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6 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 1 Rezension

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Stan

John Connolly , Gottfried Röckelein
Fester Einband: 528 Seiten
Erschienen bei Rowohlt , 21.08.2018
ISBN 9783498009465
Genre: Biografien

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(20)

38 Bibliotheken, 6 Leser, 1 Gruppe, 20 Rezensionen

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Der Kratzer

Oliver Ménard
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 03.12.2018
ISBN 9783426522370
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Gestatten Sie, dass ich mich vorstelle. Ich bin der Fantasie des Buchautors Oliver Ménard entsprungen und habe eine tragende Rolle in seinem dritten Band der Thriller-Reihe um die investigative Journalistin Christine Lenève. Meine Geschichte ist vorerst nur als eBook erhältlich, das Taschenbuch erscheint am 3. Dezember 2018 bei Knaur. 


„Die Beamten in ihren warmen Amtsstuben hatten ihn auf den Namen der Kratzer getauft: Weil sie nicht begreifen konnten, dass einer wie er der Gattung Mensch angehörte. Weil sie sich mit ihrem Wortspielchen das Unfassbare verständlich machen wollten. Weil sie ihn fürchteten, diese selbstgefälligen Idioten, die gefangen waren in einem Kosmos aus Nichtigkeiten. Sie begriffen sein Wesen nicht. Sie würden an ihm scheitern, so wie alle anderen zuvor.“ 
(Auszug aus „Der Kratzer“ /Oliver Ménard) 
Ich bin ein Serienkiller, lasse meine Opfer ausbluten und ritze Nachrichten in ihre Haut. Vor sieben Jahren bin ich Kriminalkommissar Tobias Dom knapp entwischt. Aber wir sehen uns wieder, denn ich werde seine Ex-Frau überfallen und ihr den Namen der gemeinsamen Tochter in ihren Oberschenkel ritzen. Dom wird verzweifelt sein und Christine Lenève um Hilfe bitten. Gemeinsam folgen die beiden einer Spur, die in eine psychiatrische Anstalt zu Dr. Lindfeld führt. Und der hat mit dieser Journalistin noch eine Rechnung offen. 
Freut euch auf megaspannende Lesestunden. 

Oliver Ménard überrascht mit seinem einerseits schonungslos harten, anderseits auch bildhaften Schreibstil. Er erzählt in kurzen Kapitel, wechselseitig aus verschiedenen Sichtweisen. Eine mystisch- düstere Stimmung liegt zwischen den Zeilen. Unheimlich und gruselig empfand ich die Szenen, in denen sich der Kratzer zu Wort meldet. Überhaupt sind Ménards Charaktere akribisch ausgearbeitet und überzeugen in ihrer Rolle. Christine ist eine starke energische Persönlichkeit, getrieben von ihren eigenen traumatischen Ereignissen. Aber überlassen wir Dr. Lindfeld an dieser Stelle kurz das Wort: 
„Sie rächen sich für den Tod ihres Vaters. Deshalb hassen sie alle Mörder. Sie rächen seinen Tod immer und immer wieder. Das erklärt auch, warum Sie ständig in diese Mordfälle hineinschlittern“ (Auszug aus „Der Kratzer“/ Oliver Ménard) 

Erwähnenswert scheinen mir die mitunter bizarren Handlungsorte in und um Berlin. Ménard Ortsbeschreibungen sind detailliert. Ich bin mit ihm gedanklich durch die Katakomben gewandert und habe mich von dieser einzigartigen Atmosphäre mitreißen lassen. Ménard Konstrukt ist nur schwer zu durchschauen, denn er versorgt den Leser häppchenweise mit Informationen. Man muss sehr genau lesen, um alle Einzelheiten zu erfassen. Ich habe gerätselt und nach Zusammenhängen gesucht, fühlte mich durch die Seiten getrieben. Mein Kopfkino lief auf Hochtouren. Im letzten Drittel des Buches überschlagen sich die Ereignisse und die Trilogie findet schließlich ein gelungenes Ende. 
Interessant fand ich auch die kleinen Nebensächlichkeiten, wie z.B. das Gemälde Jeanne d‘Arc, die der Buchautor mit einfließen lässt. Obwohl dieser Thriller eine in sich geschlossene Handlung darstellt, empfiehlt es sich, die vorangegangen Bände „Federspiel“ und „Das Hospital“ zu lesen. Denn nur so kann man die Thriller-Reihe in ihrer Gänze erfassen. 

Für mich war es ein fulminantes Lesevergnügen, an Rasanz und Spannung kaum zu überbieten. Ein intelligenter, fein ausgetüftelter Thriller, der süchtig macht und die grauen Zellen der Leserschaft in Wallung bringt.

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33 Bibliotheken, 6 Leser, 1 Gruppe, 5 Rezensionen

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Grenzgänger

Mechtild Borrmann
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Droemer, 01.10.2018
ISBN 9783426281796
Genre: Historische Romane

Rezension:

„Von Henriette Bernard, geborene Schöning, soll hier die Rede sein. Von ihrem Mut und Übermut, von ihrem Glück und Unglück, von ihrer Schuld und Unschuld und von dem Bedürfnis, das Richtige zu tun.“ Mit diesem Satz beginnt der neue Roman „Grenzgänger“ von Mechtild Borrmann, der am 01.10.2018 beim Droemer Verlag erschienen ist. Für mich war es nach „Trümmerkind“ der zweite Roman der Autorin. Der Krieg ist endlich vorbei. Die zwölfjährige Henni lebt mit ihrer Familie in dem kleinen Dorf Velda an der deutsch-belgischen Grenze. Ihr Vater kehrt traumatisiert aus dem Krieg zurück und ist seither nicht mehr in der Lage seine Familie zu ernähren. Doch es sollte noch schlimmer kommen. Hennis Mutter verstirbt plötzlich und das junge Mädchen übernimmt die Verantwortung für ihre Geschwister. Als das Geld knapp wird, schließt sich Henni einer Gruppe Dörfler an, die Kaffee von Belgien über die Grenze nach Deutschland schmuggeln. Als die Zöllner die Routen der Schmuggler mehr und mehr kontrollieren, kommt Henni auf die Idee durch ein gefährliches Moorgebiet, über das Vennplateau zu gehen. 1950 beginnen die Zöllner auf die Menschen zu schießen, zumal immer mehr organisierte Banden in den Kaffeschmuggel involviert sind. Das Unglück nimmt seinen Lauf... Henriette ist ein intelligentes, lebenslustiges Mädchen. Beeinflusst von den Entbehrungen der Nachkriegszeit, kämpft sie wie eine Löwin für Ihre Familie. Ich habe sie in mein Herz geschlossen, war beeindruckt von ihrer Härte und Energie. Was musste sie alles ertragen? Ein Schicksal, das mich berührte. Anderseits fand ich es erschreckend, wie gleichgültig und abgestumpft Henriettes Vater wirkte. Traumatisch waren seine Erlebnisse im Krieg, doch lässt sich damit nicht jede Handlungsweise rechtfertigen. Ich wollte ihn schütteln und ihm sagen, er möge doch endlich aufwachen, sich um seine Familie kümmern. Mechtild Borrmann bedient sich einer klaren Sprache und bildhaft stimmungsvoller Beschreibungen. Sie schreibt in einfachen Sätzen und trotz der bisweilen dramatischen Ereignisse, wirkt die Geschichte der Henriette Bernard leicht und locker erzählt. Die kurzen Kapitel sind angenehm zu lesen und treiben den Leser rasant durch die Handlung. Oft sind es die kleinen Cliffhanger am Ende der Kapitel, von denen eine enorme Sogwirkung ausgeht. Ich war gefesselt und konnte nicht aufhören zu lesen. Für mich fühlte sich die Story so lebensecht an, dass ich glaubte einem journalistisch aufgearbeiteten Tatsachenbericht zu folgen. Aber es ist ein fiktiver Roman, in welchen Mechtild Borrmann interessante historische Hintergründe der Nachkriegszeit einfließen lässt. So thematisiert sie die damals herrschenden katastrophalen Zustände in den Kinderheimen, deckt Misshandlungen an Schutzbefohlenen auf und den bringt den Schmuggel an der deutsch-belgischen Grenze in die Szenerie. „Grenzgänger“ ist ein bewegender Schicksalsroman, sensibel ausgearbeitet, atmosphärisch dicht geschrieben! Leselektüre, die mich begeistern konnte, aber auch nachdenklich stimmte. Beste Unterhaltung auf hohem Niveau - ein Roman mit Suchtpotential! 5 Sterne Leseempfehlung!

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6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Ich erfinde dir Paris

Liam Callanan , Juliane Zaubitzer
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Atlantik Verlag, 14.08.2018
ISBN 9783455004069
Genre: Liebesromane

Rezension:

Schauplatz Paris - es gibt unzählige Bücher, die in der französischen Hauptstadt spielen. Schriftsteller aus aller Welt sind fasziniert von Paris und auch mich ziehen solche Geschichten magisch an. Liam Callanans Roman „Ich erfinde Dir Paris“ ist im August 2018 beim Atlantik Verlag erschienen. Robert und Leah leben mit ihren beiden Töchtern in Wisconsin, träumen aber von Paris, obwohl sie im Laufe der Jahre immer weniger an die Erfüllung ihres Traums glauben. Dann geschieht das Unfassbare, Robert verschwindet. Er hinterlässt ein Manuskript und eine Flugnummer. Leah und ihre Töchter folgen Roberts Spuren und landen in Paris. Sie kaufen einen kleinen Buchladen und beginnen ein neues Leben. Doch sie geben die Hoffnung nicht auf, Robert eines Tages in Paris wiederzufinden. „Einmal in der Woche folge ich Männern, die nicht mein Ehemann sind.“ Mit diesem Satz beginnt Leah mir ihre Geschichte zu erzählen. Sie blickt dabei auch auf ihr gemeinsames Leben mit Robert zurück. Leah kommt mit zwei Mädchen im Teenageralter in eine Stadt, von der sie bislang nur geträumt hat. Jeder Tag ist eine neue Herausforderung und immer und überall sucht sie ihren Ehemann inmitten der Menschenmenge. Da gibt es immer wieder kleine Ereignisse, die darauf schließen könnten, dass sich Robert in Paris befindet. Leah spürt seine Nähe. Doch mit der Zeit findet sie ihren Weg und baut sich eigene kleine Welt ohne Robert auf. Ich muss gestehen, dass ich mich mit dem Schreibstil des Autors etwas schwer getan habe. Auf mich wirkte er nicht flüssig, gelegentlich ausschweifend und langatmig. Die wunderbare Atmosphäre, die Paris zu bieten hat, kommt nur ansatzweise rüber. Ich habe die bildhaften Beschreibungen vermisst. Auch die Charakterdarstellungen befriedigten mich insgesamt nicht. Für Robert konnte ich am wenigsten Sympathien empfinden. Seine Handlungen waren für mich nicht immer nachvollziehbar. Prinzipiell gefällt es mir, wenn in Romanen der Bezug zu Büchern hergestellt wird. Doch hier wirkten die detaillierten Beschreibungen zu den Werken „Der rote Luftballon“ und „Madeline“ ermüdend, zumal ich beide Werke bislang nicht kannte. Erst im letzten Drittel des Buches hat mich die Geschichte gepackt. Das Ende fand ich gelungen und schlüssig. Insgesamt hat mich der Roman nur mittelmäßig unterhalten. Ich hätte der Story etwas mehr Pepp und Paris-Flair gewünscht. 3 Sterne-Leseempfehlung!

