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Kleinhirn an alle

Otto Waalkes
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Erschienen bei Random House Audio, 14.05.2018
ISBN 9783837141368
Genre: Biografien

Rezension:

Ein „Unikum“ ist 70 Jahre alt geworden und ich wollte mehr über seine Lebensgeschichte kennenlernen. Kürzlich las ich die große Otto-Biografie „Kleinhirn an alle“, niedergeschrieben von Otto Waalkes. Das Buch hat mich rundum begeistert. Vielleicht habt ihr meine ausführliche Rezension bereits gelesen. Obwohl ich nur selten zu Hörbüchern greife, reizte es mich, diese Biografie zu hören, zumal mir Otto als Stimmenimitator und Rollenspieler immer besonders gut gefallen hat. Die Otto-Biografie umfasst 5 CDs, drei orangefarbene und zwei schwarze. Jede CD ist mit einer anderen Otto-Karikatur gestaltet. Zudem gibt es ein kleines Heftchen, in den sich Otto kurz vorstellt, bedankt und Fotos von sich präsentiert. Das Äußerliche ist ansprechend gestaltet und lädt zum Hören ein. Da ich das Buch sehr genau gelesen hatte, fiel mir gleich auf, dass die eine oder andere Stelle im Buch etwas ausführlicher beschrieben wird. Auch meine Lieblingsszene, in der Otto ein paar Jugendliche zum Fußballspiel herausforderte, fehlte im Hörbuch. Es handelt sich hier um eine gekürzte Lesung, insgesamt mit einer Spielzeit von 6 Stunden und 12 Minuten. Das fand ich persönlich schade. Dennoch war das Hörbuch der Hammer. Otto hat es stimmlich hervorragend eingelesen. Besonders die Textstellen mit verstellter Stimme, beziehungsweise das Vorlesen der originalen Bühnentexte und Ottos typischer Slang haben mir sehr gefallen. Ich kann ihm stundenlang zuhören. Ein Erlebnis, welches ein „Lesebuch“ nicht bieten kann. Für mich kommt Otto bescheiden und selbstkritisch rüber. Ich fand es faszinierend, wie er teilweise von seinem Erfolg selbst überrascht wurde und wie locker und bodenständig er damit umgeht. Ein Mensch wie Du und ich, dem man gern einmal privat begegnen möchte. Trotz seiner nunmehr siebzig Lenze, ist Otto jung geblieben, wahrscheinlich wird er im Herzen seiner Fans der ewige Friesenjung bleiben. Für manch einen mag Otto nur ein Blödelheini sein, aber wer ihm genau zuhört, entdeckt sein großes Talent und seine Intelligenz, die er selbst gern runterspielt. Nur die Frage, ob mir jetzt das gelesen Buch oder das Hörbuch besser gefallen hat, kann ich nicht eindeutig beantworten. Diplomatisch gesagt- die Symbiose aus beiden bringt die beste Unterhaltung. Doch ist es wohl eher eine Frage des persönlichen Geschmacks. Egal wie ihr euch entscheidet, ob gehört oder gelesen - die große Otto Biografie ist sehr zu empfehlen!

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14 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

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Carl Tohrberg

Ferdinand Schirach
Flexibler Einband: 80 Seiten
Erschienen bei btb, 11.09.2017
ISBN 9783442715749
Genre: Romane

Rezension:

Wer ist Carl Tohrberg? Dieser Frage wollte ich mit dem gleichnamigen Buch von Ferdinand von Schirach auf den Grund gehen. Doch zuvor begegnete mit ein Bäcker aus Berlin, der wunderbare Torten zaubern kann und dessen heile Welt plötzlich zerbricht. Anschließend lernte ich Richter Seybold kennen, der seine Arbeit über alles liebte und als Pensionär den Boden unter den Füßen verlor. In der dritten Kurzgeschichte ging es schließlich um Carl, der seit seinem Unfall als Kleinkind das rechte Bein hinterher zog. Er liebt das Malen und die Mathematik. Leider fehlt ihm die Anerkennung und Achtung seiner Familie. Wie werden scheinbar normale Menschen zu Mördern? Wie stark sind diese Menschen von ihrem Umfeld beeinflusst? Drei prägnante Storys umfasst dieses kleine Büchlein, ideal für unterwegs - im Handtaschenformat. Unverkennbar der typisch Schirachsche Schreibstil, den ich so mag. In der Kürze liegt viel Würze! Gerade bei Kurzgeschichten finde ich es schwierig, Spannung zu erzeugen und dabei noch Emotionen beim Leser hervorzurufen. Ferdinand von Schirach gelingt dies hervorragend. Er schreibt unverblümt, punktgenau und gut verständlich. Jede seiner Episoden stimmt nachdenklich und bleibt lange im Gedächtnis. Ich mag diese Doppelmoral, die er in seinen Erzählungen gekonnt verpackt, genauso wie den Aha-Effekt am Ende. Nichts ist wie es scheint und hinter jeder Tat steht ein Schicksal, ein Mensch. Schirachs Botschaft ist eindeutig. Er ist ein beeindruckender Erzähler, ein Profi der Kurzgeschichte. Inzwischen habe ich bereits vier Bücher von Schirach gelesen, die mich alle begeistern konnten. Meine 5 Sterne - Leseempfehlung! Auch als Mitbringsel für gute Freunde geeignet! Fesselnder Lesestoff für zwischendurch mit Suchtgefahr!

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Vergessene Seelen

Frank Goldammer
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 22.06.2018
ISBN 9783423262019
Genre: Krimi und Thriller

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Die Charité

Ulrike Schweikert
Flexibler Einband: 496 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 26.06.2018
ISBN 9783499274510
Genre: Historische Romane

Rezension:

Sie gehört zu den größten Universitätskliniken Europas und ist das älteste Krankenhaus Berlins - „Die Charité“ Beim Rowohlt Verlag ist im Juni 2018 mit gleichnamigen Titel ein Roman von Ulrike Schweikert erschienen. Das tolle Cover lädt bereits zum Lesen ein. Die rote Rose und die dazu passende Schrift fällt sofort ins Auge. „Gnadenlos brannte die heiße Augustsonne 1831 auf Berlin herab.“ Der Schiffer Johannes Christian Mater stirbt auf seinem Spreekahn unter grauenhaften Schmerzen. Er ist das erste Cholera-Opfer in Berlin sein. Angst macht sich breit und die Zahl der Erkrankungen steigt rapide. Professor Dieffenbach und seine Kollegen versuchen fieberhaft ein Heilmittel gegen Cholera zu finden. In dieser Zeit tritt die junge Wärterin Elisabeth ihren Dienst in der Charité an. Ausgebildete Krankenschwestern gab es damals noch nicht. Elisabeth ist wissbegierig und fleißig. Ihre einfühlsame Art ist bei den Patienten beliebt. Elisabeth ist mit der Hebamme Martha befreundet, die sich der Pathologie verschrieben hat. Die Dritte im Bunde der starken Frauen ist Gräfin Ludovica, die sich zu Professor Dieffenbach hingezogen fühlt und mit ihren finanziellen Mitteln die Krankenschwesterausbildung vorantreiben möchte. Schon nach wenigen Seiten war ich mitten im Geschehen, fühlte mich in die damalige Zeit versetzt. Ulrike Schweikert ist es gelungen, ihren Roman mit vielen interessanten Hintergrundinformationen und historischen Fakten rund um die Charité zu spicken. Das Ganze ist eingebettet in eine spannende Rahmenhandlung, die mich schon nach wenigen Seiten mitgerissen hat. Dichtung und Wahrheit sind geschickt miteinander verknüpft, was eine exzellente Recherche voraussetzt. Bezüglich der realen Tatsachen befinden sich im Anhang des Romans einige Erläuterungen. Wer eine tiefgründige Inszenierung der Akteure erwartet, den muss ich enttäuschen. Für mich persönlich war es genau die richtige Dosis, denn ich hatte einen sachbuchähnlichen Roman erwartet. Trotzdem mangelt es der Geschichte nicht an Emotionalität. Gelegentlich standen mir die Tränen in den Augen. Die Handlung um die junge Helferin Elisabeth, die Hebamme Martha und die Gräfin Ludovica hat mir sehr gut gefallen. Die Herren Dieffenbach und Heydecker verleihen der Story den gewissen männlichen Charme. Heutzutage ist es kaum vorstellbar, unter welch schwierigen Bedingungen die Mediziner damals arbeiten mussten. Für mich ist es selbstverständlich, dass Operationen in speziell dafür hergerichteten OPs unter Narkose oder lokaler Anästhesie durchgeführt werden. Damals operierten Ärzte den Patienten zuhause, ohne Betäubung wurde er festgehalten und litt dabei unter fürchterlichen Schmerzen. Ulrike Schweikert beschreibt derartige Eingriffe eindrucksvoll in ihrem Buch. Nicht selten starben die Patienten währenddessen oder bekamen danach den gefürchteten Wundbrand. Das liest sich dramatisch und ging mir nah. Besonders schockierend fand ich die Darstellung der damaligen Therapiemethoden bei der Behandlung von Geisteskrankheiten. Dieses Kapitel hat mich ergriffen und festgehalten. Es ist erstaunlich, welche Entwicklung die medizinische Forschung seit damals genommen hat. Um so beeindruckender scheint mir das Engagement von Professor Dieffenbach. Obwohl der Roman fast 500 Seiten umfasst, habe ich ihn an einem Wochenende durchgelesen. Mit großer Spannung sehe ich einer Fortsetzung entgegen. „Die Charité“ - ein intelligenter, anspruchsvoller Lesestoff zwischen Wahrheit und Fiktion, der mir noch lange im Gedächtnis bleibt. 5 Sterne- Leseempfehlung!

