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120 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 15 Rezensionen

thriller, mord, paula hawkins, lügen, betrug

Girl on the Train - Du kennst sie nicht, aber sie kennt dich.

Paula Hawkins , Christoph Göhler
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 24.05.2017
ISBN 9783734100512
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Was ist wirklich passiert und was nur ein Hirngespinst?
Diese Frage hat mich beim Lesen von "Girl on the Train" begleitet. Ich war erst skeptisch, ob das Buch mich nach dem ganzen Hype vor zwei Jahren wirklich überzeugen könnte, bin letztendlich aber positiv überrascht. Dabei deutete sich das zunächst gar nicht an ...
"Girl on the Train" beginnt eher zäh mit einer Einführung in das Leben und die Gedankenspiele der alkoholkranken Rachel. Dabei lernte ich auch Jess und Jason kennen, zumindest so, wie Rachel sich die beiden vorstellt. Rachels eigenes Leben pendelt irgendwo zwischen ständiger Trunkenheit, Selbstmitleid und Hass auf die neue Frau ihres mittlerweile Exmannes. Rachel ist keine leichte Figur, die man sofort ins Herz schließen kann. Ich hatte einige Probleme mit ihr, ihre häufigen Alkoholexzesse gingen mir schnell auf die Nerven und an ihrer Glaubwürdigkeit habe ich fast noch schneller gezweifelt.
Richtig turbulent wurde es dann, als "Jess" verschwindet: Rachel ist der festen Überzeugung, eine Rolle in diesem Fall zu spielen und etwas zur Lösung beisteuern zu können. Sie steigert sich immer weiter in die Suche nach der Vermissten hinein und geht dabei Wege, die mir als Leserin mehr als einmal unangenehm waren. Trotzdem bringt gerade das die Geschichte voran, lässt Spannung aufkommen und die Frage nach dem, was tatsächlich an dem Abend geschah, an dem "Jess" verschwand, immer wichtiger werden.
Mehrfach stellte sich das, was ich zu wissen glaubte, als falsch heraus. So war dann letztlich auch die Auflösung eine, mit der ich nie im Leben gerechnet hätte.

Im Verlauf der Handlung gibt es neben Rachel noch zwei weitere Erzählerinnen. Eine ist die Vermisste selbst, die Einblicke in ihr Leben gibt. Eine andere und offensiver Gegenpart zu Rachel ist Anna, die neue Frau von Rachels Exmann, die Rachel um jeden Preis aus ihrem Leben haben will. Durch diese drei Erzählerinnen bekommt die Geschichte eine faszinierende Tiefe und eine sehr schöne Dynamik, die mich zum Weiterlesen animierte. Richtig warm geworden bin ich dennoch mit keiner der drei Protagonistinnen.
Zudem hatte ich ein Problem mit den Persönlichkeiten der Figuren insgesamt. Kaum eine Figur kommt ohne offensichtliche oder scheinbare psychische Probleme aus. Süchte, Zwänge, tragische Vergangenheiten - ich fand es dann doch, trotz spannender Geschichte, unglaubwürdig, dass sich all das in einer einzigen Straße und auch noch angesichts der wirklich wenigen Charaktere in der Handlung derart ballt.

FAZIT
"Girl on the Train" ist eine spannende Geschichte, bei der mir lange Zeit nicht klar war, wohin sie genau führt. Einziges Manko sind für mich die Figuren, mit denen ich angesichts der Ballung von persönlichen und psychischen Problemen einfach nicht richtig warm geworden bin.

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Tags: thriller   (1)
 

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(4.018)

4.741 Bibliotheken, 24 Leser, 3 Gruppen, 48 Rezensionen

fantasy, michael ende, klassiker, kinderbuch, die unendliche geschichte

Die unendliche Geschichte

Michael Ende
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Thienemann-Esslinger, 17.09.2014
ISBN 9783522202039
Genre: Klassiker

Rezension:

"Die unendliche Geschichte" ist im Grunde eine Geschichte über sich selbst, denn das gleiche Buch, was ich in der Hand hielt, spielt in der Handlung eine große Rolle. Es ist eine Geschichte, die gleichermaßen im Reich Phantásien und in der Realität begonnen wurde und nun in beiden Welten fortgeschrieben wird.
Darüberhinaus ist "Die unendliche Geschichte" eine einfach großartig konstruierte Geschichte, die die Grenzen zwischen Realität und Fantasie immer weiter verschwimmen lässt. Erzählt wird sie von einem allwissenden Erzähler, der sich im Verlauf der Handlung selbst als Figur der Geschichte entpuppt.
Die Handlung wechselt größtenteils zwischen Bastian in der realen Welt und Atréju in Phantásien. Beide Stränge werden nach und nach immer weiter verwoben, bis für mich das Gefühl entstand, selbst Teil der unendlichen Geschichte zu sein und eingreifen zu müssen, um Phantásien zu retten.

Bastian wird als kleiner, dicker Junge beschrieben. Er wird von den anderen Kindern gehänselt und von seinem Vater ignoriert. Sein Steckenpferd ist das Erfinden von Geschichten, aber das interessiert keinen. "Die unendliche Geschichte" wird für ihn nicht nur ein ungewöhnliches Leseabenteuer, sondern eine Reise, die ihn lehrt sich selbst zu lieben.
Atréju dagegen ist mutig und kräftig, wo Bastian ängstlich und unsportlich ist. Wo Bastian belächelt wird, wird Atréju respektiert. Obwohl Atréju also alles hat, was Bastian sich wünscht, wird auch für ihn die Reise zu einer Lehre, die er nie wieder vergessen wird.
Beide Protagonisten beweisen im Verlauf der Handlung eine bemerkenswerte Tiefe und Entwicklung. Neben ihnen sind es aber auch die vielen großartig gestalteten Nebenfiguren, die der Handlung Lebendigkeit verleihen.

Phantásien selbst ist für mich der Inbegriff der Fantasie. In modernen Fantasybüchern haben wir meist menschenähnliche, weiße Figuren und Orte, die mehr oder weniger stark an die Realität angelehnt sind. Nicht so in der "Unendlichen Geschichte". Im endlosen Phantásien gibt es nichts, das es nicht gibt. Steinbeißer und Glücksdrachen, Gnomen, Irrlichter, Winzlinge und einen bunten Löwen und eine Vielzahl weiterer Wesen, die mal bekannt, mal gänzlich neu erfunden sind. Selbst Atréju ist kein gewöhnlicher Mensch, sondern gehört zu den "Grünhäuten", einem Jägervolk mit olivgrüner Haut.
Das Reich selbst ist unheimlich facettenreich und besitzt rund um sein Zentrum, den Elfenbeinturm, jede nur erdenkliche Landschaftsform. Wiesen, Steppen, Gebirge und Sümpfe gibt es ebenso wie Meere, eine bunte Wüste und einen Wald, der nur nachts existiert.

Nicht nur wegen seines tollen Inhalts sticht "Die unendliche Geschichte" aus der Welt der Bücher hervor. Obwohl es eigentlich nur ein einfaches Taschenbuch ist, kann es mich mit seiner bloßen Aufmachung begeistern. Statt einheitlich schlichtem schwarzem Text ist alles, was in der Realität spielt, rot und alles, was in Phantásien spielt, grün gedruckt. Zudem ist der Anfangsbuchstabe jedes Kapitels (die reichen übrigens einmal komplett von A bis Z!) passend zum Kapitelinhalt auf einer ganzen Seite gestaltet.

FAZIT
"Die unendliche Geschichte" ist ein Buch, das seinesgleichen sucht. Oberflächlich betrachtet ist es ein großartig konstruiertes Fantasyabenteuer, das die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Fiktion auflöst. Wer etwas tiefer blickt, findet zahlreiche Anknüpfungspunkte für Interpretationen. Mit ihnen wird aus dem "einfachen" Fantasyabenteuer ein tiefgründiger, märchenhafter Roman, der zum wieder und wieder Lesen einlädt und dabei niemals langweilig wird.

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Tags: fantasy, magie, must-read   (3)
 

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368 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 12 Rezensionen

fantasy, magie, jenny-mai nuyen, sturmjäger, liebe

Die Sturmjäger von Aradon - Feenlicht

Jenny-Mai Nuyen
Flexibler Einband: 463 Seiten
Erschienen bei cbt, 17.10.2011
ISBN 9783570307274
Genre: Jugendbuch

Rezension:

In "Feenlicht" präsentiert Jenny-Mai Nuyen eine faszinierende Fantasywelt, in der einmal nicht die Bewohner, sondern das Land selbst die größte Bedrohung darstellt. Dieses Konzept hat mir sehr gut gefallen, da ich es bisher von noch keinem Buch in dieser Form kenne. Für eine gute Orientierung im Lebendigen Land sorgt zudem eine Karte gleich zu Beginn des Buches.
Die Geschichte beginnt ohne große Einführung und rasch kommt es zu einem ersten Höhepunkt, der die Spannung hochschnellen lässt. Hels anschließende Reise mit ihrem unbekannten Retter ließen für mich die Hoffnung auf eine spannende Geschichte wachsen. Die Zweifel, die ich mittlerweile immer habe, wenn es um (Helden-) Reisen geht, haben sich dann allerdings leider bestätigt. Nach einem guten ersten Drittel kommt die Geschichte mehr und mehr zur Ruhe. Viele Szenen sind langatmig und die kleinen spannenderen Höhepunkte konnten letztlich auch kaum mehr, als mich vom Abbruch dieses Buches abzuhalten.

Besser als die eigentliche Handlung haben mir die Charaktere gefallen. Erzählt wird die Geschichte größtenteils aus der Perspektive von Hel, seltener kommen auch andere Figuren zu Wort. Hel hat ein gesundes Auge und ein Erblindetes, mit dem sie das sonst unsichtbare Lirium in der Welt sehen kann. Sie ist eine Sturmjägerin durch und durch, die sich von dem rauen Umgang in der von Männern dominierten Welt nicht unterkriegen lässt. Mir hat sie als Protagonistin gut gefallen, auch wenn ich es schade fand, dass ihre Sichteinschränkung nur dann thematisiert wurde, wenn es um das Lirium ging oder sie sich hässlich fühlte.
Die Nebenfiguren fand ich gut, aber nicht vollends überzeugend. Von Hels Begleiter Nova einmal abgesehen scheint kein Charakter wirkliche Tiefe zu besitzen. Die Persönlichkeiten bleiben, vielleicht auch durch die Erzählperspektive, sehr an der Oberfläche und wirkliche Details lernte ich von kaum einer Figur kennen. Von einer Persönlichkeitsentwicklung im Verlauf der Reise will ich erst gar nicht anfangen.