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4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Der Abend kommt so schnell

Cornelia Naumann
Flexibler Einband
Erschienen bei Gmeiner-Verlag, 07.02.2018
ISBN 9783839221990
Genre: Historische Romane

Rezension:

Von Sonja Lerch - Münchens vergessener Revolutionärin - hatte ich bislang noch nichts gehört. Das Buchcover sprach mich an. Es deutet auf die Geschichte einer starken, selbstbewussten Frau hin. Cornelia Naumanns historischer Roman „Der Abend kommt so schnell“ ist im Februar 2018 beim Gmeiner-Verlag erschienen. Wir blicken nach München ins Jahr 1918. Noch immer ist kein Ende des Krieges in Sicht. Die russische Jüdin Sarah Sonja Lerch träumt vom Frieden. An der Seite von Kurt Eisner und anderer Pazifisten plant sie einen Generalstreik. Sonja hetzt von Versammlung zu Versammlung quer durch München, und fordert mit Temperament und Begeisterung die Arbeiter der Rüstungsindustrie auf, ihre Arbeit niederzulegen. Dabei erntet sie großen Zuspruch, zieht aber auch den Zorn der Machthaber auf sich. So schnell, wie Sonja auf der Bildfläche erschienen ist, verschwindet sie wieder. Sie wird inhaftiert und stirbt unter mysteriösen Umständen am 29. März 1918 im Gefängnis. Buchautorin Cornelia Naumann hat sich auf Spurensuche begeben und erstaunliche Fakten aus dem Leben dieser relativ unbekannten Pazifistin zusammengetragen. Entstanden ist eine exzellent recherchierte, lebendig erzählte Geschichte, die mich beeindruckte. Sonja ist eine starke Persönlichkeit, eine Kämpferin mit Vorbildfunktion. Das zeigt sich schon daran, dass sie in der damaligen Zeit als einer der ersten Frauen studiert hat. Geprägt von den Idealen Rosa Luxemburgs, stellt Sonja ihre persönlichen Belange beiseite. Sie nimmt sogar die Trennung von ihrem geliebten Ehemann in Kauf. Leider war ihr Einsatz für die Sozialdemokratie nur von kurzer Dauer. Ein Schicksal, das mich berührt hat. Ich finde es klasse, dass Cornelia Naumann dieser interessanten Frau mit ihrem Buch ein kleines Denkmal gesetzt hat. Es scheint, als habe die Autorin die Atmosphäre der damaligen Zeit eingefangen. Besonders gefallen hat mir die Inszenierung „der Novacki“ - einer jungen Bewunderin, die Sonja im Gefängnis besucht. Die Zwiegespräche haben die Handlung aufgelockert. Dennoch sei erwähnt, dass es sich um einen sachbuchähnlichen Roman handelt, der nicht ganz leicht zu lesen ist. Man muss sich konzentrieren und mitunter ist der Stoff fachlich trocken. Damit dürfte klar sein, dass sich hier der geschichtlich interessierte Leser am ehesten angesprochen fühlt. Meinen Lesegeschmack hat Cornelia Naumann mit ihrer lehrreichen Lektüre getroffen.

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62 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 48 Rezensionen

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Gschlamperte Verhältnisse

Felicitas Gruber , Robert Fischer
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Diana, 10.09.2018
ISBN 9783453359574
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Sommer pur in München! Was für ein „mordsheißes“ Pflaster! Während der Feierlichkeiten zur Taufe von Shirins und Spikes kleiner Tochter stört ein Mann die illustre Gesellschaft. „Da drüben is was passiert. Da muss sofort die Polizei her...A Leich...und zwar koa scheene. Drüben, hinterm Wirtshaus Zum Flaucher, da hams‘s wen dastocha.“ (Auszug aus Geschlamperte Verhältnisse) So schnell war die Münchner Kripo nebst Rechtsmedizin vermutlich noch nie an einem Tatort. Ein Toter kommt selten allein! In der Wohnung des Opfers werden drei beinerne Schädelreliquien sichergestellt. Sofie bittet ihre Freundin aus Schultagen um Unterstützung. Dr. Maria Hierlmeier arbeitet als Leiterin des Diözesanarchives arbeitet, um Unterstützung. Kurze Zeit später ist klar, dass die Schädel nicht aus dem Mittelalter stammen. Sie können drei Vermisstenmeldungen der Gegenwart zugeordnet werden. Welcher unheimliche Mörder treibt in München sein Unwesen und wie groß ist die Gefahr, dass er erneut zuschlägt? „Gschlamperte Verhältnisse“ ist inzwischen der fünfte Fall für die Kalte Sofie. Man muss nicht zwingend die vorangegangen Bücher gelesen haben. Dennoch empfiehlt es sich zuvor „Die kalte Sofie“, „Vogelfrei“, „Blaues Blut“ und „Zapfig“ zu lesen. Ich kenne alle bisherigen Bücher dieser Reihe. Daher war es für mich beinahe wie die Begegnung mit guten Freunden. Sofie, Joe, Charly, Vroni und Co sind mir ans Herz gewachsen, genauso wie mein heimlicher Star der Krimi- Reihe - Mops Murmel. Sie sind lebendig und charmant mit ihren Vorzügen, Fehlern und Eigenheiten in Szene gesetzt. Selbst Sofies Chefin Elke Falk, genannt Dr. Iglu, taut von Fall zu Fall mehr auf und sammelt kleine Sympathiepunkte. In dieser geselligen Runde fühle ich mich wohl und unterhalte mich bestens. Die beiden Autorinnen schaffen eine beeindruckende Buch-Atmosphäre. Ich war mitten in München, lauschte dem zungenbrecherischen Dialekt, pilgerte durch die Straßen Gießings, besichtigte Charly Loessls neues Haus und habe schlussendlich an Tante Vronis Tisch gesessen, um ihre kulinarischen Leckerbissen zu kosten. Doch es galt einen verzwickten Kriminalfall inklusive falscher Fährten zu lösen. Keine leichte Aufgabe! Jedenfalls war ich gefesselt und konnte gar nicht mehr aufhören zu ermitteln. Die kurzen Kapitel bringen Tempo in die Handlung und erhöhen die Spannung. Außerdem ließen mich die Rechtsmediziner an ihrer Arbeit am Seziertisch teilhaben. So wünscht sich das der Krimileser. Lange Zeit wusste ich nicht, wer da mordet und wo das Motiv liegt. Es machte mir Spaß, dem Täter Schritt für Schritt auf die Schliche zu kommen. Aufgelockert wird die Geschichte durch den unterschwelligen ironischen Wortwitz, der mich hin und wieder schmunzeln ließ. Erwähnenswert scheinen mir die kleinen feinen Nebensächlichkeiten, die gelegentlich durchblicken, wie z.B. der Pfarrer der kleinen Kirche, der aus Ghana kommt, oder das Faktenwissen über Reliquien, Symptome bei Vergiftungen usw. Sie verleihen dem Roman den gewissen Anspruch. Am Ende ordnen sich die „gschlamperten Verhältnisse“ und ich hoffe auf neue Fälle von der kalten Sofie. Intelligenter Kriminalroman mit viel Lokalkolorit und hohem Unterhaltungswert! Eine Ode an München! Müsst ihr lesen! „Es gibt nix bessas wia wos guads!“

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17 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 9 Rezensionen

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Jules Verne

Ralf Junkerjürgen
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei wbg Theiss in Wissenschaftliche Buchgesellschaft (WBG), 01.08.2018
ISBN 9783806237467
Genre: Biografien

Rezension:

