Nachtschattenpflanze

Nachtschattenpflanzes Bibliothek

32 Bücher, 29 Rezensionen

Zu Nachtschattenpflanzes Profil
Filtern nach
32 Ergebnisse
Wähle einen Buchstaben, um nur die Titel anzuzeigen, die mit diesem beginnen.



LOVELYBOOKS-Statistik

(26)

30 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 25 Rezensionen

anschlag von rechts, flüchtlinge, rechtsextremismus, reiner engelmann, wahre begebenheit

Anschlag von rechts

Reiner Engelmann
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei cbj, 22.05.2017
ISBN 9783570174371
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Im vorliegenden Buch deckt Reiner Engelmann die Hintergründe zu einem tatsächlich stattgefundenen Anschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft auf, bei dem es glücklicherweise keinen Personenschaden gab. Dieses allerdings nur aus reinem Zufall, bewohnt war das Heim und es hätte genauso gut auch Tote geben können.

Der Autor berichtet aus der Sicht verschiedener Beteiligter in erzählender Form, es handelt sich hier also nicht um eine reine Dokumentation, sondern um eine Mischung aus den Geschichten der Personen und harten Fakten.

Nach dem Prolog, der eine Wanderung von Mitgliedern der Partei „Der dritte Weg“ beschreibt, erfährt der Leser die Lebensgeschichten einiger Flüchtlinge. Sie kommen aus Afghanistan, Somalia, Syrien, Pakistan und Simbabwe, und jede Familie hatte ihren eigenen Grund, sich auf den Weg zu machen. Immer waren es schwerwiegende, die das eigene Leben bedrohten oder wenigstens extrem einschränkten. Bei vielen war die Flucht gefährlich und voll unbekannter Risiken, die meisten hatten keine Ahnung, wohin der Weg sie führen würde. Alle landeten schließlich im deutschen Flüchtlingsheim in dem Ort P.

Hier leben auch die drei Protagonisten Robert, Matze und Beate.

Im zweiten Teil wird deren Geschichte beleuchtet, ihre Art zu denken, zu handeln und zu leben. Es ist ein naives Denken, geprägt von Perspektivlosigkeit, Wut, dem Wunsch nach Anerkennung, Alkohol und der gegenseitigen Aufstachlung. Die Massen an Fremden, die angeblich ganz Deutschland überschwemmen, bieten sich als Sündenbock hier geradezu an.

Der dritte Teil des Buches behandelt dann den Prozess nach dem Anschlag, die Aussagen der Täter und schließlich den Richterspruch samt Reaktionen darauf.

Wissenschaftlich fundiert rundet der Autor sein Werk mit einem Glossar und erkenntnisbringenden Fakten ab, sie beziehen sich auf die weltweite Flüchtlingssituation genauso wie auf das Problem des Rechtsradikalismus in Deutschland. Zahlen und Daten werden aufgeführt und Symbole erläutert, einen großen Teil nimmt auch die Musik der rechten Szene ein.

Dies zum Inhalt des Buches, und meine Zusammenfassung wird dem in keiner Weise gerecht. Reiner Engelmann hat hier ein Buch verfasst, das von jedem Heranwachsenden gelesen werden müsste, denn dann würden sie vielleicht verstehen, dass ihre Probleme ganz sicher nicht von den Geflüchteten verursacht werden. Sie würden die Menschen dahinter erkennen und durch ihre Geschichten vielleicht etwas wie Mitgefühl, wenigstens Verständnis, lernen. Und begreifen, dass unser reiches Land schlichtweg eine Verpflichtung zum Helfen hat.

An keiner Stelle drückt der Autor auf die Tränendrüse, im Gegenteil, sein Schreibstil ist immer sachlich. Er beschreibt lediglich, was passiert, von außen, als unbeteiligter Beobachter. Alles sehr unemotional und gerade deswegen extrem eindrucksvoll. Er erzählt die Geschichte der Menschen, die ihre Heimat aufgegeben haben, ihre Familien, Freunde und Berufe. Was man als Leser daraus macht, bleibt jedem selbst überlassen. Aber ganz ehrlich, wer hier kein Mitgefühl entwickelt, hat jegliche Fähigkeit zur Empathie verloren oder niemals gehabt.

Auch die drei deutschen Protagonisten lässt er agieren, ohne ihre Handlungen zu bewerten. Und gerade dadurch kommt ihre bodenlose Dummheit ans Licht. Das Versauern in ihrem Nest, ohne Blick über den Tellerrand, ohne jedes Bemühen um wirkliche Perspektiven, aber voller Hass auf diejenigen, die vermeintlich Schuld daran sind. Sie putschen sich gegenseitig auf, dröhnen sich mit menschenverachtenden Musiktexten zu und verlieren alle Hemmungen, immer in dem Glauben, das Richtige zu tun. Aber, und das wird durch dieses Buch ganz deutlich: Was richtig oder falsch ist, kann man nur erkennen, wenn man alle Seiten betrachtet. Wenn alle Menschen dies tun würden, hätte der Rechtsextremismus in unserem Land keine Chance, was für eine wunderbare, wenn wohl auch utopische Vorstellung.

Meine letzten Worte waren nun schon deutlich pathetischer als die des Autors, wie gesagt, er bleibt immer sachlich fundiert. Ich jedoch, als Rezensentin, darf, werde und muss auch meine eigene, emotionale Meinung einbringen und die ist ganz klar: Keine Chance dem Rechtsextremismus!


Deswegen empfehle ich dieses Buch allen und zwar unbedingt. Dem Geschriebenen kann man leicht folgen, so dass es gut für junge Menschen lesbar ist, aber auch für Erwachsene ist es eine gewinnbringende Lektüre. .

  (1)
Tags: dokumentation, flüchtlinge, jugend, jugendbuch, politik, rechtsradikalismus, tatsachenbericht   (7)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(272)

436 Bibliotheken, 14 Leser, 2 Gruppen, 205 Rezensionen

thriller, london, ragdoll, serienmörder, mord

Ragdoll - Dein letzter Tag

Daniel Cole , Conny Lösch
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 27.03.2017
ISBN 9783548289199
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Detective Wolf wird zusammen mit seinen Kollegen zu einem mehr als makabren Tatort gerufen. Ihn erwarten sechs Leichen – oder vielmehr Teile davon, die wiederum zu einer gruseligen Marionettenfigur zusammengenäht und in Szene gesetzt wurden.

Es beginnt eine blutige Jagd nach einem besessenen, aber hochintelligenten Serienkiller, der auch vor Kollateralschäden nicht zurückschreckt. Eigentlich sind seine Ziele jedoch genau definiert, es bleibt nur die Frage, auf welche Art sie umkommen, denn eine Abweichung von seinem Plan hat der Killer nicht vorgesehen. Dem Ermittlerteam um Wolf bleibt nicht viel Zeit, um diesen Fall zu lösen und immer mehr ihnen nahestehenden Menschen fallen dem „Ragdoll-Mörder“ zum Opfer.


Das Buch startet mit einem Paukenschlag, genau genommen sogar gleich zweimal.

Der Prolog beschreibt dabei noch eine relativ harmlose Szene (im Vergleich zu dem, was noch folgt), ist aber sehr bildgewaltig und eindrücklich verfasst.

Im ersten Kapitel folgt dann schon sofort der Fund der gruseligen Ragdoll, die dem Leser gleich zeigt, dass dieses Buch nichts für schwache Nerven ist.

Kurz flacht die Spannungskurve dann ab, die Ermittler und weiteren Figuren werden eingeführt und insbesondere der Protagonist Wolf samt Kollegin Baxter bleibt sehr undurchsichtig. Anfangs befürchtete ich, dass ihre Ausgestaltung so oberflächlich bleiben würde, sah mich aber schnell getäuscht darin. Alle Figuren haben ihre Macken und Eigenarten, und Wolf ist nicht immer als Sympathieträger zu gebrauchen. Aber das soll er wohl auch gar nicht, seine Rolle ist vielschichtig und bleibt bis zum Schluss ein bisschen geheimnisvoll. Baxter dagegen hat viel von Stieg Larssons Lisbeth Salander, nicht neu, aber trotzdem kratzbürstig-gut. Eine sehr überraschende Entwicklung macht der Anfänger Edmunds durch, statt katzbuckelnd durch die Wache zu schleichen, macht er sich seine ganz eigenen Gedanken, auch gegen Widerstände. Selbst die Nebenfiguren hat der Autor sehr plastisch gestaltet, einzig der Täter bleibt natürlich lange im Hintergrund.

Es dauert also ein bisschen, bis das Buch wirklich zuschlägt, aber nach einiger Zeit hatte es mich so gefangen, dass ich es in einem Rutsch durchgelesen habe und inständig hoffe, von diesem Autor noch mehr ergattern zu können.

Der Schreibstil ist informativ und beschreibend, wenn gerade Zeit dafür ist und packend, wenn es nötig wird. Als Leser schaut man von Außen auf das Geschehen, was mir sehr gefällt. Genutzt hat es allerdings nichts, ich wusste bis kurz vor der Auflösung nicht, wer der Täter ist und habe genauso nach Hinweisen gesucht, wie die Ermittler. Auch das Zwischenmenschliche wird schön thematisiert, die Beziehung Wolfs zu seiner Exfrau Andrea spielt zum Beispiel eine wichtige Rolle für den Verlauf der Geschichte. Insgesamt treffen hier schon viele schräge Vögel aufeinander, die alle mit ihren jeweils eigenen Leichen im Keller zu kämpfen haben und kaum einer hätte das Recht, über einen anderen zu richten.

Wirklich umwerfend ist das Ende dieses Thrillers geraten. Beim Lesen fiel es mir (wie auch den Polizisten) wie Schuppen von den Augen, unzählige Hinweise bekamen im Nachhinein eine ganz andere Bedeutung und trotzdem blieb bis zum Schluss die Idee, dass vielleicht doch noch alles ganz anders gewesen sein könnte.

Das Buch und dieser Fall sind definitiv abgeschlossen, aber die Möglichkeit einer Fortsetzung besteht meines Erachtens, welche Pläne der Autor dazu hat, ist mir nicht bekannt. Sehr bemerkenswert ist für mich, dass er mit diesem Werk seinen Debut-Roman abgeliefert hat, es scheint für mich einen neuen Stern am Thriller-Himmel zu geben.

Von mir gibt es ein absolute und uneingeschränkte Leseempfehlung für Thrillerfans.

  (0)
Tags: debut, englischer thriller, psychothriller, thriller   (4)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(25)

46 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 25 Rezensionen

anthologie, fantasy, winterstern, sternensand verlag, c. m. spoerri;

Winterstern (Anthologie)

Maya Shepherd , Juliane Maibach , Jasmin Aurel , Tara Florents
Flexibler Einband: 362 Seiten
Erschienen bei Sternensand Verlag, 12.02.2017
ISBN 9783906829326
Genre: Fantasy

Rezension:

Eine bunte Mischung fantastischer Geschichten

 

Gleich 16 verschiedenen Autoren und Autorinnen haben diesem Buch zu der bunten Mischung verholfen, Kurzgeschichten aus verschiedensten Bereichen der Fantasyliteratur bilden diese schöne, vielfältige Anthologie. Gemeinsam ist ihnen dabei nur ein, wie auch immer gearteter, Winterstern, egal ob als Amulett, Himmelskörper oder gar Person.

Dabei reicht die Bandbreite von Liebesgeschichten, über Mysteryelemente bis hin zu einer leichten Form der Gesellschaftskritik. Alles drin also, was man von einem guten Buch erwarten darf.

Natürlich kann bei einer solch großen Menge nicht alles gleich gut gefallen und deswegen fällt es mir auch schwer, hier eine deutliche und trotzdem faire Bewertung zu geben.

 

Es gibt Geschichten, die haben mich sehr begeistert, beispielsweise schon die zweite: „Verloren“ von Jamie L. Farley. Sie behandelt eine Liebe, die nicht sein darf und sich trotzdem über die Grenzen von Zeit und gesellschaftlichen Normen erhebt. Ob dies allerdings gut ausgeht, lasse ich an dieser Stelle offen. Unheimlich gefühlvoll wird hier beschrieben, welche Folgen Diskriminierung und Verfolgung haben, was sich problemlos in unsere reale Welt übertragen lässt.

 

Auch die Geschichte „Ganz“ von Veronika Rothe hat mich beeindruckt, auch wenn sie relativ vorhersehbar war. Auch diese behandelt ein Thema, über das man leider immer noch diskutieren muss, anstatt es einfach als normal anzusehen: Homosexualität.

Henrik Sturmbluth bringt schließlich fast am Ende des Buches dann auch endlich Drachen und Zwerge ein, so dass auch diese „typischen“ Fantasyelemente nicht fehlen. Wer fantastische Abenteuergeschichten mag, wird auch hier sicherlich zufrieden sein.

