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18 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

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Aufruhr in mittleren Jahren

Nina Lykke , Ina Kronenberger , Sylvia Kall
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Nagel & Kimche, 19.02.2018
ISBN 9783312010608
Genre: Romane

Rezension:

Dies ist ein Roman, den ich zwar gern gelesen habe, bei dem ich mich aber spätestens ab dem zweiten Drittel bei jedem Umblättern nur noch ärgern konnte. Wenn ich könnte, würde ich die Goldene Himbeere für den schlechtesten Klappentext des Jahres vergeben. Ich empfehle allen, die das Buch eventuell lesen wollen, die Inhaltsangabe zu ignorieren! Zum Teil stimmt einfach nicht, was dort geschrieben ist, aber viel schlimmer: Da stehen Sachen, die erst im letzten Sechstel (!) des Buches passieren. Beinahe die komplette Entwicklung v.a. einer der Hauptfiguren, die man doch eigentlich nach und nach im Laufe des Romans nachvollziehen möchte, wird im Klappentext lapidar in einem Satz vorweggenommen. Dadurch wurde mir sämtliche Spannung geraubt und ich kann beim besten Willen nicht nachvollziehen, warum ein Verlag so einen Text freigibt.

Ohne jetzt selbst zu viel über das Buch verraten zu wollen: Es werden mehrere "typische" Lebenskrisen sowohl von Menschen um die 50 als auch von Mittdreißigern seziert. Die Autorin hat sich dabei ihren durchaus nicht immer sympathischen Figuren mit deren unterschiedlichen Perspektiven auf das Geschehen emotional sehr stark genähert, was ich als eindringlich und beeindruckend wahrgenommen habe. Dass die dabei oft schmerzhaften Grenzüberschreitungen der Protas zu Neubewertungen und Neuausrichtungen in den Lebenswegen führten, die für mich im Detail nicht immer erwartbar waren, hat den Roman durchaus reizvoll gemacht. Es hätte ein tolles Buch sein können, wenn, ja wenn... da eben nicht dieser Klappentext mit der Vorwegnahme von mehreren wichtigen Wendungen vom Ende des Buches gewesen wäre.

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9 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

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In 300 Jahren vielleicht

Tilman Röhrig
Fester Einband
Erschienen bei Würzburg : Arena, 01.01.1990
ISBN B0053NV77E
Genre: Sonstiges

Rezension:

Der Dreißigjährige Krieg stellt ein Setting dar, zu dem ich noch nicht so viele Romane gelesen habe. Ich erinnere mich an grausame Passagen im "Abenteuerlichen Simplizissimus", wo ebenfalls ein Überfall von marodierenden Soldaten auf einen Bauernhof aus der Sicht eines ahnungslosen Kindes geschildert wird.

Die Kinder und Jugendlichen in Tilman Röhrigs Roman sind längst nicht mehr ahnungslos; sie kennen kein anderes Leben - seit 25 Jahren tobt der Krieg und kein Ende ist in Sicht; keiner weiß mehr, zu welcher Seite das heimatliche Dorf eigentlich gehört, und es ist auch egal, denn Soldaten und "Trossweiber" jeglicher Herrschaft haben nichts Anderes im Sinn, als zu plündern, was noch zu plündern ist, begleitet von einem schieren Rausch an Vergewaltigungen, Verstümmelungen, Brandschatzung und Mord.


Die LeserInnen werden mitten hineingeworfen ins Geschehen; geschildert werden nur wenige Tage Anfang Oktober 1641, in denen das bereits auf etwa 50 Einwohner dezimierte Dorf Eggebusch schließlich fast komplett ausgelöscht wird. Diese Ereignisse, die sich auf mehrere Überfälle und die knappen Atempausen dazwischen erstrecken, werden minutiös geschildert und sind an drastischen Bildern und emotionalen Herausforderungen kaum zu überbieten. Mir standen beim Lesen immer wieder die Tränen in den Augen. Dass diese Darstellung der Geschehnisse absolut authentisch ist, weiß ich noch aus der oben erwähnten, lange zurückliegenden Lektüre des "Simplizissimus", der zwanzig Jahre nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges niedergeschrieben wurde, sowie barocker Lyrik von Andreas Gryphius, Martin Opitz u.a., die die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges aufgreifen und die ebenso existenziellen wie zermürbt-ohnmächtigen Fragen nach dem "Warum?" und "Wie lange denn noch?" in ähnlicher Weise aufgreifen, wie Röhrig sie seinen ProtagonistInnen in den Mund und die Gedanken gelegt hat. Passenderweise ist meiner Ausgabe des Buches auch ein langes Gedicht von Martin Opitz angehängt, ein "Trostgedicht in Widerwärtigkeit des Krieges", das in meiner Wahrnehung eigentlich eher von Verzweiflung als von Trost geprägt ist.


Dennoch schreibt Röhrig hier nicht nur über den Dreißigjährigen Krieg. Der Schauplatz ist austauschbar; das könnte kaum deutlicher werden als bei den (titelgebenden) hoffnungsvollen Worten, die er einer sterbenden jungen Frau und ihrem Bruder in den Mund legt: "Wo sind die Soldaten? (...) "Die sind alle tot. Die alten Soldaten sind alle tot und neue gibt es einfach nicht." (...) "Wann? Wann ist das, Tobias?" (...) "Bald. So in hundert oder in zweihundert Jahren. Aber bestimmt in dreihundert Jahren. Bald, Anne." Was dreihundert Jahre später in Europa los war, kann sich jeder selbst ausrechnen.


Ich fand das Buch spannend und tief bewegend von der ersten bis zur letzten Seite, halte aber die Altersangabe des Verlags (14-17 Jahre) für zu jung angesetzt; unter 16 würde ich das Buch keinen Jugendlichen oder gar Kindern in die Hand geben - dazu sind die geschilderten Details meiner Ansicht nach oft zu drastisch und die Konsequenzen des Geschehens zu grausam. Auch wenn die ProtagonistInnen weitgehend Jugendliche sind, halte ich den Roman eher für ein Erwachsenenbuch.

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6 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

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Ziemlich beste Schwestern - Mit Karacho in den Winter

Sarah Welk , Sharon Harmer
Fester Einband: 128 Seiten
Erschienen bei arsEdition, 12.09.2018
ISBN 9783845826004
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Um dieses Buch vernünftig einschätzen zu können, habe ich zunächst die beiden Vorgängerbände gelesen und muss gestehen, dass ich sehr froh bin: Im dritten Band haben endlich die familiären Beschimpfungen ein Ende gefunden. Ich weiß ja nicht, was anderswo Standard ist, und meine Kinder mag ich bestimmt auch nicht immer nur kuscheln und anbeten, aber bei uns zu Hause fliegen definitiv nicht solche Schimpfwörter herum - und das Letzte, was ich möchte, ist, dass meine Kinder sie dann von mir per Vorlesebuch hören und lernen. Gleichzeitig wird in dieser Familie im Buch viel mit den Kindern ausdiskutiert... Ich frage meine Kinder morgens früh um 5 Uhr nicht, ob es okay ist, wenn ich noch ein bisschen im Bett bleibe, statt mit ihnen Pfannkuchen zu backen, sondern ich schicke sie schnurstracks ins Bett zurück und möchte auch nicht, dass sie anhand von derart netten, flexiblen Eltern in Kinderbüchern den Eindruck bekommen, so etwas sei irgendwie diskutabel. Der erste Band hat mir zwar an manchen Stellen Lachtränen in die Augen getrieben, aber meinen Kindern vorlesen werde ich dieses Buch ganz gewiss nicht. Im zweiten Band wurden die Beschimpfungen dann ja schon deutlich heruntergefahren, im dritten Band kommen die Schimpfwörter nun nicht mehr vor und dieser ist der einzige in der Reihe, den ich daher auch meinen Kindergartenkindern vorlesen würde. In korrektem Deutsch vorlesen würde, muss ich ebenfalls noch anmerken, denn der für mich wirklich nervtötende Gebrauch von Hauptsätzen nach der eigentlich nebensatzeinleitenden Konjunktion "weil" wirkt m.E. nicht authentisch, sondern eher krampfig. Man kann das doch auch anders formulieren und trotzdem kindgemäß klingen?!Nach den kritischen Bemerkungen nun das Lob, denn immerhin vergebe ich vier Sterne für das Buch: Es sind schöne, lustige Geschichten aus dem Leben zweier recht unterschiedlicher Schwestern mit Ecken und Kanten; es geht nicht immer glatt, weder miteinander noch mit den mal nervigen, mal erstaunlich gelassenen Eltern oder dem alleinerziehenden Vater von Cousin Jussi nebenan; die Geschichten wenden sich am Ende immer zum Positiven und hinterlassen so ein angenehmes, geborgenes Gefühl. Aber für mich das Beste: Ich liebe die Illustrationen! Die sind so witzig und frech und Gott sei Dank ohne den im Text doch ständig auftauchenden Glitzer, der Mädchenbücher so gern begleitet und auf den ich genauso gern verzichte. Ein schönes Buch!

