Leserpreis 2018

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15 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

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Seelenfrost (Jim Devcon-Serie, Band 10)

Eva Lirot
Flexibler Einband: 184 Seiten
Erschienen bei Independently published, 11.12.2018
ISBN 9781790917006
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Devcon stand auf, machte drei Schritte, bückte sich und griff nach seiner Jeans. Er zerrte das Handy aus der Hosentasche. „Ich will jetzt nicht hören, dass wir ein Leiche haben“, raunzte er in den Apparat. „Nein Chef“, antwortete Kommissar Kellermann. „Es sind drei.“ (Auszug aus Seelenfrost) In nur einer Nacht hatte man in der Frankfurter Innenstadt drei entsetzlich verstümmelte Leichen gefunden. Vom Täter keine Spur, aber im Internet tauchen bereits Fotos von den Tatorten auf. Was bezweckt der Täter damit, dass er die Lippen seiner Opfer zunäht, ihre Augen und ein Stück der Kopfhaut entfernt? Devcon und sein Team stehen vor einem Rätsel. Leider bleibt kaum Zeit für intensive Ermittlungsarbeit. Viel wichtiger scheint es zu sein, dass die Mordkommission in der Öffentlichkeit ein gutes Bild abgibt. Devcons Laune sinkt auf den Nullpunkt, zumal allgemeine Sparmaßnahmen einen möglichen Stellenabbau in seiner Abteilung nach sich ziehen könnten. Dann wäre vermutlich Tatjana betroffen, die immer noch mit den Folgen ihres Psychotraumas kämpft. Indes hat der Täter ganz andere Probleme . Er fürchtet, dass man seine Botschaft, mit welcher er auf einen „lautlosen Krieg“ aufmerksam machen möchte, nicht verstehen könnte. Also plant er einen letzten Showdown... Eva Lirot gelingt es, mich schnell in den Bann ihrer Geschichte zu ziehen. Ihre Sprache ist einfach und klar. Rigoros beschreibt sie die grauenvoll zugerichteten Opfer. Außerdem lässt sie den Täter mit seiner kranken Psyche zwischendurch zu Wort kommen. Ich bekomme eine Gänsehaut. Nix für schwache Nerven! Kurze Kapitel bringen zusätzlich Tempo. Bis zur Hälfte des Buches habe ich keine Ahnung, worauf diese Story hinauslaufen könnte. Doch dann thematisiert Eva Lirot wieder einmal einen Hintergrund, der mich überrascht und nachdenklich stimmt. Das ist das Besondere an dieser Thriller- Reihe. Es gibt immer interessante reale Bezüge, die in eine fiktive Geschichte eingebaut aind. Das mag ich sehr. Ausserdem bin ich ein großer Fan dieses raubeinigen Ermittlers mit texanischem Wurzeln. Trotzdem muss ich heute an ihm Kritik üben... James Lloyd Devcon, wir kennen uns nun schon so lange. In zehn Ermittlungen habe ich Dir zur Seite gestanden und deshalb erlaube ich es mir, Dir hier und jetzt einmal gründlich die Leviten zu lesen. Du hast zwar mit 62 Jahren den größten Teil Deiner beruflichen Laufbahn hinter Dir und auch mehr als die Hälfte Deines Lebens. Das gibt Dir aber nicht das Recht, zum Stinkstiefel zu mutieren. Du spielst Roulette mit meinen Sympathiepunkten. Du meinst Tatjana hätte einen besseren Mann verdient? Warum willst Du eine Frau, die Dich liebt aus deinem Leben verbannen? Warum konntest Du ihr diesen Ring nicht schon lange an den Finger stecken? Männerlogik! Hilfe! Glaubst Du wirklich, dass Tatjana beruflich ihren Instinkt verloren hat? Ich denke eher, sie ist total verunsichert, weil sie Dir nichts recht machen kann. Und dann dieses Gefasel...“Einer der größten Gefahren beim Älterwerden ist, dass man bequem wird...“ Ich mag das gar nicht hören. Du bist ein brillianter Ermittler und Deine Instinkte funktionieren meiner Meinung nach noch ganz gut. Wach auf und zerfließe nicht in Selbstmitleid! Die Frankfurter Mordkommission braucht Dich und ich möchte weiterhin Deine spannenden Kriminalfälle lesen. Für das Leben als Couch-Potato ist es definitiv zu früh! An einem Abend habe ich die 180 Seiten durchgelesen, mich gut unterhaltenen und dabei auch etwas gelernt. Rasanter Lesestoff für Serienjunkies - brutal, spannend und lesenswert!

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15 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

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My Love Story

Tina Turner , Naemi Schuhmacher , Barbara Steckhan , Dominik Wichmann
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Penguin, 15.10.2018
ISBN 9783328600596
Genre: Biografien

Rezension:

Im August 1990 hatte ich das große Glück, diese energiegeladene Powerfrau beim Open-Air-Festival in Berlin zu erleben. Ein unvergessliches Erlebnis!

Mich interessierte die Lebensgeschichte von Tina Turner. Sicher kenne ich einige Eckdaten ihrer Biografie, doch war ich auf ihre Sicht der Dinge gespannt.

Die bei Penguin erschienene Ausgabe der Autobiografie ist schlicht gehalten, dennoch hochwertig in der Aufmachung. Besonders gut gefällt mir die goldene Schrift.
Schlägt man das Buch auf, sieht man Tina über den Dächern von Paris hängend am Eifelturm. Eine Fotomontage? Später im Buch erzählt Tina, wie es zu diesem Foto kam. Spätestens da wird deutlich, was in dieser Frau für Stärke und Willenskraft steckt.

Im ersten Kapitel mit der Überschrift „The Best“ wird es romantisch.

„Willst Du mich heiraten, Tina? Das war der schlichte Satz, mit dem mir Erwin Bach, die Liebes meines Lebens - der Mann, in den ich mich auf den ersten Blick verliebt hatte, bei dem mir schwindelig wurde, kaum dass ich ihn erblickt hatte-, einen Antrag machte“ (Auszug aus My Love Story)

Danach blickt Tina Turner auf ihre Kindheit, ihre Jugend, ihre Familie und selbstverständlich auch auf die schlimme Zeit mit Ike zurück. Sie erzählt von ihren Kindern, für die sie, beruflich bedingt, zu wenig Zeit hatte, von ihrem harten Weg zur Popikone, von ihrer Liebe zu Europa und schlussendlich von ihrer schweren Krankheit.
Ein bewegtes Leben voller Aufs und Abs.

Ich bin beeindruckt, welche enormen Kräfte diese Frau mobilisieren kann. Sie erzählt offen und ehrlich. Ihre Lebensgeschichte hat mich genauso mitgerissen, wie mit ihren Songs. Als Untermalung zum Lesestoff habe mir eine Tina Turner CD eingelegt und bin durchs Wohnzimmer getanzt.
Tina Turner versprüht trotz der Schicksalsschläge Lebensfreude und Sympathie. Ihre offene ehrliche Art imponiert mir. Sie gibt persönliche Dinge preis, die man eigentlich nur guten Freunden erzählt. Mutig!
Tina hat keine Starallüren, kann anpacken. Vermutlich ist sie daher auch bei den Berufskollegen wie Mick Jacker, Brain Adams, David Bowie, Mark Knopfler usw. so beliebt.

Über ihren Einrichtungswahn, mit dem sie Erwin an die Belastungsgrenze treibt, habe ich mich amüsiert. Sie hätte auch Innenarchtektin werden können.

„My Love Story“ ist romanartig geschrieben und liest sich klasse.
Am Ende des Buches fühlte es sich an, als würde ich Tina Turner oder Anna Mae Bullock, wie sie im wahren Leben heißt, persönlich kennen.
Ich wünsche ihr von Herzen, dass sie sich weiterhin von ihrer schweren Krankheit erholt.
Mögen ihr mit Erwin viele schöne Stunden in dem tollen Haus mit Blick auf den Zürichsee vergönnt sein.

Fesselnde Lebensgeschichte einer interessanten Frau und begnadeten Sängerin!

⭐️ ⭐️ ⭐️ ⭐️ ⭐️  Leseempfehlung!

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8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

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Eisige Gedanken - Thriller

B.C. Schiller
E-Buch Text: 262 Seiten
Erschienen bei null, 01.01.2019
ISBN 9783950465112
Genre: Sonstiges

Rezension:

Mein Name ist Dexter. Ich bin ein Weimaraner und ich bin Zeuge eines Mordes geworden. Es war eiskalt in dieser Winternacht in London. Ich bin mit meinem Frauchen Vanessa Stratton unterwegs. Wir gehen zu ihrem Verlobten Tyrone Burton in sein Penthouse. Er ist Anwalt. Ich freue mich ihn zu sehen. Doch plötzlich überschlagen sich die Ereignisse. Tyrone liegt erstochen auf dem Boden und Vanessa, die übrigens die Tochter des englischen Premierministers  ist, steht mit einem blutigen Messer auf der Straße und kann sich nicht erinnern, was geschehen ist. Ich könnte Licht ins Dunkel bringen, nur leider verstehen mich die Ermittler nicht. Deshalb greifen sie zu Plan B und engagieren den ehemaligen BND-Agenten David Stein, der zurückgezogen auf Mallorca lebt. Er hat sich inzwischen einen Namen als Hundeflüsterer gemacht und soll mit meiner Hilfe Vanessas Erinnerung wieder herstellen. David hat diesen Auftrag nicht freiwillig übernommen. Ein dunkler Punkt in seiner Vergangenheit zwingt ihn dazu, denn Davids Beziehung zu Leyla Khan steht auf dem Spiel. Ich kann die Bedrohung riechen, knurre und zeige meine Zähne, wie z.B bei diesem Hypnotiseur Udo Messmer. Der Typ hat was auf dem Kernholz. Er manipuliert Menschen und scheint in düstere Machenschaften verstrickt zu sein. Was für ein Pageturner! Am Anfang der Geschichte wechseln die Handlungsorte hin und her - London-Mallorca-Wien. Nach wenigen Kapiteln bin ich in die Geschichte integriert und werde von den Ereignisse überrollt. B.C. Schiller hält sich nicht mit Nebensächlichkeiten auf, setzt punktgenau die Spannungseffekte. Hinzu kommen die kurzen Kapitel mit den Cliffhangern am Ende. Ich habe das Buch an einem Abend durchgelesen. Die Thematik des Buches ist interessant. Es ist schon erstaunlich, mit welchen Methoden man Menschen manipulieren kann. Obwohl es sich um eine fiktive Geschichte handelt, wirkt sie auf mich erschreckend real. Reichtum und Macht sind wichtiger als Menschenleben. David Stein ist als Ermittler und Hundeflüsterer ein sympathischer und starker Charakter, der dieser Thriller-Reihe den besonderen Kick gibt. Die Ausarbeitung von „Ekel-Udo“ - Dr. Messmer fand ich klasse. Ein fieser Charakter, der für den Gruselfaktor sorgt! Starke, eigenwillige Frauen mischen die Männerrunde kräftig auf und ich folge gefesselt dem Geschehen. Einige Akteure bleiben erwartungsgemäß am Ende auf der Strecke. Geschickte Wendungen sorgen für Überraschungen. Obwohl es sich um eine Thriller-Reihe handelt, ist jede Geschichte in sich abgeschlossen und kann demzufolge ohne Kenntnisse aus den vorangegangen Büchern gelesen werden. Lesevergnügen, nicht nur für Thriller-liebende Hundemenschen! Spektakulär, rasant und lesenswert! ⭐️ ⭐️ ⭐️ ⭐️ ⭐️

