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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

frankfurter schule, gesellschaft, gesellschaftskritik, identität, konflikte, philosophie

Kampf um Anerkennung

Axel Honneth
Flexibler Einband: 301 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 28.07.2010
ISBN 9783518287293
Genre: Sachbücher

Rezension:

Axel Honneth gehört bereits zu den Klassikern der kritischen Theorie. Nach Adorno/Horkheimer und Habermas/Apel vertritt er die dritte Generation der Frankfurter Schule. Dieses Buch ist aus seiner Habilitation entstanden und will, in Antwort auf die Schriften Foucaults, das theoretische Fundament einer normativen Gesellschaftstheorie auf Grundlage eines anerkennungstheoretischen Konzepts menschlichen Lebens legen.

Dies ist ein Fachbuch und deshalb ist der akademische Stil und die debattenorientierte Behandlung des Themas Programm. Honneth setzt, ganz in der Tradition der FS, bei Hegel an, geht dann mit G. H. Mead darüber hinaus und macht im dritten Schritt Vorschläge, wie das anspruchsvolle Programm einer öffentlichen Wertegemeinschaft unter Bedingungen der Moderne einzulösen wäre.

Spannend ist der Einstieg, wenn Honneth die entscheidende Einsicht des jungen Hegel in Jena rekonstruiert. Dieser hatte ein vorausweisendes Konzept eines "Kampfes um Anerkennung" als eines moralischen Bildungsprozesses der Gesellschaft entworfen, allerdings dieses Potential durch Preisgabe einer der individuellen Selbstverwirklichung vorgänigen Intersubjektivität nicht entfaltet.

Honneth setzt bei der Sozialpsychologie Meads an, um durch die Wiedergewinnung der vorgänigen Intersubjektivität in Meads Interaktionismus den Weg für eine Entwicklung jenseits der bloßen Rechtsgemeinschaft frei zu machen. Allerdings fehle bei Mead die familiäre Dimension, die Honneth im Anschluss an die psychoanalytische Theorie der Objektbeziehung einzuholen gedenkt. In der Differenzierung der Erfahrungen von Mißachtungen erarbeitet Honneth dann sowohl den motivationalen Hintergrund für den "Kampf um Anerkennung" als auch die groben Umrisse eines formalen Konzeptes der Sittlichkeit.

Letztlich eröffnet Honneth die Spannung zwischen dem Pluralismus einer posttraditionalen Gesellschaft einerseits und dem integrierenden Charakter einer öffentlichen Sittlichkeit. Gerade in der Austragung dieser Spannung und dem Verständnis ihres formalen Rahmen kann der aufklärende Charakter kritischer Theoriebildung liegen - die konkreten Gehalte dieser öffentlichen Sittlichkeit, d.h. einer gemeinsamen Vorstellung eines guten Lebens, sind nicht mehr Gegenstand der Theoriebildung, sondern der konkreten gesellschaftlichen Kämpfe um Anerkennung.

Ein außerordentlich spannendes Buch - mit einem dichten theoretischen Faden. Mit umfangreichem Wissen steuert Honneth direkt auf die theoretischen Kernpunkte verschiedener theoretischer Felder zu und integriert diese theoretisch stimmig. Man hätte sich vielleicht die Auseinandersetzung mit Mead und der Objektbeziehungstheorie ähnlich detailliert gewünscht, wie jene mit dem jungen Hegel. Auch eine weitere Aktualisierung wäre denkbar. Doch für eine theoretische Grundlegung, die dieses Buch leisten will, findet Honneth einen hervorragenden Rahmen mit vielen theoretischen und praktischen Anknüpfungsmöglichkeiten.

Eine lohnende Lektüre für alle, die eine tiefe Auseinandersetzung mit einer neueren Generation kritischer Theorie der Gesellschaft schätzen.

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Tags: frankfurter schule, gesellschaft, gesellschaftskritik, identität, konflikte, philosophie   (6)
 

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

philosophie, sachbuch

Das Ziel ist im Weg

Ina Schmidt
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 24.04.2017
ISBN 9783785725832
Genre: Sachbücher

Rezension:  
Tags: philosophie, sachbuch   (2)
 

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luther, mittelalter, protestantismus, reformation, religion, rowohlt

Warum Luther die Reformation versemmelt hat

Friedrich Christian Delius
Fester Einband: 64 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 10.03.2017
ISBN 9783499610547
Genre: Sachbücher

Rezension:  
Tags: luther, mittelalter, protestantismus, reformation, religion, rowohlt   (6)
 