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19 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

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Ein Start ins Leben

Anita Brookner , Wibke Kuhn , Julian Barnes
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Eisele Verlag, 07.09.2018
ISBN 9783961610112
Genre: Romane

Rezension:

Ich habe diesen Roman über eine junge (und dann etwas ältere) Frau im Literaturbetrieb gern gelesen, obwohl ich ihn unterm Strich als ziemlich düster wahrgenommen habe. Ohne jetzt weitere Details über den Inhalt verraten zu wollen, muss ich sagen, dass ich beim Lesen viel über die Fragen nachgedacht habe, was ein Leben erfüllt und erfüllend macht, wann ein Leben als „gelebt“ bezeichnet werden darf oder wann es einfach in den Startlöchern steckengeblieben ist (und wessen Schuld das dann ggf. ist) und in welcher Hinsicht dies Ansichtssache sein kann oder nicht. Was hat Ruth selbst in der Hand, wo ist sie in Umständen gefangen oder von anderen Menschen getrieben? Welche Anforderungen im Leben kann oder muss man annehmen, welchen darf man sich verweigern – und was ist für wen sinnvoll oder eben nicht? Diese Themen werden mir noch eine Weile nachgehen…

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15 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 5 Rezensionen

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Der aufblasbare Engel

Zaza Burchuladze , Maia Tabukashvili
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Blumenbar, 14.09.2018
ISBN 9783351050580
Genre: Romane

Rezension:

Selten ist es mir so schwer gefallen, eine Rezension zu seinem Buch zu verfassen, ohne zu viel über dessen Inhalt zu verraten.

 

Ich habe es auf zwei Ebenen gelesen: Zum einen ist da diese absurde, zum Teil komische, zum Teil wiederum überdehnt groteske Geschichte um Nino und Niko, die mir Spaß gemacht hat, über die ich anfangs noch gut schmunzeln konnte und die mich in einer stressigen Arbeitswoche abends gut unterhalten hat – ein wenig nach dem Motto, bei anderen Leuten geht es auch ein bisschen verrückt zu im Leben.

 

Auf dieser Ebene konnte ich jedoch nicht lange bleiben. Zu stark wurden die Anklänge zum einen an Goethes „Faust“, viel stärker jedoch noch an Bulgakows Faust-Adaption „Der Meister und Margarita“. An Bulgakows Roman erinnern mich schon der sprachliche Duktus, die skurrilen Figuren, zu denen eine gewisse Distanz gehalten wird und die sich in einem Moment vollkommen pragmatisch, im nächsten Moment komplett absurd verhalten; die spezielle Vermischung aus Realität, Fiktion, Schwarzer Magie und Hypnose, Träumen, Bezügen zu mythologischen Figuren und Geschehnissen; die bei allem stets vorhandene Ironie, ungewöhnliche Beobachtungen sowie eine z.T. schräge Situationskomik.

 

Ohne zu sehr ins Detail gehen zu wollen, sei hier erwähnt, dass Burchuladzes Roman voll ist von Motiven, Figuren oder Szenenfetzen aus „Faust“ und mehr noch dem „Meister und Margarita“. Da ich beide Werke sehr mag, hat mir das beim Lesen natürlich viel Vergnügen bereitet. Ich bin mir jedoch nicht sicher, worin nun das neue Bild bestehen soll, das Burchuladze aus diesen ganzen Bruchstücken und Anklängen sowie eigenen Ideen zusammensetzt – der neureiche Mensch in Georgien als ein unredlicher Geisterbeschwörer, der gedanken- und gewissenlos buchstäblich über sämtliche Leichen seines vorherigen Lebens geht? Dreht es sich um Undankbarkeit? Um vollkommene Skrupellosigkeit angesichts des schnellen Reichtums? Und da Burchuladze diese verbrecherischen Mechanismen nicht konkret benennen will, packt er das Ganze mit Hilfe der Verweise auf „Faust“ und „Der Meister und Margarita“ in diesen mephistophelisch-teuflischen Kontext? Darüber werde ich noch ein wenig nachzudenken haben.

 

Obwohl es sich beim „Aufblasbaren Engel“ um einen Roman handelt, ist das Buch wie ein Drama in fünf Akte gegliedert; diese haben jeweils vier Unterkapitel, die mit Überschriften versehen sind (auch hier wieder eine Mischung von „Faust“ und „Der Meister und Margarita“). Der titelgebende aufblasbare Engel taucht erst gegen Ende als eine Art metaphorischer Geist auf.

 

Ich bin ursprünglich wegen des Covers auf das Buch aufmerksam geworden; die Motive und die kitschige Farbzusammensetzung waren für mich ein echter Blickfang. Aufgrund dieses Covers und auch des ersten Satzes im Klappentext („Eine Frage des Glaubens“) hätte ich stärkere Bezüge zur georgisch-orthodoxen Kirche oder zu Religion und Religiosität überhaupt erwartet. Diese tauchen jedoch erst ansatzweise im vierten Akt sowie dann vermehrt im fünften Akt auf, wobei auch hier stets die engen Bezüge zu „Faust“ und zum „Meister und Margarita“ gewahrt bleiben, jedoch auch biblische Texte aufgegriffen werden und ein unschuldig Getöteter zur Christus-Figur ausgebaut wird. Diesem perspektivisch am Ende chancenlosen Christus stehen Kälte, Verrat und Herzlosigkeit gegenüber.

 

Ich habe das Buch sehr gern gelesen, werde sicher noch weiter darüber nachdenken und spreche auch eine klare Leseempfehlung aus.

