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zwangsstörung, freundschaft, erste liebe, john green, johngreen

Turtles All the Way Down

John Green
Fester Einband
Erschienen bei Penguin, 10.10.2017
ISBN 9780241335437
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Der Plot
Die 16-jährige Aza Holmes hatte sicher nicht vor, sich an der Suche nach dem verschwundenen Milliardär Russell Pickett zu beteiligen. Schließlich hat sie genügend Sorgen und vor allem Ängste, die ihre Gedankenwelt zwanghaft beherrschen. Doch als eine Hunderttausend-Dollar-Belohnung auf dem Spiel steht und ihre verrückte beste Freundin Daisy sie dazu anstachelt, das Geheimnis um Pickett aufzuklären, macht Aza mit. Sie versucht Mut zu beweisen und überwindet durch Daisy nicht nur kleine Hindernisse, sondern auch große Gegensätze, die sie von anderen Menschen trennen. Für Aza wird es ein großes Abenteuer und eine Reise ins Zentrum ihrer Gedankenspirale, der sie doch eigentlich zu entkommen versucht.


Meine Meinung

Jeder, der die Bücher von John Green gelesen hat, dürfte sich die Frage schon gestellt haben: Wird mich auch dieses Buch emotional in den Abgrund stürzen?
Diese Frage in Bezug auf sein lang ersehntes neues Jugendbuch TURTLES ALL THE WAY DOWN für die Allgemeinheit zu beantworten, kann ich natürlich nicht. Mich persönlich wird ‚Turtles‘ aber gedanklich noch länger begleiten. 

Oberflächlich betrachtet, hat dieses Jugendbuch alle [etwas unrealistischen] Komponenten, die wir von einem Green-Roman kennen: eine unmögliche skurille Mission, sprich den vermissten Milliardär finden und sich die Belohnung von 100.000 Dollar einstreichen. Eine hochgradig schrullige beste Freundin alias Daisy – leidenschaftlicher Star Wars-Fan, die Rey/Chewbacca (Liebes!!)FanFictions schreibt. Und das Objekt der Begierde, Davis Pickett – Sohn des vermeintlich Vermissten mit einer Leidenschaft für Astrologie und Poesie.

Die Freundschaft zwischen Aza und Daisy dagegen ist tief und realistisch, erleidet jedoch Risse. Denn Azas Zwangsstörungen haben so einige Nebenwirkungen.
Und dann trifft man auf Davis. Er ist kein uninteressanter Charakter, furchtbar einsam und verliebt sich in Aza. Trotz der himmlischen Gedichte und seiner Persönlichkeit, war ich mir nicht sicher, was John Green mit Davis‘ Präsenz bzw. dem Detektivspiel eigentlich bezweckte. Bei mir sorgte dieser Aspekt für Verwunderung und fühlte sich für mich etwas deplatziert (?) an. Aber das ist auch schon mein einziger Kritikpunkt.

Obwohl die typischen John-Green-Momente in der Cleverness und im Dialogwitz deutlich zu erkennen sind, geht der Autor einen etwas anderen Weg. Es geht nicht – wie wir es gewohnt sind – um die große Liebe, die alles bedeutender und klarer werden lässt.

Protagonistin Aza strebt nicht danach jemanden zu finden und zu lieben. Aza strebt danach, sich selbst zu finden und zu lieben. Das zu können, ist für sie ein täglicher angsteinflössender Kampf. Die Damönen in ihrem Kopf haben es nämlich in sich. Green verharmlost das nicht. Es sind hässliche und ehrliche Szenen, in denen es mir nicht selten kalt den Rücken runterlief.

„The question is not yet settled, wether the madness is or is not the loftiest intelligence.“

~ Dr. Singh quoting Edgar Allan Poe

 

Der Autor enthüllte mit Bekanntgabe des Titels vor ein paar Monaten, dass auch ihn die Krankheit OCD, seit seiner Kindheit begleitet. Und obwohl er klarstellt, dass er sich von seinen Erfahrungen distanzierte um Azas Geschichte schreiben zu können, so hat es sicherlich viel zur Authenzität des Buches beigetragen.

„Turtles all the way down“ ist aber nicht nur düster und tragisch. John Greens neues Buch ist typisch charmant und sprüht vor Witz. Daisy zum Beispiel, leuchtet in jeder Szene und hat mich mit ihren Auftritten umgehauen. Sei es, um ihren ehrlich gemeinten Standpunkt zur Liebe zwischen Rey und Chewbacca zu äußern, oder ihr chaotisches Liebesleben. Sie ist reichlich selbstbezogen und man will ihr öfters mal den Mund zukleistern. Davis und seine Poesie haben mich so bezaubert, dass ich nicht umhin kam entrückt zu grinsen.

Aus meiner Sicht hat John Green, trotz des missglückten Detektivspiels, als Schriftsteller eine Art Wachstumsschub gemacht. Er schafft es aus nunmehr einer Situation heraus die Erzählung dramaturgisch weiterzubringen und muss dafür keinen Settingwechsel machen (wie in „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ und „Margos Spuren“). Das Tempo ist langsamer, aber seine Schreibe fesselte mich. Bei einem so dünnen Buch könnte es für einige Leser vielleicht zu langsam vorangehen, aber mir gefiel das Tempo. Auch die Entwicklung gefiel mir. Sie signalisiert, dass auch John Green wachsen kann und das er seine Leser dabei unbedingt mitnehmen möchte.

„But I also had a life, a normal-ish life, which continued. For hours or days, the thoughts would leave me be, and I could remember something my Mom told me once: Your now is not your forever.“

~ Aza, Seite 93

 

»Turtles« wird vielleicht nicht jeden emotional „komplett zerstören“, aber das muss es nicht. Vielmehr soll Azas Geschichte sensibilisieren, eine neue Form von Empathie für die Krankheit zu schaffen. Und das wird es, da bin ich sicher.

Leser, die selbst unter Zwangsstörungen leiden, werden sich in Azas Geschichte wiederfinden. Sie werden John Green, so hört man jetzt schon vereinzelt bei US-Lesern heraus, vielleicht sogar als ein Sprachrohr sehen. Er ist einer, der ihre Ängste versteht, der an dem gleichen Ort [gewesen] ist, wie sie.

Mir, die sich in der Vergangenheit mit der Thematik bereits beschäftigt hat, wurde mit dem Buch wieder ein völlig anderer Blickwinkel gegeben. Dieser Einblick war bestürzend & furchteinflößend, aber auch lehrreich.



Fazit
Mit TURTLES ALL THE WAY DOWN hat John Green die Art von furchtlosen Roman abgeliefert, wie ich ihn mir erhofft habe. Er beschreibt auf zutiefst ehrliche Weise, wie schmerzhaft, einsam und erschreckend der Weg von Aza ist. Gepaart mit der charismatisch verkorksten Besetzung, der cleveren Schreibe und seltsamen Handlung, macht dieses Jugendbuch äußerst nachdenklich und auch Spaß. Green appeliert an Resilienz sowie die Kraft der Freundschaft. Er erinnerte mich daran, wie gerne ich seine Bücher nach wie vor lese.

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jean webster, königskinder verlag, daddy long legs, lieber daddy long legs, briefe

Lieber Daddy-Long-Legs

Jean Webster , Ingo Herzke , Franz Renger
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 29.09.2017
ISBN 9783551560445
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Meine Meinung

Wir schreiben das Jahr 2017 und ich habe vor kurzem einen Klassiker lesen durfen, von welchem ich noch nie zuvor gehört hatte. Wieso ich Bücher und Verlage liebe? Weil fast vergessene Geschichten, egal wann, den Weg zu neuen Lesern finden. Junge Leser, die verzaubert werden. LIEBER DADDY LONG LEGS ist eine kleine wahrlich erfrischende Perle. Diese wurde von Barbara König, verantwortliche Verlagschefin des Königskinder Verlags, ausgegraben.

Im Mittelpunkt der Erzählung steht das Mädchen Judy Abbott. Man begleitet Judy/Jerusha während ihres Weges vom Waisenmädchen zur stolzen College-Absolventin. Dieser Zeitraum erstreckt sich über vier Jahre. Einen Einblick in das gesellschaftliche Leben eines College-Mädchens von vor über 100 Jahren zu bekommen, ist sehr interessant gewesen.

Abgesehen von Judy selbst, deren Charakter Jean Webster wirklich liebenswert, lebendig, impulsiv und willensstark gezeichnet hat, sind eine der Stärken, die entzückenden Beschreibungen der Freuden und Prüfungen des neuen Alltags der Protagonistin. Für die junge Frau ist dies eine faszinierende und überwältigende Zeit, denn zum ersten Mal werden ihr Erfahrungen zuteil, welche für die meisten Menschen selbstverständlich sind. Dieses Gefühl hat Webster dem Leser ganz wundervoll vermittelt.

Das besondere an dem Buch ist, dass es bis auf das erste Kapitel, komplett als Brieferzählung verfasst worden ist. Diese Briefe richtet Judy an ihren unbekannten Gönner, der ihr die Ausbildung möglich macht und die Teil der Vereinbarung sind. Doch für Judy werden diese Briefe sehr viel mehr, als nur Pflicht. Man spürt die Freude mit welcher sie ihren neuen Alltag den von ihr ernannten »Daddy Long-Legs« schildert. Es sind humorvolle, lebensfrohe und auch so manches Mal leidenschaftliche Texte. Ich hatte viel Freude das junge Mädchen auf ihrem Weg der Selbstverwirklichung zu begleiten.

Aufgepeppt wird die Geschichte zusätzlich mit unwahrscheinlich zauberhaften Zeichnungen, welche Judy in ihre Briefe einfließen lässt. Sie stehen so manches Mal für die Untermalung einer Emotion und haben mich nicht selten zum Schmunzeln gebracht. Eine wundervolle Idee! Hier spürt man wieder die detailverliebte Gestaltung, für die der Königskinder Verlag steht und die ich so liebe.


Fazit

Dieses Büchlein ist wahrhaftig ein Klassiker. Eine ganz besondere Geschichte in Briefform, lebt untersetzt mit zauberhaften Zeichnungen, in neuem Glanz auf. Judy Abbott ist eine lebendige und ausdrucksstarke Protagonistin, die uns zeigt, jeden sich bietenden Moment in vollen Zügen zu nutzen.

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trauerbewältigung, freundschaft, jugendbuch, erste lieb, kids of appetite

Kids of Appetite

David Arnold
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Viking Books for Young Readers, 20.09.2016
ISBN 9780451470782
Genre: Sonstiges

Rezension:

Meine Meinung

Seit Victor Benuccis Vater vor zwei Jahren starb, ist nichts mehr so wie es einmal war. Für Vic ist es schwierig, Freunde zu finden, und er vermisst seinen Vater wahnsinnig.
Angesichts des Moebius-Syndroms, einer neurologischen Erkrankung, die in erster Linie eine Gesichtslähmung verursacht, ist Vic nicht in der Lage viel Gesichtsmimik zu zeigen, was dazu führt, dass er verspottet und behandelt wird, als sei er dumm, was er ganz sicher nicht ist. Während Vics Mutter versucht, ihr Leben wieder voranzubringen, weiß er nicht, wie er darin noch reinpassen soll.

Inmitten einer emotionalen Krise läuft Vic weg von Zuhause und direkt in Madeline Falco, ein schönes Mädchen, das er schon ein paar Mal gesehen hat. Mad hat ihre eigene Tragödie zu verarbeiten, aber sie erkennt in Vic einen verwandten Geist, der Hilfe braucht. Sie stellt ihn ihren drei Gefährten vor, mit denen sie eine einzigartige familienähnliche Verbindung hat. Die ‚Kids of Appetite‘ bieten Vic an, ihn bei einer großen Aufgabe zu helfen. Dabei handelt es sich um die Rätsellösung, die Vics Vater eigentlich seiner Mutter zugeteilt hat. Und während Vic erkennt, dass er sich nicht für immer vor seiner Zukunft verstecken darf, sieht er das dramatische Ausmaß von Mads Situation.

 

„And when the kids needed someone most, someone to love and trust, they found one another, and they called themselves the ‚Kids of Appetite‘, and they lived and they laughed and they saw that it was good.“

Ist dieses Buch etwa eine Liebesgeschichte? Nein, nicht nur. Es geht um gängige YA-Themen wie Selbstakzeptanz, erste Liebe, unverhoffte Freundschaften zu schließen, aber auch Trauerbewältigung und die Schönheit in einer manchmal sehr hässlichen Welt zu sehen.

Die Handlung wechselt zwischen den von Vic und Mad erzählten Kapiteln und verschiebt sich auch zwischen der Gegenwart, in der ein polizeiliches Verhör stattfindet, sowie acht Tage vorher, als Vic auf Mad und ihre Freunde trifft. Die Dynamik der ‚Kids‘ untereinander gehört mit zu den Herzstücken der Erzählung. Sie alle sind so unterschiedlich, aber sind der Rettungsanker des Anderen. Außerordentlich gut gefiel mir wieder, dass ich dachte zu wissen, wohin der Autor die Schlüsselszene – sprich die Nacht in der Mads Onkel ermordet wurde – bringen will und mich dann doch komplett überraschte. Arnold führt den Leser eine Weile an der Nase rum und knallt einem dann eine andere Entwicklung vor.

