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6 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

erzählungen, utopie, science-fiction-story, science fiction, sf

Eniwetok. Die Flucht: Scifi Erzählungen

Tom Turtschi
Fester Einband: 344 Seiten
Erschienen bei Seins-Fiction Verlag, 26.07.2017
ISBN 9783952482605
Genre: Sonstiges

Rezension:

Science-Fiction-Geschichten setzen meiner Einschätzung nach einen besonders aufmerksamen Leser voraus: Schließlich muss man sich (im allgemeinen) in Szenarien hineindenken, die es so (noch?) nicht gibt, die in der Zukunft angesiedelt sind, auf fernen Planeten oder hypothetischen Zivilisationen. Dies gilt auch für die meisten Geschichten in diesem Band. Etwas ungewohnt war zuerst für mich, dass am Anfang des Buches sozusagen textliche Teaser zu jeder Geschichte stehen. Interessante Idee! Hier ist deren Lektüre auch sinnvoll, da man als Leser bei jeder Geschichte gewissermaßen gleich ins kalte Wasser geschupst wird. Das hat den Vorteil, dass es keine langen Infodumps gibt; andererseits erschließt sich der Kontext erst nach und nach. Wenn man sich aber erst einmal eingelesen hat, wird der Leser belohnt durch (selbst für SF-Stories) ungewöhnlich komplexe und wohldurchdachte Szenarien. Der Schwerpunkt liegt dabei weniger auf ‚klassischer’ Weltraum-Action denn auf Konflikten, in welche die diversen Charaktere durch (mehr oder minder außergewöhnliche) Ereignisse gestürzt werden. Und die Passiv-Form ist in diesem Fall besonders angebracht, denn viele der Akteure in diesem Band suchen nicht das Abenteuer, sondern wollen eher ihre Ruhe haben – die ihnen aber kaum je vergönnt ist. Ein origineller Ansatz. Als besonders angenehm empfand ich auch den (zumeist) ironischen, wohlziselierten Erzählstil.

Zu den einzelnen Geschichten siehe die jeweiligen Kurz-Rezensionen. Anzumerken ist noch, dass die Texte nach der titelgebenden Erzählung „ENIWETOK“ nur bedingt als Science Fiction zu bezeichnen sind, was manch ein Rezensent beanstanden könnte. Außerdem fürchte ich, dass der eher kryptische Titel wie das ähnlich kryptische Coverbild eher verkaufshemmend sein dürften. (Nicht dass mir etwas Besseres einfiele ...) Das wäre schade, sehr schade, denn die Lektüre lohnt sich, ist unterhaltsam und regt zum Nachdenken an. Eine seltene Kombination!

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mexiko, hollywood, b. traven, abenteuer, geheimnis

Wer ist B. Traven?

Torsten Seifert
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Tropen, 14.10.2017
ISBN 9783608503470
Genre: Romane

Rezension:

Eigentlich müsste es ja heißen „Wer war B. Traven?“, denn als Autor war Traven – so viel ist sicher – zwischen 1925 und 1960 aktiv. Seinerzeit sehr erfolgreich, ist er heute noch am ehesten durch „Das Totenschiff“ und „Der Schatz der Sierra Madre“ bekannt. Welche Person hinter dem Pseudonym „B. Traven“ steht, ist dagegen bis heute nicht sicher. Einige der bekanntesten Thesen dazu verarbeitet Torsten Seifert – offenbar ein fleißiger Traven-Leser – in seinem Abenteuer-Roman. Hauptfigur ist freilich Leon Borenstein, ein Reporter aus L.A. deutsch-jüdischer Herkunft. Er bekommt von seinem Chef den Auftrag aufs Auge gedrückt, Travens wahre Identität aufzudecken, und zwar anlässlich der Dreharbeiten zu John Hustons Verfilmung vom „Schatz der Sierra Madre“ anno 1948.

