Nelly87s Bibliothek

259 Bücher, 260 Rezensionen

Zu Nelly87s Profil
Filtern nach
259 Ergebnisse
Wähle einen Buchstaben, um nur die Titel anzuzeigen, die mit diesem beginnen.



LOVELYBOOKS-Statistik

(46)

83 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 12 Rezensionen

humor, new york, freunde, familie, tod

Ich, Molly Marx, kürzlich verstorben

Sally Koslow , Britta Mümmler
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.04.2011
ISBN 9783423212779
Genre: Romane

Rezension:

Molly Marx führt ein ganz guter New Yorker-Leben. Sie ist gerade 35, mit einem Schönheitschirurgen verheiratet und Mutter einer 3-jährigen Tochter. Wäre da nicht dieses klitzekleine Detail: seit kurzem ist sie darüber hinaus auch tot. Am Ufer der Hudson River wurde Mollys Leiche gefunden und es ist absolut unklar, was der jungen Frau zugestoßen ist. Doch neben Ehemann und Kind lässt sich auch ihre Eltern zurück, eine Zwillingsschwester, die beste Freundin und auch einen Geliebten…

Allein vom Klappentext erfährt man erst einmal nur wenig darüber, was für eine Art Buch einen hier erwartet. Und die etwas kindlich angehauchte Covergestaltung lässt vielleicht den einen oder anderen Leser an dieser Geschichte vorbeigehen, womit ihnen dann aber wirklich was entgeht. Und wenn man dann die ersten Seiten gelesen hat, weiß man ehrlich gesagt immer noch nicht, wohin es gehen wird.

Molly Marx ist eines Tages unter Umständen gestorben, die scheinbar nicht nur dem Leser erst einmal unbekannt bleiben, sondern ihr selbst auch. Daher bleibt sie noch ein wenig „hier“ und beobachtet ihre Lieben (und auch die nicht so Lieben). Dabei wird ihr ein Berater zur Seite gestellt, den man wohl auch als Engel bezeichnen könnte. Allerdings ein Engel mit einem staubtrockenen Humor.

Also beginnt Molly, ihre Familie und Freunde zu begleiten, ohne dass die davon etwas wissen. Mir geht es bei „toten“ Charakteren in Büchern gerne so, dass ich diese etwas verherrliche. Selbst wenn sie im ganzen Buch keinen einzigen Fehler zeigen, fällt mir das meist nicht auf. Aber zu diesen Charakteren gehört Molly tatsächlich nicht. Denn sie hat Schwächen und Fehler und das nicht gerade wenige. Was auf den ersten Blick ausschaut wie eine Vorzeigehausfrau, entpuppt sich schnell als unglücklich Ehefrau mit Affäre.

Dass Molly so gar nicht perfekt war, mochte ich sehr. Damit war sie so viel mehr realer, als sie es andersherum gewesen wäre. Denn jeder Mensch hat eben so seine Fehler. Und Sally Koslow war da auch wirklich konsequent. Gerade Barry, Mollys Ehemann, ist ihr meiner Meinung nach wunderbar gelungen. Zunächst bekommt man den Eindruck, es mit einem Arzt zu tun zu haben, der sich für einen Halbgott in weiß hält. Und anfangs bekommt man auch kurz das Gefühl, als wäre dieser Mann vor allem eines: arrogant. Aber auch hier merkt man schnell, dass nicht immer alles schwarz und weiß ist. Natürlich hat Barry seine Fehler, aber er zeigt auch liebenswürdige Seiten und vor allem zeigt er auch Gefühl.

Recht schnell lernt man die Charaktere kennen und lieben. Durch ihre Allgegenwärtigkeit hat Molly die Möglichkeit, ihre Lieben dabei zu beobachten, wie sie mit ihrem Verlust und ihrer Trauer klar kommen. Und auch ein Thema ist die Lücke, die Molly an den verschiedensten Stellen hinterlassen hat. Molly hat dabei auch den Vorteil, dass sie die Gedanken aller Menschen lesen kann. Somit weiß man natürlich immer Bescheid.

Sally Koslows Schreibstil hat mich dabei wirklich abgeholt. Denn sie hat nicht nur das Witzige drauf oder nur das Melancholische. Sie vermischt die unterschiedlichen Emotionen miteinander, ist manchmal nachdenklich, manchmal locker humorvoll. Dabei scheint immer wieder ein ganz wundervoller Humor durch, der einfach Spaß gemacht hat.

Einen kleinen Wehmutstropfen gab es dann aber doch wieder. Und zwar das Ende… Von jetzt auf gleich zieht Molly sich von der irdischen Welt zurück. Zwar erfährt man noch, wie sie ums Leben gekommen ist, aber irgendwie wird die Verbindung zu ihr sehr rasch getrennt. Nachdem Koslow eigentlich ihre ganze Geschichte in einem sehr gemächlichen Tempo angegangen ist, kam das Ende sehr überhastet.

Die Geschichte von Mollys Leben nach dem Tod glänzt durch seine Vielfalt. Es gibt traurige Stellen, es gibt witzige Passagen und auch das Gefühl kommt nicht zu kurz. Obwohl die Frage nach Mollys Tod ständig über der Geschichte schwebt, stellt dieser nicht das Hauptaugenmerk dar. Wer gerne von jedem Genre ein bisschen hätte, der sollte sich dieses Buch mal genauer anschauen.


© Nellys Leseecke - Lesen bedeutet durch fremde Hand träumen

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(147)

282 Bibliotheken, 2 Leser, 9 Gruppen, 64 Rezensionen

thriller, berlin, entführung, mord, kindesentführung

Die Spur der Kinder

Hanna Winter
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 14.07.2010
ISBN 9783548282558
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Vor einigen Monaten musste Fiona die schlimmste Erfahrung machen, die eine Mutter je machen können wird. Sie verlor ihr Kind. Die kleine Sophie war mit ihrem Vater auf dem Spielplatz. Als dieser einen Moment nicht aufpasste, verschwand das kleine Mädchen spurlos. Als Fiona kurz darauf durch einen Kurierdienst eine weiße Lilie geschickt bekam, war ihr klar, dass ihr kleines Mädchen einem Serientäter zum Opfer gefallen ist. Immer wieder verschwinden Kinder mitten in der Öffentlichkeit und tauchen nicht mehr auf – weder tot noch lebendig.

Nachdem Fiona auch nach längerer Zeit noch mit ihrem Verlust kämpft, verschwindet ein weiteres Kind aus dem gleichen Kindergarten, in den auch Sophie ging. Wieder steht der Polizist vor der Tür, der bereits Sophies Verschwinden bearbeitet hat. Und alle Gefühle kommen wieder hoch…

Als Leser wird man direkt mitten in die Geschichte reingestoßen. Fiona ist seit dem Verschwinden ihrer Tochter dem Alkohol verfallen und die Beziehung zu ihrem Verlobten hat sich merklich abgekühlt. Die Schriftstellerin hat seit dem schrecklichen Tag keine Zeile mehr aufs Papier gebracht und verbringt ihre Tage damit, auf dem Kinderspielplatz zu sitzen und dort das Treiben zu beobachten. Lediglich der attraktive Kommissar scheint Fiona aus ihrer Lethargie reißen zu können – doch der kommt mit schlechten Nachrichten.

Hanna Winter erzählt ihre Geschichte aus einer Vielzahl von Sichten. So gut wie jeder handelnde Charakter bekommt mal die Möglichkeit, sich zu äußern. Mir persönlich war das ein wenig zu viel. Zwar wird ein Großteil der Geschichte aus Fionas Sicht erzählt, doch immer wieder wechselt eben die Erzählsicht. Manche Charaktere kommen, soweit ich mich erinnere, gar nicht öfter als einmal zu Wort. Dieses ständige Hin und Her muss man mögen…

Doch nicht nur die Erzählung an sich war stellenweise etwas durcheinander. Auch die Geschichte selbst hat bei mir immer mal wieder das Gefühl ausgelöst, dass hier der rote Faden fehlte. Anhand des Klappentextes konnte man ja ahnen, dass es hauptsächlich um die Entführung der Kinder geht. Und dass Fionas Beziehung dabei auch eine Rolle spielt, die nach einem solchen Schicksalsschlag heftig bröckelt, gab dem Buch an sich auch einen ganz authentischen Touch. Nur macht es lange Zeit den Eindruck, als würden da mehrere Handlungsstränge nebeneinander herlaufen. Doch gleichzeitig ist auch klar, dass diese Stränge irgendwie zusammenhängen. Erwartet hatte ich, dass die Fäden langsam aber sicher zusammenlaufen, doch eigentlich hat man einen ganzen Knoten. Es läuft nicht schön immer weiter aufeinander zu, sondern klatscht viel mehr von jetzt auf gleich zusammen.

Ein großer Kritikpunkt für mich war die Anhäufung an ausgelutschten Klischees, wohin das Auge auch reichte. Der ermittelnde Kommissar ist gerade selbst dabei ein Trauma zu überwinden (das by the way nichts mit dem eigentlich Buch zu tun hat)… die Mutter eines entführten Kindes macht sich auf eigene Faust auf, den Täter zu finden… eine Polizistin, die für ihre Karriere über Leichen geht…

Gott, das kennt man doch alles schon. Klar kann ich bei der Vielzahl an Thrillern, die es zwischenzeitlich gibt, verstehen, dass man nicht immer das Rad neu erfinden kann. Und immer wieder tauchen natürlich bekannte Elemente auf. Auf muss denn wirklich jedes Klischee bedient werden??

Noch ein bisschen mehr gestört haben mich allerdings die logischen Fehler. Wer eine gute Schnüfflerin sein will, der muss dem bösen Mann natürlich auch in der Nacht in den Wald folgen. Doch scheinbar sieht Hanna Winter da kein Problem darin, dass ihre Protagonstin mit eingeschalteten Scheinwerfern ganz unbemerkt im Wald den Bösewicht jagt. Da braucht man sich dann natürlich nicht wundern, dass die Gute ganz schnell in der Gewalt eines bösen Mannes befindet.

Aber den Vogel abgeschossen hat Winter mit einer anderen Szene. Da verschwindet ein kleines Mädchen aus dem Berliner Zoo. Tagelang wird gesucht, Zeugen vernommen, Verdächtige befragt… Und erst nachdem einige Tage ins Land gegangen sind, kommt die ermittelnde Beamtin auf die Idee, dass man ja mal die Überwachungskamera sichten könnte. Und siehe da: das verschwundene Kind ist darauf zu sehen und einer der Tatverdächtige und sogar das Auto, nachdem seit Monaten gefahndet wird. Ja so schaut doch gute Polizeiarbeit aus!

Hanna Winters Schreibstil war dabei positiv und negativ zugleich. Einerseits ist ihre Schreibe sehr einfach und knackig. Damit liest sich das knapp 350 Seiten dicke Buch ziemlich rasch und flüssig weg. Allerdings hätten einige Stellen ein wenig mehr Ausschmückung gerne haben dürfen. Gerade dieser knackige Schreibstil wird den Situationen teilweise einfach nicht gerecht.

Alles in allem war das ein eher unbefriedigendes Leseerlebnis. Ständig sitzt man mit dem Buch in der Hand und einem Kopfschütteln da, weil entweder mal wieder ein neues Klischee bedient wird oder die Geschichte etwas an den Haaren herbeigezogen erschien. Selbst die Auflösung lässt den Leser da etwas baff zurück. Kurz gesagt: dieses Buch hätte ich nicht unbedingt lesen müssen.


© Nellys Leseecke - Lesen bedeutet durch fremde Hand träumen

  (2)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(149)

429 Bibliotheken, 20 Leser, 2 Gruppen, 95 Rezensionen

dystopie, fantasy, tod, neal shusterman, utopie

Scythe – Die Hüter des Todes

Neal Shusterman , Pauline Kurbasik , Kristian Lutze
Fester Einband: 528 Seiten
Erschienen bei FISCHER Sauerländer, 21.09.2017
ISBN 9783737355063
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Die Welt ist ein fast perfekter Ort. Der Thunderhead, früher als Cloud bekannt, verfügt über jegliches Wissen und hat darüber hinaus auch ein Bewusstsein. Es gibt keine Armut mehr und sämtliche Bedürfnisse aller Erdenbewohner können befriedigt werden. Und dank ihm werden die Menschen nicht mehr krank und müssen auch nicht mehr sterben. Und sterben sie doch, werden sie im nächsten Revival-Zentrum wiederbelebt. Doch die Menschen vermehren sich auch weiterhin. Daher wurde das Scythetum geschaffen. Die Scythe sind die Einzigen, die ein Leben für immer beenden können.

Die beiden Jugendlichen Citra und Rowan werden von einem Scythe auserwählt, seine Lehrlinge zu werden. Sie werden in Waffenkunde unterrichtet, erhalten körperlichen Unterricht und begleiten Scythe Faraday zu dessen Nachlesen (wie der Tötungsvorgang zwischenzeitlich genannt werden). Zwar ist beiden von Anfang an klar, dass nur einer von ihnen schließlich tatsächlich zum Scythe wird, doch erst das erste Konklave, an dem beide teilnehmen, macht sie dann auch zu Konkurrenten auf Leben und Tod.

Manchmal muss man einfach von seinem Beuteschema abweichen. Und dieses Buch beweist es einmal mehr. Elli von Buchhaim hatte vor einigen Wochen die englische Ausgabe auf ihrem Blog besprochen und irgendwie bin ich hängen geblieben. Das Thema des Buches und Ellis Begeisterung dafür haben mich so neugierig gemacht, dass das Buch auf meiner Wunschliste gelandet ist. Und belohnt wurde ich mit eine spannenden Dystopie, die mit einer ganz neuen Idee daher kommt.

Allein schon das „Grundthema“, das der Geschichte zugrunde liegt, hat mich total gefangen genommen. Eine Welt, in der die Menschen nicht mehr von alleine sterben müssen und trotzdem werden einige von ihnen zum Sterben ausgesucht. Ich hätte das Buch allein schon deswegen ausgesucht. Wie entscheidet man in einer solchen Welt, wer sein Leben lassen muss? Und wie ist eine Organisation wie das Scythetum aufgebaut? Und Neal Shusterman hat diese Fragen, die beim Leser unweigerlich aufkommen, wirklich schön beantwortet, ohne daraus ein Frage-Antwort-Spiel zu machen.

Er webte diese Informationen geschickt in seine eigentliche Story ein und führt seinen Leser damit gekonnt in eine ganz eigene Welt. Die eigentliche Storyline, in der Citra und Rowan die Hauptrollen spielen, hatte dann etwas typisch Dystopisches. Natürlich gibt es eine Macht in dieser neuen Welt, die droht missbraucht zu werden. Und da dürfen zwei scheinbar unbekannte und ganz normale Jugendliche nicht fehlen, die gegen diese Macht vorzugehen bereit sind.

Soweit nichts Neues… Das hätte mich vielleicht in einem anderen Buch gestört. Wenn man während des Lesens vielleicht mal den Gedanken bekommt: „also das kommt mir doch bekannt vor“. Aber dieser Gedanke kam einem gar nicht. Neal Shusterman hatte mich bereits auf der ersten Seite so abgeholt, dass ich das Buch kaum noch aus der Hand legen konnte. Natürlich nutzt er diesen „klassischen“ Dystopie-Aufbau, aber er machte das so schlau, dass man als Leser trotzdem das Gefühl bekam, eine komplett neue Geschichte zu lesen.

Ebenfalls vollkommen begeistert war ich von den Charakteren. Auch hier bedient sich Shusterman an einigen Stellen bekannte Elemente und doch ist alles ganz anders. Gerade die Entwicklung, die bereits im ersten Teil erkennbar ist, hat richtig Spaß gemacht. Ein großer Teil dieser Begeisterung war auch dem Umstand zu verdanken, dass die Entwicklung der beiden Protagonisten und auch deren Beziehung zueinander gar nicht vorhersehbar war.

Gekrönt wird dieses Buch dann schließlich durch Neal Shustermans grandiosen Schreibstil. Irgendwie strahlte der eine gewisse Ruhe aus, selbst in den Szenen, die etwas turbulenter wurden (macht das irgendeinen Sinn). Es war in sich einfach durchweg stimmig. Dieser Mann kann auf jeden Fall schreiben und in mir hat er nun seinen neusten Fan gefunden.

Manchmal muss man sich auch einmal in unbekanntes Terrain stürzen und sich auf Neues einlassen. Dann wird man vielleicht überrascht. Neal Shusterman hat mit Die Hüter des Todes einen fulminanten Auftakt zu einer Trilogie geschrieben, bei der ich jetzt schon kaum erwarten kann, dass Band 2 erscheinen wird. Wer auf Dystopien steht, der darf an dieser Geschichte nicht vorbei gehen. Definitiv eines meiner Lieblingsbücher in 2017!!


Vielen Dank an vorablesen.de und den Sauerländer Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars
© Nellys Leseecke - Lesen bedeutet durch fremde Hand träumen

  (3)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(17)

51 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

frauen, nov.08, großbritannien, liebe

Kennen wir uns nicht?

Sophie Kinsella , Jörn Ingwersen
Flexibler Einband: 409 Seiten
Erschienen bei [Rheda-Wiedenbrück ; Gütersloh] : RM-Buch-und-Medien-Vertrieb [u.a.], 01.01.2009
ISBN B0036L630Q
Genre: Liebesromane

Rezension:

Stellt euch mal folgendes Szenario vor: ihr wacht morgens auf und euch fehlen die Erinnerungen der letzten drei Jahre. Für euch ist immer noch 2014. Welche wichtigen Ereignisse hättet ihr dann vergessen? Würden mir die Erinnerungen der letzten drei Jahre fehlen, dann würde ich noch immer davon ausgehen, dass ich noch in Bayern wohne. Ich wäre außerdem ziemlich überrascht, dass meine beste Freundin Mama geworden ist. Und ich hätte noch nicht einmal mein erstes Examen in der Tasche.

Lexi Smart ist genau das passiert. Da ist sie abends mit ihren drei besten Freundinnnen feiern, schlägt sich den Kopf an und wacht drei Jahre später auf. Um genauer zu sein: 2004 fällt Lexi, einen Abend vor der Beerdigung ihres Vaters, eine Treppe hinunter, stößt sich den Kopf und wird bewusstlos. Drei Jahre später, 2007, stößt sie sich genau diesen Kopf wieder, als sie mit ihrem Cabrio verunglückt. Als sie im Krankenhaus wieder zu sich kommt, fehlen ihr sämtliche Erinnerungen aus dem Zeitraum zwischen den beiden Verletzungen. Für Lexi ist es immer noch 2004.

Sophie Kinsella gilt als die Königin der Chick-Lit-Autorinnen. Im Mittelpunkt ihrer Geschichten stehen (fast) immer ganz normale Frauen, mit denen man sich identifizieren können sollte. Keine schreibt wie Kinsella und ich würde ihre Bücher unter tausend anderen wiedererkennen. Nachdem mich der Auftaktband zu ihrer Shopaholic-Reihe erst vor kurzem sehr enttäuscht hat, habe ich nun wieder zu einem ihrer Stand-Alones gegriffen.

Doch als wäre die Sache für Lexi nicht schon schlimm genug, scheint es auch so, als hätte sich Lexi selbst in den fehlenden drei Jahren sehr verändert. Wo sie früher das etwas chaotische, antriebslose Mädchen stand, für das ihre Freundinnen das Wichtigste im Leben darstellen, da findet sich plötzlich nur noch eine karrieregeile „Bossbitch aus der Hölle“ (Originalzitat aus dem Buch). Lexi hat scheinbar ihrem ausgefallenen und farbenfrohen Klamottenstil abgeschworen und trägt nur noch beigefarbene Kostüme. Doch der größte Schreck durchzuckt sie, als sie feststellen muss, dass sie zwischenzeitlich verheiratet ist.

Eric ist so gut aussehend, dass er locker als Unterwäschemodell arbeiten könnte, steinreich und scheinbar auch tierisch in seine Ehefrau verliebt. Doch für Lexi ist er ein Fremder. Wie kann man mit jemanden zusammen leben, den man eigentlich gar nicht kennt, der sich dann aber zu einem ins Bett legen möchte?