“We are all part of the same story, each of us different chapters. We may not have the power to choose setting or plot, but we can choose what kind of character we want to be.”

 

Die Schreibe ist wunderschön, herzzerreißend und kontemplativ. Obwohl das Tempo der Geschichte sehr viel langsamer ist als in „Mosquitoland“, nahm ich mir die Zeit mir über gewisse Aussagen Gedanken zu machen. Ich blätterte mehrere Male zurück um mich in Arnolds Worte zu verlieren. Außerdem hatte ich, dank Madeline, plötzlich einen großen Drang „The Outsiders“ zu lesen.

 

“My heart was so full, I thought it might explode into the ether, creating some bizarre new solar system whose inhabitants ate only love, drank only hope, and breathed only joy.
What a substantial galaxy that would be.”

 

Es ist eine Seltenheit, dass eine Geschichte mich während des Lesens immer wieder entrückt seufzen lässt. Der Autor beweist, dass ein Buch nicht unbedingt eine 5-Sterne-Bewertung braucht um mich zu beeindrucken. Genau wie schon bei „Mosquitoland“, David Arnolds Debüt, scheiden sich auch bei dieser Geschichte die Geister. Arnolds zweiter Streich ist nicht perfekt, aber er hat einen unübersehbaren Feinsinn für seine Figuren und besitzt einen himmlischen Ausdruck! Die „Kids of Appetite“ strahlen in ihrer ganzen schrägen Einzigartigkeit.


Fazit

Könnte ich das gesamte Buch mit Lieblingsstellen anstreichen, würde ich es tun. Ich wälzte mich mental unzählige Male vor Verzückung in David Arnolds Worten. Dieser Autor ist ein Geheimtipp, der wirklich keiner mehr sein sollte. Mitunter erinnerte mich „Kids of Appetite“ sogar etwas an ein John Green-Werk. Ihr liebt seltsame Figuren – sogenannte Misfits – in einer ziemlich bizarren Situation, umrahmt von einem cleveren poetischen Erzählstil? Meet the ‚Super Racehorse‘, meet the Kids!


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jugendbuch, hochgradig unlogisches verhalten, damaris liest, john corey whaley, panikattacken

Hochgradig unlogisches Verhalten

John Corey Whaley , Andreas Jandl
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 24.07.2017
ISBN 9783446257054
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Meine Meinung

Mit HOCHGRADIG UNLOGISCHES VERHALTEN legt John Corey Whaley bereits sein drittes Jugendbuch in Deutschland vor. Für mich war es das erste Leseerlebnis des Autors. Und so viel möchte ich vorweg nehmen; es war sicher nicht mein Letztes von Whaley. Aus der dritten Person und Wechselperspektive trifft man auf Lisa, die übereifrige Streberin, und Solomon der an Agoraphopie leidet, sich leider durch diese Krankheit ans Haus gefesselt sieht und [unwissend] Lisas Forschungsobjekt werden soll.

Beginnen möchte ich damit, wie sehr mich Solomon vom ersten Moment an begeistert hat. Die Tatsache, dass Solomon zwar an schweren Panikattacken leidet, dadurch ein sehr einsames Einsiedlerdasein führt, aber sich und sein Wesen nicht darüber definiert, gefiel mir sofort. Er ist so viel mehr als ein Junge, der Angst hat, nach draußen zu gehen. Er ist freundlich und nachdenklich. Solomon ist ein absolut bezaubernder Geek und sein Sinn für Humor, einschließlich der Fähigkeit, sich über sich selbst lustig zu machen, zeichnen seinen charmanten Charakter noch mehr aus.
Lisa ist überambitioniert, wirkt etwas kaltschnäuzig und ist absolut davon überzeugt, Solomon nicht nur „reparieren“ sondern sich so ein Stipendium an ihrer Traum-Uni krallen zu können. Klingt nicht gerade sympathisch? Ist sie erstmal auch nicht. Ein cleverer Schachzug ist ohne weiteres, dass Lisa ihren Freund Clark mit Solomon bekanntmacht. Ein Dreamteam ist geboren. Clark ist, im Gegensatz zu Lisa, noch ziellos und lässt sich gerne treiben. Außerdem schreckt der Plan seiner Freundin, ihn zunehmends ab. Er entdeckt viele Gemeinsamkeiten, wie u. a. Solomons Leidenschaft für Star Trek. Meinem Gefühl nach hat er sehr viel zu Solomons Entwicklung beigetragen. Diese ‚Bro-mance‘ war definitiv ein Highlight. Wogegen Lisa mir mit ihrer Art aufs Gemüt schlug und mich erst später mehr für sich gewinnen konnte. Das es bei einer Dreier-Konstellation zu Komplikationen kommen kann, ist nicht verwunderlich. Allerdings war ich etwas baff, in welche Richtung diese ging.

Whaleys Schreibe ist durchgehend sehr flüssig und dicht. Auch die Leichtigkeit fiel mir, trotz des Grundthemas, angenehm auf. Das Tempo war gut getaktet. Überrascht hat mich, wie emotional ich dann auf das Ende reagiert habe.
Das Ende selbst wurde recht offen gehalten, was mir überaus entgegen kam. Die Figuren sind noch sehr jung und ihre zwischenmenschlische, sowie gesundheitliche Entwicklung ein stetiger Prozess.


Fazit

Solomon hat mich mit seinem HOCHGRADIG UNLOGISCHEN VERHALTEN zugleich berührt und zum lächeln gebracht. Mit Sensibilität, Humor und Scharfsinnigkeit, vermittelt der Autor das Bild einer Krankheit ohne dabei die Figuren und Handlung zu vernachlässigen. Eine kurzweilige Geschichte mit Tiefe und ja, auch kleinen Ecken und Kanten. John Corey Whaleys neues Jugendbuch ist aber ohne jeden Zweifel hochgradig empfehlenswert!


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kinderbuch, jen white, als wir fast mutig waren, mut, damaris liest

Als wir fast mutig waren

Jen White , Sylke Hachmeister
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 28.07.2017
ISBN 9783551556806
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Meine Meinung

Das Debüt ALS WIR FAST MUTIG WAREN, aus dem Hause Carlsen Verlag, ist im Kinderbuch ab dem Mittelstufenalter angesiedelt.
Inspiriert wurde die Autorin Jen White durch einen Vorfall in ihrer eigenen Kindheit. Während eines Familienausflugs wurden sie und ihre Schwester auf dem Rastplatz einer Tankstelle aus Versehen vergessen, und harten dort sechs Stunden aus. 

Die Umstände im Erstlingswerk von Jen White stehen in keinem weiteren Zusammenhang mit diesem persönlichen Vorfall. Dennoch werden in der Geschichte nicht unrealistische Themen aufgegriffen.

Durch die Perspektive der Protagonistin Liberty, ist man als Leser direkt Gast im aufgeweckten Kopf der 12-jährigen. Entsprechend jung ist die Sprache und kindliche Tonfarbe, was aber sehr glaubwürdig von der Autorin umgesetzt worden ist.

Auf Liberty und Billie zu treffen, empfand ich vom ersten Moment an, als sehr anrührend und emotional. Die beiden Mädchen sitzen zu Beginn des Buches im kalifornischen Nirgendwo auf einer Tankstelle fest und warten vergeblich auf ihren Vater, den sie erst wenige Wochen kennen. Er verließ die Familie, als Liberty und Billie noch sehr klein waren. Nach dem tragischen, plötzlichen Tod ihrer geliebten Mutter ist ausgerechnet er der einzige Vormund, den die Mädchen noch haben. Voller Hoffnung auf ein neues Zuhause verbringen sie den Sommer miteinander, um sich kennenzulernen und machen dabei mit einem alten Camper einen Roadtrip. Doch nach einem Streit sind die Geschwister plötzlich ohne Aufsicht.

Liberty hat es sich schon früh, d.h. noch vor dem Tod der alleinerziehenden Mutter, zur Aufgabe gemacht, auf ihre vier Jahre jüngere Schwester Billie Acht zu geben. Sie wirkt in manchen Situationen reifer, als andere Kinder in ihrem Alter. Sie interessiert sich brennend für Tiere und hält deren Verhaltensmuster in einem Notizbuch fest, was ich unheimlich süß fand. In brenzligen Phasen zieht Liberty Vergleiche, wie gewisse Tierarten wohl agieren würden. Diese Leidenschaft sah ich aber auch als Strohhalm Libertys um ruhig zu bleiben, damit sie ihrer kleine Schwester keine Angst macht. Billie verlässt sich wiederum auf ihre kluge Schwester Liberty. Die Verbindung der Beiden ist definitiv die Stärke dieses kleinen Buches. Trotz der Tragik, bleiben humorvolle Momente nicht aus, was sicher der Sichtweise der kleinen mutigen Mädchen zu verdanken ist. Es sind zwei so süße Figuren, mit denen man einfach nur bangen muss.

Der familiäre Hintergrund bzw. was mit der Mutter geschah und wieso die Mädchen ihren Vater bis zu diesem Sommer nicht wirklich kannten, ging mir sehr nahe. Es werden diverse Themen aufgegriffen, die sich im Handlungsverlauf langsam entfalten.

Jen Whites Stimme ist frisch, glaubwürdig und trifft an genau den richtigen [niederdrückenden] Stellen den angemessenen Ton.


Fazit

Jen White beschreibt in ihrem Debüt ein sehr warmherziges, aber vor allem banges Abenteuer zweier nicht nur fast mutigen Mädchen. Die Geschwister Liberty und Billie trafen mich mitten ins Herz. Ein kleines kostbares Buch über Verlust, unermüdlichen kraftspendenden Zusammenhalt und übergroßen Mut. Sowohl wunderbar und berührend, als auch beklemmend und Hoffnung geben


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london, ende der 1980er, waisenkinder, derhimmelüberappeltonhouse, ich-erzählerin

Der Himmel über Appleton House

S. E. Durrant , Katharina Diestelmeier
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 24.03.2017
ISBN 9783551560308
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Meine Meinung

Die Geschichte beginnt damit, dass die inzwischen Erwachsene Ira darauf hinweist, dass sie die folgenden Geschehnisse durch Tagebucheinträge aus ihrer Kindheit erzählen wird. Der Wechsel in diese Perspektive ist entsprechend kindlich. So versetzte sich die Autorin ganz offensichtlich in ein 10-jähriges Kind, was natürlich auch Auswirkungen auf die Sprache hat.

Als Leser bekam ich so das Gefühl, die Geschichte persönlich von der kleinen Ira erzählt zu bekommen. Obwohl sich der Schreibstil manchmal etwas holprig las, gefiel mir die Idee sehr und man gewöhnt sich auch mit der Zeit daran.
Unaufgeregt, leise, aber nicht minder gefühlvoll bringt Ira den Leser dazu, sich für sie und ihren kleinen Bruder Zac schnell zu erwärmen. So bekommt man ein sehr realistisch wirkendes Bild vom Leben eines Heimkindes. Die Hoffnung auf ein warmes Zuhause und Liebe, das ist alles wonach sich Ira und Zac sehnen. Und doch scheint dieser Wunsch unendlich weit weg.
Ira reist mit dem Leser durch die Jahreszeiten. Lassen uns an ihrem und Zacs Leben und Rückschlägen im Heim teilhaben. Wir fahren mit ihnen aufs Land, wo wir auf die liebenswürdige Martha treffen. Bei ihr im malerisch, idyllischen Appleton House verbringen die Kinder ihren Sommer.

Dieses kleine Büchlein beinhaltet eine Geschichte, die ans Herz geht. S.E. Durrant zeigt auf rührselige und glaubwürdige Weise durch die Perspektive der kleinen 10-jährigen Ira, wie zerbrechlich das Herz und groß die Hoffnungen eines Kindes sind. DER HIMMEL ÜBER APPLETON HOUSE ist ein nicht makelloses, aber sehr gefühlvolles Buch.

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pride week, nina lacour, lgbt, jugendbuch, david levithan

Eine Woche für die Ewigkeit

Nina LaCour , David Levithan , Christel Kröning , Martina Tichy
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 24.03.2017
ISBN 9783551583628
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Kurze Review

Den Ansatz des Buches mag ich wirklich und weiß es sehr zu schätzen, dass LaCour und Levithan für ihr gemeinsame Projekt das Thema LGBT aufgenommen haben. An der Umsetzung hatte ich allerdings etwas zu knabbern. So fühlte sich die Geschichte bisweilen fast zu überladen für die schmale Buchlänge an. Die Handlung spielt in nur einer Woche, der Pride Week in San Francisco. Das ist natürlich ein wichtiger Aspekt, aber dennoch las es sich etwas gehetzt. Auch die Freundschaft wirkte auf mich zunächst zu unglaubwürdig, weil sie bei null beginnt und im nächsten Moment buchstäblich auf ‚Soulmate‘-Status gesetzt ist.