 

Mein persönlicher Favorit ist wider Erwarten jedoch der Beitrag von Maya Sheperd, obwohl die Handlung deutliche Sci-Fi-Bezüge aufweist und dies normalerweise gar nicht zu meinen liebsten Genres zählt. Trotzdem haben mich ihre Worte sofort in ihren Bann gezogen, der Schreibstil ist irgendwie magisch und ich hätte gerne gewusst, wie es mit den Protagonisten weitergeht - was praktischerweise kein großes Problem ist, weil sie Teil eines größeren Werkes der Autorin sind.

 

Andere Geschichten konnten mich nicht ganz so packen, auch wenn der Schreibstil durchweg gut war, meistens sogar sehr gut. Manchmal fehlte mir die Spannung, die Protagonisten waren nicht mein Fall oder schlichtweg das Thema nicht interessant für mich. Aber dies ist tatsächlich Nörgeln auf sehr hohem Niveau und wahrscheinlich nur der Qualität der besten Geschichten geschuldet, sie waren natürlich eine hohe Messlatte.

Insgesamt hat S.M. Spoerri bzw. der Sternensandverlag hier eine sehr schöne, kurzweilige Mischung gefunden und zusammengetragen, die manche gefühlvolle Lesestunde bietet.

Generell mag ich gerne Anthologien, weil sie sich häppchenweise lesen lassen, so als Betthupferl am Abend, und weil sie mir unbekannte Autoren näherbringen. Dies ist definitiv gelungen, manch einen der Verfasser oder Verfasserinnen werde ich mir näher anschauen und auch eventuell vorhandene Romane auf meine Wunschliste setzen.

Nebenbei sei noch bemerkt, dass ich das Cover für sehr gelungen halte. Es zeigt sehr deutlich die mystische, aber dennoch freundliche Stimmung des Buches, macht neugierig und ist letzten Endes einfach wunderschön. Und wenn man bedenkt, dass ich in meinen Rezensionen die Cover nur erwähne, wenn sie besonders (negativ oder positiv) herausragend sind, kann man dies wohl als dickes Lob an den wunderbaren Designer Alexander Kopainski ansehen.

Liebe Fantasyfans: Von mir gibt es eine deutliche Kaufempfehlung, in diesem Buch sollte für jeden etwas dabei sein.

  (1)
Tags: anthologie, fantasy   (2)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(7)

7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

erotik, steam punk

Steam Master

Anne Amalia Herbst , Anne Amalia Herbst , Robert und Michaela Kainz , Tanja Schierding
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Lysandra Books Verlag, 21.03.2017
ISBN 9783946376156
Genre: Sonstiges

Rezension:

London im Jahre 1897: Lord Archibald Cundringham steht kurz vor der Eröffnung seines gerüchte-umwobenen Etablissements „Aethernanox“. Einen Ort der Lust, der Erotik und des wohligen Schmerzes will er hier erschaffen und hat zur Eröffnung mehrere international bekannte Steam-Master eingeladen. Sie alle haben sich mit der Erfindung bahnbrechender Gerätschaften einen Namen gemacht und gehören einem geheimen Zirkel an, bei dem nicht nur die körperliche Lust eine große Rolle spielt, sondern auch etwas viel Größeres: Die Erhaltung der Weltordnung bzw. die Überwachung der unterirdischen Ammoniten, die durch sexuelle Energie gespeist werden. Oder auch durch Todesopfer.

Dies lässt den bedauerlichen Unfall, kurz vor dem Eröffnungstag, in einem ganz anderen Licht erscheinen: Was steckt wirklich hinter dem Sturz durch das Dach, der einem der Master das Leben kostete und wer spielt welches Spiel? Und was hat es mit der mysteriösen Krankheit des Lord Cundringham auf sich, die ihn immer wieder unter eine geheimnisvolle Maske zwingt?


Dieses Buch basiert auf einer Anthologie-Ausschreibung. Die Geschichten der einzelnen Steammaster wurden von unterschiedlichen Autoren erschaffen und schließlich von Anne Amalia Herbst zu einem Ganzen zusammengefügt, d.h., dieses Buch beinhaltet tatsächlich nun einen Roman, keine klassischen Kurzgeschichten. Trotzdem ist durch Kapiteleinteilungen klar erkennbar, wer welchen Teil geschrieben hat. Die Idee dahinter gefällt mir sehr, schon vor dem Lesen war ich sehr gespannt, ob es funktionieren würde, verschiedene, unabhängig voneinander geschriebene Geschichten so zusammenzufassen, dass sie ein rundes Bild ergeben. Nun, dies ist definitiv gelungen.

Mir liegt die elektronische Variante vor, in dem gedruckten Werk befinden sich zusätzlich noch Fotografien der Künstler Robert und Michaela Kainz, die das Ganze sicherlich noch einmal aufwerten, das Cover lässt zumindest drauf schließen.

Der Schreibstil ist tatsächlich unterschiedlich, wenn auch nicht sehr deutlich erkennbar. Nach wie vor bin ich ein großer Fan von Anne Amalia Herbst und finde auch hier, dass ihre Zwischenbeschreibungen und Zusammenfügungen am schönsten ausformuliert sind.

Dieses Buch ist natürlich auf die Steam-Punk-Thematik ausgelegt, deswegen ganz anders als ihre Banfhile-Chroniken, die sich ja eher in der Fantasy angesiedelt haben und deutlich gefühlvoller daherkommen. Dieses Gefühl ist es tatsächlich auch, was mir in dem Buch ein bisschen gefehlt hat, wirklich mitfiebern konnte ich nicht mit den Figuren. Die Geschichte dreht sich schon deutlich mehr um Erotik und sexuelle Handlungen in verschiedenen Varianten, als um emotionale Bindungen. Wer solche Themen nicht mag, sollte demnach lieber die Finger von diesem Werk lassen.

Die technischen Ideen, die die unterschiedlichen Autoren haben einfließen lassen, gefielen mir wiederum, ebenso wie die Beschreibungen der kunstvollen Kostüme und Bekleidungen. Gerade weil ich mich im Bereich des Steam-Punks gar nicht auskenne, las es sich spannend und interessant. Auch hier dreht es sich natürlich weitestgehend um Gerätschaften, die sich für verschiedene sexuelle Aktivitäten einsetzen lassen, ein Höllenpferd zum Beispiel oder gar eine ganze Strafarena. Oberstes Thema ist dabei immer das lustvolle Schmerzempfinden in gegenseitigem Einverständnis.

Wie schon gesagt: Dieses Buch wird nicht jedermanns Sache sein und auch mir waren es zu viele Sexszenen, die Raum nahmen für weitere Tiefe und Emotionalität. Trotzdem überwiegt die gute Idee und die schöne Umsetzung, zusammen mit einem guten Sprachstil, sodass ich das Buch dennoch gerne gelesen habe.

  (0)
Tags: erotik, steam punk   (2)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(9)

13 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

gechippte menschen, thrille, zukunftsvison, auto, thriller

Social Rating

Christiane Landgraf
Buch: 230 Seiten
Erschienen bei Verlag 3.0 Zsolt Majsai, 20.11.2016
ISBN 9783956672934
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der talentierte und überaus intelligente Programmierer Jeff hat schon früh entdeckt, dass die Welt der Computer ungeahnte Möglichkeiten bietet. Er entwickelt Programme für selbstfahrende Autos, und was erstmal gar nicht so ungewöhnlich klingt, wirft schwierige Fragen auf: Wie genau soll das Auto reagieren, wenn sich ein Unfall nicht vermeiden lässt? Wen überfährt es im Zweifelsfall, den einflussreichen Politiker oder den armen Familienvater von drei Kindern? Was anfangs nach einer spannenden Herausforderung für Jeff aussieht, entwickelt sich schnell zu einem großen Problem, bei dem er an seine moralischen Grenzen stößt. Die Chance auszusteigen wird ihm jedoch verwehrt, als sich die CIA einschaltet. Spätestens jetzt ist sein Leben sowie das seiner Familie völlig unter Kontrolle, und auch wenn es ihm gar nicht bewusst ist: Freie Entscheidungen trifft er schon lange nicht mehr. Als dann noch sogenannte Social-Rating-Chips eingeführt werden, wird die Sache für ihn noch komplizierter. Diese werden nach und nach der gesamten Bevölkerung unter die Haut gepflanzt, ohne dass diese wissen, was genaus dahinter steckt. So lassen sich alle Menschen katalogisieren und nach Wichtigkeit und Staatsinteresse bewerten. Eine gruselige Vorstellung, nicht nur für mich als Leser.


Das Thema des Buches hat mich sehr fasziniert, und hier hat die Autorin auch ganze Recherearbeit geleistet. So utopisch ihre Ideen auch auf den ersten Blick erscheinen, ganz abwegig sind sie in unserer schon jetzt fortgeschritten digitalisierten Welt nicht, und die Fragen die sich hier stellen, werden vielleicht auch irgendwann mal reale Philosophen und Politiker beschäftigen.

Noch erschreckender als das Thema der selbstfahrenden Autos finde ich hierbei die implantierten Chips, bzw. das daraus resultierende Bewertungssystem der Menschheit. Hoffentlich kommt es niemals soweit, dass wir wirklich in ein Rankingsystem einsortiert werden.

Nicht nur die Geschichte dieses Buches ist innovativ, auch ihre Gestaltung. Als das Ganze nämlich eigentlich schon zu einem Ende gefunden zu haben scheint, erfolgt noch einmal ein kompletter Perspektivenwechsel, der andere Sichtweisen aufzeigt. Dies mochte ich sehr.

Trotzdem gibt es leider einen Punkt, der mir überhaupt nicht gefallen hat: Das Ende. Es lässt viele Fragen offen und knüpft auch nicht wirklich an den Prolog an. Dafür wird gleich auf den zweiten Band verwiesen, und dies finde ich sehr schade. Das Buch ist nicht so lang, dass man es in zwei Teile hätte splitten müssen, will man aber das Ende der kompletten Geschichte erfahren, kommt man um Band zwei nicht herum.

Bei den Protagonisten hatte ich anfangs Schwierigkeiten, sie kennenzulernen, die Autorin springt hier manchmal ziemlich schnell hin und her. Nach einiger Zeit hatte ich mich jedoch eingelesen und dem weiteren Lesevergnügen stand nichts mehr im Weg. Die Beziehungen der Figuren untereinander sind eigenwillig, ich finde dies aber hier ganz passend. Jeff als Protagonist ist eben kein ganz gewöhnliche Mann von nebenan und die CIA-Agenten schon gar nicht. Da sind ein paar Macken und Besonderheiten sogar wünschenswert, was die Autorin gut gelöst hat. Natürlich gibt es auch Tote, denn auch wenn es makaber und vielleicht bösartig klingt: Von einem Thriller erwarte ich das, gerade das Lebensdrohende macht ja oft die Spannung aus. Und auch wenn leider Menschen sterben, die völlig unschuldig sind, hat die Autorin hier in meinen Augen alles richtig gemacht.


Der Schreibstil ist angenehm und professionell, das Buch ließ sich zügig lesen und es gab keine schwierigen Stolperfallen.


Zusammenfassend kann ich das Buch mit ruhigem Gewissen empfehlen, insbesondere Thrillerleser, die mal etwas ganz Anderes mögen, sind hier gut aufgehoben.



  (2)
Tags: thriller   (1)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(31)

53 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 27 Rezensionen

japan, krimi, ermittlungen, tokio, mord

Blutroter Tod

Tetsuya Honda , Irmengard Gabler
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 24.11.2016
ISBN 9783596036660
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Spannend und intensiv, allerdings erst nach der ersten Hälfte des Buches


Ein Kind wird von seinen Eltern massiv misshandelt und tötet sie schließlich - so beginnt das Buch, und dieser brutale Einstieg hat mir gut gefallen. Leider ist der Prolog nur kurz, und danach offenbart sich schon die in meinen Augen große Schwäche des Werkes: Es zieht sich sehr in die Länge.

Polizistin Reiko wird in Tokio zusammen mit ihrem Team zu einem Mordfall gerufen. Das Opfer wurde, in einer Mülltüte verpackt, an einem See aufgefunden, offen sichtbar für Anwohner und Fußgänger. Vor seinem Tod wurde das Opfer scheinbar schwer gefoltert: Man hatte ihm eine Glasscheibe auf den Körper gelegt und diese dann zertrümmert, so dass sich die Scherben in seine Haut bohrten.