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158 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 18 Rezensionen

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Das Café am Rande der Welt

John Strelecky , Bettina Lemke
Flexibler Einband: 176 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.12.2014
ISBN 9783423253574
Genre: Sachbücher

Rezension:  
Tags: amerika, erzählung, philosophie, sinn des lebens   (4)
 

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biographie, geistesgeschichte, geschichte, hesse helge, philosophie, sachbuch

Mit Platon und Marilyn im Zug

Helge Hesse
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Piper, 04.10.2016
ISBN 9783492057516
Genre: Sachbücher

Rezension:

„Heloise hatte als Frau keine Wahl. Und doch traf sie eine.“ Es sind Sätze wie diese, mit denen Helge Hesse historische Themen zu Momenten der Entscheidung von Menschen aus Fleisch und Blut werden lässt. Wenn Sie persönlich an Geschichte interessiert sind, an Biographien und daran, was man aus ihnen lernen kann, dann ist dieses Buch für Sie das richtige.

Hesse findet immer einen persönlichen Zugang. Er kann Situationen anschaulich schildern und historische Persönlichkeiten lebendig werden lassen. Nicht nur in seinen facettenreichen Beschreibungen, sondern auch darin, wie er die Figuren agieren lässt. Er hält sich dabei an die historischen Fakten, aber schafft es – wo es die Faktenlage zulässt – packende Erzählungen zu spinnen.

Hesse schreibt eloquent, arrangiert chronologisch, liefert teilweise etwas mehr Daten und Fakten als in Sachbüchern üblich. Aber auffällig ist sein Gespür für emotionale Befindlichkeiten. Ob Ablélard, Wittgenstein oder Marilyn Monroe, man versteht als Leser, worum es ihnen geht, was sie antreibt und mit welchen äußeren und inneren Hindernissen sie kämpfen – alles Elemente guter Erzählungen.

Besonders gelungen ist etwa das Kapitel über die tragische Liebe des Philosophen Abaelard und der jungen Heloise – ein geradezu shakespeareskes Drama im mittelalterlichen Paris.
Ansonsten fließt das Buch dann am natürlichsten und geistreichsten, wenn es um politische oder wirtschaftliche Zusammenhänge geht. An der Bekanntschaft des Renaissance-Philosophen Machiavelli mit dem Fürsten Cesare Borgia oder der eigentümlichen Begegnung Bismarcks mit dem Arbeiterführer Ferdinand Lasalle entfaltet Hesse wie ein Prisma die wechselnden Bedingungen und Interessen der Akteure.

Die gute Balance zwischen Erzählung und Fakten schafft, was gute erzählende Sachbücher ausmacht: Der Leser folgt der inneren Bewegung einer Erzählung und erlebt Fakten als bedeutsam, weil er weiß, was von ihnen abhängt.

Wen der Name Platon zögern lässt, der sei beruhigt. Das erste Kapitel kommt zwar (schon aufgrund der dünnen Faktenlage) etwas gedankenlastig daher. Doch man kann nur hoffen, dass dieses Leser nicht davon abhält, die wirklichen Schätze des Buches zu heben. Das Buch erhebt keinen moralischen Zeigefinger, macht keine komplizierten Theorien mundgerecht und belehrt auch nicht mit allgemeinen Antworten auf die großen Fragen des Lebens. Das Buch tut etwas viel Wertvolleres.

Es gibt vieles im Leben, das wir nicht durch Regeln oder Traktate lernen, sondern nur durch Erfahrungen im Leben selbst: Menschenkenntnis, Situationsgespür, Taktgefühl etc. Die dafür prägenden Erfahrungen teilen wir seit Menschengedenken durch Erzählungen. Solche Erfahrungen kristallisieren sich hier in Lebensgängen bekannter Persönlichkeiten, durchaus als Beitrag zu einer modernen Mythologie vergleichbar. Indem Hesse die Erfahrungen historischer Persönlichkeiten den Leser miterleben lässt, macht er den menschlichen Erfahrungsgehalt von Geschichte zugänglich. Stärker als jede zusammenfassende „Moral von der Geschicht“ sprechen die Erzählungen selbst.

Klare Leseempfehlung – und man darf auf weitere Bücher des Autors gespannt sein.