FAZIT
Trotz einer faszinierenden Welt und guten Handlungsansätzen konnte mich "Feenlicht" nicht wirklich überzeugen.

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Tags: buchreihe, fantasy, magie   (3)
 

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engel, fantasy, kampf, romance, creepy

End of Days

Susan Ee
Flexibler Einband: 331 Seiten
Erschienen bei Hodder Paperback, 14.05.2015
ISBN B00VXIFDEG
Genre: Sonstiges

Rezension:

"End of Days" knüpft direkt an den Vorgängerband an und endlich - endlich! - ist das Duo Penryn und Raffe wieder vereint. Doch es wird schnell klar, dass es ein Gemeinsam wie in "Angelfall" nicht mehr geben kann. Während Penryn mehr und mehr zur Widerstandskämpferin wird, steht Raffe kurz davor, zu seinesgleichen zurückzukehren. Waren sie zuvor noch Weggefährten, steht für Penryn plötzlich die Frage im Raum, ob sie Raffe, trotz der aufkeimenden Gefühle für ihn, wirklich trauen kann. Immerhin ist er ein Engel - einer der Mörder und Zerstörer, ganz gleich, was sie bisher gemeinsam erlebt haben.

Die zentrale Frage, die die Handlung dieses Mal vorantreibt, ist die nach der Loyalität. Wer fühlt sich wem verpflichtet? Wie weit ist jeder Einzelne bereit zu gehen? Fragen, die sich zuvor schon leicht andeuteten und nun in logischer Konsequenz der bisherigen Handlung in den Vordergrund rücken. Kann eine Verbindung zwischen Mensch und Engel - nach allem, was bereits passiert ist und noch droht zu passieren - überhaupt funktionieren?

Wieder einmal sind es vor allem die Figuren, die einfach großartig sind und die Geschichte tragen. Von Anfang an strotzen sie nur so vor Lebendigkeit und punkten mit facettenreichen Persönlichkeiten.
Insbesondere die beiden Protagonisten Raffe und Penryn können mich (wieder) begeistern. Die beiden machen in diesem Band noch einmal eine sehr deutliche, überzeugende Entwicklung durch. Während Penryn endgültig erwachsen wird, stellt Raffe vielleicht erstmals überhaupt seine eigenen Ziele in Frage.
Die Beziehung zwischen den beiden bekommt noch einmal ordentlich Schwung und erlebt so einige Höhen und Tiefen. Die Interaktion der beiden ist erneut großartig; Raffes Sarkasmus und Penryns toughe Art lassen einfach nie Langeweile aufkommen.

Insgesamt ist "End of Days" ein rasantes Finale mit stetig steigender Spannung. Ich konnte kaum aufhören zu lesen; wollte wissen, wie all das, was scheinbar aussichtlos ist, ausgeht. Wollte wissen, was aus Penryn und Raffe wird. Die Handlung wird diesen Erwartungen in jedem Fall gerecht und liefert mir ein Ende, das überraschend und absolut unerwartet, aber dafür nicht minder passend für diese Geschichte ist.

FAZIT
Schade, dass es nun vorbei ist.
"End of Days" ist ein würdiger Abschluss der Trilogie, der noch einmal alles, was ich an der Geschichte so mag, bündelt: Eine spannende, logische Handlung, charakterstarke Figuren und eine Prise Humor, die mir selbst angesichts der düstersten Atmosphäre ein Lächeln aufs Gesicht zaubern konnte.

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Tags: buchreihe, engel, fantasy, magie   (4)
 

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engel, raffe, penryn, apokalypse, fantasy

World After

Susan Ee
Flexibler Einband: 437 Seiten
Erschienen bei Hodder & Stoughton, 01.11.2013
ISBN 9781444778533
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Band eins, "Angelfall", hat mich ziemlich begeistert, weswegen meine Erwartungen an die Fortsetzung hoch waren.
Die Handlung schließt nahtlos an Band eins an und wird wieder aus Penryns Sicht erzählt. Wir befinden uns noch immer im apokalyptischen San Francisco, das von Engeln und Mischwesen, "Heuschrecken" genannt, heimgesucht wird. Das Setting hat mir wieder sehr gut gefallen und die Atmosphäre war durchweg stimmig. Der "Wow"-Effekt fehlte jedoch, denn es gab kaum Neues in der Welt zu entdecken.
Nach einem eher ruhigen Beginn ist direkt die bekannte Spannung zurück. Der Schreibstil lässt sich leicht lesen und ist schlicht und flüssig - perfekt für eine vor allem ab der zweiten Hälfte actiongeladene Handlung und eine Umgebung, die keinen Raum für kunstvolle Formulierungen und ausschweifende Gedankengänge lässt.

Die Protagonistin Penryn ist weiterhin eine toughe, überzeugende Kämpferin. Sie kämpft noch immer der Zusammenhalt ihrer Familie, auch wenn ihr Paiges Veränderung zu schaffen macht. Diesen Kampf mit sich selbst und ihre Zweifel im Laufe der Handlung fand ich sehr gut und überzeugend dargestellt. Vor allem boten sie eine tolle Abwechslung zu Penryns sonst kämpferischem und selbstbewusstem Auftreten und unterstrichen, dass sie ein normaler Mensch voller Ängste und Zweifel ist.

Obwohl "World After" rein von der Handlung durchaus mit "Angelfall" mithalten kann und Penryn weiterhin eine tolle Protagonistin ist, konnte der berühmte Funke in den ersten zwei Dritteln nicht so richtig überspringen. Das Fehlen einer einzigen Figur machte sich dann doch erstaunlich stark bemerkbar.
In Band eins hat mich das Zusammenspiel von Penryn und Raffe begeistert.  Im zweiten Teil fehlte das lange Zeit. Zwar lernte ich ein wenig mehr von Raffe kennen, aber er als handelnde Person mit seiner ganzen Art und seinen Wortgefechten mit Penryn fehlte mir einfach.
Eine kleine Entschädigung bot das letzte Drittel, das mir einmal mehr zeigte, warum ich "Angelfall" so toll fand, wie "World After" mit ein paar Änderungen hätte sein können und wie der dritte und letzte Band, "The End of Days" hoffentlich wird.

FAZIT
Der zweite Teil der "Penryn and the End of Days"-Trilogie ist spannend wie sein Vorgänger und überzeugt mit einer tollen Protagonistin. Allerdings machte dieser Teil deutlich, dass der Pluspunkt dieser Reihe gerade im Zusammenspiel von Penryn und Raffe liegt. Penryn allein liefert eine interessante Geschichte, die jedoch nicht vollends überzeugen kann.

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Tags: buchreihe, engel, fantasy, urban fantasy   (4)
 

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engel, frauenpower, jugendbuch, fantasy, apokalypse

Angelfall

Susan Ee
Flexibler Einband: 254 Seiten
Erschienen bei Feral Dream, 14.02.2012
ISBN 9780983597018
Genre: Sonstiges

Rezension:

"Angelfall" beginnt beinahe romantisch mit einem Sonnenuntergang - nur dass direkt deutlich wird, dass hier nichts traumhaft und friedlich ist. Ganz im Gegenteil. Die Welt ist verwüstet. Penryn und ihre Familie sind auf der Flucht. Und über allem schwebt die ständige Gefahr, einem Engel zu begegnen. Dass die Engel hier keine gutmütigen Retter und Helfer in göttlichem Auftrag sind, war zunächst leicht irritierend, alles in allem aber eine angenehme Abwechlsung.
Eine unterschwellige Spannung ist schon auf den ersten Seiten spürbar. Sie bleibt die gesamte Handlung über erhalten und gipfelt in mehreren kleinen und größeren Höhepunkten bis hin zu einem tollen Finale, das Lust auf mehr macht.

Das Highlight von "Angelfall" waren für mich allerdings weder die spannende Handlung, noch die Engel an sich. Es waren die einfach großartig ausgearbeiteten Figuren, allen voran die beiden Protagonisten Penryn und Raffe.
Penryn ist eine Kämpferin durch und durch; selbstbewusst, pragmatisch und mit einer schönen Entwicklung innerhalb der Geschichte. Aus ihrer Perspektive wird in Ich-Form die Geschichte erzählt, wodurch ich sie sehr gut kennenlernen konnte.
Dagegen konnte ich Raffe nur schwer einschätzen. Protagonist hin oder her, er gibt nicht viel von sich preis - was allerdings bei weitem kein Grund war, ihn nicht zu mögen. Seinen Charakter fand ich einfach nur genial und sein trockener Humor brachte mich mehrfach zum Lachen.
Für sich allein fand ich Penryn und Raffe schon großartig, gemeinsam sind sie der Grund, warum "Angelfall" zu meinen Lesehighlights gehört. Die beiden verbindet weder eine Freundschaft, noch eine Schockverliebtheit wie in vielen anderen Büchern des Genres. Ihr Zweckbündnis ist rein praktischer Natur und kein Grund, dass sich die zwei sofort mögen müssen - was für einige Spannungen zwischen ihnen sorgt. Ihre Dialoge sind dabei vielfach einfach nur genial: Sie sind beide schlagfertig und während Penryn sich nichts von einem Engel sagen lassen will, scheint Raffe in ihr vor allem zu Beginn ein notwendiges, aber nerviges Übel zu sehen. Die Entwicklung ihrer Beziehung zueinander war bis zum Ende dieses Bands super beschrieben und angesichts des Finales bin ich sehr gespannt, wie es mit den beiden im zweiten Teil weitergeht!

FAZIT
Überzeugende Handlung, spannend geschrieben und tolle Figuren - von mir gibt es für alle, die dieses Buch noch nicht kennen, eine absolute Leseempfehlung!