Sophie Kinsellas Stand-Alone mochte ich wirklich sehr gerne. Die Geschichte ist gewohnt spritzig, lebhaft und kurzweilig. Und vor allem bleibt das zentrale Thema durch das ganze Buch hinweg präsent. Ich hatte ein wenig die Befürchtung, dass die Erinnerungslücken zu Beginn der Geschichte sehr einnehmend ist und sich dann im Sand verläuft. Aber dem war Gott sei Dank nicht so. Aber Lexis Amnesie ist immer wieder, mal mehr mal weniger, Thema.

Nicht immer mag ich Kinsellas Protagonistinnen, aber Lexi war super. Theoretisch lernt man ja zwei unterschiedliche Lexis kennen in diesem Buch. Nach außen scheint es so, als wäre sie die toughe Geschäftsfrau, die für ihren Erfolg auch über Leichen geht. Doch auf den ersten paar Seiten, in denen man Lexi im Jahr 2004 erlebt, bekommt man eine ganz andere Person beschrieben. Die flippige und etwas chaotische Lexi blitzt im Anschluss immer wieder durch und es war richtig spannend, den Widerstreit zwischen dem, was ist und dem, was sein sollte kam prägnant zum Ausdruck.

Und wenn man ein Kinsella-Buch in die Hand nimmt, dann bekommt man garantiert auch immer eine schöne Portion Liebe mitgeliefert. Und darauf kann man sich auch dieses Mal verlassen. Schön finde ich dabei immer, dass Kinsella es damit eigentlich nie übertreibt. Auch im vorliegenden Buch wurde die perfekte Mischung gefunden. Es wird ein kleines bisschen romantisch, aber nie kitschig.

Mit Kennen wir uns nicht? zeigt Sophie Kinsella mal wieder, warum sie den Platz im Chick-Lit-Universum hat, den sie eben hat. Die Geschichte ist auch dieses Mal wieder toll durchdacht, fußt auf einer schönen Idee und bleibt über die komplette Länge kurzweilig. Mit Lexi schafft Kinsella wieder eine Protagonistin, mit der man sich auseinandersetzen und identifizieren kann. Gewürzt wird das Ganze noch mit einer ordentlichen Prise Witz und ein wenig Romantik und… tada… herauskommt ein schönes Buch für zwischendurch.


© Nellys Leseecke - Lesen bedeutet durch fremde Hand träumen

  (3)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(186)

304 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 14 Rezensionen

humor, tommy jaud, männer, lustig, single

Vollidiot

Tommy Jaud
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 15.05.2012
ISBN 9783596512386
Genre: Romane

Rezension:

Simon Peters ist gerade frisch verlassen. Da ist das Leben einfach nicht so toll, wie es sein könnte. Und doch will er den Frauen nicht abschwören. Ein Singleurlaub soll es erst einmal richten. Doch der ist der totale Reinfall. Zurück in Köln begegnet Simon dann der Maus aus dem Starbucks-Laden und die ist ja wohl eine absolute Traumfrau. Doch so ganz willig scheint die auch nicht zu sein…

Gott, selten habe ich ein dermaßen ätzendes Buch in der Hand gehalten. Und lange ist es mir nicht mehr so schwer gefallen, den Inhalt eines Buches zusammenzufassen. Denn einen richtige Inhalt scheint es gar nicht so geben. Simon Peters Zeitvertreib besteht vor allem darin, sich zu betrinken, mit seinen Kumpels zu kiffen und irgendwelchen Frauen unter den Rock zu wollen. Und dabei bedient er sich gerne und oft einer Sprache, bei der einem nur schlecht werden kann. Man bekommt da nicht den Eindruck, einen erwachsenen Mann zu begleiten, sondern einen pubertierenden Teenager, dessen Hormone mit ihm durchgehen.

Als ich letztes Jahr Einen Scheiß muss ich gelesen habe, war ich total angetan von Tommy Jaud. Da musste ich mehr als einmal herzlich auflachen und habe den Schreibstil einfach so sehr geliebt. Doch scheinbar liegen Lebensratgeber dem Tommy Jaud einfach mehr als Romane.

Hier wurde einfach jeder Aspekt, und wenn er auch noch so unbedeutend war, einfach bis an die Grenze überzogen. Mit realem Leben hatte das nichts mehr zu tun. Übertroffen wurde dieser Punkt nur noch durch die wirklich abgrundtiefe Sprache. Hauptsache viel Fäkalsprache, oder was war da der Gedanke dahinter? Wollte Jaud da betont jugendlich sein?

Und welches Männerbild soll hier überhaupt vermittelt werden? Dass Männer ganz klischeehaft nur mit ihrem besten Stück denken und dafür sämtlichen anderen Möglichkeiten in ihrem Leben fahren lassen? Und wenn es dann mal wieder mit den bösen Frauen nicht klappt, dann bleibt einem eigentlich nur, sich regelmäßig gnadenlos volllaufen zu lassen und dabei schön einen zu kiffen…

Das hab ich wirklich nur knappe 80 Seiten ertragen. In einigen Amazon-Rezensionen habe ich wohl gelesen, dass sich das Buch in der zweiten Hälfte fängt, aber um ehrlich zu sein: da ist mir meine Lesezeit zu schade für, um mich dafür zunächst durch diesen ersten Teil zu kämpfen. Witzig ist definitv was anderes.

Das war leider gar nicht mein Humor, um nicht zu sagen, das war gar kein Humor. Das hätte man eventuell noch übersehen können, allerdings fehlte es dem Buch darüber hinaus auch an einer Geschichte. Es mag vielleicht in der zweiten Hälfte besser werden (das sagen zumindest die Gerüchte), doch um bis dorthin zu kommen, muss man einen ordentlichen Batzen Geduld mitbringen. Muss man wirklich nicht gelesen haben.


© Nellys Leseecke - Lesen bedeutet durch fremde Hand träumen

  (2)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(23)

46 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 20 Rezensionen

liebe, vorwärts küssen rückwärts lieben, berlin, sybille hein, suche nach traumprinz

Vorwärts küssen, rückwärts lieben

Sybille Hein
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 28.08.2017
ISBN 9783764505790
Genre: Liebesromane

Rezension:

Pia glaubt an die große Liebe, an Prinzen und Traummänner. Dabei hat sie allerdings, zumindest wenn es nach Meinung ihres besten Freundes Eddie geht, ein ganz schlechtes Händchen. Der würde Pia lieber an der Seite eines bodenständigen, ganz „normalen“ Mannes sehen. Doch die scheinen Pia zu langweilig zu sein. Eines Tages lernt sie ausgerechnet im Supermarkt einen Mann kennen – ihren Pizzaprinzen. Sie glaubt sofort an Schicksal und setzt alles daran, den Mann, der sie dermaßen beeindruckt hat, wiederzusehen. Und tatsächlich schwebt die junge Kinderbuchzeichnerin schnell mit August (dem Pizzaprinzen) auf Wolke 7. Doch Eddie warnt sie: je höher die Wolke hängt, desto tiefer kann der Fall sein.

Die erste Begeisterung für dieses Buch hat bei mir schon die Gestaltung ausgelöst. Gemeinsam mit passenden Bleistiften kam das Buch bei mir an und es schaut einfach so zauberhaft aus. Doch auf den Inhalt kommt es eben an. Und der war eine Berg- und Talfahrt. Als Leser lernt man Pia, ihr Leben und ihr Umfeld langsam aber sicher kennen und auch lieben. Die junge Frau besticht durch ihre kleinen Träumereien, wobei sie trotzdem bodenständig bleibt. Dies verleiht ihr einen gewissen Zauber, dem man sich nur schlecht enziehen kann. Dass sie trotz der ein oder anderen Enttäuschung noch an die ganz große Liebe glaubt, ist ein weiterer Pluspunkt, den man einfach an ihr lieben muss.

Noch toller ist da nur noch Eddie. Pia bester schwuler Freund ist ein wahres Original. Als Teenager musste er nicht nur damit kämpfen, als Junge auf Jungs zu stehen. Seine Mum hat ihn auch noch über Jahre schön gemästet, daher war er wohl mehr breit als hoch. Ein Jahr in New York war nötig, um aus dem etwas schrägen Teeny einen stylischen Trendsetter zu machen. Nun steht er mit beiden Beinen im Leben und hat einen großen Wunsch: gemeinsam mit seinem Lebensgefährten Charlie Vater zu werden. Da geht einem ganz automatisch das Herz auf.

Der Story an sich beginnt sehr vielversprechend. Wer auf Liebesgeschichten steht, der hat zu Beginn wirklich viel Freude. Pia und der Pizzaprinz bekommen sich zunächst einmal… Dass es dabei nicht bleiben kann, ist einem schnell klar. Sonst wäre das Buch ja auch nach 150 Seiten auch beendet. August scheint auf den ersten Blick eine wirklich gute Partie zu sein. Er hat Geld, eine schöne Wohnung, keine geheimen Kinder oder eine lästige Exfrau. Doch irgendwas ist im Busch. Denn schon nach kurzer Zeit hat August einen festen Platz in Pias Leben.

Nur leider scheint in Augusts Leben kein Platz für Pia zu sein. Hat er denn keine Freunde, die er seiner neuen Freundin gern vorstellen würde? Und was ist mit seiner Familie? Natürlich muss da etwas faul sein.

Anfangs kann die Geschichte wirklich unterhalten. Doch dann schläft sie etwas ein. Die Handlung beginnt, sich hinzuziehen und plötzlich ertappt man sich dabei, dass man jeden zweiten Satz nur noch überfliegt. Nach einer längeren „Trockenzeit“ fängt sich das Buch dann offensichtlich wieder. Denkt man… Gerade als die Geschichte scheinbar die Kurve bekommt, fängt der zweite Teil „Rückwärts lieben“ an (Teil 1 ist übertitelt mit „Vorwärts küssen“). In diesem zweiten Teil wird es dann irgendwie…. komisch wäre wahrscheinlich das passende Wort. Ob das gut oder schlecht ist, lässt sich ebenfalls gar nicht so einfach sagen. Denn aufgrund der Gestaltung und des Klappentextes rechnete man mit diesem Verlauf einfach nicht. Solange es realisitisch geblieben wäre, auch gar kein Thema. Aber als dann Feen auftauchen, blieb einem nur ein Kopfschütteln.

Versteht mich nicht falsch. Das hätte wirklich gut werden können. Und generell hab ich auch nichts gegen ein bisschen Übernatürliches und Träumerei. Und wenn man ein Fantasybuch aufschlägt, dann weiß man auch, worauf man sich einlässt. Und irgendwie hat man ja eine gewissen Einstellung zu einem Buch. Während eines Liebesromans rechnet man nicht unbedingt mit dem Fantasy-Einschlag. Wenn einen der dann so hinterrücks überrascht, tut man sich schwer, sich darauf einzulassen.

Also hoffen auf das Ende. Vielleicht geht das nochmal richtig ans Herz? Leider wirkte das sehr gewollt. Die Autorin wollte mit ihrer Idee irgendwo hin. Hätte sie diese „Auflösung“ allerdings schon im Vorfeld eingeläutet, hätten beim Leser alle Glocken geklingelt. Da wäre gleich klar gewesen, wie es enden soll. Also hat Sybille Hein sich für einen anderen Weg entschieden, was an sich sehr bewundernswert ist. Nur leider war der für den Leser wie ein Schlag ins Gesicht, den man nicht kommen gesehen hat. Es wirkte sehr konstruiert und wie sagt man so schön: der letzte Eindruck bleibt! Und man fragt sich wirklich, wo das denn plötzlich her kam…

Wenn man dieses Buch als Kurve darstellen würde, dann würde diese weit oben anfangen und dann kontinuierlich abfallen. Den zweiten Teil hätte ich tatsächlich wirklich nicht gebraucht. Auf der Haben-Seite stehen aber definitiv die liebevoll ausgearbeiteten Nebencharaktere, die man einfach ins Herz schließen muss. Wer eine herzzerreißende Liebesgeschichte sucht, der wird hiervon einfach enttäuscht sein.


© Nellys Leseecke - Lesen bedeutet durch fremde Hand träumen
Vielen Dank an den Blanvalet Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars

  (2)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(455)

817 Bibliotheken, 8 Leser, 6 Gruppen, 32 Rezensionen

thriller, mord, sara linton, belladonna, karin slaughter

Belladonna

Karin Slaughter , Teja Schwaner
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 08.06.2012
ISBN 9783442379064
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Sara Linton ist in der Kleinstadt Grant County nicht nur die Kinderärztin in dem kleinen örtlichen Krankenhaus, sondern hat auch den Posten der Gerichtsmedizinerin inne. Nach einer Scheidung von ihrem Exmann Jeffrey, der Polizeichef in der Stadt ist, lebt sie nun alleine. Eines Nachmittags trifft sie sich im Diner mit ihrer jüngeren Schwester Tessa. Als sie zur Toilette geht, findet sie dort die fürchterlich missbrauchte Universitätsdozentin Sybil Adams. Die blinde Frau blutet stark und wurde offensichtlich auf brutalste Art vergewaltigt und aufgeschlitzt. Ein Hauch Leben ist noch in ihr und Sara versucht verzweifelt, der jungen Frau das Leben zu retten. Vergeblich…

Doch der Schrecken ist für Sara damit noch nicht beendet. Während der Obduktion findet Sara weitere grausige Details heraus. Der Täter muss christlich motiviert gewesen sein, denn er hatte Sybil die Oberkörper in Form eines Kreuzes aufgeschlitzt. Außerdem hatte er sie auf brutalste Weise für seine sexuellen Begierden benutzt. Und schließlich handelt es sich bei dem Opfer auch noch um die Zwillingsschwester von Lena, einem Detektive. Dann verschwindet eine zweite Frau…

Karin Slaughter scheint nicht der Typ Autor zu sein, der seine Leser behutsam an die Hand nimmt und ihn dann in die Geschichte rein führt. Eigentlich schubst sie einen direkt ins Geschehen und sie ist wohl auch kein Fan davon, erst einmal lang drum herum zu reden. Innerhalt der ersten paar Seiten hat die erste Frau bereits sterben müssen und das auf wirklich nicht ganz unblutige Art und Weise. Bisher dachte ich immer Cody McFadyen sei der brutalste Thrillerautor, aber Karin Slaughter kann es wahrlich mit ihm aufnehmen.

Allerdings hatte sie mich damit von der ersten Seite an. Auch wenn es sich „krank“ anhört, aber zwischenzeitlich können die Buchmörder ja nicht mehr außergewöhnlich genug töten. Und das hat seinen Grund: es bleibt dem Leser in Erinnerung, so makaber wie das auch klingen mag. Mich hat es zumindest soweit gebracht, dass ich die Geschichte innerhalb kürzester Zeit weginhaliert habe.

Dass die Protagonistin und ihr Exmann auch beruflich miteinander zu tun haben und als Gerichtsmedizinerin und Polizist sich nicht aus dem Weg gehen können, ist allerdings nicht unbedingt die neuste Idee. Das hat man nun schon das eine oder andere Mal gesehen. Und auch, dass beide Parteien noch nicht so recht abgeschlossen haben mit der zurückliegenden Ehe…. kommt bekannt vor, oder? Aber Slaughter hat das gut gemacht, denn mit Kitsch hat sie so gar nichts am Hut. Im Gegenteil: Sara ist nach dem Seitensprung ihres Mannes etwas zynisch geworden und handelt nach dem Motto „hilf dir selbst“. Gerade diese Kaltherzigkeit, die da immer wieder hervor blitzt, machte Sara aber dann wiederum wieder sehr sympathisch, da kein Mensch perfekt ist. Wobei sie mich damit auf der anderen Seite wieder an Gerritsens Protagonisten Maura Iles erinnerte.

Dafür war die Spannung und das Knistern zwischen Jeffrey und Sara genau richtig dosiert. Slaughter macht keine kitschige, pinkfarbene Romanze aus diesem Handlungselement, sondern schafft eine solide Vertrauensbasis zwischen den beiden, die hier und da noch einen Sprung vom Seitensprung weg hat. Trotzdem merkt man, dass sich die beiden nicht egal sind und wenn es tatsächlich eine Szene zwischen ihnen gab, dann war da auch ein Kribbeln zu spüren.

Ein klitzekleines bisschen ist der Spannungsbogen in der Mitte des Buches abgesackt. Und was die Vorbereitungen zum Finale anging, da wurde es dann ein wenig konfus. Nicht so, dass man die Geschichte nicht mehr hätte nachvollziehen können, aber schon so, dass ich mich ein oder zwei Mal gefragt habe, ob ich irgendwo einen Gedankengang überlesen hatte. Da hat sich Karin Slaughter scheinbar etwas selbst im Weg gestanden und hat schneller gedacht, als sie schreiben konnte. Der Lesefluss stellt sich aber auch genauso schnell wieder ein und man ist wieder voll drin in der Geschichte.

Belladonna unterscheidet sich von seinen Mitkonkurenten also nicht unbedingt hinsichtlich der Charaktere und auch vom Schreibstil her muss man sagen, dass der wirklich in Ordnung war, aber keine krassen Besonderheiten aufweist, um sich erheblich abzusetzen. Was ist es also? Slaughter hat hier einen besonders brutalen Killer geschaffen, dem sie auch einen ausgefeilten Hintergrund verpassen konnte. Jeder Aspekt seiner Taten hatte einen Hintergrund für ihn. Nichts war einfach nur eingefügt worden, weil es blutig und brutal war und der Leser damit geschockt werden kann. Ich meine, natürlich war es heftig und nichts für schwache Nerven. Aber es war nicht grundlos blutig und erschreckend.

Auch wenn Tess Gerritsen weiterhin DIE Thrillerautorin für mich ist und bleibt, kann Karin Slaughter schon ein klitzekleines bisschen an ihrem Stuhl sägen. Wer im Thrillergenre zuhause ist, der wird über kurz oder lang an ihr nicht vorbei kommen. Und den Auftaktband der Grant County-Reihe kann ich nun auch wärmstens empfehlen. Wer einiges vertragen kann und wer auch kein Problem damit hat, auf Schlaf zu verzichten, weil man das Buch einfach nicht aus der Hand legen kann, der wird mit Belladonna einen Volltreffer landen.


© Nellys Leseecke - Lesen bedeutet durch fremde Hand träumen

  (2)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(422)

777 Bibliotheken, 8 Leser, 1 Gruppe, 52 Rezensionen

liebe, selbstmord, cecelia ahern, christine, adam

Die Liebe deines Lebens

Cecelia Ahern , Christine Strüh
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 25.09.2014
ISBN 9783596197293
Genre: Liebesromane

Rezension:

Christine hat eine wirklich bescheidene Woche hinter sich. Auf der Suche nach einem neuen Lieblingsort hat es sie nachts in eine verlassene Siedlung verschlagen, in der sie sich allein wähnte. Doch sie trifft auf einen Mann mittleren Alters. Irgendwelche Probleme haben ihn dorthin getrieben – gemeinsam mit einer geladenen Waffe in der Hand. Auf den ersten Blick scheint es so, als könnte Christine ihn von dem abhalten, was er für diesen Abend geplant hatte, nämlich sich das Leben zu nehmen. Doch innerhalb eines kurzen Augenblickes ändert sich etwas, der Mann trifft eine Entscheidung – und stirbt vor Christines Augen.

Da wird ihre Stimmung auch nicht unbedingt besser, als sie kurz darauf über eine Brücke gehen möchte, auf der schon der nächste Selbstmordanwärter seinem Leben ein Ende setzen will. Doch dieses Mal will Christine alles richtig machen. Immerhin hat sie ein nützliches Hobby: sie verschlingt Ratgeberbücher und nun soll das theoretische Wissen auch mal praktischen Nutzen haben. Diesen Mann will Christine retten. Und tatsächlich bekommt sie ihn von der Brüstung, doch Adam ist nicht so überzeugt davon wie die junge Frau, dass sein Leben auch weiterhin lebenswert ist. Er gibt ihr bis zu seinem Geburtstag Zeit, ihm zu beweisen, dass sein Leben nicht für die Katz ist – andernfalls lässt es sich das nächste Mal nicht vom Selbstmord abhalten.