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Tags: biographie, geistesgeschichte, geschichte, sachbuch   (4)
 

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15 stories, alltägliches, amerikanische literatur, belletristik, einfach, einsamkeit, englische literatur amerikas, ereignisse, ernest hemingway, knapp, kurzgeschichten, mehrdeutigkeit des dasein, menschen, menschliche erfahrungen, usa

In unserer Zeit

Ernest Hemingway , Annemarie Horschitz-Horst
Flexibler Einband: 119 Seiten
Erschienen bei rororo Rowohlt, 01.10.1971
ISBN B002AXTBFK
Genre: Gedichte und Drama

Rezension:  
Tags: amerikanische literatur, hemingway, kurzgeschichten, nobelpreisträger, usa   (5)
 

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Wovon wir reden, wenn wir von Liebe reden

Raymond Carver , Helmut Frielinghaus
Flexibler Einband: 176 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 23.05.2012
ISBN 9783596903887
Genre: Romane

Rezension:  
Tags: alltag, amerikanische kurzgeschichten, amerikanische literatur, kurzgeschichten   (4)
 

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38 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

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Schlachthof 5

Kurt Vonnegut , Gregor Hens
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Hoffmann und Campe, 16.07.2016
ISBN 9783455405552
Genre: Romane

Rezension:

Ich hatte noch etwas Zeit und schlenderte durch den Buchladen. Da fiel mir Vonneguts „Schlachthof 5 oder Der Kinderkreuzzug“ in die Finger. Mit dem schwarz-weißen Coverbild sah es aus wie ein melancholisches WK II-Drama. Wie ich mich irrte.

Zweifellos eines der ungewöhnlichsten Anti-Kriegs-Bücher überhaupt. Erzählt aus der Sicht des US-amerikanischen Kriegsgefangenen Billy Pilgrim, der die Bombadierung Dresdens erlebte – wie Vonnegut selbst es wirklich tat. Aber Vonnegut erzählt nicht chronologisch. Er zerhackt die Geschichte in einen Cluster von Zeitfragmenten. Diese Zerstückelung ist ein Symptom: Die Reaktion Billy Pilgrims auf das erlebte Grauen, wie ein eingeschlagenes Spiegelbild.

Seine innere Zersplitterung erklärt sich Billy Pilgrim als sprunghafte Zeitreisen. Diese Fähigkeit gehe zurück auf die Entführung durch absurde Außerirdische, die Trefadorianer. Sie leben in der vierten Dimension und haben über die Menschheit herausgefunden, dass tatsächlich fünf Geschlechter nötig sind, um ein Kind zu zeugen.

Die Lebensschnipsel und Phantasien Billy Pilgrims hat Vonnegut meisterhaft verwoben und an den Übergängen zu grotesken Situationen verdichtet. Ein Beispiel: 1965 liegt Billy Pilgrim mit seiner Verlobten im Bett. Es ist eine laue Mondnacht und sie hat soeben den gemeinsamen Sohn empfangen. Billy geht ins Badezimmer und stolpert, wie in einem surrealistischen Bunuel-Film, in die Zeit seiner Kriegsgefangenschaft, 1944. Gerade durchleiden seine amerikanischen Kameraden in der Lagerlatrine eine Magen-Darm-Orgie (unter ihnen gibt sich dem Leser der Verfasser des Buches zu erkennen – was für ein Auftritt.). Nach erledigter Notdurft tastet sich Billy Pilgrim ins Lazarett, kommt 1965 aus dem Bad und legt sich wieder zu seiner Verlobten ins Bett. Sie dankt ihm unter Tränen dafür, wie glücklich sie mit ihm sein darf.

Diese Übergänge sind überraschend, brilliant – und so schafft es Vonnegut, dass die psychotischen Episoden umso kraftvoller sprechen. Die grauenvollen Szenen, die es auch gibt, sind stets in spätere Episoden eingebettet, also immer mit der Beruhigung: „Er wird es überleben“. Und doch sickert das stille Trauma zwischen den Zeilen hervor.

Ein ungeheuer starkes Buch, ohne sprachliche Schnörkel, mit abgründiger Situationskomik und schmerzhaft lakonischen Pointen.

Das Grauen ist hier kein unerbittlicher Irrgarten (wie bei Hertha Müller oder Imre Kertesz), sondern eine ungeordnete Kiste verklebter Fotos. (Hm, kann diese Metapher in einer Rezension begeistern?) Einerseits wird das Grauen dadurch erträglicher. Aber das Buch beschwört Unerträgliches herauf.

Dagegen kann Billy Pilgrim sich nicht wehren – und sich wehren zu wollen, käme ihm sinnlos vor. Er wohnt seinen Zeitsprüngen wie ein Beobachter bei und zwar ohne die Probleme und Paradoxien wie sie sich in üblichen Zeitreisenerzählungen unweigerlich aufdrängen. Für Adorno-Leser: Billy Pilgrims Trauma äußert sich in der Ankündigung des Nichtidentischen im Entzug.

