wieder stutzen ließen.

Es hat mir Spaß gemacht, Eleanor dabei zu begleiten, wie sie Stück für Stück lernt, auf andere Menschen einzugehen und dass das Leben mehr bietet als Arbeit und Wodka. Es gibt viele schöne Situationen, aber auch einige Rückschläge, die mich hoffen ließen, dass sie trotzdem nicht aufgibt. Ich habe mich sehr für sie gefreut, dass sie mit Raymond einen Freund an ihrer Seite hat, der den Kontakt zu ihr während Höhen und Tiefen halten will. Eleanor macht eine tolle Entwicklung durch und will sich schließlich auch ihrer Vergangenheit stellen. Zum Schluss ging es mir dann etwas zu schnell. Gerne hätte ich Eleanor mit ihrem neuen Blick auf sich selbst noch einige weitere Seiten begleitet.

„Ich, Eleanor Oliphant“ erzählt die Geschichte von Eleanor, die soziale Kontakte möglichst vermeidet und sich selbst als Einzelkämpferin sieht. Doch dann verliebt sie sich, begegnet einem neuen Kollegen und findet sich in für sie ganz neuen Situationen wieder, die sie zu der Frage bringt: Ist es wirklich okay für sie, sich ganz allein durchzuschlagen? Trotz einiger Ungereimtheiten in Bezug auf ihren Charakter hat mit diese lebensbejahende Geschichte über Freundschaft und die kleinen Dinge im Leben gut gefallen. Ich vergebe vier Sterne.

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845 Bibliotheken, 46 Leser, 2 Gruppen, 217 Rezensionen

prinzessin, prinz, fantasy, der kuss der lüge, mary e. pearson

Die Chroniken der Verbliebenen - Der Kuss der Lüge

Mary E. Pearson ,
Fester Einband: 560 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 16.02.2017
ISBN 9783846600368
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Arabella Celestine Idris Jezelina ist die Erste Tochter des Hauses Morrighan und damit eine Prinzessin. Doch während ihre Brüder und Schwestern selbst wählen dürfen, wen sie heiraten wollen, wurde für sie eine Ehe mit dem Prinzen des Königreichs Dalbreck arrangiert. Auch wenn die Prinzessin, die am liebsten nur Lia genannt wird, nicht über die sogenannte Gabe verfügt, ist die Hochzeit doch wichtig für ein Bündnis der Reiche gegen das barbarische Venda. Doch Lia ist nicht bereit, ihr Schicksal hinzunehmen. Am Tag ihrer Hochzeit flieht sie zusammen mit ihrer Dienerin und Freundin Pauline aufs Land, wo die beiden Arbeit in einem Gasthof erhalten. Lia wähnt sich in Sicherheit. Sie ahnt nicht, dass ihr zwei Personen dicht auf den Fersen sind. Der eine ist der Prinz. Der andere ein Attentäter…

Das Cover von „Der Kuss der Lüge“ zeigt ein vom Betrachter abgewandtes Mädchen. Im Hintergrund sind zwei Männer zu sehen. Auch wenn ich die Farben fast schon zu düster finde vermittelte mir das Cover einen guten ersten Eindruck von Lia und den beiden Männern, die ihr auf den Fersen sind. Das Buch beginnt am Tag von Lias Heirat mit einem Mann, den sie noch nie zuvor gesehen hat. Sie muss lange Zeremonien über sich ergehen lassen und ihre Eltern erinnern sie immer wieder daran, dass sie mit der Heirat dem Königreich einen Dienst erweist. Schon nach wenigen Seiten befand sie sich auf schon auf der Flucht vor dieser für sie angedachten Bestimmung.

Lia lernte ich als wild entschlossen kennen, den Zwängen und Traditionen zu entkommen und ein normales Leben zu führen. Ich bewunderte ihren Mut, sich so offen gegen ihre mächtige Familie zu stellen. Gleichzeitig fand ich es aber auch naiv, dass sie denkt, sie könne wirklich in einem Gasthof arbeiten und nicht erkannt werden. Kein Wunder, dass der Prinz und der Attentäter sie in kürzester Zeit finden. Obwohl die beiden sich reichlich merkwürdig verhalten, kommt Lia nicht auf die Idee, dass sie wegen ihr gekommen sind.

Der besondere Reiz dieses Buches ist, dass man lange nicht weiß, wer der Prinz ist und wer der Attentäter, denn beide begegnen Lia zeitgleich. Kurze Kapitel aus der Sicht der beiden geben Einblick in ihre höchst unterschiedlichen Gedankengänge, und trotzdem fällt es schwer, diese den Handelnden zuzuordnen. Auch wenn meine erste Vermutung sich im Nachhinein als richtig entpuppte, geriet ich immer wieder ins Zweifeln. Lias Beziehung zu beiden Männern intensiviert sich zunehmend und ich war neugierig, wohin das führen wird. Es kommt zu einigen romantischen, unterhaltsamen, aber auch dramatischen Szenen. Insgesamt wurde die ganze Situation aber sehr in die Länge gezogen, sodass der Reiz irgendwann verloren ging und ich mich zu langweilen begann.

Nach 350 Seiten kam endlich wieder Schwung in die Geschichte und die Spannung stieg schlagartig an. Identitäten werden enthüllt und Lia befindet sich in einer verzwickten und gefährlichen Situation, in der sie zeigen muss, was wirklich in ihr steckt. Dabei macht sie eine tolle Entwicklung durch, sie gewinnt an Stärke und verliert an Naivität. In die Geschichte kommt buchstäblich Bewegung und ich fand es interessant, die Welt, in der Lia lebt, besser kennenzulernen. Allmählich erhielt ich einen Überblick über die verschiedenen Bevölkerungsgruppen und die politische Situation. Gleichzeitig bleibt das Buch emotional, denn verzweifelte und hoffnungsvolle Momente folgen rasch aufeinander. Das letzte Buchdrittel hat mir deshalb mit Abstand am Besten gefallen. Diesen ersten Band der Reihe rundet schließlich eine Szene ab, die eine Überraschung bietet, Spannung verspricht und meine Neugier auf die Fortsetzung wecken konnte.

„Der Kuss der Lüge“ erzählt die Geschichte von Lia, die ihrem Leben als Prinzessin am Tag ihrer arrangierten Heirat entflieht und sich in einem kleinen Dorf ein normales Leben aufbauen will. Doch der Prinz und ein Attentätet sind ihre schon auf den Fersen, sodass der Leser eine emotionale und gleichzeitig spannende Geschichte erlebt. Nach einigen Längen schöpft die Geschichte ihr Potential zunehmend aus und konnte mich immer besser unterhalten. Ich vergebe knappe vier Sterne und freue mich auf den zweiten Teil, in dem die Geschichte sich hoffentlich weiter steigern kann!

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52 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 26 Rezensionen

vermont, backen, liebe, kuchen, glück

Die Zutaten zum Glück

Louise Miller , Katja Bendels
Flexibler Einband: 408 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 10.04.2017
ISBN 9783458362647
Genre: Romane

Rezension:

Olivia arbeitet als Patissière im angesagten Emerson Club in Boston – bis sie an einem Abend mit einem flambierten Baked Alaska einen Brand verursacht. Noch in derselben Nacht flieht sie zu ihrer besten Freundin Hannah nach Guthrie in Vermont. Eigentlich wollte Olivia dort nur für ein paar Tage bleiben. Doch als sie von Hannah erfährt, dass der nahegelegene Landgasthof „Sugar Maple Inn“ eine Patissière sucht, bewirbt sie sich. Die Besitzerin Margaret zeigt sich unbeeindruckt von Olivias bisheriger Karriere, gibt ihr aber eine Chance. Von allen Seiten schlägt ihr zunächst Skepsis entgegen, doch allmählich findet sie Freunde. Vor allem Martin, der wegen seines kranken Vaters vorübergehend in die Heimat zurückgekehrt ist, scheint mehr als nett zu sein…

Das Cover des Buches sieht wirklich zum Anbeißen aus. Da ich sehr gern backe war mein sofort Interesse geweckt, als ich las, dass sich das Buch um eine Patissière dreht. Die Protagonistin Olivia lernt man bei der Arbeit kennen, wo sie gerade ihre Spezialität, einen Baked Alaska, den Gästen präsentieren soll. Doch der brennende Nachtisch rutscht ihr aus den Händen und schon steht der Club in Flammen. Gut konnte ich verstehen, dass Olivia einfach nur weg will. Ihre beste Freundin Hannah steht ihr bei und will sie rasch davon überzeugen, doch erst mal länger bei ihr zu bleiben.

Da Olivia Geldsorgen hat, kommt ihr der neue Job im Sugar Maple Inn inklusive kostenloser Unterkunft gerade recht. Doch als Stadtkind muss sie sich erst einmal an das Kleinstadtleben in Guthrie gewöhnen, wo jeder jeden kennt und gelästert wird, was das Zeug hält. Außerdem scheint es zwischen der zugeknöpften Besitzerin Margaret und Jane White, gegen die Margaret nach zahlreichen Siegen seit drei Jahren im Backwettbewerb verliert, ein altes Zerwürfnis zu geben. Sicherheit gibt Olivia die Arbeit, die sie meisterhaft beherrscht: Brot backen, Desserts zubereiten und Torten herstellen. Die Beschreibungen ihrer Künste machten mir immer wieder Appetit und Lust, mich selbst in die Küche zu stellen.

Olivia findet bald auch Freunde: Den Milchlieferanten Tom, den Küchenchef Alfred und außerdem Dotty, Margarets beste Freundin, sowie ihren Mann Henry und ihren Sohn Martin. Vor allem die Musik hilft ihr dabei, denn sie tritt mit ihrem Banjo in Toms Band ein und lernt von Henry, eine Dulcimer zu spielen. Mit Martin versteht sie sich mehr als gut und verbringt immer mehr Zeit mit ihm und seiner Familie. Ich fand es schön, zu sehen, wie Olivia allmählich ankommt. In der Kleinstadt lernt sie auf ganz neue Weise, was Freundschaft und Zusammenhalt heißt. Ich konnte mich gut in sie einfühlen und habe es genossen, an ihrer Seite in der Küche zu stehen und durch die Stadt zu streifen.

Bald ziehen aber auch dunkle Wolken am Himmel auf. Hannah fühlt sich vernachlässigt und Jane White versprüht hr Gift. Schließlich überschlagen sich die Ereignisse und Olivia gerät in eine rasante, emotionale Berg- und Talfahrt. Ich fand ihr Verhalten in dieser Zeit allerdings nicht ganz nachvollziehbar. Sie trifft einige weitreichende Entscheidungen, die ich überhaupt nicht gut fand und bei denen ich ihr gerne ins Gewissen geredet hätte. Das übernehmen schließlich andere – für mich aber zu spät. Das Ende hält schließlich einige schöne Überraschungen bereit und konnte mich versöhnlich stimmen.

„Die Zutaten zum Glück“ erzählt die Geschichte von Olivia, die sich nach einem beruflichen Malheur aus Boston zu ihrer besten Freundin in die Kleinstadt Guthrie flüchtet und dank eines neuen Jobs beschließt, für eine Weile zu bleiben. Bald findet sie neue Freunde und vor allem der charmante Martin weckt ihr Interesse. Doch es schlägt ihr auch Missgunst entgegen, und so mancher hat seine Geheimnisse. Ein schöner Roman rund um Freundschaft, süße Speisen und Musik, der beim Lesen gute Laune macht!

