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5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Das alte Böse

Nicholas Searle , Jan Schönherr
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Kindler, 24.03.2017
ISBN 9783463406671
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Roy und Betty sind beide über 80 Jahre alt und lernen sich mittels Online-Dating kennen. Im Nu sind sie zusammengezogen, um sich Gesellschaft zu leisten, auch wenn Roy hauptsächlich meckert und im Haushalt nicht mithilft, ganz zum Missfallen von Bettys Enkel Stephen. Doch Betty ist entschlossen, das Arrangement beizubehalten. Roy hat unterdessen ganz eigene Pläne und zeigt auffälliges Interesse an Bettys finanzieller Situation. Hat er mit ihr die richtige Person gewählt?

Das Cover des Buches ziert eine Schlange, die in Kombination mit dem Titel verspricht, dass jemand nichts Gutes im Sinn hat. Die Geschichte startet ein wenig skurril mit dem Blind Date von Betty und Roy, die sich unter falschen Namen im Internet kennengelernt haben. Offensichtlich erfüllen sie die Kriterien des jeweils anderen, denn schon im nächsten Kapitel wohnen sie seit zwei Monaten zusammen.

Roy ist von Beginn an alles andere als ein sympathischer Zeitgenosse. Er ist meist mürrisch, starrt jungen Mädchen hinterher und lässt Betty seine Urinspritzer im Bad wegputzen. Schnell wird außerdem klar, dass er sich gebrechlicher gibt, als er ist. Will er sich damit nur vor den Haushaltsaufgaben drücken oder noch etwas anderes erreichen? Gleichzeitig begann ich mich zu fragen, warum die Betty das mit sich machen lässt. Sie ist gebildet, hat Witz und kann auch resolut auftreten. Wieso ist sie Roy gegenüber also so nachsichtig und bereit, mit ihm zusammenzuleben?

Die Geschichte springt bald in die Vergangenheit und man erfährt mehr über Roys bisheriges Leben. Dabei bestätigt sich der Eindruck, dass er wirklich kein angenehmer Kerl ist. Mit jedem Kapitel geht es in der Zeit ein Stück weiter zurück und ich erfuhr von verschiedensten Verbrechen, an denen er beteiligt gewesen ist. Dabei geht es meist um Betrügereien und Täuschungen, und mein negatives Bild von ihm wurde immer umfassender.

Zwischen den einzelnen Rückblicken erfährt man in der Gegenwart mehr über das weitere Zusammenleben der beiden Alten. Roy befragt Betty auffällig unauffällig zu ihrer finanziellen Situation aus und legt ihr seinen Berater ans Herz, der dem Leser schon aus der allerersten verbrecherischen Rückblende bekannt ist. Wird Betty darauf eingehen? Die Kapitel in der Gegenwart waren im Gegensatz zu den Rückblenden relativ kurz. Ich hätte mir ein etwas ausgewogeneres Verhältnis gewünscht. Bei der Schilderung von Roys Verbrechen nimmt der Autor immer viel Anlauf, wodurch sich die Kapitel für mich ein wenig gezogen haben.

Früh vermutete ich, dass noch irgendeine größere Überraschung auf mich wartet, und behielt Recht. Die Rückblenden in Roys Vergangenheit werden immer brisanter und schockierender, sodass die schon bekannten Betrügereien bald geradezu harmlos wirken. Und auch rund um Betty erlebte ich schließlich eine große Überraschung. Auf diese wartet man aufgrund zahlreicher Andeutungen von Beginn an, dennoch entwickelte ich erst kurz vor der Lüftung des Geheimnisses eine Ahnung, worum es sich drehen könnte. Es kommt zu einer genial angelegten Wendung, mit der mich der Autor begeistern konnte. Etwas enttäuscht war ich jedoch von den Konsequenzen. Das Verhältnis von Aufwand und Wirkung passte für mich nicht ganz und ich hätte insgesamt gern noch mehr darüber erfahren.

In „Das alte Böse“ lernen sich Roy und Betty, beide über 80 Jahre alt, via Online-Dating kennen und ziehen schon bald zusammen. Während Roys Absichten schnell klar sind und seine abstoßende Vergangenheit immer weiter enthüllt wird, fragt man sich, warum Betty überhaupt freiwillig mit ihm zusammenlebt. Trotz kleiner Längen und einem etwas enttäuschenden Schluss hat mich der Aufbau des Romans, sein schrittweises Annähern an die Wahrheit, sehr gut unterhalten können. Eine ungewöhnliche und eindringliche Geschichte über Verbrechen in der Gegenwart und aus alter Vergangenheit.

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541 Bibliotheken, 79 Leser, 2 Gruppen, 48 Rezensionen

thriller, sebastian fitzek, achtnacht, fitzek, the purge

AchtNacht

Sebastian Fitzek
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 14.03.2017
ISBN 9783426521083
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ben durchlebt gerade seinen persönlichen Albtraum. Seiner Tochter Jule mussten vor vier Jahren die Beine unterhalb der Knie amputiert werden, weil er einen Unfall gebaut hat, nachdem sein damaliger Manager und Mitfahrer sie während der Fahrt angefasst hat. Jule schien sich an das Leben mit Einschränkung gewöhnt zu haben – doch warum hat sie sich dann vor wenigen Tagen mit dem Rollstuhl vom Dach ins Koma gestürzt? Gab es wirklich keine Fremdeinwirkung? Aber es kommt noch schlimmer: Ben wird von einer Webseite zum sogenannten AchtNächter ernannt, der eine Nacht lang vogelfrei ist und für den Gewinn von zehn Millionen Euro straffrei getötet werden darf. Die Mehrheit der Bevölkerung glaubt weder an den Gewinn noch an die Straffreiheit – doch einige selbsternannte Jäger machen sich auf die Suche nach ihm. Ebenso wie die mit ihm nominierte Arezu muss er die Nacht überstehen…

Ich habe mich riesig über die Nachricht gefreut, dass mit „AchtNacht“ so kurz nach dem letzten Buch von Sebastian Fitzek eine weitere Geschichte aus seiner Feder auf den Markt kommt. Das Buch wirft den Leser im Prolog mitten hinein in eine Szene, die „einen Monat danach“ stattfindet. Eine noch unbekannte Person befindet sich in der Psychiatrie und erhält den Anruf eines Toten. Das war reichlich mysteriös und weckte vollends meinte Neugier.

Danach springt die Geschichte in der Zeit zurück und der Leser lernt den Protagonisten Ben kennen. In seinem Leben scheint wirklich alles schief zu laufen. Selbst wenn er mit bester Absicht handelt, scheint es falsch zu sein. In seiner ersten Szene will er ein Mädchen retten, das daraufhin schrecklich wütend ist, denn sie hat für Geld zugestimmt, sich öffentlich und vor laufender Kamera misshandeln zu lassen. Ähnlich scheint es ihm mit allem zu gehen, was er tut – auch in Bezug auf seine Tochter Jule, die wegen eines von ihm verursachten Unfalls behindert ist. Dass er schließlich für die AchtNacht nominiert wird, scheint ein weiterer Schritt in seiner Chronik des Scheiterns zu sein.

Ich war zu Beginn sehr skeptisch, ob der Ablauf der AchtNacht plausibel erklärt werden kann. Unter welchen Umständen würden Menschen denn so verrückt werden und spontan Personen jagen, die von einer Webseite für vogelfrei erklärt werden? Dem Autor ist es gut gelungen, das Geschehen glaubhaft zu machen, indem er für die Handlung mit Berlin die bevölkerungsreichste Stadt des Landes wählt und getreut dem Motto „Ein paar Bekloppte gibt es überall“ eine Handvoll Menschen die Jagd aufnehmen lässt. Hinzu kommen zwei Charaktere, die auf eine andere Weise aus der Sache Profit schlagen wollen und mit ihren Entscheidungen für noch größere Spannung sorgen.

Mit Fortschreiten der Nacht nimmt die Jagd immer weiter an Fahrt auf und wird zunehmend dramatischer. Ben wird von der andere Nominierten Arezu schnell gefunden und die beiden versuchen, sich gemeinsam durchzuschlagen. Der Nervenkitzel blieb dadurch erhalten, dass man nie weiß, ob die Personen, denen die beiden begegnen, zu den Jägern gehören oder helfen wollen. Damit die beiden nicht zu schnell in Sicherheit sind, greift der Autor außerdem zu einem besonderen Mittel, dank dem die beiden in Bewegung bleiben.

Ich fand Bens Entscheidungen an manchen Stellen nicht ganz nachvollziehbar. Doch dank eben dieser Entscheidungen bleibt die Geschichte rasant und hochspannend. Ich fieberte mit, war Ben aufgrund einiger Perspektivwechsel meist einen Schritt voraus und wusste deshalb vor ihm, dass die nächste Hiobsbotschaft nicht weit entfernt ist. Das Buch konnte mich bis zum Schluss fesseln. Auch wenn ich einen zentralen Hintergrund recht früh erahnt habe, hatte die Geschichte zum Schluss noch Überraschungen für mich in petto und wurde damit zu einer runden Sache.

In „AchtNacht“ wird Ben, der in seinem Leben trotz guter Absichten schon einiges falsch gemacht hat, für eine Nacht von einer Webseite für ein hohes Preisgeld für vogelfrei erklärt. Es entsteht eine dramatische und temporeiche Jagd mitten in Berlin, deren Hintergrund plausibel gemacht wird. Mich konnte die Geschichte erschrecken und fesseln, schaudernd las ich mich durch die Seiten bis hin zu einem überraschenden Schluss. Fans des Psychothrillers sollten sich auch dieses Buch von Sebastian Fitzek nicht entgehen lassen!

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174 Bibliotheken, 15 Leser, 0 Gruppen, 24 Rezensionen

caraval, spiel, magie, fantasy, legend

Caraval

Stephanie Garber , Diana Bürgel
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Piper, 20.03.2017
ISBN 9783492704168
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Schon als kleine Kinder lauschten Scarlett und ihre Schwester Donatella den Geschichten ihrer Großmutter über Master Legend und seine Caraval-Darsteller, deren Vorstellungen angeblich Magie in dieser Welt am nächsten kommen. Seither war es Scarletts größter Wunsch, einen Auftritt zu erleben. Doch ihre Briefe blieben unbeantwortet. Inzwischen hat Scarlett ihren Wunsch begraben und plant die Hochzeit mit einem unbekannten Grafen, um ihren gewalttätigen Vater zu entkommen. Ausgerechnet wenige Tage vor der Hochzeit erhält sie Eintrittskarten, um Caraval auf einer nahegelegenen Insel zu betreten. Scarlett will davon nichts wissen und steht doch kurz darauf gemeinsam mit dem Seemann Julian vor den Toren Caravals, die ihre Schwester bereits durchschritten hat. Um sie wiederzufinden, nimmt sie am Spiel teil, das ganz anders und scheinbar auch gefährlicher ist als gedacht.

Das Cover von „Caraval“ verspricht eine magische Geschichte. Die Worte „Es ist nur ein Spiel …“ scheinen gleichzeitig eine Warnung zu sein, und meine Neugier war geweckt, was denn dahinter steckt. Das Buch beginnt mit den Briefen von Scarlett an Legend, in denen sie jahrelang den Wunsch äußerte, dass Caraval auf ihre Insel kommt. Nach sieben Jahren schreibt sie, dass sie sich in diesem Jahr keinen Besuch wünscht – und erhält ausgerechnet darauf eine Einladung.

Die Scarlett, die ich am Anfang des Buches kennen lernte, denkt pragmatisch und ist überzeugt davon, dass eine Heirat mit einem unbekannten Graf der einzige Ausweg aus ihrer Misere ist. Sie will damit nicht nur sich, sondern auch ihre Schwester retten, denn ihr Vater, Governor Dragna, schlägt die eine für Fehltritte der anderen. Ihre Schwester hingegen ist viel wagemutiger und will das Risiko eingehen, auszureißen und Caraval zu besuchen. Mit einer List setzt sie ihren Kopf durch und der Leser findet sich im Nu mitten in der magischen Welt von Caraval wieder.

Nach und nach begreift man als Leser, was Caraval denn überhaupt ist. Ein magischer Hauch liegt auf allem, gleichzeitig reden die Darsteller in Rätseln und teilen Scarlett mit, dass sie an einem Spiel teilnehmen kann und dazu Hinweisen folgen muss, um im Falle eines Gewinns einen Wunsch zu erhalten. Außerdem wird nur bei Nacht gespielt – was tagsüber wohl draußen lauert? Bei der Ausgestaltung von Caraval hat die Autorin ihrer Fantasie freien Lauf gelassen und eine ungewöhnliche, interessante Welt geschaffen. Ich hatte große Lust darauf, sie zu erkunden und freute mich über jeden Streifzug, bei dem Scarlett wieder neue, unglaubliche Dinge sieht.

Die Charaktere, denen Scarlett begegnet, sind alle auf ihre Weise besonders und nicht leicht zu durchschauen. Viele von ihnen scheinen es mit der Wahrheit nicht so genau zu nehmen. Scarlett muss sich fragen, was Lüge und Täuschung ist und was nicht. Das ist in Caraval gar nicht so leicht zu unterscheiden. Mit wachsender Verzweiflung folgt Scarlett den Hinweisen und macht dabei einige unangenehme Überraschungen. Von Nacht zu Nacht scheint das Spiel gefährlicher zu werden. Aus Scarletts Vorstellung eines faszinierenden Erlebnisses ist ein dunkles Abenteuer geworden. Die Geschichte übte auf mich einen zunehmenden Sog aus, denn ich wollte unbedingt wissen, ob Scarlett ihre Schwester findet, was Julian verschweigt und ob es ihr gelingt, die Hinweise zu deuten.

Im letzten Buchdrittel nimmt die Spannung noch einmal zu. Es kommt zu dramatischen Szenen, die mich um die mir liebgewonnenen Charaktere bangen ließen. Erste Geheimnisse werden gelüftet, die zeigen, dass das Verwirrspiel noch größer und umfassender ist als gedacht und weitere Fragezeichen aufwerfen. Während des Finales, das mich die Luft anhalten ließ, fallen schließlich alle Puzzlestücke an ihren Platz und ließen mich erkennen, wie genial diese Geschichte angelegt ist. Der Abschluss hat mir richtig gut gefallen. Ich kann es kaum erwarten, mit einer Fortsetzung wieder in diese Welt einzutauchen und weitere Entdeckungen zu machen.

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50 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 34 Rezensionen

krimi, aquitaine, frankreich, bordeaux, polizei

Retour

Alexander Oetker
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Hoffmann und Campe, 17.03.2017
ISBN 9783455000092
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Luc Verlain ist in die Aquitaine zurückgekehrt. Eigentlich hatte er seiner Heimat dauerhaft den Rücken gekehrt, doch nun hat der Leiter der zweiten Pariser Mordkommission sich vorübergehend nach Bordeaux versetzen lassen, um seinem kranken Vater näher zu sein. Doch die erwartete Ruhe bleibt aus, denn gleich nach seiner Ankunft wird am Strand von Lacanau die Leiche eines Mädchens gefunden. Die siebzehnjährige Caroline Derval besuchte am Vorabend das Strandfest, bevor sie später mit einem Stein erschlagen wurde. Carolines Stiefvater ist sich sicher, dass ihr Mörder der Algerier Hakim ist, einer ihrer Verehrer. Im vom Fremdenhass bestimmten Umfeld muss Luc die Wahrheit finden.