Dieses Buch hat mich doch erst einmal sehr an Ein ganzes halbes Jahr erinnert. Ein Mann, der nicht mehr leben will (wenn auch aus unterschiedlichen Gründen), der sich dazu überreden lässt, dem Leben noch eine Chance zu geben und schließlich eine Frau, die alles gibt, um die schönen Seiten des Lebens aufzuzeigen. Der größte Unterschied dabei war wohl der Beweggrund des Mannes. Während Will in Ein ganzes halbes Jahr als früher sportlicher Mensch plötzlich im Rollstuhl sitzt, hat Adam Probleme ganz anderer Art.

Er soll die Firma seines Vaters übernehmen, mit der er gar nichts anfangen kann. Ablehnen kommt nicht in Frage, denn dann würde die Firma entweder in die Hände seiner Schwester, die wegen kleinerer bis mittelschwerer Delikte das Land verlassen hat, oder in die seines Cousins, zu dessen Familie seit Jahren ein Krieg herrscht. Hinzu kommt, dass ihn erst vor kurzem auch noch seine Traumfrau verlassen hat. Adam ist unglücklich und sieht keinen Weg, je wieder glücklich zu werden.

Und da trifft er ausgerechnet Christine. Denn die steht auch nicht unbedingt mit beiden Beinen fest im Leben. Ihr Liebesleben liegt quasi brach, ihre kleine Agentur läuft schlecht und Zuflucht findet sich lediglich in den genannten Selbsthilfebüchern. Denn die bieten für jede Lebenslage einen Ausweg. Beispielsweise wie man auf schonende Art und Weise seine Lieblingsangestellte kündigen. Leider helfen die Bücher meist nicht so wie sie sollen. Vielmehr kann Christine einfach nicht selbständig auf auftretende Situationen reagieren. Und wenn sie es tut, dann hadert sie mit ihrer Entscheidung bis sie in einem entsprechenden Buch nachgeschlagen hat.

Dass es da zu teils skurilen, teils komischen und teils auch emotionalen Begegnungen zwischen Christine und Adam kommt, bringt wohl die Natur der Sache schon mit sich. Und tatsächlich wird es einem mit den beiden nicht langweilig. Und noch ein ganz gravierender Unterschied zu Ein ganzes halbes Jahr“>Ein ganzes halbes Jahr ist mir immer wieder aufgefallen. Denn dort hat man immer mal wieder das Gefühl, als könnte Will wirklich überzeugt werden. Dagegen hat Christine wirklich die richtigen Motive, doch irgendwie steht sie sich selbst im Weg.

Dieses Mal mochte ich auch Aherns Schreibstil wieder sehr gerne. Sie verliert sich nicht in jeder kleinsten Einzelheit, wie ich das von einigen ihrer anderen Liebesromane kannte. Unwichtiges wird einfach weggelassen und Ahern konzentriert sich auf das, was sie wirklich erzählen will. Dadurch findet man einen guten Einstieg in die Geschichte und wird nicht ständig von irgendetwas abgelenkt. Der Lesefluss wird nicht unterbrochen und man gleitet angenehm durch die Story.

Etwas überstürzt war allerdings das Ende. Natürlich konnte man ahnen, wie das ganze Buch endet. Doch das eigentliche Finale war etwas knapp. Der Weg dorthin war genau ausführlich genug und dann bekommt man allerdings kein passendes Ende. Leider bleibt der letzte Eindruck aber halt haften…

Nachdem die letzten Bücher von Cecelia Ahern mich nur mäßig begeistern konnten und ich schon befüchtet habe, dass sie das Schreiben vielleicht verlernt hat oder ich einfach nichts mehr mit ihren Bücher anfangen kann, trifft sie mit Die Liebe deines Lebens wieder in mein Leserherz. Der Schreibstil war endlich wieder etwas angezogen und die Charaktere waren mit einer solchen Tiefe ausgestaltet, dass man sie einfach mögen musste. Kann ich also wieder einmal empfehlen…


© Nellys Leseecke - Lesen bedeutet durch fremde Hand träumen

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(158)

336 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 27 Rezensionen

soul beach, jugendbuch, schwarzer sand, tod, kate harrison

Soul Beach - Schwarzer Sand

Kate Harrison , ,
Fester Einband: 376 Seiten
Erschienen bei Loewe, 10.03.2014
ISBN 9783785573877
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Nachdem Alice herausgefunden hat, dass ihre ermordete Schwester am virtuellen Strand von Soul Beach irgendwie weiterlebt, ist es ihre größte Bestrebung, auch deren Mörder zu finden. Kann es wirklich sein, dass Megans Freund ihr etwas so grausames antun konnte? Und als wäre Alice mit diesem Problem nicht schon genug beschäftigt, gibt es da ja auch noch diesen Jungen am Soul Beach, mit dem sie quasi zusammen ist. Doch das Problem mit der Beziehung zu einem Toten muss hintenan stehen, als der Tod ein weiteres Mal zuschlägt.

Endlich habe ich es geschafft, Teil 2 einer wirklich grandiosen Reihe zu lesen. Ich war ja bereits beim Auftaktband schlichtweg begeistert von Kate Harrisons Idee. Eine virtuelle Welt, an die die zu früh verstorbenen Jugendlichen gelangen, um dort an einem traumhaften Strand so lange zu verweilen, wie ihr Tod noch Rätsel aufwirft. Sowas muss einem erst einmal einfallen.

Klar war mir allerdings, bevor ich auch nur das Buch aufgeschlagen hatte, dass ich am Ende von Teil 2 immer noch nicht wissen werde, wer Megan getötet hatte. Das haben Trilogien irgendwie so in sich. Doch ich hatte mir erhofft, dass man dem Killer endlich auf den Fersen ist. Doch Alice erleidet einen Rückschlag. Denn eigentlich sind sich alle einig, dass Tim, Megans Freund, mit deren Tod zu tun haben muss. Nur Alice glaubte nicht so recht daran… Doch dann stirbt ausgerechnet Tim und wie es scheint, war es ein Selbstmord. Sollte das ein Schuldeingeständnis sein? Alice glaubt da erst recht nicht mehr dran, als er am Soul Beach angespült wird.

Zu Beginn des Buches fehlt der Geschichte noch ein wenig das Tempo. Harrison führt ihren Leser wieder gemächlich in das Buch ein und hätte hier gerne etwas mehr Elan an den Tag legen dürfen. So bleibt einem aber auch wieder genug Zeit, sich einzufinden, ohne direkt von Neuem erschlagen zu werden. Die Story knüpft dabei nahtlos an das Geschehen aus Band 1 an.

Während im Auftaktband Alice sich über weite Strecken in der virtuellen Welt von Soul Beach aufhält, tritt dieser Aspekt in Schwarzer Sand etwas zurück. Die Besuche am Strand sind selten und meist sehr kurz. Dafür entführt die Autorin den Leser auf eine Reise nach Barcelona. Dabei schaffte sie es mit ihrem lockeren und bildhaften Schreibstil, wirklich Sommerfeeling aufkommen zu lassen. Obwohl ich selbst noch nie dort war, konnte ich mir das Treiben und die Atmosphäre auf den Straßen wunderbar vorstellen.

Alice ist wieder die Erzählerin der Geschichte. Ihre Gedanken und Gefühle, aber auch ihre Entdeckungen, erhält man somit aus erster Hand. Immer wieder wird ihre Geschichte durchbrochen von Einschüben aus Sicht der Killers, was natürlich umso spannender ist, weil man einfach nicht weiß, wer er ist, aber immer wieder mit der Nase darauf gestoßen wird, dass er immer in der Nähe ist. Immer näher kommt Alice dem Geheimnis um den Tod ihrer Schwester und die Spannung wird nach und nach wirklich nervenaufreibend. Dabei kommen auch immer mehr Personen als Täter in Frage und ehrlich gesagt habe ich bisher noch keine Ahnung, wer die Tat denn begangen haben könnte.

Zum Schluss hin tut sich ein großer Hinweis auf, der einen als Cliffhanger sprachlos zurück lässt. Diese Person hatte ich denn wirklich nicht auf dem Schirm, wobei ich noch nicht darauf baue, dass es sich dabei wirklich um den Täter handelt. Soll ja schließlich im Finale nochmal spannend werden. Da will man auf jeden Fall direkt zum Abschlussbuch greifen. Allerdings sucht man in diesem Buch vergeblich nach den bahnbrechenden Hinweisen oder nach unvorhergesehenen Wendungen.

Mit dem zweiten Teil schreibt Kate Harrison den typischen Mittelteil einer Trilogie. Man bekommt noch kein furioses Finale geliefert, kennt sich aber in der Geschichte schon aus. Da ist es immer schwierig, den Leser trotzdem irgendwie zu unterhalten. Durch die Reise nach Barcelona, die damit einhergehende Atmosphäre und das tolle Setting gelingt es Kate Harrison trotzdem, ihre Leser bei der Stange zu halten. Ein wenig haben mir die Ausflüge zum Soul Beach gefehlt, vor allem der Kontakt zu Megan. Aber alles in allem war das ganz solide und es hätte durchaus schlechter sein können.


© Nellys Leseecke - Lesen bedeutet durch fremde Hand träumen

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(8)

8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

tredition, gerichtsverfahren, gefängnis, krimi, wahre begebenheiten

Schuld und Menschlichkeit

Constantin Himmelried , Buchcover by Coverkitchen
Flexibler Einband: 284 Seiten
Erschienen bei tredition, 08.02.2017
ISBN 9783734593499
Genre: Sachbücher

Rezension:

Ein Mann wird am hellichten Tag auf einem Supermarktparkplatz mit neun Schüssen ins Gesicht getötet. Beim Eintreffen der Polizei steht der Täter noch immer regungslos vor dem Auto. Er lässt sich problemlos festnehmen. Das Gericht verhängt sechs Jahre Haft. Die Presse kommt dann mit Schlagzeilen wie „Nur sechs Jahre Haft für den kaltblütigen Parkplatzkiller“ daher. Doch was ist tatsächlich geschehen? Welches Schicksal steckt hinter diesem Fall, der der Öffentlichkeit nur stückchenweise präsentiert wurde?

Als ich dieses Buch bei BloggdeinBuch gesehen hatte, musste ich es unbedingt haben. Angepriesen wird Schuld und Menschlichkeit damit, dass Constantin Himmelried die Geschichte hinter der Geschichte erzählt. Das war wohl ausschlaggebend dafür, dass ich hier unbedingt rein lesen wollte.

Mit einem sehr einfachen und kurz gehaltenen Schreibstil berichtet Himmelried von insgesamt vier Schicksalen, die sich ganz anders darstellen, als sie auf den ersten Blick scheinen. Da wäre zum einen der oben genannte Parkplatzkiller. Er tritt neben den Toastdieb, einen Mann, der nach mehreren Jahren Haft endlich entlassen werden sollte und dabei versuchte, Toastpackungen hinaus zu schmuggeln. Doch warum sollte jemand so etwas machen? Da wird natürlich schnell ein Drogenschmuggel vermutet. Oder wie kommt es, dass ein Schleuser, der acht koreanischen Frauen ins Bundesgebiet verholfen hat, plötzlich eine dermaßen milde Strafe bekommen hat.

Obwohl in Strafprozessen der Grundsatz der Öffentlichkeit gilt, bekommt man als Ottonormalverbraucher immer nur einen Bruchteil eines Prozesses mit. Große deutsche Tageszeitungen werfen gerne mit effektheischenden Überschriften um sich, denn immerhin verkauft sich sowas gut. Das einzelne Schicksal muss dabei dahinter zurück stehen.

Constantin Himmelried hat sich hier vier wirklich unterschiedliche Schicksal herausgepickt und diese auf einzigartige Art und Weise dargestellt. Seine Sätze sind kurz und verzichten auf unnötigen Schnickschnack. Er nimmt sich als Autor sehr heraus und lässt vielmehr den Inhalt für sich sprechen. Die Wahl der ausgesuchten Fälle fand ich ebenfalls sehr gut. Man befindet sich nicht nur im Gerichtssaal, sondern erhält außerdem einen Einblick in den Alltag in einer JVA.

Allerdings gibt es zwei große Punkte, die mein Lesevergnügen irgendwie doch sehr getrübt haben. Im Buch wird darauf hingewiesen, dass alle Fälle auf wahren Begebenheiten beruhen, allerdings Namen und Orte zum Schutz der Beteilgten geändert wurden. Soweit, so gut…. Allerdings hätte ich vielleicht erwartet, dass darauf etwas näher eingegangen wird. Leider findet sich sonst gar nichts. Keine Hinweise darauf, warum diese Fälle gewählt wurden oder möglicherweise auch Hinweise auf echte Zeitungsartikel. Ein Vor- oder Nachwort wäre da ganz schön gewesen.

Es gab auch keinerlei Informationen zum Autor. Woher nimmt er sein Wissen über unser Rechtssystem und auch über das Leben in einer Haftanstalt? Im Internet fand ich dann den Hinweis, dass Constantin Himmelried Rechtswissenschaften studiert hatte. Nur leider kein Hinweis darauf, ob Herr Himmelried auch in diesem Bereich gearbeitet hat und was genau er machte. Meiner Meinung ist das bei Büchern dieser Art aber schon wünschenswert. Es hilft auch einfach der Glaubwürdigkeit.

Vielleicht bin ich auch mit den falschen Erwartungen an das Buch heran gegangen. Die Produktbeschreibung bei BloggdeinBuch hatte bei mir irgendwie den Eindruck erweckt, als würde man als Leser einen richtigen Eindruck in unser Rechtssystem erhalten. Wenn man anfängt Jura zu studieren oder als Jurist arbeitet, kommt man über kurz oder lang immer mal wieder in Diskussionen rein, in denen es um die „Ungerechtigkeiten“ unseres Rechtssystem geht. Irgendein Vergewaltiger erhält eine scheinbar zu milde Strafe oder Ulli Hoeneß wandert durch die Schlagzeilen, weil er nicht im Knast, sondern in einem Hotel war. Das ist nun eine ganz persönliche Meinung, doch ich stehe hinter unserem Rechtssystem, auch wenn ich nicht mit allem einverstanden bin.

Allgemein scheint es wohl so, dass das deutsche Rechtssystem nicht gerade die beste Meinung genießt. Und das leider nur, weil überall gefährliches Halbwissen umgeht. Daher kann ich die Motivation von Constantin Himmelried, auch Laien mal einen Einblick zu verschaffen, nur gut heißen. Aber an manchen Stellen hatte ich leider das Gefühl, als würde er diesem schlechten Bild der deutschen Justiz nur noch Zündstoff verschaffen.

Ich konnte zwischenzeitlich auch praktische Erfahrung sammeln. Daher stieß es mir unglaublich sauer auf, als ich folgende Textstelle lesen musste:

Im Strafrecht geht es meist nur um sogenannte Deals. […] Dabei wird eine Strafe vereinbart, bevor der Prozess beginnt. Es geht darum, die Gerichte zu entlasten. […] Der Anreiz für den Angeklagten ist, dass eine mildere Strafe als vorgesehen bekommt. Der Reiz für die Justiz ist, das völlig überlastete System zu entlasten und die statistische Quote der Aufklärungen zu erhöhen. Jedes Mal, wenn ein Angeklagter den Beschuldigungen der Staatsanwaltschaft zustimmt, bedeutet dies, dass die Staatsanwaltschaft ihren Job zu hundert Prozent richtig gemacht hat, die ermittelnden Beamten auch. […] Das ist der Grund, warum das deutsche Justizsystem so perfekt funktioniert und quasi nur minimale Fehler aufweist.

Ja, Deals haben in den letzten Jahren zugenommen. Und bestimmt gibt es genug Anwälte, Staatsanwälte und Richter, die sich die Arbeit gerne einfach machen. Jeder von ihnen ist ebenfalls auch ein Mensch. Und wo Menschen arbeiten, da gibt es eben die, die in ihrem Beruf aufgehen und solche, die gerne den Weg des geringsten Widerstandes gehen. Aber an manchen Stellen bekommt man einfach den Eindruck, als wäre man schon vor Verhandlungsbeginn vorverurteilt.

Zu behaupten, dass unser Rechtssystem nur aufgrund von Deals, bei denen der Angeklagte alles eingesteht, was ihm vorgeworfen wird, nur minimale Fehler aufweist, ist schlicht und ergreifend einfach gefährlich. Wenn eine Anklage bei Gericht zugelassen wird, dann haben bereits Polizei, Staatsanwalt und Richter den Sachverhalt geprüft. Genau aus diesem Grund werden auch nur diese Anklagen zugelassen, bei denen sich ein hinreichender Tatverdacht vorliegt, wenn man also davon ausgeht, dass eine Verurteilung wahrscheinlicher ist als ein Freispruch. Und natürlich werden daher verhältnismäßig viele Angeklagte, die einen Gerichtssaal von innen sehen, auch verurteilt. DESHALB gibt es nicht soviele Fehler, wie die Presse uns manchmal weis machen will. Dies nicht wenigstens anzusprechen ist genau der Grund, warum „normale“ Bürger ein dermaßen gestörtes Verhältnis zu unserer Justiz haben.

Gleiches Bild zeigte sich bei dem Fall, welcher die JVAen unseres Landes wohl darstellen sollte. Beamte, die einem Häftling Drogen unterschieben und Direktoren, die belastende Videobänder verschwinden lassen… Ja, sowas mag es geben. Das will ich gar nicht abstreiten, wie gesagt, auch hier arbeiten nur Menschen und die machen eben Fehler und schwarze Schafe gibt es in jeder Branche. Doch der Großteil der Beamten, die ihren Dienst in einem Gefängnis leisten, nehmen abends Eindrücke und Bilder mit nach Hause, die sie selbst erst einmal verarbeiten müssen. Und die leisten ihren Dienst trotzdem nach Vorschrift und mit einem gesunden Maß an Nächstenliebe.

Dafür konnte mich der Autor damit beeindrucken, dass er Sympathien schafft, mit denen man zunächst gar nicht rechnet. Himmelried zeigt die schrecklichsten Seiten menschlichen Handelns auf und schafft es trotzdem irgendwie, dass einem nicht die Grausamkeiten und das Schlechte im Menschen im Kopf bleibt. Sondern irgendwie bleibt einem das Herz schwer, doch trotzdem mit einem guten Gefühl. Ich empfand das als sehr besonders und kann dieses Empfinden kaum in Worte fassen.

Constantin Himmelrieds Anliegen, Nicht-Juristen unser Rechtssystem und auch unsere Haftanstalten nahe zu bringen, ist durchaus ehrenwert. Und an sich war auch die Auswahl der erzählten Geschichten gar nicht schlecht gewählt, denn sie sind abwechslungsreich und fesseln den Leser. Ein wenig gewünscht hätte ich mir vielleicht eine etwas weniger einseitige „Berichterstattung“. Großes Lob habe ich allerdings für Himmelrieds Schreibstil übrig. Er nutzt kurze, einfache Sätze, lässt den Inhalt für sich sprechen und nimmt sich als Autor selbst sehr zurück. Wenn ich auch mit dem Inhalt nicht ganz einverstanden war, so punktet das Buch auf jeden Fall durch seine Spannung und einem Schreibstil, den ich sehr gerne mochte.


Vielen Dank an BloggdeinBuch für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars

© Nellys Leseecke - Lesen bedeutet durch fremde Hand träumen

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(656)

1.357 Bibliotheken, 20 Leser, 8 Gruppen, 142 Rezensionen

thriller, autismus, entführung, kindesentführung, simon beckett

Obsession

Simon Beckett , ,
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 01.04.2009
ISBN 9783499248863
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Bens Leben liegt in Trümmern, als seine Frau Sarah unverhofft verstirbt. Die Ehe der beiden war glücklich und Ben droht, den Boden unter den Füßen zu verlieren. Einzig der Umstand, dass er sich auch weiterhin um Sarahs Sohn Jacob kümmern muss, hält ihn davon ab, sich im Alkohol zu verlieren. Als er sich aufraffen kann, um Sarahs Habseligkeiten auszusortieren, fallen ihm Dokumente und Bilder in die Hände, die ihm einen weiteren Schlag versetzen. Denn wenn er ihnen glauben kann, dann ist Jacob gar nicht Sarahs leibliches Kind. Vielmehr scheint es so, als hätte sie den kleinen authistischen Jungen gestohlen.