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151 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 43 Rezensionen

liebe, jugendbuch, krankheit, fischer, tabletten

Jeder Tag kann der schönste in deinem Leben werden

Emily Barr , Maria Poets
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei FISCHER FJB, 23.03.2017
ISBN 9783841440075
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Flora Banks lebt nur im Hier und Jetzt, denn sie hat eine anterograde Amnesie. Sie ist siebzehn und speichert seit sieben Jahren keine neuen Erinnerungen mehr ab. Mittels Nachrichten auf ihren Händen, ihrem Notizbuch, auf dem Handy und dem Computer erinnert sie sich selbst immer wieder daran, was gerade passiert und was ihr wichtig ist. Als sie eines Tages auf einer Party den Freund ihrer besten Freundin küsst, passiert etwas Unglaubliches: Sie erinnert sich am nächsten Tag noch daran! Allerdings ist Drake nun zum Studieren an den Nordpol gezogen und ihre beste Freundin spricht nicht mehr mit ihr. Als ihre Eltern sie dann völlig überstürzt allein zu Hause lassen, beginnt sie einen Mailaustausch mit Drake. Daraus entwickelt sich ein waghalsiger Plan…

Als ich zum ersten Mal von diesem Buch gehört habe, war mein Interesse sofort geweckt. Wie kann ein Mensch, der seit sieben Jahren keine neuen Erinnerungen mehr speichern kann, sein Leben organisieren? Nach einem kurzen Prolog, in dem sich die Protagonistin an einem rätselhaften und kalten Ort befindet, begegnet man ihr auf einer Party wieder. Floras kurzzeitige Erinnerungen löschen sich in regelmäßigen Abständen, und gerade ist es wieder passiert. Sie muss nun erst einmal herausfinden, wo sie ist, warum sie dort ist und wen sie kennt. Von Beginn an war ich überrascht davon, wie routiniert ihr das Lesen ihrer Notizen und die Neuorientierung von der Hand geht. Tatsächlich klappt das so gut, dass ich es am Anfang kaum glauben konnte. Nach Notizen zu suchen ist Flora trotz Amnesie in Fleisch und Blut übergegangen, auf diese Tatsache muss man sich als Leser einlassen.

Das Tempo ist zu Beginn des Buches hoch und Flora passieren viele Dinge, die sie so noch nicht erlebt hat. Am wichtigsten ist wohl der Kuss, an den sie sich plötzlich erinnern kann. Dieser führt jedoch zum Bruch mit ihrer besten Freundin Paige, und als ihre Eltern überstürzt abreisen und Paige bei ihr wähnen ist sie zum ersten Mal für längere Zeit allein. Wie sie das wohl meistern wird?

Die Autorin ermöglichte es mir, ganz nah bei Flora zu sein und zu verstehen, was in ihrem Kopf vorgeht. Sie versucht immer wieder auf Neue, sich selbst möglichst viele aussagekräftige Notizen zu hinterlassen, um später wieder zu verstehen, was gerade passiert und was ihr Ziel ist. So liest sie sich ein ums andere Mal zuerst durch die Notizen mit Grundwissen zu ihrem Leben und dann durch die spezielleren Nachrichten, die ihr die aktuelle Situation erklären. Dadurch gab es einige Wiederholungen, die aber gleichzeitig noch nachvollziehbarer machten, wie es in Floras Kopf aussieht. Dennoch zog sich die Handlung für mich hin und wieder etwas in die Länge.

Zu Beginn habe ich mich mit Flora etwas schwer getan. Warum küsst sie ohne nachzudenken einen Jungen, an den sie keine Erinnerung hat? Insgesamt verhält sie sich aufgrund ihres Handicaps sehr naiv, denn es steckt immer noch viel von der Zehnjährigen in ihr, an die sie sich erinnern kann. Beim Lesen entwickelte ich zunehmend Beschützerinstinkte und hätte Flora gern so manchen Rat gegeben. Gleichzeitig fand ich sie aber auch sehr mutig, denn plötzlich überlegt sie nicht mehr lang, sondern stürzt sich ins Abenteuer. Ich fand es toll, zu sehen, wie sie dank ihrer Erinnerungshilfen eine große Motivation entwickeln und sich auf eine längere Reise begeben kann.

Auf ihrem Abenteuer kann Flora zeigen, was in ihr steckt und dass sie an Herausforderungen wachsen kann. Es hat mir Spaß gemacht, sie dabei zu begleiten, auch wenn nicht alles so läuft wie geplant. Zum Ende hin gibt es dann noch mal einige gute und böse Überraschungen für Flora und den Leser. Es wird noch einmal vieles durcheinander geworfen, was man bislang zu wissen glaubte. Das war spannend, aber fast schon zu dramatisch für meinen Geschmack. Das hoffnungsvolle Ende rundet die Geschichte schließlich gelungen ab.

In „Jeder Tag kann der schönste in deinem Leben sein“ kann Flora seit sieben Jahren keinen neuen Erinnerungen speichern – bis sie sich an einen Kuss mit einem Jungen erinnert, der nun zum Studieren an den Nordpol gezogen ist. Indem die Geschichte aus Floras Perspektive erzählt wird, wurde sie für mich zu einem besonders intensiven Leseerlebnis. Gut konnte ich nachvollziehen, was in Floras Kopf passiert und bewunderte, wie mutig sie trotzdem ihr Leben meistert. Gerne empfehle ich das Buch mit dieser ganz besonderen Protagonistin weiter.

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10 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

selbstoptimierung

Transition

Luke Kennard , Karl-Heinz Ebnet
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Droemer, 03.04.2017
ISBN 9783426281673
Genre: Romane

Rezension:

In einer nicht allzu fernen Zukunft haben Karl und seine Frau Genevieve ernsthafte Probleme damit, ihr Leben in den Griff zu bekommen. Sie arbeitet als Grundschullehrerin, er als Ghostwriter für akademische Arbeiten. Trotz des doppelten Einkommens können sie kaum die Miete für ihre winzige Stadtwohnung bezahlen, geschweige denn an Kinder denken. Um sich einige Annehmlichkeiten zu leisten, hat Karl deshalb etwas nachgeholfen – nun steht er vor der Wahl, wegen Online-Betrugs und Steuerdelikten fünfzehn Monate ins Gefängnis zu gehen oder mit Genevieve an „Transition“ teilzunehmen. In diesem Selbstoptimierungsprogramm leben sie beide sechs Monate bei Mentoren und müssen deren Anweisungen befolgen. Das scheint Karl die deutlich bessere Wahl zu sein, ihre Mentoren Janna und Stu wirken aufrichtig interessiert. Doch dann entwickeln sich die Dinge anders, als es Karl lieb wäre…

Ein Programm, das eine umfassende Selbstoptimierung verspricht? Das klang für mich nach einem interessanten Aufhänger für einen Roman, zu dem ich deshalb neugierig griff. Zu Beginn des Buches lernt man Karl und Genevieve als zwei Menschen kennen, die finanziell trotz regelmäßigem Einkommen völlig ruiniert sind. Grund dafür ist die überteuerte, winzige Stadtwohnung – was ich bei der aktuellen Entwicklung der Mietpreise nachvollziehen konnte – aber auch ein gelegentliches Über-die-Stränge-Schlagen der beiden.

Karl wurde mir nicht allzu sympathisch mit seinen dubiosen Jobs wie gefaketen Produktrezensionen, Steuerung von Klick-Farmen und Ghostwriting für Studenten. Es war daher wenig verwunderlich, dass die ganze Sache irgendwann nach hinten losgeht und er sich nach wenigen Seiten wegen Online-Betrugs und Steuerdelikten verantworten muss. Transition scheint die perfekte Lösung für gescheiterte Existenzen wie Karl und Genevieve zu sein. Letztere scheint mehr auf Zack zu sein als Karl, macht sich aber ebenfalls nicht allzu viele Gedanken um Finanzen und Zukunft.

Gemeinsam mit den beiden startet man ins Transition-Programm, wo es von strahlenden Gestalten nur so wimmelt. Janna und Stu, die zugewiesenen Mentoren, machen sich eifrig und engagiert an die Einführung. Die beiden dürfen bei ihnen in einem schicken Haus wohnen und ihre Jobs behalten, doch ihre Finanzen werden ab sofort von Transition gesteuert. Hinzu kommen notwendige tägliche Tagebucheinträge, Haushaltspflichten, Sporteinheiten und ein tägliches Zeitungslesepensum. Genevieve stürzt sich begeistert in all das, während Karl es  mit einer guten Portion Skepsis angeht. Ich wartete darauf, dass die Sache einen Haken hat, und konnte Karls Haltung deshalb gut nachvollziehen.

Karl macht bald einige merkwürdige Entdeckungen und beginnt, Nachforschungen zu vorherigen Teilnehmern anzustellen. Das Ergebnis verwirrte erst einmal mehr, als dass es Fragen beantwortet hätte. Ist Karl paranoid oder sind seine Zweifel vielleicht doch berechtigt? Gleichzeitig verhalten sich Janna und Stu in verschiedenen Situationen unangemessen und es wird klar, wie abhängig Karl von ihnen ist. Und trotzdem wächst ihr Einfluss auf Genevieve, die Karl zunehmend entgleitet. Die Geschichte schlägt einen ruhigen Ton an und ich wartete darauf, dass hinter der nächsten Ecke der große Knall wartet. Doch dieser bleibt aus, vielmehr befindet sich Karl auf einer kontinuierlichen Abwärtsspirale, die er mal mehr, mal weniger absichtlich aber beständig hinabrutscht.

Auch wenn es unter dem Strich lange keine herausstechend dramatischen Ereignisse oder völlig überraschenden Wendungen gab, konnten die kleinen Enthüllungen und Entwicklungen mein Interesse an der Geschichte erhalten. Der Leser wird behutsam an die Katastrophe herangeführt. Als diese schlussendlich eintritt und auch die größeren Zusammenhänge klar werden, hätte ich mir dann aber doch noch etwas mehr Schwung gewünscht. Doch die Geschichte endet genauso unaufgeregt, wie sie erzählt wurde und lässt mich mit einigem Stoff zum Nachdenken zurück.

„Transition. Das Programm“ erzählt die Geschichte von Karl und Genevieve, die finanziell ruiniert sind und als Alternative zu Karls Gefängnisaufenthalt sechs Monate zu Mentoren ziehen, die ihnen ein besseres Leben ermöglichen sollen. Doch mit welchen Schritten will Transition das erreichen, und was passiert, wenn man nicht bei allem mitziehen will? Eine interessante Geschichte zur Frage, wie weit Selbstoptimierung gehen könnte und sollte.

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7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Das alte Böse

Nicholas Searle , Jan Schönherr
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Holtzbrink Buchverlage, 24.03.2017
ISBN 9783463406671
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Roy und Betty sind beide über 80 Jahre alt und lernen sich mittels Online-Dating kennen. Im Nu sind sie zusammengezogen, um sich Gesellschaft zu leisten, auch wenn Roy hauptsächlich meckert und im Haushalt nicht mithilft, ganz zum Missfallen von Bettys Enkel Stephen. Doch Betty ist entschlossen, das Arrangement beizubehalten. Roy hat unterdessen ganz eigene Pläne und zeigt auffälliges Interesse an Bettys finanzieller Situation. Hat er mit ihr die richtige Person gewählt?