Die eigenwillige Konstruktion lässt einen nicht (wie bei Werken sperriger Avantgarde) mühsam nach Sinnzusammenhängen tasten. Die emotionalen Keulen treffen sicher - aus ungewöhnlichen Winkeln. Der Leser kann leicht ein und aussteigen, auch aufgrund der kurzen Episoden – aber seine Kraft entfaltet das Buch erst, wenn man sich tiefer hineinziehen lässt.

Für mich ist dies Buch schon jetzt ein Freund, dem ich gerne die Gastfreundschaft meines Klassiker-Regals gewähre. Dringend zur Lektüre empfohlen.

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Tags: 2. weltkrieg, amerikanische literatur, dresden, klassiker, zeitreisen   (5)
 

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aufzeichnungen, bemerkungen, deutsche literatur, gefühle, handk, journa, leben, literatur, notizen, österreich, schreiben, schriftsteller, sprache, tagebuch

Das Gewicht der Welt

Peter Handke
Flexibler Einband: 284 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 01.05.1979
ISBN 9783518370001
Genre: Sonstiges

Rezension:  
Tags: bemerkungen, deutsche literatur, gefühle, leben, schreiben, sprache   (6)
 

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antike, aristoteles, epikur, gefühle, leben, lukrez, philosophie, praxis, seneca, stoa, therapie

The Therapy of Desire

Martha C. Nussbaum
Flexibler Einband: 558 Seiten
Erschienen bei The University Press Group Ltd, 06.07.2009
ISBN 9780691141312
Genre: Sachbücher

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Tags: antike, aristoteles, epikur, gefühle, leben, lukrez, philosophie, praxis, seneca, stoa, therapie   (11)
 

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Eine neue Soziologie für eine neue Gesellschaft

Bruno Latour , Gustav Roßler
Flexibler Einband: 488 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 15.07.2010
ISBN 9783518295670
Genre: Sachbücher

Rezension:  
Tags: gesellschaft, latour, philosophie, soziologie, technologie   (5)
 

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anthropologie, einführung, fachbuch, latour, soziologie, wissenschaft

Bruno Latour

Reiner Ruffing
Flexibler Einband: 130 Seiten
Erschienen bei Fink (Wilhelm), 04.05.2009
ISBN 9783825230449
Genre: Sachbücher

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Tags: anthropologie, einführung, fachbuch, latour, soziologie, wissenschaft   (6)
 

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faszien, gesundheit, schmerzen

Flossing: Wirksame Hilfe bei Schmerzen u. Verletzungen, effektive Übungen zum Muskelaufbau

Roland Kreutzer , Klaas Stechmann , Hendrik Eggers , Bernard C. Kolster
Geheftet: 104 Seiten
Erschienen bei KVM - Der Medizinverlag. Ein Unternehmen der Quintessenz Verlagsgruppe, 20.01.2016
ISBN 9783868673166
Genre: Sonstiges

Rezension:  
Tags: faszien, gesundheit, schmerzen   (3)
 

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gründung, innovation, investor, ökonomie, paypal, sachbuch, silicon valley, startup, wirtschaft

Zero to One

Peter Thiel , Blake Masters , Jürgen Neubauer
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Campus, 01.09.2014
ISBN 9783593501604
Genre: Sachbücher

Rezension:  
Tags: innovation, ökonomie, sachbuch, silicon valley, wirtschaft   (5)
 

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chesterton, kunst, malerei, vortrag, whistler, wilde

Die vornehme Kunst sich Feinde zu machen

James A. McNeill Whistler
Geheftet: 72 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 01.01.1972
ISBN 9783257200393
Genre: Sonstiges

Rezension:

Whistler war Maler und ein Wegbereiter des Impressionismus, vielleicht so etwas wie der amerikanische Monet (sie hatten denselben Lehrer). Whistlers stimmungsvolle, ätherische Stadtansichten brachten die Malerei Ende des 19. Jahrhunderts in klaren Konflikt mit dem zeitgenössischen Kunstgeschmack. Das machte es für Whistler gelegentlich schwer, doch er bewahrte sich seine exzentrische Persönlichkeit ebenso wie den Lebensstil eines Bohémian.

