Petris

Petriss Bibliothek

410 Bücher, 105 Rezensionen

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Unsere Seelen bei Nacht

Kent Haruf , Pociao
Fester Einband
Erschienen bei Diogenes, 22.03.2017
ISBN 9783257069860
Genre: Romane

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31 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

liebe, niederlande, polen, roman, familie

Ein Brautkleid aus Warschau

Lot Vekemans , Eva M. Pieper , Alexandra Schmiedebach
Fester Einband: 253 Seiten
Erschienen bei Wallstein, 15.02.2016
ISBN 9783835316010
Genre: Romane

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24 Bibliotheken, 10 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

rasse, identitätskrise, identitätssuche, zadie smith, schwarz

Swing Time

Zadie Smith
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Hamish Hamilton, 15.11.2016
ISBN 9780241247310
Genre: Romane

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5 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

roman

Der Scheik von Aachen: Roman

Brigitte Kronauer
E-Buch Text: 408 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 24.09.2016
ISBN 9783608100365
Genre: Romane

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22 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

zürich, schweiz, kündigung, charakterstudie, hass

Wenn du dein Haus verlässt, beginnt das Unglück

Max Küng
Fester Einband: 350 Seiten
Erschienen bei Kein & Aber, 07.10.2016
ISBN 9783036957449
Genre: Romane

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36 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 5 Rezensionen

sommer, roman, kroatien

Bora

Ruth Cerha
Fester Einband: 254 Seiten
Erschienen bei Frankfurter Verlagsanstalt, 01.07.2015
ISBN 9783627002152
Genre: Romane

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11 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Krötenliebe

Julya Rabinowich
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Zsolnay, Paul, 14.03.2016
ISBN 9783552063112
Genre: Romane

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133 Bibliotheken, 6 Leser, 1 Gruppe, 61 Rezensionen

new york, familie, geschwister, usa, erbschaft

Das Nest

Cynthia D'Aprix Sweeney , Nicolai Schweder-Schreiner
Fester Einband: 410 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 02.12.2016
ISBN 9783608980004
Genre: Romane

Rezension:

Aufmerksam wurde ich auf das Buch durch das Cover, die Farben, die Schrift, die Vögel, ich fand’s schön. Den Zusammenhang mit der Geschichte habe ich aber erst kapiert, nachdem ich die letzte Seite beendet und das Buch zugeklappt hatte.

Welcher Vogel ist nun welches Familienmitglied der Familie Plumb? Den eher unscheinbaren braunen Vogel links unten hätte ich Melody zugeordnet, die Jüngste im Bunde, immer etwas unsicher, liebevolle Mutter und Ehefrau. Gleich daneben sitzt für mich Jack, der schwule Bruder mit Ehemann und Antiquitätengeschäft. Links oben sitzt für mich Bea, die attraktivere Ausgabe von Melody, wie es einmal im Roman heißt und rechts oben natürlich Leo, schillernd, blendend, selbstbewusst und egozentrisch, der große Bruder um den alle schwirren.

„Das Nest“ ist ein kleines Vermögen, das ihr Vater für sie angelegt hat. Der Haken, sie bekommen es erst nach dem 40. Geburtstag der jüngsten Schwester, Melody. Dumm nur, dass Leo sich mal wieder nicht im Griff hat und einen Unfall baut, bei dem eine junge Kellnerin schwer verletzt wird. Ihr Stillschweigen erkauft die Mutter der vier mit dem Vermögen, das eigentlich allen gehört.

Ihr ganzes Leben haben die Geschwister auf „das Nest“ aufgebaut, über ihre Verhältnisse gelebt, ihr tatsächliches Nest immer in Hinblick auf den Geldsegen aufgebaut. Und dann ist es plötzlich weg. Aufgeregt, aufgescheucht versuchen sie zu retten, was zu retten ist. Und Leo soll es richten, schließlich ist er dafür verantwortlich.

Sehr gut gefallen haben mir auch die Nebengeschichten rund um Stephanie, die on-off-Freundin von Leo und die verletzte hispanische Kellnerin, ach ja und die Geschichte von Stephanies Untermieter war auch sehr berührend. Sie passen wunderbar ins Gefüge.

Thema des Romans ist die Familie, die Bedeutung des Geldes und worum es wirklich geht im Leben. Ruhig erzählt, immer ganz nahe an der Realität, so würden auch reale Menschen reagieren, entsteht ein Familienkosmos. Ob die Krise sie zerstört oder am Ende befreit, das sei hier nicht verraten.

Sehr schöner amerikanischer Familienroman! Unbedingt lesenswert!