Das Cover des Buches ziert eine Schlange, die in Kombination mit dem Titel verspricht, dass jemand nichts Gutes im Sinn hat. Die Geschichte startet ein wenig skurril mit dem Blind Date von Betty und Roy, die sich unter falschen Namen im Internet kennengelernt haben. Offensichtlich erfüllen sie die Kriterien des jeweils anderen, denn schon im nächsten Kapitel wohnen sie seit zwei Monaten zusammen.

Roy ist von Beginn an alles andere als ein sympathischer Zeitgenosse. Er ist meist mürrisch, starrt jungen Mädchen hinterher und lässt Betty seine Urinspritzer im Bad wegputzen. Schnell wird außerdem klar, dass er sich gebrechlicher gibt, als er ist. Will er sich damit nur vor den Haushaltsaufgaben drücken oder noch etwas anderes erreichen? Gleichzeitig begann ich mich zu fragen, warum die Betty das mit sich machen lässt. Sie ist gebildet, hat Witz und kann auch resolut auftreten. Wieso ist sie Roy gegenüber also so nachsichtig und bereit, mit ihm zusammenzuleben?

Die Geschichte springt bald in die Vergangenheit und man erfährt mehr über Roys bisheriges Leben. Dabei bestätigt sich der Eindruck, dass er wirklich kein angenehmer Kerl ist. Mit jedem Kapitel geht es in der Zeit ein Stück weiter zurück und ich erfuhr von verschiedensten Verbrechen, an denen er beteiligt gewesen ist. Dabei geht es meist um Betrügereien und Täuschungen, und mein negatives Bild von ihm wurde immer umfassender.

Zwischen den einzelnen Rückblicken erfährt man in der Gegenwart mehr über das weitere Zusammenleben der beiden Alten. Roy befragt Betty auffällig unauffällig zu ihrer finanziellen Situation aus und legt ihr seinen Berater ans Herz, der dem Leser schon aus der allerersten verbrecherischen Rückblende bekannt ist. Wird Betty darauf eingehen? Die Kapitel in der Gegenwart waren im Gegensatz zu den Rückblenden relativ kurz. Ich hätte mir ein etwas ausgewogeneres Verhältnis gewünscht. Bei der Schilderung von Roys Verbrechen nimmt der Autor immer viel Anlauf, wodurch sich die Kapitel für mich ein wenig gezogen haben.

Früh vermutete ich, dass noch irgendeine größere Überraschung auf mich wartet, und behielt Recht. Die Rückblenden in Roys Vergangenheit werden immer brisanter und schockierender, sodass die schon bekannten Betrügereien bald geradezu harmlos wirken. Und auch rund um Betty erlebte ich schließlich eine große Überraschung. Auf diese wartet man aufgrund zahlreicher Andeutungen von Beginn an, dennoch entwickelte ich erst kurz vor der Lüftung des Geheimnisses eine Ahnung, worum es sich drehen könnte. Es kommt zu einer genial angelegten Wendung, mit der mich der Autor begeistern konnte. Etwas enttäuscht war ich jedoch von den Konsequenzen. Das Verhältnis von Aufwand und Wirkung passte für mich nicht ganz und ich hätte insgesamt gern noch mehr darüber erfahren.

In „Das alte Böse“ lernen sich Roy und Betty, beide über 80 Jahre alt, via Online-Dating kennen und ziehen schon bald zusammen. Während Roys Absichten schnell klar sind und seine abstoßende Vergangenheit immer weiter enthüllt wird, fragt man sich, warum Betty überhaupt freiwillig mit ihm zusammenlebt. Trotz kleiner Längen und einem etwas enttäuschenden Schluss hat mich der Aufbau des Romans, sein schrittweises Annähern an die Wahrheit, sehr gut unterhalten können. Eine ungewöhnliche und eindringliche Geschichte über Verbrechen in der Gegenwart und aus alter Vergangenheit.

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902 Bibliotheken, 66 Leser, 5 Gruppen, 135 Rezensionen

thriller, sebastian fitzek, achtnacht, berlin, fitzek

AchtNacht

Sebastian Fitzek
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 14.03.2017
ISBN 9783426521083
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ben durchlebt gerade seinen persönlichen Albtraum. Seiner Tochter Jule mussten vor vier Jahren die Beine unterhalb der Knie amputiert werden, weil er einen Unfall gebaut hat, nachdem sein damaliger Manager und Mitfahrer sie während der Fahrt angefasst hat. Jule schien sich an das Leben mit Einschränkung gewöhnt zu haben – doch warum hat sie sich dann vor wenigen Tagen mit dem Rollstuhl vom Dach ins Koma gestürzt? Gab es wirklich keine Fremdeinwirkung? Aber es kommt noch schlimmer: Ben wird von einer Webseite zum sogenannten AchtNächter ernannt, der eine Nacht lang vogelfrei ist und für den Gewinn von zehn Millionen Euro straffrei getötet werden darf. Die Mehrheit der Bevölkerung glaubt weder an den Gewinn noch an die Straffreiheit – doch einige selbsternannte Jäger machen sich auf die Suche nach ihm. Ebenso wie die mit ihm nominierte Arezu muss er die Nacht überstehen…

Ich habe mich riesig über die Nachricht gefreut, dass mit „AchtNacht“ so kurz nach dem letzten Buch von Sebastian Fitzek eine weitere Geschichte aus seiner Feder auf den Markt kommt. Das Buch wirft den Leser im Prolog mitten hinein in eine Szene, die „einen Monat danach“ stattfindet. Eine noch unbekannte Person befindet sich in der Psychiatrie und erhält den Anruf eines Toten. Das war reichlich mysteriös und weckte vollends meinte Neugier.

Danach springt die Geschichte in der Zeit zurück und der Leser lernt den Protagonisten Ben kennen. In seinem Leben scheint wirklich alles schief zu laufen. Selbst wenn er mit bester Absicht handelt, scheint es falsch zu sein. In seiner ersten Szene will er ein Mädchen retten, das daraufhin schrecklich wütend ist, denn sie hat für Geld zugestimmt, sich öffentlich und vor laufender Kamera misshandeln zu lassen. Ähnlich scheint es ihm mit allem zu gehen, was er tut – auch in Bezug auf seine Tochter Jule, die wegen eines von ihm verursachten Unfalls behindert ist. Dass er schließlich für die AchtNacht nominiert wird, scheint ein weiterer Schritt in seiner Chronik des Scheiterns zu sein.

Ich war zu Beginn sehr skeptisch, ob der Ablauf der AchtNacht plausibel erklärt werden kann. Unter welchen Umständen würden Menschen denn so verrückt werden und spontan Personen jagen, die von einer Webseite für vogelfrei erklärt werden? Dem Autor ist es gut gelungen, das Geschehen glaubhaft zu machen, indem er für die Handlung mit Berlin die bevölkerungsreichste Stadt des Landes wählt und getreut dem Motto „Ein paar Bekloppte gibt es überall“ eine Handvoll Menschen die Jagd aufnehmen lässt. Hinzu kommen zwei Charaktere, die auf eine andere Weise aus der Sache Profit schlagen wollen und mit ihren Entscheidungen für noch größere Spannung sorgen.

Mit Fortschreiten der Nacht nimmt die Jagd immer weiter an Fahrt auf und wird zunehmend dramatischer. Ben wird von der andere Nominierten Arezu schnell gefunden und die beiden versuchen, sich gemeinsam durchzuschlagen. Der Nervenkitzel blieb dadurch erhalten, dass man nie weiß, ob die Personen, denen die beiden begegnen, zu den Jägern gehören oder helfen wollen. Damit die beiden nicht zu schnell in Sicherheit sind, greift der Autor außerdem zu einem besonderen Mittel, dank dem die beiden in Bewegung bleiben.

Ich fand Bens Entscheidungen an manchen Stellen nicht ganz nachvollziehbar. Doch dank eben dieser Entscheidungen bleibt die Geschichte rasant und hochspannend. Ich fieberte mit, war Ben aufgrund einiger Perspektivwechsel meist einen Schritt voraus und wusste deshalb vor ihm, dass die nächste Hiobsbotschaft nicht weit entfernt ist. Das Buch konnte mich bis zum Schluss fesseln. Auch wenn ich einen zentralen Hintergrund recht früh erahnt habe, hatte die Geschichte zum Schluss noch Überraschungen für mich in petto und wurde damit zu einer runden Sache.

In „AchtNacht“ wird Ben, der in seinem Leben trotz guter Absichten schon einiges falsch gemacht hat, für eine Nacht von einer Webseite für ein hohes Preisgeld für vogelfrei erklärt. Es entsteht eine dramatische und temporeiche Jagd mitten in Berlin, deren Hintergrund plausibel gemacht wird. Mich konnte die Geschichte erschrecken und fesseln, schaudernd las ich mich durch die Seiten bis hin zu einem überraschenden Schluss. Fans des Psychothrillers sollten sich auch dieses Buch von Sebastian Fitzek nicht entgehen lassen!

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423 Bibliotheken, 21 Leser, 0 Gruppen, 143 Rezensionen

caraval, spiel, magie, fantasy, liebe

Caraval

Stephanie Garber , Diana Bürgel
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Piper, 20.03.2017
ISBN 9783492704168
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Schon als kleine Kinder lauschten Scarlett und ihre Schwester Donatella den Geschichten ihrer Großmutter über Master Legend und seine Caraval-Darsteller, deren Vorstellungen angeblich Magie in dieser Welt am nächsten kommen. Seither war es Scarletts größter Wunsch, einen Auftritt zu erleben. Doch ihre Briefe blieben unbeantwortet. Inzwischen hat Scarlett ihren Wunsch begraben und plant die Hochzeit mit einem unbekannten Grafen, um ihren gewalttätigen Vater zu entkommen. Ausgerechnet wenige Tage vor der Hochzeit erhält sie Eintrittskarten, um Caraval auf einer nahegelegenen Insel zu betreten. Scarlett will davon nichts wissen und steht doch kurz darauf gemeinsam mit dem Seemann Julian vor den Toren Caravals, die ihre Schwester bereits durchschritten hat. Um sie wiederzufinden, nimmt sie am Spiel teil, das ganz anders und scheinbar auch gefährlicher ist als gedacht.

Das Cover von „Caraval“ verspricht eine magische Geschichte. Die Worte „Es ist nur ein Spiel …“ scheinen gleichzeitig eine Warnung zu sein, und meine Neugier war geweckt, was denn dahinter steckt. Das Buch beginnt mit den Briefen von Scarlett an Legend, in denen sie jahrelang den Wunsch äußerte, dass Caraval auf ihre Insel kommt. Nach sieben Jahren schreibt sie, dass sie sich in diesem Jahr keinen Besuch wünscht – und erhält ausgerechnet darauf eine Einladung.

Die Scarlett, die ich am Anfang des Buches kennen lernte, denkt pragmatisch und ist überzeugt davon, dass eine Heirat mit einem unbekannten Graf der einzige Ausweg aus ihrer Misere ist. Sie will damit nicht nur sich, sondern auch ihre Schwester retten, denn ihr Vater, Governor Dragna, schlägt die eine für Fehltritte der anderen. Ihre Schwester hingegen ist viel wagemutiger und will das Risiko eingehen, auszureißen und Caraval zu besuchen. Mit einer List setzt sie ihren Kopf durch und der Leser findet sich im Nu mitten in der magischen Welt von Caraval wieder.