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90 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 45 Rezensionen

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Der Verrat

Ellen Sandberg
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Penguin, 27.12.2018
ISBN 9783328100904
Genre: Romane

Rezension:

Sie stürmte mit „Die Vergessenen“ die Bestsellerlisten. Nun ist beim Penguin Verlag ihr neuer Roman „Der Verrat“ erscheinen. Die Geschichte spielt auf einem Weingut an der Saar und wie auf dem Cover ersichtlich, ziehen dunkle Wolken über die idyllische Landschaft. Im Sommer 1998 beobachtet Renate Soffas folgendes: „Das Auto überschlug sich zwei-, dreimal, bis die umherwimmelnden Lichter erloschen und nur noch metallisches Scheppern und das Bersten von Glas zu hören waren, dem Stille folgte, als der Wagen endlich liegen blieb.“ (Auszug aus „Der Verrat“) Zwanzig Jahre später hat Nane ihre Strafe wegen Mordes verbüßt und wird aus dem Gefängnis entlassen. Sie ist eine von drei Schwestern, die unterschiedlicher nicht sein können. Während Birgit sich rührend um Nane kümmert, möchte Pia ihre Schwester nicht wiedersehen. Als erfolgreiche Restauratorin führt sie inzwischen mit ihrem Mann Thomas ein schönes Leben und hat erfolgreich die Ereignisse von damals verdrängt. Doch plötzlich droht Pias Scheinwelt zu zerbrechen. Was ist in dieser Sommernacht 1998 wirklich geschehen? In wenigen Seiten hatte mich Ellen Sandberg mit ihrem fesselnden Schreibstil in den Strudel der Ereignisse gezogen und ich wollte dem lange gehüteten Geheimnis auf den Grund gehen. Die Geschichte ist so spannend geschrieben, dass ich das Buch an nur zwei Abenden verschlungen habe. Dabei sind die Hauptakeure wenig heldenhaft. Sie sind eigenwillig, von Neid, Wut, Rache und Zorn getrieben, leben mitunter in einer Traumwelt, haben Angst vor der Wahrheit und scheuen sich, die Konsequenzen ihres Handels zu tragen. Die Schuld lastet schwer auf ihren Schultern und Verdrängung funktioniert nur bedingt. Mir schien es mutig von Ellen Sandberg, die Schwächen ihrer Charaktere so stark in den Fokus der Geschichte zu stellen. Mir persönlich hat dies sehr gut gefallen, denn es regt zum Nachdenken an. Besonders interessant fand ich die Darstellung der Kindeskinder. Sie sind die Sympathieträger auf der Suche nach der Wahrheit. Sie agieren quasi als Vermittler zwischen den Fronten. Man spürt beim Lesen, dass die Autorin viel Zeit in die Ausarbeitung ihrer Figuren investiert hat. Nur die Inszenierung der Pia konnte mich in Teilbereichen nicht ganz überzeugen. Die Handlung springt zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin und her und entschlüsselt Stück für Stück, was sich in der Sommernacht 1998 auf Gut Graven ereignete. Ich mochte die geheimnisvolle Buchatmosphäre, die Tempo in die Story bringt. Aufgrund der detaillierten Ortsbeschreibungen konnte ich mir die räumlichen Gegebenheiten gut vorstellen und habe nebenbei interessante Hintergrunfinformationen rund um den Weinanbau erhalten. Für mich war dieser Roman ein fesselndes 5 Sterne-Lese-Highlight! „Verrat trennt alle Bande“ - wie schon Friedrich Schiller zu sagen pflegte. Die Leseprobe am Ende des Buches hat meine Neugier auf den Vorgängerroman von Ellen Sandberg geweckt.

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54 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 38 Rezensionen

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Ein MORDs-Team - Der Fall Corey Parker 1: Die fünfte Dynastie (Bände 13-15)

Andreas Suchanek
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Greenlight Press, 31.10.2018
ISBN 9783958342989
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Nachdem das MORDs-Team den Fall Marietta King aufgeklärten konnte, kehrt langsam wieder Alltag in Barrington Cove ein. Das ändert sich jedoch, als Randy, Olivia und Sonja an einem Samstagmorgen auf Angel Island eine Leiche finden, diesmal in einem Sarg in der Geisterbahn. Wer ist es und seit wann liegt der Tote hier? Woran ist er gestorben? Die Spur führt ins Jahr 1985. Erinnerungen werden wach. Damals wollten Jamie, Shannon, Harrison und Billy einen entspannten Tag auf Angel Island verleben. Aber dann brach auf dem Zirkusrummel ein Inferno aus… Das Hardcover zum Auftakt des 2. Falls ist Oktober 2018 bei Greenlight Press erschienen und umfasst die Bände 13 bis 15 einer Buch-Reihe, aus der Feder von Andreas Suchanek. Wieder ist das Buchcover ein echter Blickfang, der perfekt zu den vorangegangen Sammelbänden passt und die geheimnisvolle Atmosphäre der Geschichte widerspiegelt. Das Buch ist ansprechend illustriert und hochwertig verarbeitet. Andreas Suchanek schreibt spannend und lebendig. Hinzu kommt eine gute Portion Action. Immer wieder gibt Suchanek der Story neue Richtungen und geschickte Wendungen. Die Handlung spielt sowohl in der Gegenwart, als auch in der Vergangenheit. Mysteriöse Stimmung breitet sich aus und der Leser kommt mit jedem neuen Band des Rätsels Lösung ein Stück näher. Andreas Suchanek spricht die Sprache der Jugendlichen. Coole Dialoge, mutige starke Charaktere und eine abgefahrene Handlung machen seine Buch-Reihe zu etwas Besonderem. Nebenbei thematisiert Suchanek typische Alltagsprobleme. Bei uns gehört das MORDs-Team zur Familienlektüre, die sowohl meine Kinder, als auch uns Erwachsene begeistert. Wir lieben die Abenteuer von Maison, Olivia, Randy und Danielle und diskutieren nach jedem Band, wie die Story weitergehen könnte. Die einzelnen Teile enden mit fiesen Cliffhangern, die Neugier auf den Fortgang der Handlung erzeugen. Damit dürfte auch klar sein, dass die einzelnen Bände aufeinander aufbauen und hintereinander gelesen werden sollten. In Fall Corey Parker kommt ein neuer Protagonist ins Geschehen- Masons Hund Socke. Ich musste spontan an die Weiterentwicklung von „Fünf Freunde“ und ihre Abenteuer denken. Ich bin ein großer Fan vom Mords-Team und warte nun voller Neugier auf Hardcover Nr. 6. Fünf Sterne- Leseempfehlung für Mason, Olivia, Randy, Danielle und Socke!

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8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

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Das weiße Nashorn

Markus Lutteman , Kerstin Schöps
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Penguin, 13.08.2018
ISBN 9783328102335
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Für eine Lesefreundin war es die Thrillerentdeckung 2018. Mit dieser Aussage hat sie meine Neugier geweckt. Aufgrund des Covers und des Buchtitels assoziierte ich eher eine afrikanische Tiergeschichte, als einen mitreißenden Thriller. Dabei erwartete mich eine besondere, ganz neue Art des Thrills. Die Handlung setzt in Schweden ein. Dort wird ein vom Aussterben bedrohtes, trächtiges Nashornweibchen blutüberströmt aufgefunden - beide Hörner gewaltsam entfernt. Szenenwechsel! In New York fühlt sich ein gefeierter Rockstar ausgepowert, spürt eine innere Leere und versucht dieser zu entkommen. In Mosambik kann ein Familienvater seine Familie nicht mehr ernähren. Ein junger Vietnamese sucht nach einem Weg, dass Herz einer Frau zu erobern. Wie sind diese Einzelschicksale miteinander verbunden und welche Rolle spielt dabei das Nashorn? Es ist eine Geschichte von Jägern und Gejagten und mitunter weiß man nicht, wer wer ist. Mit der Anfangsszene im Tierpark Kolmården in Schweden setzt Buchautor Markus Luttmann den ersten großen Spannungsmoment. Ich bin schockiert, sehe schreckliche Bilder vor meinem geistigen Auge. Das anschließende Kennenlernen mit Rockstar Rob Chazey war etwas unterkühlt, doch im Laufe der Handlung wurde er mir immer sympathischer und zum Schluss wächst er über sich hinaus. Zu jedem Kapitel ist der Handlungsort angegeben, so dass man die einzelnen Erzählstränge gut voneinander abgrenzen kann. Kleine Cliffhanger am Ende der Kapitel erzeugen zusätzlich Spannung. Es fällt schwer, das Buch aus den Händen zu legen. Markus Luttmann hat einen rasanten Schreibstil. Er wirft viele kleine Puzzleteile in die Story und zwingt den Leser sie zu einem komplexen Ganzen zusammenzufügen. Ich bin gefesselt, doch mit jeder gelesenen Seite werde ich nachdenklicher. Wieder ist es die Macht des Geldes, die so schreckliche Kettenreaktionen auslösen. Wie weit geht ein Mensch, der bedroht und unter Druck gesetzt wird oder der seiner Familie ein besseres Leben bieten möchte. Anderseits gibt es stinkreiche Menschen, die nicht wissen, wie sie ihr Geld sinnvoll ausgeben können. Der Schwarzmarkt für Nashornhörner blüht. Ein Kilo Horn ist teurer als ein Kilo Gold. Damit werden die Tiere zur begehrten Ware für Wilderer. Markus Luttmann greift dieses brisantes Thema auf und lässt viele interessante Fakten in seine Story einfließen. Außerdem beschreibt er Stimmungen und Charaktere eindrucksvoll, so dass man denken könnte, es sei keine fiktive Geschichte, sondern ein Tatsachenbericht. „Das weiße Nashorn“ ist ein außergewöhnlicher Thriller mit hohem Informationsgehalt und atmosphärischer Spannung, der mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Er ist brutal, aufwühlend und vermutlich verdammt nah an der Realität! Eine ganz neue Genre- Richtung - Mein Geheimtipp für echte Thrillerfans!