„Alles, was ein Mensch sich vorstellen kann, werden andere Menschen verwirklichen.“ (Jules Verne) Die Reise zum Mittelpunkt der Erde, 20000 Meilen unter‘m Meer oder die Reise in 80 Tagen um die Welt haben mich in meiner Kindheit fasziniert. Als ich kürzlich las, dass bei wbg Theiss eine Biografie des großen Abenteuerschriftstellers veröffentlicht wurde, war ich sofort Feuer und Flamme. Das Cover ist schick und ansprechend, die Aufmachung des Buches wirkt hochwertig. Ralf Junkerjürgen beschreibt in seiner Verne-Biografie nicht nur das Leben des Schriftstellers. Mit Weitblick beleuchtet er nebenbei das Zeitalter der Industrialisierung. Er setzt sich detailliert mit den einzelnen Werken Jules Vernes auseinander, sucht den Vergleich mit anderen Schriftstellern dieser Zeit, setzt sich mit dem wissenschaftlichen und technischem Fortschritt, den Zukunftsvisionen und den epochalen Besonderheiten wie z.B. der Entwicklung des Verlagswesens auseinander. Damit schafft Junkerjürgen eine einzigartige Verne-Enzyklopädie. Der erste Abschnitt des Buches, in welchem die Kindheit Jules Vernes in Nantes beschrieben wird, hat mir besonders gut gefallen. Ralf Junkerjürgen gelingt es hier vortrefflich, diesen beeindruckenden Landstrich in Szene zu setzten. Er schafft eine stimmungsvolle Atmosphäre, so dass ich mich in die damalige Zeit versetzt fühlte. Beinahe romanartig beschrieben. Irgendwann zieht es den jungen Jules nach Paris zum Studium. Doch von einer Karriere als Schriftsteller war zunächst nur zu träumen. mit Literaturkritiken beginnend, kämpft Jules Verne für seinen Traum. Einen Wegweiser und Ratgeber findet er schließlich bei seinem Verleger Pierre-Jules Hetzel, mit welchem er auch freundschaftlich eng verbunden war. Es überraschte mich, dass Jules Verne ein so akribischer Schreiberling war, der stets strukturiert und planvoll gearbeitet hat. Das Resultat ist beachtlich - 65 verfasste Romane, die mitunter heute noch populär sind. Trotzdem gibt es auch Schattenseiten im Leben des großen Schriftstellers. Hier sei Jules Sohn Michel erwähnt, ein ewiger Versager und Tagträumer, der vom Ruhm und Geld seines Vaters lebte. Ralf Junkerjürgen hat ein komplexe, exzellent recherchierte und lebendig aufbereitete Lebensgeschichte verfasst, die mich beeindruckt hat. Er bedient sich einer intelligenten Sprache, die von Fachbegriffen geprägt ist. Das liest sich nicht ganz einfach und dürfte für den einen oder anderen Leser eine Herausforderung sein. Dem anspruchsvollen Leser sei dieses intelligente Buch zu empfehlen! Interessantes Nachschlagewerk für Germanistikstudenten und Literaturliebhaber!

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10 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

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Operation Bird Dog

Jan-Christoph Nüse
Flexibler Einband
Erschienen bei Gmeiner-Verlag, 07.03.2018
ISBN 9783839222836
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Das nostalgische Cover von „Operation Bird Dog“ machte mich neugierig. Die Thematik der Währungsunion von 1948 interessierte mich. Streng geheim! Von der Operation Bird Dog sollte niemand etwas erfahren, weder die Sowjets noch das deutsche Volk. 23000 Kisten, 500 Tonnen Geld - 5,7 Milliarden Mark wurden von New York nach Bremerhaven verschifft. Das Geld hatte Deutschland längst erreicht, als Weihnachten 1948 der vierzehnjährige Junge Carl Wrede bewusstlos neben seinen toten Eltern gefunden wurde. Carls Vater war der prominente Bankier Dr. Viktor Wrede, der maßgeblich an der Umsetzung der Währungsunion beteiligt war. Alles sieht nach Selbstmord aus. Oder war es Mord? Gemeinsam mit seinem väterlichen Freund Gerd Jennings versucht Carl Wrede 10 Jahre später herauszufinden, warum seine Eltern sterben mussten. Die Spur führt in die Vergangenheit in die Zeit der Währungsunion. Obwohl die alliierten Militärs mit allen Befugnissen regieren, können sie es nicht verhindern, dass Altnazis im Verborgenen weiterhin agieren. Ein ehemaliger SS-General treibt ein intrigantes Spiel. Carl und Gerd geraten in große Gefahr, weil sie einem bisher unentdeckten Betrug enormen Ausmaßes auf die Schliche gekommen sind. Jan-Christoph Nüse macht es seinen Lesern leicht, in die Story zu finden. Nachdem er seine Akteure kurz vorgestellt hat, steigt er mit einem Bericht aus der Frankfurter Rundschau von 1948 direkt in die Szenerie ein. So wird schnell klar, dass Nüse konkrete historische Zeitdokumente in seinen Kriminalroman einbindet. Außerdem lässt er tatsächlich existierende Personen wie z.B. Viktor Wrede, Emil Puhl, Ewald Tenenbaum oder den Militärgouverneur der amerikanischen Besatzungszone in Deutschland, Lucius D. Glay, in seiner fiktiven Krimihandlung agieren. Damit schafft er Authentizität. Man könnte meinen einer Berichterstattung zu folgen. Ich fühlte mich in die damalige Zeit hineinversetzt, die Milieubeschreibungen haben mich mitgerissen. Carl Wrede und Gerd Jennings, zwei interessante Charaktere, hat der Buchautor lebendig in Szene gesetzt. Ich mochte die beiden Spürnasen und fand es spannend zu ergründen, wie und warum Carls Eltern sterben mussten. Die fiesen Rollen im Roman schienen mir ebenfalls treffend dargestellt. Es war für mich erschreckend, wie viele Altnazis im Hintergrund die Fäden gezogen haben und sich des neuen Geldes illegal habhaft machten. Realität und Fiktion sind perfekt miteinander verbunden. Ich habe viele neue Informationen mitgenommen und mich dabei kriminell gut unterhalten. Wer intelligente Kriminalromane mag und sich gern in eine andere Zeitepoche entführen lässt, sollte hier zugreifen.

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28 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 9 Rezensionen

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Schwarzer Engel

Sandrone Dazieri , Claudia Franz
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.06.2018
ISBN 9783492061148
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„In der Finsternis“ - der erste Fall von Colomba Caselli und Dante Torre gehört zu meinen Lieblingsthrillern und ich war sehr gespannt, ob mich der zweite Fall des eigenwilligen Ermittler-Duos „Schwarzer Engel“, erschienen im Juni 2018 beim Piper Verlag, genauso begeistert. Tatort Rom: „Der Tod erreichte Rom zehn Minuten vor Mitternacht, mit einem Hochgeschwindigkeitszug aus Mailand.“ Ein Zugbegleiter öffnet von außen die Türen des Zuges. Kurze Zeit ist er tot. Die 3. Abteilung der Squadra Mobile ermittelt. „Colomba traf um Viertel vor eins in einem Dienstwagen an der Stazione Termini ein.“ Sie geht von einem Leichenfund aus, doch als Colomba die Business-Class-Abteil des Zuges betritt, sind alle Passagiere tot. Würde Rom von einem Terroranschlag heimgesucht? Alles deutet darauf hin, zumal sich der IS dazu bekennt. Doch Colomba Caselli zweifelt und bittet Dante Torre um Unterstützung. Sie recherchieren unermüdlich und ahnen plötzlich, dass der Anschlag nur inszeniert war, um ein viel größeres Verbrechen zu vertuschen. Sie finden eine Spur zu einer kaltblütigen Frau, für die Mord zum Alltag gehört. Längst hat der schwarze Engel die beiden ungewöhnlichen Ermittler im Visier. Mit einem Paukenschlag eröffnet Dazieri seinen Thriller, indem er den Leser in die Schachtel blicken lässt. „Die Schachtel ist weder ein altes Mietshaus noch ein Gefängnis, sie ist ein Betonklotz ohne Fenster. Ein wenig Tageslicht fällt durch die Gitter zum Hof über ihren Köpfen herein, jenem Hof, den solche wie sie nur ein einziges Mal zu Gesicht bekommen - das letzte Mal.“ Erste Gänsehaut auf Seite 12! Spannung pur von Anfang an! Mein Thriller-Leser-Herz schlägt höher. Nervenkitzel erfasst mich und Ich folge gebannt dem rasanten Geschehen. Dazieri lässt häppchenweise ein dichtes Geflecht entstehen. Manchmal dachte ich bei Lesen er driftet von der eigentlichen Handlung ab, aber dann bindet er die Abzweigungen gekonnt in seine Story ein. Jede Szene passt, hat ihre Bedeutung und fügt sich schlussendlich zu einer schlüssigen Dramaturgie zusammen. Das Stetting des Thrillers ist aus meiner Sicht perfekt ausgearbeitet. Ich war hautnah dabei, habe bildlich die Handlungsorte erfasst und mich von der geheimnisvollen Atmosphäre mitreißen lassen. Mit Colomba Caselli und Dante Torre hat Dazieri zwei ausdrucksstarke brillante Hauptakteure geschaffen, sensibilisiert durch ihr Traumata, kantig, schräg und damit außergewöhnlich. Es ist faszinierend, den Gedankengängen der beiden zu folgen und mit ihnen auf Mörderjagd zu gehen. Die beiden fühlen sich auf eine besondere Art zueinander hingezogen, aber auch abgestoßen. Man könnte sagen, sie können nicht ohne einander, aber miteinander funktioniert es eben auch nicht. Ihnen entgegen steht ein ebenbürtiger Gegner, dessen Handlungen auch von seinem Traumata beeinflusst werden. Einerseits hatte ich tiefes Mitgefühl für seine schrecklichen Erlebnisse, anderseits jedoch schreckte mich dieses mordende Monster ab. Es ist beeindruckend, wie lebendig der Autor seine Charaktere in die Köpfe seiner Leser transportiert. Am Ende des Buches gibt es einen fiesen Cliffhanger, der auf einen neuen Fall mit Colomba und Dante hoffen lässt. Konzentriertes Lesen zahlt sich aus, da man so auch die kleinen Feinheiten in ihrer Gänze erfassen kann. „Schwarzer Engel ist facettenreich, politische Hintergründe und aktuelles Zeitgeschehen, finden genauso Beachtung, wie psychologische Aspekte und die multimediale Kommunikation. Sandrone Dazieri gehört für mich zur Crème de la Crème der Thrillerautoren. Hier stimmt alles - akribisch ausgearbeitete Story, intelligent und spannungsgeladen umgesetzt.