 

Somit begibt sich Leon nach Mexiko, wo er nicht nur Huston begegnet, sondern auch manche Schachpartie mit Humphrey Bogart austrägt. Auch Hal Croves begegnet er dort, einem der Haupt-Verdächtigen für die wahre Identität von B. Traven. Außerdem entwickelt sich eine Lovestory mit einer gewissen María ... Das ist alles stimmungsvoll erzählt, mutmaßlich gründlich recherchiert; die Geschichte verbindet Elemente von Abenteuer-Roman, Historischem Roman, Krimi, Liebesgeschichte und Schlüsselroman; dazu später. Als ich glaubte, die ‚Enttarnung’ von Traven steht bereits an, da endet die Mexiko-Episode recht plötzlich; Leon kehrt nach L.A. zurück, und für einige Kapitel tritt der Plot auf der Stelle. Dann geht es – wieder auf der Spur von Traven – für einige Kapitel nach Wien, wo neue Spuren aufgedeckt werden. Dann aber geht es nochmals nach Mexiko, in die Gegend von Acapulco, wo Leon wiederum weitere Spuren verfolgt.

 

Die Auflösung sei hier nicht verraten. Es drängt sich aber der Eindruck auf, dass der Autor nicht nur von Travens Büchern beeindruckt wurde, sondern auch von Filmen: Natürlich von der Verfilmung vom „Schatz der Sierra Madre“, aber auch vom „Dritten Mann“ (siehe die Wien-Kapitel), womöglich auch von einigen L.A.-Krimis (nach Ellroy?); die Erzählstruktur – Reporter will mysteriöse Biographie aufklären – erinnert an „Citizen Kane“ ...

 

Wie sein Charakter Leon Borenstein, der nach und nach auch die Bücher Travens verschlingt, laboriert auch Torsten Seifert an einer Art literarischem Horror Vacui: Es dürfte so ziemlich jede These zur wahren Identität Travens abgedeckt oder zumindest erwähnt werden; dies führt dann eben dazu, dass sich der Plot nicht kontinuierlich entwickelt, sondern etwas hin und her mäandert, von L.A. nach Mexiko, über Wien, zurück nach Mexiko ... Gut, nicht jedes Buch braucht eine systematische, ‚ordentliche’ Entwicklung seines Plots. Allerdings wird der etwas zusammenhanglose Aspekt des Buches noch dadurch verstärkt, dass der Autor allerlei disparate Elemente unterbringt, inspiriert offenbar von besagten Büchern und Filmen: Die Geschichte(n) rund um den Film-Dreh, die Wien-Aspekte, eine Gangster-Geschichte in Mexiko, eine Prügelei, Stierkampf, eine Love-Story ... Das Buch beginnt übrigens mit einem blutigen Mord, von dem ich – da verrate ich wohl nicht zu viel – bis zum Schluss erwartet habe, dass er noch irgendwie eine Rolle spielt. Tut er aber nicht. Auch die jüdische Herkunft von Leon ist für den Plot höchstens insofern relevant, als dass sie seine Spanisch-Kenntnisse erklärt. Übrigens hätte sich eine Person wie Leon kaum je als „Halbjude“ bezeichnet; dies ist NS-Terminologie.

 

Das ist allerdings einer der wenigen Schnitzer, der mir aufgefallen ist; ansonsten ist das Buch mutmaßlich mustergültig recherchiert. Weniger wäre hier manchmal mehr gewesen; ein sicher deutlich konsistentere Geschichte wäre entstanden, hätte sich Seifert auf den Subplot rund um den Filmdreh konzentriert. So scheint der Plot manchmal unter Wildwuchs zu leiden. Der Erzählstil ist freilich gelungen und stilsicher; zu meiner Erleichterung hat er sich bald von dem hard-boiled-detective-Stil entfernt, der sich zu Anfang anzudeuten schien. Einige schöne Formulierungen finden sich v.a. in den Beschreibungen aus Mexiko. („Der Ozean sah aus, als wäre er gestrandet.“)

 

Meinem Eindruck nach steht der Autor seinem ‚Quellenmaterial’ und dem dort zu findenden Machismo mit Hang zu Gewalt und Zynismus etwas unkritisch gegenüber. Wer sich aber an einer etwas ausgefransten Handlung nicht stört, wer vor allem ein Faible für Traven, die 40er Jahre und für klassische Abenteuer-Geschichten hat, für den ist „Wer ist B. Traven?“ genau das richtige.