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69 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 28 Rezensionen

tod, kanada, verlust, freundschaft, familie

Ein unbesiegbarer Sommer

Wendi Stewart , Matthias Fienbork
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Nagel & Kimche, 25.07.2016
ISBN 9783312009985
Genre: Romane

Rezension:  
Tags: adoption, aufwachsen, freundschaft, häusliche gewalt, jugend, unfall, verlust   (7)
 

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24 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 17 Rezensionen

shakespeare, the tempest, shakespear, englisch, tempest

Hag-Seed

Margaret Atwood
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Hogarth, 06.10.2016
ISBN 9781781090237
Genre: Romane

Rezension:

Bevor ich loslegen kann mit meiner Rezension, muss ich erst mal tief durchatmen und mich beruhigen, damit sie nicht zu hysterisch wird vor lauter Begeisterung und Schwärmerei. Damit ist auch schon gesagt, wie mir der Roman gefallen hat! Ich bin begeistert, finde ihn perfekt und zähle ihn zu den besten Büchern, die ich dieses Jahr gelesen habe.

Die Hogarth Shakespeare Reihe hat zeitgenössische RomanautorInnen beauftragt, Shakespeare-Stücke als Romane neu zu adaptieren. Von der Grundidee eine wunderbare Sache, allerdings muss man sich, dadurch, dass jeder Roman von einem anderen Autor/einer anderen Autorin verfasst wird, auf Überraschungen gefasst machen. Das erste, das ich gelesen habe, war Jeanette Wintersons Der weite Raum der Zeit, eine Adaption des Wintermärchens. Ich war total angetan und darum Hag-Seed gegenüber neugierig und positiv eingestimmt. Außerdem gehört Der Sturm zu meinen Lieblings-Shakespeare-Stücken.

Was Atwood daraus macht ist einfach großartig! Sie spielt Theater im Theater im Roman. Alle Elemente Shakespeares (Geister, Schicksal, Glück, unwahrscheinliche Zufälle, Gesellschaftskritik, Rache, Liebe,…) greift sie auf und baut sie ein. Sie spielt mit Sprache, mit ihren Figuren und behält alle Fäden fest in der Hand. Und dabei gelingt ihr das Kunststück, eine sehr schöne, aktuelle Geschichte, ganz nah am Original zu erzählen. Jede Figur im Stück hat seine Entsprechung in der Realität und dann nochmal bei den Darstellern aus der Gefängnisanstalt. Das Ganze wirkt aber nicht überladen oder künstlich konstruiert, sondern fließt stimmig, locker, leicht und zauberhaft ineinander. Wie eben auch bei Shakespeare.

Felix Philipps, der seinen Job als Festivalleiter verlor und um seine Tochter trauert, übernimmt ein Programm zur Verbesserung der sprachlichen Fähigkeiten von Häftlingen. Er setzt durch, dass er das macht, indem er Shakespearestücke mit ihnen spielt bzw. auf Video festhält. Alleine, wie er das macht, ist es schon wert, den Roman zu lesen. In seinem vierten Jahr beschließt er den Sturm aufs Programm zu setzen, jenes Stück, das sein Leben bestimmt.

Sehr viel mehr will ich gar nicht verraten, denn es gibt zu viele Wendungen, Überraschungen, interessante Aha-Momente, die ich hier nicht vorwegnehmen will. Ich kann nur jedem Leser/jeder Leserin empfehlen, diesen Roman zu lesen. Er ist unterhaltsam, literarisch, berührend, sprachlich wunderschön und nebenbei erfährt man auch ganz viel über dieses Shakespeare-Stück.

Von mir würde der Roman mehr als fünf Sterne bekommen. Eine der besten Shakespeare-Adaptionen ever!

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14 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

lottogewinn, betrug, träume, liebe, frankreich

Alle meine Wünsche

Grégoire Delacourt , Claudia Steinitz
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Atlantik Verlag, 18.11.2016
ISBN 9783455651454
Genre: Romane

Rezension:  
Tags: betrug, erfüllung, liebe, lottogewinn, treue   (5)
 

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32 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 24 Rezensionen

familie, mord, ian mcewan, baby, roman

Nutshell

Ian McEwan
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Jonathan Cape, 01.09.2016
ISBN 9781911214335
Genre: Romane

Rezension:

Der erste Roman, den ich von McEwan las war Abbitte. Ich war total begeistert. Seither zählt er zu jenen Autoren, von denen ich versuche, alles zu lesen, was sie schreiben. Er zählt auch zu jenen Autoren, die mich mit jedem neuen Buch wieder überraschen und die sich in jedem Roman neu erfinden. Abbitte ist völlig anders als Honig, das wiederum unterscheidet sich sehr von Kindeswohl und in Nutshell ist ihm wieder etwas völlig Neues gelungen.

Schon die Erzählstimme ist ungewöhnlich. Das ungeborene, offensichtlich ungeliebte Kind erzählt aus seiner eingeschränkten Wahrnehmung heraus. Es kann nur hören, ahnen und die Emotionen der Mutter interpretieren. Und so erzählt es die Geschichte.