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23 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 19 Rezensionen

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Gründerjahr

Michael Gerwien
Flexibler Einband
Erschienen bei Gmeiner-Verlag, 07.02.2018
ISBN 9783839222140
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Es ist das Jahr 1918, als Kurt Eisner in München den Freistaat Bayern ausruft. Im gleichen Jahr erschüttert eine grausame Mordserie die Landeshauptstadt und somit erklärt sich der Buchtitel des Kriminalromans „Gründerjahr“, der im Februar 2018 beim Gmeiner-Verlag erschienen ist. Ein unheimlicher Täter streift durch München und sucht sich als Opfer junge blonde, blauäugige Frauen. Bevor er sie tötet, misshandelt er sie grauenvoll. Angst macht sich breit. Viele Frauen trauen sich nicht mehr im Dunkeln allein auf die Straße. Kriminaloberinspektor Karl Weinberger und seine Kollegen werden mit den Ermittlungen betraut, die sich inmitten der Nachkriegszeit schwierig gestalten, zumal ihnen der Täter immer einen Schritt voraus ist. Plötzlich verschwindet der Täter von der Bildfläche. Doch 30 Jahre später geht das Morden weiter. Wird es den Ermittlern endlich gelingen, den Täter zu überführen? Der Roman ist in drei Teile gegliedert, die die Ereignisse der Jahre 1918, 1948 und 2017 beinhalten. Buchautor Michael Gerwien hat einen ungewöhnlichen, leicht gestelzten Schreibstil, der mir den Einstieg in die Geschichte erschwerte. Als sich jedoch der bestialische Täter zu Wort meldete, war ich mitten im Geschehen. Seine nüchterne Betrachtungsweise liest sich gruselig und schockiert. Spannung in die Geschichte. Ich bin gefesselt. Die Beschreibungen der Leichenfunde sind nichts für schwache Nerven. Meines Erachtens könnte man diesen Kriminalroman durchaus als Thriller bezeichnen. Interessant fand ich, wie der Autor die drei Teile seines Romans miteinander verknüpft hat. Im Jahr 1948 ermittelt Karl Weinberger. Dreißig Jahre später übernimmt Karls Enkel Hans die Ermittlungen. Als 70 Jahre später erneut junge blonde Frauen in München ermordet werden, greift Karls Enkelin Julia auf die Akten ihres Großvaters zurück. Allerdings muss ich gestehen, dass mir der letzte Teil des Buches etwas zu schnell abgearbeitet wurde. Hier hätte ich es mir detaillierter gewünscht. Aufgrund des Buchtitels und des Covers hatte ich mehr historische Hintergrundinformationen vermutet. Diese klingen nur unterschwellig an. Hier steht jedoch klar der Kriminalfall im Vordergrund. Wer es blutrünstig mag und in das Seelenleben eines gestörten Täters blicken möchte, dem sei Micheal Gerwiens „Gründerjahr zu empfehlen.

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12 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

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Briefe aus dem Gefängnis

Nelson Mandela , Sahm Venter , Anna Leube , Wolf Heinrich Leube
Fester Einband: 760 Seiten
Erschienen bei C.H.Beck, 10.07.2018
ISBN 9783406718342
Genre: Sachbücher

Rezension:  
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29 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 20 Rezensionen

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Zeit für Wolke 7

Winfried Hammelmann
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Atlantik Verlag, 14.03.2018
ISBN 9783455003123
Genre: Liebesromane

Rezension:

Buchcover und Klapptext von „Zeit für Wolke 7“ suggerierten mir eine märchenhafte Geschichte. Ich war mir nicht sicher, ob das Buch meinen Geschmack treffen würde. Viel zu lange hatte ich den Roman von Winfried Hammelmann unbeachtet auf meinem „Noch-zu-lesen-Stapel“ geparkt. Der erste Eindruck täuschte mich! Nach den ersten gelesenen Seiten hatte mich diese besondere Geschichte bereits in ihren Bann gezogen. „Ja, ich hatte ein Liebesleben: Es gab einen Kuss. Es gab den ersten richtigen Kuss. Es gab den ersten Sex. Es gab den ersten richtigen Sex. Es gab sogar den ersten Fesselsex. Leider war ich bei allen diesen ersten Erfahrungen immer alleine. Ich war immer noch auf der Suche nach der ersten großen Liebe. Mir wäre sogar eine mittelgroße Liebe recht gewesen. Aber seit fünf Jahren passierte in dieser Richtung einfach nichts. Gar nichts. Und dann kam Lena.“ (Auszug aus „Zeit für Wolke 7“) Nils Petersen verliebt sich „unsterblich“ in Lena, die als Kellnerin in seiner Stammkneipe jobbt. Doch Lena beachtet Nils kaum, ahnt nichts von seinen Gefühlen. Bevor sich zwischen den beiden etwas entwickeln kann, mischt sich Petrus ein und entreißt Nils die Traumfrau. Petrus muss einen Fehler korrigieren, um das Gleichgewicht zwischen Himmel und Erde wiederherzustellen. Warum ausgerechnet Lena? Noch gibt es für Nils eine Möglichkeit, seine Lena auf die Erde zurückzuholen. Er muss Zeit sammeln - viel Zeit- insgesamt 473352 Stunden. Was für eine geniale Buchidee! Da muss man erst einmal drauf kommen. Gern verdrängen wir ihn, wollen gar nicht über das Unausweichliche nachdenken, das uns alle irgendwann ereilt, den einen früher, den anderen später. Der Tod! Was passiert danach? Hölle oder Himmel? Geliebte Wegbegleiter verlassen uns und wir wissen oft nicht, wie wir damit umgehen sollen. Winfried Hammelmann setzt sich auf eine charmante Art mit dem Tod auseinander. Amüsant und feinfühlig beschreibt er eine übersinnliche Liebesgeschichte, die mich berührt und mitgerissen hat. Der Bremer, dem man seine Heimatverbundenheit im Roman anmerkt, hat einen lockeren, beschwingten Schreibstil. Oft nutzt er die Doppeldeutigkeit der Wörter und Sätze. Gelegentlich verleiht er seinen Aussagen Nachdruck mit Hilfe von Wortwiederholungen. Er bindet reale Fakten, wie z.B. Spiele des Fußballvereins Werder Bremen oder den Tod von Roger Willemsen in seine fiktive Story ein. Das gefiel mir. Hammelmanns liebenswerter Humor zieht sich durch das gesamte Buch. Stellenweise habe ich herzhaft gelacht. Anderseits gibt es einen leichten ernsten Unterton, der nachdenklich stimmt. In sich abwechselnden Kapiteln kommen Nils, Lena und Petrus zu Wort und schildern ihre Sicht der Dinge im Jenseits und im Diesseits. Ich fand Hammelmanns Interpretation bezaubernd und könnte mir durchaus vorstellen, dass dieser Roman für manche trauernde Menschen ein Trostspender sein könnte. Ein überraschend anderes Buch, das mich bestens unterhalten hat. Vermutlich nicht jedermanns Geschmack. Mein Geheimtipp! 5 Sterne Leseempfehlung für dieses ironisch-witzige Märchen!

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Die Bücherschmuggler von Timbuktu

Charlie English , Heike Schlatterer , Henning Dedekind
Fester Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Hoffmann und Campe, 14.03.2018
ISBN 9783455503722
Genre: Sachbücher

Rezension:

Von Timbuktu wusste ich bislang nur, dass es eine Oasenstadt am Rande der Sahara ist, die im westafrikanischen Staat Mali liegt und dort einige Kulturstätten von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt wurden. Was hat diese sagenumwobene Stadt mit dem Schmuggeln von Büchern zu tun? Sowohl Buchtitel, als auch Cover machten mich neugierig und ich wollte erfahren, was hinter der Geschichte der Bücherschmuggler von Timbuktu steckt. Die Aufmachung des Buches ist hochwertig. Auf den ersten von 430 Seiten sind einige geographische Karten abgedruckt. Im Mittelteil des Buches befindet sich eine kleine Bildergalerie, und am Ende gibt es Anmerkungen des Buchautors und Quellennachweise. Es muss im Jahr 2012 gewesen sein, als der Redakteur der britischen Zeitung „Guardian“ erfuhr, dass Islamisten Timbuktu eingenommen hatten. Er hörte ferner, dass Archivare und Bibliothekare eine einzigartige Sammlung uralter, unermesslich wertvoller Manuskripte vor den neuen Machthabern gerettet hatten. Daraus entwickelte Charlie English seine Buchidee. Er verknüpft diese aktuelle Thematik mit den Entdeckergeschichten des 18. Jahrhunderts. Damals suchten europäische Forscher nach der legendären Stadt nördlich des Nigers, von der man glaubte, es sei ein afrikanisches Eldorado. Doch alle Expeditionen scheiterten, denn die Forscher waren Krankheiten, Überfällen und dem ungewohnten Klima ausgesetzt. Bis Alexander Gorden Laing in die Stadt vordrang und die Nachricht nach Europa schickte, dass er in Timbuktu interessante Aufzeichnungen gefunden habe. Kein Gold und Glamour, aber dafür wertvolle Schriften. In zwei sich abwechselnden Handlungssträngen beschreibt English die Ereignisse der beiden Zeitepochen und verbindet so die Realität geschickt mit den Mythen der Vergangenheit. Damit verbreitet er einerseits Abenteuerstimmung, andererseits jedoch arbeitet er sensibel und feinfühlig die dramatischen Ereignisse um die spektakuläre Rettung der Manuskripte im 21. Jahrhundert auf. Das hat mich sehr beeindruckt. Charlie English hat einen lebendigen und intelligenten Schreibstil, der mich mitgerissen hat. Obwohl es sich um ein Sachbuch handelt, könnte man meinen, einen spannenden Roman zu lesen. Dennoch ist dieses Buch nicht ganz einfach zu verstehen. Es erfordert ein gewisses Maß an Konzentration. Gelegentlich habe ich die eine oder andere Stelle ein zweites Mal gelesen. Das lag u.a. daran, dass für mich die Namen der Akteure wie z.B. Abdel Kader Haidara, Ismael Diadié Haidara oder Mukhtar bin Yahya al Wangari schwer zu lesen und auseinanderzuhalten waren. Die Bücherschmuggler haben mich tief beeindruckt. Ich habe mit ihnen gebangt und fand es ehrenhaft, wie sie für ihren großen Buchschatz gekämpft haben und dabei immer Gefahr liefen, entdeckt bzw. verhaftet zu werden. Ohne den Einsatz dieser Bibliothekare und Archivare wären die wertvollen Schriften wohl heute nur Asche und Staub. Fazit: Außergewöhnlicher Zeit-Reise-Bericht - informativ, bestens recherchiert und spannend erzählt. Journalismus par excellence! Eine Ode an Timbuktu und an das geschriebene Wort!