Nach und nach begreift man als Leser, was Caraval denn überhaupt ist. Ein magischer Hauch liegt auf allem, gleichzeitig reden die Darsteller in Rätseln und teilen Scarlett mit, dass sie an einem Spiel teilnehmen kann und dazu Hinweisen folgen muss, um im Falle eines Gewinns einen Wunsch zu erhalten. Außerdem wird nur bei Nacht gespielt – was tagsüber wohl draußen lauert? Bei der Ausgestaltung von Caraval hat die Autorin ihrer Fantasie freien Lauf gelassen und eine ungewöhnliche, interessante Welt geschaffen. Ich hatte große Lust darauf, sie zu erkunden und freute mich über jeden Streifzug, bei dem Scarlett wieder neue, unglaubliche Dinge sieht.

Die Charaktere, denen Scarlett begegnet, sind alle auf ihre Weise besonders und nicht leicht zu durchschauen. Viele von ihnen scheinen es mit der Wahrheit nicht so genau zu nehmen. Scarlett muss sich fragen, was Lüge und Täuschung ist und was nicht. Das ist in Caraval gar nicht so leicht zu unterscheiden. Mit wachsender Verzweiflung folgt Scarlett den Hinweisen und macht dabei einige unangenehme Überraschungen. Von Nacht zu Nacht scheint das Spiel gefährlicher zu werden. Aus Scarletts Vorstellung eines faszinierenden Erlebnisses ist ein dunkles Abenteuer geworden. Die Geschichte übte auf mich einen zunehmenden Sog aus, denn ich wollte unbedingt wissen, ob Scarlett ihre Schwester findet, was Julian verschweigt und ob es ihr gelingt, die Hinweise zu deuten.

Im letzten Buchdrittel nimmt die Spannung noch einmal zu. Es kommt zu dramatischen Szenen, die mich um die mir liebgewonnenen Charaktere bangen ließen. Erste Geheimnisse werden gelüftet, die zeigen, dass das Verwirrspiel noch größer und umfassender ist als gedacht und weitere Fragezeichen aufwerfen. Während des Finales, das mich die Luft anhalten ließ, fallen schließlich alle Puzzlestücke an ihren Platz und ließen mich erkennen, wie genial diese Geschichte angelegt ist. Der Abschluss hat mir richtig gut gefallen. Ich kann es kaum erwarten, mit einer Fortsetzung wieder in diese Welt einzutauchen und weitere Entdeckungen zu machen.

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61 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 41 Rezensionen

frankreich, aquitaine, bordeaux, krimi, aquitanien

Retour

Alexander Oetker
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Hoffmann und Campe, 17.03.2017
ISBN 9783455000092
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Luc Verlain ist in die Aquitaine zurückgekehrt. Eigentlich hatte er seiner Heimat dauerhaft den Rücken gekehrt, doch nun hat der Leiter der zweiten Pariser Mordkommission sich vorübergehend nach Bordeaux versetzen lassen, um seinem kranken Vater näher zu sein. Doch die erwartete Ruhe bleibt aus, denn gleich nach seiner Ankunft wird am Strand von Lacanau die Leiche eines Mädchens gefunden. Die siebzehnjährige Caroline Derval besuchte am Vorabend das Strandfest, bevor sie später mit einem Stein erschlagen wurde. Carolines Stiefvater ist sich sicher, dass ihr Mörder der Algerier Hakim ist, einer ihrer Verehrer. Im vom Fremdenhass bestimmten Umfeld muss Luc die Wahrheit finden.

Das Cover des Buches verspricht einen Kriminalfall dort, wo andere Urlaub machen. Auf den ersten Seiten lernt der Leser den Kommissar Luc Verlain kennen, während dieser von Paris in seine alte und neue Heimat Bordeaux fährt. Mit Beschreibungen der Landschaft und der kulinarischen Vorzüge der Gegend wurde ich auf den Schauplatz eingestimmt, bevor Luc sein neues Team kennenlernt und der erste Fall gelöst werden will.

Luc als Protagonist hat mir sehr gut gefallen. Er liebt nicht nur seine Arbeit, sondern auch gutes Essen und schöne Frauen. In seiner Vergangenheit lauern Schatten, doch diese verdrängt er die meiste Zeit und lässt sich durchs Leben treiben. Sein Kollege Etxeberria ist hingegen ein eher mürrischer Zeitgenosse, der sich mit dem gleichgestellten Kollegen schwer tut und Entscheidungen im Alleingang trifft. Außerdem gibt es da noch die sympathische und geheimnisvolle Kollegin Anouk sowie Hugo, über den man in diesem Buch noch nicht viel erfährt.

Nach einem kurzen Einstieg wird schon an Lucs erstem Tag die Leiche eines Mädchens gefunden und die Ermittlungen werden aufgenommen. In dem kleinen Ort, aus dem das Opfer stimmte, hat man für Ausländer nicht viel übrig, und so ist für den Stiefvater klar, dass der Algerier aus der Nachbarschaft der Mörder ist. Luc muss untersuchen, ob diese Vorwürfe irgendeinen Halt haben und wer sonst ein Motiv gehabt haben könnte. Die Stimmung ist aufgeheizt und falsche Entscheidungen könnten das Fass zum Überlaufen bringen.

Schnell gibt es neue Hinweise auf andere Personen, die etwas mit dem Mord zu tun haben könnten. Doch bevor es zu ausführlichen Befragungen kommen kann, erwartet den Leser bereits der erste Spannungshöhepunkt. Hier konnte ich die Entscheidungen der Beteiligten nicht ganz nachvollziehen und mich mit dem Geschehen deshalb nicht so recht anfreunden. Beispielsweise fand ich es merkwürdig, dass man sich bei gegenwärtiger Gefahr vor dem Aufbruch erst noch die Zähne putzt. Es passierten hier relativ früh relativ drastische Dinge, die mich überrumpelten.

Schließlich wird es wieder etwas ruhiger und Luc hat endlich Zeit, weitere Verdächtige zu suchen. Im Nu ist er dazu zurück in Paris und man erhält kurze Einblicke in sein bisheriges Leben. Nachdem er lange Zeit im Dunkeln tappte, geht schließlich alles sehr schnell. Ich fand die Auflösung im Vergleich zum spektakulären Intermezzo sehr ruhig und hatte gleichzeitig den Eindruck, dass die Ermittler hierauf eigentlich schneller hätten kommen können. Ich hätte mir einen stärkeren Spannungsbogen, der bis zum Schluss reicht, gewünscht.

„Retour“ ist der erste Fall für Luc Verlain, einen lebensfrohen Kommissar, den es von Paris zurück in die Aquitaine, seine Heimat, verschlägt. Die Geschichte macht Lust auf einen Besuch des Schauplatzes und spricht gleichzeitig mit den starken Vorurteilen des Opferumfelds gegen Ausländer ein wichtiges Thema an. Die Dramaturgie dieses Debüts hat jedoch einige Schwächen. Unterm Strich vergebe ich drei Sterne für diesen Auftakt einer neuen, in Frankreich angesiedelten Krimireihe.

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54 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 32 Rezensionen

familie, bretagne, tod, frankreich, trauer

Ein geschenkter Anfang

Lorraine Fouchet , Sina de Malafosse
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Atlantik Verlag, 17.03.2017
ISBN 9783455600568
Genre: Romane

Rezension:

Joseph und Lou sind als Frührentner von Paris zurück auf die Île de Groix gezogen. Doch nach einer kurzen, unbeschwerten Zeit kam Lou mit nur sechsundfünfzig Jahren ins Pflegeheim und verstarb bald danach. Zurück bleibt ein einsamer, zweifelnder Jo, der sich um seine beiden Kinder nie sonderlich gekümmert hat. Das will Lou in ihrem Testament ändern. Sie trägt ihm auf, dafür zu sorgen, dass sie glücklich sind. Erst dann dürfe er ihren letzten Brief lesen. Jo weiß nicht so recht, wie er das angehen soll, denn vor allem sein Sohn beginnt nach Lous Tod, den Kontakt aufs Nötigste zu reduzieren. Mittels Google Alerts und hilfsbereiten Freunden beginnt er, erst einmal mehr über das Leben seiner Kinder in Erfahrung zu bringen…

Das Cover des Buches zeigt eine Küste mit Leuchtturm in Hintergrund, an der ein Mann mit einem Mädchen spielt. Die Kulisse passt gut zur Île de Groix sein, auf der ein Großteil der Geschichte spielt. Die abgebildeten Menschen könnten Jo mit seiner Enkelin Pomme sein, wobei letztere mit ihren zehn Jahren eigentlich schon zu alt für das gezeigte Kind ist.

Das Buch startet bedrückend mit der Beerdigung von Lou. Sowohl Jo als auch Pomme sprechen währenddessen in Gedanken zu ihr und teilen mit ihr, was ihnen durch den Kopf geht. Um den Leser gleichzeitig abzuholen, erzählen sie Lou Dinge, die sie eigentlich wissen sollte. Dadurch wirkte die Sprache auf mich etwas holprig. Das gibt sich aber bald und ich fand immer besser in die Geschichte hinein.

Die Autorin hat Charaktere erschaffen, ich die ich mich schnell einfühlen konnte. Jo fühlt sich von Lou allein gelassen; er kann mit ihrem Auftrag wenig anfangen und hat auch wenig Antrieb, allein weiterzumachen. Aufheiterungsversuche seiner Freunde und seiner Enkelin Pomme sind nicht sonderlich erfolgreich. Jo zieht sich zunehmend zurück und es kommt zu berührenden Szenen, in denen er in Erinnerungen schwelgt und Entscheidungen trifft, in denen eine Depression aus ihm spricht. Der Entschluss, mehr über das Leben seiner beiden Kinder herauszufinden, gibt ihm schließlich eine neue Aufgabe.

Zu Erzählabschnitten aus Jos Sicht gesellen sich recht früh Abschnitte aus Pommes Perspektive und später auch aus derer seiner Kinder und einiger wichtiger Nebencharaktere. Pomme habe ich schnell ins Herz geschlossen. Sie hängt sehr an ihrem Großvater und wünscht sich eine bessere Beziehung zu ihrem Vater, dessen Besuche immer seltener werden. Sie ist lebensfroh und geht Dinge beherzt an. Darin unterscheidet sie sich von ihrer Halbschwester Charlotte, deren altkluge Sprache für mich nicht zu einer Neunjährigen passte und die aus dem Stehgreif eine psychologische Selbstanalyse zum Besten gibt. Auch Jos Kinder Sarah und Cyrian lernt man besser kennen. Beide sind in ihren Jobs äußerst erfolgreich. Doch erstere trifft keinen Mann mehr als zweimal, seit ihr Verlobter sie aufgrund ihrer Erkrankung verlassen hat und letzterer führt eine erkaltete Ehe mit der Mutter seiner zweiten Tochter, die er regelmäßig betrügt.

Mit dem Beginn von Jos Nachforschungen zum Leben seiner Kinder dringt man immer tiefer in das Beziehungsgeflecht der Familie vor. Man versteht zunehmend, was die einzelnen Charaktere antreibt und warum sie in bestimmten Verhaltensmustern gefangen sind. Der bedrückende Ton der Geschichte wird gelegentlich durch amüsante Szenen aufgelockert, zum Beispiel wenn Jo sich Google Alerts zur Beobachtung seiner Kinder einrichtet oder Freunde als Schauspieler instruiert, die Charakterstärke der Frauen in Cyrians Leben zu prüfen. Unauffällig und punktuell mischt sich Jo in Sarahs und Cyrians Leben ein, um sie in die richtige Richtung zu schubsen – mit unterschiedlichem Ergebnis. Schließlich kommt es zu einem dramatischen Ereignis, das alle stark ins Nachdenken bringt und schließlich zu einem versöhnlichen Ende, das ich sehr passend fand.