Trudy hat ihren Ehemann John, einen Dichter und Idealisten mit dessen oberflächlichen, schalen Bruder Claude betrogen und möchte mit diesem zusammenleben. Gemeinsam schmieden sie einen Mordplan. Einziger Mitwisser, der kleine Sohn im Bauch Trudys.

Aus diesen Zutaten schmiedet McEwan eine bitterböse Komödie. Es geht um Dummheit, um Künstler, um Oberflächlichkeit, Gier, auch ein wenig um Liebe. McEwan versucht erst gar nicht nett zu sein, es scheint es zu genießen, einmal so richtig böse und voller schwarzen Humor zu schreiben. Die Mutter trinkt, das Haus ist versifft, man plant einen Mord und fühlt sich nicht schuldig und John rezitiert Gedichte,…

Das Ganze ergibt Spannung auf hohem Niveau. Wird der Plan gelingen? Gelingt es dem Baby, den beiden das Handwerk zu legen? Ist wirklich alles so, wie es scheint? Bis zum Schluss wird der Leser immer wieder auf neue Fährten geführt und verwirrt. Einfach großartig gemacht.

Ich habe den Roman mit großem Vergnügen gelesen, auch wenn einem das Lachen immer wieder im Hals stecken bleibt. Bitterböse und schwarz. Aber einfach genial! Muss man lesen.

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34 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 17 Rezensionen

valparaíso, hamburg, südamerika, schiff, ch: niveau 2016

Der Hydrograf

Allard Schröder , Andreas Gressmann
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Mare Verlag, 04.10.2016
ISBN 9783866482623
Genre: Romane

Rezension:

Der erste Eindruck des Buches ist ein eleganter. Ein beinahe ganz schwarzes Cover, mit wenigen hellen Linien und Flächen entsteht darauf eine mit Öl auf Leinwand gemalte elegante Frau, gekleidet im Stil des frühen 20. Jahrhunderts. Ein Hut verbirgt ihre Augen, die Lippen sind rot geschminkt, ebenso die Fingernägel, um den Hals trägt sie eine dreireihige, lange Perlenkette.

Damit sind wir schon beim Klappentext. Im Mittelpunkt steht der Hydrograf Franz von Karsch-Kurwitz, der sich auf der Posen einschifft, um nach Valparaíso zu fahren, vornehmlich, um das Meer zu erforschen, aber in Wirklichkeit auch auf der Flucht vor sich selbst. Mit an Board der Lehrer Todtleben und der Salpeterhändler Moser. Und natürlich dann, etwas später, die geheimnisvolle Frau, Asta Maris.

Sie alle stehen für Figuren ihrer Zeit, Franz von Karsch für den niedergehenden Adel, der degeneriert, ohne Ehrgeiz und Ansporn seine ewigen Privilegien lebt, Todtleben, der Intellektuelle, der Denker seiner Zeit, der mit seinen Ideen den Wandel antreibt und natürlich Moser, der Hochkömmling des 20. Jahrhunderts. Für ihn zählen nur Fakten, Geld, Erfolg. Und die Frau, in der alle das sehen, was sie sehen wollen.

Im Rahmen dieses kleinen Mikrokosmos aus Personen, die viele Stunden zusammen auf dem Meer verbringen, wird Karschs Geschichte erzählt. Sehr kühl, sehr distanziert, sehr analytisch. Der Stil erinnert an die Schriftsteller des auslaufenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert. Für uns LeserInnen des 21. Jahrhunderts mit seinen nach Creative Writing Regeln gestrickten schnellen, spannenden und handlungsreichen Romanen ein sehr ungewohnter Stil. Man kann sich mit keinem der Charaktere identifizieren, alles bleibt einem fremd. Mir gefällt das, aber ich kann auch verstehen, dass das manche LeserInnen zu langsam und sogar langweilig empfinden.

Ich mochte das Buch sehr gerne. Vor allem die schöne, literarische Sprache, aber auch die Gedanken. Ich hatte das Gefühlt, die Zeit vor erstem und zweiten Weltkrieg mit all seinen Umbrüchen, dem Niedergang des Adels und dem Aufstieg der bürgerlichen Wirtschaftstreibenden, sowie dem Wunsch nach Veränderung besser verstehen zu können.

Ein Roman, den ich vor allem LiebhaberInnen klassischer Literatur empfehlen würde. Ich habe die Lektüre sehr genossen!