Das Cover des Buches verspricht einen Kriminalfall dort, wo andere Urlaub machen. Auf den ersten Seiten lernt der Leser den Kommissar Luc Verlain kennen, während dieser von Paris in seine alte und neue Heimat Bordeaux fährt. Mit Beschreibungen der Landschaft und der kulinarischen Vorzüge der Gegend wurde ich auf den Schauplatz eingestimmt, bevor Luc sein neues Team kennenlernt und der erste Fall gelöst werden will.

Luc als Protagonist hat mir sehr gut gefallen. Er liebt nicht nur seine Arbeit, sondern auch gutes Essen und schöne Frauen. In seiner Vergangenheit lauern Schatten, doch diese verdrängt er die meiste Zeit und lässt sich durchs Leben treiben. Sein Kollege Etxeberria ist hingegen ein eher mürrischer Zeitgenosse, der sich mit dem gleichgestellten Kollegen schwer tut und Entscheidungen im Alleingang trifft. Außerdem gibt es da noch die sympathische und geheimnisvolle Kollegin Anouk sowie Hugo, über den man in diesem Buch noch nicht viel erfährt.

Nach einem kurzen Einstieg wird schon an Lucs erstem Tag die Leiche eines Mädchens gefunden und die Ermittlungen werden aufgenommen. In dem kleinen Ort, aus dem das Opfer stimmte, hat man für Ausländer nicht viel übrig, und so ist für den Stiefvater klar, dass der Algerier aus der Nachbarschaft der Mörder ist. Luc muss untersuchen, ob diese Vorwürfe irgendeinen Halt haben und wer sonst ein Motiv gehabt haben könnte. Die Stimmung ist aufgeheizt und falsche Entscheidungen könnten das Fass zum Überlaufen bringen.

Schnell gibt es neue Hinweise auf andere Personen, die etwas mit dem Mord zu tun haben könnten. Doch bevor es zu ausführlichen Befragungen kommen kann, erwartet den Leser bereits der erste Spannungshöhepunkt. Hier konnte ich die Entscheidungen der Beteiligten nicht ganz nachvollziehen und mich mit dem Geschehen deshalb nicht so recht anfreunden. Beispielsweise fand ich es merkwürdig, dass man sich bei gegenwärtiger Gefahr vor dem Aufbruch erst noch die Zähne putzt. Es passierten hier relativ früh relativ drastische Dinge, die mich überrumpelten.

Schließlich wird es wieder etwas ruhiger und Luc hat endlich Zeit, weitere Verdächtige zu suchen. Im Nu ist er dazu zurück in Paris und man erhält kurze Einblicke in sein bisheriges Leben. Nachdem er lange Zeit im Dunkeln tappte, geht schließlich alles sehr schnell. Ich fand die Auflösung im Vergleich zum spektakulären Intermezzo sehr ruhig und hatte gleichzeitig den Eindruck, dass die Ermittler hierauf eigentlich schneller hätten kommen können. Ich hätte mir einen stärkeren Spannungsbogen, der bis zum Schluss reicht, gewünscht.

„Retour“ ist der erste Fall für Luc Verlain, einen lebensfrohen Kommissar, den es von Paris zurück in die Aquitaine, seine Heimat, verschlägt. Die Geschichte macht Lust auf einen Besuch des Schauplatzes und spricht gleichzeitig mit den starken Vorurteilen des Opferumfelds gegen Ausländer ein wichtiges Thema an. Die Dramaturgie dieses Debüts hat jedoch einige Schwächen. Unterm Strich vergebe ich drei Sterne für diesen Auftakt einer neuen, in Frankreich angesiedelten Krimireihe.

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37 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 21 Rezensionen

frankreich, trauer, glück, bretagne, familie

Ein geschenkter Anfang

Lorraine Fouchet , Sina de Malafosse
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Atlantik Verlag, 17.03.2017
ISBN 9783455600568
Genre: Romane

Rezension:

Joseph und Lou sind als Frührentner von Paris zurück auf die Île de Groix gezogen. Doch nach einer kurzen, unbeschwerten Zeit kam Lou mit nur sechsundfünfzig Jahren ins Pflegeheim und verstarb bald danach. Zurück bleibt ein einsamer, zweifelnder Jo, der sich um seine beiden Kinder nie sonderlich gekümmert hat. Das will Lou in ihrem Testament ändern. Sie trägt ihm auf, dafür zu sorgen, dass sie glücklich sind. Erst dann dürfe er ihren letzten Brief lesen. Jo weiß nicht so recht, wie er das angehen soll, denn vor allem sein Sohn beginnt nach Lous Tod, den Kontakt aufs Nötigste zu reduzieren. Mittels Google Alerts und hilfsbereiten Freunden beginnt er, erst einmal mehr über das Leben seiner Kinder in Erfahrung zu bringen…

Das Cover des Buches zeigt eine Küste mit Leuchtturm in Hintergrund, an der ein Mann mit einem Mädchen spielt. Die Kulisse passt gut zur Île de Groix sein, auf der ein Großteil der Geschichte spielt. Die abgebildeten Menschen könnten Jo mit seiner Enkelin Pomme sein, wobei letztere mit ihren zehn Jahren eigentlich schon zu alt für das gezeigte Kind ist.

Das Buch startet bedrückend mit der Beerdigung von Lou. Sowohl Jo als auch Pomme sprechen währenddessen in Gedanken zu ihr und teilen mit ihr, was ihnen durch den Kopf geht. Um den Leser gleichzeitig abzuholen, erzählen sie Lou Dinge, die sie eigentlich wissen sollte. Dadurch wirkte die Sprache auf mich etwas holprig. Das gibt sich aber bald und ich fand immer besser in die Geschichte hinein.

Die Autorin hat Charaktere erschaffen, ich die ich mich schnell einfühlen konnte. Jo fühlt sich von Lou allein gelassen; er kann mit ihrem Auftrag wenig anfangen und hat auch wenig Antrieb, allein weiterzumachen. Aufheiterungsversuche seiner Freunde und seiner Enkelin Pomme sind nicht sonderlich erfolgreich. Jo zieht sich zunehmend zurück und es kommt zu berührenden Szenen, in denen er in Erinnerungen schwelgt und Entscheidungen trifft, in denen eine Depression aus ihm spricht. Der Entschluss, mehr über das Leben seiner beiden Kinder herauszufinden, gibt ihm schließlich eine neue Aufgabe.

Zu Erzählabschnitten aus Jos Sicht gesellen sich recht früh Abschnitte aus Pommes Perspektive und später auch aus derer seiner Kinder und einiger wichtiger Nebencharaktere. Pomme habe ich schnell ins Herz geschlossen. Sie hängt sehr an ihrem Großvater und wünscht sich eine bessere Beziehung zu ihrem Vater, dessen Besuche immer seltener werden. Sie ist lebensfroh und geht Dinge beherzt an. Darin unterscheidet sie sich von ihrer Halbschwester Charlotte, deren altkluge Sprache für mich nicht zu einer Neunjährigen passte und die aus dem Stehgreif eine psychologische Selbstanalyse zum Besten gibt. Auch Jos Kinder Sarah und Cyrian lernt man besser kennen. Beide sind in ihren Jobs äußerst erfolgreich. Doch erstere trifft keinen Mann mehr als zweimal, seit ihr Verlobter sie aufgrund ihrer Erkrankung verlassen hat und letzterer führt eine erkaltete Ehe mit der Mutter seiner zweiten Tochter, die er regelmäßig betrügt.

Mit dem Beginn von Jos Nachforschungen zum Leben seiner Kinder dringt man immer tiefer in das Beziehungsgeflecht der Familie vor. Man versteht zunehmend, was die einzelnen Charaktere antreibt und warum sie in bestimmten Verhaltensmustern gefangen sind. Der bedrückende Ton der Geschichte wird gelegentlich durch amüsante Szenen aufgelockert, zum Beispiel wenn Jo sich Google Alerts zur Beobachtung seiner Kinder einrichtet oder Freunde als Schauspieler instruiert, die Charakterstärke der Frauen in Cyrians Leben zu prüfen. Unauffällig und punktuell mischt sich Jo in Sarahs und Cyrians Leben ein, um sie in die richtige Richtung zu schubsen – mit unterschiedlichem Ergebnis. Schließlich kommt es zu einem dramatischen Ereignis, das alle stark ins Nachdenken bringt und schließlich zu einem versöhnlichen Ende, das ich sehr passend fand.

„Ein geschenkter Anfang“ erzählt von der Familie der verstorbenen Lou, die von ihrem Mann verlangt, für das Glück der gemeinsamen Kinder zu sorgen. Der Fokus verschiebt sich langsam von ihm und seiner Trauer hin zur Frage, was im Leben seiner Kinder denn fehlt. Mit der Zeit fand ich immer besser in die Story hinein, begegnete Charakteren, in die ich mich hineinfühlen konnte und erlebte Momente, die mich berührten. Diese nachdenkliche und doch nach vorn schauende Familiengeschichte vor der Kulisse der traumhaften Île de Groix empfehle ich gern weiter.

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382 Bibliotheken, 9 Leser, 0 Gruppen, 82 Rezensionen

liebe, reise, wünsche, ava reed, tod

Wir fliegen, wenn wir fallen

Ava Reed , Alexander Kopainski
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Ueberreuter Verlag , 17.02.2017
ISBN 9783764170721
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Yara und Noel haben es beide nicht leicht. Seit Yaras Eltern vor wenigen Monaten gestorben sind, lebt sie bei ihrer Tante Em. Und Noels alleinerziehende Mutter ist schon vor langer Zeit verschwunden. Auch wenn die beiden sich nicht leiden können, verbindet sie doch eine Person: Phil, Noels Großvater, dem Yara im Pflegeheim jeden Tag vorliest. Doch dann stirbt Phil und hinterlässt den beiden eine Liste mit zehn Dingen, die sie in seinem Namen tun sollen. Dinge, die eine Reise um die halbe Welt nötig machen. Yara und Noel raufen sich zusammen und nehmen die Liste in Angriff. Dabei merken sie bald, dass sie ihre Meinung über den jeweils anderen noch einmal überdenken sollen.

„Wir fliegen, wenn wir fallen“ fällt mit seinem pinken Pusteblumen-Cover gleich ins Auge. In Kombination mit dem Titel erwartete ich eine traurige, zugleich aber auch schöne und berührende Geschichte. Die Kapitel sind abwechselnd aus der Sicht von Yara und Noel geschrieben, die beide von familiären Schicksalsschlägen geprägt wurden. Yaras Eltern sind erst kürzlich verstorben, das kann sie noch immer gar nicht so richtig wahrhaben und verarbeiten. Noel ist hingegen schon lange allein, er hat in der Zeit eine harte Schale aufgebaut und gibt den Rebell, der niemandem vertraut.

Nach einem kurzen Kennenlernen der Protagonisten geschieht auch schon das Ereignis, das den weiteren Verlauf des Buches bestimmt: Phil stirbt, und sowohl Yara als auch Noel verlieren eine der wichtigsten Personen in ihren Leben. Es kommt zu sehr berührenden Szenen, die zeigen, wie wichtig er für die beiden war. Doch schnell schaut das Buch auch wieder nach vorn und gibt den Protagonisten mit Phils Liste eine neue Aufgabe, die es zu bewältigen gilt. Eher widerwillig raufen die beiden sich zusammen und beschließen, die Aufgabe gemeinsam in Angriff zu nehmen. Auch wenn keiner der beiden so richtig begeistert ist stecken sie doch bald mitten in den Reisevorbereitungen.

Ich fand es sehr schön, wie die beiden sich Schritt für Schritt ins Abenteuer wagen. Zuerst erfüllen sie Punkte der Liste, für die sie in Deutschland bleiben können. Das ganze läuft nicht so reibungslos wie gewünscht. Zum einen sind die beiden noch nicht hundertprozentig bei der Sache, zum anderen zeigt es, dass auch gut klingende Vorhaben in der Realität einen Haken haben können.

Schließlich geht es für die beiden ins Ausland zu interessanten Orten, auf die ich mich schon beim ersten Lesen der Liste gefreut habe. Die Autorin hat sich tolle Zielorte überlegt, ein Mix aus klassisch und besonders. Auch hier gelingt den beiden nicht alles auf Anhieb, wodurch die Geschichte authentisch bleibt. Die beiden kämpfen unterdessen weiterhin gegen ihre Dämonen der Vergangenheit. Doch durch die Aufgaben lernen sie zunehmend, Dinge selbst in die Hand zu nehmen und nach vorn zu schauen.

Die beiden wachsen nicht nur an den Herausforderungen, sondern auch das Verhältnis zueinander entwickelt sich weiter. Aus anfänglicher Skepsis wird Akzeptanz und bald noch mehr. Hier findet die Autorin genau die richtigen Worte, unkitschig und mit süßen und rauen Momenten. Die beiden scheinen wie füreinander gemacht zu sein und ich habe mich sehr gerne durch die Szenen gelesen, in denen die beiden zunehmend Vertrauen zueinander aufbauen und von ihren Gefühlen überwältigt werden. Doch es ist nicht alles heile Welt, die beiden durchleben emotional und in Bezug auf ihre Aufgaben doch Hochs und Tiefs, so dass die zügig erzählte Geschichte interessant blieb bis hin zu einem wunderschönen Ende.

„Wir fliegen, wenn wir fallen“ erzählt die Geschichte von Yael und Noah, die beide einen familiären Schicksalsschlag verarbeiten müssen. Als sie dann auch noch ihre gemeinsame Bezugsperson Phil verlieren, schickt der sie mithilfe seines Testaments um die halbe Welt. Ich habe die beiden sehr gerne begleitet, interessante Orte entdeckt und erlebt, wie sie an ihren Aufgaben wachsen und sich das Verhältnis zueinander wandelt. Eine wirklich schöne und authentische Geschichte, die berührt und gleichzeitig Lust auf Abenteuer macht!

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212 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 63 Rezensionen

thriller, entführung, jugendbuch, thailand, spiel

Wonderland

Christina Stein
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei FISCHER Kinder- und Jugendtaschenbuch, 25.08.2016
ISBN 9783733502898
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Liz befindet sich gemeinsam mit ihren Freundinnen Nelly und Amelie auf Weltreise. In Thailand lernen sie Jacob kennen, der sie und zwei weitere Bekannte in ein atemberaubendes Haus mitnimmt. Riesige Zimmer, gleich zwei Pools, ein Privatstand – ein wahres Wonderland. Doch als die sechs erwachen, scheinen ihre Albträume wahr geworden zu sein. Sie sind auf einem Gelände gefangen, stehen unter ständiger Überwachung und erhalten die Anweisung, alle zwei Tage ein Opfer zu benennen. Ein grausiger Befehl, dem sich keiner der sechs fügen will. Doch was passiert, wenn sie sich weigern? Und was weiß eigentlich Jacob, der die anderen ins Haus gelockt hat?

Auf der Suche nach einer temporeichen, spannenden Lektüre griff ich zu „Wonderland“. Auf dem Buchsücken wird dem Leser eine „Hölle auf Erden“ angekündigt, und ich war neugierig, wie diese aussieht. Das Buch startet eigentlich ganz harmlos. Liz und ihre Freundinnen haben in Thailand so manche Bekanntschaft gemacht, und einer von ihnen hat sie ins Haus seines offensichtlich steinreichen Onkels mitgenommen. Doch je mehr Luxus Liz entdeckt, desto unwohler fühlt sie sich. Ein Gefühl, das berechtigt war – das zeigt der nächste Morgen.