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Die andere Seite des Schmerzes

Ruth Eder
Fester Einband
Erschienen bei Edition Noack & Block, 10.08.2018
ISBN 9783868130645
Genre: Romane

Rezension:

Studenten protestieren gegen die Nichtaufarbeitung des Nationalsozialismus, gegen regide Sexualmoral, gegen den Vietnamkrieg - Kennzeichen der 68er Bewegung. Es ist diese wilde zügellose Zeit, von welcher Judiths Geschichte „Die andere Seite des Schmerzes“ erzählt. Der Roman stammt aus der Feder von Ruth Eder und ist am 10.08.2018 erschienen. 1967 begegnet die deutsche Studentin dem US-Kampfhubschrauber- Pilot Don Jackson. Die beiden verlieben sich ineinander und heiraten schnell. Alles ist wie im Traum - Liebe und Lust - frei nach dem Motto „Was kostet die Welt“- bis die dunklen Wolken kommen. Don zieht in den Vietnamkrieg und kehrt traumatisiert zurück. Schon vor seinem Kriegseinsatz frönte er seiner Leidenschaft Alkohol und Drogen, danach lebt er nur noch in seiner zugedröhnten Welt. Es kommt, wie es kommen muss, die Beziehung zwischen Judith und Don gerät in Schieflage. Buchautorin Ruth Eder ist gelernte Journalistin, was in ihrem Schreibstil zum Ausdruck kommt. Sie bedient sich einer saloppen Sprache, einfacher Sätze und beschränkt sich auf die Darstellung der Ereignisse. Ihr Roman ähnelt einer Berichterstattung. Ich habe mich mit ihrer Art zu schreiben schwer getan. Sie wirkte auf mich sprunghaft, lähmte oft meinen Lesefluss und demzufolge blieb die erhoffte Spannung weitgehend aus. Hinzu kam, dass mir die Charakterdarstellungen nicht gefielen. Mit Don konnte ich am wenigsten anfangen. Sicher ist er vom Krieg gezeichnet, aber er war mir vorher schon unsympathisch und ich fragte mich, was Judith an diesem Typen so faszinierend findet. Auszug aus „Die andere Seite des Schmerzes“ Don: „Was will die überhaupt?“, dachte er trotzig. Sein vom Scotch umwabertes Hirn kam nur schwer in Gang. „Sie tut, als wenn sie die Prinzessin auf der Erbse persönlich wäre. Dabei habe ich es ihr es gestern richtig besorgt und sie hat liebend gern mitgemacht, die Schlampe.“ Dons amerikanische Familie war mir ebenfalls ein Graus. Judith schien dem schmucken Amerikaner verfallen zu sein, kam nicht von ihm los, was vermutlich auch an dem guten Sex lag, der immer wieder Erwähnung findet. Judith tat mir leid. Ich hätte ihr mehr Stärke gewünscht. Ruth Eder gelingt es, die Atmosphäre der 68er einzufangen und authentisch in ihre Handlung einzubetten. Hart und schonungslos serviert sie Dons Erlebnisse im Vietnamkrieg. Diese Grausamkeiten gingen mir nah und ich konnte Dons Trauma nachempfinden. Insgesamt entsprach der Roman nicht ganz meinem Lesegeschmack. Unter der beworben dramatischen Love-Story hatte ich mir wohl etwas anderes vorgestellt. Wer den journalistischen Schreibstil mag, dem sei dieser Roman empfohlen.

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Engel der Toten: Saat des Bösen (Sadie Thompson-Reihe 3)

Eva Lirot
E-Buch Text: 218 Seiten
Erschienen bei null, 03.07.2018
ISBN B07F85CYLL
Genre: Sonstiges

Rezension:

Wann kommt der „Engel der Toten“ zur Ruhe? Ihr Name ist Sadie Thompson und sie ist eine Gejagte. Zunächst sah es aus, als sei endlich Normalität in ihrem Leben eingekehrt. Gemeinsam mit John Palmer war Sadie dabei sich ein neue Existenz aufzubauen, als sie plötzlich wieder von ihren Jägern aufgespürt wird. Zwei Jahre glaubte Sadie, dass dieser grausame Männerbund nicht mehr existiert. Doch nun ist die Gefahr erneut allgegenwärtig und sie muss um ihr Leben und das ihrer Freunde fürchten. Zweimal konnte Sadie bereits dem Orden der Wölfe entfliehen. Wird es ihr ein drittes Mal gelingen? Kein Verstecken mehr - es muss ein Ende haben! Dafür ist Sadie bereit bis zum Äußersten zu gehen... Nach „Gnadenloser Jagd“ glaubte auch ich, dass nach zwei Bänden der Orden der Wölfe besiegt sei. Doch Buchautorin Eva Lirot ist immer für eine Überraschung gut und ich war neugierig, ob sie es im dritten Teil wieder schafft, mich zu fesseln. Es handelt sich um eine fortlaufende Serie. Daher sollte man zuvor Teil 1 und 2 gelesen haben. Kaum hatte ich mit dem Lesen des Buches begonnen, war ich bereits mittendrin und habe die 200 Seiten hintereinander weggelesen. Eva Lirots temporeicher, harter und manchmal auch mystisch-düsterer Schreibstil gefällt mir sehr. Eine geheimnisvolle Atmosphäre zieht sich durch den Roman und sorgt für Spannungsmomente. Die Buchautorin ist keine ausschweifende Erzählerin, die sich mit vielen Nebenhandlungen und Charakterdarstellungen beschäftigt. Sie kommt schnell zum Punkt, ist schonungslos und serviert ihre Gruseligkeiten ohne blumige Beilagen. Kein leicht verdaulicher Lesestoff. In kurzen Kapiteln lässt Eva Lirot abwechselnd ihre 3 Protagonisten - Sadie, John Palmer und den Diener - agieren. Besonders die Inszenierung des Dieners fand ich klasse. Ich fragte mich, wer wohl dahintersteckt und vor allem wie es möglich war, dass sich die Wölfe wieder neu firmieren konnten. John Palmer ist ein echter Sympathieträger. Er versucht sich in Sadie’s Gedankenwelt zu versetzen. Einen besseren Mann kann sie wohl nicht finden. Sadie gerät manchmal ziemlich schnell in Panik und braucht eine starke Schulter zum Anlehnen. Gemeinsam sind sie ein tolles Team. Am Ende des Buches erwartet den Leser ein packendes Finale mit einer interessanten Auflösung. „Engel der Toten“ hat alles, was ein guter Thriller braucht. Die mystische Komponente macht diese Reihe für mich so außergewöhnlich. Vielleicht nicht jedermanns Geschmack, mich jedoch hat die Geschichte mitgerissen. Kurzweiliges Thrillervergnügen für zwischendurch! Lesetipp! Und wem der Lirot'sche Schreibstil gefallen hat, dem empfehle ich die Jim Devcon-Reihe.

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Was wir zu hoffen wagten

Michaela Saalfeld
Flexibler Einband: 500 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 27.07.2018
ISBN 9783404177073
Genre: Historische Romane

Rezension:

Die Thematik zu Michaela Saalfelds Roman „Was wir zu hoffen wagten“ interessierte mich. Außerdem gefiel mir das Buchcover. Das Szenario beginnt im Jahr 1912 in Berlin und der Leser lernt zunächst die drei Geschwister, Felice, Willi und Ille kennen. Felice ist intelligent und emanzipiert. Sie möchte unbedingt Jura studieren, was jedoch Frauen im Kaiserreich untersagt wird. Ihr Bruder Willi soll eigentlich die väterliche Bank übernehmen, hat aber keine Lust dazu. Vielmehr fühlt er sich in der Filmwelt zuhause. Ille ist die Jüngste und buhlt ständig um die Gunst ihrer Schwester. Dann bricht der Krieg aus und das Leben der drei Geschwister verläuft in ganz anderen Bahnen, als ursprünglich vorgesehen. Wird Felice doch noch als Juristin arbeiten können? Steigt Willi ins Filmgeschäft ein und wird Ille irgendwann ihrem brutalen Ehemann entfliehen können? Der Einstieg in den Roman fiel mir schwer. Michaela Saalfeld hat einen ungewöhnlichen Schreibstil. Oft deutet sie an, drückt sich rätselhaft aus und liefert erst viel später eine Erklärung dazu. Dies könnte durchaus die Spannung anfachen, jedoch wirkte es hier auf mich ermattend und langatmig. Obwohl sich die Autorin oft der bildhaften Beschreibung bedient, fand ich eine Interpretation dazu schwierig. Erst nach etwa 120 Seiten packte mich die Geschichte. Jetzt flossen historische Fakten in die Handlung und Spannung kam auf. Erwähnenswert scheint mir hier z.B. der „Hindenburg-Absturz“, den Michaela Saalfeld lebendig und atmosphärisch in ihre fiktive Geschichte einbindet. Außerdem beschreibt sie die Ereignisse des Krieges sehr detailliert, hart und blutig. Nichts für schwache Nerven! Der Roman scheint gut recherchiert, mit vielen Hintergrundinformationen bestückt. Doch irgendwann uferten die Schilderungen des Kriegstreibens aus und mir wurde es schlichtweg zu viel. Im Finale kam wieder Schwung in die Handlung. Diesen letzten Teil arbeitet die Autorin für meinen Geschmack viel schnell und sprunghaft ab, was ich persönlich sehr schade fand. Gerade der Abschnitt schien mir besonders interessant. Ich wage den Vergleich dieses Romans mit einem leckeren Kuchen. Alle Zutaten waren drin, nur die entsprechenden Mengen passten nicht. Hinzu kommt, dass mir die Charaktere nicht wirklich sympathisch waren. Im Prinzip mag ich Antihelden, die mit ihren Eigenheiten, Ecken und Kanten beschrieben werden. Aber diesen Darstellern fehlte der gewisse Charme. Am ehesten konnte ich mit Felice sympathisieren. Allerdings nervte mich ihr Desinteresse an ihren Mitmenschen und die Art wie sie sie behandelte. Ille war für mich ein Puttchen, naiv und wehrlos. Auch Willi mit seiner unerfüllten Liebe zu der Schauspielerin Recha erreichte mich nicht. Auf Recha hätte ich verzichten können. Sie mochte ich gar nicht. Da ich schon einige Romane aus diesem Genre gelesen habe, waren vermutlich meine Erwartungen an das Buch zu hoch. Fazit: Solider, historischer Roman mit eigenwilligen Charakteren, der mich nicht durchweg fesseln konnte. Meine 3 Sterne-Leseempfehlung!