Mit Marks Figur fühlte ich ich mich auf jeden Fall emotional etwas verbundener. Seine Perspektive wurde von David Levithan geschrieben, während die von Kate von Nina LaCour übernommen wurde. Levithan weiß auf wunderschöne Weise, sich mit Worte auszudrücken. Er verleiht Mark dadurch eine gewisse Verletzlichkeit sowie Rauheit, und lässt ihn unglaublich real erscheinen. Das fehlte mir bei LaCour. Ich fühlte so viel mehr für Mark, als für Kate. Zu ihr und den überirdischen Gefühlen für ein Mädchen, dass sie nur von Fotos und Erzählungen kennt, hatte ich eine größere Distanz. Die Freundschaft von Kate und Mark las sich für mich in der ersten Hälfte eher zweckmäßig. Doch nachdem ein Blick auf die jeweiligen Freunde von Kate und Mark geworfen wurde, verstand ich besser weshalb sie sich anzogen.

In Gänze las sich für mich die zweite Hälfte des Buches harmonischer. Es fügte sich Schritt für Schritt zusammen. Die Message von EINE WOCHE FÜR DIE EWIGKEIT gefällt mir. Die Beschreibungen zur LGBT-Community und das bunte Treiben der Pride Week in San Franscisco, fühlten sich sehr authentisch an.

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samenspende, familie, suche, spermaspender, gefühlschaos

No. 9677 oder Wie mein Vater an fünf Kinder von sechs Frauen kam

Natasha Friend , Jessika Komina , Sandra Knuffinke
Fester Einband
Erschienen bei Magellan, 13.07.2017
ISBN 9783734850295
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Meine Meinung

Hände hoch, wer schon ein Jugendbuch, welches die Themen Samenspender, Adoption, LGBT & Mobbing vereint, gelesen hat! Für mich war es eine Premiere, all diese Aspekte in einer Geschichte zu finden. Natürlich war ich etwas skeptisch, ob das nicht nach hinten losgehen wird. Aber diese Gedanken lösten sich größtenteils und relativ schnell während des Lesens in Luft auf.

Geschildert wird Milo und Hollis Geschichte aus der Wechselperspektive (dritte Person). Das Sprichwort »Gegensätze ziehen sich an« passt bei den beiden wie die Faust aufs Auge. Denn obwohl sie sich charakteristisch nicht ähneln, äußerlich aber teilweise schon, ist die Verbindung sofort zu spüren.
Die Autorin Natasha Friend hat sich, meiner Meinung nach, gut auf die Thematik eingelassen. Die ersten Kapitel fühlten sich noch etwas holprig zu lesen an. Das lag, für mein Empfinden, womöglich an Hollis und ihrem rauen Wesen. Doch hinter dieser harten Schale, steckt ein gar nicht mal so knallharter Kern.
Milos Persönlichkeit strahlte hingegen über den gesamten Plot. Es wurde intensiv das Gefühlsleben der Protagonisten aufgearbeitet. Wie fühlen sich Kinder, die durch das Reagenzglas gezeugt wurden? Wo sind ihre Wurzeln? Was haben sie vielleicht von ihrem künstlichen Erzeuger geerbt? Die Zerrissenheit, Einsamkeit und die Missverständnisse, sind Teil ihres Alltags. Sowohl Milo, und insbesondere Hollis, haben jeweils eine verschiedene Vorgehensweise damit umzugehen bzw. nicht umzugehen. Natasha Friend hat den Zwiespalt sehr schön rüber gebracht.

Wird dadurch die Handlung dramatisch? Nein, überhaupt nicht! Ja, Friend flößte ihren Figuren eine Menge Humor ein. Und auch der Sarkasmus kommt nicht zu kurz. Zudem empfand ich die Dialoge zwischen Milo, Hollis und den anderen Geschwistern als herrlich auflockernd und harmonisch. Die Ernsthaftigkeit des Grund-Themas wurde dadurch aber nicht weniger bedeutend. Der Witz überwiegt nicht ernst zunehmende Fragen über Familie und Ethik, bzw. was Mensch darunter versteht. Ist man weniger Elternteil, weil man nicht biologisch verwandt ist? Hat man dadurch weniger Rechte? Leider bejahen diese Fragen noch zu viele. Grundsatzdiskussionen werden angeschnitten, aber nicht bis zum Anschlag durchgekaut. Die Mischung wurde gut ausbalanciert.
Es wurden von der Autorin die jeweiligen Mütter und deren Emotionen in so einer Situation, auch sehr gekonnt eingebracht. Man fühlt mit beiden Seiten.

Und auch die Nebenfiguren, wie zum Beispiel Milos bester Freund, wachsen sehr ans Herz.

 

Fazit

Für mich ist »No. 9677« eine sehr erfrischende Abwechslung gewesen. Die Thematik ist sehr unangetastet im Jugendbuch Bereich und ich bin der Autorin äußerst dankbar, dass sie diese Lanze gebrochen hat. Der dichte Schreibstil, das unverbrauchte Thema und die Figuren ließen mich binnen sehr kurzer Zeit durch diese Geschichte gleiten. Ein wundervolles Buch mit ganz viel Herz über Familie, egal wo man sie findet!

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blake crouch, thriller, science fiction, roman, zeitenläufer

Dark Matter. Der Zeitenläufer

Blake Crouch , Klaus Berr
Flexibler Einband: 408 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 27.03.2017
ISBN 9783442205127
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Meine Meinung

Wie weit würdest du gehen, um die zu beschützen, die du liebst? Wurdest du jemals durch eine getroffene Entscheidung zurückgeworfen? Wolltest du sie später rückgängig machen? Fragen nach dem eigenen Glück, stellen wir uns zwangsläufig im Leben. Und das nicht nur einmal.

Natürlich trifft man nicht immer die richtige Entscheidung. Das Leben ist schließlich kein Weg, der geradeaus führt. Es gibt Abzweigungen, Einbahnstraßen, Hindernisse und starkes Gefälle. In DARK MATTER stößt der Autor Blake Crouch den Leser genau auf diese Punkte. Es ist eine überaus komplexe Handlung, gespikt mit wissenschaftlichen Thesen, SciFi-Elementen und einer sehr spannenden, erschreckenden Verfolgungsjagd durch das Raum-Zeit-Kontinuum.

Als einen passionierten Leser von SciFi-Romanen würde ich mich nicht gerade bezeichnen. Ich bin in der Vergangenheit manches Mal regelrecht Reiz überflutet worden. Doch Prof. Jason Dessen und seinen genialen Verstand auf seinem surrealen Trip zu begleiten, war eine absolut fesselnde und beängstigende Erfahrung. Crouch gelang es, mich vom ersten bis zum letzten Satz zu packen. Der Schreibstil und das Format sind einfach aufgebaut und zu verstehen und doch komplex, was den Roman zu einem Pageturner macht.

Abgesehen vom Spannungsfaktor appelliert aber die Handlung vor allem an die menschliche Verletzlichkeit, Liebe, Familie, fehlgeschlagene Entscheidungen und Bedauern.

Einziger kleiner Wehrmutstropfen waren für mich ein paar Logikfehler. Auch das Ende fühlte sich ziemlich nach ‚Hollywood-Showdown-Kracher‘ an. Apropos: Angeblich sollen die Filmrechte schon lange vor Beendigung des Buches erworben worden sein. Würde ich mir den Film anschauen? Unbedingt, denn Blake Crouchs Roman bietet richtig guten Filmstoff.

 

Fazit

DARK MATTER bietet mit seinen SciFi- und Thriller-Elementen, viel Spannung und ein grandioses Verwirrspiel. Blake Crouch setzt sich in diesem Spektakel mit den Themen auseinander, die für uns Menschen das Leben erst lebenswert machen: Liebe, Familie und der Wert des Lebens. Doch was geschieht, wenn wir bereuen und unsere Entscheidungen in Frage stellen? Crouch bringt den Leser mit seinen teils erschreckend realistisch ausgeführten Szenarien unweigerlich zum nachdenken. Obwohl der Roman zum Ende ein paar Logikfehler für mich aufwies, wurde das Lesevergnügen nicht getrübt. Filmreif!

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appalachian trail, wandern, abenteuer, jugendbuch, usa

The Distance from me to you

Marina Gessner , Katrin Behringer
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Ars Edition, 06.03.2017
ISBN 9783845816043
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Meine Meinung

Vor ein paar Jahren machte die Amerikanerin Cheryl Strayed von sich reden, als sie die Erfahrungen ihrer lebensverändernden Wanderung durch den Pacific Crest Trail, im Buch „Der große Trip“ (Goldmann Verlag) verarbeitete. Nicht weniger erfolgreich porträtierte Reese Witherspoon die damals junge Cheryl in der Buchverfilmung.
Aber was hat das mit dieser Besprechung zum fiktiven Jugendbuch THE DISTANCE FROM ME TO YOU von Marina Gessner zutun? Menschen, die kurz- oder auch längerfristig zu Aussteigern werden, bewundere ich für ihre Willensstärke und ihren Mut. Als ich den Klappentext zum Buch las, wurde ich also zwangsläufig neugierig.

Im Mittelpunkt dieser Gegenwartsgeschichte steht die knapp 18-jährige Kendra. So beginnt auch sie aus der dritten Person ihren Alltag zu schildern. Angefixt von ihrem Vater, weil dieser während seiner Jugend den Pacific Northwest Trail gewandert ist, steht für sie schon lange fest, dass sie den Appalachian Trail entlang wandern möchte. Es ist eine Strecke von sagenhaften 3.500 Kilometern. Auch als ihre beste Freundin Courtney für ihren Freund kurz vor Reisebeginn abspringt, lässt sich Kendra nicht von ihrem Vorhaben abbringen. Sie belügt ihre Familie, lässt diese im Glauben, dass sie nach wie vor mit Courtney loszieht.
Auf der einen Seite, fand ich diesen Entschluss bewundernswert. Auf der anderen Seite aber auch absolut wahnsinnig und ziemlich blauäugig. In diesem Alter so eine Monsterwanderung alleine durchzuziehen, (fast) ohne Kontakt zur Familie? Wäre bei mir undenkbar gewesen. Es ist schließlich schon etwas anderes, auf eine Uni zu gehen/Ausbildung in einer anderen Stadt zu machen, als wie ALLEIN in die große Wildnis zu ziehen. Kendras Eltern sind viel zu sehr mit sich beschäftigt, um das in Frage zu stellen.
Meine anfängliche Skepsis dem Mädchen gegenüber, löste sich bald auf. Trotz einiger Rückschläge auf ihrem Weg, rappelte sie sich auf und biss sich durch. Mir gefiel Kendras Esprit und das sie sich nicht beirren lässt. Zumindest nicht, bis Sam kommt…

Einen Perspektivenwechsel, ebenfalls aus der dritten Person, gibt es schon kurz nachdem Kendra allein ihren Startpunkt des Appalachian Trail in Maine betritt. Man trifft auf Sam, der diesen Trail gerade erst hinter sich gebracht hat. Im Gegensatz zu Kendra war seine Wanderung jedoch nicht akribisch geplant, sondern eher ziellos. In der Hoffnung bei seinem älteren Bruder Unterschlupf zu finden, nachdem er vor seinem gewalttätigen Vater geflohen ist, stapfte Sam einfach drauf los. Er ist ein junger Mann, der schon seit Jahren auf sich allein gestellt ist. Nachdem er bei seinem Bruder nicht auf Hilfe hoffen kann, tritt er verzweifelt und ziellos den Rückweg an. Auf diesem Weg begegnet er während einiger Stopps immer wieder Kendra. Zwischen den beiden entwickelt sich langsam eine romantische Beziehung. Sie verleben traumhafte Wochen und laufen den langen Weg Richtung Virginia gemeinsam. Doch während für Kendra das Ziel näher rückt, ist für Sam die Zukunft ungewiss. Dieses Wissen lässt ihn leichtsinnig werden. So begibt er sich und seine Freundin in höchste Gefahr.

Die Geschichte ist überwiegend Handlungsgetrieben. Vor allem im ersten Drittel. Obgleich die Message in der Selbstfindung liegt, gibt es bei Kendra keine übermäßige charakteristische Entwicklung. Sie hat ohnehin schon eine sehr starke Persönlichkeit. Der Fokus ist auf die Erlebnisse gerichtet und was man aus Begegnungen, sowie der bloßen Natur für sich mitnimmt. Kendras Schilderungen ihrer Umgebung sind keinesfalls langweilig, eher interessant. Nichtsdestotrotz kommt mit Sam ein willkommend anderer Rythmus.  Die Befürchtung, dass es „zu“ romantisch werden könnte, stellte sich nicht ein.

In den letzten Kapiteln wird es zerreißend spannend und man grübelt, ob sie es lebend aus der Wildnis schaffen. Überrumpelt und positiv überrascht hat mich auch das Ende. Wird die zielstrebige durchgeplante Kendra mit dem orientierungslosen Sam einen Weg für die Liebe finden?