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chicago, auswanderer, www.die-rezensentin.de, deutsche in amerika, deutsche auswanderer

Mit Müh und Not

Kai Blum
E-Buch Text: 141 Seiten
Erschienen bei null, 10.03.2017
ISBN B01N6FK4LK
Genre: Sonstiges

Rezension:

Ich bin auf dieses Buch aufmerksam geworden, weil es in Chicago spielt, wo ich vor einigen Jahren mal zu Besuch war, und außerdem (hauptsächlich) unter deutschstämmigen Einwanderern. Bis zu einem gewissen Grade war mir bekannt, wie stark deutsche Einwanderer die USA speziell im 19. Jahrhundert prägten; heute aber dürfte das weitgehend vergessen sein, nicht zuletzt im Gefolge zweier Weltkriege. Nur wenn ab und an in den USA ein ‚Öktöberfest’ organisiert wird, wird man wieder daran erinnert ...

 

Auch einen anderen fast vergessenen Aspekt greift dieses Buch auf: Dass es bis weit ins 20. Jahrhundert hinein in den USA eine starke linke Bewegung gab – oder eigentlich eher mehrere: Sozialisten, Kommunisten, Anarchisten ... Auch davon ist nicht mehr viel zu bemerken in einer Zeit, wo die US-Politik von einer konservativen und einer reaktionären Partei quasi monopolisiert wird.

 

Aber zum Inhalt: „Mit Müh und Not“ ist der dritte Teil einer Reihe von Auswanderer-Krimis. Dass ich die ersten beiden Teile (noch) nicht kannte, war kein Problem; nur die Einführung zweier Hauptfiguren – der Brüder Jack und Bob Hunhoff – fällt dadurch recht knapp aus. Der Plot ist aber eigenständig und spielt (bis auf den Epilog) zwischen dem 4. und dem 17. Mai 1886 in Chicago. Der Mittelpunkt der Handlung ist der sogenannte Haymarket-Anschlag: Dabei wurden am 4. Mai während einer Arbeiter-Kundgebung durch eine Bombe mehrere Polizisten getötet; in der folgenden Schießerei wurden wiederum zahlreiche Demonstranten getötet, verwundet und verhaftet.

 

Unter den Verhafteten ist Andreas Brenner, ein junger Mitarbeiter der „Arbeiter-Zeitung“. Auf Bitte von dessen Vater reisen darauf die Hunhoff-Brüder aus dem Dakota-Gebiet, wo sie inzwischen siedeln, nach Chicago, um Andreas und seiner Frau zu helfen.

 

Als Ex-Polizist und Ex-Sheriff ist Jack dafür gut qualifiziert. Sein Bruder Bob war zwar auch Polizist; als bekennender Anarchist begibt er sich durch diese Reise aber in die Höhle des Löwen: Denn die Behörden in Chicago sind nun alles andere als gut auf Mitglieder der Arbeiterbewegung zu sprechen ...

 

In den folgenden Tagen begleiten wir (zumeist) Jack bei seinen Ermittlungen, mit denen er versucht, Andreas zu entlasten und das wahre Geschehen am 4. Mai zu rekonstruieren. Dabei kann der Leser nicht nur erkennen, wie angespannt die politische und soziale Lage im Chicago jener Zeit war; man merkt auch, dass der Autor gründlich und sorgfältig recherchiert hat. Eine von zahlreichen historischen Figuren etwa ist Captain Schaack, der sich rasch als ebenso kompetenter wie skrupelloser Gegenspieler der Hunhoffs erweist. Ab und an wechselt die Erzählperspektive auch zu Andreas Brenner über, dem Schaack im Gefängnis auf wenig zimperliche Art zu Leibe rückt.