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Kleinhirn an alle

Otto Waalkes
herunterladbare Audio-Datei
Erschienen bei Random House Audio, 14.05.2018
ISBN 9783837141368
Genre: Biografien

Rezension:

Ein „Unikum“ ist 70 Jahre alt geworden und ich wollte mehr über seine Lebensgeschichte kennenlernen. Kürzlich las ich die große Otto-Biografie „Kleinhirn an alle“, niedergeschrieben von Otto Waalkes. Das Buch hat mich rundum begeistert. Vielleicht habt ihr meine ausführliche Rezension bereits gelesen. Obwohl ich nur selten zu Hörbüchern greife, reizte es mich, diese Biografie zu hören, zumal mir Otto als Stimmenimitator und Rollenspieler immer besonders gut gefallen hat. Die Otto-Biografie umfasst 5 CDs, drei orangefarbene und zwei schwarze. Jede CD ist mit einer anderen Otto-Karikatur gestaltet. Zudem gibt es ein kleines Heftchen, in den sich Otto kurz vorstellt, bedankt und Fotos von sich präsentiert. Das Äußerliche ist ansprechend gestaltet und lädt zum Hören ein. Da ich das Buch sehr genau gelesen hatte, fiel mir gleich auf, dass die eine oder andere Stelle im Buch etwas ausführlicher beschrieben wird. Auch meine Lieblingsszene, in der Otto ein paar Jugendliche zum Fußballspiel herausforderte, fehlte im Hörbuch. Es handelt sich hier um eine gekürzte Lesung, insgesamt mit einer Spielzeit von 6 Stunden und 12 Minuten. Das fand ich persönlich schade. Dennoch war das Hörbuch der Hammer. Otto hat es stimmlich hervorragend eingelesen. Besonders die Textstellen mit verstellter Stimme, beziehungsweise das Vorlesen der originalen Bühnentexte und Ottos typischer Slang haben mir sehr gefallen. Ich kann ihm stundenlang zuhören. Ein Erlebnis, welches ein „Lesebuch“ nicht bieten kann. Für mich kommt Otto bescheiden und selbstkritisch rüber. Ich fand es faszinierend, wie er teilweise von seinem Erfolg selbst überrascht wurde und wie locker und bodenständig er damit umgeht. Ein Mensch wie Du und ich, dem man gern einmal privat begegnen möchte. Trotz seiner nunmehr siebzig Lenze, ist Otto jung geblieben, wahrscheinlich wird er im Herzen seiner Fans der ewige Friesenjung bleiben. Für manch einen mag Otto nur ein Blödelheini sein, aber wer ihm genau zuhört, entdeckt sein großes Talent und seine Intelligenz, die er selbst gern runterspielt. Nur die Frage, ob mir jetzt das gelesen Buch oder das Hörbuch besser gefallen hat, kann ich nicht eindeutig beantworten. Diplomatisch gesagt- die Symbiose aus beiden bringt die beste Unterhaltung. Doch ist es wohl eher eine Frage des persönlichen Geschmacks. Egal wie ihr euch entscheidet, ob gehört oder gelesen - die große Otto Biografie ist sehr zu empfehlen!

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Carl Tohrberg

Ferdinand Schirach
Flexibler Einband: 80 Seiten
Erschienen bei btb, 11.09.2017
ISBN 9783442715749
Genre: Romane

Rezension:

Wer ist Carl Tohrberg? Dieser Frage wollte ich mit dem gleichnamigen Buch von Ferdinand von Schirach auf den Grund gehen. Doch zuvor begegnete mit ein Bäcker aus Berlin, der wunderbare Torten zaubern kann und dessen heile Welt plötzlich zerbricht. Anschließend lernte ich Richter Seybold kennen, der seine Arbeit über alles liebte und als Pensionär den Boden unter den Füßen verlor. In der dritten Kurzgeschichte ging es schließlich um Carl, der seit seinem Unfall als Kleinkind das rechte Bein hinterher zog. Er liebt das Malen und die Mathematik. Leider fehlt ihm die Anerkennung und Achtung seiner Familie. Wie werden scheinbar normale Menschen zu Mördern? Wie stark sind diese Menschen von ihrem Umfeld beeinflusst? Drei prägnante Storys umfasst dieses kleine Büchlein, ideal für unterwegs - im Handtaschenformat. Unverkennbar der typisch Schirachsche Schreibstil, den ich so mag. In der Kürze liegt viel Würze! Gerade bei Kurzgeschichten finde ich es schwierig, Spannung zu erzeugen und dabei noch Emotionen beim Leser hervorzurufen. Ferdinand von Schirach gelingt dies hervorragend. Er schreibt unverblümt, punktgenau und gut verständlich. Jede seiner Episoden stimmt nachdenklich und bleibt lange im Gedächtnis. Ich mag diese Doppelmoral, die er in seinen Erzählungen gekonnt verpackt, genauso wie den Aha-Effekt am Ende. Nichts ist wie es scheint und hinter jeder Tat steht ein Schicksal, ein Mensch. Schirachs Botschaft ist eindeutig. Er ist ein beeindruckender Erzähler, ein Profi der Kurzgeschichte. Inzwischen habe ich bereits vier Bücher von Schirach gelesen, die mich alle begeistern konnten. Meine 5 Sterne - Leseempfehlung! Auch als Mitbringsel für gute Freunde geeignet! Fesselnder Lesestoff für zwischendurch mit Suchtgefahr!

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Vergessene Seelen

Frank Goldammer
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 22.06.2018
ISBN 9783423262019
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Seit dem Roman „Der Angstmann“ verfolge ich die Geschichte um Frank Goldammers Kommissar Max Heller aufmerksam. Seine Erlebnisse in der Bombennacht im Februar 1945 haben mich tief berührt und erschüttert. Später habe ich miterlebt, wie er in „Tausend Teufel" im zerstörten Dresden 1947 erneut auf Verbrecherjagd ging. Es ist der Sommer 1948, in welchen Kommissar Max Hellers zum dritten Mal in „Vergessene Seelen“ ermittelt. Der Roman ist Juni 2018 beim dtv Verlag erschienen. Obwohl eine in sich abgeschlossene Geschichte erzählt wird, ist es ratsam, zuvor die beiden vorangegangenen Bücher zu lesen. Wieder führt mich Frank Goldammer nach Dresden, wo auch drei Jahre nach Kriegsende noch kräftig gebaut wird. Auf einer dieser Baustellen wird in ein vierzehnjähriger Junge in einer Baugrube tot aufgefunden. Ein Fall für Max Heller! Er muss herausfinden, wie und vor allem warum der Junge sterben musste. Als Heller die Eltern des Vierzehnjährigen aufsucht, trifft er auf ein desolates Umfeld, geprägt von Gleichgültigkeit. Heller fällt es schwer, sich auf seine Ermittlungen zu konzentrieren. Zum einen kommt es zu Diskrepanzen zwischen ihm und seinem Sohn Klaus, zum anderen lastet die Schuld der Vergangenheit schwer auf seinen Schultern. Erneut gelingt es Frank Goldammer eine imposante Buchatmosphäre zu schaffen. Es fühlte sich an wie eine Zeitreise ins Jahr 1948. Ich war mitten in Dresden und begleitete Max Heller bei seinen Ermittlungen durch die Stadt. Ich sah all die Baustellen vor mir und spürte förmlich die Nachwehen des Krieges. Tolles Kopfkino! Wieder lässt Goldammer interessante historische Hintergrundinformationen (wie z.B. die Währungsunion von 1948) in seine fiktive Geschichte einfließen. Damit verleiht er seinem Roman Authentizität, die er mit der Darstellung der zentralen Figur Max Heller untermalt. Heller lebt für seinen Beruf. Er hat einen vortrefflichen Spürsinn und gibt nicht eher Ruhe, bis der Fall vollständig aufgeklärt ist. Die Familie kommt dabei oft zu kurz, Spannungen sind vorprogrammiert. Außerdem schleppt er ein Traumata mit sich rum, welches ihn langsam zermürbt. Ein glaubhafter sympathischer Charakter, vortrefflich inszeniert. Im Gegensatz zu den beiden vorangegangenen Romanen der Max Heller Reihe fehlten mir in diesem Buch die Spannungsmomente. Die Handlung plätscherte gelegentlich vor sich hin. Hier hätte ich mir etwas mehr Pepp gewünscht. Erst im letzten Drittel konnte mich die Story fesseln. Am Ende des Romans gibt es noch einen kleinen Ausblick auf den neuen Max Heller Krimi, der im Dezember diesen Jahres erscheinen wird. „Vergessene Seelen“ - ein interessanter historischer Kriminalroman mit beeindruckenden Milieubeschreibungen. Meine 4 Sterne Leseempfehlung!

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Die Charité

Ulrike Schweikert
Flexibler Einband: 496 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 26.06.2018
ISBN 9783499274510
Genre: Historische Romane

Rezension:

Sie gehört zu den größten Universitätskliniken Europas und ist das älteste Krankenhaus Berlins - „Die Charité“ Beim Rowohlt Verlag ist im Juni 2018 mit gleichnamigen Titel ein Roman von Ulrike Schweikert erschienen. Das tolle Cover lädt bereits zum Lesen ein. Die rote Rose und die dazu passende Schrift fällt sofort ins Auge. „Gnadenlos brannte die heiße Augustsonne 1831 auf Berlin herab.“ Der Schiffer Johannes Christian Mater stirbt auf seinem Spreekahn unter grauenhaften Schmerzen. Er ist das erste Cholera-Opfer in Berlin sein. Angst macht sich breit und die Zahl der Erkrankungen steigt rapide. Professor Dieffenbach und seine Kollegen versuchen fieberhaft ein Heilmittel gegen Cholera zu finden. In dieser Zeit tritt die junge Wärterin Elisabeth ihren Dienst in der Charité an. Ausgebildete Krankenschwestern gab es damals noch nicht. Elisabeth ist wissbegierig und fleißig. Ihre einfühlsame Art ist bei den Patienten beliebt. Elisabeth ist mit der Hebamme Martha befreundet, die sich der Pathologie verschrieben hat. Die Dritte im Bunde der starken Frauen ist Gräfin Ludovica, die sich zu Professor Dieffenbach hingezogen fühlt und mit ihren finanziellen Mitteln die Krankenschwesterausbildung vorantreiben möchte. Schon nach wenigen Seiten war ich mitten im Geschehen, fühlte mich in die damalige Zeit versetzt. Ulrike Schweikert ist es gelungen, ihren Roman mit vielen interessanten Hintergrundinformationen und historischen Fakten rund um die Charité zu spicken. Das Ganze ist eingebettet in eine spannende Rahmenhandlung, die mich schon nach wenigen Seiten mitgerissen hat. Dichtung und Wahrheit sind geschickt miteinander verknüpft, was eine exzellente Recherche voraussetzt. Bezüglich der realen Tatsachen befinden sich im Anhang des Romans einige Erläuterungen. Wer eine tiefgründige Inszenierung der Akteure erwartet, den muss ich enttäuschen. Für mich persönlich war es genau die richtige Dosis, denn ich hatte einen sachbuchähnlichen Roman erwartet. Trotzdem mangelt es der Geschichte nicht an Emotionalität. Gelegentlich standen mir die Tränen in den Augen. Die Handlung um die junge Helferin Elisabeth, die Hebamme Martha und die Gräfin Ludovica hat mir sehr gut gefallen. Die Herren Dieffenbach und Heydecker verleihen der Story den gewissen männlichen Charme. Heutzutage ist es kaum vorstellbar, unter welch schwierigen Bedingungen die Mediziner damals arbeiten mussten. Für mich ist es selbstverständlich, dass Operationen in speziell dafür hergerichteten OPs unter Narkose oder lokaler Anästhesie durchgeführt werden. Damals operierten Ärzte den Patienten zuhause, ohne Betäubung wurde er festgehalten und litt dabei unter fürchterlichen Schmerzen. Ulrike Schweikert beschreibt derartige Eingriffe eindrucksvoll in ihrem Buch. Nicht selten starben die Patienten währenddessen oder bekamen danach den gefürchteten Wundbrand. Das liest sich dramatisch und ging mir nah. Besonders schockierend fand ich die Darstellung der damaligen Therapiemethoden bei der Behandlung von Geisteskrankheiten. Dieses Kapitel hat mich ergriffen und festgehalten. Es ist erstaunlich, welche Entwicklung die medizinische Forschung seit damals genommen hat. Um so beeindruckender scheint mir das Engagement von Professor Dieffenbach. Obwohl der Roman fast 500 Seiten umfasst, habe ich ihn an einem Wochenende durchgelesen. Mit großer Spannung sehe ich einer Fortsetzung entgegen. „Die Charité“ - ein intelligenter, anspruchsvoller Lesestoff zwischen Wahrheit und Fiktion, der mir noch lange im Gedächtnis bleibt. 5 Sterne- Leseempfehlung!

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Kleinhirn an alle

Otto Waalkes
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Heyne, 14.05.2018
ISBN 9783453201163
Genre: Biografien

Rezension:

„Warum sollte man mich mögen? Es gibt keine Antwort, außer einer patzigen: Warum eigentlich nicht?“ (Zitat aus „Kleinhirn an alle") Es war einmal ein Mädchen, dessen Vater war einem Komiker namens Otto verfallen. Er kannte alle seine Gags und gab sie bei Familienfeiern zum besten. Viele Jahre später, als aus dem jungen Mädchen eine reife Frau geworden ist, entdeckt sie ein Buch mit dem Titel „Kleinhirn an alle - Die große Otto Biografie. Sie erinnert sich an ihren Vater, der leider inzwischen verstorben ist und möchte plötzlich mehr über diesen Otto Waalkes erfahren. So fand schließlich die 415 umfassende Lebensbeichte des Friesenjung, erschienen im Mai 2018 beim Heyne Verlag, den Weg in mein Buchregal. Er mag Märchen. Seine Parodien auf Hänsel und Gretel oder Schneewittchen und die sieben Zwerge sind legendär. Habe mich oft gefragt, wie Otto auf seine aberwitzigen Interpretationen kommt. Er nimmt sich selbst gern auf die Schippe. Sein Äußeres passt hervorragend zu seiner humoristischen Art. So beschreibt sich Otto selbst und ich habe sofort das Bild von dem quirligen, hüpfenden, viel zu schnell plappernden Männlein vor mir, der Unfug im Kopf hat und Leute zum Lachen bringt. „Meine lange Nase, die irgendwo auf halber Strecke die Richtung wechselt, der Mund, der so breit grinsen kann, dass es aussieht, als stünden die Augen darüber etwas dicht beieinander, die schmale Stirn, die sich Richtung Hinterkopf ausgebreitet hat, das Kinn, das früher noch spitzer war...“ Sicher spaltet Ottos Humor die Gesellschaft, die einen finden ihn zum Brüllen lustig, während die anderen mit seinem Humor so gar nichts anfangen können. Lässt man aber diese Aspekt außen vor und geht ganz unvoreingenommen an diese Biografie heran , wird man mit einem unterhaltsamen Lesevergnügen belohnt, welches sich romanartig liest. Otto Waalkes hat eine ganz charmante und amüsante Art zu schreiben. Von Seite zu Seite wurde er mir vertrauter und es schien beinahe so, als wäre ich ihm tatsächlich schon begegnet. Es scheint mir, als sei er ein Mensch wie Du und ich, ohne Starallüren, ehrlich und bodenständig. Natürlich ist Otto auch im Buch der Spaßvogel, der immer irgendeinen Blödsinn ausheckt. Meine Lieblingsstelle ist die, in welcher er während eines Drehs auf Jamaika ein paar Jungen zu einem Fußballmatch herausfordert. Ich habe mich gekringelt vor Lachen. Liest man jedoch auch zwischen den Zeilen, offenbart sich mir ein ernsthafter, intelligenter und sehr talentierter Otto, der sich in Bescheidenheit zeigt und mit viel Selbstkritik bestückt ist. Das merkt man bereits bei der Wahl des Buchtitels. Otto spricht ganz offen über seine Fehler und Misserfolge. Dabei gewährt er dem Leser Einblicke in sein Privatleben. Otto nimmt die Dinge hin, wie sie sind. Jedoch überspielt er sie schlichtweg mit seinem ganz eigenen Humor. Das gefällt mir. Insofern - danke Otto für den kleinen Exkurs in Sachen „Lebensberatung“. Apropos Vorbilder, zu seinen gehören z.B Heinz Ehrhardt, Jerry Lewis, Alec Baldwin u.v.a.m. ! Von ihnen spricht Otto mit großem Respekt. Überhaupt erwähnt er viele seiner Wegbegleiter mit lobenden Worten. Otto besitzt eine künstlerische Ader, die hier nicht unerwähnt bleiben soll. Ich finde seine Karikaturen richtig klasse, allen voran die Ottifanten. Es gibt viele witzige, interessante und emotionale Stellen im Buch, die mir noch lange im Gedächtnis bleiben werden. Demnächst wird Otto 70 Jahre und für diesen Rückblick auf sein bewegtes Leben hat er meine 5 Sterne-Leseempfehlung verdient! „Wer klug ist, weiß vermutlich, wann er aufzuhören hat - ich weiß es, wie gesagt, nicht." (Zitat aus „Kleinhirn an alle“) P.S. „Die große Otto Biografie“ gibt es auch als Hörbuch, natürlich gelesen von Otto.

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Unter blutrotem Himmel

Mark T. Sullivan , Peter Groth
Flexibler Einband: 596 Seiten
Erschienen bei Tinte & Feder, 22.05.2018
ISBN 9781503950085
Genre: Historische Romane

Rezension:

Als Weltbestseller aus den USA, basierend auf einer wahren Geschichte, reizte mich der Roman „Unter blutrotem Himmel“ von Mark Sullivan. Die amerikanische Ausgabe erschien bereits 2017. Bei Tinte & Feder wurde der Roman im Mai 2018 in deutscher Sprache veröffentlicht. Im Vorwort wird Mark Sullivan sehr persönlich, erzählt von einem Tiefpunkt in seinem Leben, den er mit Hilfe der Recherche zum Buch überwunden hat. Man spürt sofort, wie viel Arbeit und Zeit er investiert hat und dass es sich um ein Herzensprojekt handelt. Zu diesem Zeitpunkt ahnte ich bereits, dass mir eine emotional bewegende Geschichte in die Hände gefallen war. Ich lernte Pino Lella kennen und war sehr gespannt, wie der Buchautor seine Erlebnisse zwischen Juni 1943 und Mai 1945 in Romanform gebracht hat. Eigentlich ist Pino ein typischer siebzehnjähriger Italiener, der sich für Musik, Autos und Mädchen interessiert. Mit dem Krieg und den Nazis will er nichts zu tun haben. Doch als seine Heimatstadt Mailand von einem Bombenangriff erschüttert wird, beschließen Pinos Eltern ihn in die Berge zu Pater Re zu schicken. Seine Eltern konnten nicht ahnen, dass ihr Sohn dort zum Bergführer ausgebildet wurde, um Juden, die der Verfolgung durch die Nazis entgehen wollten, von Italien über die Alpen in die Schweiz zu bringen. Pino verschreibt sich dem Kampf gegen die Faschisten und wird schließlich zum Spion der Alliierten. Der junge Italiener verliebt sich unsterblich in die sechs Jahre ältere Anna. Doch kann es für die beiden in diesen düsteren Zeiten eine gemeinsame Zukunft geben? Pino Lella ist ein starker und sympathischer Charakter. Ich habe ihn schnell ins Herz geschlossen. Er durchlebt im Laufe der Handlung eine enorme Veränderung vom unbekümmerten jungen Wilden zum verantwortungsvollem Erwachsenen. Doch er ist auch ein emotionaler Mann, der Gefühle zeigt. Seine Liebe zu Anna ist grenzenlos. Familie und Freunde sind ihm sehr wichtig. Meiner Meinung nach ist es Mark Sullivan vortrefflich gelungen, die Erlebnisse des Pino Lella in Szene zu setzen. Der Buchautor hat von 2006 beginnend, zehn Jahre Nachforschungen betrieben und viele Gespräche mit dem Romanhelden Senior Lella geführt. Entstanden ist eine interessante Komposition aus biografischen Daten, historischen Fakten und fiktionaler Interpretation. Obwohl ich schon viel über den 2. Weltkrieg und die Gräueltaten der Nazis gelesen habe, waren mir die Ereignisse in Italien nicht so geläufig. Sullivan schreibt atmosphärisch dicht in lebendigen Bildern. Dabei bedient er sich einer klaren, prägnanten Sprache. Schnell packte mich die Handlung und hielt mich bis zur letzten Seite gefangen. Die Schilderungen der dramatischen Erlebnisse des Pino Lella treiben die Spannung auf ein Höchstmaß. Eine ergreifende Geschichte, die mich tief berührt hat und mich zum Weinen brachte. Keine leicht verdauliche Kost, aber ein Weltbestseller, der diesen Titel verdient. „Unter blutrotem Himmel“ - es ein herausragender Roman, der mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Lesenswert! Ein tolles Buchgeschenk für gute Freunde!

