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6 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 3 Rezensionen

Wie man Wunder wachsen lässt

Tae Keller , Susanne Hornfeck
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei FISCHER KJB, 22.02.2018
ISBN 9783737340960
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Zitate:

"Wie kann ich die Antwort kennen, wenn ich nicht mal die Frage weiß?" Seite 17

"Es ist das Schlimmste, wenn man mit ansehen muss, wie ein Lächeln verblasst." Seite 35

"Manchmal erweist sich das Wissen, dass eines Tages alles gut wird, als die wahre Stärke, man braucht dann nur noch zu warten, bis es soweit ist und die Sonne wieder scheint." Seite 99


Meinung:

Auf den ersten Blick könnte Natalie eigentlich eine schöne Kindheit haben. Sie hat ihre beste Freundin Twig, die ihr in allen Lebenslagen zur Seite steht und einen Vater, der sich liebevoll um sie kümmert.
Doch leider ist da auch noch ihre Mutter, die sich seit einiger Zeit in ihrem Zimmer einsperrt und niemanden an sich ran lässt. Das ist natürlich nicht einfach für Natalie und so reift in ihr nach und nach ein Plan, um dem Ganzen ein Ende zu bereiten.
Aber kann ein 11-jähriges Mädchen es wirklich mit einer Depression aufnehmen? Und wie wird gleich nochmal aus einer "Operation Ei", eine "Operation Orchedie"? Ihr wisst es nicht? Tja, dann hilft nur "Lesen" :)

Gegliedert wie ein Tagebuch, wird die Geschichte aus Natalies Perspektive erzählt. Die Autorin nutzt dafür einen jungen Schreibstil, der flüssig, witzig, sehr liebevoll - und somit sehr angenehm zu lesen ist.
Dieser Stil ist es es auch, der Natalie für uns Leser perfekt zum Leben erweckt, ich empfinde sie jedenfalls sehr authentisch. Durch den Kontrast ihrer sympathischen und witzigen Schlagfertigkeit im Umgang mit ihren Freunden gegenüber der Trauer um ihre Mutter und der damit verbundenen Hilflosig- und Einsamkeit, kann man als Leser eigentlich gar nicht anders, als sie bedenkenlos ins Herz zu schließen. Ok, ab und an ist sie natürlich auch mal etwas trotzig, aber welcher Elfjährige wäre das -zumal unter diesen Umständen- nicht? ;)
Dafür würde ich ihren Vater gerne ab und an schütteln, denn seinem Kind immer nur zu sagen, dass es Geduld haben und Mama in Ruhe lassen soll, ist für mich dann auch nicht der bevorzugte Weg.
Und genau diese Art von Kontrast ist es auch, der den Charme des kompletten Buches bestimmt. Wir erleben die unbedarfte, fröhliche Natalie, wie sie sein sollte, schmunzeln über die tollen Szenen mit Twig, nur um dann von der Depression der Mutter ausgebremst zu werden. Ich finde das sehr gut gelungen. So ist man weder ZU sehr mit Mitleid oder Spaß beschäftigt und verliert keine der beiden wichtigen Stränge aus den Augen.

"Wie man Wunder wachsen lässt" ist für mich eine Geschichte über ein durchaus ernstes Thema und dem Versuch eines kleinen Mädchens, diesem mithilfe von Freundschaft, Hoffnung und einer Prise Glück zuleibe zu rücken.
Ok, vermutlich wird das im echten Leben nicht immer ganz ausreichen, dennoch ist dies ein sehr warmherziges, lebensfrohes und liebevolles Abenteuer, das ich nur empfehlen kann! Zumal das Thema "Depressionen" viel mehr Gehör verdient.

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8 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

deutschland

Reue

Sascha Berst-Frediani
Fester Einband
Erschienen bei Gmeiner-Verlag, 07.02.2018
ISBN 9783839222492
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Zitat:

"Er hätte einen Mord für sie begangen, so sehr liebte er sie." Seite 111

Meinung:

Ein Mann wird verhaftet. Aber wieso und wer ist es? Was wir Leser nicht wissen, bleibt dem kleinen Dorf, in dem Thomas, Dieter und Sabine wohnen, natürlich nicht verborgen. Nach und nach entführt uns der Autor auf eine Reise voller Geheimnisse und Grausamkeit, die für einen der Drei mit dem Tod endet...

Der Schreibstil ist einfach gehalten und flüssig zu lesen, mit kleinen Exkursionen in den Dialekt, die sich jedoch noch gut "übersetzen" lassen. Je nach Person -die Erzählperspektive wechselt nahezu kapitelweise- wird eine auf sie angepasste Ausdrucksweise gewählt, was natürlich sehr gut passt. Zusätzlich sind die Kapitel überwiegend recht kurz gehalten, was eine solide Grundspannung erzeugt. Leider wird diese für meinen Geschmack jedoch nicht weiter ausgebaut, denn obwohl wir mit der aktuellen Verhaftung und den Rückblicken darauf, wie sich die gesamte Geschichte zugetragen hat, auf die Folter gespannt werden, empfand ich die wichtigen Dinge leider etwas vorhersehbar.

Die wechselnden Perspektiven nutzt der Autor geschickt, um seinen Charakteren Tiefe zu verleihen und sie uns vorzustellen, wobei er sich ab und an auch mal in Details verliert, die für mich weniger ausgeprägt durchaus ausgereicht hätten. Zumal ich zugeben muss, dass mich gerade dieser Punkt im Gesamtbild etwas gestört hat. Denn zum einen schreibt er detailliert, dafür war mir das Ende jedoch dann zu schnell abgehandelt und zumindest zum Teil nicht nachvollziehbar.
Zum anderen gefällt es mir zwar immer gut, wenn ich die Protagonisten gut "kennenlernen" darf, jedoch war mir, wenn ich ehrlich bin, keine der Hauptpersonen im Fazit sympathisch. Auf mich wirkte Dieter wie ein Psychopath, Sabine wie ein Flittchen, das sich nur allzu gerne mit ihren weiblichen Reizen Vorteile verschafft und Thomas hat eifersüchtige Stalkerzüge, die ich beim besten Willen nicht mehr als "süß" oder ähnliches durchgehen lassen konnte.
Wie der Klappentext bereits andeutet, ist auch der ein oder andere Kraftausdruck zu entdecken und ja, es wird auch etwas brutaler und blutiger! Aber den Vergleich mit Tarantino im Klappentext, hätte ich vermutlich nicht gewählt. Dafür ist mir die Geschichte weder grausam noch derbe genug ;)

Atmosphärisch hat mir das Setting sehr gut gefallen. Das kleine Dorf, in dem jeder jeden kennt und jeder alles über einen weiß, selbst den kleinsten Fehltritt... Das ist schon unheimlich, vor allem, wenn man tatsächlich etwas zu verbergen hat!

Alles in allem ist "Reue" für mich ein Krimi, der sich angenehm und schnell lesen lässt. Sascha Berst-Frediani spielt darin mit Themen wie Neid, Einsamkeit und Egoismus und führt uns damit ein paar unserer Grundängste und schlechtesten Eigenschaften vor Augen.

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222 Bibliotheken, 18 Leser, 2 Gruppen, 96 Rezensionen

wonder woman, amazonen, leigh bardugo, superheldin, fantasy

Wonder Woman - Kriegerin der Amazonen

Leigh Bardugo , Anja Galič
Fester Einband: 448 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 06.02.2018
ISBN 9783423761970
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Zitate:

"Jede Gegend war ein Bruchstück aus dem Leben, das die Amazonen geführt hatten, bevor sie auf die Insel kamen; Landschaften, direkt aus dem Herzen der Amazonen entsprungen." Seite 14

"Diana fragte sich, ob es anstrengend war, immer so perfekt zu sein. Vielleicht waren Heldinnen einfach so." Seite 31

"Kriegsbringerin. Procatalysia. Haptandra. Man konnte es nennen, wie man wollte. Es klang immer nach Monstrum." Seite 156


Meinung:

Prinzessin Diana hat eigentlich ein bewundernswertes Leben mit ihren Amazonenschwestern auf der Insel Themyscira. Weit weg von allen weltlichen Missständen, wie Krieg und Zerstörung, leben die Frauen ruhig, idyllisch und natürlich unsterblich ;)
Doch leider hat Diana auch ein großes Problem, denn als einzige Amazone, die ihren Status nicht durch einen heldenhaften Tod verdient hat, sondern auf der Insel "erschaffen" wurde, wird sie von den meisten kritisch beäugt und bestenfalls belächelt.
So kommt es, dass sie sich bei einem Wettkampf anmeldet, um allen zu beweisen, dass mehr in ihr steckt, als die weitläufige Meinung über sie hergibt. Blöd nur, dass just zu diesem Zeitpunkt ein Schiff explodiert, sie die einzige Überlebende rettet um dann festzustellen, dass Alia -das gerettete Mädchen- die Kriegsbringerin ist, die mit Erreichen des 17. Lebensjahres die Welt in Krieg, Zerstörung und Krankheit führen wird. So bleibt Diana nur, das Mädchen zu töten oder zu retten. Und obwohl die Chancen denkbar schlecht stehen, könnt ihr euch vermutlich vorstellen, welchen Weg sie gehen wird, oder? Zumindest wäre das endlich mal eine richtig gute Möglichkeit, allen zu zeigen, was in ihr steckt.

Ich habe vor diesem Buch bisher leider noch nichts der Autorin gelesen, muss jedoch feststellen, dass das vielleicht ein Versäumnis war! Meine ursprüngliche Aufmerksamkeit galt natürlich den Superhelden, die diese Reihe beinhalten wird. Als großer Fan war ich natürlich sehr neugierig, wie eine Jugendbuchumsetzung wohl aussehen könnte, und ich bin wirklich angenehm überrascht.

Zunächst fiel mir natürlich der Schreibstil ins Auge. Er ist wunderbar flüssig und jugendlich, mit viel Humor, aber auch Tiefe, was die einzelnen Charaktere betrifft. So sind sowohl Unglaube, Misstrauen und Zweifel gut dargestellt - ich würde es vermutlich auch nicht glauben, wenn mir plötzlich jemand wildfremdes sagen würde, dass ich die Welt ins Chaos stürzen werde ;) - als auch die Zerrissenheit, die Diana betrifft. Sie liebt ihre Mutter, ihre Schwestern und die Insel, ist jedoch permanent unter Beobachtung und Druck. So ist dies ihre vermutlich einzige Möglichkeit, das zu ändern. Diese unterschiedlichsten Emotionen und Wesenszüge spiegeln sich auch um Umgang aller Charaktere miteinander. Da wird gezickt, geschnoddert und belächelt, aber auch Freundschaft und Zusammenhalt stehen deutlich im Vordergrund. Auf jeden Fall ist für den ein oder anderen Lacher gesorgt, denn schlagfertig sind eigentlich alle!

Sehr gut hat mir auch der starke Kontrast gefallen, als die unsterbliche, behütet aufgewachsene Diana auf das doch sehr menschliche, heutige New York trifft. Das ist ein bisschen "Alien in NY", wenn ihr wisst, was ich meine :D
Und auch die wiederkehrenden Berührungspunkte mit der Mythologie sind sehr gut ins Geschehen integriert und ab und an bekommt man einen "amazonenhaften" Einblick in die Geschichten, wie sie so unter den Sterblichen nicht bekannt sind. Man kann sich natürlich darüber streiten, welche Version nun stimmt. Ob Herkules ein Held, oder tatsächlich ein Dieb war, zum Beispiel. Aber warum sollte man? Es sind gute und amüsante Ideen, die mir definitiv weitere Schmunzler entlocken konnten.

