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Gruselkabinett - Folge 122

H.G. Wells , Lutz Riedel , Louis Friedemann Thiele , Rolf Berg
Audio CD
Erschienen bei Bastei Lübbe, 26.05.2017
ISBN 9783785754511
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Gruselkabinett – 122. Die Insel des Dr. Moreau



Erster Eindruck: Horror auf abgelegener Insel

Edward Prendick treibt nach einem Schiffsunglück lange Zeit mit einer kleinen Gruppe an Überlebendem auf dem offenen Meer, ihr baldiger Tod scheint bevorzustehen. Doch nach einer heftigen moralischen Auseinandersetzung verlässt Edward die Gruppe und wird von einem Schiff aufgenommen. Das Ziel ist die Insel des Dr. Moreau, der eine neue Ladung an Tieren für seine Experimente erwartet...

H.G. Wells ist insbesondere für seine Science Fiction-Romane bekannt, hat aber auch andere Genres bedient, so ist „Die Insel des Dr. Moreau“ eine Mischung aus Abenteuer- und Horrorelemente. Der Roman wurde nun auch von Titania Medien für das Gruselkabinett vertont und ist dort als 122. Folge erschienen. Die sehr reduzierte Rahmenhandlung mal außer acht gelassen, in der der Neffe des Hauptcharakters Edward eine kurze Einleitung spricht, wird direkt zu Beginn eine düstere Szenerie heraufbeschworen. Die Diskussionen der Schiffbrüchigen nehmen eine ebenso unerwartete wie schreckliche Wendung – doch dies ist nicht mehr als ein Intro, das die spätere Handlung nicht weiter beeinflusst, aber dennoch sehr prägnant umgesetzt wurde. Doch direkt auf dem Schiff, das zur Insel des Dr. Moreau fährt, wird eine dichte Atmosphäre erzeugt, indem ein missgestalteter Diener und einige mysteriöse Andeutungen viele Fragen aufwerfen. Diese Szenerie verdichtet sich dann immer mehr, Edward wird von schrecklichen Schreien geplagt, die über die Insel schallen, und erfährt so langsam die Wahrheit hinter der Abgeschiedenheit des Doktors. Das ist sehr unheimlich und düster, gerade die Offenbarungen des Dr. Moreau haben mich dabei vollkommen überzeugt und viele moralische Fragen aufgeworfen.

Louis Friedemann Thiele zeichnet in der Rolle des Edward Pendrick den Spannungsbogen der Geschichte sehr gekonnt nach. Schrecken, Unverständnis und pure Panik setzt er sehr gekonnt um und verleiht der Handlung etwas sehr Nahbares. Lutz Riedel ist in der Rolle des Dr. Moerau bestens besetzt, in seine Stimme schleicht sich mehr und mehr ein diabolischer Klang ein, besonders gegen Ende spielt er die ganze Stärke der Figur aus. Claus Thull-Emden überzeugt in der Rolle des M'ling mit einer sehr ausdrucksstarken Sprechweise und erreicht damit einen einprägsamen Auftritt. Weitere Sprecher sin Horst Naumann, Detlef Bierstedt und Rainer Gerlach.

Auch bei dieser Umsetzung beweist Titania Medien wieder einmal, dass sie unglaublich dichte und aufreibende Szenerien schaffen können. So bekommt jede Szene eine eindringliche Atmosphäre verpasst und kommt so gut zur Geltung, wobei sich die akustische Gestaltung parrallel zru Handlung steigert. Besonders die dramatischeren Szenen sind sehr mitreißend umgesetzt worden.

Die tiefrote Grundfärbung des Cover fällt direkt ins Auge und zeigt neben der titelgebenden Insel samt Palmen und Sonnenuntergang auch das verzerrte Gesicht eines Tiermenschen, dessen gelbliche Augen von Schmerzen und Pein geprägt sind. Sehr ansprechend, zumal die gewählte, collagenartige Optik an ein altes Filmplakat erinnert.

Fazit: Schon gleich zu Beginn wird hier eine dichte Atmosphäre geschaffen, die sich im Laufe der fast 80 Minuten immer weiter steigert. Die Schrecken, die die Insel im Laufe der Zeit offenbart, werden sehr intensiv dargestellt und stellen wie nebenbei einige moralische Fragen. Wieder eine starke Folge des Gruselkabinetts.

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Gruselkabinett - Folge 123

H.G. Wells , Claus Thull-Emden , Sascha von Zambelly , Matthias Lühn
Audio CD
Erschienen bei Bastei Lübbe, 28.06.2017
ISBN 9783785754559
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Gruselkabinett – 123. Die Zeitmaschine



Erster Eindruck: Der Blick in die Zukunft

Bei einer wissenschaftlichen Diskussion zwischen drei befreundeten Forschern entbrennt eine Auseinandersetzung um die vierte Dimension, die Zeit. Dabei überrascht der Gastgeber seine Gäste, indem er ihnen von einer selbst gebauten Zeitmaschine erzählt. Zunächst wird noch an seinen Aussagen gezweifelt, doch dann beginnt der Zeitreisende von der weit entfernten Zukunft zu berichten...

Die Zeit von H.G. Wells ist beim Gruselkabinett gekommen, 2017 erscheinen gleich mehrere Geschichten des bekannten Science Fiction-Autors. „Die Zeitmaschine“ dürfte zu seinen bekanntesten Erzählungen zählen und ist als 123. Folge der Reihe vertont worden und ist lange Zeit recht verhalten. Das Intro ist recht lang und geprägt von vielen Diskussionen der drei Wissenschaftler, die die Handlung nur langsam voranbringen. Bis der Bericht von der Zeitreise beginnt, vergeht also etwas Zeit, und auch dann kommt die Handlung nicht richtig in Schwung, weil viel aus der Sicht des Zeitreisenden im Monolog erzählt wird. Die fremdartige Welt, in die er eintaucht, wird erst nach und nach richtig lebendig. Dann konnte mich die Erzählung aber auch völlig gefangen nehmen, wozu auch die faszinierende Weena beigetragen hat, die für den namenlosen Zeitreisenden schnell eine wichtige Bezugsperson wird. Nur langsam schleicht sich dann ein Gruselfaktor ein, indem die Schrecken der Welt und deren Hintergründe aufgedeckt werden. Ein recht kleiner Teil des Ganzen, der aber sehr gut gelungen und am Ende sehr spannend erzählt wird. Das Ende wird dann wieder recht ruhig und mit einigen fast schon philosophischen Gedanken erzählt, bleibt aber offen und lässt das Schicksal des Zeitreisenden offen, was zusätzlich zum Nachdenken anregt. Mir gefällt die Atmosphäre der Folge, auch wenn hier anfangs zu viel Zeit gebraucht wird, um auf den Kern der Geschichte zu kommen.

Vielleicht stellt sich bei dieser Folge eine bestimmte Frage noch etwas mehr: Was erwarte ich von einem Hörspiel? Zugegeben, wer puren Grusel erwartet, wird hier nicht fündig, und auch eine bis ins Detail vollständige Umsetzung von Buchvorlage oder Film ist hier nicht entstanden. In meinen Augen macht das aber gar nichts, da mir die Stimmung und die akustische Gestaltung sehr gut gefällt, die Sprecher sind richtig gut besetzt, und auch wenn keine Hochspannung aufkommt, ist alles unterhaltsam erzählt. Und so ist in meinen Augen eine allzu negative Bewertung nicht gerechtfertigt, die vielleicht aus der eigenen Enttäuschung in einem der oben genannten Punkte resultiert. Denn bei nochmaliger Betrachtung oder dem direkten Vergleich mit nicht so hochwertig produzierten Hörspielen ist ein völliger Verriss einfach nicht stimmig.

Sascha von Zamelly ist als Zeitreisender die zentrale Figur dieser Folge und füllt diese mit seiner akzentuierten und eingängigen Sprechweise sehr gut aus und kann so eine dichte Atmosphäre schaffen. Annina Braunmüller-Jest ist in der Rolle der Weena in der Zukunft zu hören und setzt ihren sanften Klang auch hier wieder sehr gekonnt ein, um eine faszinierende Persönlichkeit zu schaffen. Claus Thull-Emden hat mir als Filby auch sehr gut gefallen, er nimmt anfangs die Rolle des Zweiflers ein und kann den später empfundenen nachdenklichen Schrecken sehr gut widerspiegeln. Weitere Sprecher sind Matthias Lühn, Marianne Mosa und Johannes Bade.

Das Gruselkabinett steht auch für ein ganz bestimmtes Klangbild, welches natürlich auch hier wieder Anwendung findet. Wie die Geschichte ist der Start auch dabei recht ruhig, erst später schleichen sich auch orchestrale Melodien ein. Besonders auffällig ist dies in den dramatischeren Momenten gegen Ende, bei denen beispielsweise die Blechblasinstrumente auch mal richtig auffahren dürfen.

Sehr ansprechend ist auch das Cover zur Folge gelungen, dass dem Betrachter einen Einblick in die dystopische Welt, die Wells beschrieben hat. Im Mittelpunkt steht dabei die riesige Statue, die an eine Sphinx erinnert, aber auch die fast weißhaarigen Menschen und nicht zuletzt die detailreich gezeichnete Zeitmaschine ergeben ein anziehendes und sehr gelungenes Titelmotiv.

Fazit: Auch wenn sich diese Folge des Gruselkabinetts nur sehr langsam aufbaut, kann die düstere Erzählung mit der erschreckenden Zukunftsvision schnell eine dichte Atmosphäre aufbauen. Das Kernstück kommt dabei fast etwas zu kurz, strahlt aber auch bis ins ruhig erzählte Ende hinein und hinterlässt einige nachdenkliche Momente.

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Gruselkabinett - Folge 120 und 121

H.G. Wells , Simon Böer , Sascha von Zambelly , Michael-Che Koch
Audio CD
Erschienen bei Bastei Lübbe, 26.05.2017
ISBN 9783785754481
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Gruselkabinett – 120./121. Der Unsichtbare



Erster Eindruck: Ein geheimnisvoller Besucher...

In dem Gasthaus von Janny Hall und ihrem Gatten George ist gerade nicht viel los, sodass sie sich sehr über die Ankunft eines neuen Bewohners freuen, selbst wenn dieser nicht nur äußerst unfreundlich ist, sondern auch sein Gesicht immer unter Bandagen verbirgt. Janny möchte unbedingt hinter sein Geheimnis kommen, doch der Fremde ist äußerst misstrauisch und blockt jeden Versuch der Kontaktaufnahme rigoros ab...