Ben macht sich auf die Suche nach den leiblichen Eltern, obwohl der Privadetektiv, den er beauftragt, ihn davor warnt, dass dies einen Rattenschwanz hinter sich her ziehen könnte. Doch Ben schlägt sämtliche Ratschläge in den Wind. Er findet die Familie und tatsächlich setzt sich Jacobs leiblicher Vater vehement dafür ein, dass der Junge zu ihm kommt. Und das mit Erfolg. Ben verliert den Sorgerechtsstreit und muss sich von seinem Stiefsohn trennen. Doch es kommt noch schlimmer. Jacobs Stiefvater scheint seinen Sohn absichtlich immer wieder in Lebensgefahr zu bringen. Der Kampf um seinen Stiefsohn wird für Ben zur Obsession…

Selten habe ich einen Autoren kennengelernt, der qualitativ dermaßen verschiedene Bücher abliefert, wie Simon Beckett das tut. Mit seinen David Hunter-Büchern hat er weltweit die Leserschaft begeistert (zumindest was die ersten vier Teile angeht). Dass sich seine früheren Werke davon krass unterscheiden, ist zwischenzeitlich kein Geheimnis mehr. Beckett ist ein gutes Beispiel dafür, dass Üben eben doch hilft.

Das Problem an Becketts früheren Büchern ist allerdings nicht einmal, dass sein Schreibstil holprig wäre oder seine Charaktere nichts an sich hätten. Meist war die Idee hinter dem Buch auch gar nicht übel. Doch auch Obsession fehlt es nachher komplett an einem Spannungsbogen. Es geht nicht auf und ab, sondern tümpelt so vor sich hin. Der Super-Gau ist dann, dass die Story nirgends hinführt.

Man kommt ganz gut in das Buch rein, bekommt die wichtigsten Details geliefert und lernt die Charaktere kennen. Mich beschlich das Gefühl, dass Ben mit seinem Stiefsohn nicht ganz warm geworden ist. Die Gründe dafür blieben allerdings verborgen. Warum tat Ben sich so schwer, den Jungen anzunehmen, nachdem er ihn doch aufwachsen sah und dessen ganzes Leben einen Mittelpunkt für ihn gebildet hat?

Die Geschichte beginnt noch ganz gut. Als Leser findet man in die Handlung rein und durch die Aufdeckung von Sarahs Tat ist auch Spannung da gewesen. Zunächst scheinen sich die Ereignisse zu überschlagen. Sarahs Tod, die Entdeckung ihrer Entführung und die leiblichen Eltern… Hätte Beckett dieses Tempo und die Informationsdichte beibehalten können, wäre die Bewertung sicherlich besser ausgefallen, selbst wenn die Geschichte etwas einfältig gewesen wäre. Allerdings bricht der Spannungsbogen einfach in den Keller.

Dabei ist die Geschichte nicht einmal schlecht geschrieben. Im Gegensatz zu Voyeur hat mir Becketts Schreibstil gut gefallen. Es wirkte nicht mehr annähernd so holprig, wie ich erwartet hatte. Daher lässt sich das knapp 400 Seite starke Buch zwar recht flüssig lesen, aber durch die mangelnde Spannung kommt man trotzdem nicht voran.

Dem Buch fehlt es einfach an der Handlung. Die lässt sich locker in 5 Sätzen zusammenfassen und hinzu kommt, dass eigentlich alles, was irgendwie Spannung erzeugte, direkt zu Beginn passiert.

Da halfen auch die Charaktere nicht mehr. Mit Ben könnte man noch klar kommen. Er ist jetzt nicht bis zum letzten Detal durchgeplant und so recht sympathisch war er mir eigentlich nie. Das ist aber eventuell dem gerade genannten Umstand geschuldet, dass seine Gedanken und Gefühle und vor allem seine Beweggründe zwar dargestellt werden, aber nicht nachvollziehbar werden. Ganz abstrus wurde es allerdings bei Jacobs leiblichen Vater. Der wird als unglaublich brutal und herzlos hingestellt, aber eine andere Seite hat Beckett ihm nicht gegeben. Er blieb damit sehr eindimensional und blass.

Dabei spielte er eine tragende Rolle für das Buch. Ich gehe nun einfach mal davon aus, dass Beckett diesen Charakter genau so darstellen wollte, aber auch damit hat er sich so viel abgeschnitten. Eine Identifizierung mit ihm war unmöglich und die Story hatte damit auch keinen Mehrwert.

Zu wenig Handlung, blasse Charaktere ohne irgendeinen Hintergrund und keine Spannung – so kann man dieses Buch zusammenfassen. Die Idee war gar nicht schlecht, die Handlung hätte gut werden können. Doch Beckett hat sein Pulver viel zu früh verschossen. Wieder einmal kann ich keine Empfehlung für ein Beckett-Buch aussprechen.


© Nellys Leseecke - Lesen bedeutet durch fremde Hand träumen

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(76)

147 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 12 Rezensionen

wirst du da sein, musso, liebe, zeitreise

Wirst du da sein?

Guillaume Musso , Claudia Puls
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Piper, 14.09.2015
ISBN 9783492307215
Genre: Romane

Rezension:

Nach außen hin macht Eliott Cooper einen sehr geerdeten Eindruck. Er ist Arzt, wird von Patienten und Kollegen anerkannt und geschätzt und seine Tochter ist der wichtigste Mensch in seinem Leben. Doch auch wenn es scheint, als habe er ein erfülltes Leben, so ist es für ihn doch leer und dunkel. Bereits 30 Jahre ist es her, seit er seine Frau und große Liebe Ilena verloren hat. Eigentlich hat Eliott mit seinem Leben abgeschlossen und er wartet nur noch auf den Tod. Bis zu dem Tag, an dem er von kambodschanische Stammesältesten, den er im Rahmen seiner ehrenamtlichen Hilfsarbeit kennengelernt hat, kleine goldene Pillen geschenkt bekommt. Anfangs skeptisch, wirft er sich dann doch eine ein. Was hat er schon zu verlieren. Und plötzlich bekommt Eliott eine zweite Chance…

Die Pillen ermöglichen es Eliott, 30 Jahre in die Vergangenheit zu springen, wo er auf sein jüngeres Ich trifft. Und er bekommt die Gelegenheit, seine große Liebe wiederzutreffen. Kann er dieses Mal den tragischen Tod seiner Geliebten verhindern?

Guillaume Musso war für mich bisher ein Unbekannter. Klar hab ich den Namen ab und an mal gelesen, aber bisher war mir nicht klar, welch ein grandioser Autor sich hinter diesem Namen verstecken muss. Kennst Du das Gefühl, wenn Du das Buch eines „unbekannten“ Autors lest, völlig ohne Erwartungen da ran gehst und dann total umgehauen wirst? So ging es mir. Dieses Buch hat mich einfach von den Füßen gehoben.

Dabei war ich nach 50 Seiten noch wirklich skeptisch. Goldene Pillen, die einen Menschen in die Vergangenheit transportieren? Ja ne, is klar… Hinzu kam, dass einem als Leser der Einstieg etwas schwer gemacht wird. Die Handlung springt immer wieder zwischen zwei Zeitebenen hin und her. Da in beiden Handlungssträngen allerdings Eliott die Hauptrolle spielt, brauchte es ein wenig Zeit, bis ich mich in die Sache eingefunden hatte.

Aber dieses kleine SiFi-Element tut der Geschichte sooo gut. Je weiter die Geschichte fortschreitet, desto mehr tritt das Zeitreiseelemente in den Hintergrund, was ich persönlich dann wirklich schade fand. Musso hat die Zeitsprünge auf eine unauffällige, fast realistische Art und Weise zu einem Teil der Story gemacht.

Auch wenn die Handlung anfangs noch vorhersehbar erscheint, ändert sich diese Meinung mit der Zeit. Mir ging es zumindest so, dass ich dachte, Eliott würde alles daran setzen, den Tod seiner Liebe zu verhindern. Daher war ich mir fast sicher, dass ich den Verlauf des Buches vorausahnen konnte. Doch nach und nach stellt sich heraus, dass Musso sich da doch hat noch etwas einfallen lassen. Denn jede Zeitreise hat einen Nebeneffekt, den jeder von uns kennt. Wer nur ein Detail der Vergangenheit ändert, kann damit die Gegenwart auf den Kopf stellen. Und plötzlich muss Eliott sich fragen, ob es Dinge oder Menschen gibt, die ihm sogar noch wichtiger sind als seine Ehefrau.

Musso hat sein Hauptaugenmerk verständlicherweise auf Eliott gelegt. Der ist gerade in seiner jüngeren Version gar nicht so einfach gestrickt. Er kann auch einmal kratzbürstig und aufbrausend sein, während sein älteres Ich von einer inneren Ruhe begleitet wird, deren Ursprung aus dessen Lebensmüdigkeit herrührt. Man hat zwar nicht das Gefühl, als würde er sich im nächsten Moment vor einen Zug stürzen wollen, aber ich hatte doch den Eindruck, als würde es ihm nicht viel ausmachen, wenn er die nächsten Jahre, die er zweifelsfrei allein bleiben würde, nicht erleben müsste. Zwar liebt er seine Tochter, doch diese ist erwachsen, aus dem Haus und kein Ersatz für Eliotts Verlust.

Die junge Version dagegen ist voller Träume und Tatendrang. Er kann mit der zynischen Art seiner Alter Ego anfangs wenig anfangen, doch je besser sie sich kennenlernen, desto mehr nähern sich auch ihre Charaktere an. Ich mochte sie beide, doch gefühlsmäßig handelte es sich um zwei völlig unterschiedliche Personen.

Totel verliebt war ich aber in Matt, Eliotts besten Kumpel und das in beiden Zeitebenen. Dieser Mann ist der Inbegriff der Machos. Feste Bindungen machen ihm Angst und er springt von einem Bett ins nächste. Seine Devise ist es, das Leben hier und jetzt zu genießen, was einfach symapthisch rüber kam. Er geht mit einer Leichtigkeit durchs Leben, die fast bewundernswert ist. Allerdings war es gerade in der späteren Zeitphase manchmal gleichzeitig traurig und schön, dass er sich im Alter auch so gar nicht ändert. Er genießt noch immer sein Leben, ist allerdings auch noch immer allein und holt sich sein Selbstwertgefühl von jüngeren Frauen.

Das ganze Buch ist wunderschön gefühl- und fantasievoll. Es holt einen ab und trägt einen fort. Musso kann einfach schreiben. In einfachen Worten und Sätzen erzeugt er eine emotionale Atmosphäre, der sich der Leser kaum entziehen kann. Er schreibt eine Liebesgeschichte, ohne dass das Liebespaar zum Hauptgegenstand wird. Es war einfach so schön zu lesen…

Lange Zeit hatte ich Guillaume Musso gar nicht auf dem Schirm. Das war ein Fehler! Nicht nur, dass er schreiben kann, sondern er scheint auch recht gute Ideen zu haben. Mit dieser Geschichte hat er mich total unvorbereitet von den Sohlen gehauen. Ich hab mit Eliott gelacht und geweint und wollte mich kaum von ihm und seinem Leben trennen. Eine wunderschöne, zauberhafte, liebevolle Geschichte…


© Nellys Leseecke - Lesen bedeutet durch fremde Hand träumen

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(49)

78 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 47 Rezensionen

zwillinge, humorvoll, las vegas, heirat, liebe

Vorübergehend verschossen

Anke Maiberg
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 25.08.2017
ISBN 9783404175611
Genre: Liebesromane

Rezension:

Nellis großem Tag steht eigentlich nichts mehr entgegen. Seit sie Oma Ilse ausreden konnte, dass Nelli unbedingt ihren alten Schleier tragen solle, kann sie ihrem Hochzeitstag sehr entspannt entgegen schauen. Tim scheint perfekt für sie zu sein und sie liebt ihn sehr. Daher bekommt sie kurz leichte Panik, als es eine halbe Stunde vor der Hochzeit heißt, Tim wäre verschwunden. Er würde es doch nicht wagen, sie vor dem Altar stehen zu lassen?? Ein riesiger Stein fällt ihr vom Herzen, als Tim schließlich doch noch auftaucht. Doch irgendwie schaut er anders aus, oder? Und plötzlich hat der Gute auch noch Manieren und verhält sich wie ein Gentleman… Dabei ist Tim doch vor allem eins, nämlich total verpeilt und verstrahlt.

Doch Nelli will sich keine Gedanken über diese Veränderungen am Tag ihrer Hochzeit machen, zumal sie sich mit Tim so wohl fühlt wie noch nicht zuvor. Doch was Nelli nicht weiß: Tim sitzt in Las Vegas fest, wo er mit seiner besten Freundin Doro Junggesellenabschied gefeiert hat. Und als wäre das noch nicht schlimm genug, haben sich die beiden in ihrem Alkoholrausch auch noch von Elvis trauen lassen. Und vor dem Traualter steht nun gar nicht Tim – sondern dessen Zwillingsbruder Felix. Der springt mal wieder widerwillig in die Bresche, um die Ehe seines Bruders zu retten. Doch Tim kann sich nicht sofort ins Flugzeug zurück nach Deutschland setzen, immerhin ist da noch eine Ehe zu annullieren. Also muss Felix auch weiterhin den glücklichen Ehemann spielen – und mit Nelli in die Flitterwochen fliegen.

Anke Maiberg hat bereits mir Ist das Liebe oder kann der weg? bewiesen, dass sie witzig und gleichzeitig emotional schreiben kann. Nun beweist sie mit ihrem neusten Werk, dass dies nicht nur ein einmaliger Treffer war. Im Gegenteil: auch mit ihrem zweiten Buch landet sie einen Volltreffer und so gelangt sie langsam, aber sicher in die Ränge meiner Lieblingsautoren.

Die Idee mit dem doppelten Lottchen ist zwischenzeitlich nicht mehr neu. Allein was Filme angeht, fallen mir auf Anhieb mindestens drei Stück ein, in denen ein Zwillingspärchen die Rollen tauscht. Aber tatsächlich ist das Thema eher Stoff von Filmen, Bücher fallen mir hierzu nicht wirklich ein. Und diese Thematik kommt eben deshalb immer wieder auf, weil sie einfach funktioniert. Mir persönlich geht es so, dass es gar nicht genug solcher Geschichten geben kann.

Die Geschichte beginnt nur wenige Tage vor der großen Hochzeit. Tims Oma möchte Nelli noch unbedingt ihren Schleier aufs Auge drücken, doch das kann Nelli Gott sei Dank noch verhindern. Und dann steht auch schon der Junggesellinnenabschied an, auf dem Nelli wirklich geradezu schwärmt von ihrem Zukünftigen. Da erhält man schnell den Eindruck, dass Tim wirklich der perfekte Mann für die junge Frau sein muss. Klar bleibt einem da auch als Leser erst einmal das Herz stehen, wenn der dann plötzlich am Hochzeitstag fehlt.

Aber dieses Fehlen bringt einen Stein ins Rollen, der nicht mehr aufzuhalten ist und irgendwie ist es dann wie bei einem Unfall. Man will nicht so recht hinsehen, weil man die Katastrophe schon nahen sieht, und trotzdem kann man das Buch kaum noch aus der Hand legen. Doch wer denkt, dass hier nur der Zwillingstausch thematisiert wird, der irrt. Denn sie Sache wird noch viel komplizierter. Denn plötzlich ist der „neue“ Ehemann soviel besser als der „alte“ Verlobte.

Hach, diese Geschichte hatte einfach alles. Zum einen natürlich die großen Gefühle. Die kommen allerdings nicht unbedingt da auf, wo man sie erwartet hatte. Aber das wäre ja auch langweilig gewesen. Schließlich bilden sich zwei Paarungen, die unterschiedlicher hätten wohl nicht sein können. Und mir hat die eine davon auch sehr viel mehr gefallen als die andere. Es gab mehr von den eben genannten Gefühlen, ich konnte sie viel mehr fühlen. Und ich hatte auch das ein oder andere Kribbeln im Bauch.

Aber vor allem hat Maibergs neues Buch eines und das ist Witz. Wer bereits ihr Vorgängerbuch kennt, der kann sich bestimmt an die rüstige ältere Dame erinnern, die nicht ganz unwichtig für die Handlung war. Und auch dieses Mal wieder punktet von den Charakteren vor allem Oma Ilse. Denn die hat es wieder faustdick hinter den Ohren. Hört, was sie hören will und sieht auch gar nicht ein, warum sie sich als altes Frauchen abstempeln lassen soll. Immerhin ist sie eigentlich die Einzige, die den Durchblick hat. Ich hab sie auf jeden Fall sofort ins Herz geschlossen und mochte ihren frischen und aufgeweckten Charakter so gerne.

Der größte Pluspunkt, welcher für dieses Buch spricht, ist eindeutig Anke Maibergs Schreibstil, denn schreiben kann sie, ganz ohne Zweifel. Sie legt ihren Charakteren immer wieder die richtigen Worte in den Mund, die mal total gefühlvoll sind oder auch einfach nur mal sehr humorvoll. Man schwebt so durch die Story und plötzlich ist man auch schon am Ende. Die Geschichte rund um Felix, Tim, Nelli und Doro nimmt einen an die Hand und man will immer wieder wissen, wie es weiter geht. Eine wunderschöne Idee, die wirklich toll umgesetzt wurde.

Einen kleinen Kritikpunkt gibt es allerdings trotzdem. Die Geschichte wird abwechselnd von einem der vier Protagonisten erzählt. Jedes Kapitel wird mit dem Namen des Erzählers eingeleitet, sowie mit dem Ort und der Zeit. Hierbei findet man öfters mal die Angaben „5 Stunden vorher“ oder „3 Tage später“. Da Tim und Doro zu Beginn des Buches in Las Vegas weilen und wir alle von der Zeitverschiebung wissen, war das meistens eher verwirrend, als wenn es mir im Lesefluss geholfen hätte. Da Tim und sein Zwillingsbruder während dieser Zeit viel telefonischen Kontakt haben, war mir eigentlich auch ohne diese Zeitangaben klar, wo und wann wir uns gerade in der Story befinden. Die Überschriften hätte es daher gar nicht gebraucht.

Anke Maiberg beweist auch mit ihrem zweiten Buch wieder ein unglaubliches Talent, mit Worten eine einzigartige Atmosphäre zu schaffen und den Leser komplett in seinen Bann zu ziehen. Die Zwillingsgeschichte hat ihren ganz eigenen Charme, der mir persönlich unglaublich gut gefallen hat. Hinzu kam, dass man zwischen den unterschiedlichen Paarungen wirklich Gefühle bemerken konnte (beim einen mehr, beim anderen weniger). Garniert wird ein schönes Buch dann noch mit einer unterhaltsamen Portion Witz, die genau meinem Sinn für Humor entsprach. Wer noch schöne Lektüre für seinen Urlaub sucht, der sollte sich Vorübergehend verschossen definitiv genauer anschauen.


© Nellys Leseecke - Lesen bedeutet durch fremde Hand träumen

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(741)

1.404 Bibliotheken, 63 Leser, 5 Gruppen, 199 Rezensionen

thriller, sebastian fitzek, achtnacht, berlin, fitzek

AchtNacht

Sebastian Fitzek
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 14.03.2017
ISBN 9783426521083
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Benjamin, kurz Ben, hat eigentlich schon genug Probleme. Sein Leben ist alles andere als geregelt. Eigentlich schlägt er sich als Musiker durch, doch seit er mit seiner Teenagertochter an Bord einen Autounfall verursacht hat und Jule dabei beide Beine verloren hat, ist er wie aus der Bahn geworden. Er trinkt und lebt in den Tag hinein. Doch sein größtes Problem hat er plötzlich am 8.8. Denn in der AchtNacht wird eine Person ausgewählt, die 12 Stunden lang vogelfrei ist. Sie kann von jedem registrierten Jäger straffrei getötet werden. Und als Belohnung winken auch noch 10 Millionen Euro.