Für mich ist dieser Einblick in die Welt von Wonder Woman absolut lesenswert! Und das nicht nur, weil wir mit einiger Action und unerwarteten Wendungen gefesselt werden, sondern uns durch Stil und Ideenreichtum fast sofort im Kampf ums Überleben -gegen Zeit und Vorbestimmung- wiederfinden, eingesogen in eine fesselnde Geschichte voller Mut, Heldentum und Ehre. Was mich betrifft, werde ich mir nicht nur bald weitere Bücher der Autorin zulegen, sondern so langsam schon damit beginnen, mich auf Band 2 der DC Icons Series "Batman - Nightwalker" von Marie Lu zu freuen :)

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97 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

identität, liebe, freundschaft, geschlechter, körper

Changers - Kim

T Cooper und Allison Glock-Cooper , ,
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Kosmos, 14.09.2016
ISBN 9783440151143
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Zitate:

"Nur ich. Ich war anders. Bin anders." Seite 14

"Meistens versuche ich einfach, den Tag zu überstehen, lebe wie ein einfaches Bakterium so vor mich hin, bis meine kurze Zeit auf diesem Planeten abgelaufen ist." Seite 35

"Ich fing an zu weinen. Verzweifelte Kein-Ausweg-Tränen. Angereichert mit ordentlich Östrogen (mal wieder). Gott, wie ich Östrogen hasse!" Seite 55 

"Aber wie soll ich denn überhaupt jemanden retten, wenn es doch mehr als offensichtlich ist, dass ich nicht mal mich selbst retten kann." Seite 154


Meinung:

Zurück aus dem RRR, geht es Oryon noch immer nicht wirklich gut. Zu sehr schmerzt ihn der Verlust von Chase, die Enttäuschung von Audrey und die Erinnerungen an seine Entführung.
Kann es denn bitte noch schlimmer kommen??? JA, es kann! Denn zu allem Überfluss findet er sich nach Change 3 im Körper von Kim wieder, einer ziemlich untersetzten Asiatin, die ihn auch körperlich vor große Herausforderungen stellt.
Ihr seht, Potential für den gewohnten Charme der Changers-Reihe ist gegeben ;)

Ich muss einfach feststellen, dass ich den 3. Band der Reihe viel zu lange im Regal habe versauern lassen -für alle, denen es eventuell ähnlich geht: das macht gar nichts, es finden sich immer wieder kleiner Erinnerungshilfen, sodass man schnell wieder im Bilde ist-.
Dabei konnte der Schreibstil des Autorenpaares mich ein weiteres Mal auf der Stelle fesseln, denn wenn ich ehrlich bin, habe ich Ethans/Drews/Oryons zynischen Humor schon vermisst! Und auch die erwähnten geschlechtsspezifischen „Defizite“ und Auffälligkeiten, entlocken dem Leser so manches Schmunzeln.
Aber für mich waren diese Auflockerungen auch nötig, denn von der Stimmung her, ist dies wohl der bislang schwerste Teil der Reihe. Die bereits erwähnten Verluste von Kim, gepaart mit Problemen im Elternhaus, da ihr Vater sich nur für die Changersphilosophie interessiert und nicht für seine Tochter, sowie weitere harte Vorkommnisse, erschaffen eine ziemlich traurige, bedrückte Atmosphäre, die sich weitestgehend über die gesamte Geschichte zieht. Normalerweise verschlinge ich Changers immer innerhalb kürzester Zeit, aber dieses Mal musste ich ab und an pausieren, da diese Schwermut doch etwas auf das Gemüt schlägt.

Was mir sehr gut gefallen hat, ist die Weiterentwicklung des Charakters. Die Prüfungen, die unser Changer hinter sich hat, lassen eigentlich nur den Schluss zu, dass er sich verändern muss. Und das tut er auch! Auch wenn Kim auf Grund ihrer „optischen Benachteiligung“ eine Zeit lang etwas zickig ist, wie man sich vielleicht vorstellen kann.
Das liebe Östrogen eben ;)

Auch nehmen die Autoren wieder ein paar sozialkritische Themen in den Fokus, wie Vorurteile, Andersartigkeit und die Reaktion der Menschen darauf. Das regt immer wieder zum Nachdenken und zur Selbstreflexion an, und kann somit definitiv nicht verkehrt sein. Vor allem in Jugendbüchern würde ich mir so etwas bedeutend öfter wünschen.

Alles in allem ist „Kim“ für mich ein gelungener, wenn auch melancholischer vorletzter Teil der Reihe, der mich sowohl sehr gut unterhalten, als auch sehr neugierig auf den Abschluss machen konnte. Für welchen V wird Ethan sich wohl entscheiden??? Ihr dürft gespannt sein, ich bin es jedenfalls :)

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177 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 70 Rezensionen

thriller, narzissmus, mord, psychologie, wendy walker

Kalte Seele, dunkles Herz

Wendy Walker , Maria Poets
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei FISCHER Scherz, 07.09.2017
ISBN 9783651025578
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Wie ihre Schwester Emma, verschwand Cass vor 3 Jahren spurlos. Jetzt ist sie zurück und das trotz ihres zugegeben eher schwierigen Elternhauses (eine kleine Übertreibung am Rande). Denn alles was sie will, ist, dass ihre Schwester Emma, die zusammen mit ihr entführt wurde und die sie bei ihrer Flucht zurücklassen musste, gerettet wird. Aber Dr. Winter ist sich unsicher. Kann Cass' Geschichte so stimmen, oder warum lassen ein paar ihrer Aussagen ihr keine Ruhe???

Wie viele von euch wissen, bin ich ein begeisterter Thrillerleser. Und da ich bislang noch kein Buch von Wendy Walker gelesen habe und mich das Thema extrem ansprach, war ich natürlich gerne gewillt, es zu versuchen :)

Ihre Art zu schreiben und wie sie die unterschiedlichen Stränge aufgebaut hat, konnte mich überraschen und hat mir sehr gut gefallen. Hauptsächlich wird aus Cass' Perspektive erzählt, unterteilt in die Geschichte wie sich das Verschwinden und der Verbleib abgespielt haben sollen, sowie Rückblicke in ihre Vergangenheit mit ihrer Mutter, ihrem Elternhaus allgemein und vielen pikanten Details, die so manchen Leser bestimmt sprachlos zurücklassen werden. Wendy Walker nutzt hierfür menschliche Abgründe und soziopathische Elemente, die wahrscheinlich jedem von uns beim Lesen zu schaffen machen.
So weit, so gut, dieser Teil hat mir ziemlich gut gefallen. Jedoch fließen viele unterschiedliche Charaktere in die Umstände ein, und so gut wie jeder davon hat"dunkle" Seiten, so dass es mir im Gesamtbild etwas zu "überkonstuiert" vorkam.
Auch werden einige Inhalte für meinen Geschmack zu oft wiederholt und ausgebreitet, so entstanden für mich einige Längen, die dem ganzen Konstrukt etwas die Luft abgelassen haben.
Eine Auflockerung erfahren wir zumeist in den Kapiteln, die aus Abby Winters Perspektive eingestreut werden. Diese treiben das Geschehen voran und bringen immer wieder etwas Schwung.

Tja, und dann kam das Ende... Ihr seht, ich bin immer noch ein bisschen platt. Denn das hat es echt in sich! Der Abschluss von Cass trauriger Geschichte wartet mit einer gehörigen Portion Spannung und vielen unerwarteten Wendungen auf, so dass die Seiten geradezu an mir vorbeiflogen! Spitze, anders kann ich es nicht ausdrücken. In diese Richtung hätte ich mir mehr gewünscht, denn das war wirklich thrillerlike. Für den Rest würde ich hingegen vermutlich eine andere Klassifizierung wählen.

Alles in allem konnte mich "Kalte Seele, dunkles Herz" nicht ganz überzeugen. Grundidee, Ende und Einblicke in das wirklich interessante Thema Narzissmus fand ich wirklich gelungen, jedoch hätte ein schnelleres Voranschreiten der Story der Spannung meiner Meinung nach gut getan.

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142 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 76 Rezensionen

pheromon, jugendbuch, aliens, thariot, zukunft

Pheromon 1: Sie riechen dich

Rainer Wekwerth , Thariot , Frauke Schneider
Flexibler Einband
Erschienen bei Planet! ein Imprint der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH, 16.01.2018
ISBN 9783522505536
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Zitat:
"Sie stand nicht weiter als zehn Meter von ihm entfernt. Dazwischen befand sich allerdings ein Meer von vernetzten Zombies auf ihrem Marsch in die Verdammnis." Seite 22

Meinung:
Zwei unterschiedliche Lebzeiten, zwei komplett andere Menschen. Und dennoch haben sie eines gemeinsam: einen äußerst gefährlichen und scheinbar unüberwindbaren Feind!Werden sie eine Möglichkeit finden, dieses Übel abzuwenden? Nur eins ist sicher, dies wird ein Kampf ums nackte Überleben, und das nicht nur für sie!
Ich muss ja zugeben, dass ich sofort Feuer und Flamme war, als ich von dieser Kooperation gehört habe. Thariot und Rainer Wekwerth, zwei Autoren, die ich gerne lese, zusammen in einem Buch. Na wenn das keine Neugier weckt!Auch die Optik dieses Schätzchens, hat es mir sehr angetan. Und dass, obwohl ich eigentlich kein Coverkäufer bin. Aber, zurück zum Thema :)
Wir werden langsam an die drohende Gefahr herangeführt, immer im Wechsel der Perspektiven zwischen dem Jugendlichen Jake, im Jahr 2018, und dem 68-jährigen Travis, der im Jahr 2118 versucht, der Bedrohung den Garaus zu machen. Witzig fand ich hierbei, dass sogar die Schriftart unterschiedlich gewählt wurde, so kann man eigentlich gar nicht übersehen, wo/wann man sich gerade befindet.Während es bei Jake eher gemächlich zugeht, indem er Veränderungen sowohl an sich, als auch an seinen Mitschülern wahrnimmt, wird bei Travis die Gefahr etwas schneller greifbar. Alles deutet auf eine Gruppe namens "Human Future Project", die seltsamerweise immer wieder auftaucht. Aber ist sie wirklich der Feind, oder sind ihre Ziele tatsächlich zum Wohl der Menschheit ausgelegt? Das müsst ihr leider selbst herausfinden ;)
Sehr interessant und spannend fand ich persönlich ja Jakes Veränderungen. Plötzlich sieht und riecht er besser. Und mit "riechen" meine ich nicht nur Gerüche wie in der Natur, sondern auch Gefühle und Charaktereigenschaften der anderen Menschen! Ich meine, abgesehen davon, dass ich vermutlich nie wieder in einen Bus steigen würde und wahrscheinlich jede Menschenansammlung meiden würde, wäre es schon irgendwie praktisch, immer zu wissen, was die Person dir gegenüber gerade fühlt, oder? Da muss ich wohl noch ein bisschen darüber nachdenken...Travis hingegen durchläuft keine körperlichen Veränderungen, wobei er für meinen Geschmack psychisch und physisch schon sehr agil ist. Er wird überfallen, ein zweites Mal überfallen und gerät nach und nach in ein ziemlich gefährliches und nervenaufreibendes Szenario, wobei er während dieses Verlaufs immer mehr Berührungen mit dem "Human Future Project" hat.Dass man als Leser erkennen kann, dass beide Handlungsstränge kontinuierlich aufeinander zusteuern, hat mir sehr gut gefallen. Auch die Spannung nimmt weitestgehend parallel zu, wobei ich mir in diesem Punkt etwas mehr gewünscht hätte. Trotz des brisanten Themas baut sich diese für meinen Geschmack relativ langsam auf, dafür hat es das Ende dann in sich! Wobei ich dazusagen muss, dass das Ende doch sehr nach einer Fortsetzung schreit. Ich wäre dann bereit, die Herren :)
Ein weiterer Punkt der mir beim Lesen aufgefallen ist, sind die Charaktere. Sie lassen mich leider etwas zwiegespalten zurück. Vor allem Jake bleibt für meinen Geschmack etwas blass, bei ihm wollte mir der Zugang nicht so recht gelingen. Das hat vermutlich auch damit zu tun, dass er z.B. auf die körperlichen Veränderungen relativ wenig reagiert, sie quasi nebenher abtut. Ich meine HEY! Wenn ich morgen aufstehen und plötzlich riechen könnte, dass der Mann vor mir zornig auf mich ist, oder verliebt oder ähnliches, würde ich vermutlich komplett ausrasten!!! Ihr etwa nicht? Jake reagiert irgendwie, hmmm, gar nicht so recht... Das war für mich schon seltsam. Travis hingegen hat bedeutend mehr Emotionen, Beweggründe und persönliche Details vermittelt - bei ihm war das Hineinversetzen und Mitfiebern leichter. Dafür wurden jedoch ein paar sehr gute Nebencharaktere eingeführt, die gut in die Geschichte gepasst und mein Jake-Dilemma etwas relativiert haben. 
Für mich ist "Pheromon" ein Buch voller faszinierender und beängstigender Möglichkeiten, das für meinen Geschmack zwar etwas mehr Tempo vertragen hätte, jedoch durch Konstellation und Ideenreichtum definitiv Lust auf mehr macht.

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90 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 48 Rezensionen

dystopie, tyrell johnson, wie wölfe im winter, winter, schnee

Wie Wölfe im Winter

Tyrell Johnson
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 02.01.2018
ISBN 9783959671323
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Zitate:

"Ich hatte mich daran gewöhnt, dass es nicht mehr so bequem war wie früher." Seite 51

"Es war, als hätte man die Welt von der Leine gelassen und ließe sie machen, was immer sie wollte." Seite 86

"Es kam mir vor, als würde ich die Welt durch seine Augen sehen. Und aus diesem Blickwinkel erschien sie größer und wilder, als ich sie in Erinnerung hatte." Seite 152


Meinung:

Lynn lebt in einer postapokalyptischen Welt, seit Bomben, Krieg und nicht zuletzt eine tödliche Grippewelle, das Leben das sie kannte, völlig vernichtet hat. Zusammen mit ihrer Mutter, ihrem Bruder Ken, ihrem Onkel Jeryl und dessen Ziehsohn Ramsey erschaffen sie sich ein Heim im Yukon, das zwar kalt und einsam ist, ihnen aber zumindest das Überleben ermöglicht. Bis eines Tages ein Fremder auftaucht, und er soll nicht der letzte gewesen sein.