Reiko wird ein Polizist an die Seite gestellt, der mehrfach versucht, mit ihr anzubändeln, ob ernsthaft oder nicht, erschloss sich mir beim Lesen nicht. Auf jeden Fall bezieht er ständig Schläge deswegen von ihr, was bei mir für Unverständnis sorgte und übertrieben wirkte.

Die Ermittlungsarbeit ist sicherlich gut recherchiert, der Autor scheint genau zu wissen, was die Polizei genau wann zu tun hat. Für mich als Leser waren es jedoch zu viele langatmige Einzelheiten, während die Beziehungen zwischen den Figuren eher an der Oberfläche blieben. Insgesamt hatte ich immense Probleme damit, die handelnden Menschen kennenzulernen und mir zu merken, was sicher auch den japanischen Namen geschuldet ist. Möglicherweise liegt es auch sonst an meiner Unkenntnis der japanischen Kultur, dass ich mir Handlungsweisen und Motive nicht erschließen konnte.

Im Verlaufe der Geschichte werden weitere Leichen gefunden, die alle auf irgendeine Art und Weise vor ihrem Tod gequält wurden, doch lange Zeit tappt die Polizei im Dunklen.

Reiko besticht immer wieder durch gute Ideen zur Täterfindung, bekommt jedoch auch gerne mal Steine zwischen die Füße gelegt. Hier hat der Autor schon eine Figur erschaffen, die Ecken und Kanten hat und trotzdem auf ihrem Gebiet brilliert, generell also eine gelungene Heldin. Trotzdem konnte ich lange keinen Zugang zu ihr finden, und bis zum Schluss war sie mir nicht wirklich sympathisch.

Kurz habe ich überlegt, das Buch gar nicht zu beenden, als jedoch der zweite Teil an den Prolog anknüpfte, war die erhoffte Spannung wieder da. Allerdings auch in diesem Fall nur kurz, nämlich genau so lange, wie die Sequenz dauerte, die aus Tätersicht erzählte. Danach war alles wieder beim Alten, das Lesen war schlichtweg langweilig. Bis hierhin hätte das Buch eine komplett schlechte Bewertung von mir bekommen, auch wenn ich dies nur sehr ungern schreibe.

Doch ziemlich genau ab der Hälfte (also nach 200 Seiten) wendete sich das Blatt. Der Leser erfährt endlich mehr über den Täter, dieser ist wirklich sehr anschaulich vom Autor dargestellt, und auch die anderen Figuren bekommen mehr Tiefe.

Die Idee hinter der Geschichte zeigt sich und offenbart endlich einen spannenden Plot mit Innovationen. Zu diesem Zeitpunkt habe ich das Buch regelrecht verschlungen, wollte wissen, wie sich das Ende gestaltet und war mit diesem dann auch rundum zufrieden.

Insgesamt hätte die Geschichte sehr viel Potential gehabt, auch der Schreibstil war im zweiten Teil sehr angenehm und überzeugend. Und auch wenn ich die japanischen Gepflogenheiten immer noch nicht genau kannte, war es mir nun möglich, die Motive der Protagonisten zu verstehen.


Zusammenfassend lässt sich dieses Buch demnach nur schwer in eine Schublade stecken. Ein Thriller ist es gewiss, und zum Schluss hat es diese Bezeichnung wirklich sehr verdient. Die ersten 200 Seiten waren jedoch eher ein sehr langatmiger Kriminalroman, so dass ich dieses Buch leider nicht uneingeschränkt empfehlen möchte Wer bereit ist, sich auf unbekanntes Terrain zu begeben und es auch aushalten kann, genaustens in die Ermittlungsarbeit involviert zu werden, der mag es mit diesem Buch versuchen, am Ende wird die Belohnung erfolgen. Ich würde jedoch von diesem Autor wahrscheinlich kein weiteres Werk lesen.



  (2)
Tags: krimi, thriller   (2)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(8)

12 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

marrakesch, philosophie, reiseromanm, starnberg, kindheitstraumata

Starnberg. Marrakesch. Starnberg.

Thomas Pyczak
E-Buch Text: 257 Seiten
Erschienen bei Amazon Media, 26.06.2016
ISBN B01HMWNM8K
Genre: Romane

Rezension:

Dieses Buch vereint Kulturen und Menschen, Märchen und Philosophie und die harte Realität mit zauberhafter Poesie

 

Wir befinden uns am Ende des Jahres 2016, und ich habe erst letzte Woche darüber nachgedacht, dass ich in diesem Jahr zwar viele schöne Bücher gelesen habe, aber mir ein völliges Jahreshighlight bisher gefehlt hat. Einige waren beeindruckend, andere warteten mit einer tollen Idee auf und wieder andere waren einfach schön geschrieben. Nun, es hat gedauert, aber hier ist es jetzt: Mein persönlicher Bestseller für 2016!

Dabei springt es sogar ziemlich aus meinem gewöhnlichen Leserahmen: Es ist kein Thriller, nicht mal ein Krimi. Düster und bedrohlich ist es auch nicht, und trotzdem hat mich selten ein Buch so eindrücklich berührt. Aber bevor ich weiter in Schwärmerei verfalle, erst mal kurz zum Inhalt.

 

Mia ist überaus erfolgreiche Gründerin einer Internetfirma, sie hat beruflich alles erreicht, was möglich ist und scheint damit auch ganz zufrieden zu sein. Dass dabei keine Zeit für ein Privatleben bleibt, stört sie nicht, sie ist glücklich in ihrem Büro und kommt gar nicht auf die Idee, dass ihr etwas fehlen könnte. Nur dieses Pfeifen im Ohr irritiert sie.

Schließlich kommt sie nicht drum herum, sie muss sich eine Auszeit nehmen und tut dies in dem wunderschönen Starnberg. Was aber tun mit so unerwartet freier Zeit?

Sie lernt eine Frau kennen, die sie in die Meditation einführt und ihr eine gute, wenn auch rätselhafte Freundin wird. Und damit wendet sich nicht nur Mias Blatt, sondern auch der ganze Roman. Schleichend rutscht man als Leser aus einer kalten, materiellen Welt in eine zauberhafte, gefühlvolle, die mehr zu bieten hat als Geld, Macht und Erfolg.

Mia trifft auf Almaz und ihre Familie, auf afrikanische Sichtweisen und Gebräuche und schließlich auf eine Aufgabe, die sie zu erfüllen hat. Dazu führt ihr Weg in die fremde Welt Marrakeschs und spätestens jetzt liegt über der gesamten Geschichte ein Zauber, der mich nicht mehr losgelassen hat. Magie und Märchen, Philosophie und uralte Geschichten, fremde Kulturen und unbekannte Gefühle, all das prasselt auf Mia ein und hinterlässt sie manches Mal ratlos oder auch verängstigt. Und doch wird sie ihren Weg finden, wenn auch ganz anders als gedacht und so nicht vorhersehbar.

Dabei begegnet sie Menschen, deren Handlungen sie nicht versteht, die ihr Gutes oder auch Böses wollen und gemeinsam ist ihnen nur Eines: Sie sind vom Autor alle unheimlich authentisch und liebevoll dargestellt worden.

Nach wie vor ist dies eines der wichtigsten Dinge, die ein gutes Buch für mich ausmacht: Wie wirken die Figuren? Kann ich ihre Handlungen verstehen und ihre Motive nachvollziehen?

Die Personen in dieser Geschichte sind allesamt ganz eigen. Vielleicht stehen sie sie auch für bestimmte Eigenschaften, für Werte, Normen und Vorstellungen. In meinem Kopf waren sie jedenfalls zeitweise sehr real und ich mittendrin in dieser wunderbaren, afrikanischen Märchenwelt. Thomas Pyczak hat es geschafft, sein Marrakesch für mich lebendig werden zu lassen, ohne dass ich jemals dort gewesen bin. Das bunte Treiben auf dem Markt, die kleine Ziege Fatima (tatsächlich übrigens eine der schönsten Rollen in diesem Stück), das Verkehrschaos und die unterschiedlichen Vorstellungen von Recht und Unrecht, all das hätte man kaum bildlicher beschreiben können.

Ich vermute, dass in dem Buch eine große Menge an Recherchearbeit steckt, ganz nebenbei erfährt der Leser Dinge über Familienaufstellungen, Philosophie, Medizin und Literatur und immer wieder: Marrakesch. Kaum eine Kultur könnte für uns Westeuropäer fremdartiger sein, was wohl der Grund ist, dass ich mich immer wieder ein bisschen an die Märchen aus 1001 Nacht erinnert fühlte.

Der Schriftstil passt sich der Geschichte wunderbar an, selbst dieser wirkt ein bisschen mystisch und machte für mich einen großen Reiz beim Lesen aus.

Insgesamt hat selten ein Buch soviel Gefühl transportiert, nur eine Handvoll hat es bisher geschafft, mich zu Tränen zu rühren und ich bin sehr froh, dieses Buch entdeckt zu haben, obwohl es eben so anders ist. Oder besser: Weil es so anders ist.

Ich empfehle dieses Buch unbedingt allen Menschen, die mit offenen Augen und offenem Herzen durch die Welt gehen. Und natürlich allen, die noch ein Jahreshighlight brauchen. Ich bedanke mich beim Autor für ein wunderbares Lesevergnügen.

  (3)
Tags: philosophie, reiseromanm, roman   (3)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(14)

19 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

dark fantasy, dämonen, der wanderer, feuer, wanderer

Der Wanderer: Band 1

Dominique Stalder
Buch: 340 Seiten
Erschienen bei SadWolf Verlag, 14.11.2016
ISBN 9783946446170
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Der Wanderer wird erwachsen

 

Natürlich war der Wanderer, der im Prolog noch „Haric“ hieß, auch vorher schon ein erwachsener Mann, hat er doch dort schon einige Kämpfe ausfechten müssen (siehe Rezension unten). Und trotzdem wirkt er jetzt gefestigter und männlicher. Auf der Suche ist er jedoch immer noch, seine Herzensdame Myrael ist nach wie vor in der Unterwelt gefangen und sein hauptsächliches Ziel ist es, sie zu retten.

Auf seinem Weg überquerte er die Grauberge und stößt auf ein anderes Mädchen, welches durchaus gewisse Ähnlichkeiten mit Myrael aufweist. Sie ist ebenfalls eine starke Frau, auch wenn sie mehrmals seiner Hilfe bedurfte. Durch eine Verkettung unglücklicher Umstände und gebunden durch sein Pflichtgefühl, muss er seine Suche unterbrechen, um das Dorf Uriatha vor dem sicheren Untergang zu retten. Ob ihm dies gelingen wird, bleibt fraglich, Fakt ist, dass er auf starke Gegner trifft, viel seiner Kraft benötigt und nur die Liebe zu Myrael ihn weiter antreibt. Dabei begegnet er Wesen, die lieber im Dunkel verborgen geblieben wären und entdeckt Orte, die nicht nur Schönes zu bieten haben.

 

Der Wanderer wird in diesem Band Tulan genannt, und der Namenswechsel spiegelt wider, was die ganze Persönlichkeit des Protagonisten ausmacht: In erster Linie sucht er immer noch sich selbst, seine Vergangenheit und in dem Zuge auch seine Zukunft. Sein Antrieb dabei ist das Band zu Myrael, das durch die neue Frauenfigur Maela noch verstärkt wird.

Dominique Stalder hat seine Figuren auch hier wieder sehr charakteristisch ausgestaltet. Sicherlich auch ein bisschen stereotyp, Maela ist ganz das klassische, kleine aufmüpfige Mädchen, welches sich auf dem Weg zur Frau befindet und dabei ständig gegen Grenzen rennt.

Das Wesen des Wanderers zeigt sich dem Leser sehr deutlich im Kampf gegen die Dämonen, hier im Buch übersinnliche Geschöpfe, die nach seinem Leben trachten. Aber möglicherweise sind sie auch symbolisch zu sehen, als eigene, innere Dämonen in der Seele des Protagonisten. Auch diesen muss er sich wohl stellen, wenn er das Geheimnis um seine Vergangenheit lüften will. Die Figuren sind also durchweg anschaulich und mehrschichtig, dies trifft auch auf die Gegenspieler und die Bewohner des Dorfes zu und ist das, was mir an dem Buch am besten gefallen hat.

Der Plot ist nachvollziehbar und das Ende verweist auf folgende Teile, dass dieses Werk erst der Anfang einer lange Reihe ist, hat der Autor schon deutlich gemacht. Man darf also weiter gespannt sein, wie es in der Welt des Wanderers weiter geht.

 

Meiner Meinung nach hat sich der Autor zusammen mit seiner Hauptfigur weiterentwickelt, der Schreibstil ist noch anschaulicher geworden und macht es leichter, sich in der fantastischen Welt zurecht zu finden. Sollte es dennoch mal zu Orientierungsschwierigkeiten kommen, ist das Buch mit Karten und Bildern illustriert, die dem Leser und dessen Phantasie vielleicht auf die Sprünge helfen können.