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Der Fall Collini

Ferdinand von Schirach
Flexibler Einband: 208 Seiten
Erschienen bei btb, 13.02.2017
ISBN 9783442714995
Genre: Romane

Rezension:

Ich mag die Kurzgeschichten von Ferdinand von Schirach und war nun gespannt auf seinen Roman „Der Fall Collini“. Das Buch ist im Februar 2017 beim btb Verlag erschienen. Fabrizio Collini ist ein unauffälliger Mann in den Sechzigern, der vierunddreißig Jahre bei Mercedes als Werkzeugmacher gearbeitet hat. Dieser unbescholtene Bürger marschiert in ein Berliner Luxushotel und erschießt den Industriellen Hans Meyer. „Vier Projektile waren in seinen Hinterkopf eingedrungen, eines hatte sich im Gehirn gedreht, war wieder ausgetreten und hatte das halbe Gesicht weggerissen.“ (Auszug aus "Der Fall Collini) Caspar Leinen, ein junger Anwalt, übernimmt seine Pflichtverteidigung. Zu diesem Zeitpunkt weiß er noch nicht, dass es sich bei dem Opfer um den Großvater seines besten Freundes handelt. Das stützt Leinen in einen Gewissenskonflikt. Außerdem schweigt Fabrizio Collini beharrlich hinsichtlich seines Motivs. Das Gerichtsverfahren verläuft zunächst ohne nennenswerte Highlights, doch Leinen will sich nicht so leicht geschlagen geben. Er recherchiert Tag und Nacht und stößt schließlich in Ludwigsburg auf eine Spur, die schreckliche Gräueltaten zutage fördert und ein dunkles Kapitel deutscher Justizgeschichte offenbart. Dieser Roman hat meine Erwartungen übertroffen. Ich habe die knapp 200 Seiten in Rekordzeit gelesen, denn die Handlung hat mich enorm gefesselt und mitgerissen. Dabei ist die Sprache des Autors deutlich und auch für Laien gut verständlich. Am Anfang des Buches steht der Mord, der kaltblütig und auf den ersten Blick motiv- und emotionslos wirkt. In gewohnter Schirach-Manier wird der Leser sachlich-faktisch mit kleinen Informationshappen versorgt, wodurch die Spannung rasant steigt. Ich wollte unbedingt erfahren, was Fabrizio Collini zu dieser Tat getrieben hat. Anderseits gefiel mir die Inszenierung von Caspar Leinen sehr gut. Er entwickelt sich im Laufe der Handlung vom frisch gebackenen Anhalt, mit viel theoretischem Wissen, zu einem cleveren und besonnenen Verteidiger. In einem fulminanten Finale lässt Schirach die Katze aus dem Sack. Schwer verdauliche Kost, die überrascht und zum Nachdenken anregt. Er hat es geschafft, mich trotz seiner nüchternen Beschreibungen emotional zu berühren. Ferdinand von Schirach ist ein grandioser Erzähler, getreu dem Motto: In der Kürze liegt die Würze! Meine 5 Sterne Leseempfehlung!

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Der Tod bohrt nach

Isabella Archan
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Emons Verlag, 28.06.2018
ISBN 9783740803124
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Sie kann es nicht lassen! Wann immer sich das Verbrechen in der Nachbarschaft einnistet, wandelt Zahnärztin Dr. Leocardia Kardiff auf den Spuren von Miss Marple. Inzwischen klopft bereits zum dritten Mal „Mord und Todschlag“ an ihre Praxistür. Nach „Tote haben kein Zahnweh“ und „Auch Killer haben Karies“, ist nun der dritte Kriminalroman dieser Reihe mit dem Titel „Der Tod bohrt nach“ beim Emons Verlag erschienen. Wieder ein cooles Cover, passend zur Story! Dr. Leo hat Notdienst, als mitten in der Nacht Dietrich Möwe mit schrecklichen Schmerzen in ihrer Praxis erscheint. Er kann kaum sprechen, weil ihm eine Krone abgebrochen ist, faselt wirres Zeug - es ginge um Leben und Tod und er müsse sie retten. Dann bricht Möwe die Behandlung ab und verspricht, Montag zur Sprechstunde wiederzukommen. Doch der seltsame Patient hält sein Versprechen nicht. Leocardia versucht sich zunächst aus den Ermittlungen herauszuhalten und überlässt Kommissar Jacob Zimmer das Terrain, mit dem sie seit ein paar Monaten fest liiert ist. Als dann jedoch eine Leiche gefunden wird, ist Dr. Leo nicht mehr zu halten. Sie bohrt dem Verbrechen auf den Nerv und kommt dabei einer Entführung auf die Spur. Leider wird der Täter von Leo‘s Nachbohrungen aufgeschreckt und holt zum Gegenschlag aus. Isabella Archan hat erneut einen verzwickten Kriminalroman geschaffen und diesen mit viel Ironie und Wortwitz untermalt. Der Buchautorin gelingt es vortrefflich Spaß mit Spannung zu kombinieren. Sie schreibt lebendig, bedient sich einer klaren und direkten Sprache und hat eine interessante Form der szenischen Darstellung gefunden. Ihre Akteure sind ziemlich schräg und auch die Wahl der Namen ist bisweilen urkomisch. Für mich war es wie ein Treffen mit alten Bekannten, da ich bereits die Vorgängerbücher gelesen habe. Ich mag die übereifrige Dr. Leo und ihre chaotische Sprechstundenhilfe Britti Poster genauso gern, wie den verliebten Kommissar Zimmer. In diesem Buch kommt ein neuer Charakter hinzu, der mein Herz im Sturm erobert hat- Leo’s Vater, Dr. Gerwald Hubertus. Er erinnert an den Elefanten im Porzellanladen, wirkt lebensnah und entpuppt sich zu meinem heimlichen Star der Geschichte. Zum Ende des Buches überschlagen sich die Ereignisse und man muss sich konzentrieren, um den Überblick zu behalten. Ich habe mich bestens unterhalten mit Dr. Leo und Co. Die Idee, eine Zahnärztin als „Miss Marple“ ins Rennen zu schicken, finde ich originell und einzigartig. Ein klassischer Krimi mit leicht verschrobenen Charakteren! Lesevergnügen, nicht nur für Dentisten!

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Strandmädchentod - Thriller

B. C. Schiller
E-Buch Text: 389 Seiten
Erschienen bei null, 20.06.2018
ISBN 9783950395457
Genre: Sonstiges

Rezension:

Darf ich mich kurz vorstellen. Mein Name ist Tony Braun und ich mag es gar nicht, wenn man mich „Kommissar Braun“ nennt. Ich bin Österreicher und bei uns in Linz sagt man Chefinspektor. Kommen wir zu meinem aktuellen Fall, es ist bereits der neunte. , Das Autorenduo BC Schiller hat sich für mich wieder eine ungewöhnliche Geschichte ausgedacht, wie gewohnt spannungsgeladen und rasant mit einer guten Portion Thrill. „Strandmädchentod“ ist am 20.06.2018 erschienen. Mein Sohn Jimmy plant, sich mit Streetfood selbstständig zu machen und meine Freundin Kim ist schwer krank, aber das verdränge ich weitestgehend. Jimmy hat ein tolles Haus entdeckt und will mich überreden, es anzumieten. Doch Polizeipräsidentin Elena Kafka durchkreuzt den Plan, denn es gilt einen Mord aufzuklären. Die sechzehnjährige Tochter des Unternehmers Ulf Hanstetten - dem größten Sponsor der Polizeisportanlage - wurde in Tallinn ermordet aufgefunden. Bea Hanstetten war als Au-pair-Mädchen in der Familie eines windigen Geschäftspartners ihres Vaters tätig. Nach kurzer Zeit ist klar, dass ich - Braun- nach Estland fliegen muss, um dort die Ermittlungen zu unterstützen. Leider ist inzwischen ein weiteres Au-pair-Mädchen namens Zoe verschwunden. Ihre Leiche wird kurze Zeit später gefunden. Ich verfolge gemeinsam mit Kommissar Arto Kaukonen verschiedene Spuren. Aber der Fall ist verzwickt. Als dann erneut ein junges Mädchen verschwindet, beginnt für uns ein Wettlauf mit der Zeit. Ich bin ein cooler Typ, der jeden Tatort auf sich wirken lassen muss. Man sagt mir nach, dass ich mit den Toten reden kann. Aber psst, ich versuche es tatsächlich! Die Schillers haben mir wieder eine spannende Story verpasst, in welcher sie mich sehr sympathisch in Szene setzen. Das gefällt mir. Trotzdem haben sie mich auf die eine oder andere falsche Spur geschickt und dem Leser grausige Bilder von den Leichen offenbart. So muss ein Thriller sein, fesselnd, brutal und blutig, mit einem Funken Action! Das Stetting des Buches ist super. Stimmungen und Ortsbeschreibungen wirken realitätsnah. Ernste Themen, wie Waffelhandel, Drogen, Korruption und Krankheit fließen in die Handlung ein. Der Leser fliegt durch die Seiten und hat bis zum Schluss keine Ahnung, wer der Täter sein könnte. Am Ende des Buches erwartet ihn ein rasantes und spannungsreiches Finale mit einigen interessanten Wendungen. Ein rundum schlüssiger Thriller mit einem gelungenen Ende! Wer starke Nerven hat, gern Thriller liest und Tony Braun kennenlernen möchte, dem sei Strandmädchentod“ empfohlen. Und wer nicht genug von Braun bekommen kann, es gibt noch weitere acht Bücher dieser Reihe, wie z.B „Totes Sommermädchen“ oder „Töten ist ganz einfach“.

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