H.G. Wells hält nun auch Einzug in das Gruselkabinett von Titania Medien, gleich mehrere Folgen hintereinander werden von dem bekannten Science Fiction-Autoren stammen. Den Auftakt macht der Zweiteiler „Der Unsichtbare“, eines seiner bekanntesten Werke. Dem Hörer ist dabei schon allein wegen des Titels klar, was es mit dem geheimnisvollen Besucher in dem kleinen Ort auf sich hat, für dessen Bewohner ist seine Person jedoch ein großes Mysterium. So wird erst gegen Ende der ersten CD sein Geheimnis gelüftet, bis dahin wird jedoch viel Atmosphäre aufgebaut, nicht nur, was die herrische und unsympathische Art des Unsichtbaren angeht, sondern auch die anderen Charaktere werden sehr gut vorgestellt. Die mütterliche und resolute Janny, der neugierige Vicar, der trickreiche Arzt – alle bekommen eine eigene Ausstrahlung verpasst und sorgen so für einen kurzweiligen Verlauf. Auch dort ist es schon sehr rätselhaft dargestellt, was es mit dem Unsichtbaren auf sich hat, in der zweiten Hälfte wird die Konzentration völlig auf ihn gelegt – und das mit einem sehr gelungenen Kniff, denn von nun an wechseln Charaktere und Schauplätze des öfteren, und auch einige Rückblenden sind zu hören. So wird langsam ein komplettes und sehr stimmiges Bild des Unsichtbaren zusammengesetzt, das nicht nur einfach so aus der Luft gegriffen scheint, sondern auch im Hintergrund seine bisherigen Lebens eingeordnet wird. Und auch der Gruselfaktor ist nicht zu unterschätzen, denn das plötzliche Auftauchen der Hauptfigur wird immer wieder sehr gekonnt in Szene gesetzt, und gerade die letzten Momente des Hörspiel zehren von einer sehr dichten und unheimlichen Stimmung.

Simon Böer ist in der Hauptrolle des Unsichtbaren zu hören, er lässt seine Stimme sehr abweisend und kühl klingen, schafft dem Zuhörer im weiteren Verlauf aber immer wieder kurz Zugang zu seiner Gedankenwelt und schafft so einen umfassend beschriebenen und sehr starken Charakter, der das Geschehen mühelos vorantreibt. Marianne Mosa hat mich in der Rolle der Wirtin Janny ebenfalls überzeugt, mit ihrer freundlichen und neugierigen Art ist sie einem sofort symphatisch, sodass die ersten Szenen noch kurzweiliger wirken. Dr. Kemp, dem im weiteren Verlauf der Geschichte eine wichtige Rolle zukommt, wird von Michael-Che Koch gesprochen. Sein markanter Klang kommt dabei sehr gut zur Geltung, zumal er die Spannung noch weiter steigern kann. Weitere Sprecher sind Bodo Primus, Lutz Reichert und Lutz Riedel.

Auch akustisch hat Titania Medien wieder eine sehr stimmungsvolle Atmosphäre geschaffen, die die Szenerie sehr gut unterstützt. Die Musik setzt immer wieder Akzente und betont die besonders dramatischen Szenen, während die sehr gut eingefügten Geräusche für sehr glaubhafte und intensive Momente sorgen. Auch der Spannungsbogen der Handlung wird gekonnt nachgezeichnet.

Die beiden CDs finden sich – wie immer bei den Doppelfolgen der Serie – jeweils in einer einzelnen Hülle wieder, die zusammen in einem hübsch gestalteten Pappschuber untergebracht sind. Das eine Cover zeigt den Unsichtbaren in der Tür des Gasthauses, vermummt und beeindruckend steht er dort mit wehendem Mantel. Auf dem anderen Titelbild ist eine weitere Szene aus dem Hörspiel zu sehen und zeigt ein Experiment, das sehr detailreich gezeichnet wurde.

Fazit: Der erste Zweiteiler des Gruselkabinetts nach einem Roman von H.G. Wells ist sehr gelungen inszeniert und entfaltet bald eine sehr dichte Stimmung. Der erste Teil widmet sich sehr den Charakteren, während der zweite Teil verschiedene Episoden aus dem Leben des Unsichtbaren zum Thema hat und diese sehr intensiv umsetzt. Ein hörenswertes und sehr atmosphärisches Hörspiel.

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Gruselkabinett - Folge 124 und 125

H.G. Wells , Bruno Winzen , Georg Tryphon , Thomas Balou Martin
Audio CD
Erschienen bei Bastei Lübbe, 25.08.2017
ISBN 9783785754573
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Gruselkabinett – 124. / 125. Der Krieg der Welten



Erster Eindruck: Ein packende und wahrlich grandiose Umsetzung des Klassikers

Als im Londoner Observatorium seltsame Vorgänge beobachtet werden, vermutet nur der Astronom Mr. Ogilvy eine Gefahr, auf Unterstützung seitens der Regierung kann er nicht hoffen. Doch als kurze Zeit später erste Einschläge auf der Erde stattfinden und den Raumkapseln riesige Kampfmaschinen entsteigen, versinkt die Welt in einem Inferno...

„Der Krieg der Welten“ ist die wohl bekannteste Geschichte von H.G. Wells, wohl auch wegen des Mythos um das Radiohörspiel, das eine Massenpanik ausgelöst haben soll. Kurz nachdem die Rechte an seinen Werken freigegeben wurden, hat Titania Medien die Geschichte nun für das Gruselkabinett vertont – und das sehr nah an der Originalvorlage. Der Science Fiction-Anteil wird dabei ziemlich zurückgefahren: Zwar gibt es natürlich einige Szenen, in denen die Angriffe der Marsianer heftig dargestellt werden, doch die Handlung konzentriert sich eher auf Julian, die Hauptfigur der Geschichte, der sich in all den Wirren, den Chaos und der Bedrohung zurechtfinden und seine Familie suchen muss. Es sind die Begegnungen mit ganz unterschiedlichen Charakteren, die davon in Erinnerung bleiben, aber auch die Angst, Verzweiflung und Resignation. Die Wucht der Gefühle kommt dabei ungefiltert beim Hörer an und steigert sich über die zwei CDs mit über 100 Minuten Laufzeit immer mehr. Besonders beeindruckt haben mich dabei die Szenen mit dem namenlosen Hilfsprediger und seiner sehr wankelmütigen Verfassung, wobei einige klaustrophobische Momente noch einmal hervorstechen. Die Dynamik der Handlung ist herausragend, brutale und erschreckende Gewaltszenen der riesigen Kampfroboter stehen leise, emotionale Momente gegenüber. Und auch die Figur des Julian ist äußerst reizvoll – er nicht nicht der große Held, der die entscheidende Wendung herbeiführt, sondern eher ein Beobachter, der sieht, wie seine Welt in Trümmer zerschlagen wird. Eine grandiose Umsetzung, auf den Punkt gebracht und sehr mitreißend inszeniert.

Die Wucht des Hörspiels wird durch die hervorragenden Sprecher noch einmal verstärkt, wobei mit erstaunlich wenigen Rollen eine sehr eindringliche und vielseitige Atmosphäre geschaffen wurde. Im Mittelpunkt macht sich das Engagement von Theaterschauspieler Bruno Winzen mehr als bezahlt. Er versteht es, seiner Stimme sehr punktgenau verschiedene Facetten zu verleihen, Angst und Schrecken ganz nah an den Hörer heranzutragen und die Stimmung immer weiter zu verdichten. Thomas Balou Martin ist in der Rolle eines Artilleristen zu hören, passt ganz wunderbar in die düstere Szenerie und schafft es schnell, mitzureißen und zu fesseln. Auch Tom Raczko hat mit außerordentlich gut gefallen, den erst leisen und unterdrückten, später immer stärker werdenden Wahnsinn seiner Figur zeichnet er sehr lebendig mit seiner Stimme nach. Weitere Sprecher sind Georg Tryphon, Detlef Bierstedt und Kathryn McMenemy.

Das Team von Titania Medien stand hier vor einer ganz neuen Herausforderung, Hörspiele mit einem derart hohen Science Fiction-Anteil und heftigen Schlachten standen bisher nicht so oft an. Gelöst wurde dies extrem stimmig, indem die Geräusche auch mal ungewohnt laut sein dürfen, das Hörspiel aber eben nicht dominieren, sondern sehr gut plaziert wurden. Die Musik ist ebenfalls wieder sehr dicht und feinmaschig, sodass sich alles sehr gut zusammenfügt.

Wie alle Zweiteiler des Gruselkabinetts befinden sich auch diese beiden CDs in separaten Hülle mit jeweils einem eigenen Titelbild, beide sind zudem in einem hübschen Pappschuber untergebracht. Zu sehen sind zwei ganz unterschiedliche Szenerien aus dem Hörspiel, einmal der direkte Angriff der dreibeinigen Kampfmaschinen, deren Hitzestrahlen London mit Big Ben im Hintergrund rot färben. Zum anderen ein Blick auf die halb zerstörte Stadt, die in Trümmern liegt und mit seiner graülichen Farbgebung den trostlosen Charakter dieser Szenen zugänglich macht.

Fazit: Das wohl bekannteste Werk von H.G. Wells ist in einer herausragenden Umsetzung zu hören, bei dem die Essenz des Romans herausgekitzelt wurde. Die dynamischen Verläufe, die packende Umsetzung, die sehr treffend dargestellten Charaktere und die sehr reizvolle Handlung vereinen sich zu einem herausragenden Hörspiel. Chapeau, meine Herren!

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robin hobb, fantasy, empfehlung, gabe, bastard

Die Gabe der Könige

Robin Hobb , Eva Bauche-Eppers
Flexibler Einband
Erschienen bei Penhaligon, 28.08.2017
ISBN 9783764531836
Genre: Fantasy

Rezension:

Obwohl er ein Enkel des Königs ist, ist das Leben für Fitz alles andere als leicht, denn als unehelicher Bastard geboren wird er von vielen Mitgliedern des Staates als minderwertig angesehen. Aufgezogen wird Fitz vom Stallmeister Burrig, wo er trotz seiner rauen Schale viel Güte erfährt. Zwar wird er durch den König geschützt, doch seine Herrschaft könnte schon bald vorbei sein – und Fitz' Feinde werden mächtiger...