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7 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

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Hygge, Lykke und Lagom


Fester Einband: 144 Seiten
Erschienen bei arsEdition, 12.09.2018
ISBN 9783845828046
Genre: Sonstiges

Rezension:

Normalerweise lese ich keine Ratgeber zum kleinen Glück; ebenso wenig, obwohl ich Skandinavien-Fan bin, Bücher über Hygge, Lykke usw. Da ich oft genug in skandinavischen Ländern unterwegs bin, kann ich mir ungefähr denken, was da drin steht: Gemeinsinn, Ehrlichkeit, Sozialstaat, Bullerbü, Zimtschnecken, Stricknadeln und God Jul…

 

Aber auf dieses Buch hatte ich aufgrund der netten Aufmachung und des Klappentextes dann doch einmal Lust und habe es nicht bereut. Das Buch bietet eine angenehme Mischung aus landestypischem Infotainment (in der Reihenfolge Dänemark, Norwegen und Schweden), unterfüttert mit ein paar zum Glück wohldosierten Sprichwörtern und Lebensweisheiten, freundlichen Erinnerungen an eigentlich bekannte „Baustellen“, ohne dass dies penetrant würde (öfter rausgehen, mehr Sport treiben, sich kleine Pausen zum Durchatmen schaffen, Freunde treffen usw., weiß man ja alles und macht es doch nicht genug; aber auch die wohl typisch skandinavische Version der entspannten Bescheidenheit, des Es-sich-genug-sein-Lassens). Das Buch besticht aber v.a. auch mit tollen Illustrationen und ganz wunderbaren Fotos, die zum Verweilen einladen und dem Auge und der Seele gut tun. Nette landestypische Rezepte, von denen ich sicher einige mal wieder nachbacken oder –kochen werde, runden das Wohlfühlpaket ab. So kam das Blättern und Lesen in diesem Buch einem schönen kleinen Kurzurlaub auf der heimischen Terrasse gleich und hat Lust gemacht, den nächsten richtigen Urlaub zu buchen, um die wunderbare Welt der hyggeligsten Menschen der Welt nicht nur auf Bildern, sondern erneut live zu genießen.

 

Dass die durchaus vorhandenen sozialen Problemfelder auch der hochgepriesenen skandinavischen Gesellschaften in diesem Buch ausgeblendet bleiben, liegt sicher in der Natur des Genres, was ich der Autorin aber nicht vorwerfen möchte. Es geht hier nicht um große Politik, sondern darum, wie man Achtsamkeit mit sich selbst praktizieren, persönliche Wohlfühlmomente im Kleinen finden und damit ein glücklicherer Mensch werden kann – und in dieser Hinsicht halte ich das Büchlein für absolut gelungen. Für mich war es eine kleine Flucht aus dem Alltag im genau richtigen Moment.

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123 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 76 Rezensionen

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Alligatoren

Deb Spera , Ulrike Wasel , Klaus Timmermann
Fester Einband: 432 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 03.09.2018
ISBN 9783959672207
Genre: Romane

Rezension:

„Fressen oder gefressen werden“ – so erscheint zunächst das Bild, das von Gertrude gezeichnet wird, die sich mit ihren Töchtern in wirtschaftlich schweren Zeiten mit einem alkoholkranken und gewalttätigen Mann herumschlagen muss, bevor sich dieser gebeutelten Frau plötzlich ungeahnte Türen öffnen. Deb Spera gelingen hier wunderbar glaubwürdige und unter die Haut gehende Schilderungen von Menschen, die von der Gewalt und dem Elend in ihrem Leben so verhärtet sind, dass sie erst wieder lernen müssen, auch einmal zu geben, statt immer nur zu nehmen, sobald sie die Gelegenheit dazu bekommen.


„Fressen oder gefressen werden“ steht aber auch über dem Schicksal von Annie, der Frau eines verarmten Baumwollplantagenbesitzers und selbst tatkräftige Inhaberin einer florierenden Näherei, die erst spät die zerstörerischen Verwerfungen in ihrem Leben erkennt und sich aus ihnen befreit.


Zusammengehalten und in die rechte Spur gelenkt werden die Schicksale dieser Familien durch die schwarze Köchin und Hebamme Oretta, die – wie bereits ihre Mutter – im wörtlichen und im übertragenen Sinne Leben auf die Welt holt oder ihm zur passenden Würze verhilft. Diese weise, mutige, hellsichtige und heilkräftige Mystikerin hat mich tief berührt. Sie, ihr Mann Odell und die den Tod überwindende Liebe zwischen den beiden und ihrer Tochter Esther sind die steten Lichtpunkte in diesem aufwühlenden Roman über eine Zeit, die von schlimmstem Rassismus geprägt war und deren Härten wir uns heute kaum noch vorstellen können.


Deb Spera stellt die ineinander verschlungenen Lebenswege dieser Frauen und ihrer Familien eindringlich, sprachschön und ohne unnötiges Pathos dar. Trotzdem war ich oft zu Tränen gerührt und werde diesen Roman bestimmt nicht so schnell vergessen.

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25 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 4 Rezensionen

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Wege, die sich kreuzen

Tommi Kinnunen , Angela Plöger
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei DVA, 19.03.2018
ISBN 9783421047717
Genre: Romane

Rezension:

Das Buch entführte mich in eine mir bisher literarisch weitgehend unbekannte Region dieser Welt, nämlich das ländliche Finnland vergangener, zum Teil weit vergangener Zeiten.

Der Autor hat mit einer faszinierenden Erzählweise die Lebensgeschichten von vier Figuren – der Hebamme Maria, ihrer Tochter, der Fotografin Lahja, deren Mann, dem Soldaten und Zimmermann Onni, und der Schwiegertochter Kaarina – ineinander verwoben: In jeweils mehreren bruchstückhaften Ausschnitten aus den jeweiligen Leben wird eine Entwicklung gezeigt; in den nacheinander erfolgenden und oft erst später zu verstehenden Überkreuzungen wird diesen Entwicklungen der nötige Hintergrund oder manchmal auch ein nur im Nachhinein zu durchschauender Sinn verliehen. Diese Kreuzungen der Lebenswege und die damit verbundenen unterschiedlichen Perspektiven haben für mich den größten Reiz dieses Buches ausgemacht.

Aber auch die Lebenswege an sich fand ich lesenswert, spannend und zum Teil sehr berührend, zum Teil aber auch nicht so recht nachvollziehbar: Warum zum Beispiel lebt man vierzig Jahre lang mit einer Schwiegermutter, die die reinste Hexe ist, in einem Haus? Da hätten sich doch auch andere Möglichkeiten aufgetan. Dieser Strang war für mich eher unglaubwürdig.

Ansonsten habe ich dieses ruhig erzählte und trotzdem nicht weniger bewegende Buch sehr gern gelesen.

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8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

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Ghachar Ghochar

Vivek Shanbhag , Daniel Schreiber
Fester Einband: 152 Seiten
Erschienen bei Aufbau Verlag, 17.08.2018
ISBN 9783351037338
Genre: Romane

Rezension:

Wird hier zunächst ein warmherziges und detailliertes Bild einer wenn auch nicht reichen, so doch stabilen und v.a. emotional intakten indischen Familie aus dem unteren Mittelstand gezeichnet, so bröckelt dies bald, als ein Familienmitglied zu Geld kommt und die Familie ihre angestammte Schicht hinter sich lässt. Typische und offenbar kulturübergreifende Verhaltensweisen von Neureichen greifen um sich, andere Wertvorstellungen halten Einzug, Machtverhältnisse verschieben sich, mit der Ehrlichkeit hat es ein Ende, und keiner rüttelt vorerst daran, denn es ist ja so bequem…

Vivek Shanbhags Roman – eigentlich eher eine längere Erzählung – hat mich von der ersten bis zur letzten Seite fest in seinen Bann gezogen. Ich hätte mir allerdings noch genauere Darstellungen zum wirtschaftlichen Aufstieg und dem parallel stattfindenden moralischen Abstieg der Familie gewünscht, mehr Andeutungen auf die Verstrickungen in unlautere Geschäfte, fragwürdige Methoden etc. – so kam mir der Schluss zu schnell und abrupt. Das Buch hätte gern ein bisschen dicker sein dürfen. :-)

 

Ich werde gern mehr von dem Autor lesen.