„Ein geschenkter Anfang“ erzählt von der Familie der verstorbenen Lou, die von ihrem Mann verlangt, für das Glück der gemeinsamen Kinder zu sorgen. Der Fokus verschiebt sich langsam von ihm und seiner Trauer hin zur Frage, was im Leben seiner Kinder denn fehlt. Mit der Zeit fand ich immer besser in die Story hinein, begegnete Charakteren, in die ich mich hineinfühlen konnte und erlebte Momente, die mich berührten. Diese nachdenkliche und doch nach vorn schauende Familiengeschichte vor der Kulisse der traumhaften Île de Groix empfehle ich gern weiter.

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504 Bibliotheken, 9 Leser, 0 Gruppen, 116 Rezensionen

liebe, reise, wünsche, ava reed, tod

Wir fliegen, wenn wir fallen

Ava Reed , Alexander Kopainski
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Ueberreuter Verlag , 17.02.2017
ISBN 9783764170721
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Yara und Noel haben es beide nicht leicht. Seit Yaras Eltern vor wenigen Monaten gestorben sind, lebt sie bei ihrer Tante Em. Und Noels alleinerziehende Mutter ist schon vor langer Zeit verschwunden. Auch wenn die beiden sich nicht leiden können, verbindet sie doch eine Person: Phil, Noels Großvater, dem Yara im Pflegeheim jeden Tag vorliest. Doch dann stirbt Phil und hinterlässt den beiden eine Liste mit zehn Dingen, die sie in seinem Namen tun sollen. Dinge, die eine Reise um die halbe Welt nötig machen. Yara und Noel raufen sich zusammen und nehmen die Liste in Angriff. Dabei merken sie bald, dass sie ihre Meinung über den jeweils anderen noch einmal überdenken sollen.

„Wir fliegen, wenn wir fallen“ fällt mit seinem pinken Pusteblumen-Cover gleich ins Auge. In Kombination mit dem Titel erwartete ich eine traurige, zugleich aber auch schöne und berührende Geschichte. Die Kapitel sind abwechselnd aus der Sicht von Yara und Noel geschrieben, die beide von familiären Schicksalsschlägen geprägt wurden. Yaras Eltern sind erst kürzlich verstorben, das kann sie noch immer gar nicht so richtig wahrhaben und verarbeiten. Noel ist hingegen schon lange allein, er hat in der Zeit eine harte Schale aufgebaut und gibt den Rebell, der niemandem vertraut.

Nach einem kurzen Kennenlernen der Protagonisten geschieht auch schon das Ereignis, das den weiteren Verlauf des Buches bestimmt: Phil stirbt, und sowohl Yara als auch Noel verlieren eine der wichtigsten Personen in ihren Leben. Es kommt zu sehr berührenden Szenen, die zeigen, wie wichtig er für die beiden war. Doch schnell schaut das Buch auch wieder nach vorn und gibt den Protagonisten mit Phils Liste eine neue Aufgabe, die es zu bewältigen gilt. Eher widerwillig raufen die beiden sich zusammen und beschließen, die Aufgabe gemeinsam in Angriff zu nehmen. Auch wenn keiner der beiden so richtig begeistert ist stecken sie doch bald mitten in den Reisevorbereitungen.

Ich fand es sehr schön, wie die beiden sich Schritt für Schritt ins Abenteuer wagen. Zuerst erfüllen sie Punkte der Liste, für die sie in Deutschland bleiben können. Das ganze läuft nicht so reibungslos wie gewünscht. Zum einen sind die beiden noch nicht hundertprozentig bei der Sache, zum anderen zeigt es, dass auch gut klingende Vorhaben in der Realität einen Haken haben können.

Schließlich geht es für die beiden ins Ausland zu interessanten Orten, auf die ich mich schon beim ersten Lesen der Liste gefreut habe. Die Autorin hat sich tolle Zielorte überlegt, ein Mix aus klassisch und besonders. Auch hier gelingt den beiden nicht alles auf Anhieb, wodurch die Geschichte authentisch bleibt. Die beiden kämpfen unterdessen weiterhin gegen ihre Dämonen der Vergangenheit. Doch durch die Aufgaben lernen sie zunehmend, Dinge selbst in die Hand zu nehmen und nach vorn zu schauen.

Die beiden wachsen nicht nur an den Herausforderungen, sondern auch das Verhältnis zueinander entwickelt sich weiter. Aus anfänglicher Skepsis wird Akzeptanz und bald noch mehr. Hier findet die Autorin genau die richtigen Worte, unkitschig und mit süßen und rauen Momenten. Die beiden scheinen wie füreinander gemacht zu sein und ich habe mich sehr gerne durch die Szenen gelesen, in denen die beiden zunehmend Vertrauen zueinander aufbauen und von ihren Gefühlen überwältigt werden. Doch es ist nicht alles heile Welt, die beiden durchleben emotional und in Bezug auf ihre Aufgaben doch Hochs und Tiefs, so dass die zügig erzählte Geschichte interessant blieb bis hin zu einem wunderschönen Ende.

„Wir fliegen, wenn wir fallen“ erzählt die Geschichte von Yael und Noah, die beide einen familiären Schicksalsschlag verarbeiten müssen. Als sie dann auch noch ihre gemeinsame Bezugsperson Phil verlieren, schickt der sie mithilfe seines Testaments um die halbe Welt. Ich habe die beiden sehr gerne begleitet, interessante Orte entdeckt und erlebt, wie sie an ihren Aufgaben wachsen und sich das Verhältnis zueinander wandelt. Eine wirklich schöne und authentische Geschichte, die berührt und gleichzeitig Lust auf Abenteuer macht!

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224 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 64 Rezensionen

thriller, entführung, jugendbuch, thailand, spiel

Wonderland

Christina Stein
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei FISCHER Kinder- und Jugendtaschenbuch, 25.08.2016
ISBN 9783733502898
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Liz befindet sich gemeinsam mit ihren Freundinnen Nelly und Amelie auf Weltreise. In Thailand lernen sie Jacob kennen, der sie und zwei weitere Bekannte in ein atemberaubendes Haus mitnimmt. Riesige Zimmer, gleich zwei Pools, ein Privatstand – ein wahres Wonderland. Doch als die sechs erwachen, scheinen ihre Albträume wahr geworden zu sein. Sie sind auf einem Gelände gefangen, stehen unter ständiger Überwachung und erhalten die Anweisung, alle zwei Tage ein Opfer zu benennen. Ein grausiger Befehl, dem sich keiner der sechs fügen will. Doch was passiert, wenn sie sich weigern? Und was weiß eigentlich Jacob, der die anderen ins Haus gelockt hat?

Auf der Suche nach einer temporeichen, spannenden Lektüre griff ich zu „Wonderland“. Auf dem Buchsücken wird dem Leser eine „Hölle auf Erden“ angekündigt, und ich war neugierig, wie diese aussieht. Das Buch startet eigentlich ganz harmlos. Liz und ihre Freundinnen haben in Thailand so manche Bekanntschaft gemacht, und einer von ihnen hat sie ins Haus seines offensichtlich steinreichen Onkels mitgenommen. Doch je mehr Luxus Liz entdeckt, desto unwohler fühlt sie sich. Ein Gefühl, das berechtigt war – das zeigt der nächste Morgen.

Schnell kommt die Story zur Sache und die sechs Jugendlichen finden sich in Gefangenschaft wieder. Ein Spiel mit grausamen Regeln hat begonnen. Allein bei der Vorstellung, dass eine verzerrte Stimme die gruseligen Anweisungen gibt, bekam ich Gänsehaut. Liz und ihre Freunde sind ihren Peinigern ausgeliefert, denn diese drohen schnell, ihre Anweisungen mit äußerster Gewalt durchzusetzen. Schock und Entsetzen dominieren die erste Buchhälfte. Es ist eine wahre Abwärtsspirale, denn die „Spieler“ haben quasi keine Handlungsspielräume und müssen entsetzt mit ansehen, welche schlimmen Konsequenzen ihr Tun und Nicht-Tun hat. Mich hat die Handlung gegruselt und zugleich an die Seiten gefesselt. Haben Liz und ihre Freunde noch eine Chance? Was steckt überhaupt hinter all dem?

Mit der Zeit verlieren die Charaktere den Glauben an sich selbst und enthüllen bei der Frage, wen man opfern könnte, dunkle Seiten ihrer Persönlichkeit. Doch unter all der Verzweiflung steckt auch noch etwas Hoffnung. Ich fand es interessant, wie Liz stückweise hinter Jacobs Maske blickt und sich zwischen den beiden ein besonderes Verhältnis entwickelt. Lange wirkt es so, als seien die Charaktere nur Spielbälle, die sich bei allem zu fügen haben, gleichzeitig wird nichts erklärt, sodass das Buch sich für mich etwas zog. Schließlich kam es, für mich einen Tick zu spät, zur lang ersehnten Wende.

Die zweite Buchhälfte hat mich dann voll überzeugen können. Endlich werden Erklärungen geliefert, welche das Geschehen in einem neuen, grausigen Licht erscheinen ließen. Gleichzeitig gibt es überraschende Entwicklungen, die mich hoffen ließen, dass vielleicht doch alles anders kommt als erwartet. Die Entscheidungen der Charaktere fand ich nachvollziehbar und das emotionale und gedankliche Chaos, das sie durchleben, wurde mir verständlich gemacht. Weitere Überraschungen werden dem Leser geboten und die Spannung stieg immer weiter an bis hin zu gleich mehreren atemraubenden Showdowns und einem absolut gelungenen Ende.

„Wonderland“ ist ein gruseliger Thriller rund um sechs Jugendliche, die in Thailand in Gefangenschaft geraten und Teil eines makabren „Spiels“ werden, in dem sie nach und nach einen aus ihrer Mitte als Opfer auswählen sollen. Immer wieder kommt es zu blutigen Szenen, die den Ernst der Lage klar machten und den Charakteren psychisch und physisch alles abverlangten. Nach einer langen Phase ohne Erklärungen und Optionen bietet die zweite Buchhälfte noch mehr Tempo, Überraschungen und Hintergründe. Ich wurde zunehmend mitgerissen und empfehle diese beklemmende, hochspannende Geschichte gerne an Thriller-Fans weiter!