Schnell kommt die Story zur Sache und die sechs Jugendlichen finden sich in Gefangenschaft wieder. Ein Spiel mit grausamen Regeln hat begonnen. Allein bei der Vorstellung, dass eine verzerrte Stimme die gruseligen Anweisungen gibt, bekam ich Gänsehaut. Liz und ihre Freunde sind ihren Peinigern ausgeliefert, denn diese drohen schnell, ihre Anweisungen mit äußerster Gewalt durchzusetzen. Schock und Entsetzen dominieren die erste Buchhälfte. Es ist eine wahre Abwärtsspirale, denn die „Spieler“ haben quasi keine Handlungsspielräume und müssen entsetzt mit ansehen, welche schlimmen Konsequenzen ihr Tun und Nicht-Tun hat. Mich hat die Handlung gegruselt und zugleich an die Seiten gefesselt. Haben Liz und ihre Freunde noch eine Chance? Was steckt überhaupt hinter all dem?

Mit der Zeit verlieren die Charaktere den Glauben an sich selbst und enthüllen bei der Frage, wen man opfern könnte, dunkle Seiten ihrer Persönlichkeit. Doch unter all der Verzweiflung steckt auch noch etwas Hoffnung. Ich fand es interessant, wie Liz stückweise hinter Jacobs Maske blickt und sich zwischen den beiden ein besonderes Verhältnis entwickelt. Lange wirkt es so, als seien die Charaktere nur Spielbälle, die sich bei allem zu fügen haben, gleichzeitig wird nichts erklärt, sodass das Buch sich für mich etwas zog. Schließlich kam es, für mich einen Tick zu spät, zur lang ersehnten Wende.

Die zweite Buchhälfte hat mich dann voll überzeugen können. Endlich werden Erklärungen geliefert, welche das Geschehen in einem neuen, grausigen Licht erscheinen ließen. Gleichzeitig gibt es überraschende Entwicklungen, die mich hoffen ließen, dass vielleicht doch alles anders kommt als erwartet. Die Entscheidungen der Charaktere fand ich nachvollziehbar und das emotionale und gedankliche Chaos, das sie durchleben, wurde mir verständlich gemacht. Weitere Überraschungen werden dem Leser geboten und die Spannung stieg immer weiter an bis hin zu gleich mehreren atemraubenden Showdowns und einem absolut gelungenen Ende.

„Wonderland“ ist ein gruseliger Thriller rund um sechs Jugendliche, die in Thailand in Gefangenschaft geraten und Teil eines makabren „Spiels“ werden, in dem sie nach und nach einen aus ihrer Mitte als Opfer auswählen sollen. Immer wieder kommt es zu blutigen Szenen, die den Ernst der Lage klar machten und den Charakteren psychisch und physisch alles abverlangten. Nach einer langen Phase ohne Erklärungen und Optionen bietet die zweite Buchhälfte noch mehr Tempo, Überraschungen und Hintergründe. Ich wurde zunehmend mitgerissen und empfehle diese beklemmende, hochspannende Geschichte gerne an Thriller-Fans weiter!

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23 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Mehr Schwarz als Lila

Lena Gorelik
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Rowohlt Berlin, 17.02.2017
ISBN 9783871341755
Genre: Romane

Rezension:

Alex ist siebzehn und hat seit sechs Tagen das Haus nicht mehr verlassen, denn Paul ist verschwunden und Ratte redet nicht mehr mit ihr. Dabei gab es eine Zeit, in der die drei unzertrennlich waren. Doch plötzlich ist nichts mehr vor vorher. Ein neuer Referendar kommt an die Schule, zu dem sich Alex hingezogen fühlt. Und auch Ratte verliebt sich und hat plötzlich weniger Zeit für sie. Alex handelt zunehmend intuitiv und ohne nachzudenken und hält an den Spielen fest, die sie, Ratte und Paul doch schon immer gespielt haben. Doch irgendwann stößt jedes Spiel an seine Grenzen…

Cover und Titel des Buches scheinen farblich auf den ersten Blick nicht zusammenzupassen, ihre Bedeutung wird beim Lesen aber schnell klar. Das Cover des Buches zeigt ein rot-grünes Gefieder und spielt auf Alex‘ Papagei an, den ihr Vater ihr vor neun Jahren kurz nach dem Tod ihrer Mutter geschenkt hat. Der Titel bezieht sich auf ihre Vorliebe, ausschließlich schwarz zu tragen und damit verbundene Diskussionen mit ihrer besten Freundin Ratte, ob ihre Hose nun eher dunkellila oder schwarz ist. Doch bevor man das und noch viel mehr über die Protagonistin erfährt, lernt man sie zu Beginn des Buches in einem Moment kennen, in denen sie sich emotional im freien Fall befindet. Um zu erklären, wie es so weit kommen konnte, springt die Ich-Erzählerin einige Monate in die Vergangenheit.

Hier lernt der Leser Alex, Ratte und Lena als verschworenes Dreiergespann kennen. Sie verbringen ihre Zeit meistens gemeinsam. Wenn ihnen langweilig ist, dann spielen sie Spiele wie „Stell dir vor“, in denen sie sich gegenseitig zu übertreffen versuchen. Doch dann wird alles anders, denn ein neuer Referendar unterrichtet die Klasse und lädt die drei bald ein, mit ihm eine Ausstellung zu besuchen. Er, den Alex im Buch nur als „Du“ anspricht, trifft sich fortan häufiger mit den dreien. Alex fühlt sich immer stärker zu ihm hingezogen, handelt ohne nachzudenken und muss sich mit den unerwarteten Konsequenzen auseinandersetzen.

Ich erlebte Alex als authentische Protagonistin, die sich mitten im Erwachsenwerden befindet und sich von ihren Gefühlen leiten lässt. In literarischer Sprache beschreibt sie, was in ihr vorgeht. Dabei macht sie großzügig Gebraucht von Stilmitteln, denn schließlich sind sie die Verbindung zu ihm, der sie in Deutsch unterrichtet. Oft verfällt sie auch ins Stakkato oder erinnert sich an Songtexte, die ihre Gedanken wiederspiegeln. Nach einer Eingewöhnungsphase konnte ich mich gut auf diese ungewöhnliche Sprache einlassen und sie wurde für mich zunehmend zur Stimme von Alex.

Mit Alex‘ Worten vor Augen konnte ich gut nachvollziehen, wie es so weit kommen konnte, dass sie sich privat mit einem Referendar trifft und Gefühle für ihn entwickelt. Dieses brisante Thema verarbeitet die Autorin behutsam und unaufgeregt, sodass der Fokus darauf lag, welchen Einfluss Alex‘ Gefühle und auch die von Ratte und Paul auf ihre Freundschaft haben. Ich muss aber sagen, dass die drei auf mich eher wie Schüler von vor zehn, zwanzig Jahren als wie von heute wirkten. Ihr Verhalten empfand ich oft eher als typisch für die Jugend der 90er / 2000er als der heutigen Zeit. Durch wenige Verweise wie die Jagd auf Pokemon wurde die Handlung aber im Hier und Jetzt fixiert, wodurch für mich ein etwas unstimmiger Eindruck entstand. 

Die Handlung spitzt sich schließlich zu. Das Chaos in Alex‘ Innerem treibt sie zu immer impulsiveren Handlungen, die Grenzen testen und schließlich überschreiben. Ein mittels Foto festgehaltener Moment ist es schließlich, der Alex emotionales Kartenhaus in sich zusammenstürzen lässt. Hier findet man sich schließlich in der zu Beginn des Buches geschilderten Situation wieder und die Geschichte wird zu einem Abschluss geführt, der mich berühren konnte und dessen Botschaft ich als sehr stimmig und passend erlebte.

„Mehr schwarz als lila“ erzählt die Geschichte von Alex, ihren beiden besten Freunden und einer Menge Gefühlen, die alles durcheinander bringen. Die ungewöhnliche, mit Stilmitteln beladene Sprache wurde für mich bald zu Alex Stimme, die von Freundschaft, Liebe und dem Erwachsenwerden erzählt. Eine ruhige und zugleich starke, authentische Geschichte, die ich sehr gern weiterempfehle.

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(116)

296 Bibliotheken, 34 Leser, 0 Gruppen, 81 Rezensionen

experiment, wissenschaft, roman, terranauten, usa

Die Terranauten

T. C. Boyle , Dirk van Gunsteren
Fester Einband: 608 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 09.01.2017
ISBN 9783446253865
Genre: Romane

Rezension:

Dawn, Ramsay und Linda teilen den gleichen Wunsch: Sie wollen Terranauten werden und sich für zwei Jahre in der „Ecosphere 2“ einschließen lassen. In dieser riesigen, von einer Glaskuppel abgeschirmten Anlage soll sich ein neues, geschlossenes Ökosystem stabilisieren. Während der ersten Mission wurde die Luftschleuse aber schon nach wenigen Wochen und dann immer wieder kurz geöffnet. Für die Mission-2-Crew ist deshalb klar: Nicht rein, nichts raus – zwei Jahre lang bis zum Austausch der Crew. Vier Männer und vier Frauen lassen sich einschließen. Unter ständiger Beobachtung durch die Organisatoren und die Öffentlichkeit muss die Crew ökologische, aber auch technische, menschliche und emotionale Herausforderungen bewältigen.

Das Cover fällt durch den Menschen im Raumanzug, der inmitten von Grün steht, ins Auge. Was hat jemand mit solch einem Anzug in einer so lebendigen Umgebung zu suchen? Für mich ist es eine gelungene Anspielung auf das Selbstverständnis der Terranauten, die sich zwar nicht im Raumanzug, aber im roten Overall in die „Ecosphere 2“ einschließen lassen, um als Pioniere in der Erforschung eines geschlossenen Ökosystems zu agieren. Ein Traum, der für zwei der drei Erzählenden bald Wirklichkeit wird.

Das Buch beginnt etwa einen Monat vor dem Einschluss. Man lernt die drei Protagonisten Dawn, Ramsay und Linda kennen kurz bevor sie erfahren, ob sie Teil der Crew sind. Dawn und Linda wissen, dass sie für die gleiche Funktion in Frage kommen und nur eine von ihnen bei dieser zweiten Mission dabei sein wird. So ist die Enttäuschung bei einer von ihnen natürlich groß, sie wird weiterhin nur von außen mitarbeiten. Man erhält deshalb ganz unterschiedliche Eindrücke von den laufenden Vorbereitungen, während der man sich mit den dreien als Leser vertraut machen kann.

Bald ist es so weit und es kommt zum Einschluss der acht Terranauten, die außer Licht, Strom und Informationen zwei Jahre lang nichts von außen erhalten werden. Ich fand es höchst faszinierend, zu beobachten, wie jeder auf seine Art mit der Situation umgeht und sich arrangiert. Die anfängliche Aufregung lässt bald nach, und die Crew muss sich mit Hunger, Kakerlaken, zwischenmenschlichen Spannungen, der ständigen Überwachung, technischen Problemen noch mehr auseinandersetzen. Der Fokus bleibt auf den beiden eingeschlossenen Erzählenden. Man lernt sie immer besser kennen, begleitet sie durch wenige Höhen und viele Tiefen und erlebt mit, wie die Erlebnisse sie als Menschen nachhaltig prägen.

Auch außerhalb der Glaskuppel geht das Leben weiter. Hier begleitet man die zurückgestellte Terranautin, die mit der Aussicht darauf, zwei Jahre später Teil der Mission-3-Crew zu werden, weitermacht. Neid beherrscht ihre Gedanken, wodurch es auch mal anstrengend wurde, ihre Kapitel zu lesen, doch ich konnte ihre Gefühle nachvollziehen. Durch sie wird zudem noch deutlicher, wie groß das Ausmaß der Überwachung und Manipulation ist, mit dem die Organisatoren die Terranauten steuern wollen. Doch ihnen bleiben letztendlich nur Worte, wenn sie die Schleuse nicht öffnen wollen. Und nach einem großen Knall will vor allem ein Terranaut um jeden Preis ihren Kopf durchsetzen.

Das Geschehen „drinnen“ wie „draußen“ konnte mich fesseln. Vor allem die Dynamiken und Entwicklungen auf der zwischenmenschlichen Ebene fand ich sehr interessant. Immer tiefer dringt der Leser ins Innenleben der Protagonisten vor, sodass ich über ihr Handeln zwar den Kopf schütteln musste, doch gleichzeitig verstand, was sie zu teils drastischen Entscheidungen antreibt. Voller Neugier erwartete ich den Moment, in dem die Luftschleuse geöffnet wird. Doch damit ist es nicht vorbei, sondern es wartet die nächste Überraschung, und so wird die Spannung weiter gehalten bis zu einem recht offenen Ende, das hier absolut angebracht ist.

„Die Terranauten“ erzählt lose basierend auf einer wahren Geschichte von vier Männern und vier Frauen, die sich für zwei Jahre unter einer Glaskuppel einsperren lassen wollen, um die Stabilisierung eines geschlossenen Ökosystems zu erforschen. Die Einblicke ins Innere der Beteiligten und die zwischenmenschlichen Dynamiken fand ich höchst faszinierend. Immer neue Zwischenfälle und zu treffende Entscheidungen hielten trotz des eher ruhigen Tempos die Spannung aufrecht. Ein herausragender Roman, der mich durchweg begeistern konnte!

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92 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 53 Rezensionen

thriller, cruelty, cia, scott bergstrom, agenten

Cruelty

Scott Bergstrom , Christiane Steen
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 17.02.2017
ISBN 9783499272660
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die siebzehnjährige Gwendolyn Bloom ist ein Diplomatenkind. Aktuell lebt sie in New York und besucht dort eine Privatschule. Ihr Vater arbeitet für die UN und ist die einzige Person, die sie als Familie betrachtet, seit ihre Mutter vor 10 Jahren bei einem Angriff in Algier ums Leben kam. Doch dann verschwindet ihr Vater auf einer Dienstreise nach Paris. Wurde er entführt oder ist er auf eigene Faust vom Radar verschwunden? Im Zuge der Ermittlungen erkennt Gwendolyn, dass ihr Vater all die Jahre als Spion tätig war. Als die Suche nach ihm eingestellt wird, beschließt sie, auf eigene Faust weiterzusuchen. Sie lässt ihr altes Ich hinter sich und begibt sich auf höchst gefährliches Terrain.

Mit seinem knallorangen Titel und Buchschnitt ist dieser Thriller ein Hingucker, der sofort mein Interesse weckte. Im ersten Kapitel lernt man Gwendolyn als normale, etwas rebellische Schülerin kennen, die fünf Sprachen spricht und nicht so reich ist wie die anderen Privatschüler. Doch die Geschichte wird schon bald düster, weshalb ich gut verstand, dass das Buch trotz des Alters der Protagonistin im Erwachsenenprogramm des Verlags veröffentlicht wurde. Bevor es so weit ist, lernt der Leser Gwendolyn aber erst einmal besser kennen. Auch nach 10 Jahren belastet sie der Tod ihrer Mutter immer noch sehr, und auch über die ständigen Dienstreisen ihres Vaters ist sie nicht glücklich. Am liebsten möchte sie ein ganz normales Leben führen und freut sich sehr, als ihr Mitschüler Terrance echtes Interesse an ihr zeigt.

Nach diesem ruhigen Einstieg wird Gwendolyns Leben mit dem Verschwinden ihres Vaters aus den Angeln gehoben. Es folgt eine Phase der Ungewissheit, in welcher sie die Information verarbeiten muss, dass ihr Vater all die Jahre als Spion gearbeitet hat. Ich konnte nicht so recht glauben, dass sie all die Jahre nichts gemerkt haben will. Doch sie schaltet schnell um und wagt schließlich den großen Schritt, alles hinter sich zu lassen und sich selbst auf die Suche zu begeben. Fast ein Drittel des Buches ist an diesem Punkt schon gelesen, und wer bis hierhin durchgehalten hat, wird mit einer spektakulären und rasanten Story belohnt.