In seinem berühmten „Zehn-Uhr-Vortrag“ in London im Jahre 1885 äußerte sich Whistler mit beißendem Spott und offener Arroganz gegenüber seinem Publikum. Völlig naiv seien die lästigen Fragen, was „uns der Künstler damit sagen wolle“ oder gar was der Nutzen eines Bildes sei. Und ebenso verfehlt sei die Forderung, der Künstler hätte die Natur nachzuahmen! Da sei der Kunst noch mehr geholfen, wenn die gebildeten Banausen sich überhaupt nicht mit dem Schönen befassen würden. Aus einer kurzen Geschichte der Entstehung der Kunst entwickelt Whistler dann ein eigenes Bild der richtigen Einstellung zur Kunst. Welche Frechheit! Welche Frische des Gedankens!

Der Vortrag blieb in der englischen Debattenkultur nicht ohne prominente Erwiderung. Oscar Wilde selbst war anwesend und würdigte Whistler mit einer ebenso hochachtungsvollen wie streitbaren Kritik: „...vor allem die Kritiker sollten dankbar sein, dass Whistler sie von der Notwendigkeit einer langweiligen Existenz befreite.“ Und auch der damals berühmt-berüchtigte Schriftsteller und Journalist Gilbert Chesterton analysierte Whistlers Position, nicht ohne sie deutlich in ihre Schranken zu weisen.

Dieses schmale, dünne Bändchen, kaum mehr als 60 Seiten Text, sprüht vor Gedanken und intellektueller Angriffslust. Ein Vergnügen für Jeden, der sich an scharfsinnigen Schimpftiraden zu ergötzen vermag. Zudem bietet es ein vielschichtiges Panorama ästhetischer Positionen Ende des 19. Jahrhunderts.

Außerdem leuchtet hier ein tieferes Thema hervor – nämlich das Verhältnis von Künstlern und Bürgertum in einer Gesellschaft am Vorabend des 20. Jahrhunderts. Haben Künstler etwas beizutragen? Oder sind alle Ansprüche an Wechselwirkungen zwischen Kunst und Leben nichts als pseudo-religiöse Phantasien?

Insofern liest sich dieses Dokument der anbrechenden künstlerischen Moderne wie ein Vorschein auf die späteren Debatten um die gesellschaftliche Rolle der künstlerischen Avantgarde.

Fazit: Anregende Lektüre für zwischendurch, aber nicht für jeden. Wer Klassiker liebt, vielleicht Wildes „Das Bildnis des Dorian Gray“ genossen hat, wer gerne Diskussionen verfolgt oder ein Faible für Kunstgeschichte oder die englische Kultur hat, der wird in diesem Bändchen eine lohnende Lektüre finden.

Allerdings ist diese Ausgabe nicht identisch mit dem ganzen Band, sondern stellt eine Auswahl unter ins Deutsche übersetzten Titel dar.

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Tags: chesterton, debatt, kunst, malerei, vortrag, whistler, wilde   (7)
 

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spiritualität, weisheit

Die Weisheit deines Herzens

Sergio Bambaren , Gaby Wurster
Flexibler Einband: 112 Seiten
Erschienen bei Piper, 10.08.2015
ISBN 9783492306713
Genre: Romane

Rezension:  
Tags: spiritualität, weisheit   (2)
 

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ethnologie, fachbuch, philosophie

Fremde Monde der Vernunft

Iris Därmann
Flexibler Einband: 789 Seiten
Erschienen bei Fink, Wilhelm, 20.09.2005
ISBN 9783770541522
Genre: Sachbücher

Rezension:  
Tags: därmann, ethnologie, fachbuch, philosophie   (4)
 

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213 Bibliotheken, 6 Leser, 1 Gruppe, 26 Rezensionen

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Als ich unsichtbar war

Martin Pistorius , Axel Plantiko , Axel Plantiko
Flexibler Einband: 332 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 11.11.2011
ISBN 9783404603565
Genre: Biografien

Rezension:  
Tags: behinderung, erfahrungsbericht, hoffnung, wandel   (4)
 

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58 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

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The Old Man and the Sea

Ernest Hemingway , Paul Kämmer , Ingrid Jacob
Flexibler Einband: 59 Seiten
Erschienen bei Hueber Verlag, 09.10.2001
ISBN 9783190001507
Genre: Klassiker

Rezension:

Was ich von diesem Buch erinnerte, war ruhige Klarheit angesichts von Verzweiflung. Vor etlichen Jahren, vermutlich als Schüler, hatte ich es gelesen. Ich war mäßig begeistert und doch habe ich es nie vergessen. Lange habe ich dann einen Bogen um den „Klassiker“ Hemingway gemacht – warum? Vielleicht Ehrfurcht, vielleicht Aufschub, vielleicht Zufall. Nun habe ich erstmals die Größe dieses kleinen Büchleins erahnt und ordne es in mein Regal der schmalen Riesen ein.