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91 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 12 Rezensionen

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Americanah

Chimamanda Ngozi Adichie , Anette Grube
Fester Einband: 864 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 27.04.2016
ISBN 9783596521067
Genre: Romane

Rezension:

Ein schönes Buch, das ich gern gelesen habe; aber den Hype der Kritik kann ich nicht so recht nachvollziehen. Ich füge hier einmal die bei Amazon zitierten Pressestimmen ein:


Adichie hat einen umwerfenden Roman geschrieben. […], weil das Buch […] etwas erklärt über die Welt von heute, das man so noch nicht gesehen hat. (Tobias Rüther Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung 2014-04-20)


Adichie hat wahrhaft einen Weltroman geschrieben, der uns Begriffe einer Menschenkenntnis an die Hand gibt, die überall funktioniert, ohne je schablonenhaft zu sein. (Ijoma Mangold Die Zeit 2014-05-15)


Seine Kraft bezieht es aus der analytischen Schärfe, mit der Adichie die Rituale von Diskriminierung und betonter Liberalität gegenüber den Schwarzen in den USA beschreibt. (Claudia Voigt Der Spiegel 2014-04-19)


Klug, humorvoll, politisch: Chimamanda Ngozi Adichies preisgekrönter Roman ›Americanah‹ über eine junge Nigerianerin, die in den USA fast das Glück findet, ist ein literarischer Triumph. (Hannah Pilarczyk Spiegel Online 2014-04-28)


Das hier ist ein fantastisches Buch, das seine Leser bestens unterhält. […] ein Meisterwerk eines Genres […], das gerade erst geboren wird – des globalen Romans. (Peter Praschl Die Welt 2014-04-19)


›Americanah‹ ist also zugleich Sozialsatire und Thesenroman mit einem brisanten gesellschaftspolitischen Anliegen, darüber hinaus aber auch eine große Liebesgeschichte. (Sigrid Löffler Salzburger Nachrichten 2014-04-26)


Die ›Americanah‹ ist eine Heldin, die mir beim Lesen wirklich ans Herz gewachsen ist. […] Liest sich dank der großartigen Dialoge […] im Nu weg. (Angela Wittmann Brigitte 2014-04-23)


Gänzlich kitschfreie, schmerzhaft schöne Liebesgeschichte […] macht ›Americanah‹ zu einem nicht nur intellektuell sondern auch sinnlich-emotional überaus lesenswerten Lesegenuss. (Marie-Sophie Adeoso Frankfurter Rundschau 2014-04-24)


Quelle: https://www.amazon.de/Americanah-Roman-Chimamanda-Ngozi-Adichie/dp/359618598X (incl. Amazon Affiliate-ID from this website)


Einerseits freue ich mich sehr, dass eine afrikanische Autorin so wahrgenommen wird, frage mich aber andererseits auch, was an diesem Buch diese überschäumenden positiven Kritiken ausgelöst hat. Die Thematik und die afrikanische Perspektive können es eigentlich kaum sein, denn afrikanische Literatur gibt es schließlich schon sehr lange – ich selbst habe vor etwa 25 Jahren damit begonnen, aktuelle und ältere Werke von afrikanischen, afroamerikanischen und afrodeutschen AutorInnen zu lesen, und dieselben Themen waren damals schon präsent, wenn auch vielleicht nicht immer so geballt und präzise auf den Punkt gebracht. Warum rückt also ausgerechnet diese Autorin so in den Blick des Feuilletons? Nicht, dass ich es ihr nicht gönnen würde…


Was ich im Roman „Americanah“ als sehr gelungen empfinde, sind die überaus genauen gesellschaftskritischen Beobachtungen und Beschreibungen zum Thema „Rasse“, die Ifemelu als nichtamerikanische Schwarze in den USA macht (bzw. Obinze in England) und dann später als Rückkehrerin nach Nigeria. Hier geht es z.B. um Rollenbilder, berufliche Chancen, gesellschaftlich geprägte Vorlieben oder Ideale, um wechselseitige Klischees und die Frage nach ihrer Überwindbarkeit u.ä. Reflexionen, die sich zum Teil in den Dialogen widerspiegeln, v.a. aber in Ifemelus bissig-spritzigen Blogbeiträgen. Diese Teile des Romans haben mir sehr gefallen.


Weniger interessant und auch nicht immer nachvollziehbar fand ich die amourösen Entwicklungen bei Ifemelu und Obinze; aber das ist sicher Geschmacksache.


Der Roman ist flüssig und gut lesbar geschrieben. Am Anfang springt die Autorin munter zwischen dem Ifemelu- und dem Obinze-Strang sowie durch verschiedene zeitliche Ebenen, gibt das aber nach ein paar Kapiteln zugunsten eines linearen Erzählens wieder auf. Es wird dann nur noch zwischen den Strängen um Ifemelu und Obinze gewechselt. Mir ist nicht klar, warum am Anfang diese Sprünge gemacht wurden, denn so hat die Autorin mir einen großen Teil der Spannung genommen, da ich von Anfang an wusste, dass Ifemelu am Ende nach Nigeria zurückkehren wird und auch Obinze wieder dort gelandet ist. Ich hätte lieber die Entwicklungen dieser Figuren verfolgt, ohne bereits in den ersten Kapiteln diese Ausblicke in die Zukunft zu bekommen. Beide Figuren und ihr jeweiliges (z.T. gemeinsames) Lebensumfeld fand ich interessant, wobei mir Obinze insgesamt ein wenig zu kurz gekommen ist.


Manche Bücher hinterlassen einen mit einem Strahlen in den Augen oder im Herzen, oder beides. Dies trifft hier für mich leider nicht zu. Es ist nicht mein erstes Buch dieser Autorin und wird auch sicher nicht das letzte sein, da ihre Themen mich interessieren, aber ich klappe es eher mit einem „Aha, okay…“ wieder zu. Der Roman hat mir über weite Strecken viel Freude beim Lesen bereitet, aber gerade gegen Ende dann auch viele Fragen offen oder aus meiner Sicht unbefriedigend beantwortet gelassen. Vielleicht habe ich angesichts der Kritiken auch zu viel erwartet.


Dennoch kann ich aufgrund der spannenden gesellschaftskritischen Beobachtungen eine Leseempfehlung aussprechen und vergebe knappe 4 Sterne.

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47 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 30 Rezensionen

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Power Women - Geniale Ideen mutiger Frauen

Andreas Jäger
Fester Einband: 112 Seiten
Erschienen bei arsEdition, 18.06.2018
ISBN 9783845828626
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Kaum heruntergeladen, habe ich dieses Buch schon mit Haut und Haar verschlungen. 

Die Kurzportraits sind gut ausgewählt, spannend und locker geschrieben und toll illustriert. Anders als bei dem recht ähnlich aufgemachten Buch „Good Night Stories for Rebel Girls“ (dank dessen ich auch schon wusste, dass ich diese Art Bücher grundsätzlich mag) wird hier immer noch eine Frage aus dem Alltagsleben von älteren Kindern und Jugendlichen an die berühmte Persönlichkeit gestellt und versucht, in deren Sinne zu antworten. Bei diesem Part hatte ich vor der Lektüre des Buches ein bisschen Bauchschmerzen, und manche Antworten fallen in der Tat etwas knapp oder flapsig aus. Insgesamt ist der Autorin jedoch, wie ich finde, eine gute Mischung gelungen: Bei manchen Frauen liegt es ja wirklich auf der Hand, wie sie wahrscheinlich reagiert hätten (z.B. Florence Nightingale); bei anderen, v.a. noch lebenden Persönlichkeiten wird stets sehr vorsichtig formuliert: „Wir sind uns nicht sicher, was XY dazu sagen würde, aber wir können uns vorstellen, dass sie soundso reagieren würde.“

Sowohl die Portraittexte als auch die fiktiven Antworten auf die gestellten Fragen machen Mut, nicht zu resignieren, sondern die eigenen Kräfte zu mobilisieren, sich selbst zu akzeptieren, anderen mit Respekt und Empathie zu begegnen, aber auch, wo nötig, Grenzen zu ziehen und sich zu wehren. Bei alledem wird eine positive Grundeinstellung zum Leben hochgehalten.