„Die Gabe der Könige“ ist nun bereits beim dritten Verlag angekommen, unter anderen Titeln ist die Trilogie von Robin Hobb bereits zweimal erschienen. Schön, dass es diesen Auftakt wieder im Handel gibt, präsentiert er doch einen sehr gelungenen Zweig der Fantasy-Literatur. Dabei versetzt einen die Autorin in eine mittelalterliche Welt, bindet aber sehr fein einige fantastische Elemente ein. Das geschieht wirklich dezent und nimmt nie überhand, weder zauberhafte Wesen noch großartige Schlachten sind hier eingebaut. Vielmehr konzentriert sich Hobb auf die Charaktere und deren Entwicklung, was ihr auch sehr gut gelungen ist. Jeder hat seine ganz eigene Ausstrahlung und seinen eigenen Platz im Gefüge des Romans. Und: Jeder von ihnen bleibt in der Erinnerung haften. Vielleicht, weil alles aus der Sicht von Fitz erzählt ist, der eine Art Chronik über sein Leben verfasst hat und seine Begegnungen sehr lebendig schildert. Die Geschichte kommt stellenweise etwas ins Stocken, zumal der Leser nicht sofort eine Ahnung hat, in welche Richtung sich alles entwickeln wird, was wichtig für die Handlung ist. Doch insgesamt ist eine sehr runde Geschichte entstanden, die die Gefahr von Fitz immer weiter steigert, die Bedrohungen aus verschiedenen Richtungen kommen lässt. Das Intrigenspiel am Hof kommt dabei sehr gut zur Geltung, und auch die anderen Elemente fügen sich sehr gelungen ein. Die Verwendung der Sprache wirkt manchmal etwas sprunghaft, manchmal auch eine Spur zu konstruiert, doch über weite Strecken passt sie zu Fitz und seiner Entwicklung.

Ein spannender Fantasy-Roman, der jedoch vieles anders macht als andere Vertreter des Genres. Die Erzählweise ist ruhiger und konzentriert sich mehr auf die Charaktere, setzt zudem nur sehr bedacht fantastische Elemente ein. Und so verzeiht man auch die eine oder andere Länge in der Handlung, wenn man Fitz auf seinem Weg begleiten und dabei allerlei interessante Charaktere kennen lernen darf. Ein guter Start in die Trilogie, der Lust auf mehr macht.

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99 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 43 Rezensionen

thriller, schweden, kristina ohlsson, kristinaohlsson, bruderlüge

Bruderlüge

Kristina Ohlsson , Susanne Dahmann
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Limes, 13.06.2017
ISBN 9783809026679
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Eigentlich wollte Martin Benner eine angebliche Mörderin rehabilitieren, doch in der Gewalt des Unterweltbosses Lucifer hat er nun komplett die Seiten gewechselt und sucht deren Sohn. Doch bei seiner Suche kommt er einem Geheimnis auf der Spur, und er beginnt zu ahnen, wie tief er mittlerweile in die Ereignisse verstrickt ist...

Kristina Ohlsson hat die Geschichte um Martin Benner in zwei Bänden erzählt, doch nur zusammen können sie ihren vollen Reiz entfalten. In „Bruderlüge“ werden die Ereignisse aus „Schwesterherz“ dabei nahtlos fortgesetzt, man sollte sich also noch recht genau an die dortigen Ereignisse erinnern. Denn die Handlung ist ziemlich komplex und fordert die Aufmerksamkeit des Lesers, um alle Zusammenhänge erfassen zu können. Die Handlung entwickelt sich dabei auch schnell weiter, sodass kaum langwierige Passagen auftauchen, Ohlsson hat hier alles an die richtige Stelle gebracht. Auch die Charaktere kommen gut zur Geltung, wirken geheimnisvoll und undurchsichtig, was der Handlung viel zusätzlichen Reiz verleiht. Nie ist ganz klar, wem Martin trauen kann und wer ein falsches Spiel mit ihm treibt. Er selbst ist eben auch nicht der heldenhafte Strahlemann, sondern hat sogar mehr Ecken und Kanten als liebenswerte Eigenschaften, nur im Umgang mit seiner Nichte kommt sein weicher Kern zum Vorschein. Doch er entwickelt sich im Laufe dieses zweiten Bandes auch noch einmal weiter und kann noch weitere Seiten zeigen, lässt den Leser noch tiefer in seine Gedankenwelt einsteigen.

Der Verlauf der Handlung selbst wirkt in Teilen leider doch etwas zu konstruiert. Gerade die beiden Morde, die Martin angehangen werden sollen, wirken dann doch weit hergeholt. Doch abgesehen davon entwickelt sich eine atmosphärisch sehr dichte und vielschichtige Handlung, deren Intensität sich immer weiter steigert und so wirklich spannende Momente entwickelt. Gerade das Finale ist dann sehr gekonnt erzählt und führt die aufgebauten Handlungsstränge sinnvoll zusammen, sodass sich ein gelungenes Gesamtbild ergibt.

Wer mit „Schwesterherz“ nichts anfangen konnte, wird auch an „Bruderlüge“ keine Freude haben, zu ähnlich ist der Schreibstil. Ich mag diese exzentrische Hauptfigur sehr und kann wegen dem sehr gelungenen Plot jedoch auch über einige Schwächen hinwegsehen. Mir hat dieser Band gut gefallen, da alle offenen Stränge gekonnt zusammengehalten werden.

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16 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

DNA

Yrsa Sigurdardottir , Anika Wolff
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei btb, 09.10.2017
ISBN 9783442715756
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Kommissar Huldar wird zu einem äußerst brutalen Mord gerufen, bei dem eine junge Mutter grausam zugerichtet wurde. Als einzige Zeugin hat ihre kleine Tochter die Tat beobachten können. Doch wegen des schweren Traumas kann sie nur wenig weiterhelfen. Als dann die Psychologin Freyja an dem Fall mitarbeiten soll, entstehen einige unangenehme Situationen für den Ermittler, den kurz zuvor haben die beiden eine gemeinsame Nacht verbracht...

Mit „DNA“ hat die isländische Autorin Yrsa Sigurdardóttir ihren neuen Roman auf den Markt gebracht, und dieser dreht sich nicht über ihre Romanfigur Dora, sondern ist der erste Teil einer neuen Romanserie. Gleich zu Anfang braucht man sehr starke Nerven, denn der Mord wird sehr explizit und detailgenau beschrieben. Das geht für mich deutlich über die Grenze des guten Geschmacks hinaus und wirkt, als wolle die Autorin einfach mit Grausamkeiten schockieren – der Einstieg in die Handlung hat mir also nicht allzu gut gefallen. Der Hauptteil beinhaltet dann leider auch einige Längen, was ich bei der Autorin schon einige male beobachtet habe. Die Handlung gerät dann ins Stocken und kommt nur schwer wieder in Gang. Doch hier gibt es auch einige starke Momente, die den Leser in die Irre führen und die Spannung steigern. Zudem ist der Aufbau sehr gelungen und kommt ohne Stolpersteine oder Kommissar Zufall aus, alles wirkt logisch und nachvollziehbar. Lange Zeit gelingt es der Autorin auch, die Identität des Mörders im Verborgenen zu halten, erst im Nachhinein erkennt man die eingestreuten Hinweise. Ergänzend zu dem eigentlichen Fall kommt noch die sehr spezielle Beziehung zwischen den beiden Hauptcharakteren, die versuchen müssen, trotz ihrer sehr persönlichen Vorgeschichte professionell zusammenzuarbeiten. Huldar kommt dabei auch gut zur Geltung und wird mit einigen Ecken und Kanten beschrieben, während Freyja insgesamt recht blass bleibt und keine sehr präsente Aura entwickelt. Die sprachliche Verwendung unterscheidet sich stark von den Vorgängerromanen der Autorin, wirklich teilweise fragmenthafter, was einige Passagen nicht gerade leicht lesbar macht.

DNA hat Licht- und Schattenseiten. Einem gelungenen Plot und sehr nachvollziehbar erzählten Mittelteil stehen unnötige Grausamkeiten gegenüber, die mich fast vom Weiterlesen abgebracht hätten – hier hat die Autorin deutlich übertrieben. Und auch einige langwierige Passagen und eine nicht immer flüssige Sprache erschweren manchmal das Weiterkommen. So bleibt leider nur ein solider Eindruck der sonst recht sicheren Autorin.

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30 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

island, island-krimi, mord, das gefrorene licht, yrsa sigurdardóttir

Das gefrorene Licht

Yrsa Sigurdardottir , Tina Flecken
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei btb, 12.09.2016
ISBN 9783442714414
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Dóra Gudmundsdóttir wird vom Besitzer eines Hotels um Hilfe gebeten, denn unheimliche Vorkommnisse versetzen Gäste und Mitarbeiter in Erstaunen. Das spitzt sich zu, als eine Architektin grausam ermordet, vergewaltigt und mit Stecknadeln in den Fußsohlen aufgefunden wird. Gemeinsam mit dem deutschen Ex-Polizisten Matthias setzt die isländische Rechtsanwältin alles daran, den Fall aufzuklären...

Mit „Das gefrorene Licht“ hat Yrsa Sigurdardóttir ihren zweiten Roman um die ermittelnde Rechtsanwältin auf den Markt gebracht, wobei Vorkenntnisse aus „Das letzte Ritual“ nicht notwendig sind, um allem folgen zu können. Denn auch wenn Matthias wieder mit an der Handlung beteiligt ist, setzen sich diese Puzzlestücke schnell zusammen. Das Buch beginnt dann auch ziemlich temporeich mit einem spannenden Prolog und dem sehr eindringlich geschilderten Mord. Hier bekommt die Autorin eine gute Mischung hin, die Dinge explizit zu beschreiben und dennoch nicht ins allzu Brutale abzurutschen. Doch die nachfolgenden Ermittlungen sind leider nicht allzu gut aufgeteilt worden: Der Mittelteil ist für meinen Geschmack zu lang gezogen, während sich im letzten Drittel die Ereignisse überschlagen. Während sich zwischendurch langwierige Passagen einschleichen, drubbelt sich die Handlung am Ende zu sehr. Die Hintergründe sind gelungen, die Auflösung ist dann aber keine allzu große Überraschung, sondern deutete sich schon einige Zeit zuvor recht deutlich ab. Das Gespann aus Dóra und Matthias hat mir wieder gut gefallen, zusammen bringen sie eine hübsche humorige Note mit ein. Die Abschnitte aus dem Privatleben sind hier leicht zurückgegangen, wirken für meinen Geschmack aber immer noch zu präsent, eine Konzentration auf die eigentliche Handlung hätte mir besser gefallen. Die übrigen Charaktere sind hier gut beschrieben und wirken präsent, hier hat sich die Autorin im Vergleich zu ihrem Vorgängerband gesteigert. Auch die Sprache ist gelungen, alles wirkt lebendig und greifbar, was wohl auch der guten Übersetzung aus dem Isländischen zuzuschreiben ist.