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26 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 10 Rezensionen

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Kleinhirn an alle

Otto Waalkes
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Heyne, 14.05.2018
ISBN 9783453201163
Genre: Biografien

Rezension:

„Warum sollte man mich mögen? Es gibt keine Antwort, außer einer patzigen: Warum eigentlich nicht?“ (Zitat aus „Kleinhirn an alle") Es war einmal ein Mädchen, dessen Vater war einem Komiker namens Otto verfallen. Er kannte alle seine Gags und gab sie bei Familienfeiern zum besten. Viele Jahre später, als aus dem jungen Mädchen eine reife Frau geworden ist, entdeckt sie ein Buch mit dem Titel „Kleinhirn an alle - Die große Otto Biografie. Sie erinnert sich an ihren Vater, der leider inzwischen verstorben ist und möchte plötzlich mehr über diesen Otto Waalkes erfahren. So fand schließlich die 415 umfassende Lebensbeichte des Friesenjung, erschienen im Mai 2018 beim Heyne Verlag, den Weg in mein Buchregal. Er mag Märchen. Seine Parodien auf Hänsel und Gretel oder Schneewittchen und die sieben Zwerge sind legendär. Habe mich oft gefragt, wie Otto auf seine aberwitzigen Interpretationen kommt. Er nimmt sich selbst gern auf die Schippe. Sein Äußeres passt hervorragend zu seiner humoristischen Art. So beschreibt sich Otto selbst und ich habe sofort das Bild von dem quirligen, hüpfenden, viel zu schnell plappernden Männlein vor mir, der Unfug im Kopf hat und Leute zum Lachen bringt. „Meine lange Nase, die irgendwo auf halber Strecke die Richtung wechselt, der Mund, der so breit grinsen kann, dass es aussieht, als stünden die Augen darüber etwas dicht beieinander, die schmale Stirn, die sich Richtung Hinterkopf ausgebreitet hat, das Kinn, das früher noch spitzer war...“ Sicher spaltet Ottos Humor die Gesellschaft, die einen finden ihn zum Brüllen lustig, während die anderen mit seinem Humor so gar nichts anfangen können. Lässt man aber diese Aspekt außen vor und geht ganz unvoreingenommen an diese Biografie heran , wird man mit einem unterhaltsamen Lesevergnügen belohnt, welches sich romanartig liest. Otto Waalkes hat eine ganz charmante und amüsante Art zu schreiben. Von Seite zu Seite wurde er mir vertrauter und es schien beinahe so, als wäre ich ihm tatsächlich schon begegnet. Es scheint mir, als sei er ein Mensch wie Du und ich, ohne Starallüren, ehrlich und bodenständig. Natürlich ist Otto auch im Buch der Spaßvogel, der immer irgendeinen Blödsinn ausheckt. Meine Lieblingsstelle ist die, in welcher er während eines Drehs auf Jamaika ein paar Jungen zu einem Fußballmatch herausfordert. Ich habe mich gekringelt vor Lachen. Liest man jedoch auch zwischen den Zeilen, offenbart sich mir ein ernsthafter, intelligenter und sehr talentierter Otto, der sich in Bescheidenheit zeigt und mit viel Selbstkritik bestückt ist. Das merkt man bereits bei der Wahl des Buchtitels. Otto spricht ganz offen über seine Fehler und Misserfolge. Dabei gewährt er dem Leser Einblicke in sein Privatleben. Otto nimmt die Dinge hin, wie sie sind. Jedoch überspielt er sie schlichtweg mit seinem ganz eigenen Humor. Das gefällt mir. Insofern - danke Otto für den kleinen Exkurs in Sachen „Lebensberatung“. Apropos Vorbilder, zu seinen gehören z.B Heinz Ehrhardt, Jerry Lewis, Alec Baldwin u.v.a.m. ! Von ihnen spricht Otto mit großem Respekt. Überhaupt erwähnt er viele seiner Wegbegleiter mit lobenden Worten. Otto besitzt eine künstlerische Ader, die hier nicht unerwähnt bleiben soll. Ich finde seine Karikaturen richtig klasse, allen voran die Ottifanten. Es gibt viele witzige, interessante und emotionale Stellen im Buch, die mir noch lange im Gedächtnis bleiben werden. Demnächst wird Otto 70 Jahre und für diesen Rückblick auf sein bewegtes Leben hat er meine 5 Sterne-Leseempfehlung verdient! „Wer klug ist, weiß vermutlich, wann er aufzuhören hat - ich weiß es, wie gesagt, nicht." (Zitat aus „Kleinhirn an alle“) P.S. „Die große Otto Biografie“ gibt es auch als Hörbuch, natürlich gelesen von Otto.

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Unter blutrotem Himmel

Mark T. Sullivan , Peter Groth
Flexibler Einband: 596 Seiten
Erschienen bei Tinte & Feder, 22.05.2018
ISBN 9781503950085
Genre: Historische Romane

Rezension:

Als Weltbestseller aus den USA, basierend auf einer wahren Geschichte, reizte mich der Roman „Unter blutrotem Himmel“ von Mark Sullivan. Die amerikanische Ausgabe erschien bereits 2017. Bei Tinte & Feder wurde der Roman im Mai 2018 in deutscher Sprache veröffentlicht. Im Vorwort wird Mark Sullivan sehr persönlich, erzählt von einem Tiefpunkt in seinem Leben, den er mit Hilfe der Recherche zum Buch überwunden hat. Man spürt sofort, wie viel Arbeit und Zeit er investiert hat und dass es sich um ein Herzensprojekt handelt. Zu diesem Zeitpunkt ahnte ich bereits, dass mir eine emotional bewegende Geschichte in die Hände gefallen war. Ich lernte Pino Lella kennen und war sehr gespannt, wie der Buchautor seine Erlebnisse zwischen Juni 1943 und Mai 1945 in Romanform gebracht hat. Eigentlich ist Pino ein typischer siebzehnjähriger Italiener, der sich für Musik, Autos und Mädchen interessiert. Mit dem Krieg und den Nazis will er nichts zu tun haben. Doch als seine Heimatstadt Mailand von einem Bombenangriff erschüttert wird, beschließen Pinos Eltern ihn in die Berge zu Pater Re zu schicken. Seine Eltern konnten nicht ahnen, dass ihr Sohn dort zum Bergführer ausgebildet wurde, um Juden, die der Verfolgung durch die Nazis entgehen wollten, von Italien über die Alpen in die Schweiz zu bringen. Pino verschreibt sich dem Kampf gegen die Faschisten und wird schließlich zum Spion der Alliierten. Der junge Italiener verliebt sich unsterblich in die sechs Jahre ältere Anna. Doch kann es für die beiden in diesen düsteren Zeiten eine gemeinsame Zukunft geben? Pino Lella ist ein starker und sympathischer Charakter. Ich habe ihn schnell ins Herz geschlossen. Er durchlebt im Laufe der Handlung eine enorme Veränderung vom unbekümmerten jungen Wilden zum verantwortungsvollem Erwachsenen. Doch er ist auch ein emotionaler Mann, der Gefühle zeigt. Seine Liebe zu Anna ist grenzenlos. Familie und Freunde sind ihm sehr wichtig. Meiner Meinung nach ist es Mark Sullivan vortrefflich gelungen, die Erlebnisse des Pino Lella in Szene zu setzen. Der Buchautor hat von 2006 beginnend, zehn Jahre Nachforschungen betrieben und viele Gespräche mit dem Romanhelden Senior Lella geführt. Entstanden ist eine interessante Komposition aus biografischen Daten, historischen Fakten und fiktionaler Interpretation. Obwohl ich schon viel über den 2. Weltkrieg und die Gräueltaten der Nazis gelesen habe, waren mir die Ereignisse in Italien nicht so geläufig. Sullivan schreibt atmosphärisch dicht in lebendigen Bildern. Dabei bedient er sich einer klaren, prägnanten Sprache. Schnell packte mich die Handlung und hielt mich bis zur letzten Seite gefangen. Die Schilderungen der dramatischen Erlebnisse des Pino Lella treiben die Spannung auf ein Höchstmaß. Eine ergreifende Geschichte, die mich tief berührt hat und mich zum Weinen brachte. Keine leicht verdauliche Kost, aber ein Weltbestseller, der diesen Titel verdient. „Unter blutrotem Himmel“ - es ein herausragender Roman, der mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Lesenswert! Ein tolles Buchgeschenk für gute Freunde!