Ich muss jetzt ein wenig ausholen. Alle lieben Sebastian Fitzek, seine Bücher verkaufen sich wie warme Semmeln und wenn man an seinen Büchern mal Kritik äußert, dann wird man schon mal schief angeschaut (so mein Gefühl). Da musste ich es natürlich selbst auch mal versuchen. Also habe ich vor Jahren zum „Seelenbrecher“ gegriffen – und war irgendwie nur mäßig begeistert (übrigens auch bei meinem ReRead vor einigen Monaten). Dafür fand ich Fitzeks Zusammenarbeit mit Michael Tsokos, Berlins bekanntesten Rechtsmediziner, „Abgeschnitten“ unglaublich gut. Also zusammengefasst: immer, wenn die gesammelte Buch- und Bloggerwelt unglaublich begeistert von einem Fitzekbuch ist, dann finde ich die Story nur so lala. Und wenn einmal tatsächlich Kritik geübt wird, dann bin ich dafür total von den Socken. Da „AchtNacht“ bisher kaum wirklich begeisterte Rezensionen abbekommen hat, kannst Du Dir vielleicht denken, wie mir das Buch gefallen hat?

Die ersten 70 Seiten war ich etwas verwirrt. Erwartet hatte ich, dass man direkt in die AchtNacht-Geschichte einsteigt, doch stattdessen beherrscht eine andere Tragödie die Handlung. Bens Tochter, gerade seit kurzem Studentin und mit eigener Wohnung, hat sich mit ihrem Rollstuhl vom Dach ihres Studentenwohnheimes gestürzt. Wollte sich Jule umbringen, da ihr beide Beine fehlen? Doch Ben glaubt nicht an einen Selbstmordversuch, er ist sich sicher, dass da jemand nachgeholfen hat. Aber was hat das alles mit der AchtNacht zu tun?

Dann wird Ben, scheinbar völlig unabhängig vom Beginn der Story, als AchtNächter gezogen, also als diejenige Person, die die nächsten 12 Stunden vogelfrei sein soll. Plötzlich ist er nirgends mehr sicher. Doch er ist nicht der einzige, der von halb Berlin gejagt wird. Eine zweite Person, eine junge Studentin, wurde aus dem Topf gezogen. Arezu findet Ben direkt zu Beginn des Abends und nun versuchen sie gemeinsam, sich die Meute vom Hals zu halten.

Die Idee hinter „AchtNacht“ ist einfach nur genial, wenn auch nicht unbedingt neu. Sie verspricht schon von Haus aus eine Menge Spannung. Etwas Sorge hatte ich allerdings, dass dem Buch nachher vor lauter Verfolgung und Hetze ein wenig der Inhalt fehlen wird. Diese Angst war allerdings unbegründet. Fitzek hat sich auch eine gut durchdachte Storyline einfallen lassen. Die Verfolgungsjagten halten sich in Grenzen, denn die find ich ja meist tierisch öde. Es geht nicht nur um die Hetze auf die AchtNächter, sondern Fitzek hat ihnen auch zwei ganze besondere Gegenspieler entgegengesetzt.

Mit Fitzeks Schreibstil kam ich in den vergangenen Büchern nicht immer so gut klar. Teilweise geht er mir einfach zu verwirrend vor, überschlägt sich in dem, was er erzählen möchte, was zu Lasten des Verständnisses geht. Und auch dieses Mal bin ich zwiegespalten. Zum einen las sich „AchtNacht“ wirklich flüssig, ohne dass ich auch nur an einer Stelle das Gefühl bekam, nicht mitten in der Geschichte zu sein. Fitzek bringt seine Idee und die Stimmung wirklich gut an den Leser heran. Die Kapitel sind allerdings stellenweise sehr kurz, was an sich kein Problem gewesen wäre. Wahrscheinlich waren die Unterbrechungen zwischen den einzelnen Kapiteln als Mittel gedacht, dass die Spannung schön hoch gehalten wird. Die Einschnitte sind meiner Meinung nach aber wirklich unnötig, wenn es direkt auf der nächsten Seite mit genau dieser Situation weiter geht. Meinen Lesefluss hat es dadurch einfach nur gestört.

Die Kritik, dass sich das Buch im Mittelteil etwas hinzieht (bei einigen Rezensionen gelesen), kann ich so nicht unterschreiben. Nicht einmal ein Sebastian Fitzek kann die Spannung über 400 Seiten zum Zerreißen gespannt halten. Ein Spannungsbogen zeichnet sich ja auch dadurch aus, dass es Hochs und eben auch Tiefs gibt. Und trotzdem hab ich mich über die komplette Länge gut unterhalten gefühlt.

Zum Ende hin laufen natürlich alle offenen Fäden wieder in einer Hand zusammen. Das Finale empfand ich als ganz in Ordnung, hat mich allerdings nicht vom Hocker gerissen. Dass Fitzek nicht für seine rührenden Happy Ends bekannt ist, da verrate ich wohl kein Geheimnis. Die losen Fäden laufen alle schön zusammen und es bleiben auch keine Fragen offen. Und ehrlich gesagt war die Idee, die hier nachher ans Licht kommt, auch wirklich nicht von schlechten Eltern, nur umhauen konnte sie mich trotzdem nicht. Das gewisse Etwas hat leider gefehlt.

Alles in allem bin ich mit geringen bis gar keinen Erwartungen an das Buch herangegangen. Die lediglich durchschnittlichen Rezensionen haben mich nichts Gutes ahnen lassen. Doch ich wurde überrascht von einer durchweg spannenden, nicht nachlassenden Geschichte, die ich so noch nicht gelesen habe. Der Fokus liegt gar nicht so sehr auf den Charaktere, sondern tatsächlich darauf, den Leser durch eine Nacht zu jagen, die diesen nicht mehr so schnell loslässt. Auch wenn das Buch bestimmt nicht das Beste ist, was der deutsche Buchmarkt zu bieten hat, so habe ich mich über einige Stunden unterhalten gefühlt und konnte mich aus dem Alltag ausklinken. Aufgabe also erfüllt…


© Nellys Leseecke - Lesen bedeutet durch fremde Hand träumen

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(708)

1.584 Bibliotheken, 34 Leser, 2 Gruppen, 279 Rezensionen

dystopie, flawed, cecelia ahern, fehlerhaft, jugendbuch

Flawed – Wie perfekt willst du sein?

Cecelia Ahern , Anna Julia Strüh , Christine Strüh
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei FISCHER FJB, 29.09.2016
ISBN 9783841422354
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Celestine steht hinter dem System, das in ihrem Land gilt. Menschen, die falsche Entscheidungen treffen, lügen oder betrügen, werden mit einem Brandmal versehen und leben fortan als Fehlerhafte ein einfaches Leben. Diese Menschen haben kein Verbrechen im eigentlichen Sinn begangen, doch moralisch oder ethisch haben sie sich etwas zu Schulde kommen lassen. Der oberste Richter der Gilde, Richter Crevan, ist für Celestine eine Art Ersatzvater, seit sie mit dessen Sohn zusammen ist. Doch dann kommen Celestines Überzeugungen ins Wanken und sie hilft einem Fehlerhaften im Bus. Auch das ist verboten und das junge Mädchen wird selbst vor Gericht gestellt. Doch ihr Prozess ist kein normales Gerichtsverfahren, denn Celestine wird als Aushängeschild für beide Seiten missbraucht. Und am Ende muss Celestine ihr komplettes Leben über den Haufen werfen.

Als bekannt wurde, dass Cecelia Ahern sich von ihren Liebesromanen etwas lösen will und sich um Jugendbuchgenre ausprobieren möchte, da war meine Neugierde geweckt. Als ich dann noch erfahren habe, dass es sich um eine Dystopie handeln sollte, da war ich Feuer und Flamme für die Geschichte. Und der Einstieg ins Buch konnte meine Erwartungen noch übertreffen. Endlich mal eine Protagonstin, die nicht von Anfang an gegen das herrschende System steht. Im Gegenteil: Celestine ist sich sicher, dass fehlerhafte Menschen auch als solche zu erkennen sein müssen. Die Gilde entscheidet über Menschen, die zwar kein Verbrechen begangen haben, aber sich moralisch oder ethisch in irgendeiner Hinsicht fehlerhaft verhalten haben. Diese Menschen bekommen ein Brandzeichen verpasst und müssen fortan ein einfaches, reduziertes Leben führen.

Natürlich musste Celestine irgendeinen Fehler machen, um selbst Opfer des Systems zu werden. Und das, obwohl der oberste Gildenrichter Crevan, kein Unbekannter für die Jugendliche ist. In Wahrheit handelt es sich bei ihm um ihren Schwiegervater in spe und ist außerdem ein Freund der Familie. Nachdem Celestine aber einem Fehlerhaften geholfen hat, verwandelt sich der liebevolle Nachbar in einen berechnenden, brutalen Gegenspieler.

Das Buch muss man eigentlich in zwei Teile spalten. Die erste Hälfte war spannend, rasant, voller Emotionen und unfassbar fesselnd. Celestine glaubt an das System, das praktiziert wird. Sie steht auf der Seite derjenigen, die Fehlerhafte kenntlich machen wollen, um die „normalen“ Menschen vor ihnen zu schützen. Doch Celestine ist ein wenig verwöhnt, kommt aus gutem Hause, geht mit dem attraktiven Nachbarjungen und führt auch sonst ein behütetes Leben.

Natürlich wusste man schon von Anfang an, dass Celestine, trotz all dieser Umstände, selbst zur Fehlerhaften abgestempelt wird. Und der Weg dorthin ist Ahern wirklich gelungen. Eigentlich beweist Celestine lediglich Mitgefühl und zeigt Zivilcourage, doch diese ist gegenüber Fehlerhaften verboten. Genau wie Celestine begreift man als Leser einfach nicht, warum einem alten Mann nicht geholfen werden soll, wenn er Hilfe scheinbar so nötig hat.

In der ersten Hälfte des Buches gibt es für den Leser kaum Verschnaufpausen. Die Ereignisse überschlagen sich und es geht Schlag auf Schlag. Damit konnte Ahern die Spannung unglaublich hoch halten. Dies hatte allerdings zur Folge, dass der Sturz in der zweiten Hälfte umso tiefer war.

Nachdem Celestine gebrandmarkt wurde und fortan als Fehlerhafte leben muss, rückt ihre Rolle in der ganzen Sache in den Fokus. Die Anhänger der Gilde wollten an ihr ein Exempel statuieren und empfinden sie als gefährlich. Die Gegner der Gilde sehen in Celestine allerdings jemanden, der sich endlich gegen die geltenden Regeln aufgelehnt hat. Dabei will der junge Mädchen einfach nur ihr altes Leben wieder haben.

Doch das sechste Brandmal, von dem bisher nur wenige Menschen wissen, macht sie auch zu einer Waffe. Diese könnte Crevans Fall zur Folge haben. Und nachdem Celestine ihre Wunden geleckt hat und wieder im Sattel sitzt, will auch sie endlich was in Bewegung bringen.

Leider macht die zweite Hälfte den Eindruck, als hätte die Story hart auf die Bremse gedrückt. Man kann noch nicht mal sagen, dass gar nichts mehr passiert. Aber das Tempo nimmt deutlich ab. Nachdem der erste Teil so spannend war, fällt das noch mehr auf, als es das vielleicht getan hätte, wenn die Geschichte einen konstanten Spannungsbogen gehabt hätte.

Mit der Protagonistin Celestine wusste ich lange Zeit nichts anzufangen. Anfangs hat ihr irgendwie genau der Umstand, den ich oben gelobt habe, nämlich, dass sie sich mit dem geltenden System identifiziert, das Genick gebrochen. Sie vertrat die Ansicht, dass die Fehlerhaften von den „normalen“ Menschen selektiert werden müssten. Ihre Vorurteile legte sie aber auch dann nicht ab, als sie verhaftet und in die Zellen gesperrt wurde. Als sie Carrick das erste Mal sieht, kann sie nur darüber nachdenken, welches Vergehen er wohl begangen hat und wie schlimm er wohl sein muss. Dass er gar nichts verbrochen haben könnte oder falls doch, dass er hierfür eventuell gute Gründe gehabt haben mag, kommt ihr gar nicht in den Sinn.

Diese Ansicht legt sie nur deshalb dann ab, weil sie plötzlich selbst in die Rolle des Opfers schlüpfen muss. Da ändert sich ihre Meinung dann radikal und sie sympathisiert eigentlich mit fast jedem Fehlerhaften. Nur leider versinkt sie zu diesem Zeitpunkt dann auch sehr im Selbstmitleid. Dass sie mit ihrem Schicksal unglücklich ist, konnte ich noch nachvollziehen, die Wut auf ihre kleinen Geschwister allerdings nicht mehr.

Das Ende überschlägt sich dafür wieder. Natürlich greift Cecelia Ahern zu einem Cliffhanger, der mich allerdings nicht dazu bewegen konnte, sofort in die nächste Buchhandlung zu stürmen und mir Teil 2 zu kaufen. Ich fühlte mich ehrlich etwas überrumpelt, dass das Buch SO ausging.

Mit ihrem Versuch, mal ein anderes Genre zu bedienen, hat Ahern keine Vollkatastrophe abgeliefert, konnte mich aber auch nicht begeistern. Hätte sich die erste Hälfte des Buches fortsetzen können, wäre dabei eine richtig gute Dystopie rausgekommen, die es mit der Konkurrenz hätte aufnehmen können. So schmiert Ahern aber ein wenig ab. Sie konnte die Spannung nicht halten und die zweite Hälfte plätschert einfach so vor sich hin, ohne nochmals den nötigen Schwung zu bekommen. Ein typischer Fall von: tolle Idee, holprige Umsetzung!


© Nellys Leseecke - Lesen bedeutet durch fremde Hand träumen

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(9)

19 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

Wir müssen über Kevin reden

Lionel Shriver , Christine Frick-Gerke , Gesine Strempel
Flexibler Einband: 560 Seiten
Erschienen bei Piper, 02.05.2017
ISBN 9783492310512
Genre: Romane

Rezension:

Als Eva und Franklin sich entschließen, ein Kind zu bekommen, ist Eva schon fast 40. Doch beide wünschen sich noch ein Kind, vor allem für Franklin bedeutet ein Kind alles. Doch bereits einige Minuten nach der Geburt von Kevin, merkt Eva, dass ihr Sohn anders ist. Der Säugling scheint voller Wut und Zorn zu sein und lehnt seine Mutter von der ersten Minuten an ab. Er entwickelt sich nicht wie ein normaler Junge, muss bis zu seinem sechsten Lebensjahr gewickelt werden. Doch je älter er wird, desto mehr beginnt Eva zu glauben, das personifizierte Böse zur Welt gebracht zu haben. Das führt dazu, dass sie zu ihrem eigenen Fleisch und Blut auch keinerlei Bindung aufbauen kann und es sogar als Zumutung empfindet, dass sie zuhause bei ihrem Kind bleiben muss.

Über Jahre hinweg will Evas Ehemann nicht glauben, welche Bösartigkeiten sich Kevin alles ausgedacht haben soll. Kevin sei ein normaler Junge und dieser selbst bringt seinen Vater dazu, dies zu glauben. Doch am 8. April 1999 treibt Kevin acht Mitschüler und eine Lehrerin in der Turnhalle zusammen und eröffnet mit einer Armbrust das Feuer auf sie. Kevin wird zum Amokläufer und verändert innerhalb weniger Stunden das Leben seiner Familie.

Seit dem Amoklauf von Winnenden, bei dem mein Vater als Polizeibeamter selbst vor Ort war, verschlinge ich alles, was irgendwie mit diesem Thema zu tun hat. Was treibt einen Jugendlichen dazu, in der Schule teilweise fremde Mitschüler niederzuschießen und damit innerhalb von Minuten das Leben mehrerer Familien zu zerstören? Die Frag nach dem „Warum“ kommt nach einem solchen Massaker immer wieder auf und nie erhält man eine richtige Antwort.

Und ehrlich gesagt hatte ich mir von diesem Roman erhofft, dass dieses „Warum“ am Ende geklärt wäre. Und irgendwie hat Shriver das auch geschafft. Diesen Vorwurf kann man der Autorin also nicht machen… Warum also nur eine durchschnittliche Bewertung?

Eva, Kevins Mutter, erzählt ausführlich über ihr eigenes Leben alleine mit ihrem Ehemann und auch über ihr Leben als Mutter. Sie verpackt ihre Geschichte in Briefform. Franklin wird immer wieder ganz persönlich angesprochen, was dem ganzen Buch ein wenig das Flair einer privaten Unterhaltung gibt, in die man mal reinhorchen darf.

Somit erhält man einen dermaßen intimen Einblick in Evas Gedanken, wie ich es selten in einem Buch erleben durfte. Das kommt nicht nur daher, dass man Evas Gedanken und Gefühle aus erster Hand erhält, sondern, dass sie auch unfassbar ehrlich und offen ist, auch wenn diese sie nicht immer ins beste Licht rückt. Eva schönt ihre eigenen Verfehlungen und Gefühle nicht, sondern spricht offen darüber, dass auch sie nicht alles richtig gemacht hat. Sehr hart empfand ich die Stellen, an denen sie über ihre Gefühle gegenüber ihrem eigenen Sohn spricht. Denn eigentlich hat sie solche gar nicht.

Von der ersten Seite an begleitet den Leser ein unheimliches beklemmendes Gefühl. Dass es durch Kevin schließlich zum Amoklauf kommt, ist kein Geheimnis und man sollte meinen, dass dieser Umstand allgegenwärtig ist. Doch gerade der Beginn des Buches wiegt den Leser in trügerischer Sicherheit. Eva erzählt von ihrem Leben mit Franklin, der Ehe und ihren Reisen. Man spürt, dass sie ihren Mann liebt und ihn wirklich glücklich machen will. Sie weiß außerdem, dass Franklin auf „die große Frage“ nur eine Antwort kennt: Kinder!

Als Leser wird man durch ein Gefühlschaos geworfen, wie ich es selten in einem Buch vorgefunden habe. Während man noch Mitleid mit Eva hat, kommt plötzlich eine Stelle, an der man sie fast verachtet. Wie kann man einem Säugling, der nur wenige Wochen alt ist, unterstellen, er würde nur dann schreien, weil er einen Machtkampf gegen seine Mutter ausficht?

Als Kevin heranwächst kommt es allerdings immer wieder zu Situation, in denen man sich als Leser tatsächlich fragt, ob da nicht wirklich was dran sein könnte. Kevin hat keinerlei Interessen, keine wirklichen Freunde, keine Hobbys (abgesehen vom Bogenschießen), verbringt seine Zeit damit, einfach nur zu atmen und aus dem Fenster zu schauen… Hinzu kommen immer wieder Vorfälle, in denen nicht ganz klar wird, ob er an diesen tatsächlich mitgewirkt hat, doch der Verdacht ist da….

Die große Schwäche dieses Buches bestand für mich allerdings genau in dieser Charakterzeichnung. Lange habe ich nicht mehr so krass klischeehaften Charaktere in einem Buch gefunden. Kevin ist einfach nur böse. Und das von Beginn an. Das geht dann aber leider zum Nachteil der Glaubwürdigkeit. Mal ehrlich, welcher 4-Jährige hält denn mit Absicht seinen Stuhlgang zurück, nur um seine Mutter zu ärgern. Und das nur aus reiner Boshaftigkeit. Und Eva ist quasi noch mitten in der Geburt, da unterstellt sie ihrem Sohn schon das Schlimmste. Es war einfach viel zu überzogen. Dass der Junge mit 15 dann Amok läuft, verwundert nur insofern, als man sich fragt, warum er so lange gewartet hat.

Ich habe mir auch Ausschnitte aus der Verfilmung angesehen, die mir da wesentlich besser gefallen haben. Evas Resignation kam darin viel besser zum Vorschein als dies das Buch konnte. Und Kevin ist zwar immer noch gruselig und hat diesen bösen Einschlag. Aber er kam als Mensch herüber und nicht wie der Teufel persönlich.

Auch mit dem Schreibstil von Lionel Shriver tat ich mir schwer. Dies mag bestimmt Geschmackssache sein und schreiben kann sie auf jeden Fall, daran besteht kein Zweifel. Sie bedient sich langer Sätze mit zahlreichen adjektiven, gerne auch verschachtelt. Locker flockig runter lesen ist da nicht. Vielmehr gibt es immer wieder Stellen, an denen man konzentriert bei der Sache sein muss, um Evas Erzählung weiter folgen zu können. Wie gesagt, das mag man mögen, bei mir hat es eher dazu geführt, dass ich Eva manchmal gerne geschüttelt hätte, um ihr zu sagen: „komm endlich mal zum Punkt“.