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27 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

klassenfahrt, spiele, identitätssuche, verlieben, freunde

Mehr Schwarz als Lila

Lena Gorelik
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Rowohlt Berlin, 17.02.2017
ISBN 9783871341755
Genre: Romane

Rezension:

Alex ist siebzehn und hat seit sechs Tagen das Haus nicht mehr verlassen, denn Paul ist verschwunden und Ratte redet nicht mehr mit ihr. Dabei gab es eine Zeit, in der die drei unzertrennlich waren. Doch plötzlich ist nichts mehr vor vorher. Ein neuer Referendar kommt an die Schule, zu dem sich Alex hingezogen fühlt. Und auch Ratte verliebt sich und hat plötzlich weniger Zeit für sie. Alex handelt zunehmend intuitiv und ohne nachzudenken und hält an den Spielen fest, die sie, Ratte und Paul doch schon immer gespielt haben. Doch irgendwann stößt jedes Spiel an seine Grenzen…

Cover und Titel des Buches scheinen farblich auf den ersten Blick nicht zusammenzupassen, ihre Bedeutung wird beim Lesen aber schnell klar. Das Cover des Buches zeigt ein rot-grünes Gefieder und spielt auf Alex‘ Papagei an, den ihr Vater ihr vor neun Jahren kurz nach dem Tod ihrer Mutter geschenkt hat. Der Titel bezieht sich auf ihre Vorliebe, ausschließlich schwarz zu tragen und damit verbundene Diskussionen mit ihrer besten Freundin Ratte, ob ihre Hose nun eher dunkellila oder schwarz ist. Doch bevor man das und noch viel mehr über die Protagonistin erfährt, lernt man sie zu Beginn des Buches in einem Moment kennen, in denen sie sich emotional im freien Fall befindet. Um zu erklären, wie es so weit kommen konnte, springt die Ich-Erzählerin einige Monate in die Vergangenheit.

Hier lernt der Leser Alex, Ratte und Lena als verschworenes Dreiergespann kennen. Sie verbringen ihre Zeit meistens gemeinsam. Wenn ihnen langweilig ist, dann spielen sie Spiele wie „Stell dir vor“, in denen sie sich gegenseitig zu übertreffen versuchen. Doch dann wird alles anders, denn ein neuer Referendar unterrichtet die Klasse und lädt die drei bald ein, mit ihm eine Ausstellung zu besuchen. Er, den Alex im Buch nur als „Du“ anspricht, trifft sich fortan häufiger mit den dreien. Alex fühlt sich immer stärker zu ihm hingezogen, handelt ohne nachzudenken und muss sich mit den unerwarteten Konsequenzen auseinandersetzen.

Ich erlebte Alex als authentische Protagonistin, die sich mitten im Erwachsenwerden befindet und sich von ihren Gefühlen leiten lässt. In literarischer Sprache beschreibt sie, was in ihr vorgeht. Dabei macht sie großzügig Gebraucht von Stilmitteln, denn schließlich sind sie die Verbindung zu ihm, der sie in Deutsch unterrichtet. Oft verfällt sie auch ins Stakkato oder erinnert sich an Songtexte, die ihre Gedanken wiederspiegeln. Nach einer Eingewöhnungsphase konnte ich mich gut auf diese ungewöhnliche Sprache einlassen und sie wurde für mich zunehmend zur Stimme von Alex.

Mit Alex‘ Worten vor Augen konnte ich gut nachvollziehen, wie es so weit kommen konnte, dass sie sich privat mit einem Referendar trifft und Gefühle für ihn entwickelt. Dieses brisante Thema verarbeitet die Autorin behutsam und unaufgeregt, sodass der Fokus darauf lag, welchen Einfluss Alex‘ Gefühle und auch die von Ratte und Paul auf ihre Freundschaft haben. Ich muss aber sagen, dass die drei auf mich eher wie Schüler von vor zehn, zwanzig Jahren als wie von heute wirkten. Ihr Verhalten empfand ich oft eher als typisch für die Jugend der 90er / 2000er als der heutigen Zeit. Durch wenige Verweise wie die Jagd auf Pokemon wurde die Handlung aber im Hier und Jetzt fixiert, wodurch für mich ein etwas unstimmiger Eindruck entstand. 

Die Handlung spitzt sich schließlich zu. Das Chaos in Alex‘ Innerem treibt sie zu immer impulsiveren Handlungen, die Grenzen testen und schließlich überschreiben. Ein mittels Foto festgehaltener Moment ist es schließlich, der Alex emotionales Kartenhaus in sich zusammenstürzen lässt. Hier findet man sich schließlich in der zu Beginn des Buches geschilderten Situation wieder und die Geschichte wird zu einem Abschluss geführt, der mich berühren konnte und dessen Botschaft ich als sehr stimmig und passend erlebte.

„Mehr schwarz als lila“ erzählt die Geschichte von Alex, ihren beiden besten Freunden und einer Menge Gefühlen, die alles durcheinander bringen. Die ungewöhnliche, mit Stilmitteln beladene Sprache wurde für mich bald zu Alex Stimme, die von Freundschaft, Liebe und dem Erwachsenwerden erzählt. Eine ruhige und zugleich starke, authentische Geschichte, die ich sehr gern weiterempfehle.

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340 Bibliotheken, 29 Leser, 0 Gruppen, 99 Rezensionen

experiment, wissenschaft, roman, usa, die terranauten

Die Terranauten

T. C. Boyle , Dirk van Gunsteren
Fester Einband: 608 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 09.01.2017
ISBN 9783446253865
Genre: Romane

Rezension:

Dawn, Ramsay und Linda teilen den gleichen Wunsch: Sie wollen Terranauten werden und sich für zwei Jahre in der „Ecosphere 2“ einschließen lassen. In dieser riesigen, von einer Glaskuppel abgeschirmten Anlage soll sich ein neues, geschlossenes Ökosystem stabilisieren. Während der ersten Mission wurde die Luftschleuse aber schon nach wenigen Wochen und dann immer wieder kurz geöffnet. Für die Mission-2-Crew ist deshalb klar: Nicht rein, nichts raus – zwei Jahre lang bis zum Austausch der Crew. Vier Männer und vier Frauen lassen sich einschließen. Unter ständiger Beobachtung durch die Organisatoren und die Öffentlichkeit muss die Crew ökologische, aber auch technische, menschliche und emotionale Herausforderungen bewältigen.

Das Cover fällt durch den Menschen im Raumanzug, der inmitten von Grün steht, ins Auge. Was hat jemand mit solch einem Anzug in einer so lebendigen Umgebung zu suchen? Für mich ist es eine gelungene Anspielung auf das Selbstverständnis der Terranauten, die sich zwar nicht im Raumanzug, aber im roten Overall in die „Ecosphere 2“ einschließen lassen, um als Pioniere in der Erforschung eines geschlossenen Ökosystems zu agieren. Ein Traum, der für zwei der drei Erzählenden bald Wirklichkeit wird.

Das Buch beginnt etwa einen Monat vor dem Einschluss. Man lernt die drei Protagonisten Dawn, Ramsay und Linda kennen kurz bevor sie erfahren, ob sie Teil der Crew sind. Dawn und Linda wissen, dass sie für die gleiche Funktion in Frage kommen und nur eine von ihnen bei dieser zweiten Mission dabei sein wird. So ist die Enttäuschung bei einer von ihnen natürlich groß, sie wird weiterhin nur von außen mitarbeiten. Man erhält deshalb ganz unterschiedliche Eindrücke von den laufenden Vorbereitungen, während der man sich mit den dreien als Leser vertraut machen kann.

Bald ist es so weit und es kommt zum Einschluss der acht Terranauten, die außer Licht, Strom und Informationen zwei Jahre lang nichts von außen erhalten werden. Ich fand es höchst faszinierend, zu beobachten, wie jeder auf seine Art mit der Situation umgeht und sich arrangiert. Die anfängliche Aufregung lässt bald nach, und die Crew muss sich mit Hunger, Kakerlaken, zwischenmenschlichen Spannungen, der ständigen Überwachung, technischen Problemen noch mehr auseinandersetzen. Der Fokus bleibt auf den beiden eingeschlossenen Erzählenden. Man lernt sie immer besser kennen, begleitet sie durch wenige Höhen und viele Tiefen und erlebt mit, wie die Erlebnisse sie als Menschen nachhaltig prägen.

Auch außerhalb der Glaskuppel geht das Leben weiter. Hier begleitet man die zurückgestellte Terranautin, die mit der Aussicht darauf, zwei Jahre später Teil der Mission-3-Crew zu werden, weitermacht. Neid beherrscht ihre Gedanken, wodurch es auch mal anstrengend wurde, ihre Kapitel zu lesen, doch ich konnte ihre Gefühle nachvollziehen. Durch sie wird zudem noch deutlicher, wie groß das Ausmaß der Überwachung und Manipulation ist, mit dem die Organisatoren die Terranauten steuern wollen. Doch ihnen bleiben letztendlich nur Worte, wenn sie die Schleuse nicht öffnen wollen. Und nach einem großen Knall will vor allem ein Terranaut um jeden Preis ihren Kopf durchsetzen.

Das Geschehen „drinnen“ wie „draußen“ konnte mich fesseln. Vor allem die Dynamiken und Entwicklungen auf der zwischenmenschlichen Ebene fand ich sehr interessant. Immer tiefer dringt der Leser ins Innenleben der Protagonisten vor, sodass ich über ihr Handeln zwar den Kopf schütteln musste, doch gleichzeitig verstand, was sie zu teils drastischen Entscheidungen antreibt. Voller Neugier erwartete ich den Moment, in dem die Luftschleuse geöffnet wird. Doch damit ist es nicht vorbei, sondern es wartet die nächste Überraschung, und so wird die Spannung weiter gehalten bis zu einem recht offenen Ende, das hier absolut angebracht ist.

„Die Terranauten“ erzählt lose basierend auf einer wahren Geschichte von vier Männern und vier Frauen, die sich für zwei Jahre unter einer Glaskuppel einsperren lassen wollen, um die Stabilisierung eines geschlossenen Ökosystems zu erforschen. Die Einblicke ins Innere der Beteiligten und die zwischenmenschlichen Dynamiken fand ich höchst faszinierend. Immer neue Zwischenfälle und zu treffende Entscheidungen hielten trotz des eher ruhigen Tempos die Spannung aufrecht. Ein herausragender Roman, der mich durchweg begeistern konnte!

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(66)

108 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 62 Rezensionen

thriller, cruelty, cia, scott bergstrom, agenten

Cruelty

Scott Bergstrom , Christiane Steen
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 17.02.2017
ISBN 9783499272660
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die siebzehnjährige Gwendolyn Bloom ist ein Diplomatenkind. Aktuell lebt sie in New York und besucht dort eine Privatschule. Ihr Vater arbeitet für die UN und ist die einzige Person, die sie als Familie betrachtet, seit ihre Mutter vor 10 Jahren bei einem Angriff in Algier ums Leben kam. Doch dann verschwindet ihr Vater auf einer Dienstreise nach Paris. Wurde er entführt oder ist er auf eigene Faust vom Radar verschwunden? Im Zuge der Ermittlungen erkennt Gwendolyn, dass ihr Vater all die Jahre als Spion tätig war. Als die Suche nach ihm eingestellt wird, beschließt sie, auf eigene Faust weiterzusuchen. Sie lässt ihr altes Ich hinter sich und begibt sich auf höchst gefährliches Terrain.

Mit seinem knallorangen Titel und Buchschnitt ist dieser Thriller ein Hingucker, der sofort mein Interesse weckte. Im ersten Kapitel lernt man Gwendolyn als normale, etwas rebellische Schülerin kennen, die fünf Sprachen spricht und nicht so reich ist wie die anderen Privatschüler. Doch die Geschichte wird schon bald düster, weshalb ich gut verstand, dass das Buch trotz des Alters der Protagonistin im Erwachsenenprogramm des Verlags veröffentlicht wurde. Bevor es so weit ist, lernt der Leser Gwendolyn aber erst einmal besser kennen. Auch nach 10 Jahren belastet sie der Tod ihrer Mutter immer noch sehr, und auch über die ständigen Dienstreisen ihres Vaters ist sie nicht glücklich. Am liebsten möchte sie ein ganz normales Leben führen und freut sich sehr, als ihr Mitschüler Terrance echtes Interesse an ihr zeigt.