„Das gefrorene Licht“ ist ein gelungener zweiter Band um Dóra Gudmundsdóttir und wird sehr spannend eröffnet, lässt dann aber im Mittelteil auch etwas nach. Hier kommen die Ermittlungen nicht ganz voran, während sich das Finale deutlich verdichtet. Die Hintergründe sind sehr gut konzipiert und gut in Szene gesetzt, und auch die Charaktere sind reizvoll zusammengestellt.

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52 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

island, mord, krimi, ritual, btb verlag

Das letzte Ritual

Yrsa Sigurdardottir , Tina Flecken
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei btb, 12.09.2016
ISBN 9783442714407
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der Tod des deutschen Studenten, der sich seit einiger Zeit in Island mit Hexenkulten beschäftigt hat, strahlt eine geheimnisvolle Aura aus, denn sein Mörder hat ihm okkulte Zeichen in die Haut geritzt. Dennoch geht die Polizei von einem Delikt im Drogenmilieu aus. Doch daran wollen die Eltern des Ermordeten nicht glauben und schicken die Rechtsanwältin Dóra Gudmundsdóttir auf Spurensuche...

Mit „Das letzte Ritual“ hat die isländische Schriftstellerin Yrsa Sigurðardóttir ihre Reihe um die ermittelnde Rechtsanwältin Dóra Gudmundsdóttir gestartet. Bisher sind fünf weitere Teile erschienen, wobei nun auch neue Auflagen der ersten Bände ins Haus stehen – unerfolgreich scheinen die Titel also nicht zu sein. Der erste Band zeigt dann auch einen interessanten Plot und einen präsenten Hauptcharakter, baut aber leider auch einige Stolpersteine ein. So gibt es im Mittelteil einige Längen, in der die Handlung nicht voranzuschreiten scheint. Es gibt einfach zu viele Ermittlungen, die ins Leere laufen – und zwar völlig ins Leere, ohne den Leser mit einer falschen Fährte in die Irre zu lenken. Doch der Hintergrund in gut konstruiert und bietet einige spannende Momente, zumal der Fall nicht allzu leicht zu durchschauen ist und dennoch eine in sich stimmige Auflösung entwickelt. Die Szenerie mit der isländischen Mythologie hat sich dabei sehr gekonnt eingefügt und setzt einige gelungene Reizpunkte, mir hätte es allerdings noch besser gefallen, wenn dieses Thema noch näher beleuchtet worden wäre.

Dóra Gudmundsdóttir hat mir als Charakter gut gefallen, mit ihren oft spitzen Bemerkungen und dem trockenen Humor, der dabei mitschwingt, ist sie mit schnell sympathisch gewesen. Das bringt an den richtigen Stellen Auflockerung mit sich, ohne den Plot zu sehr zu stören. Auch ihr Privatleben ist mit eingebaut, was manchmal vielleicht etwas überhand nimmt, aber gut mit dem eigentlichen Fall verwoben ist. Toll auch Matthias, der Dóra bei ihren Recherchen zu Seite steht und den gleichen Humor teilt, aber auch seine eigene Persönlichkeit entfalten kann.

Gewünscht hätte ich mir einen stärkeren Bezug zu Island mit seinen wilden und rauen Landschaften, hier verschenkt die Autorin in meinen Augen einiges an Potenzial, um noch mehr Stimmung aufkommen zu lassen. Insgesamt ist aber ein spannendes und meist kurzweiliges Werke entstanden, das durchaus Lust auf mehr Geschichten rund um die Rechtsanwältin macht.

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45 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 16 Rezensionen

thriller, monströse versuche, norwegen, sekte, trilogie

Der Hirte

Ingar Johnsrud , Daniela Stilzebach
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 26.06.2017
ISBN 9783764505875
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Fredrik Beier wird schnell vom Fall einer verschwundenen Politikerstochter abgezogen, da sich auf einem Hof in der Nähe von Oslo ein schreckliches Verbrechen ereignet hat: Fünf Männer wurden grausam ermordet, die Untersuchung des Tatortes deutet auf schreckliche Experimente hin. Fredrik Beier steht schnell unter Druck, denn der Täter hat schon seine nächsten Schritte geplant...

Der norwegische Autor Ingar Johnsrud hat mit „Der Hirte“ seinen Debutroman veröffentlicht und dabei gleich einen bemerkenwerten Thriller vorgelegt, der sich verschlungen um mehrere Zeitebenen legt. Im Vordergrund ist da die oben beschriebene Geschichte um Fredrik Beier und seinen Ermittlungen. Nicht nur das anfängliche Verbrechen, dass sehr präsent und detailliert geschildert ist. Die beklemmende Atmosphäre setzt sich auch bei den Ermittlungen weiter fort, wenn immer neue Details ans Licht kommen und die Hintergründe einer Sekte offenbart. Später bekommt die Handlung noch einen sehr aktuellen Bezug und kann dies sehr präsent und erschreckend darstellen. Immer tiefer dringt auch der Leser in diese düstere Welt ein, die Spannung verdichtet sich immer weiter und führt zu einem packenden Finale, dass jedoch einige Fragen offen lässt – vielleicht als Vorbereitung für die weiteren geplanten Bände um den Ermittler. Die zweite Handlungsebene spielt zur Mitte des letzten Jahrhundert mitten im zweiten Weltkrieg. Hier steht die geheimnisvolle Wiener Bruderschaft im Mittelpunkt, zunächst kann aber kein direkter Bezug auf die eigentliche Handlung gergestellt werden. Erst nach und nach erkennt man, wie fein der Autor beides miteinander verwoben hat.

Sprachlich hat Johnsrund eine sehr klare und direkte Wortwahl gewählt und schafft so sehr deutliche Bilder von den Schauplätzen und Charakteren. In den dramatischeren Szenen werden die Sätze merklich kürzer und erhöhen so das Tempo noch einmal – und das ist sowieso schon sehr hoch. Der Autor setzt die entscheidenden Ereignisse eng aneinander, sodass man kaum Luft holen kann. Das geht zwar manchmal auf Kosten der Atmosphäre, steigert aber die Dynamik und die Spannung deutlich, denn immer muss man mit dem nächsten Schlag rechnen. Und trotz all dieser Ruhelosigkeit kommen die Charaktere sehr gut zur Geltung, verhalten sich authentisch. Besonders gefallen hat mir, dass Beier mit Ecken, Kanten und natürlich auch einem psychischen Knacks dargestellt wird, dies aber niemals in den Vordergrund rückt.

„Der Hirte“ ist ein sehr lesenswerter Thriller, der von einem packenden Ausgangspunkt zügig weitergeführt wird und immer neue Elemente zusammenfügt. Dazu gehört auch ein zweiter Handlungsstrang mit deutlichem Zeitsprung, der sich erst nach und nach erschließt. Eine tolle Charakterisierung der starken Figuren und rasante Entwicklungen haben mir richtig Spaß gemacht und für sehr spannende Unterhaltung gesorgt.

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275 Bibliotheken, 10 Leser, 1 Gruppe, 108 Rezensionen

smoke, rauch, london, fantasy, dan vyleta

Smoke

Dan Vyleta , Katrin Segerer
Flexibler Einband: 624 Seiten
Erschienen bei carl's books, 13.03.2017
ISBN 9783570585689
Genre: Fantasy

Rezension:

Thomas und Charlie wachsen in London am Ende des 19. Jahrhunderts in einem Internat auf, auf dem die beiden Adeligen lernen sollen, ihre Gefühle zu kontrollieren. Denn jeder schlechte Gedanke, jede Sünde, äußerst sich in Rauch, der aus den Körperöffnungen strömt. Während beide versuchen, ihr Innerstes bestmöglich vor der Außenwelt abzuschirmen, entdecken sie, dass einige Menschen keinen Rauch verströmen, wie schlecht sie auch sein mögen...

Dan Vyleta, ein kanadischer Autor mit deutschen Wurzeln, hat mit seinem neuen Roman „Smoke“ erstmals auch hierzulande für Aufmerksamkeit gesorgt. Der Grundgedanke ist sehr reizvoll, der Leser stellt sich gleich viele Fragen, die drängenste ist wohl: Woher kommt der Rauch? Genau dies wird im Laufe der Handlung zwar nicht aufgeklärt und als gegeben genommen, was ich aber nicht als sonderlich störend empfunden habe. Denn es werden zahlreiche weitere Details rund um den Rauch offenbart, sodass die von Vyleta geschaffene Welt einen sehr düsteren und reizvollen Anstrich bekommt. Die Handlung selbst geht sehr interessant los, kommt aber schnell auch wieder ins Stocken. Ein wirklicher Spannungsbogen kann sich dabei leider nicht aufbauen. Dennoch habe ich nie das Interesse verloren, sondern fand die neuen Entwicklungen reizvoll. Nicht jeden Twist habe ich als gelungen gefunden, insbesondere im letzten Drittel sind nicht alle Wendungen für mich nachvollziehbar dargestellt. Insgesamt hat mich die Handlung wegen der sehr interessanten Struktur der dargestellten Welt aber überzeugt.