Also ich sag es euch gleich vorab: ich bin hin und weg! Davon ausgehend, dass es sich bei diesem Buch um das Debut des Autors handelt, und man dementsprechend kleine Schwächen und Ähnliches erwartet, muss ich gestehen, dass ich nichts davon entdecken konnte. Ganz im Gegenteil!

Die Welt, die Tyrell Johnson um Lynn zum Leben erweckt hat, ist schlichtweg absolut gelungen und konnte mich tief in ihren Bann ziehen.
Sie ist geprägt von endloser Leere, Einsamkeit, Kälte und dem nackten Kampf ums Überleben. Diese Attribute werden noch dadurch hervorgehoben, dass der Charakter Lynn sehr deutlich und nachvollziehbar ausgearbeitet ist und es mir als Leser somit unheimlich leicht fiel, mich in sie, ihre Ängste und Gedanken hineinzuversetzen. Wir erleben diese kalte, trostlose Welt, die eigentlich dennoch alles zum Überleben aufweist, aus ihren Augen, was eine wirklich gelungene Stimmung hervorruft. Ihre Erinnerungen an die Welt vorher sowie ihren Vater, den sie an die Grippe verloren und sehr geliebt hat, unterschreiben diese große Leere und Trostlosigkeit hervorragend! Bereits nach wenigen Seiten war ich gefesselt von diesem Gesamtkonstrukt, das in sich stimmig und vor allem sehr imposant ist.

Auch was das Thema Handlung und Spannung betrifft, wurde ich komplett überzeugt. Viele Wendungen, die einen atemlos mitfiebern lassen, erzeugen ein durchgängiges Spannungsknistern, welches sich zum Ende noch weiter steigert. Das ist natürlich nicht nur der Grundgefahr geschuldet, die durch Kälte, Hunger und wilde Tiere auf die kleine Gemeinschaft einwirkt, sondern auch der weitaus größeren, denen sie sich im Verlauf der Geschichte gegenübersehen. Mehr verrate ich jedoch lieber nicht, ich würde euch nur ungern dieses wirklich gelungene Debut durch einen fiesen Spoiler versauen ;)

Für mich ist "Wie Wölfe im Winter" ein wirklich bildgewaltiges Werk, das nicht nur von der Handlung, sondern vor allem auch durch die Emotionen und Stimmung die es dem Leser vermittelt, überzeugt. Emotionen aus einer großen, zerstörten, gefährlichen und vor allem gesetzlosen Welt, in der jeder Tag dein letzter sein könnte und du nie weißt, ob deine nächste Begegnung, nicht deine letzte sein wird... Eine atmosphärische Geschichte voller Mut, Stärke, aber auch Verlusten. Eine klare Leseempfehlung von mir :) 

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100 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 59 Rezensionen

dystopie, roboter, zukunft, utopie, 2052

Die Optimierer

Theresa Hannig
Flexibler Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 29.09.2017
ISBN 9783404208876
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Zitate:

"Er wusste, wie schrecklich das Leben zu Beginn des Jahrhunderts gewesen war. Wie hatten die Menschen das nur ausgehalten?" Pos. 751

"Aber ich will frei sein, Samson." Pos. 1096


Meinung:

Samson ist ein Vorzeigebürger. Er lebt die Optimalwohlgesellschaft wie kein Anderer und ist somit der perfekte Beamte für die Agentur der Lebensberatung.
Als regelkonformer Staatsdiener macht sich das für ihn natürlich bezahlt, und schon jetzt freut er sich auf seine baldige Beförderung. Aber kennt ihr das, wenn es eigentlich nicht besser laufen könnte und es dann urplötzlich so gar nicht mehr läuft?
Nein? Glück gehabt! Denn Samson lernt es kennen und glaubt mir, das ist absolut kein Zuckerschlecken für ihn!

Wie ihr wisst, bin ich ja ein sehr interessierter Leser, wenn es um Dystopien und düstere Zukunftsvisionen geht. Vor allem, wenn man immer wieder auf Details trifft, deren Entwicklung man sich sehr gut vorstellen kann.
Theresa Hannig konnte mit ihren Ideen sehr bei mir punkten, denn einiges empfand ich als sehr gut vorstellbar und glaubwürdig.
So hat im Jahr 2052 fast jeder eine einsetzbare Linse im Auge, mit der er nicht nur Dinge aufzeichnen, Mails verschicken und Dinge nachschlagen kann, sondern man kann auch den Status der Menschen gegenüber einsehen. Sozialpunkte, Gesundheitszustand und vieles mehr.
In Anbetracht der Tatsache, wie "verwachsen" viele bereits heutzutage mit ihren Handys sind, könnte ich mir so ein Szenario tatsächlich sehr gut vorstellen. Und ehrlich gesagt, finde ich diese und viele weitere Ideen, die die Autorin in ihrem Buch aufgreift, sehr beklemmend und beängstigend. Generell lässt mir eigentlich alles, was das Thema "gläserner Mensch" anschneidet, einen Schauer den Rücken hinunterlaufen und diese Dinge werden für meinen Geschmack in der Geschichte sehr gut umgesetzt. Das hängt natürlich auch sehr mit dem Schreibstil zusammen.
Zum einen empfinde ich alle erdachten Details als sehr leichtgängig lesbar, gut erklärt und nie zu technisch. Zum anderen gefällt es mir auch sehr gut, dass diese düstere und beklemmende Atmosphäre immer wieder durch witzige Szenen und Gedanken aufgelockert wird. Toll gemacht!

Ein weiterer gelungener Aspekt ist die "Optimalwohlökonomie" für mich. Die Idee, dass es für jeden den perfekten Platz gibt, klingt natürlich auf den ersten Blick gut. Aber kann man das ganze Leben wirklich auf Wahrscheinlichkeiten und Statistiken aufbauen? Der Leser merkt schnell, an wie vielen Ecken diese neue Welt krankt, selbst wenn sie erdacht war, um heutige Missstände -wie die Verschwendung von Ressourcen, das Ausnehmen von menschlichem Kapital, usw.- auszumerzen.
Faszinierend fand ich hierbei, dass man durchaus gute Ansätze entdecken kann, obwohl Regeln und Verbote, sowie die nahezu absolute Kontrolle des Staates über das Individuum und Aspekte wie Hilfsroboter das Gute schnell zunichte machen.

Wer also Lust auf eine gut durchdachte, sozialkritische und vor allem düstere Zukunftsvision mit dem Antiheld Samson hat, dem kann ich diese Lektüre nur wärmstens empfehlen.
Für mich war es ein gelungene Debut, beklemmend, erschreckend und dennoch menschlich!

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18 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

Zusammen sind wir Helden

Jeff Zentner , Ingo Herzke
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 21.12.2017
ISBN 9783551556851
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Zitate:

"Manchmal half Musik gegen die Einsamkeit." Seite 53

"Und Dill ist glücklich, weil er spürt, dass er seinem Vater und Gott eine Freude gemacht hat." Seite 70

"Die Leute haben Angst vor Kummer und Schmerz. Sie glauben, das ist ansteckend, wie eine Krankheit." Seite 76


Meinung:

Die drei Freunde Travis, Lydia und Dill sind ihr größter gegenseitiger Halt. Und das, obwohl sie nicht unterschiedlicher sein könnten.
Travis ist der Typ Schmusebär. Ein großer breiter Nerd, der -aus gutem Grund- lieber in seiner Fantasy-Welt, als in der realen lebt.
Dill geht lieber in seiner Musik auf, als in zwischenmenschlichen Beziehungen und
Lydia hat zwar vieles, was die Jungs nicht vorweisen können, dennoch hat sie eins mit ihnen gemeinsam: Sie sind alle Außenseiter auf der Suche nach ihrem Weg ins Leben und einer besseren Zukunft. Was eignet sich dafür wohl besser, als das letzte Highschooljahr ;)

Oh.Mein.Gott! Und ja, das ist nahezu wörtlich zu nehmen, denn Gläubigkeit ist auch ein Thema dieses Buches. Aber eigentlich ging es mir gerade darum, dass ich momentan gar nicht so genau weiß , wo ich anfangen und wo ich aufhören soll. Gerade eben hab ich das Buch zugeschlagen und bin noch immer sehr bewegt!

Die Geschichte handelt von den drei oben genannten Protagonisten, die in einer christlichen Kleinstadt leben.
Travis leidet unter dem Verlust seines Bruders und seinem gewalttätigen Vater, der ihn klein hält, wo immer er kann. Doch für seine Mum hält er es aus und stellt sich tapfer den Dingen die da kommen. Ich oute mich hiermit als Travis-Fan :D
Dills Vater war früher Pastor in der Gemeinde, nun ja, wenn auch für unsere Verhältnisse ein recht zweifelhafter. Oder sollte ich "extremer" sagen? Sagen wir es mal so: Schlangen und Gift während seinen Predigten waren keine Seltenheit... Bis er wegen Kinderpornografie ins Gefängnis musste. Man kann sich vorstellen, dass Dills Leben, das durch die enormen hinterlassenen Schulden schon schwer genug wäre, deswegen nicht gerade leicht ist. Er wird überall gemieden, geschnitten und im Vorfeld verurteilt.
Lydia hingegen hat ein gut situiertes und liebevolles Elternhaus. Dafür ist sie eine sehr erfolgreiche Bloggerin, die bei Mitschülern auf Grund ihres Erfolgs nicht gerade gut ankommt...
Zusammen bilden sie ein wirklich tolles Trio, auch, wenn ihr Zusammensein von bevorstehenden Veränderungen überschattet wird. Und jaaa, es gibt natürlich auch mal Streit.

Erzählt wird das Ganze im Wechsel aus den drei Perspektiven, was mir -gerade in Travis´ und Dills Fall- sehr gut gefallen hat. Die emotionale Tiefe, mit der wir ihre Sorgen und Gefühle wahrnehmen ist sehr gelungen. Bei Lydia war ich da stellenweise etwas zwiegespalten. Sie hat mir zu Beginn der Geschichte nicht sooooo gut gefallen, da sie stellenweise überheblich und egoistisch wirkt. Doch gerade bei ihr vollzieht sich ein starker Wandel, nach dem ich bedeutend besser mit ihr klar kam - auch wenn die Gründe dafür eher "unschön" sind. Dazu wird jedoch an dieser Stelle nicht mehr verraten!
Verpackt in einen einnehmenden, jugendlichen Schreibstil mit Witz und Sarkasmus entsteht ein warmherziges Lesevergnügen, das mich vom Grundgedanken etwas an den Film "Stand by me" erinnert hat. Vielleicht kennt ihr ihn ja? Der Film in dem die Jungs einen letzten gemeinsamen Sommer erleben, nach dem nichts mehr so sein wird, wie es einmal war. Und ich muss gestehen, dass dieses Thema für meinen Geschmack wirklich sehr gut umgesetzt wurde.
Zugegebenermaßen muss ich jedoch auch gestehen, dass ich ursprünglich davon ausging, bei einem Buch von einem männlichen Autor zumindest nicht heulen zu müssen. Leider lag ich falsch! Oder gottseidank? Naja, egal. Das ist vermutlich Ansichtssache.
Fakt ist, dass Jeff Zentner nicht nur unerwartete Wege beschreitet, sondern auch emotional und sehr tiefgründig schreibt. Ich glaube, ich habe selten so umfassend geheult beim Lesen!!! Schon beim Gedanken an gewissen Szenen werden die Äuglein wieder feucht!

So, schnell Themenwechsel, sonst muss ich Weihnachten noch mit verquollenen Augen verbringen. Und das will ja keiner (sehen)...

Für mich ist "Zusammen sind wir Helden" ein wirklich bewegendes Debut, das mich von der ersten Seite gefesselt und mit jeder weiteren tiefer in die Geschichte gesogen hat. Ich wurde mit den unterschiedlichsten Emotionen konfrontiert. Von Fassungslosigkeit und Empörung über Mitleid, Wut und Trauer bis hin zu Euphorie, Empathie und Hoffnung war wirklich alles dabei. Ein absolutes Highlight das sowohl Sonnen- als auch Schattenseiten zeigt. Gerne mehr!