Die Gesamtstimmung des Buches ist dunkel, für mich ganz klar der Dark-Fantasy zuzuordnen, wenn es auch dieses Mal nicht ganz so böse und unheimliche Momente gab wie in dem Prolog. Es lassen sich eher große, epische Schlachten finden, als kleine Horrorelemente, was den Umfang des Gesamtwerkes erahnen lässt. Eine Liebesgeschichte zieht sich dabei, wie schon erwähnt, als Motiv durch die Seiten, aber es fühlt sich so an, als sei der Hauptantrieb die Suche nach sich selbst und nach einem Sinn.

Ich für meinen Teil bin gespannt, wie sich die Geschichte des Wanderers und auch die des Autors weiterentwickelt und kann natürlich eine klare Kaufempfehlung für Freunde der dunkleren Phantastik aussprechen.

  (3)
Tags: dark fantasy, fantasy   (2)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(7)

13 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

gesellschaftskritisch, menschenversuche, thriller, pharma thriller

Eisesgrün

Felix Leibrock
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.04.2016
ISBN 9783426516171
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Wie auch schon im ersten Buch Felix Leibrocks, „Todesblau“, kommt dem Ermittlerduo Sascha Woltmann und Mandy Hoppe eher unerwartet eine große Aufgabe zu. Sascha, seines Zeichens immer noch unterforderter Streifenpolizist, bekommt eher nebenbei einen Tipp gesteckt, der ihn an ein früheres Verbrechen erinnert. Auch wenn sich dies erstmal als Sackgasse entpuppt, beginnen sich die Ereignisse bald zu überschlagen. Mitten im beschaulichen Weimar finden sich immer mehr sogenannte Hochgräber. Erst mit materiellen Opfern, dann mit solchen, die wenigstens schon länger tot sind. Aber ein guter Krimi wäre kein solcher, wenn es keine Steigerung gäbe...In der spannenden Geschichte verwickeln sich immer mehr Handlungsstränge rasant ineinander, tragische Familiengeschichten wechseln sich ab mit dubiosen Machenschaften der Pharmaindustrie zu DDR-Zeiten, eine geheimnisvolle Sekte treibt ihr Unwesen und mittendrin versucht die Weimarer Polizei, mehreren Morden auf die Spur zu kommen.


Das Buch beginnt nicht sonderlich schockierend, es braucht einige Zeit, um den verschiedenen Handlungen folgen zu können und zu verstehen, welche Rolle sie für den weiteren Verlauf spielen. Ab dem ersten Drittel der Geschichte zieht das Tempo jedoch stetig an, was anfangs eher nach unspektakulärem Kriminalfall aussieht, entpuppt sich zu immer mehr Gänsehautmomenten. Spätestens da hatte mich Felix Leibrock wieder in den Bann seiner Geschichte gezogen, meine Befürchtungen, dass es dieses Mal etwas seichter sein könnte, als in „Todesblau“, verkehrten sich glücklicherweise ins Gegenteil. Insbesondere die Praktiken der Sekte „Axt Satans“ bewirkten ein angenehm-gruseliges Herzklopfen (verbunden mit dem Gefühl der wohligen Sicherheit, die ein heimisches Sofa beim Lesen vermittelt).

Im Vergleich zum ersten Buch ist die Geschichte noch verzwickter und vielschichtiger, die verschiedenen Wege, Verdächtigen und potentiellen Mordmotive noch mehr miteinander verflochten.

Die handelnden Figuren bieten weitere Einblicke in ihr Privatleben und wirken auch in „Eisesgrün“ sehr überzeugend und authentisch. Hier ist es aber noch eher die Handlung, die großartige Steigerung im Verlauf der Geschichte, die mich als Leserin wieder begeistert zurückgelassen hat. Bei einem guten Buch möchte man, dass es schnell zu Ende ist, um den Ausgang zu erfahren. Andererseits will man gerade dies nicht, weil damit auch die fesselnde Lesezeit vorbei ist. Demnach ist „Eisesgrün“ nicht nur ein gutes Buch für mich, sondern ein mitreißendes, es wird kaum möglich sein, mindestens die letzten 100 Seiten nicht in einem Rutsch durchzulesen.


An den Schreibstil hatte ich nach dem Lesen des ersten Bandes hohe Erwartungen, die auch hier in keinster Weise enttäuscht wurden, ebenso ergeht es mir mit der Schlüssigkeit der Handlung. Auch die hervorragende Recherchearbeit des Autors zeigt sich wieder, dieses Mal unter anderem deutlich in medizinischen Belangen. Und ohne zuviel verraten zu wollen: Der Schluss ist logisch und passend, alle losen Fäden finden zum Hauptknoten und die mittlerweile bekannten Figuren würde ich liebend gerne in einem weiteren Buch wiederfinden.


Insgesamt hat mir „Eisesgrün“ noch ein bisschen besser gefallen als „Todesblau“, allerdings nur, weil es etwas blutrünstiger ist und noch eher in den Bereich des Thrillers geht. Kritikpunkte habe ich bei beiden nicht finden können, von mir gibt es eine klare und deutliche Kaufempfehlung für beide. Wenn ich Noten vergeben müsste, wäre „Todesblau“ eine 1 und „Eisesgrün“ eine 1 mit Sternchen.

  (2)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(8)

17 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

krimi, mord, seltenes bild, weimar, vergangenheit

Todesblau

Felix Leibrock
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.04.2015
ISBN 9783426516164
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:


Streifenpolizist Sascha Woltman ist gerade mit seiner Familie von Berlin nach Weimar gezogen und erhofft sich hier, zur Kripo wechseln zu können. Nach einem Mord an einer alten Dame wird er tatsächlich ins Ermittlerteam gerufen und trifft hier auf seine alte Schulfreundin Mandy Hoppe. Anfängliche Zwistigkeiten stören die Zusammenarbeit, sind aber nichts im Vergleich zu den Unstimmigkeiten mit kriecherischen Kollegen und einem sehr karriereorientiertem Chef.

Die Ermittler erkennen schnell, dass die Tote eine ehemalige Erzieherin eines Kinderheims der DDR ist, die nicht gerade zimperlich mit ihren Schützlingen umging. Rache als Mordmotiv steht im Raum, bis das Gespräch auf ein mysteriöses Bild kommt und sich weitere potentielle Motive und damit auch Tatverdächtige dazu gesellen. Nichts scheint zusammen zu passen, heiße Spuren sind ganz schnell wieder kalt und der Druck der Öffentlichkeit wächst. Mehrere Wendungen bringen Spannung und Verwirrung dazu und bis zum Schluss ist nicht klar zu erkennen, wie das Ganze ausgeht.


Dies kurz zum Inhalt, wie immer bei Krimis und Co halte ich mich bei der Inhaltsangabe kurz, um nicht zuviel zu verraten. Und weil ich gerade den Schluss erwähnt habe: Genau der hat mir sehr gut gefallen, eben weil er nicht zu früh offensichtlich und trotzdem logisch war. Ein roter Faden zieht sich durch das gesamte Buch, ab und zu dröselt er sich in einzelne Stränge auf, aber zum Ende hin werden sie alle ordentlich verknotet.


Die Idee zu der Geschichte ist gut durchdacht und mir so vorher noch nicht untergekommen. Sämtliche Themen scheinen sehr gut recherchiert u sein, auf jeden Fall klingen sie für einen Laien wie mich so. Dies hat auch die Figuren sehr authentisch wirken lassen, ein Kunstprofessor zum Beispiel muss natürlich auch als fiktive Figur wissen, wovon er redet. Dies hat Felix Leibrock perfekt umgesetzt. Auch das Ermittlerduo samt Gegenspielern wurde sehr bildlich dargestellt, ich hatte schnell das Gefühl, die Personen zu kennen. Obwohl reichlich (Neben)figuren auftreten, hatte ich nicht das Gefühl, den Überblick zu verlieren.


Sprachlich und stilistisch hat mich das Buch ebenfalls sehr überzeugt. Es liest sich flüssig und angenehm, Fremdwörter werden an den passenden Stellen verwendet und insgesamt lebt die Geschichte durch einen großen Wortschatz und Bildreichtum. Damit sind alle für mich wichtigen Kriterien erfüllt, um ein Buch als perfekt zu empfinden: Schöne Handlung, plausibles Ende, authentische Personen und eine sehr guter Schreibstil.

So sehr ich also auch nachdenke: Ich finde nichts zu meckern, nicht mal Kleinigkeiten, die mir sauer aufgestoßen wären oder die mich gar daran hindern würden, das nächste Buch von Felix Leibrock zu lesen. Das einzig Fragwürdige ist, warum ich erst jetzt auf diesen Autor gestoßen bin ;-)


Von mir gibt es demnach eine ganz deutliche Kaufempfehlung. Krimifans wird dieses Buch bestimmt gefallen und auch Leser wie ich, die sich sonst eher im düsteren Thrillersektor zuhause fühlen, sollten hier, zumindest was Idee und Schreibkunst angeht, auf ihre Kosten kommen.

  (2)
Tags: krimi   (1)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(36)

46 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 30 Rezensionen

weltreise, liebe, urlaub, australien, fernweh

Fernweh zum Glück

Kerstin Böhm
E-Buch Text
Erschienen bei null, 27.04.2016
ISBN B01EXLYJG2
Genre: Liebesromane

Rezension:

Lena muss raus. Raus aus Deutschland, weg von ihrem Gefühlschaos und vor Allem ganz weit weg von ihrem Ex-Ehemann. So bucht sie also eine Weltreise und macht sich auf den Weg in so schöne Länder wie Australien, Thailand oder Peru. Zum ersten Mal in ihrem Leben ist sie auf sich allein gestellt, muss zusehen, wo sie übernachten kann und sich den Gepflogenheiten der Länder anpassen. Abschalten und genießen kann sie trotzdem nicht, das Gefühlchaos, vor dem sie fliehen wollte, hat sich dummerweise in ihren Rucksack geschlichen und ist mit auf Reisen gegangen.

Da hilft es auch nicht sonderlich, dass sie in ihrer Reisegruppe einen eigentlich sehr netten Mann, Roman, kennenlernt, leider ist dieser nämlich eine Kopie ihres Exmannes. Glaubt Lena jedenfalls. Ben dagegen, ein weiteres Mitglied der der Truppe, erweist sich schnell als verlässlicher Freund, obwohl er selbst auch gerade versucht, sein Leben auf die Reihe zu bekommen. Sie alle haben triftige Gründe für ihre Reise, und sie alle werden sich im Laufe der Geschichte weiterentwickeln. Persönlichkeiten wachsen, Freundschaften und Beziehungen entstehen und vergehen wieder. Bis sich am Ende der Reise alles fügen wird. Irgendwie.


Ich hatte mich für dieses Buch entschieden, weil ich die Hoffnung hatte, dass es eher ein Reise- als Liebesroman sei. Diese Hoffnung hat sich nicht erfüllt, es ist definitiv eine Liebesgeschichte, wenn auch mit einer wunderschönen Kulisse. Aber, und das hat mich selbst wohl am meisten gewundert: Es hat mir richtig gut gefallen. Innerhalb von zwei Nächten war das Buch durch und ich habe mich schon tagsüber darauf gefreut.

Die Protagonisten sind so sympathisch und echt beschrieben, dass ich das Gefühl hatte, selbst dabei zu sein. Sie alle haben Ecken und Kanten, einige gingen mir wirklich sehr auf den Keks zwischendurch. Auch Lena zum Beispiel hätte ich manchmal schütteln mögen, weil ich mir sicher war, dass sie einen riesigen Fehler begeht. Andere waren zickig, lustig, arrogant oder anstrengend. Aber sie waren immer authentisch und wirkten nicht konstruiert. Sicherlich könnte man sagen, dass durch die Personen der Reisegruppe bestimmte Stereotype vertreten waren, die anfangs auch genauso handelten wie erwartet. Aber sie alle haben sich entwickelt und sind im Laufe der Geschichte lebendig geworden.

Landschaftsbeschreibungen gibt es natürlich auch, sie vermitteln ein klares Bild von der Gegend, sind aber eben nicht Hauptbestandteil. Man wird eher so nebenbei durch die Orte gelotst und erfährt das ein oder andere über Länder und Kultur. Dies ist für dieses Buch auch genau richtig, es zieht sich nichts unnötig in die Länge und das Hauptaugenmerk bleibt auf den Protagonisten.