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Tags: adel, hamburg, jahrhundertwende, schiff, sucht, syphilis, valparaíso   (7)
 

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37 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 25 Rezensionen

italien, ferrara, schuld, drogen, familie

So glücklich wir waren

Daria Bignardi , Julika Brandestini
Fester Einband: 317 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 11.09.2016
ISBN 9783458176800
Genre: Romane

Rezension:

Das Buch hat mich mit seinem schönen Cover sofort angesprochen. Eine junge Frau schaut nachdenklich und ernst oder auch verträumt ins Leere. Der Klappentext versprach eine Mutter-Tochter-Geschichte, etwas, das ich immer spannend finde, da dies eine ganz starke, eigene und oft nicht ganz einfache Beziehung ist. Dazu ein Familiengeheimnis und das Setting in einer alten, italienischen Stadt. Das versprach einen Roman nach meinem Geschmack.

Sehr schön fand ich, wie die Geschichte erzählt wird. Immer abwechselnd von Alma, der Mutter und Antonia, ihrer Tochter. So fügen sich die Erinnerungen der Mutter und das, was Antonia herausfindet schön zusammen und wie bei einem Puzzle wird das Bild immer klarer und man kann immer besser verstehen, weshalb der Großvater ein so schwermütiger Mann war, weshalb es für Alma so schwer ist, glücklich zu sein und auch warum sie der Mensch geworden ist, der sie heute ist. Dabei bleibt die Autorin immer sehr menschlich mit ihren Figuren. Sie beobachtet und verurteilt nicht, das ist sehr schön.

Das zweite Highlight des Romans ist die Stadt Ferrara, aus der Alma stammt und in die Antonia sich auf Spurensuche begibt. Daria Bignardi gelingt es großartig, die Stimmung einzufangen und uns den ganz eigenen Charakter dieser Stadt zu vermitteln. Man bekommt Lust hinzufahren und die köstliche Maronenpastete, von der ständig die Rede ist, zu probieren. Diese Teile fand ich sehr gelungen und stimmungsvoll.

Am Ende musste ich aber dann trotzdem ein wenig über meine Bewertung nachdenken. Wenn ich könnte, würde ich 4 ½ Sterne vergeben, da das Ende leider etwas zu überladen ist und damit dem eigentlich sehr gelungenen, versöhnlichen Schluss, die Intensität nimmt.

Dennoch ein Roman, den ich empfehlen kann und den ich mit großem Genuss gelesen habe. 

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Tags: drogen, familiengeheimnis, ferrara, mutter, schuld, tochter   (6)
 

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90 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 49 Rezensionen

leipzig, hotel, schatten, münchen, familiengeschichte

Die unsterbliche Familie Salz

Christopher Kloeble
Fester Einband: 440 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 26.08.2016
ISBN 9783423280921
Genre: Romane

Rezension:

Das Buch ist ja bereits vor einer Weile erschienen, es brauchte aber etwas Zeit, bis es auch bei mir gelandet ist. Bis dahin hatte ich schon viel davon gehört, nicht alles davon waren positive Meinungen. Der Einstieg hatte zwar die meisten begeistert, doch dann bekamen sie Schwierigkeiten mit Verlauf und Figuren und die Bewertungen fielen zum Teil nicht gerade gut aus.

Ich hatte mir vorgenommen, mich nicht beeinflussen zu lassen und gespannt und offen an die Lektüre heranzugehen. Insgeheim wartete ich aber die ganzen 430 Seiten auf den Sprung, das Kippen der Stimmung, den Moment, in dem mir das Buch nicht mehr gefallen würde.

Aber, Überraschung! Der kam nicht. Bis zum Schluss. So ist der Roman für mich eine 5-Sterne-Lektüre geworden.
Schon der Titel, die unsterbliche Familie Salz, ist gut gewählt. Ironisch einerseits, da Krieg und Krankheiten einige Familienmitglieder jung sterben lassen und fast wahr, wenn man an Lola, die Großmutter denkt, die mit 110 zum zweiten Mal stirbt.

Vier Generationen Familie Salz, die kämpferische Großmutter, die ihre Kinder durch den Krieg bringt, dann aber an den Dingen, die sie gesehen hat und dem Verlust ihres Mannes zerbricht, ohne sich dessen bewusst zu sein. Die Kinder Aveline und Kurt, die eine dem Alkohol verfallen, der andere früh genug vor der traumatisierten und alkoholkranken Mutter geflohen. Emma Salz, ein Kind der Wiedervereinigung, Enkelin Lolas und am Ende bekommt noch Emmas Tochter Tara eine Stimme. Was diese Frauen verbindet sind Schatten, die eine kann sie sehen, die andere fürchtet das Fehlen des Schattens, die dritte ist schattenblind und Tara, die wieder Schatten sehen und benennen kann, scheint die Traumen ihrer Familie hinter sich gelassen zu haben. Wenigstens wünscht man ihr das als Leserin.