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77 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 29 Rezensionen

unfall, schuld, freundschaft, liebe, liebe; jugendbuch

Viel näher als zu nah

Angela Kirchner
Fester Einband
Erschienen bei Dressler, 25.09.2017
ISBN 9783791500577
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Zitat:

"Seine Pupillen weiten sich, verschlucken das Grau seiner Iris beinahe völlig. Ich kann sehen, was für einen Lärm meine Worte in seinem Kopf veranstalten." Seite 88


Meinung:

Die Geschichte von Fey und Lucas beginnt auf einer Party, auf der sie sich kennenlernen. Gerade von seiner neuesten Eroberung versetzt, trifft der Jungmacho Lucas auf Fey, die alleine im Garten sitzt. Doch obwohl zwischen den beiden sofort eine gewisse Spannung zu spüren ist, endet der gemeinsame Abend der beiden recht abrupt, ohne dass er ihren Namen erfahren hätte. Auf dem Heimweg liefern sich Lucas und sein bester Kumpel Ben ein Motorradrennen, das leider in einem schweren Unfall endet. Lucas und ein Mädchen aus dem Auto werden schwer verletzt, das zweite Mädchen liegt sogar im Koma! Und ganz getreu dem Motto "Karma is a bitch" ist Fey natürlich eine der beiden Betroffenen...

"Viel näher als zu nah" ist eine Geschichte über Schuld, dem Umgang damit, Liebe und dem Weg zurück ins Leben.
Thematisch hat es mir sehr gut gefallen und auch der Schreibstil konnte mich komplett einnehmen. Leicht, jugendlich und mit einer guten Prise Humor es schafft Angela Kirchner, diese schweren und ernsten Themen immer wieder angenehm aufzulockern.
Was mir sehr gut gefallen hat sind die Perspektivenwechsel zwischen Fey und Lucas, die sich durch eine unterschiedliche Schriftart auch sehr gut auseinanderhalten lassen.
Den größeren Teil erleben wir jedoch aus Lucas´ Perspektive, was mir persönlich -aus zwei Gründen- besonders gefallen hat.
1. macht Lucas im Verlauf der Geschichte eine sehr angenehme Wandlung durch. Während er sich zu Beginn eher noch als ein kleiner Draufgänger mit prolligen Ansätzen zeigt, wird er mit jeder gelesenen Seite ernster und bodenständiger. Das fand ich nicht nur für den Charakter positiv, sondern wirkte auf mich auch authentisch, wenn man Themen wie Schuld und Schmerz im Hinterkopf hat.
2. bin ich mit Fey über nahezu das ganze Buch hinweg leider nicht ganz warm geworden. Sie war mir etwas zu sprunghaft, widersprüchlich und forsch. Oder würdet ihr euch selbst -bei jemandem, den ihr hasst und mit dem ihr normalerweise nicht reden wollt- zum Xbox-spielen einladen? Oder dessen Vater fragen, ob er euch nach Hause fährt? Also ich nicht!
Selbstverständlich verstehe ich ihr inneres Dilemma! Einerseits mag sie Lucas und andererseits nicht, denn schließlich ist er ja schuld an dem Unfall. Aber ihre Aktionen waren mir leider oftmals etwas zu überzogen oder unglaubwürdig.

Alles in allem habe ich das Buch gerne gelesen, denn es punktet mit Schreibstil, Grundidee und Emotionen.
Leider muss ich jedoch auch zugeben, dass es mir manchmal zu vorhersehbar und konstruiert wirkte. Ab dem Unfall treffen sich die beiden andauernd wieder, stolpern von Fettnäpfchen zu Fettnäpfchen und ihre Gefühle füreinander sind mir persönlich zu lange etwas zu sprunghaft.

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40 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

tot, krankheit, schicksal, jugendbuch, hoffnung

Was von mir bleibt

Lara Avery , Nadine Püschel
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 30.11.2017
ISBN 9783551583734
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Zitate:

"Ich kann das besiegen. Ich weiß, dass ich es kann, denn je mehr ich für dich festhalte, desto weniger werde ich vergessen. Je mehr ich dir schreibe, desto mehr bleibt von mir." Seite 20

"Es ist nämlich so, dass etwas in mir unbedingt außergewöhnlich sein will. Ich will glauben, dass man sein kann, wer immer man sein will, wenn man nur hart arbeitet und gute Ideen hat." Seite 35

"Egal, was ich plane, egal, wie sehr ich meinen Eltern helfe - mein Körper lässt mich im Stich, und ich weiß nicht, was ich dagegen tun soll." Seite 134


Meinung:

Sammie hat die seltene Krankheit Niemann-Pick Typ C. Da diese in der Regel bei Kindern auftritt, sind Fälle in ihrem Alter selten und den meisten Ärzten fehlen die Erfahrungswerte. Aber ein paar Fakten dazu sind natürlich gegeben. NPC ist eine Form von Demenz, die nach und nach zum Tod führt. Aber Sammie hat doch so viel vor im Leben! "Was von mir bleibt" ist ihre ganz eigene Geschichte, die mich auf vielerlei Arten überrascht hat.

Das Geschehen um Sammie wird von ihr, in Form eines Erinnerungsbuches erzählt. Sie schreibt dies auf ihrem Notebook, um sich an Dinge zu erinnern, die sie erlebt hat und die ihr etwas bedeuten. Diese Art zu schreiben hat mich von der ersten Seite an fasziniert. Ich empfinde das als eine tolle Idee, die den Leser in ihren Bann zieht.
Wir sind immer hautnah an ihren Emotionen, Überlegungen und Träumen dran. So erfahren wir zum Beispiel, dass sie ganz klare Ziele vor Augen hat, wie die Meisterschaft im Debattieren zu gewinnen, die Abschlussrede zu halten und danach nach New York auf´s College zu gehen. Und natürlich spielen auch Jungs eine Rolle, wie das in ihrem Alter eben so ist.
Durch dieses Erinnerungsbuch erleben wir auch, inwiefern sie diese Ziele überhaupt erreichen kann und wie sich ihre Krankheit zeitgleich auf sie auswirkt. Rückschläge, Erfolge und ihre ganz eigenen Gedanken dazu lassen eine sehr intime Geschichte entstehen, die mich emotional sehr mitgenommen hat.
Dies liegt natürlich zum Großteil an Sammies Charakter. Ein junges Mädchen, deren größter Trumpf immer ihr Gedächtnis war und das sich vor allem dadurch auszeichnet, dass es NIEMALS aufgibt. Dies spiegelt sich in ihrem Humor wieder, den sie nicht verliert, aber auch in ihrer Stärke, ihrem Mut und ihrem Glauben daran, ihre Träume zu verwirklichen. Dieser enorme Kontrast zwischen ihrer Lust am Leben und dem Ernst der Lage hat mir persönlich das Herz oft sehr schwer gemacht!

Ein weiterer Aspekt, der mir sehr gut gefallen hat, ist, dass ich ihre Familie und ihr Umfeld als sehr authentisch empfinde. Jede Person geht anders mit einer solchen Situation um und so spiegelt das Buch es auch wider. Sammie sorgt sich um ihre Geschwister, finanzielle Engpässe wegen ihren Behandlungen, wohingegen ihre Eltern zum Beispiel immer einen Ersthelfer in Sammies Nähe wissen wollen. Die Tatsache, dass dieser schwere Gedanke an NPC fast bei jeder Aussage, jedem Gedanken und jeder Handlung über ihnen schwebt, ist spürbar! Auch wenn jeder auf ihre Wünsche Rücksicht nimmt und versucht wird, die Krankheit nicht zu sehr das Leben bestimmen zu lassen. Unterschwellig ist das Thema jedoch immer da und nagt ein ihnen.

Für mich ist "Was von mir bleibt" ein emotionales, nachdenkliches Buch voller Hochs und Tiefs. Ruhig, gefühlvoll, traurig und gleichzeitig voller Lebensmut! Ich denke, dass Sammies Geschichte noch eine ganze Weile in mir nachhallen wird, da sie einige Fragen hinterlässt, die man sich unweigerlich stellen wird.

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52 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 15 Rezensionen

Fanatic

Anna Day , Britt Somann-Jung
Fester Einband: 496 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 02.11.2017
ISBN 9783551521002
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Stell dir vor, du hast ein absolutes Lieblingsbuch. Ok, dass sollte jetzt den meisten von euch nicht allzu schwer fallen ;)
Und nun stell dir vor, dass du dich plötzlich mitten in diesem Buch wiederfindest. Wie aus dem nichts, zieht es dich in die Geschichte und du nimmst die Rolle der Hauptperson ein. Klingt gut? Na ich würde sagen, dass das vermutlich vom Genre des gewählten Buches abhängt, oder? ;)
Genau das passiert Violet. Und nicht nur ihr, auch ihr Bruder Nate und ihre Freundinnen Katie und Alice werden mit in die Geschichte gesogen. Dumm nur, dass es sich bei ihrer Lektüre "Der Galgentanz" um eine brutale Dystopie handelt, in der Menschen ohne genetische Verbesserungen verfolgt und zur Belustigung der Verbesserten öffentlich gehängt werden.

Direkt nach dem Eintritt in die Geschichte beginnt für unsere vier Protagonisten der Kampf ums nackte Überleben. Und nicht nur das, die Autorin verknüpft diesen auch mit vielen weiteren tollen Ideen und Anregungen. Relativ schnell findet sich der Leser in Überlegungen wieder, die ich sehr gelungen finde.
Zum Beispiel wären da Fragen wie: wie kommen sie wieder nach Hause, was würde ihr Tod für das wahre Leben bedeuten, und vieles mehr.
Auch führt sie uns an einen Punkt, an dem sie unterschiedliche Sichtweisen durchleuchtet. Wenn man selbst betroffen ist, sieht man viele Dinge vermutlich ganz anders als beim Lesen. Zum Beispiel könnte aus Romantik Egoismus werden, oder Ähnliches, da will ich aber nicht zu viel verraten ;) Ich empfand dies auf jeden Fall als einen sehr gelungenen Aspekt, da vermutlich jeder schonmal Szenen gelesen hat, bei denen er dachte, dass das jetzt etwas drüber war...

Immer wieder begegnen uns während der Geschichte Vergleiche und Gedanken zu anderen Dystopien, nicht selten fällt ein Name wie Katniss oder Tris, was mir als Fan dieses Genres natürlich sehr gut gefallen hat.

Für mich ist "Fanatic" ein gelungenes Debut voller Emotionen, Verrat und Misstrauen, jedoch mit kleinen Defiziten.
Zum einen hatte die erste Hälfte des Buches für meinen Geschmack etwas zu wenig Tempo. So entstand die ein oder andere Länge, in der nicht wirklich viel passiert ist. Vermutlich hängt das mit der Dreiecksgeschichte zusammen, die dieser Teil beinhaltet, welche sich jedoch im weiteren Verlauf zum Glück etwas auflöst. Mir persönlich hätte es besser gefallen, wenn dieser Aspekt etwas kürzer ausgefallen wäre.
Zum anderen waren einige Dinge für mich relativ vorhersehbar, was sich jedoch ebenso in der zweiten Hälfte legte. Denn diese hat es echt in sich! Die Geschichte nimmt deutlich Fahrt auf, wird von Seite zu Seite spannender und konnte mich somit komplett fesseln!
Nur das Ende... Puhhhh, ja, es war ein Ende, aber für manche Aspekte davon, hätte ich mir dann doch mehr Details gewünscht. So war es für mich nicht komplett befriedigend...
Aber zumindest steht auf der Innenseite des Schutzumschlages, dass Anna Day momentan an der Fortsetzung arbeitet. Ich darf also noch hoffen ;)

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672 Bibliotheken, 23 Leser, 2 Gruppen, 183 Rezensionen

zukunft, lügen, liebe, intrigen, geheimnisse

Beautiful Liars - Verbotene Gefühle

Katharine McGee , Franziska Jaekel
Fester Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Ravensburger Buchverlag, 18.10.2017
ISBN 9783473401536
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Ein Mädchen stürzt in den Tod. Wer war sie? Und war es Selbstmord, ein Unfall oder gar Mord? Herzlich willkommen zu „Beautiful Liars“, in der nicht immer alles so schön und funkelnd ist, wie es auf den ersten Blick zu sein scheint.

Als ich das erste Mal in die Leseprobe reingeschnuppert hatte, war ich gleich begeistert. Die Einleitung beschreibt den Sturz des Mädchens aus dem Penthouse eines der höchsten Gebäude der Welt. Von da ab wird im Rückblick erzählt, wie es dazu kam. Wie ihr euch bestimmt vorstellen könnt, war meine Neugierde natürlich entsprechend groß ;)

Wir tauchen ein in die Leben von fünf Bewohnern des Towers - Rylin, Avery, Watt, Eris und Leda -, wobei die Geschichte kapitelweise aus der Sicht eines anderen Charakters erzählt wird. Dazu muss man wissen, dass sich die Wohnsituation der Mieter im Tower nach Wohlstand und Ansehen der Bewohner richtet. Ganz unten wohnen die Ärmsten, und mit jedem Stockwerk wird Ansehen, Luxus und Exklusivität höher und höher. Da wir uns im Jahr 2118 befinden, gibt es selbstverständlich ein paar Abweichungen zu unserem „aktuellen“ Leben, wie technische Entwicklungen oder ähnliches. Diese erdachten Komponenten ergeben ein wirklich interessantes und gut gestaltetes Bild, das in sich stimmig und interessant zu erleben ist. Sehr gut durchdacht und wirklich phantasievoll!