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Tags: buchreihe, engel, fantasy, jugendbuch   (4)
 

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thriller, flugzeugentführung, krimi, stockholm, schweden

Himmelschlüssel

Kristina Ohlsson , Susanne Dahmann
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 14.03.2016
ISBN 9783734102257
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Das Buch startet mit einem zweiseitigen Prolog, der mich sofort emotional packen konnte. Ich wollte unbedingt wissen, wie es weitergeht - wurde allerdings erst einmal enttäuscht.
Wer im Prolog eine Szene anbringt, bei der schon nach wenigen Seiten klar wird, dass sie auf Ereignisse weiter hinten im Buch vorgreift, der geht einige Risiken ein. Es kann gut werden - muss aber nicht, wie Kristina Ohlsson hier leider beweist. Nach dem packenden Prolog geht es nämlich erst einmal 24 Stunden rückwärts. Hier beginnt die tatsächliche Handlung. Selbstverständlich wissen die Figuren nichts von der Zukunft, aber gerade darin liegt die Krux: Als Leserin wusste ich es bereits, musste aber trotzdem die zähen Ermittlungen verfolgen. Dabei erfuhr ich zwar einiges mehr, was der Prolog noch nicht verraten hat, aber wirkliche Spannung kam nicht auf.
Erst, als die Handlung den Zeitpunkt des Prologs erreicht hatte, kam wieder richtig Spannung auf. Von da an war ich vollends von der Handlung gefesselt und habe sie wieder begeistert verfolgt.
Im Nachhinein kann ich die erste Hälfte des Buches noch nicht einmal wirklich kritisieren, denn obwohl die Handlung schleppend verlief, hat gerade das verdeutlicht, wie zäh die Ermittlungen sind. Ob man es hätte kürzen können oder sollen, darüber lässt sich sicher streiten. Letztendlich fand ich es so okay, da ich auf diese Weise Zeit hatte, die Figuren besser kennenzulernen.

Da ich bislang nur mal Band 5, nicht aber Band 3 gelesen habe, hatte ich in Bezug auf die Charaktere und ihre Vergangenheit ein paar Einstiegsschwierigkeiten. Wer Band drei gelesen hat, hat hier sicher gar keine Probleme, als Einstiegsband in die Reihe würde ich "Himmelschlüssel" allerdings nicht empfehlen.
Insgesamt haben mir die Figuren allesamt gut gefallen. Sie waren logisch aufgebaut und haben sich schlüssig verhalten, auch wenn ich den einen oder anderen von ihnen gern mal wegen einer Entscheidung ordentlich durchgeschüttelt hätte.

Ein Thema, das die gesamte Handlung prägt, sind internationale Beziehungen. Im Kern spielen vor allem die Geheimdienste Schwedens und der USA sowie deren jeweilige Polizei eine Rolle, die durch die Erpressung gezwungen werden, miteinander zu kooperieren. Die Zusammenarbeit der beiden Länder hätte mich manches Mal beinahe wahnsinnig gemacht, weil es aus meiner Sicht so viel einfacher hätte sein können. Auf der anderen Seite gelingt es Kristina Ohlsson sehr gut realistisch darzustellen, warum es eben nicht einfacher ging - es sind schließlich immer noch Geheimdienste und Regierungen, die hier miteinander kooperieren müssen, und das stößt auf so einige Probleme.

FAZIT
Insgesamt hat mir "Himmelschlüssel" gut gefallen. Ich habe die Spannung in der zweiten Hälfte geliebt und die Figuren waren super ausgearbeitet. Als größte Schwäche hat sich für mich im Nachhinein der Prolog herauskristallisiert, auch wenn ich den anfangs super fand. Ohne ihn hätte ich die Ermittlungsarbeit wohl als wesentlich spannender und weniger zäh empfunden.

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Tags: buchreihe, thriller   (2)
 

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krimi, buchreihe

The Second Life of Nick Mason

Steve Hamilton
Audio CD
Erschienen bei Highroads Media, 29.09.2015
ISBN 9781427263902
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die Geschichte um Nick Mason ist zweigeteilt: Während er in der Gegenwart versucht, mit seinem neuen Leben in Freiheit und den zugehörigen Aufgaben zurechtzukommen, holen ihn immer wieder die Ereignisse der Vergangenheit ein. Nach und nach erhielt ich dadurch einen Einblick in das, was vor 5 Jahren geschah. Dieser Teil war, insbesondere durch die Bruchstücke, die ich immer nur erhielt, sehr spannend.
Die Handlung in der Gegenwart dagegen konnte mich mal mehr, mal weniger packen, auch wenn sie inhaltlich gut wiedergibt, wie Masons Alltag nun aussieht. Mir war es stellenweise einfach zu viel tristes Herumlaufen, Beobachten und Planen, um richtig spannend zu sein.

Als Protagonist hat mir Nick Mason vor allem in der ersten Hälfte des Buches sehr gut gefallen. Er erscheint menschlich und glaubwürdig. Immer wieder reflektiert er seine Vergangenheit und was die Ereignisse mit seinem Leben gemacht haben, was ihn mir noch einmal näher brachte. Während seiner früheren Aktionen hat er sich eine Reihe von Regeln erarbeitet, nach denen er lebt, und festgelegt, welche Jobs er macht und was er niemals machen will. Bis hierhin alles super.
Und dann kamen Coles Jobs ... Zuerst ist Mason noch reflektierend und hadert mit seinen Aufgaben. Kurz darauf ist davon nur noch wenig zu spüren. Dafür, dass er manches nie machen wollte, nimmt er das alles erstaunlich gelassen. Einen Mann, der mit seinem neuen Leben kämpft, habe ich mir irgendwie anders vorgestellt. Gegen Ende findet er seine anfängliche Charakterstärke zwar größtenteils wieder. Ein fader Nachgeschmack und Zweifel an Masons Charakter bleiben bei mir trotzdem.

Apropos verlieren und wiederfinden ... Kann es sein, dass eine der Nebenfiguren zwischendurch mal vollkommen vergessen wird? Nach einem ersten Kennenlernen war Mason von ihr reichlich angetan. Über viele Seiten ist dann gar keine Rede mehr von ihr, bis sie plötzlich wieder auftaucht. Ich kann ja verstehen, dass Masons neues Leben belastend ist, aber wenn ich von jemandem so angetan bin wie er, würde ich zumindest mal an denjenigen denken.
Abgesehen davon haben mir die Nebenfiguren allesamt gut gefallen und waren überzeugend. Vergessen wurde glücklicherweise ansonsten auch niemand mehr.

[Spoiler!]
Was ich mit dem Ende anfangen soll, weiß ich nicht so recht. Werden im Großteil des Buches ganze Tage und lange Gedankengänge beschrieben, reihen sich im Epilog plötzlich mehrere Zeitsprünge aneinander. Kurze Szenen folgen aufeinander und erzählen knapp, wie es mit Mason weitergeht. Für einen Einzelband hätte das noch okay sein können, auch wenn der Stilwechsel irritiert. Für den ersten Band einer Reihe dagegen finde ich es komplett unpassend. Das Ende scheint final, auch wenn nicht alles geklärt ist. Einen Übergang zu Band zwei stelle ich mir anders vor.
[Spoiler Ende.]

FAZIT
"The Second Life of Nick Mason" lässt mich zwiegespalten zurück. Das Buch hat eindeutig Potential und wäre Mason konstanter in seiner Entwicklung, hätte es mir sicher noch besser gefallen. So allerdings bin ich mir aktuell nicht sicher, ob ich den zweiten Band lesen möchte.
Insgesamt war das Buch okay, mehr aber leider auch nicht.

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Tags: buchreihe, krimi   (2)
 

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auftragskiller, frankfurt, krimi, thriller, korruption

Tag Null

Leif Tewes
E-Buch Text: 234 Seiten
Erschienen bei fhl Verlag Leipzig, 20.02.2015
ISBN 9783958482043
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Mit "Tag Null" wagt sich Leif Tewes direkt auf ungewöhnliches Terrain: In die Psyche eines Auftragsmörders. Tom ist kein gewöhnlicher Genre-Protagonist und ganz sicher kein Held. Trotzdem ist es Tewes gelungen, ihn so zu konzipieren, dass er ein interessanter Charakter ist. Verrückterweise konnte er bei mir sogar mehr Sympathiepunkte sammeln als das Polizistenteam, das den erzählerischen Gegenpart zu Tom bildet. Im Vergleich zu Tom, dessen Leben und Gedanken ich gut kennenlernte, blieben die Polizisten eher farblos. Einzig Kommissar Berg zeigte hier und da ein wenig Persönlichkeit, ohne mich jedoch vollständig von sich überzeugen zu können.
Die Geschichte selbst ist lange Zeit eher zäh zu lesen und brachte mich mehrfach kurz davor abzubrechen. Es gibt viele Rückblicke in die Vergangenheit, die jedoch anfangs nicht z.B. durch Kapitelüberschriften als solche erkennbar sind. Die Informationen werden zwar im Verlauf der Handlung "nachgeliefert", aber eine gewisse Orientierungslosigkeit stellte sich bei mir trotzdem ein. Statt Spannung zu empfinden, war ich des Öfteren bloß verwirrt.
Einzig das Interesse an Toms Schicksal ließ mich hartnäckig weiterlesen. Dafür wurde ich schlussendlich im letzten Drittel belohnt. Scheinbar von jetzt auf gleich schnellt die Spannung nach oben und steigert sich hin zu einem Finale, das - wenn schon nicht vollkommen überraschend - dann doch wenigstens passend für die Geschichte ist.
Tewes' Schreibstil ist klar und sachlich. Er fokussiert sich auf die Handlung; Gedankengänge fließen nur beiläufig ein. Besonders auffällig ist die häufige Verwendung der indirekten Rede. Ob es nun Rückblicke in die Vergangenheit sind oder längere Gespräche - sie werden vielfach indirekt wiedergegeben, was den Szenen einiges an Lebendigkeit und Spannung nimmt. Chancen, einzelne Charaktere über ihre Sprache, Mimik und Gestik deutlicher zu zeichnen, wurden hier leider häufig vergeben.
Zudem sind mir einige Komma- und Buchstabenfehler aufgefallen, die zwar nicht direkt den Lesefluss stören, aber mir dennoch negativ in Erinnerung bleiben.

FAZIT
"Tag Null" punktet mit einem ungewöhnlichen, aber trotzdem überzeugenden Protagonisten, den man so nicht alle Tage entdeckt. Abgesehen davon ist es jedoch eine eher zähe Geschichte, die trotz interessanter Thematik nicht wirklich überzeugen kann.