Nach diesem ruhigen Einstieg wird Gwendolyns Leben mit dem Verschwinden ihres Vaters aus den Angeln gehoben. Es folgt eine Phase der Ungewissheit, in welcher sie die Information verarbeiten muss, dass ihr Vater all die Jahre als Spion gearbeitet hat. Ich konnte nicht so recht glauben, dass sie all die Jahre nichts gemerkt haben will. Doch sie schaltet schnell um und wagt schließlich den großen Schritt, alles hinter sich zu lassen und sich selbst auf die Suche zu begeben. Fast ein Drittel des Buches ist an diesem Punkt schon gelesen, und wer bis hierhin durchgehalten hat, wird mit einer spektakulären und rasanten Story belohnt.

Innerhalb weniger Wochen macht Gwendolyn in einer Rocky-mäßigen Zusammenstellung kurzer Szenen eine umfassende Transformation durch und wird zur knallharten Kickass-Heldin. Sie versteht schnell, dass sie es mit höchst gefährlichen Verbrechern zu tun bekommen wird, wenn sie etwas über das Schicksal ihres Vaters erfahren will. Deshalb nimmt sie erst einmal eine falsche Identität an, die sie fünf Jahre älter macht. Das passte viel besser zu ihrem Auftreten und hätte für mich von vornherein ihr echtes Alter sein dürfen. Wie glaubwürdig man diese rasante Wandlung findet, muss jeder für sich selbst entscheiden. Fakt ist, dass mich die neue Gwendolyn bestens unterhalten konnte. Immer wieder wird sie angegriffen und muss sich verteidigen, muss entscheiden wem sie vertraut und riskante Wagnisse eingehen, um an Informationen zu gelangen. Ihre Suche führt sie in die dunkelsten und gefährlichsten Ecken verschiedener Großstädte. Hier gelingt es dem Autor gut, die Atmosphäre der Stadtteile einzufangen, die Touristen meist nicht zu sehen bekommen.

Gwendolyn wächst zunehmend in ihre neue Identität hinein. Immer wieder muss sie Teile ihres alten Selbst aufgeben, um weiterzukommen. Es gibt spektakuläre, aber auch grausame Szenen, die ich absolut kinoreif fand. Die Protagonistin war immer wieder für eine Überraschung gut und ging weiter, als ich es ihr zugetraut hätte. Atemlos las ich mich durch die Seiten bis hin zu einem irren Showdown. Wer dachte, dass es danach vorbei ist, wird noch mal mit einem Twist belohnt. Das Ende ist relativ offen und ich vermisste ein bestimmtes Gespräch ganz besonders, weshalb ich mich schon jetzt auf die bereits angekündigte Fortsetzung freue.

Lasst Euch bei „Cruelty. Ab jetzt kämpfst du allein“ nicht vom harmlosen Beginn täuschen. Nach einer längeren Aufwärmphase nimmt das Buch so richtig an Fahrt auf. Aus der rebellischen Schülerin wird eine knallharte Kämpferin, die alles auf eine Karte setzt, um herauszufinden, was mit ihrem Vater geschehen ist. Actionreiche und schockierende Szenen konnten mich mitreißen und ich fieberte mit, wie weit Gwendolyn bereit ist zu gehen. Ich vergebe sehr gute vier Sterne. Ein Buch für alle, die Lust auf einen Spionagethriller mit einer starken weiblichen Protagonistin haben.

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(51)

90 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 38 Rezensionen

katie agnew, familie, perlen, liebe, roman

Die Perlenfrauen

Katie Agnew , Jens Plassmann
Flexibler Einband: 560 Seiten
Erschienen bei Heyne, 13.02.2017
ISBN 9783453420298
Genre: Romane

Rezension:

Sophia ist eine Tochter aus reichem Hause, die den Großteil ihrer Zwanziger als It-Girl in Londoner Clubs und Schlagzeilen verbracht hat. Doch seit ihre Eltern ihr endgültig den Geldhahn zugedreht haben, lebt sie gemeinsam mit ihrem besten Freund Hugo, der ihr Schicksal teilt, im heruntergekommenen Haus eines Bekannten. Ihre Großmutter Tilly steht als einziges Familienmitglied mit ihr in Kontakt. Sie ist schwer krank und schickt ihr Briefe mit ihren Memoiren und der Bitte, sie besuchen zu kommen. Nach langem Zögern ringt sich Sophia zu einem Besuch durch und erfährt Tillys sehnlichsten Wunsch: Sie möchte, dass Sophia die Perlenkette findet, die Tilly einst von ihrem Vater geschenkt bekam. Tilly hat sie zuletzt 1981 gesehen, als sie sich im Besitz ihrer Tochter, also Sophias Mutter, befand. Doch diese streitet die Existenz der Perlenkette ab. Sophia bleibt hartnäckig und begibt sich auf Spurensuche…

Das Cover von „Die Perlenfrauen“ ist schlicht und für mich gleichzeitig ein Hingucker. Die pink-orangen Blumensilhouetten machen Lust auf den Frühling und versprechen eine gefühlvolle Familiengeschichte. Das Buch beginnt mit einem Ausschnitt aus Tillys Memoiren. Sie war einst eine berühmte Schauspielerin und hat ein bewegtes Leben hinter sich. Diese Erinnerungen teilt sie nun mit ihrer Enkelin Sophia. Ich fand sie zu Beginn leider nicht sonderlich sympathisch, denn auf mich machte wirkte sie oberflächlich, naiv und egoistisch.

Parallel lernt man Dominic kennen. Einige Wochen zuvor hat sich seine Frau von ihm getrennt und er ist für einen Dokumentarfilm nach Ecuador aufgebrochen. Jetzt kehrt er nach New York zurück und findet seine Wohnung leer und verlassen vor. Dominic ist ein ehrlicher und liebenswerter Charakter, den ich sehr mochte. Er muss sich damit auseinander setzen, wie es für ihn weitergehen soll. Der Zusammenhang mit Sophias Geschichte wird aber nicht klar und so soll es bis kurz vor Schluss bleiben. So sehr ich ihn auch mochte, so belanglos war ein großer Teil seiner Erlebnisse und Erinnerungen.

Spannend fand ich die Geschichte der Japanerin Aiko, die sich an ihre Kindheit unter Perlentaucherinnen erinnert. Die exotischen Einblicke in diesen kräftezehrenden und gleichzeitig faszinierenden Beruf fand ich gelungen. Und Tillys Erinnerungen an die Kriegszeit erklären, warum ihr das Geschenk ihres Vaters so wichtig ist. Doch insgesamt zog sich die Geschichte durch den ausschweigenden Erzählstil der Autorin in die Länge. Man erfährt mehr oder weniger die komplette Lebensgeschichte jeder an der Handlung beteiligten Person und ich fand nicht alles davon interessant und relevant.

Für mich hätte die Story deshalb deutlich straffer erzählt werden dürfen. Erst auf der Hälfte des Buches besucht Sophie überhaupt ihre Großmutter und erhält den Auftrag, die Perlenkette zu suchen. Nur langsam nimmt die Geschichte an Schwung auf und offenbart auch neue Seiten an Sophia, die sie mir sympathischer machten. Sämtliche brisanten Geheimnisse hebt sich die Autorin für das große Finale auf, in dem sich die Schicksale der verschiedenen Charaktere endlich kreuzen. Hier gab es so manches Oh und Ah und schließlich wird es auch ein bisschen kitschig. Das hat mich sehr gut unterhalten können und war ein toller Abschluss für diesen Roman.

In „Die Perlenfrauen“ macht sich Sophia in London auf die Suche nach den verlorenen Perlen ihrer berühmten Großmutter. Parallel werden die Geschichten von Dominic in New York und Aiko in Tokio erzählt. Der Leser erhält äußerst umfassende Einblicke in die Leben aller Beteiligten und darf so manchen emotionalen Moment miterleben. Im gelungenen Finale werden die Zusammenhänge schließlich klar und so manches Geheimnis wird gelüftet. Der Weg dorthin war mir leider zu lang. Ich vergebe drei Sterne.

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32 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 20 Rezensionen

rezension, freundschaft, highschool, magellan, strei

Überlieben in 10 Schritten

Rachel McIntyre , Jessika Komina , Sandra Knuffinke
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Magellan, 18.01.2017
ISBN 9783734850141
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Daisy Green freut sich riesig darauf, nach den Sommerferien nicht an die alte Highschool zurückzukehren, sondern ein Oberstufen-College zu besuchen. Ihre beiden besten Freundinnen werden zwar weiterhin die alte Schule besuchen, aber im neuen College muss Daisy endlich keine Schuluniform mehr tragen, und vor allem wird sie nicht ständig an ihren Ex-Freund Matt erinnert. Dieser passte einfach perfekt zu ihr, lebt aber jetzt in Spanien. Zwar ist das College doch etwas weniger glamourös als gedacht, doch Ablenkung bietet vor allem der gutaussehende Toby, der ihr gegenüber klares Interesse signalisiert. Romantische Gesten sind für ihn scheinbar selbstverständlich, und er will so viel Zeit wie möglich mit Daisy verbringen. Er ist der ideale neue Freund für sie – wenn da nur nicht immer wieder Momente wären, in denen er sich merkwürdig benimmt…

Das Buch fällt mit seinem knallig pinken Cover definitiv ins Auge. Passend zum Namen der Protagonistin ist ein Gänseblümchen abgedruckt. Ich erwartete eine lockere Liebesgeschichte. Zu Beginn lernt man Daisy im Kreis ihrer besten Freundinnen kennen, mit denen sie seit Jahren eine verschworene Gemeinschaft bildet. Für ihre sechzehn Jahre verhält Daisy sich noch recht mädchenhaft und ich fand ihre Entscheidung mutig, sich aufs College zu wagen, wo sie niemanden kennt. Ihre Freundinnen sieht sie natürlich weiterhin, denn diese sind für sie in jeder Lebenslage eine wichtige Unterstützung.

Von Beginn an hat mir der Wortwitz sehr gefallen. Immer wieder kommentiert Daisy das Geschehen auf unterhaltsame Weise oder scherzt mit ihren Freundinnen. Das ist die eindeutige Stärke des Buches, wegen der ich es immer wieder gerne zur Hand genommen habe. Auch die Beschreibungen von Daisys Arbeit bei „Something Borrowed“, der Hochzeitsagentur ihrer Eltern, haben Spaß gemacht. Sehr gerne las ich mich durch die Feiern, die sie und ihre Eltern für das jeweilige Hochzeitspaar dank kreativer Ideen und sorgfältiger Planung unvergesslich machten.

Schon nach wenigen Seiten erlebt Daisy ihren ersten Tag am College und lernt Toby kennen. Ihre anfängliche Faszination für ihn konnte ich gut nachvollziehen, denn alles an ihm scheint perfekt zu sein. Im Nu verbringen die beiden immer mehr Zeit zusammen und haben bald ihr erstes Date. Ich habe mich für Daisy gefreut, dass sie mit Toby die schmerzhafte Trennung von Matt hinter sich lassen kann. Doch dann legt Toby Verhaltensweisen an den Tag, die ich zu Beginn irritierend fand und die für mich zunehmend zum No-Go wurden.