Mit einem wirklich angenehmen und eingängigen Schreibstil führt uns die Autorin in die Charaktere und deren Leben ein. Aber schnell wird klar, dass nicht alles Gold ist, was glänzt. Lügen, Intrigen, Schicksalsschläge, Neid und Missgunst bestimmen das Leben der Fünf, so entsteht ein perfektes Szenario, bei dem der Leser von Ahnung zu Ahnung pendelt, wer jetzt am Ende vom Dach stürzt, und warum!
Diese Idee hat mir sehr gut gefallen und auch das Finale, das mit einiger Spannung aufwartet, hat es echt in sich! Ich persönlich habe durch diese beiden Faktoren große Lust zu erfahren, wie es in Band 2 weitergeht. Leider dauert es jedoch eine ganze Weile, bis die Geschichte Fahrt aufnimmt. Für meinen Geschmack hat Katharine McGee es zwar gut gemeint, uns die Beweggründe und Hintergründe nahezubringen, sich in der Durchführung jedoch etwas zu sehr in Details und Schicksale der einzelnen Personen verloren. So entstanden für mich über das komplette zweite Drittel hinweg ein paar Längen, die für meinen Geschmack etwas die Luft rausgelassen haben. Leider!

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32 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

fantasy

Stadt aus Wind und Knochen

Fran Wilde , Marie-Luise Bezzenberger
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 02.11.2017
ISBN 9783426520635
Genre: Fantasy

Rezension:

Zitate:

"An einem Morgen wie diesem war Furcht ein blauer Himmel, von dem alle Vögel verschwunden waren." Seite 9

"Ich war bestraft worden. Ich hoffte auf Vergebung. Auf ein Wunder." Seite 40 

"Selbst ein fallender Stern verdiente Respekt. Wir sahen, wo sein Geist hinging, nicht sein Leib." Seite 71


Meinung:

Kirit wünscht sich nichts sehnlicher, als endlich ihre Flugprüfung zu absolvieren und bei ihrer Mutter in die Lehre zur Händlerin zu gehen. Als diese jedoch kurz vorher aufbricht, um Menschen in den anderen Türmen zu helfen, begeht Kirit einen folgenschweren Fehler, der sie beinahe das Leben kostet. Zu allem Überfluss wird sie ausgerechnet von dem beängstigendem Sänger Wik gerettet, der während der Gefahr ein Talent in ihr entdeckt hat, wegen dem er sie dazu zwingen will in die Spire zu gehen. Die Spire ist das Zentrum der Stadt, in ihr Leben aktuelle und angehende Sänger. Doch das ist natürlich ein Schicksal, das Kirit tunlichst vermeiden möchte, denn Sänger sind zwar die Gesetzeshüter und stehen über allem, aber sie sind auch für drakonische Strafen bekannt und die Menschen leben in Angst vor ihnen.
Kann Kirit einen Weg finden, ihrem Schicksal zu entgehen?

Ganz ohne Vorwarnung werden wir Leser in Kirits Welt gestoßen. Ich empfand diese Wahl zu Beginn des Buches als etwas unglücklich, denn wir werden auf den ersten Seiten mit allerlei Bezeichnungen gefüttert, mit denen wir -zumindest zu diesem Zeitpunkt- noch nichts anfangen können. Auch die Erklärungen dazu erfolgen erst nach und nach, was mir den Einstieg etwas erschwert hat.
Das klingt jetzt natürlich erstmal hart, aber was mir im weiteren Verlauf der Geschichte begegnet ist, hat mich definitiv für den etwas holprigen Einstieg entschädigt.

Zum einen wäre da das von Fran Wilde kreierte Setting!
Schillernde Schwingen im Wind, über die Wolken ragende, Menschen beherbergende Türme aus Knochen die von den Sängern bei Bedarf zum Weiterwachsen animiert werden, Winde, Sonne, absolute Freiheit!
Und natürlich die Gegenseite: Himmelsschlünde, harte Strafen der Sänger bei Gesetzesübertretungen wie Demütigung, sozialer Abstieg und der Fall in den Tod.
Sie spielt nicht nur mit dem uralten Traum der Menschen fliegen zu können, sondern auch mit ihren Ängsten.
Wir begegnen vielen Facetten von Licht und Schatten und dieser Kontrast von Schönheit und Schrecken, der auch die Menschen überzieht denen Kirit begegnet, lässt eine faszinierende und ausdrucksstarke Welt enstehen, in die ich nur allzu gerne abgetaucht bin.
Der Ideenreichtum mit dem Lieder, Kreaturen und Konstrukte erschaffen wurden, hat mich sehr gefesselt, zumal die Autorin alles sehr ausdrucksstark und bildhaft schildert.

Zum anderen sind mir einige der Charaktere doch sehr ans Herz gewachsen. Kirit, die trotz ihres Dickkopfes ein wirklich gutes Herz besitzt, hat mir von Anfang an sehr gut gefallen. Wer von uns hatte noch nicht das Problem, dass man alles verschlimmert, nur weil man es gut gemeint hat? Elna, ihre "Zweitmutter" ist einfach nur warmherzig und fürsorglich, trotz ihrer enormen Verluste! Nat, Wik und nicht zu vergessen Tobiat (Tobiat ist ein absolutes Highlight!)... Ok DAS lasse ich jetzt erstmal unkommentiert, Spoiler sind böse! ;)

Ihr seht, meine anfänglichen Bedenken wurden äußerst rasch zerstreut, denn für mich ist "Stadt aus Wind und Knochen" ein wirklich abwechslungsreiches, spannendes und vielversprechendes Debut, das Lust auf mehr macht. Bezaubernd!

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580 Bibliotheken, 21 Leser, 3 Gruppen, 149 Rezensionen

john green, schlaft gut, ihr fiesen gedanken, freundschaft, johngreen, gedankenspirale

Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken

John Green , Sophie Zeitz
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 10.11.2017
ISBN 9783446259034
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Zitate:

"Das wahre Grauen ist nicht, Angst zu haben; es ist, keine andere Wahl zu haben." Seite 27

"Sorgen sind die angemessene Reaktion auf das Leben. Das Leben ist besorgniserregend." Seite 55


Meinung:

Aza hat einige Probleme. Zum einen wäre da die Tatsache, dass sie ihren Vater verloren hat. Urplötzlich und einfach so! Und als wäre das noch nicht genug, ist sie auch noch mit Angststörungen geschlagen, die ziemlich umfassend sind.
Am ausgeprägtesten ist wohl ihre Angst vor Bakterien sowie Körperflüssigkeiten, damit verbundenen Krankheiten und letztendlich dem Tod!
Da trifft es sich gut, dass über Nacht ein gewisser Russel Picket wegen einer drohenden Betrugs- und Korruptionsermittlung spurlos verschwindet. Denn auf seine Ergreifung sind 100.000 Dollar Belohnung ausgesetzt!
Das lassen sich Aza und ihre beste Freundin Daisy nicht zweimal sagen. Dumm nur, dass sie mit dem Sohn des Verschwundenen früher mal befreundet war und der so gar nichts von der Suche hält…

Ich muss zugeben, dass ich damals total verliebt in „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ war! Ich glaube, ich habe selten so geheult und war dermaßen berührt wie von diesem Buch! Dementsprechend neugierig war ich natürlich auf sein neuestes Werk ;)
Letztendlich ist es bei weitem nicht annähernd so traurig -gottseidank-, ich kann ja nicht immer mit verheulten Augen rumrennen-, aber dennoch kann es sich definitiv sehen lassen.

Wir begleiten Aza auf ihrem Abenteuer, das sich jedoch alles in allem eigentlich eher um sie selbst dreht, statt der Jagd auf die Belohnung.
Da die Geschichte aus ihrer Sicht erzählt wird, erleben wir ihre Phobien und Zwangsneurosen hautnah, was sowohl beängstigend ist, als uns Leser auch zum Schmunzeln bringt.
Beängstigend, weil einem immer wieder aufs Neue vor Augen geführt wird, welch schweres Los Menschen mit Zwangsneurosen, Angstzuständen oder Ähnlichem tragen. Vor allem den Umstand selbst zu wissen, wie „verrückt“ und „unnötig“ diese Handlungen sind, aber dennoch keinen Einfluss darauf nehmen zu können, empfinde ich sehr beklemmend! Gerade am Beispiel von Aza, die in ihrem eigenen Körper gefangen ist, von ihren Ängsten geradezu fremdgesteuert wird und nicht selten in Gedankenspiralen gefangen ist, verdeutlicht diese Phänomene ausgesprochen gut und bildhaft!
Zum Schmunzeln brachten mich diese Neurosen jedoch auch des Öfteren, da sie zum Teil in Situationen und damit verbundenen verqueren Gedankengängen auftreten, die einfach nur skurril und witzig sind. Und ja, es ist auch das ein oder andere Wissen über Bakterien in meinem Körper dabei, das ich definitiv nicht gebraucht hätte!!

Obwohl dies eigentlich sehr ernste Themen sind, schafft John Green es, diese sympathisch zu verpacken, indem er seine gewohnt witzigen Dialoge und Szenarien einfließen lässt. Ich empfinde das als sehr gelungen!

Alles in allem war "Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken" für mich ein weiteres Highlight aus John Greens Feder, das mich schwer beeindruckt hat. Eine bewegende, tiefgründige und stellenweise auch poetische Geschichte über Einsamkeit, Verlust, Selbstzweifel, aber auch Freundschaft, Liebe und Zusammengehörigkeit, oder einfach gesagt: das Leben.

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108 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 29 Rezensionen

tod, trauer, die seele meiner schwester, zwillinge, rezension

Die Seele meiner Schwester

Trisha Leaver , Stefanie Frida Lemke
Fester Einband
Erschienen bei Kosmos, 08.06.2017
ISBN 9783440149133
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Zitate:

"Maddy war meine Schwester, meine Zwillingsschwester, und ich werde alles für sie tun, auch wenn das heißt, mich selbst zu verlieren." Seite 5

"Es gab kein gleißendes Licht, als wir schließlich gegen den Baum prallten, nur einen brennenden Schmerz, gefolgt von Dunkelheit. Totaler, betäubender Dunkelheit." Seite 42 

"Ich würde dafür sorgen, dass sie alles bekam, was sie jemals wollte. Ich würde es wiedergutmachen, für sie, für meine Eltern, für Alex. Ich würde mich selbst begraben und Maddy mein Leben schenken." Seite 75


Meinung:

Die Zwillingsschwestern Maddy und Ella waren früher unzertrennlich. Doch je älter sie werden, desto unterschiedlicher werden sie auch. Ella ist eher still, introvertiert und klug, wohingegen Maddy komplett in der In-Clique aufgeht und ihre Zeit mit lieber mit Partys und Freunden verbringt. Aber obwohl sie sich gegenüber früheren Verhältnissen eigentlich eher gegensätzlich entwickelt haben, sind sie doch füreinander da, wenn eine der beiden in Not ist.
So kommt es, dass Ella eines Nachts losfährt um Maddy von einer Party abzuholen, die aus den Fugen geriet. Nichtsahnend, dass dies ihre letzte gemeinsame Nacht zusammen sein wird. Denn sie baut einen Unfall und als sie erwacht ist Maddy tot und alle glauben, dass sie Maddy sei.

Was mich am meisten an diesem Buch angesprochen hat, abgesehen von dem emotionalen Teil, sind die im Klappentext erwähnten Geheimnisse die Maddy birgt.
Was das Thema "Gefühl" betrifft, bin ich definitiv begeistert von dieser Geschichte. Wir erleben alles aus Ellas Sicht und sehen uns somit mit ihrer Trauer, ihrem Verlust und ihren Schuldgefühlen konfrontiert, aber auch den Problemen, mit denen sie sich auseinandersetzen muss, indem sie sich dafür entschied, zukünftig Maddy zu sein. Denn zu wissen, wie ihre Schwester bestimmte Dinge handhaben würde, heißt ja leider noch lange nicht, dass man selbst es dann auch so hinbekommt... Die Autorin lässt uns tief in Ellas Gedanken eintauchen, was mir ein sehr gefühlvolles Leseerlebnis beschert hat, bei dem ich selbst oft schlucken musste. Nicht nur die Trauer -eine Trauer, die sie bis zur Selbstaufgabe bringt!- wiegt schwer, sondern auch Ellas Gefühl, dass die Menschen um sie herum sich für Maddy entschieden hätten - wenn sie hätten wählen können.
Dementsprechend finden sich auch einige Passagen, die einen zum Nachdenken bringen. Vor allem wenn es darum geht, wie die einzelnen Personen mit dem Verlust umgehen, empfand ich die Geschichte als sehr authentisch.
Was jedoch das Tempo des Buches und Maddys Geheimnisse betrifft, gibt es für meine Wünsche noch ein bisschen Luft nach oben. Das Buch ist durchgehend fesselnd, keine Frage! Aber Maddys dunkle Seite kam mir persönlich etwas zu kurz, da hatte ich etwas anderes erwartet.