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50 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

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Der Fall Collini

Ferdinand von Schirach
Flexibler Einband: 208 Seiten
Erschienen bei btb, 13.02.2017
ISBN 9783442714995
Genre: Romane

Rezension:

Ich mag die Kurzgeschichten von Ferdinand von Schirach und war nun gespannt auf seinen Roman „Der Fall Collini“. Das Buch ist im Februar 2017 beim btb Verlag erschienen. Fabrizio Collini ist ein unauffälliger Mann in den Sechzigern, der vierunddreißig Jahre bei Mercedes als Werkzeugmacher gearbeitet hat. Dieser unbescholtene Bürger marschiert in ein Berliner Luxushotel und erschießt den Industriellen Hans Meyer. „Vier Projektile waren in seinen Hinterkopf eingedrungen, eines hatte sich im Gehirn gedreht, war wieder ausgetreten und hatte das halbe Gesicht weggerissen.“ (Auszug aus "Der Fall Collini) Caspar Leinen, ein junger Anwalt, übernimmt seine Pflichtverteidigung. Zu diesem Zeitpunkt weiß er noch nicht, dass es sich bei dem Opfer um den Großvater seines besten Freundes handelt. Das stützt Leinen in einen Gewissenskonflikt. Außerdem schweigt Fabrizio Collini beharrlich hinsichtlich seines Motivs. Das Gerichtsverfahren verläuft zunächst ohne nennenswerte Highlights, doch Leinen will sich nicht so leicht geschlagen geben. Er recherchiert Tag und Nacht und stößt schließlich in Ludwigsburg auf eine Spur, die schreckliche Gräueltaten zutage fördert und ein dunkles Kapitel deutscher Justizgeschichte offenbart. Dieser Roman hat meine Erwartungen übertroffen. Ich habe die knapp 200 Seiten in Rekordzeit gelesen, denn die Handlung hat mich enorm gefesselt und mitgerissen. Dabei ist die Sprache des Autors deutlich und auch für Laien gut verständlich. Am Anfang des Buches steht der Mord, der kaltblütig und auf den ersten Blick motiv- und emotionslos wirkt. In gewohnter Schirach-Manier wird der Leser sachlich-faktisch mit kleinen Informationshappen versorgt, wodurch die Spannung rasant steigt. Ich wollte unbedingt erfahren, was Fabrizio Collini zu dieser Tat getrieben hat. Anderseits gefiel mir die Inszenierung von Caspar Leinen sehr gut. Er entwickelt sich im Laufe der Handlung vom frisch gebackenen Anhalt, mit viel theoretischem Wissen, zu einem cleveren und besonnenen Verteidiger. In einem fulminanten Finale lässt Schirach die Katze aus dem Sack. Schwer verdauliche Kost, die überrascht und zum Nachdenken anregt. Er hat es geschafft, mich trotz seiner nüchternen Beschreibungen emotional zu berühren. Ferdinand von Schirach ist ein grandioser Erzähler, getreu dem Motto: In der Kürze liegt die Würze! Meine 5 Sterne Leseempfehlung!

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15 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

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Der Tod bohrt nach

Isabella Archan
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Emons Verlag, 28.06.2018
ISBN 9783740803124
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Sie kann es nicht lassen! Wann immer sich das Verbrechen in der Nachbarschaft einnistet, wandelt Zahnärztin Dr. Leocardia Kardiff auf den Spuren von Miss Marple. Inzwischen klopft bereits zum dritten Mal „Mord und Todschlag“ an ihre Praxistür. Nach „Tote haben kein Zahnweh“ und „Auch Killer haben Karies“, ist nun der dritte Kriminalroman dieser Reihe mit dem Titel „Der Tod bohrt nach“ beim Emons Verlag erschienen. Wieder ein cooles Cover, passend zur Story! Dr. Leo hat Notdienst, als mitten in der Nacht Dietrich Möwe mit schrecklichen Schmerzen in ihrer Praxis erscheint. Er kann kaum sprechen, weil ihm eine Krone abgebrochen ist, faselt wirres Zeug - es ginge um Leben und Tod und er müsse sie retten. Dann bricht Möwe die Behandlung ab und verspricht, Montag zur Sprechstunde wiederzukommen. Doch der seltsame Patient hält sein Versprechen nicht. Leocardia versucht sich zunächst aus den Ermittlungen herauszuhalten und überlässt Kommissar Jacob Zimmer das Terrain, mit dem sie seit ein paar Monaten fest liiert ist. Als dann jedoch eine Leiche gefunden wird, ist Dr. Leo nicht mehr zu halten. Sie bohrt dem Verbrechen auf den Nerv und kommt dabei einer Entführung auf die Spur. Leider wird der Täter von Leo‘s Nachbohrungen aufgeschreckt und holt zum Gegenschlag aus. Isabella Archan hat erneut einen verzwickten Kriminalroman geschaffen und diesen mit viel Ironie und Wortwitz untermalt. Der Buchautorin gelingt es vortrefflich Spaß mit Spannung zu kombinieren. Sie schreibt lebendig, bedient sich einer klaren und direkten Sprache und hat eine interessante Form der szenischen Darstellung gefunden. Ihre Akteure sind ziemlich schräg und auch die Wahl der Namen ist bisweilen urkomisch. Für mich war es wie ein Treffen mit alten Bekannten, da ich bereits die Vorgängerbücher gelesen habe. Ich mag die übereifrige Dr. Leo und ihre chaotische Sprechstundenhilfe Britti Poster genauso gern, wie den verliebten Kommissar Zimmer. In diesem Buch kommt ein neuer Charakter hinzu, der mein Herz im Sturm erobert hat- Leo’s Vater, Dr. Gerwald Hubertus. Er erinnert an den Elefanten im Porzellanladen, wirkt lebensnah und entpuppt sich zu meinem heimlichen Star der Geschichte. Zum Ende des Buches überschlagen sich die Ereignisse und man muss sich konzentrieren, um den Überblick zu behalten. Ich habe mich bestens unterhalten mit Dr. Leo und Co. Die Idee, eine Zahnärztin als „Miss Marple“ ins Rennen zu schicken, finde ich originell und einzigartig. Ein klassischer Krimi mit leicht verschrobenen Charakteren! Lesevergnügen, nicht nur für Dentisten!

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5 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 3 Rezensionen

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Strandmädchentod - Thriller

B. C. Schiller
E-Buch Text: 389 Seiten
Erschienen bei null, 20.06.2018
ISBN 9783950395457
Genre: Sonstiges

Rezension:

Darf ich mich kurz vorstellen. Mein Name ist Tony Braun und ich mag es gar nicht, wenn man mich „Kommissar Braun“ nennt. Ich bin Österreicher und bei uns in Linz sagt man Chefinspektor. Kommen wir zu meinem aktuellen Fall, es ist bereits der neunte. , Das Autorenduo BC Schiller hat sich für mich wieder eine ungewöhnliche Geschichte ausgedacht, wie gewohnt spannungsgeladen und rasant mit einer guten Portion Thrill. „Strandmädchentod“ ist am 20.06.2018 erschienen. Mein Sohn Jimmy plant, sich mit Streetfood selbstständig zu machen und meine Freundin Kim ist schwer krank, aber das verdränge ich weitestgehend. Jimmy hat ein tolles Haus entdeckt und will mich überreden, es anzumieten. Doch Polizeipräsidentin Elena Kafka durchkreuzt den Plan, denn es gilt einen Mord aufzuklären. Die sechzehnjährige Tochter des Unternehmers Ulf Hanstetten - dem größten Sponsor der Polizeisportanlage - wurde in Tallinn ermordet aufgefunden. Bea Hanstetten war als Au-pair-Mädchen in der Familie eines windigen Geschäftspartners ihres Vaters tätig. Nach kurzer Zeit ist klar, dass ich - Braun- nach Estland fliegen muss, um dort die Ermittlungen zu unterstützen. Leider ist inzwischen ein weiteres Au-pair-Mädchen namens Zoe verschwunden. Ihre Leiche wird kurze Zeit später gefunden. Ich verfolge gemeinsam mit Kommissar Arto Kaukonen verschiedene Spuren. Aber der Fall ist verzwickt. Als dann erneut ein junges Mädchen verschwindet, beginnt für uns ein Wettlauf mit der Zeit. Ich bin ein cooler Typ, der jeden Tatort auf sich wirken lassen muss. Man sagt mir nach, dass ich mit den Toten reden kann. Aber psst, ich versuche es tatsächlich! Die Schillers haben mir wieder eine spannende Story verpasst, in welcher sie mich sehr sympathisch in Szene setzen. Das gefällt mir. Trotzdem haben sie mich auf die eine oder andere falsche Spur geschickt und dem Leser grausige Bilder von den Leichen offenbart. So muss ein Thriller sein, fesselnd, brutal und blutig, mit einem Funken Action! Das Stetting des Buches ist super. Stimmungen und Ortsbeschreibungen wirken realitätsnah. Ernste Themen, wie Waffelhandel, Drogen, Korruption und Krankheit fließen in die Handlung ein. Der Leser fliegt durch die Seiten und hat bis zum Schluss keine Ahnung, wer der Täter sein könnte. Am Ende des Buches erwartet ihn ein rasantes und spannungsreiches Finale mit einigen interessanten Wendungen. Ein rundum schlüssiger Thriller mit einem gelungenen Ende! Wer starke Nerven hat, gern Thriller liest und Tony Braun kennenlernen möchte, dem sei Strandmädchentod“ empfohlen. Und wer nicht genug von Braun bekommen kann, es gibt noch weitere acht Bücher dieser Reihe, wie z.B „Totes Sommermädchen“ oder „Töten ist ganz einfach“.