Innerhalb weniger Wochen macht Gwendolyn in einer Rocky-mäßigen Zusammenstellung kurzer Szenen eine umfassende Transformation durch und wird zur knallharten Kickass-Heldin. Sie versteht schnell, dass sie es mit höchst gefährlichen Verbrechern zu tun bekommen wird, wenn sie etwas über das Schicksal ihres Vaters erfahren will. Deshalb nimmt sie erst einmal eine falsche Identität an, die sie fünf Jahre älter macht. Das passte viel besser zu ihrem Auftreten und hätte für mich von vornherein ihr echtes Alter sein dürfen. Wie glaubwürdig man diese rasante Wandlung findet, muss jeder für sich selbst entscheiden. Fakt ist, dass mich die neue Gwendolyn bestens unterhalten konnte. Immer wieder wird sie angegriffen und muss sich verteidigen, muss entscheiden wem sie vertraut und riskante Wagnisse eingehen, um an Informationen zu gelangen. Ihre Suche führt sie in die dunkelsten und gefährlichsten Ecken verschiedener Großstädte. Hier gelingt es dem Autor gut, die Atmosphäre der Stadtteile einzufangen, die Touristen meist nicht zu sehen bekommen.

Gwendolyn wächst zunehmend in ihre neue Identität hinein. Immer wieder muss sie Teile ihres alten Selbst aufgeben, um weiterzukommen. Es gibt spektakuläre, aber auch grausame Szenen, die ich absolut kinoreif fand. Die Protagonistin war immer wieder für eine Überraschung gut und ging weiter, als ich es ihr zugetraut hätte. Atemlos las ich mich durch die Seiten bis hin zu einem irren Showdown. Wer dachte, dass es danach vorbei ist, wird noch mal mit einem Twist belohnt. Das Ende ist relativ offen und ich vermisste ein bestimmtes Gespräch ganz besonders, weshalb ich mich schon jetzt auf die bereits angekündigte Fortsetzung freue.

Lasst Euch bei „Cruelty. Ab jetzt kämpfst du allein“ nicht vom harmlosen Beginn täuschen. Nach einer längeren Aufwärmphase nimmt das Buch so richtig an Fahrt auf. Aus der rebellischen Schülerin wird eine knallharte Kämpferin, die alles auf eine Karte setzt, um herauszufinden, was mit ihrem Vater geschehen ist. Actionreiche und schockierende Szenen konnten mich mitreißen und ich fieberte mit, wie weit Gwendolyn bereit ist zu gehen. Ich vergebe sehr gute vier Sterne. Ein Buch für alle, die Lust auf einen Spionagethriller mit einer starken weiblichen Protagonistin haben.

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66 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 30 Rezensionen

roman, familie, katie agnew, liebe, heyne

Die Perlenfrauen

Katie Agnew , Jens Plassmann
Flexibler Einband: 560 Seiten
Erschienen bei Heyne, 13.02.2017
ISBN 9783453420298
Genre: Romane

Rezension:

Sophia ist eine Tochter aus reichem Hause, die den Großteil ihrer Zwanziger als It-Girl in Londoner Clubs und Schlagzeilen verbracht hat. Doch seit ihre Eltern ihr endgültig den Geldhahn zugedreht haben, lebt sie gemeinsam mit ihrem besten Freund Hugo, der ihr Schicksal teilt, im heruntergekommenen Haus eines Bekannten. Ihre Großmutter Tilly steht als einziges Familienmitglied mit ihr in Kontakt. Sie ist schwer krank und schickt ihr Briefe mit ihren Memoiren und der Bitte, sie besuchen zu kommen. Nach langem Zögern ringt sich Sophia zu einem Besuch durch und erfährt Tillys sehnlichsten Wunsch: Sie möchte, dass Sophia die Perlenkette findet, die Tilly einst von ihrem Vater geschenkt bekam. Tilly hat sie zuletzt 1981 gesehen, als sie sich im Besitz ihrer Tochter, also Sophias Mutter, befand. Doch diese streitet die Existenz der Perlenkette ab. Sophia bleibt hartnäckig und begibt sich auf Spurensuche…

Das Cover von „Die Perlenfrauen“ ist schlicht und für mich gleichzeitig ein Hingucker. Die pink-orangen Blumensilhouetten machen Lust auf den Frühling und versprechen eine gefühlvolle Familiengeschichte. Das Buch beginnt mit einem Ausschnitt aus Tillys Memoiren. Sie war einst eine berühmte Schauspielerin und hat ein bewegtes Leben hinter sich. Diese Erinnerungen teilt sie nun mit ihrer Enkelin Sophia. Ich fand sie zu Beginn leider nicht sonderlich sympathisch, denn auf mich machte wirkte sie oberflächlich, naiv und egoistisch.

Parallel lernt man Dominic kennen. Einige Wochen zuvor hat sich seine Frau von ihm getrennt und er ist für einen Dokumentarfilm nach Ecuador aufgebrochen. Jetzt kehrt er nach New York zurück und findet seine Wohnung leer und verlassen vor. Dominic ist ein ehrlicher und liebenswerter Charakter, den ich sehr mochte. Er muss sich damit auseinander setzen, wie es für ihn weitergehen soll. Der Zusammenhang mit Sophias Geschichte wird aber nicht klar und so soll es bis kurz vor Schluss bleiben. So sehr ich ihn auch mochte, so belanglos war ein großer Teil seiner Erlebnisse und Erinnerungen.

Spannend fand ich die Geschichte der Japanerin Aiko, die sich an ihre Kindheit unter Perlentaucherinnen erinnert. Die exotischen Einblicke in diesen kräftezehrenden und gleichzeitig faszinierenden Beruf fand ich gelungen. Und Tillys Erinnerungen an die Kriegszeit erklären, warum ihr das Geschenk ihres Vaters so wichtig ist. Doch insgesamt zog sich die Geschichte durch den ausschweigenden Erzählstil der Autorin in die Länge. Man erfährt mehr oder weniger die komplette Lebensgeschichte jeder an der Handlung beteiligten Person und ich fand nicht alles davon interessant und relevant.

Für mich hätte die Story deshalb deutlich straffer erzählt werden dürfen. Erst auf der Hälfte des Buches besucht Sophie überhaupt ihre Großmutter und erhält den Auftrag, die Perlenkette zu suchen. Nur langsam nimmt die Geschichte an Schwung auf und offenbart auch neue Seiten an Sophia, die sie mir sympathischer machten. Sämtliche brisanten Geheimnisse hebt sich die Autorin für das große Finale auf, in dem sich die Schicksale der verschiedenen Charaktere endlich kreuzen. Hier gab es so manches Oh und Ah und schließlich wird es auch ein bisschen kitschig. Das hat mich sehr gut unterhalten können und war ein toller Abschluss für diesen Roman.

In „Die Perlenfrauen“ macht sich Sophia in London auf die Suche nach den verlorenen Perlen ihrer berühmten Großmutter. Parallel werden die Geschichten von Dominic in New York und Aiko in Tokio erzählt. Der Leser erhält äußerst umfassende Einblicke in die Leben aller Beteiligten und darf so manchen emotionalen Moment miterleben. Im gelungenen Finale werden die Zusammenhänge schließlich klar und so manches Geheimnis wird gelüftet. Der Weg dorthin war mir leider zu lang. Ich vergebe drei Sterne.

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27 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 16 Rezensionen

rezension, magellan, jugendbuch, überliebenin10schritten, sternschnuppenstunden

Überlieben in 10 Schritten

Rachel McIntyre , Jessika Komina , Sandra Knuffinke
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Magellan, 18.01.2017
ISBN 9783734850141
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Daisy Green freut sich riesig darauf, nach den Sommerferien nicht an die alte Highschool zurückzukehren, sondern ein Oberstufen-College zu besuchen. Ihre beiden besten Freundinnen werden zwar weiterhin die alte Schule besuchen, aber im neuen College muss Daisy endlich keine Schuluniform mehr tragen, und vor allem wird sie nicht ständig an ihren Ex-Freund Matt erinnert. Dieser passte einfach perfekt zu ihr, lebt aber jetzt in Spanien. Zwar ist das College doch etwas weniger glamourös als gedacht, doch Ablenkung bietet vor allem der gutaussehende Toby, der ihr gegenüber klares Interesse signalisiert. Romantische Gesten sind für ihn scheinbar selbstverständlich, und er will so viel Zeit wie möglich mit Daisy verbringen. Er ist der ideale neue Freund für sie – wenn da nur nicht immer wieder Momente wären, in denen er sich merkwürdig benimmt…

Das Buch fällt mit seinem knallig pinken Cover definitiv ins Auge. Passend zum Namen der Protagonistin ist ein Gänseblümchen abgedruckt. Ich erwartete eine lockere Liebesgeschichte. Zu Beginn lernt man Daisy im Kreis ihrer besten Freundinnen kennen, mit denen sie seit Jahren eine verschworene Gemeinschaft bildet. Für ihre sechzehn Jahre verhält Daisy sich noch recht mädchenhaft und ich fand ihre Entscheidung mutig, sich aufs College zu wagen, wo sie niemanden kennt. Ihre Freundinnen sieht sie natürlich weiterhin, denn diese sind für sie in jeder Lebenslage eine wichtige Unterstützung.

Von Beginn an hat mir der Wortwitz sehr gefallen. Immer wieder kommentiert Daisy das Geschehen auf unterhaltsame Weise oder scherzt mit ihren Freundinnen. Das ist die eindeutige Stärke des Buches, wegen der ich es immer wieder gerne zur Hand genommen habe. Auch die Beschreibungen von Daisys Arbeit bei „Something Borrowed“, der Hochzeitsagentur ihrer Eltern, haben Spaß gemacht. Sehr gerne las ich mich durch die Feiern, die sie und ihre Eltern für das jeweilige Hochzeitspaar dank kreativer Ideen und sorgfältiger Planung unvergesslich machten.

Schon nach wenigen Seiten erlebt Daisy ihren ersten Tag am College und lernt Toby kennen. Ihre anfängliche Faszination für ihn konnte ich gut nachvollziehen, denn alles an ihm scheint perfekt zu sein. Im Nu verbringen die beiden immer mehr Zeit zusammen und haben bald ihr erstes Date. Ich habe mich für Daisy gefreut, dass sie mit Toby die schmerzhafte Trennung von Matt hinter sich lassen kann. Doch dann legt Toby Verhaltensweisen an den Tag, die ich zu Beginn irritierend fand und die für mich zunehmend zum No-Go wurden.

Daisy will Tobys Macken durch ihre rosarote Brille nicht wahrhaben und verzeiht ihm ein ums andere Mal. Wäre ich an ihrer Stelle gewesen, wäre für mich schon nach wenigen Kapiteln Schluss gewesen. Deshalb fand ich es zunehmend anstrengend, zu lesen, wie Daisy sich selbst um der Vorstellung eines gutaussehenden Jungens an ihrer Seite erniedrigt und all die guten, feministischen Vorsätze, die sie und ihre Freundinnen aufgestellt haben, über Bord wirft. Dank oben beschriebener Pluspunkte las ich trotzdem weiter, doch die erhoffte Wendung blieb aus. Stattdessen bekam ich bis kurz vor Schluss ein ständiges Hin und Her geboten. Schließlich kommt es zu einer lang ersehnten Überraschung, die ich schön fand, aber irgendwie auch zu einfach für das ganze Drama, durch das ich mich gelesen hatte. An dem Punkt hätte es noch mal richtig interessant werden können, doch leider entschließt sich die Autorin zu einem relativ offenen Ende, das mich nur begrenzt zufriedenstellen konnte.

„Überlieben in 10 Schritten“ erzählt von Daisys Start an einem neuen College, wo sie ihren Trennungsschmerz dank des attraktiven Tobys bald verdrängt. Das Buch punktet mit viel Wortwitz und Humor, während ich das Hin und Her zwischen Daisy und Toby zunehmend anstrengend fand. Die ersehnte Wende kam für mich zu spät. Für mich bleibt dieses Buch über Freundschaft, Jungs und falsche Entscheidungen deshalb leider solides Mittelmaß.

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43 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 21 Rezensionen

liebe, affäre, contemporary, freundschaft, amerika

Liebe ist wie Drachensteigen

Ashley Herring Blake , Birgit Salzmann
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Magellan, 18.01.2017
ISBN 9783734850240
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Hadleys Leben ist aus den Fugen geraten, seit sie vor einigen Monaten nach Hause kam und die Haustür mit Klebezetteln überdeckt vorfand, die ihren Vater einer Affäre beschuldigten. Seither gleich jedes Miteinander als Familie einer erzwungenen Veranstaltung, daran hat auch ein Umzug von Nashville ins ländlichere Woodmont nichts geändert. Hadley macht mit wechselnden Typen herum, ohne dass Gefühle im Spiel wären und schottet sich ab, sodass selbst ihre beste Freundin Kat sie nicht wiedererkennt.
Doch dann kommt Sam neu an ihre Schule und wird in English Hadleys Projektpartner. Er ist aufmerksam und verständnisvoll, und die beiden lernen sich schnell besser kennen. Doch Sam kennt ein Geheimnis, dessen Enthüllung alles verändern könnte…

Dass dieses Buch alles andere als eine rosarote Liebesgeschichte enthält, zeigt bereits das völlig zerknickte Herz auf dem Cover. Sowohl Hadley als auch Sam befinden sich in einer schwierigen Familiensituation, die sie in den letzten Monaten geprägt und verändert hat. Die Kapitel sind mal aus der Ich-Perspektive von Hadley, mal aus der von Sam geschrieben, sodass der Leser gänzlich in ihre Welt eintauchen kann.

Schnell lernte ich die beiden besser kennen. Seit Hadley weiß, dass ihr Vater eine Affäre hatte, beschränkt sie die Kommunikation mit ihren Eltern auf das nötigste, ist ihrer besten Freundin gegenüber nicht mehr offen und knutscht mit wechselnden Typen. Auch wenn ich nachvollziehen konnte, dass sie tief verletzt wurde, konnte ich ihrer Art nicht viel abgewinnen. Sam hingegen bemüht sich, die Reste seiner Familie zusammenzuhalten. Sein Vater ist ausgezogen und meldet sich nur selten, seine Mutter straft ihn und seine Schwester Livy mit emotionaler Kälte und Abwesenheit. Er gibt sich wirklich Mühe, für Livy da zu sein, weshalb ich ihn schnell mochte. Doch schon bald kennt man sein Geheimnis, das schwer auf ihm lastet. In der Folge ist er mal nett zu Hadley, dann stößt er sie wieder von sich. Meine Sympathien für die beiden durchlebten ein ständiges Auf und Ab, während die beiden sich trotz aller Widrigkeiten langsam näher kommen.

Die Atmosphäre dieses Buches ist insgesamt eher bedrückend. Bei beiden ist die familiäre Situation festgefahren und eine Besserung der angespannten Lage nicht in Sicht. Doch die aufkeimenden Gefühle von Hadley und Sam zueinander geben beiden Hoffnung und Stärke. Ich fand es toll, mitzuerleben, wie die beiden sich trotz aller Rückschläge näher kommen. Wenn da nur nicht Sams Geheimnis wäre, von dem er weiß, dass er es irgendwann mit Hadley teilen muss. Die Story wird durch schöne Momente und Scherze immer wieder etwas aufgelockert. Dabei spielen Hadleys Freundin Kat und Sams Freund Ajay eine wichtige Rolle, denn die beiden sind lebensfrohe Persönlichkeiten und vor allem Ajay ist immer wieder für einen Spruch gut.