Erzählt wird aus unterschiedlichen Perspektiven, wodurch jeder Abschnitt eine eigene Erzählstimme und -farbe bekommt. Mir hat das besonders gut gefallen. 
Die Familie Salz hat es nicht leicht, Krieg, Krankheit, Trauma, Alkohol, Verrat und Betrug innerhalb der Familie. Sie versuchen zu lieben, aber es gelingt ihnen nicht so, wie sie es gerne hätten. Die Wirren der Geschichte mit Krieg und Wiedervereinigung tragen das Ihrige dazu bei.
Ein spannendes Familienepos, keine happy family, sondern eine geschädigte, verletzte Familie mit vielen Fehlern, Ecken und Kanten. Und dennoch tun sie einem leid und man mag sie zwischendurch. 

Ein Buch, das mir sehr gut gefallen hat, allerdings keine leichte Kost! 

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Tags: familienepos, krieg, leipzig, münchen, trauma   (5)
 

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88 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 54 Rezensionen

kochen, rezepte, roman, usa, familie

Die Geheimnisse der Küche des Mittleren Westens

J. Ryan Stradal , Anna-Nina Kroll
Fester Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 24.08.2016
ISBN 9783257069754
Genre: Romane

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32 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 24 Rezensionen

familie, mord, ian mcewan, baby, roman

Nutshell

Ian McEwan
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Jonathan Cape, 01.09.2016
ISBN 9781911214335
Genre: Romane

Rezension:

Der erste Roman, den ich von McEwan las war Abbitte. Ich war total begeistert. Seither zählt er zu jenen Autoren, von denen ich versuche, alles zu lesen, was sie schreiben. Er zählt auch zu jenen Autoren, die mich mit jedem neuen Buch wieder überraschen und die sich in jedem Roman neu erfinden. Abbitte ist völlig anders als Honig, das wiederum unterscheidet sich sehr von Kindeswohl und in Nutshell ist ihm wieder etwas völlig Neues gelungen.

Schon die Erzählstimme ist ungewöhnlich. Das ungeborene, offensichtlich ungeliebte Kind erzählt aus seiner eingeschränkten Wahrnehmung heraus. Es kann nur hören, ahnen und die Emotionen der Mutter interpretieren. Und so erzählt es die Geschichte.

Trudy hat ihren Ehemann John, einen Dichter und Idealisten mit dessen oberflächlichen, schalen Bruder Claude betrogen und möchte mit diesem zusammenleben. Gemeinsam schmieden sie einen Mordplan. Einziger Mitwisser, der kleine Sohn im Bauch Trudys.

Aus diesen Zutaten schmiedet McEwan eine bitterböse Komödie. Es geht um Dummheit, um Künstler, um Oberflächlichkeit, Gier, auch ein wenig um Liebe. McEwan versucht erst gar nicht nett zu sein, es scheint es zu genießen, einmal so richtig böse und voller schwarzen Humor zu schreiben. Die Mutter trinkt, das Haus ist versifft, man plant einen Mord und fühlt sich nicht schuldig und John rezitiert Gedichte,…

Das Ganze ergibt Spannung auf hohem Niveau. Wird der Plan gelingen? Gelingt es dem Baby, den beiden das Handwerk zu legen? Ist wirklich alles so, wie es scheint? Bis zum Schluss wird der Leser immer wieder auf neue Fährten geführt und verwirrt. Einfach großartig gemacht.

Ich habe den Roman mit großem Vergnügen gelesen, auch wenn einem das Lachen immer wieder im Hals stecken bleibt. Bitterböse und schwarz. Aber einfach genial! Muss man lesen.

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59 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 38 Rezensionen

japan, tod, trauer, geister, nahtoderfahrung

Lebensgeister

Banana Yoshimoto , Thomas Eggenberg
Buch: 160 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 28.09.2016
ISBN 9783257300420
Genre: Romane

Rezension:

Sayoko überlebt schwer verletzt einen Autounfall, ihr Lebensgefährte Yoichi kommt dabei ums Leben. Eine Weile bewegt auch sie sich zwischen den Welten, doch sie kehrt ins Leben zurück. Äußerlich ist sie bis auf ein paar Narben wieder gesund, aber es hat sich etwas verändert. Sie kann die Geister mancher Verstorbenen sehen.

Yoshimotos Sprache ist in ihrer Feinheit auch hier wieder ein Genuss. Mit zarten Pinselstrichen erzählt sie ihre Geschichte und Dinge, wie Geister Verstorbener, die realistische Beschreibung des Zwischenreiches, in dem einem coole Großväter und verstorbene Lieblingshunde begegnen und es nur einen Schritt braucht, um endgültig die Welt der Lebenden zu verlassen, werden bei ihr ganz natürlich und selbstverständlich.