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Tags: krimi   (1)
 

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magie, engel, urban fantasy, fantasy

The House of Shattered Wings

Aliette De Bodard
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei ROC BOOKS, 01.09.2015
ISBN 9780451477385
Genre: Fantasy

Rezension:

Paris - Stadt der Liebe und Romantik, so haben viele die französische Hauptstadt im Hinterkopf. In "The House of Shattered Wings" wandelt sich dieses Bild: Statt Romantik pur ist dieses Paris hier ein nicht minder atmosphärischer Ort der Zerstörung und Gewalt, überwiegend beherrscht von gefallenen Engeln.
Die Atmosphäre des Buches konnte mich sofort in ihren Bann ziehen. Dieses fast schon endzeitliche Bild von Paris ist faszinierend und fesselnd, auch wenn ich mir im Laufe der Geschichte gewünscht hätte, noch mehr von Paris zu sehen. Ebenso hat sich mir nicht erschlossen, warum die beiden wichtigsten Häuser, Silverspires und Hawthorne, keine französischen Namen tragen - allerdings ist das ein Gedanke, der mir erst während des Rezensierens kam und keiner, der mich beim Lesen irritierte.
Direkt zu Beginn des Buches wurde ich regelrecht in die Handlung hineingeworfen. Es gibt keine wirkliche Einleitung, die in die Welt und die Charaktere einführt. Das Wissen darüber wird erst nach und nach vermittelt, was ich stellenweise etwas unbefriedigend und unnötig verwirrend fand.
Die Handlung selbst ist durchweg spannend aufgebaut. Sie wird abwechselnd aus der Perspektive der einzelnen Protagonisten erzählt, was mir einen guten Rundumblick und einen tieferen Blick in die einzelnen Persönlichkeiten ermöglichte.
Womit wir auch schon bei dem Punkt wären, der mich (neben der Atmosphäre) am meisten begeistert hat: Die Charaktere! Ohne sie hätte die gesamte Handlung wesentlich weniger lebendig gewirkt. Mit ihnen dagegen erschien die Handlung realistisch und die Charaktere selbst beinahe wie aus dem Leben gegriffen. Sie sind facettenreich und durchweg logisch aufgebaut. Einzig die Gefallene Isabelle blieb mir angesichts dieser vielen tollen Charaktere ein wenig zu farblos. Ich mochte sie, keine Frage, aber so lebendig wie die anderen erschien sie mir leider nicht.

FAZIT
"The House of Shattered Wings" ist in dunkles Urban-Fantasy-Abenteuer mit toller Atmosphäre und tiefgründigen Figuren. An einigen Stellen hätte ich mir allerdings mehr Hintergrundwissen gewünscht und weniger offene Fragen, die später erst geklärt wurden.

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Tags: engel, fantasy, magie, urban fantasy   (4)
 

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17 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 5 Rezensionen

fantasy

Krakonos

Wieland Freund , Hans Baltzer
Fester Einband: 292 Seiten
Erschienen bei Beltz, J, 10.07.2017
ISBN 9783407823229
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Der Ausgangspunkt für "Krakonos" ist eine kleine Änderung an unserem realen Leben: Sagengestalten gibt es wirklich (auch wenn nur eine Minderheit davon weiß). Um sie zu erforschen und ihre Existenz geheim zu halten, existiert die Mythobiologie, eine wissenschaftliche Disziplin, die man studieren kann (auch wenn mir nicht ganz klar ist, wie ein potentieller Interessent davon erfährt). Allein diese Idee hat mir schon mal richtig gut gefallen, verbindet sie doch das Fantastische mit der Forderung nach Wissenschaftlichkeit unserer heutigen Zeit.
Die Handlung selbst springt kapitelweise zwischen Emma O'Lynn und den Brüdern Nik und Levi. Sie war für mich durchweg logisch aufgebaut. Eine unterschwellig spürbare Spannung, die sich gegen Ende steigert, und der angenehme, flüssige Schreibstil des Autors ließen die Geschichte regelrecht dahinfliegen.
Erzähler der Geschichte sind Emma und Nik, jeweils in Form eines personalen Erzählers. Dadurch konnte ich ein wenig teilhaben an ihren Gedankengängen und die beiden noch etwas besser kennenlernen als die anderen Figuren.
Emma und die beiden Brüder haben mir dann auch als Protagonisten sehr gut gefallen. Sie waren in sich logisch und die leichten Entwicklungen und Veränderungen, die sie im Laufe der Geschichte erfahren, waren trotz der Kürze des Buches wunderbar dargestellt. Besonders gut hat mir die Gegensätzlichkeit von Nik und Levi gefallen: Der eine als Beschützer - auch mal wider Willen - und vollkommen integriert in ihre von Technik geprägte Lebenswelt. Der andere ohne Interesse an Technik, dafür aber fasziniert von der Natur und den Geheimnissen der Welt. Während Levi mit kindlicher Neugier und Unschuld punktet, steht Nik irgendwo zwischen "Kind" und "Jugendlicher" und wirkte auf mich dabei manches Mal regelrecht verloren.
Einzig mit Krakonos wurde ich nicht so recht warm. Er ist bereits mehrere Jahrhunderte alt - eine gewisse Charaktertiefe sollte bei ihm also vorhanden sein. Ein paar Nuancen davon habe ich auch kennengelernt, insgesamt blieb er mir aber zu farblos. Vielleicht lag es daran, dass er als Charakter eher in sich gekehrt war, genau kann ich es nicht sagen. Von einer titelgebenden Figur hatte ich jedoch ein bisschen mehr erwartet.

FAZIT
"Krakonos" ist ein leichtes Fantasy-Abenteuer für zwischendurch, das nicht nur Kindern und Jugendlichen den Zauber des Fantastischen für ein paar Stunden ins Bewusstsein rufen kann. Mit weitgehend überzeugenden Charakteren und einer logischen Handlung scheint es, als wäre diese Geschichte mitten aus dem Leben gegriffen - nur das wir als Leser dieses Mal auf der falschen Wissensseite der Mythobiologie stehen.

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Tags: fantasy   (1)
 

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(56)

99 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 31 Rezensionen

moor, thriller, psychopath, gefangenschaft, karen dionne

Die Moortochter

Karen Dionne , Andreas Jäger
Flexibler Einband
Erschienen bei Goldmann, 24.07.2017
ISBN 9783442205356
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

"Die Moortochter" wird aus der Ich-Perspektive der Protagonistin Helena Pelletier erzählt. Die Handlung ist zweigeteilt: Ein Handlungsstrang beschäftigt sich mit den Ereignissen der Gegenwart vom ruhigen Familienleben hin zur Verfolgungsjagd. Letztere ist dabei nicht so adrenalingeladen und rasant, wie man vermuten könnte. Vielmehr lag der Fokus auf Helenas Gedanken, die immer wieder zu ihrer Vergangenheit und der ambivalenten Beziehung zu ihrem Vater abschweiften.
Der zweite Handlungsstrang ist ein Blick in die Vergangenheit selbst und in Helenas Entwicklung. Sie schildern eindrücklich, wie Helena im Moor aufwuchs und wie sich die Beziehung zu ihrem Vater entwickelte. Dieser Teil half mir erheblich dabei, Helenas Gedanken und Handlungen in der Gegenwart besser zu verstehen.
Die Rückblicke sind insgesamt wie persönliche Berichte gestaltet und richten sich direkt an den Leser, was mir die Protagonistin noch einmal näher brachte. Mit dem Wissen um den eigentlichen Adressaten dieser Rückblicke, der am Ende genannt wird, macht diese Ansprache jedoch für mich keinen wirklichen Sinn.
So richtig packen konnte mich dieser Psychothriller leider nicht. Statt den Fokus auf den Gefängnisausbruch und die Verfolgung zu legen, liegt er auf Helenas Entwicklung und der Beziehung zu ihrem Vater. Das ist zwar an sich interessant, provozierte letztlich aber auch die eine oder andere Länge. Zudem kamen dadurch die Nebenfiguren recht kurz und blieben eher farblos.
Stilistisch konnte "Die Moortochter" mit einem lebendigen, angenehmen Sprachstil aufwarten. Insbesondere in den Rückblicken findet sich eine Fülle an detailreichen Beschreibungen der Moorlandschaft, die mir ein genaues Bild der überraschend vielfältigen Umgebung ermöglichten. Ein bisschen weniger Natur und mehr Handlung wäre an einigen Stellen jedoch wünschenswert gewesen.

FAZIT
"Die Moortochter" ist kein typischer Psychothriller mit rasanter, packender Handlung. Vielmehr hatte ich hier das Gefühl, eine Charakterstudie vor mir zu haben, die sich mehr mit der Person "Helena Pelletier" und ihrer Geschichte auseinandersetzte und weniger mit dem Gefängnisausbruch und der Jagd nach ihrem Vater. Diesem Zwiespalt sind dann auch einige Schwächen geschuldet, die dem Buch letztlich drei Pergamentfalter einbringen.

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Tags: thriller   (1)
 

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200 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 29 Rezensionen

norwegen, thriller, horror, survival, wald

Dark Wood

Thomas Finn
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.08.2016
ISBN 9783426518748
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Wir kennen sie doch alle: Die trashigen Reality-TV-Shows, die angeblich keiner gesehen haben will und die dann doch Gesprächsthema Nummer eins sind. In Zeiten von Netflix, Prime und Co. haben sie zwar ein wenig an Aufmerksamkeit verloren, aber tot zu kriegen sind sie trotzdem nicht. Trotz Fremdschämen und verständnislosem Kopfschütteln schaffen es jedes Jahr aufs Neue so einige dieser Shows auf die Mattscheibe.
Nach Z-Promis und sozialen Brennpunkten haben sich die Fernsehproduzenten in Thomas Finns Horrorthriller "Dark Wood" neue Protagonisten für ihre Show "SURVIVE!" gesucht: Mitarbeiter von in Schieflage geratenen Unternehmen, die in der Show die Chance bekommen, gemeinsam - und gegen andere Teams - eine Finanzspritze für ihre Firma zu erspielen. Typisch Reality-Show sind es dabei nicht die zu lösenden Aufgaben, die als Publikumsmagnet fungieren, sondern Streitigkeiten in den Teams, mangelnder Teamgeist und nicht zuletzt die bissigen Kommentare von Moderator Daniel.

ÜBERLEBENSKAMPF ZWISCHEN DSCHUNGELCAMP UND BIG BROTHER
Die Protagonisten von "Dark Wood" sind sechs Angestellte einer Hamburger Werbeagentur. Als Show-Teilnehmer reisen sie in den Norden Norwegens. Drei Tage Camp-Leben im Nirgendwo erwarten sie. Dazu ein ziemlich zweifelhafter Parcours, der es - hoffe ich! - im realen Leben nicht ins Fernsehen schaffen würde.
Der Parcours ist jedoch schnell ihr kleinstes Problem, wie schon am Genre deutlich wird. Denn in dem Wald lebt etwas und es eröffnet die Jagd auf alle Menschen, die sein Revier betreten haben.

