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239 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 112 Rezensionen

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Die Vergessenen

Ellen Sandberg
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Penguin, 27.12.2017
ISBN 9783328100898
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Wow, kann ich nur sagen. Hier hat sich mit Sicherheit eins der Jahreshighlights bei mir eingestellt.

Einstiegsschwierigkeiten hatte ich nicht und fand das Buch spannend von der ersten bis zur letzten Seite. Die Perspektive des Manolis Lefteris mit seinem ungewöhnlichen "Job" und der ebenso ungewöhnlichen ethischen Haltung dahinter hat mich sofort fasziniert und über das gesamte Buch hinweg immer wieder zum Nachdenken gebracht. Diese Figur hat für mich auch den größten Reiz des Romans ausgemacht, weil sie so besonders ist und einige meiner Denkgewohnheiten zum Thema "Gerechtigkeit erlangen" dadurch mal ordentlich gegen den Strich gebürstet wurden.


Dass der historische Strang der Handlung erst recht spät einsetzte, hat mich ein wenig irritiert; das war aber schnell vergessen, denn hier kommt wirklich Verstörendes auf den Leser und die Leserin zu. Mir war das Schicksal von geistig Behinderten während des Nationalsozialismus nicht fremd, da ich selbst in der Nähe einer solchen sogenannten Heil- und Pflegeanstalt aufgewachsen bin, in der als "nicht lebenswert" erachtete Menschen kaltblütig ermordet wurden, und schon als Jugendliche dort Führungen und Workshops besucht habe. Trotzdem erreicht das Grauen noch einmal eine andere Dimension, wenn es personalisiert wird. Das Leben und Sterben der kleinen Therese ist mir sehr nahegegangen.


Sehr gut gefallen hat mir, dass viele Figuren ambivalent angelegt sind und das auch bis zum Ende bleiben dürfen. Vor allem Kathrins Beweggründe zu ihrem Handeln nach dem Krieg sind schwer auszuhalten und doch ein Stück weit nachvollziehbar. Über Manolis werde ich auch noch nachzudenken haben. Vera mochte ich einfach und wünsche Frauen wie ihr, dass sie es schaffen, ihren Weg zu gehen.


Vielen, vielen Dank an die Autorin für dieses erschütternde und nachdenklich machende Buch, das sicher noch über längere Zeit in mir arbeiten wird...

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87 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 63 Rezensionen

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Echo der Toten. Ein Fall für Friederike Matthée

Beate Sauer
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 12.01.2018
ISBN 9783548289571
Genre: Historische Romane

Rezension:

Auch mir hat der Krimi um Friederike Matthée sehr gut gefallen, wobei ich gestehen muss, dass ich das Buch gar nicht so sehr um der Krimihandlung willen verschlungen habe, sondern wegen seines spannenden und ergreifenden Settings in den Wirren und Nöten der Nachkriegsjahre. Ich selbst weiß viel zu wenig über diese Epoche. Dieser gut recherchierte Krimi stellt sehr eindrücklich die wirtschaftliche und soziale Situation im Deutschland kurz nach Ende der Nazizeit und des 2. Weltkrieges dar und hat mir geholfen, mich noch einmal neu und vertieft in die Lebenslage meiner Großeltern im Zusammenhang von Krieg, Flucht und Nachkriegszeit mit den diversen begleitenden Traumata hineinzuversetzen. Dafür bin ich der Autorin sehr dankbar.


Aber auch das Figurenensemble um Friederike Matthhée und Richard Davies hat mir gefallen und ich würde gern mehr von ihnen lesen, würde mich also über eine Fortsetzung sehr freuen!


Von mir ebenfalls eine klare Leseempfehlung.

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69 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 43 Rezensionen

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Noble Gesellschaft

Joan Weng
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 19.01.2017
ISBN 9783746632766
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ich muss gestehen, dass ich bei den vielen skurrilen, meist auch schwulen Von-und-Zus gleich mal den Überblick verloren habe; und da ich das eBook gelesen habe, war es mir zu mühsam, ständig ins Personenverzeichnis zurückzublättern.

Mir hat in diesem Buch auch mal mindestens eine starke Frauenfigur zwischen all den Männern gefehlt, die sich nicht nur dämlich verhält, ihre Nägel pflegt oder dringend geheiratet werden möchte.


WIE der Mord vonstatten gegangen war, wusste ich auch schnell (kann es sein, dass es einen Krimi mit einem ähnlichen Detail bei Sherlock Holmes gibt? oder irgendeinem anderen Klassiker? ich kannte es jedenfalls schon) - daher war ich zeitweilig etwas genervt von dem Buch.


Nachdem ich irgendwann aber aufgegeben hatte, die Figuren sauber auseinanderzuhalten, und es mir daher letztendlich auch egal war, WER der Mörder war, habe ich den Krimi mit Genuss gelesen - aufgrund des Settings, der spritzigen Dialoge, der liebenswerten Nebenfiguren, des witzigen Ermittlerpaars, des süßen und wertvollen Katerchens - und nicht zuletzt, weil ich so gern wissen wollte, wie Willi Genzer jetzt sein Privatleben wieder organisiert kriegt. Die Lösung hat mir gefallen, denn Christine mochte ich sehr gern.


Ich hatte also durchaus Lesespaß, was aber weniger an der Krimihandlung lag als vielmehr an der erfrischenden Schreibe von Joan Weng.

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43 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

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Das Mädchen im Schnee

Ninni Schulman , Susanne Dahmann
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Heyne, W, 10.09.2012
ISBN 9783453409446
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

ama:


In der Silvesternacht verschwindet die sechzehnjährige Hedda Losjö spurlos. Magdalena Hansson, Journalistin aus Stockholm, die sich im beschaulichen Hagfors eigentlich von ihrer kräftezehrenden Scheidung erholen wollte, bekommt den Auftrag, das Verschwinden des Mädchens zu recherchieren. Zunächst deutet alles auf Selbstmord hin, doch dann stößt Magdalena auf eine Spur, die ein fürchterliches Verbrechen vermuten lässt.




Meine Meinung:


"Das Mädchen im Schnee" ist mein erster Krimi von Ninni Schulman und auch eigentlich der erste in der Värmland-Krimi-Reihe (siehe Rezi zu Still ruht der Wald - Ninni Schulman ), was durch einen Verlagswechsel nicht unbedingt auf den ersten Blick ersichtlich ist.


Es ist ein solider Krimi mit sympathischen, interessanten und durchaus ein wenig ambivalenten Figuren in unterschiedlichen Lebenssituationen, die realistisch und z.T. nachdenklich stimmend dargestellt werden. Dass sich dabei die beliebte Kombination Journalistin und Kommissar/-in gegenseitig die Bälle zuspielt (oder abluchst), habe ich nicht als störend empfunden; auch die fast schon obligatorischen persönlichen Verstrickungen der Ermittler fand ich in diesem Krimi spannend. Womit ich allerdings gar nicht zufrieden bin, ist eine m.E. völlig unrealistische Wendung etwa in der Mitte des Buches:

(ACHTUNG - SPOILER!!! In einem Kaff, wo sonst nichts los ist, wird ein unbekanntes und sexuell schwer missbrauchtes junges Mädchen tot aufgefunden, während die Polizei gleichzeitig ein illegales Bordell mit jungen, osteuropäisch aussehenden Mädchen beobachtet - und es dann tatsächlich bei der Polizei Leute gibt, die sich weigern, zwischen diesen beiden Fällen eine Verbindung herzustellen, weswegen der Bordell-Spur nur halbherzig und verspätet nachgegangen wird. Es ist doch so offensichtlich, dass da bei jedem Polizisten die Alarmglocken geschrillt hätten - dafür hätte ich die Autorin schütteln können.)