Der Schluss ist logisch, rund und passend, mir hat er sehr gefallen. Ganz besonders der Epilog bringt noch wieder ein bisschen Witz und Ausblick in die ganze Geschichte, hat meinen Geschmack absolut getroffen und mich das Buch tatsächlich ein bisschen wehmütig zuklappen lassen. Eigentlich wäre ich gerne noch länger Teil dieser Geschichte geblieben.


Der Schreibstil ist herrlich entspannt und sehr gut zu lesen, ein wunderbares Buch für zwischendurch und eine perfekte Urlaubslektüre.


Abschließend stellt sich mir jetzt nur noch die Frage, ob es speziell an diesem Buch liegt, dass mir ein Liebesroman plötzlich so außerordentlich gut gefallen hat, oder ob ich tatsächlich öfter mal meinen Blick über den Thriller-Rand heben sollte ;-)


Wie auch immer: Für dieses Buch gibt es eine dicke Kaufempfehlung für alle.

  (1)
Tags: liebesroman   (1)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(74)

101 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 68 Rezensionen

fantasy, thalam, gabriele ennemann, jugendbuch, thalam: die hüter der erde

Thalam

Gabriele Ennemann
Fester Einband
Erschienen bei Riverfield Verlag, 25.09.2015
ISBN 9783952452325
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Eigentlich sollte der 15jährige Gidion schlafen und sich nicht mitten in der Nacht in der Gegend herumtreiben. Aber sein Gefühl hat ihn nicht betrogen: Draußen passiert etwas Ungeheuerliches! Die Lebensachse wurde gestohlen. Dadurch würde der ganze Planet aus den Fugen geraten, nicht nur sein Volk der Thalamer, auch das der Menschen wäre in großer Gefahr. Unter keinen Umständen darf die Lebensachse in die Hände der bösartigen Sinister fallen.

Es gibt jedoch nur eine einzige Möglichkeit, dies zu verhindern: Die lange prophezeite Avandtgarde muss sich formieren. Schwierig nur, dass noch nicht einmal alle vier Mitglieder dieser Errettertruppe wissen, dass sie ein Teil dieser sind...


Als Leser begegnet man in diesem Buch allerhand unbekannten Wesen, ziemlich deutlich erkennbar der guten oder bösen Seite zugeordnet. Einige sind so oder ähnlich bekannt, Wichtel zum Beispiel, andere wiederum weniger, wie die Schlangenfrau Rahja.

Herrlich beschrieben ist die Figur der kleinen Raupe Eugen, unauffällig, stachelig und mit Sprachfehler, trotzdem ein wichtiger Bestandteil der Geschichte.

Insgesamt hat die Autorin allen Wesenheiten, ob gut oder böse, sehr anschaulich Leben eingehaucht, ebenso wie ihre Landschaftsbeschreibungen gut nachvollziehbar sind.

Natürlich kann man auf gut 300 Seiten kein zweites Mittelerde entwickeln und Tolkien wäre als Maßstab sicherlich auch zu hoch gegriffen. Trotzdem ist hier ein schönes Fantasy-Werk entstanden, welches ich gerne gelesen habe, auch mit fortgeschrittenerem Alter.

Mein elfjähriger Sohn ist ebenfalls sehr überzeugt von diesem Buch, der Plot ist logisch und sinnvoll aufgebaut, gerade für ältere Kinder und Jugendlich gut zu lesen. Das Ende passt perfekt, es gibt keine bösen Überraschungen, so wie es sich für ein märchenhaftes Buch gehört. Nicht alle losen Fäden werden jedoch zusammengeführt, so dass ich mir gut vorstellen kann, dass es noch einen zweiten Band geben wird. Meinetwegen gerne, ich würde ihn lesen.

Gut gefallen hat mir die Beziehungsgestaltung der Figuren, immer wieder blitzen zwischen Neckereien und sogar Bösartigkeiten auch tiefe Verbundenheit auf.

Selbst die großartigen Helden und Heldinnen sind sich nicht zu schade, ihre Gefühle zu zeigen, auch bei den starken Männern können schon mal Tränen fließen. Außerdem sind von den vier Rettern der Weltachse nur zwei männlich, die andere Hälfte bilden weibliche Helden, die sich in keinster Weise die Butter vom Brot nehmen lassen und auch in Kämpfen „ihren Mann“ stehen.


Sprachlich ist das Buch der Zielgruppe angemessen, keine langen Satzverschwurbelungen, die das doppelte und dreifache Lesen eines Satzes erfordern würden, klare Sprache, trotzdem aber nicht billig oder gar unschön.

Ein bisschen irritiert war ich anfangs über den Wechsel der Erzählinstanz, zeitweise berichtet Gideon aus der Ich-Perspektive, die anderen Handlungsstränge werden dagegen von außen erzählt. Die Gewöhnung daran fiel mir jedoch nicht schwer und gelang schnell, irgendwann erschien es völlig logisch. Handwerklich also alles so, wie es sein soll.

Insgesamt ein Buch nicht nur für die genante Altersgruppe, wer generell gerne phantastische All-Age Bücher mag, kann hier beruhigt zugreifen.



  (1)
Tags: allage, fantasy, jugendbuch   (3)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(18)

19 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 16 Rezensionen

kochbuch, rezepte, österreich, österreichische küche, varianten

Österreichische Küche

Bernie Rieder
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Braumüller Verlag, 03.11.2014
ISBN 9783991001270
Genre: Sachbücher

Rezension:

Zugegeben, beim ersten Reinschnuppern in das Buch war ich ein wenig skeptisch, lebe ich doch eher im Norden Deutschlands und verband mit Österreichischer Küche erst mal nur Knödel und Kaiserschmarrn.

Diese finden sich hierin auch, aber nicht in der langweiligen Gans-Knödel-Rotkohl-Variante sondern in vielen, modernen Varianten.

Aber der Reihe nach: wie es sich gehört, entdeckt man zu Beginn des Buches die Vorspeisen, angefangen mit Salaten. Der Autor nennt dieses Kapitel „Salatvariationen mit Pep“ und das trifft den Nagel auf den Kopf, hier ist jede Menge Pep drin. Mein Liebling ist „Gebratener Paradais-Mozarella-Salat mit knusprigem Orangenbrot und Ingwerdressing“.

Wer hier schon, so wie ich, über die österreichischen Ausdrücke stolpert, sei beruhigt: am Ende des Kochbuches befindet sich ein anständiges Glossar, in dem alle Begriffe ins Hochdeutsche übersetzt werden. Man lernt also nicht nur kochen, sondern erfährt gleich etwas über die Sprache unseres Nachbarlandes, ein dicker Pluspunkt.

Im Vorspeisenkapitel entdeckt man weiterhin einige sehr tolle Saucen, Carpaccios (auch vegetarisch), Eiergerichte und einiges mehr. Wie die folgenden beinhalten diese Rezeptangaben eine genaue Zutatenliste und eine deutliche Zubereitungsanleitung.

Nähwertangaben gibt es leider nicht.

Im weiteren Verlauf bekommt der Leser sehr leckere Suppen präsentiert, bevor es mit reichhaltigeren Salaten weitergeht. Mein Favorit hier: „Gebratener Erdäpfelsalat mit Jungzwiebeln und Ruccola“ - super-lecker! (Man merkt vielleicht schon: ich liebe Salate ;-))

Danach folgt ein großartiges Kapitel mit Gemüsegerichten, ebenfalls mit schönen, neuen Ideen abseits der klassischen Küche. Vorab sei schon gesagt: auch Fleischrezepte folgen noch, aber dieses Buch bietet auch durchaus viele nachkochenswerte Rezepte für Vegetarier.

Wie schon erwähnt, fehlen die Knödel nicht, der Autor bietet hier klassische Rezepte ebenso wie ganz neue Varianten, beispielsweise „Grünes Spinatknödelcurry mit Brokkoli, Gurke und Mandeln“.

Als weitere Beilagen folgen noch Nockerln und Nudeln, bevor es an die Fischgerichte geht. Auch hier sind wieder schöne Ideen dabei. Die Fleischabteilung ist unterteilt auf die verschiedenen Tierarten, wie im gesamten Buch gut strukturiert und übersichtlich. Gut, warum sich die Reisgerichte zwischen Hähnchen und Schwein verstecken, weiß ich nicht, ist allerdings auch nicht störend. Die Kartoffeln, vielmehr Erdäpfel haben auch ein eigenes Kapitel für sich beansprucht und werden gekocht, als Gratin oder püriert gereicht... jetzt gerade im Moment, beim nochmaligen Durchblättern des Buches läuft mir tatsächlich das Wasser im Mund zusammen, auch, weil viele Rezepte sehr schön fotografisch in Szene gesetzt sind.

Last, but not least mein Lieblingskapitel: der Bereich für die Süßschnäbel. Hier finden sich nur Schmarrn-Rezepte, dafür aber in ausreichender Anzahl. Und wer kann schon widerstehen, wenn er liest: „Flüssiger Schokolade-Kuchen-Schmarrn“? Ich definitiv nicht.

Optisch ist das Ganze Buch sehr ansprechend, die Fotos sind modern und die Gerichte sehr schön inszeniert, so dass man auf jeden Fall Lust zum Nachkochen bekommt.

 

Insgesamt ein sehr schönes Kochbuch,mit innovativen Ideen plus Grundrezepten, einer modernen, jugendlich-punkigen Gestaltung und Rezepten, die für jeden Geschmack etwas bieten. Von mir gibt es eine ganz klare Kauf- und Kochempfehlung, das Buch ist sicherlich auch ein schönes Geschenk für Küchenbegeisterte.

 

Braumüller, 2014, Hardcover, 439 Seiten

  (1)
Tags: kochbuch, österreichische küche, rezepte   (3)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(26)

34 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 21 Rezensionen

roman, sterbehilfe, familie, sardinien, poetisch

Die Unsterblichkeit der Signora Vero

Cornelia Becker
Fester Einband: 200 Seiten
Erschienen bei Langen-Müller, 05.08.2014
ISBN 9783784433585
Genre: Romane

Rezension:

Die Unsterblichkeit der Signora Vero; Cornelia Becker


Cordula lebt mit ihrer 13jährigen Tochter Anna auf einer kleinen, etwas verschlafenen italienischen Insel und kämpft nach dem Tod ihres Mannes mit den Sorgen und Nöten einer alleinerziehenden Mutter. Trost bietet ihr einzig und allein das noch bestehende Band zu ihrem Ehemann, immer wieder sucht sie Kontakt zu ihm, gequält von Schuldgefühlen.

Da scheint ihr das Angebot der ebenso exzentrischen wie reichen Signora Vero wie gerufen zu kommen: Cordula hilft ihr, einen sauberen Weg in den Tod zu finden und ist damit alle Geldsorgen los. Doch jemanden umzubringen, der zwar lebensmüde ist, sich aber trotzdem bester Gesundheit erfreut, schreckt Cordula ab. Sie hat eine bessere Idee, möchte die Lebensgeschichte der Signora aufschreiben und veröffentlichen. Anfangs zögerlich stimmt diese zu und findet damit nach un nach scheinbar tatsächlich auch wieder Gefallen an ihrem Leben. Sie freundet sich mit Anna an und ihre Villa wird belagert von jungen Mädchen. Cordula reagiert eifersüchtig, möchte nicht ind er Schuld der Senora Vero stehen und misstraut ihr. Nach und nach werden die Beziehungen untereinander immer komplizierter, bis es zu einem nicht unbedingt vorhersehbaren Ende kommt.


Sehr positiv beeindruckt an diesem Buch hat mich der Sprachstil, die Autorin versteht es, den Leser mit auf eine magische Reise zu nehmen, indem sie wunderbar bildhaft schreibt. Magisch ist auch der Umstand, dass der verstorbene Ehemann immer wieder auftaucht und sich mit Cordula austauscht. Sehr schön gemacht und in keiner Weise abdriftend ins Fantasygenre. Es wird einfach ein möglicher Umgang mit dem Tod eines geliebten Menschen beschrieben, in meinen Augen nicht der schlechteste. Auch das eigentlich Hauptthema des Buches, die Sterbehilfe, spielt hierbei eine Rolle, die mich sehr nachdenklich gemacht hat.

Auch die beiden Protagonistinnen, Signora Vero und Cordula sind sehr gut dargestellt, ihr ständiger Kampf miteinander, das herrlich tragisch-komische Wesen der Vero gegenüber dem traurigen, eigentlich schwachen von Cordula. In ihr zeigt sich deutlich ein Konflikt, den wohl gerade alleinerziehende Frauen oft mit sich selbst auszutragen haben: Man möchte, muss eigentlich stark sein, kann es aber irgendwann einfach nicht mehr.

Anna wiederum kämpft mit sich selbst, als wenn die Pubertät an sich noch nicht schwierig genug wäre, muss auch sie die Trauer um ihren Vater bewältigen und ihre Mutter kann ihr keine große Hilfe sein.