Der Schreibstil des Autors ist streckenweise leider etwas zu langwierig gelungen, er beschreibt recht ausschweifend und detailliert – was an sich nichts schlechtes sein muss, hier aber den Ezählfluss hemmt. So bekommt der Roman aber auch einen sehr philosophischen Dreh, der die Gesellschaft hinterfragt und dabei auch aktuelle Fragen aufwirft. Etwas verwirrend war der Wechsel der sprachlichen Perspektive, mal wurde von einem allwissenden Erzähler berichtet, mal aus der Ich-Perspektive. Daran musste ich mich erst einmal gewöhnen und bin in den ersten Seiten darüber gestolpert, hinterher hat sich aber alles organisch zusammengefügt. Sehr gut gefallen hat mir die Ausgestaltung der Charaktere, die sehr intensiv dargestellt werden, insbesondere die beiden Hauptcharaktere kommen sehr gut zur Geltung und werden in ihrer Unterschiedlichkeit individuell dargestellt. Sie sind mir ans Herz gewachsen, sodass ich auch trotz einiger Kanten in der Handlung beiden bis zum Ende der Handlung gefolgt bin.

„Smoke“ ist kein Pageturner, kein zur Perfektion geschliffenes Werk und wird wegen der stellenweise langatmigen Erzählweise sicherlich nicht jedem gefallen. Ich habe der Handlung aber sehr gern gefolgt, da mich diese düstere Welt voller Rauch sehr fasziniert hat. Die Charaktere kommen dabei gut zur Geltung, auch dass nicht alle Geheimnisse aufgedeckt werden, ist stimmig umgesetzt. Ein interessanter Roman!

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143 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 53 Rezensionen

thriller, schweden, texas, kristina ohlsson, schwesterherz

Schwesterherz

Kristina Ohlsson , Susanne Dahmann
Flexibler Einband: 479 Seiten
Erschienen bei Limes, 10.04.2017
ISBN 9783809026631
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Sein neuer Mandant ist dem Anwalt Martin Brenner zwar alles andere als sympathisch, aber der Fall weckt sein Interesse. Denn seine Schwester soll einen fünffachen Mord begangen haben, hat diesen sogar freimütig gestanden und sich kurz vor dem Prozess selbst getötet. Ihr Bruder Bobby will die Sache aber nicht auf sich beruhen lassen und seine Schwester rehabilitieren. Martin nimmt das Mandat an – nicht ahnend, in welche Gefahr er sich bei seinen Ermittlungen begibt...

Kristina Ohlsson hat abseits ihrer Reihe um Fredrika Bergmann mit „Schwesterherz“ einen neuen Thriller verfasst, der jedoch mit dem Nachfolger „Bruderlüge“ eine Einheit ergibt. Die Geschichte wird darin weitererzählt, sodass man am Ende von „Schwesterherz“ einem recht offenen Ende gegenübersteht und viele wichtige Fragen nicht beantwortet werden. Dem sollte man sich bewusst sein und sich darauf einlassen können, wird dann aber mit einem spannenden Roman belohnt. Die oben beschriebene Ausgangssituation ist früh an den Anfang gesetzt und hat so schnell mein Interesse geweckt, und auch wenn die ersten Ermittlungen noch etwas langatmig ausfallen, schimmert nach und nach das Konstrukt hinter dem Fall durch – und dann wird „Schwesterherz“ richtig spannend. Martin selbst begibt sich dabei in hochgefährliche Kreise und deckt hochkriminelle Strukturen auf, die in eine ganz andere Richtung führen als anfangs vermutet. Die vielen kleinen und großen Wendungen halten den Leser bei der Stange und sorgen für aufregende Momente. Und zum Schluss gibt es dann doch noch so etwas wie ein „kleines“ Ende, das die Lust auf den weiteren Teil geweckt hat.

Mit Marin Brenner hat sich die Autorin einen sehr speziellen und nicht gerade einfachen Charakter ersonnen. Der Anwalt ist ziemlich narzisstisch veranlagt, dazu arrogant und sexbesessen, kümmert sich aber liebevoll um seine verwaiste Nichte. Ein Zwiespalt, der dennoch glaubwürdig wirkt, eine spannende Rolle, die man immer besser kennenlernt und eine richtig gut gelungene Hauptfigur. Auch die Nebencharaktere haben ihre eigene Aura, die Ohlsson sehr geschickt einzusetzen versteht. Die Sprache hat mir jedoch nicht immer gut gefallen, vieles wirkt abgehackt und verkürzt, sodass sich oft kein wirklicher Lesefluss einstellt. Ob dies ein gewolltes Stilmittel oder eine unerwünschte Nebenwirkung ist, vermag ich nicht zu beurteilen, es hat mich jedoch an einigen Stellen doch gestört. Interessant sind die kleinen Interviewfetzen, die zu Anfang jeden Kapitels eingebaut sind, die rekapitulieren das bisher Gehörte und wecken das Interesse an den kommenden Entwicklungen.

„Schwesterherz“ zieht viel Reiz aus seiner schilldernden, ziemlich kantigen Hauptfigur, aber auch der Fall des Anwaltes kann mit einigen spannenden Momenten punkten. Die Autorin zieht ihre Leser immer tiefer in einen Sog, nur um sie dann in einem intensiven Cliffhanger auf die Folter zu spannen. Das allzu offene Ende kommt dann unerwartet, die Fortsetzung mit Bruderlüge lässt aber glücklicherweise nicht allzu lang auf sich warten.

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74 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 51 Rezensionen

spanking, thriller, schweden, journalist, demut

Demut

Mats Olsson , Leena Flegler
Flexibler Einband: 736 Seiten
Erschienen bei btb, 27.02.2017
ISBN 9783442714643
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Als der ehemalige Reporter Harry Svensson von einem missglückten Date in sein Hotelzimmer zurückkehren will, entdeckt er im Nebenraum einen bekannten Sänger, der seinen Drogenrausch ausschläft – neben der Leiche einer jungen Frau. Und da die polizeilichen Ermittlungen ziemlich langsam vorangehen, mischt sich Harry selbst ein. Dass dann aber noch eine zweite Leiche gefunden wird und Harry wegen seiner Vorliebe für sadomasochistische Sexualpraktiken ins Fadenkreuz der Polizei, sodass er bald ein sehr persönliches Interesse hat, den Täter zu entlarven...

Mit „Demut“ hat Autor Mats Olsson eine neue Thriller-Reihe gestartet, die nicht einen Polizisten als Ermittler hat, sondern einen Reporter. Die Handlung ist im südschwedischen Malmö angesiedelt (nach den vielen aktuellen Krimiveröffentlichungen der letzten Jahre anscheinend eine ziemlich gefährliche Gegend), hat aber nicht sonderlich viel lokalen Bezug und könnte genauso gut in London, München oder Los Angeles angesiedelt sein. Der Autor schwenkt nach einer kurzen Introszene schnell auf den oben beschriebenen Start der Handlung um, verliert dieses Tempo aber immer wieder und hemmt spannende Entwicklungen durch allzu ausführliche Beschreibungen von Nebenarmen. Nicht jeder davon hat einen wichtigen Bezug zum Fall, und eine intensive Stimmung kann er hierdurch leider auch nicht erzeugen. Im Gegenteil, diese sehr eingehenden Beschreibungen sind oft recht farblos und wirken im Gesamtkontext eher störend. Das Konstrukt des Falles ist zwar gelungen, verliert aber so deutlich an Nervenkitzel. Das Einbeziehen des harten Sexuallebens von Harry und dem Täter hat mir jedoch gut gefallen und bringt eine ganz eigene Note mit ein – nicht zuletzt, weil Harry eben selbst plötzlich als Verdächtiger dasteht.

Der Roman ist aus der Ich-Perspektive erzählt, was viel unmittelbarer wirkt und dem Leser einen schnellen Zugang zu Harry legt – und zum Mörder, denn einige Szenen werden auch aus seiner Sicht erzählt. Das ist anfangs etwas verwirrend, da man erst später merkt, aus wessen Perspektive gerade berichtet wird, das steigert aber auch den Reiz der Handlung und bringt einige dynamische Wechsel in den sonst eher gradlinigen Ausdruck. Die Charaktere sind recht ausführlich beschrieben und werden mit interessanten Eigenschaften versehen, besonders Harry hat mir mit seiner sarkastischen Art gut gefallen.

„Demut“ hat mit einigen Stolpersteinen zu kämpfen, insbesondere die zu lang gezogenen Beschreibungen von Nebensächlichkeiten bringen die Geschichte immer wieder ins Stocken – hier wäre weniger mehr gewesen. Dabei sind die Grundgedanken interessant und werden im letzten Drittel auch gelungen dargestellt, und auch die Einbindung von düsteren Sexualpraktiken bringt eine reizvolle Note mit ein.

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123 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 32 Rezensionen

england, geheimnisse, paula hawkins, into the water, thriller

Into the Water - Traue keinem. Auch nicht dir selbst.

Paula Hawkins , Christoph Göhler
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 24.05.2017
ISBN 9783764505233
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Nel Abbott ist gestorben, an einer besonders tiefen Stelle im Fluss, der schon zahlreichen Frauen das Leben genommen hat. Schon früher wurden hier Hexen ertränkt, doch war Nels Tod ein Unfall oder doch Mord? Ihre Schwester Julia ist eigentlich in ihren Heimatort zurückgekehrt, um sich um Nels Tochter zu kümmern, doch schon bald wird sie in einem Sog mitgerissen, der die ganze Ortschaft zu zerstören droht...

Seit ihrem furiosen Debut „Girl on the Train“, einem der erfolgreichsten Debutromane der letzten Jahre, durfte man auf das zweite Werk der Autorin gespannt sein. Jetzt ist „Into the Water“ erschienen und erinnert in einem Aspekt stark an ihr Erstlingswerk: Das Spiel mit der Erinnerung, bei dem man bald nicht mehr weiß, welchen Informationen aus der Vergangenheit man trauen kann. Das sorgt auch hier wieder für intensive Momente und Spannung, und auch die mysteriöse Ausstrahlung des scheinbar verfluchten Ortes kommt sehr gut zur Geltung. „Into the Water“ ist jedoch kein Buch für nebenbei und fordert dem Leser viel Aufmerksamkeit ab, denn die Prspektive wechselt zwischen einem knappen Dutzend an Figuren. Deren Geschichten wollen alle erfasst werden, obwohl man ihren Platz im Gesamtkonzept noch nicht kennt. Das wird mit der Zeit etwas anstrengend, ist aber meist prägnant genug erzählt, um ihm folgen zu können.