Ab dieser Stelle hat mir der Krimi nicht mehr so recht Freude bereitet und ich habe ihn eigentlich nur zu Ende gelesen, weil das Schicksal einer der Protas mich interessiert hat. Die seltsame Wendung wurde nicht einmal "genutzt", um das Ende vielleicht noch ein wenig reibungsvoller zu gestalten.


Die Auflösung war dennoch schlüssig und z.T. auch berührend, aber für mich war da leider vorher schon ein wenig die Luft 'raus gewesen.


Trotzdem werde ich gern weitere Bücher der Autorin lesen, denn ansonsten war es durchaus ein guter und interessanter Krimi, dessen Protas und Schreibstil mir gefallen haben.

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79 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 17 Rezensionen

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Ich bin nicht tot

Anne Frasier , Anu Katarina Lindemann
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Heyne, 13.11.2017
ISBN 9783453439061
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

ama:

Drei Jahre lang wurde Detective Jude Fontaine von der Außenwelt ferngehalten. Eingesperrt in einer unterirdischen Zelle hatte sie zu niemandem Kontakt außer ihrem sadistischen Entführer. Nach ihrer Flucht bleibt ihr nur ein unstillbares Verlangen nach Gerechtigkeit. Obwohl ihre Kollegen an ihrer psychischen Gesundheit zweifeln, nimmt sie ihre Arbeit in der Mordkommission wieder auf. Ihr neuer Partner, Detective Uriah Ashby, traut ihrer Zurechnungsfähigkeit nicht, doch ein Killer ist unterwegs und ermordet junge Frauen. Die Detectives haben keine Wahl: Sie müssen zusammenarbeiten, um den Psychopathen zu stellen, bevor er sein nächstes Opfer findet. Und niemand kennt sich mit Psychopathen so gut aus wie Jude Fontaine ...


Meine Meinung:

Dieser Thriller hat mich von der ersten bis zur letzten Seite gepackt. Die Autorin versteht es, die Spannung nicht mit Hilfe von möglichst viel verspritztem Blut und lauten Schmerzensschreien, sondern durch ein interessant gestaltetes Dosieren von verstörenden Informationen und Erkenntnissen aufrecht zu halten. Die Hauptfiguren haben Ecken und Kanten, deren Hintergründe es mir als Leserin aber leicht gemacht haben, tiefe Sympathie für die Figuren zu empfinden und mit ihren jeweiligen Entwicklungen mitzufiebern. Vor allem diese Einblicke in die Psyche von Entführungs- und Folteropfern und ihren Angehörigen haben das Buch für mich sehr lesenswert gemacht - was eine Entführung mit den Betroffenen macht, ob und wie sie sich hinterher einen Weg zurück ins Leben erkämpfen können... Ich kannte das Stockholm-Syndrom aus der Lektüre anderer Krimis / Thriller und leider auch durch reale Ereignisse, die immer mal durch die Medien gehen, aber dank dieses Thrillers habe ich es nochmal in einer ganz anderen Dimension verstanden. Die Auflösung war für mich nicht überraschend, aber deswegen nicht weniger beklemmend. Über dieses Buch und seine ProtagonistInnen werde ich noch viel nachdenken.

Gestört hat mich lediglich der Umstand, dass Judes Leben vor der Entführung (soziales Umfeld, ihr persönliches Eigentum usw.) so völlig abgespalten wird - das finde ich bei einer Frau, die am gleichen Ort im gleichen Job weitermacht, nicht ganz realistisch.

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71 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 37 Rezensionen

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Die Frau im hellblauen Kleid

Beate Maxian
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Heyne, 13.11.2017
ISBN 9783453422124
Genre: Romane

Rezension:

"Die Frau im hellblauen Kleid" ist ein Roman, der auf mehreren Zeitebenen die Familiengeschichte von vier Generationen Schauspielerinnen erzählt. Dieses Setting rund um Theater und Film fand ich sehr spannend. Ich habe dabei viele für mich neue Aspekte beim Drehen einer Dokumentation kennengelernt.


Der zeitgenössische Strang um Marianne, Vera und Sophie, der auch den Rahmen für die historischen Ausflüge ins Leben von Käthe bildet, hat mir ansonsten jedoch nicht sonderlich zugesagt. Ich konnte mit den Figuren nicht recht warmwerden und habe ihre Verhaltensweisen oft als überzogen und somit unrealistisch wahrgenommen.


Umso schöner und ergreifender fand ich die Käthe-Kapitel, die aus meiner Sicht gern noch viiiiiiiiiiieeeel länger und ausführlicher hätten sein können. Es ist der Autorin mühelos gelungen, mich tief in die Zwanzigerjahre und in die Zeit während des Nationalsozialismus hineinzuziehen, mit Käthe und den Figuren rund um sie herum mitzufiebern, mitzuleiden, mitzulieben und mitzuhassen. Diese Kapitel zeigen eine große Bandbreite menschlicher Gefühle und Verhaltensweisen, den Himmel und die Hölle dessen, was Menschen einander an)tun und wie das Leben bei alledem weitergeht. Das hat mich tief berührt.

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171 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 61 Rezensionen

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Das Haus der verlorenen Kinder

Linda Winterberg
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 18.04.2016
ISBN 9783746632209
Genre: Romane

Rezension:

Als eingefleischte Norwegen-Begeisterte, die derzeit am liebsten historische Romane aus den Zwanzigern bis Vierzigern des vergangenen Jahrhunderts liest, war dieser Roman eine perfekte Lektüre für mich: Spannend von der ersten bis zur letzten Seite, habe ich ihn in drei Tagen weginhaliert und konnte meine Gedanken auch jenseits des Lesesessels kaum von den Figuren und Orten der Handlung lösen.



Das Geschehen um die Lebensborn-Heime in Oslo und Wiesbaden, die sozial geächteten „tyskerjenter“, Deutschenmädchen, und ihre Kinder, denen auch in Norwegen erst viel zu spät eine offizielle Wiedergutmachung zuteil geworden ist, und die Einblicke in die Seelen von elternlosen, adoptierten, von Pflegefamilie zu Pflegefamilie verschobenen Jugendlichen ist mir ganz schön an die Nieren gegangen.


Das Bild der alten Betty, wie sie im Altenheim durch die Flure wandelt und dabei das Bild ihrer durch ebendiese Flure tapsenden kleinen Tochter heraufbeschwört, werde ich so schnell nicht vergessen.



Der Autorin ist es meiner Meinung nach sehr gut gelungen, die verschiedenen Zeitebenen miteinander zu verknüpfen. Dabei haben sich auch am Ende einige Kreise geschlossen, einige lose Enden sind offen geblieben. Mit den meisten kann ich leben (z.B. der Geschichte von Gertrud); andere haben unbefriedigende Lücken hinterlassen.



Zwei kleine Kritikpunkte habe ich:


Der Beginn der Liebesgeschichte zwischen Lisbet und Erich wird leider nur als Rückblende zusammengefasst, als sie schon die Flucht vor ihren Gefühlen zu ihm ergreift und auf das kleine vorgelagerte Inselchen zieht. Aber gerade dieser Teil der Geschichte, die Anbahnung des Verhältnisses zwischen der Norwegerin und dem deutschen Besatzer, hätte mich genauer interessiert. Ebenso bei Oda. Gab es im Dorf keine netten jungen Männer? Hatten die beiden Mädchen wirklich nur sich selbst? Das erscheint schwer vorstellbar.