 

Fazit

THE DISTANCE FROM ME TO YOU ist eine Geschichte über Selbstfindung, Zielstrebigkeit und das Loslassen. Die Autorin erinnert daran, wie wichtig es ist, mit Leidenschaft unseren eigenen Weg zu gehen. Man bekommt unweigerlich große Lust, sich mit dem Outdoor-Thema intensiver zu beschäftigen. Marina Gessner beschreibt Kendras abenteuerlichen, gefährlichen Weg eindrucksvoll. Die kleine Romanze kommt ohne jeglichen Kitsch aus. Gessner ermutigt sowohl junge als auch ältere Leser dazu, mehr im Hier zu sein und sich nicht von ständiger Angst leiten zu lassen. Be wild, be free!

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Tags: all-ag, bloomoon verlag, jugendbuc, marina gessner, selbstfindung   (5)
 

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74 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 29 Rezensionen

freundschaft, jugendbuch, robin roe, königskinder verlag, der koffer

Der Koffer

Robin Roe , Sonja Finck
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 24.03.2017
ISBN 9783551560292
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Meine Meinung

Auf den ersten Blick liest sich die Handlung in DER KOFFER ja schon wie ein durchschnittlicher zeitgenössischer Jugendbuch-Roman, dachte ich mir. Aufwühlende erste Leserstimmen folgten und dann geschah, womit ich anfangs gar nicht gerechnet hatte; ich wurde von einer gänzlich anderen Stimmung überwältigt als ich sie bei Jugendbüchern gewohnt bin.

In Wechselperspektiven schildert Robin Roe aus dem Leben der beiden grundverschiedenen Jungen Adam und Julian, deren Wege immer wieder zueinander führen.

Als man zum ersten Mal Julian vorgestellt wird, merkt man unmittelbar, dass er kein durchschnittlicher vierzehnjähriger Teenager ist. Er ist nicht nur von seinen Lehrern verkehrt eingeschätzt und vernachlässigt worden, weil er Lernschwierigkeiten hat, sondern trauert noch immer sehr tief um seine Eltern. Julian ist einsam, eingeschüchtert und wird von seinen Mitschülern gehänselt. Er hat nicht das Gefühl, jemandem vertrauen zu können. Vom ersten Moment an wusste ich, dass mein Herz für diesen Jungen bluten wird. Es sind seine Unschuld und seine Verwundbarkeit, die mir den Atem von der allerersten Seite geraubt haben.

Und dann ist da noch Adam, der zu 150 Prozent im Leben steht. Er lebt mit seiner Mutter allein, aber erfährt viel Geborgenheit und Zuneigung. Mit seiner offenen, aufmerksamen Art ist er überall beliebt und willkommen. Adam selbst ist wohl der netteste Charakter, den ich seit langem in einem Jugendbuch erleben durfte. Seine Persönlichkeit hat mich verzaubert. Von ihm kann man noch viel lernen, wie zum Beispiel sein Verhaltensmuster zu überdenken. Auch die Lehrer sehen in ihm eine Vertrauensperson. Dies ist auch der Grund, weshalb er gebeten wird, Julian ein wenig unter seine Fittiche zu nehmen. Für Adam ist dies mehr als erfreulich, da er für den Jungen fast brüderliche Zuneigung empfindet. Vor Jahren nahmen er und seine Mutter Julian nach dem Tod seiner Eltern kurzzeitig auf, bevor dieser zu seinem Onkel ziehen musste und sie sich aus den Augen verloren haben.
Zwischen beiden Jungs entsteht bald wieder die alte Vertrautheit, doch auch Adam kann nicht das Gefühl abschütteln, dass bei Julian etwas schief läuft.

Auch die Nebenfiguren, insbesondere Adams Clique, wurden sehr schön in die Handlung gewoben. Sie sind ein nicht unwichtiger Teil der Geschichte. Durch sie zeigt die Autorin, wie wichtig Freundschaften für die eigene Entwicklung sind.

Der Schreibstil Roe’s ist auf den Punkt. Die Umschreibungen wirken sehr gut formuliert und sind an den richtigen Stellen gefühlvoll untersetzt, wirken jedoch nicht überzogen. Es ist ein fast perfekter Mix aus gefühlvoll und schlichte Einfachheit. Aber wieso ‚fast‘? Nun, meiner persönlichen Meinung nach hätte man die Romanze weglassen können. Sie fühlte sich im Kontrast zum Rest als unwichtig an.

Dieses Jugendbuch beschäftigt sich mit einer sehr sensiblen Thematik, die mich in seiner geschilderten Form zutiefst erschreckt und verstört hat. Robin Roe bringt mit ihren Schilderungen absolute Albtraum-Szenarien und Traumatas hervor. Mir lief es beim Lesen dieser Momente eiskalt den Rücken hinunter.

In dieser Geschichte geht es nicht nur um Freundschaft, sondern auch darum, Vertrauen in das Gute im Leben zu haben und dass dir Menschen auch wohlgesonnen sind.

 

Fazit

„Der Koffer“ beinhaltet thematisch und daraus resultierend emotional, kein leichtes Gepäck. Man durchlebt mit Adam und insbesondere Julian, eine wahre Achterbahn der Gefühle. Zwischen Hoffen und Bangen ist alles dabei. Robin Roe verleiht dieser schwierigen Erzählung durch ihre wunderbare Schreibe die nötige Sensibilität und den entsprechenden Respekt. Ein ganz besonderer Roman, der mich mit seiner Intensität überraschte.

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Tags: der koffer, jugendbuch, königskinder verlag, robin roe, traumata   (5)
 

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319 Bibliotheken, 11 Leser, 0 Gruppen, 62 Rezensionen

dystopie, liebe, laura kneidl, ermittlung, luftkolonie

Water & Air

Laura Kneidl
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 03.03.2017
ISBN 9783551315441
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Meine Meinung

Es liegt schon eine Weile zurück, seit meiner letzten Dystopie. Daher freute ich mich mit WATER & AIR auf meinen Wiedereinstieg in diese Sparte. Das Konzept klang für mich von vornherein äußerst interessant. Durch das Unterwasserwelt-Szenario und die hierarchische Aufteilung, fühlte ich mich ein wenig an RENEGADE von J.A. Souders erinnert. Dennoch schlug Laura Kneidl einen erfrischend anderen Weg ein. So merkte ich als Leser durch die Ich-Perspektive von Hauptfigur Kenzie recht schnell, dass auch diese Kolonie so seine Mängel hat. Ein Bewohner mit eigenem Kopf in der Wasserkolonie, hat nämlich einen schweren Stand. Ihr Wunsch nach Selbstverwirklichung und aktiverer Hilfe [als Taucherin], konnte ich sehr nachempfinden. Kenzie ist sehr wissbegierig und ihrem Alter entsprechend noch recht Selbstbezogen, wirkte durch letzteres aber nie unsympathisch auf mich. Auch ihr Geheimnis, das zu verheimlichen für sie zu einer Tortur in der Wasserkolonie wird, lies mich mitfühlen.

Callum ist neben Kenzie eine weitere Schlüsselfigur. Er ist tatsächlich der erste Bewohner der Luftkolonie, auf den Kenzie bei ihrer Ankunft trifft. Callums Persönlichkeit hat mich von Beginn an begeistert. Er ist facettenreich, geheimnisvoll – nein, nicht auf die Bad-Boy-Art – und wirkt sehr viel reifer als Kenzie (obwohl er nur knapp zwei Jahre älter ist), was sicher an seiner Verantwortung in der Kolonie liegt. Seine Geschichte, so muss ich zugeben, fesselte mich ein Stück mehr als die von Kenzie.

Die Beschreibungen der Kolonien lasen sich sehr interessant und machten Lust auf mehr, was bei einem Einzelband aber verständlicherweise nicht ausgereizt werden kann. Der Unterschied zur Luftkolonie, welche vergleichsweise wohlbehütet und wohlhabend zu sein scheint, ist gravierend. Doch das Blatt wendet sich und Kenzie muss sich eingestehen, dass auch in der Kolonie über den Wolken nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen ist.

Der Einstieg in beide Welten, war für mich sehr einfach, da Laura Kneidls Erzählstil durchwegs sehr bildlich und atmosphärisch ist. Die Dialoge lasen sich angenehm und harmonierten sehr mit dem Handlungsverlauf. Doch dann schlichen sich erste Vorahnungen bei mir ein, die sich auch bewahrheiteten. Ich wurde folglich bei vereinzelnden Wendungen nicht wirklich überrascht. Das nahm mir beim lesen ein bisschen den ‚Thrill‘. Es machte mir nach vor Freude, weiterzulesen, da die Schreibe sehr angenehm und einnehmend ist. Und natürlich wollte ich wissen, wie es mit meinen Sympathieträger weitergeht.

Insgesamt hat Laura stilistisch wieder einen Quantensprung gemacht. Auch das Konzept war absolut nach meinem Geschmack ausgearbeitet.

 

Fazit

Die stilistische Weiterentwicklung von Laura Kneidl ist mir bei ihrem neuen Buch „Water & Air“ sehr positiv aufgefallen. Kenzie und Callum sind interessant geformte Figuren und man hat gerne mit ihnen gezittert. Das Worldbuilding der Luft- und Wasserkolonien wurde sehr gut konstruiert. Obgleich mich einige Entwicklungen nicht überrascht haben, las ich diesen dystopischen Einzelband wirklich gerne. Ich bin also gespannt auf die nächsten Abenteuer aus Lauras Feder.

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Tags: carlsen verla, dystopie, laura kneidl, water & air   (4)
 

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94 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

klassiker, kanada, familie, historischer roman, liebe

Das Schloss in den Wolken

Lucy Maud Montgomery , Nadine Püschel
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 24.04.2015
ISBN 9783551560148
Genre: Historische Romane

Rezension:

Meine Meinung

Es gibt sicherlich viele Besprechungen zu diesem Buch, die damit einleiten, dass man den weltweiten Erfolg von »Anne auf Green Gables« der Autorin Lucy Maud Montgomery schon in der Kindheit verschlungen hatte.

Nun ja, ich habe keines der Bücher bis heute gelesen. Natürlich waren mir die Abenteuer des Waisenmädchens Anne ein Begriff, aber es hatte sich nie ergeben sie selbst zu lesen. Somit ist „Das Schloss in den Wolken“ mein erstes Leseerlebnis von der Autorin. Geschrieben wurde das Werk bereits in den 20er Jahren und wurde im Jahr 2015 als Herzensprojekt neu beim Königskinder Verlag verlegt.

Protagonistin Valancy Stirling ist 29-jährig, gilt als alte schüchterne Jungfer und wohnt noch immer bei ihrer Mutter. Heutzutage würde man ihr Alter und den Single-Status müde weglächeln, aber nicht so in der Zeit um 1920. Die Rechte der Frauen waren einzig auf den Haushalt und zum Gebären ausgelegt. Eine Meinung wurde von einer mittellosen, alleinstehenden Frau nicht geduldet. So hat Valancy sich still unterzuordnen. Kein Mann vermag auch nur darüber nachdenken das »graue Ding« noch zu heiraten, was sie zunehmend verzweifeln lässt. Vor allem die Tatsache, dass Valancys gesamte Verwandtschaft sich stetig auf ihre Kosten lustig macht, bekümmert sie. Ich für meinen Teil, wollte bei den Unverschämtheiten dieser Sippe oftmals aus der Haut fahren.

Dann wendet sich das Blatt. Valancy erhält erschreckende Neuigkeiten, die sie jedoch als ihre Chance sieht, sich endgültig aus den Fängen der Stirlings zu befreien und ihr »blaues Schloß« zu finden. Fortan redet sie zu Tisch, wie ihr lieb ist. Sie lässt ihre Meinung über die lästernde Familie offenkundig heraus, erfüllt ihre Aufgaben nicht mehr und zieht schlussendlich aus, um dem Dorf-Trunkenbold Abel im Haus zu helfen. Damit entfacht Valancy einen Skandal. So ist die Familie der festen Überzeugung, dass das Mädchen komplett den Verstand verloren hat! Valancy jedoch sieht zum ersten Mal in ihrem Leben alles klar vor sich. Sie möchte leben und weiß, dass sie ihres eigenes Glückes Schmied ist.

Der Einstieg in die Geschichte war für mich anfänglich etwas holprig. Ob dies daran lag, dass die Autorin aus der dritten Person erzählt, mag ich nicht behaupten, aber es wäre durchaus möglich.
Geschichten wie „Das Schloss in den Wolken“ bringen mir als Leser, Gepflogenheiten und Regeln aus dieser Zeit sehr nahe. Zum Einen ist es unglaublich, wie das Bild der Frau damals zu sein hatte. So war die Frau ohne Mann und Haushalt schlichtweg nichts wert, und hatte somit keine Ansprüche zu stellen. Zum Anderen ist Lucy Maud Montgomerys Schreibe sehr zeitgemäß und bringt dem jungen Leser, diese Zeit sehr nahe. Eine Tatsache, die man von einer Hundert Jahre alten Geschichte sicher nicht oft behaupten kann.

Auch das Setting Kanadas ist eine willkommene und erfrischende Abwechslung gewesen. Montgomerys Beschreibungen von Valancys Insel laden den Leser zum träumen und verweilen ein.