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33 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 25 Rezensionen

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Gruppentherapie

Friedrich Kalpenstein
Flexibler Einband: 318 Seiten
Erschienen bei Tinte & Feder, 12.06.2018
ISBN 9782919800377
Genre: Humor

Rezension:

Ob ihr wollt oder nicht, irgendwann, irgendwo wird er euch in seinen Bann ziehen, spätestens wenn ihr zum gemeinschaftlichen Gruppenzwang in das mallorquinische Nachtleben verfrachtet werdet- der Schlager! Ihr bezweifelt meine Behauptung? Dann braucht ihr dringend eine „Gruppentherapie“. Zu dieser illustren Runde hat Buchautor Friedrich Kalpenstein geladen. Musikalisch begleitet euch Benny Biber durch den Roman, einer der angesagtesten Stimmungsmacher auf Mallorca. Auf geht’s in den hipsten Partyschuppen der Insel, ins „UNIVERSUM“! „Ab auf die Insel, olé, olé, hóla! Welche ich meine? Das ist doch sonnenklar. Einmal im Jahr haben wir Spaß wie nie, Malle ist die allerbeste Gruppentherapie! „Er nahm die Perücke ab und setzte sie auf den Gipskopf, der auf einem kleinen Tisch neben dem Spiegel stand. Diesen geduldigen stummen Diener zierte die Haarpracht des Ballermann-Mann Stars Benny Biber, während dieser seinem biederen Leben über tausend Kilometer Luftlinie entfernt nachging. Ebenso die Sonnenbrille.“ Jetzt ist Ben wieder der dreißigjährige Architekt, der in einem angesehenen Architekturbüro in München arbeitet. Ben ist mit Clarissa, der Tochter des Chefs liiert und Schwiegerpapa in spe hat Großes mit ihm vor. Doch wie soll Ben diese Doppelbelastung auf Dauer durchhalten? Und was passiert, wenn Carissa und ihr Vater von Bens Leben mit Perücke und Goldkettchen auf Malle erfahren? Dem nicht genug, ist da auch noch die Liaison mit Eva, der Barfrau vom Universum. Es ist nur eine Frage der Zeit ist, bis Bens Kartenhaus in sich zusammenfällt. Was für eine unterhaltsame Gruppentherapie - mit Inselfeeling und Schagermucke! Da möchte man gern in Behandlung bleiben! Friedrich Kalpenstein hat es geschafft, mich mit seiner Geschichte mitzureißen und mir ein Dauergrinsen auf‘s Gesicht zu zaubern. Ich habe mich köstlich amüsiert, obwohl ich kein großer Schlagerfan bin. Man spürt beim Lesen die Frische und die Leichtigkeit, das Herzblut und die Liebe zur Musik, die der Buchautor hier zwischen die Zeilen gelegt hat. Ein rundum gelungener, ironisch-witziger Roman mit einem grandiosen Finale! Die Atmosphäre auf der Ferieninsel wird lebendig beschrieben. Doch hinter der humorvollen Fassade versteckt sich ein Funken Ernsthaftigkeit. Friedrich Kalpenstein thematisiert den harten Konkurrenzkampf der Münchner Architektenszene um die interessantesten Bauprojekte. Korruption, Intrigen und Machtgerangel stehen an der Tagesordnung. Geld regiert die Welt! Da kann so ein junger aufstrebender Architekt leicht durchs Raster fallen. Wobei es Ben ansonsten faustdick hinter den Ohren hat, baut sich zwei Identitäten auf und spielt mit seinen Mitmenschen. Ich mag seine Charakterdarstellung und es bleibt zu hoffen, dass er irgendwann die Frau fürs Leben findet. Außerdem ist da noch Bens bester Freund Sascha, der immer die richtige Melodie findet. Leider sind seine Liedtexte ziemlich speziell und haben bei mir während des Lesens für den einen oder anderen Lachanfall gesorgt. Die Zeichen stehen also auf Fortsetzung der Geschichte des Benny Biber! Übrigens, im Buch sind Benny Bieber’s Liedtexte abgedruckt. Lust auf eine Runde Diskofox? Dann solltet ihr euch die CD mit allen Liedern aus dem Buch zulegen! Es sind kleine Ohrwürmer, denen es total egal ist, ob man Schlager mag oder nicht. Sie beißen sich fest und irgendwann summt man sie vor sich her. „Gruppentherapie“ ist ein Wohlfühlschmöker, der sich schnell wegliest und gute Stimmung verbreitet. Wer noch Urlaubslektüre sucht, dürfte mit diesem Roman goldrichtig liegen. Wer gar nicht genug von Friedrich Kalpensteins humorvollen Romanen bekommen kann, dem empfehle ich auch die Herbert-Reihe!

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10 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 5 Rezensionen

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Der Stammhalter

Alexander Münninghoff , Andreas Ecke
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei C.H.Beck, 20.07.2018
ISBN 9783406727320
Genre: Biografien

Rezension:

Die Romane vom C.H.Beck Verlag lese ich sehr gern, denn sie stehen für hochwertige Bücher mit literarisch anspruchsvollen Texten. Alexander Münninghoffs Roman „Der Stammhalter“ wird mit Turgenjew verglichen, der für seinen lyrischen Schreibstil und seine gefühlsbetonten Ausschweifungen bekannt ist. Das interessierte mich. Einladend wirkt das nostalgische Foto auf dem Buchcover. Alexander Münninghoff erzählt die Geschichte seiner Familie in der Ich-Form. Sein Großvater Joannes, war ein niederländischer Kaufmann, der an der Seite seiner schönen russischen Ehefrau Erica in Riga ein mondänes Leben führte. Der findigen Geschäftsmann hält das Zepter fest in der Hand. Nur sein Sohn Frans scheint völlig aus der Art zu schlagen und sich so gar nicht Vaters Willen zu beugen. Der Krieg bricht aus, Frans geht zur Waffen-SS und der alte Herr muss Riga verlassen. Er setzt sich nach Den Haag ab. Frans scheidet als würdiger Erbe aus und somit kommt für Joannes Münninghoff nur sein Enkel als Stammhalter infrage, doch dessen Mutter flieht mit ihm nach Deutschland. Der alte Herr findet auch für dieses Problem eine Lösung. Eindrucksvoll und lebendig erzählt Alexander Münninghoff seine Geschichte. Dabei beschreibt er die Charaktere eingehend mit ihren Ecken und Kanten. Er urteilt nicht, beschönigt aber auch nichts. Nüchtern und unverblümt schildert er die Ereignisse seiner Kindheit und Jugend. Der alte Herr - Großvater Joannes- war ein eigenwilliger Mann, ein Despot, der mit harten Bandagen kämpfte. Beeindruckt hat er mich trotzdem. Sein Kampfgeist und Geschäftssinn sind stark ausgeprägt, aber auch seine Heimatverbundenheit. Frans hingegen war wohl zeitlebens ein Suchender, der nach Anerkennung durstete. Denke ich an Alexanders Mutter, überkommt mich Wehmut. Ihr hätte ich einen Funken mehr Glück gewünscht. Und Alexander muss man einfach mögen. Es ist bestimmt nicht einfach, der Öffentlichkeit all diese Details über sich und seine Familie zu offenbaren. Mit seinem intelligenten Schreibstil, der durch eine exzellente Wortwahl geprägt ist, hat er mich mitgerissen. Zweifelsohne beherrscht Alexander Münninghoff die Kunst des atmosphärischen Schreibens. So kommt Spannung auf. Außerdem sind seine Milieuschilderungen vortrefflich und einprägend. Da möchte ich mich gleich auf den Weg nach Riga und Den Haag machen und auf den Spuren der Münninghoffs wandeln. Besonders aufschlussreich waren für mich die zeitgeschichtlichen Fakten des politischen und wirtschaftlichen Lebens in Lettland und den Niederlanden. „Der Stammhalter“ ist keine leichte Unterhaltungsliteratur, eher ein anspruchsvoller biografischer Roman, literarisch erzählt. Mir hat dieses kluge Buch ausgesprochen gut gefallen. 5 Sterne-Leseempfehlung!

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attentäter, berlin, breitscheidtplatz, terroranschlag

Ungebremst

Marco Monetha , Stefan Schweizer
Flexibler Einband: 308 Seiten
Erschienen bei SWB Media Publishing, 15.02.2018
ISBN 9783946686422
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
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Schuld

Ferdinand von Schirach
Flexibler Einband: 208 Seiten
Erschienen bei btb, 13.02.2017
ISBN 9783442714971
Genre: Romane

Rezension:

Nachdem ich kürzlich mein erstes Buch von Ferdinand von Schirach mit dem Titel „Strafe“ gelesen habe, bin ich seinen Kurzgeschichten verfallen. Daher lag es nahe, weitere Bücher von ihm zu lesen. Inspiriert durch seinen Beruf als Strafverteidiger, erzählt Ferdinand von Schirach in seinem Buch „Schuld“ 15 interessante Stories zum Nachdenken. Eine junge Frau wird von mehrerer Männern vergewaltigt. „Acht waren schuldig, aber jeder könnte auch der eine Unschuldige sein.“ Ein Ehemann misshandelt und missbraucht jahrelang seine Ehefrau, doch plötzlich wird er erschlagen. Das gefährliche Spiel eines Ehepaares gerät außer Kontrolle... Mein persönliches Highlight ist die Geschichte mit dem Titel „Anatomie“. Sie füllt zwar nur 3 Seiten, ist aber von einer enormen Durchschlagskraft und widerspiegelt, wie schmal der Grat zwischen Schuld und Unschuld sein kann, bzw. wie schnell sich das Blatt wenden kann. Welche Strafe entspricht der Schwere der Schuld? Es ist beeindruckend, wie Ferdinand von Schirach mit einer klaren und einfachen Sprache in wenigen Zeilen Hochspannung erzeugt und der Geschichte am Ende eine völlig andere Richtung gibt. Meisterlich! Ich habe das Buch teilweise unterwegs gelesen und währenddessen sprach mich ein Jurist an: „Oh, sie lesen die Schirachschen Märchen.“ Seine Bemerkung stimmte mich nachdenklich. Vermutlich werden viele Leser von dem Strafverteidiger Ferdinand von Schirach erwarten, dass er authentisch, von tatsächlich Erlebten schreibt. Ehrlich gesagt, ist es mir persönlich gar nicht wichtig, ob der Autor dieses Stories erlebt hat oder nicht, ob sie neu oder spektakulär sind. Mir gefällt diese einzigartige Erzählweise, die mich in Gewissenskonflikte stürzt und im Zwiespalt stehen lässt. Die Episoden dürfen für mich durchaus fiktiv sein. Mein Gedankenkarussell rotiert so oder so und am Ende ist mir klar, dass die Frage nach der Schuld nicht immer eindeutig zu beantworten ist. Eine ewige Zwickmühle! Excellent ausgearbeitete Kurzgeschichten, klug geschrieben! Literarische Knallbonbons, die mitreißen und die grauen Zellen ordentlich in Wallung bringen. Meine 5 Sterne Leseempfehlung!

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Das Geheimnis des Dr. Alzheimer

Jørn Precht
Flexibler Einband
Erschienen bei Gmeiner-Verlag, 02.08.2017
ISBN 9783839221501
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Jeder kennt den Begriff „Alzheimer“ als Synonym für die Krankheit des Vergessens. Aber wer weiß schon, dass der Psychiater und Gerichtsgutachter Dr. Alois Alzheimer diese Krankheit im Jahre 1906 erstmals beschrieben hat. Als ich im Verlagsprogramm des Gmeiner Verlages den Spannungsroman „Das Geheimnis des Dr. Alzheimer“ von Jørn Precht entdeckte, war meine Neugier geweckt. Die Geschichte beginnt im Jahr 1901 in Frankfurt am Main. Karl Walz ist ein mittelloser Krankenpfleger, der davon träumt Arzt zu werden. Als seine Ersatzmutter Auguste Deter plötzlich von einer geheimnisvollen Krankheit heimgesucht wird, bei der ihr geistiger Verfall rasant voranschreitet, studiert Karl zunächst medizinische Bücher. Dann bekommt er die Chance als Assistent für Dr. Alois Alzheimer zu arbeiten und mit ihm die neu entdeckte Krankheit zu analysieren. Doch Alzheimer hat Widersacher, die wilde Spekulationen über ihn und den mysteriösen Tod seiner Frau verbreiten. Obwohl Dr. Alzheimer dem jungen Karl gegenüber freundlich ist und ihn fördert, ist Karl zunehmend irritiert von Alzheimers Verschwiegenheit. Was hat sein Lehrmeister zu verbergen? Woher stammt die Narbe in Alzheimers Gesicht und wohin verschwinden die Morphiumreserven? Karl Walz ist ein junger wissbegieriger Mann. Mit Respekt und Anstand verrichtet er zunächst einfache Arbeiten und bildet sich nebenbei weiter. Er verfügt über ein enormes Fachwissen, ist aber bescheiden. Mit Karl Walz hat Buchautor Jørn Precht einen sympathischen Charakter geschaffen, der diesem Roman den besonderen Charme verleiht. Ich fand es rührend, wie er sich um Auguste Deter gekümmert hat, auch wenn diese ihn gar nicht mehr erkannte. Dr. Alois Alzheimer ist geheimnisvoll, aber auch sympathisch in Szene gesetzt. Obwohl er der Oberschicht angehört und über enorme finanzielle Mittel verfügt, begegnet er dem verarmten Walz stets auf Augenhöhe und scheut sich nicht davor, sein privates Geld in ihn und sein Medizinstudium zu investieren. Schließlich werden die beiden Männer zu Vertrauten und erforschen gemeinsam die rätselhafte Erkrankung, die über hundert Jahre später jeder als „Alzheimer“ kennt. Der Roman ist bildhaft und spannend geschrieben. Precht bringt die Stimmung der damaligen Zeit gut rüber. Tolles Setting! Besonders beeindruckt hat mich die detailreiche Beschreibung der Krankheitssymptome. So bekommt der Leser ein umfassendes Bild von den Auswirkungen dieser oder ähnlicher Hirnerkrankungen. Dabei geht der Autor feinfühlig taktvoll vor. Er nimmt Bezug auf historische Ereignisse und bindet die wahre Geschichte der Auguste Deter in seine Szenerie ein. Ich mag Romane, in denen reale Hintergründe thematisiert werden. Man kann aus ihnen immer etwas lernen. So habe ich also gebannt und interessiert das Geschehen verfolgt. „Das Geheimnis des Dr. Alzheimer“ ist ein lesenswerter Histo-Spannungsroman aus dem Buchverlag Gmeiner, der mich begeistern konnte!

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gesellschaftskritisch, max scharnigg, social media, zeitgenössische belletristik

Der restliche Sommer

Max Scharnigg
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Hoffmann und Campe, 14.03.2018
ISBN 9783455404944
Genre: Romane

Rezension:

Was ist mir hier für ein ungewöhnlicher Roman vom Verlag Hoffmann & Campe in die Hände gefallen? Schon das Cover lädt zum Grübeln ein. Es ist interessant, dieses Buch zu drehen. Geht es um die Sonnen- und Schattenseiten des Lebens? Vergangenheit und Zukunft? alles im Wandel? Meine Neugier ist geweckt! Der Roman stammt aus der Feder des in München geborenen Journalisten Max Scharnigg und erzählt davon, wie Paul, Sara, Tin und Sonja den restlichen Sommer verbringen, bzw. wie sich ihr Leben ändert. Tin überlebt einen Anschlag und erwacht im Krankenhaus. Er liebt Sara seit Schulzeiten. Aber ihre beider Gefühlswelten tendieren in unterschiedliche Richtungen. Sara ist eine Lebenskünstlerin, immer auf der Suche nach dem perfekten Partner. Den hofft sie jetzt in Paul gefunden zu haben. Mit ihm zieht sie seit Monaten von einem Sonnenparadies zum nächsten. Paul ist Journalist und schreibt Kolumnen als Deutschlands Benimm-Papst Nr. 1 - August Sternberg. Aber seine Texte scheinen sich abgenutzen. Der Verlag sucht nach Alternativen. Sonja ist Paartherapeutin und wird durch ein Interview versehentlich zum Vorbild der Frauenwelt. Außerdem war sie viele Jahre mit Paul verheiratet, bevor sich die Leidenschaft heimlich davongeschlichen hat. Irgendwie hängen die Geschichten der Charaktere zusammen und trotzdem trennt sie der Autor, widmet ihnen eigne Kapitel und lässt sie unabhängig voneinander zu Wort kommen. Als Leser wartet man ungeduldig drauf, dass sich die Handlungsstränge irgendwie miteinander verbinden. Max Scharnigg hat einen eigenwilligen unverwechselbaren Schreibstil. Er zieht beinahe alle Register. Einmal schreibt er sachlich-nüchtern, ein anderes Mal ironisch-witzig, gelegentlich sogar bildhaft-stimmungsvoll. Das hat mich amüsiert, fasziniert und zum Nachdenken angeregt. Scharnigg beleuchtet Facetten des Lebens, erzählt von Liebe, Angst, Mut und Zweifel. Zwischen den Zeilen liest man das Alltägliche, dass uns alle irgendwann und irgendwo erwischt und uns fragen lässt, ob wir auf dem richtigen Weg sind, nur eine Rolle spielen, die Erwartungshaltung unserer Mitmenschen erfüllen und ob wir das Ruder noch einmal rumreißen können. Dabei fließt die eine oder andere Gesellschaftskritik mit ein. Zum Ende hin schien mir die Story an der einen oder anderen Stelle etwas langgezogen, doch Scharniggs Wortwitz und seine mitunter skurrilen Wendungen sorgten für Auflockerung. Nichts ist vorhersehbar. Insgesamt habe ich mich gut unterhalten und die Botschaft des Autors verstanden. Dennoch dürfte der Roman nicht für jedermann geeignet sein. Er ist eine Herausforderung des Lesers, eigenartig und ganz sicher anders, als man erwartet.