Leider sind einige der Charaktere etwas blass geraten und haben auch keinen sonderlich großen Einfluss auf den Ausgang der Handlung. Ihre Teile konnten mich dann auch nicht so recht fesseln, aber ansonsten ist der Autorin ein faszinierendes Werk gelungen, dass die komplexen Vorgänge rund um den Tod von Nel sehr lebendig darstellt. Hat man erst einmal das Konstrukt verstanden, wie die einzelnen Charaktere zueinander stehen, ist „Into the Woods“ auch flüssig zu lesen und baut mehrere kleine Spannungsbögen auf, der durch die vielen Perspektivwechsel jedoch für meinen Geschmack etwas zu oft unterbrochen wird.

„Into the Water“ hat mich gefesselt – nicht von Anfang an und nicht durchgängig, aber insgesamt sind die Hintergründe des Buches geschickt geschildert und interessant aufbereitet. Das Spiel mit falschen Erinnerungen und verzerrten Wahrheiten ist treffsicher geschildert und wird lebendig an den Leser gebracht. Ein lesenswerter Roman, sofern man sich auf die komplexe Handlung einlassen kann.

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121 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 79 Rezensionen

mord, schweden, psychothriller, stockholm, thriller

Wenn das Eis bricht

Camilla Grebe , Gabriele Haefs
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei btb, 10.04.2017
ISBN 9783442757176
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Eine junge Frau wird grausam ermordet in der Wohnung eines reichen, älteren Mannes aufgefunden. Dieser ist jedoch spurlos verschwunden, und Ermittler Peter ruft deswegen die Psychologin Hanne um Hilfe. Diese hat in einem zehn Jahre zurückliegenden Fall ermittelt, der ganz ähnlich gelagert war. Doch Hanne leidet unter beginnendem Alzheimer, sodass sie nicht immer weiß, ob sie ihrem Gedächtnis trauen kann...

Camilla Grebe, die bisher mit der Buchreihe um Siri Bergmann aufgefallen ist, hat mit „Wenn das Eis bricht“ einen eigenständigen Roman geschrieben. Neue, spannende Charaktere und eine Dreiteilung der Handlung zeichnen diesen Roman aus, wobei sich die einzelnen Handlungsstränge ergänzen und so langsam ein komplettes Bild zusammensetzen. Denn während die Erzählungen aus der Sicht von Hanne und Peter die Ermittlungen voranbringen, ist der dritte Teil eher ein Rückblick um eine junge Verkäuferin und kann zunächst nicht wirklich in Zusammenhang gebracht werden. Nur langsam klärt sich auf, wie dies miteinander verwoben ist, was den Reiz noch einmal deutlich steigert. Dabei haben auch alle drei Abschnitte einen eigenen Spannungsbogen, und auch darüber wird ein sehr gelungenes Konstrukt gespannt.

An vielen Stellen tritt die Haupthandlung jedoch in den Hintergrund, und der persönliche Hintergrund der Protagonisten wird stärker beleuchtet. Das bringt zwar auch einige etwas zähe Stellen hervor, ist aber insgesamt eine sehr gelungene Ergänzung. Denn gerade die Alzheimer-Erkrankung von Hanne bringt noch einmal eine ganz andere Farbe mit ein, wirkt düster bedrohlich und stärkt die psychologischen Aspekte des Romans. Dabei wird auch auf die Vergangenheit der Protagonisten eingegangen, vor allem Peters harte Kindheit ist dabei im Fokus.

Das sorgt dafür, dass der Thriller-Anteil immer öfter zurückrückt und durch viele Nebenarme ergänzt wird. Mir hat das sehr gut gefallen, zumal die komplexe Dreiteilung sehr spannende Aspekte mit einbringt. Da gibt es zahlreiche überraschende Überschneidungen und eine packende Auflösung, die man so über weite Teile nicht erwartet hätte.

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109 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 37 Rezensionen

fantasy, magie, orden, intrige, die dunkelmagierin

Die Dunkelmagierin

Arthur Philipp
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 20.02.2017
ISBN 9783734160790
Genre: Fantasy

Rezension:

Als Feja auf dem Weg in die Stadt ist, um ihren verschollenen Vater zu suchen, trifft sie auf einen Magier. Dieser entdeckt sofort ihre magische Begabung und lädt sie ein, an der Schule des Ordens ausgebildet zu werden. Ungebildet wie sie ist fällt es ihr zunächst sehr schwer, sich zurecht zu finden, zumal sie sich auch mit einem arroganten Mitschüler anlegt. Doch sie ahnt nicht, dass sie schon mitten in einer Intrige gelandet ist, die die Welt, wie Feja sie kennt, aus den Fugen heben könnte...

Die Dunkelmagierin ist der Auftakt zu einer Romanreihe und wurde von einem Autor unter dem Pseudonym Arthur Philipp geschrieben. Dabei konzentriert er sich vollkommen auf seine Hauptfigur, die er mit einem sehr gelungenen Hintergrund versieht – ein kluges und empathisches, aber auch ungebildetes Mädchen, in einfachen Verhältnissen aufgewachsen, aber mit großem magischen Talent. Auch ihr Charakter wird gut herausgearbeitet – doch immer wieder trifft sie während der Handlung falsche Entscheidungen, die sich auch nicht mit ihrer Überzeugung in Einklang bringen lassen. Das lässt die Handlung dann manchmal etwas unglaubwürdig wirken und bildet Stolpersteine, die vermeidbar gewesen wären.

Die Welt, in der Feja lebt, ist sehr gelungen ausstaffiert und mit einem sehr gut erdachten Hintergrund versehen. Auch die Grundlagen der Magie werden nicht einfach als gegeben hingenommen, sondern mit einem vorstellbaren Konstrukt erklärt. Hinzu kommt, dass auch die politische Situation gut eingebunden ist und deswegen immer wieder die Anspannung steigt. Das ist alles sehr gut integriert, die Zeit scheint aber manchmal zu rasen. Ich hatte das Gefühl, nicht alle Entwicklungsschritte mitzubekommen und Lücken vorzufinden. Der Autor hätte hier ruhig einen Gang zurückschalten können. Dennoch sind auch sehr viele starke Momente vorhanden, die einen völlig in diese fremdartige Welt eintauchen lassen.

Die Dunkelmagierin überzeugt mich mit einer lebendigen Darstellung und einem reizvollen Konstrukt, hinzu kommt eine spannende Handlung, die immer düsterer und bedrohlicher wirken lässt. Leider ist das alles in rasantem Tempo erzählt, sodass einige Elemente nicht so recht zur Geltung kommen. Insgesamt aber ein interessanter Auftakt zu einer neuen Buchreihe, die Lust auf mehr macht.

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krimi, flüchtlinge, schweden, organhandel, tom stilton

Schlaflied

Cilla Börjlind , Rolf Börjlind , Christel Hildebrandt
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei btb, 20.02.2017
ISBN 9783442757169
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Tom Stilton will seinen Kollegen – und wohl auch sich selbst – beweisen, dass er mit seiner Vergangenheit als Obdachloser abgeschlossen und sein Leben neu sortiert hat, auch wenn er immer wieder seine Freiräume in der Beziehung zu Luna benötigt. Doch der neue Fall, den er gemeinsam mit Olivia Rönning übernimmt, treibt ihn an seine Grenzen. Denn die Spur der Jungenleiche führt ihn an das andere Ende Europas. Der Zeitdruck ist immens, denn weitere Leichen werden gefunden. Und dann meldet sich auch noch die drogenabhängige Muriel bei ihm, die das Flüchtlingsmädchen Folami bei sich aufgenommen hat – und dieses ist nun verschwunden...

Mit „Schlaflied“ hat das Autorenduo Cilla und Rolf Börjlind bereits den vierten Roman einer Reihe geschrieben, die sich um die beiden Ermittler Stilton und Rönning dreht. Sicherlich sind dabei auch wieder bekannte Versatzstücke aus anderen „Schwedenkrimis“ vorhanden, so schwebt immer eine düstere Melancholie über Hauptfigur Tom Stilton, und auch das Privatleben seiner Ermittler ist wieder mit eingebaut und setzt die Ereignisse aus den vorigen Bänden fort. Man lernt die Charaktere dabei noch besser kennen, sie offenbaren neue Seiten an sich – insbesondere neue Schwächen – haben sich aber auch in den richtigen Momenten zurückgenommen, um der Handlung Platz zu schaffen.

Und diese ist recht komplex, da sich mehrere Stränge miteinander verweben. Zu Anfang ist nicht ganz klar, wie diese zusammenhängen, erst im Laufe der Zeit setzt sich dabei ein stimmiges Bild zusammen. Das nimmt zwar etwas Tempo aus der Handlung, die Spannung und die Dynamik des Buches wird dadurch aber eher gesteigert denn geschmälert. Die Autoren machen zahlreiche Nebenarme auf, die nicht unmittelbar mit der Handlung zu tun haben, die sich aber dennoch sehr gut in das Gesamtbild einfügen. Immer eindringlicher wird die Schilderung der Ereignisse, immer neue unerwartete Aspekte fließen mit ein, und das Finale ist dann sehr packend und mitreißend geschildert.

Von dem rätselhafte Prolog über verschiedene Handlungsstränge bis hin zur Auflösung - „Schlaflied“ ist ein atmosphärisch sehr dichter und packender Roman, der trotz bekannter Elemente seinen eigenen Weg findet. Die Charaktere sind lebendig geschildert, die Sprache passend und flüssig, sodass man völlig in diesen düsteren Fall eintauchen kann – sehr lesenswert!

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Die Shannara-Chroniken: Die Reise der Jerle Shannara 3 - Die Offenbarung der Elfen: Roman

Terry Brooks
E-Buch Text: 417 Seiten
Erschienen bei Blanvalet Taschenbuch Verlag, 07.11.2016
ISBN 9783641181215
Genre: Sonstiges

Rezension:

Die Mission von Walker Boh scheint gescheitert, er ist schwer verwundet und auch seine Verbündete, die mächtige Elfenhexe kann momentan nicht in die Geschicke der Jerle-Shannara eingreifen. Als das Luftschiff dann auch noch vom Morgawr angegriffen wird, der eine Mischung aus Mensch und Reptil zu sein scheint, scheint das Ende der Resie besiegelt zu sein...