Die Handlung schlägt ein eher ruhiges Tempo an, was ich als passend empfand, denn das machte die emotionale Wandlung der Protagonisten authentisch. Über viele Hochs und Tiefs lernen die beiden, sich einander zu öffnen und zu vertrauen. Irgendwann kommt es auch zum erwarteten Knall, hier hat mir die Umsetzung sehr gut gefallen. Zum Ende hin findet das Buch genau den richtigen Ton, um die Geschichte gelungen abzurunden.

„Liebe ist wie Drachensteigen“ erzählt die Geschichte von Hadley und Sam, deren Familien eine schwere Zeit durchmachen. Das hat starken Einfluss auf die beiden, die sich allmählich näher kommen und Gefühle füreinander entwickeln. Auch wenn ich mich gerade zu Beginn schwer damit getan habe, die Protagonisten und vor allem Hadley zu mögen, hat mir diese bedrückende und zugleich hoffnungsvolle Liebes- und Familiengeschichte sehr gefallen. Ich vergebe vier Sterne.

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155 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 34 Rezensionen

thriller, mord, düsseldorf, psychopath, blut

Im Kopf des Mörders - Tiefe Narbe

Arno Strobel
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 26.01.2017
ISBN 9783596296163
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Max Bischoff arbeitet seit kurzem für das KK11 in Düsseldorf. Eines Morgens taumelt Harry Passeck, ein bekannter investigativer Journalist, ins Präsidium. Barfuß und blutüberströmt erzählt er eine erstaunliche Geschichte: Er sei in eine Wohnung gelockt und niedergeschlagen worden. Als er aufwachte, sei er im jetzigen Zustand gewesen. Die Überprüfung der Wohnung ergibt, dass sich die Mieterin in Hamburg bester Gesundheit erfreut. Doch das Blut stammt von ihrer besten Freundin Miriam, die zwei Jahre zuvor verschwunden ist. Max und sein Partner Horst Böhmer beginnen mit Nachforschungen, wie all das zusammenpassen könnte. Kurz darauf wird eine grausam zugerichtete Leiche gefunden. Aber es ist nicht Miriam. Drohen weitere Taten?

Die Ankündigung, dass „Tiefe Narbe“ der Auftakt einer Thriller-Trilogie sein soll, konnte meine Neugier wecken. Schon lange verpasse ich keinen neuen Strobel mehr. Ich war gespannt, ob die Tatsache, dass es drei Bücher rund um den Oberkommissar Max Bischoff geben wird, Einfluss auf die Art und Weise hat, wie die Geschichte erzählt wird.

Der Einstieg ist alles andere als ruhig, schon auf den ersten Seiten gibt es einige schockierende Momente. Im Prolog berichtet ein Mörder in der Ich-Perspektive von der Ermordung einer Frau, bevor gleich im ersten Kapitel Harry Passeck seinen blutüberströmten Auftritt hat. Die Ermittler Max Bischoff und Horst Böhmer lernt man kennen, während sie schon mitten in den Ermittlungen stecken. Sofort stehen viele Fragen im Raum und ich wollte mehr über die Zusammenhänge erfahren.

Max und Horst führen zunächst die naheliegenden Schritte aus. Sie durchleuchten Harry Passeck, der sich als Opfer positioniert. Denn das könnte auch ein kluger Schachzug sein, wenn er selbst kein Täter ist. Was man über ihn erfährt, wirft wirklich kein gutes Licht auf ihn. Aber ist hier ein Motiv verborgen? Außerdem bringen die Ermittler mehr über die Mieterin des Tatorts und die Verschwundene, deren Blut gefunden wurde, in Erfahrung. Das führt sie mitten hinein in die Kulturszene. Weitere Taten in diesem Umfeld erhalten die Spannung und setzen Max und Horst zunehmend unter Druck. Durch kurze, gänsehautverursachende Einschübe aus der Perspektive des Täters war man den beiden als Leser meist einen Schritt voraus und wusste, dass bald wieder etwas passiert.

Der Großteil der Kapitel ist aus der Sicht von Max geschrieben, den der Leser ja noch zwei weitere Bände begleiten soll und über den man entsprechend viel erfährt. In kurzen Verschnaufpausen erfährt man, dass er sich erst mal auf seine Karriere konzentrieren möchte und es deshalb außer seiner Schwester keine wichtige Person in seinem Leben gibt. Doch das kann sich oft schneller ändern, als man denkt. Über Horst Böhmer erfährt man hingegen das wenige, das er im Dialog mit Max von sich preisgibt. Max war mir dadurch sehr viel näher und ich fieberte mit ihm mit, ob bald ein entscheidender Durchbruch in den Ermittlungen erzielt werden kann.

Obwohl das Tempo der Geschichte hoch ist, ließ meine Begeisterung ab der Buchhälfte nach. Die Ermittler schießen sich geradezu auf Harry Passeck als Quelle der Information und möglichen Täter ein und sprechen immer wieder mit ihm und seiner Frau, was zunehmend an Reiz verlor. Links und rechts davon gehen sie weitaus weniger gründlich vor. Zudem war die Geschichte für mich zu vorhersehbar, 150 Seiten vor Ende habe ich komplett richtig vorausgeahnt, was geschehen wird. Auf diesen Seiten wird es noch einmal besonders emotional, weshalb mich die Story trotzdem nicht losgelassen hat. Der Fall an sich wird abgeschlossen, doch er hat Max verändert und ich bin nun neugierig, wie sich das auf den zweiten Band mit ihm auswirken wird.

„Im Kopf des Mörders - Tiefe Narbe“ ist der erste von drei Büchern rund um den Oberkommissar Max Bischoff. Arno Strobel hat einen interessanten Ermittler geschaffen, von dem ich gerne mehr lesen will! Dank vieler Einblicke in sein Denken und Handeln fühlte ich mich ihm nahe und hoffte mit ihm auf einen Durchbruch in den Ermittlungen. Das Buch schlägt ein gutes Tempo an und hält die Spannung durch immer neue Funde. Für mich hätte der Verlauf der Handlung aber noch unvorhersehbarer sein müssen. Ich vergebe vier Sterne und freue mich schon auf das zweite Buch mit Max Bischoff.

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346 Bibliotheken, 23 Leser, 2 Gruppen, 136 Rezensionen

weltraum, hexen, kai meyer, science fiction, raumschiff

Die Krone der Sterne

Kai Meyer , Jens Maria Weber
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei FISCHER Tor, 26.01.2017
ISBN 9783596035854
Genre: Fantasy

Rezension:

Iniza ist als Baroness und Tochter des Herrschers auf dem Planeten Koryantum im galaktischen Reich Tiamande aufgewachsen. Dieses wird seit Jahrhunderten von einem Hexenorden beherrscht. Alle fünf Standardjahre werden junge Frauen aus den Baronien Tests unterzogen, um Bräute für die Gottkaiserin, dem Oberhaupt der Hexen, auszuwählen. Dieses Mal hat nur Iniza die Tests bestanden, weshalb sie zum Hof der Gottkaiserin gebracht werden soll. Auf der Reise wird sie wie eine Gefangene behandelt, und niemand weiß, was aus den vorherigen Bräuten wurde. Das sind nur zwei der zahlreichen Gründe, die Iniza die tollkühne Flucht wagen lassen. Zusammen mit ihrem Geliebten, dem Hauptmann Glanis, sowie dem Waffenmeister und Kopfgeldjäger Kranit und der Alleshändlerin Shara bildet sie einen höchst ungleichen Trupp, der den Hexen entkommen will und dabei ganz unterschiedliche Hintergedanken hat.

Neue Bücher von Kai Meyer sind für mich inzwischen Pflichtlektüre, denn immer wieder kann der Autor mich mit seinen fantastischen Welten und Geschichten begeistern. Als ich hörte, dass sein neues Buch eine Space-Fantasy wird, war meine Neugier vollends geweckt. Schon das Cover sowie die Zeichnungen auf den Innenklappen und den ersten Seiten versprechen eine galaktische Welt der besonderen Art. Dank ihnen erhielt ich schnell einen ersten Eindruck vom Aufbau der Welt, einigen Charakteren und Raumschiffen, die alles andere als gewöhnlich aussehen.

Auf den ersten Seiten des Buches lernt man die Protagonistin Iniza kennen. Sie befindet sich gerade auf einer Raumbarke und soll als Braut an den Hof der Gottkaiserin gebraucht werden – ein Schicksal, das sie auf keinen Fall annehmen will. Im Nu wagt sie einen sorgfältig vorbereiteten und dennoch waghalsigen Fluchtversuch. Bevor es schon zur Sache geht, nimmt sich die Geschichte kurz Zeit und erklärt, wie Iniza überhaupt in diese Situation gekommen ist. Ich erhielt die wichtigsten Informationen rund um das Reich Tiamande und einen kurzen Abriss der Geschichte des Reiches. Besonders interessant fand ich, dass der an der Macht befindliche Hexenorden den technischen Fortschritt unterdrückt und sämtliche Schiffe, Schleusen und ähnliches deshalb inzwischen über tausend Jahre alt sind. Dieses Vertrauen in Technik, die ihr Ablaufdatum eigentlich längst überschritten hat, verlieh dem Buch einen ganz besonderen Charme.

Auf der Flucht vor dem Hexenorden findet sich eine Truppe aus ganz unterschiedlichen Charakteren zusammen. Sie alle treiben völlig unterschiedliche Dinge an, ihre Ziele wiedersprechen sich, und doch sind sie aufeinander angewiesen. Immer wieder kommt es zu amüsanten Wortgefechte, aber auch spannenden Kämpfen mit Körpereinsatz darum, wer entscheiden darf. Kranit und Shara sind willensstarke Charaktere mit außergewöhnlichen Biographien und nie um einen sarkastischen Spruch verlegen. Iniza als von verschiedenen Parteien begehrtes Zielobjekt zeigt gelungen, dass sie auch mal selbst anpacken und sich wehren kann. Lediglich Glanis bleibt als beschützender Hauptmann und Geliebter etwas blass neben diesen faszinierenden Persönlichkeiten. Auch weitere Charaktere, die man auf dem Weg durchs All kennenlernen darf, sind skurril und niemals so, wie der erste Eindruck es mich glauben ließ.

Der Roman bietet rasante, actionreiche Space-Szenen. Zum Beispiel wird Iniza an Bord der mondsichelförmigen „Nachtwärts“ von einer riesigen Raumkathedrale verfolgt. Immer wieder kommt es zu abenteuerlichen Gefechten und Fluchtaktionen vor gewaltigen Kulissen, die vor meinem inneren Auge lebendig wurden. Ich lernte dabei nicht nur die Charaktere zunehmend besser kennen, sondern erhielt auch immer tiefere Einblicke in die Hintergründe der Welt und ihre Geheimnisse. Immer wieder gab es Spannungsspitzen und Überraschungen, die mich begeistern konnten. Zum Ende hin vermisste ich allerdings eine epische, spektakuläre Szene, die das Buch abrundet. Stattdessen wirkte es auf mich wie ein Luftholen, bei dem viele Mutmaßungen angestellt und Andeutungen gemacht werden, die ganz neue Fragen aufwerfen. Das ruft eigentlich nach einer Fortsetzung, über die ich mich sehr freuen würde.

In „Die Krone der Sterne“ flieht Iniza in Gesellschaft höchst unterschiedlicher Persönlichkeiten vor dem mächtigen Hexenorden. Dem Leser wird aufregende Space-Action geboten sowie ein Ringen um die Entscheidungsmacht an Bord und so manche Überraschung. Mich konnte die beeindruckende Welt sowie die facettenreichen Charaktere und die Mischung aus Spannung und Augenzwinkern, mit der die Geschichte erzählt wird, begeistern. Ein Buch für alle Fantasy-Fans, die Lust darauf haben, an Bord eines ungewöhnlichen Schiffes mit ganz speziellen Persönlichkeiten durchs All zu jagen!

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22 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

düsseldorf, afrodeutsche, schwarze kommissarin, krimi, rivalitäten

Das Ende aller Geheimnisse

Stefan Keller
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 20.01.2017
ISBN 9783499272493
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Heidi Kamemba ist die erste schwarze Kriminalkommissarin Deutschlands. Da hilft es nicht viel, dass sie bei ihren alten Kollegen aufgrund ihrer kommandierenden Art als „die Deutsche“ bekannt war. Sie fällt im Präsidium auf wie ein bunter Hund, worüber ihr neuer Chef nicht sonderlich begeistert ist. Gleich an ihrem ersten Tag im KK12 wird eine Leiche in der Nähe eines Parkplatzes an der Landstraße vor Mettmann gefunden. Sein Mörder hat den Mann erschossen, verbrannt und seine Fingerkuppen abgeschnitten, um die Identität zu verheimlichen. Was ist das Motiv für eine solch professionale Tat ohne Spuren? Heidi und ihre Kollegen nehmen die Ermittlungen auf.

Auf Heidi Kamembas ersten Fall aus der Feder von Stefan Keller bin ich aufgrund des Handlungsortes aufmerksam geworden. Ich arbeite in Düsseldorf und war neugierig darauf, einen fiktiven Charakter der ansässigen Polizei bei den Ermittlungen zu begleiten. Nach einem kurzen Prolog, in dem man die letzten Momente des Mordopfers miterlebt, lernt man die Protagonistin Heidi an ihrem ersten Arbeitstag beim KK12 kennen. Aufgrund ihrer Hautfarbe bekommt sie sofort mehr Aufmerksamkeit, als ihr lieb ist. Ihre neue Kollegen und vor allem ihr Chef sind davon ebenfalls nicht sonderlich begeistert. Aus ihnen wurde ich genauso wie Heidi erst einmal nicht schlau, sie geben sich zurückhaltend und der Empfang ist nicht sonderlich herzlich.

Heidi ist froh, dass sie die merkwürdige Atmosphäre im Präsidium schnell hinter sich lassen und zum Fundort einer Leiche fahren kann. Die Identität des Opfers wurde mit allen Mitteln verschleiert, der Mörder scheint genau gewusst zu haben, was er da tat. Doch schnell findet Heidi einen allerersten Ansatzpunkt für die Ermittlungen und stürzt sich motiviert in die Arbeit. Ihre Kollegen können diesem Aktionismus nicht viel entgegensetzen und erzielen selbst keine besonderen Durchbrüche. So findet sich Heidi schnell in der Rolle der genialen, von der Spurensicherung geachteten Ermittlerin wieder. Diese Rolle steht ihr gut und ich gönnte ihr den Erfolg. Etwas schade fand ich, dass sämtliche Kollegen im Vergleich dazu wirkten, als hätten sie nichts auf dem Kasten.

Heidi ist mir mit ihrer engagierten und aufrichtigen Art schnell sympathisch geworden. Sie möchte in ihrer neuen Rolle unbedingt etwas bewegen, und ihre Hautfarbe sollte dabei keine Rolle spielen. Man erhält auch kurze Einblicke in ihr Privatleben. Ihr besorgter Vater ist amüsant, während das Verhalten ihres Freundes bei ihr Zweifel auslöst. Indem einige Kapitel aus der Sicht ihrer Kollegen geschrieben sind, lernt man auch diese etwas besser kennen und erhält Einblicke in die Gründe für ihr Verhalten.