TREFFEN SICH EIN DICKER NERD, EIN MACHO UND EINE GRAUE MAUS ...
Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht der sechs Protagonisten Dagmar, Katja, Lars, Sören, Gunnar und Bernd erzählt. Die Figuren an sich sind teilweise reichlich klischeehaft angelegt. Ob es nun der dicke IT-Nerd ist, der Macho oder die graue Maus, die fähiger ist, als alle denken - wirklich neu und interessant waren die Figuren auf den ersten Blick nicht.
Dennoch habe ich selten bessere Charakterzeichnungen in einem Einzelband gelesen - erst recht nicht von so vielen Charakteren. Durch die wechselnde Perspektive erhielt ich einen sehr guten Einblick in die einzelnen Figuren. Bei sechs Protagonisten könnte es dabei leicht passieren, dass man den Überblick verliert und die Charaktere zu ähnlich werden. KÖNNTE. In "Dark Wood" hatte ich dieses Problem nie. Ganz im Gegenteil; die einzelnen Figuren waren immer klar und konnten mich selbst zum Ende hin immer noch überraschen.
Positiv erwähnen möchte ich weiterhin, dass unter den Protagonisten endlich mal nicht nur heterosexuelle Menschen sind, sondern tatsächlich auch einmal eine transsexuelle Person eine wichtige Rolle spielt - und dabei nicht nur auf ihre Sexualität reduziert wird. Sehr gut, könnte es öfter geben!

SPANNUNG PUR - MIT NACHGESCHMACK
Fast von der ersten bis zur letzten Seite hält Thomas Finn die Spannung hoch. Durch eine tolle Atmosphäre, unvorhersehbare Wendungen und scheiternde Pläne entwickelte die Geschichte eine regelrechte Sogwirkung auf mich. Ich konnte kaum aufhören zu lesen und wurde vom Autor stets aufs Neue überrascht.
Die durchaus vorhandenen Schwächen in der Logik habe ich dabei zunächst kaum bemerkt. Im Nachhinein dämpfen sie jedoch etwas meine Euphorie. Insbesondere den Grund, warum die Prroduktionsfirma nicht früher reagiert hat (abgesehen von dramaturgischen Gründen) werde ich wohl nie erfahren ...
Auch am Ende ist mir die Produktionsfirma zu kurz gekommen.

FAZIT
Tolle Charakterzeichnungen und hohe Spannung, aber leider teilweise ziemlich klischeebehaftet und auch nicht ganz glaubwürdig.

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Tags: horror, horrorthriller, thriller   (3)
 

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43 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

krimi, vernau, berliner anwalt joachim vernau ermittelt, krim, vernau krim

Die siebte Stunde

Elisabeth Herrmann
Flexibler Einband
Erschienen bei Goldmann, 21.12.2015
ISBN 9783442484706
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Anwälte denken in Paragraphen und sind reich - zumindest behauptet das ein gern mal zitiertes Klischee. Dass dem jedoch nicht so ist (oder sein muss), beweist angenehm lebendig und glaubwürdig Elisabeth Herrmanns Protagonist Joachim Vernau.

Das Buch fiel mir zufällig in die Hände und trotz anfänglicher Skepsis - immerhin ist es der zweite Band einer Reihe - hatte ich keine Probleme, in die Geschichte hineinzufinden. Vorwissen aus Band eins ist nicht notwendig. Nach einem Prolog, der scheinbar nichts mit der eigentlichen Handlung zu tun hat, kommt die Geschichte schnell zur Sache: Ohne langen Einstieg erhält Vernau einen Aushilfsjob in einer Eliteschule und merkt rasch, dass dort etwas nicht stimmt. Seine Versuche, die Mauer des Schweigens zu brechen, in die sich Schule und Schüler hüllen, fand ich überzeugend, vor allem, da sie nicht sofort von Erfolg gekrönt sind und wenn doch, dann nicht in der Form und Ausführlichkeit, die sich Vernau wünscht. Schrittweise wird auf diesem Weg die Spannung gesteigert. Kleine eingestreute Hinweise auf das, was die Schüler in Angst versetzt, und den Verursacher luden mich immer wieder von Neuem dazu ein, mitzurätseln und an der Geschichte dranzubleiben - auch wenn sich meine Vermutungen häufig als Fehlschlüsse herausstellten. Die gesamte Geschichte wird aus der Sicht von Vernau in Ich-Perspektive erzählt. Er ist ein glaubwürdiger Charakter, dessen Handlungen ich gut nachvollziehen konnte. In vielen Krimis, die ich bisher gelesen habe, werden Protagonisten (scheinbar) dadurch interessant gestaltet, dass sie eine möglichst tragische Vergangenheit besitzen oder von etwas abhängig sind. Einen ganz gewöhnlichen "Ottonormal-Protagonisten" suchte ich oft vergebens. Ich möchte nicht behaupten, dass Joachim Vernaus Geschichte gänzlich ohne persönliche Tragik auskommt, aber sein Charakter wirkte weder überzeichnet noch klischeehaft. Eine angenehme Abwechslung zu anderen Büchern dieses Genres. Darüber hinaus punktet Vernau bzw. die Autorin mit seinem/ ihrem Humor, der immer wieder in Gespräche und Gedanken einfließt und bei mir schon mal das eine oder andere Schmunzeln beim Lesen bewirkte. Für den Verlauf der Geschichte nehmen die Beziehungen zwischen den Charakteren eine wichtige Stellung ein: Vernau kommt als Fremder in ein Umfeld, in dem generell nicht viel über echte Gefühle und Beweggründe gesprochen wird und Probleme lieber unter den Tisch gekehrt als publik gemacht werden. Für die Schüler ist er zwar formell eine Vertrauensperson, aber nicht emotional, obwohl sie, wenn sie ehrlich sind, dringend jemanden bräuchten, dem sie sich anvertrauen können. Dieser Zwiespalt wird immer wieder deutlich - sowohl in Vernaus Versuchen, mehr zu erfahren, als auch in dem Verhalten seiner Schüler - und prägt das Vorankommen der Handlung.  Neben der Beziehung zu seinen Schülern spielen auch Vernaus private Beziehungen eine nicht unerhebliche Rolle darin, aus einer reinen Kriminalgeschichte eine lebendige Handlung zu machen: Seien es die freundschaftlichen Beziehungen zu seiner Kanzleipartnerin Marie-Luise und dem Studenten Kevin oder die etwas schwierige Beziehung zu seiner Mutter und deren Mitbewohnerin oder die langsam entstehende Beziehung zu einer Kollegin. Sie halfen mir dabei, Vernau nicht nur als Anwalt, Aushilfslehrer und wichtige Figur in einer Kriminalgeschichte zu sehen, sondern auch als Menschen mit eigener Geschichte, eigenen Problemen und Meinungen, der vollkommen ungeplant in einen Kriminalfall gerät und auf eigene Faust ermittelt.

Fazit: Starke Charaktere, spannende Handlung und ein flüssiger, humorvoller Schreibstil: Von mir gibt es für "Die siebte Stunde" eine klare Leseempfehlung!

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Tags: buchreihe, krimi   (2)
 

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fantasy, ein meer aus tinte und gold, jugendbuch, traci chee, magie

Ein Meer aus Tinte und Gold

Traci Chee , Sylke Hachmeister
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 25.11.2016
ISBN 9783551583529
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Dies ist ein Buch.
Der Satz scheint banal, doch in Kelanna ist er ein Novum, das Fragen aufwirft: Was ist ein Buch? 
Kelanna ist eine Welt voller gesprochener Geschichten. Heldentaten, historische Ereignisse, Abenteuer, Erfahrungen... alles wird von Generation zu Generation durch Geschichten weitergegeben. Eine Schriftkultur scheint nicht zu existieren. Nur eine kleine Gruppe ausgewählter Menschen kennt das geschriebene Wort und kann die Magie, die sich dahinter verbirgt, erkennen. Um das Geheimnis zu wahren, nehmen sie sogar den Tod von Menschen in Kauf.

"Ein Meer aus Tinte und Gold" erzählt vier Geschichten, die sich nach und nach miteinander verweben: Die Hauptgeschichte ist die von Sefia, die früh ihre Eltern verlor und deren Tante Nin nun auch noch entführt wurde. Als letztes Überbleibsel ihrer Vergangenheit besitzt sie einen merkwürdigen Kasten voller Papier: Ein Buch. Während sie es allmählich zu lesen lernt, eröffnet sich ihr eine Welt voller goldener (und gefährlicher) Magie. Gemeinsam mit einem stummen Jungen macht Sefia sich schließlich auf, ihre Tante Nin zu finden. Daneben finden sich Geschichten von Käpt'n Lees und seiner Mannschaft, die auf dem Meer allerhand Abenteuer erleben, und von zwei Personen aus dem Kreis der Eingeweihten.
Anfangs machten mir die unterschiedlichen Handlungsstränge und Charaktere ein wenig Probleme. Es fehlte der größere Zusammenhang zwischen ihnen und ein greifbares Bild von der Welt, um die Gedanken und Handlungen der Figuren richtig verstehen zu können. Nach den ersten Kapiteln, in denen ich die Welt besser kennenlernte, besserte sich das jedoch und die unterschiedlichen Perspektiven boten eine angenehme Abwechslung: Durch sie erlebte ich nicht nur verschiedene Handlungsorte und konnte mir ein besseres Bild von Kelanna machen, sondern konnte einzelne Situationen auch aus verschiedenen Perspektiven betrachten. Daneben erzeugte der Wechsel zwischen den Perspektiven unterschwellig Spannung - entweder, weil Szenen mit einem Cliffhanger endeten, oder weil ich als Leserin zwischenzeitlich mehr wusste als einzelne Charaktere und dadurch bsp. noch vor den Charakteren ahnte, in welcher Gefahr sie schweben.
Die Spannung - auch wenn ich sie nicht als so mitreißend wie bei anderen Fantasybüchern empfand - war ein Grund, warum sich die Geschichte unglaublich schnell lesen ließ. Ein anderer ist die Sprache: Durch sie wirkt "Ein Meer aus Tinte und Gold" wie ein Traum oder ein Märchen. Die Sprache ist einfach und dennoch ausdrucksstark gehalten. Für mich hat sie perfekt die Magie der Worte, die in Kelanna so eine große Rolle spielt, transportiert.
Die Charaktere waren in sich logisch und abwechslungsreich gestaltet. Sehr angenehm fand ich die äußere Gestaltung der Figuren, denn obwohl das Buch zur Jugendfantasy gehört, sind Traci Chees Charaktere endlich einmal nicht alle wunderschön und perfekt.
Was ich dagegen mit der kleinen Liebelei zweier Protagonisten anfangen soll, weiß ich noch nicht so wirklich: Ihre Freundschaft fand ich glaubhaft und schön beschrieben. Die Annäherungen gegen Ende klangen für mich dann allerdings mehr wie "Das ist ein Jugendbuch, also muss(!) hier noch eine Liebesgeschichte rein. Irgendwie." Mal sehen, wie sich das in Band zwei entwickelt. Vielleicht stört es mich hier auch einfach nur, weil ich gehofft hatte, mal ein Jugend(fantasy)buch zu haben, das ohne (gekünstelte) Liebesgeschichte auskommt.