Meiner Ansicht nach ist es ein tolles Buch, um Kinder und Jugendliche in ihrer Selbstfindung und Entwicklung zu stärken.

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33 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 16 Rezensionen

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Die Stimmlosen

Melanie Metzenthin
Flexibler Einband: 528 Seiten
Erschienen bei Tinte & Feder, 17.07.2018
ISBN 9782919801343
Genre: Historische Romane

Rezension:

Mit „Die Stimmlosen“ hat Melanie Metzenthin einen weiteren ganz wunderbaren Roman um das Hamburger Ärztepaar Paula und Richard sowie ihr Umfeld vorgelegt. Das Buch schließt nahtlos an das Geschehen und die schriftstellerische Qualität des ersten Bandes ("Im Lautlosen) an.


Der Autorin ist es dabei auf herausragende Weise gelungen, mich in das oft düstere und beklemmende Leben der unmittelbaren Nachkriegszeit zu versetzen, die von heutzutage fast unvorstellbarem Mangel geprägt war. Aber auch die Frage nach den Werten, nach denen man angesichts solcher Umstände das Leben gestalten kann, spielt wieder eine wichtige Rolle in diesem Roman: Welche Gesetze muss man einhalten, welche darf oder muss man sich jedoch erlauben zu brechen, um zu überleben, um sich seine eigene Menschlichkeit zu bewahren und um andere Menschenleben retten zu können? Wie weit kann man gehen, ohne sich selbst in zu große Gefahr zu bringen? Auf wen kann man sich verlassen, wenn private Schicksalsschläge, schwierige bis unmögliche politische Verhältnisse oder Verrat, Intrigen und schreiende Ungerechtigkeit einen aus der Bahn zu werfen drohen?


Ohne ständig mit dem moralischen Zeigefinger zu wedeln, sondern weil es den Romanfiguren schlicht ebenso eine Frage des Überlebens ist wie das Organisieren von Nahrung, Brennstoff oder Medikamenten, kreist der Roman also sowohl um die großen Themen des menschlichen Daseins – Leben, Sterben, Liebe, Hass, Gerechtigkeit, Vergebung, Hoffnung usw. – , als auch um das nötige und oft haarsträubende Kleinklein des alltäglichen Überlebenskampfes im zerbombten Nachkriegsdeutschland. Oft standen mir beim Lesen die Tränen in den Augen, z.B. beim Schicksal eines von Russen vergewaltigten Flüchtlingsmädchens und der kleinen Leni oder bei dem aus Trümmern geborgenen Puppenkopf… Dabei drückt Melanie Metzenthin gar nicht unnötig auf die Tränendrüse, sondern sie stellt nur Szenen dar, wie sie damals an der Tagesordnung gewesen sein müssen und von denen meine Großeltern nie berichten konnten, weil sie diese schrecklichen Erlebnisse einfach hinter sich lassen wollten. Der Autorin gelingt es jedoch darüber hinaus, immer wieder das Gute im Menschen zu bestärken und Hoffnung auf positive Wendungen zu wecken, wenn man sich für diese einsetzt, statt einfach aufzugeben. Dass es dabei in den Gedankengängen und Dialogen der Figuren manchmal auch ein wenig pathetisch zugeht, hat mich persönlich nicht gestört. Mir tut es vielmehr gut, das Geschehen um die Weltkriege herum nicht zu vergessen und mir immer wieder einmal bewusst zu machen, wie gut ich lebe und wie privilegiert meine Kinder aufwachsen. So sehe ich in Melanie Metzenthins Buch auch einen Appell an ihre Leserschaft, die eigenen Kräfte zu mobilisieren und mit dafür zu sorgen, dass es hierzulande nie wieder zu einem totalitären Regime, zu Krieg und zu einem derartigen gesellschaftlichen Zusammenbruch kommen kann.


Es hat mir sehr viel Freude bereitet, dieses sprachlich so gelungene, inhaltlich so tiefgründige und bewegende und bei alledem auch noch immer wieder humorvolle Buch zu lesen, und ich hoffe, dass die Autorin noch mehr Romane dieser Art verfassen wird. Das Buch ist auf jeden Fall eins meiner Jahreshighlights

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24 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 14 Rezensionen

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Die Abenteuer der Cluny Brown

Margery Sharp , Wibke Kuhn
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Eisele Verlag, 09.03.2018
ISBN 9783961610044
Genre: Romane

Rezension:

Dies ist ein ganz wunderbares und besonderes Buch! Dieser Zauber basiert vor allem auf der erfrischenden Figur der Cluny Brown, Nichte eines Londoner Klempners und später Dienstmädchen auf einem abgelegenen Gut in Devonshire.

Beginnt der Roman vom Setting her noch wie ein Mix aus Agatha Christie, Jane Austen und den Brontë-Schwestern, so nimmt er doch einen völlig anderen Verlauf: Cluny verweigert sich der ihr zugewiesenen Stellung in der gesellschaftlichen Hierarchie und den ihr damit gebotenen Möglichkeiten. Sie möchte einfach nicht verstehen, warum man sich nicht selbst den Platz im Leben zuweisen darf, den man haben möchte, und warum den unterschiedlichen Ständen unterschiedliche Freiräume zugestanden werden. Der Roman kratzt also heftig an dem starren Klassendenken, wie es in England bis heute eine Rolle spielt, und ist so ein wunderbares Plädoyer fürs reine freie Menschsein und die Verfügungsgewalt über das eigene Leben, ohne Beachtung der Herkunft und der sozialen Schicht, in die man hineingeboren wurde. Dies gelingt der Autorin ohne moralischen Zeigefinger, dafür jedoch mit viel Humor, amüsanten Charakterisierungen und skurrilen Dialogen.

Die Handlung spielt zwar vor dem zunehmend ernsten historischen Hintergrund der Nazizeit, aber die Leichtigkeit des Romans bleibt zum einen durch das besondere Wesen und die Aktivitäten der Hauptfigur, zum anderen durch die fortwährenden ironischen Kommentare der auktorialen Erzählerin stets erhalten und macht das Buch gleichermaßen zu einer erfreulich entspannenden, aber auch nachdenklich stimmenden Lektüre.

Ich hatte sehr viel Freude und schöne Lesestunden mit diesem Buch, das auch vom Cover her m.E. ein echter Hingucker ist, und vergebe volle Punktzahl.

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5 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 2 Rezensionen

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Träum niemals von der Wilden Jagd!

Wieland Freund , ,
Fester Einband: 232 Seiten
Erschienen bei Julius Beltz GmbH & Co. KG, 13.07.2015
ISBN 9783407820815
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Auch die Fortsetzung von "Wecke niemals einen Schrat!" ist witzig, spannend, unvorhersehbar, herzerwärmend und bei alledem auch noch informativ. So lernt die junge Leserschaft diesmal einiges über den Mythos von der Wilden Jagd. Aber auch das soziale Gefüge im Elfenwald (und in der echten Welt! ) wird gehörig auf den Kopf und in Frage gestellt: Ergibt es wirklich Sinn, jede vermeintliche Lebensweisheit sofort in Stein meißeln zu wollen? Und wann dient das eigentlich nur noch dem manchmal irregeleiteten Ego des Schreiberlings? Welches Verhalten ist schlau, welches dumm, und wann liegt das vielleicht nur im Auge der Betrachtenden oder hängt von der Situation ab? Auch die Themen Freundschaft, Mut und Treue kommen nicht zu kurz... Kann das Büchlein nur empfehlen.