Zum anderen werden im Buch die Deutschen immer wieder als die in Norwegen verhassten Feinde bezeichnet, ohne dass deutlich wird, worin ihre Gräuel in Norwegen eigentlich bestanden und warum es denn gar so schrecklich war, als „Deutschenflittchen“ zu gelten. Lediglich das Arkiv in Oslo mit seinen Folterungen findet Erwähnung. Dass den einquartierten Soldaten bei weitem nicht immer Socken gestrickt wurden, sondern dass die Gegenwart der Deutschen einen gravierenden Versorgungsmangel der NorwegerInnen zur Folge hatte, wird im Buch nur angerissen. Die Festung der Deutschen wird erwähnt, aber was diese militärische Dominanz bedeutet, wird nicht deutlich. Von Verrätern ist die Rede, aber was hieß Verrat in Norwegen? Widerstand zu leisten, Menschen die Flucht zu ermöglichen, beispielsweise – deswegen wurde das Dorf Telavåg in einer Racheaktion der SS dem Erdboden gleichgemacht, ein in Norwegen bis heute unvergessenes Kriegsverbrechen der Deutschen.


Wenn ich nicht selbst ein bisschen Hintergrundwissen zu dieser Epoche gehabt hätte und schon ein wenig über die Deutschenkinder und ihre Mütter gelesen hätte, wäre mir wahrscheinlich unklar geblieben, warum diese Frauen und ihre Kinder so geächtet waren und nach dem Krieg sogar interniert wurden, denn im Roman wirken die Deutschen und ihre Präsenz in Norwegen nicht besonders schlimm und bedrohlich.



Dennoch kann ich dem Roman eine Leseempfehlung aussprechen. Und noch eins halte ich ihm zugute: Er hat mir jetzt Mut gemacht, endlich die „Tora“-Trilogie von Herbjørg Wassmo anzugehen, die seit Jahren geduldig auf dem SuB des rechten Zeitpunkts harrt. Der erste Band heißt in der deutschen Übersetzung "Deutschenkind" und befasst sich mit dem Schicksal eines in Norwegen lebenden Kindes von einer Norwegerin und einem deutschen Soldaten:


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163 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 89 Rezensionen

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Marlenes Geheimnis

Brigitte Riebe
Fester Einband
Erschienen bei Diana, 11.09.2017
ISBN 9783453292055
Genre: Historische Romane

Rezension:

„Marlenes Geheimnis“ war für mich ein echter Pageturner – ich habe das Buch innerhalb kürzester Zeit weggelesen und fand sowohl die historischen als auch die in der heutigen Zeit angelegten Erzählstränge spannend und aufrüttelnd. Der Roman greift das Geschehen um die Vertreibung der Deutschen aus dem sog. Sudetenland sowie zuvor das Miteinander von TschechInnen und Deutschen in Nordböhmen auf, ohne auch nur einen Hauch des Gejammers der sudetendeutschen Landsmannschaften zu versprühen. Drei Generationen Frauen gehen ihren Weg – Eva, Marlene, Nane – und müssen sich zum Teil durch widrigste Lebensumstände beißen, dabei mit ihren schwierigen, z.T. wechselvollen Beziehungen zueinander (Mutter-Tochter, Schwester-Schwester usw.) klarkommen und neue Zugänge zu sich selbst finden. Dabei tun sich viele Entwicklungen auf, von denen ich manche schon am Anfang erahnen konnte, andere fand ich am Ende dann doch überraschend.


Der Schluss des an sich tollen Buches ist mir viel zu knapp gestaltet – die Auflösung geht mir zu schnell und v.a. zu reibungslos vonstatten. Auch erfährt man nur sehr am Rande, was das mit den jeweiligen ProtagonistInnen macht und wie sie ihr Leben angesichts der neuen Gegebenheiten nun (um)gestalten.


Ich kann aber allen, die sich für die Epoche des 2. Weltkriegs und die angrenzenden Jahre interessieren, ohne Bedenken diesen toll recherchierten Roman empfehlen, denn man erfährt, in spannende Geschichten verpackt und ohne falsches Pathos, sehr viel über diese schwierige Zeit.

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101 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 50 Rezensionen

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Die Jahre der Schwalben

Ulrike Renk
Flexibler Einband: 560 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 09.10.2017
ISBN 9783746633510
Genre: Historische Romane

Rezension:

Die Autorin schreibt sehr einfühlsam über schwierige Epochen in der deutschen Geschichte, wobei sie das "große" politische Geschehen geschickt in die alltäglichen Ereignisse und Lebenszusammenhänge auf den verschiedenen Gütern hineinwebt. Vor allem die anschaulichen Beschreibungen des Arbeitsalltags auf diesen Gütern und des dort herrschenden sozialen Gefüges haben mich auch bei den "Schwalben" wieder sehr fasziniert. Da diese Teile der Handlung oft ruhig und wenig dramatisch geschildert werden, würde auch ich das Buch für mich als ein "Wohlfühlbuch" beschreiben - ein ernstes Wohlfühlbuch.


Interessant zu lesen waren aber auch die teils durchaus dramatischen weiteren Entwicklungen im Privatleben der Hauptfigur Frederike. (Leider kann ich nicht schreiben "spannend", denn dafür hat der Klappentext auch aus meiner Sicht viel zu viel verraten.) Es gelingt ihr weiterhin, mit den nicht zu knapp bemessenen Schwierigkeiten in ihrem Leben fertigzuwerden, auch wenn es sie regelmäßig an die Grenzen ihrer Kräfte und ihres guten Willens bringt. Insbesondere die schwieriger werdenden Beziehungen, dabei muss v.a. ihre Mutter hervorgehoben werden, tragen nicht gerade dazu bei, Frederike das Leben zu erleichtern. Zum Glück gelingt es ihr, sich von ihrer Mutter weitgehend zu distanzieren.
Frederikes Privatleben kommt schließlich in ruhigeren Gewässern an, während sich die politische Situation von Kapitel zu Kapitel verschärft. Am Ende ging es mir zu schnell - ich hätte gern mehr über die Kriegsjahre gelesen und hoffe, dass Band 3 in dieser Hinsicht noch mit ein paar mehr Details aufwarten kann.

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83 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 49 Rezensionen

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Der Fall Kallmann

Hakan Nesser
E-Buch Text: 576 Seiten
Erschienen bei btb Verlag, 30.10.2017
ISBN 9783641208172
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ich nehme gleich einmal vorweg, dass ich aufgrund des Autors, der Kurzbeschreibung bei amazon.de, wo das Ganze wie ein Krimi aufgezogen wird, und der Leseprobe auf vorablesen.de, aber v.a. wegen des Titels einen Kriminalroman erwartet hatte, auch wenn „Roman“ auf dem Buchdeckel steht, und somit eine gewisse Enttäuschung vorprogrammiert war. Diese laste ich teilweise mir selbst an (wer lesen kann, ist klar im Vorteil), zum Teil aber auch dem Verlag, denn mit der Titelwahl und der Kurzbeschreibung wird das Buch m.E. durchaus von der Wahrnehmung her in die Krimiecke geschoben; so ging es ja auch anderen RezensentInnen z.B. auf amazon.de und anderen Portalen. (Zum Titel der deutschen Übersetzung später noch mehr.)