Heidi merkt schnell, dass jegliche Erwähnung ihres Vorgängers auf Unmut stößt und beginnt parallel zu den laufenden Ermittlungen mit Nachforschungen zu dessen Tod. Schnell findet sie heraus, dass Selbstmord als Todesursache festgehalten wurde. Doch warum beschäftigt das ihre Kollegen so sehr? Unbeirrt bohrt sie tiefer und bringt Überraschendes ans Licht. Dieser zweite Handlungsstrang bot gelungene Abwechslung und offenbart noch mal eine neue Seite an Heidi und einigen anderen Charakteren.

Bei den Mordermittlungen hangeln sich die Kriminalkommissare von einem Hinweis zum nächsten und ermitteln in verschiedene Richtungen. Der Fall wird zunehmend brisant, in der Folge wächst die Unruhe im Team. Schließlich wird ein Beweisstück gefunden, dass mit dem Motiv zusammenhängen könnte. Die Erklärungen hierzu waren für mich nicht ganz plausibel. Es hätte noch mehr Erklärungen bedurft, um mich voll zu überzeugen. Wusste der Kriminalroman lang durch ruhige, angespannte Ermittlungen zu fesseln, wurde es auf den letzten Seiten temporeich und gefährlich. Ich fand diesen Abschluss gelungen und würde mich über einen weiteren Fall für Heidi Kamemba freuen.

In „Das Ende aller Geheimnisse“ begleitet der Leser Heidi Kamemba bei ihren Ermittlungen im Fall eines ermordeten Mannes, dessen Identität vom Mörder bewusst verschleiert wurde. Heidi stürzt sich voller Motivation in die Ermittlungen und wurde mir schnell sympathisch. Ihre Kollegen hingegen geben Heidi und dem Leser Rätsel auf. Der brisante Fall und ein zweiter Handlungsstrang rund um den Tod ihres Vorgängers konnten mich fesseln. Gerne empfehle ich diesen deutschen Kriminalroman weiter und vergebe sehr gute vier Sterne.

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113 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 19 Rezensionen

elefant, gentechnik, genmanipulation, zirkus, diogenes

Elefant

Martin Suter
Fester Einband
Erschienen bei Diogenes, 18.01.2017
ISBN 9783257069709
Genre: Romane

Rezension:

Eines Tages entdeckt der obdachlose Alkoholiker Schoch in seiner Schlafhöhle am Fluss einen kleinen rosaroten Elefanten, der im Dunkeln leuchtet. Ob er besser mit dem Trinken aufhören sollte? Doch am nächsten Tag ist der Elefant immer noch da. Er ist keine Halluzination, sondern das Projekt von Dr. Roux, der mit seiner außergewöhnlichen Forschungen zur Genmanipulation auf wissenschaftlichen und kommerziellen Erfolg hofft. Doch nicht alle Mitwisser teilen seine Vorstellung. Sollte dieses besondere Lebewesen nicht verehrt und versteckt werden, statt als Forschungsobjekt im Labor zu landen? Der kleine Elefant wirbelt das Leben der freiwillig und unfreiwillig Involvierten gehörig durcheinander und lässt sie große Entscheidungen treffen.

Der rosa Elefant auf dem Buchcover weckte schnell meine Neugier. Was passiert wohl, wenn Menschen unverhofft auf so einen außergewöhnlichen, ganz und gar lebendigen Elefanten treffen? Gleich zu Beginn lernt der Leser den Obdachlosen Schoch kennen. Er hält seine Sichtung des Elefanten für eine Sinnestäuschung und folgt erst einmal seiner täglichen Routine, bevor er merkt, dass es sich um ein echtes Lebewesen handelt.

Der Autor gibt authentische Einblicke in das Leben des alkoholabhängigen Obdachlosen. Eindringlich beschreibt er die tägliche, immer gleiche Gedankenspirale, woher man etwas zu essen bekommt, wo und mit wem man sich zum Trinken trifft bis hin zu einem Tagesabschluss, der im Rausch zu einer verschwommenen, kaum greifbaren Erinnerung wird. Doch der kleine Elefant gibt Schoch eine neue Aufgabe. Sein Versuch, ihm zu helfen, gibt ihm Verantwortung und zwingt zum Umdenken. Ob er dem kleinen Lebewesen zugunsten mit seiner Routine brechen kann? Dank ausführlicher Einblicke in seine Gedankenwelt konnte ich sein Handeln nachvollziehen und erwartete mit Spannung seine nächsten Schritte.

Parallel zum Fund des Elefanten durch Schoch wird erzählt, wie es überhaupt zu dessen Existenz kam. Hier hat der Autor ausführlich recherchiert und gibt umfassende Einblicke in die zahlreichen Schritte der Genmanipulation. Sogenannte Glowing Animals sind heute schon Realität und Gegenstand kontroverser Diskussionen. Dr. Roux geht insofern „nur“ einen Schritt weiter, als dass er mit dem Elefanten ein Tier wählt, das aufgrund seiner langen Fortpflanzungszyklen bisher eine untergeordnete Rolle in der Genmanipulation spielt und verschiedene angestrebte Eigenschaften kombiniert. Wer bislang nichts über die Befruchtung, das Austragen, die Geburt und die Aufzucht eines genmanipulierten Elefanten wusste, dem sei versprochen, dass sich das durch die Lektüre ändern wird.

Das Buch hat eine klare, präzise Sprache und trotz einiger Zeitsprünge konnte ich der Handlung mühelos folgen. Die Fortpflanzung in der Elefantenwelt braucht seine Zeit, und so streckt sich das Buch über einen längeren Zeitraum und hält bis auf wenige hektische Momente sein ruhiges Tempo vom Anfang bis zum Ende. Die Szenen, in denen der kleine Elefant umsorgt wird und seine Schritte in der großen Welt macht, haben einen echten Niedlichkeitsfaktor. Dieser stimmt umso nachdenklicher in Bezug auf die Frage, ob es so etwas wirklich geben sollte. Dr. Roux entwickelt sich zunehmend zum tragisch-komischen Charakter, sodass die Meinung des Autors zu dieser Frage nicht verborgen bleibt.

Auch wenn die nützlichen Aspekte der Genmanipulation zwischendurch kurz angerissen werden, ist das Geschehen im Buch so speziell, dass ein eher einseitiger Blick auf das Thema geboten wird. Ich hätte mir zudem noch ein mehr Konfrontation gewünscht. Die konträren Parteien sind leider die meiste Zeit darauf bedacht, nicht miteinander zu sprechen. Gerne hätte ich zum Beispiel erlebt, wie Dr. Roux seine Haltung gegenüber jemandem vertritt, der das Tier als heilig verehrt. Das Ende konnte mich schließlich mit seiner Originalität in Bezug auf das Schicksal der menschlichen Beteiligten und dem von mir schon früh erwarteten Schicksal des Elefanten zufriedenstellen.

Ein Elefant ist ein Elefant, auch wenn er aufgrund einer Wachstumsstörung winzig ist, außerdem rosa und im Dunkeln leuchtend. Ein Tier also, das sich bedächtig und mit Anmut bewegt und dem man mit einer gewissen Ehrfurcht begegnet. So las sich auch das Buch, welches in ruhigem Tempo das höchst aktuelle Thema der Genmanipulation aufgreift und ganz unterschiedliche Menschen und ihre Einstellungen auf das Elefäntchen treffen lässt. Umfassende und authentische Einblicke in die Welt der Elefanten und der Obdachlosigkeit runden das Buch gelungen ab. Ein Buch für alle, die sich fragen, was in der Welt der Gene möglich ist und ob es auch umgesetzt werden sollte.

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620 Bibliotheken, 18 Leser, 1 Gruppe, 135 Rezensionen

fantasy, marie lu, jugendbuch, young elites, verrat

Young Elites - Die Gemeinschaft der Dolche

Marie Lu , Sandra Knuffinke , Jessika Komina
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Loewe, 16.01.2017
ISBN 9783785583531
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Adelina war vier Jahre alt, als in ihrer Heimat Kenettra das Blutfieber wütete. Alle erkrankten Erwachsenen starben, während die Kinder gezeichnet zurückblieben. Während Adelinas Mutter der Krankheit erlag, hat sie selbst ein Auge verloren und ihr schwarzes Haar ist silbern geworden. Ein Makel, wegen dem sie zehn Jahre später als beschädigte Ware gilt, die ihr Vater loswerden will. Als die Situation eskaliert, brechen merkwürdige Kräfte aus Adelina hervor. Gehört sie etwa zur Elite, den wenigen Gezeichneten, die durch die Krankheit eine besondere Gabe erworben haben? Bald wird sie von anderen kontaktiert, die sind wie sie. Und sie verfolgen kein geringeres Ziel, als den König zu stürzen…

Nachdem mich die Legend-Trilogie von Marie Lu begeistern konnte, habe ich mich riesig über die Nachricht gefreut, dass der Auftakt ihrer zweiten Trilogie ins Deutsche übersetzt wird. Das Cover zeigt ein Mädchen mit silbernen Haaren wie denen Adelinas und ihre Augen sind verdeckt, in Anlehnung an ihr linkes fehlendes Auge. Die Verbindung zur Protagonistin ist also gelungen, dennoch passt das Cover für mich nicht zu recht zur actionreichen, düsteren Story. Für mich war der Autorenname aber das Leseargument schlechthin, sodass ich neugierig in die fremde Welt eintauchte.

Das Buch ist von der ersten Seite an spannend, denn Adelina offenbart dem Leser gleich zu Beginn, dass sie auf ihre Hinrichtung wartet. Wie es so weit kommen konnte, erfährt man in einer Rückblende. In dieser wird das Blutfieber und seine Folgen erklärt, sodass ich schnell ein Grundverständnis der Welt erwarb. Außerdem erfährt man mehr über Adelinas Beziehung zu ihrem Vater und ihrer Schwester und wie es zur Eskalation der Situation und dem Hervorbrechen ihrer Illusionskräfte kommen konnte. Nach einem kurzen Luftholen wird es dann actionreich mit dem ersten Auftreten der Dolche, die allesamt besondere Fähigkeiten haben, zum Beispiel Feuer oder Wind zu kontrollieren.

Mir hat die Grundidee der Welt sehr gefallen. Wenige Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten auszustatten ist sicherlich nicht sonderlich innovativ, doch ich fand die Kombination mit dem Blutfieber, den grundsätzlich in Ungnade gefallenen Gezeichneten und den Geheimnissen rund ums Königshaus gelungen. Marie Lu legt zudem besonderen Wert darauf, zu zeigen, dass es nicht nur schwarz und weiß gibt, sondern vieles dazwischen. Keiner der Charaktere ist nur gut oder böse. Der Anführer der Gemeinschaft der Dolche zum Beispiel will die Situation der Gezeichneten durch den Sturz des Königs grundsätzlich verbessern, greift aber nicht ein, wenn Gezeichnete ohne Fähigkeiten verfolgt oder sogar umgebracht werden. Und er ist auch bereit, seinesgleichen zu töten, sollten sie eine Gefahr darstellen. Der in dieser Hinsicht zwiespältigste Charakter ist aber Adelina selbst. Sie möchte sich unbedingt nützlich machen, doch in ihr lauert eine Dunkelheit, die sie außer Kontrolle geraten könnte. Immer wieder trifft sie Entscheidungen, die ich nicht gutheißen konnte, während die Gründe für mich nachvollziehbar waren.

Das Buch konnte mich so fesseln, dass ich es in kürzester Zeit gelesen habe. Immer wieder kommt es zu brenzligen Situationen, die bewältigt werden müssen. Ich erlebte die Entstehung neuer Freundschaften und Bündnisse genauso wie Intrigen und Verrat. Die Handlung bleibt überschaubar und fokussiert sich ganz auf Adelina und ihre wachsenden Kräfte sowie den Plan der Gemeinschaft der Dolche. Immer wieder kommt es zu spannenden Highlights, welche die Handlung in eine neue Richtung lenken. Das Finale des Buches übertrifft diese schließlich noch mal um ein Stück und eröffnet völlig neue Möglichkeiten. Ich freue mich schon jetzt auf den nächsten Band. Ganz besonders neugierig hat mich ein neuer Charakter gemacht, der auf den letzten Seiten eingeführt wird. Auf welche Weise wird er wohl ins Geschehen eingreifen?

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381 Bibliotheken, 12 Leser, 1 Gruppe, 58 Rezensionen

newt scamander, harry potter, zauberer, phantastische tierwesen, phantastische tierwesen und wo sie zu finden sind

Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind: Das Originaldrehbuch

J.K. Rowling , Anja Hansen-Schmidt
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 14.01.2017
ISBN 9783551556943
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Der Zauberer Newt Scamander reist in New York ein. Im Gepäck hat er einen magischen Koffer voller Tierwesen, um die er sich kümmert. Dieser wird ihm schon bei seinem ersten Gang durch die Stadt zum Verhängnis: Ein Niffler, der mit Vorliebe alles Glänzende in seine Bauchtausche stopft, bricht aus dem Koffer aus und geht ausgerechnet in einer Bank auf die Jagd. Beim Einfangen verwechselt Newt seinen Koffer mit dem eines No-Majs, und dann wird auch noch eine Mitarbeiterin des magischen Kongresses auf seine Verstöße gegen Zaubereiartikel aufmerksam. Unterdessen hinterlässt ein unbekanntes Wesen eine Spur der Verwüstung in der Stadt…

Den Film „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ habe ich im Dezember im Kino gesehen. Über die Ankündigung, dass das Originaldrehbuch veröffentlicht wird, habe ich mich deshalb sehr gefreut. Ich finde es zwar schade, dass J.K. Rowling keinen Roman daraus gemacht hat. Dennoch hatte ich große Lust darauf, mit dem Buch noch einmal in die magische Welt einzutauchen. Die Aufmachung des Buches finde ich total gelungen. Es ist einfach ein echter Hingucker, und zwar sowohl außen als auch innen. Das Designstudio MinaLima hat hier ganze Arbeit geleistet und konnte mich bei der Lektüre mit seinen schönen, schwarz-weißen Illustrationen der Tierwesen begeistern.

Im Buch sind alle Dialoge des Films plus Regieanweisungen abgedruckt. So war ich schnell wieder mitten in der Geschichte und erlebte erneut Newts unterhaltsame Ankunft in New York. Ich fand es hilfreich, zuerst den Film gesehen zu haben. Zum Beispiel hatte ich die Miene des Zollbeamten, der einen Blick in Newts auf „muggelgerecht“ eingestellten Koffer wirft, noch gut in Erinnerung. Dadurch war die Szene beim Lesen noch viel unterhaltsamer. Aus den kurzen Regieanweisungen wird erst durch Mimik und Gestik der Schauspieler, den Kulissen und Animationen eine lebendige, fesselnde Geschichte. Hat man diese noch im Kopf, dann ist das Drehbuch eine tolle Erinnerungshilfe.

Besonders gut fand ich, dass mir durch die Regieanweisungen noch mal Kleinigkeiten aufgefallen sind, die ich im Film gar nicht bemerkt habe oder schon wieder vergessen hatte. Außerdem enthalten die Anweisungen immer wieder Charakterisierungen bestimmter Figuren, zum Beispiel „ein wichtigtuerischer Paragrafenreiter“, die mich zum Schmunzeln brachten. Fans entdecken so noch einmal neue Seiten am Film, die das zweite Anschauen noch interessanter machen.