Sehr schön dargestellt ist auch Sayokos Umgang mit der Trauer, die Verwaltung des Nachlasses ihres Freundes, der Kontakt mit dessen Eltern, der Barbesitzer Shingaki, aber auch die Geister, die sie sieht, helfen ihr, immer weiter ins Leben zurückzukehren.
Feinfühlig und berührend wird dieser Weg ganz ruhig erzählt.

Dennoch hat mir bei dieser Yoshimoto etwas gefehlt. Vielleicht war es ein wenig zu alltäglich, fehlte Substanz. Für meinen Geschmack kreiste die Geschichte zu oft um die gleichen Begegnungen.
Aber das ist Kritik auf sehr hohem Niveau und kommt daher, dass ich schon ziemlich viele Bücher der Autorin gelesen und geliebt habe. Der See und Kitchen zählen zu meinen Lieblingsbüchern. Da liegt die Latte natürlich hoch.

Ein lesenswerter kleiner, sehr feiner Roman zum Thema Trauer, Abschied und Leben. Auf alle Fälle empfehlenswert!

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153 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 74 Rezensionen

frankreich, fiktion, literatur, wahrheit, identität

Nach einer wahren Geschichte

Delphine de Vigan , Doris Heinemann
Fester Einband: 350 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 24.08.2016
ISBN 9783832198305
Genre: Romane

Rezension:

Als ich den neuen Roman von Delphine de Vigan entdeckte, war ich erst etwas skeptisch. Ich mag es nicht besonders, wenn Romane zu offensichtlich autobiographisch sind und sich der Autor/die Autorin in seine/ihre eigene Geschichte schreibt. Aber nachdem ich den Stil der Autorin sehr schätze und mir ihre bisherigen Bücher sehr gut gefallen haben, musste ich es dennoch versuchen.

Der Titel ist raffiniert gewählt und doppeldeutig. Einerseits bezieht er sich auf das Vorgängerbuch, das die wahre Geschichte der Mutter der Autorin erzählt, andererseits lässt es den Leser denken, dass dieser Roman einen wahren Kern hat und autobiographisch ist.

In Wirklichkeit landen wir aber in einem Spiel aus Realität, wahren Anteilen, Fiktion, Buch im Buch,… Am Ende ist man als LeserIn völlig ratlos und weiß nicht mehr, was wahr ist und was nicht. Mich erinnerte der Roman an die Bilder von Escher, die so realistisch wirken und doch in Echt nie existieren können, auf dem Bild bzw. in der Fiktion aber sehr wohl funktionieren.

Die Autorin, zugleich Ich-Erzählerin und Romanfigur, ist nach ihrem letzten Buch ausgebrannt, erschöpft und verletzlich. Da begegnet ihr L., die ihr schnell eine gute Freundin und Stütze wird. Sie bestärkt sie, hilft ihr bei der Themensuche. Doch rasch wird klar, L. drängt sich immer mehr ins Leben der Autorin, sie tut ihr nicht so gut, wie es zu Beginn scheint. Von Anfang an ist klar, dass das nicht gut enden wird, doch wie, das ist noch nicht vorhersehbar.

De Vigans Stil ist noch analytischer und treffsicherer geworden, es ist ein Vergnügen, ihren Gedankengängen zu folgen und sich von ihr auf falsche Fährten führen zu lassen. Besonders gut gefielen mir die Abschnitte über das Schreiben, das Finden von Geschichten und das Abwägen zwischen Wahrheit und Fiktion.

Von der Geschichte her gab es allerdings zwischendurch Längen. Auch war nicht alles ganz schlüssig, das mag Absicht sein, war aber nicht immer ganz klar.

Ein Roman, der verwirrt und auch spaltet, der aber auf alle Fälle spannend ist und zum Nachdenken anregt. Mir hat er gefallen!

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(19)

38 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 15 Rezensionen

shakespeare, jeanette winterson, der weite raum der zeit, eifersucht, wahnsinn

Der weite Raum der Zeit

Jeanette Winterson , Sabine Schwenk
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Knaus, 11.04.2016
ISBN 9783813506730
Genre: Romane

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Die Fremde

Gerhard Streminger
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Braumüller Verlag, 04.10.2016
ISBN 9783992001620
Genre: Romane

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230 Bibliotheken, 16 Leser, 1 Gruppe, 75 Rezensionen

neapel, freundschaft, italien, armut, bildung

Meine geniale Freundin

Elena Ferrante , Karin Krieger
Fester Einband: 422 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 29.08.2016
ISBN 9783518425534
Genre: Romane

Rezension:

Lila und Elena, unzertrennliche Freundinnen. Sie wachsen in einem ärmlichen Stadtteil Neapels in den 50er Jahren auf. Lila ist mutig, sehr begabt, wissbegierig und lernfreudig. Erst noch ein hässliches Entchen, mausert sie sich zur schönen Frau. Elena macht alles mit ihr gemeinsam, lässt sich von ihr beflügeln und mitreißen.
Doch wie das Schicksal so will, ist es der begabteren Lila nicht vergönnt, weiter zur Schule zu gehen, während Elena das Glück hat, dass ihre Eltern einsichtig sind.