 

Der Ausgang sei hier natürlich nicht verraten! Aber wie jedes Buch, das um historische Ereignisse kreist, hat auch „Mit Müh und Not“ das Problem zu bewältigen, dass das Endergebnis bekannt ist: Jeder Leser von Forsyth’ „Schakal“ weiß, dass das Attentat auf de Gaulle scheitern wird; jeder Leser von „Krieg und Frieden“ weiß, wie die Schlacht von Borodino ausgeht, und so fort. Dem Autor muss es in solchen Fällen gelingen, den Leser mit den Akteuren mitfiebern zu lassen, hoffend, dass diese das absehbare Geschehen gut überstehen (oder eben auch nicht).

 

Dies gelingt Kai Blum – bis zu einem gewissen Grad. Hier wirkt sich ein Aspekt aus, den ich noch nie in einer Rezension moniert habe: Das Buch ist mit 170 Text-Seiten meinem Eindruck nach zu dünn, deutlich zu dünn! Es müssen ja nicht 800 Seiten sein, aber 250 oder 300 hätten’s schon sein können. Dann wären sich vor dem eigentlich Anschlag noch einige Abschnitte ausgegangen, die dem Leser ev. einen näheren Einblick in das Elend und die Not gestattet hätten, in der die arbeitende Klasse damals (nur damals?) in den USA lebte. (Zwar besucht Jack noch mit einem sozial engagierten Arzt einen der ‚Slums’ von Chicago, aber erst relativ spät im Buch.) Dies hätte mehr Verständnis, mehr Sympathie für Andreas, Bob und ihre Mitstreiter wecken können, es hätte die Gründe für die sozialen Spannungen leichter nachvollziehbar gemacht. Grandios gelungen ist das seinerzeit Upton Sinclair mit „Der Dschungel“, einem Buch, das ja ebenfalls im Chicago der Arbeiterklasse spielt.

 

Solch ein Vergleich mag unfair sein, aber er drängt sich geradezu auf. Allerdings ist Sinclairs Objektivität ja durchaus umstritten, und hier ist Blum seinem Kollegen voran: Man merkt dem Buch unschwer das Bemühen um Objektivität und Authentizität an; auch Schaack etwa, der wichtigste Gegenspieler, ist kein Klischee, sondern ein glaubwürdig gestalteter Charakter.

 

Insgesamt also: Ein mustergültig recherchiertes, spannendes Buch vor einem viel zu wenig bekannten historischen Hintergrund. Mehr wäre hier ausnahmsweise wirklich mal mehr gewesen, aber voraussichtlich werde ich mir dafür die ersten beiden Bände der Auswanderer-Saga besorgen! Und vielleicht wird es irgendwann mal eine 1000-Seiten-Gesamtausgabe aller Bände der Auswanderer-Saga geben?

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Tags: anschlag, chicago, deutscher einwanderer, usa   (4)
 

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Tausendundeine Nacht - Das glückliche Ende

Claudia Ott , Mustafa Emary
Fester Einband: 432 Seiten
Erschienen bei C.H.Beck, 10.02.2016
ISBN 9783406688263
Genre: Klassiker

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12 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

alte donau, wien, kaiserwasser, fische, hotel

Kaiserwasser

Fyona A. Hallé
Flexibler Einband: 280 Seiten
Erschienen bei Books on Demand, 14.06.2017
ISBN 9783744836784
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Zuerst einmal sollte ich die Überschrift etwas relativieren: Ja, am ehesten gehört dieses Buch in die Krimi-Schublade, doch fehlt hier vieles, was manch Krimifreund wohl erwarten würde, nicht zuletzt klassische Ermittler, und auch das ‚Verbrechen’, um das es geht, ist eher unüblicher Natur: Es verschwinden nämlich Hunde, und zwar gleich in Serie, wie Inhaltsangabe und Prolog schon verraten.