Wenn man ganz ehrlich zu sich ist, dann hätte man wissen können, dass die Frage nach dem „Warum“ auch dieses Mal nicht ganz zufriedenstellend geklärt werden kann. Doch etwas differenzierter hätte es gerne sein dürfen. Der Amoklauf und seine Folgen finden immer nur zweirangig ihren Platz. Die Familie steht im Mittelpunkt der Erzählung, doch eine Identifikation mit einem der Mitglieder wird einem schwierig gemacht. Ein seltenes Beispiel für den Fall, dass die Verfilmung die Romanvorlage toppt.


© Nellys Leseecke - Lesen bedeutet durch fremde Hand träumen
Vielen Dank an den Piper Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(288)

539 Bibliotheken, 17 Leser, 2 Gruppen, 81 Rezensionen

david hunter, thriller, simon beckett, england, backwaters

Totenfang

Simon Beckett , Sabine Längsfeld , Karen Witthuhn
Fester Einband: 560 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Wunderlich, 14.10.2016
ISBN 9783805250016
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Leo Villiers wird seit Tagen vermisst. Er ist wie vom Erdboden verschwunden und das in einer Gegend, in der doch jeder jeden kennt. Als dann in einer Flussmündung eine männliche Leiche angespült wird, scheint es fast so, als sei Leo gefunden worden. Dr. David Hunter bekommt schnell das Gefühl, dass er eigentlich nicht wirklich um seine Meinung gebeten wird, sondern einfach nur in das Ödland zitiert wurde, um irgendwelche Pflichten zu erfüllen. Als er Zweifel an der Identität des Opfers äußert, wird vor allem vom Vater des vermeintlichen Opfers brüsk zurückgewiesen. Doch dann schwemmt der Fluss ein weiteres Geheimnis heran. Ein Fuss wird abgespült und nun ist die Frage: wo ist der Rest zu dem Fuß?

David Hunter is back! Einige Jahre sind ins Land gegangen, seit der vierte Teil die Leserschaft in Atem gehalten hat. Dann war es lange Zeit ruhig um den Anthropologen. Umso größer war die Freude der Fans, als Beckett ganz überraschend endlich mit Teil 5 um die Ecke kam. Ein neuer Fall, ein neuer Toter… endlich!!!

Die Story beginnt auch sehr vielversprechend. Ziemlich schnell kommt Beckett auf den Punkt und stürzt den Leser ohne großes Bla Bla direkt hinein in seine Geschichte. Ehrlich gesagt ging mir das sogar etwas zu schnell, denn die Ereignisse überstürzen sich zu Beginn. Das kann schnell verwirrend sein. Wenn man dann aber in die Beziehungsgeflechte hinein gefunden hat, kommt die Hoffnung auf einen atemberaubenden Thriller schnell auf.

David Hunter selbst war immerhin wiederzuerkennen. Der etwas düstere Wissenschaftler, der durch einen Angriff noch etwas ernster wurde, stürzt sich mit Haut und Haar in seine Fälle und auch dieses Mal ist es vor allem einem Biss und Eifer zu verdanken, dass das Buch nicht nach 80 Seiten schon vorbei ist. Die gefundene Leiche soll all zu schnell als Leo Villiers abgestempelt werden, auch wenn eine zweifelsfreie Identifizierung noch gar nicht erfolgt ist. Und er ahnt auch, dass irgendjemand ein Interesse daran hat, dass die Sache auch nicht aufgeklärt wird.

Simon Beckett schubst seinen Protagonisten ja immer gerne in ein grenzwertiges Setting. In Band 2 der Reihe saß Hunter auf einer abgelegenen Insel fest, auf der der Sturm des Jahrhunderts tobte und auch jetzt wieder ist die Umgebung wahrlich keine durchschnittliche. Die Backwaters sind ein unwirtliches Flussland, in dem sie Grenzen zwischen Wasser und Land von Stunde zu Stunde variieren. Wo vor einer halben Stunde noch eine befestigte Straße war, läuft kurz darauf genau dort der Fluss entlang. Für einen freilaufenden Mörder der perfekte Ort, um seine Spuren zu verwischen…

Wenn man es von der einen Seite betrachtet, dann trägt die Umgebung schon zur Stimmung bei. Das Wetter ist unberechenbar, genauso wie es auch der Handlungsverlauf ist. Es stürmt, es regnet, es wird schlagartig dunkel. Natürlich bleibt das nicht ohne Auswirkung auf die ganze Atmosphäre. Aber wie schon bei Band 2 der Reihe war es mir einfach zu viel. Beckett ergeht sich in seitenlangen Landschaftsbeschreibungen und Wetterberichten. Das allein hat schon gereicht, um die Handlung zu ziehen wie Kaugummi.

Aber auch der Fall an sich hilft dem nicht ab. An sich versteckt sich dahinter eine ganz gute Idee, nicht weltbewegend, aber in Ordnung. Allerdings hapert es auch hier an der Ausführung. Über weite Teile des Buches spielten die angeschwemmten Leichen(-teile) kaum bis gar keine Rolle. Es passiert einfach nichts. Wenn man es mal mit deutlichen Worten sagen will: es waren sterbenslangweilig!! Als die Geschichte dann auf ihr Ende zusteuert und eigentlich das große Finale kommen müsste, da bäumt sich die Story nicht nochmal kraftvoll auf, sondern auch das Ende plätschert so lustlos vor sich hin.

An manchen Stellen habe ich mich durch David Hunter übrigens an Robert Langdon erinnert gefühlt. Ihr kennt den Wissenschaftler, der aus Illuminati und Sakrileg bekannt ist? Der hat in jedem neuen Buch eine neue Perle an seiner Seite. Und nun scheint auch David Hunter in jedem Hafen eine neue große Liebe zu haben. Wenn diese kleine Romanze der Story wenigstens einen Mehrwert gegeben hätte, dann bitteschön… soll es eben so sein. Aber von Kribbeln und Schmetterlingen war da auch keine Spur.

Mit dem fünften Teil der David Hunter-Reihe kommt Simon Beckett nicht einmal annähernd an die Vorgängerbücher heran. Bereits Teil 4 musste damals viel Kritik einstecken, wobei ich das Buch noch recht gut fand. Aber der aktuellste Teil hat die Kritik, die momentan auf das Buch einprasselt, meiner Meinung nach verdient. Beckett zeigt hier nicht einmal ansatzweise, dass er doch eigentlich ein brillianter Schriftsteller ist und es wirklich besser kann.


© Nellys Leseecke - Lesen bedeutet durch fremde Hand träumen

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(40)

85 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 10 Rezensionen

eve dallas, new york, krimi, zukunft, liebe

Rendezvous mit einem Mörder

J. D. Robb
E-Buch Text: 383 Seiten
Erschienen bei Blanvalet Taschenbuch Verlag, 31.10.2012
ISBN 9783641097066
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Eve Dallas ist Polizistin in New York und ist den Anblick schlimmer und brutaler Tatorte gewöhnt. Doch als sie zur Wohnung der lizensierten Gesellschafterin, wie Prostituierte zwischenzeitlich genannt werden, Sharon DeBlass gerufen wird, muss auch sie mit ihren Gefühlen klar kommen. Die junge Frau wurde mit einem Revolver erschossen, einer Waffe, wie man sie noch Ende des 20. Jahrhunderts benutzt hatte. Zwischenzeitlich sind sie antik und seltene Sammlerstücke. Schnell rückt Roarke, ein millionenschwerer, leicht geheimnisvoller Junggeselle, in den Mittelpunkt der Ermittlungen. Er hatte am Vortat von Sharons Tod ein Date mit der jungen Frau und außerdem ist er bekannt dafür, dass er antike Waffen in rauen Maßen sammelt. Doch als Eve den Geschäftsmann kennenlernt, wünscht sie sich, dass er nicht für den Mord verantwortlich ist.

Manchmal stöbert man so durch seine Wunschliste und stößt auf Bücher, an die man schon seit Monaten nicht mehr gedacht hat. So ging es mir mit Rendezvous mit einem Mörder. Bei Skoobe hab ich das Buch auch direkt entdeckt und da hab ich dann auch gleich mal geschaut, wieviele Nachfolgebände es zwischenzeitlich gibt. Da ist mir kurz die Spucke weggeblieben, als mir dann eine fast 35-teilige Reihe angezeigt wurde. Dann kam das Cover wieder hinzu, denn wenn ich ehrlich bin: die Gestaltung dieser Reihe ist genau meins. Die wäre bestimmt ein richtiger Eyecatcher in meinem Regal. Daher hatte ich soooo sehr gehofft, dass die Geschichte mich überzeugen kann.

Zu Beginn der Geschichte war ich noch überzeugt, dass es sich hierbei um einen „normalen“ Thriller handelt. Doch es dauert gar nicht lange, da fängt die Story an, sich von den 08-15-Thrillern abzuheben. Die Küche von Eve, der Protagonistin, reagiert auf Stimmsteuerung, in jedem Zimmer sind Computer eingerichtet und scheinbar ist Bildtelefonie etwas ganz normales. Denn in der Geschichte befinden wir uns in der Zukunft (da die Jahreszahl nie genannt wird, schätze ich ungefähr 2150).

Das gibt dem Buch von Anfang an einen gewissen Kitzel. Dabei empfand ich es als sehr angenehm, dass Robb hier nicht mit dem Finger auf ihr Setting zeigt, sondern dieses ganz unauffällig einfließen lässt und den Leser langsam aber sicher heranführt. Zumal es die Spannung steigert, inwieweit die „Zukunft“ eine Rolle in der Story spielen wird.

Neben dem Setting lernt man als Leser auch die Protagonistin nach und nach immer besser kennen. Eve Dallas ist auf den ersten Blick tough und unnahbar, soweit eigentlich nichts außergewöhnliches. Viele Protagonistinnen in Thrillern werden genauso dargestellt. Und die meisten haben auch eine nicht ganz einfache Vergangenheit. Die hat auch Eve. Doch J.D. Robb hat ihr darüber hinaus auch noch einen kleinen Gedächnisverlust verpasst, was dem Ganzen noch einen gewissen Kick gibt.

Eve wird ein junger, attraktiver und vor allem stinkreicher Junggeselle an die Seite gestellt. Roarke ist weltbekannt, selbstbewusst und beliebt. Er ist charmant und eloquent und ehrlich gesagt, hab ich mich selbst ein wenig verliebt. Eigentlich passen er und Eve sicher nicht zusammen, doch irgendwie knistert es zwischen ihnen. Die Liebesgeschichte, die auch ihren Raum findet, ist zauberhaft, aber nicht ktischig. Sie hat genau das richtige Gewicht bekommen, ist nicht zu aufdringlich und verschwindet auch nicht blass im Hintergrund. Die Mischung war perfekt.

Die Lösung des Falls war jetzt nicht so atemberaubend, dass ich wahrlich gedacht hätte, das habe ich noch nie gelesen, aber es bleiben keine Fragen offen und das Ende war stimmig. Aber der Weg dorthin hat mich wirklich mal wieder begeistert. Es war endlich mal wieder etwas, das ich so noch nie gelesen hatte. Einen „normalen“ Thriller aufzupeppen, indem man ihn einfach 150 Jahre in die Zukunft packt… einfach genial! Es wirkt einfach sehr natürlich, und gar nicht aufgesetzt oder gekünstelt. Und obwohl das Buch schon einige Jährchen auf dem Buckel hat und Disketten als ein wahres Wunderwerk der Technik angepriesen werden, merkt man der Story das Alter nicht an. Das Buch bleibt viel eher zeitlos und bleibt authentisch.

Der Fall an sich hat eigentlich auch alles, was man so von einem guten Thriller erwarten würde: Politik, Sex, Macht, Geld, Korruption… Immer wieder tauchen passende Verdächtige auf, die man schließlich aber doch wieder verwirft, weil J.D. Robb den Leser immer wieder an der Nase herumführt. Und obwohl ich manchmal das Gefühl hatte, dass der Kriminalfall gar nicht im Vordergrund der Erzählung steht, habe ich diesbezüglich wirklich nichts vermisst. Denn die Charaktere und das einzigartige Setting lenken die Leser immer wieder dorthin, wo die Autorin ihn gern haben möchte.

Alles in allem war ich lange nicht mehr so angetan von einem Buch. Meine Hoffnung, dass das Äußere mit dem Inneren mithalten kann, wurde komplett erfüllt. Eine vergleichbare Geschichte mag es vielleicht geben, mir ist sie allerdings noch nicht untergekommen. Das Thrillerelement ist unfraglich da, doch auch die etwas ungewöhnliche Liebesgeschichte findet ihren Raum. Ein bisschen verliebt habe ich mich auch in Roarke und daher freut nicht nur Eve sich auf das nächste Zusammentreffen, sondern auch ich.


© Nellys Leseecke - Lesen bedeutet durch fremde Hand träumen

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(88)

163 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 39 Rezensionen

london, sophie kinsella, liebe, landleben, frag nicht nach sonnenschein

Frag nicht nach Sonnenschein

Sophie Kinsella , Jörn Ingwersen
Flexibler Einband: 600 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 15.05.2017
ISBN 9783442485505
Genre: Liebesromane

Rezension:

London sollte es sein! Schon immer träumt Katie Brenner davon in dieser Stadt zu leben. Nach ihrem Studium verlässt sie den Bauernhof ihres Vaters, um endlich Großstadtluft zu schnuppern. Exklusive Restaurants, schicke Abendevents und die dazu passenden Menschen – so stellt sich Katie ihre Traumstadt vor. Und tatsächlich bekommt sie einen Job in einer Marketingfirma. Doch nicht als Designerin wie erhofft, sondern lediglich als Praktikantin, weswegen sie nichts anderes tut als den lieben langen Tag Umfragebögen auszuwerten. Und die Wohnung, in der sie hausen muss (übrigens gemeinsam mit zwei ganz komischen Mitbewohnern) ist kaum größer als ein Schuhkarton. Das Leben ist gar nicht so glamourös wie Katie das gerne nach außen über ihren Instagram-Account vorgibt. Doch immerhin ist sie in London und kann dort arbeiten und leben. Auch wenn es nicht perfekt ist, so kann Katie doch kleine Rückschläge einstecken. Bis zu dem Tag, an dem sie gekündigt wird und ihr Traum zu platzen droht.

Ehrlich zu sich selbst zu sein kann manchmal schwieriger sein als es sich anhört. Solange man nur ein perfektes Bild nach außen abgibt scheint alles in Ordnung zu sein. So sieht das auch Katie. Solange sie nur bei Instagram großartige Bilder posten kann, die ein perfektes Leben vortäuschen, hält das wacklige Gebilde, das ihr Leben ist, sich noch irgendwie aufrecht. Man bekommt recht schnell ein Gefühl dafür, wie Katie denkt und tickt. Und irgendwie kann man sie verstehen. Wer will denn nicht nach Außen hin das Bild eines perfekten Lebens aufbauen?

Doch anstatt einer tatsächlichen Verbesserung, liefert das Leben für Katie einige Knüppel, die es ihr zwischen die Beine wirft. Und wieder kann man als Leser nicht anders, als Mitleid mit der jungen Frau zu haben. In der ersten Hälfte des Buches schafft Kinsella es wieder einmal, eine Protagonistin zu schaffen, wie sie einem tatsächlich über den Weg laufen könnte. Doch leider verliert sich dieses Verständnis im zweiten Teil des Buches. Wieder einmal bringt Sophie Kinsella es fertig, ihre Hauptdarstellerin so zu entwickeln, dass man als Leser nur noch kopfschütteln vor dem Buch sitzen kann. Katie wird rachsüchtig und zwar dermaßen, dass sie Aktionen bringt, bei denen einem wirklich jegliche Identifizierung abhandenkommt.

Na gut, aber in ihren Büchern laufen ja auch immer gutaussehende Traummänner rum. Und auch dieses Mal musste man nicht lange danach suchen. Alex, Katies Chef, ein attraktiver Jetsetter mit einem Haufen Geld und Lachfältchen, in die man sich natürlich verlieben muss. Nur leider hat Alex gar nicht so den großen Raum eingenommen. Im Mittelteil spielt er gar keine Rolle und wird erst wieder zum Ende hin präsent. Aber es muss ja nicht immer die klassische Love-Schmalz-Story sein.

Warum also nur eine durchschnittliche Bewertung für dieses Buch? „Frag nicht nach Sonnenschein“ muss zwei Punkte einbüßen, was allerdings nicht nur an der Geschichte lag. Zum einen zieht sich das Buch im Mittelteil wirklich hin. Es passiert wirklich wenig für diese vielen Seiten. Außerdem stürzt Katies Charakter ein wenig in den Keller. Sie war mir stellenweise wirklich unsympathisch und ihr Handeln war einfach nicht mehr nachvollziehbar. Dieser Umstand gepaart mit diesen inhaltsleeren Längen nimmt einem irgendwie den Spaß.

Ein weiterer Minuspunkt hat der Verlag zu verantworten. Denn leider offenbart der Klappentext viel – zu viel. Eigentlich erfährt man fast alles! Und das ist wirklich ungünstig. Denn ein wenig entdecken möchte man als Leser dann schon noch selbst, oder? Wer sich also überraschen lassen will, sollte den Klappentext wirklich nicht lesen.

Ein Lichtblick war wiederum das Ende der Story. Endlich war Katie wieder ein Mädel, mit dem man sich identifizieren kann und auch die Spannung kommt wieder. Es kommt auch wieder Tempo rein und wenn das ganze Buch so gewesen wäre, dann wäre das wirklich gut geworden. Davon hätte ich sehr gerne mehr gelesen.

Vom Schreibstil her war Sophie Kinsella auf jeden Fall sofort wiederzuerkennen. Wobei man zwischen ihren ChickLit- und ihren Jugendromanen unterscheiden muss. „Schau mir in die Augen, Aufrey“ hat durch einen wunderschönen, einfühlsamen Schreibtil bestochen, der es einem schwer gemacht hat, das Buch auch nur aus der Hand zu legen. Wenn man sich die Schnäppchenjägerin-Romane anschaut, dann fühlt man sich mit diesem Buch direkt daran erinnert. Es wirkt immer ein wenig so, als würde hier jemand gezwungen witzig sein wollen, nur leider geht das meistens voll nach hinten los. Dafür muss man Kinsella zu Gute halten, dass der Schreibstil dafür sehr leicht lesbar ist und die Seiten dann trotz aller Kritikpunkte an einem vorbeirauschen.

Sophie Kinsella kann es wirklich besser! Mit ihrem ersten Jugendroman hat sich mich vergangenes Jahr wirklich umgehauen, aber jetzt geht es wohl wieder auf eine Talfahrt zu. Und ich verstehe es nicht! Kinsella kann schreiben, sie hat es schon bewiesen. Doch immer wenn sie versucht, ihre Protagonistin witzig und spritzig erscheinen zu lassen, geht das irgendwie schief. Denn so schafft sie es einfach nicht, so vom „Durchschnittsbuch“ abzuheben.


© Nellys Leseecke - Lesen bedeutet durch fremde Hand träumen
Vielen Dank an den Goldmann Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(264)

458 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 26 Rezensionen

thriller, amnesie, joy fielding, gedächtnisverlust, missbrauch

Lauf, Jane, lauf!

Joy Fielding , Mechtild Sandberg-Ciletti
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 01.03.2004
ISBN 9783442457748
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Mitten in Boston findet sich eine junge Frau auf der Straßen wieder. Sie weiß ihren Namen nicht und ihr fehlen jegliche Erinnerungen daran, wer sie ist. Ihr Kleid ist blutverschmiert und in ihrer Manteltasche findet sie mehrere Bündel mit 100-Dollarscheinen. Wie kommt sie dorthin und wo kommt sie her? Und vor allem: was soll sie nun tun?