Die Figuren sind allesamt sehr gelungen geformt und umschrieben. Von kautzig, über zickig, eigenwillig und verschroben, ist eine bunte Charakterpalette vertreten. Ich hatte befürchtet, dass wegen Valancys zunächst betrübtem Charakter auch die Stimmung im Buch zu grau bleiben könnte. Doch das Mädchen hat einen wunderbar sarkastischen Humor. Sie trägt das Herz auf dem rechten Fleck und ist belesen. Die Begegnungen die sie macht, sind tragisch und auch romantisch schön.
Valancy mag äußerlich nicht die Schönste sein, aber ihr inneres Wesen blüht auf und lässt sie nahezu strahlen. Und genau das ist eines der wichtigen Lektionen, welche Lucy Maud Montgomery ihren Lesern mitgeben möchte.

 

Fazit

Nach einem etwas holprigen Start, wurde ich von Valancy Stirling geradezu verzaubert. Lucy Maud Montgomery haucht ihrer mausgrauen Protagonistin eine große Portion Mut ein. Sie zeigt, wie man in seiner dunkelsten Stunde über sich hinauswachsen und das Leben genießen kann. Wunderbar erfrischend, überraschend gewitzt und verträumt!

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Tags: klassiker, königskinder verlag, lucy maud montgomery, valancy stirling   (4)
 

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mechthild gläser, jugendbuch, faun, fantasy, jane austen

Emma, der Faun und das vergessene Buch

Mechthild Gläser
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Loewe, 13.02.2017
ISBN 9783785585122
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Meine Meinung

Seit Erscheinen der Schattenwelt-Dilogie (im Jahr 2012/2013) und dem wunderbaren Einzelband DIE BUCHSPRINGER (erschienen im Februar 2015), gehört Mechthild Gläser für mich zu den Autoren, deren Bücher automatisch Einzug im Bücherregal erhalten. Auch Mechthilds aktuellster Streich EMMA, DER FAUN UND DAS VERGESSENE BUCH verspricht kurzweilige Unterhaltung für junge Leser und ältere, die im Herzen jung geblieben sind. Das die Autorin selbst leidenschaftliche Leserin ist, merkt man an den Ideen die in ihre Werke fließen. Sei es drum, das sie sich in ihrer Dilogie unter anderem durch »das Nichts« aus Michael Endes „Die unendliche Geschichte“ inspirieren ließ. Oder sie in den Buchspringern Figuren aus klassischen Märchen und Dichter, neues Leben einhauchte.

Auch in ihrem neuen Jugendbuch spielt Literatur eine gewichtige Rolle. Herd des eigentlich gut organisiertem Alltags von Protagonistin Emma, ist ein altes Buch welches ihr während einer Putzaktion in die Hände fällt. Alsbald Emma entdeckt, welche Wirkung der Schinken freigibt, ist sie nicht mehr zu bremsen. Doch die Auswirkungen sind über kurz oder lang nicht immer positiv.

Es werden in der Geschichte unter anderem die Persönlichkeiten der Figuren aus Werken von Jane Austen gespiegelt. So liegt der Vergleich zwischen dem Wesen der Hauptfigur Emma und Darcy de Winter, sicher nahe. Darcys Charakter [und sein Name] wurde durch seine Überheblichkeit und schlechte Laune an eine der bekanntesten männlichen Figuren gelehnt, Mr. Darcy. Die Antipathie zwischen den Beiden war sehr erfrischend dargestellt. Es schwingt viel „Stolz“ und „Vorurteil“ zwischen den beiden Streithähnen, was eine Parallele zu Jane Austens wohl bekanntestem Werk mit sich zieht.
Es ist jedoch nicht nötig, die Werke Austens zu kennen um „Emma, der Faun und das vergessene Buch“ zu einem Vergnügen werden zu lassen. Emma hat einen starken und hinreißendes Charakter, der mich begeisterte. Und Darcy de Winter wollte ich, genau wie die junge Heldin, oftmals gerne gegen die Wand klatschen. Es war sehr spannend, die traurige Geschichte der de Winters zu verfolgen. Auch das stimmungsvolle Setting – das Internat Schloss Stolzenburg – gefiel mir unheimlich gut. Es transportiert den Leser in das 18. Jahrhundert zurück. So machte es mir Spaß mit Emma & Co. sich in längst vergessene Winkel des Schlosses und unterirdische Geheimgänge, auf Spurensuche zu begeben.

In dieser Geschichte werden durch das Buch und die Legende um den Faun magisch-fantastische Elemente, mit unserer normalen Gegenwart sehr gekonnt verschmolzen. Das vergessene Buch (auch »Chronik« genannt) gibt den Figuren und dem Leser viele Rätsel auf. Es übt eine [gefährliche] Macht aus, der auch Emma droht zu verfallen.

Die Gestaltung des Buchumschlags ist mal wieder ein Fest für das lesende Auge. Farbenprächtig, detailverliebt und sehr passend zum Inhalt. Die silbernen Blättchen sind übrigens nicht nur ein Hingucker, sondern ein wichtiges Detail in der Handlung.

Ein Manko hat die Erzählung jedoch: das Ende, welches meinem Empfinden nach, viel zu schnell abgewickelt wurde. Auch der Mittelteil hatte kleine Längen. Das empfand ich als etwas schade. Nichtsdestotrotz hatte ich meine helle Freude an dem Jugendbuch und werde mir daher das nächste Projekt der Autorin, auch wieder näher anschauen wollen.

 

Fazit

Mechthild Gläsers neues Jugendbuch Abenteuer liest sich, wie ich es erwartet hatte, jung und frisch. Trotz kleiner Längen und einem abrupten Ende, hatte ich beim Lesen meine Freude. Emma bei ihrer Suche nach dem Faun zu begleiten und dem Geheimnis der Chronik auf die Spur zu kommen, trägt zum Spannungsteil bei. Das vorab platzierte Versprechen, dass die Autorin hier von Jane Austen inspiriert wurde, spiegelte sich vor allem in Emmas und Darcy de Winters Wesen wieder. „Emma, der Faun und das vergessene Buch“ ist eine süße, abenteuerliche Geschichte und für die Zielgruppe wieder eine ganz wunderbare Lektüre!

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Tags: jugendbuch, loewe verlag, mechthild gläser   (3)
 

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90 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 40 Rezensionen

cavaliersreise, homosexualität, jugendbuch, mackenzi lee, 18. jahrhundert

Cavaliersreise. Die Bekenntnisse eines Gentlemans

Mackenzi Lee
E-Buch Text: 496 Seiten
Erschienen bei Königskinder, 24.03.2017
ISBN 9783646929591
Genre: Sonstiges

Rezension:

Meine Meinung
Mit seinem historischen Touch bietet dieser Jugendbuch/All-Age-Roman von Mackenzie Lee, definitiv einmal etwas anderen Stoff für seine Zielgruppe. So fühlte ich mich durch das Flair des 18. Jahrhunderts und die Settings, erinnert an Marie Antoinette oder Casanova. Obwohl ich das von Monty & Co. erkundete Schloss Versailles mit all seinem Prunk, die kleine Stadt Marseille oder die Gassen von Venedig, noch nicht selbst bereist habe, fühlte sich die Stimmung dieser Orte durch die Beschreibungen sehr authentisch an.

Der Erzählstil an sich ist durch seine teilweise der Epoche angepassten Umgangssprache natürlich etwas anders. Mich verwirrte es manches Mal, wenn von altertümlicher Sprache in einen doch saloppen, gar modern klingenden Ton gewechselt wurde. Hier hätte ich mir tatsächlich gewünscht, dass die Autorin sich einmal für einen Weg der Erzählung entscheidet. Nichtsdestotrotz trieb mich die Autorin beim lesen immer weiter.

Das Hauptaugenmerk richtet Mackenzie Lee auf die Figuren. Demnach wird diese Geschichte durch die Haupt- und Nebenfiguren angetrieben.
Allen voran hält Henry (alias Monty) seine Mitmenschen und den Leser reichlich auf trab. Er erfüllt das Klischee des attraktiven, reichen, charmanten und arroganten Adeligen perfekt. Monty wirkte auf mich durch seine Leichtsinnigkeit und Arroganz, vor allem zu Beginn nicht unbedingt sympathisch. Er ist sehr Ich-bezogen und obwohl er ein enges Verhältnis zu Percy pflegt, sogar neben der Freundschaft romantische Gefühle hegt, scheint er sich um seinen Freund nur aus Eigennutz zu kümmern. Das schwierige Verhältnis zu seinem Vater und die innigen Gefühle für Percy jedoch berührten mich sehr.
Percy hat ein sehr einprägsames, fürsorgliches und charismatisches Wesen. Er überwiegt Henrys Unwissenheit mit seinem vernünftigen Auftreten. Percy unterstützt und liebt seinen besten Freund, hat aber auch seine eigenen Schlachten zu bekämpfen. So trifft er auf wenig Verständnis von Monty für seine Ängste, obwohl dieser sich u.a. sehr wohl über Percys (exotische) Herkunft im Klaren ist.
Montys jüngere Schwester Felicity, wirkt zu Beginn eher wie eine mürrische graue Maus, die sich ihrem Schicksal als Frau willig hingibt. Doch dem ist nicht so. Innerlich lehnt sie sich auf und nutzt die Reise, um ihre wahren Ziele zu verfolgen. Sie entpuppte sich für mich als absolute Lieblingsfigur. Felicitys starker Verstand, ihr Selbstvertrauen und die Stärke retteten Henry und Percy aus so manch missliche Lage.

Man könnte denken, dass es unmöglich oder schwierig ist, eine vielfältige und farbenfrohe Besetzung in einem Jugendbuch Roman im 18. Jahrhundert angesiedelt zusammenzustellen, wo die Reichen und Mächtigen ausschließlich weiß und männlich waren. Aber Mackenzie Lee beweist das Gegenteil. Hier trifft der Leser auf einen bisexuellen jungen Mann aus dem Adel und einem unabhängigen, cleveren Teenager-Mädchen. Ich liebte Felicitys Intelligenz und wie sie mit ihrem Mut und Köpfchen, ihre männlichen Begleiter in die Schranken wies. Sie möchte nicht nur den Mund halten und hübsch aussehen, sondern etwas bewirken.

Mir gefiel zudem unheimlich gut, wie Mackenzie Lee mal eben aktuelle Themen wie Selbstfindung, Sexualität bzw. LGBT, Rassentrennung und Frauenrechte, in das 18. Jahrhundert verwoben  hat. Dadurch ist die Geschichte sehr zeitgemäß.


Fazt
„Cavaliersreise“ nimmt den Leser auf eine spannende Abenteuerreise und ist ein berauschendes, humorvolles & tragisches Königskind!

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Tags: 18. jahrhundert, all-age, cavaliersreise, frauenrechte, jugendbuch, königskinder verlag, lgbt, mackenzie lee, sexualität   (9)
 

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drama, lovestory, carlsen, carlsenverlag, vanishing girls

Als ich dich suchte

Lauren Oliver , Katharina Diestelmeier
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 01.02.2017
ISBN 9783551583512
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Meine Meinung
Es ist eigentlich recht schade, dass ich erst so wenig von Lauren Oliver gelesen habe. Das war der Grundgedanke, den ich immer wieder beim lesen von „Als ich dich suchte“ hatte.
Der Klappentext  zu Olivers aktuellem Buch, scheint dem Plot vieler anderer Jugendbücher zu gleichen. Doch man sollte sich darauf einstellen, dass die Autorin sehr viel mehr an die Oberfläche holt.

Während zu Beginn der Fokus auf die tiefe Verbundenheit der beiden Geschwister Dara und Nicki liegt, entwickelt sich im Verlauf immer mehr eine Mischung aus Eifersucht und Rivalität. Eine Mischung, welche die Atmosphäre weitaus mehr aufheizt, als man es zunächst für möglich hält. Parallel dazu zieht sich das Verschwinden des kleinen Mädchens Madeline Snow, wie ein roter Faden durch die Handlung. Bald bekommt der Leser das Gefühl, dass beide Aspekte etwas miteinander zutun haben.

Die Schwestern Nicki und Dara sind komplex, fehlerbehaftet und dadurch sehr authentisch. Sie unterscheiden sich beide auch sehr voneinander. Nicki ist die Vernünftige, auf die man sich verlassen kann und die ihrer Schwester immer zur Seite eilt. Dara dagegen ist rebellisch und zieht jede Party, Flirts und Probleme magisch an. Als kleine Mädchen unzertrennlich, scheint die Kluft mit dem Älterwerden viel zu groß zu sein. Ihre unterschiedlichen Persönlichkeiten und die Gefühle für ihren gemeinsamen Freund Parker, drohen sie zu entzweien. Lauren Oliver hat diese Dynamik hervorragend rüber gebracht.