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High Notes

Gay Talese , Alexander Weber
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Tempo, 14.03.2018
ISBN 9783455002881
Genre: Sonstiges

Rezension:

Als eine Verlagsmitarbeiterin von Hoffmann & Campe auf der Frankfurter Buchmesse „High Notes“ für das Frühjahrsprogramm ankündigte, war ich Feuer und Flamme, zumal Gay Talese auch über Frank Sinatra und Charles Manson geschrieben hat. So fand dieses beeindruckende Buch den Weg zu mir. Obwohl Gay Talese als journalistische Institution bezeichnet wird, kannte ich seine Berichterstattungen bislang nicht. Gay Talese würde 1932 in Ocean City geboren und gehört zu den wichtigsten Vertretern des New Journalism. Er arbeitete in den frühen Sechzigern für die New York Times. „High Notes“ beinhaltet eine Ansammlung interessanter Reportagen von Gay Talese, die zum Teil erstmals in deutscher Sprache erschienen sind. Bereits nach wenigen Seiten bemerkte ich Taleses ausgefeilte Schreibtechnik und seinen Perfektionismus bei der Abarbeitung der Themen. Man spürt das Herzblut, welches in jeder einzelnen Reportage steckt. Taleses Abhandlungen sind literarische Texte, die mit interessanten bildhaften Beschreibungen gespickt sind und spannend, bisweilen amüsant erzählt werden. Er hat diesen gewissen Charme, mit welchem er selbst kritische Anmerkungen stilvoll verpacken kann. Besonders beeindruckt hat mich der Bericht über das Verschwinden des Mafioso Joe Bonnano. Er ist sehr lebendig geschrieben und vermittelt dem Leser tiefe Einblicke in die Gangsterwelt. Den Titel von Taleses wohl berühmtester Reportage „Frank Sinatra ist erkältet“ fand ich einzigartig. Die Story wirkt ziemlich abgefahren und ich bekam ein völlig neues Bild von Frank Sinatra. Noch interessanter waren für mich Taleses anschließende Erläuterungen zur Arbeit an diesem Bericht. Viele Wochen heftete er sich an die Fersen des großen Künstlers ohne ihn je vor‘s Mikrofon zu bekommen. Das Ganze hat sehr viel Zeit und Geld gekostet, bestens investiert , wie ich meine. Beim Lesen gewinnt man den Eindruck, auch hier wäre der Autor ganz dicht am Geschehen gewesen. Erstklassig geschrieben! Wie der Autor berichtet, wurde damals anders journalistisch gearbeitet, als es heutzutage der Fall ist. Nicht schnell-schnell, sondern akribisch-präzise. Für mich war das Buch ein unerwartet unterhaltsamer Exkurs in die Welt des großen Journalismus. Wer sich mit Texten und deren Wirkung beschäftigt, sollte hier zugreifen. Ein Schatz in meinem Buchregal!

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Ines und die grasgrüne Liebe

Greta Niels
Flexibler Einband: 446 Seiten
Erschienen bei Tinte & Feder, 13.02.2018
ISBN 9781503900875
Genre: Romane

Rezension:

Ines geht mit großen Schritten auf die Fünfzig zu. Sie ist seit Ewigkeiten geschieden, hat eine erwachsene Tochter nebst Schwiegersohn und eine jüngere Schwester, die sie ständig an den „Mann“ bringen will. Außerdem hat sie einen Vogel! Er heißt Hugo und ist ein echter Pechvogel, fliegt ständig gegen Einrichtungsgegenstände und muss anschließend in der Tierarztpraxis mit neuen Lebensgeistern versorgt werden. Als Hugo wieder einmal eine Kapriole schlägt und leblos auf dem Teppich liegt, ist Ines völlig aufgelöst und stürmt mitten in der Nacht das Wartezimmer von Dr. Naux. Dort begegnet sie dem Künstler Paul Hugo Iffland, einem Mann mit Halbglatze und Hund. Obwohl „Piff“, wie Ines ihn nennt, auf dem ersten Blick nicht gerade einem Modemagazin entsprungen ist, wickelt er sie mit seiner charmanten Art schnell um den Finger. Plötzlich schlägt die Liebe erbarmungslos zu, aber dann tauchen am Horizont dunkle Wolken auf, die sich zu einem heftigen Gewitter zusammenbrauen... Die Geschichte von Ines und der grasgrünen Liebe scheint aus dem Leben gegriffen. Sie könnte sich so oder ähnlich in unserer Nachbarschaft abspielen. Greta Niels gelingt es hervorragend, ihre Charaktere lebendig werden zu lassen. Jeden einzelnen Akteur beschreibt sie so echt und tiefgründig, dass Bilder im Kopf entstehen und ich meinte, sie alle tatsächlich zu kennen. Ines ist eine erfahrene Frau mittleren Alters. Sie kämpft mit den typischen Alltagsproblemen und tappt wie ein Teenager in die Liebesfalle. Da kommt die 92jährige Großtante Betty als Ratgeberin genau richtig, denn auch sie weiß von der Liebe zu berichten. Der heimliche Star der Geschichte ist gelb und ein Kanarienvogel. Er ist so herrlich schräg und tollpatschig dargestellt und ich fand es rührend, wie sich Ines um ihren kranken Vogel sorgt. Überhaupt schreibt Greta Niels so frisch und amüsant, dass man sich zum Lesen in eine Wohlfühloase zurückziehen möchte, um den Lesestoff intensiver zu genießen. Die Geschichte ist gut durchdacht und stimmt an der einen oder anderen Stelle durchaus nachdenklich. Obwohl ich mich nur selten in diesem Genre tummele, hat mich Ines Geschichte von der grasgrünen Liebe berührt und begeistert. Generation Frau Ü 40 aufgepasst, hier kommt eure 5 Sterne Leseempfehlung, aber Vorsicht vor Männern wie Piff! Diese Charmebolzen sind echt gefährlich!

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Das trügerische Gedächtnis

Julia Shaw , Christa Broermann
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Heyne, 09.01.2018
ISBN 9783453604483
Genre: Sachbücher

Rezension:

Es ist, als wäre es gestern! ich erinnere mich noch ganz genau! Diese besonderen Momente, habe ich ganz fest in meinem Gedächtnis verankert. Habt ihr euch schon einmal gefragt, ob die Ereignisse tatsächlich so stattgefunden haben, wie ihr sie als Erinnerung gespeichert habt? Oh, es ist trügerisch, dieses Gedächtnis, darauf ausgelegt zu vergessen und lange nicht so perfekt, wie ihr es vermutet! Dies erklärt Verhaltenspsychologin und Erinnerungsforscherin Dr. Julia Shaw eindrucksvoll in ihrem Buch. Zunächst beschreibt sie das Prinzip des Gedächtnisses und bezieht hier auch die Lehren von Aristoteles und Elbinghaus ein. Anhand ihrer eigenen Forschungsergebnisse und derer anderer Kollegen dokumentiert Dr. Shaw die wichtigsten Erkenntnisse von Neurowissenschaft und Psychologie. Dabei geht sie auf Versuchsreihen ein und beschreibt die Erinnerungen der Probanden, die beeinflusst wurden. Die Ergebnisse sind überraschend und haben mich mitunter schockiert. Ich erfahre, dass das Gehirn 100 Milliarden Neutronen besitzt, dass die Forscher im Laufe der letzten Jahrzehnte viel von Meeresschnecken gelernt haben und letztendlich, dass niemand das perfekte Gedächtnis haben kann. Welche Rolle spielt die Aufmerksamkeit für die Erinnerungen? Wie beeinflussen Benzodiazepine das Gedächtnis? Lernen wir im Schlaf und gibt es sie, die Gedächtnisgenies? Antworten auf diese und andere Fragen findet ihr in diesem interessanten Buch. Einiges habe ich schon gewusst, anderes war mir ganz neu. Natürlich ist es wissenschaftlich geschrieben, dennoch aber für den Laien gut verständlich und manchmal auch mit witzigen Akzenten. Ich habe „Das trügerische Gedächtnis“ nicht an einem Stück gelesen, sondern ab und an einzelne Kapitel, in der Hoffnung, die vielen neuen Informationen mögen mir lange im Gedächtnis bleiben. Zum Schluss möchte ich die Autorin noch einmal zu Wort kommen lassen: „ Unsere Vergangenheit ist eine fiktionale Repräsentation, und das Einzige, dessen wir uns einigermaßen sicher sein können, ist das, was in der Gegenwart geschieht. Das ermutigt uns dazu, in der Gegenwart zu leben und unserer Vergangenheit nicht allzu viel Bedeutung beizumessen.“ Wer zu viel über das Gestern grübelt, sollte „Das trügerische Gedächtnis“ lesen. Es lohnt sich und ihr werdet verstehen, dass es sich lohnt im Hier und Jetzt zu leben.

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Immer wenn du tötest

B. C. Schiller
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Penguin, 14.05.2018
ISBN 9783328101635
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Im Juli 2017 lernte ich Targa Hendricks kennen, als sie in „Der Moment, bevor Du stirbst“ dem Serienmörder Prof. Falk Sandmann gefährlich nahe kam. 

Nun beschäftigt die Berliner Ermittler ein neuer, schwieriger Fall, bei welchem sie auf die Mithilfe der außergewöhnlichen Undercover- Ermittlerin angewiesen sind. 
In einem Schlachthaus hat man drei Leichen gefunden, kopfüber aufgehängt, ausgeblutet und kunstvoll in Szene gesetzt. Ist das der Auftakt zu einer Mordserie? „Schon spürt sie das Adrenalin, das durch ihre Venen rauscht. Bald wird sie wieder eine Aufgabe bekommen, die ihren Verstand fordert. Eine Ermittlung, die sie bis an ihre Grenze bringt.“ Die Spur führt zu Freya von Rittberg, einer exzentrischen Künstlerin, die mit dem Blut ihrer Fans Bilder malt. Sie veranstaltet regelmäßig Mut- Challenges, bei denen sie ihre Opfer gezielt auswählt. Obwohl sich die Ermittler ziemlich sicher sind, dass Freya von Rittberg eine Serienmörderin ist, können sie sie nicht überführen, denn jemand aus Regierungskreisen legt schützend seine Hand über die „Blutmalerin“. Das BKA hat nur eine Chance- Targa Hendricks, die als Personenschützerin bei Freya eingeschleust wird. Wird es Targa gelingen, diese gefährliche Täterin zu stoppen?