Die Geschichte handelt von einem alten Fischer, den das Glück seiner Jugend verlassen hat. Dennoch fährt er Tag für Tag in seinem kleinen Boot hinaus, in Hoffnung auf einen großen Schwertfisch. Sein junger Gehilfe wird von seinen Eltern nicht mehr mitgelassen, aber hilft dem alten Mann an Land nach Kräften.
Eines Tages fährt der Fischer weit hinaus und tatsächlich nimmt ein riesiger Merlin seinen Köder. Über Tage und Nächte währt der Kampf, der Fischer kommt an seine körperlichen Grenzen, doch er schafft es. Aber der Rückweg ist lang und voller Gefahren...

Hemingway schrieb dieses Buch 1952 auf Kuba und war selbst leidenschaftlicher Fischer. Aus jedem Satz leuchten Erfahrung und Vertrautheit, Meeresduft und Schwere des Alters. Hemingways Stil ist unerreicht in seiner Einfachheit ohne Schnörkel, seiner Direktheit und Härte. Vielleicht erfassen erst Leser von komplizierteren Schriftstellern wie Dostojewskij, Robert Musil oder Thomas Mann den diamantenen Schliff dieser „langen Kurzgeschichte“, die Hemingway den Nobelpreis für Literatur einbrachte. Wie bei der Musik von Miles Davis oder der Philosophie Ludwig Wittgensteins bekommt diese Knappheit erst vor dem Hintergrund der durchschrittenen Komplexität ihre Strahlkraft.

Ein wunderbares Buch für Menschen mit wenig Zeit. Schnell kann man ein- und aussteigen, keine Längen und dabei eine echte Bereicherung – nicht nur für das Bildungsgewissen, sondern für den eigenen Blick auf Literatur und Leben.

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Tags: amerikanische literatur, fischen, hemingway, klassiker, meer, usa   (6)
 

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demenz, erfahrung, krankheit

Das Leben ist ein großes: Alzheimer. Ein langer Abschied: Alzheimer - ein langer Abschied

Hanna Kappus
E-Buch Text: 161 Seiten
Erschienen bei Gütersloher Verlagshaus, 21.05.2012
ISBN 9783641073947
Genre: Sachbücher

Rezension:  
Tags: demenz, erfahrung, krankheit   (3)
 

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einstein, naturwissenschaft, physik, poincaré, relativitätstheorie, zeit

Einsteins Uhren, Poincares Karten

Peter Galison
Flexibler Einband: 382 Seiten
Erschienen bei Fischer (TB.), Frankfurt
ISBN 9783596172375
Genre: Sachbücher

Rezension:  
Tags: einstein, physik, poincaré, relativitätstheorie, zeit   (5)
 

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einführung, geschichte, physik, relativitätstheorie, wissenschaft

Albert Einstein

Ulrich Charpa , Armin Grunwald
Flexibler Einband: 158 Seiten
Erschienen bei Campus Verlag
ISBN 9783593349350
Genre: Sonstiges

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Tags: einführung, geschichte, physik, relativitätstheorie, wissenschaft   (5)
 

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astronomie, geschichte, kopernikus, sachbuch, wissenschaft

Die Kopernikanische Revolution

Thomas S Kuhn
Flexibler Einband: 302 Seiten
Erschienen bei Vieweg+Teubner, 07.11.2013
ISBN 9783663019077
Genre: Sonstiges

Rezension:  
Tags: astronomie, geschichte, kopernikus, sachbuch, wissenschaft   (5)
 

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fachbuch, geschichte, historische epistemologie, wissenschaft, wissenschaftsgeschichte

Wunder, Beweise und Tatsachen

Lorraine Daston
Flexibler Einband: 192 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 01.10.2001
ISBN 9783596147632
Genre: Sachbücher

Rezension:  
Tags: fachbuch, geschichte, historische epistemologie, wissenschaft, wissenschaftsgeschichte   (5)
 

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Historische Epistemologie zur Einführung

Hans-Jörg Rheinberger , Hans J Rheinberger
Flexibler Einband: 155 Seiten
Erschienen bei Junius Hamburg, 01.08.2008
ISBN 9783885066361
Genre: Sachbücher

Rezension:

Was ist "historische Epistemologie", diese neue, hippe Forschungsrichtung, für die es derzeit (02.11.2015) noch nicht einmal einen Wikipaedia-Eintrag gibt? Hans-Jörg Rheinberger skizziert sie in seinem Einführungsband von 2007 als Philosophie der Wissenschaftsgeschichte, die die Praxis und experimentelle Techniken betont. In seinem kurzen Buch (125 Seiten Text) behandelt Rheinberger weitgehend chronologisch die Entwicklungen der historischen Episteologie im 19. und 20. Jahrhundert. Dafür versammelt Rheinberger einflussreiche Denker, deren Auswahl etwas ungewöhnlich ist - mit guten und weniger guten Folgen.