Und auch was Ella selbst betrifft, bin ich ein kleines bisschen zwiegespalten. Einerseits finde ich sie menschlich toll! Es ist ihr egal, was andere von ihr denken, sie legt ihr Hauptaugenmerk für meinen Geschmack auf die wichtigeren Dinge im Leben. Sie interessiert sich nicht dafür, IN zu sein oder im Rampenlicht zu stehen. Was sie möchte sind ehrliche und zuverlässige Leute um sie herum und sich selbst nicht verbiegen zu müssen. Diese Stärke hat mir sehr gut gefallen, ein klein wenig davon würde vielen echt gut tun. Einfach mal nicht darüber nachdenken oder sich darüber aufregen, dass andere einen nicht mögen oder nicht als "cool" genug halten könnten... Hach, das Leben könnte so viel einfacher sein, findet ihr nicht auch?
Andererseits trifft sie einige Entscheidungen, die ich nicht ganz nachvollziehen konnte, hier will ich jetzt aber nicht zu weit vorgreifen ;) Auch die Tatsache, dass eigentlich niemand merkt, dass sie nicht Maddy ist, halte ich letzten Endes doch für eher unwahrscheinlich. Aber zur Geschichte hat es gepasst, von daher kann ich das so akzeptieren.

"Die Seele meiner Schwester" war für mich ein eher ruhiges, aber sehr emotionsgeladenes Buch voller tiefsinniger Gedanken, das mich sehr zum Nachdenken angeregt hat.  

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28 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 15 Rezensionen

thriller, miissbuch, krimi, die letzte erkenntnis, bernadette calonego

Die letzte Erkenntnis

Bernadette Calonego
Flexibler Einband: 396 Seiten
Erschienen bei Edition M, 17.10.2017
ISBN 9781542048521
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Zitate:

"Ihr Puls raste. Sie war keine Kämpferin, sie war ein Fluchttier wie Swansong. Flucht war ihre einzige Rettung." Seite 204


Meinung:

Vier Jahre nach dem dem Mord an seinem Bruder, geraten Lester Dokumente in die Finger, die ihn dazu ermuntern, noch einmal ganz neue Nachforschungen anzustellen.
Währenddessen macht Tia Urlaub auf einer abgelegenen Ranch in Kanada. Klingt harmlos? Ja, sollte es wohl sein. Doch der Schein trügt, und schon bald schweben die beiden in Gefahren, die sie nicht hatten kommen sehen...

Dies war mein erstes Buch der Autorin, dementsprechend gespannt war ich auf das, was mich erwartete.

Wir erleben die Geschichte der beiden Protagonisten im Wechsel, jedes Kapitel aus der Sicht des jeweils anderen. Hierbei hat sich die Autorin viel Mühe gegeben es zu ermöglichen, uns in die Charaktere einzufühlen. Wir erfahren viel über die persönlichen Gedanken, Ängste und Beweggründe der Beiden. In Kombination mit kleinen Minicliffhangern an den Kapitelenden erschafft sie so eine solide Grundspannung, die sich über die gesamte Geschichte aufrecht hält.
Ok, an ein paar Stellen holt sie mir etwas zu weit aus, und auch so manche Thematik bekommen wir mehrfach erklärt -nämlich jedes Mal, wenn einer der Charaktere sich mit jemand anderem unterhält, der noch nicht ganz im Bilde war-, aber dennoch habe ich den weiteren Verlauf durchgehend interessiert verfolgt.
Bernadette Calonegos Ideenreichtum und Kreativität, was falsche Spuren und unerwartete Zusammenhänge betrifft, haben mir sehr gut gefallen und mich auch einige Male in die Falle tappen lassen.
Jedoch muss ich auch zugeben, dass ich trotz der "soliden Grundspannung" eine andere Klassifizierung des Buches gewählt hätte. Versteht mich nicht falsch, es ist definitiv interessant und gut geschrieben, aber ich persönlich würde es -auf Grund des Erzähltempos, des Verlaufs und der Geschehnisse- vermutlich eher in die Krimisparte stecken. Da wäre es für meine Begriffe etwas besser aufgehoben ;)

Auch das Überthema dieses Thrillers -Wissenschaft kontra Religion- hat mir sehr gut gefallen, aber auf Grund der bereits erwähnten Wiederholungen, erfährt man ab einem bestimmten Punkt nichts wirklich Neues mehr. Mir hätte es besser gefallen, wenn bestimmte Aspekte vielleicht verzögerter erwähnt worden wären. Ich denke, dass man aus einem derart komplexen Thema etwas mehr hätte herausholen können.

Auch beim Schreibstil bin ich etwas zwiegespalten. Obwohl sich die Geschichte weitestgehend eingängig liest, sind mir des Öfteren kleine Ausdrücke ins Auge gesprungen, die ich etwas umgangssprachlich empfand. Ich glaube nicht, dass sie per se falsch waren, nur vielleicht etwas aus der Mode? Keine Ahnung. "Ereignisse überstürzten sich", man "wischt einen Sachverhalt unter den Tisch"... Ich würde aus dem Bauch heraus eher zu "überschlagen" und "kehren" tendieren ;)
Aber wie gesagt, diese Dinge sind eigentlich nicht schlimm, jedoch hat es mich in Summe gegen Ende des Buches dann doch zunehmend irritiert.

Alles in allem war "Die letzte Erkenntnis" für mich interessant und unterhaltsam, eine angenehme Lektüre für Zwischendurch.

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58 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 23 Rezensionen

selbstverwirklichung, selbstwahrnehmung, selbstliebe, leben

Was uns ganz macht

Kendra Fortmeyer , Fabienne Pfeiffer
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Oetinger, 25.09.2017
ISBN 9783789108457
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Zitate:

"Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Wenn ich vor Nadeln Angst hätte, wäre das so, als würde sich ein Ertrinkender vor dem Rettungsboot fürchten." Seite 14

"Ich versuche, nicht darüber nachzudenken. Was soll ich mit einem Mann anfangen, der mich nicht lieben kann, weil ich kaputt bin? Versuchen, weniger kaputt zu sein?" Seite 21

"Mein Geheimnis ist raus.
Und jetzt meint die ganze hässliche, beängstigende Welt, sie hätte das Recht, reinzukommen." Seite 65


Meinung:

Morgan hat ein Geheimnis. Sagen wir mal so... Ihr Körper weist ein Defizit auf, das es ihr unmöglich macht, sich mit Dingen zu beschäftigen, die andere Teenager so tun. Schwimmen gehen, Parties, Sport... Egal was sie unternehmen könnte, die Gefahr, dass ihr Geheimnis entdeckt werden könnte, ist einfach zu groß. So bleibt sie meist für sich und abgesehen von ihrer Mutter, ihren Ärzten sowie ihrer besten Freundin Caro, weiß niemand, was mit ihr los ist. Bis sie eines Abends beschließt, einfach nur ein Mädchen zu sein und Tanzen zu gehen... Von jetzt auf gleich ist sie berühmt und die Folgen sind verheerend!

Als ich den Klappentext dieses Buches gelesen habe, war meine Neugier sofort geweckt. Zum einen wollte ich natürlich wissen, um was für ein Defizit es sich handelt, zum anderen ist das Thema soziale Medien heutzutage immer extrem heiß. Man bekommt ja so einiges mit. Leider auch die Tatsache, dass wirklich jeder seinen Senf dazugeben kann und dies nicht immer auf einer sachlichen Ebene geschieht. Ich empfinde das an sich schon sehr traurig, aber was Morgan in diesem Bereich mitmachen muss, lässt den Leser stellenweise empört nach Luft schnappen. Klar, ist es "nur" ein Buch! Aber ich glaube mittlerweile weiß jeder, wie schnell so eine öffentliche Diskussion in einen regelrechten Shitstorm ausarten kann und die Vorstellung, dass man selbst oder gar seine Kinder davon betroffen sein könnten... Das macht mir echt eine Gänsehaut!
Aber nicht nur das Thema macht die Geschichte sehr emotional, sondern auch Morgan selbst. Wir erleben alles durch ihre Augen, und obwohl sie ein starker Charakter ist, merkt man doch immer wieder, dass diese Stärke nur aus der Not heraus geboren wurde.
Sie führt ein Leben voller Entbehrungen, rennt von Arzttermin zu Arzttermin und ihr Elternhaus ist auch alles andere als perfekt. Durch die vielen emotionalen Aspekte, mit denen der Leser konfrontiert wird, kann man eigentlich gar nicht anders als mit ihr mitzufiebern und zu mitzuleiden. Ihr mentaler Schmerz und ihre Verzweiflung sind nahezu spürbar!

"Was uns ganz macht" lebt von Kontrasten. Morgan hat eine Mutter, die als perfekt gilt und überall im Mittelpunkt steht, wohingegen sie, auf Grund ihrer Unvollkommenheit, still und leise immer den Schatten vorgezogen hat. Ihr Leben schwankt zwischen Absonderung/Alleinsein, und der Hoffnung auf ein normales Leben, mit allem, was dazu gehört (Freunde, Liebe...). Und auch ihr "Comingout" ist eine Mischung aus Erleichterung, da sie sich nicht mehr verstecken muss und Verschlimmerung, weil die Welt sie nicht in Ruhe lässt -und das definitiv nicht auf die gute Art.

Morgans Geschichte ist sowohl traurig als auch warmherzig, was einerseits ihrer Hoffnung und andererseits ihrer besten Freundin Caro -sowie im weiteren Verlauf Howie, ihrem unperfekten Gegenstück-, geschuldet ist. Howie ist einfach nur süß, aber Caro verleiht dem Buch in meinen Augen noch eine ganz andere Komponente. Mit ihrer Unterstützung, ihren Selbsthilfe Post-Its und ihrer herzerwärmenden Art macht sie Mut zum Leben und zur Selbstliebe. Und das nicht nur für Morgan! Denn letztendlich wird vermutlich jeder Leser irgendwann im Laufe der Geschichte sein eigenes "Defizit" suchen, es auch entdecken und daran erinnert werden, dass es nichts macht, unvollkommen zu sein oder Fehler zu haben. Denn wir sind nicht allein, da niemand wirklich perfekt ist!

Ich könnte mir vorstellen, dass das Ende die Leserschaft ein kleines Stück weit spalten könnte, da es... -mhhh, wie sage ich das jetzt ohne zu spoilern??? Ich nenne es jetzt mal - "mutig" ist. Ich lasse das mal so stehen, lest selbst! ;)
Mir persönlich hätte es gefallen, wenn es, neben dem Ende, eine Auflösung zu ein paar Nebenhandlungssträngen gegeben hätte. Aber auch ohne diese, ist diese Geschichte absolut lesenswert! 

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ÖDLAND - Die Fabrik am Fluss

Christoph Zachariae
Flexibler Einband: 458 Seiten
Erschienen bei CreateSpace Independent Publishing Platform, 17.12.2015
ISBN 9781522803010
Genre: Sonstiges

Rezension:

Zitate:

"So war es bisher immer gewesen. Im Moor und bei Nathan. Im Ödland war nichts umsonst." Seite 12

"Angst vor dem Töten war eine Schwäche, für die es im Ödland keinen Platz gab, doch die Stimmung war angespannt genug." Seite 28

"Ein Blick, beeindruckend und erschreckend zugleich. Sie stand auf einem Leuchtturm im Meer der Verwüstung. Verheertes, totes Land so weit das Auge reichte. Asche und Sand, kalte horizontlose Leere." Seite 91


Meinung:

Mega hat es geschafft! Zwar knapp und mit Tollwut infiziert, aber sie ist geheilt und lebt! Und das Beste daran: Sie ist dort wo sie hinwollte - in der Fabrik. Doch auch die Tatsache, dass sie dort Mark wiedertrifft, lässt sie ihr ungutes Gefühl, das sie dort beschleicht, nicht verlieren. Etwas stinkt gewaltig, sie weiß nur noch nicht, was...
Und auch Hagen war derweil nicht untätig. Doch aufgeben, nur weil es beim ersten Mal nicht geklappt hat, kommt natürlich nicht in Frage. Ihr kennt ihn ja. Auch sein Ziel ist die Fabrik, auch wenn nicht alle seiner Söldner diese Entscheidung nachvollziehen können.
Ein weiteres Mal scheint ein Zusammentreffen der beiden vorprogrammiert, ihr dürft gespannt sein!