 Zwei eigenwillige Frauen begegnen sich auf Augenhöhe und spüren die enorme lAnziehungskraft, die von der jeweils anderen ausgeht. Sie besitzen die gleiche Stärke und Kraft und haben beide tiefe Risse in ihren Seelen. Targa ist noch immer besessen von der Suche nach ihrem leiblichen Vater. Sie will ihn töten, weil er für den Tod ihrer Mutter und Schwester verantwortlich ist. Targa leidet unter Kontrollzwängen und kann nur schwer mit anderen Menschen kommunizieren. Dafür kann sie sich perfekt in die Seele eines Serienmörders hineinversetzen. Freya hingegen strebt nach Erlösung und Vergebung. Es ist nicht die Lust am Töten, die Freya vorantreibt. Sie wird von den Dämonen ihrer Vergangenheit beherrscht. Ihr Großvater war eine Nazigröße und vleitete eines der Lebensborn-Heime im dritten Reich. Mit seiner braunen Ideologie hat er Freya maßgeblich geprägt und sie zu dem gemacht, was sie heute ist. 

B.C. Schiller gelingt es vortrefflich, die beiden Frauen in Wechselwirkung agieren zu lassen. Dabei legen sie viel Wert auf ihre Charakterdarstellungen. Obwohl Freya von Rittberg eine kaltblütige Serientäterin ist, hat sie durchaus auch eine sehr emotionale, beinahe liebenswerte Seite. Targa hingegen entwickelt sich weiter, übt sich in Sozialkompetenz, versucht mit ihren Mitmenschen zu kommunizieren. Das hat mir gut gefallen. Mit ihrem rasanten Schreibstil haben mich die Schillers schnell geködert. Sie nehmen kein Blatt vor den Mund, polarisieren und fordern den Leser heraus, konfrontieren ihn unverblümt und brutal mit den blutigen Fakten. Mystisch-düstere Stimmung beherrscht die Handlung. Kurze Kapitel mit kleinen Cliffhangern am Ende treiben die Spannung voran. Gefesselt verfolgte ich das Geschehen. 
Phänomen - Serienmord zieht viele Schreiberlinge an, aber das Einzigartige ist hier, dass die Täterin von Anfang an bekannt ist und dass es darum geht, ihr nahe zu kommen und sie zu überführen . Neben einer ausgeklügelten Story binden die Autoren spannende Hintergrundinformationen über Nazi-Organisation Lebensborn in ihre fiktive Geschichte ein. Damit wurde mein Interesse geweckt und ich habe mich über das Buch hinaus mit der Thematik beschäftigt. 

„Immer wenn Du tötest“ ist der zweite Band einer Thriller-Reihe. Es ist nicht unbedingt erforderlich den ersten Teil vorab zu lesen, denn die Autoren fassen die wichtigsten Ereignisse zusammen. 

Achtung, Lesestoff mit Suchtgefahr! Nichts für Zartbesaitete, aber beste Unterhaltung für Thrillerjunkies!

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47 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 41 Rezensionen

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Ein MORDs-Team - Der Fall Marietta King 4 - Das Echo des Schreis (Bände 10-12)

Andreas Suchanek
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Greenlight Press, 18.04.2018
ISBN 9783958342798
Genre: Romane

Rezension:

Endlich kann kann auch ich den Mordfall Marietta King zu den Akten legen. Vermerk: gelöst! Der vierte Hardcover mit dem Titel „Das Echo des Schreis“, welches die Bände 10 bis 12 beinhaltet, komplettiert die Reihe „Der Fall der Marietta King“. Wieder ist der Einband des Buches hochwertig und eindrucksvoll gestaltet. Die gesamte Reihe ist ein Blickfang in meinem Buchregal. Es handelt sich um eine All-Age-Geschichte und es ist ein echtes Familienbuch. Andreas Suchanek ist der kreative Kopf hinter dem MORDs-Team und ich bin von Anfang an verblüfft, wie gut es ihm gelingt, auch mich, als erwachsenden Leser, in den Strudel der Ereignisse zu ziehen. Da es sich um eine fortlaufende Reihe handelt, sollte man die vorangegangen Bände gelesen haben. Quereinstieg nicht zu empfehlen! Da ich das 3. Hardcover schon vor längerer Zeit gelesen habe, bräuchte ich ein paar Seiten, um wieder mittendrin zu sein. Allerdings fasst der Buchautor die wichtigsten bisherigen Ereignisse zwischendurch zusammen. Marietta King wurde 1984 ermordet und schon damals haben ihre Freunde, Danielle’s Mutter Shannon, Masons Vater Jamie, Harrison und Billy versucht, den Fall aufzuklären. Ohne Erfolg! Inzwischen wächst die nächste Generation heran und wird zum MORDs-Team. Mason, Olivia, Randy und Danielle sind dem Täter inzwischen dicht auf den Fersen. Und das weiß Marietta’s Mörder ganz genau. Er scheint ihnen immer einen Schritt voraus zu sein, ist skrupellos und schreckt auch vor weiteren Morden nicht zurück. Es wird Zeit, dass sich Shannon, Jamie und Harrison einmischen und dem MORDs- Team zu Hilfe eilen. Gemeinsam werden sie den Fall lösen! Wer ist Marietta’s Mörder und wie wird er entlarvt? Findet es heraus und lest diese spannende Reihe! Andreas Suchanek schreibt lebendig und gut verständlich. Jeder wünscht sich Freunde, auf die man sich verlassen kann und mit denen man auf Entdeckungsreise gehen kann. Mit Mason, Danielle, Randy und Olivia ist es dem Autor gelungen, interessante Charaktere zu schaffen und dabei den Teamgedanken rüberzubringen. Einer für alle, alle für einen! Mein heimlicher Star der Reihe ist von Anfang an Randy. Marietta’s Mörder sah das wohl anders. Andreas Suchanek nimmt seine Leser auf einen actionreichen Abenteuertrip mit. Dabei bedient er sich kurzer Kapitel und lässt sie oft mit einem Cliffhanger enden. Er legt falsche Fährten und sobald ich glaubte, auf der richtigen Spur zu sein, gab es neue Rätsel zu lösen. Gelungenes Finale. Der Fall Marietta King ist zwar geklärt, doch der Autor lässt den Leser mit einigen Cliffhangern zurück, die auf neue Abenteuer mit dem MORDs-Team hoffen lassen!

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Strafe

Ferdinand von Schirach
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Luchterhand, 05.03.2018
ISBN 9783630875385
Genre: Romane

Rezension:

Ferdinand von Schirach steht schon länger auf meiner meiner To Read List und mit seinem neuen Werk „Strafe“, welches im März beim Luchterhand Literaturverlag erschienen ist, wollte ich mein Vorhaben endlich umsetzen. Die Aufmachung des Buches ist sehr hochwertig. Besonders elegant finde ich den Einband samt roter Banderole, der auf ein Sachbuch schließen lässt. Tatsächlich beherbergt dieses Buch zwölf interessante, ausgeklügelte Kurzgeschichten, bei denen der Buchautor von seine Erlebnisse und Erfahrungen als Strafverteidiger profitiert. Inwieweit es sich um tatsächlich Erlebtes handelt, vermag ich nicht zu beurteilen, zumindest wirkt es auf mich authentisch. Da ich selbst seit einigen Jahren als Schöffin am Gericht tätig bin, hat mich besonders die erste Geschichte mit dem Titel „Die Schöffin“ gefesselt und mir die Tragweite meiner ganz persönlichen Entscheidungen vor Augen geführt. Jede Story beginnt ganz banal und läuft dann in eine ganz andere, unerwartete Richtung. Das stimmt sehr nachdenklich und ruft Emotionen hervor. Wer ist gut oder böse, schuldig oder unschuldig und welche Strafe ist angemessen? Ferdinand von Schirach berichtet sachlich distanziert ohne zu werten. Er schmückt nichts aus und lässt den Leser eigene Schlüsse ziehen. Kann es gerechte Strafe geben, in rechtlicher, wie in moralischer Sicht? Wer trifft die Entscheidung? Ich fand es faszinierend, wie Schirach es schafft, in seine kurzen Episoden Spannung zu erzeugen und dabei den Leser immer wieder zu überraschen. Diese zwölf Geschichten auf ca. 190 Seiten habe ich an einem Abend verschlungen. Jetzt möchte ich die anderen Schirach-Bücher lesen. Dieser Autor gehört ins heimische Buchregal. Übrigens, auch ein niveauvolles Geschenk für gute Freunde! Meine 5 Sterne Leseempfehlung!