Rheinberger gilt heute mit Recht als Koryphäe der Wissenschaftsgeschichte und der historischen Epistemologie (im Folgenden: HE). Von 1997 bis 2014 war er Direktor am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin. Von Hause aus Molekularbiologe, hat er den Fokus der Wissenschaftsgeschichte nachhaltig auf die "Experimentalsysteme" gerichtet. Seine von Bachelard, Heidegger und Derrida beeinflussten Analysen der Vorgänge in biologischen Labors sind eine faszinierende Lektüre - was ist also über diesen Einführungsband zu sagen?

Konzept:
Das Buch hat eine klare Struktur, in der man sich gut zurechtfindet. Die Darstellung ist größtenteils chronologisch, dann streckenweise nach Kontexten aufgeteilt, die einzelnen Kapitel sind kurz und übersichtlich gestaltet. Die Denker sind prägnant dargestellt, fast ohne Vermischungen, so dass Leser auch selektiv den eigenen Interessen folgen können. Im Anschluss stehen jeweils kleine Abschnitte, in denen Bezüge zwischen verschiedenen Denkern hergestellt werden.
Viele Absätze sind für eine Einführung zu lang - hier hätte man den Text noch feiner gliedern können. Der Stil ist akademisch, aber auf einfachem Niveau, also auch gut geeignet für Studierende. Der Anhang erfüllt die Standards - mit Anmerkungen, Bibliographie und Namensregister. Allerdings hätte man mit kommentierten Lektürehinweisen dem Einsteiger einen schönen Dienst erwiesen, wie in vielen Einführungswerken üblich.

Inhalt:
Das Buch beginnt mit initialen Debatten im 19. Jahrhundert, bei Emil Du Bois-Reymond, Ernst Mach und Henri Poincaré. Es stellt die Trennung von Geistes- und Naturwissenschaften bei Wihelm Dilthey dar sowie Otto Neuraths Programm einer einheitlichen Wissenschaft. Nach diesen Schlaglichtern wird im zweiten Kapitel Gaston Bachelards pluralistische, historisierende Auffassung der Wissenschaften skizziert. Danach erläutert Rheinberger die "Lehre vom Denkstil und Denkkollektiv" von Ludwig Fleck, die er als komplementär zu jener Bachelards versteht. Das dritte Kapitel widmet sich vier Auffassungen über Wissenschaft und Geschichte: Karl Popper, Edmund Husserl, Martin Heidegger und Ernst Cassirer, die das theoretische Klima zwischen den Weltkriegen entscheidend prägten. Im vierten Kapitel fokussiert Rheinberger auf die soziologisch geprägte Wissenschaftstheorie: Thomas S. Kuhn, Stephen Toulmin und Paul Feyerabend. Im fünften Kapitel ist dann die französische Tradition Thema: Georges Canguilhem, Michel Foucault und Jacques Derrida. Im sechsten und letzten Kapitel stellt Rheinberger die aktuellen Positionen von Ian Hacking und Bruno Latour vor und versammelt abschließend einige Reflektionen zur Entwicklung der HE insgesamt.

Die Auswahl der Denker ist etwas eigentümlich: Größen der Wissenschaftstheorie wie Popper, Kuhn, Hacking und Latour durfte man bei einem wissenschaftsgeschichtlichen Thema erwarten. Dagegen scheinen die Ergänzungen aus dem philosophischen Kanon etwas beliebig. Die Wahl Husserls und Heideggers sind durch Rheinbergers theoretischen Hintergrund beeinflusst. Allerdings hätte er, wenn es um philosophische Stellungnahmen zur Wissenschaft und Wissenschaftsgeschichte geht, ebensogut bei der Frankfurter Schule, der Hermeneutik oder der Systemtheorie fündig werden können. Auch hält sich Rheinberger trotz des engen Rahmens mit Derrida auf (ein interessanter Denker, aber ohne nähere Erläuterung in einer Einführung zur HE deplaziert).