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44 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

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Die Würde ist antastbar

Ferdinand von Schirach
Flexibler Einband: 144 Seiten
Erschienen bei btb, 13.02.2017
ISBN 9783442715008
Genre: Sachbücher

Rezension:

Nach unserem Grundgesetz ist die Würde des Menschen unantastbar. 
 Aber hält sich unsere Gesellschaft immer an dieses Grundrecht? Wo sind Grenzen gesetzt und dürfen wir sie unter bestimmten Bedingungen überschreiten? 
 Ferdinand von Schirach widmet sich in seinem Buch „Die Würde ist antastbar“ausgiebig dieser Thematik. Das Buch beinhaltet eine Sammlung von Essays, die Ferdinand von Schirach bereits im Spiegel veröffentlicht hat. Einerseits geht um brisante Themen unserer Zeit, anderseits gewährt Schirach Einblicke in seine Persönlichkeit. Er schreibt über die Kunst des Rauchens, über das Schreiben und das Lesen via iPad. Besonders beeindruckt hat mich der Beitrag „Du bist, wer Du bist“, in welchem Schirach erklärt, warum er keine Antworten auf die Frage nach seinem Großvater geben kann. 
 Sein Schreibstil ist klar und deutlich. Schnell kommt er auf den Punkt und ich bin immer wieder verblüfft, wie viel Spannung Schirach in seine Episoden bringt. Die Texte sind kleine Anschubser, die mich zum Nachdenken und oftmals auch zum Umdenken animieren. Jede Geschichte ist einzigartig, interessant und meisterlich erzählt. Herr Schirach, vielen Dank für Ihr Plädoyer für die Würde des Menschen. Lesenswert!

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108 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 42 Rezensionen

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Die Liebesbriefe von Montmartre

Nicolas Barreau , Sophie Scherrer
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Thiele & Brandstätter Verlag, 04.09.2018
ISBN 9783851794106
Genre: Romane

Rezension:

Es ist die Stadt der Liebe, die viele Buchautoren inspiriert, ihre romantischen Geschichten in Paris spielen zu lassen. Einer von ihnen ist Nicolas Barreau. Ihm gelingt es meisterlich die besondere Stimmung der Stadt einzufangen. Obwohl ich nur selten in diesem Genre lese, gehören die Barreau-Romane inzwischen zu meiner Pflichtlektüre. 
 Das neuste Werk „Die Liebesbriefe von Montmartre“ ist im September 2018 beim Thiele Verlag erschienen. 
 Julien Azoulay schreibt romantische Geschichten. Für ihn bricht eine Welt zusammen, als seine Frau Hélène stirbt. Vor ihrem Tod hat Hélène Julien gebeten, dreiunddreißig Briefe zu schreiben, für jedes ihrer Lebensjahre einen. Gezwungenermaßen geht er dem Wunsch seiner verstorbenen Frau nach, deren Grab sich auf dem Friedhof am Montmartre befindet. Seine Briefe deponiert Julien in einem Geheimfach im Sockel einer Egelstatue. Doch eines Tages sind alle Briefe verschwunden. Wer hat die Briefe weggenommen und warum? Wer wusste von dem Geheimfach und wer antwortet plötzlich in Form von kleinen Gaben auf Juliens Briefe? 
 Leise und berührend beginnt die Geschichte. Schon nach einer gelesenen Seite fühle ich mich an den Handlungsort versetzt, „wo im Frühling Liebespaare Hand in Hand durch die belebten Gassen streifen und sich, vielleicht ein wenig außer Atem, schließlich auf den Stufen von Sacré-Cœur niederlassen.“ (Auszug aus Liebesbriefe von Montmartre) Nicolas Barreau schreibt so lebendig und bildhaft, dass ich den Friedhof vor meinem geistigen Auge sehe. Ich gehe mit Julien vorbei am Grab von Heinrich Heine und ich kann seine tiefe Traurigkeit spüren. Die Geschichte geht mir nah, ich fühle mit Julien. Er ist ein sympathischer verantwortungsvoller Charakter, der nach einem Schicksalsschlag den Weg zurück ins Leben sucht. Diesen Weg gestaltet Nicolas Barreau geheimnisvoll, mit kleinen Irrwegen, aber auch einer guten Portion Romantik. Es gibt interessante Frauen in Juliens Umfeld und es ist spannend herauszufinden, welche sein Herz erobern kann. Ich mag diese Atmosphäre, die zwar typische Paris-Klischees bedient, dabei jedoch auf Kitsch und Gefühlsduselei verzichtet. 
 Eine warmherzige Geschichte mit Charme, die mich bestens unterhalten hat. Idealer Leserstoff für einen gemütlichen Leseabend auf dem Sofa.

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59 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 47 Rezensionen

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Leid und letzter Tag

Elias Haller
Flexibler Einband: 392 Seiten
Erschienen bei Edition M, 23.10.2018
ISBN 9782919802708
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Donner ist das krachende, mahlende Geräusch, welches von einem Blitz beim Gewitter erzeugt wird. Vermutlich hat Buchautor Elias Haller beim Schreiben seiner Thriller-Reihe den Serienheld Kriminalhauptkommissar Erik Donner mit dieser Naturgewalt in Einklang gebracht. „Leid und letzter Tag“ ist inzwischen der 6 Band der Reihe und noch immer schafft es Elias Haller mich zu überraschen. Obwohl jeder Fall eine abgeschlossene Handlung darstellt, würde ich empfehlen, zuvor die vorangegangen Bücher der Reihe zu lesen. In diesem Band erwartet Donner ein grauenvoller Fund in seinem Schlafzimmer, während auf dem Marktplatz ein verwirrt wirkender Mann angekettet mit einem Aktenkoffer steht und behauptet, wenn er diesen nicht rechtzeitig der Mordkommission übergibt, stirbt seine Frau. Dass diese beiden Ereignisse zusammenhängen, wird spätestens klar, als der unheimliche Täter sein perfides Spiel in die nächste Runde gehen lässt. Für Donner und vier seiner Kollegen beginnt ein Alptraum, ein Kampf um Leben und Tod. Erik Donner ist speziell, ein eigenwilliger Charakter, der gern durch die Wand geht, unkonventionelle Wege bevorzugt und kaum ein Fettnäpfchen auslässt. Doch im Laufe der Thriller Reihe hat er eine interessante Entwicklung vollzogen. Inzwischen steckt er auch zurück, versucht sich zu beherrschen, ist beinahe „handzahm“ geworden. Allerdings hat er immer noch den einen oder anderen lockeren Spruch im Repertoire. Ihm gegenüber steht ein rätselhafter Täter, der sich für sein Spiel mit dem Tod die Möglichkeiten der modernen Technik zunutze macht. Ein Spiel mit gezinkten Karten, welches nicht zu gewinnen ist. Schon der Prolog ist ein Kracher. Schnell bin ich mitten in der rasant erzählten Geschichte. Schonungslos konfrontiert Elias Haller seine Leser mit allerlei Grausamkeiten und schafft dabei eine geheimnisvoll spannende Atmosphäre. Die Szenerie schien mir durch interessant eingebaute Wendungen lange undurchschaubar. Doch am Ende fügen sich alle Puzzleteile ineinander. So muss ein Thriller sein und trotzdem war es diesmal etwas anders. Elias Haller hat es geschafft, mich mit seiner Geschichte emotional zu berühren. „Leid und letzter Tag“ ist ein ungewöhnlicher temporeicher Thriller. Meine 5 Sterne Leseempfehlung!