„Manchmal hören Menschen auf, dich zu lieben. Und das ist die Art Dunkelheit, die nie in Ordnung gebracht werden kann, egal wie viele Monde wieder aufgehen und den Himmel mit der schwachen Anmutung von Licht erfüllen.“

~Seite 213

 

Mit ihrem Mix aus Perspektivenwechsel, Tagenbucheinträge, Blog- und Chatausrissen, sowie ‚Davor‘ und ‚Nachher‘ Einteilungen, konnte mich Lauren Oliver schnell überzeugen. Andere Leser könnte das unter Umständen erstmal verwirren. Ich mag es manchmal etwas komplizierter, zumal hier der Erzählstil auch zum mysteriösen Handlungsverlauf passt. Olivers Ausdrucksweise umgibt etwas besonderes, obwohl sie einfach gehalten ist. Sie fängt die Stimmen der Figuren sehr real und bildlich ein.

Dieses Buch beherbergt außerdem eine Wende, die sich im letzten Drittel entfaltet und ich absolut nicht kommen sah. Ich musste sogar hier und da zurückblättern und begann zu grübeln, ob ich etwas wichtiges überlesen hatte.
Wer also auf Sinn- und Spurensuche gehen möchte, der wird hier kurzweilige Unterhaltung finden.


Fazit

Lauren Olivers neues Jugendbuch liest sich reißerisch und wie ein psychologisch angehauchter Thriller. Oliver liefert durch ihren Erzählstil eine atmosphärische Stimmung und erinnerte mich dabei an ihr Debüt. Eine Geschichte über erschreckende Geheimnisse zweier tief verbundener Menschen, über die Schuld, das Bedauern und sich Verzeihen. Wer den Sog von „Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie“ bereits mochte, wird diesen YA-Roman auch sehr gerne lesen.

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wesley king, zwangsstörung, daniel is different, zwangsstörungen, krankheit

Daniel is different

Wesley King , Claudia Max
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Magellan, 18.01.2017
ISBN 9783734847103
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Meine Meinung
Jugendbücher in denen man selbst als ‚älteres Semester‘ noch etwas für sich mitnehmen kann, interessieren mich immer. So wurde ich natürlich beim Wesley Kings »Daniel is different« hellhörig. King greift in seinem neuen Werk durch den 13-jährigen Daniel das Thema Obsessive Zwangsstörung auf, verknüpft den Plot aber auch mit alltäglichen Sorgen eines Jugendlichen sehr gekonnt. So ist zwar die Krankheit ein wichtiger Aspekt, aber die Hauptfigur wird nicht nur durch diese definiert. Das gefiel mir sehr.

Daniel ist eine Figur, mit der ich sofort sympathisierte. Er ist ein sehr intelligenter Junge, der eine große Leidenschaft für das Schreiben hegt. Mit seinem Humor holte er mich sofort ab. Und wie so viele Nerds, hat auch er es nicht so mit Sport. Allerdings möchte Daniel seine Freundschaft mit seinem besten Freund Max nicht gefährden und ist als Ersatzkicker im Schul-Football-Team.
Zu Beginn ist Daniel sich überhaupt nicht darüber im Klaren, dass seine Ticks bzw. „Zaps“ Teil einer Zwangsstörung ist. Er denkt schlichtweg, dass er verrückt ist. Aus Angst seinen besten Freund zu verlieren, seinen Schwarm zu vergraulen und seine Eltern zu enttäuschen, verschweigt er jedem, wie sehr die Zwangsstörung seinen Alltag zunehmend bestimmt.
Mir tat es in der Seele weh, zu sehen, dass Daniel meinte damit allein klarkommen zu müssen. Der Autor beschrieb insbesondere die „Rituale“ seines jungen Protagonisten sehr beklemmend. Als Leser merkt man durch diesen tiefen Einblick, wie Ernst man derartige Zwangsstörungen nehmen muss. Sich vorzustellen, dass Menschen derartiges täglich durchleben müssen, löst in mir großes Mitgefühl aus. Wesley King selbst litt in der Teenagerzeit an OCD und konnte in diesem Buch daher viele persönliche Erfahrungen einfließen lassen.

Ausgerechnet die stumme Sara – genannt Psycho-Sara – aus der Schule, stößt ihn auf den wahren Kern seiner persönlichen Probleme. Bei ihr muss er sich nicht verstecken. Mit Sara wurde ich zugegeben erst etwas später warm. Sie ist recht schroff und geht sehr unverhohlen auf Daniel mit einem sehr familiären Problem zu. Sie denkt nämlich, dass ihr Vater vom neuen Freund ihrer Mutter umgebracht wurde. Aber in Daniel sieht sie auch ein „Sternenkind“ – bzw. Verbündeten.

Wie zuvor schon erwähnt, dominiert die Krankheit zwar zeitweise Daniels Alltag, aber legt sich nicht zu schwer über den Gesamtverlauf. Man merkt jedoch, dass bei ihm die Zwangsstörung besonders durch Stress hervorgerufen wird. Daniel nimmt auch das Schreiben als abendliche Beschäftigung um runter zu kommen, oder um sich mental auf sein „Programm“ vor dem zu Schlafen gehen vorzubereiten. Je länger er schreibt, umso entspannter ist er und braucht dann nicht so lange. Auszüge seiner Schreibkreativität wurden kursiv in die Kapitel eingeflochten.

Das Ende wurde recht offen gelassen, was jedoch irgendwie passt. Allerdings fehlten mir zwischenzeitlich ein bisschen mehr Pepp. Gerne hätte ich noch mehr Vater-/Sohn Situationen und der Versuch einiger Aufklärungen gesehen. In Gänze schreibt der Autor aber sehr flüssig und mitfühlend.


Fazit

Kings hat mit Daniel eine wundervolle Figur gezeichnet, dessen Schicksal mir nahe ging. Speziell durch Daniels abendliches „Programm“, gewährt der Autor einen erschreckenden Einblick in die Welt der Zwangsstörungen und Panikattacken. »Daniel is different« ist eine aufwühlende rührende Geschichte, deren Ende gewollt offen geblieben ist. Dadurch wirkt das große Ganze sehr realistisch, allerdings auch etwas unvollendet. Nichtsdestotrotz ist Wesley Kings Jugendbuch eine wichtige Geschichte über eine missverstandene Krankheit.

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Tags: daniel is different, magellan verlag, ocd, wesley king, zwangsstörung   (5)
 

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fantasy, prinz, der kuss der lüge, prinzessin, attentäter

Der Kuss der Lüge

Mary E. Pearson ,
Fester Einband: 560 Seiten
Erschienen bei ONE ein Imprint der Bastei Lübbe AG, 16.02.2017
ISBN 9783846600368
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Meine Meinung
Dank der überaus treuen Leser-Gemeinde von Mary E. Pearson, schwappte die Euphorie um »Die Chroniken der Verbliebenen« aus Amerika auch nach Deutschland. Tatsächlich wurde auch ich davon mitgerissen.
Eine Prinzessin lehnt sich gegen die Traditionen ihrer Eltern und den Morrighanischen Hof auf, und macht sich mit ihrer Zofe kurz vor der arrangierten Hochzeit, auf und davon. Kurz darauf sind ihr ein Attentäter und der verschmähte Prinz dicht auf den Fersen. Es ist der Beginn eines gefährlichen Katz- und Mausspiels.
Das klingt nach einem durchwegs spannendem Abenteuer…oder?

Vielversprechend las sich der Einstieg definitiv. Geschildert werden die Ereignisse aus Wechselperspektiven der Prinzessin, dem Attentäter und des Prinzen. Später gibt die Autorin dem Leser mit den Namen Rafe und Kaden noch das Rätsel auf, wer von beiden wer ist. Beide lernt die etwas zu vorlaute Prinzessin Lia nach ihrer Flucht kennen, verliebt sich aber nur in einen.

An sich eine spannende Idee, dennoch empfand ich die spätere Auflösung, persönlich betrachtet, als vorhersehbar. Die Romanze dominierte mir zunächst auch viel zu sehr. Das mag ein anderer Leser differenzierter sehen. Mich interessierte das Land und seine Geschichte, und die >Gabe< mehr, mit welcher Lia angeblich nicht gesegnet wurde.
Das nach der Flucht Lias nicht all zu viel geschah, stoß mir auch irgendwann auf. Man könnte doch meinen, dass die königliche Familie in heller Aufregung sein muss, wenn die einzige Tochter verschwindet. Doch das erfährt der Leser kaum.
Es entstanden Längen, die sich bis zur Hälfte zogen und ich spielte zwischendurch sogar mit dem Gedanken, das Buch abzubrechen. Warum ich dran blieb, ist sicherlich der einnehmenden Schreibe Pearsons zu verdanken. Tatsächlich bin ich sehr froh, dran geblieben zu sein. Denn ab der Mitte wurde ich belohnt.

Die Handlung nimmt eine Stimmungswende und die Spannung erlebt eine starke Aufwärtskurve, wie ich sie mir so sehr herbei gesehnt hatte. Die Figuren entwickelten sich und die Sympathiepunkte stiegen. Lias vorlaute Zunge und Kampfgeist sind ihre stärkste Charaktereigenschaften, die sie aber auch immer wieder in Schwierigkeiten bringt. Die Persönlichkeiten und jeweilige Vergangenheit von Kaden und Rafe bekommen nach einem schwächelnden Mittelteil ebenfalls einen Aufschwung. Für wen sich Lia entscheidet, stand für mich jedoch nie im Mittelpunkt der Geschichte. Verfolgt man ihre Reise nämlich bis zum Ende des ersten Bands, merkt man, dass so viel mehr in dieser Reihe steckt als eine Romanze.
Und hier komme ich auch schon zum Weltenbau von Mary E. Pearson. Durch Lias Reise bekam ich einen ersten Einblick in die wirklich faszinierende Welt über die heimischen Grenzen der Prinzessin hinaus. Diese Welt samt seiner Mythen, Stämme, unbekannten Sprachen und Geheimnisse hat eine Menge Potenzial. Ich hoffe sehr, dass sich dieses über die restlichen Bände voll entfalten wird.

Nach einem sehr gelungenen Ende wurde, entgegen meiner zwischenzeitlichen Erwartung, die Neugierde auf den Folgenband „Das Herz des Verräters“ wieder gehoben. Ich bin gespannt, was die Autorin mit ihrer Protagonistin und den Nebenfiguren im zweiten Teil noch im Schilde führt.


Fazit

In Gänze benötigte ich einen gewissen Grad an Geduld diesen Auftakt zu lesen. Die erste Hälfte von „Der Kuss der Lüge“ ist gespickt mit Klischees und einer angedeuteten Dreiecksliebesgeschichte, die mich zu Beginn nicht für sich gewinnen konnte. Die Handlung ist auch zunächst recht zäh. Jedoch lohnt es sich durchzuhalten, denn Mary E. Pearson weiß durch ihre Schreibe den Leser an sich zu binden. Die Figuren entwickelten sich durchaus interessant. In der zweiten Hälfte nimmt die Handlung zudem ein hohes Spannungslevel an, welches sich bis zum Schluss hält und mich absolut überzeugen konnte. Der zweite Band, welcher bereits im Juni erscheint, wird daher von mir mit Vorsicht, aber auch sehr neugierig erwartet.

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Tags: all-age, bastei lübbe, der kuss der lüge, jugendbuc, mary e. pearson, one verlag   (6)
 

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frankreich, zweiter weltkrieg, deutschland, roman, anthony doerr

Alles Licht, das wir nicht sehen

Anthony Doerr , Werner Löcher-Lawrence
Flexibler Einband: 528 Seiten
Erschienen bei btb, 11.07.2016
ISBN 9783442749850
Genre: Romane

Rezension:

Meine Meinung
Dieser große, wunderschöne WW2-Roman verblüffte so viele Leser im Jahr 2014 und brachte dem Autor Anthony Doerr im Jahr 2015 den Pulitzer Preis ein. Doch während ich das Buch durchaus genoss (sofern man das über ein Buch mit derartigem Thema sagen kann), wurde es dem Hype nicht ganz gerecht. Dies bedeutet nicht, dass ich das Werk nicht liebe. Anthony Doerr gibt dieser Geschichte eine wunderschöne, lyrische Stimme und zeitgleich abrupt scharfe Sprache.  Er beeindruckte mich zutiefst mit akribischer Recherche, sowie unzähligen Passagen umfasst von lebendigen und scharfsinnigen Umschreibungen.

Die beiden Hauptfiguren von „Alles Licht, das wir nicht sehen“, das blinde Mädchen Marie-Laure aus Frankreich und der deutsche Waisenjunge Werner, haben faszinierende Persönlichkeiten. Sie bewegen sich auf gegensätzlichen Seiten des Krieges und nehmen den Leser über eine Zeitspanne von mehreren Jahren, auf ihre jeweilige Reise mit. Obgleich Werner sich von einem kleinen, verträumten Waisen mit großer Leidenschaft für Mechanik und Mathematik zu einem Nazi-Soldaten entwickelt, konnte ich ein gewisses Mitgefühl für seine Situation nicht ablegen. Er ist ein Junge, der erst mit Voranschreiten des Krieges das wahre Grauen entdeckt und wie sehr seine Talente von den Nazis missbraucht worden sind.