Terry Brooks ist seit jeher ein Meister der Worte und hat mit seinen Fantasy-Romanen das Genre stilgebend geprägt. Aus seinen Romanen der fantastischen Welt Shannara sticht die Trilogie „Die Reise der Jerle-Shannara“ etwas heraus, denn hier lässt er die Grenzen des Genres verschwimmen und fügt sanfte Science Fiction-Elemente ein. Der Abschluss der Trilogie ist mit „Die Offenbarung der Elfen“ besonders stimmungsvoll geraten. Brooks setzt nahtlos an den Vorgänger an und hält das Tempo von Anfang an sehr hoch, kaum einmal bekommt man eine kleine Pause zum Durchatmen – und dennoch kommen alle Elemente genügend zur Geltung und verschwimmen nicht in einem actiongeladenen Einheitsbrei. Jede Szene, jeder Charakter hat seinen festen Platz in der Handlung, und alles bildet eine geschlossene Einheit. Und die Handlung ist zudem noch sehr interessant und fügt der Welt zahlreiche weitere Facetten hinzu, immer wieder kann Brooks hier überraschen, es gibt kaum Stereotypen oder vorhersehbare Handlungsmuster. Besonders das große Finale birgt einige Überraschungen und sorg für einen furiosen Abschluss der Trilogie. Viel Faszination geht dabei vom dem grauenhaften Morgawr aus, der ein wunderbarer Gegenspieler ist und viel Schwung in die Handlung bringt.

Dieser dritte Teil von „Der Reise der Jerle-Shannara“ hat mich restlos begeistert, die Handlung ist sehr spannend und temporeich erzählt, Charaktere und Stimmung sind reizvoll und bringen eine sehr düstere Note mit sich. Das Finale ist besonders packend geraten und schließt diese Trilogie furios ab.

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Die Shannara-Chroniken: Die Reise der Jerle Shannara 1 - Die Elfenhexe: Roman

Terry Brooks
E-Buch Text: 668 Seiten
Erschienen bei Blanvalet Taschenbuch Verlag, 07.11.2016
ISBN 9783641181192
Genre: Sonstiges

Rezension:

Die Welt von Shannara hat sich gewandelt, und auch wenn die Föderation einiges von ihrer Macht verloren hat, stellt diese immer noch eine große Bedrohung für die vier Länder dar. Um deren Macht weiter zu stärken, versucht Walker Boh den Rat der Druiden wiederzubeleben. Seine Reise führt in quer durch Shannara, wo er auch auf eine mächtige Hexe trifft..

Mit „Die Elfenhexe“ hat Terry Brooks den ersten Teil einer neuen Trilogie um seine fantastische Welt Shannara geschrieben, der im Zuge der Neuveröffentlichung nun wieder als E-Book erhältlich ist. Dabei greift er zwar die Ereignisse aus den vorigen Bänden auf, lässt die Grundsätze aber immer weiter entwickeln und stellt seine Protagonisten so wieder in einem anderen Kontext dar. Und dabei fließen auch gänzlich andere Elemente in die Geschichte mit ein, die eher schon dem Genre Science Fiction zuzuordnen sind. Diese sehr gelungene Kombination bringt eine reizvolle Grundstimmung mit sich, erhält aber dennoch die Grundzüge der Vorgängerromane – eine gelungene Weiterentwicklung. Die Handlung kommt hier etwas schwerfällig in Gang, zunächst werden viele Informationen geliefert, anstatt sie im Laufe der Zeit mit einfließen zu lassen. Doch später ist das Tempo dann deutlich höher, und Brooks zaubert wieder mit Worten, lässt die Szenen sehr lebendig wirken und immer ein intensives Bild vor dem inneren Auge seiner Leser entstehen. Und so werden auch die Charaktere sehr eingängig beschrieben, jeder ist mit einem eigenen Hintergrund und individuellen Eigenschaften versehen. Und so steigert sich die Stimmung gemeinsam mit der Handlung und verdichtet sich immer weiter – nur um am Höhepunkt aufzuhören. Das kommt etwas abrupt, steigert aber natürlich die Lust auf den zweiten Band der Trilogie.

Auch wenn hier das Tempo zunächst nur langsam in Gang kommt und am Anfang viele Informationen in langen Passagen gegeben werden, steigert sich die Handlung immer weiter. Die zahlreichen neuen Elemente sind neuartig, fügen sich aber gelungen in die Welt von Shannara ein und sorgen so für eine unterhaltsame und spannende Handlung.

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Die Verschwörung der Druiden

Terry Brooks
Flexibler Einband: 467 Seiten
Erschienen bei Blanvalet Taschenbuch Verlag, 10.07.2006
ISBN 9783442243891
Genre: Fantasy

Rezension:

Pen hat es tatsächlich geschafft und konnte sich mit Hilfe des Dunkelstabes von dem Baum Tanequil befreien. Nun gilt es für ihn, zurück nach Paranor zu gelangen, um seine Tante, der Vorsitzenden des Rates der Magier, zu befreien. Doch die Reise ist wieder äußerst gefährlich, und die Heimkehr des jungen Mannes äußerst ungewiss...

Mit „Die Verschwörung der Druiden“ schließt Terry Brooks eine weitere Trilogie aus seiner Shannara-Reihe ab, die auch wegen der aufwändigen Serienverfilmung in letzter Zeit wieder viel Populaität hinzugewonnen hat. „Die Magier von Shannara“ gewinnt mit diesem Band noch einige neue Aspekte hinzu, konzentriert sich aber insbesondere auf die durchaus diffizile Gefühlswelt der Charaktere. Da wird gehardert, gegrübelt und gezweifelt, was zwar manchmal das Tempo aus der Geschichte nimmt, aber dafür für eine sehr düstere Grundstimmung sorgt. Auch der abenteuerliche Charakter kommt hier zur Geltung, denn Pens Reise nach Paranor sorgt für einige Widrigkeiten, während Fallen gestellt und Intrigen gesponnen werden. Das alles gipfelt in einem brisanten Finale, das anders ausfällt als ich es anfangs gedacht hätte, mir aber äußerst gut gefallen hat und die Welt von Shannara in einem anderen Zustand zurücklässt als zu Beginn der Trilogie. Ein äußerst reizvolles Nachspiel bringt dann nochmal einen unerwarteten Dreh in die Handlung, und hier findet Brooks endgültig zu alter Stärke zurück. Es ist kein Buch voller actiongeladener Schlachten oder dramatischen Wendungen, sondern eher ruhig erzählt, wobei die düstere Seite der Welt sehr gut zur Geltung kommt. Und es ist der stärkste Teil der Trilogie, doch auch hier fehlt mir der letzte Funke zur absoluten Begeisterung.

Ein gekonnter Abschluss der Trilogie, die noch einmal ordentlich aufdreht und viele neue Facetten mit einbringt – gerade das Finale ist sehr lebendig geschrieben. Dabei legt er besonderen Wert aud die Gefühlswelt seiner Charaktere und lässt eine sehr düstere und bedrohliche Grundstimmung aufkommen. Ein starker Abschluss der Trilogie, besonders da nach dem Finale noch ein interessanter Abschluss nachgeschaltet wurde.

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Der Baum der Talismane

Terry Brooks , Andreas Helweg
Flexibler Einband: 411 Seiten
Erschienen bei Blanvalet Taschenbuch Verlag, 09.05.2005
ISBN 9783442243419
Genre: Fantasy

Rezension:

Grianne Ohmsford ist in ein dunkles Dämonenreich verbannt worden und muss dort um ihr Leben kämpfen. Denn ein abtrünniger Druide versucht, die Macht in Shannara an sich zu reißen. Alle Hoffnung ruht nun auf Griannes Neffen Pen, denn nur er kann den Talisman aus einem geheimnisvollen Baum schnitzen. Doch der Weg dorthin ist äußerst beschwerlich...

Terry Brooks, einer der Altmeister des phantastischen Literatur, ist insbesondere durch seine vielen Romane der postapokalyptischen Welt Shannara bekannt geworden, zahlreiche Bände sind bisher erschienen. Mit „Der Baum der Talismane“ setzt er dabei die Handlung um „Die Magier von Shannara“ fort und behält dabei das Grundmuster bei – es ist ein „klassischer“ Reise-Fanatasy-Roman geworden, der einige bereits bekannte Aspekte beinhaltet und nur wenige Überraschungen bietet. Dennoch ist auch dieser Band sehr spannend gelungen, denn die Welt von Shannara ist hier wesentlich düsterer und bedrohlicher geraten, das Kontrukt der vier Länder droht durch immer größer werdende Spannungen zu zerspringen, und auch Griannes Kampf in der Dämonenwelt ist äußerst bedrohlich und dramatisch gelungen. Im Mittelteil geht der Spannung zwar etwas die Puste aus, doch im weiteren Verlauf fängt sich der Roman wieder und startet mit mehr Schwung neu durch. Dabei werden unmerklich die Figuren in Position für ein spektakuläres Finale gebracht, wie es so oft bei dem zweiten Teil einer Trilogie ist, doch dies geschieht eher hintergründig und stört nicht den Lesefluss.

Ein sehr atmosphärischer Roman voller starker Bilder und Motive, und auch die Charaktere sind sehr präsent geschildert. Die Handlung sackt im Mittelteil etwas ab, fängt sich aber später wieder, sodass insgesamt eine spannende und dichte Geschichte entstanden ist, die noch mehr Facetten von Brooks Welt präsentiert.

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22 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

zyklus, shannara, fantasy

Das verbannte Volk

Terry Brooks , Andreas Helweg
Flexibler Einband: 383 Seiten
Erschienen bei Blanvalet Taschenbuch Verlag, 01.01.2004
ISBN 9783442241804
Genre: Fantasy

Rezension:

Das Komzil der Zauberer sollte Frieden und Wohlstand bringen, ist aber im Inneren sehr zerstritten. Dies bekommt auch Grianne Ohmsford zu spüren, die an der Spitze des Konzils steht und sich den Attacken ihrer Gegenspieler aussetzen muss. Und tatsächlich haben diese bald Erfolg, denn die Magierin ist plötzlich verschwunden...