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147 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 81 Rezensionen

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Die Schwestern vom Ku'damm

Brigitte Riebe
Fester Einband: 432 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Wunderlich, 23.10.2018
ISBN 9783805203371
Genre: Historische Romane

Rezension:

Als Friedrich Thalheim im Juni 1932 voller Stolz das umgebaute Kaufhaus mit dem riesigen neuen Glasdach präsentiert, konnte er nicht ahnen, dass 11 Jahre später seine elegante Einkaufswelt der Bombardierung durch die Alliierten zum Opfer fallen würde. Wie der Buchtitel „Die Schwestern vom Ku‘damm - Jahre des Aufbaus“ vermuten lässt, setzt die Handlung des Romans im Mai 1945 ein. Der Krieg ist zu Ende und Berlin liegt in Schutt und Asche. Es ist der erste Roman einer 50er Jahre Trilogie von Brigitte Riebe, erschienen im Oktober 2018 bei Wunderlich - Rowohlt. Die drei Thalheim- Schwestern Rike, Silvie und Florentine stehen vor den Trümmern des Kaufhauses. Ihr Vater und Silvies Zwillingsbruder Oskar werden vermisst. So nimmt Rike, die Älteste und Geschäftstüchtigste der drei Schwestern die Zügel in die Hand. Sie träumt vom Wiederaufbau des Kaufhauses. Endlich ist der Krieg vorbei und die Sehnsucht der Frauen nach neuen, modernen und farbenfrohen Kleidungsstücken ist groß. Mit viel Engagement und Ideenreichtum versucht Rike für das Unternehmen Thalheim zu werben. Es ist zunächst für die junge Frau schwer, sich in der Männerwelt durchzusetzen. Damals waren es die Herren der Schöpfung noch nicht gewohnt, dass eine clevere Geschäftsfrau die Richtung angibt. Brigitte Riebe hat mit Rike eine starke Frauengestalt geschaffen, eine energische Kämpfernatur mit Charme und Herzblut, die mich beeindruckt hat. Silvie und Florentine sind ganz andere Charaktere. Auch sie sind viel Authentizität gezeichnet und ergeben ein gelungenes Pendant zu Rike. Doch nicht nur bezüglich der Darstellung ihrer Akteure überzeugt die Buchautorin, auch ihre Milieubeschreibungen wirken auf mich detailgetreu und realitätsnah. Es gelingt ihr meisterlich, Raum und Zeit der Geschichte in die Köpfe der Leser zu transportieren. Brigitte Riebe schafft ein interessantes Erzählspektrum, das mich mitgerissen und bis zur letzten Seite gefesselt hat. Da es sich um den ersten Roman aus der Reihe handelt, steht am Ende ein Cliffhanger, der Neugier auf den zweiten Band erzeugt. Und ja, ich würde gern sofort wissen, wie die Geschichte weitergeht. Voller Spannung auf die Fortsetzung dieser Trilogie. Die eingearbeiteten historischen Hintergründe lassen auf eine akribische Recherchearbeit schließen. Lernt die Schwestern vom Ku‘damm kennen und lasst euch in die Zeit des Wiederaufbaus der Stadt Berlin entführen. Meine 5 Sterne Leseempfehlung für diesen atmosphärisch dichten Roman vom Rowohlt Verlag.

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Fest der Finsternis

Ulf Torreck
E-Buch Text: 672 Seiten
Erschienen bei Heyne Verlag, 13.02.2017
ISBN 9783641190545
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

"Im September 1805 werden in den finsteren Gassen die Leichen blutjunger Mädchen gefunden." Schon der erste Satz vom Klappentext des am 13.02.2017 beim Heyne Verlag erschienenen Romans macht mich neugierig. Ein historischer Thriller, ein Fest der Finsternis, inszeniert von einem Leipziger Autor, umhüllt von einem tollen Cover. Die Pest wütet und beklagt unzählige Opfer. Auch der nach Brest strafversetzte Pariser Inspektor Louis Marais verliert Frau und Sohn an den schwarzen Tod. Er droht zu zerbrechen, als ihn plötzlich Polizeiminister Joseph Fouché nach Paris zurückbeordert. Marais soll die unheimliche Mordserie aufklären, die gerade die Stadt in Angst und Schrecken versetzt. Die jungen getöteten Frauen haben alle kurz vor ihrem Tod ein Kind zur Welt gebracht. Als der Polizeipräfekt Jean-Marie Beaume ermordet aufgefunden wird, wendet sich Marais an den berüchtigten Libertin Marquis de Sad und bittet ihn um Unterstützung. Das ungewöhnliche Ermittler-Duo begibt sich auf Spurensuche in die Finsternis. Wird es ihnen gelingen in den Abgründen des Bösen den Mörder zu finden? Mit Marquis de Sade und Louis Marais hat Buchautor Ulf Torreck eine ungewöhnliche Paarung geschaffen, die ich als Leser mit Begeisterung begleitet habe. Die beiden können unterschiedlicher kaum sein und doch fand ich es interessant, wie sie sich bei der Jagd nach dem Mörder ergänzt haben. Obwohl Torreck die Atmosphäre der damaligen Zeit in seinem Roman wunderbar widerspiegelt, wirken die Dialoge von Marais und de Sade beinahe cool und modern und peppen damit die Story auf. Mir hat die Sprache des Buchautors sehr gut gefallen. Manchmal schreibt er brutal direkt, gelegentlich vulgär, dann wieder eine Spur sarkastisch, je nachdem, wie es die Charaktere fordern. Torreck lässt seiner Fantasie freien Lauf, entwirft ein mitreißendes Szenario, in welches er real existierende Personen integriert. Das Setting ist perfekt. Ich fühlte mich in das Paris zu Beginn des 19 Jahrhunderts versetzt und habe mich von der mystisch düsteren Stimmung anstecken lassen. Die Spannung baut sich langsam auf. Zwischendurch wird es thrillermäßig gruselig. Die Frage nach Mörder und Motiv bleibt lange in der Finsternis, denn Ulf Torreck legt falsche Fährten. Manchmal schien mir die Lösung des Falles so nah und dann kam es doch anders. Die Handlung ist komplex. Man sollte konzentriert lesen, um sie in ihrer Gänze zu erfassen. Obwohl die 670 Seiten prinzipiell gut zu bewältigen sind, hätte ich mit die Geschichte insgesamt etwas komprimierter gewünscht. Die Ausführlichkeit der Beschreibungen drosselt gelegentlich das Tempo und es entstanden ein paar kleine Längen. In der Handlung finden sich oft Bezüge zum Buchtitel wieder. Klasse gemacht! Ich spürte beim Lesen das Herzblut des Autors, das sich in der Liebe zum Detail widerspiegelt und auf eine akribische Recherchearbeit schließen lässt. „Fest der Finsternis“ ist ein unterhaltsamer Thriller - eine beeindruckende Zeitreise mit eigenwilligen Darstellern vor der Kulisse Paris. Lesenswert!

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29 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 20 Rezensionen

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Profipfuscher

Friedrich Kalpenstein
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Tinte & Feder, 25.09.2018
ISBN 9782919803408
Genre: Humor

Rezension:

September 2018 und wir haben ein neues Haus gekauft, wollen demnächst umziehen. Handwerker sind Mangelware und wenn einer kommt, dauert es Wochen, bis er fertig wird. Genau in dieser Zeit veröffentlicht Friedrich Kalpenstein bei Tinte & Feder seinen nunmehr 6. Roman aus der „Herbert-Reihe“ mit dem Titel „Profipfuscher“ Auf diese Lektüre habe ich gewartet, denn Herbert, Anja und klein Oskar sind ebenfalls frisch gebackene Hausbesitzer und stecken mitten in den Umbauarbeiten. Fliesen müssen verlegt werden, im Keller gibt es feuchte Stellen und der Elektriker ist nicht unbedingt eine Leuchte. Die Zeit läuft davon, denn die Mietwohnung ist bereits gekündigt. Hinzu kommt, dass Herberts Schwiegereltern in spe einen Teil der Immobilie finanziert haben und Anjas Mutter Clarissa via Skype ihr Mitspracherecht einfordert. Herbert verbringt Stunden im Baumarkt, immer auf der Suche nach den neusten Heimwerkertrends. Aus den kleinen Reparaturarbeiten wird schnell eine Großbaustelle und Herbert braucht dringend Hilfe. Ein Anruf und sein Freund Hans steht auf der Matte! Er kennt viele Leute, organisiert den einen oder anderen Handwerker, der im neuen Haus zum „üblichen“ Stundenlohn mit anpackt. Hans erklärt sich sogar bereit den Food Track zu übernehmen, so dass Herbert sich ganz und gar den Baumaßnahmen widmen kann. Die Zeit wird knapp, der Umzug naht... Ich kann sehr gut nachempfinden, was den „Profipfuscher“ widerfahren ist, denn ich habe kürzlich Ähnliches erlebt. Wieder ist Kalpensteins Geschichte aus dem Leben gegriffen. Gewollt klischeereich erzählt er humorvoll und ausschmückend den alltäglichen Wahnsinn. Er übertreibt und überspitzt mit viel Charme. Ein Schenkelklopfer jagt den nächsten. Mitunter habe ich herzhaft laut gelacht. Ganz besonders mag ich den Schlagabtausch zwischen Herbert und Hans. In diesem Band konnte sich Hans etwas mehr in den Mittelpunkt des Geschehens drängen, was mich sehr freute. Ob er wohl jemals erwachsen werden wird? Wo ist die Frau, die es mit dem Hans dauerhaft aufnehmen kann? Ich hoffe, dass es Friedrich Kalpenstein irgendwann gelingen wird, diesen Charmebolzen zu zähmen. Herbert hingegen ist ruhiger geworden, denn er hat schließlich Verantwortung für seine Familie. Aber dennoch blitzt sein trockener Humor hin und wieder hervor. Als ich 2015 Hans und Herbert auf einer Urlaubsreise unter dem Motto : „Ich bin Single, Kalimera“ kennenlernte, konnte ich nicht ahnen, dass ich mit den beiden Münchner Spezies so viele Leseabenteuer erleben würde. In „Wie Champagner“ hat Herbert die Anja wiedergetroffen. Später war ich mit Herbert und Hans in den Männerferien, habe mit ihnen in den Alpen gegrillt und vom Gipfel geträumt. Nachdem nun ich nun mit den beiden profimäßig gepfuscht habe, frage ich mich schon, was wohl die Zukunft bringt. Ganz egal, ich werde die Geschichte der Münchner Kalpenstein Crew weiter verfolgen. Es ist wie ein Treffen mit guten Freunden und freue mich immer, Neuigkeiten aus München zu hören. Ich liebe diese Stadt an der Isar und diesen wunderbaren Dialekt, den Friedrich Kalpenstein hin und wieder einfließen lässt. Inzwischen brauche ich kaum noch einen Dolmetscher. Schmunzeln oder herzhaft lachen? Abschalten vom Alltag mit dem Alltäglichen? Wirksame Medizin bei schlechter Laune? Die Profipfuscher geben Antworten.