Marie-Laure dagegen ist trotz ihrer Blindheit mit einem ansteckenden Optimismus erfüllt. Die Art und Weise, wie ihre Passagen beschrieben werden, geben dem Leser wirklich das Gefühl, als Mensch mit einer Sehbehinderung zu leben. Und während der Terror des Krieges sie und ihre Lieben immer enger umkreist, entdeckt sie die Wunder der Welt und zeigt dem Leser Licht in der Dunkelheit.
Auch Marie-Laures Vater, der sich aufopferungsvoll um sie kümmert, und ihr exzentrischer Onkel erwärmten mein Herz…um es später mit Sorge zu füllen.

Doch während mir die Charakterzeichnungen unheimlich gut gefielen, wurde mir im Handlungsverlauf zu viel Tamtam veranstaltet. Sprachgewaltig ja, aber die Handlung zog sich mit der Zeit zu sehr in die Länge, ohne das wirklich etwas passierte. In diesem Fall hätte der Autor entweder mehr Taten sprechen lassen müssen, oder locker hundert Seiten streichen können. Das klingt nun sehr brutal, aber so empfand ich es zum letzten Drittel leider.

Das Ende hingegen konnte mich wieder mitziehen und ich schloss das Buch mit zitternden Händen.


Fazit

Obgleich ich das Preis gekrönte Werk nicht ganz so euphorisch feiere wie viele andere Leser, kann ich den Zauber nachvollziehen. Anthony Doerr besitzt eine ausdrucksstarke Sprache und verwendet wundervolle Prosa, die mir den Atem raubte. Der Autor gewährt dem Leser mit seinen Erzählungen einen aufwühlenden und üppig umschriebenen Einblick, in die Zeit des zweiten Weltkriegs. Auch die Charakterzeichnungen gefielen mir unheimlich gut. So erhält der Leser einen erstaunlich lebendigen Eindruck von der Welt der blinden Marie-Laure. „Alles Licht, das wir nicht sehen“ hat mich, trotz zu vieler ausschweifenden Passagen, berührt und beeindruckt.

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Tags: 2. weltkrieg, alles licht das wir nicht sehe, anthony doerr, btb verlag, c.h. beck verlag   (5)
 

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fantasy, young elites, marie lu, jugendbuch, die gemeinschaft der dolche

Young Elites - Die Gemeinschaft der Dolche

Marie Lu , Sandra Knuffinke , Jessika Komina
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Loewe, 16.01.2017
ISBN 9783785583531
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Meine MeinungDen Durchbruch schaffte die amerikanische Autorin Marie Lu vor Jahren mit ihrer dystopischen Legend-Trilogie. Von ihrem packenden Erzählstil konnte ich nicht genug bekommen. Natürlich interessierte mich ihr nachfolgendes Projekt, die YOUNG ELITES-Trilogie, daher brennend. 

Der erste Eindruck nach Beenden des Auftakts »Die Gemeinschaft der Dolche« war, dass Marie Lu auch zukünftig unbedingt mehr Fantasy Projekte machen sollte. Mir gefällt die Mischung aus historischer Fantasiewelt mit düsterer Macht unheimlich gut.

Dabei war die Idee der Autorin mit Adelina eine Antiheldin zur Hauptfigur zu machen, nicht ihr erster Impuls. Tatsächlich ist sie erst später auf diese Figur aufmerksam geworden, worum ich sehr froh bin. Obwohl die Protagonistin viel Wut und Dunkelheit in sich trägt, mochte ich sie auf eine gewisse Art. Adelina entdeckt gerade erst, was in ihr schlummert. Ihr Charakter ist komplex. Ihre Zerrissenheit zieht sich wie ein roter Faden durch die Handlung, was ihre Figur so unberechenbar macht. Sie ist selbstlos und unsicher, furchtbar verängstigt und auch sehr fasziniert, von ihrer neu entdeckten dunklen Macht.
Macht, so etwas hatte Adelina in ihren fünfzehn Jahren nie. Sie wurde immer von ihrem Vater unterdrückt und gedemütigt. Und gerade das macht sie nun so gefährlich. Diese neue Fähigkeit wird genährt von Wut und Angst. All das macht sie zur Zielscheibe für den ersten Inquisitor Teren Santoro. Er arbeitet im Auftrag für den König und die Königin, und will ihresgleichen hängen sehen. Allerdings frisst er auch einen Narren an Adelina.

In letzter Sekunde kommt ihr aber Enzo Valeciano zur Hilfe, der Anführer der sogenannten «Gemeinschaft der Dolche«. Er und seine Gemeinschaft sind genau wie sie, wollen jedoch um ihren Platz kämpfen. Um in der Gruppe aufgenommen zu werden, muss sie sich erstmal beweisen. 
Es herrscht wieder viel Misstrauen. Wogegen die Chemie zwischen Adelina und Enzo vom ersten Moment an sehr anziehend ist. Enzo ist ein gezeichneter und geheimnisvoller Mann, der nur schwer Vertrauen fässt. Auch Nebenfiguren, wie der charismatische Kurtisane Raffaele, Gemma und Adelinas Schwester Violetta wurden super interessant eingebracht.

Erzählt wird die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven, was mir wirklich gut gefiel. Während Adelinas Sichtweise aus der ersten Person entspringt, schildern Raffaele und Teren ihre aus der dritten Person.
Das erbaute Weltkonstrukt von Marie Lu gehört zu meinen Highlights im Auftakt. Durch die Masken und Gondeln bekommt diese historische Fantasy-Trilogie eine venezianische Note. Es war spannend diese Welt zu entdecken.

Was mich beim Lesen leider straucheln ließ, war der recht langsame bzw. ausufernd formulierte Beginn. Zum letzten Drittel bekommt die Handlung aber ein sagenhaftes Tempo mit traumhaften Wendungen und viel Spannung, welche mich komplett umhauten. Da erkannte ich dann wieder Marie Lus unverkennbaren Erzählstil wieder. Das Ende hat mich sehr geflashed. Den Folgeband erwarte ich nun mit sehr großer Neugierde.


Fazit

Marie Lu hat sich nach dem großen Erfolg ihrer Legend-Trilogie an etwas düsteres herangewagt und mich definitiv damit abholen können. Wer nach einer Superheldin mit reinem Herzen sucht, wird in Adelina Amouteru aber nicht fündig. Alle Figuren sind zerrissen und besudelt von böser Macht. Und genau das macht "Young Elites" so reizvoll. Dieser Auftakt gab mir - trotz eines langsameren Mittelteils - alles, was ich mir erhofft hatte.

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Tags: jugendbuch, loewe verlag, marie l, young elites - die gemeinschaft der dolche   (4)
 

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fantasy, ein meer aus tinte und gold, jugendbuch, traci chee, magie

Ein Meer aus Tinte und Gold

Traci Chee , Sylke Hachmeister
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 25.11.2016
ISBN 9783551583529
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Meine Meinung

Chee schuf mit ihrem Auftakt „Ein Meer aus Tinte und Gold“ eine vielseitige Welt voller Mythen, Weissagungen, Krieger, Schwerter, Piraten, zwielichtigen und wunderbaren Gestalten, sowie jede Menge Magie und…ein Buch.

In dieser Welt können die meisten Menschen nicht lesen, sie wissen nicht was ein Buch ist und wie man es verwendet. Sie verlassen sich auf ihr eigenes Wort. Es gibt für sie kein Leben nach dem Tod. Ihre einzige Hoffnung ist, dass man sich an sie erinnern wird indem man sein Leben mit eigenen Geschichten füllt.

Ist »Ein Meer aus Tinte und Gold« ein Pageturner? Für mich persönlich, nicht unbedingt. Ist es ein Buch, dass ich nicht weiterempfehlen würde? Nein, denn ein so komplexes Weltenkonstrukt wie es in diesem Buch zu finden ist, benötigt einen Gewissen Rahmen zur Entfaltung. Zudem trifft man als Leser auf sehr viele Figuren. Traci Chees Erzählstil ist reich ausgeschmückt und wunderschön zu lesen. Die Handlung ist manches Mal sehr ausufernd, aber nie langweilig und vor allem fühlt sich die Idee neu und individuell an. Das gefiel mir, trotz einiger Schwächen, sehr.

„Es war einmal und es wird eines Tages sein. So fangen alle Geschichten an.“

Seite 250 ~ „Ein Meer aus Tinte und Gold“

 

Was die Autorin für mich wunderbar meisterte, war die Zeichnung der Figuren. Sefia, die Hauptfigur, existierte vor der Entführung ihrer Tante Nin nur als Schatten dieser. Doch dann muss sie sich mit einem geheimnisvollen Gegenstand namens Buch, alleine durchschlagen. Auf ihrer verzweifelten Suche nach Nin, trifft Sefia auf den stummen Kämpfer Archer.
Archers Figur ist mir am meisten ans Herz gewachsen. Im Kampf ist er ein Tier und man fürchtet ihn geradezu. Doch erfährt der Leser einmal seine Hintergrundgeschichte und erlebt ihn im Umgang mit Sefia, bricht einem das Herz. Chee bietet charakteristisch die volle Bandbreite an Figuren. Von charismatisch, gewalttätig, bis hin zu verletzlich und moralisch abtrünnig.

 

„Wenn du in Kelanna stirbst, bist du weg. Dort glauben sie nicht an die Seele…
Sie glauben nicht an Nachrichten von den Toten. Die Toten existieren nicht mehr…“

Seite 305 ~ „Ein Meer aus Tinte und Gold“

 

Gestalterisch ist das erste »Buch von Kelanna« eine Entdeckung und Augenweide, wie ich sie selten in die Hände bekomme. Faszinierende Kalligrafie versehen mit Fingerabdrücken, rätselhafte Buchstaben und Zeichen zwischen den Zeilen, sowie eine Geschichte IN der Geschichte.

Während die erste Hälfte oftmals mit Leerläufen durchlöchert wurde, wie Käptn‘ Lees Revolver es mit seinen Gegnern tut, kam danach ein Aufschwung. Es folgen Schlachten auf hoher See, sowie ein spannender Showdown für Sefia und Archer.


Fazit

Traci Chees Debüt ist ein vielversprechender Auftakt, hat aber auch kleine Macken. Diese Serie mit ihrer wundervollen Grundidee und faszinierenden Welt hat großes Potenzial sich zu etwas sehr Besonderem zu entwickeln. „Ein Meer aus Tinte und Gold“ ist eine Ode an fantastische Bücher und ein liebevolles Augenzwinkern an Magie, Freundschaft und unseren Platz in der Welt.

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Tags: carlsen verlag, ein meer aus tinte und gold, jugendbuc, traci chee   (4)
 

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50iger jahre, ruta sepetys, krimi, new orleans, 50er jahre

Ein Glück für immer

Ruta Sepetys , Henning Ahrens
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 21.11.2014
ISBN 9783551560025
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Meine Meinung

Bekannt ist Ruta Sepetys für ihr Debüt »Und in mir der unbesiegbare Sommer« geworden, eine einfühlsame und zugleich sagenhaft grausame Erzählung aus der Zeit des zweiten Weltkriegs. Was diese Epoche angeht, kann man ihr sicherlich nichts vormachen. Sowohl von der Dichte der Informationen, als auch vom erzählerischen Aspekt. Beweis dafür ist ihr neuestes Buch »Salz für die See«, welches momentan für Begeisterung in der Leser- und Blogger-Gemeinschaft sorgt.

Doch zwischen diesen beiden Romanen brauchte Ruta Sepetys (verständlicherweise) eine Verschnaufpause von der Schwere der Thematik. So entschied sich die US-Autorin für eine ganz andere Geschichte. Mit »Ein Glück für immer« ist ihr das ohne jeden Zweifel gelungen. Nach wie vor im Historischen Jugendbuch angesiedelt, entspringt die Geschichte dem pulsierenden 50er Jahren. Nur wenige Jahre nach dem Ende des großen Weltkriegs, sind die Menschen dabei sich wieder aufzurappeln. Amerika steht mitten im harten Umbruch. Die Wirtschaft floriert nicht gerade und der Unterschied zwischen sehr Reich, und Bettelarm ist sehr präsent. Ruta fängt dieses Gefühl der Zeit unheimlich stimmungsvoll ein. Von Beginn an schwingt dem Leser dieses „The Big Easy“-Gefühl entgegen. Die Kleidung, die Musik und das intensive Lebensgefühl wurden zu dieser Zeit vor allem in New Orleans ausgelebt. Dort sind die Menschen hingegangen, um etwas zu erleben und sich wilden Partys hinzugeben. New Orleans war der „Melting Pot der Sünde, zwielichtigen Geschäfte und Verführungen“. Das ist bekannt und nichts neues. Was die Autorin mir allerdings näher brachte, war das Leben der nicht gut betuchten Bewohner New Orleans. Die Arbeiterklasse am Rande des Existenzminimums. Ruta Sepetys befasst sich tiefer mit diesen Menschen, die sich etwas ausdenken mussten um Geld zu verdienen und trotzdem Träume hatten.