Die Leseprobe hatte mir großen Spaß gemacht; ich fand die Handlung von der ersten Seite an packend und hatte sofort eine große Neugier auf das Geschehen um Kallmann entwickelt. Daher hätte ich im Verlauf des Romans mit einem ähnlichen Tempo und v.a. einem gewissen Maß an Spannung gerechnet. Die Erzählweise mit den verschiedenen Perspektiven hat mich auch gleich angesprochen. Es werden schön schrullig-sympathische Lehrerpersönlichkeiten entfaltet und amüsante Einblicke in schwedische Lehrerzimmer geboten. Mit Leon konnte ich aufgrund seines schweren Verlustes gleich Mitgefühl entwickeln, aber auch mit den anderen Figuren, aus deren Sicht die Kapitel abwechselnd geschrieben sind, bin ich mühelos warmgeworden, v.a. mit der Beratungslehrerin Ludmilla. Alle diese Figuren erscheinen trotz oder gerade wegen ihrer Eigenheiten liebenswert. Mir hat auch gut gefallen, dass verschiedene Generationen zu Worte kommen, auch wenn das Ganze vielleicht etwas ausgewogener hätte gestaltet werden können, indem z.B. eine weitere Schülerperspektive aufgenommen worden wäre oder Andreas Mutter Ulrika nicht nur als zeitliche Rückblende, sondern auch verstärkt mit ihrem Blick aufs aktuelle Geschehen Mitte der Neunziger eingearbeitet worden wäre.


Von diesen Figuren lebt der Roman, denn nach dem packenden Einstieg zieht die Handlung sich in der ersten Hälfte des Buches schier endlos hin. Aus jeder Perspektive wird das immer gleiche Geschehen beleuchtet und es dauert bis etwa zur Mitte des Buches, bis die Geschichte ein wenig an Tempo zulegt und man wirklich etwas von Substanz erfährt. Zwar sind die Perspektivwechsel erzähltechnisch durchaus interessant, aber der Autor hätte sie viel stärker dazu nutzen können, die Handlung voranzutreiben. Mindestens im ersten Buchteil bremsen sie die Handlung eher aus; sie werden fast nur dazu benutzt, dass mehrere Personengruppen um immer dieselben spärlichen Informationen kreisen und kaum einmal etwas Neues dazukommt oder in der Handlung etwas Substanzielles passiert. So wird es allmählich langweilig… Allein schon bis zur Mitte des Romans hätte es meiner Ansicht nach nicht geschadet, wenn er um 100 Seiten gekürzt worden wäre.


Im zweiten Teil geschieht endlich ein bisschen mehr; neue Informationen, neue Verwicklungen werden ins Spiel gebracht, das Geschehen entfaltet sich zu einer halben Sozialstudie. Aber auch hier hätte deutlich straffer geschrieben werden können. Allein die nett-skurrilen Figuren haben mich durch die Handlung getragen; ihre sanft ironisch vorgetragenen Lebensweisheiten haben mich schmunzeln und nachdenken lassen, und auf dieser Ebene hat mir das Buch durchaus Vergnügen bereitet.


Die Auflösung jedoch, die am Ende sehr knapp und schnell auf wenigen Seiten erfolgt, hinterlässt mich ein wenig ratlos und auf jeden Fall traurig. Schade um mehrere Leben, die so viel glücklicher hätten verlaufen können.



Nun aber noch zur Wahl des Titels: Der schwedische Originaltitel „Eugen Kallmanns ögon“ – Eugen Kallmanns Augen – gefällt mir um Welten besser als der deutsche Titel „Der Fall Kallmann“. Zum einen wurde auch aufgrund der Titelwahl im Deutschen bei mir die Erwartung geweckt, dass es sich um einen Krimi handelt, was ja dann im Laufe der Lektüre zu gewissen Enttäuschungen führte. Vor allem aber verengt der Titel „Der Fall Kallmann“ den Blick unnötigerweise auf den toten Kallmann als einen eventuell ungelösten Kriminalfall, während der schwedische Titel „Eugen Kallmanns Augen“ den lebendigen Kallmann, seine scharfsichtigen (vielleicht auch hochsensiblen?) Beobachtungen und das gesamte Geschehen um ihn herum berücksichtigt, also auch den Strang der Familiengeschichte von Andrea Wester, der ja mindestens genauso wichtig ist wie der mögliche Mordfall Kallmann. Ich begreife nicht, warum ein Verlag da ohne Not von einem gut übersetzbaren Titel abweicht und damit in Kauf nimmt, falsche Erwartungen bei der Leserschaft zu schüren. Ich zumindest hätte ein deutlich größeres Lesevergnügen gehabt, wenn das Buch in meiner Wahrnehmung nicht vorzeitig in der Krimiecke gelandet wäre (denn ich lese sehr gern Romane) – und da hat durchaus der Titel eine entscheidende Rolle gespielt.


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137 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 77 Rezensionen

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Heimkehren

Yaa Gyasi , Anette Grube
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 29.11.2017
ISBN 9783832198381
Genre: Romane

Rezension:

Die Geschehnisse in diesem Buch sind so eindringlich, so dicht und erschütternd, dass ich das Buch nur sehr langsam und in kleinen Portionen lesen konnte. Habe mich von einer Generation zur nächsten vorangearbeitet, alles in Ruhe auf mich wirken lassen und zwischendurch mehrere andere Bücher gelesen. Anders wäre es nicht gegangen.

Ich hatte zunächst nicht verstanden, warum Yaa Gyasi am Anfang ihres Romans so viele innerfamiliäre Konflikte aufwirft und die Streitigkeiten zwischen den Asante und Fante so hervorhebt. Im Licht der letzten Kapitel betrachtet, ergibt es jedoch Sinn und schließt das Geschehen des Romans wieder zu einem Kreis: Gewalt und Unrecht in der Gesellschaft sind zuerst in den Familien sichtbar. Natürlich bedingt sich das gegenseitig; eine instabile Gesellschaft schafft nicht gerade die besten Voraussetzungen für das Wachstum stabiler familiärer Beziehungen.

Und das hat mir Yaa Gyasis Geschichten-Roman mehr als jede andere meiner Lektüren zu diesem Thema vor Augen geführt: Wie sehr die Sklaverei und die damit verbundenen Lebensumstände die betroffenen Menschen entwurzelt und daran gehindert haben, sich selbst und ihre Angehörigen in eine stabile Familiengeschichte einzubetten. Viele waren immer wieder neu auf sich allein gestellt. Manche hatten das Glück, dass Angehörige da waren. Die Erzählweise, immer nur eine oder ein paar wichtige Schnittstellen im Leben der jeweiligen Hauptfigur aus dem Gesamtgeschehen herauszureißen, passt perfekt zu den Realitäten, mit denen diese Menschen umgehen mussten, nämlich selbst jeden Moment damit rechnen und klarkommen zu müssen, willkürlich aus allem herausgerissen zu werden. So, wie es mir allein beim Lesen schon Mühe gemacht hat, den einzelnen Generationen zu folgen und mich dabei noch an die Bruchstücke der letzten Generation zu erinnern, weil deren Leben nur so ausschnitthaft dargestellt wurde und man kaum genug Zeit hatte, mit ihnen warmzuwerden, so standen auch diesen im Roman dargestellten Menschen oft nur Bruchstücke (wenn überhaupt) an Familiengeschichte zur Verfügung, viele mussten mehrmals in ihrem Leben von vorn beginnen, allzu oft nicht auf selbstbestimmte Weise.