Auch zur Handlung selbst möchte ich noch ein paar Worte verlieren: Ich fand New York als Schauplatz klasse, denn so erfährt man endlich mal etwas über die Welt der Zauberer auf der anderen Seite des großen Teichs. Das magische Amerika ist deutlich konservativer als England, und die anderen Regeln und Begrifflichkeiten fand ich interessant. Newts Geschichte wird durch die ausgebüxten Tierwesen schnell rasant und amüsant. Mit dem No-Maj Jacob und den Hexen Tina und Queenie hat die Autorin sympathische Nebencharaktere mit amüsanten Ecken und Kanten geschaffen.

Am meisten gefallen haben mir alle Szenen, die sich rund um die Tierwesen drehten. Hier kann der Film mit spektakulären Animationen punkten. Schade fand ich hingegen, dass den Liebesgeschichten nicht so viel Platz eingeräumt wird. Außerdem wurde die unterhaltsame, lockere Geschichte an einen bestimmten Punkt plötzlich sehr ernst und es werden Entscheidungen getroffen, die mich schockierten. Der krasse Wechsel kam für mich zu schnell. Nachdem ich mich darauf eingestellt hatte, konnte mich das erhöhtes Tempo und eine große Überraschung noch mal so richtig fesseln. Das Ende war bittersüß und lässt einiges offen, vermutlich bereits mit Blick auf die geplanten Fortsetzungen.

Das Originaldrehbuch von „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ ist bestens dazu geeignet, nach dem Anschauen des Films noch einmal in dessen magische Welt abzutauchen. Mit den Bildern im Kopf konnte ich die Szenen nochmals durchleben und in den Regieanweisungen schmökern, die immer wieder interessante Details oder Interpretationen boten. Leser sollten allerdings ihre Erwartungen richtig stecken: Das ist kein neuer Roman, sondern ein Drehbuch mit Illustrationen. Ein Drehbuch, das bei allen Potterheads nicht im Regal fehlen sollte!

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335 Bibliotheken, 7 Leser, 1 Gruppe, 58 Rezensionen

cassandra clare, magisterium, magie, holly black, band 3

Magisterium - Der Schlüssel aus Bronze

Cassandra Clare , , Holly Black , Anne Brauner
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 14.10.2016
ISBN 9783846600283
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Kurz vor dem Beginn des dritten Schuljahres werden Callum und seine Freunde ins Präsidium eingeladen. Dort findet eine Feier ihnen zu Ehren statt, weil jeder denkt, dass sie den Feind des Todes endgültig besiegt hätten. Doch auf der Feier geht alles schief: Erst wird ein Mordanschlag auf Callum verübt, dann wird eine Schülerin ermordet aufgefunden. In den eigenen Reihen muss es einen Spion geben, der vermutlich auch schon für die Freilassung von Automotones im letzten Schuljahr verantwortlich war. Kann er enttarnt werden?

Das dritte Buch der fünfteiligen Reihe startet unbeschwert. Aaron und Callum haben den Sommer gemeinsam bei Alastair verbracht und konnten sich entspannen. Call zählt endlich keine Kriegstreiber-Punkte mehr, auch wenn er sich mit dem Gedanken, Constantine Maddens Seele zu tragen, weiterhin nicht so recht arrangieren kann. Nach dem kurzen ruhigen Auftakt geht es zur Feier ins Präsidium, wo es schnell spannend wird.

Mit dem Mordanschlag auf Call und der Ermordung einer älteren Schülerin wird die Frage aufgeworfen, wer in den eigenen Reihen ein Verräter und Mörder ist. Das Präsidium verspricht, den Spion zu suchen. Call, Aaron und Tamara wollen aber auch auf eigene Faust Nachforschungen anstellen. Das Dreiergespannt plus Jasper als nervig-amüsante Nummer Vier hat mir wieder sehr gut gefallen. Die Drei können sich aufeinander verlassen, sowohl im Unterricht als auch in brenzligen Situationen. Und Jaspers Sprüche eignen sich immer wieder bestens dazu, die Atmosphäre aufzulockern.

Irgendwie scheint niemand so recht zu wissen, wie der Spion denn nun enttarnt werden soll. Von den Bemühungen des Präsidiums bekommt man als Leser quasi gar nichts mit. Call und seine Freunde wagen halbherzige Versuche, die aber nicht sonderlich durchdacht sind. Weitere Aktionen des Spions zeigen, dass die Gefahr akut ist. Unterdessen geht der Unterricht am Magisterium normal weiter und man erhält wieder einige Einblicke in den Magieunterricht. Besonders interessant fand ich die Lektionen in Chaosmagie, die Call und Aaron erhalten. Tamara ist hier etwas außen vor, doch sie macht eine Entdeckung, die sie sehr ins Grübeln bringt und noch mal ein neues Licht auf die Welt der Magie wirft.

Wie bei seinen Vorgängern verflogen die Seiten des nicht allzu dicken Buches im Nu und die Spannung nahm kontinuierlich zu. Call, Aaron und Tamara wagen größere Vorstöße in Sachen Spion, bei denen sie sich für Vierzehnjährige aber sehr naiv und leichtgläubig verhalten und offensichtliche Hinweise übersehen. Auf den letzten Seiten wird das Buch schließlich sehr dunkel und plötzlich ging alles viel zu schnell. Geschockt verfolgte ich die Ereignisse und bevor ich so recht wusste, wie mir geschah, war die letzte Seite auch schon gelesen. Jetzt brenne ich darauf, im vierten Band mehr zu erfahren.

In „Magisterium. Der Schlüssel aus Bronze“ hat es ein Spion auf Callum abgesehen. Kann das Präsidium ihn enttarnen, oder gelingt das Call und seinen Freunden auf eigene Faust? Es gab zahlreiche spannende und unterhaltsame Momente. Doch gleichzeitig kommt die Suche nach dem Spion nicht so recht voran, Call und seine Freunde verhalten sich sehr naiv und das Buch endet nach düsteren letzten Seiten abrupt. Ich fand diesen Band etwas schwächer als seine Vorgänger und vergebe gute drei Sterne.

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212 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 108 Rezensionen

cornwall, thriller, minen, psychothriller, weihnachten

Stiefkind

S. K. Tremayne , Susanne Wallbaum
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.12.2016
ISBN 9783426516621
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Rachel scheint das große Los gezogen zu haben: Nach nur einem Monat Beziehung hat sie David geheiratet. Während sie aus einfachen Verhältnissen stammt, besitzt der erfolgreiche Anwalt ein großes Herrenhaus in Carnhallow, Cornwall und hat mit Jamie einen Sohn, den sie gleich ins Herz schließt. Rachel zieht ins Carnhallow House ein und will dort die Restaurationsarbeiten von Davids verstorbener Frau Nina weiterführen. Doch während David nur am Wochenende da ist und sonst in London arbeitet und lebt, benimmt sich Jamie immer seltsamer. Er glaubt, seine Mutter zu sehen, macht seltsame Vorhersagen und teilt Rachel schließlich mit, dass sie an Weihnachten tot sein wird. Rachel wirft dies völlig aus der Bahn. Gleichzeitig beginnt sie, die Todesumstände von Nina zu hinterfragen und stößt auf Ungereimtheiten…

Nachdem mich bereits der erste Psychothriller von S.K. Tremayne, „Eisige Schwestern“, unterhalten konnte, war ich nun gespannt auf die neue Geschichte aus der Feder des Autors. Der Klappentext versprach erneut ein Familiendrama. Auf den ersten Seiten wirkt noch alles im Lot, geradezu perfekt. Rachel hat ihren Mann nach nur vier Wochen Beziehung geheiratet, sie haben eine tolle Hochzeitsreise erlebt und jetzt zieht sie zu ihm ins Herrenhaus nach Cornwall. Sie freut sich sehr auf ihr neues Leben an Davids Seite, als Stiefmutter von Jamie und in Carnhallow Hose. Voller Tatendrang beginnt sie, sich mit dem Thema Restaurierung auseinanderzusetzen, um eine Aufgabe zu haben.

Nachdem man an Rachels Seite ihr neues idyllisches Leben kurz genießen durfte, kommt es zu ersten Ungereimtheiten. Immer wieder fühlt sich Rachel in dem großen Haus unwohl. Doch sie ist fest entschlossen, dort glücklich zu werden. Das wird ihr durch Jamies zunehmend merkwürdiges Verhalten nicht leichter gemacht. Warum reagiert er auf Rachel nicht mehr zu ungezwungen wie zu Beginn? Hat er wirklich seine Mutter gesehen? Rachels beharrliche Nachforschungen zum Tod Ninas bringen schließlich alles aus dem Lot, denn dieses Thema ist für David ein absolutes No Go. Immer wieder wandern die Blicke und Gespräche zur nahegelegenen Morvellan Mine, wo Nina in den Schacht gestürzt und ertrunken ist. Die Atmosphäre des Buches wurde zunehmend beklemmender.

Im Vorwort erwähnt der Autor, dass das Buch in Gedenken an seine kornischen Vorfahren entstanden ist. Bei der Lektüre erfährt man so einiges über die Geschichte der Minen und wie die Leute in so einem abgelegenen Fleck früher zurechtkamen. Diese interessanten Informationen werden unaufdringlich in die Story eingebunden, zum Beispiel indem Jamie vom Schulunterricht erzählt oder Davids an Alzheimer erkrankte Mutter in die Vergangenheit blickt.

Das Vertrauen von Rachel und David zueinander bröckelt allmählich und beide zeigten zunehmend ihre hässlichen Seiten. Als Leser brannte ich weiterhin auf Antworten, die nur spärlich geliefert werden. Das Tempo des Buches ist sehr ruhig und fokussiert sich auf die psychologische Verfassung der Handelnden. Niemand von ihnen scheint mehr ausgeglichen zu sein und ich fragte mich, zu welchen Schritten sie einander treiben werden. Die Situation eskaliert schließlich und dem Leser wird eine Abwärtsspirale geboten, bei dem die bedrückende Anspannung stetig stieg bis hin zu einem Finale, in dem alles auf dem Spiel steht. Die Geheimnisse werden schließlich gelüftet und liefern lang erwartete Erklärungen, mit denen ich allerdings aufgrund ihrer mystischen Komponente nicht hundertprozentig zufrieden war.

„Stiefkind“ ist eine dramatische Geschichte, die in ruhigen Tönen erzählt wird und beklemmende Einblicke in die psychische Verfassung der Charaktere gibt. Die Idylle von Rachels perfektem neuen Lebens bröckelt Stück für Stück. Warum glaubt Jamie, seine Mutter zu sehen? Welche Geheimnisse hüten Daniel und Rachel? Wer das Debüt des Autors mochte oder sich für die Abgründe der menschlichen Psyche interessiert, der sollte das Buch unbedingt lesen!

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(70)

90 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 69 Rezensionen

rom, thriller, serienmörder, mord, krebs

Schattenkiller

Mirko Zilahy , Katharina Schmidt , Barbara Neeb
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 09.12.2016
ISBN 9783404174201
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Eigentlich ist Enrico Macini, Beamter bei der Kriminalpolizei Monte Sacro in Rom und international bekannter Profiler, mit dem Fall des verschwundenen Dottor Carnevali beschäftigt. Dieser Fall ist für ihn persönlich wichtig, war Carnevali doch der behandelnde Onkologe seiner Frau Marisa, die den Kampf gegen den Krebs kürzlich verloren hat. Doch dann werden kurz nacheinander drei Menschen bestialisch ermordet und verstümmelt. Handelt es sich um Ritualmorde? Warum findet man keine Spuren? Und was hat es mit den Gegenständen auf sich, die der Mörder im Körper der Toten hinterlässt? Der Fall wird Macini übertragen, der widerwillig mit den Ermittlungen beginnt. Kann er den Mörder finden und aufhalten?

Ein italienischer Autor, der bislang englische Bücher in seine Heimatsprache übersetzt hat und dessen Debüt in Italien auf der Bestsellerliste landete - das weckte meine Neugier auf den Thriller „Schattenkiller“, der in Rom angesiedelt ist. Das dunkle Cover zeigt den regennassen Boden, in dem sich ein Gasometer spiegelt. Eine gelungene Anspielung auf den Dauerregen während der Geschichte und den Fundort einer Leiche. An diesen Ort begleitet der Leser schon auf den ersten Seiten ein Straßenkind. Der Junge hat seinen Schlafplatz beim Gasometer und entdeckt dort den Toten. Doch der Mörder scheint noch da zu sein…

Nach diesem beklemmenden Start lernt man Enrico Macini kennen, der im Fall des verschwundenen Arztes Carnevali ermitteln möchte, stattdessen aber zum Fundort einer ermordeten Frau gerufen wird. Seine anfängliche Hoffnung, dass es sich um eine Einzeltat handelt, um die sich jemand anderes kümmern kann, muss er aufgeben, als bald zwei weitere Tote gefunden werden. Ausführlich wird beschrieben, wie die verstümmelten Toten aufgefunden werden. Szenen aus Sicht der Opfer, die man nachträglich zuordnen kann, sorgen für zusätzlichen Gänsehautfaktor. Zusätzlich nimmt sich der Autor Zeit, die Fundorte und ihre Geschichte ausführlich zu beschreiben. Und auch den gequälten Macini lernt man schnell besser kennen. Er hat den Tod seiner Frau noch nicht verarbeitet, greift zur Flasche, neigt zu Wutanfällen und zweifelt an seinen eigenen Kompetenzen. Ein schwieriger Charakter also, denn zu begleiten auch mal anstrengend werden konnte.

Die Ermittlungen schreiten unterdessen nur langsam voran, Stück für Stück kommt Macini mit seinem Team zu neuen Erkenntnissen. Es finden einige Befragungen des Umfelds der Opfer statt und die wenigen vorhandenen Spuren werden gesichert. Im Fokus steht aber, ein Profil des Täters zu erstellen und seine Motive aufzudecken. Diesen Ansatz fand ich interessant, in der Konsequenz sind die Ermittlungen aber lange Zeit ruhig und diskussionslastig. Gelegentliche Perspektivenwechsel zu Macinis Teammitgliedern waren eine gute Abwechslung, die neue Blickwinkel mit sich brachte. Regelmäßige Wiederholungen des Ermittlungsstandes sorgten außerdem dafür, dass ich den Überblick behielt, und zeigten gleichzeitig, wie wenig eigentlich bekannt ist.

Immer wieder verliert sich die Geschichte in Macinis Grübeleien, während der Täter den Ermittlern drei Schritte voraus scheint. Nach den umfassenden Analysen aller Spuren wirkt die Lösung des Rätsels schließlich fast zu einfach. Doch mit der Enttarnung des Mörders ist es noch nicht getan. Stattdessen nimmt die Geschichte an Fahrt auf und bietet dem Leser ein atemloses Finale. Hier hat der Autor noch einmal alles aus seiner Geschichte herausgeholt. Für mich waren diese letzten Kapitel die spannendsten des Buches und ein gelungener Abschluss.

In „Schattenkiller“ werden kurz nacheinander mehrere verstümmelte Leichen in Rom gefunden. Der Polizist und Profiler Macini, der gedanklich und emotional den Tod seiner Frau noch nicht verarbeitet hat, übernimmt die Ermittlungen. Beklemmende Beschreibungen der Morde und Leichenfunde sowie Einblicke ins gequälte Innenleben Macinis dominieren die Atmosphäre. Ein düsterer Thriller, der mich vor allem mit seinem spannenden Abschluss unterhalten konnte. Ich vergebe knappe vier Sterne.