Daisy will Tobys Macken durch ihre rosarote Brille nicht wahrhaben und verzeiht ihm ein ums andere Mal. Wäre ich an ihrer Stelle gewesen, wäre für mich schon nach wenigen Kapiteln Schluss gewesen. Deshalb fand ich es zunehmend anstrengend, zu lesen, wie Daisy sich selbst um der Vorstellung eines gutaussehenden Jungens an ihrer Seite erniedrigt und all die guten, feministischen Vorsätze, die sie und ihre Freundinnen aufgestellt haben, über Bord wirft. Dank oben beschriebener Pluspunkte las ich trotzdem weiter, doch die erhoffte Wendung blieb aus. Stattdessen bekam ich bis kurz vor Schluss ein ständiges Hin und Her geboten. Schließlich kommt es zu einer lang ersehnten Überraschung, die ich schön fand, aber irgendwie auch zu einfach für das ganze Drama, durch das ich mich gelesen hatte. An dem Punkt hätte es noch mal richtig interessant werden können, doch leider entschließt sich die Autorin zu einem relativ offenen Ende, das mich nur begrenzt zufriedenstellen konnte.

„Überlieben in 10 Schritten“ erzählt von Daisys Start an einem neuen College, wo sie ihren Trennungsschmerz dank des attraktiven Tobys bald verdrängt. Das Buch punktet mit viel Wortwitz und Humor, während ich das Hin und Her zwischen Daisy und Toby zunehmend anstrengend fand. Die ersehnte Wende kam für mich zu spät. Für mich bleibt dieses Buch über Freundschaft, Jungs und falsche Entscheidungen deshalb leider solides Mittelmaß.

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49 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 25 Rezensionen

liebe, affäre, contemporary, freundschaft, amerika

Liebe ist wie Drachensteigen

Ashley Herring Blake , Birgit Salzmann
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Magellan, 18.01.2017
ISBN 9783734850240
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Hadleys Leben ist aus den Fugen geraten, seit sie vor einigen Monaten nach Hause kam und die Haustür mit Klebezetteln überdeckt vorfand, die ihren Vater einer Affäre beschuldigten. Seither gleich jedes Miteinander als Familie einer erzwungenen Veranstaltung, daran hat auch ein Umzug von Nashville ins ländlichere Woodmont nichts geändert. Hadley macht mit wechselnden Typen herum, ohne dass Gefühle im Spiel wären und schottet sich ab, sodass selbst ihre beste Freundin Kat sie nicht wiedererkennt.
Doch dann kommt Sam neu an ihre Schule und wird in English Hadleys Projektpartner. Er ist aufmerksam und verständnisvoll, und die beiden lernen sich schnell besser kennen. Doch Sam kennt ein Geheimnis, dessen Enthüllung alles verändern könnte…

Dass dieses Buch alles andere als eine rosarote Liebesgeschichte enthält, zeigt bereits das völlig zerknickte Herz auf dem Cover. Sowohl Hadley als auch Sam befinden sich in einer schwierigen Familiensituation, die sie in den letzten Monaten geprägt und verändert hat. Die Kapitel sind mal aus der Ich-Perspektive von Hadley, mal aus der von Sam geschrieben, sodass der Leser gänzlich in ihre Welt eintauchen kann.

Schnell lernte ich die beiden besser kennen. Seit Hadley weiß, dass ihr Vater eine Affäre hatte, beschränkt sie die Kommunikation mit ihren Eltern auf das nötigste, ist ihrer besten Freundin gegenüber nicht mehr offen und knutscht mit wechselnden Typen. Auch wenn ich nachvollziehen konnte, dass sie tief verletzt wurde, konnte ich ihrer Art nicht viel abgewinnen. Sam hingegen bemüht sich, die Reste seiner Familie zusammenzuhalten. Sein Vater ist ausgezogen und meldet sich nur selten, seine Mutter straft ihn und seine Schwester Livy mit emotionaler Kälte und Abwesenheit. Er gibt sich wirklich Mühe, für Livy da zu sein, weshalb ich ihn schnell mochte. Doch schon bald kennt man sein Geheimnis, das schwer auf ihm lastet. In der Folge ist er mal nett zu Hadley, dann stößt er sie wieder von sich. Meine Sympathien für die beiden durchlebten ein ständiges Auf und Ab, während die beiden sich trotz aller Widrigkeiten langsam näher kommen.

Die Atmosphäre dieses Buches ist insgesamt eher bedrückend. Bei beiden ist die familiäre Situation festgefahren und eine Besserung der angespannten Lage nicht in Sicht. Doch die aufkeimenden Gefühle von Hadley und Sam zueinander geben beiden Hoffnung und Stärke. Ich fand es toll, mitzuerleben, wie die beiden sich trotz aller Rückschläge näher kommen. Wenn da nur nicht Sams Geheimnis wäre, von dem er weiß, dass er es irgendwann mit Hadley teilen muss. Die Story wird durch schöne Momente und Scherze immer wieder etwas aufgelockert. Dabei spielen Hadleys Freundin Kat und Sams Freund Ajay eine wichtige Rolle, denn die beiden sind lebensfrohe Persönlichkeiten und vor allem Ajay ist immer wieder für einen Spruch gut.

Die Handlung schlägt ein eher ruhiges Tempo an, was ich als passend empfand, denn das machte die emotionale Wandlung der Protagonisten authentisch. Über viele Hochs und Tiefs lernen die beiden, sich einander zu öffnen und zu vertrauen. Irgendwann kommt es auch zum erwarteten Knall, hier hat mir die Umsetzung sehr gut gefallen. Zum Ende hin findet das Buch genau den richtigen Ton, um die Geschichte gelungen abzurunden.

„Liebe ist wie Drachensteigen“ erzählt die Geschichte von Hadley und Sam, deren Familien eine schwere Zeit durchmachen. Das hat starken Einfluss auf die beiden, die sich allmählich näher kommen und Gefühle füreinander entwickeln. Auch wenn ich mich gerade zu Beginn schwer damit getan habe, die Protagonisten und vor allem Hadley zu mögen, hat mir diese bedrückende und zugleich hoffnungsvolle Liebes- und Familiengeschichte sehr gefallen. Ich vergebe vier Sterne.

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183 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 47 Rezensionen

thriller, mord, düsseldorf, tiefe narbe, krimi

Im Kopf des Mörders - Tiefe Narbe

Arno Strobel
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 26.01.2017
ISBN 9783596296163
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Max Bischoff arbeitet seit kurzem für das KK11 in Düsseldorf. Eines Morgens taumelt Harry Passeck, ein bekannter investigativer Journalist, ins Präsidium. Barfuß und blutüberströmt erzählt er eine erstaunliche Geschichte: Er sei in eine Wohnung gelockt und niedergeschlagen worden. Als er aufwachte, sei er im jetzigen Zustand gewesen. Die Überprüfung der Wohnung ergibt, dass sich die Mieterin in Hamburg bester Gesundheit erfreut. Doch das Blut stammt von ihrer besten Freundin Miriam, die zwei Jahre zuvor verschwunden ist. Max und sein Partner Horst Böhmer beginnen mit Nachforschungen, wie all das zusammenpassen könnte. Kurz darauf wird eine grausam zugerichtete Leiche gefunden. Aber es ist nicht Miriam. Drohen weitere Taten?

Die Ankündigung, dass „Tiefe Narbe“ der Auftakt einer Thriller-Trilogie sein soll, konnte meine Neugier wecken. Schon lange verpasse ich keinen neuen Strobel mehr. Ich war gespannt, ob die Tatsache, dass es drei Bücher rund um den Oberkommissar Max Bischoff geben wird, Einfluss auf die Art und Weise hat, wie die Geschichte erzählt wird.

Der Einstieg ist alles andere als ruhig, schon auf den ersten Seiten gibt es einige schockierende Momente. Im Prolog berichtet ein Mörder in der Ich-Perspektive von der Ermordung einer Frau, bevor gleich im ersten Kapitel Harry Passeck seinen blutüberströmten Auftritt hat. Die Ermittler Max Bischoff und Horst Böhmer lernt man kennen, während sie schon mitten in den Ermittlungen stecken. Sofort stehen viele Fragen im Raum und ich wollte mehr über die Zusammenhänge erfahren.

Max und Horst führen zunächst die naheliegenden Schritte aus. Sie durchleuchten Harry Passeck, der sich als Opfer positioniert. Denn das könnte auch ein kluger Schachzug sein, wenn er selbst kein Täter ist. Was man über ihn erfährt, wirft wirklich kein gutes Licht auf ihn. Aber ist hier ein Motiv verborgen? Außerdem bringen die Ermittler mehr über die Mieterin des Tatorts und die Verschwundene, deren Blut gefunden wurde, in Erfahrung. Das führt sie mitten hinein in die Kulturszene. Weitere Taten in diesem Umfeld erhalten die Spannung und setzen Max und Horst zunehmend unter Druck. Durch kurze, gänsehautverursachende Einschübe aus der Perspektive des Täters war man den beiden als Leser meist einen Schritt voraus und wusste, dass bald wieder etwas passiert.

Der Großteil der Kapitel ist aus der Sicht von Max geschrieben, den der Leser ja noch zwei weitere Bände begleiten soll und über den man entsprechend viel erfährt. In kurzen Verschnaufpausen erfährt man, dass er sich erst mal auf seine Karriere konzentrieren möchte und es deshalb außer seiner Schwester keine wichtige Person in seinem Leben gibt. Doch das kann sich oft schneller ändern, als man denkt. Über Horst Böhmer erfährt man hingegen das wenige, das er im Dialog mit Max von sich preisgibt. Max war mir dadurch sehr viel näher und ich fieberte mit ihm mit, ob bald ein entscheidender Durchbruch in den Ermittlungen erzielt werden kann.

Obwohl das Tempo der Geschichte hoch ist, ließ meine Begeisterung ab der Buchhälfte nach. Die Ermittler schießen sich geradezu auf Harry Passeck als Quelle der Information und möglichen Täter ein und sprechen immer wieder mit ihm und seiner Frau, was zunehmend an Reiz verlor. Links und rechts davon gehen sie weitaus weniger gründlich vor. Zudem war die Geschichte für mich zu vorhersehbar, 150 Seiten vor Ende habe ich komplett richtig vorausgeahnt, was geschehen wird. Auf diesen Seiten wird es noch einmal besonders emotional, weshalb mich die Story trotzdem nicht losgelassen hat. Der Fall an sich wird abgeschlossen, doch er hat Max verändert und ich bin nun neugierig, wie sich das auf den zweiten Band mit ihm auswirken wird.

„Im Kopf des Mörders - Tiefe Narbe“ ist der erste von drei Büchern rund um den Oberkommissar Max Bischoff. Arno Strobel hat einen interessanten Ermittler geschaffen, von dem ich gerne mehr lesen will! Dank vieler Einblicke in sein Denken und Handeln fühlte ich mich ihm nahe und hoffte mit ihm auf einen Durchbruch in den Ermittlungen. Das Buch schlägt ein gutes Tempo an und hält die Spannung durch immer neue Funde. Für mich hätte der Verlauf der Handlung aber noch unvorhersehbarer sein müssen. Ich vergebe vier Sterne und freue mich schon auf das zweite Buch mit Max Bischoff.

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