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böse schatte, erstausgabe:12.03.201, finsteres kapital deutsch-deutscher geschicht, hamburg, politthrille, serienkrimi, stachelmann

Böse Schatten

Christian v. Ditfurth
E-Buch Text: 416 Seiten
Erschienen bei Penguin Verlag, 12.03.2018
ISBN 9783641218959
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Vom Kult-Ermittler Josef Maria Stachelmann hatte ich schon gehört und als nun „Böse Schatten“ - Stachelmanns neue Fälle beim Penguin Verlag erschien, war die Stunde des Kennenlernens gekommen. Christian V. Ditfurth ist Historiker und steht für einen intelligenten und anspruchsvollen Schreibstil. Davon konnte ich mich schon in seinem Thriller „Zwei Sekunden“ überzeugen. Außerdem hat mich das tolle Hamburg- Cover angesprochen. „Kommissar Zufall“ bringt die Leiche eines Mannes ans Tageslicht, der vor 25 Jahren brutal zu Tode gefoltert wurde. Nun kann man sich vorstellen, dass die Spurenlage nach so langer Zeit nicht die allerbeste ist. Im Mund des Toten wird ein kleines Stück Papier gefunden, dass Rückschlüsse auf ein mögliches Mordmotiv bringen könnte. Doch die Ermittlungen gestalten sich äußerst schwierig und so bittet Oberkommissarin Rebekka Kranz Stachelmann um Unterstützung, Dieser hat gerade einen Lehrstuhl an der Universität übernommen und freut sich über die willkommene Abwechslung. Stachelmann hatte sich bereits in vorangegangen Fällen einen Namen als Hobbyermittler gemacht. Bei seinen Recherchen stößt er auf die KgU -die Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit. Stachelmann stochert in ein Wespennest und die Vergeltungsschläge bleiben nicht aus. Auch privat läuft es für den Professor momentan alles andere als geradlinig. Stachelmann ist ein sonderbarer Mensch, zweifelt oft an sich selbst und in Sachen Beziehung scheint er nicht gerade ein feines Händchen zu besitzen. Manchmal benimmt er sich wie ein Elefant im Porzellanladen. Dennoch arbeitet Stachelmann akribisch an der Lösung des Falls und lässt sich auch von Drohungen gegen ihn und ihm nahestehende Personen nicht aus dem Konzept bringen. Das macht ihn sympathisch. Mein heimlicher Star des Romans ist Stachelmanns Freund Georgie, den ich mit seinen lockeren Sprüchen sofort ins Herz geschlossen habe. Der Schlagabtausch zwischen den beiden Männern hat mich amüsiert und hat die Geschichte aufgelockert. Christian V. Ditfurth überzeugt mit enormen Fachwissen. Seine Story ist exzellent recherchiert und die historischen Bezüge fand ich sehr interessant. Das regt zum Nachdenken an. Allerdings verstrickt sich Ditfurth gelegentlich in Nebensächlichkeiten und holt sehr weit aus. Das führt zu einigen Längen zwischendurch. Außerdem hätten der Handlung, aus meiner Sicht, ein paar mehr Spannungsmomente gut getan. Es gab Abschnitte, durch die ich mich durchgekämpft habe und ich hätte es mir etwas komprimierter gewünscht. Insgesamt ist dieser Kriminalroman ein intelligenter Lesestoff mit eigenwilligen Charakteren und einem hohen Informationsgehalt.

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203 Bibliotheken, 3 Leser, 3 Gruppen, 142 Rezensionen

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NACHTWILD

Gin Phillips , Susanne Goga-Klinkenberg
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 29.03.2018
ISBN 9783423261968
Genre: Krimi und Thriller

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Tiefe Havel

Tim Pieper
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Emons Verlag, 15.03.2018
ISBN 9783740802851
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die Havel- dunkel, kalt und tief! Tim Pieper hat seinen dritten Kriminalroman der Toni Sanftleben- Reihe im März 2018 beim Emons Verlag veröffentlicht. Es ist erschreckend, dem Verbrechen so nah zu sein, denn der Schauplatz der Handlung befindet sich sozusagen vor meiner Haustür. Erst jetzt begreife ich es, ich lebe im „Mörderischen Brandenburg“! Die MS „Beate“ treibt im Havelkanal. Ihr Kapitän wurde bei Nacht und Nebel von einem Profikiller hingerichtet. Ich frage mich, warum Jürgen Seitz sterben musste. Seine Frau und sein Sohn sind vor einiger Zeit bei einem schweren Autounfall ums Leben gekommen und nun ist auch noch seine Enkelin schwer erkrankt. Hat sich Jürgen Seitz auf krumme Geschäfte eingelassen? Der Profikiller schlägt erneut zu und eine Blutspur zieht sich durchs Land. Zu spät begreift Toni Sanftleben, dass er unfreiwillig mit in das Geschehen gezogen wird. Der Kriminalroman spielt zum Teil in der Gemeinde Groß Kreutz auf einem ehemaligen Obsthof bei Deetz. Dorthin ist Toni Sanftlebens Frau Sofie vor fast zwei Jahren gezogen, nachdem sie es auf dem gemeinsamen Hausboot nicht mehr ausgehalten hat. Lasst mich kurz zurückblicken. 1998 war Sofie auf dem Baumblütenfest in Werder verschwunden und Toni suchte sie viele Jahre verzweifelt. Doch nachdem er sie endlich wiederfand, ist nichts mehr wie es einmal war. Wird es für die beiden einen gemeinsamen Neuanfang geben oder werden sie getrennte Wege gehen? „Tiefe Havel“ schließt nahtlos an die vorangegangen Bücher „Dunkle Havel“ und „Kalte Havel“ an. Daher würde ich empfehlen, diese zuvor zu lesen. Dennoch ist es möglich, mit Band 3 in die Reihe einzusteigen, da Tim Pieper die wichtigsten Fakten der ersten Teile wiederholt. Ich mag den lebendigen Schreibstil des Autors und man merkt schnell, dass er die Landschaft und die Menschen rund um die Havel liebt. Mit Toni Sanftleben ist ihm ein eigenwilliger Charakter gelungen. Ich finde es beeindruckend, wie der Potsdamer Hauptkommissar, der trockener Alkoholiker ist, dargestellt wird. Als Leser erlebe ich Sanftlebens Höhen und Tiefen, spüre wie der Alkohol um ihn herumschleicht und hoffe, er möge ihm trotzen. Ferner inszeniert Tim Pieper einen jungen Mann namens Sandro, der meine Gefühlswelt ziemlich durcheinander bringt. Einerseits wirkt er liebenswert im Umgang mit Tieren, andererseits entwickelt er in der Gesellschaft von Menschen eine enorme Brutalität und Kaltblütigkeit. Die Charaktere sind wohl überlegt ausgearbeitet und perfekt in die Geschichte integriert. Sie haben mich mitgerissen und mir Einblicke in ihr Seelenleben gewährt. Das fand ich, abgesehen von der verworrenen Handlung, extrem spannend. Außerdem verarbeitet Tim Pieper reale Hintergründe in seiner fiktiven Story und überrascht mit interessanten Wendungen. Für mich war es ein besonderes Leseerlebnis, weil ich die im Buch detailgetreu beschrieben Orte sehr gut kenne. Fesselndes Krimivernügen aus dem Berliner Umland! Lesen!!!

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Und dafür hab ich mir die Beine rasiert?

Charlotte Caspa
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 20.02.2018
ISBN 9783499633034
Genre: Humor

Rezension:

Ich wollte endlich die ganze Wahrheit über Liebe, Sex und die Suche nach dem großen Glück erfahren. Daher schien es mir unabdingbar das Buch von Charlotte Caspa mit dem coolen Titel „Und dafür hab ich mir die Beine rasiert?“ zu studieren. Allein das Cover ist schon ein echter Hingucker, erzeugt Neugier. Die 250 Seiten umfassende Enzyklopädie für die Frau von Heute gehört in jedes Buchregal, bzw. auf jeden Nachttisch. Sie wird euch die Augen öffnen und euch mit den nackten Tatsachen konfrontieren. Einiges werdet ihr schon vermutet haben, aber jetzt habt ihr es schwarz auf weiß. Könnt ihr die Wahrheit z.B. über Männer vertragen? Wusstet ihr, dass ab 50 jeder 2.Mann schnarcht, Männer doppelt so oft lügen wie Frauen, fünfmal so oft vom Blitz getroffen werden wie Frauen, fünf Jahre früher sterben als Frauen und sich häufiger umbringen. Immerhin könnten Männer viel länger leben, wenn sie sich kastrieren lassen. Dies sind nur einige Beispiele, die Buchautorin Charlotte Caspa mit Quellenangaben in ihrem Werk dokumentiert. Wenn ihr das Kapitel „Männer“ abgearbeitet habt, wird es brutal und starke Nerven sind gefragt. Es ist wahr, ihr werdet im Leben zwölf Mörder treffen und in diesem Augenblick sind weltweit 45 Millionen Menschen betrunken. Aber Charlotte Caspa geht noch weiter. Schonungslos konfrontiert sie euch mit dem Unausweichlichem, mit euerm Ende. Keiner kann entkommen. Es ist, wie es ist. Unausweichlich. Dazu gibt es eine Aufstellung, was euer „Abgang“ kostet. Anhand dieser wenigen Fallbeispiele wird wohl deutlich, dass es sich hier um schwer verdauliche Buchkost handelt. Humorvolle Realisten werden sich jedoch prächtig unterhalten. Obwohl es sich im Grunde genommen nur um eine Zusammenstellung von Fakten handelt, habe ich mich mit diesem kleinen Büchlein prächtig amüsiert. Besonders gelungen fand ich die locker-flockigen Anmerkungen der Autorin, die mich schmunzeln ließen. Ich lege euch dieses Standardwerk der Lebenswirklichkeit an Herz. Ein originelles Geschenk für gute Freunde.

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