Eigentlich ist das ganze Buch wie in einem Drama auf einen tragischen Abschluss ausgerichtet. Tragisch ist dieser in einem weiteren Sinne auch, nur leider kommt dies hier nicht mehr wirklich bei mir als leser an. Das Buch gewinnt immer mehr an Geschwindigkeit, worunter in diesem Fall mein Lesevergnügen gelitten hat und am Ende hat man das Gefühl, eigentlich über eine Klippe stürzen zu müssen... leider stolpert man nur über einen kleinen Stein, liegt auf der Nase und das Buch ist zu Ende.

Vielleicht werde ich das Buch tatsächlich noch einmal lesen, um dem Ende doch noch etwas Schönes abgewinnen zu können, natürlich ist dies auch eine subjektive Entscheidung.


Insgesamt ein lesenswertes und überdenkenswertes Buch mit einem tollen Sprachstil und einem gewöhnungsbedürftigen Ende.


Langen Müller Verlag, 2014

Hardcover, 191 Seiten

  (2)
Tags: familie, roman   (2)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(143)

252 Bibliotheken, 8 Leser, 2 Gruppen, 65 Rezensionen

krimi, rache, oslo, norwegen, nesbo

Der Sohn

Jo Nesbø , Günther Frauenlob
Fester Einband: 528 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 14.11.2014
ISBN 9783550080449
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Irritierend, mörderisch und trotzdem liebenswert, mit einer solchen Hauptfigur startet die Geschichte: Sonny Lofthus, heroinabhängig und wegen Mordes im Gefängnis.

Hier hat er eine Art Heiligenstatus, gerade weil er mit fast niemanden spricht, eignet er sich wunderbar als stiller Zuhörer. Irgendetwas scheint an ihm zu sein, weswegen sich die anderen Häftlinge von ihm eine Absolution ihrer Sünden versprechen.

Seine wahre Geschichte offenbart sich erst nach und nach, als er plötzlich und für alle unerwartet aus dem Gefängnis flieht. Danach erschüttert eine brutale Mordserie die norwegische Stadt. Die Verbindungen der Opfer zueinander lassen sich nicht so schnell aufdecken, aber irgendwann wird klar, dass alle Opfer vorher selbst Täter waren. Das Sonny für diese Morde verantwortlich ist, scheint nahe zu liegen und trotzdem gewinnt er beim Leser schnell Sympathien, zeigt sich als unschuldiger, junger Mann, der die letzten 10 Jahre seines Lebens verpasst hat und nun nachholen will. Eine große Rolle spielt dabei auch die junge Sozialarbeiterin Martha. Doch wem letzten Endes wirklich zu trauen ist, erschließt sich erst ganz am Ende des 500 Seiten dicken Buches. Und selbst dann ist irgendwie immer noch nicht so ganz klar, wer denn nun der Gute und wer der Böse ist.

Jo Nesbo ist es hier wunderbar gelungen, eine Welt dazustellen, die sich nicht in Schwarz und Weiß, Gut und Böse einteilen lässt. Es hat bei mir ein bisschen gedauert, bis ich Zugang zu dieser Welt gefunden habe, aber als es soweit war, wollte ich auch nicht wieder raus. Das Buch hat mich wirklich mit dem irritierenden Gefühl zurückgelassen, dass irgendetwas immer noch nicht stimmt, ich wollte nicht weg. Obwohl alles aufgelöst wurde...fast. Eigentlich.

Die Story ist an manchen Stellen schon etwas verwirrend, viele Personen agieren an vielen Orten, man sollte das Buch auf keinen Fall längere Zeit weglegen, um dann irgendwann weiterzulesen, es könnte schwierig werden, dann wieder hereinzufinden. Sehr angenehm finde ich, dass der Autor „eingängige“ skandinavische Namen gewählt hat, so dass es auch für deutsche Leser nicht schwer ist, sich die Figuren zu merken und kennenzulernen. Diese Figuren sind es schließlich auch, die das Buch besonders lesenswert machen, jede einzelne hat ihren ganz spezifischen Charakter und nimmt den Leser mit, zeigt ihre Welt und ihre Gefühle.

Ganz zu Anfang klang das Geschriebene für mich ein bisschen holprig, was aber einfach passieren kann, wenn ein Buch in eine andere Sprache übersetzt wird. Manches lässt sich eben nur in einer bestimmten Sprache ausdrücken. Schade, dass ich das Original nicht verstehen kann ;-)

Wie auch immer, mir hat das Buch sehr gut gefallen, klare Kaufempfehlung.


Ullstein Verlag, Hardcover, 522 Seiten, November 2014

  (3)
Tags: krimi, kriminalroman, thriller   (3)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(835)

1.330 Bibliotheken, 27 Leser, 6 Gruppen, 208 Rezensionen

kreuzfahrt, thriller, kreuzfahrtschiff, fitzek, selbstmord

Passagier 23

Sebastian Fitzek
Fester Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Droemer, 30.10.2014
ISBN 9783426199190
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Sebastian Fitzek

Passagier 23

Der alte Fitzek ist zurück!

 

„Was ist das Schlimmste, das sie jemals getan haben?“

 

Eine gute Frage, die in diesem Buch gestellt wird, und deren Beantwortung über Leben und Tod entscheidet. Na ja gut, eigentlich nur über die Art des Todes. Ein bisschen Folter vorweg gefällig? Dann beantworte die Frage falsch. Natürlich keine körperlich brutale, wie schon in so viel anderen Psychothrillern beschrieben. Bösartig und perfide, langsam und zermürbend, das ist die gerechte Strafe für die Tat.

 

Wie oben schon geschrieben: Der alte Sebastian Fitzek ist mit diesem Buch zurück, nach „Noah“ habe ich mit diesem Buch wieder das bekommen, was ich erwartet habe: einen gut durchdachten, herrlich verwickelten und spannenden Psychothriller der Spitzenklasse.

Dieses Mal schickt der Autor den Leser auf ein Luxuskreuzfahrtschiff, bewohnt von tausenden Passagieren und Mitarbeitern. Auch Julia und ihre 15jährige Tochter Lisa sind dabei, eingeladen von dem Kapitän höchstpersönlich. Doch schon kurz nach der Abfahrt erhält Julia eine schockierende Nachricht, die sie um ihre Tochter bangen lässt. Wie schon so viele andere vor ihr, hält Lisa ein so großes Schiff für einen perfekten Ort, um sich das Leben zu nehmen. Glaubt Julia.

Auch der Ermittler Martin Schwartz hat sich auf dem Schiff eingecheckt, nicht um Urlaub zu machen, sondern um die Hintergründe des Todes seiner Frau und seines Sohnes aufzudecken. Beide stürzten sich von genau diesem Schiff in den Tod. Glaubt Martin.

Das Ganze wird verwirrend, als ein Mädchen entdeckt wird, das eigentlich tot sein sollte, ebenfalls durch einen Selbstmord. Ganz lebendig ist sie tatsächlich nicht, sie scheint schwer traumatisiert zu sein und weist Verletzungen auf, die auf schwere Misshandlungen hindeuten: Was ist los auf der „Sultan of the seas“? Warum sterben hier so viele Menschen durch angeblichen Selbstmord und was verbirgt sich hinter der mysteriösen Bezeichnung „Passagier 23“?

Fragen, die sich beim Lesen auflösen, wie meistens bei diesem Autor erst ziemlich zum Schluss.

Gerade der hat mir übrigens sehr gut gefallen. Beide, um genau zu sein.

 

Viele Handlungsstränge, beteiligte Personen und unerwartete Wendungen machen es schwer, den Inhalt hier komprimiert wiederzugeben. Beim Lesen stören sie dagegen gar nicht, im Gegenteil. Jedes mal wenn ich meinte: „Aha, so ist es!“ kam es anders als gedacht, aber das bin ich ja von Sebastian Fitzek gewohnt und gerade das gefällt mir an seinen Büchern.

Wenn es auch, meiner Meinung nach, nicht das beste seiner Bücher ist, ist es doch ein herausragender Psychothriller. Vor allem die Idee, die Ganze Geschichte auf einem Schiff spielen zu lassen gefällt mir gut und ist neu.

Die von ihm erschaffenen Figuren sind menschlich und einzigartig, mit kleinen Macken und zum Teil tiefen seelischen Abgründen, manche so gute Schauspieler, dass ich ihnen bis zum Schluss nicht auf die Schliche gekommen bin. Außerdem schafft es Sebastian Fitzek, eine gruselige Gänsehautatmosphäre zu erzeugen, ohne blutige Taten bis ins Detail auszuschmücken.

Sein Schreibstil ist wie erwartet wunderbar zu lesen, wie immer will man das Buch nicht mehr aus der Hand legen, ich habe dafür eine einzige Nacht gebraucht.

Übrigens ist er der einzige Schriftsteller, bei dem es sich lohnt, die Danksagung zu lesen.

 

Nach diesem Buch weiß ich auch wieder, warum Sebastian Fitzek mein Lieblingsautor auf dem Thrillersektor ist, ich würde es kaufen, wenn ich es nicht schon getan hätte.

 

Droemer-Knaur, Hardcover, 426 Seiten

 

  (4)
Tags: psychothriller, thriller   (2)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(43)

108 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 22 Rezensionen

england, australien, 2. weltkrieg, geheimnisse, familiendrama

Das geheime Versprechen

Annette Dutton
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.09.2014
ISBN 9783426513736
Genre: Romane

Rezension:

Das geheime Versprechen; Annette Dutton


Ein Buch in Moll.


Eine sehr bewegende Geschichte über das Schicksal einer jüdischen Familie vom Dritten Reich bis heute.


Den Inhalt hier knapp zusammenzufassen gestaltet sich nicht so leicht, zu vielschichtig ist die Geschichte. Auch die vielen Szenenwechsel, zeitlich wie örtlich, erleichtern dies nicht. Zu betonen ist allerdings gleich vorweg, dass dies dem Lesevergnügen in keiner Weise geschadet hat. Nicht zuletzt dank gut strukturierter Kapitel samt passender Überschriften wusste ich jederzeit, wo ich mich gerade befand. Aber nun doch erst einmal der Versuch einer Inhaltsangabe.


Die 15jährige Jüdin Leah wird kurz vor Anbruch des zweiten Weltkrieges von ihren Eltern von Deutschland nach England geschickt, zusammen mit vielen anderen Kindern. Unterwegs im Zug lernt sie den fast gleichaltrigen Michael kennen, der bis an ihr Lebensende eine Rolle für sie spielen soll. In England landet sie bei einer sehr vornehmen Familie, die sich augenscheinlich gut um sie kümmert...bis sie sich in den Augen dieser Familie eines großen Vergehens schuldig macht, das alles verändert. Danach muss Leah eine Menge aushalten, mehr als es eigentlich in einem Menschenleben sein sollte.

Ich möchte gar nicht mehr zum Inhalt berichten, dies würde der Spannung sehr abträglich sein.

Viele der fiktiven Geschehnisse, die die Autorin so eindrücklich beschreibt, basieren auf realen Fakten und dies macht die Geschichte noch viel berührender und trauriger. Jeder von uns, insbesondere wir Deutsche, sollten immer mal wieder vorgeführt bekommen, was vor noch nicht einmal hundert Jahren in unserem Land passiert ist. Natürlich hat man drüber im Geschichtsunterricht gehört, über sämtliche Verbrechen im Dritten Reich. Aber das Ganze an einem persönlichen Schicksal nachzuvollziehen ist doch noch viel eindringlicher. Und wenn die Geschichte um Leah, Michael und all der anderen Personen auch fiktiv ist, so ist es gut möglich, dass irgendjemand genau so einen Lebensweg beschritten hat und sich die Nachwirkungen in der Familie bis heute zeigen.

Ich wünsche mir sehr, dass irgendwann in keinem Staat der Welt mehr Kinder ihren Eltern gewaltsam entrissen werden, hoffentlich keine allzu utopische Vorstellung.

Die Autorin hat es jedenfalls geschafft, ihren Figuren soviel Leben einzuhauchen, dass ich ihre Geschichte wirklich miterlebt habe, mit ihnen von Deutschland nach England und Australien gereist bin und mir sind gerade am Ende des Buches wirklich die Tränen gekommen.

Annette Dutton hat es geschafft, mir das Genre des Familiendramas schmackhaft zu machen, obwohl ich sonst fast ausschließlich in der Thriller- und Krimi-Ecke zuhause bin. Aber kein Kriminalroman hat mich je so berührt wie dieses Buch.

Ich empfehle es jedem, der sich für Geschichte und Familiendramen interessiert, aber ganz besonders auch allen bisher Unbedarften auf diesem Gebiet. Mich hat es absolut überzeugt und ich werde ganz sicher auch die anderen beiden Bücher der Autorin lesen.