 

Was dahinter steckt, wird nach und nach aufgedeckt. Verdächtige gibt es schon, u.a. den koreanischen Koch eines Tagungs-Centers am Wiener Kaiserwasser. Haarsträubend? Nun ja; tatsächlich wird in Fernost noch Hund gegessen, und es gab schon haarsträubendere Vorwürfe gegen Zuwanderer ... Die meisten Hauptfiguren in „Kaiserwasser“ mögen daran freilich nicht glauben.

 

Damit wären wir bei den Charakteren des Buches, und davon gibt es recht viele. Dies ist einer der Haupt-Kritikpunkte bei anderen Rezensionen und Kommentaren, die ich gelesen habe, und tatsächlich: Wo viele Geschichten ähnlichen Umfangs (280 Seiten) mit 2, 3 oder 4 Hauptfiguren auskommen, so sind es hier eher 5, 10 oder 15, je nachdem, was man als Haupt- oder Nebenrolle ansieht. Persönlich konnte ich eigentlich immer den Überblick behalten, da die Figuren nach und nach recht geschickt eingeführt werden; aber ein Personenverzeichnis wäre hier wohl hilfreich. Dass die Autorin die diversen Personen immer wieder anders umschreibt (z.Bsp. Tony/ Prinzessin/ Mädchen/ Teenager ...), ist zwar kreativ, erleichtert die Orientierung aber auch nicht. Hauptakteure sind jedenfalls sicher die Freundinnen Conny und Tony, die dadurch in die ‚Krimi’-Handlung verwickelt werden, dass ein von ihnen betreuter Hund ebenfalls spurlos am titelgebenden Kaiserwasser verschwindet.

 

Der Hund gehört der Autorin Cassiana Herno. Sie ist die Hauptfigur in einem weiteren Handlungsstrang, denn sie und ihr Manager sind gerade dabei, für ihr neues Buch (ebenfalls benannt „Kaiserwasser“) die Werbetrommel zu rühren. Dass sich dieser Handlungsstrang zu Beginn des Buches bald (fürs erste) in den Vordergrund schiebt, hat, wie sich zeigte, wiederum einige Leser bzw. Leserinnen irritiert. Hier scheint der Krimi in eine Literatur-Satire überzugehen, aber die Betonung liegt auf ‚scheint’! Denn die Handlungsstränge sind miteinander verknüpft, und beteiligt (auf die eine oder andere Weise) an dieser Verknüpfung sind besagter koreanischer Koch und der Fürst Finsterfels, der im genannten Center eigentlich nur ein geschäftlich-kulturelles Event steigen lassen will.

 

Ein weiterer Kritik- und Irritationspunkt war, dass in die Haupthandlung immer wieder Passagen aus dem Buch-im-Buch eingeblendet werden, und zwar zumeist in Form von Lesungen. Dadurch ist die Einbindung selber zwar gut motiviert, aber die Haupthandlung wird natürlich unterbrochen, und man muss sich erst einmal wieder umstellen. Es wäre wohl tatsächlich sinnvoll, wenn man diese Passagen irgendwie im Schriftbild hervorheben könnte. Womöglich noch mehr hat manche aber wohl irritiert, worum es in diesem Binnen-Buch geht, nämlich um eine tabuträchtige Liebesgeschichte – wie tabuträchtig, wird erst im Laufe der Handlung klar.

 

Die Handlung selber scheint zu Anfang eher gemächlich in Gang zu kommen. Das ändert sich aber rasch – und das heißt, innerhalb einer Woche –, und das Finale „an, auf und in der Alten Donau“ ist derart rasant, dass offenbar alle bisherigen Rezensenten (mich eingeschlossen) es in einem runter gelesen haben, obwohl es immerhin gut 70 Seiten und damit ein Viertel des Buches umfasst. Es ist sozusagen in Echtzeit erzählt, sehr filmisch und sehr gekonnt.