Am Anfang der Lektüre hatte mir schmerzlich das Licht am Horizont gefehlt; in den letzten Kapiteln versteht es die Autorin, verloren geglaubte Stränge wieder zusammenzuführen, mehrere Kreise auf gelungene und z.T. überraschende Weise zu schließen und Figuren mit sich selbst und ihrer Herkunft zu versöhnen, auch wenn sich vieles davon den ProtagonistInnen selbst in Träumen und mystischen Ahnungen offenbart. Als LeserIn weiß man diese Dinge genauer zu deuten, und so konnte ich das Buch am Ende zufrieden aus der Hand legen und nicht mit den destruktiven Gefühlen, die sich am Anfang noch oft bei mir eingestellt hatten.


Ich vergebe fünf dicke Sterne, werde gern mehr von der Autorin lesen, falls sie nachlegt, und dieses Buch ganz weit oben auf meine Liste zu verschenkender Bücher setzen.

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708 Bibliotheken, 9 Leser, 4 Gruppen, 70 Rezensionen

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Schneewittchen muss sterben

Nele Neuhaus
Flexibler Einband: 537 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch, 08.09.2010
ISBN B004WSO6A6
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

"Schneewittchen muss sterben" ist mein erster Krimi von Nele Neuhaus. Ich habe lange einen Bogen um die Autorin gemacht, weil sich die Geister bei ihr zu scheiden scheinen. Das war dumm, denn das Buch hat mich von der ersten Seite an gefesselt. Die Lebenssituation und -perspektiven des aus der Haft entlassenen Mörders, um dessen Schuld oder Unschuld sich viele Fragen ranken, haben mich sehr beschäftigt, auch das Setting im Dorf, die ganzen ach so normalen oder schrägen Leute mit ihren undurchsichtigen Verstrickungen. Ich fand den Krimi spannend bis zuletzt, auch wenn da der Fall eigentlich längst aufgelöst schien. Der Autorin ist es gelungen, immer nochmal einen draufzusetzen und am Ende alle losen Fäden weitgehend schlüssig miteinander zu verknüpfen.


Auch die privaten Ereignisse bei den ErmittlerInnen fand ich interessant, muss hier aber feststellen, dass mir manches doch recht unglaubwürdig erschien. Vor allem das distanzierte Verhältnis von Bodenstein zu seiner jüngsten Tochter ist mir aufgestoßen; er ist als Vater praktisch nicht präsent, das Kind taucht in seinem Alltag wie auch in seinen Gedankengängen so gut wie nie auf, obwohl die private Lebenssituation das durchaus erfordern würde. Das fand ich sehr irritierend. Ich weiß nicht, ob die Autorin selbst Kinder hat oder ansonsten in ihrem Umfeld recherchiert hat, wie der Alltag mit einem Kleinkind aussieht - die Darstellungen im Krimi kamen mir nicht realistisch vor.
Seltsam fand ich auch die Frage eines gut Dreißigjährigen an eine Endzwanzigerin, warum sie nie geheiratet hätte. Das kann man ja noch nicht einmal mit dem Generationsunterschied zwischen der Autorin und den von ihr dargestellten ProtagonistInnen erklären - ich glaube, nichtmal in den Siebzigern hätte man in diesem Alter diese Frage gestellt.


Fazit: Der Krimi weist in meinen Augen einige kleine Schwächen auf, hat mich insgesamt aber bestens unterhalten. Ich werde nun gerne mehr von der Autorin lesen.

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62 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 18 Rezensionen

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Im Lautlosen

Melanie Metzenthin
E-Buch Text: 526 Seiten
Erschienen bei Tinte & Feder, 11.07.2017
ISBN 9781542095969
Genre: Historische Romane

Rezension:

Dieser Roman hat mich von der ersten bis zur letzten Seite tief in seinen Bann gezogen und wird sicher auch noch länger in meinen Gedanken nachwirken.
Sowohl in die Epochen der Weimarer Republik, des Nationalsozialismus und dann kurz noch der Nachkriegszeit als auch in die handelnden Figuren mit ihren inneren und äußeren Konflikten konnte ich mich gut hineinversetzen. Die Handlungsverläufe fand ich spannend, das Thema ohnehin sehr berührend und verstörend (auch wenn es mir nicht neu war - ich bin mit einer "Euthanasie"-Gedenkstätte im Nachbarort aufgewachsen). Aber vor allem habe ich die Dialoge und Gedankengänge der Figuren sehr genossen. Zum Teil witzig, zum Teil mit viel Tiefgang und zum Nachdenken anregend, mit ganz viel Wärme und Menschlichkeit selbst angesichts großen Leids und schreiender Ungerechtigkeit.


Und nicht zuletzt traf mich ganz besonders der (zufällige) Zeitpunkt der Lektüre - das Wochenende, an dem die AfD in den Bundestag eingezogen ist. In diesem Roman bekommt man aufgeschlüsselt, wie das nationalsozialistische Gedankengut vor knapp hundert Jahren in die Gesellschaft und ins politische System eingesickert ist und da lange nicht wieder herauszubekommen war. Man kann nur hoffen und sich nach Kräften dafür einsetzen, dass die Geschichte sich in diesem Fall NICHT wiederholt.


Ich bin Melanie Metzenthin von Herzen dankbar für dieses wunderbare Buch und freue mich auf den Folgeband.

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85 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 19 Rezensionen

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Gray

Leonie Swann
Fester Einband
Erschienen bei Goldmann, 15.05.2017
ISBN 9783442314430
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Das kleine Bündel "Federn, Schnabel und Wärme" hat mühelos in seinen Bann gezogen, auch wenn ich bisher kein großer Fan von krächzendem Federvieh war. Im Vergleich zu den Schafskrimis, die ich sehr liebe, stellte es für mich auch nochmal eine Steigerung beim Lesevergnügen dar, dass Gray nicht vermenschlicht wird – zumindest nicht in der Hinsicht, dass er (erkennbar! :grin) bewusst handelnd und/oder kommentierend ins Geschehen eingreift. Natürlich haben seine in den jeweiligen Situationen oft skurrilen Kommentare viele Schmunzler bei mir ausgelöst. Auch das Thema der artgerechten Vogelhaltung habe ich seit langem mal wieder bedacht.


Die Krimihandlung fand ich sehr spannend und das Setting insgesamt hat mir auch gefallen. Allerdings habe ich bei einigen Figuren ihre verschiedenen Wesenszüge nicht so recht zusammenbekommen, vor allem bei Augustus Huff. Wie manche andere Leserinnen sehe ich ihn als einen verschrobenen, aber liebenswerten Professor – da passt das Klettern einfach nicht so recht ins Bild. Das kann ich aber hinnehmen. Mehr gestört hat mich, dass am Ende für meinen persönlichen Geschmack ein paar Fragen zu viel offen geblieben sind.


Insgesamt hat mir dieser optisch wie sprachlich wunderschön gestaltete Krimi viel Lesespaß bereitet.

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

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Überbleibsel. Eine kleine Erotik der Küche.