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Stan

John Connolly , Gottfried Röckelein
Fester Einband: 528 Seiten
Erschienen bei Rowohlt, 21.08.2018
ISBN 9783498009465
Genre: Biografien

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59 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 35 Rezensionen

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Der Kratzer

Oliver Ménard
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 03.12.2018
ISBN 9783426522370
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Gestatten Sie, dass ich mich vorstelle. Ich bin der Fantasie des Buchautors Oliver Ménard entsprungen und habe eine tragende Rolle in seinem dritten Band der Thriller-Reihe um die investigative Journalistin Christine Lenève. Meine Geschichte ist vorerst nur als eBook erhältlich, das Taschenbuch erscheint am 3. Dezember 2018 bei Knaur. 


„Die Beamten in ihren warmen Amtsstuben hatten ihn auf den Namen der Kratzer getauft: Weil sie nicht begreifen konnten, dass einer wie er der Gattung Mensch angehörte. Weil sie sich mit ihrem Wortspielchen das Unfassbare verständlich machen wollten. Weil sie ihn fürchteten, diese selbstgefälligen Idioten, die gefangen waren in einem Kosmos aus Nichtigkeiten. Sie begriffen sein Wesen nicht. Sie würden an ihm scheitern, so wie alle anderen zuvor.“ 
(Auszug aus „Der Kratzer“ /Oliver Ménard) 
Ich bin ein Serienkiller, lasse meine Opfer ausbluten und ritze Nachrichten in ihre Haut. Vor sieben Jahren bin ich Kriminalkommissar Tobias Dom knapp entwischt. Aber wir sehen uns wieder, denn ich werde seine Ex-Frau überfallen und ihr den Namen der gemeinsamen Tochter in ihren Oberschenkel ritzen. Dom wird verzweifelt sein und Christine Lenève um Hilfe bitten. Gemeinsam folgen die beiden einer Spur, die in eine psychiatrische Anstalt zu Dr. Lindfeld führt. Und der hat mit dieser Journalistin noch eine Rechnung offen. 
Freut euch auf megaspannende Lesestunden. 

Oliver Ménard überrascht mit seinem einerseits schonungslos harten, anderseits auch bildhaften Schreibstil. Er erzählt in kurzen Kapitel, wechselseitig aus verschiedenen Sichtweisen. Eine mystisch- düstere Stimmung liegt zwischen den Zeilen. Unheimlich und gruselig empfand ich die Szenen, in denen sich der Kratzer zu Wort meldet. Überhaupt sind Ménards Charaktere akribisch ausgearbeitet und überzeugen in ihrer Rolle. Christine ist eine starke energische Persönlichkeit, getrieben von ihren eigenen traumatischen Ereignissen. Aber überlassen wir Dr. Lindfeld an dieser Stelle kurz das Wort: 
„Sie rächen sich für den Tod ihres Vaters. Deshalb hassen sie alle Mörder. Sie rächen seinen Tod immer und immer wieder. Das erklärt auch, warum Sie ständig in diese Mordfälle hineinschlittern“ (Auszug aus „Der Kratzer“/ Oliver Ménard) 

Erwähnenswert scheinen mir die mitunter bizarren Handlungsorte in und um Berlin. Ménard Ortsbeschreibungen sind detailliert. Ich bin mit ihm gedanklich durch die Katakomben gewandert und habe mich von dieser einzigartigen Atmosphäre mitreißen lassen. Ménard Konstrukt ist nur schwer zu durchschauen, denn er versorgt den Leser häppchenweise mit Informationen. Man muss sehr genau lesen, um alle Einzelheiten zu erfassen. Ich habe gerätselt und nach Zusammenhängen gesucht, fühlte mich durch die Seiten getrieben. Mein Kopfkino lief auf Hochtouren. Im letzten Drittel des Buches überschlagen sich die Ereignisse und die Trilogie findet schließlich ein gelungenes Ende. 
Interessant fand ich auch die kleinen Nebensächlichkeiten, wie z.B. das Gemälde Jeanne d‘Arc, die der Buchautor mit einfließen lässt. Obwohl dieser Thriller eine in sich geschlossene Handlung darstellt, empfiehlt es sich, die vorangegangen Bände „Federspiel“ und „Das Hospital“ zu lesen. Denn nur so kann man die Thriller-Reihe in ihrer Gänze erfassen. 

Für mich war es ein fulminantes Lesevergnügen, an Rasanz und Spannung kaum zu überbieten. Ein intelligenter, fein ausgetüftelter Thriller, der süchtig macht und die grauen Zellen der Leserschaft in Wallung bringt.

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94 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 28 Rezensionen

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Grenzgänger

Mechtild Borrmann
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Droemer, 01.10.2018
ISBN 9783426281796
Genre: Historische Romane

Rezension:

„Von Henriette Bernard, geborene Schöning, soll hier die Rede sein. Von ihrem Mut und Übermut, von ihrem Glück und Unglück, von ihrer Schuld und Unschuld und von dem Bedürfnis, das Richtige zu tun.“ Mit diesem Satz beginnt der neue Roman „Grenzgänger“ von Mechtild Borrmann, der am 01.10.2018 beim Droemer Verlag erschienen ist. Für mich war es nach „Trümmerkind“ der zweite Roman der Autorin. Der Krieg ist endlich vorbei. Die zwölfjährige Henni lebt mit ihrer Familie in dem kleinen Dorf Velda an der deutsch-belgischen Grenze. Ihr Vater kehrt traumatisiert aus dem Krieg zurück und ist seither nicht mehr in der Lage seine Familie zu ernähren. Doch es sollte noch schlimmer kommen. Hennis Mutter verstirbt plötzlich und das junge Mädchen übernimmt die Verantwortung für ihre Geschwister. Als das Geld knapp wird, schließt sich Henni einer Gruppe Dörfler an, die Kaffee von Belgien über die Grenze nach Deutschland schmuggeln. Als die Zöllner die Routen der Schmuggler mehr und mehr kontrollieren, kommt Henni auf die Idee durch ein gefährliches Moorgebiet, über das Vennplateau zu gehen. 1950 beginnen die Zöllner auf die Menschen zu schießen, zumal immer mehr organisierte Banden in den Kaffeschmuggel involviert sind. Das Unglück nimmt seinen Lauf... Henriette ist ein intelligentes, lebenslustiges Mädchen. Beeinflusst von den Entbehrungen der Nachkriegszeit, kämpft sie wie eine Löwin für Ihre Familie. Ich habe sie in mein Herz geschlossen, war beeindruckt von ihrer Härte und Energie. Was musste sie alles ertragen? Ein Schicksal, das mich berührte. Anderseits fand ich es erschreckend, wie gleichgültig und abgestumpft Henriettes Vater wirkte. Traumatisch waren seine Erlebnisse im Krieg, doch lässt sich damit nicht jede Handlungsweise rechtfertigen. Ich wollte ihn schütteln und ihm sagen, er möge doch endlich aufwachen, sich um seine Familie kümmern. Mechtild Borrmann bedient sich einer klaren Sprache und bildhaft stimmungsvoller Beschreibungen. Sie schreibt in einfachen Sätzen und trotz der bisweilen dramatischen Ereignisse, wirkt die Geschichte der Henriette Bernard leicht und locker erzählt. Die kurzen Kapitel sind angenehm zu lesen und treiben den Leser rasant durch die Handlung. Oft sind es die kleinen Cliffhanger am Ende der Kapitel, von denen eine enorme Sogwirkung ausgeht. Ich war gefesselt und konnte nicht aufhören zu lesen. Für mich fühlte sich die Story so lebensecht an, dass ich glaubte einem journalistisch aufgearbeiteten Tatsachenbericht zu folgen. Aber es ist ein fiktiver Roman, in welchen Mechtild Borrmann interessante historische Hintergründe der Nachkriegszeit einfließen lässt. So thematisiert sie die damals herrschenden katastrophalen Zustände in den Kinderheimen, deckt Misshandlungen an Schutzbefohlenen auf und den bringt den Schmuggel an der deutsch-belgischen Grenze in die Szenerie. „Grenzgänger“ ist ein bewegender Schicksalsroman, sensibel ausgearbeitet, atmosphärisch dicht geschrieben! Leselektüre, die mich begeistern konnte, aber auch nachdenklich stimmte. Beste Unterhaltung auf hohem Niveau - ein Roman mit Suchtpotential! 5 Sterne Leseempfehlung!

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6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Ich erfinde dir Paris

Liam Callanan , Juliane Zaubitzer
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Atlantik Verlag, 14.08.2018
ISBN 9783455004069
Genre: Liebesromane

Rezension:

Schauplatz Paris - es gibt unzählige Bücher, die in der französischen Hauptstadt spielen. Schriftsteller aus aller Welt sind fasziniert von Paris und auch mich ziehen solche Geschichten magisch an. Liam Callanans Roman „Ich erfinde Dir Paris“ ist im August 2018 beim Atlantik Verlag erschienen. Robert und Leah leben mit ihren beiden Töchtern in Wisconsin, träumen aber von Paris, obwohl sie im Laufe der Jahre immer weniger an die Erfüllung ihres Traums glauben. Dann geschieht das Unfassbare, Robert verschwindet. Er hinterlässt ein Manuskript und eine Flugnummer. Leah und ihre Töchter folgen Roberts Spuren und landen in Paris. Sie kaufen einen kleinen Buchladen und beginnen ein neues Leben. Doch sie geben die Hoffnung nicht auf, Robert eines Tages in Paris wiederzufinden. „Einmal in der Woche folge ich Männern, die nicht mein Ehemann sind.“ Mit diesem Satz beginnt Leah mir ihre Geschichte zu erzählen. Sie blickt dabei auch auf ihr gemeinsames Leben mit Robert zurück. Leah kommt mit zwei Mädchen im Teenageralter in eine Stadt, von der sie bislang nur geträumt hat. Jeder Tag ist eine neue Herausforderung und immer und überall sucht sie ihren Ehemann inmitten der Menschenmenge. Da gibt es immer wieder kleine Ereignisse, die darauf schließen könnten, dass sich Robert in Paris befindet. Leah spürt seine Nähe. Doch mit der Zeit findet sie ihren Weg und baut sich eigene kleine Welt ohne Robert auf. Ich muss gestehen, dass ich mich mit dem Schreibstil des Autors etwas schwer getan habe. Auf mich wirkte er nicht flüssig, gelegentlich ausschweifend und langatmig. Die wunderbare Atmosphäre, die Paris zu bieten hat, kommt nur ansatzweise rüber. Ich habe die bildhaften Beschreibungen vermisst. Auch die Charakterdarstellungen befriedigten mich insgesamt nicht. Für Robert konnte ich am wenigsten Sympathien empfinden. Seine Handlungen waren für mich nicht immer nachvollziehbar. Prinzipiell gefällt es mir, wenn in Romanen der Bezug zu Büchern hergestellt wird. Doch hier wirkten die detaillierten Beschreibungen zu den Werken „Der rote Luftballon“ und „Madeline“ ermüdend, zumal ich beide Werke bislang nicht kannte. Erst im letzten Drittel des Buches hat mich die Geschichte gepackt. Das Ende fand ich gelungen und schlüssig. Insgesamt hat mich der Roman nur mittelmäßig unterhalten. Ich hätte der Story etwas mehr Pepp und Paris-Flair gewünscht. 3 Sterne-Leseempfehlung!