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26 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

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Die Farben des Himmels

Christina Baker Kline , Anne Fröhlich
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 14.05.2018
ISBN 9783442314157
Genre: Historische Romane

Rezension:

Ein ganz wunderbares Buch!


In ruhiger, aber intensiver Sprache, gespickt mit vielen stillen Lebensweisheiten, wird das Schicksal von Christina Olson und ihrer Familie über mehrere Jahrzehnte dargestellt, wobei die Geschehnisse der verschiedenen Zeitebenen manchmal scheinbar nur nebeneinander laufen, manchmal aber durch ihre Verknüpfung auch verblüffende Perspektiven eröffnen. Dabei wird Christinas Leben nicht nur von ihrer verheerenden Krankheit bestimmt, sondern auch von den Entscheidungen der Eltern, die oft genug nicht nach Christinas Willen fragen und über sie hinweg ihren Lebensweg bestimmen. Christina, die sich nach einem normalen, selbstbestimmten Leben sehnt, stößt immer wieder schmerzhaft an Grenzen, muss sich arrangieren - und bewahrt sich dabei doch eine bewundernswerte innere Unabhängigkeit und Stärke. Der Maler Andrew Wyeth, fasziniert von Christinas Persönlichkeit und dem in seinen Augen unendlich reichen, würdevollen Mikrokosmos ihrer kleinen Welt, verewigt sie und ihre Welt und kommt ihr dabei näher als alle anderen Menschen um sie herum.


Das Buch hat mich sehr bewegt und trotz der extrem ruhigen Erzählweise keine Zeile lang gelangweilt. Schade finde ich nur, dass der englische Titel "A Piece Of The World" nicht wörtlich übersetzt wurde. "Die Farben des Himmels" ist für mich ziemlich nichtssagend. Da fallen mir zwar auch Bezüge im Buch ein, aber der englische Titel trifft es m.E. um Welten () besser.


Dieses Buch gehört zu meinen Jahreshighlights, ich vergebe volle Punktzahl und kann die Lektüre nur wärmstens empfehlen.

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386 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 100 Rezensionen

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Die Farbe von Milch

Nell Leyshon , Wibke Kuhn
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Eisele Verlag, 22.09.2017
ISBN 9783961610006
Genre: Romane

Rezension:

Frühling, Sommer, Herbst, Winter und wieder Frühling: Vier sehr ungleiche Schwestern lernt man in diesem Roman kennen, die sich in beklemmenden Lebensverhältnissen auf einem kleinen englischen Bauernhof befinden, geprägt von harter Arbeit, Lieblosigkeit und Gewalt. Wo keine ein Bett für sich allein hat und es verpönt ist, sich tagsüber auf einen Stuhl zu setzen, erlaubt sich jede der Schwestern ihre eigenen „kleinen Fluchten“ – übersteigerte Religiosität, Sex, die tröstliche Wärme an den Flanken einer Kuh… Mary, die jüngste, sucht, so oft sie kann, das Gespräch mit ihrem geliebten Großvater, der seit einem Unfall behindert und somit von den Eltern als nutzlos abgestempelt ist. Drei Schwestern äußern bei einem verbotenen Ausflug Wünsche und Träume, die ihr Leben zum Besseren wenden sollen. Doch nur Marys Leben wendet sich, als sie Dienstmädchen im Pfarrhaus wird und zunächst die kranke Pfarrfrau umsorgen soll.

Der Klappentext verrät meiner Meinung nach zu viel: Man ahnt, wie die Geschichte weitergeht, als die Pfarrfrau schließlich stirbt, und mehr möchte ich zum Fortlauf der Handlung jetzt auch nicht verraten – nur, dass sie mich gefesselt hat von der ersten bis zur letzten Seite.

Der sprachliche Duktus des Buches erinnert mich stark an Alice Walkers Roman „Die Farbe Lila“ mit den Briefen der jungen Celie an Gott, wo es ja auch einige thematische Überschneidungen gibt; sehr unmittelbar, eindringlich und packend richtet sich der Text direkt an die LeserInnen. Dennoch finde ich es seltsam, dass die Einfachheit von Marys Schreibstil lediglich durch fehlende (niemals überflüssige!) Kommas dargestellt wird. Ich würde bei ihrem Bildungshintergrund auch Rechtschreibfehler erwarten – die das Buch dann natürlich schwerer lesbar gemacht hätten. Aber wenn schon, denn schon? Realistisch ist diese Art des Schreibens jedenfalls nicht und die vorliegende Lösung überzeugt mich nicht völlig. Hier wäre es interessant zu sehen, wie das im Original gehandhabt wird.

Ein weiterer Kritikpunkt liegt für mich in dem Umstand, dass es mir schwerfällt zu glauben, dass sich für die so starke, direkte und ehrliche Mary nicht eine andere Lösung aufgetan hätte.

Traurig und bedrückend ist es natürlich, wenn ich mir vorstelle, dass es Tausenden und Abertausenden junger Mädchen ähnlich wie Mary ergangen ist und immer noch ergeht; die äußeren Umstände dieser Geschichte sind ja sehr variabel und leider zeitlos.


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104 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 10 Rezensionen

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Hier kommt Lola!

Isabel Abedi , Dagmar Henze
Buch: 192 Seiten
Erschienen bei Loewe, 01.06.2004
ISBN 9783785551691
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Mir hat das Buch auch sehr gefallen, auch wenn viele Wendungen für mich als erwachsene Leserin dann doch recht vorhersehbar waren. Keine Ahnung, wie sich das für Kinder gestaltet...

Einziger Kritikpunkt: Es hätte mich gefreut, wenn Lola bei einem dunkelhäutigen brasilianischen Vater ebenfalls (wenigstens "ein bisschen" ) dunkelhäutig hätte sein dürfen. Solche Heldinnen fehlen mir auf dem deutschen Kinderbuchmarkt - also, wo die Hautfarbe keine weitere Rolle spielt, das Kind aber einfach dunkelhäutig ist und gut.

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99 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 18 Rezensionen

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Der Zug der Waisen

Christina Baker Kline , Anne Fröhlich
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 12.12.2016
ISBN 9783442481613
Genre: Historische Romane

Rezension:

Dieses Buch hat mir schöne und emotional bewegte Lesestunden bereitet.


Von den Orphan Trains wusste ich vorher nichts und fand daher auch das Nachwort sehr interessant, wenn auch traurig stimmend.


In das Buch selbst habe ich anfangs nur mühsam hineingefunden und fand den Schreibstil recht sperrig, habe mich aber aufgrund der positiven Rezis getröstet, dass das bestimmt noch wird... Und es wurde!

Die geschickt ineinander verwobenen Geschichten der "Pflege"-Kinder Niamh und Molly haben mich sehr berührt, v.a. die Geschehnisse um Niamhs große Liebe, der sie sich nicht zu erklären brauchte... Spannende und bewegende Einblicke in die Verfassung zweier Pflegekinder, die sich bis über die Grenzen der Selbstverleugnung hinaus angepasst haben und dennoch nicht als einfach die akzeptiert wurden, die sie waren. (Ich bin froh, dass ich in meinem nahen Umfeld auch andere Beispiele vor Augen habe!)

Gegen Ende des Buches wurde für mich das Reizen der Tränendrüse ein wenig übertrieben...