Das könnte der spannende Beginn einer abwechslungsreichen Freundschaftsgeschichte über viele Jahre hinweg werden. Doch leider muss ich zugeben, dass ich mich spätestens nach dem kurzen Prolog begonnen habe zu langweilen. Von Seite zu Seite hoffte ich, dass mich der Roman noch packen würde, das tat er leider nicht.

Das ewige Geplänkel der Jugendlichen, wer mit wem, wer gerade wen liebt, die Schlägereien, die Gewalt zu Hause, das alles reichte mir nicht, um einen ganzen Roman zu füllen. Fast entsteht in mir der Verdacht, dass der Vierteiler, dessen erster Band dieser hier ist, vielleicht besser als ein Buch erzählt worden wäre. Auch die Sprache finde ich etwas trivial und naiv. Was natürlich an der Übersetzung liegen könnte.

Ich bin generell kein Fan von zelebrierter Geheimnistuerei rund um Autoren, auch mag ich es nicht, wenn Romane schon vor dem Erscheinen mit viel Werbung und Publicity gepuscht werden, aber dass mich die Geschichte nicht anspricht, liegt sicher nicht in erster Linie daran.

Interessant finde ich, dass dieses Buch bei vielen LeserInnen, die einen recht ähnlichen Büchergeschmack haben wie ich, sehr gut ankommt. Wenn ich die Rezensionen lese, kommt es mir fast vor, als hätten wir zwei völlig unterschiedliche Bücher gelesen. Anscheinend handelt es sich hier um einen Roman, den man entweder mag oder nicht. Ich gehöre zur zweiten Gruppe.

Damit ist mir die Entscheidung, ob ich die anderen Teile noch lesen möchte, sehr leicht gemacht worden. Schade!

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82 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 21 Rezensionen

flüchtling, asyl, deutschland, asylanten, irak

Ohrfeige

Abbas Khider
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 01.02.2016
ISBN 9783446250543
Genre: Romane

Rezension:

Man beginnt zu lesen und ist sofort gefesselt von der Erzählstimme dieses jungen, verzweifelten Mannes, der dennoch noch nicht ganz aufgegeben hat! Sensibilisiert durch die Flüchtlingskrise des vergangenen Jahres denkt man sofort an die Bilder von 2015. Doch schon bald wird klar! Hier handelt es sich um die Zeit rund um Saddam Husseins Fall vor mehr als zehn Jahren.

Karim Mensy will eigentlich nur eins, dass ihm endlich jemand zuhört, seine Geschichte anhört. Dazu greift er zu drastischen Mitteln, fesselt und knebelt seine Sachbearbeiterin, um ihr alles zu erzählen.
Es ist eine traurige Geschichte, auch wenn sie nichtmal außergewöhnlich ist, keine Verfolgung ist Hintergrund der Flucht, sondern ein „Luxusproblem“, der Wunsch nach einer Schönheits-OP und die Angst vor Diskriminierung im eigenen Land. Allerdings ist es ein Makel, der für Männer wirklich belastend ist! Karim sind in der Pubertät Brüste gewachsen. Ist das Grund genug, um zu fliehen? Hören Sie Karim zu und lassen Sie ihn erzählen. Er bemüht sich, versucht ehrlich zu bleiben, ist fleißig und tut alles, was er kann, um Arbeit zu bekommen, Deutsch zu lernen, studieren zu können,… Aber Bürokratie und Gesetze werfen ihm einen Prügel nach dem anderen vor die Füße. Am Ende verliert er, weil der Irak ja nun befriedet ist, auch noch seinen Asylstatus. Wieder muss er sich in die Hände eines Schleppers begeben. Sein Ziel ist Finnland.

„Statt in der Universität war ich im Obdachlosenheim, in der Goethemoschee und im Enlil. Statt mit Studenten und Professoren gab ich mich mit Kriminellen, Fanatikern und Strichern ab. Und jetzt? Ich stehe wieder ganz am Anfang.“ S. 218

Eine eindrückliche Geschichte über den harten Alltag der Geflüchteten, der viele zu Kriminellen werden lässt, zu Fanatikern und Menschen auch völlig zerstört. Karim hat noch Kampfgeist und Hoffnung, aber wie lange werden diese noch reichen,…

Wunderbar geschrieben, eindrücklich erzählt. Die titelgebende Ohrfeige bildet den Rahmen! Mir hat’s großartig gefallen!