Mit „Die Magier von Shannara“ hat Terry Brooks eine neue Trilogie in der Shannara-Serie gestartet, die einige Jahre später angesiedelt ist und wieder einen neuen Aspekt seiner komplexen Welt offenbart. Doch dabei scheint es so, dass er eher einen Schritt zurück macht: Während in der Vorgängertrilogie viele Science Fiction-Elemente eingebaut waren, ist hier wieder mehr klassische Fantasy zu lesen, in der sch eine Gruppe tapferer Gefährten auf die Suche macht, lange durch das Land streift und dabei verschiedene Gefahren bewältigen muss. Große Neuerungen darf man dabei nicht erwarten, und so gestaltet sich die Handlung auch über weite Teile als recht vorhersehbar. Viele Handlungsmuster sind einfach schon aus früheren Bänden bekannt. Doch Terry Brooks versteht es, dies dennoch sehr lebendig und spannend zu gestalten, und das liegt an seinem vorzüglichen Schreibstil. Er lässt jede Szene sehr intensiv wirken und schafft eine bedrohliche, düstere Stimmung, die sich sofort auf den Leser überträgt. Besonders in den dramatischeren Szenen zieht er das Tempo an und schafft eine fesselnde Atmosphäre. Und auch die Charaktere tragen wieder ihren Teil zum Gelingen bei, kantig und präsent erhält jeder sein ganz eigenes Portrait.

Dichte Atmosphäre, eine fantastische Welt, eindringliche, teilweise poetische Wortwahl, Terry Brooks spielt wieder seine Stärken aus, wird in der Handlung aber auch deutlich vorhersehbarer. Insgesamt ist so ein solider Roman und ein stimmiger Auftakt in eine neue Trilogie gelungen.

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18 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

ermittlungen, krimi, bloggerin, journalistin, stockholm

Stockholm Secrets

Hanna Lindberg , Maike Dörries
Flexibler Einband: 420 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 19.12.2016
ISBN 9783442484980
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Solveig Berg, eine aufstrebende schwedische Journalistin, ist durch einen Fehler in einem ihrer Artikel wieder ganz unten angekommen, ihr bisher erarbeiteter Status in der Medienwelt hat sich in Wohlgefallen aufgelöst. Sie beschließt, auf eigene Faust wieder an alte Erfolge anzuknüpfen und beginnt, einen eigenen Internet-Blog über die Stockholmer High Society zu schreiben. Doch als eine junge Frau tot in einem Hafenbecken aufgefunden wird, ist Solveigs Spürsinn geweckt...

Skandinavische Krimis haben ja hierzulande ihren festen Ruf: Düster, melancholisch und mit einem recht verstörten Kommissar. Hanna Lindberg könnte wegen ihres Namens und dem Titel ihres Erstlings „Stockholm Secrets“ also durchaus Assoziationen wecken, die sich nicht mit ihrem sehr modernen und kantigen Roman in Einklang bringen lassen. Hauptfigur Solveig ist eine ziemlich toughe Frau, mutig und selbstbewusst, was dann auch die Stimmung des Romans beeinflusst und die Richtung vorgibt. Und auch das Umfeld ist die glitzernde Modewelt – was den Mord nur umso schockierender macht. Immer tiefer taucht man mit Solveig in die finsteren Geheimnisse ein und lernt dabei eine ganz neue Seite der sonst so heilen Welt kennen.

Das geschieht sehr temporeich und mit vielen Wendungen, dazu auch vielen Cliffhangern am Ende der Kapitel. Ihr Schreibstil ist sehr flüssig und punktiert, die Charaktere einprägsam und markant. Mir gefällt, wie sich die Handlung immer weiter konzentriert und langsam an die Essenz des Falles dringt, wie kleine Umwege geschlagen werden, die den Leser dann doch weiter zum Ziel führen. Das Finale ist dann so packend und dramatisch geschrieben, der Fall wird in sich logisch aufgelöst, und fast ist man ein wenig wehmütig, dass das Buch nach kurzweiligen 400 Seiten schon wieder vorbei ist.

Der erste Fall von Solveig Verg hat mich voll gepackt, die wendungsreiche und spannende Story hat mich schnell in ihren Bann gezogen. Fernab von den melancholisch anmutenden Kollegen verfasst sie ihren „Schwedenkrimi“ äußerst modern und lebendig, aber nicht minder trickreich oder durchdacht. Ein sehr starkes Debut, dass auf viele weitere Fälle für die Journalistin hoffen lässt.

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187 Bibliotheken, 3 Leser, 4 Gruppen, 19 Rezensionen

kai meyer, prag, unsterblichkeit, aura, fantasy

Die Gebannte

Kai Meyer
Flexibler Einband: 446 Seiten
Erschienen bei Heyne HC, 19.03.2012
ISBN 9783453268098
Genre: Fantasy

Rezension:

Zwar hat sich ihre große Liebe Gillian noch weiter von Aura Institoris entfernt, doch als sie erfährt, dass dieser in einer Irrenanstalt gefangen gehalten und gequält wird, macht sich die Unsterbliche gemeinsam mit ihrem gemeinsamen Sohn Gian sofort auf, um ihn zu retten. Doch sie muss auch die Hintergründe der Entführung aufdecken – ein Weg, der sie unweigerlich nach Prag führt...

Seine beiden Romane um die Alchimistin Aura Institoris lagen bereits einige Jahre zurück, dennoch hat sich Kai Meyer dazu entschlossen, einen weiteren Band zu schreiben. Herausgekommen ist „Die Gebannte“, und schon nach wenigen Seiten ist man wieder völlig in der ebenso geheimnisvollen wie düsteren Atmosphäre gefangen, wird in die Weltd er Alchemie hereingezogen und fiebert mit Aura mit, die wieder mit ihren Ecken und Kanten der eindringlich beschrieben ist. Alles beim alten, könnte man meinen, zumal sich die Situation zwischen ihr und ihrer Familie zunächst nicht sonderlich anders darstellt als zu Beginn des zweiten Bandes. Und dennoch hat Meyer hier eine gänzlich eigenständige Handlung erschaffen, führt diese über andere Stimmungen zum Ziel, lässt neue Figuren ebenso auftauchen wie alte Bekannte, die sich jedoch in einem anderen Kontext positionieren. Das ist so spannend geschrieben wie die vorigen Bände und begeistert mich mit seinen Wendungen, auch das Leitmotiv präsentiert sich erneut sehr stark.

Und dann ist da natürlich noch Aura, weiter als starke Frau dargestellt, die zwar ihre Ziele erreicht hat, aber dadurch vieles verloren hat, die Gutes schaffen wollte und doch so viel Leid verursacht hat – auch für sich selbst. Doch sie tritt hier keineswegs auf der Stelle, entwickelt sich weiter und zeigt neue Facetten von sich. Gepaart mit der sehr intensiven Atmosphäre wird daraus ein sehr starker Ausdruck. Insbesondere gilt dies für die Szenen in Prag, die Stadt entsteht unweigerlich vor dem inneren Auge des Lesers, mysteriös und eingängig.

„Die Gebannte“ entfaltet den vollen Reiz dabei natürlich, sofern man die Ereignisse der beiden Vorgänger noch kennt. Und dann ist es sehr faszinierend, wie Meyer sowohl die Stimmung der beiden Vorgänger aufgreift, aber wieder ganz neue Elemente hinzufügt und neue Szenarien hinaufbeschwört, die Handlung konsequent weiterentwickelt. Das ist äußerst spannend geworden und sehr lesenswert!

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37 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

alchemie, unsterblichkeit, 19.jahrhundert, urban fantasy, fantasy

Die Unsterbliche - Die Alchimistin II

Kai Meyer
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Heyne, 14.12.2015
ISBN 9783453419056
Genre: Fantasy

Rezension:

Aura Institoris hat zwar ihr Ziel erreicht und die Unsterblichkeit erlangt - doch was nützt ihr ewiges Leben, wenn sich ihre große Liebe Gillian genau deswegen von ihr abwendet? Und so macht sich Aura auf die Suche nach dem Verbum Dismissum, einem schöpferischen Wort, von dem sie hofft, ihre Liebe retten zu können. Doch diese Suche führt sie quer durch Europa an geheimnisvolle Plätze, und bald muss sie sich wieder ihrer Feinde erwehren...

„Die Alchimistin“ war der große Durchbruch für Kai Meyer als Autor der deutschen Phantastik, und da sowohl in der wunderbaren Rolle der Hauptfigur Aura als auch in der düsteren Szenerie noch jede Menge Potenzial steckte, hat Meyer eine Fortsetzung namens „Die Unsterbliche“ verfasst. Der Roman setzt nicht nahtlos an den Vorgänger an, zwischen den beiden Bänden gab es einige Ereignisse, die hier im Laufe der Zeit aufgearbeitet werden. So ist es kein klassischer Mehrteiler, dennoch sollte man den ersten Band schon kennen, um alle Hintergründe zu begreifen, denn nur so entfaltet sich der volle Reiz der Handlung. Auch hier ist wieder diese sehr düstere, magisch angehauchte Welt, die Mayer aus Worten erschafft, faszinierend und eindringlich zugleich, eine der großen Stärken des Romans. So wird jede Szene zu etwas Besonderem, hat ihren eigenen Ausdruck und ihren wichtigen Platz im Gefüge der Handlung.

Beeindruckend ist auch wieder die Charaktergestaltung, allen voran natürlich Aura. Sie hat sich über die Jahre, die im Buch vergangen sind, zu einer harten, beinahe verhärmten Frau entwickelt, doch ihre Wandlung ist hier noch lange nicht abgeschlossen – es ist sehr schön, sie weiter auf ihrem Weg begeleiten zu dürfen. Und auch die anderen Charaktere sind sehr schlau inszeniert und offenbaren erst im Laufe des Romans, was alles in ihnen steckt. So wandelt sich die eine oder andere vermeintlich etwas blass gezeichnete Nebenrolle zu einem sehr reizvollen Element der Geschichte, sodass man fast versucht ist, nochmal ein paar Seiten zurückzublättern und gewisse Anzeichen zu entdecken – und diese gibt es tatsächlich. Sehr geschickt geschrieben!

Und nicht zuletzt ist „Die Unsterbliche“ sehr spannend. Eine enttäuschte Liebe, die Suche nach einem mysteriösen Wort, bei dem merkwürdige Symbole auftauchen, eine Hetzjagd durch Europa, Vertraute, die sich plötzlich gegen einen Stellen, dazu eine Vielzahl magischer und alchemistischer Anmerkungen – eine sehr gelungene und atmosphärisch dichte Handlung, die mich völlig in ihren Bann ziehen konnte.

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