Schließlich wird sie im Krankenhaus erkannt. Ihr Name ist scheinbar Jane und sie ist mit dem angesehenen Kinderchirurg Michael verheiratet, der sich sofort rührend um seine Frau kümmert. Er nimmt sie mit in ein Haus, das sie nicht wiedererkennt, in dem sie aber nach Aussagen ihres Mannes mit diesem seit 11 Jahren lebt. Die Ärzte diagnostizieren eine hysterische Amnesie. Aufgrund eines belastenden Ereignisses hat sich ihre Psyche wohl einfach abgeschaltet, um Jane zu schützen. Ihr wird allerdings versprochen, dass die Erinnerungen wiederkommen werden, wenn ihr Unterbewusstsein hierzu bereit ist. Doch Jane quält sich mit dem Blut auf ihrem Kleid, das sie allen (auch ihrem Mann) verschwiegen hat. Was für ein Mensch ist sie? Und warum machen die Aussagen ihres Mannes in manchen Punkten so wenig Sinn? Und schließlich, warum setzt er sie permanent unter Drogen??

In diesem Buch gibt es eine unumstrittene Protagonistin. Eine junge Frau ohne Erinnerungen. Der Einstieg ist wohl für den Leser genauso abrupt wie für Jane selbst. Von jetzt auf gleich findet man sich auf den geschäftigen Straßen Bostons wieder, ohne zu wissen, wie man dort gelandet ist oder was man dort eigentlich will. Man bekommt durch diesen rapiden Einstieg ein ganz gutes Gefühl dafür, wie man sich in Janes Situation wohl fühlen muss. Es herrscht Ahnungslosigkeit und Verwirrung – im Buch und vor dem Buch. Und dieses Element zieht sich durch die ganze Geschichte. Denn als Leser weiß man nie mehr als Jane selbst.

Obwohl die Fakten zu Beginn des Buches erst einmal dünn sind, rauscht man in die Handlung eigentlich nur so rein. Das Tempo ist bereits auf Seite 1 rasend hoch. Allerdings kann Fielding diese Geschwindigkeit nicht halten. Nachdem Jane erkannt wurde und erfahren hat, dass sie verheiratet ist, wird sie von ihrem Mann abgeholt. Der scheint der perfekte Mensch zu sein. Nicht nur dass er sich ihrer liebevoll annimmt und scheinbar ein fürsorglicher Ehemann ist. Außerdem geht er als Kinderchirurg einer sehr angesehenen Tätigkeit nach und Jane wird schnell klar, dass die Menschen in ihrer Umgebung zu ihm aufsehen.

Nachdem das Buch also wirklich spannend beginnt, sackt der Spannungsbogen etwas in den Keller. Michael nimmt seine Frau mit nach Hause und stopft sie dort, mit Hilfe seiner Haushälterin, mit Medikamenten voll. Als Leser bekommt man schnell dieses beklemmende Gefühl, dass da irgendwas nicht stimmen kann. Das ist nun nicht unbedingt eine Überraschung, da Fielding eigentlich immer nach einem gewissen Schema schreibt. Ihre Storys drehen sich fast immer um eine gut situierte Frau im besten Alter, die mit einem scheinbar perfekten Mann verheiratet ist. Doch dieser Mann lässt seine Maske im Laufe der Handlung fallen und offenbart sein wahres Gesicht. Und dieses Schema hat sie auch in diesem Buch wieder angewandt.

Doch selbst wenn man Fielding vorher nicht kennt, merkt man schnell, dass der Mann nicht so astrein ist, wie er sich nach außen gibt. Jane versinkt immer mehr in Lethargie und wird von Medikamenten vollgepumpt. Doch richtig fassbare Anhaltspunkte für die Gründe fehlen über lange Zeit. Das nimmt der Geschichte einfach den Wind aus den Segeln. Hinzu kommt, dass Jane an einigen Stellen unverständlich passiv bleibt. Man bekommt einfach immer öfter das Gefühl, als würde man sie einfach mal schütteln müssen, damit sie aus ihrem Selbstmitleid wieder auftaucht und endlich mal was Neues erzählt.

Fielding schafft es dann aber trotzdem nochmals, die Kurve zu bekommen. Sie löst die Geheimnisse auf einmalige Art und Weise, wie nur sie es kann. Es bleiben nachher keine Fragen mehr offen. Ganz zufriedenstellend war das Ende aber letztlich doch nicht. Denn wo der Mittelteil mit einigen Längen aufwartet, geht es am Ende doch recht zügig. Vielleicht zu zügig. Die „Proportionen“ waren etwas ungleich verteilt.

Was die handelnden Charaktere angeht, ist eine differenzierte Darstellung nur bedingt gelungen. Jane selbst hat ihre Ecken und Kanten und wird keineswegs perfekt dargestellt. Schnell stellt sich heraus, dass sie bereits vor ihrem Gedächnisverlust zum Jähzorn neigte. Sie wird also gerade nicht perfektioniert und als zu glatt dargestellt. Das macht eine Identifikation mit ihr viel einfacher, da sie dadurch einfach menschlicher wirkte. Ihre Mann Michael dagegen war sehr klischeebehaftet.

Wenn man die Kritikpunkte nimmt und sie der sonstigen Geschichte gegenüberstellt, dann bleibt am Ende trotzdem ein richtig guter, packender Psychothriller übrig. Joy Fielding ist in jeder Zeile zu erkennen und obwohl sie fast immer die „gleiche Idee“ nimmt, kommen am Schluss dann trotzdem ganz unterschiedliche Geschichten dabei raus. Wie sie es macht, man weiß es nicht. Aber es funktioniert. Wer also nach einem spannenden Thriller sucht, in dessen Mittelpunkt eine Protagonistin steht, die auch mal Ecken und Kanten hat, der sollte wirklich dringend zu Lauf, Jane, lauf greifen.


© Nellys Leseecke - Lesen bedeutet durch fremde Hand träumen

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(16)

35 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

liebe, susan elizabeth phillips, schauspieler, intrige, neuanfang

Kein Mann für eine Nacht

Susan Elizabeth Phillips , Beate Darius
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 16.01.2017
ISBN 9783734104046
Genre: Liebesromane

Rezension:

Belinda weiß genau: sie ist fürs Scheinwerferlicht geboren. Also verlässt sie ihr Elternhaus und zieht nach Hollywood. Als größter Fan von James Dean ist ihr schnell klar, dass auch sie unbedingt Schauspielerin werden will. Sie trifft sich mit jedem, von dem sie sich einen Karriereschub verhofft. Eines Abends wird sie mit in den Garden of Allah genommen, einem Hotel, in dem sich die Schönen und Reichen tummeln. Doch Belindas Partystimmung erhält einen herben Schlag, als im Radio die Nachricht von James Deans Tod verbreitet wird. Doch sie wird in ihrer Trauer aufgefangen. Und zwar von keinem anderen als von Errol Flynn, einem etwas in die Jahre gekommenem Playboy, der einige erfolgreiche Filme hatte, sich aber zwischenzeitlich mehr für Alkohol und Frauen interessiert. Belinda weiß: diese Liaison ist nicht für ewig, aber vielleicht hilft die Verbindung ihrer eigenen Karriere. Doch als Errol sie dann tatsächlich verlässt, lässt er etwas zurück. Belinda ist schwanger…

Kein Mann für eine Nacht bildet den Auftaktband der Wynette Texas-Reihe, die nun auch schon ein paar Jahre auf dem Rücken hat. Nun gibt es Band 1 in neuer Aufmachung beim Goldmann-Verlag. Die Buchserie zeichnet sich dadurch aus, dass man als Leser in jedem Band eine andere junge Frau durch Dick und Dünn begleitet und die Bücher sich auch unabhängig voneinander lesen lassen sollen. Band 6 Der schönste Fehler meines Lebens hatte ich bereits vor einigen Jahre schon gelesen und daher kann ich bestätigen, dass die einzelnen Bücher nur wenig miteinander zu tun haben.

Während die neueren Teile der Reihe eher in die Liebesromanschiene fallen, würde ich hier eher von einem Schicksalsroman sprechen. Zunächst steht Belinda im Mittelpunkt der Erzählung und das viel länger als ich gedacht habe. Die Befüchtung, dass Klappentext und Inhalt nicht zusammenpassen, hat sich dann aber doch noch zerschlagen. Bevor Fleur als Protagonistin eingeführt wird, erhält man als Leser ein sehr detailliertes Bild ihrer Mutter. Und nicht nur, dass man deren Charakter kennenlernt. Susan Elizabeth Phillips bereitet ihre Bühne für ihren Star vor und erzählt deren Hintergrundgeschichte nicht nur bröckchenweise während der eigentlichen Handlung.

Belinda tritt etwas in den Hintergrund, sobald Fleur dann ihre eigentliche Rolle einnimmt. Sie soll nun den Traum ihrer Mutter leben. Belinda ist sich sicher, dass Fleur ins Rampenlicht gehört, wenn schon aus ihr kein großer Star geworden ist. Und plötzlich kriegt das Buch einen positiven Aufschwung. Zu Beginn plätschert die Geschichte etwas vor sich hin und Belinda ist nun einfach nicht der Charakter, der Everybodys Darling sein kann. Aber Fleurs Gefühle und Gedanken sind nachvollziehbar und man entwickelt schnell eine Art Sympathie für sie.

Die Handlung streckt sich über 30 Jahre hin. Zunächst begleitet man Fleur im Nonnenkonvent, bevor sie endlich auch zu ihrer Familie darf. Doch die ist eigentlich eine große Enttäuschung – die Liebe, nach der sie sich so sehr sehnt, erwartet sie dort vergebens. Susan Elizabeth Phillips haut ihrer Protagonistin wirklich einen Schicksalsschlag nach dem anderen um die Ohren. Das band mich als Leser zwar immer wieder an die Story, doch die Klischeekiste wurde da eben auch gerne bedient.

Zwei kleine Kritikpunkte sind mir im Kopf geblieben. Zum einen bettete SEP ihre Geschichte in ein Setting, das eigentlich für seinen Glitzer und Glamour bekannt ist – Hollywood sollte es sein. Nur kam eben das Stars-und-Sternchen-Feeling bei mir gar nicht auf. Das Erhabene und Glamouröse hat mir einfach gefehlt. Vielmehr steht immer wieder Fleurs wirklich nicht einfaches Leben im Mittelpunkt. Doch dass sie eigentlich im goldenen Käfig sitzt, hätte besser zur Geltung kommen können.

Und der zweite Punkt war der Verlauf. Irgendwie passiert eigentlich immer irgendetwas und trotzdem gab es zahlreiche Stelle, an denen sich das Buch etwas hinzieht. Die ganze Handlung hätte sich wahrscheinlich auch gut auf 100 bis 200 Seiten weniger darstellen lassen. Etwas geraffter hätte die Darstellung wirklich sein können.

Im Gegensatz zu dem Band der Reihe, das ich bereits kenne, ist die Atmosphäre allerdings eine ganz andere. Wer hier eine klassische Liebesgeschichte erwartet, der wird wohl enttäuscht sein. Philipps Schreibstil aus diesem frühen Werk ist noch etwas anders als man es von ihren aktuelleren Büchern kennt. Auch ihr Aufbau und die Charaktergestaltung unterscheiden sich davon doch sehr. Allerdings hat mir das Buch insgesamt ganz gut gefallen, weil es einfach mal was anderes war.

Wer bereits andere Bücher von Susan Elizabeth Phillips kennt, der wird von diesem Werk vielleicht überrascht sein. In diesem frühen Werk ist ihr Schreibstil noch anders, als man ihn heute kennt. Doch anders heißt noch lange nicht schlechter. Man muss da nur etwas unvoreingenommen an die Geschichte rangehen. Und wenn man über die Längen, die da teilweise auftauchen hinwegsehen kann, wird man mit einem Schicksal belohnt, das ich so noch nicht in einem Buch gefunden habe.


©Nellys Leseecke - Lesen bedeutet durch fremde Hand träumen
Vielen Dank an den Blanvalet Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(100)

195 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 80 Rezensionen

teufel, hölle, liebe, benne schröder, in der liebe ist die hölle los

In der Liebe ist die Hölle los

Benne Schröder
Flexibler Einband: 450 Seiten
Erschienen bei LYX, 24.04.2017
ISBN 9783736304499
Genre: Fantasy

Rezension:

Catalea Morgenstern ist eine spritzige junge Frau, die eigentlich mitten im Leben steht. Wäre da nicht ihre Familie… Die macht ihr nämlich ganz schön zu schaffen. Ihr Vater ist niemand anderer als der Teufel himself. Und der legt viel Wert darauf, dass die „Firma“ in den Händen der Familie bleibt. Dabei scheint Cataleas großer Bruder nicht genug zu sein, denn der Teufel verpflichtet auch Catalea und ihre Schwester Mia dazu, sich ihren Aufgaben anzunehmen. Zähneknirschend nimmt sie ihren Job als Todeshändlerin auf und sammelt die Seelen verstorbener Menschen ein, die für die Hölle bestimmt sind. Doch als sie eines schönen Tages während eines Jobs auf den Erben eines der großen Fürstenhäuser trifft, der dann vor ihren Augen erstochen wird und irgendjemand versucht, ihr den Mord in die Schuhe zu schieben, verflucht sie ihre Abstammung wie noch nie zuvor.

In der Liebe ist die Hölle los ist das erste Buch seit langem, auf das ich ganz alleine aufmerksam wurde, ohne, dass ich es auf einem anderen Blog gefunden hätte. Das „Stöber-Gefühl“ war mal wieder eine schöne Abwechslung. Und das Cover hat da auch eine bedeutende Rolle gespielt, denn die Farbkombination „Schwarz-Pink“ zieht mich an wie das Licht die Motten. Schließlich gekriegt hat mich dann die Idee des Autoren, die Tochter des Teufels mitten unter uns leben zu lassen.

Wenn es um Himmel und/oder Hölle geht, dann bin ich meist schnell Feuer und Flamme. Wenn der Autor dann auch noch mit Witz an die ganze Geschichte ran geht und das mit einem passenden Protagonisten kombiniert, hat er bei mir schon fast gewonnen. Und Benne Schröder hat in seinem ersten Buch da wirklich ein Händchen für bewiesen.

Catalea ist die Tochter des Teufels, doch eigentlich will sie das gar nicht. Als Halbblut ist sie an den Erdenkreis gebunden und lebt daher im Dieseits. Ihren Vater hat sie seit Jahren nicht mehr gesehen und eigentlich will sie mit der Firma, wie die Hölle zwischenzeitlich heißt, gar nichts zu tun haben. Doch leider bleibt ihr gar keine andere Wahl. Daher arbeitet sie seit kurzem als Todeshändlerin, sammelt verstorbene Seelen ein und verfrachtet sie ins Dunkel. Doch dann stirbt ein Erbe eines Fürstenhauses und irgendjemand will ihr den Mord in die Schuhe schieben.

Das Cover, der Klappentext und die Idee hinter dem Buch lässt eigentlich eher auf eine AutorIN schließen. Daher war ich wirklich skeptisch, als ich gesehen habe, dass ein Mann dieses Buch geschrieben hat und dazu noch ein sehr junger. Eine romantische Komödie und dann auch noch aus der Ich-Sicht einer Frau erzählt?? Puh, da hätte man es sich bestimmt leichter machen können. Denn heißt es nicht immer: Frauen muss Mann nicht verstehen, man muss sie nur lieben? Aber Benne Schröder scheint da wirklich ein kleines Wunder zu sein, denn er hat Catalea wirklich gut dargestellt.

Seinem Schreibstil merkt man wirklich nicht an, dass hier ein Mann über und mit einer Frau schreibt. Und das meine ich als Kompliment. Nicht nur, dass er sehr flüssig und leicht schreibt. Vor allem fällt einem auf, dass er die Gedanken, Probleme und Wünsche einer Frau bildlich darstellt und ich habe ihm das von der ersten Seite an abgenommen.

Der Hauptpluspunkt dieser Geschichte ist definitiv das Setting, die Idee und die passenden Charaktere dazu. Schröder hat sich nicht nur die 08-15-Hölle hergenommen, die wir alle kennen. Er hat seine ganz eigene Welt von Gut und Böse, Hell und Dunkel, Teufel und Gott geschaffen. Die Hölle ist nicht ein feuriger Ort, wo ein gehörnter Teufel auf einem Flammenthron sitzt. Vielmehr heißt die Hölle nicht einmal mehr ‚Hölle‘, sondern alle sprechen von der Firma und genau wie eine solche ist die auch aufgebaut.

Es gibt sieben großen Fürstenhäuser, die sich die Macht teilen, während der Teufel die komplette Firma anführt. Der Sterbevorgang ist ein rein bürokratischer Vorgang, nachdem die Todeshändler die Seelen eingesammelt hat. Formulare ausfüllen, Schlange stehen, Anträge stellen…. Alle wichtigen Informationen finden sich in einem Handbuch. Das hat wirklich Spaß gemacht, denn es war etwas Neues, etwas Originelles, was mich sofort gefangen genommen hat. Benne Schröder hat sich hier einer altbekannten Idee bedient und diese ganz neu, auf seine eigene Art, neu interpretiert. Und dabei geht er sogar noch weiter, aber hier will ich nicht zuviel verraten. Denn das Entdecken dieser vielen kleinen Einzelheiten macht sehr viel vom Charme des Buches aus.

Was die Charaktere angeht, da war ich etwas zwiegespalten. Von den einen war ich unglaublich begeistert. Timur beispielweise, den der Autor Catalea an die Seite gestellt hat, mochte ich trotz seiner dunklen, manchmal miesepetrigen Art wirklich sehr gerne. Das vor allem deshalb, weil von Anfang an durchscheint, dass da mehr hinter ihm steckt, als es auf den ersten Blick scheint. Und tatsächlich hat Benne Schröder sich für ihn eine ganz besondere Geschichte ausgedacht. Und auch den Teufel fand ich unglaublich gut gelungen. Zunächst bekommt man das Gefühl, als wäre er wirklich die Ausgeburt der Hölle, doch dann lernt der Leser ihn von einer ganz anderen Seite kennen und irgendwie mochte ich ihn nachher so gerne.

Auf der anderen Seite empfand ich den Charakter von Catalea als nicht so gelungen. Immer wieder wird vom Autor erzählt, dass Catalea doch eigentlich „gut“ sein will und auch nichts mit der Welt ihres Vaters anfangen kann. Doch so richtig zeigen tut uns Catalea das nicht. Ihr inneres Biest versucht sie zunächst unter Verschluss zu halten, mit der Zeit arrangiert sie sich aber damit. Leider wurde der Unterschied einfach nicht so wirklich deutlich.

Benne Schröder hat mich wirklich überrascht. Ein männlicher Autor, der sich so schön in eine weibliche Protagonistin eindenken kann, verdient einfach meinen Respekt. Hinzu kommt eine ausgefallene Idee und die meisten der Charaktere konnten mich darüber hinaus auch überzeugen. Alles in allem ein abwechslungsreiches, humorvolles und ein etwas anderes Lesevergnügen.


© Nellys Leseecke - Lesen bedeutet durch fremde Hand träumen

Vielen Dank an NetGalley und Bastei Lübbe für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(42)

103 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

familiensaga, sibirien, jeffrey archer, england, london

Die Wege der Macht

Jeffrey Archer , Martin Ruf
Flexibler Einband: 560 Seiten
Erschienen bei Heyne, 10.04.2017
ISBN 9783453419926
Genre: Historische Romane

Rezension:

In schöner Regelmäßigkeit kommen die neuen Bände der Clifton-Saga in die Läden. Und ich glaube, dass es sich um die einzige Reihe handelt, bei der ich immer direkt nach Erscheinen zum neusten Teil greifen muss. Zwischenzeitlich fühlt es sich jedes Mal wieder an wie ein Klassentreffen mit alten Freunden. Die Charaktere wachsen langsam heran und je länger man sie in ihrem Leben begleitet, desto mehr wachsen sie einem auch ans Herz. Wie sich die geliebten Charaktere dieses Mal in ihrer Geschichte zurechtfanden, berichte ich euch heute.

Achtung! Bei dem Buch handelt es sich um die Fortsetzung einer Reihe, weswegen die Rezension Spoiler enthalten kann!