Schlussendlich noch ein Wort zur Gestaltung des Buches selbst und warum ich euch definitiv empfehlen würde, zum Hardcover zu greifen: Zunächst einmal sieht das Buch, das sich unter dem schicken goldenen Schutzumschlag versteckt, aus wie das von Sefia. Darüber hinaus sind die Seiten grafisch gestaltet: Mal findet sich ein schwarzer Fingerabdruck auf den Seiten, mal eine handschriftliche Notiz, geschwärzte Textstellen oder ein mysteriöses Symbol, dem im Laufe der Handlung eine größere Bedeutung zukommt. Einzelne Kapitel sind in anderen Schriftarten gestaltet und z.T. wirken die Seiten wie aus einem alten, fleckigen Buch. Und wer ganz genau hinschaut, entdeckt neben den Seitenzahlen ab und an ein Wort und kann so Seite für Seite und Wort für Wort eine kleine Botschaft entdecken.
Insgesamt hat die Gestaltung sehr gut zur Handlung und zur Sprache des Buches gepasst. Sie hat mich regelrecht noch einmal tiefer mit in die Geschichte genommen - und mir gleichzeitig ein klein wenig der Wortmagie aus Kelanna dagelassen.

Fazit: "Ein Meer aus Tinte und Gold" ist kein typisches Fantasybuch mit ausgekauten Motiven und schon x-mal gelesenen Handlungsmustern. Vielmehr wirkt es wie ein modernes Märchen über Bücher und die Magie zwischen den Zeilen: Ein fantastisches, wundervoll geschriebenes Buch mit kleinen Mankos, das Lust auf mehr macht.

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Tags: buchreihe, fantasy, magie   (3)
 

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43 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 22 Rezensionen

erster weltkrieg, nachkriegszeit, historischer roman, hunger, kriegstraumata

Heldenflucht

Jan Kilman
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Heyne, 13.03.2017
ISBN 9783453438378
Genre: Historische Romane

Rezension:

Deutschland 1918: Der Erste Weltkrieg ist vorbei. Während die Daheimgebliebenen im aufkommenden Winter um das tägliche Überleben kämpfen, kehren erste Soldaten von der Front zurück. Eines Tages findet ein Junge in einem Wald nahe dem Dorf Kirchbach in der Eifel eine Leiche. Kurz darauf ist sie verschwunden. Als wenig später ein stummer französischer Soldat in Kirchbach auftaucht, kocht die Stimmung hoch ...

Erst einmal vorweg: "Heldenfluch" ist ein klassisches Beispiel dafür, dass man dem Klappentext nicht immer trauen sollte. Teile der Handlung, die dort erwähnt werden, finden erst im letzten Viertel des Buches statt - und dann auch nicht so, wie dort angeteasert wird. Auch dem Cover sollte man nicht zu viel Aufmerksamkeit schenken: Es sieht gut aus, hat aber weder mit der Handlung, noch dem Handlungsort etwas zu tun. Die Geschichte selbst hat zunächst einmal wenig mit einem historischen Krimi zu tun. Ich gehöre zu den Klappentext-Lesern. Daher bin ich von vornherein mit einer gewissen Erwartung an das Buch herangegangen - und wurde nach dem Prolog enttäuscht. "Heldenfluch" ist eher ein historischer Roman. Um die Aufklärung eines Todesfalls geht es nur ab und an am Rande. Zentrum der Handlung ist etwas ganz anderes: Das Leben der Menschen. Wie gingen die Daheimgebliebenen mit der Situation um? Wie lebten die Menschen auf dem Land, als die Industrialisierung langsam Einzug in ihr Leben hielt? Welche Sorgen, Nöte und Ängste beherrschten das Leben? Und wie erging es den Kriegsrückkehrern, die zum Teil mit Problemen zu kämpfen hatten, von denen die Medizin bis dato noch nicht einmal etwas gewusst hatte? Diese und weitere Fragen bestimmen die Geschichte, die aus der Sicht verschiedener Personen erzählt wird. Die Protagonistin ist Agnes Papen, die es zwar zur Kriegsberichterstatterin gebracht hat, nun aber arbeitslos ist, weil ihr als Frau nichts zugetraut wird. Neben ihr kommen eine ganze Reihe weiterer Figuren zu Wort, die an ihrem Schicksal teilhaben lassen und es mir ermöglichten, ein umfangreiches Bild von der Situation in Kirchbach zu entwickeln. Die meisten Figuren waren mir schnell sympathisch und ich habe gern ihre Geschichte verfolgt - trotz falscher Erwartungen. Der erzählerische Teil wird einerseits ergänzt von Feldbriefen, die von der Situation an der Front berichten und in ihrer Art echter Feldpost nachempfunden sind. Sie haben mir manches Mal eine Gänsehaut beschert und den Blick für das Grauen des Krieges noch weiter geschärft. Andererseits gibt es zu jedem Tag, der erzählerisch behandelt wird, eine Übersicht wichtiger Ereignisse im Nachkriegsdeutschland. Sie ermöglichten zwar eine interessante historische Einordnung, hatten aber, im Vergleich zu den Briefen, nichts mit der Handlung zu tun. Dadurch wirkten sie auf mich wie nettes, aber überflüssiges Beiwerk.  Ansätze eines Krimis, wie ich ihn erwartet hatte, habe ich schlussendlich im letzten Viertel gefunden. Während die Geschichte zuvor, interessant aber meist eher ruhig verlief, zog hier die Spannung deutlich an. Auf wenigen Seiten passierte - gefühlt - mehr als im ganzen bisherigen Buch. Tatsächlich konnte ich dann auch verstehen, was mit der Gewaltspirale im Klappentext gemeint war, auch wenn sie so plötzlich da war, dass sie mir zu gekünstelt erschien. Mehr Andeutungen im Vorfeld oder eine langsamere Steigerung der Dramatik hin zum Finale hätten mir besser gefallen.

Fazit: Krimi gesucht - Nachkriegsroman gefunden. Wer sich einmal vom Klappentext verabschiedet (oder ihn gar nicht erst gelesen) hat, findet in "Heldenfluch" eine spannende, menschennahe Geschichte aus einer Zeit, die im Allgemeinen wenig thematisiert wird. Dennoch mangelte es mir zum einen an der Umsetzung. Zum anderen fand ich das Ende nicht ganz gelungen.

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Tags: historischer roman, krimi   (2)
 

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247 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 108 Rezensionen

spinnen, thriller, horror, ezekiel boone, die brut

Die Brut - Sie sind da

Ezekiel Boone , Rainer Schmidt
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 24.05.2017
ISBN 9783596035533
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

In Peru verschwindet eine Wandergruppe. In China explodiert eine Atombombe. In Washington erhält die Biologin Melanie Guyer einen uralten Kokon. In Indien reagieren die Seismographen, aber das Erdbeben bleibt aus. Und ein Flugzeugabsturz in Minneapolis ruft die höchsten Behörden und sogar die Präsidentin auf den Plan. Die Ereignisse scheinen zufällig zur gleichen Zeit zu passieren, doch sie hängen alle zusammen. Mit etwas schier Unglaublichem. Denn die "Brut" lässt sich nicht mehr aufhalten.

Mit "Die Brut - Sie sind da" legt Ezekiel Boone den ersten Band seiner neuen Thriller-Trilogie mit Hang zum Horror vor. Optisch ist das Buch schon mal ein echter Hingucker: Neben dem genretypisch dunklen Cover punktet es mit einem leuchtend roten ("blutigen") Buchschnitt.
Dass es sich hierbei nicht um einen Einzelband handelt, sollte man von vornherein im Hinterkopf behalten, um nicht enttäuscht zu werden. Schnell wird deutlich, dass die Handlung nicht auf eine rasche Lösung ausgerichtet ist. Vielmehr nimmt sich Boone in diesem ersten Band viel Zeit, um die Ankunft der "Brut" und ihre Auswirkungen zu beschreiben. Dabei beschränkt er sich keineswegs auf einen Ort und eine Handvoll Figuren. Die Handlung gliedert sich in zahlreiche Handlungsstränge - für meinen Geschmack fast zu viele. Jeder einzelne widmet sich den unterschiedlichen Charakteren an unterschiedlichsten Orten auf der ganzen Welt. Nur wenige sind dabei tatsächlich auserwählt, das Ende des ersten Bandes lebend zu erreichen. Welche das sind, verschleiert Boone sehr gut, sodass ich mir als Leser nie sicher sein konnte, was als nächstes passiert und wen die "Brut" erwischt. Auch die Hauptcharaktere kristallisier(t)en sich dadurch nur langsam heraus.
Die Geschichte wird in überwiegend kurzen Kapiteln erzählt, die häufig mit einem Cliffhanger enden, bevor an einen anderen Handlungsort gesprungen wird. Dadurch wird sehr schnell Spannung aufgebaut, die sich im Verlauf der Handlung langsam steigert. Häufig funktionieren die Kapitel frei nach dem Prinzip "Fressen oder gefressen werden" - was theoretisch mit der Zeit nervig wird und mich bei einem Einzelband garantiert genervt hätte. In "Die Brut - Sie sind da" schärft sich auf diese Weise allerdings der Blick für die Gefahr, die die "Brut" weltweit darstellt.
Dennoch kam ich mir manches Mal vor wie in einem klischeehaften amerikanischen Actionfilm: Viel Geballer (auch auf Insekten), regelmäßige Flüche und meist eher flache Charaktere. Stellenweise (insbesondere zu Beginn) wurde ich das Gefühl nicht los, die Charaktere würden sich nur über ihr Sexleben definieren. Mit der Zeit kamen dann zwar auch ein paar andere Aspekte hinzu, aber insgesamt blieben mir die Charaktere (insbesondere die Hauptfiguren) zu blass. Einen Zugang zu ihnen konnte ich, wenn überhaupt, nur ansatzweise finden.