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brandenburg, dorf, wende, ddr, gesellschaftsroman

Unterleuten

Juli Zeh
Fester Einband: 640 Seiten
Erschienen bei Luchterhand, 08.03.2016
ISBN 9783630874876
Genre: Romane

Rezension:

Unterleuten ist wie ein Kaleidoskop, die einzelnen Splitter, Farben, Teile bleiben immer gleich, aber bei jeder kleinen Drehung entsteht ein völlig neues Bild. Und jedes Dorfmitglied ist das Zentrum seines eigenen Weltbildes und glaubt sich im Recht. So fasst die Autorin am Ende zusammen, was im Dorf abläuft. Treffender könnte man es nicht beschreiben.

In Unterleuten, ein kleines Dorf bei Berlin, leben ursprüngliche Bewohne und Zugezogene Tür an Tür. Es gibt alte Feindschaften, die zurück reichen in den Sozialismus, Gerüchte, Sturheit und neue Konflikte mit den zugezogenen Städtern. Der Plan, einen Windpark auf dem Gelände der Gemeinde zu errichten, lässt die Lage eskalieren. Es geht um Sturheit, um viel Geld, um neue Freund- und Feindschaften.

Großartig erzählt wird das Ganze von Juli Zeh, die verschiedenen Dorfmitglieder kommen zu Wort, schildern uns ihren Standpunkt, der sich je nach Interesse auch schnell wieder ändern kann. Mit jedem neuen Abschnitt bekommt man eine neue Sicht der Dinge und weiß am Ende nicht mehr, was ist Wahrheit, was ist Gerücht, was geplant, was einfach passiert, was ist Unfall, was nicht,…

Am Ende kehrt so etwas wie Ruhe ein, die einen kehren dem Dorf den Rücken, die anderen gehen in den Ruhestand, die nächste Generation übernimmt die Führung und Gombrowski liefert ein letztes Meisterstück.

Juli Zeh ist eine genaue Beobachterin, ihre überzeichneten Charaktere gibt es in abgeschwächter Form wohl in jedem Dorf, auch der Perspektivenwechsel gelingt ihr hervorragend.
Allerdings hätte der Roman ein wenig Straffung gut vertragen, zum Teil zieht sich die Geschichte ein wenig, verläuft sich und ist an manchen Stellen gar zu dick aufgetragen.

Nicht Juli Zehs bester Roman, aber dennoch eine spannende, interessante Lektüre! Empfehlenswert.

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adenauer, schwarzwald, israel, bühlerhöhe, nachkriegszeit

Bühlerhöhe

Brigitte Glaser
Fester Einband: 448 Seiten
Erschienen bei List Verlag, 12.08.2016
ISBN 9783471351260
Genre: Romane

Rezension:

Fiktion mit realem geschichtlichem Hintergrund, so könnte man diesen Roman mit einem Stichwort zusammenfassen. Und das Ganze unglaublich spannend auf höchstem Niveau. Genau so mag ich Romane, voller interessanter Fakten und gleichzeitig wird eine fesselnde Geschichte erzählt.

Wir schreiben den Beginn der 50er Jahre, Adenauer ist Bundeskanzler und setzt sich für Wiedergutmachungszahlungen an den jungen Staat Israel ein. Damit macht er sich nicht nur Feinde im eigenen Land, auch einige jüdische Gruppen wollen dieses Geld nicht haben, sie sehen es als „Blutgeld“, als Freikaufen von Schuld.

Deshalb schickt der Mossad zusätzlich zum deutschen Geheimdienst zwei seiner Agenten zum Schutz des Kanzlers auf die Bühlerhöhe, wohin der Kanzler ein paar Tage zur Kur kommen wird.
Die Wahl fällt auf Rosa und Ari. Rosa ist eine junge Kibbuznik, die wenig begeistert ist von diesem Auftrag, viel lieber würde sie weiter ihrer Arbeit im Kibbuz nachgehen. Noch dazu erscheint Ari nicht beim ersten Treffen und scheint verschollen. Sie ist auf sich alleine gestellt.

Wird es Rosa gelingen, den Kanzler zu schützen, taucht Ari noch auf und was hat es mit dem Verschwinden des Arabers Nouridine auf sich, welche Rolle spielt der windige Verlobte der Hausdame des Hotels und weshalb ist die junge Angestellte Agnes so verschreckt?

Es geht um Waffengeschäfte, Wiedergutmachung, offene Wunden auf beiden Seiten, Gewalt gegen Frauen und eine Gesellschaft, die Normalität vortäuscht, aber unter der Oberfläche noch immer an Schuld, Kriegstraumen und Enttäuschungen leidet. Es ist faszinierend, wie es der Autorin gelingt all das in einen spannenden Roman zu packen.

Ich war von der ersten Seite an begeistert, habe wieder etwas Neues über das traurige Kapitel des zweiten großen Krieges des 20. Jahrhunderts erfahren und hatte gleichzeitig großes Lesevergnügen!

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