Droemer Knaur, 2014, 422 Seiten




  (6)
Tags: drittes reich, familiendrama, zweiter weltkrieg   (3)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(41)

51 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 37 Rezensionen

weihnachten, adventskalender, geschenke, kinderbuch, advent

Ein ganz besonderer Adventskalender

Eva Markert
E-Buch Text: 76 Seiten
Erschienen bei Dr. Ronald Henss Verlag, 28.09.2014
ISBN B00N6OASHC
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Mona freut sich wie in jedem Jahr auf ihren Adventskalender, vor allem auf die Schokolade darin. Deswegen ist sie schon ein bisschen enttäuscht, als sie von ihrem Opa nur einen Kalender mit Bildern bekommt. Aber diese haben es in sich: jedes Bild, was sie öffnet, bereitet auf eine Überraschung im Laufe des Tages vor. Als sie zum Beispiel einen Teddybären mit karierter Hose entdeckt, bekommt ihr eigener Bär einen neue, gleiche Hose. Am Tag, als die Eisenbahn auf einem Bild zu sehen ist, holt Papa seine alte Modelleisenbahn aus dem Keller und spielt den ganzen Tag mit ihr. Das Schaukelpferd wiederum beschert ihr ganz tolle Weihnachtslieder und das Telefon einen Besuch ihrer Cousine. Sie wird sogar selbst zu einem helfenden Engel, als der Kalender dies voraussagt, meine persönliche Lieblingsgeschichte. Der einzige Wermutstropfen ist, dass die Geschenke in jeder Nacht wieder verschwinden... Aber das schöne Ende an Weihnachten entschädigt für alles.

Eine ganz tolle Weihnachtserzählung, vor allem für Kinder im Kindergartenalter.

Ich würde an jedem passenden Tag die Geschichte vorlesen, das Buch also als Adventskalender benutzen, vielleicht ja sogar tatsächlich solche oder ähnliche Überraschungen für das Kind einbauen.

Sehr gut gefallen hat mir, dass klar gezeigt wird, dass auch Dinge, die man nicht kaufen kann sehr viel Freude bereiten können. Gerade in der heutigen Zeit, wo materielle Dinge einen sehr hohen Stellenwert haben, zeigt diese Geschichte eine schöne Alternative auf.

Der Sprachstil ist sehr gut auf die Zielgruppe zugeschnitten, jeder Tag verspricht neue Überraschungen und hilft vielleicht, die Zeit bis Weihnachten ein bisschen zu verkürzen.

Das Einzige, was mir ein bisschen gefehlt hat, sind passende Bilder in dem Buch, so sind es eben „nur“ reine Vorlesegeschichten. Schön wäre es, wenn allein damit die Kinder gefesselt werden könnten, aber meine Erfahrung im Kindergarten zeigt leider, dass dies immer schwieriger wird.

Trotzdem ein tolles Buch, was ich Eltern von 4-8 Jährigen gerne ans Herz legen möchte (oder Erzieher/innen in Kindergärten).

  (4)
Tags: kinderbuch, vorlesen, weihnachten   (3)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(51)

55 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 49 Rezensionen

esel, kinderbuch, pferd, humor, pferde

Klausmüller - Ein Esel sucht ein Pferd

Pebby Art
Flexibler Einband: 212 Seiten
Erschienen bei CreateSpace Independent Publishing Platform, 22.09.2014
ISBN 9781502355089
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Klausmüller – Ein Esel sucht ein Pferd; Pebby Art


Wer Kinderbücher mag, auch als Erwachsener, kommt an diesem Buch nicht vorbei!


Klausmüller ist eigentlich ein ganz normales Stofftier, ein Esel, um genau zu sein. Er gehört Klara und ist ihr liebster Freund und Seelentröster. Den braucht sie auch gerade jetzt besonders: Schließlich haben ihre Eltern gerade den Mallorca-Urlaub abgesagt und wollen mit ihr stattdessen Tante Agnes auf dem Land besuchen. Ihr Ärger darüber verfliegt jedoch schnell, als sie das Anwesen dieser Tante entdeckt. Ein richtiges Märchenschloss und sogar eine Ritterrüstung gibt es hier. In diese fällt Klausmüller- und kommt als lebendes Stofftier wieder heraus.

Plötzlich kann er sprechen, rennen und Blödsinn machen, was er auch ausgiebig tut. Gar nicht auf die Eselschnauze gefallen, fällt es ihm nicht schwer, immer wieder für Lacher beim Leser zu sorgen. Auch Klaras neuer Freund Joey findet schnell Gefallen an ihm. Plötzlich aber gerät die heile Welt ins Wanken: Favorit ist verschwunden, ein Fohlen aus Tante Agnes Stall, in das sich Klara schon beim ersten Anblick verliebt hatte. Den Kindern ist schnell klar, dass es gestohlen wurde. Nur von wem? Steckt vielleicht Tanta Agnes komischer Freund Egon dahinter? Und wer beobachtet die Kinder immer heimlich? Eines sei gesagt: mit Klausmüllers Hilfe werden alle Abenteuer gut überstanden, obwohl er sich immer wieder gegen den dicken, stinkenden Hund Precious durchsetzen muss.


Klingt komisch? Ist es auch. Ein Buch, das so herrlich witzig geschrieben ist, dass ich mir das Lachen mehrmals nicht verkneifen konnte. Der Autorin ist es wunderbar gelungen, dem kleinen Eselchen Leben einzuhauchen, ein wenig erinnert er mich an Pumuckel, auch wenn beide von diesem Vergleich nicht begeistert wären.

Die Sprache des Buches ist kindgerecht, vor allem für jüngere Grundschulkinder, und modern. Die Autorin scheut sich auch nicht davor, den Esel einen „Abgang“ machen zu lassen oder ihm die Worte „Lass das, ich kotze sonst.“ in die freche Schnauze zu legen. Trotzdem bleibt er immer liebenswert und wird nicht unverschämt, nicht mal, als er ungewollt auf einem Pferd reiten muss.

Es ist überhaupt kein Problem, sich Klausmüller lebhaft vorzustellen, auch die anderen Protagonisten sind sehr anschaulich und charakteristisch dargestellt.

Stilistisch ganz toll geschrieben, inhaltlich kaum zu toppen, super Personenbeschreibungen und ein tolles Ende, alles altersgerecht verpackt... besser geht nicht, ganz klare Kaufempfehlung!

  (3)
Tags: humor, kinderbuch   (2)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(29)

51 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 27 Rezensionen

krim, krimi, mord, drogengeschäf, thriller

Ewige Buße

David Mark ,
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 10.10.2014
ISBN 9783548286587
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ewige Buße; David Mark


Ein Buch, auf dem schon ein gut sichtbarer Aufkleber prangt, der es als englischen Bestseller auszeichnet, weckt schon gewisse Erwartungen. Eine erste Leseprobe war auch ganz interessant, so dass ich mich auf das Buch gereut habe.

Um es gleich zu sagen: die Erwartungen waren etwas zu hoch gegriffen. Das Buch ist nett, nicht mehr und nicht weniger. Aber zuerst zum Inhalt.

Hauptermittler Aector McAvoy gerät in einen Fall, der immer mysteriöser erscheint: zuerst wird eine Frau tot aufgefunden, deren Brustkorb regelrecht zerquetscht wurde. Eine weitere Tote kommt hinzu, ihr wurde die Beinschlagader durchtrennt. Relativ schnell ist eine Verbindung zwischen den beiden Frauen entdeckt: beide retteten vor einiger Zeit einem Menschen das Leben, der sich später als Serienvergewaltiger herausstellte. Dieser jedoch ist mittlerweile so krank, dass er mit den Taten nichts zu tun haben kann...eigentlich. Auch sein Freund und Psychiater scheint irgendwie darin verwickelt zu sein, auf jeden Fall gibt es noch mehr Tote und alle sind irgendwie miteinander verbunden.

In einem zweiten Handlungsstrang erfährt der Leser von einer weiteren Ermittlung gegen eine große Drogenbande. Sie gerät zufällig mit McAvoys Frau aneinander, so dass diese in Lebensgefahr schwebt. Diese beiden losen Fäden verknüpfen sich am Ende leider nicht, so wie das Ende insgesamt relativ offen gehalten wird.

Und da wären wir auch schon bei meinen Kritikpunkten. Das Ende gefällt mir gar nicht. Es gibt mehrere Bücher dieser Reihe und ein weiteres ist geplant, so scheint es, weswegen der Schluss wohl nicht wirklich abgeschlossen wird. Einen wirklichen Cliffhanger gibt es aber auch nicht, so dass ich nach dem Lesen ein wenig unbefriedigt zurück blieb.

Auch der Schreibstil ist etwas sperrig, manchmal verliert sich der Autor in sehr langen Beschreibungen. Weiterhin hat mich irritiert, dass das Buch in der Gegenwartsform geschrieben ist. Mag vielleicht die Spannung erhöhen, wenn man dem Täter quasi in Echtzeit zuschauen kann, mir gefällt es nicht sonderlich. Dies ist aber wohl tatsächlich eine reine Geschmacksfrage.

Das Buch wäre jedoch nicht nett, wenn ich nur Dinge negativ zu kritisieren hätte.

Die Figuren sind zum Beispiel sehr schön dargestellt, zumindest der Hauptermittler und seine Frau sind mir anschaulich bekannt geworden. Auch wenn der Autor hier sehr mit dem Klischee spielt: tapferer Ritter beschützt zierliches Prinzesschen, welches sich dann doch als relativ wehrhaft entpuppt. Ein bisschen viel Gefühlsduselei manchmal, aber mir hat es gefallen.

Auch die Storyidee ist ganz schön überlegt, wenn eben auch nicht umwerfend.

Abschließend also ein Thriller, den man durchaus lesen kann, der mich jedoch nicht neugierig auf weitere Werke des Autors gemacht hat.

  (2)
Tags: krim, thriller   (2)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(16)

19 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 15 Rezensionen

humor, verantwortun, kin, hilfe, s, elternratgeber

Schlafen könnt ihr, wenn ich groß bin

Mini-Chef , Bunmi Laditan , Kristian Lutze
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Ullstein extra, 30.09.2014
ISBN 9783864930188
Genre: Sachbücher

Rezension:

Ein Kleinkind berichtet von den Erlebnissen seines bisherigen Lebens und wie es damit seine Eltern in den Wahnsinn treibt.

Praktischerweise gibt der Autor, Mini Chef genannt, den besagten Eltern auch gleich Verhaltensregeln mit an die Hand. Ein dickes Kapitel ist zum Beispiel dem Umgang mit Lebensmitteln gewidmet: Spinat sei ungenießbar und deshalb von vornherein nicht zu kaufen. Lasagne ginge, aber nur die Tiefkühlvariante. Und auch nur dann, wenn der eigentlich Inhalt entfernt und die Packung mit Kuchenteig wieder aufgefüllt wird.

Auch andere Dinge, die Erwachsene für wichtig halten, werden als völlig nutzlos entlarvt, Zähneputzen zum Beispiel. Laut Mini Chef wäre das ganze Leben mit Kleinkind ganz einfach, wenn Erwachsene nur immer und ausschließlich die Regeln und Bedürfnisse des Kindes beachten würden...

Soviel zum Inhalt des Buches, auf immerhin 300 Seiten verteilt. Einsortiert ist dieses Buch unter „Humor“, manch Einer mag dieses Buch vielleicht auch ganz witzig finden... ich nicht, nicht mal ein bisschen.

Die ganzen Geschichten kommen bei mir nur extrem albern an, jeder der Kinder hat, wird sich sicherlich das ein oder andere Mal in diesem Buch wiederfinden, aber so, dass ich nicht mal darüber schmunzeln konnte.

Wenn man bereit ist, die Ironie in dem Text zu erkennen, könnte er vielleicht an der ein oder anderen Stelle Gefallen finden, aber jedes Mal, wenn ich kurz dachte „Na gut, ganz nett“ kam wieder eine dermaßen alberne Stelle, dass der kurze Genuss dahin war.

Das einzig Positive, was ich hier finden konnte, waren die netten Seitenhiebe auf Dauer-Handy-nutzende Eltern und der relativ flüssige Schreibstil.

So eine Bewertung ist natürlich subjektiv, es gibt sicherlich Menschen, die einen anderen Humor haben als ich, und da das Buch ja scheinbar wenigstens in den USA Erfolg hatte, muss ja wohl was dran sein... von mir gibt es trotzdem keine Kaufempfehlung.