Fazit: Spannend-schauriger, zum Teil fast schon klischeehaft-amerikanischer Horror-Thriller. Leider blieben die Charaktere zu farblos - vielleicht, weil es einfach zu viele waren. Damit und mit dem finalen Cliffhanger hat "Die Brut" Potential nach oben und für Band 2.

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Tags: buchreihe, horror, thriller   (3)
 

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thriller, jonas winner, murder park, freizeitpark, vergnügungspark

Murder Park

Jonas Winner
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Heyne, 13.06.2017
ISBN 9783453421769
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

1997 markierten drei Morde des Serienkillers Jeff Bohner das Ende des Freizeitparks "Zodiac Island" vor der Ostküste der USA. 2017 soll die Insel zu einem neuen Vergnügungspark werden: Murder Park. Ein Park im Stil von Krimidinnern oder Krimireisen, an einem echten Tatort, mit echten Kriminalfällen als historischem Hintergrund. Noch vor der offziellen Eröffnung des Parks gelangt Paul Greenblatt im Rahmen einer Pressereise für drei Tage auf die Insel. Mit elf weiteren Personen soll er als einer der ersten das Konzept kennenlernen. Dann beginnen die Morde und mit einem Mal ist niemand auf der Insel mehr sicher. Ist der Mörder einer von ihnen?

Schon auf dem Cover könnte Zodiac Island so friedlich wirken: umgeben von ruhigem Wasser, eine kleine Insel, typische Freizeitpark-Fahrgeschäfte ... Aber schon der erste Eindruck rief in mir die Skepsis wach. Die invertierten Farben verleihen der Szenerie etwas Düsteres, Unheimliches ... Geisterhaftes. Wie eine Nachtszene, die kurzzeitig von einem Blitz erhellt wird - bevor das eben noch unsichtbare Monster zuschlägt. Das Cover ist definitiv bereits ein Blickfang, aber wird das Buch dem ersten Eindruck gerecht?  Die Handlung beginnt mit einer etwas fragwürdigen Interview-Sequenz. Sie ist eine von mehreren, die immer wieder die Handlung ergänzen und ihren Verlauf unterbrechen. Jeder Teilnehmer der Pressereise musste sich im Vorfeld mit dem Psychiater Sheldon Lazarus unterhalten, der das Projekt begleitet und sich bereits 1997 so intensiv mit Jeff Bohner befasste wie kaum ein anderer. Diese Sequenzen sind es, die nach und nach die unterschiedlichen Persönlichkeiten der Teilnehmer beleuchten und es mir ermöglichten zu hinterfragen, wie viel professionelles Interesse und wie viel dahinter versteckter Eigennutz für jeden Teilnehmer im Besuch der Insel liegen. Im ersten Kapitel lernte ich dann den 24-jährigen Kriminalblogger Paul Greenblatt kennen, den Protagonisten der Handlung. 1997, als der Serienkiller Jeff Bohner auf Zodiac Island sein Unwesen trieb, war auch Paul zuletzt auf der Insel und kam dem Mörder dabei so nah wie sonst fast nur die Opfer. Die Begegnung hat sein Leben verändert, aber trotzdem versucht er möglichst objektiv, aber mit einer gewissen Grundskepsis und emotionalen Verbindung, den neuen "Murder Park" kennenzulernen.  Nachdem ich die erste Skepsis, hauptsächlich wegen des Parkkonzepts, überwunden hatte, wurde Paul für mich ein überzeugender, sympathischer "Reisebegleiter", der immer wieder meine Gedanken zu teilen schien. Seine Parts sind größtenteils in dritter Person, Vergangenheit, geschrieben, wechseln stellenweise jedoch auch spontan ins Präsens und wirken damit wie eine Art verlangsamte, besonders intensive Momentaufnahme. In der Mischung zwischen Reisegeschehen, ersten Morden und Interview-Ausschnitten steigt sehr schnell die Spannung. Die wachsende Anspannung zwischen den Figuren und die omnipräsente Frage nach der Identität des Mörders sind regelrecht greifbar und forderten mich zum Miträtseln und Mitfiebern auf. Vermutungen erwiesen sich immer wieder als Sackgassen. Zwischenzeitlich zweifelte ich an allem, selbst an Paul, den ich doch eigentlich die ganze Zeit über begleitet hatte. Im Verlauf der Handlung schien irgendwann nichts mehr sicher, niemand mehr vertrauenerweckend - und als ich endlich (!) glaubte, der Wahrheit auf der Spur zu sein, ließ Jonas Winner eine regelrechte Bombe platzen, die noch einmal alles veränderte, alles von Neuem in Frage stellte und klar machte: Hier, auf Zodiac Island, im Murder Park, ist nichts, wie es scheint. Die Gefahr kann überall lauern.

Fazit: Der erste Eindruck bestätigt sich. "Murder Park" ist ein gelungener Thriller, der seine Bezeichnung mehr als verdient. Überzeugende Charaktere, ein packender Erzählstil und eine Handlung, bei der man einfach mitfiebern muss, machen dieses Buch für mich zu einem neuen Highlight im Thriller-Bereich!

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Tags: thriller   (1)
 

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58 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 1 Rezension

religion, gesellschaft, papst, glaube, christentum

Heilige Scheiße

Stefan Bonner , Anne Weiss
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 19.08.2011
ISBN 9783404601875
Genre: Humor

Rezension:  
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55 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 36 Rezensionen

thriller, science fiction, zukunft, dystopie, scifi

Hagerstown

Edward Ashton , Kerstin Fricke
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 10.04.2017
ISBN 9783959670821
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

USA, irgendwann in der Zukunft: Der technische Fortschritt ist weiter vorangegangen. Offline geht kaum noch etwas. Die meisten Häuser sind vollständig vernetzt, inklusive Avataren, die wie persönliche Diener zahlreiche Aufgaben im Haus und in der Kommunikation mit anderen übernehmen. Gleichzeitig hat die Gesellschaft einen neuen Schnitt bekommen: nicht mehr Arm und Reich, Weiß oder Farbig sind die bestimmenden Kategorien. Mittlerweile wird in Veränderte und Unveränderte unterteilt. Die Modifizierung von Menschen - auf genetischem, biologischem oder sogar technischem Weg - schreitet immer weiter voran. Nicht ohne Probleme. Das Massensterben von Hagerstown lässt den Konflikt zwischen beiden Gruppen neu anschwellen; erst recht, als für kurze Zeit ein Video im Netz auftaucht, auf dem Überlebende zu sehen sind, kurz bevor die Regierung genau das zu vertuschen versucht.

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Ich-Perspektive von Anders, seinem Mitbewohner Gary und den beiden Schwestern Terry und Elise erzählt. Anders als von Ich-Perspektiven sonst gewohnt, kommen die Texte häufig mit nur sehr geringen Emotionen aus. Stellenweise wirken sie nahezu emotionslos. Ein Kunstgriff des Autors? Eine Begleiterscheinung der Modifizierungen und der wachsenden Technisierung und Digitalisierung? Möglich. Ich weiß es nicht. Was ich weiß, ist dass diese Emotionsarmut eine Barriere zwischen mir und dem überwiegenden Teil der Figuren entstehen ließ. Eine Identifizierung mit ihnen war mir nicht möglich. Die Geschichte tatsächlich aus ihrer Perspektive zu sehen und die Position des außenstehenden Lesers zu verlassen, ist mir nicht gelungen. Eine kleine Ausnahme davon bildete Gary. Meine erste Eingebung zu ihm - "Was für ein Idiot, der kriegt doch nichts auf die Reihe!" - hat sich absolut nicht bestätigt. Ganz im Gegenteil. Gary war der einzige, der mich abholen und mich in die Geschichte mitnehmen konnte. Seine frechen Aussprüche haben mich eins ums andere Mal zum Schmunzeln gebracht. Im Nachhinein ist er der einzige, der mir wirklich als eigenständige Person in Erinnerung bleibt. Zwar hatten auch die anderen Charaktere definierte Persönlichkeitszüge, die sie eigentlich einzigartig machen sollten. Im Verlauf der Geschichte blieben sie mir allerdings leider zu ähnlich. Die Handlung an sich war zunächst einmal überraschend anders als nach dem Lesen des Klappentextes erwartet. Nichts mit aggressiven Viren und und die angekündigte "aktive Spurensuche der vier Freunde" habe ich so auch nirgends im Buch gefunden. Stattdessen hatte ich ein eher der Science Fiction als dem Thriller zuzuordnendes Buch vor mir, dem zunächst einmal ein echter Einstieg in die Welt fehlte. Hochtechnisiert, stark digitalisiert, veränderte Gesellschaftsschichten - alles schön und gut, aber das Wissen darum erhielt ich nur sehr bruchstückhaft verteilt über das gesamte Buch. Ein echtes Bild vom Setting konnte damit nur sehr langsam entstehen. Entschädigung dafür war klar die Handlung: Trotz der etwas emotionslosen Figuren blieb die Spannung beinahe durchweg hoch. Die Frage, was in Hagerstown passiert ist, und die Vertuschungsversuche der Regierung trieben mich Seite für Seite durch das Buch, ohne dass ich wirklich erahnen konnte, wie die Lösung aussehen wird. Zwar war nur Gary ernsthaft damit beschäftigt, was in Hagerstown passiert ist, - die anderen drei kreuzten die Thematik nur immer mal und blieben ansonsten häufig passiv - aber das tat der Spannung keinen Abbruch. Im letzten Drittel hatte ich dann leider das Gefühl, dass der Autor zu viele Konfliktpunkte eröffnet hat, die er nicht alle bedienen konnte. Hagerstown, gesellschaftliche Probleme, persönliche Probleme der Figuren, Verwicklungen - all das wurde am Ende für meinen Geschmack nur unzureichend aufgeklärt. Auf der einen Seite mag das gut sein: das Buch gerät nicht so schnell in Vergessenheit. Es bleibt in Erinnerung - vor allem mit seiner Thematik und seiner relativen Nähe zu unserem Leben. Auf der anderen Seite fehlten mir allerdings einige Informationen, wie bsp. einzelne Gruppierungen miteinander zusammenhängen, um das Buch zufrieden zuklappen zu können.