Dennoch freue ich mich darauf, weitere Bücher der Autorin zu lesen!

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15 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

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Das Echo dieser Tage

Kristin Marja Baldursdottir , Tina Flecken
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei FISCHER Krüger, 25.04.2018
ISBN 9783810530424
Genre: Romane

Rezension:

Bei diesem Buch tue ich mich schwer mit einer Beurteilung, denn es hat in meinen Augen große Stärken, aber auch einige Schwachpunkte, die mich beim Lesen oft genervt haben.


Dass ich drangeblieben bin, lag sicher zum einen am Thema. Eine Frau im Prozess des Älterwerdens, die sich neu definieren muss, da sie aus ihren gewohnten Lebenszusammenhängen hinausgeworfen wird - das finde ich spannend zwischen all den jungen oder höchstens "mittelalten" Heldinnen und Helden, die viele Romane bevölkern. Dieses Buch enthält eine geballte Ladung Lebensweisheit, die in schöner Sprache an die Leserschaft gebracht wird. Ruhig und anschaulich erzählt, erfährt man viel vom Innenleben der Hauptfigur. Deren Gedanken und Gefühle in der speziellen Lebenssituation fand ich meist interessant und nachvollziehbar.


Anders ging es mir mit manchen Wendungen der Handlung sowie mit einigen Dialogen (z.B. gleich anfangs rund um die Chorproben oder um den Isländischunterricht), die ich als völlig unglaubwürdig und konstruiert empfunden habe. Bei vielen Dialogen wurde dermaßen mit dem feministisch-pädagogischen Zeigefinger gewunken, dass es selbst mir als erklärter Feministin zuviel wurde. Viele Reaktionen auf Geschehnisse fand ich seltsam und unglaubwürdig. Klar, ich stecke auch nicht in allen Menschen drin und weiß nicht, wie sie ticken, aber es war mir einfach zu oft der Fall, dass ich kopfschüttelnd das Buch beiseitegelegt und gedacht habe: "Das kann doch jetzt nicht sein!" Ich habe das Buch allerdings gerade auch deshalb weitergelesen, weil ich mich über die Ecken und Kanten mancher Figuren geärgert habe, gleichzeitig aber auch darüber nachdenken musste, ob es ähnliche Leute nicht vielleicht doch auch in meinem Umfeld gibt.

Andererseits hat das Thema des Buches mich immer wieder zum Buch zurückgezogen. Es ist einfach eine interessante Lebensphase, in der viele Menschen es hinbekommen müssen, sich neu zu definieren, während andere Menschen (z.B. solche ohne Kinder oder solche, die sich nicht so stark über den Job definieren) schon immer gewohnt waren, auch mal auf sich selbst zurückgeworfen zu sein, ohne dann gleich in ein tiefes Loch zu fallen. Mich hat interessiert, wie die Prota diese Herausforderung meistern wird. Ob sie es schaffen wird, sich von dem inneren Zwang zu lösen, dass man gebraucht werden muss (von den Kindern, dem Arbeitgeber, der Gesellschaft...), um wertvoll zu sein. Ob sie es geschafft hat? Da bin ich mir gar nicht so sicher...


Und wie lange kann man eigentlich an einem Haus streichen...!?

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47 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

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Wecke niemals einen Schrat!

Wieland Freund , Joelle Tourlonias , Joelle Tourlonias
Fester Einband: 232 Seiten
Erschienen bei Julius Beltz GmbH & Co. KG, 26.01.2018
ISBN 9783407820174
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Inhalt (amazon):


Wenn Jannis geahnt hätte, in welcher Gefahr die Elfen schweben, hätte er vielleicht AMSEL SALAMANDERS BUCH ÜBER ALLES gelesen. Doch Jannis ist lieber nachts durch den Wald geturnt, sehr zum Ärger seines Lehrers Eibert, dem Storch. So weiß Jannis auch nicht, was ihm blüht, als er Wendel, den Schrat, weckt. Dass der fortan wie Pech an ihm klebt. Nicht mal seine beste Freundin Motte kann verhindern, dass Jannis und Wendel als Strafe aus dem Elfenwald verbannt werden. Doch kaum ziehen sie davon, beschwört der fiese Holunder einen Sturm herauf, der die Elfen überallhin zerstreut. Auch das Buch von Amsel Salamander, dass dieser so kunstvoll auf Baumblätter gemalt und geschrieben hat, scheint verloren! Plötzlich ruht alle Hoffnung der Elfen auf Jannis und Wendel ...



Mein Leseeindruck:


Dieses Buch hat sich positiv aus der Menge der Kinder- und Jugendbücher, die ich so lese, herausgehoben, da es erfrischend humorvoll erzählt ist, aber v.a. die Handlung auch für mich als erwachsene Leserin nicht so entsetzlich vorhersehbar war. Immer wieder kam es zu überraschenden Wendungen und erstaunlichen Einsichten ins Elfenuniversum. Nette Hauptfiguren, mit denen unterschiedliche Kinder sich identifizieren können (der chaotische Jannis, die kluge und fleißige Motte, der Außenseiter...), und ein typisches Fantasy-Setting machen das Buch für junge LeserInnen bestimmt sehr lesenswert. Gleichzeitig wird "unter der Hand" eine Menge an Allgemeinwissen zu mythologischen und naturkundlichen Themen vermittelt - so heißt zum Beispiel das königliche Elfenpaar Oberon und Titania und wohnt natürlich in der Welten-Esche. Interessantes Wissen über Tiere und Pflanzen des Waldes ist auf Baumblättern verzeichnet, die immer mal wieder eine Buchseite zieren. An dieser Stelle sollen auch die liebevoll und in leuchtenden Farben gestalteten Illustrationen erwähnt werden. Die Handlung wird am Ende in einem gelungenen Bogen abgeschlossen, aber ein kleiner und dennoch nicht unbedeutender Cliffhanger macht Lust auf die Fortsetzung "Träum niemals von der Wilden Jagd!".

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7 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 6 Rezensionen

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Ich bin's, Kitty. Aus dem Leben einer Katze

Mirjam Pressler , Rotraut Susanne Berner
Fester Einband: 206 Seiten
Erschienen bei Julius Beltz GmbH & Co. KG, 24.04.2018
ISBN 9783407823571
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Ich hatte durchaus viel Spaß mit dem Buch, wenn es auch (v.a. im Mittelteil) einige Längen zu überwinden galt.

Allerdings möchte ich kritisch anmerken, und das beeinflusst auch stark meine Bewertung des Buches, dass Kitty leider als eine Katze dargestellt wird, die Glück im Leben hat, immer Hilfe bekommt und diese auch gern und dankbar annimmt, aber ihrerseits nicht auch einmal Hilfe anbietet. Sie nimmt, aber sie gibt nicht. Weder ihrem angeblich so geliebten Menschen Emma, wo sie kein einziges Mal auf die Idee kommt, sie nach der Verlegung in ein Pflegeheim mal zu suchen, noch der Katze Anusch, die einen Herbstwurf durchzufüttern hat und bei deren Anblick die trächtige Kitty nur an ihr drohendes eigenes Schicksal denkt, aber keinen Gedanken daran verschwendet, der armen Anusch vielleicht zur Unterstützung mal ein Mäuschen zu fangen und vorbeizubringen.

Die Katzen sind hier ja total vermenschlicht und ich mag solche Menschen einfach nicht, die immer nur nehmen (wenn auch dankbar), aber nicht geben.

Ansonsten ist das Buch süß; aber diese Punkte ärgern mich schon gewaltig.