Mitten drin wächst Sepetys‘ Romanheldin Josie Moraine als Tochter einer berüchtigten Prostituierten auf. Entgegen vieler anderer, die in die Stadt kommen, wünscht Josie sich nichts sehnlicher, als all dem zu entfliehen. Ganz anders als ihre durchtriebene Mutter ist die 17-jährige. Sie ist belesen, schlau und wünscht sich nichts sehnlicher, als an einem der renommierten Colleges zu studieren. Doch diesem Kreis zu entkommen, scheint einfach als unmöglich. Ohne Geld und Empfehlung ist auch für das junge Mädchen nicht viel zu machen. Und dann tut sich eine neue Gelegenheit auf. Doch leider halten sich, dank ihrer Mutter, die Probleme nicht von Josie fern. Als Cincinnatti, Gangster und Gelegenheitsliebhaber von Josie Mutter, wieder in der Stadt auftaucht, wird die Luft zunehmend dicker. Und dann wird ein reicher Geschäftsmann, den Josie kurz zuvor getroffen hatte, mysteriöser weise tot aufgefunden.

Mir gefiel Josies Persönlichkeit vom ersten Moment an unwahrscheinlich gut. Sie hat Esprit, ist clever, sehr eigenständig und lässt sich nicht aufs Korn nehmen. Bereits mit elf Jahren sagte sie sich von ihrer Mutter los und zog in ein Zimmer über einem Buchgeschäft. Sie hält sich, trotz ihres Jobs als Hausmädchen im Bordell, aus den >zwielichtigen Geschäften< heraus. Zu tief ist die Abneigung für das Gewerbe. Ihr einziger Ausweg ist immer wieder der zweite Job im Buchladen ihres guten Freundes Patrick.

Aber auch Nebenfiguren fanden bei mir schnell Anklang. Zum Beispiel die raubeinige Willy, die zwar Bordell-Chefin ist, aber Josie unbedingt aus dem Gewerbe raushalten will. Zu ihr schaut Josie auf, was man von der eigenen Mutter nicht behaupten kann. Willy und Josies Beziehung ist sehr besonders und umgibt einen ganz eigenen Rhythmus. Ebenso schloss ich Cokie, den persönlichen Fahrer und Mann für Alles, sehr ins Herz. Aber auch die Mädels im Bordell sorgten bei mir mit ihrer Art für den einen oder anderen Schmunzler. Jede dieser Figuren hat so seine ganz eigenen Spleens, was sie sehr einzigartig macht.

Die Szenen im Freudenhaus werden hier und da recht freizügig umschrieben, driften aber niemals ins vulgäre ab. So schafft es Ruta Sepetys, trotz Setting und Personen, mit null Obszönitäten und dafür mehr Klasse auszukommen. »Ein Glück für immer« ist definitiv unterhaltend, barg für mich bisweilen aber zu wenige Überraschungen. Nichtsdestotrotz habe ich dieses Buch sehr gern gelesen und musste am Ende sogar ein paar Tränen verdrücken.


Fazit

„Ein Glück für immer“ entführte mich in das aufregende Setting New Orleans der 50er Jahre. Ruta Sepetys konnte mich wieder einmal verzaubern. Eine wunderbar klar und schnörkellos erzählte Geschichte über die Macht der Träume und der steinerne Weg, diese zu erfüllen.

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freundschaft, liebe, schule, jugendbuch, familie

Eine Woche voller Montage

Jessica Brody , Lara Tunnat
Fester Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Magellan, 25.07.2016
ISBN 9783734850226
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Der Plot

Ellie erlebt den schrecklichsten Montag ihres Lebens: Eine Katastrophe jagt die nächste, und als wären alle Peinlichkeiten nicht schon schlimm genug, macht ihr Freund Tristan aus heiterem Himmel mit ihr Schluss! Ellie wünscht sich nur eines: Sie möchte bitte, bitte eine zweite Chance.
Die kriegt sie – am nächsten Morgen wacht sie auf und stellt fest: Es ist wieder Montag! Ellie setzt alles daran, die Fehler von gestern/heute zu vermeiden und für ihr eigenes Happy End zu sorgen. Doch wer hätte gedacht, dass ein Montag so hartnäckig sein kann?

 

Meine Meinung

Jeder von uns hat ihn schon unzählige Male verflucht. Es gibt keinen anderen Tag, der es einem morgens so schwer macht, aus den Federn zu kommen.  Der ungeliebte und erbarmungslose Montag, der einen viel zu schnell zurück in den Alltag schmeißt, obwohl man mit dem Kopf (und dem Rest des Körpers) noch im Wochenende steckt.

Nun stellt euch vor, ihr müsst nach einem besonders schlimmen Montag feststellen, dass es am nächsten Morgen kein Dienstag gibt und sich der Albtraum-Montag wiederholt. Bill Murray konnte als Wetterfrosch Phil in seinem Film »Und täglich grüßt das Murmeltier« darüber bereits ein Lied singen.
Nun katapultiert Autorin Jessica Brody ihre Protagonistin in der YA-Erzählung durch »Eine Woche voller Montage«. Und glaubt mir, diese Montage-Woche hat es in sich.

Dieses Jugendbuch ist ein Einzelband. Durch den immer wiederkehrenden Montag, beinhaltet die Geschichte ein gewisses Fantasy-Element, ist jedoch in seiner gesamten Form in der Gegenwartsliteratur einzuordnen und daher sehr für Leser dieses Genres ansprechbar. Die jeweiligen Kapitel werden „geschmückt“ von Songtitel aus den 60er Jahren. So bekommt der Leser von Anfang an, ein Gefühl von Ellies Persönlichkeit, denn sie liebt die Musik der 60er abgöttisch und erstellt sogar Stimmungs-Playlisten.

Ellie ist ein schlagfertiges Mädchen, welches jeden um sich zufrieden stellen möchte und gerne die Kontrolle hat. Doch dann zieht ihr ausgerechnet ein katastrophaler Montag richtig eins drüber, und wiederholt sich nicht nur einmal, sondern gleich Sieben Mal. Schuld ist sie selbst, denn schließlich hat sie auch darum gebeten. Man begleitet Ellie fortan beim verzweifelten Versuch, vorherige Fehler auszubügeln. Doch als so einfach stellt sich das alles nicht raus.

 

„Wir fahren gefühlt mehrere Stunden stumm weiter. Draußen wechseln die Jahreszeiten. Die Erde umrundet einmal komplett die Sonne. Und doch ist immer noch Montag.“

 

Die Idee von Jessica Brody empfand ich schon beim ersten Blick auf den Klappentext als erfrischend und süß. So habe ich mir dadurch kurzweilige Lesestunden versprochen. 

Die Umsetzung ist mit diesem Pageturner definitiv geglückt. Man rast mit der super sympathischen Hauptfigur regelrecht durch diese hektische Woche der Montage. Mit viel Herz, Köpfchen und noch mehr Humor packt Ellie das Problem an, ohne zu wissen WO das Problem liegt.
So werden über die Woche hinweg verschiedene Seiten Ellies und ihrem Familien- und Freundeskreis durchleuchtet. Wieso ist zum Beispiel Ellies Mutter auf ihren Vater sauer? Weshalb ist doch immer wieder Schluss mit ihrem Rockstar-Freund Tristan? Und wieso versteckt sich ihre kleine Schwester wirklich hinter all den Büchern und Highschool Filmchen? All das – und noch viel mehr – ergründet der Leser gemeinsam mit der Protagonistin. Dadurch lernt man nicht nur Ellie besser kennen, sondern auch die gelungen gezeichneten Nebenfiguren, wie ihren (himmlischen!) besten Freund Owen.

Während einige Entscheidungen von Ellie den Lesern von Anfang an zu offensichtlich erscheinen könnten, beschreibt diese Geschichte für mich im nachhinein viel mehr die gesamte innerliche Reise als das Ziel.

 

Von daher gibt es von mir eine absolute Leseempfehlung für dieses süße und humorvolle Jugendbuch, mit der peppigen Idee!

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helden, liebe, coming of age, edel und electric, provinz

Wir waren keine Helden

Candy Bukowski
E-Buch Text: 236 Seiten
Erschienen bei edel & electric, 01.07.2016
ISBN 9783960290063
Genre: Romane

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liebe, familie, jugendbuch, baby, sommer

Mein Leben nebenan

Huntley Fitzpatrick , Anja Galić
Fester Einband: 512 Seiten
Erschienen bei cbj, 29.02.2016
ISBN 9783570172049
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Der Plot

Alice Garretts Leben besteht aus To-do-Listen und Verantwortung für ihre jüngeren Geschwister. Nichts passt weniger in ihr Leben als der zu Hause rausgeflogene Loser-Freund ihres Bruders Tim. Ein Schulabbrecher mit jeder Menge Problemen – ausgerechnet er zieht nun über der Garage der Garretts ein. Tims Planlosigkeit geht Alice so was von auf die Nerven – und gleichzeitig fühlt sie sich immer wieder magisch zu ihm hingezogen …

 

Meine Meinung

Wer jemals ein Buch von Huntley Fitzpatrick gelesen hat, weiß, dass die Autorin eine Meisterin ist im Erzählen komplizierter Familiengeschichten. Sie zeichnet stets sehr liebevolle, vielschichtige und unheimlich nahbare Figuren, die genauso gut ein Mitglied der eigenen Familie sein könnten.  Diese Figuren sind immer das Herzstück um die Huntley einen wunderbaren Plot, vollgepackt mit Herzschmerz, Gelächter, Tränen, Romantik und gestohlenen Momenten, zaubert.

Von daher war auch die Vorfreude auf ein Wiedersehen mit der Familie Garrett groß – ich kannte sie bereits aus Fitzpatricks Debüt »My Life next door« („Mein Sommer nebenan“). Die Neugierde auf das, was sie sich für Alice und Tim hat einfallen lassen, war schier endlos. Natürlich stellte ich mir die Frage, ob man auch Jase und Samantha wiedersehen würde. Und ja, meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht.

Aber natürlich dreht es sich hier vorwiegend um Tim und Alice. Tim ist Jases bester Freund und hatte bereits einen größeren Auftritt in Fitzpatricks erstem Buch, während Alice die ältere Schwester von Jase ist. Aus wechselnden perspektiven begleiten wir die zwei sehr unterschiedlichen Menschen. Alice ist sehr verantwortungsbewusst, nimmt sich daher die Familienprobleme sehr zu Herzen. Am liebsten möchte sie alle Probleme der Großfamilie alleine anpacken und lösen. Aber auch sie muss begreifen, dass sie nicht alles händeln kann und sogar für ihre eigenen Pläne zurück stecken muss.

Tim ist da komplett anders. Er ist ein Charmeur und stolpert von einer Katastrophe in die nächste. Er nutzt seinen Humor als Verteidigungsschild und seine Selbstironie macht ihn zu einem unzuverlässigen Burschen. Er versteckte sich bisher hinter Drogen- und Alkoholmissbrauch. Die Erwartungen seines Vaters hat er schon vor Jahren enttäuscht. Somit macht sich Tim nach dem Rauswurf seiner Eltern auf den Weg zur Familie Garrett, die ihm die Wohnung über ihrer Garage zur Verfügung stellen. Doch ehe er überhaupt eine Chance hat, sein Leben auf die Reihe zu kriegen, wartet eine unangenehme Überraschung vor seiner Türschwelle. Eine Überraschung, die ihn dazu zwingt Verantwortung für sich und vor allem seine Mitmenschen zu übernehmen.

Beide Charaktere kennenzulernen war eine Freude für mich. Beide haben auf ihre jeweils eigene Weise schwierige Persönlichkeiten und machen es dem jeweils anderen nicht einfach. Neben ihren Problemen, bekommt man als Leser wieder die volle Wucht der Familie Garrett zu spüren. Wie sehr ich diese Momente wieder genossen habe. Aber auch der Wandel Tims, resultierend aus der Überraschung vor seiner Tür, hat mich überzeugt. Die Entwicklung Tims ist nicht übereilt dargestellt worden, sondern wurde sehr plausibel ausgeführt.

Letztlich dreht es sich in dieser Geschichte um den Wert der Familie und das Wissen, das man ein Zuhause auch ganz woanders finden kann. Das Zuhause und Familie dort sind, wo man akzeptiert und geliebt wird, obwohl man hinfällt. Das man trotz böser Fehler irgendwo hin kann um sich wieder aufzurappeln. Und natürlich wird auch die Liebe ganz groß geschrieben.

Was übrig bleibt, wenn man Huntley Fitzpatricks Buch schließt, ist ein bittersüßes Wonnegefühl und ein gewisser Abschiedsschmerz für die Familie Garrett!

 

 

Tacheles…

Das Spin-Off und damit verbundene Wiedersehen mit der Familie Garrett, sowie diversen alten und neuen Bekannten, löste bei mir viel Begeisterung aus. Huntley Fitzpatrick gelingt es spielend, dass der Leser sich mit den Romanfiguren binnen kurzer Zeit verbunden fühlt. »Mein Leben nebenan« ist eine rührende Coming-of-Age Geschichte über das Erwachsenwerden, natürlich Liebe und vor allem über den (Familien)Zusammenhalt. Jeder der nach der perfekten Wohlfühllektüre für den Sommer (Frühling, Herbst oder Winter) lechzt, sollte sich dieses Buch und alle anderen Romane von Huntley Fitzpatrick unbedingt zulegen.

  

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