Jeannette Lander
Geheftet: 158 Seiten
Erschienen bei Aufbau Tb, 01.01.1999
ISBN 9783746613840
Genre: Sonstiges

Rezension:

Jeannette Lander, 1931 als Kind polnisch-jüdischer Einwanderer in New York geboren und mit einer klassischen jiddischen Mamme gesegnet, lernt schon als kleines Mädchen die Sinnlichkeit des achtsamen Kochens und die Wertschätzung für ein liebevoll zubereitetes Mahl kennen, selbst wenn dieses, wie bei armen Leuten oft der Fall, aus Resten – Überbleibseln – zusammengestellt wird. Autobiografisch-anekdotenhaft, aber natürlich literarisch ausgestaltet (weshalb ich es hier der Belletristik zugeordnet habe), stets voller Wärme entführt sie die Leserinnen und Leser in die kulinarische Welt ihrer eigenen Kindheit in New York und Atlanta sowie die ihrer aus Warschau stammenden Mutter, deren Kochweisheiten sie sich zu eigen gemacht hat und nun in ihrer modernen Berliner Küche zelebriert und an ihren Freundeskreis, ihre Kinder (und ihre Leserschaft ) weitergibt.


Ich schwelge auch beim mittlerweile vierten oder fünften Lesedurchgang immer noch glücklich-motiviert zwischen einfachsten und hochkomplizierten Rezepten und Menüfolgen, vor allem aber in Jeannette Landers warmherziger und oft selbstironisch zwinkernder Lebensphilosophie des lustvollen Umgangs mit der Beschaffung von Lebensmitteln, ihrer Zubereitung und ihrem Genuss.


Das Buch ist mir erstmals bei einer Lesung der Autorin begegnet, als ich selbst als junge Studentin das Kochen gerade für mich entdecken durfte, und eine Weisheit der jiddischen Mamme hat mein Kochverhalten bis heute entscheidend geprägt, was die Ordnungsliebe in der Küche während des Kochens betrifft:

„Um in der Küche Tonys [Ehemann der Autorin] Leitsatz von der schönen Ordnung zu erreichen, muss man die Devise von meiner Mama beherzigen, die da lautet: ‚Gleich.‘
Gleich sollte ich alles tun, nicht nachher, nicht später, nicht einmal bald, sondern gleich. ‚Bist di fartig mit a Leffele, wasch ub un leg aweg. Gleich.‘ – ‚Host di abgeschubt die Mährelach, werf die Schubselach aweg un wisch ub die Tisch. Gleich.‘ – ‚Az es fällt eppes arub, nemm a Besele un kehr es zisammen. Gleich.‘“ (Seite 144)

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Ein Leben mehr

Esther Mujawayo , Soud Belhaddad
Flexibler Einband: 359 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 01.05.2007
ISBN 9783548368801
Genre: Biografien

Rezension:

Esther Mujawayo kämpft sich durch die Traumata und Verletzungen des Völkermordes in Ruanda und gründet eine Organisation für die hinterbliebenen, oft unversorgten und sozial isolierten Witwen des Genozids. Um das professionell leisten zu können, lässt sie sich eigens zur Traumatherapeutin ausbilden und rettet / erleichtert unzähligen Frauen und Kindern das Leben, während sie selbst auch ständig ihre eigenen "Dämonen" in Schach halten muss. Eine sehr starke Frau, die mich tief beeindruckt hat.

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Prinzessin Isabella

Cornelia Funke , Kerstin Meyer , Kerstin Meyer
Fester Einband
Erschienen bei Oetinger, 01.02.1997
ISBN 9783789165023
Genre: Kinderbuch

Rezension:

amazon
(vermischt Zusammenfassung und Textauszüge)
Tagein, tagaus nichts tun, hübsch aussehen und sich gut benehmen - das kann auf die Dauer ganz schön langweilig sein. So schön ist es gar nicht, Prinzessin zu sein. Isabella, jüngste von drei Schwestern, war es jedenfalls leid, immer nur in feinen Kleidern und mit einer Krone auf dem Kopf herumzulaufen. Wie sollte man damit auf Bäume klettern! "Prinzessinnen klettern nicht auf Bäume!" wetterte ihr Vater, der König. Aber da kam er bei seiner Jüngsten gerade recht. "Ja, ja, ja", rief Isabella. "Prinzessinnen tun überhaupt nichts, was Spaß macht. Nicht mal in der Nase bohren!" Da stampfte der König mit dem Fuß auf und befahl, dass man seine Tochter zum Kartoffelschälen und Zwiebelschneiden in die Küche bringen sollte. Isabella gefiel es in der Küche, und als sie nach drei Tagen immer noch nicht geläutert war, ließ der König sie in den Schweinestall bringen. Im Schweinestall gefiel es Isabella noch besser. Sie blieb sogar nachts. Da begriff der König, dass er verloren hatte. "Komm zurück ins Schloss, Töchterchen", seufzte er. "Ich vermisse dich." Isabella tat ihm den Gefallen. Ihm zuliebe setzte sie sogar ab und zu die Krone auf. Aber zwischendurch schlief sie immer mal wieder im Stall.



Meine Meinung
Das ist ein tolles Kinderbuch, v.a. so lustig! Was mir auch besonders gut gefallen hat: Der König versteht irgendwann, dass er seine Tochter nicht verbiegen kann, und es liegt ihm mehr daran, eine Beziehung zu der Tochter zu haben, die sie nunmal ist, als die Tochter nach seinen Wünschen zu verändern. Eine Lektüre, die also auch manchen Eltern ans Herz gelegt werden könnte...


Fünf dicke, fette Sterne von mir.

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27 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

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Ich bin ein Stern

Inge Auerbacher , Mirjam Pressler , Max Bartholl
Flexibler Einband: 104 Seiten
Erschienen bei Julius Beltz GmbH & Co. KG, 28.07.2017
ISBN 9783407789495
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Ich habe das Buch an einem Abend weggelesen und muss sagen, dass es mich mehr als andere Bücher zum Thema Holocaust berührt und verstört hat. Keine Ahnung, ob ich es gern einem Kind von 11-13 Jahren (vom Verlag empfohlenes Alter) zu lesen geben würde. Anders, als im Klappentext dargestellt, verlässt das Buch durchaus die Perspektive eines sieben- bis zehnjährigen Kindes, benennt das Ausmaß der Gräuel, bettet das selbst Erlebte in den Gesamtkontext ein und eröffnet damit eine ganz andere Dimension als z.B. das "Tagebuch der Anne Frank", wo die Schrecken der Nazizeit doch eher aus der relativen Sicherheit des Hinterhauses geschildert werden und den Horizont eines Kindes / jungen Teenagers nicht verlassen. Natürlich fehlen am Ende nie die Abbildungen und Schilderungen zu Bergen-Belsen, und persönlich denke ich, das reicht für ein 11-jähriges Kind. Man hat anhand der Bilder und Erläuterungen einen Redeanlass und kann das vertiefen, je nachdem, was und wieviel das jeweilige Kind verträgt. 13-Jährige sind da schon wieder belastbarer, würden sich aber vielleicht für das Buch "Ich bin ein Stern" nicht mehr so sehr interessieren, weil die Ich-Erzählerin altersmäßig schon zu weit von ihnen entfernt ist, zu kindlich in ihrer Fixierung auf ihre Puppe Marlene im Pappkartonbett und mit den Puppenkleidern aus Lumpen. Eigentlich finde ich, es ist ein Buch für Erwachsene. Viele Szenen, seien es Gedichte oder die möglichen Worte von Müttern zu ihren Kindern während ihrer letzten Momente in den Gaskammern, waren für mich kaum auszuhalten. Natürlich projiziert man da als Mutter auch viele eigene Gefühle hinein, die Kinder so noch gar nicht kennen und wo Kinder deshalb diese Textstellen vielleicht auch nicht als schwierig wahrnehmen würden.