Fazit: Spannende Handlung mit mitunter überraschenden oder sogar erschreckenden Anknüpfungspunkten zum Jetzt. Dennoch bleiben insbesondere die Figuren hinter den Erwartungen zurück.

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Tags: science fiction, thriller;   (2)
 

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282 Bibliotheken, 1 Leser, 8 Gruppen, 36 Rezensionen

vampire, liebe, vampir, partnervermittlung, werwölfe

Suche bissigen Vampir fürs Leben

Kimberly Raye
Flexibler Einband: 342 Seiten
Erschienen bei EGMONT Verlagsgesellschaften mbH, 15.01.2009
ISBN 9783802581687
Genre: Fantasy

Rezension:  
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(113)

321 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 53 Rezensionen

fantasy, magie, sternensturm, liebe, jugendbuch

Sternensturm - Das Herz der Quelle

Alana Falk
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Arena, 03.01.2017
ISBN 9783401602905
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Flutwellen, Unwetter, Vulkanausbrüche, Erdbeben - ohne die Magier der Gemeinschaft würden Menschen viel häufiger unter diesen Naturschauspielen zu leiden haben. Sie sind es, die mit ihrer Macht die Natur beruhigen und die Menschen schützen. Nur ganz allein können sie das nicht. Ein Magier braucht seine menschliche Quelle. Ohne die geht es nicht - aber mit ihr manchmal auch nicht so richtig.
Die Grundidee von Alana Falks neuem Werk finde ich großartig: Magier haben zwar große Mächte, sind aber ohne ihre Quelle, mit der sie eine Art Symbiose eingehen müssen, machtlos. Trotzdem sind es nicht die Quellen sondern die Magier, die die Spielregeln diktieren, denen Magier wie Quellen folgen müssen. Die Handlung ist zweigeteilt. In Auckland, Neuseeland, folgt sie der neunzehnjährigen Magierin Liliana und ihrer frisch verbundenen Quelle Chris. Die beiden haben einige Probleme miteinander - und Chris zusätzlich mit der Gemeinschaft insgesamt - was die beiden immer wieder vor neue Konflikte stellt. Gleichzeitig sind sie gezwungen, schnellstmöglich das gemeinsame Zaubern zu lernen, denn die Gemeinschaft steht vor einem ihrer größten Einsätze zum Schutz der Menschen.
Während mir Chris sofort sympathisch war und ich seine rebellische Art mochte, hatte ich mit Liliana anfangs Probleme. Sie ist sehr darauf bedacht, die hohen Anforderungen ihrer Umgebung zu erfüllen und leidet darunter, als es ihr nicht gelingt. Den Druck, der dabei auf ihr (und Chris) lastet, konnte ich gut nachvollziehen. Leider wirkt Liliana zu Beginn nicht so alt, wie sie eigentlich ist, und ist sehr auf sich fokussiert, was ziemlich nervig ist. Glücklicherweise entwickelt sie sich im Laufe der Handlung deutlich weiter, sodass ich mich mit der Zeit richtig mit ihr anfreunden konnte.
Im zweiten Handlungsstrang sucht die Magierin Adara in Rom nach einem (eigentlich verbotenen) Weg, ihre verstorbene Quelle zurückzuholen. Dieser Teil der Handlung ist sehr düster; unterstützt noch von Hinweisen darauf, dass die Gemeinschaft nicht so gut und rechtschaffen ist, wie alle glauben wollen. Auf ihrer Suche eckt sie dabei immer wieder mit dem Wächter Seth an, einem Diener des Hohen Rates der Gemeinschaft, der scheinbar immer genau dort ist, wo Adara ihn am wenigsten haben möchte.
Adara war für mich von Anfang an die interessantere der beiden Protagonistinnen. Zwar ist sie sehr auf ihren Verlust konzentriert - was in ihrer Lage gut verständlich und daher nicht störend war. Gleichzeitig hat sie allerdings einen deutlich kritischeren Blick auf die Welt als Liliana.
Den Wächter Seth mochte ich zu Beginn überhaupt nicht. Gefühllos, ratstreu und rücksichtslos. Das war zumindest mein erstes Bild von ihm. Als ich ihn im Laufe der Geschichte, soweit möglich, besser kennenlernte, war ich überrascht von seinem Charakter. Zum Ende hin konnte ich es mir ohne ihn gar nicht mehr vorstellen - da hätte einfach etwas gefehlt. Ihn kann ich bisher am wenigsten von allen Figuren einschätzen und bin daher sehr gespannt, wie es (nicht nur) mit ihm im nächsten Band weitergeht.
Durch den Wechsel zwischen Auckland und Rom wie auch durch Wendungen innerhalb der einzelnen Handlungsstränge ist die Geschichte abwechslungsreich und spannend gestaltet. Von Beginn an ist deutlich, dass die Handlung auf irgendein großes Ereignis zusteuert. Wie dieser "große Knall" dann tatsächlich ausgestaltet wird, hat mich sehr überrascht - und schockiert.
Insgesamt hat mir nur ein tieferer Einblick in die Funktionsweise der Gemeinschaft gefehlt. Die Handlung ist so auf die beiden Protagonistinnen und ihre Wege konzentriert, dass für ihre Lebenswelt nicht viel Zeit übrig bleibt. So ist mir bsp. noch immer nicht vollständig klar, was es mit den Wächtern auf sich hat. Wie man zu einem wird, was genau ihre Aufgaben und ihre Stellung in der Gemeinschafts sind etc. pp. Ich hoffe, dass das - wie auch einige andere offene Fragen - im nächsten Band geklärt wird.

Fazit: Alana Falk schafft eine angenehm neue Version von Magiern, die unerkannt unter uns leben. Die Handlung wird flüssig und spannend erzählt. Bei den Figuren fand ich insgesamt die Männer charakterstarker und interessanter als die Frauen, welche eher durch ihre Entwicklung im Laufe der Handlung bestachen.
Insgesamt ein solides Jugend-Fantasybuch, für das ich gern eine Leseempfehlung gebe.

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Tags: buchreihe, fantasy, hexen, jugendbuch, magie, urban fantasy   (6)
 

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pala, jugendbuch, spannung, online-game, superhelden

Pala - Das Spiel beginnt

Marcel van Driel , Kristina Kreuzer , Hauptmann und Kompanie
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Oetinger Taschenbuch, 22.04.2016
ISBN 9783841503534
Genre: Jugendbuch

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thriller, mord, transnistrien, folter, rechtsmediziner

Zersetzt

Michael Tsokos , Andreas Gößling
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.04.2016
ISBN 9783426518779
Genre: Krimi und Thriller

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meerjungfrauen, geheimnisse, mystery, sirenen, taucher

Aquarius

Thomas Finn
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.03.2016
ISBN 9783492280204
Genre: Fantasy

Rezension:

Die Explosion einer Seemine und sein knappes Überleben ziehen Berufstaucher Jens Ahrens mitten hinein in eine Serie scheinbar unmöglicher Kriminalfälle: Er landet in dem wohlhabenden Küstenort Egirsholm, in dem Menschen verschwinden und einige fernab von Wasser unter ungeklärten Umständen ertrinken. Gemeinsam mit der Polizistin Meike Ehlers begibt Jens sich auf Spurensuche. Doch die Hinweise, auf die sie stoßen, werden immer abstruser.

Heimatforschung. Mystery. Alte Sagen und Überlieferungen. Fantasy. In "Aquarius" vereint Thomas Finn so einige Elemente und Genre zu einem interessanten Mix. Trotzdem fand ich es anfangs schwer, einen Zugang zu der Geschichte zu finden. Insbesondere im ersten Drittel reihen sich mehrfach Längen aneinander, die nur selten von etwas spannenderen Stücken unterbrochen werden. Die mystisch-mysteriöse Atmosphäre, die Finn immer mal wieder aufbaut, bricht leider schnell wieder in sich zusammen, statt die Geschichte zu prägen.
Spannung kommt erst ab der zweiten Hälfte auf, als Jens Ahrens tiefer in die Verstrickungen und Mythen rund um Egirsholm und die dortigen Vorkommnisse eintaucht. Mit dem Wechsel von "Heimatforschung mit Mystery-Elementen" zu "Fantasy mit Heimatforschungselementen" kommt die Geschichte erst richtig in Fahrt. Es scheint mir bald, als wollte der Autor zunächst ein (recht trockenes) theoretisches Grundgerüst bauen, auf dem er dann den übernatürlichen Plot aufsetzen konnte. Durchweg überzeugen kann das leider nicht.
Wenigstens beschäftigt "Aquarius" sich mit Sagengestalten, die nicht so abgedroschen daherkommen wie Vampire, Werwölfe oder Elfen und verabschiedet sich auch von lieblichen Disney-Darstellungen. Finns Wesen sind erfrischend echt: Nicht komplett lieb, aber auch nicht das Böse in Person. Realistisch eben.
Wie schon bei der Handlung selbst hatte ich zu Beginn Schwierigkeiten mit den Figuren - allen voran mit dem Protagonisten Jens Ahrens. Er ist eine zuweilen merkwürdige Mischung aus dem Mann von nebenan, einem naiven Jungen und einem Haudrauf. Er und seine Mitstreiterin, die Polizistin Meike Ehlers, wirkten darüber hinaus während ihrer Spurensuche an einigen Stellen ungewöhnlich informiert, dafür dass sie "nur mal was gehört oder gelesen haben". Wie so ein wandelndes Lexikon, aber nicht wirklich überzeugend.
Parallel zur Handlung steigern sich glücklicherweise auch die Charaktere allmählich. Sympathiepunkte kann vor allem Meike für sich gewinnen. Jens dümpelt währenddessen irgendwo zwischen "Ist okay" und "Mag ich ganz gerne" herum. Als Protagonist ist er akzeptabel und durch seine Neugier prägend für die Geschichte - allein tragen können hätte er sie nicht. Dafür fehlte ihm die Dynamik und eine ernstzunehmende Entwicklung habe ich bei ihm auch nicht feststellen können.

Fazit
: Ob hier tatsächlich ein Thriller drin ist, wie das Cover behauptet, ist fraglich. Vielmehr ist "Aquarius" ein interessanter Fantasy-Mix mit bisher wenig thematisierten Sagengestalten. Aufgrund einiger Längen und nicht immer überzeugender Figuren verdient sich das Buch trotzdem nur das Prädikat "Okay".

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Tags: fantasy, meerjungfrauen, mystery   (3)
 
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