Ich muss gestehen, dass Band 2 der Reihe schon ein ganzes Weilchen zurückliegt. Nicht, weil mir die Story nicht gefallen hätte, aber irgendwie bin ich einfach nie so recht dazu gekommen. Ihr kennt das ja ;)
Umso erstaunter bin ich über die Tatsache, dass mir die Charaktere noch so präsent waren, auch ohne riesige Rückblicke des Autoren. Bereits nach ein paar Seiten war das Meiste wieder da und das Rüsten für Megas Reise konnte beginnen!
Und die hat es echt wieder in sich! Zum einen wären da die Gefahren, die das Ödland an sich schon mitbringt. Christoph Zachariae schafft es erneut, eine gut durchdachte, in sich stimmige und dadurch sehr beängstigende Welt zu erschaffen. Zerfall, Müll, Hunger, Strahlung, all dies bedroht die Welt, die so kahl, krank und trostlos ist, dass das Überleben an sich schon an ein Wunder grenzt.
Zum anderen leben darin ja auch noch ein paar Menschen, und gerade an Hagens Gruppe -und einigen anderen- hat man ja bereits gesehen, dass Vertrauen und Überleben oftmals nicht wirklich Hand in Hand gehen. Die Geschichte bringt dem Leser eine gewisse Rast- und Ratlosigkeit, die natürlich Teil jeder Dystopie sein sollte. Wem kann man trauen, welche Zusammenschlüsse lohnen sich, bzw. ist man alleine besser dran? Und vor allem: welche Variante davon bringt eventuell nicht den sicheren Tod?
Viele geschickte Wendungen, Intrigen und ja, auch so manche Brutalität bringen uns die Hilf- und Hoffnungslosigkeit nahe, die ein solches Szenario mit sich bringen könnte. Sie lassen den Leser des Öfteren grübelnd zurück, denn sie führen einem bildhaft vor Augen, dass jede falsche Entscheidung gleichzeitig auch die letzte sein könnte.

Sehr gut hat mir auch der Perspektivenwechsel gefallen. Hauptsächlich lesen wir von Mega und Hagen, aber ab und an dürfen wir auch kurze Besuche bei Leuten wie Mark, Jan, oder -und das hat mir am besten gefallen- im Keller machen. Denn auch da tut sich Einiges und vor allem darauf, wie es Megas alter "Familie" so ergeht, war ich sehr gespannt! Diese Wechsel verleihen der Geschichte zusätzliche Spannung und schüren die Neugier.

Generell empfand ich "Die Fabrik am Fluss" als den Besten der bisher erschienenen Teile. Spannend waren sie für mich alle, aber dieser ist einfach noch ein gutes Stück runder und mitreißender als seine Vorgänger. Fast so, als hätte der Autor in seine endgültige Form gefunden. Super!
Viele verwendete Details, wie zum Beispiel die Brutalität der Söldnergruppe, deren Zusammenschluss absolut keine Fehler verzeiht -auch nicht untereinander-, verleihen der Geschichte eine Glaubwürdigkeit und Authentizität, die viel Nachdruck schafft.
Für mich ist diese Dystopie, mit all ihren Emotionen und Gefahren, Gewalt, Tod, Verrat, Neid, aber auch Hoffnung, Loyalität und einem Fitzelchen Liebe ein gelungenes Stück Endzeit und ich freue mich schon sehr darauf, dass Band 4 bald erscheinen wird! :)

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47 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 16 Rezensionen

20. jahrhundert, jugendbuch, der gesang der nachtigall, lucy strange, england

Der Gesang der Nachtigall

Lucy Strange , Nadine Püschel
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 29.09.2017
ISBN 9783551560414
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Zitate:

"Mama war nicht aus dem Haus gekommen, um sich zu verabschieden, doch ich schaute hinauf, als wir uns zur Tür umwandten, und sah einen Schatten an ihrem Schlafzimmerfenster. Zwei weiße Hände waren an die Scheibe gepresst." Seite 28

"Sie war ein eigener kleiner Mensch: sauber und neu und mit völliger Ahnungslosigkeit gesegnet, in welche Traurigkeit sie hineingeboren war." Seite 76

"In allen Ecken und Winkeln von Hope House wucherten mittlerweile Geheimnisse. Sie sprossen über Nacht in dicken, weißen Büscheln empor wie Pilze aus dunkler Walderde." Seite 104


Meinung:

Die 12-jährige Henry hat es wirklich nicht leicht im Leben. Seit ihr Bruder vor einem Jahr ums Leben kam, ist nichts mehr wie es war. Obwohl ihre Familie mit ihrem Umzug nach Hope House einen Neuanfang versuchen will, wird es eigentlich eher schlimmer statt besser. Ihre Mutter wird vom Arzt ruhig gestellt und Henry darf sie nicht sehen, ihr Vater geht mehrere Monate auf Geschäftsreise und plötzlich ist auch noch davon die Rede, ihre Mutter einzuweisen und ihre Schwester Piglet zu Pflegeeltern abzugeben. Doch Henry traut weder dem Arzt mit seinen Methoden und Vorgehensweisen, noch seiner reptilähnlichen Frau, die Piglet mitnehmen will. Wie kann sie das alles nur verhindern? Es MUSS doch eine Möglichkeit geben, ihre Familie zu retten???

Ehrlich gesagt, weiß ich gar nicht so recht, wo ich anfangen soll, gedanklich hänge ich noch immer im Buch fest :D Das hängt vor allem mit der wirklich gelungenen und bezaubernden Atmosphäre zusammen.
Wir erleben eine zwar von Grund auf aufgeweckte, neugierige und fröhliche Henry -wie das bei einer 12-jährigen ja auch sein sollte-, aber es hängt beinahe durchgehend ein Schatten über ihr. Die Trauer, die Einsamkeit und vor allem das Ausgeschlossenwerden vom Arzt ihrer Mutter, ihrem Vater und ihrer Nanny Jane setzen ihr schwer zu. Sie fühlt sich hilflos und macht andererseits jedoch alles, um zu helfen. Sie kümmert sich rührend um Baby Piglet und versucht nebenbei noch selbst mit ihrem Verlust fertig zu werden.
Es ist beklemmend zu lesen wie alleine und machtlos sie die ganze Zeit ist. Und dann entdeckt sie ja auf einem Streifzug durch den Wald noch eine Frau, von der sie sich sicher ist, dass es sich um eine Hexe handelt. Und dennoch zieht es sie immer wieder in ihre Nähe!
Ab diesem Zeitpunkt geschehen auch noch andere seltsame Sachen, die eigentlich nicht mit rechten Dingen zugehen können! Auch dafür bekommt sie natürlich die Schuld in die Schuhe geschoben... Ihr seht, es gibt einige Geheimnisse zu erforschen ;)

Generell ist mir die kleine Henry sehr schnell ans Herz gewachsen. Nicht nur die oben erwähnten Details ließen mich mit ihr mitfiebern, auch ihre ausgeprägte Fantasie bereitete mir beim Lesen viel Freude. Sie lebt ein Stück weit immer in ihren Märchen, die sie auch unermüdlich liest. Und je mehr sie darin versinkt, desto deutlicher wird dem Leser, dass stellenweise eindeutige Parallelen dazu zu erkennen sind. Auch können wir die Emotionen des Mädchens nahezu spüren, vor allem was die Ohnmacht gegenüber den ganzen Ungerechtigkeiten sowie im Gegenzug die Liebe zu ihrer Familie betrifft (die kleine Piglet ist auch auch zu süß!). Das ist Lucy Strange in meinen Augen sehr gut gelungen!

Alles in allem ist "Der Gesang der Nachtigall" eine wundervolle und warmherzige Geschichte über ein kleines verängstigtes Mädchen, das alles daran setzt, seine Familie zu retten. Traurig, hoffnungsvoll, märchenhaft und stellenweise auch gruselig hat mich die Reise der mehr als mutigen Henry komplett in ihren Bann gezogen! 

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902 Bibliotheken, 60 Leser, 0 Gruppen, 140 Rezensionen

flugangst, thriller, sebastian fitzek, psychothriller, flugangst 7a

Flugangst 7A

Sebastian Fitzek
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Droemer, 25.10.2017
ISBN 9783426199213
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Zitate:

"Angst, sagte Mats seinen Patienten gerne, war wie eine Boa constrictor, die man sich als Haustier hielt. Man denkt, man habe das wilde Tier gezähmt und könne es sich bedenkenlos um den Hals legen. Doch hin und wieder, ganz ohne Vorwarnung, zieht die Schlange plötzlich zu." Seite 38

"Es geht immer schneller, etwas kaputt zu machen, als es zu reparieren. Das gilt ganz besonders für die Seele, nicht wahr, Herr Dr. Krüger?" Seite 95


Meinung:

Nele, eine junge, hochschwangere Frau, wird entführt.
Ihr Vater Mats, der, um seiner Tochter beizustehen, von Buenos Aires nach Berlin fliegt, wird erpresst und
seine frühere Kollegin Feli soll helfen herauszufinden, wo Nele versteckt gehalten wird.
Klingt noch nicht spektakulär, denkt ihr? Mitnichten. Denn Nele ist HIV-positiv. Jede Komplikation bei der Geburt könnte ihr Kind infizieren und natürlich setzen just vor der Entführung die Wehen ein.
Bei Mats ist es auch nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick aussieht, denn er hat nicht nur akute Flugangst, sondern soll auch auf dem Flug nach Berlin einen labilen Passagier so stark triggern, dass dieser die Maschine zum Absturz bringt. Und Feli?
Ja, Feli wurde von Mats vor vier Jahren sehr verletzt und außerdem soll sie eigentlich heute einen anderen Mann heiraten. Ihr seht, da kommt einiges an Potential auf uns zu!

Ich muss gestehen, dass ich Feuer und Flamme war, als ich hörte, dass der neue Roman von Sebastian Fitzek bald im Regal stehen wird. Aaaaaber... Ja, als ich das Thema gesehen habe, war mir dann zugegebenermaßen doch etwas mulmig. Ich meine, natürlich befinde ich mich definitiv nicht auf dem selben Niveau wie Mats, aber wirklich gerne fliege ich dann auch nicht. Ich hatte auch schon kleine Schweißausbrüche, wegen der ein oder anderen Turbulenz ;) Insofern hatte ich vor dem Lesen schon ein bisschen Bammel...
Und ich muss zugeben: Zurecht! Denn auch, wenn der Autor immer wieder Statistiken und Tipps einfließen lässt, wie man mit Flugangst umzugehen hat, reicht meist schon deren Erwähnung, um mir flau werden zu lassen...

Wie bereits in anderen Romanen zuvor, schafft es Sebastian Fitzek immer wieder, mit den Ängsten seiner Leser zu spielen. Ob sich das nun in dieser Flugangst, oder in kleinen Details -wie zum Beispiel der Tatsache, dass der Taxifahrer, der Nele gleich entführen wird, sie mit ihrem ungenannten Vornamen anspricht (BITTE???)- wiederfindet, spielt dabei letzten Endes wirklich keine Rolle. Er versteht sich einfach darauf, mit kleinen Ideen, die stellenweise einfach so nebenbei erwähnt werden, eine wirklich beängstige Situation und damit ein wirklich beklemmendes Gefühl beim Leser auszulösen.
Bei Nele zum Beispiel, versetzte mich der Entführer in wirklich großes Unbehagen. Dem Leser wird recht schnell klar, dass bei ihm definitiv etwas nicht richtig tickt! Im Gegenzug sieht man dann Nele, die sich unter Angst und Schmerzen windet... Ich bekomme gerade schon wieder eine Gänsehaut!
Aber auch die Storyline um Mats birgt enormes Potential zum Mitfiebern und vor allem zum nachdenklich werden. Fitzek stellt ihn, und damit auch uns, vor ein moralisches Dilemma: über 600 Menschen -und auch sich selbst töten-, oder die eigene Tochter sterben lassen. Früher oder später findet sich eigentlich jeder der Protagonisten in einem Zwiespalt wieder, der mich nicht nur ins Grübeln brachte, sondern mir auch gleichzeitig kleine Schauer über den Rücken rieseln ließ.

Mit seinem gewohnt leichtgängigen Schreibstil hat Sebastian Fitzek es geschafft, mich in seinem Konstrukt voller menschlicher und psychischer Abgründe, durchgehend zu fesseln. Dazu bedient er sich mehrerer Personen, die die Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven abwechselnd vorantreiben. So reißt die Neugierde auf das weitere Geschehen niemals ab!
Zu Beginn zwar etwas ruhiger, wird die Story nach und nach immer spannender und bedrückender, um sich dann durch viele, für mich komplett unvorhergesehene Wendungen, in einem großen Countdown und einem gelungenen Finale zu entladen. Für mich ein Fitzek der Extraklasse! 