Möglicherweise hadere ich auch mit der Bezeichnung "Erzählung", denn eigentlich ist das ein autobiografischer Bericht. Um mit Kindern dieses Thema zu besprechen, würde ich solche Texte vielleicht nicht am Anfang wählen, sondern erst einmal fiktionale Texte lesen, in denen das schlimme Geschehen bewusst nur in altersgerechten, verkraftbaren Auszügen dargestellt wird. Das mag jetzt zynisch klingen und mir ist völlig klar, dass der Holocaust für die Betroffenen auch nicht altersgerecht und verkraftbar abgelaufen ist. Aber ich finde, wenn man Kindern und Jugendlichen heute das Thema nahebringen will, schießt man sich nur ins Knie, wenn man sie von Anfang an überfordert. Und diese Befürchtung hätte ich bei diesem an sich absolut lesenswerten Buch.

"Weine nicht, Mama, hör mein Versprechen,
Niemand wird meine Seele zerbrechen.
Ich bin ein Stern." - Inge Auerbacher

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Antonia war schon mal da

Patrick Wirbeleit , Max Fiedler
Fester Einband: 40 Seiten
Erschienen bei Reprodukt, 14.09.2016
ISBN 9783956401084
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Das Buch ist eigentlich nicht weiter herausragend. Eine nette kleine Geschichte von ein paar tierischen Freunden, die auf Reisen gehen und feststellen müssen, dass ihre Freundin Antonia, die lieber zu Hause bleiben wollte, überall schon einmal gewesen ist. Die Texte sind gereimt, nicht immer ganz elegant, und sehr kurz. Leider befindet sich das letzte Wort des Reims immer auf der Folgeseite, sodass die Kinder beim gemeinsamen Lesen das betreffende Wort immer schon herausbrüllen und umblättern wollen, ohne sich die Illustrationen genauer anzusehen. Da diese als Wimmelbilder angelegt sind, finde ich das also eher kontraproduktiv.

Dass das Buch von mir eine Rezi bekommt, liegt an einem kleinen, aber feinen Detail: Der Igel sitzt im Rollstuhl. Und dieser Umstand wird an keiner Stelle im Buch explizit hervorgehoben, sondern es ist einfach so. Ich finde es toll, wenn Kinderbücher mal ein bisschen mehr Diversität abbilden, ohne dass das gleich "pädagogisch verarbeitet" werden muss.

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Der zauberhafte Wunschbuchladen - Der hamsterstarke Harry

Katja Frixe , Florentine Prechtel
Fester Einband: 176 Seiten
Erschienen bei Dressler, 20.02.2017
ISBN 9783791500430
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Die Illustrationen von Florentine Prechtel finde ich wieder sehr gelungen und das Buch ist flüssig, immer mal ein bisschen frech und v.a. humorvoll geschrieben. Ich empfinde es für das empfohlene Lesealter als passend.
Leider fällt der zweite Band inhaltlich deutlich hinter den ersten zurück. Wo es dort noch um mehrere wirklich existenzielle Themen ging (Trennung der Eltern bei der besten Freundin und damit verbunden deren Wegzug; Umgang mit der "Neuen" vom Vater der Freundin, die nun auch noch die eigene Lehrerin ist; Verarbeitung des Verlusts der Freundschaft bzw. der Lernprozess, sie auf Skype & Co. zu verlagern; das nicht ganz mühelose Gewinnen eines neuen Freundes; dies alles und noch mehr, nett umrahmt von der sympathischen und leicht magischen Buchhandlung, wo Frau Eule für jede Lebenslage ein passendes Buch und ein Schokotörtchen bereithält - da war einfach Tiefe und Fülle drin.
Im zweiten Band dagegen ist die Anzahl der spannenden Themen übersichtlich (immer noch der Verlust der Freundin und der Umgang mit der neuen Flamme ihres Vaters; die Arbeitslosigkeit des neuen Freundes und der eher nicht so spannende Talentwettbewerb, um das Problem der Arbeitslosigkeit zu lösen). Auch die breit entfaltete Geschichte um den Hamster Harry konnte mich nicht wirklich packen, ich fand sie einfach nicht besonders interessant.
Das ist für mich insgesamt schade, denn der erste Band hatte mich nahezu restlos begeistert.


Ich werde dem irgendwann erscheinenden dritten Band dennoch eine Chance einräumen und vergebe für diesen hier 7 / 10 Punkten, weil es an sich trotzdem ein schönes Kinderbuch ist und meine Enttäuschung sich vor allem aus dem direkten Vergleich mit dem ersten Band ergibt.

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37 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

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Katzentisch

Michael Ondaatje , Melanie Walz
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.01.2014
ISBN 9783423142861
Genre: Romane

Rezension:

Für mich war "Katzentisch" ein schönes und bewegendes Buch, das ich gern gelesen habe. Es gab viele Momente, in denen ich innehalten musste, um Sätze und Szenen auf mich wirken zu lassen und sowohl die wundervolle Sprache als auch interessante Gedankengänge nachzuvollziehen und zu genießen. Das hat Spaß gemacht und hebt das Buch auch positiv von vielen schnell inhalierbaren Romanen ab.


Ein wenig getrübt wurde das Lesevergnügen hinsichtlich der schönen Sprache allerdings durch mehrere Fälle von Schludrigkeit beim Übersetzen / Korrektorat - z.B. habe ich manche Zeitformen als nicht stimmig empfunden und auch das offenkundig bevorstehende Aussterben der n-Deklination sowie der Deklination von manchen Pronomen bedauert.


Die Romankonstruktion hat mir nicht so gut gefallen. Das Buch war mir über weite Strecken zu anekdotenhaft; nur wenige Kapitel beschäftigen sich mal etwas länger mit einer Figur / einer bestimmten Gruppe von Figuren, und genau diese Abschnitte haben mir auch am besten gefallen. Der große erzählerische Bogen hat mir zwar nicht völlig gefehlt, aber die Anfangs- und Endpunkte der einzelnen Schicksale verlieren sich im Nebel der Geschichte. Natürlich ist klar, dass ein Roman, der sich an einer Schiffsreise entlanghangelt, nicht zu jeder Figur ein Woher und Wohin entwickelt. Viele Lebensspuren kommen scheinbar aus dem Nichts und verschwinden auch wieder dorthin. Es ist von der Konstruktion her in sich absolut stimmig, aber es gefällt mir eben nicht. Ich möchte gerne wissen, woher und wohin. Ich hätte mir gewünscht, dass die Schicksale der Figuren noch stärker miteinander verknüpft gewesen wären. Vor allem hätte ich mir gewünscht, dass am Ende nicht so viele Stränge offen bleiben.


Hochinteressant fand ich die Einblicke in die Lebenswelten Ceylons in der Mitte des letzten Jahrhunderts sowie die Reflexionen zur singhalesischen Auswanderer-Community und zu der Problematik, was Migration generell mit den Menschen macht. Immer noch hochaktuell.