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7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Der Abend kommt so schnell

Cornelia Naumann
Flexibler Einband: 409 Seiten
Erschienen bei Gmeiner-Verlag, 07.02.2018
ISBN 9783839221990
Genre: Historische Romane

Rezension:

Von Sonja Lerch - Münchens vergessener Revolutionärin - hatte ich bislang noch nichts gehört. Das Buchcover sprach mich an. Es deutet auf die Geschichte einer starken, selbstbewussten Frau hin. Cornelia Naumanns historischer Roman „Der Abend kommt so schnell“ ist im Februar 2018 beim Gmeiner-Verlag erschienen. Wir blicken nach München ins Jahr 1918. Noch immer ist kein Ende des Krieges in Sicht. Die russische Jüdin Sarah Sonja Lerch träumt vom Frieden. An der Seite von Kurt Eisner und anderer Pazifisten plant sie einen Generalstreik. Sonja hetzt von Versammlung zu Versammlung quer durch München, und fordert mit Temperament und Begeisterung die Arbeiter der Rüstungsindustrie auf, ihre Arbeit niederzulegen. Dabei erntet sie großen Zuspruch, zieht aber auch den Zorn der Machthaber auf sich. So schnell, wie Sonja auf der Bildfläche erschienen ist, verschwindet sie wieder. Sie wird inhaftiert und stirbt unter mysteriösen Umständen am 29. März 1918 im Gefängnis. Buchautorin Cornelia Naumann hat sich auf Spurensuche begeben und erstaunliche Fakten aus dem Leben dieser relativ unbekannten Pazifistin zusammengetragen. Entstanden ist eine exzellent recherchierte, lebendig erzählte Geschichte, die mich beeindruckte. Sonja ist eine starke Persönlichkeit, eine Kämpferin mit Vorbildfunktion. Das zeigt sich schon daran, dass sie in der damaligen Zeit als einer der ersten Frauen studiert hat. Geprägt von den Idealen Rosa Luxemburgs, stellt Sonja ihre persönlichen Belange beiseite. Sie nimmt sogar die Trennung von ihrem geliebten Ehemann in Kauf. Leider war ihr Einsatz für die Sozialdemokratie nur von kurzer Dauer. Ein Schicksal, das mich berührt hat. Ich finde es klasse, dass Cornelia Naumann dieser interessanten Frau mit ihrem Buch ein kleines Denkmal gesetzt hat. Es scheint, als habe die Autorin die Atmosphäre der damaligen Zeit eingefangen. Besonders gefallen hat mir die Inszenierung „der Novacki“ - einer jungen Bewunderin, die Sonja im Gefängnis besucht. Die Zwiegespräche haben die Handlung aufgelockert. Dennoch sei erwähnt, dass es sich um einen sachbuchähnlichen Roman handelt, der nicht ganz leicht zu lesen ist. Man muss sich konzentrieren und mitunter ist der Stoff fachlich trocken. Damit dürfte klar sein, dass sich hier der geschichtlich interessierte Leser am ehesten angesprochen fühlt. Meinen Lesegeschmack hat Cornelia Naumann mit ihrer lehrreichen Lektüre getroffen.

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67 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 55 Rezensionen

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Gschlamperte Verhältnisse

Felicitas Gruber , Robert Fischer
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Diana, 10.09.2018
ISBN 9783453359574
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Sommer pur in München! Was für ein „mordsheißes“ Pflaster! Während der Feierlichkeiten zur Taufe von Shirins und Spikes kleiner Tochter stört ein Mann die illustre Gesellschaft. „Da drüben is was passiert. Da muss sofort die Polizei her...A Leich...und zwar koa scheene. Drüben, hinterm Wirtshaus Zum Flaucher, da hams‘s wen dastocha.“ (Auszug aus Geschlamperte Verhältnisse) So schnell war die Münchner Kripo nebst Rechtsmedizin vermutlich noch nie an einem Tatort. Ein Toter kommt selten allein! In der Wohnung des Opfers werden drei beinerne Schädelreliquien sichergestellt. Sofie bittet ihre Freundin aus Schultagen um Unterstützung. Dr. Maria Hierlmeier arbeitet als Leiterin des Diözesanarchives arbeitet, um Unterstützung. Kurze Zeit später ist klar, dass die Schädel nicht aus dem Mittelalter stammen. Sie können drei Vermisstenmeldungen der Gegenwart zugeordnet werden. Welcher unheimliche Mörder treibt in München sein Unwesen und wie groß ist die Gefahr, dass er erneut zuschlägt? „Gschlamperte Verhältnisse“ ist inzwischen der fünfte Fall für die Kalte Sofie. Man muss nicht zwingend die vorangegangen Bücher gelesen haben. Dennoch empfiehlt es sich zuvor „Die kalte Sofie“, „Vogelfrei“, „Blaues Blut“ und „Zapfig“ zu lesen. Ich kenne alle bisherigen Bücher dieser Reihe. Daher war es für mich beinahe wie die Begegnung mit guten Freunden. Sofie, Joe, Charly, Vroni und Co sind mir ans Herz gewachsen, genauso wie mein heimlicher Star der Krimi- Reihe - Mops Murmel. Sie sind lebendig und charmant mit ihren Vorzügen, Fehlern und Eigenheiten in Szene gesetzt. Selbst Sofies Chefin Elke Falk, genannt Dr. Iglu, taut von Fall zu Fall mehr auf und sammelt kleine Sympathiepunkte. In dieser geselligen Runde fühle ich mich wohl und unterhalte mich bestens. Die beiden Autorinnen schaffen eine beeindruckende Buch-Atmosphäre. Ich war mitten in München, lauschte dem zungenbrecherischen Dialekt, pilgerte durch die Straßen Gießings, besichtigte Charly Loessls neues Haus und habe schlussendlich an Tante Vronis Tisch gesessen, um ihre kulinarischen Leckerbissen zu kosten. Doch es galt einen verzwickten Kriminalfall inklusive falscher Fährten zu lösen. Keine leichte Aufgabe! Jedenfalls war ich gefesselt und konnte gar nicht mehr aufhören zu ermitteln. Die kurzen Kapitel bringen Tempo in die Handlung und erhöhen die Spannung. Außerdem ließen mich die Rechtsmediziner an ihrer Arbeit am Seziertisch teilhaben. So wünscht sich das der Krimileser. Lange Zeit wusste ich nicht, wer da mordet und wo das Motiv liegt. Es machte mir Spaß, dem Täter Schritt für Schritt auf die Schliche zu kommen. Aufgelockert wird die Geschichte durch den unterschwelligen ironischen Wortwitz, der mich hin und wieder schmunzeln ließ. Erwähnenswert scheinen mir die kleinen feinen Nebensächlichkeiten, die gelegentlich durchblicken, wie z.B. der Pfarrer der kleinen Kirche, der aus Ghana kommt, oder das Faktenwissen über Reliquien, Symptome bei Vergiftungen usw. Sie verleihen dem Roman den gewissen Anspruch. Am Ende ordnen sich die „gschlamperten Verhältnisse“ und ich hoffe auf neue Fälle von der kalten Sofie. Intelligenter Kriminalroman mit viel Lokalkolorit und hohem Unterhaltungswert! Eine Ode an München! Müsst ihr lesen! „Es gibt nix bessas wia wos guads!“

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17 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 10 Rezensionen

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Jules Verne

Ralf Junkerjürgen
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei wbg Theiss in Wissenschaftliche Buchgesellschaft (WBG), 01.08.2018
ISBN 9783806237467
Genre: Biografien

Rezension:

„Alles, was ein Mensch sich vorstellen kann, werden andere Menschen verwirklichen.“ (Jules Verne) Die Reise zum Mittelpunkt der Erde, 20000 Meilen unter‘m Meer oder die Reise in 80 Tagen um die Welt haben mich in meiner Kindheit fasziniert. Als ich kürzlich las, dass bei wbg Theiss eine Biografie des großen Abenteuerschriftstellers veröffentlicht wurde, war ich sofort Feuer und Flamme. Das Cover ist schick und ansprechend, die Aufmachung des Buches wirkt hochwertig. Ralf Junkerjürgen beschreibt in seiner Verne-Biografie nicht nur das Leben des Schriftstellers. Mit Weitblick beleuchtet er nebenbei das Zeitalter der Industrialisierung. Er setzt sich detailliert mit den einzelnen Werken Jules Vernes auseinander, sucht den Vergleich mit anderen Schriftstellern dieser Zeit, setzt sich mit dem wissenschaftlichen und technischem Fortschritt, den Zukunftsvisionen und den epochalen Besonderheiten wie z.B. der Entwicklung des Verlagswesens auseinander. Damit schafft Junkerjürgen eine einzigartige Verne-Enzyklopädie. Der erste Abschnitt des Buches, in welchem die Kindheit Jules Vernes in Nantes beschrieben wird, hat mir besonders gut gefallen. Ralf Junkerjürgen gelingt es hier vortrefflich, diesen beeindruckenden Landstrich in Szene zu setzten. Er schafft eine stimmungsvolle Atmosphäre, so dass ich mich in die damalige Zeit versetzt fühlte. Beinahe romanartig beschrieben. Irgendwann zieht es den jungen Jules nach Paris zum Studium. Doch von einer Karriere als Schriftsteller war zunächst nur zu träumen. mit Literaturkritiken beginnend, kämpft Jules Verne für seinen Traum. Einen Wegweiser und Ratgeber findet er schließlich bei seinem Verleger Pierre-Jules Hetzel, mit welchem er auch freundschaftlich eng verbunden war. Es überraschte mich, dass Jules Verne ein so akribischer Schreiberling war, der stets strukturiert und planvoll gearbeitet hat. Das Resultat ist beachtlich - 65 verfasste Romane, die mitunter heute noch populär sind. Trotzdem gibt es auch Schattenseiten im Leben des großen Schriftstellers. Hier sei Jules Sohn Michel erwähnt, ein ewiger Versager und Tagträumer, der vom Ruhm und Geld seines Vaters lebte. Ralf Junkerjürgen hat ein komplexe, exzellent recherchierte und lebendig aufbereitete Lebensgeschichte verfasst, die mich beeindruckt hat. Er bedient sich einer intelligenten Sprache, die von Fachbegriffen geprägt ist. Das liest sich nicht ganz einfach und dürfte für den einen oder anderen Leser eine Herausforderung sein. Dem anspruchsvollen Leser sei dieses intelligente Buch zu empfehlen! Interessantes Nachschlagewerk für Germanistikstudenten und Literaturliebhaber!

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Operation Bird Dog

Jan-Christoph Nüse
Flexibler Einband: 420 Seiten
Erschienen bei Gmeiner-Verlag, 07.03.2018
ISBN 9783839222836
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Das nostalgische Cover von „Operation Bird Dog“ machte mich neugierig. Die Thematik der Währungsunion von 1948 interessierte mich. Streng geheim! Von der Operation Bird Dog sollte niemand etwas erfahren, weder die Sowjets noch das deutsche Volk. 23000 Kisten, 500 Tonnen Geld - 5,7 Milliarden Mark wurden von New York nach Bremerhaven verschifft. Das Geld hatte Deutschland längst erreicht, als Weihnachten 1948 der vierzehnjährige Junge Carl Wrede bewusstlos neben seinen toten Eltern gefunden wurde. Carls Vater war der prominente Bankier Dr. Viktor Wrede, der maßgeblich an der Umsetzung der Währungsunion beteiligt war. Alles sieht nach Selbstmord aus. Oder war es Mord? Gemeinsam mit seinem väterlichen Freund Gerd Jennings versucht Carl Wrede 10 Jahre später herauszufinden, warum seine Eltern sterben mussten. Die Spur führt in die Vergangenheit in die Zeit der Währungsunion. Obwohl die alliierten Militärs mit allen Befugnissen regieren, können sie es nicht verhindern, dass Altnazis im Verborgenen weiterhin agieren. Ein ehemaliger SS-General treibt ein intrigantes Spiel. Carl und Gerd geraten in große Gefahr, weil sie einem bisher unentdeckten Betrug enormen Ausmaßes auf die Schliche gekommen sind. Jan-Christoph Nüse macht es seinen Lesern leicht, in die Story zu finden. Nachdem er seine Akteure kurz vorgestellt hat, steigt er mit einem Bericht aus der Frankfurter Rundschau von 1948 direkt in die Szenerie ein. So wird schnell klar, dass Nüse konkrete historische Zeitdokumente in seinen Kriminalroman einbindet. Außerdem lässt er tatsächlich existierende Personen wie z.B. Viktor Wrede, Emil Puhl, Ewald Tenenbaum oder den Militärgouverneur der amerikanischen Besatzungszone in Deutschland, Lucius D. Glay, in seiner fiktiven Krimihandlung agieren. Damit schafft er Authentizität. Man könnte meinen einer Berichterstattung zu folgen. Ich fühlte mich in die damalige Zeit hineinversetzt, die Milieubeschreibungen haben mich mitgerissen. Carl Wrede und Gerd Jennings, zwei interessante Charaktere, hat der Buchautor lebendig in Szene gesetzt. Ich mochte die beiden Spürnasen und fand es spannend zu ergründen, wie und warum Carls Eltern sterben mussten. Die fiesen Rollen im Roman schienen mir ebenfalls treffend dargestellt. Es war für mich erschreckend, wie viele Altnazis im Hintergrund die Fäden gezogen haben und sich des neuen Geldes illegal habhaft machten. Realität und Fiktion sind perfekt miteinander verbunden. Ich habe viele neue Informationen mitgenommen und mich dabei kriminell gut unterhalten. Wer intelligente Kriminalromane mag und sich gern in eine andere Zeitepoche entführen lässt, sollte hier zugreifen.

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32 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 10 Rezensionen

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Schwarzer Engel

Sandrone Dazieri , Claudia Franz
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.06.2018
ISBN 9783492061148
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„In der Finsternis“ - der erste Fall von Colomba Caselli und Dante Torre gehört zu meinen Lieblingsthrillern und ich war sehr gespannt, ob mich der zweite Fall des eigenwilligen Ermittler-Duos „Schwarzer Engel“, erschienen im Juni 2018 beim Piper Verlag, genauso begeistert. Tatort Rom: „Der Tod erreichte Rom zehn Minuten vor Mitternacht, mit einem Hochgeschwindigkeitszug aus Mailand.“ Ein Zugbegleiter öffnet von außen die Türen des Zuges. Kurze Zeit ist er tot. Die 3. Abteilung der Squadra Mobile ermittelt. „Colomba traf um Viertel vor eins in einem Dienstwagen an der Stazione Termini ein.“ Sie geht von einem Leichenfund aus, doch als Colomba die Business-Class-Abteil des Zuges betritt, sind alle Passagiere tot. Würde Rom von einem Terroranschlag heimgesucht? Alles deutet darauf hin, zumal sich der IS dazu bekennt. Doch Colomba Caselli zweifelt und bittet Dante Torre um Unterstützung. Sie recherchieren unermüdlich und ahnen plötzlich, dass der Anschlag nur inszeniert war, um ein viel größeres Verbrechen zu vertuschen. Sie finden eine Spur zu einer kaltblütigen Frau, für die Mord zum Alltag gehört. Längst hat der schwarze Engel die beiden ungewöhnlichen Ermittler im Visier. Mit einem Paukenschlag eröffnet Dazieri seinen Thriller, indem er den Leser in die Schachtel blicken lässt. „Die Schachtel ist weder ein altes Mietshaus noch ein Gefängnis, sie ist ein Betonklotz ohne Fenster. Ein wenig Tageslicht fällt durch die Gitter zum Hof über ihren Köpfen herein, jenem Hof, den solche wie sie nur ein einziges Mal zu Gesicht bekommen - das letzte Mal.“ Erste Gänsehaut auf Seite 12! Spannung pur von Anfang an! Mein Thriller-Leser-Herz schlägt höher. Nervenkitzel erfasst mich und Ich folge gebannt dem rasanten Geschehen. Dazieri lässt häppchenweise ein dichtes Geflecht entstehen. Manchmal dachte ich bei Lesen er driftet von der eigentlichen Handlung ab, aber dann bindet er die Abzweigungen gekonnt in seine Story ein. Jede Szene passt, hat ihre Bedeutung und fügt sich schlussendlich zu einer schlüssigen Dramaturgie zusammen. Das Stetting des Thrillers ist aus meiner Sicht perfekt ausgearbeitet. Ich war hautnah dabei, habe bildlich die Handlungsorte erfasst und mich von der geheimnisvollen Atmosphäre mitreißen lassen. Mit Colomba Caselli und Dante Torre hat Dazieri zwei ausdrucksstarke brillante Hauptakteure geschaffen, sensibilisiert durch ihr Traumata, kantig, schräg und damit außergewöhnlich. Es ist faszinierend, den Gedankengängen der beiden zu folgen und mit ihnen auf Mörderjagd zu gehen. Die beiden fühlen sich auf eine besondere Art zueinander hingezogen, aber auch abgestoßen. Man könnte sagen, sie können nicht ohne einander, aber miteinander funktioniert es eben auch nicht. Ihnen entgegen steht ein ebenbürtiger Gegner, dessen Handlungen auch von seinem Traumata beeinflusst werden. Einerseits hatte ich tiefes Mitgefühl für seine schrecklichen Erlebnisse, anderseits jedoch schreckte mich dieses mordende Monster ab. Es ist beeindruckend, wie lebendig der Autor seine Charaktere in die Köpfe seiner Leser transportiert. Am Ende des Buches gibt es einen fiesen Cliffhanger, der auf einen neuen Fall mit Colomba und Dante hoffen lässt. Konzentriertes Lesen zahlt sich aus, da man so auch die kleinen Feinheiten in ihrer Gänze erfassen kann. „Schwarzer Engel ist facettenreich, politische Hintergründe und aktuelles Zeitgeschehen, finden genauso Beachtung, wie psychologische Aspekte und die multimediale Kommunikation. Sandrone Dazieri gehört für mich zur Crème de la Crème der Thrillerautoren. Hier stimmt alles - akribisch ausgearbeitete Story, intelligent und spannungsgeladen umgesetzt.