 

Und just zwischen zwei Höhepunkten dieses Finales wird wieder eine längere Passage aus dem Buch-im-Buch eingeblendet. Das wirkte auch auf mich zuerst wie eine Vollbremsung aus voller Fahrt, doch im Nachhinein betrachtet dürfte das Absicht sein: Die Einblendung fungiert nicht nur als retardierendes Moment; vielmehr wird hier auch klar, dass die vermeintlichen zwei Handlungsstränge eigentlich nur einer sind.

 

Die Details der Verknüpfung werden nach dem Finale aufgedeckt. Ja, auch diesen Abschnitt hätte man etwas raffen können, da hier die Literatur-Satire sich wieder in den Vordergrund schiebt. Doch liegt der Autorin dies offenbar am Herzen, und es lässt sich unschwer denken, wer für die Figur der Cassiana Herno Pate (bzw. Patin) gestanden haben könnte. Mir kamen die Namen Charlotte Roche, Cecelia Ahern, Thomas Bernhard oder auch Karl Ove Knausgard in den Sinn.

 

Die eigentliche Krimi-Haupthandlung findet einen überraschenden Abschluss, der aber wohl die meisten Leserinnen bzw. Leser zufrieden gestellt hat; man könnte den Schluss versöhnlich nennen. Hier zeigt sich wiederum, dass „Kaiserwasser“ einerseits Elemente des Krimis benutzt, speziell des Regionalkrimis, jedoch insofern darüber hinaus geht, als dass die Szenerie hier nicht nur Kulisse ist, sondern sozusagen selber zum Akteur wird. Es bleiben freilich noch ein paar lose Enden übrig, die eine Fortsetzung denkbar erscheinen lassen. Es würde sich lohnen!

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Tags: alte donau, fische, krimi, satire, wien   (5)
 

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6 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Griechische Passion

Nikos Kazantzakis
Flexibler Einband
Erschienen bei Rowohlt TB., 01.09.1989
ISBN 9783499147470
Genre: Sonstiges

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10 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

indien, klassiker, gesellschaft, kindheit, abenteuer

Kim

Rudyard Kipling , Gisbert Haefs ,
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 16.05.2013
ISBN 9783596905263
Genre: Klassiker

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125 Bibliotheken, 5 Leser, 2 Gruppen, 15 Rezensionen

russland, mord, klassiker, armut, st. petersburg

Verbrechen und Strafe

Fjodor M. Dostojewskij , Svetlana Geier
Flexibler Einband: 784 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 01.03.2008
ISBN 9783596900107
Genre: Romane

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906 Bibliotheken, 50 Leser, 0 Gruppen, 97 Rezensionen

florenz, thriller, robert langdon, istanbul, venedig

Inferno

Dan Brown , Axel Merz (Übersetzer) , Rainer Schumacher (Übersetzer)
Fester Einband: 685 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 14.05.2013
ISBN 9783785724804
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Als erste Rezension möchte ich mir ein Buch vornehmen, das in den nächsten Wochen sicher vieltausendfach gekauft und vermutlich auch gelesen werden wird: Dan Browns neuen Thriller "Inferno". Die Leseprobe mit Prolog und 1. Kapitel ist ja schon seit einiger Zeit umsonst zu haben; nur darauf bezieht sich somit meine Rezension. Aber auch dazu lässt sich schon genug sagen ...

Jeglichen Kredit hat der Autor bei mir eigentlich schon mit den "Fakten" verspielt, die dem Buch vorangestellt sind. Dass ihm dafür eine halbe Seite reicht, spricht eigentlich für sich. Dann noch die Grammatik im ersten Absatz: Hintergründe sind nicht "wahr"; Aussagen über diese Hintergründe können wahr sein. Mit der Angabe über das "Konsortium" versucht der Autor offenbar, einen ähnlichen Hype um die womöglich realen Hintergründe des Plots zu erzeugen wie seinerzeit bei "Sakrileg". Und das Inferno bei Dante ist keine Unterwelt, sondern schlichtweg die Hölle, wo man selbstverständlich nur Tote findet, keine "körperlosen Schemen, gefangen zwischen Leben und Tod."