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114 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 32 Rezensionen

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Das Café unter den Linden

Joan Weng
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 14.07.2017
ISBN 9783746632940
Genre: Historische Romane

Rezension:

„Das Café unter den Linden“ hat mir viel Spaß gemacht, zumal die Leserunde auch noch sehr nett von der Autorin begleitet wurde / wird.
Das Personal gefällt mir: die Guten sind nicht immer nur perfekt, die Bösen nicht immer nur ekelhaft, die auf den ersten Blick schrägsten Gestalten (z.B. Wlad und Rosa) entpuppen sich manchmal als erstaunlich normal - und umgekehrt. Vor allem die Hauptfigur Fritzi ist mir in ihrer Mischung aus Naivität, Tatendrang und spritzigen Ideen, die sie unverblümt äußert, sehr sympathisch. Ich finde es bei vielen Figuren schön gemacht, wie sie einerseits Fortschrittlichkeit und in anderen Belangen ganz konservative Ideen in sich vereinen, sich aber auch im Laufe der Handlung ändern dürfen – sie sind als Menschen im Prozess des Werdens dargestellt und keine starren, fertigen Pappfiguren.
Berlin in den Zwanzigerjahren, die Künstlerkolonie, die Welten des Films und der schreibenden Zünfte bilden ein spannendes Setting mit diesen auf verschiedene Weise verrückten Künstlern, mittendrin der mysteriöse Graf, und dem Gegensatz zwischen dem Landei Fritzi und den ganzen Flappers, zu denen sie sich gern dazumausern möchte und doch im Innern viel progressiver tickt als manche von ihnen, die sich modern geben, aber weiterhin von Männern abhängig bleiben.
Das ganze Buch ist frisch und gut lesbar geschrieben, v.a. die Dialoge finde ich spritzig und amüsant. Dabei finden die großen Fragen des Lebens genauso Platz wie die kleinen, und sei es der süße Trost durch Schokostückchen in Vanillepudding. Der Autorin gelingt es, immer wieder neu Spannung aufzubauen; am Schluss ist mir das Tempo der dramatischen Wendungen und ihrer dann doch recht schnellen Auflösung sogar ein bisschen zu hoch und ich hätte mir da ein langsameres Ausklingen gewünscht. Das hat das Lesevergnügen aber kaum beeinträchtigt.


Getrübt wurde es allerdings durch falsche Erwartungen, die im inneren Klappentext geschürt und dann nicht erfüllt werden, und durch ein bisschen zu viele (übersehene oder eingebaute) Fehler seitens des Korrektorats.


Ich bin schon sehr gespannt darauf, Hans und Fritzi in einem anderen Roman der Autorin wiederzutreffen, und würde mich auch über eine Fortsetzung vielleicht zehn Jahre später freuen, wo der historische Hintergrund der Dreißigerjahre nochmal ganz andere Höhen und Tiefen des menschlichen Daseins eröffnen würde und das Ganze sicher etwas weniger umfassend happy-endig gestaltet werden könnte. Aber auch jede andere Fortsetzung würde von mir gelesen werden.

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55 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 19 Rezensionen

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Der zauberhafte Wunschbuchladen

Katja Frixe , Florentine Prechtel
Fester Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Dressler, 26.09.2016
ISBN 9783791500218
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Das ist ein tolles Buch für kleine Leseratten! Es spielt über weite Strecken in jener titelgebenden Buchhandlung, in der es auch mal ein bisschen magisch zugehen darf und die von der netten, klarsichtigen und höchst verständnisvollen Frau Eule (! :-)) geführt wird.
Erzählt wird aus der Perspektive der lesewütigen und sensiblen Hauptfigur Clara, die gerade im Begriff ist, ihre beste Freundin Lene zu verlieren, weil diese nach der Trennung der Eltern mit ihrer Mutter in eine andere Stadt zieht. Wie die Mädchen mit dem drohenden und später vollzogenen Abschied voneinander zurechtkommen, ihren Schmerz darüber ausleben, sich im Alltag neu orientieren, dabei die Grenzen von Freundschaftspflege per Skype erfahren, aber schließlich auch Lichtstreifen am Horizont entdecken, wird sehr warmherzig und oft auch witzig dargestellt. Dreh- und Angelpunkt des Geschehens ist Frau Eules kleiner Buchladen, der zwischendurch auch mal von der Existenz bedroht ist...


Die Illustrationen sind schön, aber auch ein bisschen frech und v.a. sehr liebevoll gestaltet.


Mir hat die Lektüre großen Spaß gemacht, ich werde sicher auch die Nachfolgebände lesen und freue mich schon darauf, das Buch bei passender Gelegenheit meiner Großen zu schenken. (Es spricht wahrscheinlich eher Mädchen als Jungen an.)


Fazit: Ein ganz wunderbares Buch für kleine Büchereulen, daher gibt es von mir die volle Punktzahl.

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77 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

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Das Echo

Minette Walters
E-Buch Text: 416 Seiten
Erschienen bei Goldmann Verlag, 08.03.2001
ISBN B004OL2AWM
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

amazon:
Ein psychologischer Kriminalroman der Extraklasse:
Eine Frau und die Schatten der Vergangenheit. Eines Morgens findet die erfolgreiche Architektin Amanda Powell in der Garage ihres exklusiven Anwesens die Leiche eines verhungerten Stadtstreichers. Offensichtlich hat der völlig verwahrloste Mann Selbstmord begangen, denn in Reichweite des Toten waren die Lebensmittel der Hausherrin gelagert. Tief verstört übernimmt Amanda die Bestattungskosten des Unbekannten - aus Pietätsgründen, wie sie später aussagen wird. Mit der Zeit scheint der unheimliche Zwischenfall in Vergessenheit zu geraten. Bis eines Tages Michael Deacon auftaucht, ein Journalist, der Recherchen für einen Artikel über Obdachlose betreibt. Fasziniert von der attraktiven Amanda und brennend interessiert an der mysteriösen Geschichte, stellt Deacon Nachforschungen über die Identität des Stadtstreichers an - und entdeckt, daß Amandas Schicksal auf tragische Weise mit dem des Toten verbunden sein könnte. Denn alle Anzeichen sprechen dafür, daß es sich dabei um den Finanzmakler James Streeter handelt, Amandas Ehemann, der vor vielen Jahren spurlos verschwunden ist.


My 2 cents:
Zum einen verrät der Klappentext schonmal viel zu viel. Ansonsten ist von "Extraklasse" auf den ersten knapp 100 Seiten wenig bis nichts zu spüren, die Hauptfiguren sind mir unsympathisch, auf Spannung habe ich bisher auch vergebens gewartet. Dafür ist mir meine Lesezeit zu schade, daher habe ich das Buch nach etwa 80 Seiten abgebrochen. Immerhin ist das Cover schön!

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43 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 24 Rezensionen

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Blutroter Flieder

Mareike Marlow
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.07.2016
ISBN 9783426517000
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

amazon:
In Burgheide könnte es Ihnen gefallen: Irgendwo zwischen Lüneburg und Bremen gelegen, Pferde auf den Weiden, trockener norddeutscher Humor. Und ab und an eine Leiche. Keine von der friedlich entschlafenen Sorte, versteht sich. Hier teilen sich die Halbschwestern Tessa und Jana – 30 Jahre auseinander, Berliner Großstadtgewächs die eine, Burgheider Urgestein die andere – das Haus am See. Und hin und wieder einen Mordfall. Wenn zum Beispiel die Gutsbesitzerin bei einem Reitunfall ums Leben kommt. Ohne Helm soll sie geritten sein, der hängt nämlich noch im Stall. Nur warum duftet das Ding wie frisch aus dem Laden?


My 2 cents:
Die Auflösung hat mich nicht überrascht, aber nett war der Krimi auf jeden Fall, die sympathischen Charaktere wurden nur ein kleines bisschen weitergesponnen, da muss ja noch Raum für ein paar weitere Mordfälle für das clevere Schwesternpaar bleiben.
Nur: Butterkuchen mit Backpulver??? Dass das mal nicht die echten Landfrauen auf den Plan ruft...

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