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okapi, westerwald, tod, liebe, leben

Was man von hier aus sehen kann

Mariana Leky
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 13.09.2017
ISBN 9783832198398
Genre: Romane

Rezension:

"Als in aller früh der Postbote kam, um den Briefkasten zu leeren, warteten da bereits ein paar Leute, um ihre hastig eingeworfenen Briefe wieder zurückzuholen, weil sie ihnen jetzt unangenehm waren, weil sie fanden, dass die Worte darin unangemessen groß waren für ein weitergehendes Leben, es stand zu viel immer, zu viel niemals darin." (S. 98)


Luises Leben spielt sich in einem kleinen Kosmos ab; sie lebt in einem kleinen Dorf mit einer handvoll Einwohner. Dennoch ist ihr Leben größer und umfassender als man auf dem ersten Blick meinen könnte, nicht nur hinsichtlich der skurrilen Beziehungsgeflechte. Sobald ihre Großmutter Selma von einem Okapi träumt, stirbt am nächsten Tag jemand im Dorf. Man weiß nie, um wen es sich handelt, und das treibt die Einwohner an, wichtige Entscheidungen zu überdenken, zu handeln, zu leben.


Wenn ich sage, ich war am Anfang von der Idee begeistert, lüge ich. Sie hatte lediglich ganz knapp mein Interesse geweckt, mit Tendenz zur Gleichgültigkeit. Und dann entpuppt sich dieser Roman als etwas ganz Wundervolles über das Leben, die Liebe, den Tod...
 
Die Spannung, die sich über das ganze Buch zieht, ist vermutlich Leky's sonderbarem Schreibstil zu verdanken, der einem die eigene Wahrnehmung verdreht:
Am Ende des Buches stellte sich mir sogar die Frage: War das eben tatsächlich ein Buch oder war ich mittendrin? Die Autorin schafft es, mit durchdachter Präzision und außergewöhnlichem Witz einen vergessen zu lassen, dass es sich hierbei eigentlich nur um Worte - schwarz auf weiß - handelt, sie entzieht ihnen ihr Gewicht und verleiht der Geschichte eine angenehme Leichtigkeit. Und nichtsdestotrotz hatte man das Gefühl, hinter jedem Satz stecken womöglich tausend tiefe, schwere Gedanken, die Leky tausendmal umgeformt hat, damit sie sich alle perfekt ineinanderfügen. Sowas nennt man Genialität!


Die Charaktere waren authentisch gestaltet, teilweise und auch nur minimal klischeehaft. Was sie eindeutig für mich waren: interessant. Ich wollte wissen, was hinter den Fassaden steckte - Die Person hat bestimmt noch einige Leichen im Keller! - und wie es mit jedem einzelnen weitergeht.
Einziger Kritikpunkt: Einige Beziehungen konnte ich nicht ganz nachvollziehen und mir haben die Charakterentwicklungen ein wenig gefehlt. Ich hätte mir wohl einen tieferen Einblick auch in die kleinen Geschichten wie etwa die von Palm oder der traurigen Marlies gewünscht.


Ein Buch, in dem der Tod eine zentrale Rolle spielt, in dem klar wird, dass er ein ständiger unsichtbarer Begleiter eines jeden ist - genau so wie das Leben. Nur mit dem Unterschied, dass wir bei Letzterem die Wahl haben, ob es unsichtbar bleibt oder nicht. Liebe ist ein gutes Beispiel, um das Leben zum Vorschein zu bringen.
Ein Buch, das ich nur weiterempfehlen kann!

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