Es folgt der Prolog. Dem Inhalt nach eine Verfolgungsjagd; geschildert wird sie eher wie ein Stadtrundgang, bei dem einige Touristenattraktionen von Florenz abgeklappert werden. Hier scheint sich Brown an einer poetisch-literarischen Sprache zu versuchen, womöglich, um Dante seine Referenz zu erweisen. Das führt zu einer Reihe von Stilblüten. Da drückt sich der Fliehende in die "Schatten der Uffizien"; gleichzeitig halten die "Berge des Apennin ... das erste Licht der Morgendämmerung zurück." Woher dann der Schatten? Und versuchen Sie einmal, von den engen Gassen der Florentiner Altstadt den Apennin zu erspähen!

Mit dem ersten Kapitel betritt der altbekannte Robert Langdon die Szene. Es beginnt mit einem apokalyptischen Alptraum, der kommendes Unheil andeutet. Zuerst blickt Langdon im Traum über einen blutigen Fluss hinweg, zu einer Frau inmitten eines "Ozeans aus Leibern". Was nun, Fluss oder Ozean? Anschauliche Beschreibungen sind Browns Stärke nicht. Als Langdon dann aufwacht - aus der Narkose oder gar Koma? - ist er "mit einem Schlag wach" und ertatstet die Naht an einer - nicht verbundenen! - frischen Wunde. Offenbar hält Brown Italien für eine Art Entwicklungsland, wo man von Medizin keine Ahnung hat und die Ärzte kein Englisch sprechen. Praktischerweise erspäht Langdon dann durchs Fenster den Palazzo vecchio, was ihn darüber aufklärt, wo er sich befindet. Jedenfalls glaube ich, dass der Palazzo vecchio gemeint ist, auch wenn Brown ihn als "Festung" beschreibt, was jener Bau nie gewesen ist. Und in der letzten Szene schraubt eine aufmarschierende Killerin, die es wohl auf Langdon abgesehen hat, schon ihren Schalldämpfer auf ihre Waffe. Offenbar am hellichten Tage; in Italien sieht man so was ja dauernd ... Beschrieben wird sie als "atheltisch gebaut", und auch die mutmaßliche Helferin des Heldin, eine Ärztin namens Sienna Brooks, wird als "energisch wie eine Athletin" charakterisiert. Erstens nicht sonderlich originell, zweitens arg klischeehaft!

Jede Menge dunkle Andeutungen also, düstere Vorzeichen, Rätsel und Cliffhanger werden in diesen beiden Abschnitten aufeinander gehäuft. Die Form wirkte auf mich freilich manchmal wie ein schlechtes Dan-Brown-Imitat, wie eine schludrige Skizze für das Drehbuch der Verfilmung, die zweifellos kommen wird. Armer Tom Hanks, armer Dante Alighieri! Mich hat diese Lektüre jedenfalls nicht dazu verleitet, auch das komplette Buch zu kaufen.

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Haltet den Dieb!: 10 diebische Kurzgeschichten

Olaf Lahayne
E-Buch Text: 118 Seiten
Erschienen bei neobooks Self-Publishing, 17.04.2013
ISBN B00B168OUA
Genre: Sonstiges

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Die Fassade

Olaf Lahayne
Flexibler Einband: 164 Seiten
Erschienen bei tredition, 24.01.2011
ISBN 9783868501384
Genre: Krimi und Thriller

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kurzgeschichten, bibliothek, dark fantasy, anthologie, bücher

Geheimnisvolle Bibliotheken

Carolin Gmyrek , Christian von Aster , Ju Honisch , Fabienne Siegmund
Flexibler Einband: 406 Seiten
Erschienen bei Low, Torsten, 29.08.2012
ISBN 9783940036155
Genre: Fantasy

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