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521 Bibliotheken, 9 Leser, 1 Gruppe, 104 Rezensionen

fantasy, sabaa tahir, jugendbuch, liebe, laia

Elias & Laia - Eine Fackel im Dunkel der Nacht

Sabaa Tahir , Barbara Imgrund
Fester Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 11.11.2016
ISBN 9783846600382
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Elias und Laia ist es gelungen, gemeinsam zu fliehen. Sie nutzen den Aufstand der Kundigen, um unentdeckt zu bleiben. Doch zahlreiche imperiale Soldaten und die Kommandantin höchstpersönlich sind ihnen auf den Fersen. Das gemeinsame Ziel der beiden ist Kauf, wo sie Laias Bruder, der als einziger Kundiger das Geheimnis des Serrastahls kennt, befreien wollen. Aber der Weg dorthin ist weit, und bald kommt es zu unerwarteten Problemen. Unterdessen erhält Helena als Blutgreif einen Auftrag, der sie vor ein schweres Dilemma stellt. Und der Imperator hat genauso wie die Kommandantin seine eigenen, geheimen Pläne…

Der zweite Teil der Reihe startet da, wo der erste Band endete. Elias und Laia ist die Flucht gelungen. Jetzt hasten sie durch die Stadt, um im Tumult der Aufstände einen Weg hinaus zu finden. Doch ihre Verfolger sind ihnen dich auf den Fersen. Von der ersten Seite an hat mich die temporeiche Handlung gepackt und mitgerissen. Um zu verstehen, was überhaupt passiert, sollte man die Geschehnisse des ersten Bandes noch gut im Kopf haben, denn bei diesem atemlosen Beginn bleibt sehr wenig Zeit für eine Rekapitulation. Früh kommt es zu einem entscheidenden Kampf, der eine Art Wegweiser für den Rest des Buches ist.

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Perspektive von Elias, Laia und Helena berichtet. Elias und Laia haben einen sehr weiten Weg nach Kauf vor sich, bei dem es zu verschiedensten Komplikationen kommt. Immer wieder gibt es Rückschlägen und es ist nicht klar, ob sie überhaupt weiterziehen können oder das Schicksal andere Pläne für sie hat. Helena muss sich unterdessen entscheiden, ob sie ihren eigenen Überzeugungen folgen oder ihre Familie retten will. Beides geht nicht, so viel steht fest. Im Auftrag des Imperators reist sie mit dringenden Befehlen quer durchs Land.

Zwischendurch scheint es so, als wären alle unterwegs ohne die geringste Chance, am Ziel anzukommen. Wegweisende Ereignisse sind eine Weile lang rar gesät. Dafür passiert aber unglaublich viel auf der zwischenmenschlichen Ebene. Alles dreht sich um Vertrauen und Verrat. Die Charaktere müssen entscheiden, wem gegenüber sie offen sein können und wer mit ihnen ein Spiel spielt, dessen Regeln sie kennen und befolgen müssen. Ich lernte die Gedankenwelt der Charaktere immer besser kennen, überlegte mit, was wohl der beste nächste Schritt ist, und drückte die Daumen, dass die Entscheidung die richtige war.

In Sachen Action und Brutalität steht die Story dem Reihenauftakt in nichts nach. Es wird wieder gefoltert, gekämpft bis zum Tod und (Massen-)Hinrichtungen sind keine Seltenheit. Auch wenn mir die Schonungslosigkeit der Schilderungen schon aus dem Auftakt bekannt war, gingen mir einige Szenen wirklich an die Nieren. Es passieren so viele Ungerechtigkeiten, die ich nicht hinnehmen wollte und die mich umso stärker hoffen ließen, dass sich irgendwie doch noch etwas Gutes aus all dem ergibt. Ich freute mich mit den Protagonisten über kleine Erfolge und war genau wie sie zunehmend bereit, bei den angestrebten Zielen Kompromisse hinzunehmen. Das ist bei all den Niederlagen, die sie hinnehmen müssen, auch bitter nötig. Denn eigentlich kann es bei all dem Irrsinn, der geschieht, nur Verlierer geben.

Während des Auf und Abs der Gefühle, das ich bei der Lektüre durchlebte, schmolz die verbleibende Seitenzahl nur so dahin. Im letzten Drittel kommt es zu aufsehenerregenden Enthüllungen und Ereignissen, welche der Story noch einmal neuen Schwung verliehen und mich bestens unterhalten konnten. Viel zu schnell kam die Geschichte zu einem emotionalen Ende. Dieses rundet das Buch gelungen ab. Gleichzeitig ist im Hinblick auf das große Ganze noch so viel zu tun, dass ich mich sehr auf die beiden weiteren Bände der Reihe freue, deren Veröffentlichung leider noch eine ganze Weile dauern wird.

„Elias & Laia. Eine Fackel im Dunkel der Nacht“ konnte mich von Beginn an mitreißen. Dem Leser wird eine temporeiche Story geboten, die nichts für schwache Nerven ist. Doch auch das Zwischenmenschliche kommt nicht zu kurz und ich erlebte so manche emotionale Szene. Zwischendurch habe ich wegweisende Ereignisse vermisst, doch schnell konnten mich die Entwicklungen wieder fesseln und ich fühlte mich insgesamt bestens unterhalten. Eine starke Fortsetzung dieser düsteren, vielfältigen Fantasy-Reihe!

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24 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

pralinen, verlag: montlake, liebesroman, lovestory, familie

Wenn Liebe nach Pralinen schmeckt

Emily Bold
Flexibler Einband: 298 Seiten
Erschienen bei Montlake Romance, 18.10.2016
ISBN 9781503940468
Genre: Liebesromane

Rezension:

Amy Bishop leitet die Pralinenfabrik „Archers Original Sweets“ in Frisco, Colorado. Diese hat sie von ihrem Großvater geerbt. Doch seit einiger Zeit geht es der Fabrik schlecht. Ein großer Konkurrent aus Chicago hat viele Firmenanteile gekauft und die Produktion des Verkaufsschlagers bereits in die eigenen Hallen verlegt. In Form von Ryan Scandrik wird nun ein Wirtschaftsberater zur Effizienzsteigerung nach Frisco geschickt. Das riecht nach Entlassungen, die Amy nicht gewillt ist hinzunehmen. Wie eine Löwin kämpft sie für die Zukunft der Firma. Wenn der unsympathische Ryan nur nicht so gut aussehen würde! Bei ihrer älteren Freundin Kiki sucht Amy Rat. Doch diese reagiert zurückhaltend, denn sie hat selbst ein Geheimnis, das sich um die Fabrik und Amys Großvater dreht…

Das schokoladige Cover des Buches mit pinken Akzenten verspricht dem Leser eine zuckersüße Liebesgeschichte. Und auch die Definition des Wortes Praline sowie ein Zitat zu derselben machten gleich zu Beginn der Lektüre Lust auf etwas Süßes. Auf den ersten Seiten lernt der Leser die Protagonistin Amy Bishop kennen. Sie hängt sehr an der vom Großvater geerbten Firma und brütet nächtelang über Plänen, wie diese wieder ordentliche Gewinne einfahren könne. Aktuell sieht die Lage der Firma alles andere als rosig aus, weshalb sich Besuch der „Sugar-Tale-Corporation“ angekündigt hat, die inzwischen viele Firmenanteile besitzen. Sehr gut konnte ich nachvollziehen, warum Amy so am Lebenswerk ihres Großvaters hängt. Bald betritt der Wirtschaftsberater Ryan die Bühne. Das erste Aufeinandertreffen der beiden ist zugleich witzig und explosiv und ich war gespannt, wie das Verhältnis der beiden sich in der folgenden Zeit entwickeln wird.

Positiv überrascht hat mich die Tiefe dieser Liebesgeschichte. Zwar fällt Amy früh auf, dass Ryan ziemlich attraktiv ist. Doch gleichzeitig kämpft Amy für die Firma und die Angestellten, brütet über neuen Verkaufsideen und wirtschaftlichen Strategien. Die Autorin findet hier genau das richtige Maß an Detailliertheit, damit man Amys Gedankengänge nachvollziehen und mitüberlegen kann, aber der Schwung der Story nicht verloren geht. Auch die Leidenschaft für Pralinen wird immer wieder thematisiert und mir lief das Wasser im Mund zusammen, wenn Amy sich an die Herstellung und das Abschmecken der süßen Naschereien machte. Außerdem spielt die Freundschaft im Buch eine fast noch wichtigere Rolle als die Liebe. Amy verbringt viel Zeit mit ihren Freundinnen, die Ratschläge geben, emotional unterstützen und auch selbst ihr Päckchen zu tragen haben.

Am meisten erfährt der Leser über Amys Freundschaft zu Kiki, die im Alter ihres Großvaters ist. Dieser hat Amy vor seinem Tod das Versprechen abgenommen, Kiki jeden Tag eine Praline zu bringen. Aber wieso eigentlich? Ein zweiter Erzählstrang gibt Einblicke in Kikis Vergangenheit und erzählt eine bittersüße Liebesgeschichte, die ihr Verhalten in der Gegenwart nach und nach erklärt. Diese Kapitel fügen sich nahtlos in die Geschichte ein und haben mich berühren können.

In der Gegenwart erlebt der Leser an Amys Seite ein wahres Auf und Ab der Gefühle. Amy ist gut im planen, lässt sich dann aber immer wieder von ihren Gefühlen überwältigen. Ryan ist gleichzeitig schwer einzuschätzen. Will er wirklich helfen oder tut er nur so? Und wie soll Amy damit umgehen, dass es zunehmend knistert, wenn sie auf ihn trifft? Auch wenn vorhersehbar war, wohin sich die Geschichte grundsätzlich entwickeln wird, wurde ich immer wieder von den Wegen überrascht, die sie dabei einschlägt. Es machte mir Spaß, in die Handlung einzutauchen, welche viel zu schnell zu einem gelungenen Ende kam.

„Wenn Liebe nach Pralinen schmeckt“ bietet ein kurzweiliges und unterhaltsames Lesevergnügen. Die Protagonistin Amy kämpft für die geerbte Pralinenfabrik, entwickelt eine Hassliebe zum vom Konkurrenten gesandten Wirtschaftsberater und sucht Hilfe und Trost bei ihren Freundinnen. Diese schöne, nicht zu kitschige Liebesgeschichte mit einer gewissen Tiefe empfehle ich nur zu gern an alle Leserinnen weiter, die Pralinen genauso gern naschen wie ich.

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fantasy, magier, magie, london, viktorianisches england

Die Magier Seiner Majestät

Zen Cho , Julia Becker
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 02.11.2016
ISBN 9783426519141
Genre: Fantasy

Rezension:

Zacharias Wythe ist der neue Königliche Magier Englands. Zuvor bekleidete sein Ziehvater den Posten, doch dieser ist unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen. Hat Zacharias ihn etwa ermordet? Derartige Gerüchte und die Tatsache, dass er der erste Schwarze in der Position ist, machen ihn alles andere als beliebt. Er wird das Opfer von Mordanschlägen, während man gleichzeitig versucht, ihn formal seines Amtes zu entheben. Grund genug für Zacharias, London erst einmal zu verlassen und der Frage nachzugehen, warum die Magie in England zunehmend schwindet. Auf seiner Reise begegnet er Prunella, die äußerst magiebegabt ist und gar nicht daran denkt, sich an die Regeln zu halten und als Frau dem Zaubern abzuschwören…

Das Cover des Buches gefällt mir sehr gut und hat sofort mein Interesse geweckt. Für mich passt es sehr gut zu einer magischen Geschichte, die im viktorianischen Zeitalter spielt. Ich war gespannt, ob mich der Text ebenso überzeugen kann wie seine Verpackung. Leider tat ich mich schwer damit, in die Geschichte hineinzufinden. Nach einem kurzen Prolog, der dem Leser zeigt, dass der Protagonist Zacharias schon als kleiner Junge äußerst magiebegabt war, macht die Geschichte einen großen Zeitsprung und man wird mitten hineingeworfen.

Zacharias ist erst vor kurzem zum Königlichen Magier geworden, worüber die meisten anderen Magier gar nicht begeistert sind. Dass sein Vorgänger als Geist nicht von seiner Seite weicht, verschweigt er. Und auch sonst hat er einige Geheimnisse, die immer wieder nur angedeutet werden. Die Regeln der magischen Gesellschaft, zum Beispiel wer sich Magier nennen darf und was das Schwinden der Magie überhaupt bedeutet, werden zudem erst nach und nach erklärt. So dauerte es eine ganze Weile, bis ich mich in der magischen Welt des Buches zurechtgefunden hatte.

Die Autorin versucht in dieser Geschichte, ihre Sprache an die der Bücher des viktorianischen Zeitalters anzupassen. Die Konversationen lesen sich förmlich und gestelzt, was zur Atmosphäre des Buches beiträgt. Doch immer wieder stolperte ich über verschachtelte Beschreibungen mit doppelten und dreifachen Verneinungen oder darüber, dass Prunella wenn sie allein ist ständig etwas „ausruft“. Hier hätte die Autorin einfachere Sätze und gleichzeitig abwechslungsreichere Ausdrücke wählen und trotzdem authentisch bleiben können.

Nach einem ruhigen Einstieg nimmt das Buch mit dem Auftreten Prunellas an Schwung auf.
Während Zacharias eher zurückhaltend ist und ich aus ihm nicht so richtig schlau wurde, macht Prunella keinen Hehl aus ihren Gedanken. Ich fand sie erfrischend ehrlich und ihre Beharrlichkeit zahlt sich bald aus. Neben der schwindenden Magie wird das Bestreben von Zacharias und Prunella, Frauen das Zaubern zu erlauben, zu einem wichtigen Thema. Prunella findet sich bald in einer Position wieder, in der sie selbst Druck ausüben kann. Sie denkt sehr pragmatisch, weshalb die gleichzeitige Suche nach einem wohlhabenden Ehemann für mich nicht so recht zu diesem ambitionierten und kreativ denkenden Charakter passte.

Nach der ersten großen Überraschung plätschert die Geschichte im Mittelteil eher vor sich hin. Es wird diskutiert und gestritten, Partys werden besucht und Intrigen geschmiedet. Alle sind mit Nachforschungen und Vorbereitungen beschäftigt. Die schwindende Magie bleibt dabei durchgängig Thema, zum Beispiel mit Einblicken in den Feenhof, der Diskussion um magische Vertraute oder dem wirklich amüsanten Auftreten eines entzürnten Hexenoberhaupts aus Fernost. Zum Ende hin werden dann endlich die lang gehüteten Geheimnisse feuerwerksgleich gelüftet. Werden alle liebgewonnenen Charaktere heil aus den Verstrickungen herauskommen? Die Ereignisse überschlagen sich bis hin zu einem recht abrupten Abschluss. Damit wird der Leser zum Glück nicht zurückgelassen. Der Epilog liefert dringend nötige Erklärungen nach und kratzt dabei ein wenig an der Grenze zum Kitsch. Insgesamt ein Abschluss, der mich zufriedenstellen konnte.

In „Die Magier seiner Majestät“ begleitet man den Königlichen Magier Zacharias und die magiebegabte Prunella, die als Frau eigentlich nicht zaubern darf. Während Zacharias nach dem Grund für die schwindende Magie forscht, kämpfen die beiden gleichzeitig um das Erreichen ihrer ganz persönlichen Ziele. Ich hatte leider einen schwierigen Start und stolperte immer wieder über die Formulierungen der Autorin, das Buch blieb für mich Mittelmaß. Wer in eine magische Geschichte eintauchen möchte, die aus dem viktorianischen Zeitalter stammen könnte, sollte diesem Buch trotzdem eine Chance geben.

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