Dagegen sind themenrelevante Entwicklungen, wie die evolutionäre Erkennntistheorie, Piagets genetische Epistemologie, die feministische Epistemologie oder die Historik nicht einmal abgrenzend erwähnt. Nun gut - man kann nicht alles. Die üblichen Meckereien im Stile von "Warum den, und nicht den (über den ich zufällig selber forsche)?" sind müßig. Dennoch wird das Buch dem repräsentativen Rahmen einer Einführung, den es sich selbst steckt, nicht gerecht. Schade ist auch, dass Rheinberger die Ansätze der "neuen Experimentalisten" (Lorraine Daston, Peter Galison und sich selbst) kaum erwähnt - vielleicht (unnötige) Bescheidenheit?

Urteilsfindung:
Eine Leistung des Buchs ist, dass es Brückenschläge zwischen ansonsten getrennten Disziplinen anregt: Wenn wir Erkenntnis verstehen wollen, dann sollten wir Wissenschaft zu verstehen versuchen - und das gelingt weniger als Rekonstruktion logischer Systeme, sondern als Betrachtung ihrer Geschichte. Diese Geschichte sollten wir nicht als Leistung großer Männer erzählen, nicht als Erfindungs- oder Theoriegeschichte, und ebensowenig als Geschichte der sozial-politischen Umstände. Stattdessen sollten wir uns den wissenschaftlichen Praktiken und ihren materiellen und technischen Bedingungen zuwenden. Diese interdisziplinäre Konfiguration ist außerordentlich spannend - nur eines betreibt Rheinberger im Buch nicht: Historische Epistemologie.

Das Buch stellt Denker und Auffassungen der Methodologie einer historischen Epistemologie dar. Die Rolle der Praktiken und technischen Verfahren wird für das Verständnis von Wissenschaft theoretisch betont. Es tauchen jedoch kaum Beispiele auf, geschweige denn Fälle konkret durchgeführter HE. Rheinberger führt aus, was über Wissenschaft, über Erkenntnis, über Geschichte gedacht wurde - aber er zeigt nicht, wie das unseren Blick auf diese Phänomene verändert hat. In dieser Form schreibt Rheinberger die Geschichte der HE genau nach dem Muster, das die HE an der klassischen Geschichtsschreibung kritisierte: Geschichte als Aufreihung der Leistungen berühmter Männer.

Englische Ausgabe:
Interessant ist, dass dieses Buch 2010 in der englischen Übersetzung erschienen ist (On historicizing epistemology: an essay, Stanford University Press) - nicht als Einführung, sondern als Essay. Das ist erstaunlich, verfolgen doch ein "Essay" als freier Versuch über ein Thema einerseits und ein "Einführungsband" für Studierende andererseits nahezu konträre Ziele und haben sehr unterschiedliche formale Ansprüche. Dennoch charakterisiert Rodolphe Gasché das Buch auf dem Klappentext auch als eine Einführung in die Wissenschaftsgeschichte, die im anglo-amerikanischen Raum durchaus methodologische Überlegungen einschließt. Wäre der übersetzte Titel "Über die Historisierung der Epistemologie" vielleicht am Ende auch der deutschen Ausgabe angemessener?

Fazit:
Das Buch bietet einen guten ersten Überblick für jene, die sich über Positionen und Grundauffassungen der HE orientieren wollen. Allerdings bietet es wenig Nutzen für jene, die HE betreiben wollen. Dabei ist Rheinberger am Max-Plack-Institut für Wissenschaftsgeschichte tätig und hätte aus dem dortigen Fundus exemplarische Forschungen vorstellen können. Erst Vergleiche solcher Studien mit klassischer Philosophie der Wissenschaft und klassischer Wissenschaftsgeschichte können zeigen, was der methodische Standpunkt der HE zu leisten in der Lage ist. Wenn HE einen spezifischen Sinn hat, dann scheint mir dieser jenseits dessen zu liegen, was Rheinbergers Buch artikuliert. Alles darin Dargestellte sind wichtige methodologische Grundlagen - und auch Rheinbergers individuelle Auswahl und Sichtweise ist dabei zumindest interessant. Jedoch ist die methodische Konfiguration der HE weder konkret ausgeführt, noch mit anderen Ansätzen kontrastiert. Insofern komme ich zu dem Urteil, dass dieses Buch seinem Anspruch leider weniger gerecht wird, als die lesenswerten Fachbücher des Autors es in gekürzter und etwas vereinfachter Form würden.

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Tags: epistemologie, geschichte, philosophie, rheinberger, sachbuch, wissenschaft, wissenschaftsgeschichte   (7)
 
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