Der Inhalt

Die Wege der Familien Clifton und Barrington sind gezeichnet von Glück und Leid, von Machtspielen und Schicksalsschlägen. Während sich sein Jugendfreund Giles in eine Frau mit dunkler Vergangenheit verliebt, reist Harry Clifton nach Sibirien. Harry will dem dort inhaftierten Schriftsteller Babakow helfen – und bringt sich damit in große Gefahr. Auch für seine Frau Emma, die der Barrington-Gesellschaft vorsteht, schlägt eine schwere Stunde …
[ Quelle: Heyne ]

Meine Meinung

Wieder einmal stürzt man sich kopfüber in die Story, denn auch zum Ende des vierten Teils hat Jeffrey Archer uns mit einem miesen Cliffhanger zurück gelassen. Die Buckingham ist auf ihrer Jungfernfahrt nach New York. An Bord sind natürlich auch Harry und Emma. Und letztere ist ganz angetan von dem schönen Blumenarrangement, das ihr die Queen geschickt hat. Doch mitten in der Nacht fällt Harry ein Fehler in der beiliegenden Karte auf und er ist sich sicher, dass dieses Geschenk garantiert nicht von der Königin kommt. Er vermutet eine Bombe in der riesigen Vase und schafft es mit Hilfe von Giles gerade noch rechtzeitig, die Vase über die Reling des Schiffes zu werfen.

Durch einen wie gewohnt fesselnden Einstieg in die Geschichte ist man direkt von Seite 1 an gefesselt. Auch wenn Archer in jedem Buch eine Vielzahl von Charaktere auftreten lässt, freut man sich auf die Hauptcharaktere Emma, Harry und Giles schon wie auf alte Freunde. Wie schon bei den Vorgänger gefällt es mir wirkich gut, wenn die Teile nahtlos aneinander anschließen. Und dieses Stilmittels bedient sich Archer auch hier wieder. Das Buch umfasst dabei dieses Mal „nur“ sieben Jahre, von 1964-1970.

Auch sonst fallen einem viele Gemeinsamkeiten zu den vier Vorgängern auf. Und dieses Mal leider mehr als mir lieb gewesen wäre. Emma kämpft dieses Mal um ihren Platz im Barrington Vorstand, nachdem Lady Virginia ihr eine Verleumdungsklage an den Hals gehängt hat. Wieder einmal schafft es Giles Ex-Frau, der Familie wo es nur geht, Steine in den Weg zu legen. Harry hat sich dagegen eine ganz andere Aufgabe gesetzt. Er ist auf den russischen Autoren Anatoli Babkow aufmerksam geworden. Dieser war jahrelang Dolmetscher von Stalin und hatte nach dessen Tod „ein Enthüllungsbuch“ geschrieben. Dieses verschwindet allerdings aus sämtlichen Buchläden, bevor auch nur ein einziges Exemplar verkauft werden kann. Babakow wurde ein Schauprozess gemacht und seither ist er spurlos inhaftiert worden. Harry will sich für dessen Freilassung einsetzen.

Giles ist mittlerweile ja Minister der aktuellen Regierung. Daher gibt er seinen Vorstandssitz bei Barrington auf. Geprägt wird seine Geschichte aber allerdings durch Liebesdinge. Seine Ehe steht vor dem Aus, da die Nähe zwischen ihm und seiner Frau verschwunden ist. Auf einer Konferenz lernt er Karin kennen und verliebt sich in sie, obwohl er immer wieder den Verdacht hat, sie würde für den KGB arbeiten. Doch seine Affäre bleibt nicht ohne Folgen.

Wenn man die Vorgängerbücher gelesen hat und kennt, dann wird man mit dem Schema, das Jeffrey Archer hier bedient, bereits Bekanntschaft gemacht habe. Denn dieses Mal ist es mir irgendwie negativ aufgefallen, dass sich die Geschichte immer wieder wiederholt. Einen großen Gegenspieler hat das Barrington Unternehmen immer, die unterscheiden sich meist nur in der Persona non grata, welche sich der Bösewicht ausgesucht hat. In Die Wege der Macht intregiert Lady Virginia dieses Mal gegen Emma. Natürlich war es wieder spannend, dabei zuschauen zu dürfen, wie die ganze Situation sich entwickelt und wie die Charaktere eine Lösung zu finden versuchen. Aber irgendwie hatte ich ständig die kleine Stimme im Kopf: „das kennst Du schon…“.

Dass Archers Charaktere stellenweise tief aus der Klischeekiste gehüpft sind, habe ich bereits in vorhergegangenen Rezensionen erwähnt. Und so richtig böse fand ich immer Don Pedro, der in Teil 3 und 4 eine große Rolle gespielt hat. Er erinnerte mich irgendwie immer ein wenig an einen Mafiapate. Und ich mochte ihn. Vor allem spielte er ja gerade im vorhergegangenen vierten Teil eine große Rolle und war auch für die Intrige verantwortlich, durch die der Cliffhanger so besonders fies geworden ist.

Dass Jeffrey Archer kein Problem damit hat, geliebte Charaktere sterben und verschwinden zu lassen, hat er mehr als einmal eindrucksvoll bewiesen. Und auch Don Pedros Tage waren wohl gezählt (zumindest in der Story). Zum einen fand ich es schon schade, dass er im neuen Teil so gar keine Rolle mehr spielt. Aber der Abgang an sich war der Story wirklich nicht würdig.

Mein Fazit

Daher empfand ich Die Wege der Macht bisher als den schwächsten Teil, da nur wenig Neues dazu kam, das „gute“ Alte an Gewicht verliert und ansonsten die Story etwas vor sich hinplätschert. so die richtige Spannung kam nicht auf, es war allerdings trotzdem wieder eine ganz nette Lektüre. Ich hatte erwartet, dass Jeffrey Archer mal wieder mit etwas Neuem um die Ecke kam. Ich hoffe da nun auf den nächsten Band, der ja dieses Jahr noch erscheint.

© Nellys Leseecke - Lesen bedeutet durch fremde Hand träumen
Vielen Dank an den Heyne Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(348)

753 Bibliotheken, 12 Leser, 1 Gruppe, 90 Rezensionen

marissa meyer, wie monde so silbern, märchen, cyborg, cinder

Wie Monde so silbern

Marissa Meyer , Astrid Becker
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 28.07.2016
ISBN 9783551315281
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Kennt ihr das, wenn richtig tolle Bücher einfach über Monate hinweg an euch vorbei gehen? Mit der Luna-Chronik ging es mir genauso. Auf Jess‘ Blog habe ich immer die tollen Cover der englischen Ausgaben bewundert. Nachdem ich allerdings so ungern englisch lese, hab ich mir über das Thema gar keine großen Gedanken mehr gemacht. Und natürlich kannte ich auch die deutschen Ausgaben vom Carlsen Verlag. Die sind wirklich hübsch, aber nachdem die Umschlaggestaltung so gar keinen Rückschluss auf den Inhalt zulässt, war da mein Interesse immer noch nicht geweckt. Erst als ich die Verknüpfung bemerkte, war ich Feuer und Flamme.

Der Inhalt

Cinder lebt bei ihrer Stiefmutter und ihren zwei Stiefschwestern, arbeitet als Mechanikerin und versucht gegen alle Widerstände, sich nicht unterkriegen zu lassen. Als eines Tages in unauffälliger Kleidung niemand anderes als Prinz Kai an ihrem Marktstand auftaucht, wirft das unzählige Fragen auf: Warum braucht Kai ihre Hilfe? Und was hat es mit dem plötzlichen Besuch der Königin von Luna auf sich, die den Prinzen unbedingt heiraten will?

Die Ereignisse überschlagen sich, bis sie in dem großen Ball, auf dem Cinder sich einschmuggelt, ihren Höhepunkt finden. Und diesmal wird Cinder mehr verlieren als nur ihren Schuh …
[ Quelle: Carlsen ]

Meine Meinung

Cinder lebt in einer Zukunft, die sich von unserer Welt merklich unterscheidet. Künstliche Intelligenz und Roboter gehören genauso auf die Straße wie „normale“ Menschen. Cinder selbst besteht zu großen Teilen aus mechanischen und elektrischen Bestandteilen, die ihr eingepflanzt wurden, um sie am Leben zu erhalten. Gemeinsam mit ihrer Stiefmutter und ihren beiden Stiefschwestern lebt sie in einer kleinen Wohnung und versucht, sich und die Familie durch die Arbeit in der Werkstatt über Wasser zu halten.

Eines Tages betritt niemand anderes als Prinz Kai ihre kleine schmutzige Werkstatt, um eine Androidin zur Reparatur zu bringen. Die beiden sind sich, trotz ihrer unterschiedlichen sozialen Schichten, sofort sympathisch und Prinz und Mechanikerin freunden sich an. Doch plötzlich fangen die Ereignisse an, sich zu überschlagen. Cinders Schwester erkrankt plötzlich schwer und auch Cinder scheint sich angesteckt zu haben. Und dann ist die ganze Stadt auch noch in Aufruhr, weil die Königin von Luna der Erde seit Ewigkeiten den ersten Besuch abstattet…

Die etwas andere Märchenadaption

Wie Monde so silbern ist eine Märchenadaption zu Cinderella (oder wie es bei uns im Schwabenland heißt: Aschenputtel). Hinzu kommt natürlich die Si-Fi-Komponente. Das hört sich erst einmal abenteuerlich an und im Grunde ist es das auch. Und ehrlich gesagt war ich wirklich skeptisch zu Beginn des Buches. Und man muss auch mal überlegen: wenn man sein Leben lang eine Leseratte ist, dann fangen die Geschichten irgendwann an, sich zu wiederholen, bekannt zu erscheinen oder nichts Neues mehr zu liefern. Doch Marissa Meyer kommt hier mit einer ganz neuen Idee um die Ecke, indem sie das Bekannte mit dem Neuen verbindet.

Die Parallelen zu Cinderella sind auf den ersten Blick nicht wegzudiskutieren, doch Marissa Meyer weicht auch an vielen Stellen krass von der Märchenvorlage ab. Sie kopiert nicht eine fremde Geschichte, sondern bastelt sich aus den besten Komponenten eine ganz eigene Idee. Je weiter die Geschichte voranschritt, desto mehr setzte sie sich von der Vorlage ab. Doch schon zu Beginn grenzt sich die Idee ab, etwa in dem es zwar zwei Stiefschwestern gibt, Cinder sich allerdings mit einer der beiden wirklich gut versteht.

Cinder und der Märchenprinz – das war mal was Neues

Die Autorin überzeugt aber nicht nur mit einer einzigartigen Idee, sondern punktet eigentlich auf ganzer Linie. Langsam wird man als Leser in die dystopische Welt eingeführt, in der sich alles abspielt. Und erstaunlicherweise hatte ich alles sofort direkt vor Augen und konnte mir die Umgebung und das Setting bildlich vorstellen. Die Atmosphäre war quasi greifbar.

Auch die Charakterzeichnung ist beispiellos. Cinder hat ihre Ecken und Kanten, ist bei weitem nicht perfekt und trotzdem sehr sympathisch. Trotz meiner Befürchtungen wurde die Klischeekiste hier verschlossen gelassen. Durch ihre Vorgeschichte bekam Cinder außerdem eine interessante Tiefe verpasst, die sie über die komplette Länge des Buches etwas geheimnisvoll werden ließ.

Den Prinzen empfand ich dagegen als etwas blass, was mich komischerweise aber gar nicht gestört hat. Er war eben der typische Märchenprinz, wenn auch etwas an die „modernere“ Zeit angepasst. Doch immer noch ist er der wohl bestaussehendste Junggeselle, der in der Stadt rumläuft und wird natürlich von den Mädels umschwärmt wie das Licht von den Motten. Und selbstredend ist er nett, zuvorkommend und auch sonst Everybodys Darling. Er hebt sich kaum durch ausbrechende Charaktereigenschaften vom klassischen 08-15 Prinzen ab, allerdings tut dies der Geschichte wirklich keinen Abbruch.

Eine Ende, wie ich es noch nicht kannte

Was einen perfekten Spannungsbogen angeht, da kann man nur sagen, dass Marissa Meyer hierfür wirklich ein gutes Händchen hat. Zunächst führt sie ihren Leser in die neue dystopische Welt ein und erklärt, wie die Dinge dort laufen. Gleichzeitig kommt die Geschichte in Gang, wodurch man einen sehr angenehmen Einstieg ins Buch hat. Je weiter die Geschichte dann voranschreitet, desto spannender wird es auch. Das Tempo zieht nach und nach an. Und zum Schluss hin wird es dann wirklich so prickelnd, dass man das Buch kaum noch aus der Hand legen mag.

Die Gestaltung des Endes fand ich höchst interessant, weil es 1. ganz anders war als ich gedacht hatte und 2. darauf hinweist, dass Cinder in Teil 2 der Reihe nicht mehr im Mittelpunkt der Erzählung stehen wird, aber trotzdem weiterhin eine Rolle spielen kann.

Mein Fazit

Wenn man dieses Buch aufschlägt, weiß man gar nicht, was da auf einen zukommt. Ehrlich gesagt kann ich es auch jetzt nur schlecht beschreiben. Aber die Mischung macht es hier. Marissa Meyer bedient sich hier einiger beliebter Elemente und kombiniert sie auf grandiose Art und Weise. Man reist in eine komplett neue Welt und lässt sich von den Charakteren unglaublich schnell um den Finger wickeln. Auch wenn Cover und Klappentext nicht ganz aufschlussreich sind, so solltet ihr diesem Buch unbedingt eine Chance geben. Ich verspreche euch: es lohnt sich!!

© Nellys Leseecke - Lesen bedeutet durch fremde Hand träumen

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(122)

247 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 68 Rezensionen

japan, mord, geständnisse, schule, schuld

Geständnisse

Kanae Minato , Sabine Lohmann
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei C. Bertelsmann, 27.03.2017
ISBN 9783570102909
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Kennt ihr das, wenn ein Buch schneller bei euch landet, als ihr darüber nachdenken könnt? So ähnlich ging es mir mit Geständnisse. Ich hab es im Bloggerportal gesehen, das Cover sofort geliebt und der Klappentext war ganz vielversprechend. Als es dann vor mir lag, hat es mich dann aber irgendwie nicht angemacht. Aber „Augen zu und durch“ war die Devise. Was dann kam, damit hatte ich nicht gerechnet.

Der Inhalt

Die kleine Tochter der alleinerziehenden Lehrerin Moriguchi ist im Schulschwimmbad ertrunken; ein tragischer Unfall, wie es scheint. Wenige Wochen später kündigt Moriguchi ihre Stelle an der Schule, doch zuvor will sie ihrer Klasse noch eine letzte Lektion mit auf den Weg geben. Denn sie weiß, dass ihre Schüler Schuld am Tod ihrer Tochter haben. Mit einer erschütternden Offenbarung setzt sie unter ihnen ein tödliches Drama um Schuld und Rache, um Gewalt und Wahnsinn in Gang, an dessen Ende keiner – weder Kind noch Erwachsener – ungeschoren davonkommt.

Mit immenser Sogwirkung und einem unbestechlichen Blick auf die menschlichen Abgründe erzählt die ehemalige Lehrerin Kanae Minato eine faszinierend-verstörende Geschichte voller unerwarteter Wendungen. Ein packender Roman, dessen Stimmen den Leser noch lange begleiten.
[ Quelle: C.Bertelsmann ]

Meine Meinung

Moriguchi ist Lehrerin einer siebten Klasse. Am letzten Tag des Schuljahres eröffnet sie den Kindern, dass sie im darauffolgenden Jahr nicht mehr an der Schule sein wird. Das hat damit zu tun, dass ihre vierjährige Tochter Manami erst vor einigen Wochen im Schulschwimmbecken ertrunken ist. Aber sie hängt ihren Job nicht wegen der erdrückenden Trauer, die sie unzweifelhaft begleitet, an den Nagel. Es ist Rache, die sie antreibt. Denn Moriguchi weiß, dass ihre Tochter nicht durch einen Unfall gestorben ist, sondern ermordet wurde. Und sie weiß auch: es waren zwei ihrer 13-jährigen Schüler, die sie umgebracht haben. Und da sie nicht an das herrschende Jugendstrafrecht glaubt, hat Moriguchi ihren ganz eigenen Plan ausgeheckt.

Moriguchi verschwindet dann erst einmal von der Bilfläche und durch ihr Rache setzt sie eine Kette von Ereignissen in Gang, die sich nicht mehr aufhalten lassen.

Eine Rache, die eine ganze Kette an Ereignissen in Gang setzt

Das Buch beginnt mit einer Ansprache der Lehrerin, die sich über das komplette erste Kapitel zieht. Sie spricht dabei auch direkt einige Schüler an, die direkt vor ihr sitzen. Das fand ich im ersten Moment etwas gewöhnungsbedürftig. Die ersten 10-15 Seiten war ich mir sicher, dass dieses Buch mich nicht begeistern können wird. Doch dann beginnt Miroguchi zu erzählen… vom Tod ihrer Tochter, von ihren Gedanken und Gefühlen, von ihren Zweifeln daran, dass die Täter ihrer gerechten Strafe zugeführt wird, auch davon, warum sie dieser Ansicht ist. Die Story wickelt einen schneller um den Finger als man schauen kann.

Und plötzlich kann man das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Es ist so unfassbar böse und erschütternd. Und das, obwohl mich an manchen Stellen eine kleine Stimme gestört hat, die mir einzuflüstern versucht hat, dass es doch vielleicht ein wenig unrealistisch ist. Aber hey! Zum einen lese ich hier ja keinen Erfahrungsbericht, sondern einen Roman und zum anderen: manchmal ist die Welt tatsächlich so krotesk, wie Kanae Minato es hier darstellt.

Da ich noch nie ein Buch eines japanischen Autors gelesen habe (zumindest könnte ich mich jetzt daran nicht erinnern), war ich anfangs skeptisch, ob das mit Minato und mir was wird. Und man merkt die doch abweichende Mentalität und Kultur an manchen Stellen. Aber das Setting passte einfach grandios zur Geschichte. Gerade weil die Schule in Japan ja wirklich nochmal einen ganz anderen Stellenwert hat als das bei uns der Fall ist.

Ein Thema – sechs unterschiedliche Sichtweisen

Das Buch ist in sechs Kapitel unterteilt, wobei sich jedes Kapitel grob um das gleiche Thema dreht. Doch in jedem Kapitel wechselt die Erzählperspektive und es kommt immer „etwas“ dazu. Man erfährt immer etwas mehr über die ganze Geschichte und vor allem bekommt man das Geschehene auch aus unterschiedlichen Sichten erzählt. Das führt dazu, dass man nichts als wahr hinnimmt, bis man es auch von der Person erzählt bekommt, die tatsächlich dabei war. Das machte das Ganze richtig prickelnd spannend.

Schließlich überraschte mich die Autorin mit einem recht ungewöhnlichen Spannungsbogen. Zu Ende des ersten Kapitels schießt die Geschichte direkt einmal durch die Decke. Ich hatte das erste Mal seit langem wieder diesen „Atemlos-Effekt“, den man kennt, wenn etwas in einem Buch vorkommt, das einen total umhaut. Dann schlägt die Geschichte allerdings ein etwas ruhigeres Tempo an und zieht zum Schluss hin wieder an. Durch diesen „Paukenschlag“ zu Beginn ist man als Leser aber hellwach und mittendrin. Es war einfach genial!

Mein Fazit

Ohne große Erwartungen, sogar etwas skeptisch, habe ich das Buch aufgeschlagen und es hat mich total eingefangen. Die Geschichte kannte ich so noch nicht. Und das ist ja zwischenzeitlich oft das Problem im Thrillerbereich. Man liest das Buch und denkt sich: die Idee hat Autor XY auch schon gehabt. Aber hier gibt es wirklich einmal etwas Neues zu entdecken. Hinzu kommt, dass Minatos Schreibstil ein ganz außergewöhnlicher ist, der mir persönlich zugesagt hat. Die Spannung war an genau den richtigen Stellen da. Alles in allem ein richtig, richtig gutes Buch!

© Nellys Leseecke - Lesen bedeutet durch fremde Hand träumen
Vielen Dank an den C.Bertelsmann Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars

  (2)
Tags:  
 
259 Ergebnisse

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach!

Hol dir mehr von LovelyBooks