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london, nebula convicto, murdermystery, magie, acabus verlag

Nebula Convicto - Grayson Steel und der Verhangene Rat von London

Torsten Weitze
Flexibler Einband: 412 Seiten
Erschienen bei Acabus Verlag, 07.09.2017
ISBN 9783862825257
Genre: Fantasy

Rezension:

Zitate:

"Das erste Lächeln des Tages stahl sich auf sein Gesicht. Dies war eine der ersten Lektionen, die er als Ermittler gelernt hatte; Nimm jedes Lächeln mit, selbst wenn es von den eigenen Witzen stammt. Man weiß nie, wie lange man auf das nächste warten muss." Seite 7
"Es hatte schon etwas für sich, wenn einem die eigene Zukunft scheißegal war." Seite 15

"Der Arzt hatte unter Protest die Entlassungspapiere unterschrieben und Grayson wurde auf sein Revier gebracht, was in seinen Augen aber gar nicht so schlimm war, da er festgestellt hatte, dass der Kaffee im Krankenhaus eine Katastrophe war." Seite 60


Meinung:

Detective Grayson Steel hat als Sonderermittler der Abteilung Schwerverbrechen in seinem Leben wirklich schon viel gesehen! Und auch, wenn er in der Vergangenheit nicht alle Fälle lösen konnte - genau gesagt sind es sieben ungelöste Fälle, die ihm sein Leben schwer machen - bringt ihn sein neuester Fall doch etwas aus dem Konzept. Es will einfach nichts zusammenpassen und dann sieht er am Tatort im Nebel auch noch eine furchteinflössende Kreatur, die es eigentlich nicht geben kann. Spielt ihm sein Gehirn etwa einen Streich? Und es wird noch geheimnisvoller! Eine Münze, die sich nicht fotografieren lassen will und ein Mann, der behauptet alles erklären zu können, wenn er sich sich ihrer Gesellschaft anschließt. Na wer kann da schon widerstehen??

Bereits auf den ersten Seiten lässt sich erahnen, was den Leser in Puncto Stimmung und Szenario erwarten wird. Und gerade dieser Teil ist es auch, der mir besonders gut gefallen hat. Der Autor lässt uns in eine düstere, graue und kalte Welt eintauchen, die -passend zu den Gefahren, denen wir auf unserer Reise begegnen werden- natürlich genauso ist, wie es bei einer solchen Story sein soll. Ein dunkles, kaltes und nebliges London, das die perfekten Voraussetzungen erfüllt. Denn Grayson Steel sieht sich schon bald in unzähligen gefährlichen Situationen wieder, die ihn von Sackgasse zu Sackgasse und von Kuriosität zu Kuriosität führen. Hierzu wendet Torsten Weitze unheimlich viel Ideenreichtum und Fantasie dafür auf, eine uns komplett fremde und magische Welt zu gestalten. Wobei man klar sagen muss, dass die wenigsten der in ihr befindlichen Wesen, wirklich gut auf auf Grayson Steel zu sprechen sind, und nicht selten wird es für ihn ziemlich ungemütlich! Ob Magier, Ghule, Riesen, Banshees oder aber auch lebendige Wasserspeier, hier gibt es alles, was man sich vorstellen kann und noch mehr! Vor allem die bleiche Garde hat es mir unheimlich angetan, aber dazu werde ich an dieser Stelle nicht mehr verraten ;)

Detective Grayson Steel durchlebt im Laufe der Geschichte eine enorme Veränderung und das nicht nur in einer Hinsicht. Ok, ich gebe zu, dass das eine Einführung in eine mystische Welt eigentlich schon voraussetzt, aber dennoch hat mir sein Wandel sehr gut gefallen. Bisher war er eher ein Einzelgänger, der meistens alleine ermittelt hat, da keiner seiner Partner es lange mit ihm ausgehalten hat. Er ist stur, schnoddrig und naja, rücksichtsvoll ist irgendwie auch anders... Auf der Suche nach Tätern ist er eigentlich immer den direkten Weg gegangen, ohne Rücksicht darauf, ob er jemandem auf die Füsse tritt, oder gar selbst irgendwie ins Visier gerät. Zukünftig wird er sich jedoch mit zwei Dingen auseinandersetzen müssen, die sich für ihn komplett ändern:
1. es werden gänzlich andere Gefahren und Gepflogenheiten auf ihn zukommen (von den meisten hat er zu Beginn unserer Geschichte weder gehört, noch eine Ahnung, wie er dagegen vorgehen kann) und
2. er wird künftig komplett andere Prioritäten setzen müssen, denn sein Leben als rücksichtsloser Einzelgänger ist definitiv vorbei! Ääähm, hatte ich erwähnt, dass er zukünftig ein Team um sich haben wird, in dem alle voneinander abhängig sind? Egal, jetzt wisst ihr es :D
Ihr könnt euch sicher vorstellen, dass das zu der ein oder anderen, nennen wir es "Komplikation" führt, oder?

Für mich war "Der verhangene Rat von London" ein gelungener, spannender und vor allem sehr abwechslungsreicher Reihenauftakt voller Magie, mystischen Kreaturen und lauernden Gefahren an jeder Ecke. Ok, den ein oder anderen Schmunzler gab´s natürlich auch, vor allem, wenn Grayson einmal mehr mit dem Thema seiner Hauptdroge konfrontiert wird: Kaffee!!!
Die Einführung in diese magische Welt, einschließlich seines neuen Teams -seiner Quadriga-, lässt mich auf jeden Fall auf ein baldiges Wiedersehen hoffen :)

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142 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 36 Rezensionen

jean webster, königskinder verlag, briefe, lieber daddy long legs, daddy long legs

Lieber Daddy-Long-Legs

Jean Webster , Ingo Herzke , Franz Renger
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 29.09.2017
ISBN 9783551560445
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Zitate:

"Jerushas Sorgenfalten lösten sich in einem raschen Lachen auf. Sie hatte von Natur aus ein sonniges Gemüt, und der kleinste Anlass genügte, sie aufzuheitern." Seite 11

"Lieber Daddy-Long-Legs,ich liebe die Universität, und ich liebe Sie, weil Sie mich studieren lassen - ich bin sehr, sehr glücklich und im Augenblick so aufgeregt, dass ich kaum schlafen kann." Seite 24


Meinung:

Die 17-jährige Jerusha, oder "Judy", wie sie lieber genannt werden möchte, hat ihr gesamtes Leben im Waisenhaus verbracht. Sie träumt, wie alle Waisen, vom einem Leben außerhalb und ahnt dabei noch nicht, wie bald ihr Traum wahr werden soll. Denn einer der Treuhänder, den sie nur von hinten gesehen und ihn auf Grund seiner Größe zumeist nur "Daddy Long Legs" nennt, ermöglicht ihr ein Studium an der Universität. Die einzigen Bedingungen hierbei lauten, dass er unbekannt bleiben möchte und dass sie ihm monatlich einen Brief schreiben muss, um ihn über ihre Fortschritte und ihr Leben auf dem Laufenden zu halten. Sollte es wirklich so einfach sein???

Bereits als ich das Cover des Buches in der Vorschau sah, war meine Neugierde mehr als geweckt! Sieht es nicht toll aus? Dabei muss ich zugeben, dass es mir zum damaligen Zeitpunkt nicht bewusst war, dass es sich hierbei um einen Klassiker handelt. Aber was meint ihr? Ist doch ein sehr ansprechendes neues Gewand, oder?

Die Geschichte über Judys Entwicklung und Erlebnisse, erfahren wir ausschließlich in Briefform, was nicht nur witzig zu lesen ist, sondern gleichzeitig eine große Nähe zu unserer Protagonistin ermöglicht. Wir dürfen ihre kompletten Emotionen aus erster Hand genießen, was für mich fast ein bisschen war, als blättere man in einem Tagebuch. Ich fand diese Art zu schreiben doch sehr intim! Auch wenn Mr. John Smith, wie er der Anonymität wegen genannt werden möchte, wie angekündigt nicht auf ihre Briefe antwortet, lässt Judy es sich nicht nehmen, mehr zu schreiben, als den monatlich verlangten. So bekommen wir alle möglichen Arten von Briefen zu lesen: Eilige, verschnupfte, hoffnungsvolle, euphorische, entmutigte, einsame, liebevolle, dankbare, und, und, und. Ich könnte vermutlich noch viele weitere aufzählen :)
Aber nicht nur Judy´s unterschiedliche Emotionen machen dieses Buch zu etwas Besonderem, manchmal finden sich in ihren Briefen auch Illustrationen, die unheimlich gut zu ihrer Art passen.
Aber am Besten hat mir ihre Euphorie gefallen. Man kann beim Lesen dieser Briefe spüren, wie sie zum ersten Mal aufblüht, ihr Leben in Freiheit genießt und dabei lernt, was "Leben" tatsächlich bedeutet. Faszinierend ist hierbei -das geht uns im heutigen Leben dann doch etwas ab-, dass sie Bildung als Privileg empfindet und somit wissbegierig und voller Neugier alles in sich aufsaugt, was es zu erfahren gibt.

Mir war Judy von Anfang an sympathisch und das nicht nur, weil sie dieses neue Leben ein Stück weit wie ein Kind genießt, sondern auch, weil sie sich im Laufe der Geschichte ständig weiterentwickelt. Diese Entwicklung brachte mir beim Lesen viel Freude, da sie künftig nicht alles einfach hinnimmt, sondern auch versucht, ihren eigenen Weg zu gehen. Vor allem wird sie immer neugieriger, wer ihr Wohltäter eigentlich ist und ich sage euch, MICH würde dieses Unwissen verrückt machen :D

Für mich ist "Lieber Daddy Long Legs" eine mehr als gelungene Neuauflage, die mich sehr beeindruckt hat. Mutig, andersartig und voller Leidenschaft. Eben genauso, wie der Name des aktuellen Königskinderprogramms "MUT & LEIDENSCHAFT" es verspricht! 

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48 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

Café Morelli

G. R. Gemin , Gabriele Haefs
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 29.09.2017
ISBN 9783551560438
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Zitate:

"Er - Joe Davis - war der Erbe des Café Morelli in Bryn Mawr. Wenn es verkauft würde, wäre er nur noch Joe Davis, der in einem Haus wohnte. Das war nicht dasselbe." Seite 33


Meinung:

Joe, ein gebürtiger Waliser, würde alles darum geben, wie sein Nonno ein stolzer Italiener zu sein. Zumindest versucht er sich wie einer zu verhalten. Besonders stolz ist er auf das Café Morelli, das sich seit 1929 im Familienbesitz befindet. Doch die Zeiten sind schlecht, das Café läuft nicht gut, und so freundet sich seine Mutter -die aktuelle Besitzerin- so langsam mit dem Gedanken an, es zu verkaufen. Als er dann jedoch seinen Nonno bittet, ihm die Geschichte des Cafés zu erzählen und sich hierbei ungeheuerliche Geschichten aus Zeiten des Kriegs auftun, weiß er, was zu tun ist: Das Café Morelli muss gerettet werden, und zwar um jeden Preis!

Schon als ich den Klappentext zum ersten Mal sah, wusste ich, dass ich diese Geschichte unbedingt lesen muss. Und was meine Erwartungen diesbezüglich betrifft, wurde ich nicht enttäuscht!

"Café Morelli" beschreibt Joes Kampf um das Café sowie das Erbe seiner Vorfahren und ist gleichzeitig eine Geschichte über das Erwachsenwerden. Hierbei erleben wir nicht nur seinen enormen Ehrgeiz und Ideenreichtum, sondern auch ein erstes Verliebtsein. Nun will er natürlich beides, das Café retten und seinen eigenen Belangen nachgehen, was dem Leser die ein oder andere witzige Situation bringt.
Mit viel Ideenreichtum und einem unkomplizierten Schreibstil nimmt uns Giancarlo Gemin mit - auf eine doch sehr italienische Reise ;)
Besonders ins Auge sticht hierbei der ziemlich starke Kontrast zwischen Dingen wie Liebe, Freundschaft und Humor, im Vergleich zu den Erzählungen des Großvaters, den Krieg und die Internierung seines Vaters betreffend. Er lässt so eine sowohl nachdenklich, traurige Geschichte entstehen, gleichzeitig jedoch ist sie liebevoll und warmherzig. Eine tolle Kombination.

Dennoch war mir eine Annäherung an Joe leider nicht so recht möglich. Lag es an ihm oder an mir? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Fakt ist, dass mir manche Ideen um das Café zu retten, sowie die damit verbundenen Wendungen etwas zu abgehoben und stellenweise unglaubwürdig erschienen. Im gleichen Zug -oder vielleicht wegen der Ideen?- wirkten die Details auf mich dann zu kindlich, als dass ich mich mit ihm hätte identifizieren können.

Auf Grund der doch eher kindlichen Charaktere und Ideen, würde ich die Geschichte über Joes Kampf um sein Erbe vermutlich eher bei jüngeren Lesern sehen. Ich vermute, dass seine Euphorie diese mehr begeistern kann, als mich. Nichtsdestotrotz empfinde ich "Café Morelli" als ein sehr warmherziges Buch, das zum Nachdenken anregt und somit definitiv lesenswert ist!

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21 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

2017, pferd

Ein weiter Weg

Dan Gemeinhart , Annette von der Weppen
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 29.09.2017
ISBN 9783551560391
Genre: Jugendbuch

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