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90 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 14 Rezensionen

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Dunkelsprung

Leonie Swann
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 17.10.2016
ISBN 9783442485420
Genre: Romane

Rezension:

Nach der Lektüre des Klappentextes und aufgrund meiner Vorerfahrungen mit Romanen von Leonie Swann (die mich rundum begeistert haben!) hatte ich mit weniger Fantasy-Elementen gerechnet und musste mich auf diese erstmal einlassen. Ich liebe ja seit "Glennkill" Leonie Swanns Figurenverzeichnisse und hatte daher schon auf den ersten Seiten viel Spaß, war dann aber reichlich verwirrt von den Sprüngen in der Handlung und zwischen den Hauptfiguren (so richtig flohmäßig ). Diese Vorausblende am Anfang mit Julius auf dem Boot hätte es aus meiner Sicht nicht gebraucht, die fand ich nur irritierend und denke, dass dieses Märchen auch genügend überraschende Wendungen bereithält, um einfach linear erzählt zu werden.

Die Figuren waren Leonie-Swann-mäßig liebenswert und schräg.

Leonie Swanns besonderer Humor, Wortwitz und die an unvermuteten Stellen eingestreuten Lebensweisheiten haben mir wieder viel Spaß gemacht und waren mir wie auch die märchenhaften Bilder und skurrilen Dialoge an keiner Stelle zu viel.

Das Ende kam für mich genau richtig (eine Fortsetzung bräuchte ich jetzt nicht) und dabei hat mich, wie schon das ganze Buch hindurch, noch einmal sehr fasziniert, wie mühelos sich die menschlichen Protas auf teilweise doch recht ungewöhnliche Wesen einlassen konnten - und wie leicht das dann auch mir beim Lesen gefallen ist.

Allerdings muss ich gestehen, dass ich, die ich mich selbst in ein kreischendes Federvieh verlieben konnte ("Gray"), mit den Flöhen nicht wirklich warmgeworden bin. Ihre Gesänge hallen mir dennoch weiterhin durchs Hirn: "Blut tut gut!"  

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880 Bibliotheken, 41 Leser, 1 Gruppe, 189 Rezensionen

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Die Geschichte der Bienen

Maja Lunde , Ursel Allenstein
Fester Einband: 528 Seiten
Erschienen bei btb, 20.03.2017
ISBN 9783442756841
Genre: Romane

Rezension:

Zunächst hatte ich Mühe mit dem William- und dem George-Strang.

William: Diese ewige Depression, soll man die jetzt ein Drittel des Buches lang ertragen? Wie kann ein Mensch sich so gehen lassen, wenn er für die Versorgung von acht Kindern verantwortlich ist, deren Zeugung wohl nicht aus purem Versehen passiert ist? Wie kann man sich bei jedem Gegenwind gleich wieder so fallen lassen? So etwas kann ich nur schwer nachvollziehen - oder will es vielmehr nicht nachvollziehen.

George: Der nicht so recht originelle Vater-Sohn Konflikt, wahlweise in der Variante Mutter-Tochter. Been there, done that. Oft genug darüber gelesen. Das war mir zu breit ausgewalzt und hat nicht viel Neues geboten.

Interessant wurden für mich beide Stränge vor allem dann, wenn es um die Bienen ging.


Der Tao-Strang:

Von diesem war ich sofort fasziniert (und hatte zeitweilig in meinem Frust über William sogar überlegt, nur diesen zu Ende zu lesen), habe ihn schier verschlungen und auch beim zweiten Anlauf noch einmal richtig gelesen und nicht nur, wie die beiden anderen Stränge, überflogen. China am Ende des 21. Jahrhunderts, immer noch in den Klauen eines komplett pervertierten Sozialismus, der für das Individuum fast nur Verachtung zeigt, ökologisch ruiniert ist, aber global betrachtet dennoch eine Oase inmitten von Hunger und Mangel darstellt. Diese Dystopie, die ich für gar nicht unrealistisch halte, fand ich packend, beklemmend und schließlich aufrüttelnd. Sie wird mir auf jeden Fall noch für längere Zeit nachgehen.


Aufgrund des tollen Tao-Stranges vergebe ich 4 Sterne, auch wenn mir der Rest des Buches nicht so besonders gut gefallen hat.

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25 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

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Opfermoor

Susanne Jansson , Lotta Rüegger , Holger Wolandt
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei C. Bertelsmann, 12.03.2018
ISBN 9783570103364
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Auch mich hat das Setting rund um das schaurige Opfermoor fasziniert. Ich mag Moorleichen.

Die Figuren, ihre Entwicklung und die Auflösung der Morde fand ich meist stimmig und kann daher nicht so recht festmachen, warum ich nicht besonders warm mit ihnen geworden bin. Vielleicht waren mir die vielen intellektuellen Diskurse ein wenig zu aufgesetzt. Vielleicht hätte der Roman für meinen Geschmack auch etwas schneller an Fahrt aufnehmen müssen; im ersten Teil geht alles noch ganz langsam (für mich zu langsam), im zweiten überschlagen sich dagegen die Ereignisse. Die extra falsch gelegten Fährten fand ich zu offensichtlich.

Insgesamt aber hat das Buch mich gut unterhalten.

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9 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

Lange hatte ich Angst in der Nacht

Yasmine Ghata , Pauline Kurbasik
Fester Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Diana, 26.03.2018
ISBN 9783453291997
Genre: Romane

Rezension:

Ich bin zwiegespalten, was meine Meinung zu dem Buch betrifft.


Die Geschichte von Arsènes Flucht und der Rolle, die sein Koffer dabei (und auch später) für ihn spielt, hat mich sehr bewegt und wird mich sicher auch noch eine Weile beschäftigen. Hier hätte ich mir jedoch mehr Tiefe und mehr Details gewünscht, auch an früherer Stelle im Buch ein paar mehr dezente Hinweise auf die Hintergründe des Genozids in Ruanda. Weniger Interesse hatte ich an der Geschichte vom Tod von Suzannes Vater und der Bedeutung dieser Wohnung; dies lag jedoch u.a. an den (vom Lektorat übersehenen?) Wiederholungen, die dazu führen, dass Suzanne meiner Wahrnehmung nach in diesem Strang penetrant um sich selbst und ihren Verlust kreist.


Problematisch finde ich zum einen, dass diese beiden Verlustgeschichten auf eine Weise miteinander verflochten werden, die sie ebenbürtig oder zumindest vergleichbar erscheinen lassen soll - zumindest kann dieser Eindruck durchaus entstehen. Hier findet meiner Ansicht nach allerdings eine Verhöhnung der Opfer eines Völkermordes statt, wenn ihr vollständiger Verlust von Familie und Heimat, der aus irrem Hass entstanden ist und die Betroffenen ihrer kompletten Identität zu berauben droht, mit einem Schicksalsschlag gleichgestellt wird, der sicher auch tragisch ist, aber im Leben halt leider vorkommt.


Die Erzählweise wirft zum anderen bei mir vor allem die Frage auf, wozu die Autorin den Anschein erweckt, aus zwei Perspektiven zu schreiben - und dafür extra diese ungewöhnliche Du-Form bemüht - , um dann faktisch doch beide Handlungsstränge nur aus Suzannes Perspektive zu beleuchten. Auch hier kreist mir das Buch einfach zu sehr um Suzanne, während die eigentlich spannende Figur für mich Arsène ist.


Fazit: Dies ist sicher ein Buch, über das ich noch länger nachdenken werde, da mir das Bild vom Jungen im Koffer sehr nahegegangen ist. Gleichzeitig finde ich, dass die Autorin hier viele Chancen nicht genutzt hat, mehr aus der Idee zu machen, indem sie einfach die Schwerpunkte anders gewählt hätte - mehr Arsène und weniger Suzanne.

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