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Gründerjahr

Michael Gerwien
Flexibler Einband: 343 Seiten
Erschienen bei Gmeiner-Verlag, 07.02.2018
ISBN 9783839222140
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Es ist das Jahr 1918, als Kurt Eisner in München den Freistaat Bayern ausruft. Im gleichen Jahr erschüttert eine grausame Mordserie die Landeshauptstadt und somit erklärt sich der Buchtitel des Kriminalromans „Gründerjahr“, der im Februar 2018 beim Gmeiner-Verlag erschienen ist. Ein unheimlicher Täter streift durch München und sucht sich als Opfer junge blonde, blauäugige Frauen. Bevor er sie tötet, misshandelt er sie grauenvoll. Angst macht sich breit. Viele Frauen trauen sich nicht mehr im Dunkeln allein auf die Straße. Kriminaloberinspektor Karl Weinberger und seine Kollegen werden mit den Ermittlungen betraut, die sich inmitten der Nachkriegszeit schwierig gestalten, zumal ihnen der Täter immer einen Schritt voraus ist. Plötzlich verschwindet der Täter von der Bildfläche. Doch 30 Jahre später geht das Morden weiter. Wird es den Ermittlern endlich gelingen, den Täter zu überführen? Der Roman ist in drei Teile gegliedert, die die Ereignisse der Jahre 1918, 1948 und 2017 beinhalten. Buchautor Michael Gerwien hat einen ungewöhnlichen, leicht gestelzten Schreibstil, der mir den Einstieg in die Geschichte erschwerte. Als sich jedoch der bestialische Täter zu Wort meldete, war ich mitten im Geschehen. Seine nüchterne Betrachtungsweise liest sich gruselig und schockiert. Spannung in die Geschichte. Ich bin gefesselt. Die Beschreibungen der Leichenfunde sind nichts für schwache Nerven. Meines Erachtens könnte man diesen Kriminalroman durchaus als Thriller bezeichnen. Interessant fand ich, wie der Autor die drei Teile seines Romans miteinander verknüpft hat. Im Jahr 1948 ermittelt Karl Weinberger. Dreißig Jahre später übernimmt Karls Enkel Hans die Ermittlungen. Als 70 Jahre später erneut junge blonde Frauen in München ermordet werden, greift Karls Enkelin Julia auf die Akten ihres Großvaters zurück. Allerdings muss ich gestehen, dass mir der letzte Teil des Buches etwas zu schnell abgearbeitet wurde. Hier hätte ich es mir detaillierter gewünscht. Aufgrund des Buchtitels und des Covers hatte ich mehr historische Hintergrundinformationen vermutet. Diese klingen nur unterschwellig an. Hier steht jedoch klar der Kriminalfall im Vordergrund. Wer es blutrünstig mag und in das Seelenleben eines gestörten Täters blicken möchte, dem sei Micheal Gerwiens „Gründerjahr zu empfehlen.

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Briefe aus dem Gefängnis

Nelson Mandela , Sahm Venter , Anna Leube , Wolf Heinrich Leube
Fester Einband: 752 Seiten
Erschienen bei C.H.Beck, 10.07.2018
ISBN 9783406718342
Genre: Sachbücher

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Zeit für Wolke 7

Winfried Hammelmann
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Atlantik Verlag, 14.03.2018
ISBN 9783455003123
Genre: Liebesromane

Rezension:

Buchcover und Klapptext von „Zeit für Wolke 7“ suggerierten mir eine märchenhafte Geschichte. Ich war mir nicht sicher, ob das Buch meinen Geschmack treffen würde. Viel zu lange hatte ich den Roman von Winfried Hammelmann unbeachtet auf meinem „Noch-zu-lesen-Stapel“ geparkt. Der erste Eindruck täuschte mich! Nach den ersten gelesenen Seiten hatte mich diese besondere Geschichte bereits in ihren Bann gezogen. „Ja, ich hatte ein Liebesleben: Es gab einen Kuss. Es gab den ersten richtigen Kuss. Es gab den ersten Sex. Es gab den ersten richtigen Sex. Es gab sogar den ersten Fesselsex. Leider war ich bei allen diesen ersten Erfahrungen immer alleine. Ich war immer noch auf der Suche nach der ersten großen Liebe. Mir wäre sogar eine mittelgroße Liebe recht gewesen. Aber seit fünf Jahren passierte in dieser Richtung einfach nichts. Gar nichts. Und dann kam Lena.“ (Auszug aus „Zeit für Wolke 7“) Nils Petersen verliebt sich „unsterblich“ in Lena, die als Kellnerin in seiner Stammkneipe jobbt. Doch Lena beachtet Nils kaum, ahnt nichts von seinen Gefühlen. Bevor sich zwischen den beiden etwas entwickeln kann, mischt sich Petrus ein und entreißt Nils die Traumfrau. Petrus muss einen Fehler korrigieren, um das Gleichgewicht zwischen Himmel und Erde wiederherzustellen. Warum ausgerechnet Lena? Noch gibt es für Nils eine Möglichkeit, seine Lena auf die Erde zurückzuholen. Er muss Zeit sammeln - viel Zeit- insgesamt 473352 Stunden. Was für eine geniale Buchidee! Da muss man erst einmal drauf kommen. Gern verdrängen wir ihn, wollen gar nicht über das Unausweichliche nachdenken, das uns alle irgendwann ereilt, den einen früher, den anderen später. Der Tod! Was passiert danach? Hölle oder Himmel? Geliebte Wegbegleiter verlassen uns und wir wissen oft nicht, wie wir damit umgehen sollen. Winfried Hammelmann setzt sich auf eine charmante Art mit dem Tod auseinander. Amüsant und feinfühlig beschreibt er eine übersinnliche Liebesgeschichte, die mich berührt und mitgerissen hat. Der Bremer, dem man seine Heimatverbundenheit im Roman anmerkt, hat einen lockeren, beschwingten Schreibstil. Oft nutzt er die Doppeldeutigkeit der Wörter und Sätze. Gelegentlich verleiht er seinen Aussagen Nachdruck mit Hilfe von Wortwiederholungen. Er bindet reale Fakten, wie z.B. Spiele des Fußballvereins Werder Bremen oder den Tod von Roger Willemsen in seine fiktive Story ein. Das gefiel mir. Hammelmanns liebenswerter Humor zieht sich durch das gesamte Buch. Stellenweise habe ich herzhaft gelacht. Anderseits gibt es einen leichten ernsten Unterton, der nachdenklich stimmt. In sich abwechselnden Kapiteln kommen Nils, Lena und Petrus zu Wort und schildern ihre Sicht der Dinge im Jenseits und im Diesseits. Ich fand Hammelmanns Interpretation bezaubernd und könnte mir durchaus vorstellen, dass dieser Roman für manche trauernde Menschen ein Trostspender sein könnte. Ein überraschend anderes Buch, das mich bestens unterhalten hat. Vermutlich nicht jedermanns Geschmack. Mein Geheimtipp! 5 Sterne Leseempfehlung für dieses ironisch-witzige Märchen!

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Die Bücherschmuggler von Timbuktu

Charlie English , Heike Schlatterer , Henning Dedekind
Fester Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Hoffmann und Campe, 14.03.2018
ISBN 9783455503722
Genre: Sachbücher

Rezension:

Von Timbuktu wusste ich bislang nur, dass es eine Oasenstadt am Rande der Sahara ist, die im westafrikanischen Staat Mali liegt und dort einige Kulturstätten von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt wurden. Was hat diese sagenumwobene Stadt mit dem Schmuggeln von Büchern zu tun? Sowohl Buchtitel, als auch Cover machten mich neugierig und ich wollte erfahren, was hinter der Geschichte der Bücherschmuggler von Timbuktu steckt. Die Aufmachung des Buches ist hochwertig. Auf den ersten von 430 Seiten sind einige geographische Karten abgedruckt. Im Mittelteil des Buches befindet sich eine kleine Bildergalerie, und am Ende gibt es Anmerkungen des Buchautors und Quellennachweise. Es muss im Jahr 2012 gewesen sein, als der Redakteur der britischen Zeitung „Guardian“ erfuhr, dass Islamisten Timbuktu eingenommen hatten. Er hörte ferner, dass Archivare und Bibliothekare eine einzigartige Sammlung uralter, unermesslich wertvoller Manuskripte vor den neuen Machthabern gerettet hatten. Daraus entwickelte Charlie English seine Buchidee. Er verknüpft diese aktuelle Thematik mit den Entdeckergeschichten des 18. Jahrhunderts. Damals suchten europäische Forscher nach der legendären Stadt nördlich des Nigers, von der man glaubte, es sei ein afrikanisches Eldorado. Doch alle Expeditionen scheiterten, denn die Forscher waren Krankheiten, Überfällen und dem ungewohnten Klima ausgesetzt. Bis Alexander Gorden Laing in die Stadt vordrang und die Nachricht nach Europa schickte, dass er in Timbuktu interessante Aufzeichnungen gefunden habe. Kein Gold und Glamour, aber dafür wertvolle Schriften. In zwei sich abwechselnden Handlungssträngen beschreibt English die Ereignisse der beiden Zeitepochen und verbindet so die Realität geschickt mit den Mythen der Vergangenheit. Damit verbreitet er einerseits Abenteuerstimmung, andererseits jedoch arbeitet er sensibel und feinfühlig die dramatischen Ereignisse um die spektakuläre Rettung der Manuskripte im 21. Jahrhundert auf. Das hat mich sehr beeindruckt. Charlie English hat einen lebendigen und intelligenten Schreibstil, der mich mitgerissen hat. Obwohl es sich um ein Sachbuch handelt, könnte man meinen, einen spannenden Roman zu lesen. Dennoch ist dieses Buch nicht ganz einfach zu verstehen. Es erfordert ein gewisses Maß an Konzentration. Gelegentlich habe ich die eine oder andere Stelle ein zweites Mal gelesen. Das lag u.a. daran, dass für mich die Namen der Akteure wie z.B. Abdel Kader Haidara, Ismael Diadié Haidara oder Mukhtar bin Yahya al Wangari schwer zu lesen und auseinanderzuhalten waren. Die Bücherschmuggler haben mich tief beeindruckt. Ich habe mit ihnen gebangt und fand es ehrenhaft, wie sie für ihren großen Buchschatz gekämpft haben und dabei immer Gefahr liefen, entdeckt bzw. verhaftet zu werden. Ohne den Einsatz dieser Bibliothekare und Archivare wären die wertvollen Schriften wohl heute nur Asche und Staub. Fazit: Außergewöhnlicher Zeit-Reise-Bericht - informativ, bestens recherchiert und spannend erzählt. Journalismus par excellence! Eine Ode an Timbuktu und an das geschriebene Wort!

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