  (2)
Tags: humor   (1)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(28)

35 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 28 Rezensionen

kinderbuch, fische, kinder, freundschaft, doktorfisch

Ein Pflaster für den Zackenbarsch

Jens Rassmus
Fester Einband: 72 Seiten
Erschienen bei Residenz, 09.09.2014
ISBN 9783701721405
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Schon erstaunlich, was sich so alles im Meer tummelt.
So begegnet man in dieser Geschichte vor allem dem Doktorfisch, zusammen mit seinem Assistenten, dem Kofferfisch. Beide zusammen haben einige Abenteuer zu bestehen, sie müssen zum Beispiel Familie Krake entwirren, als diese sich beim Silvesteressen hoffnungslos mit ihren Tentakeln verknotet hat.
Außerdem müssen Tiere von Bauchschmerzen befreit und sogar Krankheiten gemacht werden.
Über allen Geschichten schwebt die ständige Gefahr durch den gefräßigen Hai. Da dieser aber immer ein bisschen verschusselt ist und die anderen Fische gute Ideen haben, kommen sie alle immer mit dem Leben davon.
Sehr schön ist auch die Frage, wie man sich anfühlt, wenn man nass ist. Sind Fische immer nass, weil sie im Wasser leben? Dieser Frage wird mit Hilfe des Delfins auf den Grund gegangen.
Sogar einen Ausflug ins Süßwasser überstehen die beiden, allerdings nur, weil sie sich ständig traurige Geschichten erzählen: durch die Tränen wird das Wasser salzig genug.

Sehr humorvoll werden diese Geschichten erzählt und selbst als Erwachsener kommt man ins Schmunzeln. Die Meeresbewohner werden durchweg liebevoll und menschlich dargestellt, selbst der Hai ist durch seine Schusseligkeit irgendwie ganz süß.
Manche Geschichten regen auch ein bisschen zum Nachdenken an, der Humor steht jedoch weit im Vordergrund.
Die Farbabbildungen sind kindgerecht gemacht, in keiner Weise gruselig und sehr detailreich. Zwischendurch sind außerdem einige liebevolle Zeichnungen zu finden.
Insgesamt für ein Bilderbuch nicht sehr viele Bilder und dafür reichlich Text, dieses Buch ist also eher zum Vorlesen als zum Anschauen geeignet. Auch für Erstleser dürfte es interessant sein.

Der Schreibstil ist einfach und klar gehalten, absolut angemessen für die Zielgruppe.

Wer Kinder in dem Alter hat oder einem Kindergarten etwas Gutes tun möchte, bekommt von mir eine klare Kaufempfehlung.

  (3)
Tags: bilderbuch, erstleser, kinder   (3)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(258)

483 Bibliotheken, 3 Leser, 4 Gruppen, 114 Rezensionen

thriller, serienmörder, mord, psychologin, düsseldorf

Schwesterlein, komm stirb mit mir

Karen Sander , ,
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 01.08.2013
ISBN 9783499242175
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ein grausamer Mörder treibt in Düsseldorf sein Unwesen. Er schlachtet Frauen ab, die vorher Männer waren und inszeniert seine Schauplätze auf grauenvolle Art und Weise.
Der Ermittler Georg Stadler bittet die Psychologin Liz Montario um Hilfe. Diese scheint aber selbst mit einem Problem zu kämpfen: Drohbriefe und eine mysteriöse Vergangenheit werfen letztendlich mehr Fragen auf, als dass sie zur Lösung des Falles beitragen.
Viel mehr zum Inhalt möchte ich an dieser Stelle gar nicht schreiben, zu leicht verrät man zu viel.

Karen Sander hat hier einen guten Thriller abgeliefert, allerdings nichts Herausragendes.
Er wird sich vermutlich in die Liste der von mir gelesenen Thriller einreihen, ohne sonderlich im Gedächtnis zu bleiben.
Die Story ist schön verwickelt und man erfährt erst langsam die ganze Tragweite des Falles. Das Rätselraten dauert jedoch für meinen Geschmack nicht lange genug, irgendwann beginnt man schon zu ahnen, was dahinter steckt. Das Motiv für die Morde war mir auch nicht ganz schlüssig genug, vielleicht nur, weil ich nicht akzeptieren will, dass es das Böse im Menschen auch einfach ohne Grund gibt.
Der Ermittler und die Psychologin werden anschaulich dargestellt, wirken sympathisch und zeigen menschliche Eigenschaften.
Der Schreibstil ist angenehm flüssig zu lesen, nur an wirklicher Spannung mangelt es manchmal.
Da dies der erste Band einer Reihe ist, kann es gut sein, dass ich mir auch die anderen nochmal vorknöpfen werde, ohne jedoch gespannt entgegen zu fiebern (bis jetzt ist meines Wissens der zweite Band erschienen).

Ein solider Thriller für zwischendurch, nicht mehr und nicht weniger.

rororo; Auflage: 5 (1. August 2013)
400 Seiten, 9,99
ISBN 978-3499242175

  (3)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(22)

22 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 21 Rezensionen

kinderbuch, fabel, glück, toleranz, fabeln

Der Zugvogel im Zoo

Wolfgang Wambach
Flexibler Einband: 76 Seiten
Erschienen bei epubli, 19.03.2014
ISBN 9783844289237
Genre: Sonstiges

Rezension:

In diesem Buch versammeln sich moderne Fabeln, keine überholten Klassiker, die sowieso jeder kennt, sondern ganz neu erdachte. Mit den klassischen Fabeln haben sie die moralische Aussage gemein, die sehr anschaulich aktuelle Probleme und deren Lösungen aufgreift. Eigentlich für Kinder gedacht, sind diese Geschichten auch für Erwachsene eine sehr schöne Leseerfahrung und regen durchaus zum Nachdenken an.

So behandeln sie zum Beispiel das Thema „Liebe“, hier stellt ein Stallhase fest, dass dieses Gefühl nicht unbedingt von dem guten Aussehen einer hübschen Kaninchendame abhängt.

Auch schwierige Themen wie „Demokratie“ werden verständlich erklärt und (anhand eines Bienenvolkes) auf den Punkt gebracht.

Sehr witzig ist auch die Geschichte des strubbeligen Straßenkaters, der seine Herzensdame lieber mit dem Fisch in der Hand als dem Kaviar in der verschlossenen Dose lockt.

Ein großer Teil der Fabeln gefällt mir sehr gut, nur die Geschichten um die gesunde Ernährung und die Kultur fallen meiner Meinung nach stark hinter den anderen zurück.

Für den Inhalt würde ich so sehr gute 4 Sterne verteilen.

Auch die eigentlich Zielgruppe der Grundschulkinder wird gut angesprochen, die Sprache ist einfach und sehr anschaulich gehalten, so dass ich es auch schon im Vorschulalter einsetzen würde.

Meine Lieblingsgeschichte ist definitiv die des Kükens in der Klemme. Sie behandelt einen Streit um das Aussehen der Sonne, bei dem letzten Endes zwei Hähne als Wortführer sterben, obwohl eigentlich beide recht gehabt hätten. Diese Fabel spiegelt in herausragender Weise die Streitigkeiten zwischen Anhängern verschiedener Religionen wieder und sollte eine Zwangslektüre für alle religiös motivierten  Streithähne werden.

Leider kann ich die vier verdienten Sterne für den Inhalt jedoch nicht geben, da das Buch vor Tipp-, Rechtschreibung- und Kommafehlern wimmelt. Anfangs dachte ich, dieses sei nur minimal, leider zieht es sich jedoch durch das ganze Buch und nimmt zum Ende hin zu. Auch einige Wortdoppelungen wirken unsauber, was insgesamt sehr schade für die tollen Geschichten ist.

Dem Autor ist zugute zu halten, dass er einsichtig ist und eine Überarbeitung zugesagt hat. Deswegen werden ich nicht, wie eigentlich geplant, zwei Punkte abziehen, sondern nur einen.

Ganz aus der Bewertung herausnehmen möchte ich dieses Problem nicht, da das Buch ja unter anderem auch für Erstleser gedacht ist und da empfinde ich solche „Böcke“ schon als fatal (und ehrlicherweise stört es auch mich beim Lesen sehr).

Wenn diese Fehler behoben werden, revidiere ich mein Urteil gerne auf vier Bewertungspunkte :-)

Abschließend also ein sehr lohnenswertes Buch, generell gibt es eine Kaufempfehlung von mir, ich würde allerdings noch die Überarbeitung abwarten.

Edit: Laut Aussage des Autors wurde das Buch nun professionell lektoriert und die Fehler ausgemerzt. Deswegen werde ich nun die verdienten vier Sterne geben, allerdings auf Vertrauensbasis, ich habe den überarbeiteten Text nicht gelesen. 

(Scheinbar kann man einmal gegebene Sterne nicht wieder rückgängig machen. Also nochmal: Text und Inhalt verdienen ohne Fehler definitv vier Sterne und das Buch kann guten Gewissens gekauft werden ;-))

  (2)
Tags: fabeln, kinderbuch   (2)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(60)

110 Bibliotheken, 2 Leser, 2 Gruppen, 40 Rezensionen

köln, laura wulff, daniel zucker, thriller, kinder

Nr. 13

Laura Wulff
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei MIRA Taschenbuch, 10.02.2014
ISBN 9783862788705
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Das Buch beginnt sehr verstörend mit dem Missbrauch an einem kleinen Jungen. Hier war tatsächlich schon ein Moment, wo ich mich fragte, ob ich das Ganze wirklich lesen will, als passionierte Thrillerleserin schocken mich detailgenaue Beschreibungen nicht, im Gegenteil. Morde, Verstümmlungen, sadistische Einzelheiten erwarte ich hier.

Wenn es um Kinder geht, bin ich aber scheinbar wohl doch ein wenig dünnhäutiger als gedacht. Glücklicherweise war die Szene nur kurz.

Danach entwickelte sich die Geschichte erst mal wie ein mittelmäßiger Thriller weiter: Eine weibliche Leiche wird in einer jüdischen Einrichtung gefunden, erste Spuren führen zu einem Haus voller ehemaliger Gefängnisinsassen, durchweg pädophil veranlagt und entsprechend nicht gerne gesehen in der Nachbarschaft.

Eine alte, leicht demente Dame will in diesem Haus, passenderweise mit der Nummer 13, einen Mord beobachtet haben, der irgendwie mit der Toten in dem jüdischen Bad übereinstimmen könnte... bis hierhin nichts wirklich innovatives und alles ein bisschen klischeehaft. Anfangs war ich überzeugt davon, dass dieses Buch niemals mehr als drei von fünf Bewertungspunkten verdient hätte.

Aber irgendwie fand ich nach und nach immer mehr in das Geschehen hinein, ohne es anfangs selbst zu bemerken. Und als ich es bemerkte, wusste ich auch warum: Die beteiligten Personen wurden so einfühlsam und realistisch beschrieben, dass ich sie ziemlich bald richtig gut zu kennen glaubte. Außerdem waren sie mir trotz oder vielmehr gerade wegen der menschlichen Macken absolut sympathisch. Hier zeigt sich die Besonderheit des Buches: Der Hauptermittler Daniel Zucker, Rollstuhlfahrer nach einem Unfall und noch nicht mit seinem Schicksal im Reinen. Eben diesen beschreibt die Autorin so herrlich authentisch, seine Probleme, die man als Fußgänger gar nicht wahrnimmt, seine Gefühle zwischen „Ich kann das allein“ und „Ich will nicht mehr“, sein ständiger Kampf gegen Vorurteile und gegen sich selbst. Dies vor allen Dingen macht diesen Thriller zu etwas Besonderem und Lesenswertem.


Auch die anderen beteiligten Figuren haben einen deutlichen Wiedererkennungswert, insbesondere der Cousin von Zuckers Ehefrau, Benjamin, wird so dargestellt, dass sich seine Gefühlswelt absolut offen darlegt und man einfach mitfühlen muss.

Insgesamt zeichnet sich die ganze story durch eine großartige Detailgenauigkeit aus, wie schon beschrieben, am Anfang des Buches für mich zu genau. Aber im Verlauf gewinnt das Buch dadurch einen Art Eigenleben, die einen irgendwann in seinen Bann schlägt.

Inhaltlich spielt das Haus Nummer 13 bald einen immer größere Rolle, hier ist nichts so, wie es anfangs scheint und es zeigt sich schnell, dass einfache Schwarz-Weiß-Malerei hier nicht angebracht ist.

Insgesamt eine mittelmäßige storyidee, allerdings mit sehr schön ausgearbeiteten Protagonisten und einem schönen, wenn auch nicht überraschendem Ende.

Diese ist schon der zweite Band um Daniel Zucker, der Erste allerdings noch nicht von mir gelesen. Wird aber so schnell wie möglich nachgeholt, ich freue mich darauf.

  (4)
Tags:  
 
32 Ergebnisse